1 0 O Amtliches Organ für den Landgerichtsbezirk Vortmund. Redaktion, Druck und Verlag Nro. 86. Erscheitnt Baimochs und Ganhags und hoster vierteljährlich in der Expedition 1 Mark, durch Betm Mark 1,10.— Illustr. Blätter 50 Pfg. — Gerechtigkeit.— Gemeinwohl. Samstag 27. Oktober 1888. von Ph. Culbart in Castrop. Politische Aebersicht. Deutschland. Kaiser Wilhelm II. unternahm am Dienstag Vormittag kurz vor 9 Uhr vom Marmorpalais aus einen Spazierritt in die nächste Umgebung von Potsdam und begab sich nach dem Kasernenhofe des Leib Garde=Husaren=Regiments um daselbst den Uebungen des Regimentes beizuwohnen. Von dort zurückgekehrt, nahm der Kaiser im Marmorpalais die Vorträge des Admirals Grafen Monts und des Chefs des Mili tärkabinets entgegen und arbeitete später längere Zeit allein. Vor dem Diner unternahmen beide Majestäten noch eine Aus fahrt. Das Befinden des Kaisers und der Kaiserin ist sehr zufriedenstellend. Am Mittwoch Morgen unternahm der Kaiser einen einstündigen Spazierritt in der Umgebung von Potsdam. Nach der Rückkehr empfing der Monarch den Oberstallmeister Rauch und arbeitete mit dem Chef des Zivilkabinets und dem Grafen Herbert Bismarck. Zur Tafel waren die Professoren von Bergmann und Gerhardt geladen, es ist das eine offenbare Auszeichnung gegenüber den Anschuldigungen, welche Mackenzie in seiner Broschüre gegen beide Aerzte erhebt. Donnerstag Nachmittag reiste der Kaiser zur Jagd nach Blankenburg am Harz. Samstag Mittag wird der Kaiser im Berliner Schloß die Deputation der dortigen städtischen Behörden, welche den Kaiser zur Rückkehr in die Heimath begrüßen will, empfangen. Kaiser Wilhelm und seine Gemahlin waren am Mittwoch Nachmittag nach Berlin gekommen, statteten der Kaiserin Friedrich einen Besuch ab und verweilten noch im Schloß. Um 5 Uhr Abends fuhren beide Majestäten nach Potsdam zurück. Samstag kommt der Kaiser von Potsdam nach Berlin, um der an diesem Tage erfolgenden feierlichen Einweihung der neuen Kirche„Zum h. Kreuz“ am Johannistisch beizuwohnen. Auf seiner Reise nach Hamburg zu den dort am Montag stattfindenden Zollanschlußfeierlichkeiten reist Kaisr Wilhelm am Sonntag nach Friedrichsruh zum Reichskanzler, übernachtet daselbst und trifft mittelst Sonderzuges am 29. in Hamburg ein. Es ist wahrscheinlich, daß Fürst Bismarck den Kaiser nach Hamburg begleitet. Die Eröffnung des neuen Freihafengebietes in Bremen hat am Sonntag Mittag unter Betheiligung des Senats, der Bürgerschaft, der Handels= und Gewerbekammer=Mitglieder, der Spitzen der Militär=, Zoll=, Post= und Telegraphenbehörden und der Bevölkerung stattgefunden. Der greise Feldmarschall Graf Moltke feiert heute, Freitag, seinen 88. Geburtstag. Er tritt nunmehr in sein neunundachtzigstes Lebensjahr in voller geistiger Kraft und Frische, die ihn befähigt, auch noch fernerhin der Stärkung der deutschen Verteidigungskraft in seiner Stellung als Präses der LandesDie Seirathsvermittelung. Es ist die einzige Heirath, die ich gestiftet habe. Ich schwöre es feierlich. Es war aber auch nicht länger mit anzusehen. Die kleine, allerliebste Emmy grämte sich schier zu Tode, das heißt, so arg war es wohl nicht, sie erfreute sich einer guten Gesundheit und ihre Wangen prangten alle Zeit in appetitlichstem Pfirsichroth, aber— sie grämte sich immerhin in bedenklichem Maße, denn sie vernachlässigte ihre seidenweiche Angorakatze naschte kaum eine halbe Düte Bonbons und blickte oft so zerstreut zum Himmel empor, daß sie dabei über jedes Kieselsteinchen im Parke stolperte. Es war ein rechter Jammer und der Sache mußte um jeden Preis ein Ende gemacht werden. Ich nahm daher Emmy eines Tages ernsthaft in's Gebet. Als die um viele Jahre ältere Koufine, die Gesellschafterin, das Faktotum im Hause, konnte ich mir schon einen Eingriff in die Herzensgeheimnisse des Mädchens erlauben. Ich sagte also meinem Kousinchen auf den Kopf zu, sie sei verliebt, und zwar in niemand Anderen, als in den abscheulichen, alten Rittmeister van der Slooten. Sie erschrak nicht, sie erbleichte nicht, sie sah mich ruhig an. „Verliebt? In den Rittmeister? Nun ja— aber das bin ich jetzt schon gewöhnt.“ Der Ton schnitt mir tief in die Seele, denn das klang wie eine Resignation, die über das Stadium schmerzhafter Empfindung hinaus ist. „Emmy, er hat es vielleicht nicht bemerkt, daß Du ihm gut bist.“ „Ich kann doch nicht um seine Hand anhalten? Das macht sich auf der Bühne recht gut, im Leben sieht es albern aus. Auch eine regelrechte Liebeserklärung kann ich ihm nicht machen. Und sonst habe ich wahrlich alles gethan, um die Aufmerksamkeit dieses Herrn zu erregen.“ verteidigungskommission seine Sorge zu widmen; noch steht er seinem Kaiser, dessen vollsten Vertraueus er sich erfreut, als treuer Berater zur Seite. Deutschland aber, Volk und Heer, werden seiner an diesem Tage mit tiefer Dankbarkeit und unbegrenzter Verehrung gedenken. Und diesem dankbaren Gedanken schließt sich der warme Wunsch an, daß Gottes Gnade noch lange dem großen Mann seine Kräfte und seine Gesundheit erhalten, und daß sein Kennerauge noch lange freudig auf die weitere Entwicklung des deutschen Heerwesens blicken möge, das, in den gewaltigsten Kämpfen erprobt, unter seiner Leitung für ganz Europa ein unerreichtes Vorbild geworden. Ueber die Unruhen in Ostafrika sind dem auswärtigen Amte Berichte des kaiserlichen Generalkonsuls in Zansibar zugegen, die heute Abend im„Reichs= und Staatsanz.“ abgedruckt werden. Aus diesen Berichten geht hervor, daß die arabische Aristokratie mit ihren sklavenhändlerischen Interessen der eigentliche Gegner Deutschlands in Ostafrika ist. — Die Erwägungen, welche anläßlich der Vorgänge an der ostafrikanischen Küste im Schoße der Reichsregierung stattgefunden, sollen zu dem Beschlusse geführt haben, daß eine größere Flottenmacht in den Gewässern Ostafrika's zusammengezogen werden soll. Aus Neubreisach wird berichtet, daß die dort neu errichtete Unteroffizier=Vorschule mit der vollen Zahl von 300 Schülern eröffnet sworden ist. Von den Schülern sind zunächst nur 20 aus Elsaß Lothringen, die übrigen aus anderen Landestheilen. Hoffentlich wird in diesem Zahlenverhältniß in wenigen Jahren eine Verschiebung eintreten. Die russischen Blätter schlagen wieder den denkbar gehässigsten Ton gegen Deutschland und Oesterreich an. Bezüglich der Reise des Kaisers Wilhelm wird alles hervorgeholt, an dessen Hand den Lesern vorgespiegelt werden kann, daß der Empfang in Italien Vielskochen habe und daß ol= gerabezu drohende Haltung nimmt das amtliche Warschauer Blatt gegen Deutschland und noch mehr gegen Oesterreich, welchem es Bulgariens wegen mit dem Kriege droht. Eine bemerkenswerte Rede hielt in der Deputiertenkammer der Abg. Roche. Er sagte in derselben:„Auf ganz Europa lastet ein grauenhaftes Verhängnis, dessen gleichen man im Altertum nicht findet. Die Menschheit geht durch einen schrecklichen Entwicklungsabschnitt hindurch. Europa ist in ein ungeheures Heerlager umgewandelt, und wird einst ein Schlachtfeld bieten, wie es die Barbarei des Mittelalters niemals geträumt hat. So wachsen herum die Ausgaben, nicht zur Verbesserung des Menschendaseins, zur Linderung der Menschenleiden, sondern für eine künftige Metzelei. Auch Frankreich ist ein Gefangener der unerbittlichen Nothwendig„Aber, das ist ja unerhört. Du ein so hübsches, reiches, engelsgutes—“ Sie zuckte lächelnd die Achseln.„Er wird eben ein noch hübscheres, noch reicheres, noch engelsgütigeres Geschöpf bereits im Herzen sitzen haben.“ „Der? Bewahre! Der ist überhaupt nicht zur Liebe geschaffen; der kennt nur sein geheiligtes Ich, feine theure Bequemlichkeit, seine lieben Gewohnheiten. Weißt Du, Emmy, daß ich nicht begreife, wie Du Dein Herz gerade an diesen alten, stützköpfigen Soldaten hängen konntest.?“ „Alt? Er ist bloß um elf Jahre älter als ich. Stutzköpfig? Ja, aber es ist Charakter dabei und ein weiches Herz birgt sich dahinter. Was willst Du? Er gefällt mir, so wie er eben ist. Aber lassen wir das.“ „Nein, Emmy, ich lasse die Sache nicht ruhen, es kann nicht so bleiben, dieser hartgesottene Junggeselle muß irgend eine verwundbare Stelle haben und die werde ich ausspähen.“ Sie lächelte wieder und zuckte die Achseln. Wenige Tage darauf traf sich eine prächtige Gelegenheit, dem abscheulichen Menschen so recht ins Gewissen zu reden. In großer Gesellschaft war eine Landparthie unternommen worden, und als der Weg ziemlich steil einen Bergabhang emporstieg, fand ich mich, natürlich ganz zufällig, mit dem Herrn Rittmeister an der Quelle der Kolonne zusammen. Er setzte gemächlich einen Fuß vor dem anderen und stützte sich auf den Säbel, den er losgeschnallt wie einen leichten Spazierstock in der Hand trug. Ich seufzte einigemale tief und schmerzlich auf. Er mißverstand mich. „Sie haben enge Schuhe?“ „Nein!“ rief ich erbost. Dann blieb ich stehen und sah. ihm voll ins Gesicht. „Rittmeister, haben Sie ein Herz?“ „Benöthigen Sie eines?“ „Haben Sie eines zu bieten?“ „Ich? Nein.“ Pesiea. S oie. Late m Ssungu. m 14, Jahrg. Leit. Wir müssen thun wie die übrigen, namentlich jetzt, wo anonisse, geschlossen werden, welche das Dasein des Vaterrandes selos bedrohen.“ Man sieht, eine genaue Kenntniß der Lage hat man in Paris schon, nur die Erkenntniß fehlt. Was ist es denn, das Europa unter Waffen hält, ihm kolossale Lasten auferlegt? Nur die Unbeständigkeit der französischen Politik und des französischen Volkes. Träte hier ein Wechsel ein, so würde ganz Europa im Nu aus anderen Augen schauen. Leider ist daran nur nicht leicht zu denken. „Im Verfassungs=Revisions=Ausschusse regte Bonapartist Jolivois den Gedanken an, erst durch eine Volks=Urabstimmung(Plebiszit) von dem Lande zu erfahren, welcher Staatsform es den Vorzug geben würde, Republik, Kaiserreich oder Monarchie, und dann die Revision in entsprechendem Sinne vorzunehmen. In Frankreich ist ein neuer Verein, zur körperlichen Erziehung der Jugend, gegründet worden. Vorsitzender ist Berthelot; im Ausschusse sitzen Brisson, Clemenceau und andere als heißblütig bekannte politische Größen. Zweck ist, Frankreich ein kräftiges Geschlecht zu erziehen; Mittel: die Einführung von Spielen in freier Luft und kräftigen L ibesübungen in allen Elementar=, Mittel= und hohen Schulen; auch soll jedes Jahr ein großes Fest zum Wettstreit in Leibeskraft und Gewandtheit abgehalten werden, eine französische Nachahmung der olympischen Spiele der Geiechen. Die Patriotenliga hat eine Anzahl von Turnanstalten gegründet; die französischen Aerzte finden, daß der französische Körper zu lange einseitig auf Kosten des Geistes vernachlässigt und mißhandelt worden sei. Italien. —. Der Papst empfing vor einigen Tagen den General von Winterfeldt, ehemaligen Adjutanten des Kaisers Friedr###### Dus Amtsblalt veroffentlicht eine Erklarung des griechischen Metropoliten(Erzbischofs) Theodosius, wonach die am 5. October 1875 geschlossene Ehe des serbischen Königspaares aufgelöst ist. und Westfälisch-Rheinisches. Castrop, 26. Okt. Der Wagenmangel auf Zeche Erin hat einen Umfang angenommen, wie er sonst in den schlimmsten Wintermonaten nicht zu Tage getreten ist. Die Kokesproduktion ist auf den Ladeplätzen aufgestapelt und ein großer Theil der Förderung wird seit zwei Tagen auf dem Zechenbahnhofe abgestürzt. Wie uns mitgetheilt wird beabsichtigt die Verwaltung morgen zu feiern, wenn der Wagenzulauf sich nicht günstiger gestaltet. Im Interesse der Bergleute wünschen wir daß es hierza nicht kommen möge. „Für Niemanden?“ „Für Niemanden.“ Ich maß ihn mit gebührender Mißachtung. Er schritt gleichmüthig weiter. „Und Sie fühlen sich wohl im Leben, so ganz ohne Herz?“ „Außerordentlich.“ „Ihnen fehlt nie Etwas? Sie vermissen gar Nichts?“ Er klopfte erschreckt seine Taschen ab, ob Uhr, Portomonai, Federmesser und Notizbuch darinnen seien. „Nein, gar Nichts“, sagte er dann beruhigt. Ich hatte die größte Lust gehabt, ihn keines weiteren Wortes zu würdigen, aber ich dachte an Emmy—— „Wissen Sie, Rittmeister, daß ich Sie aus vollster Seele bedaure?“ „Mich? Weshalb?“ „Sie kennen das Glück einer Herzensregung nicht.“ „Und Sie? Sie kennen es?“ Mir stieg das Blut in die Wangen.„Gewiß, ich kenne es.“ Ich log natürlich, denn ich habe nie geliebt, das heißt — doch das gehört nicht zur Sache. Er sah mich mitleidig an.„Es muß ein erbärmliches Gefühl sein,“ sagte er dann. Nun befand ich mich doch in einiger Verlegenheit. Sollte ich ihm von dem beseeligenden Gefühl der Liebe vorschwärmen— ihm? Unmöglich. Deshalb änderte ich meine Angriffsfront. „Haben Sie jemals an das Alter gedacht? Haben Sie jemals erwogen, was es heißt, einsam zu sein, wenn man einer pflegenden Hand, einer aufopfernden Theilnahme dringend bedarf?"(Fortsetzung folgt.) * Kasernenhofblüthe. Unteroffizier:„Müller, jehen Sie man ja nich mal in den Zoolog'schen Jarten, sonst sieht Ihnen da das olle Rhinozeros un reklamirt Sie als unjerathenes Glied der Familie.“ Castrop, 26. Okt. In der am Mittwoch stattgehabten Sitzung des Kreis Ausschusses des Landkreises Dortmund wurde unter dem Vorsitze des Herrn Landraths Freiherrn v. Rynsch unter anderen auch über nachfolgende Streitfrage verhandelt:„Der Bergmann Dunker zu Habinghorst und der Bauunternehmer Velleuer zu Castrop haben auf ihren Antrag von der Orts Polizei Verwaltung des Amtes Castrop gegen den Widerspruch der Gemeinde Habinghorst die Genehmigung erhalten, auf den von der Gewerkschaft„Viktor" erworbenen, in der Steuergemeinde Habinghorst gelegenen Grundstücken ein bezw. zwei Arbeiter=Wohnhäuser zu errichten. Von dem Rechtsanwalt der Gemeinde Habinghorst wurde hierauf die Klage beim Kreis=Ausschusse erhoben mit dem Antrage, die Bauerlaubniß zu versagen, indem es sich bei dem Bau der Wohnhäuser um die planmäßige Anlegung einer Kolonie handle, welche die Gewerkschaft„Viktor" bezwecke und welche nur andere Unternehmer vorschiebe, um die im Gesetze vom 26. August 1867 vorgeschriebene Ordnung der Gemeinde=, Kirchen= und Schul=Verhältnisse zu umgehen. Aehnliche Fälle seien bereits in anderen Gemeinden nachzuweisen. Von dem Vertreter der Beklagten, Rechtsanwalt Dierickx zu Castrop, wurde diese Unterstellung bestritten und behauptet, daß die Gewerkschaft„Viktor" bei diesen Bauprojekten ganz unbetheiligt sei, sowie daß es sich lediglich um die Bauerlaubnißz auf einem bereits bebauten Grundstücke handele. Infolge Beschlusses aus einer früheren Sitzung war der bis vor einem Jahre bei der Gewerkschaft„Viktor“ angestellte Direktor Bingel als Zeuge zugezogen, um zu bekunden, ob und event. in wieweit die Gewerkschaft bei den vorliegenden Bauprojekten betheilt sei. Derselbe sagte aus, daß er über die streitigen Bauprojekte keine Auskunft geben könne. Aus früherer Zeit sei ihm jedoch erinnerlich, daß die Gewerkschaft besonders strebsamen Leuten, welche beabsichtigten, ein eigenes Wohnhaus zu erbauen, das Baugrundstück unentgeltlich abgetreten, auch wohl Baukapital zur zweiten Hypothek vorgeschossen habe, um sich einen brauchbaren Stamm Arbeiter für ihren Betrieb zu erhalten. Der Kreis=Ausschuß erachtete die Klage für begründet, indem er der Ansicht beitrat, daß in den vorliegenden Bauprojekten die Anlage einer Kolonie zu erblicken sei, welche die Regelung der kommunalen Verhältnisse erfordern. Das Streitobjekt wurde festgestellt auf 250 bezw. 400 M. Die Kosten wurden den Beklagten zur Last gelegt.„„ D. Z. — Am 30. Oktober finden die Waylmannerwahlen zum preußischen Landtage statt. Wähler ist nur, wer in die Wählerliste eingetragen ist. Auf jede Vollzahl von zweihundertundfünfzig Seelen der Bevölkerung ist ein Wahlmann zu wählen. Die Urwähler sind nach Maßgabe der von ihnen zu entrichtenden direkten Staatssteuern in drei Abtheilungen getheilt und zwar in der Art, daß auf jede Abtheilung ein Dritttheil der Gesammtsumme der Steuerbeiträge aller Urwähler fällt. Die erste Abtheilung besteht aus denjenigen Urwählern, auf welche die höchsten Steuerbeträge bis zum nachstnieorigeren Steuetberrage" bis zut Greite des zweiten Dritttheils fallen. Die dritte Abtheilung besteht aus den am niedrigsten besteuerten Urwählern, auf die das dritte Dritttheil fällt. Jede Abtheilung wählt besonders und zwar ein Drittel der zu wählenden Wahlmänner. Die Wahlmänner werden in jeder Abtheilung aus der Zahl der stimmberechtigten Urwähler des Urwahlbezirks, ohne Rücksicht darauf, ob sie derselben Abtheilung angehören, gewählt. Die dritte Abtheilung wählt zuerst, um 9 Uhr, morgens. Alle eingeschriebenen Wähler werden vom Wahlvorstand aufgerufen und die Erschienenen geben am Vorstandstische mündlich die Namen der Wahlmänner zu Protokoll, welche sie wählen wollen. Ist eine Stichwahl nothwendig, wird diese sofort vollzogen; es darf also kein Wähler der dritten Abtheilung eher das Wahllokal verlassen, als bis die Wahl in seiner Abtheilung definitiv vollzogen ist. Unmittelbar nach der dritten Abtheilung wählt die zweite und zuletzt die erste. Da nicht vorauszusehen ist, wieviel Zeit die Wahl in einer Abtheilung in Anspruch nimmt, ist es rathsam, daß alle Wähler, auch die der zweiten und ersten Abtheilung, schon beim Beginn der Wahlhandlung im Wahllokal anwesend sind. — Die Preise der Kartoffeln sind seit vielen Jahren nicht so hoch gewesen, als gegenwärtig. Der Hauptgrund soll darin liegen, daß die Kartoffeln massenhaft aus Deutschland nach England und Holland ausgeführt werden. Da die Preise noch stetig steigen, so dürfte es sich empfehlen, jetzt die Einkellerung für den Winter vorzunehmen, bevor Frostwetter eintritt und die Kartoffeln dann an Wohlgeschmack verlieren. — Die Zeche„Adolf v. Hansemann“ bei Mengede bietet jetzt wieder ein erfreuliches Bild des regsten Industrielebens. Die Arbeiten des Abteufens schreiten zusehends fort unter der tüchtigen Leitung erprobter Beamten. Am 26. April 1888 befanden sich eine Anzahl junger Burschen aus Deusen in einem Dortmunder Geschäfte, in dem sie Flaschenbier tranken. Aus geringfügiger Veranlassung gerieth der Bergmann Wilh. Watermann gen. Rüsche mit einem anderen in Streit, der in Thätlichkeiten auszuarten drohte, was der Bergmann Bernh. Baumeister zu verhindern suchte. Ob dieser Einmischung wurde Watermann derart aufgebracht, daß er dem Baumeister mit einer Bierflasche einen heftigen Schlag an den Kopf versetzte. In Deusen angekommen, begab sich Baumeister in seine Wohnung, um sich das Blut abwaschen zu lassen; Watermann und dessen Genosse, der Bergmann Fr. Schrieber, kehrten noch in ein Wirthshaus ein, kamen aber nach einiger Zeit in die Baumeistersche Wohnung, aus der sich Wadtermann trotz mehrfacher Aufforderung seitens der Frau nicht entfernte; solches hatte zur Folge, daß W. gewaltsam aus der Wohnung entfernt wurde. Hierbei hatte auch Schrieber geholfen und dem Watermann einen Stich mit einem Messer beigebracht, ebenso hatte die 17jährige Karoline Baumeister einen Stich in den linken Arm erhalten. Watermann wurde am Mittwoch von der Strafkammer zu Dortmund wegen Körperverletzung zu drei Monat Gefängniß verurtheilt, hingegen erhielt Schrieber, welcher vor der That sein Messer gewetzt und dabei geäußert: ziermit werde geimpft! eine Gefängnißstrafe von einem Jahre. — Bei dem am Montag seitens des Königl. Westf. Landgestüts in Langendreer anberaumten Termin zur Körung von Hengsten aus den Kreisen Bochum, Gelsenkirchen, Hattingen, Dortmund und Hörde wurden von 9 vorgeführten Thieren 5 von der Kommission angekört. Besitzer derselben sind die Herren Oekonomen: Schulte=Langforth zu Horsthausen, Kreis Bochum; Fr. Feldmann zu Heßler, Kreis Gelsenkirchen; Fr. Schulte=Hoppe zu Geiseke, Kreis Hörde; W. Hegemann zu Deininghausen, Kreis Dortmund; Gutspächter Toole auf Goldschmieding zu Castrop, Kreis Dortmund. — In wenigen Wochen beginnt die Einstellung der Rekruten in die Armee. Die Gestellung findet grundsätzlich bei demjenigen Bezirkskommando statt, in dessen Bezirk sie aus gehoben werden. Eine Ausnahme kann nur für den Fall mit Genehmigung des betreffenden Bezirkskommandos gemacht werden, wenn einem nach auswärts verzogenen Rekruten wegen der zu großen Entfernung nach dem Gestellungsorte die Mittel zur rechtzeitigen Rückkehr thatsächlich fehlen. Tritt dieser Fall ein, so hat der Rekrut ein bezügliches Gesuch mindestens zehn Tage vor dem Gestellungstermin bei dem Bezirksfeldwebel anzubringen, in dessen Compagniebezirk sein dermaliger Aufenthaltsort liegt. — Die Handelskammer zu Hannover hat in ihrer Sitzung vom 22. ds. beschlossen, die Handelsvorstände von Berlin, Bremen, Dortmund, Magdeburg, Minden, Münster, Osnabrück, Verden, die Magistrate zu Hannover und zu Linden, den Vorstand des hannoverschen. Centralkomitees zur Förderung des Rhein=Weser=Elbe=Kanals, sonstige Vorstände wirthschaftlicher Korporationen, bezw. solche Personen, welche an dem Projekte u. a. auch vom technischen Standpunkte näheres Interesse nehmen, zu einer Besprechung über die Mittel und Wege zur Förderung des Rhein=Weser=Elbe=Kanal= projektes einzuladen. In Wattenscheid stürzte ein Dachdecker von einem hohen Zechenschornsteine, wobei er schwere Verletzungen erlitt. In Werl wurden am Dienstag zwei alte, 70jährige Frauen, Zwillingsschwestern, beerdigt. Beide seit Jahren Wittwen brave Personen aus dem Handwerkerstande, welche bis in ihre letzten Jahre fleißig gearbeitet und seit Jahren zusammen wohnten, sie, die an demselben Tage geboten waren, starben beide an einem Tage und an derselben Krankheit und wurden an demselben Tage zugleich beerdigt. Auch ein seltsames Zusammentreffen. In Paderborn wurde der zwanzigjährige Bauern sohn Detel von Scherfelde wegen Ermordung seiner Stief mutter zum Tode verurthelt.( 6 In der Nähe von Werden fiel ein schwer beludener Kirmeswagen samt dem Pferd einen 50 Fuß hohen Abhang herunter. Das Pferd blieb mit den Beinen an einem Baume wwvende Ante.“ aher sa schmer verletzt, daß es sofort werks hatte sich angesichts der“ Vrossebene eglte troc rehst zeitig in Sicherheit gebracht. Ein auswärtiger Herr, der an dem Hochzeitsfest seiner Tochter in bestem Wohlsein theilgenommen hatte, wurde kurz vor seiner Abreise auf dem Bahnhof in Köln vom Schlage getroffen. Auf dem Wege nach dem Hospital verschied derselbe. Kaiserin Augusta wird soviel bis jetzt feststeht, am Dienstag, den 30. Oktober, von Baden=Baden zu dem gewohnten Aufenthalt in Koblenz eintreffen. Bei einem Brande in Cochem kamen zwei Kinder in den Flammen ums Leben. Um seine Kuh von den Inseklen zu befreien, bestrich ein Bäuerlein in Neukirchen dieselbe mit Petroleum. Abends komwt die Frau dem Thiere mit der Lampe zu nahe, und sofort brennt dessen Haut lichterloh. Es gelang zwar, den Brand zu löschen, die Kuh verendete jedoch bald nachher. Mit Freitag den 19. Okt. war die Amnestiefrist für diejenigen abgelaufen, welche aus dem Militärdienste desertirt sind. In den letzten Tagen kam eine fehr große Anzahl Militärpflichtiger des 8. Armeecorps, welche desertirt waren, zurück. Viele waren aus weiter Ferne gekommen und sahen sehr kümmerlich drein. So kam der„Tr. Ldztg.“ zufolge ein Mann aus Zewen, der die Reisemittel nicht erschwingen konnte, zu Fuß von Dieppe(Frankreich) nach Trier und stellte sich seinem Regimente. Zum Trierer Husarenregimente stellten sich u. A. 2 Deserteure im Alter von 36 und 38 Jahren, von denen der eine seine Frau und Kinder in Paris zurücklassen mußte, und jetzt mit den Rekruten ausgebildet wird. Die Zustände im Auslande scheinen nicht günstig zu sein, der Letztere erklärte nämlich, daß er, wenn er nicht Frau und Kinder hätte, beim Regiment weitere Dienste nehmen würde. Zu dem großen Werthpapierdiebstahl, der vor kurzem in Frankfurt a. M. ausgeführt wurde— gestohlen wurden für ca. 300,000 Mk. Werthpapiere— wird jetzt berichtet, daß die Haushälterin unter Verdacht der Hehlerei verhaftet worden ist. Sie hatte einen Nachtschlüssel für das Kassenschloß anfertigen lassen und jedenfalls unter Mitwirkung ihres Bruders und Liebhabers, die beide flüchtig sind, den Diebstahl vollführt. * Fleißig geschwänzt. Von dem im vorigen Jahre verstorbenen Berliner Professor Christiani erzählt man sich solgende charakteristische Anekoote. Ein blutjunges Füchslein, dem der Genuß der neuen Freiheit keine Zeit zum Besuch der Kollegien übrig gelassen, kam am Schluß des Semesters zu Professor Christiani, um über ein bei demselben nicht gehörtes Kolleg den vorschriftsmäßigen Vermerk ins Anmeldebuch sich eintragen zu lassen. Der Professor betrachtete nach sinnend den jungen Mann und bemerkte, daß er ihn noch gar nicht in der Vorlesung gesehen hätte. Bruder Studio erröthete und erwiderte stockend, indem er auf die oberste Reihe des terassenförmig aufsteigenden Ruditoriums zeigte: „Ich habe immer dort ganz oben gesessen.“ Christiani zeichnete seinen Namen in das Testierbuch und sagte, indem er das letztere fest in der Hand behielt:„Ich muß ihnen eine Geschichte aus meinen Studienjahren erzählen. Damals schrieben die Professoren auch noch Prädikate über den Fleiß der Hörer am Schluß des Semesters in das Testierbuch. Da kam ich einmal zu einem meiner Lehrer, der mir„fleißig“ einzeichnete, an das Wort aber einen langen Strich machte, ein Strich, der über die ganze Seite des Heftes ging und mit einem langen Schwanz eine entfernte Aehnlichkeit hatte. Mir fiel dies auf und ich fragte, was dieses zu bedeuten habe. Lakonisch antwortete mein Lehrer:„Fleißig— geschwänzt!“ — So, bitte, hier ist ihr Heft.“— Der also gemaßregelte Student gehörte im nächsten Semester zu den fleißigsten Zuhörern des jovialen Professors. * Das Testament eines Dienstmädchens. Die sechsundsechszigjährige Köchin Christiane P. war, wie eine LokalKorrespondenz erzählt, 20 Jahre hindurch bei einem Berliner Kaufmann bedienstet und hatte sich vor einigen Jahren nach ihrem Heimathstädtchen in Pommern zurückgezogen, ohne weiter von sich hören zu lassen. Ihrem frühern Brodherrn ging es aber in der letzten Zeit recht traurig; derselbe hatte sein Vermögen verloren und ernährte nur noch mühsam seine starke Familie von dem kargen Verdienst eines Provisionsreisenden. Zudem wurde seine Frau welche redlich mitgearbeitet, schwer krank und die Lage des früher wohlhabenden Mannes war eine recht traurige. Da erhielt er vor etwa acht Tagen eine Zusendung des Erbschaftsgerichts in., worin ihm mitgetheilt wurde, daß die unverehelichte Christine., welche vor vier Wochen gestorben, der Familie ihres frühern Dienstherrn hr Gesammtvermögen in der Höhe von 12,000 Mark mit der bescheidenen Bedingung vermacht habe, daß ihr von den Erben ein Grabstein gesetzt werde.„ g 4se i. * Heute, wo das Annoncen= und Rerkamewesen in höher Blüthe steht, macht man sich kaum eine Vorstellung von den kleinlichen Zuständen, die gerade auf diesem Gebiet noch vor vierzig bis fünfzig Jahren in der norddeutschen Hauptstadt herrschten. Gab es doch damals noch den sogenannten „Intelligenz=Zwang“, d. h. jede für die Oeffentlichkeit bestimmte Mittheilung mußte auch in das Intelligenz Blatt eingerückt werden, weil eine bestimmte Summe von dem Reinerträgniß dieser Zeitung an das Militär=Waisenhaus in Potsdam abgeführt wurde. Das Inseriren aber ging nicht so leicht von statten. Selbst die harmlose Annonce— z. B. „Heute Abend großes Blutwurst=Essen beim Gastwirth H. Müller — mußte der Censur unterbreitet werden. In einem Hinterzimmer des alten Fürstenhauses saß der gestrenge Herr Censor und waltete seines Amtes. Sämmtliche Inserate des Tages defilirten hier vor seinen Brillengläsern, und erst wenn er mit dem Stempel sein„vidi“(Gesehen) auf die Annonce gedrückt hatte— was einen Silbergroschen kostete— durfte sie aufgenommen werden. Daß es trotzdem möglich war, die Herrn Censors zu täuschen, bechäkst, übie der, B...“ erinnert, ein sehr eklatanter Fall. Rochus von Rochow, der Minister Friedrich Wilhelm's III., genoß die Gunst des Volkes nicht im mindesten. Als nun Herr von Rochow unter der Regierung Friedrich Wilhelm's IV. seine Entlassung nahm, hatte der später als politischer„Flüchtling“ in der Schweiz gestorbene Kriminal=Aktuarius Stein die geniale Idee, die Entlassung Rochow's im Intelligenz blatt mitten unter den Schlafstellen= und Trödler=Inseraten zu veröffentlichen. Der Schelmenstreich gelang wirklich, und die Berliner lasen im„Blatt“ die folgende Annonee, welche der Censor arglos hatte passiren lassen:„Meinen Hausdiener Rochow habe ich heute entlassen. Friedrich Wilhelm König.“ Man stelle sich den Umfang der Nase vor, die der Censor erhielt! Zu den Censur=Geschichten aus der Zeit Friedrich Wilhelm's III. gehört auch folgendes heitere Stücklein, das damals, mündlicher Ueberlieferung zu Folge, ein größeres Berliner Blatt sich leistete. Dasselbe brachte unter„Vermischtes“,— oder wie die Rubrik damals hieß— unmittelbar hinter der Nachricht von der Verlobung einer deutschen Prinzessin mit einem moskowitischen Großfürsten folgende „wichtige Notiz für Lederhändler: Bekanntlich sollen deutsche Schafsfelle sich am besten halten, wenn sie mit echt russischem Juchtenleder zusammengepackt werden.“ Man war entsetzt ob der Frechheit des Blattes, noch mehr aber ob der Nachlässigkeit des Censors, der sich diesen Fang hatte entgehen lassen. Und doch war der pflichttreue Beamte unschuldig. In dem Burstenabzuge des Blattes, der ihm vorgelegt war, befand sich gerade zwischen der Verlobungs=Nachricht und der Leder=Notiz ein Artikelchen, welches eine Maßregel Friedrich Wilhelm's III. kritisirte. Natürlich fuhr der Blaustift über diesen„Umtrieb“ und verschaffte so dem Redacteur wie seinem Publikum einen Spaß. * Dresden. Eine hiesige Waschfrau, welche auf dem Armenfriedhofe etwa 20 Rosen, einige andere Blumen und mehrere Epheublätter unbefugter Weise abgepflückt und sich angeeignet hatte, wurde, wegen Rückfalldiebstahls angeklagt, vom hiesigen Lanbgericht zu einem Jahre Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurtheilt. * Sehr populär in Rom und Neapel ist Prinz Heinrich geworden, der ganz allein in Clvil umherpromenirte und dem es auch gar nicht darauf ankam, in der Pferdebahn zu fahren. Was persönliche Liebenswürdigkeit anbetrifft, ist Prinz Heinrich bekanntlich ein Ebenbild seines Vaters. * Beschämend. Vater:„Aber, Junge, schämst Du Dich nicht, bis in den hellen Mittag hineinzuschlafen!“— Sohn (Student):„Ja es ist'ne wahre Schande— man kommt nie mehr zu einem vernünftigen Frühschoppen!“ * Gemüthlich. Sächsischer Wachtposten:„Halt wer da?“ — Keine Antwort.—„Halt wer da?“— Noch keine Antwort.—„Ach Herjeses, so sagen Sie doch, wer Sie sind, sonst muß ich Sie ja niederschießen oder ins Schilderhaus sperren!“ oberste zeigte: zeich dem er en eine Damals Fleiß 90 ig“ einbie, ein nd mit Mir habe. ad ßregelte len Zuechsunde LokalBerliner zu nach de weiter ging es itte sein ne starke isenden. schwer les war gen eine itgetheilt vor vier errn ühr mit der zu Erben in hoher von den ioch vor auptstadt enannten hkeit beslatt einim Reinin Potsnicht so — 1. B. Müller" n Hinterrr Censor s Tages wenn er nönce ge— durfte war, die täuschen, nier Fall. 's III., Als nun elm's IV. „Flüchtus Stein igenz blatt zu verund die lche der ausdiener König.“ r Censor Friedrich ein, das größeres n„Verunmitteldeutschen folgende deutsche russischem entsetzt er Nachentgehen ischuldig. igt war, und der Friedrich ist über e seinem auf dem ten und und sich ngeklagt, und 3 Heinrich und dem fahren. Heinrich oI. Dich - Sohn kommt er da?“ ne AntSie sind, derhaus Klle Sienneiren der Sderost u. Soitter=Gäizon sind in großer Auswahl eingetroffen. Kleiderstoffe, Buxkins, Winter=, Regen= und Kindermäntel, Betrwäaren 2r. K. Bettfedern pr. Pfund schon zu 40 Pfg. r Louhmennetler! Todes-Anzeige. Heute Mittag 3 Uhr starb in Folge Magenleidens unsere liebe gute Schwester, Schwägerin, Grossmutter und Tante geborene Küper im Alter von 68 Jahren 2 Monaten und 4 Tagen. Um stille Theilnahme bitten Dietrauernden Hinterbliebenen. Böving hausen den 25. Octbr. 1888. Die Beerdigung findet Song den 28, Nachmittags 1½ Uhr vom Sterbehause aus statt. GartenVerpachtung. Mittwoch den 31. d.., Nachmittags 3½ Uhr, soll die zur hiesigen kath. Pastorat gehörende Kuhweide bei der Nothkirche hier belegen in(ca. 40 Sechsziger) Gärten eingetheilt auf mehrere Jahre als Gärten meistbietend gegen Credit verpachtet und darauf um 4½ Uhr die 2 schönen milchgebenden Kühe des Herrn Pfarrers Keweloh auf der Pastorat gegen Credit versteigert werden. Castrop, den 23. October 1888. Göttinger. Vieh= u. Mobiliar=Verkauf etc. Am Mittwoch, den 31. ds. Mts., Morgens 10 Uhr anfangend, läßt Herr C. Gremm ant. Rolz zu Brüningausen bei Mengede wegen Aufgabe der Wirthschaft: 2 Ackerpferde, 2 Kühe, 3 Schweine, Hühner, 2 Wagen, 3 Sturzkarren, zwei Pflüge, Eggen, Pferdegeschirr u. Ketten, 2 Wannemühlen, Fässer, Böttcherhandwerkzeuge, 6 Tische, 18 Stühle, Kleider=, Gläser= und Küchenschränke, 5 Bettstellen, 5 Betten, 1 Sprungheerd, Oefen, Töpfe, Kessel 2c., überhaupt sämmtliche Haus= und Küchengeräthe 2c. nummerweise gegen Baarzahlung verkaufen. Groppenbruch, 12. Oktober 1888. D. H. Schröder-Prein. s .KLEEBERG, empfiehlt in größter Auswahl zu billigsten Preisen Wilkter Mäntel, Herbst-Mäntel, Regen-Mäntel Kad= u. Kinder=Mantel, Erkeol=Cullen, Kleiderstoffe, Besatzartikel, Gardinen, Teppiche, Leinen u. sämmtliche Bettwaaren, Federn und Daunen. Tuche, Buckskins u. Paletot-Stoffe. Anfertigung nach Maass 2 zu besonderen soliden Preisen. 26 Strenge Neellität. Feste billigste Preise. 24 * * * * e * * S * # e e * * * * * 2 jeder besonderen Anzeige! Ein kräftiger Jungel Franz Fischer u. Frau. Freiwillige Vernäufs Aihzrigt! Montag den 29. d. Monats, Nachmittags 2 Uhr: werde ich für Herrn Schmiedemeister H. Kuhlmann zu Gerthe verziehungshalber folgende Gegenstände, als: 2 Kleiderschränke, 3 Bettstellen mit Matratzen, 1 Commode, I Anrichte, Fleischbottig, Tische, Stühle, Bänke, Oefen und mehrere andere Haus= und Küchengeräthe, Runkelrüben, Kappus, Dünger u. s.., sowie verschiedene neue Eisenwaaren bis zu 5 Mark gegen Baar und höher gegen Credit meistbietend verkaufen. Holthausen. Kämper. Ortskrankenkasse des Amtsbezirks Castrop. Empfangnahme der Beiträge am Sonntag, 23. Oetbe., von Morgens 10 bis 1 Uhr für Castrop, Börnig, Giesenberg, Sodingen, Rauxel, Habinghorst, Frohlinde und Bövinghausen. Die noch restirenden Beiträge werden zwangsweise erhoben. Die Zahlungsleistungen finden bei Hru. Mertens, Münsterstr. 8 statt. Rendant. * Wegen Versetzung des Polizei=Sergeanten Hasche ist dessen Wohnung 3 Zimmer nebst Keller auf 1. November zu vermiethen. W. Zimmermann. Größte Wintermäntel von 7 Mark an. genmäntel von 6 Mark an. Der Sse hailer u„enanzüg von 10 Mark an. tpaletots von 10 Mark an. " Burkinvon 7 Mark an. Kinder. Anzüge von 1,50 Mark an 25 S a Salz-Lager der Saline Sassendorf. Sackweise billigst. Herm. Todebusch. Ich beabsichtige mit dem 1. Nov. eine Handarbeit-Schule einzurichten und sehe gefl. Anmeldungen bis Dienstag, den 30. d. M. entgegen. Frau H. Reinhardt. Einen großen Posten IS1 staubfrei und sehr daunenreich, 4 Pfund 90 Pfg., 1,30, 1,70,.00, die feinsten 2,60 empfiehlt S. Kleeberg, Castrop. Aenzeigen stets vorräthig bei Ph. Culbart, Castrop. Heihsrvern. à 60 Pf. per Pfund ** empfiehlt Büger- Dreuemehr Castrop. Donnerstag den 1. November: GHeneraf Versammlang. Tagesordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Besprechung über Winterkränzchen. 3. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Katholischer Gesellen=# Verein Castrop. Am Sonntag, den 28. d. Mts., Abends ½8 Uhr: Auflage und Aufnahme in die St. Josephs=Krankenkasse damnach General=Versammlung. Der Vorstand. Tenunntmachung. Gemäß§ 11 des Reglements über die Ausführung der Wahlen zum Hause der Abgeordneten vom 4. September 1882 bezw. 22. August 1885 werden die sämmtlichen Urwähler der Gemeinde Castrop zur Vornahme der Wahlmänner=Wahl auf Dienstag, den 30. October 1838, Vormittags 9 Uhr, hiermit zusammenberufen, und zwar diejenigen a) des I. Urwahlbezirks: von Witten kommend rechts der Wittener Chaussee, der Wittener Straße, der Münsterstraße und des Sandweges, nach der alten katholischen Schule hier, woselbst als Wahlvorsteher der unterzeichnete Gemeindevorsteher u. als Stellvertreter Herr Gemeindeverordneter Möllenhoff fungirt; d) des II. Urwahlbezirks: von Witten kommend links der Wittener Chaussee, der Wittener Chaussee, der Wittener Straße, der Widumer Straße und des Holthauser Weges, nach der alten evangelischen Schule hier, woselbst als Wahlvorsteher Herr Grubendirector Bingel und als Stellvertreter Herr Gemeindeverordneter Schencking fungirt; c) des III. Urwahlbezirks: von Holthausen kommend links des Holthauser Weges, der Widumer Straße, der Münsterstraße, und des Sandweges, nach der neuen katholischen Schule hier, woselbst als Wahlvorsteher Herr Sparkassenrendant Heinemann und als Stellvertreter Herr Landwirth Münnekehoff fungirt. Castrop, den 24. October 1888. Der Gemeindevorsteher: Brinckmann. L. H. Bauer. Pochannshoemnidoen vorräthig bei Ph. Culbart. Lütgendortmund. G WEANDENG Castrop. Lütgendortmund. Den Empfang sämmtlicher Neuheiten für die Herbst= u. Winter=Saison 1338/39 beehre ich mich hierdurch ergebenst anzuzeigen. Die Läger sind in allen Artikeln der Branche mit großen frischen Sortimenten gefüllt und habe ich zur diesjährigen Saison dem Einkauf der Damen- und Herren-Confection 9 besondere Sorgfalt gewidmet. Ich mache deshalb auf diesen Artikel wegen vieler Neuheiten, hervorragend großer Auswahl und außerordentlich K billiger Preise besonders aufmerksam. Damen=Mäntel K Winter=Paletots.50, 9, 12, K 14, 15 bis 45 Mark. Winter=Havelocks, Visites, Pellerinen=Dollmanns 15, 18, 21, 24, 27, 30, 40, 50 bis 120 Mk. Regen=Paletots 6, 7,.50, 9, 10, 11, 12, 14, 16 bis 30 Mk. Regen=Havelocks, Pellerinen rc. 9, 10, 12, 14, 15, in vielen Preisen bis 40 Mark. Mehrere hundert Stück Kinder=Mäntel von einfachem und elegantem Genre zu enorm billigen Preisen. Herren=Confection Herren=Confection Herren=Anzüge von 10, 14, 16, 18, 20, 22, 24 Mark. Vorräthige Anzüge von 24 bis 40 Mark lasse ich selbst anfertigen und mache ich deshalb auf dieselben wegen sehr guter Stoffe, Zuthaten und Verarbeitung besonders aufmerksam. Einzelne Hosen, Joppen und Westen in großer Auswahl zu billigen Preisen. Sämmtliche Arbeiter=Garderoben zu bekannten billigen Preisen. und Winter=Ueberzieher in großer Auswahl von 12, 14, 16, 20, 22, 25 bis 36 Mark. Knaben=Anzüge in außer ordentlich großer Auswahl zu sehr billigen Preisen. Anfertigung eleganter Herren=Garderobe nach Maaß unter Garantie vorzüglichen Sitzens. Große Auswahl in Stoffen. Macheasete„ Daum Wagen In großer Auswahl: uni, earrirt, gestreift, ramagé 2c. Sämmtliche Fantasiestoffe in Wolle, Halbwolle und Baumwolle. Tuch=, Filz=, Velour= und gestrickte Unterröcke. Tricottailen. Große Auswahl in wollenen Tüchern, Kopf=Shwals und Hauben. Unterzeuge. Normal= u. Reformwäsche. Großes Lager in Barchent und Bettsiamosen. Letztere per Meter 30, 42, 45, 53, 60, 75 Pfg. Kleider=Siamosen, doppelte Breite, von 53 Pfg. bis 1 Mk. p. Meter. Schwerster Blaudruck, garantirt waschecht und fehlerfrei, p. Meter 40 Pfg. Hemden=Flauelle p. Meter 35, 42, 45, 53, 60 Pfg. Weiße Pelz=Piquées p. Meter 53, 60, 68, 75, 83 Pfg. Große Bieber Betttücher.25 .50,.80, 2,—,.20 Mk. Steppdecken. Irornder Kachmunn Westenhellweg 46. DORTMUND. Westenhellweg 46. S Verkauf gegen Baar zu Engros=Preisen. 8 Grosste-Auswanr ven-Pöuherten in Regen=Paletots, Winter=Mänteln, Jaquettes, Kinder=Mänteln, Tricot=Tailen, Kleiderstoffen. Eirgante fernige Anugr, Arorrsichet, Hesea, Alnorr Anzugl. Anfertigung nach Maaß unter Garantie des guten Sitzens. (Wie allgemein bekannt, führen wir nur gute, gediegene und reelle Waare und verkäufen solche zu denkbar billigsten Preisen.) N Sesereee! Dem Zechenschmied Franz Alfs d nebst Frau zu ihrer am Samstag stattfindenden silbernen Hochzeit Z die herzlichsten Glück= und Segenswünsche von ihren Kindern, Schwiegersöhnen u. Einwohner G. Adrian. In Freud' und Leid sind 25 Jahre Entschwunden Euch auf diesem Erdenrund, Ihr hieltet treulich einer an dem andern, Und Gott im Himmel ließ Euch ja gesund! auch ferner mit Euch gnädig machen, Wird Helfer Euch in Euren Nöten sein, Bis einst Euch naht ein schön'rer Hochzeitsmorgen, Der Euch umstrahlt mit seinem goldnen Schein. Glagge und * Sadhuche 31 Castrop. Am Sonntag den 28. d. Mis., Nachmittags 5 Uhr: Generalversammlung im Vereinslocale beim Kameraden Wirth Bärwolf. Tagesordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Wahl eines neueg Präses. 3. Besprechung über die Feier des Kaisergeburtstages. 4. Vereinsangelegenheiten. yn aie Saszrehe Der Vorsand. NB. Die Kameraden werden freundlichst ersucht, sich in Folge der Wichtigkeit der Tagesordnung zahlreich zu betheiligen. Castroper Curn= P# Verein. Sonntag, d. 23. Oktober, Nachmittags 12½ Uhr: Antreten im Turnlokale zum Rbmarsch nach Bodelschwings. Abzeichen: Turnmütze. Der Turnwart. frische Sendung aus der Vornemannschen Bierbrauerei in Hannover stets vorräthig. W. Franke. Die Castroper Bürger werden hierdurch zur Besprechung verschiedener kommunaler und allgemeiner Interessen auf Montag, den 29. d. Ats., Abends 8 Uhr im Lokale des Wirths Wilh. Baack eingeladen. Es wird um recht zahlreiches Erscheinen gebeten. Im Auftrage mehrere Bürger. Anfrage. Findet eigentlich keine Veröffentlichung der Wahlbezirke 2c. zur bevorstehenden Wahlmänner=Wahl(Landtags=Wahl) für Giesenberg=Sodingen statt? Einer der es gern wissen möchte. Beilage zu No. 86 des Castroper Anzeiger. b u 5 9 st 8 3 w 61 P 8 wi u Fre be sch 5# n, n G1 üb häi Si lich G1 nu für ein al Pesselich-Bcaiche. — Auf dem im August vergangenen Jahres in Dortmund stattgehabten allgemeinen deutschen Handwerkertage stand auch die Frage bezüglich der Gefängniß=Arbeit auf der Tagesordnung, das Referat hatte Herr Schuhmachermeister Wilhelm Hilfer aus Witten. Derselbe trat u. a. auch dafür ein, die Militär=Handwerkerstätten, soweit es angehe, aufheben und die Arbeiten zum theil in den Gefängnissen anfertigen zu lassen, oder sie Privathandwerkern zu übertragen. Reoner wünschte dies aus zweierlei Gründen, erstens war er der Ansicht, es sei besser, die Handwerker mit der Waffe auszubilden, anstatt dieselben während dreier Jahre in die Militär Werkstätten zu stecken; als zweiten Grund führte Herr Hilfer an, es gehe in manchen Militär=Werkstätten nicht ganz ordentlich her, wenigstens habe er während seiner Dienstzeit als Oekonomie=Handwerker beim 7. Pionier=Bataillon in Deutz derartige Erfahrungen gemacht. Der Zuschneider daselbst habe ein so brillantes Geschäft gemacht, daß er innerhalb weniger Jahre so viel verdient hätte, um ein Haus für 15,000 Thaler kaufen zu können. Die Ausführungen des Redners gingen dahin, es habe der Zuschneider Leder, welches dem Fiskus gehöre, für Privatzwecke verbraucht und den Erlös in seine Tasche gesteckt. Herr Hilfer führte noch besonders an, es liege ihm daran, daß der Kriegsminister von seinen Mittheilungen Kenntniß erhalte. Die Ausführungen des Redners erregten in jener Versammlung großes Aufseyen; Herr Oberbürgermeister Schmieding, welcher dem Handwerkertage anwohnte, ermahnte den Redner, mit seinen Aeußerungen vorsichtig zu sein, so, wie Herr Hilfer die Sache dargestellt, könne dieselbe sich nicht verhalten.— Die Ausführungen des Herrn Hilfer gelangten zur Kenntniß des Kriegsministers, welcher veranlaßte, daß die Untersuchung eingeleitet und Anklage wegen Beleidigung der Militär=Verwaltung gegen Hilfer erhoben wurde. Mittwoch stand die Sache vor der Strafkammer zu Dortmund zur Verhandlung an. Der Angeschuldigte bestritt, beabsichtigt zu haben, den Militärfiskus zu beleidigen, er habe die größte Achtung vor der Armee und den Einrichtungen des Staates. Als sein gutes Recht beanspruche er aber, Mißstände aufzudecken. Der Handwerker=Delegirtentag, für welchen ihm ein Referat übertragen worden, sei der geeignetste Ort hierfür gewesen. Im übrigen habe er nicht im allgemeinen gesprochen, seine Ausführungen hätten sich vielmehr auf seine Erlebnisse während der Jahre 1871 bis 1874 bei dem 7. Pionier Bat. in Deutz bezogen. Daselbst sei der Zuschneider, Unteraffizier Becker(ist inzwischen gestorben), nicht besonders gewissenhaft verfahren. Derselbe habe nicht nur die Oekonomie=Handwerker zu Privatarbeiten verwandt, sondern auch Leder, welches dem Fiskus gehörte, zu diesen Privatarbeiten genommen. Im übrigen machte der Angeschuldigte bezüglich seiner Ausführungen einen Unterschied zwischen Behauptungen, die er beweisen könne, und zwischen Gerüchten, die er weiter erzählt.— Es wurden sodann einige Zeugen darüber vernommen, ob Hilser von der Militärwerkstätte im allgemeinen gesprochen, oder ob sich seine Ausführungen nur auf die Werkstätte der Pionire in Deutz bezogen. Herr Oberbürgermeister Schmieding hat den Eindruck bekommen, als habe der Angeschuldigte die Militärverwaltung im allgemeinen beschuldigt; auch andere Zeugen glaubten diesen Eindruck gewonnen zu haben.— Es sind die Vorgesetzten. des verstorbenen Zuschneiders Becker vernommen worden, von denen namentlich der Zahlmeister Herr Fischer sehr zu gunsten des Becker ausgesagt und bekundet hat, Becker sei sehr pflichttreu gewesen, es sei nie aufgefallen, daß derselbe irgendwie unredlich verfahren, was auch bei der scharfen Kontrolle gar nicht möglich gewesen sei. Es zeuge besonders von der Redlichkeit des Becker, daß derselbe einmal einen Lieferanten angezeigt, welcher ihn habe veranlassen wollen, Mängel, die sich bezüglich des von demselben gelieferten Leders herausstellten, nicht zur Anzeige zu bringen.— Die Aussagen der folgenden Zeugen ließen allerdings darauf schließen, daß in der betreffenden Werkstatt nicht alles in Ordnung gewesen. Der Schuhmachermeister Herr Pohlmann aus Witten, welcher zu derselben Zeit, als der Angeschuldigte Oekonomiehandwerker bei den 7. Pionieren gewesen, bekundete, daß ihm Becker verschiedentlich Leder, welches mit dem Militärstämpel versehen, alsa dem Fiskus gehörte, gegeben, um es für Privatarbeiten des Becker zu verwenden. Daß es Privatarbeiten gewesen, schließt der Zeuge daraus, weil die Sachen zu Bürgern in Deutz und Köln gebracht worden; so habe mal ein Kellner im Domhotel ein Paar Stiefel bekommen. Der Schuhmachermeister Herr Wulff=Witten war gleichfalls unter Becker in jener Werkstelle; derselbe sagte zeugeneidlich aus: in der Militär=Werkstatt sei alle mögliche Privatarbeit gemacht worden; wenn ein Offizier zum Zwecke der Revision in die Werkstatt getreten sei, so hätten die Schuhmacher die Privat= arbeit schnell beiseite legen müssen. Wenn Becker auch mal feineres Oberleder für seine Privatarbeiten gekauft, so sei es doch seines(des Zeugen) Wissens nie vorgekommen, daß er Sohlleder käuflich erworben. Dex Zeuge weiß auch, daß einmal Kinderschuhe gemacht worden. Der Zeuge Schuhmachermeister Wilh. Wiedemann aus Dahlhausen war unter Roche Lsltnschachte.— auch nuer beich sdhan unr docher in der deutzer Werkstatt. Herr Wiedemann sagte aus, es hätten auch vor dem Eintritte Beckers in jener Werkstatt gleiche Zustände wie die oben angegebenen geherrscht.— Auf Antrag der Verteidigung wurden noch die Schneidermeister Herren Siecke und Möller vernommen; esterer bekundete, daß ein Zuschneider bei der Artillerie in Münster gleichfalls unredlich verfahren, derselbe sei aber überführt und samt seiner Frau bestraft worden. Herr Möller konnte bestimmte Angaben nicht machen.— Nach beendeter Beweisaufgabe wurde das Schuldig wegen Beleidigung der Militärverwaltung und eine Strafe von 200 M. beantragt. Wenn auch einzelnes erwiesen sei, so müsse doch eine Strafe eintreten, weil der Angeschuldigte die Militär=Verwaltung im allgemeinen beschuldigt. Herr Justizrath Krawinkel aus Witten, der Vertheidiger des Angeschuldigten, trat entschieden für Freisprechung ein. Der Gerichthof erkannte auch auf Freisprechung, da der Angeschuldigte, soweit es seine Behauprungen bezüglich der Militärwerkstätte der Vioniere in Deutz anbelange, den Beweis der Wahrheit erbracht; im übrigen habe der Angeschuldigte in Wahrung berechtigter Interessen gehandet. — Aus dem westfälischen Kohlenbezirk. Die Steinkohlenbergwerke haben anhaltend einen sehr umfangreichen Absatz an Kohlen und Kokes zu verzeichnen, sodaß derselbe an einzelnen Tagen mehr als 2,000,000 Ztr., betrug und an den andern dieser Menge nahe kam. Die Nachfrage ist, nach der„K..“, fortdauernd außerordentlich rege und selbst bei vermehrte Förderung schwer zu befriedigen. In der ersten Hälfte des laufenden Monats wurden täglich im Durchschnitt 9465 Wagenladungen von je 10 Tonnen mit den Eisenbahnen versandt gegen 9920 Wagenladungen in der zweiten Hälfte des vorigen Monats und gegen 8640 Wagenladungen in der ersten Hälfte des Monats Oktober 1887. Der gesammte Eisenbahnabsatz betrug in der ersten Oktoberhälfte d. I. 123,041 Wagenladungen gegen 118,925 Wagenladungen in dem voraufgegangenen vierzehntägigen Zeitabschnitt und gegen 112,316 Wagenladuugen in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Preise sind steigend, und zwar sowohl für sofortige als auch für nächstjährige Lieferungen, und sind somit die Aussichten der Zechen auch für das Jahr 1889 als günstig zu bezeichnen. — Auf der Zeche„Hansa“ bei Huckarde shat man jetzt zehn Meter unter dem zuletzt gefundenen ein neues Flötz von dreieinhalb Fuß Mächtigkeit reiner Kohle, ohne Zwischengestein, durchfahren, welches zum Liegenden festen Sandstein und zum Hangenden Kohlenschiefer hat. Es ist die„Minister Stein" Portie, welche mank da aufgefunden hat und welche der Zeche den Betrieb auf hundert Jahre sichert; auch die bish erige Schlammkohlen=Förderung kann noch auf zwanzig Jahre sortgesetzt werden. Da man in größere Tiefe gehen muß, so ist eine neue Fördermaschine bestellt, welche acht Wagen von 800 Meter Tiefe heben kann; bis jetzt hob man vier Wagen von 320 Meter, die neuen Flötze liegen etwa bei 600 Meter. — Auf das Erscheinen der neuen Münzen mit dem Bildnisse unseres jetzigen Kaisers kann noch in diesem gerechnet werden. Damit würde denn der bisher beispiellose Fall eintreten, daß in einem Jahre drei verschiedene Bildnisse von regierenden Kaisern auf den betreffenden Münzstücken geprägt wurden. — Die Zahl der Rohheitsverbrechen hat in der letzten Zeit eine erschreckende Steigerung erfahren. Täglich wimmeln die Tagesblätter von Mittheilungen über Raufereien und Ueberfälle, bei denen meist immer das leidige Messer eine Hauptrolle spielt. In weiten Kreisen hat sich deshalb auch die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß die Vergehen gegen Leben und Gesundheit nicht streng genug geahndet werden und auf gesetzgeberischem Wege Abhülfe geschaffen werden muß. In einem Artikel der„Grenzboten“, der die Zunahme der Brutalität beleuchtet, heißt es:„Es ist im Laufe der Jahre öfters auf diese beklagenswerthe Erscheinung aufmerksam gemacht worden, aber trotz aller Erörterungen, trotz aller Klagen hat man bis heute noch nicht die Hand gerührt, um diesen Krebsschaden in unserem Volke zu beseitigen. Im Gegentheil, fort und fort verhängen viele unserer Gerichte gegen die mit dem Messer umgehenden Schnapslumpen Strafen von einer Wirkungslosigkeit, die Erstaunen hervorrufen müßte, hätte man nicht auf diesem Gebiete das Erstaunen längst verlernt; fort und fort werden die nichtswürdigsten Verbrecher mit unbegreiflicher Milde behandelt. Kann es da Wunder nehmen, wenn die Unsicherheit in den größeren Städten täglich zunimmt, wenn wir täglich in den Zeitungen von nächtlichen Ueberfällen, von barbarischen Mißhandlungen und Raufereien lesen? Wahrlich, die Gesellschaft ist zu bitterer Klage gegen den Staat und seine Rechtspflege berechtigt ob des ungenügenden Schutzes gegen das verrothe Gesindel unserer Tage. Es ist für die Abänderung der Strafgesetzgebung und die hiermit im engsten Zusammenhange stehende Regelung des Strafvollstreckungswesens Zeit genug vorhanden und es wäre bedauerlich, wenn sie nicht benützt würde, um das Verbrecherthum in wirksamer Weise zu bekämpfen.“ — Der am 31. d. M. zu einer Sitzung zusammentretende Bezirks= Eisenbahnrath Hannover wird unter anderen auch den von der Handelskammer Hildesheim gestellten und eingehend begründeten Antrag auf Ausgabe vou Kilometer Fahrscheinen auf den deutschen Eisenbahnen der Berathung unterziehen. Bei Barop ging eine große Scheune, gefüllt mit Getreide, in Flammen auf. Der Schaden für den Besitzer beziffert sich auf 15000 Mark. Die Frau eines Gutsbesitzers in der Nähe von Hörde ist mit dem Großknecht ausgerückt, nachdem sie Wertsachen und Geld im Betrage von 6000 M. an sich genommen. Vom herlichsten Wetter begünstigt fand am Sonntag in Recklinghausen die Enthüllungsfeier des vor dem Lothor errichteten Kriegerdenkmals statt. An der Feier, die einen großartigen Verlauf nahm, betheiligten sich 22 Vereine; die Feier wurde eröffnet mit der Absingung der„Wacht am Rhein“. Seitens des gewaltigen gemischten Astimmigen Sängerchores von circa 250 Stimmen unter Leitung des Herrn Gymnasial=Direktors Dr. Vockeradt. Die Festrede hielt Herr Amtmann und Premier=Lieutenant von Gersdorff. In einem Wäldchen bei Schwerte wurde ein 10jähriges Mädchen von einem fremden Manne angehalten, bis auf das Hemd entkleidet und dann seinem Schickfal überlassen. Die Kleider hat der Fremde mitgehen heißen. Von dem Thäter hat man keine Spur. In einem Hause zu Wattenscheid wurde eine Famile, bestehend aus Mann, Frau und ein Kind im Zwangswege aus der Wohnung wegen mehrfach rückständiger Miethe ausgewiesen. Die wenigen Möbeln blieben zurück, um den Vermiether als kleinen Ersatz für den Miethszins und die Kosten zu dienen. Der unheilvolle Schnaps ist auch hier die Ursache von all dem Elend. Unter Mitnahme ansehnlicher Geldsummen haben sich aus Hamm zwei Gymnasiasten heimlich entfernt. Sie sollen ihre Studien vernachläßigt und befürchtet haben, zu Ostern nicht versetzt zu werden. In Münster erkannte eine Geschäftsfrau in einer vornehmen Käuferin ihre vor 17 Jahren nach Amerika ausgewanderte Tochter wieder. Das Wiedersehen war ein herzliches; beide hielten sich lange umschlungen und Freudenthränen entquollen den Augen der betagten Mutter. Montag Morgen in aller Frühe schwebte in Hagen auf der höchsten Spitze des Goldbergs eine rothe Fahne. Als dieselbe sehr bald polizeilicherseits entfernt wurde, entdeckte man auf dem Fahnentuch die Inschrift:„Zur Erinnerung an den 21. October 1878.“ An diesem Tage ist bekanntlich das Socialistengesetz angenommen. Eine höchst ergötzliche Scene ereignete sich in einem Eisenbahnwagen 4. Klasse zwischen Milspe und Schwelm. Der„Schw..“ wird darüber geschrieben: Ein etwa 15 bis 16jähriger junger Mensch, welcher auf einige Tage bei seinen Eltern zum Besuch war, hatte von Muttern allerlei schöne eßbare Sachen, sorgfältig in einer Papp=Hutschachtel verpackt, mit auf den Weg bekommen. Nachdem er sich im bezeichneten Eisenbahnwagen eine schöne Ecke erobert, bediente er sich der Hutschachtel als Sitz und streckte behaglich die Beine von sich. Doch nicht lange sollte er sich dieser Bequemlichkeit erfreuen. Man hörte plötzlich einen dumpfen Krach und die Augen aller Anwesenden richteten sich auf den zusammengebrochenen Jüngling, welcher in einem unbeschreiblichen Durcheinander von Butter, Eiern, Kuchen und allerlei möglichen—d unmöglichen Sachen saß. Man kann sich leicht denken, daß das Gelächter der Mitreisenden ein stürmisches war, denn wer den Schaden hat, braucht für den Spokt nicht zu sorgen. Von einem harten Schlage wurde eine Kötter=Familie in Herzfeld an der Lippe, dadurch getroffen, daß ihr, während der Abwesenheit von Hause bei Beschäftigung an Ackerarbeiten, aus einem verschließbaren Koffer 450 Mk. entwendet wurden. Von dem Thäter fehlt jede Spur. Eine Mahnung für Familien, die Hausthüren beim Verlassen der Wohnung ordentlich zu verschließen. Ein junges Mädchen in Bielefeld, welchem vor Jahren der Fuß amputirt werden mußte und welches infolgedessen sich darnach mit einem Stelzfuß nur mühsam fortbehelfen konnte, was ihrem Erwerbe hinderlich war, wandte sich schließlich an unsern verstorbenen edlen Kaiser Friedrich mit der Bitte um Unterstützung zur Erlangung eines künstlichen Beines. Kaiser Friedrich hat dieser Bitte durch Zuwendung eines Geldgeschenkes entsprochen. Der Instrumentenverfertiger Weiß hat das künstliche Bein gemacht und das junge Mädchen hat nun die Freude, wieder ungehindert ihrem Berufe nachgehen zu können. Am Sonntag wurde vom Schwurgericht in Essen der Bergmann Möhle aus Günnigfeld bei Wattenscheid, welcher am 21. September d. J. seinen Vater erschossen hatte, des Todtschlags schuldig befunden und zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Zu der Verhandlung waren 32 Zeugen geladen. Die Bevölkerung Kölns einschließlich der eingemeindeten Orte(Deutz, Ehrenfeld rc.) ist auf 267,325 Seelen Ende September gestiegen. In der letzten Sitzung des Schöffengerichts zu Mülheim wurde ein Zeuge gleich nach seiner Vernehmung wegen Verdachts, einen Meineid geleistet zu haben, in Haft genommen. In den Sandgegenden der Altmark in der Provinz Sachsen ist man mit dem Ergebnisse der diesjährigen Kartoffelnernte recht zufrieden, sowohl was die Menge als auch was die Beschaffenheit anbetrifft. Dazu sind die Preise für gute Eßkartoffeln sehr hoch, obwohl an eine Ausfuhr derselben nach England nicht gedacht wird.— In Tiefenort, einem Dörflein südlich von Nordhausen, ließ ein Hausbesitzer den schadhaft gewordenen Bretterboden seiner Wohnstube ausbessern. Beim Aufheben einer Diele kamen zwei Beutel zum Vorschein, welche Silbermünzen von der Größe eines Thalers enthielten. Die Geldstücke stammen aus dem 17. Jahrhundert. In Mainz wurde die Frau eines Arbeiters verhaftet, welche den Versuch gemacht haben soll, ihren Mann durch Gift um die Ecke zu bringen.