Raunssen Neueste Nachrichten 48. Jahrgang Rotationsdruck und Verlag: Castroper Zeitung(Geschw. Schmitz), Castrop Bladenhorster Tageblatt Anzeigengebühren: 10 Ml. für die Smal gespalt. Bfillimete: geele Pusmöste 12 00 Mf., für die Empfehlungszelle 30.00 Mi. krt### zoort Cauron. der etwa gewährte Nadatt erlischt bei ockursen. Zwangsvergleichen und gerichtlichen Klagen. Eirsate Unzeigen werden die vorm 11 Udr, kleiggeg, dis 8 Uhe nack mittag; vor Ausgabe der Zeitung Post checionto: 40 130 Köln.— Feinsprech=Anschluß Nr. 6. Eeantweituch st: den Schrifttetl: Iiani Joseph Pruys Castrop fungtiger Die Castroper Zettung erscheint täglich mit Busnahme der Sona und Feieriage und kostet durch Boien frei ins Haus gebrace 600 Mark(im voraus zahldar) für den Monat. Postbezug 600 Ml. für den Monat, ohne Postbestellgeld. 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Diese klare Feststellung Sorges als Wortführer des Reichsverbandes ist vorzüglich geeignet, die mißgünstigen Nauner industriellen Zwiespalts drinnen und draußen in ihre Schranken zu weisen. Wir haben öfter uns gegen ein Reparations=Provisorium werden müssen, hinter dem nicht die festgelegte definitive Lösung als deutschalliierte Abmachung stehe, um nicht wiederum— wie im Falle der Pariser Verhandlungen von Hermes— eines Tages vor der Tatsache zu stehen. daß wir Versprechungen ausführen, ohne die von uns als notwendig angesprochenen Voraussetzungen gleichzeitig Lug um Zug bewilligt zu erhalten. Nur. wenn Cune wirklich die handelspolitische Gleichberechtigung im weitesten Maßstab und eine endgültige tragbare Besrenzung der Reparationssummen mit Moratorium und Wegfall unproduktiver Reparationslasten durchsetzt, hat eine Anleihe— innen wie auf dem Wellmarkt— Sinn und Verstand: sonst fließt sie ohne Nutzen ins unrschöpfliche Nichts. Deshalb wandten wir uns seiner Zeit gegen die Sachleistungsabkommen Stinnes und seiner Nachfolger, wenn ihnen nicht entsprechende Gegenleistungen gegenüberstanden; denn anderenfalls sind die Provisorien schlimmster Art. Deshalb ist auch gerade der Teil der Ausführungen in der Stinnes nahestehenden D. A. Z. sehr bemerkenswert, der ein Definitivum als Voraussetzung provisorischer Zusagen beiont. Dies um so mehr, als Bonar Laws angebotene Aenderung der Balfournote über die innteralliierte Verschuldung gleichfalls die Lösung der gesamten Reparationsfrage zur gleichzeitigen Bedingung macht. Auch hinsichtlich des Kanzlers Cuno und seiner Vorschläge, die ja im einzelnen ohnehin nach ihrem Wortlaut noch keine starren Paragraphen eines Vertragsangebots enthalten, besteht solange keine Differenz zwischen Regierung und Industrie, als beider Ziel auch in Zukunft die schleunige und befriedigende Entscheidung bleiben wird. Daß keinesfalls auf Grund eines Zwischenentscheids das Ausland aufnahmebereit für eine Anleihe ist, versteht sich u. E. von selbst; die Ergebnisie der internationalen Bankierkonferenz bestätigten nur diese Alltagsweisheit. Ob Cuno Erfolge haben wird, bleibt zweifelhaft, selbst wenn man seine Hoffnungen auf die Angelsachsen hoch bewerten will, solange der Haustbeteiligte Frankreich seine Karten verdeckt hält. Der Rhein bleibt Frankreichs historisches Programm, dies Ziel stammt nicht erst von gestern und heute, immer wieder tauchte es trotz aller Unterbrechungen oder Zurückweisungen in irgend einer Form seit mindestens 300 Jahren auf; im Grunde seines Herzens war sich ganz Frankreich stets darin einig. Poincare warf sich zum Fürsprecher dieser Pläne auf— sollte er sie über Bord werfen? Lloyd George in seiner Anklageschrift zeigte der durch Northausfes Propaganda getäuschten Welt das wahre Gesicht des Lothringers— sollten wir gutgläubiger sein, als der Alliierte jenseits des Kanals? Gewiß, Poincare ist Advokat, versteht sich auf die Winkelzüge eiter Kammer, deren Gefangener er ist. Die Radikal=Sozialisten, für unsere französischen Verständigungssreunde die große „Hoffnung der Zukunft“, rufen nach Ruhrbesetzung. Rollentausch? Ach nein! Ihr Führe: Heecot hat auf seiner Wallfahrt sein russisches Herz entdeckt, ihr Mitglied Franklin Bouillon ist erklärter Liebling der Türken. Ruhrbesetzung aber kann den englisch=französischen Spait weiten, Türken und Russen für Paris begehrenswerter erscheinen zu lassen. Poincare muß noch warten, wie sich das Spiel ent ickelt. Die anderen Franosen, die um Loucheur, di: 15:: Rheinpolitik„wirtschaftliche Verständigung“ nenen, sind durch Schuldenstreichung allein kaum zufrieven gestelit; sie wollen mehr. Sollte man hier aninn Lie zweite Frage, die sich Raymond Poi:... ll. Die Inkransigenteik, mit dem Rus „der#heii um jeden Preis“, sehen zu, wie der Minike prüisen! sih entscheidet; auch ihre Stunde lst noch nicht=bgclaufen. Verlrauensvotum ohne Bedingungen verlangt. Paris, 14. Dez. Am Schlusse der heutigen Kammersitzung gab Poincare dem Wunsche Ausdruck, daß die neu eingebrachte Interpellation der Abgeordneten Daudet und Vorgeot mit den alten Interpellationen morgen gemeinsam erörtert werden sollen. Die Vorgänge werden sich also so abspielen, daß Poincare zunächst seine Erklärungen über die Londoner Konserenz abgeben wird, worauf die Interpellationsdebatte fortgesetzt werden soll. Am Schlusse der Sitzung wird eine Tagesordnung eingebracht worden, worin der Regierung für ihre allgemeine Polilik das Vertrauen ausgesprochen werden wird. Dagegen wird Poincare nicht zulassen, daß in der Tagesordnung irgendetwas ausgenommen werden wird, was ihm Richtlinien für die bevorstehenden Pariser Verhanblungen geben sollte. Paris, 15. Dez. Die heutige Sitzung der französischen Kammer wird zweisellos einen sehr bewegten Verlauf nehmen. Die Ecklärungen Poincares. die außerordentlich kurz gehalten sein werden, werden wenig Klarheit schaffen, weil sie nur geschichtlichen Charakter haben werden, indem der französische Ministecpräident sich darauf beschränken wird, der Kammer zu erzählen, was er in London geleistet habe, während er es ablehnen wird, irgend welche Vorhersagen zu machen. Od Poincares Politik für die bevorstehende Pariser Konferenz bereits festgelegt ist, oder er seibst noch Zweifel darüber hegt, welche Maßnahmen er ergreisen solle, läßt sich natürlich nicht angeben. Das Vertrauensvotum, das Poincare fordern wird, wird er jedenfalls erhalten und es wird keinen Hinweis darauf enthalten, daß Frankreich in jedem Fall das Ruhrgebiet allein besetzen müsse, wenn keine Einigung der Alliierten zustande käme. Solche Vorschriften würde Poincare unbedingt ablehnen, und sie haben auch keine Aussicht auf Annahme durch die Mehrheit der Kammer. Die Radikalsozialisten scheinen sich bewußt geworden zu sein, welche Folgen der Beschluß hervorrufen mußte, den sie vorgestern gefaßt hatten, daß sich eine Mehrheit der Mitglieder offen für die Besetzung des Ruhrgebetsi ausgesprochen hätte. Heute besagt eine parteioffiziöse Erklärung, daß nur zwei Mitglieder der Partei, die Herren Fribur und Cheron, die Politik des sofortigen Einmarsches in das Ruhrgebiet unterstützt hätten Die andern, auch Herriot, hätte eine solche Politik energisch bekämpft. Aber diese tapfere Partei will der Regierung doch— keinerlei Verlegenheiten bereiten; infolgedessen behalte man sich die endgültige Stellungnahme zur Ruhrbesetzung vor, weil man noch nicht wisse, ob die Regierung für oder gegen diese sein werde. Allein aus diesem Grunde wissen auch die Radikalsozialisten noch nicht, ob sie für oder gegen den Einmarsch sein sollen. Jedenfalls werden sie heute Poincare das Vertrauen aussprechen und über die Frage der Ruhrbesetzung erst schlüssig werden, wenn diese neuerlich zur Sprache gebracht werden wird. Falls notwendig, wird, wie verlautet, Herriot in der heutigen Kammerdebatte das Wort nehmen. Jedenfalls steht fest, daß es dann zu einer leidenschaftlichen Auseinandersetzung kommen wird, wenn der Führer der Cleemencisten, Tardieu, das Rednerpult betritt und mit Poincare Abrechnung halten wird. Aber auf viel Gefolgschaft kann er nicht rechnen. Der Augenblick scheint für eine Ministerkrise sehr unzeitgemäß. Man will erst die Pariser Konferenz und deren Ergebnisse abwarten. Poincare wird also sein Vertrauensvotum erhalten, das sich jeder dann nach seiner Weise auslegen kann. Die neue französische Methode. Zellinie von den Ruhrhäfen bis zum Rhein und Rhein=Herne=Kanal. Paris, 15. Dez. Die„Daily Mail“ erklärt, in französischen Regierungskreisen werde eine neue Methode erörtert, durch die Deutschland zur Zaylung der Reparationen gezwungen werden soll. Man wolle einen Druck auf Millerand ausüben, daß eine Zollinie von den Ruhrhäfen bis zum Rhein und bis zum Rhein=Herne=Kanal gezogen werde, um auf diese Weise auch auf die deutschen Industriemagnaten einen Druck auszuüben. Dies würde eine leichte Veränderung im besetzten Gebiet hervorrusen, wodurch man eine wirksame Kontrolle über das ganze Ruhrgebiet mit seinen industriellen Unternehmungen ausüben könnte. Millerand erhielt kürzlich verschiedene Berichte von militärischer und ziviler Seite, die am besten die Resultate einer Ruhrbesetzung beurteilen können und die sich dagegen aussprachen Würde man mit dieser Besetzung drohen, so müßten starke Unruhen im ganzen Gebiet befürchtet werden. Ein hervorragender Sachverständiger erklärte, die Regierung die am Rhein Duisburg und Ruhrort besetzt halte, sei automatisch Herr über das ganze Ruhrgebiet. Infolgedessen könnten die Besatzungstruppen leicht vorrücken und die Zollschranke am Rhein würde bewirken, daß manche Mittelpunkte für die Einfuhr der Großindustrie und zwei Trittel ihrer Ausfuhrorte abgeschnitten würden. Nur wirtschaftliche Sanktionen an der Ruhr Paris, 15. Dez. Nach der„Vossischen Zeitung" betont man in französischen amtlichen Kreisen, daß Frankreich nur an Maßnahmen wirtschaftlichen Charakters im Ruhrgebiet denkt und daß diese Maßnahmen ohne jedes militärische Vorgehen getroffen werden könnten. Es handelt sich anscheinend um Maßnahmen in der Gegend von Ruhrort, wie sie wiederholt von französischen Politikern zur Ausübung eines Druckes auf die deutsche Schwerindustrie empfohlen werden. Poincare über die Pfänder? Paris, 15. Dez. Poincare empfing die Pressevertreter, denen er folgende Mitteilungen machte: s Hinsichtlich der Pfänder ständen die französische und die englische Anschauung sich noch völlig schroff gegenüber. Er habe sich seine Aktionsfreiheit vorbehalten und hoffe, daß bei den neuen Verhandlungen im Januar irgend eine Einigung zwischen Frankreich und England erzielt werde, ohne daß es dabei zum Bruche der Entente käme. Er habe ferner sich auf kein besonderes Pfand festgelegt. Wenn er tatsächlich daran dächte, die Ruhr zu besetzen, so würde er sich wohl hüten, das jetzt vor aller Welt vorauszusagen(??). Er würde solche Entscheidungen so treffen, daß keine weiteren Soldaten dazu notwendig seien. Die Zeit der Drohung ohne Ausführung sei vorbei. Das Heilmittel für Europa. London, 15. Dez. Reuter meldet aus Washington: Das Mitglied des Repräsentantenhauses Burton, der der Schuldenfundierungskommission angehört, gab in einer Rede vor der amerikanischen Kreditvereinigung der Hoffnung Ausdruck, daß die Drohung des Chaos und des Zusammenbruches, die über der Welt hänge, sich zerstreuen werde. Für Europa liege das Heilmittel nicht in der Annullierung der Schulden an die Vereinigten Staaten, sondern in der Annahme einer zweckmäßigeren Politik, in der Herabjsetzung der militärischen Ausgaben und der Schafisung vernünftiger und fester Beziehungen anstelle des gegenwärtigen Mißtrauens. Bonar Law über Reparationsproblem. London, 15. Dez. Der britische Premier= minister gab gestern abend im Unterhaus eine wichtige Erklärung über die Reparationsfrage ab. Er forderte die Parlamentsmitglieder auf, das Problem vom Standpunkt der Franzosen aus anzusehen, die wie die Briten immer Hoffnungen lgebaut hätten auf die Geldbeträge, die sie von Deutschland erhalten würden. Die Franzosen hätten in solchem Maße darauf gebaut, daß das Finanzsystem Frankreichs darauf beruhe, daß es große Summen von Deutschland erhalte. Deutschland verpflichtete sich, gewisse Beträge zu zahlen, aber fast nichts sei gezahlt worden. Persönlich Bate de Aischlc due bcheeer te. ser großen Summen von einem Lande zum anderen stets skeptisch gegenüber gestanden. Die Franzosen sagen: Wir haben Konferenzen auf Konferenzen gehabt, und was ist das Ergebnis gewesen? Jedes Mal gaben wir in dieser oder jener Form etwas wie ein Moratorium, und nach dessen Ablauf befanden wir uns stets in einer schlechteren Lage hinsichtlich der Aussicht. Geld zu erhalten, als vorher. Das sei die Aus:####r Franzosen, Es sei nicht der geringste Zweifel, daß es dadurch, daß die deutsche Regierung die erschreckende Inflation zuließ, unmöglich ist, irgend welche Reparationsansprüche zu erhalten. Die Franzosen gingen weite:: sie sagten, daß das absichtlich von Deutschland getan wurde. Ehrlich gesprochen, könne er, Bonar Law, diese Ansicht nicht teilen. Es sei ganz richtig, daß Deutschland durch eine derartige Methode passiver Resistenz vermeiden könnte, jemand eine Entschädigung zu zahlen, aber der Zahlung der Entschüdigung könnte dann nur entgangen werden durch eine Methode, die dem Selbstmord sehr ähnlich sei. Wenn in Deutschland eine genügend starke Regierung gewesen wäre, die die wirkliche Lage ins Auge fassen konnte, so wäre es ihre klare Pflicht nicht allein im eigenen Interesse, sondern auch um ihre Verpflichtungen zu erfüllen, der Inflation um jeden Preis Einhalt zu tun und zu versuchen, die Finanzen auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Das habe sie nie versucht. Es mag sein, daß sie nicht die Macht dazu gehabt hat. Bonar Law faßte die französische Ansicht in die Worte zusammen: Wir haben nichts erhalten und sind weiter davon entfernt als je, irgend etwas zu erlangen. Wir sind dessen müde und entfchlossen, stärkere Maßnahmen zu ergreifen. Der Premierminister kam zu der britischen Ansicht und sagte, er habe stets erklärt, daß jedes Zugeständnis, das England in der Schuldenfrage mache, wenn nicht mit der Gewißheit, so doch auf jeden Fall mit der großen Wahrscheinlichseit verbunden sein müsse, daß die Reglung endgültig sei und die Verhandlungen nicht wieder eröffnet werden müssen. Es sei vorgeschlagen worden, England sollte seinen Anspruch auf die Reparationen strei hen sowie die alliierten Schulden und gleichz tig eine ungeheure Schuld an Amerika bezahlen. Es gebe niemanden in der Welt, der glauben würde, daß, vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus betrachtet, England allein von den Alliierten Zahlungen leisten müsse. Unsere Finanzlage ist jetzt stark, weil wir die Steuerzahler arm gemacht haben. Wenn nicht zur rechten Zeit eine deutliche Besserung eintritt, würde England eine Stellung erreichen, die schlechter als die fast jedes anderen kalliierten Landes sei. England sehe das Reparationsproblem ausschließlich von dem Standpunkt an, welches die beste Methode sei, den Betrag zu erhalten, den Deutschland unter allen Umständen zahlen soll. Es bestehen Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Höhe dieses Betrages. Wenn Deutschland sich nie erhole, würde es frei sein von der schrecklichen Last innerer Schulden, die jetzt auf England falle. Deutschland werde sich eines Tages sicher erholen. Wir müssen beraten, auf welchem Wege wir zweckmäßig Zahlungen erlangen können, ohne der übrigen Welt und uns selbst Schaden zu tun. Alle Nachrichten, die er habe, liefen darauf hinaus, daß Deutschland dem völligen Zusammenbruch sehr nahe sei. Zu der Ruhrfrage gab Bonar Law folgende Erklärung ab: Die britische Regierung kann keiner Handlung mit Gleichmut zusehen, von der es uns wahrscheinlich erscheint, oder von der wir glauben, daß sie keine Reparationszahlung herbeiführen, sondern diese vielmehr schwieriger, ja vielleicht ganz unmöglich machen würde. Zum Schluß drückte Bouar Law die Meinung aus, daß es in der schrecklichen Verwirrung, in die Europa sich stürzte, fast keine Hoffnung auf eine Lösung gebe, wenn nicht Frankreich und England zusammen einer Meinung sind. I Die Sühnegoldmillion übergeben. 1 Paris, 15. Dez. Die Goldmillion, die Deutsch#land als Sühne zu bezahlen hat, ist den verbündeten Regierungen übergeben worden. 1. Aus dem Reiche. Die Verluste an Volksvermögen durch die Fri=densverttäge. Berlin, 15. Dez. Die Reinsregierung bereitet eine Denkschrift vor, welche das statistische Vaterial über die Frage zusammenfaßt, welche Verluste das deutsche Volksvermögen infolge des Friedensvertrages erlitten hat. Die Denkschrift wird dem Reichstag nach ihrem Abschluß in kurzer Zeit vorgelegt werden. Abfindung freiwillig aussch ttomder Beamten. Berlin, 15. Dez. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurden gestern bei der Beratung des Haushaltsgesetzes verschiedene sozialdemokratische Anträge, durch welche die Angestellten vor Entlassungen geschützt werden solken, abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag, wonach die Reichsregierung ersucht wird, zur Entlastung der Haushalte der Verkehrsverwaltung und zur##minderung der Kosten den bis zum 1. Februar 1923 freiwillig ausscheidenden Beamten dieser Verwaltung eine einmalige entsprechend hohe Abfindungssumme zu gewähren. Aenderung des Gerichtskosteugesetzes. Berlin, 15. Oez. Der Rechtsauslchuß des Reichstages beschäftigte sich gestern mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Gerichtskostengesetzes. Die allgemeine Aussorache zeigte im wesentlichen Zustimmung zu dem Gesetz. Die zweite Lesung der Bestimmungen über die Sprengung von Versammlungen wurde auf die Zeit nach Weihnachten verschoben. Der Unterbau der Wirtschaftsversassung. Im Verlassung. Berlin vorläufigen 15. Dez. Reich schug des irtschaftsrales ist bei der Beratung über den Unterbau des späteren endgültigen Wirtschaftsvarlaments eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erzielt worden. Es handelt sich um das Gutachten über den reich rechtlichen Ausbau der Handels= und Handwerkskammern. Danach bleiben die Handels= und Handwerkskammern in ihrer bisherigen Zusammensetzung als selbständige Organe bestehen. Neben ihnen stehen aber Vertreter der Arbeitnehmer und kammerpflichtigen Betriebe. Ein Antrag, die bei den Handwerkskammern schon bestehenden Gesellenausschüsse auszubauen, wurde von den Arbeitnehmern abgelehnt mit der Begründung, daß diese Ausschüsse sich auf bestimmte Arbeitnehmerkateg###ien beschränken. Ueber beide Organisationen soll im Bereich jeder Handels= und Handwerkskammer ein paritätisches Gemeinschaftsorgan errichtet werden. Auf Antrag der Konsumvereinsvertreier wurde beschlossen, daß Konsumgenossenschaften, die ihre Warenverteilung auf den Kreis ihrer Mitglieder beschränken, nicht Milg'ied der Industrie= oder Handelskammer Handwerks= oder Geverbekammer zu sein oder der brauchen. Vierfache Erhöhung der Unfallrentenzulage. Berlin, 15. Dez. Der sociulp##litische Ausschuß des Reichstages beriet über die Zulage in der Unfallversicherung. Die Sozialdemokraten lehnten den Gedanken, die weitere Zulage von der Bedürftigkeit abhängig zu machen, ab. Die bürgerlichen Parteien traten dafür ein, wn auh im einzelnen gewisse Bedenken bestehen. Die ganze Frage soll im Januar weiter geprüft werden. Am den Eintritt einer Lücke zu vermeiden, beschloß der Ausschuß einstimmig die vierfache Erhöhung der heutigen Unfallrentenzulage. Berlin, 15. Dez. Der Reichswirtschaftsrat beriet in seiner gestrigen Sitzung den Gesetzentwur über die Arbeitszeit.§ 1, der besagt, daß das Gesetz für die gewerblichen Arbeiter Geltung haben soll, wurde dahin geändert, daß die Lehrlinge eingefügt werden. Eine längere Debatte entspann sich beim§ 3, der das Gesetz auch auf die Betriebszweige der Land= und Forstwirtschaft ausdehnen will. Von Arbeitgeberseite wurde scharf gegen eine Ausführung des Achtstundentages in der Landwirtschaft Stellung genommen. An der Mißernte trage zum größten Teil die verkürzte Arbeitszeit schuld. Von Arbeitnehmerseite wurde diese Behauptung rückgewiesen. Ein Arbeitgeberantrag auf Streichung der diesbrzigli en Betimmungen wurde angenommen. Beim§ 4 wurde dann auf Arbeilgeberseite ausbrücklich festgestellt, daß das Gesetz keine Anvendung auf landwirtschaftliche Betriebszweige und Nebenberufe der Land= und Forstwirtschaft findet. Auch für die beim Hafenumschlag beschäftigten Persoll die Bestimmung keine Geltung haben. § 5 bestimmt, daß die Arbeitszeit ausschließlich der Pausen 8 Stunden nicht überschreiten darf. Etwaige Arbeitsausfälle an einzelnen Werktagen oder Tasen vor Festtagen können durch entsprechende Verängerung an anderen Tagen ausgeglichen werden; edoch darf die Gesamtzahl der Stunden nur 48 pöchentlich betragen. Die Arbeilgeber gaben dem Paragraphen eine vollkommen neue Fassung, in der se fordern, daß die bloge Arbeitsbereitschaft nicht zls Arbeitszeit gilt und Unge zu Vorbereitung: glich bis zu 1 Stunde Mehrarbeit herangezogen berden können. Die Frage der Arbeitsbereitschaft auf den heftigen Widerstand der Arbeitnehmer, benso die Frage der Mahrbeschäftigung der Lehringe. In der Abstimmung wird dem Antrag der Arbeitgeber auf Nichteinberechnung der Arbeitssereitschaft in die Arbeitszeit mit 102 gegen 100 Stimmen im Hammeisprung zugestimmt und Abatz 1 des Paragraphen 5 in dieser Fassung angeommen. Die Mehrbeschäftigung der Lehrlinge wird nit 103 gegen 97 Stimmen ebenfalls angenommen. 6 regelt die Sonntagsarbeit. Er wird nach den Poniräres=Tammtereericht. Paris, 16. Dez. Zu der gestrigen Kammersitzung waren in Erwartung der Erklärung Voincares die Abgeordneten zahlreich erschienen. Poincare ergriff sofort das Wort und erklärte, daß seit der letzten Konferenz sich der öffentlchen Menitung Europas ein gewisses Fieber bemächtigt habe, aber daß dazu kein Grund vorliege. Die Lage habe sich nicht verschlechtert, sondern im Gegenteil, was die Lausanner Konferenz anbelange, sei die Einigkeit unter den Alliierten vollständig. Ismed Pascha sei ein aufrichtiger Freund der Alliierten, während die Türken in Angora feindlich der türkischen Autorität gegenüberstehen. Im großen und ganzen handele es sich aber mehr um Mißverständnisse und Meinungsverschiedenheiten, was daraus hervorgebe, daß die Türken sich dem Völkerbund anzuschließen wünschen. Poincare kommt dann auf die Londoner Konferenz zu sprechen, die in herzlichem Tone verlaufen sei. Auf allen Seiten habe der Wunsch obgewaltet, die Entente trotz aller Meinungsverschiedenheiten aufrecht zu erhalten. Poincare erklätre, er bedaure die Vergangenheit nicht. er sei überzeugt, daß die Entente nicht gefährdet sei, und die Debatte, die in London nicht abgeschlossen sei, werde in Paris am 2. Januar fortgesetzt werden. Ueber die Konferenz selbst könne er keine langen Erklärungen machen. Er müsse vor allem feststellen, daß die Revarationssbhulden und die interalliierten Kriegsschulden nicht miteinander verglichen werden können, daß sie grundsätzlich verschieden seien. Die Alliierten hätten ein Recht auf Bezahlung der Kriegzschulden seitens Deutschlands. Die Alliierten hätten sich aber darauf beschränkt. nur die Reparationskosten von Deutschland zu verlangen. Bevor Frankreich seine Kriegsschulden bezahle, müsse es von Deutschland Reparationszahlungen erhalten. Dann machte Poincare des weiteren Ausführungen über die bisher geleisteten Revarationen Deutschlands. Deutschland habe im Jahre 1922 statt der 2600 Millionen Goldmark nur 450 Goldmark=zehlt, während 705 Millionen Goldmark in Gutscheinen zur Ausgabe kamen. Wenn entschland seinen Verpflichtungen im neuen Jahre nicht nachkommen sollte, würden die Alliierten in Deutschland das Recht haben, Pfinder zu ergreifen, alliierten Vertreter ließen in dieser Beziehung keinen Zweifel obwalten. Frankreich denke weder für heute noch für kommende Zeiten an militFrisch: Expeditionen noch an Strassanktionen. Frankreich wolle bezahlt werden. Es sei aber entschlossen, Pfänder zu ergreisen, wo es Pfäuber finden werde, aber dieses werde nur in Verbindung mit den Allierten geschehen. Er denke, daß in dieser Frage das herzliche Einverständnis unter den Allierten bei den kommenden Besprechungen in Paris keine Einbuße erleiden werde. Die letzte Note des Reichskanzlers Dr. Cuno sei vollständig ungenügend. Sie habe von der Stabilisierung der Mark und von einer Anleihe gesprochen, aber nicht von einer Garantie. Das letzte sei deshalb interessant, weil sie zum ersten Male das Eingeständnis enthalte, daß große deutsche Kapitalien ins Ausland gebracht worden seien. Dann fand die Abstimmung statt. Mit 288 gegen 233 Stimmen wurde der Antrag auf Schließung der Diskussion abgelehnt und endete also mit einer Niederlage der Regierung, die erklären ließ, daß sie einer Diskussion über die Erklärungen Poincares über die Londoner Konferenz nicht zustimmen könne. Die Kammer ging dann zur Verhandlung unteracordneter Interpellationen über. Poincare vor dem Rücktritt. Paris, 15. Dez. Hier gilt Poincares Stellung für sehr ernstlich erschüttert, so daß sein Rücktritt nach hier herrschender Auffassung mit Sicherheit zu erwarten ist, selbst wenn die bevorstehende Kammerdebatte mit einer Art von provisorischem Vertrauensvotum abschließen sollte. Paris, 15. Dez. Zu Beginn der gestrigen Senatssitzung nahm der Senator Gaudin de Villaine das Wort, um den Ministerpräsidenten um eine baldige Besprechung seiner Interpellation über das Ergebnis der Verhandlungen von London zu ersuchen. Die öffentliche Meinung, so erklärt der Senator, beginne in Frankreich sich zu beunruhigen. Poincare erwiderte darauf sofort, ich glaube, daß die öffentliche Meinung Grund hat, sich nicht zu beunruhigen. Ich werde in der Kam. mer, wo die Interpellationsdebatte bereits im Gange ist, mich äußern. Früher kann ich es auch im Senat nicht tun. Ich bin aber bereit, Herrn Gaudin de Villaine am nächsten Donnerstag zu antworten. Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß meine Aeußerungen ziemlich diskret sein werden, da die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen, sondern noch im Fluß sind. Darauf wurde die Besprechung der Interpellation auf Donnerstag, den 21. Dezember, festgesetzt. * Unterrichten, da damit gerechnet werden könne, daß inzwischen Skaatssekretär Bergmann ihm näheren Bericht über die Aussichten neuer deutscher VorAi dag außerdem die Lehrund Aufräumungsarbeiten schußbeschlüssen angenommen, ebenso§ 7, der Nebenarheiten in anderen Betrieben untersagt, falls dadurch der Achtstundentag überschritten wird.§ 8, der verhütet, daß Arbeitern Arbeiten zur Verrichtung außerhalb des Betriebes übertragen werden, wird nach dem Antrag der Arbeitgeber gestrichen. Die§§ 9 bis 17 behandeln die Schutzbestimmungen für Kinder, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen. Im übrigen werden die§§ 9 bis 17 nach längerer Aussprache ohne wesentliche Aenderungen angenommen. Ausgabe neuer Einkommensten rmarken. Berlin, 15..z.#### bit„Teee ohenUnion“ erfährt, wird die Ausgabe neuer Einkommensteuermarken zu 500, 1000 und 2000 Mark bereits seit einiger Zeit vorbereitet. Die Ausgabe ieser Marken wird in kurzer Zeit erfolgen. Außerdem ist die Ausgabe von Einkommensteuermarken zu 3000, 5000 und 10000 Mark in Aussicht genommen. Dadurch wird die Not der Einkommensteuermarken in kurzer Zeit behoben sein. Personalveränderungen in der Reichswehr. Berlin, 15. Dez. In den leitenden Kommandostellen der Reichswehr sind eine Reihe Veränderungen vorgenommen worden. Der bisherige Befehlshaber der Gruppe 2 in Kassel, General der Artillerie von Berendt, ist zum Befehlshaber der Gruppe 1 in Berlin ernannt worden, der Landeskommandeur von Bayern und Kommandeur der bayrischen Division, General von Möhl, wird durch den bisherigen Leiter der Infanterieschule in München, v. Lossow, ersetzt, während von Möhl den Befehl der Gruppe 2 in Kassel erhält. Außerdem ind noch einige andere Besetzungen in höheren Komnandostellen vorgesehen. efängnisstrafen im Harden=Prozeß. Verneinung eines Mordversuchs. Berlin, 14. Dez. Im Hardenprozeß lautete nach mehr als vierstündiger Beratung der Spruch der Geschworenen für beide Angeklagten auf Beihilfe zur Körperverletzung. Dem Angeklagten Weichardt wurden mildernde Umstände zugebilligt, dem gten Grenz dagegen nicht. Der Staatsanwalt beantragte darauf für Weichardt 2 Jahre 11 Monate Gefängnis und für Grenz 4 Jahre 11 Mo. fängnis, wovon 4 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet werden sollen, außerdem auf Einziehung des Totschlägers. Der Staatsanwalt begründete diese hohen Strafen damit, daß die Tat hart an versuchten Meuchelmord streife.— Im Hardenprozeß wurde gegen 1 Uhr nachts das Urteil gefällt. Es lautete bei Grenz wegen Beihilfe zur Körververletzung auf 4 Jahre 9 Monate Gefängnis, gegen Weichardt wegen Beihilfe zur Körperverletzung unter Zubilligung mildernder Umstände auf 2 Jahre 9 Monate Gefüngnis. Beiden Angeklagten wurden 2 Monate der Untersuchungshaft angerechnet. Außerdem wurde die Einziehung des Totschlägers verfügt. Die Angeklagten erklärten, sich mit dem Urteil abfinden zu wollen. Deutscher Reichstag. Berlin, 15. Dez. 1922. Der Reichstag ist eifrig bemüht, den noch reichlich vorliegenden Arbeitsstoff möglichst bis zum Sonnabend zu bewältigen. Die Freitagssirzung nahm daraufhin schon um 12 Uhr ihren Anfang. Am Sonabend will man schon um 10 Uhr beginnen. Die kleinen Anfragen, die die Einleitung bildeten, wiesen auf die deutsche Not im Westen hin. Wegen der Sicherung der deutschen Staatsangehörigkeit von Frauen, die einen Ausländer heiraten, wonach Frau Dr. Lüders (Dem.) fragte, sind internationale Verhandlungen im Gange. Nach Erledigung dieser kleinen Anfragen konnte die Beratung der Haushaltspläne fortgesetzt werden und zwar beim Ministerium des Auswärtigen, bei welchem die Kommunisten dem Kabinett uno den Vorwurf machten, es sei nur großkapitalistisch eingestellt und habe sich der Schwerindustrie glatt unterworfen. Der Sozialist Breitscheidt, wehrte kommunistische Angriffe gegen seine Partei ab und gab dann selbst zu, daß es im gegenwärtigen Augenblick unzweckmäßig sei, weitere Fragen der auswärtigen Politik zu erörtern. Der Haushalt des Auswärtigen Amtes wurde daher auch ohne nähere Aussprache gebilligt. Beim Finanzministerium forderte Abg. Mumm(Dutl.) eine Erhöhung des Ehrensoldes der alten Veteranen, die jetzt nur 50 Mk. monatlich erhielten. Auch dieser Haushalt wurde genehmigt. Da weitere Haushaltspläne noch nicht fertig waten, wurde um 3 Uhr die Sitzung abgeschlossen und eine neue auf 4 Uhr anberaumt. In der zweiten Sitzung, die um 4 Uhr nachmittags ihren Anfang nahm, wurde zunächst die Reichshaushaltsordnung angenommen, Dann stritt man sich einige Zeitlang um die Zwangsanleihe. Sie beträgt nach den Ausschußvorschlägen bei den ersten 200000 Mark%, von den nächsten 300000 Mk. 2% und steigt schließlich bis auf 1075. Die Vorlage wurde in dieser Fassung unverändert angenommen. Abänderungsanträge der Rechten und Linken verfielen der Ablehnung. Man setzte dann die Beratung zum Nachtrag des Reichshaushaltsplanes fort und zwar beim Ministerium für Ernährung und Landtwirtschaft. Hier forderten die Deutschnationalen die sofortige Bezahlung des Umlagegetreides, Kredit zur Düngemittelbeschaffung und Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Betriebe, besonders auf dem Gebiete des Tarifwesens. Die Linke wies auf die Ernährungsschwierigkeiten hin und verlangte Abhilfe. Schon im Ausschuß ist darauf hingewiesen worden, daß die Brotversorgung für den Winter gesichert erscheint. Am Sonnabend will der Reichstag in die Ferien gehen. Letzte Drahtmeldungen. Cunos Bericht vor den Parteiführern. Berlin, 16. Dez. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der Reichssanzler die Absicht habe, die Parteiführer am Sonnabend über die Lage zu schläge erstattet habe. Es heißt, Bergmann werde Ende Dezember nochmals nach Paris reisen. Bezüglich der Beteiligung der deutschen Industrie hören wir noch, daß die Industrie von sich aus keine Aktion plant, sondern eine Initiative der Regierung abwartet. Im übrigen bleibt es bei der Bereitschaftserklärung der deutschen Industrie, wie sie Geheimrat Sorge formulierte. Das Ruhegehalt des Reichspräsidenten. Berlin, 16. Dez. Im Haushaltsausschuß des Reichstage wurde der Gesetzentwurf über das Ruhegehalt des Reichspräsidenten angenommen. In der Hauptsache bestimmt der Entwurf, daß für den Fall des Ausscheidens des Reitzspräsidenten vor Ablauf seiner Amtsdauer oder infolge von Dienstunfähigkeit oder aus politischen Gründen die Dienstbezüge mit Ausnahme der Aufwandsgelder noch bis zum Vierteijahrsschluß weiter bezahlt werden. 1½ Milliarden Dollar Kredit. London, 16. Dez. Wie der Washingtoner Korrespondent der„Newyork World“ berichtet, verlautet, daß die Höhe der an Deutschland zu gewährenden Reparationsanleihe 1½ Milliarden Dollar betragen solle. Der„Newyork Herald" bestätigt diese Zahl und bemerkt, die amerikanische Regierung und die amerikanischen Bankiers nehmen ein gewecktes Interesse an dieser Angelegenheit. Amerikas neue Europapolitik. Haag, 15. Dez. Nach dem„Manchester Guardian“ hat Mc. ormick, Mitglied der Senatskommission für Auswärtige Angelegenheiten in Washington, der sich bereits seit einiger Zeit n London aufhält, wchtige Besprechungen mit englischen Politikern über die Reparationsfrage gehabt. Es steht, nach dem„Manchester Guardian", jetzt fest, daß Amerika die englische Regierung in ihrer Aktion gegen eine Besetzung des Ruhrgebietes unterstützen wird. Der„Times“=Korrespondent in Washington ist fest davon überzeugt, daß Ameriko noch immer nicht daran denke, die europäischen Schulden zu streichen. Was Amerika besonders davon abhalte, die Schulden zu streichen, sei die Furcht, daß der europäische Militarismus dadurch mächtiger werde. Der„friedliche Einmarsch in das Ruhrgebiet“ Berlin, 15. Dez. Dem„Berl. Tagebl.“ wird aus Paris gemeldet: Die Erklärungen Bonar Laws über die Reparationsfrage haben die öffentliche Meinung Frankreichs nur halb befriedigt. Die französische Regierung bemüht sich anscheinend, durch diplomatische Verhandlungen eine Verständigung vorzubereiten. Poincare weist darauf hin, daß die in London begonnenen Besprechungen nicht abgebrochen seien, sondern auch während der Pause noch weitergehen. Seine Journalisten versuchen jetzt, den Weg frei zu machen, indem sie ein neues Schlagwort prägen und von einem friedlichen Einmarsch in das Ruhrgebiet sprechen. Herriot hat gestern in der„Inormation“ so geschrieben und ein halbes Dutzend Blätter schreiben es heute nach. Es heißt da, eine militärische Besetzung bringe nichts ein als Gefahren und Enttäuschungen, aber es sei aussichtsvoll, französische Techniker in das Ruhrgebiet zu schicken, die eine Aufsicht über die Erzeugung einführen müßten. Gegen## militärische Besetzung des Ruhrgebiets ist überhaupt in parlamentarischen Kreisen der Widerstand gewachsen. Die Radikalen der Kammer haben in einer Sitzung beschlossen, sich gegen jede Politik zu wen. den, die aus der Forderung der Ruhrbesetzung Vorteile zu ziehen suchen. Die radikale Partei hält im Augenblick diese Besetzung noch nicht für angebracht und will erst später im Notfalle unter günstigeren Umständen auf die Frage zurückkommen. Handelsteil. Devisenkurse. Der Dollar 7443. Essen, 15. Dez. Heute Vormittag herrschte eine flaue Haltung; bei größter Zurückhaltung und ihr kleinem Geschäft nahm die rückläufige Bewegung ihren Fortgang. Um 11 Uhr hörte man im freien Verkehr: Kabel Newyork 7475—7550, England 84 500—35 000, Holland 2980—3000, Frankreich 540—545, Belgien 490—495. Schlußkurse um 6 Uhr: Holland 2800—2850, Amerika 6900—7000, England 32000—33000, Frankreich 500—520, Belgien 400—108, Schweiz 1340—1400, Produktenberscht. Die am Devisenmarkt anhaltende Abschwichung machte sich auch am Getreidemarkt stärker bemerkbar. Die Preise gaben hierbei bei verhältnismäßig geringen Umsätzen weiter nach, was besonders für Mais in naher und späterer Lieferung gilt. In Weizen zeigte sich seitens einiger Mühlen, die unverändert guten Umsatz für Auszugsmehl haben, etwas Kauflust. Da die Reichsgetreidestelle in den letzten Tagen viel Roggen bei den Müllern im Lande gekauft hat, ist das Angebot darin geringer geden, so daß sich die Preise gut behaupteten. Die Preisabschwächung kam auch bei den übrigen Artikeln zum Ausdruck. 1 Nr. 291/191 0 mit den Gratisbeilagen: Am Märkischen Herd, Soziale Rundschau. ** 16. Dezember 1922 am 2 Diebstählen die gestohlenen Sachen unter den von Caltrop und Umgege## ihnen getragenen Umschlagtüchern zu verbergen. Pite vrzer#### 4 Gestoslen Von einem Hause in der Bredkenstraße wurden in einer der letzten Nächte 8 Meter Dachabfallrohr im Werte von 3000 Mk. gestohlen. Der Täter konnte bis zur Stunde noch nicht ermittelt werden. tschtmal werden wir noch wach, Heißa, dann ist Weihnachtstag! S. klingts jubelnd aus dem Munde der Kinder der Armen und der Reichen. Sehnsuchtsvoll erwarten sie den Tag des Kindeleins der weltumspannenden Li de. Soll in den Mauern unserer Stadt den Kindern der Aermsten der Armen, soll diesen selbst eine verbitternde Enttäuschung statt Freude bereitet werden, an dem Tage da überall nach gutem alten deutschen Brauche Freude und Friede herrschen sollte?„Nein und abermals nein!“ wirst du sagen, schöne Leserin und lieber Leser,„das darf nicht sein!“ Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist halbes Leid! Drum zögere nicht länger! Gib, sofern du es noch nicht tatest, noch heute deine Spende für die Hilfsaktion der Stadt Castrop! Hunderte von leeren Händen, die in Not und Kälte und Elend zittern, strecken sich dir bittend entgegen, mit ihnen die des Kindeleins im Stall zu Bethlehem!„Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan!"..... * M i t d e m u n g l e i c h e n Z u c k e r p r e i s b e s c h ä f t i g t e sich der Magistrat der Stadt Castrop. Es wurde setgestellt, daß die Preise zwischen 110 und 180 Mark schwankten. Man hat daher mit dem Mittelstandshaus Verhandlungen angeknüpft, welche auf eine Vereinheitlichung des Preises hinauslaufen. Die Dortmunder Zucker=Zentrale teilte auf Anfrage mit, daß eine generelle Festsetzung von Höchstpreisen für Zucker nicht in Aussicht genommen sei, und daß die ungleichen Preisverhältnisse im Zuckerverkauf in allernächster Zeit beseitigt würden, da alsdann die Preise von den Zuckerfabriken einheitlich festgesetzt würden. Der Brotpreis wird, wie aus einer amtlichen Bekanntmai#ung der.aot Caurop und des Amtes Rauxel hervorgeht, abermals erhöht. Eine sich allerdings in mäßigen Grenzen bewegende Steigerung des Milchpreises soll, wie wir hören, für Montag hworstehen. Zur Beachtung! Wie uns aus dem Leserkreise mineteilt wird, kommt es in der letzten Zeit überaus häufig vor, daß Bahnsendungen beraubt ankamen. Der betreffende Einsender plant sich dieserhalb mit einem Abgeordneten in Verbindung zu setzen und möchte ihm für die beabsichtigte„Kleine Anfrage“ bei der Regierung möglichst umfassendes Material unterbreiten, damit dem lästigen und verlustbringenden Uebelstand endlich von oben her ein Ende bereitet wird. Alle Leser unserer Zeitung in Castrop, Rauxel, Habinghorst, Ickern, Merklinde, Boevinghausen, Bladenhorst, Frohlinde, Holthausen, Gerthe, Henrichenburg und Umgegend, die im Monat Dezember bestohlene Bahnsendungen erhalten haben, werden daher gebeten, der Schriftleitung ihre Adresse und den kurzen Tatbestand zur Weiterleitung an die zuständige Stelle baldigst bekannt zu geben. a Castroper Turnverein 1874. Heute abend 8½ findet im Vereinslokal(Haller am Markt) ein Festkommers statt, auf dem die Ueberreichung der Ehrenurkunde an den Ehrenvorsitzenden, Herrn Lehrer Hoof, der sich um den Verein in seiner langjährigen Tätigkeit als 1. Vorsitzender hervorragende und bleibende Verdienste erworben hat, erfolgen wird. Die Urkunde, in vollendeter künstlerischer Ausführung angefertigt, ist ein Werk des Herrn Architekten Henneke hierselbst. Der Vorstand hegt die Erwartung, daß die Mitglieder sich möglichst zahlreich an dem Kommers beteiligen werden. ∆ Auswandererliste. Nach amtlicher Mittei(lung beabsichtigen die Eheleute Johann Walezak,=Straße 3 nach Frankreich auszuwandern. (9 Unberechtigter Handel. Bei einem Althändler in Oberyastrop wurde eine Anzahl Sachen Gestallgsgenstände usw.) beschlagnahmt, weil der Velressende nicht zum Handel berechtigt war. Iel Ermittelt wurden seitens der Polizei drei Frauen, welche in hiesigen Geschäften größere Mengen Bonbons und Fleisch, sowie von Marktständen Strümpfe und Wolle gestohlen haben. Ein Teil der Bonbons, sowie die Strümpfe und Wolle konnten von der Polizei beschlagnahmt und sichergestellt werden. Die Frauen pflegten bei den s Ein Sittlichkeitsverbrechen wurde am Donnerstag abend von einem 17 Jahre alten Burschen auf der Mittelfeldstraße an einem 5jährigen Mädchen verübt. Der Täter wird hoffentlich vom Gericht eine ganz exemplarische Strafe bekommen. (9 Im Metropoltheater gelangt z. Zt. aus der Reihe der Schiller=Filme„Die Jungfrau von Orleans" zur Aufführung. Die Möglichkeiten des Kinos haben naturgemäß dazu geführt, daß zum Ersatz für die in Schillers bekanntem Drama die Handlung begleitende Worte, in der Darstellung viel weiter ausgeholt wird. So ist denn für den Film ein sechsaktiges Werk entstanden, das neben dem in Schillers Drama Dargestellten auch die dort nur erzählte Vorfabel, sowie so manches, was der Dichter bei den enger umgrenzten technischen Hilfsmitteln der Bühne nur hinter den Kulissen andeuten konnte, vor den Augen der Zuschauer sich in farbenprächtigen, historisch getreuen, bewegten Massen= und Einzelszenen abwickelt. Der Film wurde somit nicht zum Ersatz sondern zur aus der fortgeschrittenen Technik geborenen Ergänzung von Schillers Dichtung und bietet somit vor allem auch für die besonderes Interesse, welche das Bühnenwerk die„Jungfrau von Orleans“ sahen oder lasen. Neben diesem großen Film wird noch die Fortsetzung von„Seepiraten“ gezeigt, in der Eddie Polo wieder in unerschöpflicher Fülle neue, tollkühne und verblüffende „Sensationen“ vorführt. Lotte Neumann, die lange hier nicht Gesehene, erregt in dem als Einlage gegebenen Lustsviel stürmische Heiterkeit. □ Die Roland=Lichtspiele bringen mit dem gegenwärtig laufenden Spielplan den Riesenfilm „Der Graf von Monte Christo“ mit der letzten, „Schuld und Sühne“ betitelten Episode zum würdigen Abschluß. Alle Vorzüge der vorhergehenden Teile sind hier nochmals zu einem großen Wurf vereint, sodaß der Schlußeffekt wirklich jeden Zuschauer befriedigen muß. Der hier so beliebte Sensationsdarsteller Elmo Lincoln, vollführt in dem Filmwerk„Die Abenteuer des Kapitäns Lincoln“ wieder eine Reihe der Meisterwerke, zu denen ihn seine erstaunliche Kraft und gewaltige Körpergröße prädestinierten. Alle sechs Akte sind voll anziehender Handlung und fesselnder Spannung bei vorzüglicher Inszenierung und bester Darstellung. Eine Lustspieleinlage vervollständigt das Programm. L Wunsch=Abend. Heute abend 7 Uhr findet im Kaffee Hettermann, Hernerstr. 24, ein MusikWunsch=Abend statt. Freunde der Musik, welche recht unterhaltende Stunden verleben wollen, seien auf die Veranstaltung besonders aufmerksam gemacht.(Siehe Anzeige!) 19. Dezember dauerndes Gastspiel im Saale der Wirtschaft Richter(Middelanis). Die einzelnen Vorstellungen sind aus der Ankündigung im Anzeigenteil zu ersehen. In ihnen wird Bellachini jr. in buntem Wechsel aus seinem 65 Nummern aufführenden Hauptprogramm die vorzüglichsten und verblüffendsten„Kunststücke“ zum besten geben, sodaß den Besuchern angenehme Stunden bester Unterhaltung in Aussicht gestellt und jedem Freunde der Magier= kunst der Besuch nur empfohlen werden kann. Bei seinem letzten, in Dortmund gegebenen Gastspiel fand der Künstler allabendlich vor ausverkauften Häusern rauschenden Beifall. Aehnliche Berichte haben uns aus Bochum,.=Gladbach, Recklinghausen u. a. Orten vorgelegen. Uebereinstimmend erkennt die Kritik die Meisterschaft des Nachkommens des großen„alten Bellachini“ an. „Wintersnot“ Die amtlichen Entfernungskarten der einzelnen Kreise des Regierungsbezirks Arnsberg sind, nachdem sie zuvor auf die Gegenwart berichtigt worden sind, in neuer Auflage erschienen. Sie könen von der graphischen Kunst= und kartographischen Verlagsanstalt Robert Mittelbach in Dresden Kötzschenbroda, Körnerstraße 2/4 bezogen werden. c' Rauxel.(Vom Wohlfahrtsamt) wird uns mitgeteilt, daß die fällige Teuerungszulage für Militärrentenempfänger am Montag während der Dienststunden ausgezahlt wird. Aus dem Emschertal. □ Rauxel=Bahnhof.(Wohltätigkeit.) Die am letzten Sonntag vom Dramatischen Verein „Sternblume“, Castrop im Saale der Wirtschaft Richter(Middelanis) veranstaltete Wohltätigkeitsaufführung zum Besten der Knappschaftshinterbliebenen von Castrop und Rauxel hatte einen sehr guten Besuch zu verzeichnen. Die Operette „Verliebte Leute“ fand abermals reichen Beifall. Als Reinüberschuß konnten dem Zweck der Veranstaltung die schöne Summe von 21233 Mk. zugeführt werden. L Ranxel=Bahnof.(Bellachini jr.) der bekannte Zauberer, Sllusionskünstler und Dyp seur gibt von morgen ab ein bis Dienstag, den Hilfsaktionen an anderen Orten. .=Gladbach.(Für die hiesige städtische Hilfsaktion) für die notleidende Bevölkerung sind trotz der Kürze der Zeit schon rund 800000 Mk. eingegangen. Es konnte bereits ein Waggon Kartoffeln und ein Waggon Brandholz verteilt werden. In der ersten Sitzung der zur Verteilung der Mittel eingesetzten Kommission wurde über 240 eingelaufene Anträge beraten. Hierbei waren 120 Empfänger von Armenunterstützung und 80 Sozialrentner. Mit sehr geringen Ausnahmen wurde sämtlichen Anträgen stattgegeben und zwar wurden erstmalige Unterstützungen von 1500 bis 3000 Mk. gewährt. Wohlfahrtsamt und Ausschuß hoffen recht bald in der Lage zu sein, weitere Unterstützungen geben zu können. Der Eifer im Herbeischaffen der Mittel(Ertrag je einer Arbeitsstunde) ist in allen Kreisen unserer Stadt gleich groß. Dresden.(Notgemeinschaft.) Im Dresdener Rathaus wurde ein großes Hilfswerk der deutschen Notgemeinschaft in Sachsen beschlossen, das die schnelle und positive Hilfeleistung für die Armen und Aermsten unserer Tage zur Aufgabe hat. Die sächsischen Arbeiter haben sich bereit erklärt, im ganzen Lande einen in zwei Raten zu leistenden Stundenlohn der Notgemeinschaft zu spenden. Auch die Beamten haben die Abührung von einem halben Prozent eines Monatsgehalts zugesagt. Die Vertreter der sächsischen Großindustrie, die Landwirtschaft usw. haben sich ebenfalls zur tatkräftigen Hilfeleistung bereit erklärt. Schätzungsweise wird in kurzer Zeit mit einem Hilfsfonds von 250000000 Mk. zu rechnen sein. Die Verteilung der Unterstützung soll durch die amtliche Wohlfahrtspflege vorgenommen werden. Sport am Somtllag. Castroper Sportverein 02. E. V. C S. V. hat morgen die 1. Mannschaft des Spielvereins 1912 Rotthausen zum fälligen Rückspiel zu Gast. Rotthausen spielt guten Fußball; in der=Klasse stehen sie mit an führender Stelle. Da der C. S. V. fast komplett mit seiner Ligaelf antritt, ist spannender und interessanter Sport zu erwarten. Anstoß ½3 Uhr.„ Vor dem Spiel tritt die 1. Jugeno C. S. V. zum Gesellschaftsspiel gegen die 1. Jugend Arminia Marten an Beide Mannschaften sind Spitzenreiter ihres Bezirks und wird sich deshalb auch hier der Besuch lohnen Anstoß ½2 Uhr Auf die morgen vorm. ½11 Uhr im Verkehrslokal stattfindende Monatsversammlung wird auch an dieser Stelle besonders hingewiesen. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht.(Siehe Inserat!) Metalldiebstähle und Aithändler= unwesen. Starke Beteiligung an den Diebstählen durch Jugendliche, Düsseldorf, 15. Dez. Nachdem die hiesige Handelskammer sich bereits für die Konzessionspflicht der Althändler ausgesprochen hat, um das Gewerbe von unlauteren Gliedern, die hauptsächlich die Hehlerei betreiben, möglichst zu reinigen, plant sie noch weitere und schärfere Maßnahmen. Sie hatte zu deren Vorbereitung eine Versamm. lung einberufen, zu der die Gerichtsbehörden, die Staatsanwaltschaft, die Polizeiverwaltung, die Schulverwaltung, die Jugendfürsorge, Arbeitgeber= und Arbeitnehmervereinigungen Vertreter entsandt hatten. Der Geschäftsführer der Handelskammer berichtete einlettend über die erschreckende Zunahme der Fabrikdiebstähle, an denen in erheblichem Maße Jugendliche beteiligt seien. Stark vermehrt hätten sich außerdem die Geschäfte, die Altmetalle, Metallbruch, und namentlich Edelmetalle aufkaufen. Es könnte keinem Zweifel unterliegen, daß die Zunahme derartiger Geschäfte mit der Zunahme der Diebstähle in engster Verbindung stünde. Da nicht nur große wirtschaftliche, sondern auch sittliche Werte verseucht würden, und außerdem das Diebesgut durch die Hehler ins Ausland verschleppt würde, so sei dies eine Angelegenheit des ganzen Volkes. Mit allem Nachdruck müsse man gegen das Unwesen vorgehen. Die Aussprache ergab ein schreckenerregendes Bild der gegenwärtigen Zustände. Namentlich die Darstellungen der Vertreter des Jugendgerichts und der Staatsanwaltschaft taten übereinstimmend die starke Zunahme der Fabrikdiebstähle durch Jugendliche dar. Es wurde geäußert, daß der in neuerer Zeit übliche Strafvollzug wieder geändert werden müsse, in der Hauptsach: aber, darin waren alle Beteiligten einig, der Kampf mit allem Nachdruck sich gegen die Hehler richten müsse. Die Behörden vertraten übereinstimmend die Auffassung, daß Unzuverlässigkeit im Sinne der geltenden Gewerbeordnung zweifellos vorliege, wenn Althandlungen von Ingendlichen Metall und namentlich Edelmetall ankauften. Infolgedessen soll zukünftig Geschäften, die von Jugendlichen solche Gegenstände ankaufen, der Gewerbebetrieb untersagt werden, war nach den geltenden Gesetzen bereits zulässig Um den Behörden das Vorgehen gegen die ler zu erleichtern, werden alle Eltern, Lehrer und Gewerbetreibenden, denen Fälle des Ankaufs von Jugendlichen durch Geschäfte bekannt werden, aufgefordert, die Geschäfte der Polizeiverwaltung namhaft zu machen. Die Versammlung war übereinstimmend der Meinung, die Namen der betreffenden Althändler und Hehler im Falle einer Verurteilung durch das Gericht öffentlich bekannt zu machen. Von einem Vertreter des Regierungspräsidenten wurde hervorgehoben, daß auch die Regierung bereits Vorschläge zur Aenderung des Gesetzes und zum Erlaß von entsprechenden“ ltzeiverordnungen ausarbeite, die einmütig d Beifall der Versammlung fanden. en Alkohol und die We in Amerita. Die„Kölnische Ztg.“ schreibt in Nr. 771: Nicht ganz leicht dürften für die republikanische Partei die Versuche der Demokraten zu nehmen sein, durch ihr Eintreten für eine volksümliche Mil erun; der Prohibitionsgesetze Stimmen unter jenem Teil der Bevölkerung zu gewinnen, der immer lauter und imRund um die Woche. Castrop, 16. Dezember 1922. Wenn die harzduftenden Tannenbäume (ihren heimatlichen Boden verlassen und in die rauchgeschwärzten, arbeitsdurchhafteten Städte der Industrie wandern, dann heftet sich ein gut Stück Waldromantik an ihre Sohlen. Gefühle von einer Tiefe und Innigkeit werden im Menschenherzen lebendig, wie sie sonst nur des ragenden Walddomes Raunen und Rauschen auszulösen vermögen Geheimnisvolles Ahnen übersinnlicher Kräfte überflutet die Seele, wenn man zur schönen Sommerzeit durch„Täler weit und Höhen“ wandert und sich das Jubellied: „Wer hat dich du schöner Wald Aufgebaut so hoch da droben. Wohl den Schöpfer will ich loben, Solang noch mein' Stimm erschallt.“ seinem unwillkürlich auf die Lippen drängt. Geheimnisvolles Ahnen innigst verquickt mit heißem Sehnen— Adventsstimmung— ist es, was zur Winterszeit die immergrünen Tannen uns sorgengequälten Menschen mit von ihren lichten Höhen mitbringen, auf denen sie ihrer Bestimmung entgegenwuchsen, in Gold= und Flitterschmuck, im Kerzenglanz und behangen mit Aeuseln, Rüssen, Backwerk und Leckereien zum Baum der Freude und zum Baum des Friedens zu werden.„Friede den Menschen auf Erden!“ sollen sie kunden. Daran sollten wir alle, entsernt! Nein, nicht den Blick jenseits der Grenzpfähle unseres armen, geknechteten Vaterlandes richten! Pochen wir lieber an die eigene Brust! Wie steht es drinnen mit dem Frieden? Uneins in der Konfession, in der Politik, im Wirtschaftsleben, uneins in allem fast, was uns bewegt und erregt, sind wir, obschon die gemeinsame Not uns doch zusammen schweißen müßte zu einem Block. Man redet von der Volksgemeinschaft, von Brüderlichkeit, von Noteinheit, von Blutgenossenschaft und liegt im Hader. Man besinnt sich wohl darauf, daß nur eins nottut: „Kindlein liebet einander!" Aber die Götzen Materialismus und Egoismus sind trotzdem die weltbeherrschenden siamesitschen Zwillinge. In wildem Taumel zerfleischen sich die Volksgenossen beim Tanz um das papierne Kalb.— Golden ist es schon längst nicht mehr, aber seine Anziehungskraft hat es trotz der Metarmophose nicht verloren. Ein Keil treibt den anderen, eine Lohnerhöhung, eine Preisheraufsetzung folgt wie Ursache und Wirkung der anderen. Aermer und ärmer werden wir bei jedem Heraufklettern der Skala. Die papierne Flut ist nur Selbstbetrug. Das wissen vor allem unsere Hausfrauen, denen der Inhalt der dickleibiger und immer noch umsangreicher werdenden Lohnbeutel schneller und schneller unter den Händen zerrinnt. Wäre man in der guten alten Zeit mit....zigtausend Mark Einkaufen gegangen so hätte man dafür Ware erhalten, die man kaum auf zwei Frachtwagen fortschaffen konnte, während man die jetzt dafür erstandenen Päckchen bequem im Armkörbchen heim. tragen kann. Da droht dann durch die Teuerung auch dem schönsten deutschen Familienfeste Gefahr. Mancher Wunsch, manches heimliche Sehnen der Kleinen wird nicht erfüllt werden können. Aber deshalb darf der schöne, alte Brauch nicht un... gehen und nur noch eine Erinnerung für uns Aeltere bleiben. Die Zeit bringt auch für unsere Kinder ohnehin so wenig wirkliche Freuden. Lehrmeisterin Not kann aber hier Gutes wirken, Wir, auch schon die kleinen Hosenmätze und Zöpfchenträger, waren in unseren Begierden zu unbescheiden geworden. Immer höher hinaus, nimmer den Blick begehrlich zu den Sternen, wie der Hans Guckindielust" des„Struwelpeter", so waren wir alle in allem. Lernen wir uns bescheiden! Auch mit geringen Aufwendungen läßt sich immer noch ein schöner Weihnachtsabend bereiten. Kinderhand ist schnell gefüllt, sagt ein altes Sprichwort. Es kommt weniger auf den Wert der Gaben an, als darauf, wie man sie zur Verteilung bringt. Gerade unsere heutige Jugend, die meist schon so früh die materielle Seite des Lebens mit ihren Schattenseiten kennen lernt, braucht solche Feiern und Freuden. Der echte, tiefe, ideale Weihnachtsgedanke, der bisher leider so oft unter Prunk und Tand verschwand, muß wieder zu seinem Rechte kommen, daß dem sehnsuchtdurchwobenen Advent wirklich eine fröhliche, selige, gnadenbringende Weihnachtszeit folgt. Wenn die Weihnachtstimmung lediglich von dem wohlgefüllten Teller und den daneben liegenden Geschenk=„Beigaben“ abhängig sein sollte, dann würde für die meisten das heurige Weihnachtsfest nicht allzu rosig ausfallen. Denn ein nur flüchtiger Blick in die Auslagen der Geschäfte hält von manchem beabsichtigten Weihnachtseinkauf zurück. Ob es richtig ist Oder ob wir später wieder mal sagen werden: „Hätte ich doch.....“ Der Umfang des früheren Weihnachtsumsatzes wird quantitativ wohl schwerlich erreicht werden. Das zeigte der Ausfall des ersten offenen Sonntags, dem der Volksmund den Beinamen„kupferner“ gab. Kupferner Sonntag: das klingt heute fast wie ein Märchen. Als wenn es überhaupt noch Kupfer in Deutschland gäbe. In Münzen höchstens noch in Sammlungen der Numismatiker und der Skatdrescher und Mauschelbrüder, obschon auch letztere, von den von der Not der Zeit so schwer bedrückten. Kleinrentnern abgesehen, sich längst auf die„Valuta" umgestellt haben. Morgen ist der„Silberne Sonntag". Viel Ehre wird auch er kaum seinem Namen machen. Die blanken, rollenden Mark= und Talerstücke sind Handelsgut, Schieberware geworden und verschwunden. Selbst die Reichsbank muß hier mitmachen und für eine Silbermark jetzt 600 Papiermark zahlen. Da wird sich auch wohl morgen kaum ein Silbertaler in die Ladenkassen der Geschäftsinhaber verlaufen. Selbst seine leichteren Brüder, die Aluminiumtaler, werden, kaum daß sie den Prägestock verließen, schon wieder gehamstert und so dem Verkehr entzogen. Viel vermißt werden sie aber auch nicht.„Man kann der ohne!“ Sie haben sich überlebt. Denn wieviel Säcke voll würde man von ihnen brauchen, wenn man nur einen einzigen größeren Haushaltungs= oder Bekleidungs= gegenstand mit ihnen bezahlen würde? Die Paviermark mit den ellenlangen Nullenreihen beherrscht die Situation. Aber die Weihnachtsfreude darf in der Hochflut dieser höhnisch zu unserer Not grinsenden Hohlköpfe nicht untergehen: Wenns auch schwer fällt, es gilt wenigstens an diesem einen Tage wahrzumachen, was mir vor Monden ein Freund aus der Sommerfrische schrieb: Statt der Dollarschmerzen Hab Sonne im Herzen! Wenn wir es nicht einzurichten verstehen, auch mit beschränkten Mitteln echte tiese Herzensfreude zu schaffen, dann sind wir nur eine Null unter Nullen. Unsere Freudenmacherei ist vom Materialismus angekränkelte mechanische Arbeit; sie sollte Feiertagstätigkeit sein. Fassen wir den Vorsatz. Mit dem„Vorsatz“ gelten bekanntlich auch die Nullen etwas! Und damit Gott befohlen! Bis zum nächsten Masd. Aua dem Raich **% Duer dringender nach solcher Milderung verlangt. Wie Prohibitiom(Alkoholverbot) wird immer mehr als ein nationaler Gemeinschaden erkannt, und zwar zauch in solchen Kreisen, die ihrer Einführung seinersgeit wohlwollend oder wenigstens gleichgültig gegenüberstanden. Von allem, was ihre Befürworter (damals Gutes und Vorteilhaftes in Aussicht stellMan ten, ist so ziemlich das Gegenteil eingetret n. trinkt nach wie vor. Der einzige Unterschied gegen früher ist, daß man für schlechte Getränke ein Vielfaches dessen zahlen muß, was ehedem für gute bezahlt werden mußte. Die infolge übermäßigen Genu ssgiistig r Getränke begangenen Verbrechen sind an Zahl nicht geringer, sondern häufiger geworden, und vor einigen Tagen erst hat der Verwalter der Chicagoer Irrenasyle an der Hand amtlicher Statistiken den Nachweis erbracht, daß diese Institute heute doppelt so stark in Ansoruch genommen sind. wie vor Einführung der Prohibition, und zwar, wie er ausdrücklich hinzufügt, infolge massenhaften Genusses minderwertiger geistiger Getränke, die in gar manchen Fällen direkt als Gift angesprochen werden müssen. Aehnliche Erfahrungen hat man in zahlreichen anderen Städten gemacht. Wenn die Prohibition in ihrer gegenwärtigen Form noch fünf Jahre weiter bestehen sollte, würde so ziemlich jedes Haus entweder eine Brauerei oder eine Brennerei haben und dann würde die Vergiftung der Nation durch die Erzeugnisse dieser pr. mitiven Hausindustrie solchen Umfang angenommen haben, daß am Ende auch jenen angst und bange werden könnte, die heute noch zu den entschiedenen Befürwortern der ProProhibition gehören. Schäden anderer Art laufen nebenher. Die allgemeine Uebertretung der Prohibitionsgesetze muß auf die Dauer zu einer Gesetzesverachtung führen, die auch ein Land mit starkem moralischem Gefüge nicht ertragen kann, und ein solches Land ist Amerika nicht. Es leuchtet ein, daß die gegenwärtigen Zustände nur möglich sind, weil die Uebertretung und Umgehung der Prohlbitionsgesetze von den mit ihrer Durchführung betrauten Beamten in jeder Wise begünstigt wird. Diese Gunst muß ihnen von den Brauern, Brennern und Wirten mit schwerem Gelde abgekauft werden. Die Folge#i##n den lose Korruption unter den in Frage kommenden Beamten, und das wiederum bedeutet eine moralische Schädigung des Landes, die in ihren Folgen nicht leicht überschätzt werden kann. Unter diesen Umständen ist das sich mehrende Verlangen weiter Kreise der Bevölkerung nach einer Milderung der Prohibitionsgesetze bald erklärt. Dieses Verlangen schließt die Wiederkehr des amerikanischen Wirtshauses mit allen seinen Uebeln nicht ein. Auch nicht die Freigabe der starken alkoholischen Getränke. Man ist bereit, sich mit der Freigabe von leichten Bieren und Weinen unter wirksamer staatlicher Kontrolle zu begnügen. Diesem Verlangen wollen die Demokraten augenscheinlich entgegenkommen, während die Republikaner sich ihm gegenüber vorläufig noch ablehnend verhalten. Im Staate Newyork hat die demokratische Partei die Freigabe von Bier und Wein in ihr Programm aufgenommen. Auch im Staate New=Jersy haben die Demokraten die gleich: Forderung zur Ha. pfrage des W hkm fes gemacht, und es steht zu erwarten, daß die Partei in den nächsten Wochen noch in einer Reihe anderer Staaten dm Whkampse in diesem Sinne Lie. und Richtung zu geben versuchen wird. Soviel ist sicher, daß die Prohibitionsfrage in den Wahlkämpfen der nächsten Jahre eine noch viel wichtigere Nolle spielen wird, als in dem Wahlkampfe, der am 7. November dieses Jahres entBestellen Sie sofort — bs Obtem Bolonst am Drabe Kurhmelbenöchlende größte volttische Tagebzeituma, dus „8 entstan mit der täglichen Kupfertiefdruck=Beilage Rundschau im Bilde der reich illustrierten Hamburger Technische Runöschau und den Beilagen Schiffahrt=Nachrichten. Hamburger Wirtschafts= und Börsenblatt Postbezugspreise: Ausgabe A(mit Lokalanzeigen) wochentlich 12 Nummern. M. 275.— monatlich Ausgabe B(ohne Lokalanzeigen) 7mal wöchentlich erscheinend. M. 140.— monatlich Ausgabe C(mit Lokalanzeigen) 7mal wöchentlich erscheinend. Mk. 170.— monatlich schieden wurde. Gotterdienstordnung. Kath. Kirche Castrop. 6,30 Uhr 1. hl. Messe. 7,15 Uhr 2. hl. Messe mit Pred. 8,15 Uhr hl. Messe f. d. Polen. 9 Uhr Kindermesse mit Predigt. 10 Uhr Hochamt mit Predigt. 11,15 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt. Nachm. 2,30 Uhr Andacht, vorher Taufen. 5 Uhr Andacht. Evgl. Kirche Castrop. 8 Uhr Frühgottesdienst, Pastor Bläsing. 10 Uhr Hauptgottesdienst, Pastor Müller von Bieringhausen. 11¼ Uhr Kinoergotectert.. g Evangel. Kirche Havinghorst. 10 Uhr Gottesdienst. 11¼ Uhr Gottesdienst. Kirchl. Gemeinschaft im Evgl. Gemeindehaus. Sonntag abend 6 Uhr bibl. Ansprache. Dienstag abend 7 Uhr Bibelstunde. 8 Uhr Singstunde. Auslands- und Wochenausgabe des Hamburger Fremdenblattes: Deutsche reich illustriert in Kupfertiefdruck Postbezugspreis für Deutschland M. 130.— vierteljährlich Wir versenden an uns aufgegebene Adressen von Auslandsdeutschen Probenummer mit Tarif wieder genau so gut wie früher, auch äußerst billig. sendet Ihnen die bekannte 281 Betten-Fabrik Paul Hoyer, Delitzsch, Provinz Sachsen, Angerstraße 4. Verlangen Sie Proben und Preisliste gratis u. portofrei zerhältlich in der Adler-Drogerie H. Köster Prima Zuckerschäitzer (Patent Steifens) 6381 angekommen. H. Reokefuß jr. Castrop Tel. 128. Mühle am Schlachthot. zu sehr vortellhaften Preisen. Famen-Hanter aus Flausch, engl gemusterten Stoffen, Tuch und Vel de Laine 16900 19500 24500 29500 36500 45000 Bälten Woll-meider aus Cheviot, Serge, Kammgarn und Garbardine 7900 14500 21500 26500 29000 36000 Egen Sonntag lat unser Geschän bis 6 Ur geöftnet. Jugendl. Machart, schöne arben ETO reine Wolle, hübsche Machart mit Ju/n Stickerei... 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Seine Blicke schweiften unaufhörlich mach allen Seiten, und so oft er eine junge Dame mit Leinem Kinde von weitem erblickte, sing sein Herz Zzu klopfen an. Doch Helene kam nicht, und er sah sich endlich gezwungen, sein Malgerät zusammen zu wachen und schleunigst nach dem Hotel zu gehen, wenn der noch etwas Warmes zu essen haben wollte. Nachmittags wanderte er die Straße gegen Luxor Eentlang. Natürlich konnte er nicht heute schon wieder versuchen, bei der Gräfin vergelassen zu werden. Aber wielleicht sah er Helene zusällig am Fenster oder in Der Umgebung des Hauses. Ass er die Villa erreicht hatte, blieb er plötzlich zwie angewurzelt stehen. Was sollte denn das bedeu#ten? Die Fensterläden alle herabgelassen, das Tor lgeschlossen, und ein Zettel zeigte an, daß das Haus hosort zu vermieken sei. Aufgeregt trat er auf eine Araberin zu, die an der offenen Tür des Nebenhauses hockte und dort Datteln feilbot. Was er von ihr hörte, war ihm ganz unsaßbar. Die deutschen Damen mit dem kleinen Müdchen und der französischen Zose waren am Abend vorther abgereist. Wohin, wußte die Araberin nicht. Aber die Villa sei nun wieder zu haben. Und ob er sie vielLeicht mieten wolle? Die Frau drüben habe die Schlüssel. Lindemann ließ sich die Zimmer zeigen. Natürlich dachte er nicht daran, sie zu mieten, aber er hoffte, #elleicht etwas Näheres über die Abgereisten zu er#ohren. Indessen wußte sie nichts. Nicht einmal, woAn sie gereist waren. Wie im Traum durchschritt der Maler die verlassenen Räume. Hier also hatte Helene gewohnt. Er liebe, schlanke Gestalt jeden Augenblich irgendwo auftauchen zu sehen. In dem Zimmer der Gräfin— Petero Vgleiterin bezeichnete es wenigstens als dieses— wäre er beinahe zu Fall gekommen. Sein Fuß war auf ein zusammengerolltes Stück Papier getreten, das auf dem Boden lag und ihn fast ausgleiten ließ. Mechanisch bückte er sich und hob es auf. Es war die zerknüllte Depesche, die man der Gräsin am Tage zuvor bei Tisch überbracht hatte, und die sie dann in die Tasche schob. Beim Einpacken mußte sie dann die Depesche wieder verloren haben. Lindemann hielt sie noch gedankenlos in der Hand, als er nun Helenes Zimmer betrat. Suchend blickte er um sich, aber hier lagen keine Papiere umher, wie im Zimmer der Gräfin. Hier war alles mit peinlichster Sauberkeit ausgeräumt. Seine Hände spielten nervös mit der Papierkugel. Mechanisch begann er sie aufzurollen und zu glätten. Dann wurden seine Augen plötzlich groß, und er starrte ganz verdutzt darauf nieder. Das war ja eine Depesche. Der Name Harriet sprang ihm in die Augen. Ah — vielleicht klärte das alles auf. Er las das Telegramm: „Soeben glücklich gesandet, hoffe in zwei Tagen bei dir zu sein. Freue mit unsäglich auf Wiedersehen. Harriet.“ stand da in englischer Sprache. Ja, was sollte denn das bedeuten? Die Gräfin war benachrichtigt worden, daß ihre Schwester sie aufsuchen wolle, und— reist ab? Die Depesche war am Tage zuvor in Alexandria aufgegeben worden. Lindemann konnte sich den Zusammenhang beim besten Willen nicht erklären. Dann fiel ihm ein, daß vielleicht eine plötzliche Erkrankung ihres Mannes die Gräfin gezwungen haben konnte, abzureisen. Ja, nur so konnte es sein. über w.„in wur sie gegangen! Ruch oder Me.lsswen! Er beschloß vorläufig, Nachrichten von Helene abzuwarten, und dann erst weitere Beschlüsse zu fassen. Keinesfalls würde er hier bleiben, wenn die Gräfin, wie es den Anschein hatte, gar nicht mehr beabsichtigte, nach Aegypten zurückzukehren. Am nächsten Tage, als er mißmutig und gelangweilt durch die Straßen schlenderte, führte ihn ein Zufall mit Harriet Morgan zusammen, die wenige Stunden zuvor gekommen war. Sie erkannte ihn sofort und freute sich sichtlich über das Wiedersehen. „Wissen Sie etwas von meiner Schwester?“ fragte die Amerikanerin gleich nach der Begrüßung.„Waren Sie schon bei ihr?“ „Ja. Gestern. Aber ich wurde nicht angenommen.“ „O— wirklich? Grace empfing ihren verehrten „Hofmaler“ nicht? Wie sonderbar?" „Auch ich wunderte mich darüber. Nach der Art, wie wir seinerzeit in Wien schieden, durfte ich hofsen— „Natürlich! Ich weiß auch bestimmt, daß Grace für wenige Menschen so viel Hochachtung und Sympathien empfindet, wie für Sie! Sie erwähnte Ihrer oft in ihren Briefen und bedauerte, daß die Verhältnisse sie seit ihrer Verheiratung nicht mehr mit Ihnen zusammengeführt hatten. Und nun, wo es möglich gewesen wäre, empfängt sie Sie nicht?“ Harriet seuszte.„Meine Schwester muß sich sehr verändert haben seit ihrer Heirat!“ „Das scheint allerdings so.“ „Ja, denken Sie nur, Herr Lindemann, ich zeigte ihr meine Ankunft in Alexandria an, und erhielt gar keine Antwort! Und das erste, was ich hier erfahre, ist, daß sie gestern abend abreiste! Man weiß nicht einmal, wohin——."„„„„„„ „Wie wissen es akso auch nichts Hat sie denn ut einnal für Sie eine Botschaft zurückgelassen?“ „Rein. Ich kann nur annehmen, daß meine: pesche sie gar nicht mehr erreicht hat. Und doch ma ich die Reise von Newyork herüber nur ihretwege „Wußte die Gräfin das?" „Ich vermute es. Unsere Korrespondenz war nie besonders lebhaft— einmal, weil wir beide nic gern Briefe schreiben, und dann, weil durch ihre Heir überhaupt eine kleine Entfremdung zwischen uns ei trat— aber vierteljährlich einmal schrieben wir u doch. Als nun vor kurzem mein Vetter Allan— lebe nämlich seit Mamas Tode bei Allan Parkinsor Mutter— meinte, es sei nötig, daß jemand von in persönlich mit Grace über verschiedene geschäftlic Dinge spreche, erbot ich mich zu dieser Mission, un schrieb dies kurz vor der Abreise an meine Schweste Ich schrieb natürlich nach Mendowan, denn ich wuß gar nicht, daß sie in Aegypten sei.“ „Antwortete sie Ihnen?“ „Nein. Mein Schwager antwortete auch erst na längerer Zeit, denn der Brief mußte ihm nachgeschie werden. Er teilte mir kurz mit, daß Grace in Kai sei. Darauf änderte ich natürlich meine Reiserou Nun habe ich heute sofort an ihn depeschiert und gefragt, wo Grace sich momentan aufhält.“ „Nun?“ „Ich habe noch keine Nachricht. Sie kann an kaum vor dem Abend hier sein.“ „Werden Sie Ihrer Schwester dann nachreisen?“ „Selbstverständlich. Ich muß doch, da ich es übe nommen habe, das Geschäftliche zu ordnen.“ „Warum hat Ihr Verwandter Sie da nicht begleitet Damen sind ja sonst im gemeinen nicht so sehr geeinet, Geschäfte zu führen!" lächelte Lindemann. G(Fortsetzung folg K Comm un 6 FAat-Bank Aktien-deschschaft Zwarsteile Rarxel in Habinchors!, Kronprinzenstrasse 78. Fernsprecher: Amt Castrop 245. Postscheck-Conio: Ant Portmund 117°0. Ausführung aller bankmässigen Geschäfte. 958 R Ann ahme von Speszeldern. ch Wollen Sie ein wirklich schönes Weihnachts Geschenk macher? Auszahlunn und Umwschselung fremder Geldsorten. K Reizende, lachi nde Kinderaufnahmen, kein Bewegen bei der Aufnahme möglich, bei cem dunkelsten Wetter sowe des Abends. Dann kommen Sie zum Pholo Bergmann, Habinghorst, Linvieum=Teppiche Kunst und Tageslicht-Atelier. Telefon 243. Feilnac kisasiträge werden rech bis Dienstag 19. Bez. angszommen. Heiren-, Burschen- u. 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