„ ece K 6 450 M O O Redaktion, Druck und Verlag Amtliches Organ für den Landgerichtsbezirk Vortmund. ** Bahrheit.— Gerechtigkeit.— Gemeinwohk. von Ph. Culbart in Castrop. Bln gch Stccn Bstnt und Gendtan und dihen MTO. 95. vierteljährlich in der Expedition 1 Mark, durch Beim Gees ene.. Mark 1,10.— Juustr. Blätter 50 Pig. Mittwoch, 21. November 1888. Jafartiens:- Gebähe: für die einspaltigs Zeile oder deren Raum 10 Pfennige. Reelamen per Zeile 90 Pfennige. 14. Jahrg. Politische Aebersicht. Deutschland. Der Empfang, welchen die Stadt Breslau dem Kaiser bereitet hat, ist trotz des Umstandes, daß Kaiser Wilhelm für alle Huldigungen im Voraus gedankt hatte, ein überaus festlicher geworden. Der Bahnhof, auf dem der kaiserliche Zug am Donnerstag Abend um 6 Uhr eintraf, war wunder voll geschmückt und dort wurde der Kaiser von den Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, sowie von den hohen Militärs begrüßt. Die anwesende nach Tausenden zählende Volksmenge jubelte dem Kaiser stürmisch zu. Dann ging's im offenen 4spännigen Wagen durch die prachtvoll beleuchteten Straßen unter unausgesetztem Jubel der Volksmassen nach dem Schloß, wo um 7 Uhr große Tafel stattfand, zu der 60 Einladungen ergangen waren. Der Kaiser hatte den Mittelplatz an der Tafel, rechts von ihm saß der Prinz Albrecht von Hohenzollern; auch der Fürstbischof Dr. Kopp befand sich unter den Geladenen. Nach aufgehobener Tafel erfolgte der Fackelzug der Arbeiter, an dem sich viele Tausende betheiligt hatten. Der Kaiser, der auf die Rampe vor dem Schloß hinausgetreten war, dankte durch wiederholtes Verneigen nach allen Seiten und wurde durch unendlichen Jubel begrüßt. Dann wurden die Abgeordneten der Arbeiter im Schloß empfangen. Diesen gegenüber sprach der Kaiser seinen Dank für die ihm bereitete Huldigung und den Fackelzug aus, sowie dafür, daß sie ihren Gefühlen der Treue für ihn und das königliche Haus einen solchen Ausdruck gegeben hätten. Er sei doppelt erfreut, weil sich Arbeiter beider Konsessionen an der Huldigung betheiligt hätten; sie dürften dessen gewiß sein, daß das Wohl der Arbeiter ihm am Herzen liege. Die Arbeiter Breslaus seien die ersten, welche dies erkannt und ihrer Treue Ausdruck verliehen hätten und er sei überzeugt, daß sie dieselbe jederzeit bethätigen würden. Er hoffe, daß die Arbeiter der ganzen Monarchie ihr Beispiel nachahmen würden. Nach der Vorstellung reichte der Kaiser jedem einzelnen Arbeiter die Hand. Dann dankte der Kaiser dem Oberbürgermeister für den ihm von der Stadt bereiteten patriotischen Empfang und drückte seine besondere Freude über den vortrefflichen Ausfall der Wahlen zum Abgeordnetenhaus in der Stadt Breslau aus. Kaiser Wilhelm ist in der Nacht zum Sonntag von den Hasen= und Fasanen=Jagden bei Breslau wieder in Berlin angekommen. Am Freitag Abend wurde dem Kaiser vor dem Breslauer Schlosse eine große Musikaufführung dargebracht. Bei der Abreise am Samstag Abend wurden dem, Monarchen enthusiastische Ovationen dargebracht.— Heute Dienstag, werden im Exercierhause in der Karlstraße in Berlin die Rekruten des Gardecorps in Gegenwart des Kaisers vereidet. Eine solche Zermonie findet in Gegenwart des Kaisers seit 1870 zum erstenmal statt. Mein Probestück. Eine Geschichte aus Ausstralien. von G. Kopal. Ich war seit sechs Wochen in Melbourne und hatte trotz aller Bemühungen keine Stellung finden können. Da fiel mein Blick auf eine Ankündigung, laut welcher der Polizeichef noch einige berittene Konstabler anstellen wollte. Der Bewerber mußte kräftig, gewandt, gesund, ein guter Reiter und noch manches andere sein. Ich meldete mich und wurde einer sehr genauen Prüfung unterzogen. Als alter Kavallerist konnte ich einen sehr anständigen Sprung über das Heckenthor fertig bringen, auf Grund dessen wurde ich einstweilen auf Probe angestellt, mit der Aussicht auf feste Anstellung, falls ich mich bewähren sollte. Am nächsten Tag wurde ich vor den Chef beordert. Derselbe theilte mir mit, daß er mir eine wichtige Sendung anvertrauen wollte. Die Sache verhielt sich folgendermaßen: ein Packet von Regierungs=Papieren sei entwendet worden. Der jetzige Besitzer derselben werde morgen zu Fuß einen Weg über Land machen und zweifellos die Papiere bei sich haben. An der Brücke werde ich ihn treffen, in ganz einsamer Gegend. Dort sollte ich ihm die Papiere abnehmen, aber wohlgemerkt, verwundet oder gar getödtet dürfe der Mann unter keinen Umständen werden, auf meine Gefahr und Verantwortlichkeit! Nur List und Gewandtheit anzuwenden sei ich berechtigt. Der Chef ließ durchblicken, daß die Lösung der Aufgabe meine sofortige, feste Anstellung bewirken werde. Vierundzwanzig Stunden später befand ich mich in der Nähe der Brücke. Ein Mann kam die Straße entlang; die Kleidung stimmte mit der mir beschriebenen; aber der Mann gefiel mir gar nicht. Es war ein sechs Fuß hoher, kräftiger Kerl, der ganz so aussah, als ob er mich ohne viel Federlesens über das Brückengeländer werfen könne. Indessen was half's, die Gelegenheit, eine feste Stellung zu erringen, war zu verlockend. Ich schlenderte gemächlich dem Wanderer entDer Kaiser stattete am Sonntag Morgen gleich nach 7 Uhr seiner Mutter und seinen Schwestern vor deren Abreise nach England einen Besuch ab. Mittags empfing der Kaiser im Schlosse den neuen Gesandten von Guatemala, Ramon de Salazar, und den neuen Gesandten von Chile, Domingo Gana. Um 1 Uhr fuhr der Kaiser nach Potsdam und blieb den Rest des Tages im Marmorpalais. Der Kaiser wohnte, gefolgt von einer zahlreichen Suite, am Montag in Potsdam der Vereidigung der Rekruten des 1. Garde=Regiments zu Fuß und des Garde=Jäger=Bataillons in der Garnisonkirche sowie in der katholischen Kirche bei. Se. Majestät ertheilte beide Male persönlich den Befehl zum Einrücken der Fahnen in die Kirche. Das gesammte Offiziercorps der Garnison wohnte der Feier bei. In der Garnisonskirche hielt der Hofprediger Rogge, in der katholischen Kirche der Erzpriester Beyer die Rede. Verschiedentlich war berichtet worden, der Kaiser habe den Großfürsten=Thronfolger von Rußland zum Chef des 8. Husaren=Regimentes ernannt. Wie die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt, bestätigt sich die Mittheilung nicht. Die Kaiserin Friedrich ist am Sonntag mit ihren drei Töchtern von Berlin zum Besuche ihrer Mutter nach Schloß Windsor in England abgereist, von wo sie zum Weihnachtsfeste nach Deutschland zurückkehren wird. Das auf Anregung der Kaiserin Friedrich von dem früheren Sekretär der englischen Botschaft, Rennel Rodd in Berlin, verfaßte Lebensbild Kaiser Friedrichs ist nun erschienen. Das Buch ist zwölf Bogen stark und hält sich von jeder politischen Anspielung fern. Die Eröffnung des Reichstages erfolgt Donnerstag Mittag 12 Uhr. Voran gehen die üblichen Gottesdienste im Dom und in der Hedwigskirche. Die preußische Eisenbahnverwaltung hat, wie in offiziösen Blättern zu lesen ist, die Verstärkung des Wagenparks auch bei mehreren nichtpreußischen Staatseisenbahnen angeregt, da sonst die preußischen Eisenbahnen bei der gegenseitigen Benutzung der Güterwagen benachtheiligt würden. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Auf unsere neuliche Apostrophirung seines herausfordernden Vorschlages, die französische Fremdenlegion in„Regiment von Elsaß=Lothringen“ umzutaufen, hat der„Rappel“ sich beeilt den Minister Lockroy mittels der Erklärung außer unserer Schußlinie zu bringen, Herr Lockroy sei seit langer Zeit nicht mehr Eigenthümer oder Redakteur des„Rappel“. Einige deutsche Blätter haben sich Offenbarung des Pariser Revancheorgans sofort Drahtmelden lassen und sind natürlich auch bereit, die Richtigkeit derselben zu beschwören. Für die französische Regierung sollte es uns freuen, wenn sie in diesem Falle recht hätten, aber ganz einwandsfrei kann die Erklärung des„Rappel" um so wenigex erscheinen, als Kenner der Pariser Preßverhältnisse behaupten, daß Lockroy nach wie vor Beziehungen zum„Rappel“. unterhält, also zu einem Journale, welches zum Kriege hetzt. gegen, grüßte ihn und bat ihn um ein wenig Tabak. Gerade auf der Brücke hatten wir uns getroffen. Er nickte gutmüthig:„Hier Fremder, ist mein Tabaksbeutel, nehmt Euch, so viel Ihr wollt. Seid wohl noch nicht lange im Lande!" So war das Gespräch angeknüpft und ich gab aus. führliche Kunde von meinen Verhältnissen, bis meine Pfeife gestopft war. Dann händigte ich ihm den Tabaksbeutel wieder ein, und im selben Moment, als er ihn einsteckte, unterlief ich blitzschnell den Herkules, schlang meine Arme um seinen Leib, stellte ihm ein Bein und riß ihn zu Boden, meine Kniee waren auf seine Brust gestemmt und meine Hände umklam: merten fest seine Kehle. Aus der Brusttasche schob sich ein Packet Papiere. Froh hierüber, ließ ich die eine Hand los und griff nach den Papieren. Mein Gegner schüttelte sich wie ein gereizter Löwe, als er den erstickenden Druck nicht mehr fühlte. Seine linke Hand krallte sich um meine rechte Kniekehle, so daß ich vor Schmerz meinen Griff aufgab; mir war fast, als sollte ich ohnmächtig werden. Dadurch hatte sich im Nu das Blatt gewendet. Der Feind kam wieder auf die Füße und nach kurzem Ringen ward ich überwältigt. Mit eisernem Griff hielt mich der starke Mann an den Handgelenken und schleppte mich nach dem Brückengeländer: „Aha,“ brüllte er mit wuthblitzenden Augen,„Ihr seid von der Polizei und wollt mich abfassen! Mit solchen Burschen macht man kurzen Prozeß. Todte Leute erzählen keine Geschichten!“ Und damit hob er mich empor, als wäre ich eine Feder und wollte mich über das Brückengeländer schleudern. Indessen, die Todesangst gibt ungeahnte Kraft und Geistesgegenwart. Als ich emporgehoben ward, stemmte ich den gesunden Fuß gegen das Brückengeländer und warf mich mit aller Wucht zurück, gab dann mit einem Ruck ein bischen nach, senkte meinen Kopf und packte glücklich mit beiden In der französichen Kammer ist es am Donnerstag aus Anlaß des gegen den Abgeordneten Numa Gilly wegen Verläumdung der Budgetkommission angestrengten Prozesses wieder zu einem großen Skandal gekommen, dessen Held diesmal zur Abwechselung Cassagnac gewesen ist. Als Rouvier namens der 13 Mitglieder der Budgetkommission, welche in diesem Prozeß als Zeugen vorgeladen sind, von der Kammer Urlaub erbat, forderte Floquet die letztere auf, den nachgesuchten Urlaub zu verweigern, da die erste Pflicht der Abgeordneten die Berathung der Gesetze sei. Salis widersprach dem, indem er als höchste Pflicht der Abgeordneten die Vertheidigung ihrer Ehre hinstellte und Cassagnac pflichtete ihm hierin auch bei, jedoch nicht, ohne sowohl gegen den Ministerpräsidenten als gegen die Mitglieder der Butgetkommission die gröbsten Beleidigungen zu schleudern. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Cassagnac einerseits und den Abgeordneten Souvier, Sarrien, Gerville und Gades andererseits, welcher zur Folge hatte, daß Cassagnac von 3 Seiten gefordert wurde, während er selbst dem Abgeordneten Gades seine Zeugen sandte. Da man aber auch in Frankreich die Suppen nicht gera so heiß ißt, wie sie gekocht werden, so ist es gelungen, sämmtliche Ehrenhändel gütlich beizulegen, worüber sich die Gegner Cassagnacs, der für die beste Klinge Frankreichs gilt, aufrichtig freuen können. Die Kammer hat schließlich den Urlaub einstimmig bewilligt, doch haben von den 13 nach Nimes zitierten Abgeordneten nur 10 dem Ruf Folge geleistet. In der Presse wird dem Prozeß allgemein die größte politische Bedeutung beigelegt und Rochefort hat es sogar für seine Pflicht gehalten, den Verhandlungen persönlich beizuwohnen. Boulangers Stern steigt immer höher. Die gesammte orleanistische Presse in Paris erklärt sich bereit, Boulanger bei den nächsten Wahlen in jeder Weise zu unterstützen, um der jetzigen; republikanischen Wirthschaft den Gnadenstoß zu geben. Der General erzählte, er erhalte täglich Geldbriefe zur Förderung seiner Zwecke, von allen Seiten biete man ihm Geld an. Aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika habe er schon über 4 Millionen erhalten. Daraus erklärt sich auch, daß immer mehr große Zeitungen zu ihm übergehen. Um seinen Abscheu gegen Boulangers Diktaturbestrebungen zu beweisen, wird der Pariser Gemeinderath am 2. Dezember einen feierlichen Protest gegen den Staatsstreich veranstalten. Das wird viel nützen. Die französische Gewehrfabrik Chatellerault im Departement Vienne, welche in der Nacht zu Donnerstag abgebrannt ist, war die zweitleistungsfähigste der Staatsfabriken. Sie arbeitete mit 2000, in Nordamerika gebauten Maschinen und stellte täglich 400 Lebelgewehre fertig, was einem Viertel der Gesammtproduktion der Staatsfabriken entspricht. Die französische Regierung hat für 1 300 000 Franken eine Gewehr=Fabrik in Saint=Etienne gekauft, damit durch den Händen den einen Arm meines Gegners, denselben stark an die Seite drehend. Der Mann stieß einen Schmerzensschrei aus und ließ mich los; schnell hatte ich ihn wieder gefaßt, aber er ächzte: „Schon gut, schon gut, nehmt nur die Papiere und lest sie.“ Jetzt bemächtigte ich mich des Packets. Es enthielt nur fast unbeschriebene Blätter; ein einziger Bogen trug den Stempel des Polizeiamtes von Melbourne, unter demselben stand geschrieben:„Sie werden die Probe bestanden haben; melden Sie sich morgen früh wieder bei mir.“ Darunter der Namenszug des Polizeichefs. Mein Gegner stand langsam auf.„Nun, junger Mann, Euer Probestück habt Ihr recht hübsch gemacht, aber ich werde wohl acht Tage auf der Krankenliste stehen. Gehen wir jetzt zum nächsten Wirthshaus und nehmen wir einen Schluck auf gute Kameradschaft; auch muß ich kalte Umschläge haben für mein Schultergelenk.“ „Und ich für mein Knie,“ sagte ich, mich von meiner Ueberraschung erholend.— Am nächsten Tage erhielt ich mein Anstellungs=Patent. Von unserem Fritz. Auf einem großen Balle, an dem auch der damalige Kronprinz Friedrich theilnahm, trat der Adjutant desselben zu einer jungen Dame und sagte:„Königliche Hohelt befehlen zum nächsten Tanz.“ Zum Entsetzen der Umgebung, welche schon mit verzeihlichem Neide diese Auszeichnung einer ihrer sogenannten Freundinnen beobachtet hatte, entgegnete das junge Fräulein in sehr ruhigem, aber entschiedenem Tone: „Ich lasse mir von keinem Herrn befehlen; wenn königliche Hoheit mit mir tanzen wollen, werden sie mich schon zu finden wissen.“ Mit leichtem Lächeln trat der Adjutant zurück, und ein Strom von:„Wie konntest du nur — wie wagst du es— kennst du denn nicht Brauch?“ 2c. 2c. ergoß sich über die junge Dame, wiche aber völlig ruhig und ge Ge— Brand der Fabrik zu Chatellerault die Fabrikation der neuen Lebel=Gewehre nicht ins Stocken gerathe. Ein Pariser Blatt behauptet bereits, das Feuer sei von den Feinden Frankreichs gelegt worden. Natürlich, es wäre ja merkwürdig, wenn das nicht ein Preuße, ein Abgesandter von Bismarck, gethan hätte! Dänemark. Das Regierungsjubiläum des Königs von Dänemark ist in Kopenhagen, wo die Regierungspartei die Oberhand hat, mit großem Enthusiasmus gefeiert. Die Stadt war recht festlich geschmückt. Es fand feierlicher Gottesdienst in Gegenwart des Königs und aller fürstlichen Gäste statt, ferner großer Gratulations=Empfang und Galatafel. Dem Könige wurden lebhafte Ovationen dargebracht. In den Provinzen, wo die radikale Partei das Uebergewicht hat, fiel die Feier theilweise recht matt aus, da die Parteileitung von einer offiziellen Kundgebung abgerathen hat. Der Regierungsbote stellt Alles als glänzender dar, in Wahrheit ist es indessen anders: König Christian hat zahlreiche Orden verliehen. England. Das neue deutsche Exerzier=Reglement erregt auch in der englischen Fachpresse das größte Aufsehen. Das angesehenste englische Militärjournal, die„Heeres= und Flotten=Zeitung“ bringt über das Reglement einen Artikel, worin es unter anderem heißt:„Das Reglement sprudelt wahrhaft von gesundestem Menschenverstand und sollte von jedem Jünger der Kriegskunst aufmerksam gelesen werden. Die Deutschen haben uns manch' gutes Beispiel geliefert. Ihr letzter Entwickelungsschritt bezeichnet eine Epoche in der Geschichte der Armeen. Das deutsche Reglement wird, wenn es übersetzt worden, Sensation erregen; jeder englische Offizier wird es staunend lesen“ Die Königin begab sich am Montag nach ihrer Ankunft in Port Victoria an Bord der Yacht, wo sie die Kaiserin Friedrich und die Prinzessinnen herzlichst begrüßte. Kurz vor 2 Uhr trafen die hohen Herrschaften in Windsor ein, wo vor der Station eine Ehren=Compagnie der Grenadier= garde aufgestellt war. In der Begleitung der Königin Victoria befand sich der kaiserlich deutsche Botschafter Graf Hatfeld. Der Prinz von Wales war der Kaiserin bis Vlissingen entgegengereist. Rußland. Durch die Neu Eintheilung des russischen Heeres ist die Besatzung der russischen Westdistrikte wieder um 2 Infanteriedivisionen verstärkt worden, während 2 bis 3 weitere zu gleichem Zweck verfügbar sind. Es wäre jedenfalls kurzsichtig, die Bedeutung dieser Veränderung zu unterschätzen, und zwar um so mehr, als die seit Jahren fortgesetzte Verschiebung der russischen Heeresmacht nach der Westgrenze keineswegs als Defensivmaßregel zu erklären ist, da alle Welt, Rußland nicht ausgenommen, weiß, daß ein Angriff auf das Zarenreich von irgend welcher Seite als ausgeschlossen zu betrachten ist. Kein Wunder, daß in den verschiedensten Blättern des In= und Auslands schon wieder einmal Kriegsbefürchtungen laut werden. Afrika. Nach einem Telegramm aus Zanzibar hält die feindselige Stimmung der Araber gegen die deutsche Gesellschaft in Kilva, Lindi und den südlichen Häfen, die mit zahlreichen Aufständischen gefüllt find, an. Minenghani und Tunghi sind niedergebrannt. Auch die portugiesische Kolonie Mozambique ist in hellem Aufruhr.— Aus Samoa wird berichtet, daß das deutsche Kanonenboot„Adler“ einige Kugeln mit einem Kriegsboot der Aufständischen Samoaner wechselte. Castrop, 20. November. Der hier schon einige Jahre bestehende Polen=(St. Laurentius=) Verein feierte am vergangenen Sonntag im Lueg'schen Saale zum ersten Male ein öffentliches Fest. Dasselbe bestand in Koniert, Theater und Ball und verlief in der schönsten Weise. Selbstredend bestand das Theater aus einem polnischen Stücke. — Einen doppelten Beinbruch erlitt letzten Donnerstag auf Zeche„Viktor“ ein österreichischer Bergmannn durch Herabfallen einer großen Kohle. — Die im Inseratentheil unseres Blattes angekündigte Bezirks=Versammlung westfälisch märkischer Stenographen wird viel Interessantes und Neues bieten. Der Herr Redakteur Mann aus Elberfeld hält einen Vortrag über das Thema: „Der Stenographie gehört die Zukunft.“ Auch wird der genannte Herr eine Schreibmaschine vorführen und damit praktische Uebungen anstellen. Der Vortrag wird so angelegt sein, daß er für Kunstgenossen belehrend ist, aber auch die Nichtstenographen befriedigen wird. — Die Arbeiten an dem auf der Zeche„Adolf von Hanse mann“ am Bahnhof Mengede in der Anlage begriffenen zweiten Schachte schreiten rüstig vorwärts und hofft man in zwei Jahren die Zeche dem Betriebe übergeben zu können. — Die Erneuerung der Loose zur dritten Klasse der preußischen Lotterie(Ziehung am 10., 11. und 12. Dezember) muß bis zum 6. Dezember, Abends 6 Uhr erfolgt sein. — Im October d. J. erreichte die Abfuhr von Kohlen und Coaks im Ruhrrevier die bisher höchste Monatsziffer von 260,053 Wagen und überstieg diejenige des October 1887 um 31,160 Wagen oder 13.6 pCt. — Das Reichsgericht hat vor einiger Zeit eine scheidung gefällt, welche für das Verhältniß zwischen Miether und Vermiether in den alten preußischen Provinzen von Bedeutung ist. Die Entscheidung geht dahin, daß der Miether wenn der Vermiether ihm mehr Sachen zurückbehält, als zur Deckung der Miethsforderung erforderlich sind, nicht berech tigt ist, diese mehr zurückbehaltenen Sachen eigenmächtig fortzunehmen, vielmehr durch Klage bei dem zuständigen Gerichte sein Eigenthum wiederzuerlangen suchen muß. — Ueber die vierte Wagenklasse für den Personenverkehr auf preußischen Staatsbahnen bemerkt die„K. Zig. treffend:„Die jetzige Beschaffenheit der vierten Klasse ist eine selbst für den Nahverkehr menschenunwürdige; daß geringste Maß von Bequemlichkeit, daß selbst der ärmste Reisende vom Staate zu fordern berechtigt ist, ist die jetzige Ausstattung der dritten Klasse, eine Ausstattung, wie sie selbst jede PrivatPferdebahn=Gesellschaft auch dem gerin sten Reisenden für 10 Pfg. bietet und wie sie z. B. unter der Privatverwaltung der rheinischen Bahn— mit einer ganz unerheblichen Ausnahme— lange Jahre das geringste Maß der gebotenen Bequemlichkeit war. Das jetzige künstliche Eindrängen der vierten Klasse in den rheinischen Verkehr ist ein wesentlicher Rückschritt, den die Staatsbahnverwaltung uns aufzwingt und der nicht zu unterschätzende politische Gefahren großziehen kann. Die beklagenswerthe Beseitigung der eintägigen, billigeren Rückfahrkarten auf den rheinischen Linien, die bisher namentlich den kleineren Geschäftsleuten zugute kamen, ein weiterer, recht bedenklicher und in seinen Folgen nicht zu unterschätzender Rückschritt, wird selbst der Annahme bewährter Eisenbahndirektoren gemäß(vergl. die Verhandlungen des ständischen Ausschusses des Bezirkseisenbahnrathes zu Köln vom 12. Mai dieses Jahres) nicht weniger als die Hälfte der Reisenden, die bisher diese Rückfahrkarten dritter Klasse benutzten, in die vierte Klasse drängen. Daß diese damit in eine tiefere sociale Stellung zwangsweise herabgesetzte Hälfte der Reisenden nicht die Freunde unserer Staatsbahnverwaltung und damit unserer Staatsregierung vermehren wird, liegt auf der Hand. — Die Zeit des Mahnens und Einklagens älterer Forderungen ist wieder gekommen. Mit dem Ablauf des Kalenderjahres gehen bekanntich die Fristen einer großen Reihe civilrechtlicher Ansprüche zu Ende, und will sich der Gläubiger vor Schaden hüten, so muß er dem Schuldner bis zum 31. die Klage oder den Zahlungsbefehl zustellen. Es genügt also nicht, daß die Klage oder der Antrag auf Erlaß eines Zahlungsbefehls an den Schuldner noch vor dem 1. Januar erfolgt sei. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich ganz besonders, nicht bis zu den letzten Tages des Jahres zu warten, weil dann die Gerichte und Gerichtsvollzieher stark belastet würden und manche Zustellung nicht rechtzeitig erfolgen könnte. Kürzer und einfacher als die Klage ist der Antrag auf Erlaß eines Zahlungsbefehles, schon um deswillen, weil dieser blos in einem, jene aber in mehreren Exemplaren eingereicht werden müßte. Uebrigens wird auch die Verjährung durch jedes gegenseitige Anerkenntnis des Schuldners unterbrochen, sei es, daß es stillschweigend durch Handlungen z. B. Sicherheitsbestellung und Annahme derselben, sei es durch Zins= oder durch Abschlagszahlungen erklärt wird. In diesem Falle beginnt die Frist aufs neue von dem Tage an zu laufen, an welchem die letzte Zins= oder Ratenzahlung, bezw. das Anerkenntniß des Schuldners erfolgte. — Am 20. Dezember werden fünfzig Jahre verflossen sein, seitdem die nur 1,14 Meilen lange Eisenbahnstrecke von Düsseldorf nach Erkrath dem Verkehr übergeben wurde. Sie war das erste Stück der Linie Düsseldorf=Elberfeld und die erste Eisenbahn, die im Westen des Staates, die zweite, welche überhaupt im preußischen Staate eröffnet wurde. + Gerthe, 19. November. Zum Besten einer Weihnachtsbescheerung armer Kinder läßt der hiesige Leseverein einen Cyclus von Vorträgen stattfinden. Den Reigen eröffnete gestern Abend Herr Lehrer Lütters mit einem 1½stündigen freien Vortrage über„Gotthold Ephraim Lessing als Vertheidiger der Geistesfreiheit". Die zahlreiche Versammlung folgte den Ausführungen des Redners mit gespannter Aufmerksamkeit und spendete demselben reichen Beifall. Fernere Vorträge sind noch in Aussicht gestellt von den Herren Dr. Schäfer, Sommer, Lehrer Lewe und Lenzmann. □ Gerthe, 20. November. Hier hat sich ein Turnverein gebildet, der bereits ca. 30 Mitglieder zählt. Die Uebungen leitet Herr Weinbrenner=Harpen. Gut Heil! In Waltrop, wo auch schon lange das Bedürfniß nach Vergrößerung der katholischen Kirche vorhanden war, hat man zu diesem Zwecke 80,000 Mark bewilligt und wird kommendes Frühjahr der Vergrößerungsbau begonnen. In Bochum haben sich die Lokal= Komitee's für die im nächsten Jahre dort stattfindende 36. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands gebildet. Erster Vorsitzender ist Herr Propst Kösters, dessen Stellvertreter Herr Dr. Lackmann. Die Diphtheritis hat in letzter Zeit in Dortmund wieder viele Opfer gefordert; so sind innerhalb ganz kurzer Zeit in einem Hause sieben Kinder gestorben, wovon fünf an der genannten bösen Krankheit. An einem Tage wurden aus jenem Hause zwei Leichen zugleich beerdigt. Der Theater=Director in Dortmund geht mit dem verwogenen Gedanken um, die bekannte Pauline Lucca für einige Gastspiele zu engagieren. Der gute Herr machte aber doch ein langes Gesicht, als die Dame für jeden Abend 3000 Mk. forderte. Am Freitag Morgen machte ein an der Hauptstraße in Witten wohnender Wirth die seltsame Entdeckung, daß ihm in früher Morgenstunde von einer unbekannten Frauensperson ein erst 8 Tage altes Kind vor die Flurthür gesetzt war. Er benachrichtigte sofort die Polizei, welche der natürlichen Mutter bereits auf der Spur zu sein scheint. Ein Herr in Witten, den die schlechtgekleideten Kinder einer armen Familie dauerten, schenkte denselben gutes, wärmendes Winterzeug. Die Mutter der Kinder aber versetzte das Zeug in einem Pfandgeschäft, und die armen Kleinen müssen weiter frieren. So berichtet das„Wittener Tabl.“ Eine neue Einrichtung ist in dem neuaufgestellten Statut der städtischen Sparkasse in Ahlen vorgesehen, das jedenfalls sehr wohlthätig wirken dürfte. Es soll nämlich demnächst auch in der Sparkasse möglich sein, gegen einfach: Bürgschaft unberührt von dem allgemeinen Unwillen lächelnd dasaß. Im selben Augenblick bemerkte man, wie der Kronprinz auf den Bericht seines Adjutanten in ein herzliches Lachen ausbrach, dann aber rasch sich dem jungen Mädchen näherte und in gewinnend liebenswürdiger, herzlicher Weise mit einer Verbeugung zu demselben sagte:„Mein Fräulein, an Ihrer Stelle ließe ich mir auch nichts befehlen, da ich aber so gern mit Ihnen tanzen möchte, bitte ich Sie um den nächsten Tanz. Glücklich und stolz flog das Fräulein mit seinem königlichen Tänzer durch den Saal und bewahrt in dankbarem Herzen die Worte, welche ihr Tänzer an sie richtete:„Es ist ein häßlicher höfischer Brauch, dem Sie heute so muthig und im vollen Gefühl Ihres Rechtes entgegengetreten sind. Vielleicht werden sich noch mehr derartige Pioniere finden, welche Ihnen helfen, die weibliche Würde zu vertheidigen. Ich danke Ihnen, mein liebes Fräulein, für den Tanz, wie für die Bekanntschaft mit einem selbstständigen Charakter. Der Haushalt des Sultans. Von der wahnsinnigen Verschwendung des Sultans, des verschuldetsten aller Fürsten, gibt ein Einblick in dessen Haushaltung Zeugniß. Im Palast des Sultans halten täglich mehr als 6000 Personen ihre drei Mahlzeiten. Jede Laune des Sultans oder einer seiner zahlreichen Frauen stürzt die Ordnung um und sie muß augenblicklich befriedigt werden, mag es gehen wie es will. Jede Abtheilung des Haushaltes steht unter der Leitung eines verantwortlichen Chefs, der ein ganzes Heer von Dienern und Sclaven befehligt. Der Großkämmerer ist der Dolmetscher aller Wünsche des Sultans, er muß Tag und Nacht zu seiner Verfügung stehen, die Einkäufer des Schatzmeisters bilden eine Armee. Eine Abtheilung ist blos mit dem Einkauf von Fischen beschäftigt, und für 6000 Personen täglich frische Fische zu schaffen, ist in Konstantinopel, das keine geregelten Märkte hat, keine leichte Sache. Der Bedarf beläuft sich täglich auf 400 Centner. An Brod werden täglich 1800 Pfund gebraucht; denn der Türke ißt viel Brod. Die für den Sultan selbst bestimmten Speisen werden durch seinen Leibkoch bereitet und kein anderer darf dieselben berühren. Die Kasserole bestehen aus Gold und Silber und der Deckel wird mittelst eines Papierstreifens verklebt, den der Leibkoch vor den Augen des Sultans abreißt, indem er zuvor von jedem Gericht kostet, ehe der Herr einen Bissen zum Mund führt. Die Zahl der Gerichte ist außerordentlich groß. Der Sultan bedient sich beim Essen niemals eines Tellers oder einer Gabel, sondern holt die Speise mit den Fingern aus dem goldenen Kasserol, höchstens bedient er sich eines Löffels, um das Eingemachte auf das Brod zu streichen. Er speißt zumeist in Hemdärmeln und streckt sich dann auf den Divan hin, um seinen Tschibuck zu rauchen und unzählige Tassen schwarzen Kaffees zu schlürfen. Reis zum Pilaff, der keinen Tag fehlen darf, wird täglich in riesiger Menge gekocht, ebenso wie die 600 Pfund Zucker, Kaffee und Fleisch für die 6000 Menschen. Rindfleisch wird täglich eine Tonne, Kalbfleisch eine halbe Tonne verbraucht und zu den frischen Fischen viele getrocknete. Wenn es dem Sultan beliebt, sein Hoflager nach einem seiner zahlreichen Schlösser zu verlegen, wird nichts in den häuslichen Gewohnheiten geändert; denn in jedem dieser Schlösser muß zu jeder Stunde alles zu seinem Empfang bereit sein. Wenn ihm mitten in der Nacht die Laune kommt, seinen Aufenthalt zu wechseln, so darf Niemand davon überrascht sein und jeder Befehl muß unverzüglich befolgt werden. Kenner schätzen die regelmäßigen Kosten des Haushalts jährlich wie folgt: Erneuerung von Möbeln, Wäsche und Teppichen 15 Millionen Franks, Kleider, Schmuck, Parfümerien u. s. w. für die Frauen 50 Millionen, Kleider und Mobiliar des Sultans 10 Millionen, Extraausgaben für verschiedene Launen 63 Millionen, Geschenke und Gehälter 20 Millionen, Silber= und Goldgeschirr 12500000, Ankauf und Erhaltung von 474 Wagen und Gespannen 20300000, Küchenbedarf 25 Millionen. Zusammen 215 800000 FranksUnd diese Rechnung reicht nur selten an den wirklichen Bedarf hinan, da man auch die Launen der Favoritinnen in Anschlag bringen muß, die bisweilen alle Grenzen übersteigen * Kaiser Wilhelm II. ist der vierte deutsche Kaiser, der in Leipzig einzieht. Es war im Oktober des Jahres 1216, als Kaiser Friedrich II. an der Seite des Wettiner Markgrafen Dietrich in Leipzig eintritt, nicht in Frieden und Freude, sondern im Kriegsharnisch mit dem dräuenden Schwert in der Hand, denn die Bürgerschaft war im Aufstand gegen ihren angestammten Herrn. Dann ist nochmals ein deutscher Kaiser an der Spitze seines Heeres nach Leipzig gekommen, diesmal, um die Treue der Bürgerschaft gegen ihre Landesherren, die Markgrafen Friedrich und Dietzmann, zu ahnden. Das war Kaiser Adolf von Nassau. Noch befindet sich von diesem Kaiser im Rathsarchiv eine Urkunde, die er bei diesem Kriegszug, am 20. Dezember 1294, in Leipzig ausgestellt hat. Die Kaiserliche Besatzung, welche in Leipzig zurückblieb, jagten die Bürger, nachdem Adolf von Nassau am 2. Juli 1298 in der Schlacht bei Göllheim gefallen war, mit bewaffneter Hand zur Stadt hinaus. Nach fast sechshundert Jahren zog wieder ein Oberhaupt des deutschen Reiches an der Seite eines Sachsenfürsten in Leipzig ein, am 5. Sept. 1875, als Kaiser Wilhelm I. als Gast König Alberts daselbst erschien. Er kam unter dem Jubel von Hunderttausenden freier, glücklicher Menschen. Der 31. Oktober 1888 führt den vierten Deutschen Kaiser nach Leipzig, wiederum in Frieden und Freude, als lieben, allverehrten Gast. * Dem Dreirad ist jetzt auch das Fünfrad gefolgt. Als neueste Ausgeburt des Fahrsports zeigte sich in Berlin vor einigen Tagen abends in später Stunde ein solches Fahrzeug in der Leipziger Straße. Das fünfrädrige Ding trug nicht weniger als sieben Personen, von denen sich der größere Theil an der Fortbewegung in thatkräftigster Weise betheiligte. Darnach ist es zu dem Veloziped=Omnibus nur noch ein Schritt. au Schalbschitn Kium Sträg bie N. 20 Vr. D vt, Atrichzung, schmzsan, Aus den Rund dersahben Laute 6 Ein doenstrlichen wrick eustuh ie u. unz, Faulsz, grnchn, bait Als aun gut sihen urche uus uur b. in Borkhofen. Als nämlich die über 70 Jahre ut Hausfrau am Morgen aufstehen wollte, war sie ihrer Sprache beraubt, die sie am Abend vorher noch gehabt hatte. Bis jetzt ist dieselbe noch nicht zurückgekehrt und weiß man keine Ursache für diese so plötzlich eingetretene Katastrophe. Wie verlautet soll Münster durch Eingemeindung mehrerer Vororte vergrößert werden. Die bösartigen Krankheiten, welche schon seit Monaten in Altena wüthen, sind noch immer nicht verschwunden, sie peyin wirde, wenn dur die Zollverwaltung so„koulant“ im Verkehr bleibe, wie sie sich bisher bei den Nachverzollungen gezeigt habe. Uebrigens hatte sich in der letzten Zeit der Humor bereits der Sache bemächtigt. Der junge Nachwuchs in Hamburg sieht die Geschichte überhaupt politisch nicht so tragisch an, wie einige der Alten, welche Hamburgs Selbständigkeit dadurch begraben glauben. In einzelnen Blättern erschienen kurz vor dem Zollanschluß noch Anzeigen, in welchen sich junge Leute ertreten im Gegentheil noch heftiger auf als vor einigen Wochen.s boten, in wohlhabenden Häusern den überzähligen Chomoganer gemacht, sod ähnliche Scherze gobs: dafür den Mosern und Stick= und Keuchhusten Platz gemme#. Und uyntich... gab's in Menge. Passiert irgend etwas, Auch von Erkrankungen Erwachsener hört man sehr viel, denn so ist jetzt die srehenoe Redensart es sind mehrere Fälle von Erkrankungen an Lungenentzündung und Typhus, vorzugsweise Unterleibstyphus, vorgekommen. In Lette im Bezirk Minden kam ein 9jähr. Mädchen in Abwesenheit der Eltern dem Herdfeuer zu nahe und lief, nachdem die Kleider Feuer gefangen, in seiner Angst unglücklicherweise ins Freie, wo der Wind die Flammen anfachte. Nach sechs qualvollen Stunden war das Kind eine Leiche. Von einem unruhig gewordenen Pferde wurde ein Oekonom in Holten so schwer gegen den Unterleib getreten, daß der Mann nach zwei Tagen den Geist aufgab. In Sarn bei Mülheim a. d. Ruhr wurde ein großes Dampfsägewerk mit vielen fertigen und unfertigen Hölzern ein Raub des Feuers. Der Artillerie=Verein in Remscheid hatte sich in einer Eingabe an das Kriegsministerium mit der Bitte gewandt um Ueberweisung eines Feldgeschützes. Am Samstag Nachmittag traf an den Vorstand die Nachricht aus dem Kriegsministerium ein, daß der Kaiser dem Remscheider Artillerie=Verein ein sechspfündiges Geschütz als Geschenk überwiesen habe. Bei den alten Kanonieren herrscht ob dieser Botschaft selbstverständlich große Freude. Infolge Umfallens einer brennenden Petroleumlampe wurde ein 5jähr. Mädchen in Eisborn bei Balve derart verbrannt, daß es bald unter gräßlichen Schmerzen starb. Das neue Domhotel in Köln soll nach den der Behörde vorgelegten Plänen sich, über das ganze Häuserviertel ein launiges:„Daran ist der Zollanschluß schuld.“ Zum Schluß ist alle Welt in Hamburg einig, daß die gewaltige Umwälzung zweifellos die alte berühmte Stadt mit den modernsten und großartigsten Hafenanlagen versehen habe, die sie sonst nicht in einem Menschenatter sich gebaut hätte. Fräulein Jenisch in Hamburg, einer alten reichen Patrizierfamilie angehörig, hatte sich bekanntlich die Ehre ausgebeten, daß Kaiser Wilhelm in ihrem Hause absteige. Der Kaiser hat die Einladung angenommen und kaiserlich dafür gedankt. Ehe er die Rundfahrt durch Hamburg antrat, ließ er sich bei der Hausfrau anmelden, stieg in den zweiten Stock hinauf, dankte sehr freundlich und überreichte ihr ein Armband nebst Medaillon mit der Kaiserkrone und dem Buchstaben W. in Brillanten und legte es selbst um den Arm der alten Dame. Als der Kaiser auf seiner Barkasse unter der Kranhausbrücke durchfuhr, tauchte aus der dunklen Fluth ein seltsames Ungeheuer mit einem Balken auf. Es war ein Taucher in seinem Gummianzug und dem Helm mit den blinkenden Glasfenstern. Er hatte den letzten Pfahl der Brücke aus der Tiefe geholt, um ihn dem Kaiser zu zeigen. * Im Königlichen Opernhause zu Berlin wird demnächst eine ganz eigenartige Aufführung stattfinden, wie sie in diesen Räumen, überhaupt in Berlin wohl noch nicht dagewesen sein dürfte. Die Bühne wird sich ausschließlich mit Musikern füllen, und zwar nur mit Musikern, welche Trompeten, Posaunen, Tuhen, Hörner und sonstige Blechinstrumente blasen, hörde vorgelegten Plänen sich über das ganze Häuserviertel Posaunen, Tuhen, Hörr., im1e iu. T. es ver Burt. zwischen Domhof und Domkloster, am Hof und Waurafsplatz# und diese werden unter Mitwirrung einer Anzahl von Pauken „ c# 5; soll im Ronaissangestil gahaut und mit dew Kaiser einen fostlichen Kaisergruß" darbringen. Allein erstrecken. Dasselbe son im Renuissancenn eabaut und mit zahlreichen Ausbauten, Erkern, Balkonen, Thürmchen 2c. geschmückt, eines der schönsten Gebäude der Stadt werden. In den Fronten sollen zur ebenen Erde 29 Ladenlokale eingerichtet werden und im Innern 300 Zimmer, sowie zahlreiche größere und kleinere Säle vorgesehen sein. Die erforderlichen Grundstücke sind bis auf zwei bereits alle erworben, bezwin festen Händen. Dem Vernehmen nach beabstchtigt der Gartenbauverein zu Bonn, die Blumenpflege durch Schulkinder einzuführen. Es werden einzelnen Kindern im Frühjahr drei Pflanzen zum Preise von 10 Pfg. pro Stück übergeben. Im Herbste k nnen die Kinder diese Pflanzen zu einer zu diesem Zweck zu veranstaltenden Ausstellung bringen. Zeigt sich dann, daß die Pflanzen unter der Pflege ihrer Wärter gediehen sind, so erhalten die jungen Pflanzenzüchter Prämien von drei, zwei und einer Mark. Die Auswahl der zu Prämiirenden geschieht durch ein eignes hierzu beauftragtes Comité. Die Blumenflege durch Schulkinder verfogt den Zweck, bei letzteren den Sinn für die Natur zu wecken und zu fördern, den dumpfen Wohnungen der arbeitenden Klassen Schmuck und Leben zu verleihen, wodurch den Arbeitern das Heim anziehender gemacht wird. Dieselbe Einrichtung haben die Gartenbau Vereine zu Darmstadt und Düsseldorf getroffen und hat man hier recht schöne Erfolge erzielt. Verdient zur Nachahmung empfohlen zu werden. In einer Höhle am Hardtbusch bei Elberfeld, die häufig von obdachlosen Stromern als Nachtquatier benutzt wird, fand die Polizei eine stark in Verwesung übergegangene Leiche. Die Staatsanwaltschaft ist bereits eifrig mit der Untersuchung des unheimlichen Falles beschäftigt. In einem Hotel zu Frankfurt a. M. wurden einem Reisenden zwei Musterkasten im Werthe von 4000 Mark gestohlen. Ein 17jähr. junger Mann in Mainz hat dadurch sein Leben eingebüßt, daß er kürzlich in einer Wirthschaft, um seine Leistungsfähigkeit zu zeigen und nachdem er bereits angetrunken war, nochmals vier Schoppen Wein je auf einen Zug ausdrank. Den letzten Schoppen trank er aber dem Tode zu; er stürzte besinnungslos zu Boden und starb zwei Tage darauf ohne die Besinnung zurückerlangt zu haben. Vermischte Nachrichten. * als im Jahre 1842 das alte winkelige Hamburg zu einem Fünftel abbrannte, zählte die Stadt 150000 Einwohner. Heute hat sie mehr als 500000, und wenn man Altona und Wandsbeck als natürliche Vorstädte hinzuzählt, sogar 640000 Einwohner. Dabei dehnt sich die Stadt und wächst zusehends. Aufwärts an der Elbe nahe der alten großen Eisenbahnbrücke baut sich bereits ein ganz neues Stadttheil auf und wandert man durch die großen Schiffswersten am linken Elbufer, so liegen überall neue Schiffe auf den Baugerüsten. Allenthalben thun sich neue Handelskomptoire auf und wenn man liest, daß im Jahr 1887 allein die Filiale der Reichsbank einen Geschäftsumsatz von 8 Millionen Mark hatte, von den anderen Banken ganz zu schweigen, dann darf man annehmen, daß die Hamburger wohl Recht haben, wenn sie auch nach Eintritt in den deutschen Zollverein an ein gutes Geschäft glauben und heute Jedermann versichern: wir sind nicht todt zu machen und fürchten den Zollanschluß nicht mehr! In diesem Punkt ist nämlich ein auffälliger Wechsel in der Stimmung eingetreten. Noch vor einem Jahr hörte man alte eingesessene Hamburger, von dem richtigen Schlag der„Hamborger Borger“, wie sie in ihrer Mundart ladungen überreicht, welche sie nicht gut zurückweisen kann. So wird Königin Viktoria, um ihre Freundin aufzuheitern, demnächst Thee=Abende mit Gesang veranstalten— und auch bei der Prinzessin Beatrice von Battenberg sollen heitere Abende stattfinden, bei welchen man die Kaiserin mit den neuesten musikalischen Erscheinungen bekannt machen will. * Einen liebenswürdigen Kämmerer hat die Stadt Clarland in Nordamerika. Der ehrenwerthe Herr hat die Stadtkasse ihres Inhalts von einer halben Million Dollars erleichtert und ist damit entwischt. Die Stadt ist dadurch genöthigt, vorläufig ihre Zehlungen einzustellen. * Welch gewaltige Rolle die Einbildung bei kranken Personen spielt, das zeigt folgender Vorfall. Ein Spitalarzt in New-Orleans ließ etwa hundert Personen Zuckerwasser trinken, kam dann kurze Zeit nachher voller Schrecken in den Saal und erklärte, es sei irrthümlicher Weise ein Brechmittel seben worden. Was war die Wirkung? Achtzig Personen wurden in der That von Erbrechen befallen, und zwar waren es fast lauter Männer, während die Frauen ganz ruhig blieben. * Eine lesenswerthe Flugschrift trägt den Titel:„Das Recht und die Staatsraison im Prozeß Geffcken. Von einem deutschen Richter.“ Der Verfasser hält die Veröffentlichung des kaiserlichen Tagebuchs an sich im Interesse der geschichtlichen Wahrheit für willkommen, abgesehen von der Taktlosigkeit gegen den regierenden Kaiser als Sohn und Erben Kaiser Friedrichs. Die Art der Auswahl des Gebotenen betrachtet er politisch als einen groben Fehler und menschlich als Pietätslösigkeit und Undankbarkeit. Die Wirkung des Prozesses auf die Auschauungen des Volkes scheint ihm sehr bedenklich zu sein.(Helwingsche Buchhandlung in Hannover, Preis 50 Pfg.) * Unerhörte Frechheit. Unteroffizier:„Einjähriger, Sie haben so viel Ahnung vom Kompagnie Exerzieren, wie eine saure Gurke vom Skatspielen. Und dabei erlaubt sich der Mensch sogar, eine Brille zu tragen!" * Der Kronprinz hat seit kurzem einen Exerziermeister in der Person des Feldwebeks Bank von der 2. Kompagnie des 1. Garderegiments zu Fuß erhalten und widmet sich mit kindlichem Eifer diesen ernsten soldatischen Uebungen. Der Unterricht nimmt täglich eine halbe Stunde in Anspruch und wird dem kleinen Prinzen in einem Saale des Marmorpalais ertheilt. An den Uebungen nimmt auch zuweilen der zweitälteste Prinz Eitel theil. * Die Bürgermeister von Hamburg, Dr. Versmann und Dr. Petersen, haben vom Kaiser zur bleibenden Erinnerung an die Schlußsteinlegung der Zollanschlußbauten je eine kostbare Vase aus der Königl. Porzellanmanufactur zum Geschenk erhalten. Dieselben waren von zwei kaiserlichen Handschreiben begleitet, in denen der Dank und die Anerkennung für die der Förderung des vaterländischen Werkes gewidmete verdienstvolle Thätigkeit der beiden Herren ausgesprochen ist. Der Kaiser konnte die Herren nur auf diese Weise auszeichnen, da die Senatoren nach hamburgischer Verfassung keine Orden nnehmen dürfen. zu am 20. November 1888. Angeklagt war der Wirth W. K. von hier, ohne Erlaubniß der Chausseebauverwaltung eine Ueberbrückung nach seiner Wiese angelegt zu haben. In dieser Sache hatte schon eine Verhandlung stattgefunden, dieselbe war indeß vertagt, weil der Beklagte noch Zeugen zu erbringen hatte, um zu beweisen, daß dieser Uebergang stets dagewesen sei und nur behufs Renovation von Zeit zu Zeit erneuert sei. Die alte Brücke war verfallen und sollen einzelne Theile derselben den Wasserlauf durch den Chausseegraben gehemmt haben, weßhalb der Beklagte von der Chausseebauverwaltung aufgefordert wurde, diese zu entfernen. Beklagter legte nun eine neue Brücke von Schienen und Schwellen an und weil er hierzu nicht die Erlaubniß nachgesucht, wurde er von der Chausseebauverwaltung vemn Kuiser einen festliche:„Kaisergruß" darbringen. Allein 300 Trompeter werden daran theilnehmen. Der Kaiser, welcher schon als Prinz sich lebhaft für die Trompetermusik interessiert und Bestrebungen zu Gunsten derselben unterstützte, hat seine Genehmigung zu der Aufführung ertheilt und sich nur die Bestimmung des Tages vorbehalten. * Ein verzweifelter Kampf mit einem Bären fand in Northampton in den großen Franklinschen Vergnügungsgärten statt, wo die dortige Freiwilligen=Abtheilung ein Manöver abhielt. Durch das lebhafte Schießen waren die verschiedenen wilden Thiere, die dort gehalten werden, in große Erregung versetzt, und als der Bärenwärter Gotch den Zwinger seiner Pflegkinge betrat, fiel ein Bär über ihn her un schlug ihn mit einem Prankenhieb zu Boden. Dann nahm er den Kopf des Unglücklichen zwischen die Vordertatzen und sing an, auf denselben einzubeißen. Niemand wagte zunächst, den Zwinger zu betreten. Endlich nahm Lieutnant Hüll das Gewehr von einem aus der Mannschaft, pflanzte das Bajonett auf, stieg in den Zwinger und ging der Bestie zu Leibe. Als dieselbe das Bajonett in der Schulter fühlte, stürzte sie sich auf dem Officier. Dieser aber vertheidigte sich so geschickt und wußte ihr mit seiner Waffe so gefährliche Wunden beizubringen, daß sie sich in einen Winkel zurückzog. Nachdem man Gotch schwerverletzt aus dem Zwinger geholt, verließ auch Lieutnant Hüll den gefährlichen Aufenthaltsort, von begeisterzen Zurufen der Menge begrüßt. * Gedächtnißkraft bei einem Pferde. Nachstehender Fall beweist, daß das Pferd außer seinem allgemein bekannten Verstand auch eine außerordentliche Gedächtnißkraft besitzt. Vor unge= verklagt. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten von Strafe und fähr 5 Jahren verkaufte ein Besitzer aus der Gegend von Löbau Kosten frei, da nachweisbar der Angeklagte schon seit ca. 50 ein von ihm selbst erzogenes, 6 Jahre altes Pferd an einen Jahren vermittelst dieser Brücke zu seinem Grundstück gelangt an einen weit von dort wohnenden Händler. Auf dem letzten Markt in Jablonowo kaufte nun der Besitzer ein Pferd, in welchem er sofort das vor 5 Jahren verkaufte wiedererkannte. Als er mit dem Thier auf seinen Hof kam, wieherte dasselbe freudig auf; hierdurch aufmerksam gemacht, zäumte er es ab, um sich zu überzeugen was es beginnen werde; das Pferd ging ohne alles Bedenken in den Stall und zwar auf denselben Platz, auf dem es früher gestanden hatte. Trotz der Länge der Zeit hatte das Thier sein früheres Heim sofort wieder erkannt. * Oeffentliche Wärmestuben nach Wiener Muster in Berlin zu schaffen, ist schon lange erwogen worden. Jetzt soll ein neuer Plan nach dieser Richtung der Kaiserin zur Prüfung vorliegen und es soll die Bildung eines Komitees im gange sein. Es handelt sich darum, während der kalten Zeit den Obdachlosen für den Tag ein Asyl zu schaffen, in welchem sie sich eine bestimmte zeitlang aufhalten dürfen und wo ihnen warmer Kaffee oder Mehlsuppe mit Brot unentgeltlich verabreicht wird. Durch diese Wärmestuben ist in Wien das Bettlerwesen während des Winters wesentlich einbeschränkt worden. * Von der Kaiserin Eugenie wird berichtet: Die Aerzte haben der hohen Frau dringend angeraten, ihre Zurückgezogenheit aufzugeben, tin und wieder frohe Menschen um sich zu sehen, Musik zu hören und zeitweilig auch ein Theater zu besuchen, da das klösterliche Dasein, welches die Kaiserin jetzt führt, einen sehr nachtheiligen Einfluß auf deren physischen und seelischen Zustand übt. Die Kaiserin war durch viele Jahre gewöhnt, das heiterste, fröhlichste Treiben um sich zu sehen und die jetzige Existenz hat eine sehr trübe Wirkung; die Kaiserin weint Tag und Nacht. Da sie sich weigert, irgend etwas zu ihrer Zerstreuung zu thun, will man dieselbe hierzu zwingen. Man hat ihr in letzter Zeit einige Einsei, wie dieses durch die Zeugenaussagen erwiesen wurde. 2) Der Schneidermeister W. K. von hier hatte wegen Verübung groben Unfugs und ruhestörenden Lärms ein Polizei Strafmandat erhalten, hiergegen aber Berufung eingelegt. Der Gerichtshof erkannte gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 5 Mark oder 1 Tag Haft und verurtheilte denselben außerdem in die Kosten des Verfahrens, da angenommen wurde, daß derselbe sich an der nächtlichen Ruhestörung betheiligt habe. Zwei der Mitbetheiligten, welche ebenfalls Strafmandate erhalten, hatten ruhig gezahlt. 3) Der Bergmann Fr. L. aus Suderwich war der Bedrohung mit einem Verbrechen und der Sachbeschädigung angeklagt. Derselbe will bei Verübung der That sinnlos betrunken gewesen sein und auch den Schaden, den er durch das Zertrümmern einer Kaffekanne des Klägers verursacht hat, wieder ersetzt haben. Als der Ersatz geschah, war aber die Anzeige bereits geschehen und auf Grund dieser die Anklage erfolgt. Der Gerichtshof erkannte wegen der Sachbeschädigung eine Geldstrafe von 3 Mark und wegen der Bedrohung auf eine Geldstrafe von 15 Mark oder 3 Tage Gefängniß. Der Gerichtshof nahm an, daß er sein Vergehen bereut habe, wie er dieses durch die Abfindung bewiesen, weßhalb diese gelinde Bestrafung erfolgte. 4) Der Arbeiter Mathias Z. aus Lütgendortmund, aus der Untersuchungshaft vorgeführt, erhielt wegen Bettelns eine 1tägige Haftstrafe, welche durch die Untersuchungshaft als verbüßt anerkannt wurde. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Angeklagten zur Last gelegt. In dem Schöffengerichtsbericht vom 18. November, unter Verhandlung 1 muß es heißen: Von der Ueberweisung an die Landespolizeibehörde wurde abgesehen, weil seit der vorletzten Bestrafung des Beklagten wegen Bettelns fast drei Jahre verstrichen waren. Statumtische Erstimmungrn für Ausdehnung des Kranken-Verzsicherungs-Zwanges auf die Arbeiter der Land- und Forstwirthschaft. Auf Grund der§§ 2 und 54 des Reichsgesetzes vom 15. Juni 1883 ind der§§ 134, 137, 138 und 139 sowie 142 des Reichsgesetzes 5. Mai 1886 sind von der Amtsversammlung des Amzes Castrop für den Amfang des Amtes Castrop folgende statutarisch,e Bestimmungen beschlossen Die Anwendugg der Torschriften des§ 1 des Krankenversicherungsgesetzes vom 19. Juni 1883 wird hierdurch auf die in der Land= und Forstwirthschant beschäftigten Arbeiter erstreckt. Dieser Versicherungspflicht unterliegen ohne Unterschied des Geschlechts auch: a. Diejenigen, deren Beschäftigung ihrer Natur nach eine vorübergehende ist, wenn die Beschäftigung länger als eine Woche dauert, b. solche Personen, welche zwar außerhalb des Amtsbezirks Castrop, jedoch in Betrieben beschäftigt sind, welche nach den Vorschriften des § 44 des Gesetzes vom 5. Mai 1886 im hiesigen Amtsbezirke ihren Sitz haben. S 2. Die Versicherungspflicht(§ 1) erstreckt sich für die im Amtsbezirke Castrop wohnenden Personen auch auf diejenige Zeit, in welcher eine Beschäftigung in der Land= und Forstwirthschaft gegen Lohn in Gemäßheit des§ 1 nicht stattfindet. Ausgenommen von dieser Vorschrift sind diejenigen Personen, welche von ihrem selbstbewirthschafteten Grundbesitze einen jährlichen Grundsteuerbetrag von 4 Mark mehr zahlen oder vorwiegend in anderen als land= und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigt sind. § 3. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, jede von ihnen beschäftigte nach§ 1 versicherungspflichtige Person bei der von der Aufsichtsbehörde nach§ 49 al. 3 des Gesetzes vom 15. Juni 1883 errichteten Meldestelle spätestens am dritten Tage nach Beginn der Beschäftigung anzumelden und spätestens am dritten Tage nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses wieder abzumelden; für Arbeiter, welche außerhalb des Amtsbezirks Castrop beschäftigt sind,(§ 1 Absatz 2 lit..) ist diese An= und Abmeldung ebenfalls innerhalb dreier Tage zu bewirken. Arbeitgeber, welche ihrer Anmeldepflicht nicht genügen, sind verpflichtet, alle Aufwendungen zu erstatten, welche die Gemeindekranken=Versicherung oder eine Ortskrankenkasse auf Grund gesetzlicher oder statutarischer Vorschrift zur Unterstützung einer vor der Anmeldung erkrankten Person gemacht haben. Die im§ 2 bezeichneten Personen haben für diejenige Zeit, in welcher sie nach Vorschrift des§ 1 gegen Lohn nicht beschäftigt sind, sich selbst bei der von der Aufsichtsbehörde nach§ 49 al. 3 errichteten Melde=Stelle spätestens am dritten Tage nach Einstellung der bisherigen Beschäftigung anzumelden und spätestens am dritten Tage nach einer neuen Beschäftigung abzumelden. § 4. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, die Beiträge welche für die von ihnen beschäftigten, nach§ 1 versicherungspflichtigen Personen zur Gemeindekranken=Versicherung oder zu einer Ortskrankenkasse zu entrichten sind, für die ersteren alle 4 Wochen, für die letzteren an den durch das Statut festgesetzten Zahlungsterminen nachträglich einzuzahlen. Diese Verpflichtung liegt den unter die Vorschrift des§ 2 fallenden Personen selbst ob. § 5. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, ein Drittel der Beiträge, welche auf die von ihnen beschäftigten, nach§ 1 versicherungspflichtigen Personen entfallen, aus eigenen Mitteln zu leisten. Sie sind berechtigt, die Beiträge, welche für die dieselben einzahlen, soweit sie solche nicht aus eigenen Mitteln zu leisten haben, bei jeder regelmäßigen Lohnzahlung in Abzug zu bringen, soweit sie auf diese Lohnzahlung antheilweise entfallen. Auf Streitigkeiten zwischen den Arbeitgebern und den von ihnen beschäftigten Personen über die Berechnung und Anrechnung der von diesen zu leistenden Beiträge findet§ 120 a der Gewerbe=Ordnung Anwendung. § 6. Diese statutarischen Vorschriften treten nach erfolgter Genehmigung und Verkündigung sofort in Kraft. Castrop, den 13. September 1888. Der Amtmann Der Amtsbeigeordnete gez. Müller=Toil fifs. gez. Schulte=Rauxel. Vorstehende statutarische Bestimmungen werden hierdurch genehmigt. Arnsberg, den 26. September 1888. Namens des Bezirksausschusses Der Vorsitzende: In Vertretung gez. Westphal. Die vorstehenden Bestimmungen werden hierdurch mit dem Bemerken zur Kenntniß gebracht, daß freie Station(Kost und Logis) eines gewöhnlichen land= oder forstwirthschaftlichen Arbeiters, männlichen und weiblichen Geschlechts, auf täglich 75 Pfg. und die diesen Personen etwa gewährte Nutznießung eines s. g. Sechszig Kartoffeln auf 15 Mark festgesetzt ist. Castrop, den 11. November 1888. Amtmann Müller=Tolffs. HUGO HTLLMANN, Herner Bahnhof(früher Sickels Fabrik) u. Strünkede, empfiehlt sich zum Schneiden sämmtlicher Sorten Hölzer. Gute Bedienung.— Billige Preise. Bahn-Anschluss. eie anns Kormamz; Lastlr, empfiehlt sein Lager in # Möbel aler frt Polsterwaaren, Korbwaaren, als: Kinderwagen, Sefsel, Marktu. Reisekörbe, 4 Särge in großer Auswahl und in seinster## Sarg9 Ausführung, P zu mässigen Preisen. #STOTTT Grosse Schlesische Gold- u. Silber-Lotterie Ziehung in Berlin am 17. und 18. Januar 1889. Hauptgew. 50000 M. 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Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen bittet Castrop, den 16. November 1888. Vorstand. Außerordentliche General=Versammlung des Knappenvereins Schlägel und Eisen Merklinde=Bövinghausen am Sonntag, den 25. November Nachmittags 4 Uhr. Tagesordnung: 1. Zahlung der monatlichen Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Beschlußfassung auf Grund des§ 15 Absatz 2. 4. Beschlußfassung auf Grund des§ 8 unter B. 5. Wichtige Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet, Der Schriftführer Der Vorsitzende W. Rüter. W. Böhmer. Am Sonntag, den 25. d. M. findet im Saale des Herrn Lueg die Bezirksversammlung westfälisch-märkischer Stenographen, statt, wozu Freunde und Gönner der Stenographie hierdurch ergebenst eingeladen werden. Anfang 4 Uhr. Vorstand. Rothe und weiße Speisekartoffeln, Rothe u. gelbe Wurzeln, Stroh, Heu, (Kleehen und Wiesenheu) stets vorräthig und in größeren und kleineren Parthien abzugeben bei F. Schomburg. 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