"„ Organ für den Landgerichtsbezirk Vortmund. Redaktion, Druck und Verlag — Gerechtigkeit.— Gemeinwopl. o. 82. Erscheint Mittwochs und Samstags und kostet vierteljährlich in der Expedition 1 Mark, durch Betm Mark.10.— Illustr. Blätter 50 Pig. Samstag, 13. Oktober 1888. Insertions=Gebühr: für die einspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfennige. Reclamen per Zeile 30 Pfennige. Politische Aebersicht. Deutschland. Ueber den Besuch Kaiser Wilhelm's im Vatikan verlautet: Der Kaiser frühstückt am Freitag bei dem Gesandten von Schlözer mit den Kardinälen Rampolla und Prinz Hohenlohe und fährt in dem aus Berlin nach Rom gebrachten Galawagen nach dem Vatikan. Am Fuße der Treppe empfängt Se. Majestät der Oberceremonienmeister und die Nobelgarde, an deren Spitze ein Neffe des Papstes steht. Nach der Unterredung mit Leo XIII. stattete der Kaiser dem Kardinalstaatssekretär Rampolla einen Besuch ab und läßt sich von ihm durch die Skulpturen=Gallerie, die Bibliothek, die GemäldeGallerie, die Stanzen und Loggien Rafaels führen.— An der Einzugsstraße vom Bahnhofe bis zum Quirinalpalaste wird noch gearbeitet. Dieselbe wird einen außerordentlich großartigen Anblick gewähren. Nachdem die Kaiserjagden in Steiermark am Dienstag ihr Ende erreicht hatten, ist Kaiser Wilhelm Mittwoch Mittag nach herzlicher Verabschiedung von Kaiser Franz Joseph, nach Rom abgereist und dort Donnerstag Nachmittag angekommen. Er wurde am Bahnhofe von dem Könige, allen Prinzen des Königlichen Hauses, dem Ministerpräsidenten Crispi und allen hohen Hof= und Staatswürdenträgern empfangen. Die am Bahnhofe versammelte, Kopf an Kopf gedrängte Volksmenge empfing den Kaiser mit stürmischen Willkommenrufen. Unter unausgesetzten sympathischen Kundgebungen der die Straßen füllenden Volksmassen fuhr der Kaiser an der Seite des Königs nach dem Quirinal. Als Kaiser Wilhelm und König Humbert den Quirinal erreichten, begann der Kanonensalut. Alsdann wurden dieselben am Fuße der Treppe durch den ersten Ceremonienmeister Grafen Gianotti empfangen. Im Schweizersaale erwarteten die Königin mit den Herzoginnen von Aosta und Genua den Kaiser. Der Kaiser küßte der Königin die Hand. Die Majestäten erschienen alsbald kurze Zeit auf dem Balkon des Quirinals und begrüßten die Volksmenge, die unausgesetzt in brausenden Hochrufen ihre Huldigungen darbrachte. Später zeigten sich die hohen Herrschaften am Fenster; zur Rechten hatte der Kaiser die Königin und die Herzoginnen von Genua und Aosta, zur Linken den König und den Kronprinzen. Alsdann fand im Schweizersaale die Vorstellung der hohen Staats= und Hofwürdenträger, sowie der Spitzen der Munizipalbehörden statt. Der Kaiser zog sich alsdann in seine Gemächer zurück. Auf der Fahrt zum Quirinal befanden sich Graf Herbert Bismarck und Crispi in demselben Wagen, welcher der vierte im Zuge war, und unmittelbar hinter der Equipage folgte, in welcher die Herzöge von Genua und Aosta Platz genommen hatten. Auf dem Wege vom Bahnhofe zum Quirinal waren Truppen in Spalier aufgestellt, deren Musik die preußische Nationalhymne spielte. Vor und hinter dem Wagen ritten Kürassiere der Leibgarde. Fenster Die Heimkehr. Erzählung von*) In dem Kriege der Franzosen gegen Oesterreich, der im Jahre 1805 seinen Ansang nahm, tauchten die Franzosen in mancher Gegend weit früher auf, als man dachte. Unter anderem geschah dies in einem größeren Flecken, namens., in welchem eine österreichische Besatzung lag. Die Soldaten griffen zwar zu den Waffen und wehrten sich todesmuthig, aber dennoch wurden sie geschlagen und meistentheils gefangen. Unter diesen Gesangenen befand sich ein Oberst, der kurz nach Beginn des Kampfes mit einer Verstärkung angekommen und kämpfend an der Spitze des Regiments gefallen war. Aus einer Wunde stark blutend, aber noch bei voller Besinnung, wurde er in das nächste Haus gebracht. Er hatte rühmlich in dem Kampfe sich ausgezeichnet und durch seine Tapferkeit bei dem Feinde Achtung erworben. Das Haus, in welches er gebracht wurde, war der Pfarrhof des Ortes. Hier wurde ihm seitens eines Geistlichen und seiner Wirthschafterin die aufmerksamste Pflege zu theil. Obwohl der Oberst ein Fünfziger war, so sah er doch als ein hübscher und stattlicher Mann aus. Von leutseligem Wesen und einnehmenden Zügen, erwarb er sich bald die Gunst des Pfarrers und seiner Hausverwalterin. Der Oberst hatte eine Wunde in die linke Schulter erhalten, die ihm bald nach der Ankunft im Pfarrhof ein heftiges Fieber zuzog und ihm mehrere Tage die Besinnung raubte. Als er wieder erwachte, fand er an seinem Bette den Wundarzt beschäftigt, die eingedrungene Kugel geschickt zu entfernen. Durch einen neuen Verband, den derselbe ihm anlegte und durch geeignete Behandlung nahm die Genesung schnelle Fortschritte. Nachdem er sich einigermaßen erholt hatte, suchte ihm und Balkone waren dicht besetzt. Einen besonders glänzendenAnblick bot die Via nationale dar. Der Enthusiasmus der Bevölkerung war geradezu unbeschreiblich. Das Wetter ist prächtig. Abends 6 Uhr fand im Quirinal Familiendiener statt. Die Straßen waren illuminirt und auf den Hauptplätzen spielten Musikkorps. Freitag Mittag wohnt der Kaiser mit Bismarck und den Herren des Gefolges einem Dejeuner bei dem deutschen Gesandten beim Vatikan, Herrn v. Schlözer, im Capronica=Palaste bei, wozu die Kardinäle Rampolla und Hohenlohe, der Unterstaatssekretär Mocenini und der Sekretär Agliardi geladen sind. Nach dem Dejeuner besucht Kaiser Wilhelm den hl. Vater im Vatikan. Am Dienstag und auch Mittwoch ist Dr. Geffcken im Gefängniß zu Moabit, wo er am Montag Abend aus Hamburg angekommen ist, vom Untersuchungsrichter Dr. Hirschfeld vernommen. Alle die ihn gesehen, bezweifeln, daß dem Entmündigungsantrage seiner Familie Gehör gegeben wird, denn er zeigt sich durchaus ruhig, besonnen und überlegend in seinen Antworten. Dr. Geffcken erklärte, das Tagebuch sei ihm vom Kaiser Friedrich selbst übermittelt; einige schrift liche Notizen des hochseligen Herrn scheinen dies auch zu bestätigen. Es ist übrigens leicht möglich, daß der später folgende Prozeß, zum mindesten in einzelnen Theilen, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt werden wird. Der Generalstabschef Graf Waldersee hat seinem Vorgänger dem Feldmarschall Grafen Moltke in Kreisau einen Besuch abgestattet und mit ihm über militärische Angelegenheiten konferiert. Ueber die letzten Herbstmanöver aller Armeekorps werden nunmehr wie alljährlich umfassende Berichte an den Kaiser ausgearbeitet. Diese Berichte gewinnen in diesem Jahre eine besondere Bedeutung dadurch, daß sie eine Reihe von Gutach ten über Neueinführungen sowohl bezüglich der Neuausrüstung, als, auch der Militärökonomie u. s. w. enthalten werden. Es verlautet, daß die gemachten Versuche befriedigende Ergebnisse geliefert hätten. Für einzelne Neueinführungen wären indessen noch weitere Proben als wünschenswerth bezeichnet werden. Keine von allen Rundreisen des französischen Präsidenten Carnot ist so befriedigend und ohne alle Störung verlaufen, wie die gegenwärtige in Südostfrankreich. Der Präsident versteht es vorzüglich, die breiten Volksschichten zu gewinnen, bewegt sich gern zu Fuß inmitten der Massen und sucht die Arbeiter in ihren Wohnungen auf. Das macht Effekt, und so schweigen sich die Boulangisten lieber ganz aus, da sie an Erfolge doch nicht denken können. Bei dem geringen Ansehen, welches Ministerium und Volksvertretung heute in Frankreich genießen, gewinnt der Präsident, welcher bisher sehr im Hintergrunde stand. Grévy verstand gar nichts aus sich zu machen, und erst Carnot verschaffte dem Staatsoberhaupt die gebührende Achtung. Vielleicht wird er noch eine Macht im Staate, mit welcher gerechnet werden muß. der Geistliche durch angenehme Gespräche die Zeit zu vertreiben. Eine gewisse Schwermuth in den Zügen des Verwundeten fiel dem Geistlichen auf und drängte ihm die Frage auf, ob der Oberst vielleicht etwas auf dem Herzen habe und ob er ihm vielleicht dienlich sein könne.„Vielleicht ehrwürdiger Herr,“ antwortete er mit aufleuchtenden Augen,„ich stamme nämlich aus hiesiger Gegend; bin aber in dreitig Jahren nicht mehr hierhin gekommen. Als junger Taugenichts war ich meinen Eltern davongelaufen und unter die Soldaten gegangen. Sowohl im türkischen wie im französischen Kriege habe ich mich ausgezeichnet und Eigenschaften an den Tag gelegt, durch welche ich mir die Achtung meiner Vorgesetzten erwarb und avancirte rasch. Sie können sich denken, Herr Pfarrer, mit welchen Gefühlen ich den heimathlichen Boden wieder betreten habe und zu dem ich jeden Verkehr mit meinen Angehörigen seit meinem Weggange abgebrochen hatte. Im Anfang war es Trotz und jugendlicher Eigenwille, die nicht zuließen, daß ich meinen Eltern eine Mittheilung sandte, wo ich mich befand und was aus mir geworden war. Später schrieb ich einen Brief, worauf ich keine Antwort erhielt. Und nun muß ich denken, daß alle meine Angehörigen todt sind. Daß meine Mutter und einer meiner Brüder gestorben sind, habe ich unlängst erfahren. Lebte doch mein Vater noch, damit ich noch einmal ihn sehen könnte, ich gäbe alles andere Glück der Welt freudig hin!“ Dann nannte der Oberst seinen Namen und den seiner Angehörigen. Zufällig gehörte dieser Ort, der nur eine halbe Stunde seitwärts lag, zu dem Amtssprengel des Pfarrers und dieser holte sein Kirchenbuchund überraschte den Obersten mit der Mittheilung:„Der Vater lebt noch— nahezu achtzig Jahre alt, die Schwestern sind verheirathet und der jüngere Bruder ist Förster einige Stundenweiter im Gebirge. Das war Balsam auf die Seelenwunde des Kranken. Obgleich ihm jede Aufregungverboten war, so war er nicht zu bewegen, länger zu warten. Am liebsten wäre er selbst von Ph. Culbart in Castrop. 14. Jahrg. Mit der in Frankreich erlassenen Verordnung über den Aufenthalt der Fremden arbeitet die französische Regierung, ohne es zu wollen, der elsaß lothringischen durchaus in die Hände. Denn durch diese Maßregel, welche sich als eine Belästigung des Personenverkehrs erweist, werden viele ElsaßLothringer abgeschreckt, nach Frankreich überzusiedeln. Ueberhaupt hat der Zug der reichsländischen Bevölkerung nach Westen hin in der letzten Zeit nicht unbedeutend nachgelassen. Dies hat seinen Grund in verschiedenen Ursachen. Einmal haben die in der französischen Fremdenlegion gemachten Erfahrungen junger Elsaß=Lothringer doch nachgerade abschreckend gewirkt, und der Umstand, daß die deutsche Regierung den nach Frankreich ausgewanderten oder dort erzogenen Elsaß=Lothrin= gern die Rückkehr verweigert, hält die meisten Familien davon ab, ihre Kinder nach Frankreich zu bringen. Sodann suchen die im Militär gedient habenden jungen Leute jetzt sehr gern ein Unterkommen in Elsaß=Lothringen oder in Altdeutschland zu erlangen, zumal man in Frankreich keineswegs mehr so sehr geneigt ist, die Elsaß=Lothringer mit offenen Armen aufzunehmen. Der Brotneid ist auch gegen sie in Frankreich wach geworden. Die Pariser Blätter konstatieren, daß die Bevölkerung Frankreichs stetig zurückgeht, und erschöpfen sich in trüben Betrachtungen dieses Ergebnisses. Wenn keine Aenderungen eintreten, so sagen sie, werde Frankreich in einem halben Jahrhundert hinter Italien an Macht zurückstehen. Belgien. Im belgischen Kohlenbassin Borinage beginnt aufs Neue der Arbeiterausstand bedenklichen Umfang anzunehmen. In verschiedenen Kohlengruben haben jetzt Hunderte Arbeiter die Gruben verlassen, um höhere Löhne zu erzwingen; ein Teil dieser Arbeiter hat, durch die wachsenden Notzustände in ihren starken Familien gezwungen, die Arbeit wieder aufgenommen, ohne das Geringste erreicht zu haben, andere Arbeiter feiern und immer neue Arbeitsausstände brechen aus, so daß die Behörden mit großer Besorgnis dem Winter entgegensehen. Trotz der guten Geschäfte, welche die belgischen Kohlengesellschaften seit einem Jahre machten, sind sie zu einer ernsthaften Lohnerhöhung nicht zu bewegen gewesen. Noch heute stehen die Löhne im Borinage zwischen 1½ Franken und höchstens 3 Franken; die Lebensmittel werden immer teurer, die Brotpreise sind infolge der ungünstigen Getreideernte gestiegen und die Kartoffelnernte ist mißraten. Die Befürchtung der Hennegau'schen Behörden auf Umsichgreifen des Arbeiterausstandes erscheint daher nur zu sehr begründet. Rußland. Die geheime Polizei in Moskau hat in der Nacht zum 30. v. einen Keller entdeckt, in welchem Dynamitbomben und falsches Silbergeld fabriziert wurden. Im Keller wurde auch ein Individuum angetroffen und verhaftet. Dasselbe erwies sich als der bereits einmal abgestrafte und aus Sibirien geflüchtete Nihilist Rostunkow. Rostunkow versetzte sich gegangen, sie zu suchen, aber die Körperschwäche fesselte ihn ans Bett. Er schickte deshalb einen Bedienten nach dem Förster, um denselben so schnell wie möglich nach dem Obersten zu bringen. Zugleich bat er den Pfarrer, einen Wagen zu besorgen und seinen Vater und seine Geschwister zu holen. Beides wurde ins Werk gesetzt. Allein der Diener fand das Haus des Försters verschlossen und den alten Vater hatten die Schrecknisse des Krieges auf das Krankenlager geworfen. Die Schwestern getrauten sich nicht in der gefahrvollen Zeit allein auf den Weg und zumal der Fremde seinen Namen nicht nennen wollte. Jetzt konnte den Obersten nichts mehr zurückhalten. Das Fieber war vorüber, die Wunde war zwar noch nicht geschlossen und auch schmerzhaft, aber die Gefahr war vorüber. Er ließ anspannen und als er das Dorf glücklich erreichte, ließ er den Wagen halten und legte zu Fuß den Weg nach dem elterlichen Hause zurück. Sein Herz pochte laut, als er die Schwelle des Hauses überschritt. Da lag ein alter Mann mit schneeweißem Haar auf ärmlichem Bett, als erwarte er sein letztes Stündlein. Ein junges Weib stand daneben, küßte des Kranken Hand und weinte still vor sich hin. Zwei Frauen waren am Herde beschäftigt, einen stärkenden Trunk zu bereiten und am Fenster stand ein Mann, der unter den Kindern Brod austheilte. „Komme ich hier recht zu Meister Valentin?“ fragte der Oberst mit gepreßter Stimme. „Da liegt er,“ lautete die Antwort, und man wies auf den Kranken. Der Oberst hatte ihn wohl erkannt, wollte aber selbst erkannt werden, und so frug er weiter: „Meister Valentin, hattet ihr nicht einen Sohn im österreichischen Militär?“ „Ja, mein Herr," lispelte der Kranke,„Leopold ist sein Name: Als junger Bursche verließ er uns, um nie wiederzukehren; er soll avancirt und ein braver Mann geworden sein. Bringen Sie mir Nachricht von ihm?“ während seiner Festnahme einen Messerstich in den Hals, ohne sich jedoch lebensgefährlich zu verletzev. Außer Rostunkow wurde noch ein gewisser Petrow verhaftet. Aus den bei den Verhafteten vorgefundenen Korrespondenzen wurde konstatiert, daß die Verhafteten ein neues Attentat auf den Zaren beabsichtigt haben. Lokales und Westfälisch-Rheinisches. Castrop, 12. Oktober. Die Vorlesung des Herrn W. Täpper aus Bochum am Mittwoch Abend im Baack'schen Saale war gut besucht. Herr Täpper brachte in der Haupt sache Sanitätsrath Dr. Webers berühmtes Epos„Dreizehnlinden" zur Vorlesung, womit er reichen Beifall erntete. Später ließ er auf allgemeines Verlangen noch mehrere seiner selbstgemachten Lachpillen folgen, welche denn auch ihre Wirk. ung nicht verfehlten und große Heiterkeit erregten. Herr T. beabsichtigt, im Laufe des Januar nächsten Jahres hier aber mals eine Vorlesung zu halten. In seinem Vereinslokale bei H. Lueg feiert am kommenden Sonntag er hiesige St. Barbara=Knappen=Verein sein diesjähriges Stiftungsfest. Das Programm dazu ist ein sehr reichhaltiges. Zuerst Festzug, dann Konzert, Gesang, deklamatorische Vorträge, Theater und schließlich Ball. Wir wünschen dem Feste einen schönen Verlauf. — Wegen Unterschlagung amtlicher Gelder(121 Mk.) verurtheilte gestern die Strafkammer in Dortmund den früher bei der hiesigen Königlichen Steuerkasse angestellt gewesenen Büreaugehülfen Heinr. Bieling zu 6 Monaten Gefängniß. B. will zu Wirthshausgelagen verführt und um sich nicht lum pen lassen zu müssen, zu der Unterschlagung gekommen sein. — Die Errichtung eines Denkmals für Kaiser Wilhelm I. durch die ehemaligen deutschen Soldaten ist gesichert. In einer Sitzung der Vertreter deutscher Kriegervereine wurde beschlossen: 1) ein allgemeines Krieger=Denkmal für Kaiser Wilhelm I. zu errichten und die Mittel durch Zuwendungen ehemaliger Soldaten des deutschen Reiches zu beschaffen; 2) als Ort des Denkmales den Kyffhäuser, vorbehaltlich der Genehmigung des Fürsten von Schwarzburg=Rudolstadt, oder Goslar, den Ort der alten Kaiserpfalz zu wählen. Eine Kommission wurde beauftragt, über die Ausführbarkeit und die Kosten an beiden Orten unter Zuziehung von Sachverständigen Erhebungen anzustellen. Nach Einholung dieser Gutachten wird der Ort endgiltig bestimmt werden. ## Im Post=Zeitungsvertrieb ist bisher die Einrichtung beibehalten, daß die Zeitungsverleger untereinander und an andere Personen sogenannte Frei=Exemplare versenden können. Nruervings wird aber infolge höherer Anordnung darauf gehalten, daß diese Einrichtung nicht mißbräuchlich ausgenutzt werde, sondern daß als Frei=Exemplare nur solche Zeitungs are zugelassen werden, welche die Empfänger thatsächlich in Tausch gegen andere Zeitungen ohne Entgelt erhalten. Zeitungs=Exemplare, für welche den Verlegern von den Em pfängern irgend eine Vergütung zufließt, dürfen als Frei=Exemplare nicht überwiesen werden. Hierdurch ist also für die Folge ausgeschlossen, daß einem Abonnenten, der eine Zeitung direkt beim Verleger oder dessen Agenten bestellt und das Abonnementsgeld an einen dieser bezahlt, um die Zeitung sich als sogenannte Frei=Exemplare überweisen zu lassen, dieselbe in dieser Weise durch die Post übermittelt werden kann. Es muß jeder Besteller die von ihm gewünschte Zeitung direkt bei der Postanstalt seines Wohnortes bestellen und den Betrag dafür bezahlen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß es nicht zu den Obliegenheiten der Postanstalten gehört, die Empfänger auch der wirklichen Tausch= oder Frei=Exemplare von der Ueberweisung derselben zu benachrichtigen bzw. uus Bestellgeld von denselben abfordern zu lassen, es ist vielmehr Sache der Empfänger, daß sie die für sie bestimmte oder deren Abtragung unter Erlegung des Bestellgeldes bei der Postanstalt ihres Wohnortes beantragen. ###. 5a, erwiderte der Oberst, ger ist auf dem Wege zu Mit diesen Worten eilte er an das Bett, faßte die Hand seines Vaters, küßte sein Angesicht, und brach in Thränen aus. „Was soll das?“ riefen die Frauen, welche den Maior noch nie gesehen hatten! „Vater, Schwester, Bruder,“ sagte der Oberst,„seht mich an: ich bin es, Euer Leopold. Jetzt schaarte sich alles an den so unerwartet Heimgekehrten und die Umarmungen wollten kein Ende nehmen. „Leopold, mein Sohn, bist Du es wirklich?“ rief der zu mir, daß ich Dich noch einmal sehe, denn ich fühle, daß es mit mir zu Ende geht. Gott sei Dank, daß er mich diese Freude noch erleben ließ. Sieh, zur rechten Stunde hat er Dich heimgesandt, damit Du Dich der Deinigen annimmst. Hier Deinem Bruder Joseph, dem Förster haben die Franzosen all sein Hab und Gut wegzenommen und mußte er mit Weib und Kind hier Obdach suchen. Da Deine Schwester Therese, die ihren Mann im Krieg verloren, unsere Jüngste, kaum verheirathet, mußte auch ihren Gatten ins Feld ziehen sehen! Sie alle suchen eine ren Jensets abruste u d ie Set zu einem besse .# O, meine Lieben, vergebt, daß ich Euch so lange warten ## entgegnete der Oberst.„Seid getrostl es soll Euch an n chis mangeln: Nicht umsonst diente ich dreißig Jahre und der Welt herum: ich habe mir ein gutes Stück Geld erworven, vas sicher angelegt ist und Euch allen zu Gute kommen soll. Vater, lieber Vater, nur jetzt stirb Die gesindigt habel= u ih wieder gut machen, was 15 ar .„. Der Alte erwiderte den Druck seiner Hand schwach, als #####. danken; die unerwartete Freude hatte den Rest er Krafte erschöpft, er sank in die Kissen zurück und Tgch nichts mehr. Wie der müde Arbeiter nach vollbrachtem ewerk entschlief er in den Armen seines Sohnes. ..—. Häpfig herrscht bei Lehrlingen und Gewerbegehilfen ie irrige ansicht, als sei es erlaubt, sich aus dem Material des Prinzipals kleinere Gegenstände für eigene Rechnung an zufertigen. Dem ist jedoch, wie das jeder vernünftige Mensch bei einigem Nachdenken einsehen wird nicht so. Der Priuziit in erster Linie ein Anrecht auf die unbedingte Zuverlässigkeit seines Personals, gleichviel ob Gehilfe oder Lehrling. stand auch kürzlich ein Gehilfe und ein Lehrling eines Dusseldorfer Goldschmiedes unter der Anklage der Unterschla gung vor dem Strafrichter. Gegen den Lehrling zog der Meister den Strafantrag zurück, was nach den gesetzlichen Bestimmungen, sofern es sich um Sachen von unbedeutendem Wert handelte, gestattet ist. Dagegen wurde der Gehilfe unter Annahme mildernder Umstände, auch bei ihm handelt es sich nur um Sachen von geringem Wert, zu einer Geld strafe von 70 Mark event. zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. — Verschweigt bei der Erteilung einer Auskunft über einen Dritten, mit welchem der Anfragende in Geschäftsverbindung zu treten gedenkt, der Befragte auf die Bemerkung des Anfragenden, daß der Dritte behauptet habe, keine Schulden zu haben, bewußt die Thatsache, daß der Dritte ihm resp. seiner Firma einen erheblichen Betrag schuldet, so haftet nach einem Urteil des Reichsgerichts der Angefragte für den dadurch verursachten Schaden. — Die Festsetzung der Garnison=Verpflegungs=Zuschüsse, welche vom Kriegsministerium für die einzelnen Stäote vier teljährlich im Voraus auf Grund der Preisnotirungen für einzelne Lebensmittel erfolgt, läßt erkennen, daß die Preise im Steigen begriffen sind. Nach der im letzten„Armee=Ver ordn.=Bl.“ befindlichen Liste sind die Verpflegungs=Zuschüsse für das 4. Quartal in 79 Standorten(Barnisonen) im Vergleich zum 3. Quartal erhöht und zwar in 68 um 1 Pfennig pro Tag und Mann, in 9 um 2 Pfg., in 1 um 3 Pfg. und in 1(Saarbrücken) um 4 kfg., herabgesetzt dage gen nur in 37 Standorten, darunter in 35 um 1 und in 2 um 2 Pfg. Die meisten Erhöhungen sind im Wisten zu verzeichnen, während im Osten, besonders im Bereich des 3. und 5. Armeekorps die Herabsetzungen noch überwiegen. Den niedrigsten Zuschuß hat Rastenburg in Ostpreußen mit 5. den höchsten St. Wendel in der Rheinprovinz mit 23 Pfg. pro Tag und Mann. Am 4. Oktober trafen auf Station Wanne ca. 60 Bergleute, meistens junge Leute, aus der Provinz Schlesien treten auf der Zeche„Ewald" bei Herten in Arbeit. Bei der Ankunft wurden dieselben im Wartesaal der Station mit Kaffee und Frühstück bewirthet, um kurz darauf ihre neue Wohnung in der Zechenmenage aufzusuchen. In Wanne wurde ein Komödiantenwagen von einem Eisenbahnzuge angerempelt und total zertrümmert. Der Kriegerverein von Dortmund arrangiert für den 10. Oktober— die 75. Wiederkehr des Tages der Schlacht von Leipzig und Geburtstag des hochseligen Kaisers Friedtich — eine großartige Gedenkfeier. Aus Unvorsichtigkeit Kürzte dieser Tage ein Brauer in einer Dortmunder Brauerei in den Braukessel, dessen siedend heißer Inhalt ihm schwere Bcandwunden beibrachte Der Unglückliche wurde am 3. Oktober von seinen schreck lichen Qualen durch den Tod erlöst. Derselbe war aus Münster gebürtig. Aus übergroßer Liebe zum Diebe wurde ein Dortmunder Metzgergeselle. Derselve hatte sich in eine der „Heben“ in der früheren Engelsschen Wirtschaft verliebt, in welch berüchtigtem Lokale der junge Mensch seine freie Zeit verbrachte. Der jungen Dame schien es jedoch erst in zweiter Linie um die Liebe des jungen Metzgers zu thun zu sein, ihre Hauptwünsche richteten sich auf viel materielleres, nämlich auf die feinen Würste des Meisters des jungen Burschen. „Ach, was habe ich für einen Bärenhunger!“ erwiderte sie oft auf die feurigen Liebesbeteuerungen des Metzgers,„o hätte ich doch eine große Wurst.“ Wie hätte da der junge Mensch „ erhattene Verletzung den Obersten zum weiteren Kriegsdienste untauglich machte, so nahm er seinen Abschied und erhielt in Anerkennung seiner Verdienste einen hohen Ruhegehalt. Er gab dem Förster die Mittel, sich wieder häuslich einzurichten, kaufte sich ein Gut in der Gegend und ließ sich daselbst nieder, indem er seine Schwestern zu sich nahm. Hier besuchte ihn der Pfarrer öfters, bis endlich auch ihn der Tod ereilte. Er starb mit dem Bewußtsein, seine Fehler gesühnt zu haben. * Eine grausige Ceremonie der Muhamedaner. Alle falschen Religionen haben gewisse, mehr oder minder empörende Gebräuche, deren hervorstechender Character Wollust und Grausamkeit zu sein pflegt. Der Jahrestag der Geburt Muhamed's, welcher mit der Rückkehr der Pilger von Mekka zusammenfällt, wird in Kairo durch eine der grausigen Ceremonien gefeiert, wie sie allein der Geist der Bösen einzugeben vermag. Der„Iman der heulenden Derwische“. reitet im Galopp über die Leiber von fanatischen Moslemin hin, die hart aneinander gedrängt platt mit dem Gesicht auf dem Boden liegen. Dieser Ritt ist ein allgemeines Fest für die ganze Stadt und die Europäer wohnen zahlreich jener wilden, empörenden Scene bei, die sie nicht zu verhindern ver##. Ran läßt ihnen sogar absichtlich die ersten Plätze, vi vie muselmänner bilden sich gerne ein, daß dieser religiose Act auf die„Ungläubigen“ einen sehr tiefen und heilsamen Eindruck zu machen geeignet sei. Am festgesetzten Tage begaben sich die Derwische um die Mittagsstunde zu dem Platz, wo die Fanatiker sich befanden, welche sich durch heiligen beabsichtigten; der größte Theil bestand aus Fellahs aus der Umgegend, Esel= und Kameelähnlichen Leuten. Man hatte sie mit Haschisch berauscht, so daß sie wie von Wahnsinn befallen waren. Die von Menschen gebildete Reitbahn dehnte sich über eine Strecke de. Hergische gegeben. Auf das burch den Tanbour eit Tirwisch..grbene Zeichen sprang der Iman, hoch auf widerstehen können; die Erinnerung an das siebente Gebot schwand bei ihm dahin, wie der Schnee vor der Frühlingssonne; er erfüllte die würstlichen Wünsche seiner Angebeteten und— stahl dem Meister mehrere Würste. Folge: Anklage wegen Diebstahls; das Schöffengericht fühnte die That mit 14 Tagen Gefängnis. Von einem jähen Tode wurde eine alte Frau von Speldorf befallen, welche auf einem Feldwege nach Hause ging. Als ihr Weg an einer Hecke vorbeiführte, erscholl plötzlich hinter ders lben lautes Hundegebell, welches die alte Frau so erschreckte, daß sie wahrscheinlich vom Schlage gerührt, lautlos zur Erde sank und sofort eine Leiche war. Dieser Tage spielten an der Dültgensthalerstraße in Wald mehrere Kinder; unter andern Spielzeugen hatten sie auch einen Revolver. Plötzlich ertönt ein Schuß und ein blühender 2½jähriger Knabe schreit laut auf, denn der Revolver hatte sich entladen und eine in demselben sich befindliche Kugel war ihm an der Stirne in den Kopf geflogen, eine schreckliche Wunde verursachend, an deren Folge der Junge bald verstarb. In Hordel ist ein Caroussel infolge von Zwistigkeit zwischen dem Besitzer und dem dortigen Publikum von letzterem mittelst Steinwürfen und Zaunpfählen gänzlich demolirt worden. Der Bäcker= und Conditor=Innung von Gelsenkirchen und benachtbarte Ortschaft sowie der Barvier= und Friseur=Innung für den Kreis Gelsenkirchen ist auf grund der§§ 100 e und f von der Königlichen Regierung zu Arnsberg die ausschließliche Gerechtsame erteilt worden, daß nur Innungsmitglieder Lehrlinge ausbilden dürfen. Vor dem Schöffengericht in Gelsenkirchen hatten sich am Dienstag zwei Bäcker und ein Barbier, welche den bezeichneten resp. Innung nicht angehören, wegen unrechtmäßigen Haltens von Lehrlingen zu verantworten. Dieselben wurden wegen„Unkenntnis“ der einschlägigen Bestimmungen zu der geringsten Strafe(5 Mrk.) und Entlassung der Lehrlinge verurteilt. Das Maximum der Strafe beträgt 150 Mark. In Hagen hatte ein Klempner das Unglück, vom Turm der neuen Kirche, an welchem er Klempnerarbeiten ausführte, zu stürzen, blieb jedoch, was als Glück im Unglück zu bezeichnen ist, während des Sturzes an einem Gebälk hängen, so daß derselbe wohl ernstere Verletzungen nicht erlitten hat. Einem kranken Fabrikarbeiter in Essen, Vater von 8 Kindern, war von einem Arzte Opiumtinktur verschrieben worden. Der Patient nahm die fünf ehnfache Menge der ihm verordneten Dosis und starb bald nachher an OpiumVergiftung. Der stellvertretende Meister in einer Schuhmacherwerkstätte in Essen hatte einem Gesellen einen Verweis erteilt, wurde jedoch von letzterem angegriffen; der wütende Geselle biß dem Meister ein Stück Fleisch aus beiden Händen, so daß der Gebissene ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen mußte. Gegen den Thäter ist bereits ein Strafantrag gestellt worden. In der Strafanstalt zu Werden stürzte sich ein Strafgefangener in der zweiten Etage absichtlich über das Treppengeländer hinab auf den Flur. Der Zweck wurde erreicht, da die erhaltene Verletzungen den sofortigen Tod herbeiführten. In Altena hat sich nicht allein das bösartige Scharlachfieber sondern auch die heimtückische Diphtheritis eingestellt, wie dieses gewöhnlich mit dem Beginne des Herbstes geschieht. Bis jetzt sind diese Krankheiten zum Glück gut verlaufen. Todesfälle sind infolge dieser Krankheiten noch nicht zu verzeichnen. Die Eröffnung der Gebirgsbahn Hilchenbach Erndtebrück fand am Montag statt. Der erste Personenzug hatte leider das Malheur, daß der Packwagen bei dem Wirtshaus Grünbaum entgleiste. Die Teiluehmer kamen mit dem Schrecken davon. Einen ganz gemeinen Streich verübten mehrere Burschen einem weißen Roß sitzend, im vollen Galopp auf die Leiber der Martyrer. Während des ganzen Rittes hörten die Saadieh nicht auf, Verse aus dem Koran zu heulen. Obschon dieser Ritt nur eine viertel Stunde dauerte, so fehlte es doch natürlich wie immer, nicht an zerbrochenen Armen und Beinen und an zerschmetterten Köpfen. Von 30 Menschen, die von dem„heiligen Roß“ überritten wurden, hob man 15 auf, die bald ihren Wunden erlagen. Jene, welche unverletzt blieben oder verhältnißmäßig nur leichte Contisionen erhielten, erhoben sich wie ein Mann und schrieen: Allah! Das Volk verehrte sie wie wunderbar errettete Martyrer, wiederholte Allah und stieß sonstiges betäubendes Geschrei aus. So verläuft jene ebenso wahnsinnige als unmenschliche Ceremonie, ein trauriger Beweis, welchen Verirrungen das religiöse Gefühl in einer solchen Religion anheimfallen kann. *(Der sorgsame Küster.) Ein Pastor machte seinem Küster Vorwürfe darüber, daß in der Kirche fingerdicker Staub auf den Bänken und noch mehr auf der Erde liege. Da schlug der pfiffige Küster das Gesangbuch auf und sagte: „Hier, Herr Pastor, sollen die Gläubigen denn lügen, wenn sie singen: Hier liegt vor Deiner Majestät im Staub die Christenschaar?“ * Unteroffizier zu einem Einjährigen(Kaufmann):„. Sie Häringsbändiger, Sie sitzen heute wieder auf Ihrem Perde droben, als wenn Sie aus lauter Bonbons zusammengesetzt wären. *(In der Reitschule.) Korporal:„Einjähriger, thun Sie mir den einzigen Gefallen und krabbeln Sie mir nicht auf dem Gaul herum wie die Seeschlange im Terrarium!"— * A.(prahlend):„Ich sage Ihnen, ich bin der beste Schwimmer des Dorfes.“— B.„Nur nicht so groß thun! Schwimmen kann jeder Stocksisch!“ * Lehrer:„Warum bist Du gestern nicht zur Schule ge kommen?“— Schüler:„Mein Vater brauchte mir nötig.“ Lehrer:„So wozu denn?— Schüler:„Er hat mir verhauen. I in Ohligs. Sie warfen einem friedlich seines Weges gehende Schleifer Wiener Kalk ins Gesicht, der auch in die Augen flog, wodurch das Sehvermögn des Schleifers nach Aussage des Arztes sehr gefährdet ist. Einige von den Attentätern sind erkannt und bereits zur Anzeige gebracht. Hoffentlich wird ihnen eine ganz exemplarische Strafe zudiktiert. Die gegenwärtig in Elberfeld stattfindende Messe hat ein neues Spielzeug mitzebracht, dem hoffentlich bald dasselbe Schicksal widerfährt wie den bekannten Cri=cris und NiggerPippes. Das neue Spielzeug besteht aus einer mit Harz bestrichenen Schnur, die durch eine Vorrichtung gerissen wird, wodurch ein furchtbar kreischendes Geräusch hervorgebracht wird. Ein altes, aber probates Mittel gegen die Schlägereien wandte in Elberfeld ein Kartoffelhändler an. Vor dessen Hause schlugen sich mehrere Arbeiter und balgten sich auf der Erde herum. Dieses paßte dem Händler nicht und er schraubte einen Schlauch deshalb an seine Wasserleitung und hielt den Strahl direkt auf die Streitenden. Vollständig durchnäßt mußten dieselben unter dem Gelächter des Publikums schleunigst dasweite suchen. Die Firma Underberg=Albrecht in Rheinberg hat in ihrer Vaterstadt ein katholisches Gesellenhaus herrichten lasien und dem dortigen kath. Gesellenverein zum Geschenk gemacht. In Hostermark trank ein 3jähriges Kind aus einer Kanne glühend heißen Kaffee und verbrannte sich derart, daß der Tod bald eintrat. Seine silberne Hochzeit hat am Sonnabend Herr Fabrikbesitzer Schmöle in Iserlohn gefeiert und aus Anlaß dieses Festes zum Besten alter invalider Arbeiter 6000 Mk. gestiftet. Ferner erhielt der städtische Frauenverein 1000 M. und der evang. Armenfonds 500 Mk. Die Stadt verehrte dem Jubelpaar zwei Marmorreliefs. In Winzerkreisen hat das trübselige Wetter der letzten Tage die in den vorhergegangenen Wochen belebten Hoffnungen wieder gedrückt.„Wir bedürfen noch mindestens 14 Tage warmes sonniges Wetter, wenn die Aussicht auf einen mittelguten Wein nicht wieder zu Wasser werden soll.“ Und dabei ist es schon einige Tage empfindlich kühl, das Thermometer zeigt morgens und nachts nur 5 Grad Reaumur. Unter den in der Woche vom 30. Sept. bis 6. Oktober vor dem Standesamt Minden aufgebotenen Paaren befinden sich auch der Kolon Schweinefuß und seine Braut Luise Hasenohr. Der Koblenzer Vztg. geht die Mitteilung von einem entsetzlichen Unglück zu, welches Freitag in St. Sebastian sich zugetragen hat: Der Maschinist der dortigen Dreschmaschine, Familienvater aus Kaltenengers, wollte eine Verstellung an der Trommel vornehmen, bei welcher Gelegenheit er jedoch ausglitt und in die Trommel fiel. Trotzdem sogleich die Maschine still gestellt worden, lag doch schon alsbald alles voll Blut und Fleischteilen unter der Trommel. Die schwierigste Arbeit war, den zerfetzten Körper aus der Maschine herauszunehmen, indem der Oberkörper wenig gelitten hatte und der Mann noch vollständig bei Besinnung war. Als der Aermste aus der Maschine herausgenommen war, nahm er noch seine Uhr aus der Tasche und gab dieselbe ab, sodann sagte er zu den Umstehenden:„Nun holt mir auch noch meine Beine heraus.“ Ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war, wurde er noch auf der Unglücksstätte mit den hl. Sterbesakramenten versehen. Hilfe war nicht mehr denkbar. Von den qualvollsten Schmerzen erlöste ihn gegen 5 Uhr nachmittags der Tod; gegen 11 Uhr morgens war das Unglück geschehen. Ueber ein den Amerikanern bekanntlich nicht mehr so ungewohntes, in Deutschland aber noch recht seltenes Schauspiel, die„Verschiebung eines Hauses", berichtet man jetzt aus Koblenz. Es wurde ein Wohnhaus von seiner alten Stelle an eine neue gebracht. Das Haus stand unmittelbar an der„Löhrchaussee“ und sollte in den Garten so weit hineingeschoben werden, daß an der Straße Platz für ein neues Haus würde. Es mußte zu diesem Behufe, nach ungefährer Schätzung, 5 bis 7 Meter nach der Seite hin und dann noch 15 bis 20 Meter in die Tiefe des Gartens hineingeschoben werden. Das Haus wurde zuvor ausgeräumt; Thüren und Fenster wurden abgenommen, und der Fußboden der Erdgeschoßräume weggenommen, der Grund freigelegt, und Walzen zwischen das Haus und die Grundmauern eingelegt. Die Bahn. auf der das Haus fortgeschafft wurde, war aus unterlegten Balken hergenellt. Auf beiden Seiten wurden Hebelwinden eingesetzt, gegen die senkrecht stehenden Hauptbalken gestellt, und dann gleichmäßig aufgedreht. Scheinbar leicht, aber sehr langsam bewegte sich das Haus vorwärts und wurde an einem Nachmittag ungefähr 2 Meter von der Stelle gebracht. Die vielen Tauben in den Dachräumen ließen sich nicht im geringsten stören und flogen munter aus und ein. Die Zahl der Walzen, auf denen das Haus lief, betrug fünf. War das Haus über eine der Walzen weggekommen, so wurde diese weggenommen und vorne wieder untergelegt. Auf diese Art wurde das Haus unmittelbar auf die andere Grundmauer geschoben. Eine Frankfurter Bürgerstochter hatte gegen einen jungen Fcankfurter aus einem Eheversprechen 20000 Mark eingeklagt. Der Termin zur Urtheilspublikation war angesetzt und der Ausgang des Prozesses war nicht mehr zweifelhaft. Ehe es zum Urtheilsspruch kam, erklärte der Anwalt der Klägerin, daß die Streitsache inzwischen durch einen „Zwangsvergleich“ erledigt worden sei.„Wieso?“ fragte der Gerichtshof.„Nun, erwiderte der Anwalt,„Beklagter hat, um die 20 000 Mark zu retten, vorgezogen, die Klägerin zu heirathen und ist eben mit ihr auf das Standesamt gegangen, um sich aufbieten zu lasen.“ * Herr von Schorlemer und die Frauenmoden. In der Versammlung des Westfälischen Bauernvereins äußerte sich nach dem„Westfäl. Merk.“ Abg. von Schorlemer=Alst unter anderm wie folgt:„In erster Linie sei es nötig, wieder eine tüchtige Frau auf den Bauernhof zu bekommen und dafür sorgten dann die Haushaltungsschulen, wo die Töchter sowohl die für ihren Stand nötige Bildung, als auch die unbedingt erforderlichen praktischen Eigenschaften für ihren Beruf sich aneignen könnten. Es sei ja nicht nötig, daß sich die Bauerntöchter und=Frauen aufputzten, daß sie da hinten so ein großes Ding herumbaumeln hätten, das hindere nur bei der Arbeit, und die Knechte und Mägde spotteten nür darüber, dadurch ginge der so nötige Respekt vor der Frau des Hauses verloren und das sei ein großes Uebel.“ Ferner sagte der Herr von Schorlemer=Alst:„Vor einiger Zeit kam ich einmal zufällig in ein Geschäft, um mir eine Mütze zu kaufen und da sah ich denn einen großen und fürchterlich aufgeputzten Damenhut liegen, der außer mit Blumen, Blättern und Federn 2c. auch mit mindestens ein paar Dutzend Maikäfern geziert war. Da fragte ich denn, ob so ein Ding denn auch gekauft würde, und da wurde mir geantwortet: O ja, das kaufen hauptsächlich die Damen vom Lande. Na, sagte ich die könnten sich die Maikäfer auch recht gut zu Hause fangen.“ * Der Eiffel=Turm in Paris, der die nächstjährige Industrie=Ausstellung zu Ehren der Revolution von 1789 krönen soll, hat nicht Seinesgleichen. Er wicd 300 Meter hoch, während der Kölner Dom nur 159 Meter mißt, und wird ganz aus Eisen gefügt; er verschlingt 7 Millionen Kilogramm Eisen und kostet 7 Millionen Franks, zu denen der Staat 1½ Millionen beiträgt. Er wird bei weitem das höchste Bauwerk der Welt, die höchste Pyramide in Egypten mißt nur 146 Meter, die Kathedrale in Rouen 150, der Straßburger Münster 142 Meter über dem Boden. Auf der zweiten Plattform, auf welcher der Erbauer ein Früstück gab, war die Stille beängstigend. der Lärm von Paris drang hinauf kurzathmig wie ein Peitschenschlag oder Hommerschlag auf Metall. Der Ingenieur Eiffel ist ein hoher Fünfziger und berechnet und zeichnet alles selbst und lätt sich nur von seinem Schwiegersohn und einem Baumeister unterstützen. * Ein reicher Bürger Brüssels, Charles Delatour, hat den städtischen Hospitälern die Summe von 700000 Franks durch Vermächtniß geschenkt; sein Bruder hatte bereits der Gemeinde Scharbeek eine Summe von 250000 Frs. behufs Gründung eines Greisen=Asyls vermacht. * Naiv. Postbeamter:„Ist dieser Brief, den Sie aufgeben wollen, ein gewöhnlicher oder ein Expreßbrief?" Dienstmädchen(schüchtern):„Nein, ein Liebesbrief." *—„Schau, dort geht der Sohn des Möbelhändlers Tischleim, der treibt gerade das entgegengesetzte Geschäft als wie sein Vater.“ —„Wieso denn?" —„Sehr einfach: der Alte versilbert die Möbel, der Junge vermöbelt das Silber.“ * Arzt(der spät Nachts zu einer Dame, einer unbedentenden Hautabschürfung wegen gerufen wurde):„Rasch, rasch, in die Apotheke um ein Pflaster!“ Dame(erschrocken):„Ist es so gefährlich?“ Arzt:„Das nicht, aber es könnte, bevor der Diener aus der Apotheke zurückgekehrt, geheilt sein.“ Haus= und Landwirthschaftliches. * Die Gebisse für Ackerpferde. Die besten Gebisse für Ackerpferde, schreibt Geh. Rat Dammann in der „Landwirtschaftlichen Tierzucht“, sind glatte dicke Trensengebisse mit Mittelgelenk. Glatt müssen sie deshalo sein, weil gewundene, eckige oder gar gezahnte Gebisse eine zu scharfe Einwirkung auf die Lippenhalter, Zunge und Laden ausüben. Diese mögen allenfalls als Nothülfe bei hartmäuligen Pferden am Platz sein, sonst aber nicht. Eine Dicke von 2 Centmr. ist deshalb erforderlich, weil derartige umfangreiche Gebisse von runder oder plattrunder Form den Druck auf eine größere Fläche verteilen und deshalb milder wirken. Dünne Gebisse übertragen bei dem Gebrauch den Druck auf einen schmalen Teil der Unterlage; ihre Wirkung ist eine empfindliche und die Gefahr, daß Verwundungen oder Quetschungen der Unterlagen eintreten, ist daher näherliegend. Sind die Gebisse aber dick, so macht man sie zur Verringerung der Schwere am besten hohl. Verletzungen und Einschnitte an der Zunge treten sehr leicht auch bei der Verwendung von Trensengebissen ohne Mittelgelenk ein, die immer etwas Starres haben und namentlich bei engen Laden oder großem Volumen der Zunge und besonders bei beiden zugleich die Zunge an Uebermaß belasten. Trensengebisse mit Mittelgelenk besitzen dieses Starre nicht und belasten die Zunge erheblich weniger. Aus diesem Grund entsprechen sie dem Zweck in viel höherem Grad. Ob das Gebiß daneben zweckmäßig noch eine mittlere Aufbiegung und eine seitliche Abneigung hat, hängt von der Beschaffenheit der Zunge, Laden und Lippenfalten im Einzelfall ab. Man kann im Allgemeinen nur sagen, daß es sich empfiehlt, auf die Aufbiegung und Abneigung Bedacht zu nehmen, weil ein gerades Gebiß bei dem Anzug vornehmlich die Zunge trifft und zur Beschädigung derselben leicht Veranlassung giebt. * Spinat für den Winter. Jetzt im September ist es die höchste Zeit, an die Aussaat der Spinats für den Winterbedarf zu gehen. Derselbe wird auf abgetragene Erbsenbeete und Gartenland, auf welchem Frühkartoffel gestanden haben, gesäet; die Beete müssen jedoch vorher mit kurzem verrotteten Dung gedüngt werden. Es empfiehlt sich, für den Winter eine größere Fläche zu besäen, da der Spinat in der kälteren Jahreszeit nicht so schnell wächst und geringere Mengen liefert. Gleich nach der Aussaat tritt man den Samen etwas ein, damit er fest in der Erde liegt und die aufgehenden Pflanzen im Winter nicht locker im Boden stehen, da dies ihrem Gedeihen wesentlich schaden würde. Bei warmer Witterung keimt der Spinat schon nach etwa acht Tagen. Wenn mit dem aufgehenden Spinat noch Unkräuter zum Vorschein kommen sollten, dann müssen diese, sobald der Spinat etwas herangewachsen ist, ausgejätet werden. Ist das Wetter im Herbste günstig, dann bestockt sich der Spinat vor dem Winter noch sehr gut und liefert während des Winters bis tief ins nächste Frühjahr ein sehr gesundes und schmackhaftes Gemüse für die Küche. Im Frühjahre, wenn der Spinat abgeerntet, dann wird das Land umgegraben und für Kohl, Gurken, Sellerie oder dergleichen Gemüse benutzt, wlche einen kräftigen Boden verlangen. * Aufbewahrung von Rübenblättern. Man bewahrt die Blätter der Zucker= und Futterrüben, die man nicht gleich verfüttern kann oder will, auf, indem man sie in Gruben einsäuert. Man packt die Rübenblätter in Gruben von 1½ Mir. Tiefe und 2½2 Mtr. Breite schichtenweise übereinander, indem man immer zwischen je 12 Ctm. Rübenblätter eine Schicht Stroh=Häcksel von etwa 5 Ctm. giebt, bis über der Erde das Ganze in einer Spitze endigt. Ueber eine etwa 2 Ctm. starke Häcksellage kommt dann eine Erdschicht von 0,5—0,8 Mtr. Dicke, deren etwa auftretenden Risse schnell wieder geschlossen werden müssen. Im Winter sind die Blätter säuerlich und können so verfüttert werden. — Vor Wasser, besonders vor Grundwasser, müssen die Gruben geschützt werden, indem man sie im Nothfall ausmauert und cementirt. Gowrader-Kadmah Westenhellweg 46. Dortmund. Westenhellweg 46. Verkauf gegen Baar zu Engros=Preisen. Aue Neuheiten der Gerrst u. Winker Satsrn sind in größter Auswahl eingetroffen. Regen=Mäntel, Winter=Mäntel, Rad=Mäntel, Kinder-Mäntel, Tricot=Taillen und Tricot=Kleidchen. Deutsche u. ausländische Kleiderstoffe. Wie allgemein bekannt, führen wir nur gute, gediegene und reelle Waare und verkaufen solche zu den denkbar billigsten Preisen. besonderer Anzeige. Maria Gockel Wilhelm Braekling Verkobte. Büren Merklinde im Oktober 1888. 4 Landwirthschaftlicher Kreis=Verein Dortmund. Wir machen dringend aufmerksam auf die Beachtung der Bestimmungen in den§ 11 und flad. unseres Statuts, nach welchen bestehen im Kreisvereine und in jedem Lokal=Vereine: 1. Vertrauens=Commissionen und Commissare: um der wucherischen Ausbeutung der Landwirthe entgegen zu wirken und den Vereins=Mitgliedern in geeigneten Fällen in der Ordnung ihrer Verhältnisse und in der Befriedigung ihres Credit=Bedürfnisses zur Seite zu stehen. 2. Schiedsgerichte, um herbeizuführen eine gütliche Verständigung bei Streitfällen, auch zu vermitteln Grenz=Regulirungen, Berichtigung von Wegegerechtigkeiten 2c. Der Vorstand v. Rynsch. Bekanntmachung. Diejenigen Mannschaften, welche im Jahre 1883 zur Ersatz=Reserve I. Klasse ohne Uebung designirt worden sind, werden hiermit aufgefordert, bei Vermeidung der im § 67 des Reichs=Militär=Gesetzes angedrohten Strafen, ihren Ersatz=Reserve=Paß behufs Ueberführung zum Landsturm I. Aufgebots dem Bezirksfeldwebel umgehend einzusenden. Diejenigen Mannschaften, welche nicht im Besitze eines Ersatz=Reserve=Passes sind, haben sich persönlich beim Bezirksfeldwebel zu melden. Dortmund, 11. Oktober 1888. Königl. Bezirks=Commando., Bekanntmachung. Dienstag, den 16. dss. Mts., Vormittags 9 Uhr, werde ich im Pfandlokal der Ww. Klein hierselbst 1 eichenen Glasschrank öffentlich meistbietend verkaufen. Castrop, den 12. Oktober 1888. Glaser, Volziehungsbeamter. Am 16. Oktober er., Nachmittags 3 Uhr, werde ich im Pfandlokale beim Wirth W. Kämper zu Holthauser=Landwehr 1 mischgebende Kuß öffentlich meistbietend gegen Baar verkaufen. Castrop, 12. Oktober 1888. Bergerhoff, Gerichtsvollieher. * 2 * * S. 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Würdenträgern d dem Thronsaal Papst dem Kaise Privatkabinett, n errichtet ist, unte Kaiser, den Papst Letzterer trat erst Kaiser und dem und einige ande dem Empfang st einen Besuch ab, und die St. Peter Gesandtschaft zur Des Kaisers wochenlang disku ist, das hat sich keit abgespielt. der jugenöfrische übergestanden un mit einander gehPersönlichkeit Pas Worthschätzung er den jungen Kaise Kaiser ist eine ti# Standpunkt aus welcher mehrere: des deutschen Vol frommer Mann, den Kaiser und d voraus zusehen, d Besuch im Vatika denn auch thatsé die Visite zur Eh hochangesehenen 1 dem zu seinem jü Fürsten aller chi Friedrich Zu Potsdan Rang und Name großen Könige de Unter allen des Königs auf einem ungewöhnli Da Friedric marschall zu sich, „Sagen Si Mann dort drübe „Ein berüh Schädellehre, der „Ah! Gall werde mich einm großen Rufes üb meinem Namen nehmen.“ Am nächsten wohlbesetzte Tafel ein Dutzend über den feinsten Toil men und eckigen „Nun, liebe diesem gewandt, allen diesen ann Knochenbau auf i Gall erhob fehl, und schickte brünetten Mannes zu betrachten.# schien der Arzt e#