Die Caltroper Zeuung ericheint läglich mit Gusochme der Soon= u. Feierlags und koltet durch die Bolen frel ins Haus gebrocht 50 Pig. pro(onat.(lit Bllulr. Blätter Es Pig. 22, Expecluon uncd Zeiotlov: Mönterlrobe 24. Celsfon 6. Celeion 6. (Castroper Anzeiger.) Amtliches Organ für den Lanagerichtsbezirk Dortmuna. Tnlerlonsgebühren pro Pellaelle oder deren Raum 13 Plg. Reklamen pro Zaile 30 Pig., Bel. gröberen Volercsen Rabatt. Größere Splerdle werden bis miltogs, kleinere bis 4 Uhr nächmilgs vor Husgabe der Zelung erbeien. 28. Drnch und serlag: Gacholster Schalls u Castog. Rimtliches Organ für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Fur die Redchlen varanwerich: B. Bosat ir. Gashren. Amtliches Organ für die Stadt Lastrop sowie Amtliches Organ für die Remter Kauzel, Mengede und Bladenhorst. Verbunden mit„Deueste Hachrichten“, amliches Organ für das Hmt Rausel,„Volks-Zeitung“, Organ für Sodingen, und„Bladenborster Togeblatt“.Alle amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Lastrop, der Remter Kauzxel, Mengede und Bladenhorst erlangen nach Versttentlichung in obigen Blättern rechtsverbindliche Kraft, Nr. 141. Castrop, Montag, den 22. Juni 1914. 40. Jahrg. Der griechisch=türkische Konflikt. Ein neuer Krieg? Griechenland scheint die Absicht zu haben, mit Schärfe und Beschleunigung gegen die Türkei vorzugehen. Es will nicht darauf warten, bis die türkische Flotte durch die beiden Dreadnoughts verstärkt wird und die Ueberlegenheit zur See ihr zufällt. Deswegen hat die griechische Kammer der Regierung mit auffallender Eile Kredite bewilligt; die griechischen Schiffe verlassen die türkischen Häfen, und die Pforte anderseits hat die Einberufung mehrerer Jahrgänge der Reserve angeordnet. Ja, wir verzeichnen auch das gänzlich unbestätigte Gerücht, daß über die meisten Hafenorte und über die Dardanellen der Belagerungszustand verkündet worden sei. Dennoch geht es uns noch immer nicht in den Kopf hinein, daß jetzt der blutige Tanz von neuem beginnen soll, und daß die Erinnyen des Balkans wieder nach kurzem Schlaf ihre Schlangenhaare schütteln sollen. Die Sorge um die benachbarten Glaubensgenossen beschäftigt wohl Rußland so sehr, daß vielleicht die ganze Tripelentente und mit ihr das von Sorgen gemarterte Europa nicht imstande ist, sich zu einer kraftvollen Gebärde aufzuschwingen, um das Blutvergießen zu verhindern. Der rumänische Minister des Aeußern meinte, die Entente Rumäniens mit Rußland sichere Europa die Ruhe im Südosten. Leider haben wir von Ruhe oder auch nur von Beruhigung nach dieser Zusammenkunft nichts gehört, und das Verhältnis der Balkanstaaten zueinander ist unheimlicher und bedenklicher denn je. Es sind wichtige Entscheidungen welche gegenwärtig in Athen zu fällen sind. Ein Krieg i merm großes Wagesta“, Erche tet immer bis zu einem gewissen Grade ein Vabanquespiel, und in diesem Fall würoen beide Staaten nur verlieren, denn ihre Entwicklung wäre wieder einmal abgerissen, ihre Finanzen müßten schließlich versagen, und der Krieg müßte nach und nach heinahe den Charakter einer tapfer durchgeführten Spielerei erhalten. Wer jedoch an bulgarisches Gebiet rührt, der rührt zugleich an den gerade bei der Entrevue von Constantza begeistert gefeierten und in den Trinksprüchen der Herrscher gerühmten Bukarester Frieden. Davor werden sich wohl beide Staaten hüten, weil sonst das Gleichgewicht auf dem Balkan, über welches so viel gesprochen wurde, vernichtet wäre und weil auch in Bulgarien ein stürmisches, leidenschaftliches Volk lebt, das einen Durchzug fremder Truppen durch sein Gebiet wie die bitterste Schmach empfinden würde. Aber noch einmal soll es gesagt werden: Die Möglichkeit dieses Waffenganges ist geradezu phantastisch und im Innersten unglaublich. Alle Balkanstaaten müssen sich von den Wunden, die sie empfangen haben, erholen. Die große Geldquelle Frankreich versagt gegenwärtig, und überall muß die Ueberzeugung herrschen, der Friede sei eine unbedingte Notwendigkeit. Vier Kriege innerhalb von zwei Jahren, das übersteigt selbst die Kraft des Stärksten, und ehe es nicht geschehen ist, können wir nicht daran glauben. Oesterreichischer Botschafterwechsel in Berlin. Der österreichisch=ungarische Botschafter in Berlin, welcher beabsichtigt, in Kürze in den Ruhestand zu treten, wird nach einer hiesigen Zeitungsmeldung durch den Prinzen Gottfried von Hohenlohe=Schillingsfürst, der mit einer Tochter des Erzherzogs Friedrich verheiratet ist, ersetzt werden. Ausdehnung des Kinderprivilegs. Die Abgeordnetenhauskommission für das Kommunalbagabengesetz nahm bei§ 38(Veranlagung der Personen mit weniger als 900 Mark Einkommen) einen Zentrumsantrag an, der eine Ausdehnung des Kinderprivilegs auch auf die Gemeindebesteuerung dieser Zensiten vorsieht. Versetzung in höhere Ortsklassen für Wohnungsgeld=Zuschuß. Der Bundesrat beschloß am 18. Juni eine Reihe von Städten mit Wirkung vom 1. Oktober 1914 ab in höhere Ortsklassen für Wohnungsgeldzuschuß zu versetzen. Insbesondere werden kommen: nach Klasse a. Altona, Berlin=Lichtenberg, Berlin=Schmargendorf. Dresden, Hamburg, Leipzig, Manheim, Zehlendorf, nach Klasse b. Barmen, Coblenz, Darmstadt, Diedenhofen, Ehrenbreitstein, Elberfeld, Elster, Helgoland, Homburg v. d.., Kronberg, Nürnberg, Rüstringen und Wandsbeck. Ausland. Frankreich. „Vive'empereur!“ in der französischen Kammer. Als kürzlich ein deutscher sozialdemokratischer Abgeordneter eine Parlamentsrede mit den Worten„Vive la France“ schloß, erregte dies in weiten Kreisen Aufsehen. Vielfach wurde behauptet, ein ähnlicher Fall könne in Frankreich nicht vorkommen. Jetzt hat sich doch etwas derartiges in der französischen Kammer zugetragen. Paris, 19. Juni. Als in der Kammer bei der Debatte über den Anleihegesetzentwurf der Sozialist Bedouch unter Hinweis auf das Beispiel Deutschlands für eine Wehrsteuer eintrat, rief der bonapartistische Deputierte Lasies:„In Deutschland gibt es eben eine Regierung, in Frankreich nicht!"(Lebhafte Protestrufe.) Ein sozialistischer Deputierter rief dabei ironisch: Vive'emperen! England. Die Ulsterleute bewaffnen sich. London, 20. Juni. Die britischen Kriegsschiffe im Kanal haben den Befehl erhalten, sämtliche Schiffe, die sich der irischen Küste nähern, einer Durchsuchung zu unterziehen. Die Regierung hat die Nachricht bekommen, daß eine Anzahl Schnellfeuergeschütze nach Irland gebracht werden sollen. Suffragetten=Führerin und Premierminister. London, 19. Juni. Miß Sylvia Pankhurst wird am Freitag mit einer Deputation der arbeitenden Frauen aus dem Osten Londons vom Premierminister Asquith empfanggen werden. Wilden— Rolten— Elberfeld, 19. Juni. Im Prozeß gegen Brunhilde Wilden und Dr. Nolten wurde heute vormittag in der Beweisaufnahme fortgefahren, nachdem auf Antrag der Verteidigung die Ladung eines weiteren Zeugen beschlossen worden war. Zeuge Maler Müller lernte Fräulein Wilden und ihren Vater im Jahre 1912 kennen. Das Mädchen machte auf ihn zu gewissen Zeiten einen visionären Eindruck. Ferner gewann der Zeuge den Eindruck, als ob die Angeklagte übertreibe. Als sie ihm ihr Verhältnis zu Nettelbeck anvertraut habe, sagte sie das mit der Bitte, er(der Zeuge), möge doch dafür sorgen, daß Nettelbeck sie vor dem Ehrengericht in Schutz nehme. Fräulein Wilden äußerte um jene Zeit auch Selbstmordgedanken. Ferner äußerte sie sich über ihre Verlobungsgeschichte, die könne noch einmal ein böses Ende nehmen. Zeuge hat früher erklärt, daß die Wilden ihm gesagt habe, Nettelbeck sei ein Lump, sie wolle sich töten; denn dann sei er bestraft durch das Gefühl, daß er die Schuld an ihrem Tode habe. Auf Veranlassung der Wilden trat dann der Zeuge persönlich mit Nettelbeck in Verbindung, um ihn zu bitten, dafür zu sorgen, daß ein Skandal vermieden würde. Der Assessor aber habe erklärt, er könne sich nicht entschließen, der Wilden zu Liebe sein Ehrenwort zu brechen. Auch auf Dr. Nolten versuchte der Zeuge einzuwirken, in der Angelegenheit einen versöhnlichen Standpunkt einzunehmen. Der Zeuge besitzt einen Revolver, den er Fräulein Wilden gelegentlich zeigte. Sie zeigte aber nicht viel Interesse ste us aun al e es ete boe der Wilden dem Zeugen mit, er befürchte, daß es zwischen seiner Tochter und dem Assessor Nettelbeck zu einem schlimmen Zusammentreffen gekommen sei, denn sie habe geblutet. Es sei am besten, das Mädchen über die Grenze zu bringen, der Zeuge möge dazu seinen Kraftwagen zur Verfügung stellen. Man beschloß aber dann, mit Fräulein Wilden sofort nach Elberfeld zu fahren, damit sie sich der Staatsanwaltschaft stelle. Auf der Fahrt machte die Angeklagte Aeußerungen über die Tat. Nettelbeck habe anstatt sie zu trösten, zu ihr gesagt,„ein solches Frauenzimmer heiratet man doch nicht": Darüber sei sie in eine solche Wut geraten, daß ihr der Schaum vor den Mund getreten sei. Es sei darauf zu einem Ringen gekommen, gleich darauf habe es geknallt, und im nächsten Augenblick noch einmal. Eine Ohnmacht habe sie umfangen, sie habe sich aber wieder aufgerafft und sei fortgelaufen. Vorsitzender: Fräulein Wilden, Sie selbst haben jungen Leuten von ihrem Verhältnis zu dem Assessor erzählt, dann scheinen Sie das ganze Gerede selbst verschuldet zu haben. Die Angeklagte stellt dies nicht direkt in Abrede. Sie habe aber doch jemand haben müssen, der für sie handele, sie hätte das doch nicht selbst tun können. Die Nachricht von dem Tode Nettelbecks habe auf ihren Vater einen sehr niederschmetternden Eindruck gemacht. In der weiteren Zeugenvernehmung sagt Kaufmann Lunkenheimer aus Düsseldorf aus, er kenne die Angeklagte schon lange Jahre, da er geschäftlich mit dem Vater zu tun hatte. Er hat Brunhilde. Wilden immer für ein„liebes Mädek“ gehalten. Dr. Nettelbeck habe wiederholt bei ihm(Zeugen) telephonisch angerufen, um Bestellungen an die Wilden weiterzugeben. Da. bei habe sich der Zeuge wohl gefragt, was Dr. Nettelbeck denn noch von dem Mädel, das doch nun verlobt sei, wolle. Die Angeklagte hat nach der Tat bei dem Zeugen übernachtet. Als der Vater die Tochter zu ihm brachte, habe sie„ein Loch“ in der Lippe gehabt, es könne aber auch möglich sein, daß es eine Wunde von ovaler Form gewesen sei. Vom Hut sei eine Feder abgerissen gewesen, und die Wilden habe über Schmerzen im Arm geklagt. Hierauf wird die Aussage der kommissarisch vernommenen Frau Dr. Springmann=Elberfeld verlesen. Diese hat ausgesagt, daß Dr. Nettelbeck, ihr Bruder, eine Anzahl von Photographien der Wilden hatte und einige bei sich trug. Ihrem Bruder zu Liebe habe sie auch die Wilden wiederholt eingeladen, diese habe aber den Einladungen nach Elberfeld keine Folge geleistet. Die Einladungen durch die Zeugin sei geschehen, weil Dr. Nettelbeck ihr gesagt habe, Frau Wilden sei mit ihrer Tochter sehr streng, und da habe sie, Zeugin, gedacht, wenn Roman von O. Elster. 21 „Manso ist klug und vorsichtig,“ entgegnete die Alte.„Er kennt alle Schleichwege des Gebirges. Heute früh ist er mit dem Mauktier zur Stadt gegitten, vor Mittag kann er nicht zurück sein.“ Wieder eine Pause, in der man nur das leichte Geräusch der langen Hätelnadeln der beiden Frauen hört. „Ich wollte, Manso wäre erst wieder zurück,“ seufzte Mannela. „Weshalb? Bist Du auf einmal so furchtsam?“ „Ich fürchte mich nicht,“ entgegnete das Mädchen stolz.„Aber ich fürchte für Euch, Mutter. Denn als ich vorhin im Walde war, sah ich französische Soldaten in der Ferne.“ „Sie werden unsere Mühle nicht finden. Wenn sie aber kommen, dann könnte auch Dein Bruder nichts nützen. Wir müssen sie verpflegen, dann ziehen sie weiter.“ „Wenn sie mit Manso zusammentreffen, gibt es ein Unglück. Er haßt die Franzosen, wie ich sie hasse." setzte sie leidenschaftlich hinzu. „Wir stehen in Gottes und der heiligen Jungfrau Schutz— Amen.“ Die alte Frau bekreuzigte sich und auch Manuela senkte andächtig das schöne Haupt. Plötzlich schrak sie zusammen und sprang empor. „Mutter, siehst Du dort im Walde die Soldauen „Törichtes Kind, wie sollten die Soldaten hier; h e r k o m m e n?“ „Sieh nur, Mutter, ihre Waffen blitzen in der Sonne.— Ah, da sind sie!“ Die Alte war jetzt auch emporgesprungen. Eine Patrouille von französischen Soldaten schlich sich am Waldesrand entlang. Jetzt blieben sie stehen. Einer wies nach der Mühle hinüber— vorsichtig blickten sie sich um, dann eilten sie auf das einsame, kleine Gehöft ou. Die beiden Frauen stürzten in das Haus. „Vater, die Franzosen!“ riefen sie angstvoll, daß der alte Peter eilig herbeihumpelte. „Schreit nur nicht so, ich werde mit den Soldaten sprechen; sie werden Trinken und Essen verlangen, holt Wein und Brot aus dem Keller.“ Damit trat er vor die Haustür, aber im nächsten Augenblick fühlte er sich vor die Brust gepackt und an die Wand gepreßt. „Bei allen Heiligen, wollt Ihr mich ermorden?“ keuchte der Alte. „Dein Geld her, Bursche— oder Du bist des Todes!“ rief einer der Marodeure in spanischer Sprache und schüttelte den alten Mann gewaltsam. „Ich bin ein arlner Mann, Sennor." „Pah, das kennen wir. Wo hast Du Deine Dublonen versteckt?“ „Ich besitze nichts.“ „Halunke!“ Ein Soldat versetzte ihm einen heftigen Schlag mit dem Gewehrkolben, daß der Alte zu Boden stürzte. Aufschreiend eilten die beiden Frauen herbei. „Hallo,“ lachten die Soldaten,„da haben wir ja schöne Beute!— Bindet die alte Hexe— die junge soll uns ins Haus führen und dort wollen wir ein Wörtchen mit ihr sprechen.— Komm her, mein süßer Schatz!“ Der Unteroffizier ergriff Manuela und wollte sie in das Haus schleppen. Sie sträubte sich heftig, ihr Hilferuf schallte weit in den Wald hinaus— der Geier oben am wolkenlosen Himmel stieß einen gellenden Pfiff aus und stürzte wie ein Pfeil nieder in eine Waldschlucht, sich bald darauf mit seiner Beute in den Krallen wieder erhebend und dem heimatlichen Felsenhorste zueilend. „Hilfe! Hilfe— Manso!“ gellte der Ruf des Mädchens, das sich in den Armen des Räubers wand. Da tönt ein Schrei aus dem nahen Walde. Ein kräftiger, dunkeläugiger Bursche von einigen zwanzig Jahren, in der Tracht der spanischen Landleute, springt mit einem mächtigen Satz über den Zann, der das Gehöft einschließt, ergreift eine Eisenstange, die auf dem Hofe liegt, und schmettert den ehrlosen Räuber nzit einem gewaltigen Schlage nieder. Noch ehe sich die Marodeure von ihrer Ueberraschung erholen, liegt auch der zweite erschlagen auf der Erde, der dritte fällt ebenfalls, erschreckt läßt der vierte seine Waffe sinken und flieht davon. Hochaufatmend, glühend von der Aufregung des Kampfes, steht Manso da, seine Schwester wirft sich ihm weinend an die Brust und auch die beiden Alten erholen sich nach und nach von der ausgestandenen Angst und dem Schrecken. „Wenn ich den letzten der Schurken doch auch erschlagen hätte,“ sagte Manso, sich straff emporrichtend.„Jetzt wird er uns die ganze Kompagnie auf den Hals hetzen, die jenseits des Waldes lagert.“ „Hätte ich einen Dolch gehabt, ich hätte mich selbst beschützt,“ sprach Mannela, mit finsterem Blick die blutigen Leichen der Erschlagenen betrach„Was sollen wir aber jetzt beginnen?“ jammert die Alte.„Die Soldaten werden gewiß zurückkommen.“ „Du hast recht, Alte,“ entgegnete Pedro.„Wir müssen fliehen. Aber wohin?— Ichweiß jetzt keineu anderen Platz in ganz Spanien.“ „Ich wüßte schon einen,“ entgeguete Manso finster.„Und dorthin werde ich Euch führen.“ „Du meinst die Rebellen?“ tapferen, spanischen Brüder nicht Rebellen, Vater!“ fuhr Manso heftig auf.„Sie kämpfen für Spaniens Recht und Freiheit.“ „Ja, ja. Du hast recht, aber wie kommen wir zu ihnen? Die ganze Gegend ist voller Soldaten.“ „Jenseits des Gebirges lagert ein Streifkorps der Engländer. Zu ihnen führe ich Euch aufSchleichwegen durch den Wald. Aber rasch müssen wir handeln! Packt das Notwendigste zusammen. Mein Maultier steht im Walde. Ich hole es herbei.“ „Und unsere teuere Heimat sollen wir verlassen*“ sagte die Mutter wehmütig, mit Tränen in den Augen. „Es geht nicht anders, Mutter. Macht rasch!“ „Sie werden das Haus in Brand stecken, wenn sie uns nicht finden.“ „Ja, das werden siel Aber siesollen nichts mehr zu rauben und zu plündern vorfinden.“ Der junge, leidenschaftliche Mann streckte drohend die Faust empor und wollte in das Haus ellen. wollte in das Ha Du beginnen, Manso?“ a. Plitz,eigeler Haud, den Feuerbrand in das Haus schleudern.“ „Manso— Manso!“ Aber dieser hörte nicht mehr, er war in dem Hause verschwunden, riß ein brennendes Scheit aus dem Herdfeuer und schleudete es in das Heu und Stroh, welches auf dem offenen Boden des Hauses lag. Prasselnd schlugen nach wenigen Minuten die Flammen empor. Da ertönte ein Hornsignal vom Walde her, fiel ein Schuß und mehrere französische Soldaten eilten auf die einsame Mühle zu. „— 2a, sind sie schon, die schnelfüßigen Schursangenste Mauso, gaber site solenmich nicht lebend Er raffte das Gewehr eines der erschlagenen Franzosen auf.„Vater,“ rief er dem Alten zu,„Ihr ein Gepebe au uoch eine Büchse abseuern, nehuz Die Leidenschaft des Sohnes steckte den Alten Lan Habote, Leweher aufund shwang es über „Bei dem heiligen Petrus, meinem Schutzvatron, die sollen mich kennen lernen. In meiner Zugend war ich der beste Schütze im Dorfe, Hussah, da kommt solch eine Rothose mir gerade recht.“ muschre,S chuß des Alten krachte, und mit lautem Ostser zusamment d Aotelung voraufelende Relchen e elice eceice cescheice kletterte er den Felsen hinauf und und Schwester nach sich. Als letzter folgte der Alte, die rauchende Büchse in der Hand und beladen mit den Patronen derersch ncenen Soldaten, die Einladungen von ihr ausgingen, werde Frau Wilden ihrer Tochter eher erlauben, nach Elberfeld zu fahren. Dr. Nettelbeck habe die Wilden gern gehabt, jedoch sei die Neigung nicht tiefer gewesen. Er habe auch geäußert, die Wilden loge das Blaue vom Himmel herunter. Ihr Bruder habe anscheinend unter dem Banne der Angeklagten gestanden. Es wird dann ein Brief der Zeugin an die Wilden verlesen, der beginnt: „Liebe Hilde, wir erwarten dich bestimmt diese Woche, am liebsten wäre uns der Samstag.— Hierauf wird während der Vernehmung von zwei Zeugen die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. In der Nachmittagssitzung bekundete die Haushälterin Dr. Noltens, daß die Angeklagte Wilden früh morgens vor der Tat ins Haus gekommen sei, mit Dr. Nolten eine kurze Unterredung gehabt und sich dann eiligst in der Richtung zum Bahnhof entfernt habe. Gegen Mittag sei sie in heller Aufregung zurückgekommen und habe ihren Vater telephonisch gebeten, er möge auf keinen Fall zu Dr. Nettelbeck nach Elberfeld fahren, er werde gleich alles erfahren. Auf eine Frage der Zeugin, weshalb sie ein Taschentuch an den Mund halte, bekam sie die Antwort: Das geht Sie nichts an. Fräulein Wilden, die bekanntlich den Revolver auf der Fahrt nach Elber feld im Zuge geladen haben will, mußte beschreiben, wie sie dabei verfahren ist und den Revolver im Saale laden. Das glückte ihr auch nach längeren Versuchen. Niederschmetternd wirkt die Aussage des Rechtsanwalts Krause, des Vorsit zenden des Ehrengerichts. Nachdem der Zeuge zunächst über die Verhandlungen des Ehrengerichts berichtet hatte, bekundete er folgendes: Dr. Nolten habe sich über den Spruch des Ehrengerichts nicht beruhigen können und später gesagt, Nettelbeck habe doch sein Ehrenwort gebrochen, er sei ein Lump. Am Abend des Unglückstages sollte das Ehrengericht wieder zusammentreten. Doch sei ihm mitgeteilt worden, das sei nicht mehr nötig. Der Zeuge fragte den ihm zufällig begegnenden Dr. Nolten nach der Ursache der Vertagung, worauf er die Antwort erhielt, Fräulein Wilden habe den Assessor erschossen. Nolten habe ihm für die Mitteilungen Verschwiegenheit auferlegt. Die Wilden sei nach Elberfeld gefahren und habe Nettelbeck in seiner Wohnung gefragt, ob er unter seinem Ehrenwort die zwischen ihnen bestehenden engen Beziehungen ableugnen wolle. Der Assessor habe das abgelehnt mit den Worten: Dann ist ja meine Existenz verloren. Darauf habe die Wilden den Revolver gezogen und auf Nettelbeck geschossen. Ein Schuß sei in den Hals, zwei Schüsse in den Unterleib gegangen. Dr. Nettelbeck sei ihr in die Arme gefallen, sie hätten gerungen, dabei sei sie hingefallen und habe sich an der Lippe verletzt. Nolten habe ausdrücklich erklärt, daß die Wilden ihm das alles gesagt habe. Dann sei er gleich nach der Tat zu ihr gekommen und habe ihr einen Verband um die Lippe gelegt. Dr. Nolten habe dem Zeugen, wenn er sich recht entsinnt, noch seine Genugtuung über die Tat der Wilden zum Ausdruck gebracht. Der Zeuge wendete hierauf Dr. Nolten entrüstet den Rücken. Nolten, jetzt vom Vorsitzenden befragt, erklärt, das, was der Zeuge bekundet habe, entspreche den Tatsachen. Er habe die Schilderung so wiedergegeben, wie Fräulein Wilden sie ihm dargestellt habe. Ob sie zutreffe, entzöge sich allerdings seiner Kenntnis. Castrov und Umgegend Castrop, 22. Juni. für das Heilverfahren in den Berufsgenossenschaften. Wie uns mitgeteilt wird, hat vor einiger Zeit das Reichsversicherungsamt Leitsätze über das Heilverfahren für die gewerblichen Berufsgenossenschaften herausgegeben. Nach den gemachten Erfahrungen haben oft bei entschädigungspflichtigen Betriebsunfällen nicht unabänderliche oder unvermeidliche Unfallfolgen, sondern ein unzureichendes oder zu spät eingeleitetes Heilverfahren die Höhe der Rente ungünstia beeinflußt. Die Aufgabe der Berufsgenossenschaften ist aber nicht die Geldunterstützung von Unfällen Heimgesuchter, sondern es soll vielmehr den Verletzten die Leistungsfähigkeit und Arbeitsfreudigkeit zurückgegeben werden. Darum hat das Reichsversicherungsamt sich veranlaßt gesehen, allgemeine Richtlinien zu verständnisvoller Befolgung aufzustellen. Oberster Grundsatz ist nach diesen Leitsätzen, daß schon in den ersten 13 Wochen alles getan wird, um eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit über die 13 Wochen hinaus zu verhindern. In den Leitsätzen werden dann alle Verletzungen aufgeführt, die ein Eingreifen der Berufsgenossenschaften nicht nötig machen; dann folgt eine Aufzählung der in Frage kommenden Fürsorgemaßnahmen. Es wird empfohlen, durch Ueberwachung des baldigen Eingangs der Unfallsanzeige(wobei eventuell durch Ordnungsstrafe gegen den säumigen Unternehmer vorgegangen werden kann) die rechtzeitige Uebernahme des Heilperfahrens durch die Berufsgenossenschaft zu sichern. Auch die rechtzeitige Einholung eines Attestes von dem Arzt, der zuerst die Behandlung führte, wird geraten, ferner die rechtzeitige Ermittlung des Verlaufes der Krankheit und schnelle Feststellung, ob der Krankheitsfall schwer oder leicht ist. * Marine=Konzert. Wir machen wiederholt auf das heute abend 8 Uhr im Sinder'schen Saale stattfindende Marine=Konzert besonders aufmerksam. Die Musik stellt bekanntlich die ganze Kapelle des 2. Seebataillons in Wilhelmshaven unter Leitung des Kaiserl. Obermusikmeisters Rothe. Der gute Ruf, der dieser Kapelle vorausgeht, sichert ihr auch einen guten Empfang bezw. großen Besuch hier in Castrov. * D i e E i n h o l u n g d e s h o c h w ü r d i g s t e n H e r r n Weihbischofs. Goldener Sonnenschein leuchtete noch über die Stadt, als der hochw. Herr Weihbischof Hähling von Lanzenauer am Samstag, bald nach 7 Uhr hier eintraf. Die Straßen prangten im reichsten Flaggenschmuck. Am Wittenertor fand der vorgeschriebene feierliche Empfang seitens der hiesigen Geistlichkeit, an ihrer Spitze der hochw. Herr Dechant Keweloh statt. Außerdem waren die Herren vom Kirchenvorstand und der kirchlichen Gemeindevertretung-usw. versammelt. Nach der dann folgenden Begrüßung begab sich der Kirchenfürst in feierlicher Prozession unter dem Geleite der Geistlichkeit und des Gefolges über die Wittenerund Münsterstraße, überall segenspendend zur Pfarrkirche. Jubelnd durchbrauste beim Einzug in die Kirche von der Orgelbühne herab der Hymnus Ecce Sacerdos magnus die heiligen Hallen des Gotteshauses. Während der Andacht, die sich an den Einzug anschloß, begab sich der hochwürdigste Herr Bischof zur Kanzel, um zunächst für den herzlichen Empfang, der ihm in Castrop zuteil geworden, zu danken und sich dann über die beglückende und beseligende Wirkung des Glaubens und seine praktische Betätigung zu verbreiten. Zum Schlusse spendete er den zahlreich anwesenden Gläubigen, die das weite Gotteshaus bis zum letzten Plätzchen füllten, seinen bischöflichen Segen. Mit feierlichem Tedeum und sakramentalem Segen ward die kirchliche Feier beendet. In ebenso feierlicher Prozession wie er gekommen, zog dann der hochw. Herr segenspendend zum Pfarrhause. Am gestrigen Sonntag wurde der hochw. Herr gegen einviertel vor 8 Uhr in feierlichem Zuge zur Kirche geleitet. Nach dem Pontifikalamte wurden die männlichen Erwachsenen gefirmt. Nachmittags empfingen die noch schulpflichtigen, schon zur ersten hl. Kommunion geführten Knaben das hl. Sakrament der Firmung. * Nächster Eichtag ist am Donnerstag, den 25. d. Mts.(Siehe Bekanntmachung im Inseratenteil.) * Jubiläum. Der Fahrhauer Herr H. Fischer, Castrop=Schwerin, konnte am 17. d. M. auf eine ununterbrochene 25jährige Tätigkeit im Dienste der Zeche Schwerin zurückblicken. Aus diesem Anlasse wurde dem Jubilar von der Zechenverwaltung ein namhaftes Geldgeschenk uberreicht. = Der Krieger= und Landwehr=Verein „Schwerin“ beschloß in seiner heutigen Sitzung unter anderm, den am 11. Juli er. in Wattenscheid stattfindenden Vertretertag des Westfäl. Provinzialverbandes mit einem Kameraden zu beschicken. Am 26. Juli nimmt der hiesige Verein an der 25. Jubelfeier des Brudervereins Habinghorst mit Fahne teil. Am 16. August besucht er die festliche Veranstaltung der ehemaligen 10er(Hacketäuer) in Castrop. Dem Flottenverein erklärte„Schwerin“ seinen Beitritt als körperschaftliches Mitglied und zahlt dafür pro Jahr zehn Mark. An der am 5. September d. J. in Münster stattfindenden Kaiserparade beteiligt sich der Verein durch eine 25 Mann starke Fahnendeputation. Am 5. Juli veranstaltet der Verein„Schwerin“ auf dem mustergiltig eingerichteten Schießstand des Wirtes Schmidt=Köllmann(Paege) hierselbst sein diesjähriges Preisschießen. * Meisterprüfungen im Reich. Im Jahre 1913 haben sich im Deutschen Reich 38121 Handwerker der Meisterprüfung unterzogen. Diese Zahl verteilt sich auf die 72 Handwerkskammern, die die Prüfungen abnehmen. An erster Stelle steht die Handwerkskammer Düsseldorf mit 3074 Prüflingen. In weitem Abstand folgen dann die übrigen großen Handwerkskammern, nämlich Berlin mit 2112, München mit 1702, Dortmund mit 1247, Dresden mit 1097, Münster mit 1050, Köln mit 900 Prüflingen. * Merklinde, 19. Juni. Der Bergmann I. von hier steht im Verdacht, im vergangenen Herbste, einem Arbeitskollegen Friedr. S. auf Zeche„Zollern 2“ die Arbeitskleider im Werte von 30 Mk. gestohlen zu haben. Die Frau des S. ermittelte jetzt zufällig im Garten die gestohlenen Sachen, als sie auf der Leine des L. hingen. Sodingen, 20. Juni. In der nächsten Zeit wird im hiesigen Amtsbezirk die Schutzimpfung der Schweine gegen Rotlaufseuche vorgenommen. Die Polizeibeamten gehen vorher von Haus zu Haus, um die Zahl der Schweine aufzunehmen. Für jedes zu impfende Schwein wird eine Mark Gebühr erhoben. * Sodingen, 19. Juni. Der Gutsbesitzer R. hatte als Eigentümer mehrerer am Kochenbach in den Gemarkungen Börnig und Horsthausen gelegener Wiesen, Weiden und Ackergrundstücke gegen die Gewerkschaft der Steinkohlenzeche Mont=Cenis Klage erhoben, weil die Zeche ihre Abwässer in den Kochenbach führe und dadurch dessen Wasser verunreinige, so daß es zum Tränken des Viehes und zur Berieselung der Wiesen untauglich werde. Bei den Ueberschwemmungen gelangten, so behauptete der Kläger, die dem Bache zugeführten Unreinigkeiten auf seine Grundstücke, lagerten sich dort ab und schädigten die aufstehenden Früchte. Erst während des Rechtsstreites habe die Beklagte 7 Klärteiche an gelegt; seitdem führe der Kochenbach klares Wasser ohne wesentliche schlechte Bestandteile. R. beantragte die Gewerkschaft zu verurteilen, die Zuführung ihrer Schmutz= und Abwässer zu unterlassen und den bisher entstandenen Schaden zu ersetzen. Die Beklagte entgegenete, das Wasser des Kochenbaches sei schon vor der Zuführung ihrer Abwässer so verunreinigt, daß es zum Genuß für Menschen und Tiere untauglich sei. Ihre Abwässer würden vor der Einführung in den Bach vollkommen gereinigt. Das Landgericht kam zu der Ueberzeugung, datz die Verschlechte rung des Kochenbachwassers durch die Abwässer der Zeche erheblich sei. Der Kläger brauche diese Verschlechterung, wenn sie nicht gemeinüblich ist, nicht zu dulden. Daß letzteres aber nicht der Fall sei, müsse umsomehr angenommen werden, als die Beklagte selbst sich nicht darauf berufe, daß solche Zuführungen üblich seien. Im allgemeinen musse davon ausgegangen werden, daß die Zuführung von Abwässern nach Art der hier zugeleiteten über das Gemeinübliche hinausgehe. Damit sei der Anspruch des Klägers an sich begründet. Gegen das Urteil legte die Gewerkschaft Mont=Cenis Berufung ein mit der Behauptung, daß es nach den inzwischen getroffenen Einrichtungen nicht mehr moglich sei, daß Fremdstoffe und unreine Abwässer in den Kochenbach gelangen. Die Berufung ist kürzlich von der 5. Zivilkammer des Oberlandesgerichts Hamm zurückgewiesen worden mit der Maßgabe, daß die Gewerkschaft verurteilt wird, Vorkehrungen zu treffen, durch die die Zuführung ihrer Schmutz= und Abwässer in den Kochenbach, soweit sie dessen Wasser zu landwirtschaftlichen Zwecken, insbefondere zum Tränken des Viehes und zur Berieselung der Weiden des Klägers, weniger tauglich machen, verhindert wird.(Urteil vom 4. Mai 1914.) Aus den Provinzen. * Dortmund, 20. Juni. Das Schwurgericht verurteilte den Vorzeichner Wilhelm Förster wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde zu 3 Monaten Gefängnis. Förster hatte eine abgelaufene Monatsfahrkarte für die Strecke Dortmund=Bochum gefälscht und benutzt. * Dortmund, 20. Juni. Die Gesuche Ohms, um weitere Verschiebung der Zustellung der Urteilsbegründung sowie um weitere Abschriften des Urteils für die Verteidigung sind abgelehnt worden. Der Strafkammervorsitzende hat bekanntlich verfügt, daß Ohm eine Woche vor der Zustellung des Urteils eine Abschrift zugängig zu machen sei. * Wanne, 20. Juni. Großes Aufsehen erregt die Auflösung der bekannten Holzfirma Beckmann u. Co. G. m. b. H. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurden die Geschäftsinhaber und zwei Buchhalter in Haft genommen, die großer Unterschlagungen und Betrügereien verdachtig sind. Die Höhe der defraudierten Summe ist noch nicht festgestellt. Die Geschäftsinhaber wurden in dem Augenblick verhaftet, als sie abreisen wollten. * Brilon, 20. Juni. Vor einigen Tagen fand ein Briloner auf einem Ackerland unweit der Stadt ein Goldstück, das auf der Vorderseite die Inschrift: moneta nova anrea Katt(neue hessische Goldmünze) 1626 trägt. Aus der gleichfalls lateinischen Inschrift: moneta nova anrea chatt(neue hessische Goldmünze) des Landgrafen von Hessen ist. Im Mai 1632 wurde Brilon belagert, erstürmt und mit Gewalt eingenommen. Vermutlich wird gerade bei dieser Gelegenheit ein hessischer Soldat die Goldmünze verloren haben. * Unna, 20. Juni. Der Westfälische Philologentag wird in diesem Jahre am 4. und 5. Juli hier abgehalten. * Lippstadt, 20. Juni. Gelegentlich eines Ausfluges der hiesigen Realschüler badeten mehrere Schüler in einem Fischteich bei Horn. Zwei des Schwimmens unkundige Schüler waren dem Ertrinken nahe. Von einem Mitschüler konnte einer gerettet werden, der andere ertrank. * Essen, 20. Juni. Gestern vormittag kamen mit einem Sonderzug über 300 Damen des „Vaterländischen Frauenvereins Münster“ am hiesigen Hauptbahnhof an, um die Wohlfahrtseinrichtungen der Kruppschen Fabrik und der cht ze beichtigen. Praktische Winke. Forstwirtschaft, Jagd und Hundezucht. Bodengüte und Holzbeschaffenheit. Die Bodengüte wirkt fast immer günstig auf die Beschaffenheit des Holzes ein. Bei gleicher Blattmenge, gleicher Lichtwirkung und Verdunstungsgröße erzeugt der gut ernährte Baum nach den bisher vorliegenden Beobachtungen schwereres Holz, als der schlecht ernährte Baum. Dies beruht einesteils darauf, daß die Dickwandigkeit der Organe mit der Zufuhr an Bildungsstoffen zum Cambium zunimmt, daß sie mit schlechter Ernährung abnimmt. An Fichten und Kiefern hat man das wiederholt nachgewiesen. Andernteils beruht das aber darauf, daß der die mechanischen Aufgaben des Holzstammes erfüllende Teil der Organe im Vergleich zu den Leitungsorganen bei besserem Boden in auffälligem Maße zunimmt. Je besser der Boden bei einer gewissen Verdunstungsgröße, umsomehr scelerenchymatische Gewebe kann der Baum nach Herstellung des nötigen Leitungsgewebes erzeugen. Ueber den ungarischen Wolfshund. Die Sage erzählt, daß alte serbische Hirten Wolfsgehecke ausgehoben hätten. Sie setzten den jungen Wölfen Wasser vor und beobachteten, in welcher Weise sie dasselbe tranken. Diejenigen. die es schlürften, wurden erschlagen, während solche, die es nach Hundeart leckten, aufgezogen und zum Schutze der Viehherden abgerichtet wurden. Aus der Kreuzung dieser Wölfe mit dem Haushunde sollen die heutigen ungarischen Schäferhunde, vielfach Wolfshunde genannt, hervorgegangen sein. Der ungarische Schäferhund ist zirka 60 bis 65 Zentimeter hoch, von nicht ungefälligen, geschmeidigen Formen, muskulös, nie aber glumg wein Hopf st demsenigen des Massel nicht unähnlich, die Stirn breit und wenig gerundet, der Fang ist ziemlich lang und verschmälert sich nach vorn. Die Augen, meist von dunkler Farbe, sind klein, ziemlich nahe beisammen stehend, mit den äußeren Winkeln etwas nach oben gerichtet und ungemein lebhaft und ausdrucksvoll. Die Behänge sind klein, hoch angesetzt und werden in der Ruhe nach abwärts getragen, im Affekte aber ähnlich wie beim Windhunde nach aufwärts gerichtet. Der Hals ist mittellang und sehr kräftig, die Schultern gut schräg gestellt. Die Brust breit und ziemlich tief, Ellenbogen gut geschlossen, Vorderläufe sehr stark, der Rücken gerade, das Kreuz gegen die Rute etwas abfallend, letztere ziemlich lang und in ihrem letzten Drittel nach aufwärts gekrümmt. Es kommen jedoch auch Stummelschwänze von verschiedener Länge vor. Die Hinterläufe sind sehr kräftig und windhundartig gestellt. Pfoten groß, derb und hart, mit schwarzen Nägeln. Das Haar ist dicht und derb, bei weißen Hunden meist etwas gelockt, bildet an der Hinterseite der Läufe eine leichte Feder, an der Unterseite der Rute ist es sehr lang, eine gute Fahne bildend, am Rutenansatz kürzer, gegen das Ende desselben länger. Farbe reinweiß, wolfsgrau, selten gelb oder schwarz, dann jedoch einfarbig; bei wolfsgrauen und gelben Hunden schwarze Gesichtsmaske; reinweiße müssen dunkle und schwarze Nase haben. Fehlerhaft ist bei den wolfsgrauen und gelben Hunden das Fehlen der Maske, ferner das Auftreten zweierlei Farben sowil helle Augen und Nase bei weißen Hunden. Die Eigenschaften der ungarischen Wolfshunde sind ganz vorzügliche. Mit großer Wachsamkeit verbindet sich hoher Mut und unerschütterliche Treue; sie beschützen ihren Herrn vor den Angriffen und Ueberfällen des Raubgesindels und suchen die verlaufenen Tiere mit Eiser wsommen„Als Hausbund wiech er von keinem Hunde anderer Rassen übertroffen, da er ein absolut unbestechlicher Wächter ist. Trotz seines Schneides ist er verträglich gegen andere Hunde. Diese Eigenschaften sind angeborene, ebenso seine große Gelehrigkeit und Dressurfähigkeit. Erwähnenswert ist noch die große Ausdauer dieser Hunde sowie ihre Unempfindlichkeit den Witterungseinflüssen gegenüber. Ziergarten und Blumenpflege. Verhagelte Obstbäume werden meist sich selbst überlassen in dem Gedanken, daß der Schaden doch nicht mehr zu reparieren sei. Ja, die abgeschlagenen Aestchen, Blätter und Früchte kann man nicht mehr dranbinden, dieser Schaden ist und bleibt da. Allein man kann dafür sorgen, daß der Schaden sich nicht auf viele Jahre erstreckt resp. der Baum dauernd geschädigt wird Dieses ist nämlich bei jüngeren Bäumen und feineren aufschlagenden Hagelkörner treffen auf der Oberseite der Aeste die Rinde vielfach mit solcher Gewalt, daß diese aufplatzt. Unter der Einwirkung der scharfen Sonnenstrahlen beginnen die geplatzten Stellen bald zu klaffen, Rinde und Bast trocknen aus, Nässe und Sonne greifen abwechselnd das Holz an, der Saftlauf stockt, die Aeste tragen wenig oder gar nichts und gehen bald ein. Manchmal blühen solche Aeste noch ausgezeichnet, weil der wenige vorhandene Saft für die Blütenknospen verwandt wird, allein die Früchte bleiben klein oder fallen ab. Um dieses nun zu verhüten, nehme man nach einem Hagelschlag seine Leiter und steige auf die Bäume. Ist die Rinde der Oberseite der Aeste verletzt, so mache man sich von Wasser, Lehm und strohfreiem Kuhdung einen halbsteifen, zähflüssigen Brei, nehme einen groben Pinsel und trage diesen Brei den dickeren Aesten auf. Die Kohlblattwespe. Vor zwei Jahren brachten die Tageszeitungen verschiedentlich Berichte, daß in verschiedenen Gegenden die Kohlpflanzungen in ganz ungewöhnlicher Weise von einer Raupe heimgesucht würden. Auf meine Anfrage wurden mir von drei Stellen her Raupen zugeschickt. Es waren alles Tiere derselben Gattung, aber nicht, wie die Zeitungen meinten, die Rauven der Kohleule, sondern die Raupen, oder besser gesagt, die Larven(Afterraupen) einer Wespe. Diese Wespe, die Kohlblattwespe, ist zwar in jedem Jahre zu finden, ist aber gewöhn lich wenig zahlreich und ihr Schaden daher unbedeutend. In manchen Jahren aber erscheint sie plötzlich in großen Mengen und dann sind die Verwüstungen so groß, daß sie zu einer landwirtschaftlichen Kalamität führen können. In wenigen Wochen sind dann ganze Felder vernichtet, und nur die kahlgefressenen Rippen sind stehen geblieben. Betrachten wir das Tier genauer; der Körper der Raupe ist graugrün mit drei dunkleren Streifen. Unter jedem Längsstreifen befinden sich hervortretende Wulste, worunter die Luftlager münden. Gewöhnlich sitzen die Tiere fressend auf der Unterseite der Blätter. Ihre Bewegungen sind ungeschickt und langsam. In der Ruhe sitzen sie spiralförmig zusammel und so lose, daß sie bei der geringsten Bewegung abfallen. Die Kohlblattwespe erscheint zweimal im Jahre, zuerst im Mai, aber ihre Zerstorungen erreichen erst im Juli oder August, wenn die zweite Generation an die Arbeit geht und zu Tausenden erscheint, ihren Höhepunkt. Abwehrmittel werden die verschiedensten angewandt. Ackerer, welche Enten zur Verfügung haben, treiben die jungen Enten hinein, welche, wenn sie einmal den Geschmack der Raupen haben, sie mit der größten Begierde fressen und gerade durch diese Vorliebe den Sehl, ncht beicrihtor. * Düsseldorf, 19. Juni. In der verflossenen Nacht wurde in der Kirche der schmerzhaften Mutter Gottes in Düsseldorf=Unterrath ein Einbruch verübt. Die Opferstöcke wurden erbrochen und ihres Inhalts beraubt, auch vier wertvolle Kelche wurden gestohlen. Die Einbreitzer versuchten, das Tabernakel zu erbrechen, was ihnen aber nicht gelang. .=Gladbach, 20. Juni. Der Tagelöhner Klemens Trips aus Viersen hatte am 18. März, nachdem er aus dem dortigen Gefängnis ausgebrochen war, seine Frau schwer mißhandelt, weil sie aus Furcht vor seinen Mißhandlungen zu ihrem Bruder geflohen war. Dann steckte er seine Wohnung aus Wut über eine Klage des Hausbesitzers wegen rückständiger Miete in Brand. Das Haus brannte gänzlich ab. Das hiesige Schwurgericht verurteilte den gewalttätigen Menschen wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu 6 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Wegen Körperverletzung wird er sich noch vor der Strafkammer zu verantworten haben. * Köln, 19. Juni. Die Edelsteine des Kaiserpaares wurden heute in der Werkbund=Ausstellung von einem Kreise eingeladener Gäste besichtigt. Die Erklärungen gab Prof. von Cranach. Die kostbaren Edelsteine und Geschmeide sind in acht Abteilungen ausgestellt. Es sind die schönsten Steine deutscher Herkunft, bei denen nur deutsche Verarbeitung in Frage kommt. Vermischtes. — Köslin, 19. Juni. Die Voruntersuchung gegen den Erbürgermeister von Köslin Alexander alias Thormann, ist jetzt abgeschlossen. Der Fall ist dem Schwurgericht Köslin zur Aburteilung für die, September=Schwurgerichtsperiode überwiesen worden. Gegen den Exbürgermeister ist auf Grund von nicht weniger als elf Paragraphen des Strafgesetzbuches das Hauptverfahren vor dem Schwurgericht beantragt worden. Leipzig, 20. Juni. Das Reichsgericht ver. warf die Revision des Fürsorgezöglings Ernst Tetzlaff, der vom Schwurgericht in Köln am 6. Mai 1914 wegen Mordes und schweren Raubes zum Todé verurteilt worden war. Er hatte am 25. November 1913 in Köln die Witwe Wiesdorf erschossen und ihr 20 Mark geraubt. — Bayreuth, 19. Juni. Das hiesige Landgericht hat heute vormittag 9einhalb Uhr die Klage der Frau Isolde Beidler auf Anerkennung der Vaterschaft Richard Wagners kostenpflichtig abgewiesen. Die Gründe der Abweisung der Klage sind rein formeller Natur. Nur einmal wurde auf eine unbestimmte Aussage der kürzlich verstorbenen Kammerdienerin Wagners, Frau Mrazek, hingewiesen. Frau Beidler wird gegen das Urteil Berufung einlegen. — Wien, 20. Juni. Der alleinige Inhaber des Bankhauses I. Ch. Plewa, der Bankier Gustav Schoger, ist wegen Depotunterschlagungen verhaftet worden. Schoger soll bereits zugegeben haben, daß er 500 000 Kronen für seine eigenen Spekulationen verwendet hat. Er gibt die Passiven des Bankhauses auf 3 Millionen Kronen an. Das Bankhaus I. Ch. Plewa war früher als das Geldinstitut der christlich=sozialen Partei bekannt. — Tettscheid bei Daun, 20. Juni. In dem wildromantischen, von Touristen und Eifelwanderern viel begangenen Lieserpfad zwischen Manderscheid und Daun wurde die verstümmelte Leiche eines Touristen durch einen Briefträger gefunden. Die Leiche ist vollständig unkenntlich und es wird allgemein angenommen, daß der Tote ein Opfer der Wetterkatastrophe ist. Es ist eine Mannesleiche in Sportkleidung, den mittleren Jahren angehörig. Petersburg, 19. Juni. Der Militärflieger Sujakine ist heute auf dem Flugplatze Gatschina aus geringer Höhe abgestürzt und tötlich verunglückt. Petersburg, 20. Juni. Der Flieger Jankowski ist bei Gatschina aus einer Höhe von etwa 100 Metern abgestürzt. Sein Befinden ist hoffnungslos. — Petersburg, 19. Juni. Die Ursachen des Unglücks auf der Station Tschudnowo in Wolhynien(die eine Meldung der offiziösen Petersburger Telegraphenagentur gestern einem Versagen der Lokomotive des Personenzuges zugeschrieben hat), sind noch nicht einwandfrei aufgeklärt. Der offiziösen Darstellung zufolge ist durch Ueberheizung des Dampfkessels eine Explosion erfolgt. Drei Beamte sind getötet worden, einer schwer verletzt. Mehrere Reisende haben leichtere Verletzungen erlitten. Dafür, daß diese Darstellung nicht einwandfrei sein dürfte, spricht indes der Umstand, daß der Verkehrsminister an der Unfallstelle weilt. Auch die Entsendung einer Untersuchungskommission ist beschlossen worden. Der zweite Kardinal von westfälischer Herkunft war Johannes Gropper, geboren zu Soest am 24. Februar 1503. Er war zuerst Stiftsherr bei St. Gereon, später auch Domherr von Köln und Kanonikus zu Soest. Im Jahre 1551 begab sich Gropper mit dem Erzbischof Adolf zum nter Konzil. Hier ernannte ihn Paul 4. 1555 zum Kardinal. Wiederum vergingen ungefähr 300 Jahre, bis Melchior v. Diepenbrock mit dem Purpur geschmückt wurde. Er war 1798 in Bocholt geboren. Er war Sekretär des Bischofs, Domherr und Generalvikar in Regensburg. Im Jahre 1845 wurde er gar sehr gegen seinen eigenen Wunsch Fürstbischof von Breslau; bei dieser Gelegenheit verlieh ihm der König von Bayern den Adel. 1850 wurde ihm die Kardinalswürde verliehen, doch wurde er schon drei Jahre später durch den Tod aus seiner vielseitigen und gesegneten Tätigkeit abberufen. Der vierte aus Westfalen stammende Kardinal war Paulus Melchers, geboren am 6. Januar 1813 in Münster, Erzbischof von Köln von 1866 bis 1874, zum Kardinal erhoben 1885, gestorben am 14. Dezember 1895. Felix von Hartmann ist also der fünfte Kardinal, der im Lande der roten Erde geboren ist. Geborene Westfalen als Purpurträger. einer Zusammenstellung des„Westfälischen Merkurs“ ist der Erzbischof Felix von Hartmann der fünfte geborene Westfale, dem die Kardinalswürde zuteil geworden ist. Der erste war Thomas Oliver(Oliverius), ein Kreuzzugsprediger des 13. Jahrhunderts. Der Ort seiner Geburt ist zwar nicht bekannt, da er aber die Domschule in Paderborn besuchte, wird man ihn wohl als Westfalen ansehen dürfen. Im Jahre 1223 wurde er zum Bischof von Paderborn gewählt, aber erst 1225 bestätigt. In demselben Jahre reiste er zusammen mit dem Erzbischof Engelbert nach Rom, kehrte aber von dort nicht mehr nach Deutschland zurück, weil der Papst Honorius 3. ihn zum Kardinalbischof von Sabina ernannte. Bald darauf scheint er gestorben zu sein. Allerlei. Eine Tonne Goldes. Die Münchener Reichsbankhauptstelle hat derjenigen in Breslau eine Tonne Bargeldes in Gold im Werte von 4einhalb Millionen Mark in einem bewachten Schnellzugspackwagen zugehen lassen. Unfall bei einem militärischen Rheinübergang. Bei einer militärischen Uebung am Rhein bei Ginsheim oberhalb von Mainz hatte die zweite Abteilung des Nassauischen Feldartillerieregiments Nr. 63 eine Brücke zu benutzen, die vom Nassauischen Pionierbataillon Nr. 21 geschlagen war. Dabei brach unter einem mit sechs Pferden bespannten Geschütz der Brückenpfeiler ein. Es gelang, die ersten vier Pferde loszuschneiden, während die beiden Pferde an der Teichsel mit dem schweren Geschütz in den Rhein stürzten und vier Kanoniere mit sich rissen. Der aus Stromberg im Westerwald stammende Kanonier Rink ist ertrunken. Ein ohnmächtig gewordener Kassenbote um 2200 Mark bestohlen. Der Kassenbote Heinrich Schmidt von der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Arnstadt, der auf seinem Kassiergange einen Ohnmachtsanfall erlitt und auf einer Straße der Außenstadt liegen blieb, wurde um 2200 Mark bestohlen. Eine Ledermappe, die zur Aufbewahrung des Papiergeldes gedient hatte, soll später in einem Feldgrundstück leer aufgefunden worden sein. Die Polizeibehörde hat eine eingehende Untersuchung eingeleitet. Unfall bei einer militärischen Brückenübung. Bei Pontonübungen, die von Mannschaften des 2. bayrischen Infanterie=Regiments Kronprinz in München auf der Isar im Stadtteil Bogenhausen vorgenommen wurden, ist ein mit 12 Mann besetzter Nachen umgekippt. Der Infanterist Reiß ist ertrunken; die übrigen Solda=] Wien, 22. Juni. Vorgestern ist der gleichfalls ten konnten sich durch Schwimmen retten oder von der albanischen Regierung gecharterte Lloyddampfer„Gisela“, mit freiwilligen Artilleristen lang und mustert die vorübergehenden Menschen. Dann tritt er unvermittelt an einen Herrn heran, und indem er ein Goldstück aus der Tasche zieht, fragt er:„Entschuldigen Sie, mein Herr, haben Sie vielleicht hier ein 20=Francsstück verloren?“ Regelmäßig steckt nun der betreffende Herr seine Finger in die Westentasche, sucht darin und erwidert:„Tatsächlich... es fehlt mir ein Goldstück.“„Gut! Wollen Sie so freundlich sein und mir Ihre Adresse angeben?“ fährt dann mein Bekannter fort. Erstaunt erkundigt sich dann der angeredete Herr:„Ja, zu welchem Zwecke benötigen Sie denn das?" worauf ihm die ebenso wahre wie lehrreiche Antwort zutei! wird:„Ja, sehen Sie. Ich bearbeite augenblicklich gerade eine umfangreiche Statistik. Es ist einfach schrecklich, was in dieser Straße für Goldstücke verloren werden. Unter 40 Passanten, an die ich die gleiche Frage gerichtet habe, sind Sie der siebenunddreißigste, der in allem Ernste behauptet, ein 20=Francsstück auf dieser Straße verloren zu haben!“— In aller Höflichkeit zieht dann mein sonderbarer Menschenfreund und Erzieher seinen Hut und läßt den verblüfften Herrn samt seinen Gewissensbissen stehen. Wie weit haftet der Ehemann für die Kleiderschulden seiner Frau? Die Berufungsinstanz des Newyorker Supreme Court hat in diesen Tagen eine interessante Entscheidung gefällt, die in Amerika die Haftbarkeit des Ehemanns für die Kleiderschulden seiner Frau begrenzt. Der Damenschneider Salomon Rosenfield klagte gegen den Fabrikanten Samuel W. Peck wegen 2260 Mark Kleiderschulden der Frau Peck. Der Gatte machte geltend, daß seine Frau die strittigen Käufe auf ihren persönlichen Kredit hin gemacht habe und daß die Bestellungen über die Grenzen des notwendigen Lebensunterhalts hinausgegangen waren. Das Ehepaar Peck verbrauchte jährlich 120000 Mark, der Mann gab der Frau monatlich 2000 Mark Kleidergeld und außerdem noch wöchentlich 140 Mark Nadelgeld. Als Frau Peck die umstrittenen Bestellungen machte, besaß sie in ihren Kleiderschränken 30 Kleider, ein Dutzend Hüte, 90 Paar Seidenstrümpfe, zwei Dutzend Paar Schuhe, 3 Dutzend Handschuhe usw. Die Berufungsinstanz des höchsten Gerichtshofes stellte sich auf die Seite des Angeklagten, verneinte die Haftbarkeit des Ehemannes für die Kleiderschulden seiner Frau und wies die Klage kostenpflichtig ab. Das größte Geschütz der Firma Krupp, das seit dem Bestehen des Meppener Schießplatzes dahin transportiert worden ist, traf am Sonnabend zu Versuchszwecken ein. Es ist ein Schiffsgeschutz von 38 Zentimeter Kaliber mit einer Gesamtrohrlänge von 17 Metern. Der Verschlußteil hat einen Durchmesser von etwa 1 Meter. Bei voller Ladung beträgt das Pulvergewicht etwa 200 Kilogramm. Ein scharfer Schuß aus dieser gewaltigen„Donnerbüchse“, kostet etwa 10000 Mark, das ganze Geschütz 400 000 Mark. Die Schußweite reicht bis etwa 24 Kilometer. in Albanien. sind von anderen Nachen aufgenommen worden. Reiche Beute. Im Hafen zu Enseli am Kaspischen Meer wurde die persische Diskontobank von acht Räubern um 250,000 Mark beraubt. Die Banditen entkamen auf einem Motorboot unerkannt. Ein Reiseabenteuer des Zaren Ferdinand. König Ferdinand ist von Ungarn nach Sofia zurückgekehrt. Bei der Durchreise durch Serbien ereignete sich ein Zwischenfall. Ein Zugführer drang, als er erfahren hatte, daß der König sich im Zuge befinde, in den Wagen des Königs, um sich, wie er sagte, von der Anwesenheit des Königs zu überzeugen, wobei er seine Kühnheit so weit trieb, den Zug zwischen zwei Stationen anzuhalten, um seine sonderbare Absicht durchzuführen. Der Zug setzte seine Fahrt fort, nachdem Personen aus der Umgebung des Königs den Angestellten zu seiner Pflicht zurückgerufen hatten. Ministerpräsident Radoslawow hat den Vorfall zur Kenntnis des serbischen Gesandten gebracht, der ihm sein lebhaftes Bedauern ausdrückte. Der Heizungshebel. Die„Münchener Jugend“ erzählt: Der 70jährige Josenbauer fährt, trotzdem er einer von den Aufgeklärten ist, zum erstenmal in seinem Leben, an einem glühend heißen Augusttag mit der Eisenbahn. Von den Stadtleuten hat er schon über Maschinen für Wärme und Kälte erzählen hören und ist darum hocherfreut, in dem„bacherlwarmen“ Wagen den bewußten Hebel zu finden. Da dieser, vom Winter her, noch auf„Warm“ steht, stellt ihn der Josenbauer auf„Kalt" und wartete geduldig auf die„Kält'“, die er jetzt soviel notwendig gebrauchen könnte. Da die Temperatur nicht abnimmt, wendet er sich an einen Schaffner, der ihm aber nur mit halbem Ohr zuhört und dann bemerkt, die Einrichtung gehöre nur für den Winter.“„So,, brummt der Josenbauer,„nur für'n Winter! Da is nacha weita koa Kunststück, im Winter kalt'machen!" Eine merkwürdige Beschäftigung. Von einem Münchener Maler, der augenblicklich seinen Studien in Paris obliegt, wird der „T..“ folgendes geschrieben: In meinem Bekanntenkreise befindet sich unter anderem auch ein ganz sonderbarer Kauz. Er schlendert an schönen Nachmittagen die belebten Straßen entan Bord, zu den Stellungen Prenk Bibdodas abgegangen, wo dann die albanischen Artilleristen die Bedienung der Geschütze übernehmen sollen. Gegen die Lager der Aufständischen vor Durazzo ist eine Gegenbewegung geplant. Wie verlautet, sollen die Aufständischen bereit sein, Frieden zu schließen, verlangen jedoch die Belassung der Waffen, volle Amnestie und verweigern die Stellung von Geiseln. Da die Aufständischen an ihrem Standpunkt festhalten, ist ein abermaliges Scheitern der Verhandlungen nicht ausgeschlossen. In der vergangenen Nacht ist wiederum die „Herzegowina“ mit Freiwilligen ausgelaufen und hat die Stellungen der Aufständischen bei Kawaja und Porta Romana belagert. Major Kroch erließ eine Bekanntmachung, daß jedermann, der in der Stadt unbefugterweise Schüsse abfeuert, eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren zu gewärtigen habe. Wien, 22. Juni. Aus Durazzo wird der„Albanischen Korr.“ gemeldet: Hier verlautet, daß Prenk Bib Doda angeblich von Ishmi aus gegen die Stellung der Aufständischen vorgehe und es bereits zu Vorpostengefechten gekommen sei. Letzte Der Elberfelder Mordprozeß. Elberfeld, 20. Juni. Im Elberfelder Mordprozeß beantragte der Staatsanwalt, die Angeklagte Brunhilde Wilden wegen Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände und den Angeklagten Dr. Nolten wegen Beihilfe zu verurteilen. Das Urteil. Gegen 3 Uhr nachts wurde das Urteil gesprochen. Die Geschworenen verneinten sämtliche Schuldfragen bei beiden Angeklagten, so daß der Gerichtshof beide Angeklagte freisprach. Der Wahrspruch der Geschworenen löste im Verhandlungssaale mehrfache Bravorufe aus, obwohl der Vorsitzende vorher dringend gewarnt hatte. Auf der Straße wartete trotz der späten Nachtstunde eine nach Tausenden zählende Menschenmenge, die das Urteil mit großer Ungeduld erwartete. Die Polizei, die auch durch eine Abteilung Berittener vertreten war, hatte Mühe, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Als die Nachricht von dem Freispruch auf der Straße anlangte, rief die Menge„Hurra!" Der Riesenlohnkampf in der Solinger Waffenindustrie. Solingen, 22. Juni. Wie der Vertreter der „Telegraphen=Union“ erfährt, ist fast jede Aussicht geschwunden, daß die in der letzten Woche wieder ausgenommenen Einigungsverhandlungen zur Beilegung des bereits 17 Wochen währenden Streikes in der Waffenindustrie zum Ziele führen werden. Die von den Streikenden gestellten Forderungen sind derartig, daß die Industriellen erwägen wollen, die Verhandlungen ohne weiteres abzubrechen. Die Waffenindustrie dürfte weiteren großen Schaden erleiden, da umfangreiche Aufträge für die Heeresverwaltung nicht effektuiert werden können. Disziplinarverfahren gegen reichsländische Bürgermeister. Straßburg, 22. Juni. Gegen mehrere nationalistische Bürgermeister der Reichslande ist wegen ihrer Haltung während der letzten Wahlen das Verfahren auf Enthebung vom Amte eingeleitet worden. Beobachtung des Geisteszustandes ThormannAlexanders. Kolberg, 22. Juni. Der frühere„Bürgermeister“ von Köslin, Thormann, ist, wie nach dem Ergebnis der bisherigen Untersuchung zu erwarten war, zur Beobachtung seines Geisteszustandes in die Irrenanstalt zu Stralsund gebracht worden. Baronin Berta v. Suttner F. Wien, 22. Juni. Baronin Berta v. Suttner, die bekannte Vorkämpferin der Friedensbewegung und Nobelpreisträgerin, ist gestern vormittag einhalb 12 Uhr in ihrer Wiener Wohnung im Alter von 74 Jahren an den Folgen einer Erkältung gestorben. Das Schlagwetterunglück bei Lüttich. Brüssel, 21. Juni. Sämtliche Arbeiter der durch Schlagwetterexplosion in Brand geratenen Zeche Marihaye bei Seraing haben nun unversehrt zu Tage gefördert werden können. Waffenübung italienischer Reservisten. Paris, 22. Juni. Der römische Korrespondent des„Matin“ meldet seinem Blatte, daß die Reserven des Jahrganges 1893 zu einer fünfmonatigen Waffenübung einberufen worden seien, die am 30. Juni beginnen soll. Protektoratswechsel. Paris, 22. Juni. Das„Echo de Paris“ macht darauf aufmerksam, daß der apostolische Vikar von Schantung, Mgr. Giesen, der zum Orden der Franziskaner gehört und holländischer Nationalität ist, bekannt gegeben habe, daß die Mission von Sinanfu das französische Protektorat aufgebe und unter deutsches Protektorat trete. Da der Orden der Franziskaner aus Frankreich keinen Zuwachs erhalte, so seien nach und nach alle französischen Mitglieder verschwunden und durch deutsche ersetzt worden. Folgen der Eisenbahnkatastrophe bei Invernes. London, 21. Juni. Es steht jetzt ziemlich fest, daß bei dem Eisenbahnunglück bei Carrbridge 7 Personen ums Leben gekommen sind. 4 Leichen sind geborgen, von denen eine fünf Meilen von der Unglücksstelle weggeschwemmt war. 3 Personen werden noch vermißt. Schweres Unglück russischer Soldaten. Petersburg, 21. Juni. In der Nähe von Riga sind beim Durchschwimmen des Dwinaflusses sechs Mann des dort im Lager befindlichen 16. Husarenregiments ertrunken, elf Husaren haben unter großer Mühe wieder ins Leben zurückgerufen werden können. Schwere Schiffskatastrophe. Newyork, 21. Juni. Der Mississippi=Dampfer „Majestie“ mit 300 Ausflüglern, meist Frauen und Mädchen an Bord, sank durch Auffahren auf eine Felsklippe in der Nähe von Saint Louis(Missouri). Obwohl Hilfe rasch zur Stelle war, befürchtet man größere Verluste. Die der Ertrunkenen wird auf 200 geschätzt. Amtlich festgestellte Wochenmarktpreise in der Stadt Castrop vom 20. Juni 1914. Rindfleisch Sr Veesch Sleisch: pro Pfund 75— 90 Pfg. Speck(frisch durchwachsen)„„ 55— 75„ *„ fett)„„ 55— 75„ Nackenstück„„ 85— 90„ Schinken„„ 70— 80„ Speck(ger. durchwachsen)„„ 85— 90„ " fett)„„ 80— 90„ Butter. Eier. Käse. Butter Eter solländer Käse damer Käse Solet Spargel Gurken Blumenkohl frische Kartoffeln alte Kartoffeln Wirsing Zwiebel pro Pfd..20 Mk. pro Dtzd. 1,00„ pro Pfd..70„ pro„.80„ Gemüse. pro Kopf.08 Mk pro Pfd..70„ pro Sick..15—.20„ pro Kopf 0,35—.40„ 10 Pfd..00„ pro Ztr..30—.00„ pro Kopf.20„ pro Psd..25„ Preise der Fische auf dem städt. Schellsisch(groß). pro Pld. 20 Pig. Portionsschellsisch„„ 20„ Seehecht„„ 20„ SeelachoA" 15„ Cablien P Dortmund Balkenstr. 36-38 Ilicolaistrasse 5 beim Bezirkskommando * * Die Geburt eines kräftigen Jungen beehren sich anzuzeigen Paul Esser und Frau: Castrop, den 22. Juni 1914. Kleines Haus von—6 Zimmern, mir Stall und Gartenland, in der Nähe von Rauxel od. Mengede per sofort oder I. Oktober cr. auf mehrere Jahre zu pachten gesucht. Offerten unter L. K. 5625 an d. Geschäftsst. d. Ztg. 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Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß der nächste Eichtag am 25. d. Mts., im Lokale der Eichnebenstelle am Markt hierselbst, stattfindet. Gewerbetreibende können an diesem Tage Maße und Gewichte zur Nach= und Neueichung einliefern. Castrop, den 22. Juni 1014. Die Polizei-Verwaltung: Ein Mädchen von 14—15 Jahren für leichte Hausarbeit zum 15. Juli gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsst Nierenund Blasenkranke find durch Altbuchhorster Marksprudel Starkquelle rasch Erleichterung u. Hilfe. Die Nierenarbeit wird wohliuend erleichtert. Sand, Gries, Steine aufgelöst u. fortgespült, die Harnsäure gebunden und Schmerzen, Drücken, Brennen schnell behoben. Von zahlr. Professoren glänzend begutachtet. Fl. 65 Pf. Zu haben in Castrop: bei O. Hennewig; in Rauxel: bei Th. Holtmann; in Habinghorst: bei Heorg Goosmann. Daur! Zehn Jahre lang litt ich an Nervenschwäche, war immer matt und müde, aufgeregt, hatte Schmerzen in der Herzgegend, Atemnot, Schwindelanfälle, Zucken in den Glied rn, häufig Ohrensausen, Verdauungs=Schwäche, Schmerzen in den Hüften und Beinen, Mißstimmung u. s. w. Da ich hier keine Hilfe finden konnte, wandte ich mich an Herrn A. Pfister in Dresden, Ostraallee 2 und durch dessen einfache schriftsiche Anordnungen sind die rankhaften Erscheinungen alle eseitigt, wofür ich meinen aufichtigsten Dank ausspreche. Frau Werkmstr. Peter Schreiber in Irlich bei Neuwied, Rheinstraße 28. Bessere abgeschlossene 4 Zimmer=Wohnung (I. Etage) zum 15. Juli oder später zu vermieten. Zu erfr. in d. Geschäftsstelle d. Zeitung. Ein armer Arbeiter verlor am Samstag abend zwischen 5 und 6 Uhr von der Widumerstraße bis zur Mühlenstraße ein Bekanntmachung. Am Dienstag, den 13. Juni 1914, vormittags 10 Uhr, werde ich in meinem Auktionslokale beim Wirt Köllmann, hierselbst: 1 Bücherschrank mit Spiegel, 2 Sofas, 1 eich. Büffet, 1 Ausziehtisch, 1 Eisschrank, 6 Stück Stühle und sonstiges Mobilar öffentlich meistbietend zwangsweise gegen Barzahlung versteigern. Castrop, den 21. Juni 1914. Brechelt, Gerichtsvollzieher straße bis zur Mühlenstraße ein Portemonucte mit 91 Mr.f Trkanntmal, 4. ebre. u t. Iet# um Dienstag den 23. Ju Gegen Belohnung abzugeben in der Geschäftsst. dir. Ztg. K DORTMUND, Steinplatz : Auskurtt und Bewschüge kostenftei, woit den echten MIICN Aöben Reschhn che chen nebensvs Zpgghi, Schmmnde:. Schielt. ####I. Brazenhmnd.: spathchen amdrichlich Brrntins foche. Am Dienstag, den 23. Juni cr., vormittags 11 Uhr, werde ich in der Gastwirtschaft von Orsbach in Habinghorst 1 Nähmaschine öffentlich meistbietend zwangsweise gegen Barzahlung versteigern. Castrop, den 20. Juni 1914. Bökenkröger, Gerichtsvollzieher. Domnerstag, den 25. 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