„„ Ansseiger! Amtliches Ergan für drn Landgrrichtsbesten Vortmund. Redaktion, Druck und Verlag ** Wahrheit.— Gerechtigkeit.— Gemeinwohl. von Ph. Culbart in Castrop. Nro. 38. Erichen Bütmadt und Santant und deitel vierteljährlich in der Expedition 1 Mark, durch Boten Mark 1,10.— Illustr. Blätter 50 Pfg. Samstag, 12. Mai 1888. Jnfertiens- Gebahe: für die einspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfennige. Reclamen per Zeile 30 Pfennige. 14. Jahrg. Hom Kaiser. Aus dem Charlottenburger Schlosse erhielt das„Deutsche Tageblatt“ Mittwoch Abend folgenden Bericht: Se. Majestät fühlte sich Nachmittags leidlich wohl, nachdem er Mittags kurze Zeit das Bett verlassen hatte. Die am Vormittag staitgehabte Einführung einer neuen Kanüle ist kein besonderes Ereigniß. Es findet ein Wechsel der Kanüle in jeder Woche statt. Das Fieber stand Nachmittags auf 38,4 bis 38,5. Der Appetit und die Kräfte nehmen langsam zu. Die von Professor Lyden vorgenommene Untersuchung der Lungen ergab deren vollständige Gesundheit. Husten und Auswurf sind unverändert. Die Eiterung war Abends etwas stärker als am Tage. Das neue Zelt, welches aufgeschlagen ist, wurde verändert, weil es zu groß ist. Das Zelt ist gleichzeitig auch für die Kaiserliche Familie bestimmt. Mackenzie denkt daran, auf einige Tage nach London zu gehen. Der Kaiser bleibt vorläufig in Charlottenburg. Um 1 Uhr 5 Minuten kam der Erbprinz von Sachsen-Meiningen mit dem Prinzen Heinrich im Schlosse an. Um halb zwei Uhr sprengte der Kronprinz in den Schloßvorhof, er unterhielt sich eine Zeitlang mit dem Prinzen Heinrich, ohne abzusteigen. 2 Uhr 15 Min. kam Prinz Leopold an und erkundigte sich nach dem Befinden des hohen Patienten. 2 Uhr 35 Min. kam der Herzog von Ujest an. 3 Uhr 45 Min. fuhr Prinz Heinrich nach Spandau zur Jagd in Begleitung des Baron v. Usedom. Aebersicht. Deutschland. Am 6. Mai hatte Prinz Wilhelm, der älteste Sohn des Kronprinzen, sein 6. Jahr vollendet.„Hurrah, der vierte König!" telegraphierte am Tag der Geburt Kaiser Wilhelm, der Urgroßvater, an die glücklichen Eltern.— Am 6. Mai hatte Minister v. Puttkamer seinen 60. Geburtstag begangen, nicht grade gefeiert; denn er hatte ein paar Tage zuvor ein paar Schlachten im Landtag verloren. Dr. Mackenzie hat vielmals angesetzt, auf kurze Zeit nach England zu reisen, jetzt aber hat er seinen Entschluß für die nächste Zeit ganz aufgegeben, weil ihm der Zustand des Kaisers Friedrich zu schwankend ist. Bei dem Jahresbankeit der Akademie in London sagte Lord Salisbury, ganz Europa stehe schweigend am Krankenbett seines mächtigsten und bewundertsten Herrschers, des Kaisers Friedrich. Und der Prinz von Wales sprach die.deutsamen Worte:„Ich wünschte, es wäre mir möglich, bei dieser Gelegenheit größere Hoffnung auf Erhaltung des Lebens eines Mannes zu geben, der mir so nahe steht und mir so theuer ist, und dessen Leben nicht allein für sein eigenes Land, sondern, wie ich zu behaupten wage, für die Welt im Großen so werthvoll ist.“ In den Zeitungen macht augenblicklich eine in voriger Nr. auch von uns gebrachte Notiz des„Frankfurter General= Anzeigers“ die Runde, welche über eine angebliche Unterhaltung des Fürsten Bismarck mit„zwei hervorragenden Persönlichkeiten des Auslandes" Bericht erstattet. Danach hätte der Kanzler sich dahin ausgesprochen, daß keinerlei Friedensstörung ig nächster Zeit zu befürchten sei. Ec sei vollständig über die Absichten des Zaren unterrichtet und wisse, daß den Bogdanowitsch, Ignatiew und sonstigen panslavistischen Führern kein Einfluß auf die auswärtige Politik zugestanden werde. Den Boulangismus aber hätte unser Reichskanzler mit der Bemerkung abgefertigt, daß derselbe für Deutschland ohne Bedeutung sei. Dieser Bericht wird in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" entschieden dementirt. Das Blatt bemerkt:„Es werden dem Reichskanzler verschiedene Aeußerungen über die politische Lage in den Mund gelegt, die vollständig aus der Luft gegriffen sind. Ein Blatt schreibt, wenn die bezügliche Reporternotiz nicht wahr sei, so sei sie immerhin gut erfunden. Nicht einmal diese Stütze bleibt; die Erfindung ist in dem vorliegenden Falle für jeden anderen als den Unwissenden widersinnig und schlecht. Es ist nicht die Art des Fürsten Bismarck, seine Meinung auf Schleichwegen zum Markte der Oeffentlichkeit zu tragen. Wem ehrlich daran liegt, die Ansichten des deutschen Reichskanzlers über die heutige Lage kennen zu lernen, der suche sie in seiner Rede vom 6. Februar, aber nicht in unverbürgten, zu unlauteren Zwecken ausgebeuteten Zeitungsnetizen“. Aus Karlsruhe wird gemeldet: der Großherzog leidet an einer katarrhalischen Entzündung der Luftröhre, verbunden mit einem allgemeinen Erkältungszustand, welcher ihn nöthigt, zeitweise zu Bett zu bleiben, jedenfalls aber das Zimmer nicht zu verlassen. Die Königin der Niederlande hat für die Ueberschwemmten in Nord= und Ostdeutschland eine Gabe von 1000 Gulden, der Kronprinz von Dänemark den Betrag von 500 Kronen gespendet. Vom dänischen Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten sind dem Hilfskomitee 200 Kronen zugegangen. Auch die Schlesische Feuerversicherungs=Gesellschaft hat an die Ueberschwemmten gedachk und dem Oberpräsidenten v. Seydewitz 15000 Mark zur Verfügung gestellt. Herr Rudolf Hertzog in Berlin aber, der bereits 100000 Mark zur Vertheilung unter die Ueberschwemmten dem Kronprinzen Wilhelm zur Verfügung gestellt hatte, hat neuerdings dem Reichskanzler die Summe von 3000 Mk. übergeben, damit diese unter jene Soldaten vertheilt werde, die sich bei den Rettungsarbeiten in den Ueberschwemmungsgebieten besonders hervorgethan haben. Es wird einem ganz warm ums Herz, wenn man, wie neulich, im Londoner„Standard“ liest, wie das englische Volk voll von Bewunderung und Liebe für die deutsche Nation und seine Regierung ist. Dieser Umschwuag muß sich aber erst vor kurzem vollzogen haben. Im Jahr 1864 stand England auf Seite der Dänen und im Jahr 1866 auf Seite der Oesterreicher und machte aus beidem gar kein Hehl. 1870 stand zwar der englische Hof auf Seite Deutschlands, aber das englische Volk entschieden auf Seiten der Franzosen, denen es auch Waffen lieferte. Wenn also inzwischen eine Besserung in der Haltung unserer englischen Vettern Deutschland gegenüber stattgefunden hat, so ist das sehr anerkennenswerth, thatsächliche Beweise aber hat Deutschland noch keine erhalten. Vielleicht kommt es noch! Zahlreiche Artikel, die von Zeit zu Zeit in englischen Zeitungen auftauchen und vor deutschen Kommis und Lehrern warnen, von welchen England überfluthet werde, liefern den Beweis, daß es mit der Versicherung des„Standard“, unsere deutschen Landsleute würden alle mit offenen Armen in England aufgenommen, nicht so weit her ist, als glauben gemacht wird. Wir Deutsche wollen gern gute Freundschaft halten, möge aber das gute Einverständniß mit uns bei den Engländern eine etwas praktischere und handgreiflichere Form annehmen als seither. 40 Jahre Buße, fern vom Vaterland in Australien, man sollte meinen, in so langer Zeit müsse auch ein Steckbrief verjährt und verbüßt sein, der Steckbrief nämlich wider den ehemaligen Premierlieutenant Techow, der 1848 den Hauptmann von Natzmer überredet hat, das Zeughaus dem„Volke“ auszuliefern. Wie vieles ist in dieser langen, schicksalsreichen Zeit vergessen und vergeben worden! Es scheint auch nach Gerüchten, daß der Steckbrief zurückgezogen ist oder wird und daß Techow kein Hinderniß bereitet wird, in sein Vaterland zurückzukehren und Abschied zu nehmen. Oesterreich=Ungarn. Der Abg. Ritter v. Schönerer, das Haupt der antisemitischen Partei in Oesterreich, ist tief in die Tinte gerathen. Er hatte mit mehreren seiner Anhänger auf die erste Kunde vom Tod Kaiser Wilhelms, die allerdings falsch war, die Redaktion des„Wiener Tageblatts“ gestürmt, um dort„unter den Juden“ ein großes Strafgericht zu halten. Bei dieser Gelegenheit hat er sich ferner der Beleidigung der Wachmannschaften schuldig gemacht und für all die Frevel ist er nun zu 4 Monaten schweren Kerkers mit zwei Fasttagen im Monat und zum Verlust des Adels verurtheilt worden. Geistgrasser, sein einer Genosse, hat zwei Monate schweren Kerkers erhalten. Das Publikum demonstrierte nach der Verurtheilung für Schönerer und sang und spielte„die Wacht am Rhein.“ Italien. Der zweite deutsche Pilgerzug, etwa 250 Theilnehmer unter Führung des Fürsten Löwenstein, traf Mittwoch Abend von Asisi kommend in Rom ein. Die Pilger werden am Sonntag einer Messe beiwohnen, welche der Papst celebrirt. Nachmittags wird der Papst die Pilger empfangen. Rußland. Die Regierung in Rußland hat einen großen Schrecken gehabt. Von der Grenze wurde ihr gemildet, es gehen seit Jahr und Tag große Massen von Schriften ein, die kein Beamter und kein Zensor lesen kann. Was für gefährliche Ideen kann das Volapük in das heilige Rußland einschmugDie Ebenholzkiste. Erzählung von Jr. G. v. Wickede. Nachdruck verboten. Der„Polarstern war ein schönes Schiff, und jeder, der es sah, als es mit vollen Segeln in den Hafen von Madeira einlief, mußte seinen Bau und die Leichtigkeit, mit der es sich regieren ließ, bewundern. Es hatte eine schwere Reise von Rio de Janeiro gehabt, und die Reparaturen an der Schanzkleidung und am Bug machten einen Aufenthalt von mehreren Tagen nöthig. Der„Polarstern“ fuhr unter Hamburger Flagge und war eigentlich nicht auf Passagiere eingerichtet, doch nahm Kapitän Meyer, ein biederer, geselliger Mann, gern einige derselben an Bord, um eine bessere Fracht zu machen und„Jemanden um sich zu haben, mit dem er auch ein Wort sprechen könnte,“ wie er zu sagen pflegte.: Von Rio hatte er einen einzelnen Herrn mit seinem Diener mitgebracht, in Madeira nahm er noch, obgleich der Platz ein wenig knapp wurde, einen Herrn Namens Heger mit Frau und zwei jüngeren Damen in die Kajüte. Die Gesellschaft kam erst kurze Zeit vor der Abfahrt an Bord, und wie es meistens der Fall ist, herrschte in diesem Augenblick einige Verwirrung an Deck. Herr Heger hatte sich nur ungern dazu entschlossen, Passage auf einem Segelschiffe zu nehmen, indessen die im Verhältniß zu den englischen Dampfern billige Forderung des Kapitäns hatte ihn umsomehr dazu veranlaßt, da er bei kleinen Mitteln gezwungen war zu sparen. „Nicht dorthin!“ rief der Kajütenjunge, dem die Pflicht obzuliegen schien, in seinem Departement Ordnung zu halten, den Damen zu,„das ist dem Don seine Kambüse, und er mag es nicht, wenn man hineingeht.“ „Wer ist der Don?“ fragte eine der jungen Damen, etwas verletzt darüber, daß ein Herr mehr Recht beanspruchte als sie. „Der Herr dort mit dem hellen Strohhut,“ entgegnete der Knabe mit einer bezeichnenden Kopfbewegung nach der Seite des Quarterdecks hin.„Der ist so reich, wie der reichste Mann in Hamburg, und was er hier an Bord sagt, ist so gut als ob es der Kapitän selbst gesagt hätte. Auch wenn ich nichts von seinen Schätzen hätte wie die kleine Kiste von Ebenholz, die in seinem Raume steht, hätte ich schon genug, denn die ist mit lauter Gold und Diamanten gefüllt.“ Trotz des Hochmuths, den die junge Dame in reichlichem Maße zu besitzen schien, konnte sie doch nicht umhin, einen neugierigen Blick in der angedeuteten Richtung zu werfen und den nachlässig über die Schanzkleidung lehnenden großen hageren Mann mit dem ausdrucksvollen Gesicht und den dunklen schwärmerischen Augen zu betrachten. „Er ist mit uns aus Rio gekommen,“ fuhr der geschwätzige kleine Steward fort, als er so bereite Zuhörer fand, denen er sich von Anfang an gefällig zeigen wollte, um ihnen seine Ansprüche auf ein gutes Trinkgeld zu dokumentiren,„er muß ein Engländer sein— aber die Kiste sollten sie einmal sehen; die ist ganz von schwarzem Ebenholz und mit Silber beschlagen.“ „Weshalb nennt Ihr ihn den Don, wenn er ein Engländer ist?“ „Ich habe ihm den Namen nicht gegeben, die Matrosen nennen ihn eben so— vermuthlich, weil er so sehr reich ist. Er hat lange in Brasilien gelebt und dort Frau und Kind verloren— die Frau soll eine Spanierin gewesen und am gelben Fieber gestorben sein. Ob es sich aber so verhält, weiß ich auch nicht— die Matrosen munkeln so allerlei, was man nicht recht sagen kann. Zwei Leute, denen es gruselich war, sind schon von Bord gelaufen; aber der Kapitän—“ In diesem Augenblick begann der Kapitän in Gesellschaft des Herrn aus Brasilien den unterbrochenen Spaziergang von neuem, und als er der Damen ansichtig wurde, hielt er seine Schritte an. „Erlauben Sie mir, Fräulein Heger, daß ich Ihnen Ihren Reisegefährten, Herrn von Holsten, vorstelle,“ sagte er, nachdem er die Damen willkommen geheißen hatte. Auch sein Begleiter lüftete den Strohhut und sagte etwas wie:„sehr angenehm.“ „Ich heiße Frau von Kühlewein, Herr Kapitän,“" verbesserte die junge Dame mit einer auffallenden Betonung. „Ah so,“ entgegnete der Seemann,„bitte zu entschuldigen, ich glaubte, Sie seien Herrn Hegers Tochter.“ Ohne eine Erklärung über das Mißverständniß zu geben, schickte sich die junge Dame an, in die Kajüte zu treten, um sich mit ihren Reisegefährten über die Wahl der Kojen zu einigen. Ehe sie indessen die Schwelle des eleganten Gesellschaftsraumes überschritt, konnte sie nicht umhin, noch einen Blick in das ernste, dabei höchst gewinnende Gesicht des neuen Reisegefährten zu werfen, gleichsam, als ob sie sich dasselbe dauernd einprägen wollte. „Welche von den Kojen ziehst Du vor, liebe Cölestine?“ fragte die andere jüngere Dame. „Welche ist am bequemsten?“ lautete die Frage zurück. „Ich denke, diese hier ist die luftigere und größere.“ „So will ich mich für dieselbe entscheiden, Marie,“ entz gegnete die gnädige Frau, indem sie es Mariens Sorge überließ, daß die Effekten alle zur Stelle kamen. Vom besten Wetter begünstigt, stach das Schiff in See, und Tage lang sahen die Damen Herrn von Holsten nur bei den Mahlzeiten; die übrige Zeit verbrachte er in seiner Kambüse oder auf dem Verdeck. Je weniger sie indessen von ihm sahen, desto mehr sprachen sie von ihm und seiner Kiste, die er hinter den Vorhängen der oberen Koje seines meist verschlossenen Kabinets aufbewahrte. Die Hegers waren vor einem Jahre aus Schlesien nach Madeira gegangen, um womöglich das Leben eines brustkranken Sohnes zu retten, welcher demnächst Mitglied eines nicht geln. Sofort wurde ein hoher Beamter eingesetzt, der nichts zu thun hat, als Volapük zu lernen. Die Einführung des Repetirgewehres in der russischen Armee ist beschlossen. Bis die ganze Armee damit ausgerüstet ist, werden mindestens 2 Jahre vergehen. Lokales und Westfälisch-Rheinisches. Castrop, 11. Mai. Eine fast winterliche Kühlhat sich schon einen Tag vor den drei gestrengen Herren Mamertus, Pankratius und Servatius eingestellt. Daß es eben nicht friert ist alles, die Stubenheizung mußte aber wie der eingeführt werden, wie man auch den Winterüberzieher noch ganz gut gebrauchen kann. Ein schöner Wonnemonat das! Es ist schier zum verzweifeln mit dem Wetter in diesem Jahre. — Die gestern stattgefundene öffentliche Lossprechung von 9 Lehrlingen der Handwerker=Innung war die dritte öffentliche und in sofern von den anderen verschieden, als zum ersten Male die Gesellen=Diplome mit Prädikaten versehen waren. Die Prädikate waren„sehr gut",„gut" und„bestanden.“ Es hatten sich der Prüfung unterzogen 3 Schneider: Fritz Schürmann, Habinghorst; Peter Hühner, Ellinghausen; Heinrich Ruthmann, Bodelschwingh; 2 Schreiner: Wilhelm Eickhoff, Mengede; Wilhelm Brechtmann, Castrop; 2 Bäcker: Gustav Lähnemann, Bodelschwingh und Franz Peveling, Mengede; 1 Schuhmacher: Franz Geesmann, Castrop und 1 Schmied Th. Hovermann, Oestrich. Diplome erhielten 3 mit „bestanden,“ 5 mit„gut“ und ein einziger, der Schreiner Wilhelm Brechtmann, wegen sehr guter praktischer und vorzüglicher theoretischer Arbeit das Prädikat„sehr gut.“ Dieses erste Prädikat ist nicht allein lobend für den Prüfling, sondern auch für den Lehrmeister Diedr. Grafe bei Zeche„Graf Schwerin. Für diesen Winter ist große Ausstellung von Arbeiten sämmtlicher Innungsmeister, wie Gesellen und Lehrlinge beschlossen worden, wobei zugleich höchst wahrscheinlich neben der Lehr: lingslossprechung auch Meisterprüfungen vorgenommen werden. Sogar ein Gegner muß anerkennen, daß die Innung zum Wohle des einzelnen Handwerkers, wie auch zur Hebung des ganzen Standes rüstig voranschreitet; wünschen wir dasselbe auch für die Zukunft. — Der erste Bezirk des Bochumer Turngaues hielt gestern Nachmittag im Lueg'schen Saale unter Leitung des 1. Gauturnwarts, des um die Turnsache so sehr verdienten Herrn A. Neuland aus Baukau, eine Vorturnerstunde ab. Vertreten waren sieben Vereine mit einigen dreißig Turnern. Zuerst wurden Uebungen am Pferd, dann am Barren, später Aufmarsch und Freiübungen vorgenommen, denen sich dann später ein Kürturnen am Barren und den Schweberingen anschloß. Alle Uebungen wurden durchweg mit Geschick und Kraft ausgeführt. Sehr beschämend war es für unsere einheimische Turnerschaft, daß sie selbst bei dieser Vorturnerstunde nicht einmal vertreten war, denn unser Turnverein schläft leider schon lange und wird wohl auch noch weiter schlafen— als einzig Schlafender unter den vielen rüstig vorwärts strebenden Turnvereinen der westfälischen Mark. — Das Wachsthum unserer heimischen Städte tritt recht klar vor Augen, wenn man die bezüglichen Angaben aus dem Anfange dieses Jahrhunderts mit den heutigen Da: ten vergleicht. Z..: — Das landwirthschaftliche Ministerium hat für das hiesige Wettrennen 550 Mark bewilligt. unbedeutenden Majorats der Familie werden sollte. Zum großen Schmerze der Eltein, und noch mehr der Frau von Kühlewein, der Wittwe eines ehemaligen Militärs, der sein Vermögen in Homburg verspielt und sie ganz mittellos gelassen hatte, starb der junge Mann auf der Insel ohne die gehoffte Genesung gefunden zu haben. Jetzt kehrte die Familie in die Heimath zurück in all ihren Hoffnungen betrogen und fast aller Subsistenzmittel beraubt, denn Herr Heger hatte Jahre lang so fest auf das Majorat für seinen Sohn gegerechnet, daß er, ohne nur an einen solchen Ausgang zu denken, das kleine Vermögen, welches er besaß, daran gewendet hatte. Fräulein Marie, eine Tochter seines Bruders, war eine Waise, die er aus Berechnung mitgenommen hatte, da sie ein kleines sicher angelegtes Vermögen besaß, dessen Zinsen er als ihr Vormund in vorsorglicher Weise zu sich nahm. Dafür hatte er sie Demuth und Bescheidenheit gelehrt, und seine Frau und Tochter behandelten das schüchterne Mädchen mehr als eine Dienerin, denn als Verwandte. Allem Anscheine nach schien die Reise keine sehr günstige werden zu sollen, denn heftige konträre Wirde und häufiger starker Regen stellten sich, bald nachdem sie die Insel verlassen hatten, ein und ließen auf eine beschwerliche Fahrt schließen. Schon in den ersten Tagen glaubte Frau von Kühlewein, die von der Natur mit einer scharfen Beobachtungsgabe ausgestattet war, zu bemerken, daß sich unter der Schiffsmannschaft eine Unzufriedenheit, ein grollender Mißmuth kund gab, der in der Anwesenheit des Herrn von Holsten seinen Grund zu haben schien. Die weibliche Neugierde ließ ihr deshalb auch keine Ruhe, als bis der Abstand, der seither zwischen den Passagieren bestand, ausgeglichen und zu einer gewissen Vertraulichkeit umgeschaffen war. Die erste Folge davon war das häufigere Beisammensein der jungen Damen mit dem „Don“ auf dem oberen Deck, und Frau von Kühlewein benutzte jede Gelegenheit, die sich ihr darbot, um etwas von seinem Aufenthalt in Brasilien zu erfahren. In der That, sie hielt es für der Mühe werth, ihm oft, wenn sie des Pro— Im Jahre 1888 beginnt die erste zehnwöchentliche Uebung der Ersatzreserve 1. Klasse und zwar für die Infanterie und das Pionier=Bataillon am 23. August, für FußArtillerie am 1. September, für Train am 2. Juli, für Jäger am 23. August 1888. Merklinde, 9. Mai. Im Laufe des heutigen Vormittags wurde auf dem neuen Schornstein der Ringofenziegelei Castrop die schwarz weiß=rothe Fahne aufgehißt, wohl zum Zeichen, daß nunmehr die Anlage dem Betriebe übergeben werden könne. Kurz nach Mittag sahen wir denn auch schon dem Kamin dicke Rauchwolken entsteigen, so daß bis zum 24. d. Mts. die ersten Steine des neuen Werkes zu erwarten sind. Da das vorhandene Erdematerial von ganz besonderer Vorzüglichkeit und der Ringofen nach dem neuesten und bewährtesten System angelegt ist, so werden die produzirten Steine auch von bester Qualität sein. Bei der lebhaften Nachfrage nach guten Steinen in unserer baulustigen Gegend wird es dem neuen Ringofen an Absatz nicht fehlen. Ort und Umgegend aber hat mit dem Ringosen eine industrielle Anlage gewonnen, welche vielen Familien Arbeit und Verdienst giebt. Darauf daß es der Ringofen=Ziegelei Castrop niemals an Absatz mangeln möge ein frohes„Glückauf!“ Der Provinzialrath der Provinz Westfalen hat genehmigt, daß fortan in Wanne, Kreis Gelsenkirchen, allmonatlich am letzten Dienstage ein Viehmarkt abgehalten wird, im Monat Dezember jedoch an dem in die Zeit vom 9. bis 15. dieses Monats fallenden Dienstage. Einen schrecklichen Tod erlitt ein auf der Hermannshütte in Hörde beschäftigter Arbeiter. Derselbe gerieth zwischen den Gießkrahnen und einen beladenen Schlackenwagen und wurde auf diese Weise buchstäblich zerquetscht; der Tod trat sofort ein. Der Verunglückte war kaum 22 Jahre alt. In einer Nacht der vorigen Woche brachen Diebe in das Postamt zu Hösel und stahlen ca. 700 Mark. Im Laufe des Oktober wird vom Gartenbauverein eine Obst=Ausstellung für den ganzen Regierungsbezirk unter dem Protektorate des Herrn Regierungspräsidenten von Rosen zu Arnsberg im Schützenhofe zu Soest veranstaltet werden. Diese Ausstellung sollte schon im Vorjahre stattfinden, doch wurde sie durch den dürren Sommer vereitelt. Das Konzert, welches vor kurzem zum Besten der Ueberschwemmten von den vereinigten Männerchören in Münster gegeben wurde, ergab einen Reinertrag von 810 Mark. Die üble Gewohnheit, Nadeln in den Mund zu nehmen, brachte das Mädchen des Werkmeisters K. in Bünde in Lebensgefahr. Das Mädchen war damit beschäftigt, Wäsche aufzuhängen und schluckte eine hierbei zu verwendende Nadel hinunter. Den Bemühungen des schnell herbeigerufenen Arztes gelang es durch Verordnung geeigneter Mittel, die Nadel nach ungefähr 24 Stunden wieder zum Vorschein zu bringen und so die Leichtsinnige vor großen Schmerzen zu bewahren. Möge das doch anderen zur Warnung dienen. Ein in Düsseldorf wohnendes Ehepaar feiert in diesem Monat sein 25jähriges Ehejubiläum und mit ihnen als treuer Diener durch alle Jahre ein am Hochzeitstage gekauftes Brotmesser. Ueber die Massen des von diesem Messer verschnittenen Brotes stellt jemand folgende Berechnung an. Das Messer ist während der 25 Jahre täglich gebraucht worden. Da die Familie durchschnittlich aus 6 und 7 Personen bestand und rechnet man den täglichen Verbrauch der Familie auf ½ Schwarzbrot, so ergibt sich, daß in den 25 Jahren nicht weniger als 4562½ Brote konsumiert sind. Da ein halbes Schwarzbrot zirka 20 Ztm. lang ist, so würden die Brote aneinandergereiht eine Länge von 1825 Meter, oder ungefähr zwei Kilometer oder einen Raum von 26,28 Kubikmeter einnehmen. Rechnet man den Preis eines Brotes zu 60 Pfg., so hat die Familie in den 25 Jahren die hübsche Summe von 2737 Mk. 50 Pfg. an Brot verausgabt. An Gewicht würden die Brote rund 36500 Pfund oder 365 Zentner betragen und somit ca. 4 Eisenbahn=Waggons füllen. Da die höchste Kirchthurmspitze Düsseldorfs ca. 200 Fuß hoch menirens müde, unter dem Zeltdach Schutz suchten gegen die mitunter noch heiße Herbstsonne, förmlich den Hof zu machen, denn die verschiedenen Schilderungen, die sie bei passender Gelegenheit wiederholt von dem kleinen Steward über die Vermögensverhältnisse des Nabob, und besonders über den Inhalt seiner Ebenholzkiste erhielt, machten den für eine schöne Frau gewiß entschuldbaren Wunsch in ihr rege, ihn zu fesseln. Es war ihr selbst nicht zu gering, den Diener ihres Reisegefährten an sich zu ziehen und ihn durch allerlei Geschenke zu veranlassen, sie einmal einen Blick in das Kabinet seines Herrn thun zu lassen. Der brave Wilhelm versäumte dabei natürlich nicht, von der Schönheit und dem Werthe der dar in enthaltenen Diamanten zu erzählen, und erwähnte namentlich eines Schmuckes, den die verstorbene Gattin bei der Hoch zeit getragen hatte. Derselbe mußte nach seiner Berechnung zum mindesten zehntausend Piaster werth sein. Cölestine schwamm es vor den Augen, wenn sie solche Details vernahm, und sie war fest entschlossen, die ganze Macht ihrer Schönheit und Liebenswürdigkeit zu entfalten, um das Herz des Mannes zu gewinnen, der seine Gattin mit solchen Schätzen schmücken konnte. Die Kiste hatte eine eigenthümliche ungefällige Form, so schön auch die erhabenen Zierrathen darauf— die Matrosen, welche sie mit des Dons Effekten an Bord geschafft hatten, sagten, sie gliche einem Sarge, und hatten allerlei verfängliche Reden darüber, so oft sie durch ihren Beruf die Kajüte betreten mußten, um zu dem unter derselben brfindlichen Raum zu gelangen. Cölestine lachte über die abergläubischen Leute. „Ich würde, ich weiß nicht was zum Opfer bringen,“ sagte sie eines Tages zu dem zweiten Steuermann,„wenn ich den Deckel lüften und einen Blick hinein thun könnte.“ „Na,“ erwiderte der junge Seemann,„Sie haben viel Courage; wenn man mir morgen anböte, ich sollte Kapitän dieses Schiffes werden, unter der Bedingung, daß ich in jener ist, so würde man aus den Broten etwa 25 Kirchthürme dieser Höhe errichten können. Das Messer ist mit der Firma C. W. Plümacher bezeichnet, welcher es gewiß zum Ruhme gereicht, derartige Gegenstände fabriziert zu haben. Prinz Heinrich von Preußen traf Donnerstag Abend 8 Uhr 47 Min. in Essen ein, und wurde vom geh. Kommerzienrath Krupp und zwei Marineoffizieren empfangen. Er fuhr sofort nach der Villa Hügel. Eine große Volksmenge begrüßte ihn mit großem Enthusiasmus. Die seit einigen Monaten in Essen eröffnete Privatpost ist eingegangen, indem der Unternehmer verschwunden ist und die Briefkästen abgenommen wurden. Viele Verkaufsstellen von Werthzeichen, die noch Vorrath haben, werden, da dieselben vorausbezahlt sind, dieser Beträge verlustig gehen. Ein glücklicher Sturz aus der Höhe der dritten Etage, wie man selten einen desgleichen zu verzeichnen hat, kam an einem Neubau in Barmen vor. An dem massiven Gebäude sollte die nach Westen gelegene Giebelwand angestrichen werden, wozu ein Flaschenzuggerüst angebracht wurde, welches an einem Schornstein befestigt wurde. Nachdem dasselbe von zwei Gehülfen bestiegen war und dieselben eben mit der Arbeit begonnen hatten, brach der Schornstein zusammen, infolgedessen das Gerüst mit den beiden Gehülfen in die Tiefe auf einen Haufen Ziegelsteine stürzte. Merkwürdigerweise haben beide Gehülfen nur unbedeutende Verletzungen davongetragen, so daß nur einer der ärztlichen Hilfe bedurfte. Ein Brandunglück, durch welches leider letzten Sonntag eine Frau ihren Tod gefunden und welches wiederum zur Vorsicht mahnt, passierte Samstag Abend in Elberfeld. Eine an der Karlsstraße wohnende Wittwe war krank geworden und wollte ihre Tochter deshalb bei der Mutter wachen. Aus diesem Grunde hatte sich das Mädchen ein Bett auf dem Fußboden gemacht und die brennende Petroleumlampe neben dem Bett auf einen Stuhl gesetzt. Plötzlich wurde das Mädchen durch Hilferufe der Mutter geweckt und sah, als es erwachte, alles um sich in hellen Flammen. Das Mädchen hatte die Geistesgegenwart, sofort die explodierte Lampe durch ein Fenster auf den Hof zu werfen und gelang es auch, die in Brand gerathenen Mobilien in kurzer Zeit zu löschen. Die Mutter des Mädchens hatte jedoch einen solchen Schreck bekommen, daß sie Sonntag Morgen um 11 Uhr gestorben ist. Der Fall ist um so trauriger, da vergangenen Dienstag die Hochzeit des Mädchens sein sollte. Es kommt auf einen guten Einfall an und wenn zwanzig Gelehrte sich die Köpfe zerbrochen haben, kommt der einundzwanzigste plötzlich mit dem Ei des Columbus. Als Beispiel erzählt der Wochenplauderer der„K. Vztg.“ folgendes: Stand da dieser Tage ein feiner Herr in Köln am Ufer des Rheines und ergrübelte, was wohl die beiden DD, welche auf den Kaminen eines Dampfers sich befanden, bedeuten sollten. Könnt Ehr dat nit erus kriggen, Här?“ fragte ein Geländerritter.„Nein, wissen Sie es vielleicht?"„Jja, dat heisch:„Do Döppe!“ Ein Kürassier in Deutz, welcher noch zehn Monate Festungshaft zu verbüßen hatte, aber infolge des kaiserlichen Gnaden=Erlasses aus der Festungshaft entlassen worden war, ist nach zweitägigem Aufenthalt in der Kaserne desertiert. Die Strafkammer in Coblenz verurtheilte zwei junge Leute, welche in öffentlichen Anlagen Pflanzen muthwillig zerstört hatten, zu 6 Monaten, bezw. 14 Tagen Gefängniß. Von der Badewanne. Breslauer Blätter erzählen folgende köstliche Geschichte: Im vorigen Sommer enthielt ein bayerisches Blatt ein kleines Inserat, welches folgenden Wortlaut hatte: Badewannen, Fabrik Spezialität. Jed. Größe, jed. Form. Zur Erh. d. Gesundheit unerläßlich. Preiscour. vers. grat. ., Fabrik für Klempnerwaaren, Breslau. Leider mußte Herr., der Spezialsabrikant für Badewannen, die Erfahrung machen, daß die Menschheit von heute ihre Gesundheit in leichtsinniger Weise vernachlässigt, denn Kambüse schliefe, ich würde sicherlich die Beförderung ablehnen und lieber bleiben, was ich bin.“ „Waren Sie lange in Brasilien?“ fragte Frau von Kühlewein einst ihren Reisegefährten, als die sämmtlichen Passagiere mit Ausnahme der Frau Heger, die fortwährend von der leidigen Seekrankheit geplagt ward, auf dem Quarterdeck beisammen saßen. „Nahezu zwölf Jahre,“ lautete die Antwort. „Zwölf Jahre! Das ist ja beinahe ein halbes Menschen lehen, und doch nur eine kurze Frist, um ein Vermögen zu erwerben, wie es Ihnen gelang.“ „Die Umstände haben mich etwas begünstigt— meine Mutter war eine Spanierin und ihr Bruder, der noch in Rio lebt, leistete mir Vorschub. Durch ihn ward ich auch mit meiner Frau bekannt, deren nicht unbeträchtliches Vermögen mir nach ihrem Tode zufiel.“ „Ich sollte meinen, daß Ihre Gattin früh gestorben sein muß, denn Sie selbst sind doch kaum vierzig Jahre," bemerkte Herr Heger, der glaubte, er müsse auch etwas sagen. „Dafür hält man mich, indessen bin ich erst fünfunddreißig Jahre alt.“ „Ihre gute Frau starb vermuthlich am gelben Fieber?“ fragte Cölestine, bestrebt, etwas Weiteres über seine Verhält: nisse zu erfahren. „Sehen Sie, wie die Möven dem Schiffe folgen,“ rief Hölsten sich erhebend, ohne auf die Frage zu antworten,„ich fürchte wirklich, daß wir morgen wieder schlechtes Wetter be kommen werden.“ „Man nennt diese Vögel nicht umsonst Sturmvögel,“ erklärte Herr Heger, setzte aber etwas hartnäckig hinzu:„Ist Ihre Frau schon lange todt?“ „Verzeihen Sie, Herr Heger,“ entgegnete Holsten, indem er sein Fernrohr zur Hand nahm,„diese Unterhaltung ist mir peinlich— wie viel Elastizität doch ein solcher Vogel in den Schwingen haben muß.“ (Fortsetzung folgt.) der Bestellungen, die infolge des Inserats auf Badewannen einglengen, waren nur sehr wenige. Eines Tags aber kam aus Aschaffenburg folgendes Schreiben: Ew. Wohlgeboren benachrichtige ich hiermit, daß ich geneigt wäre, für meinen Haushalt einige Badewannen von Ihnen zu beziehen. Aber aus praktischen Gründen kann ich das erst thun, wenn ich in Breslau bin. Ich gedenke nämlich dorthin überzusiedeln. Sie haben wohl auch die Güte, mir auf solgende Frage Auskunft zu ertheilen:„Wie sind in Breslau die Wohnungsverhältnisse? Was zahlt man ungefähr für eine Wohnung von fünf oder sechs Zimmern und Zubehör im ersten oder zweiten Stock, und in welchem Stadttheil ist dort die Luft am gesündesten?“ Ihnen im Voraus für Ihre Gefälligkeit dankend, zeichne Hochachtungsvoll Xaver Schmidt. Unser Badewannen=Fabrikant war natürlich gern bereit, seinem künftigen Kunden die gewünschte Auskunft zu ertheilen. Freilich konnte er das nicht so ohne weiteres. Er mußte selbst durch die Straßen laufen, überall Erkundigungen einziehen u. s. w. Aber was thut ein Geschäftsmann heutzutage nicht alles! Einige Tage später sah sich Herr K. in den Stand gesetzt, Herrn Schmidt über die Breslauer Wohnungsverhältnisse ausführliche Auskunft zu ertheilen. Herr Schmidt bedankte sich höflichst für die Auskunft, und machte in einem zweiten Schreiben dem Fabrikanten die erfreuliche Mittheilung, daß auch Herrn Schmidts Schwiegereltern nach Breslau überzusiedeln gedächten, und alsdann gleichfalls ihren Bedarf an Badewannen bei Herrn K. decken würden. Das Schreiben schloß mit den Worten: Ich würde Ihnen überaus dankbar sein, wenn Sie mir auch eine passende Wohnung in passender Gegend für meine Schwiegereltern empfehlen könnten. Es genügen drei Zimmer mit Zubehör; doch bitte ich, darauf zu achten, daß diese Wohnung nicht in demselben Stadttheil sein darf, wie die meinige. Auch müssen die Fenster des Schlafzimmers durch Läden verschließbar sein. Hochachtungsvoll Xaver Schmidt. Diesmal wurde der Badewannefabrikant schon verdrießlich. Er schrieb, daß er trotz eifrigen Suchens eine Wohnung in verlangter Beschaffenheit für die geehrten Schwiegereltern nicht habe finden können, und sandte einige Zeitungsausschnitte mit, welche Wohnungsangebote enthielten. Herr Schmidt ließ mit der Antwort nicht lange warten. Er bedankte sich in freundlichster Weise für die Bemühungen des Herrn., theilte ihm mit, daß er sich sofort mit mehreren Hauswirthen in Verbindung gesetzt habe, und daß die Uebersiedelung schon in nächster Woche erfolgen werde. Vorerst aber hätte er nochmals eine kleine Bitte. Er schrieb nämlich: Bitte, würden Sie wohl so freundlich sein, mir noch einen oder mehrere Rektoren der Mittelschulen aufzugeben, damit ich mich behufs Anfragen an sie wenden kann. Sind die Mittelschulen dort ein Zwischending der Realschulen und der geringen Bürgerschulen? Oder, bitte, wie ist das Verhältnis? Und möchten Sie mir auch sagen(genau!), wie hoch die städtische Steuer für 300 Mark Einkommen ist? Auch für Kapitaleinkommen(wegen meiner Schwiegereltern.) Betreffs der=Wohnungen waren Sie so freundlich, anzuführen, daß überall Wasserleitung ist; in den Inseraten steht aber nichts davon. Wie kommt das? Ohne Wasser wird keine Wohnung genommen! Giebt's denn dort auch Ungeziefer? Wanzen? Oder laufen auf den gemauerten Herden die Schwaben herum? Als ich in Breslau auf Besuch war, Eade der fünfziger Jahre (ich stamme nämlich aus Ostpreußen), da hatte man eiserne Kochmaschinen in den Küchen; jetzt sollen dort gemauerte kleine Oefen mit Kochplatten sein. Ist das allgemein so? Wo wird denn gewaschen? In der Küche? Oder ist Waschküche und Trockenboden da? Wird dort viel Steinkohle gebrannt? Wie theuer ist dort der Zentner? Und wie stellt sich die böhmische Braunkohle? Brennt denn bei wenig Holz die Steinkohle gut an? Das Holz soll dort sehr theuer sein. Hier kauft man einen Zentner klein gehacktes Buchenholz für 12 bis 13 Silbergroschen. Wollen Sie mir gefälligst auf diese Fragen antworten, und mir auch mittheilen, wie ich mich in Breslau zu verhalten habe, wenn ich am Bahnhof ankomme? Und wie wird sich überhaupt die Sache machen, wenn ich hinkomme? Ich bin noch ganz fremd dort. Hochachtungsvoll Xaver Schmidt. P. S. Eine Badewanne kaufe ich ganz bestimmt. Nachdem Herr K. den sechs Seiten langen Brief überflogen hatte, setzte er sich empört an sein Pult und schrieb: Mein werther Herr Schmidt! Da ich keine Zeit habe, Ihnen auf alle Ihre Fragen zu antworten, so beschränke ich mich auf die letzte. Sie fragen, wie sich das machen wird, wenn Sie nach Breslau kommen. Ich kann es Ihnen ganz genau sagen: Am Bahnhof wird Sie der Herr Oberbürger= meister an der Spitze sämmtlicher Stadtverordneten in Amtstracht erwarten, Sie feierlichst begrüßen und Ihnen auf silberner Platte den Bürgerbrief präsentieren. Ihr Hauswirth wird natürlich das Haus bekränzen lassen und Ihnen eröffnen, daß Sie für die ersten 3 Jahre freie Wohnung; haben. Selbstverständlich erhebt der Magistrat auch für die ersten 3 Jahre keine Steuer von Ihnen, Sie bekommen im Gegentheil eine jährliche Gratifikation von 500 Mark. Ueberall, wo Sie hinkommen, wird man Sie gerührt empfangen und Ihnen alle Ehre erweisen, aber wenn Sie zu mir kommen, kriegen Sie ein paar gewaltige Ohrfeigen, Sie unverschämter Mensch! Mit Hochachtung Herr Xaver Schmidt war jedoch nicht der Mann, der sich eine solche Beleidigung gefallen ließ. Er antwortete Herrn K. in gerechter Entrüstung, daß er nunmehr auf die Badewanne verzichte, daß er ihn aber wegen Beleidigung verklagen werde. Das that er denn auch und das Breslauer Schöffengericht verurtheilte, nachdem es Einsicht in den sonderbaren Briefwechsel genommen hatte, Herrn K. zu 10 Mk. Geldbuße. Vermischtes. * Auf dem Amtsgericht in Frankfurt a. M. hatte ein Mann den Manifestationseid zu leisten. Unter den Aktiven führte er seine Frau mit sieben Kindern auf. Der Richter bemerkte lächelnd, Frau und Kinder seien keine Aktiven sondern Passiven!„Keine Aktiven?“ erwiderte der Manifestane,„dann sind Sie gewiß nicht verheirathet, denn eine Frau mit so viel Kindern sind sehr aktiv.“ Als der anwesende Gläubiger diesen Aktivbestand hörte, verzichtete er auf die Ableistung des Offenbarungseides. * Dem Fabrikanten Krepp in Frankfurt a. M. hatte ein Angestellter, Namens Altheimer, die Summe von 100000 Frcs. unterschlagen und war flüchtig geworden. Krepp war dem Defraudanten nachgereist und hatte ihn in Palermo(Italien) auch bereits erreicht. Der Verfolgte entzog sich jedoch seiner Festnahme durch Selbstmord, den er durch einen Sturz von einem Felsen ausführte. Durch die Aufregung wurde das Gemüth des Herrn Krepp dermaßen erschüttert, daß er wahnsinnig wurde. *„Mein Herr“, schrich ein hoher Beamter in München an seinen Hausherrn,„ich finde den Miethpreis meiner schönen Wohnung den Verhältnissen und jetzigen Preisen nicht mehr entsprechend und werde Ihnen daher von heute an 200 Mark jährlich mehr zahlen." Der Hausherr nahm aber das Briefchen fast übel und schrieb zurück:„Es bleibt beim Alten, ich gehöre nicht zu den Haustyrannen und Steigerern um jeden Preis. Basta.“ Ganz München ist auf dem Marsch, um den weißen Raben kennen zu lernen. * Altdeutsche Sprüche. Denke frei und wolle gut, handle treu mit festem Muth! Allzeit traurig ist beschwerlich, allzeit fröhlich ist gefährlich, allzeit glücklich ist betrüglich, Eins ums andre ist vergnüglich. Nachgeben und vergeben läßt friedlich leben. Bei dem Hülfskomitee für die Ueberschwemmten betragen die Gesammteingänge 3034000 Mark. Unter Hinzurechnung der Eingänge bei anderen Sammelstellen kann die bis jetzt zur Verfügung stehende Summe der freiwilligen Beiträge auf 3¼ Millionen beziffert werden. Weitere Gaben stehen noch in Aussicht. Namentlich tritt Süddeutschland mit seiner Opferwilligkeit mehr in den Vordergrund. Wie groß die Noth ist, erhellt aus folgendem Briefe des Apothekers Förster aus Thiergarth:„Im Zentrum des Ueberschwemmungsgebietes gelegen, fehlt mir ja nicht die Anerkennung für die großartige Wirksamkeit des Hülfskomitee's, aber leider leiden sie an der menschlich n Schwäche— die sich nicht selbst melden, kriegen nichts — und dies sind oft die Allerbedürftigsten, während die Zudringlichen drei= und vierfach bekommen. Ich bin beinahe 50 Jahre Apotheker und 28 Jahre Besitzer der hiesigen Apotheke, kenne Leute und Gegend also sehr genau und muß Ihnen gestehen, daß ich in meinem langen Leben von solchem Unglück und Elend keine Ahnung gehabt und Auswärtige sich wohl kaum eine annähernde Vorstellung davon machen können. Trotz aller schönen Sanitätsvorschriften der Gesundheitspolizei ziehen die Leute, wenn das Wasser in Ställen und Zimmern erst halb abgelaufen, in die modrigen, sumpfigen und übelriechenden Wohnungen zurück, das Ueberschwemmungswasser wird als Trinkwasser benutzt, weil kein anderes vorhanden, und die Leute sind froh, wieder ihre eigene Heimstätte zu haben, wo sie mit der Familie ihr Haupt ruhig nach Angst, Kummer und Schrecken hinlegen können. Man spricht wohl von Baracken,— aber wohl erst dann, wenn Fieberepidemie und Typhus als Würgengel unter der unglücklichen Bevölkerung umherziehen und reiche Ernte halten. Für die Ueberschwemmten an der Elbe, Nogat, Weichsel und Warthe gingen bei uns ein: Herr I. Becker, Sandweg, 2 Mi. 1441 828 Weitere Gaben nimmt gern entgegen die Expedition des „Castroper Anzeigers“. Ueber die zweite von uns dem Herrn Oberpräsidenten übermittelte Sendung ging uns nachstehende Quittung zu: Indem ich hiermit bescheinige, den von Euer Wohlgeboren zur Linderung der Noth im Ueberschwemmungsgebiete eingesandten Beitrag von sieben und dreißig Mark empfangen zu haben, spreche ich für diese Spende zugleich meinen wärmsten Dank aus. ich für viese exrner oro. p. Hagemeister. Auf unsere große Auswahl fertiger * Vamen-Confection wie Amhange, Promenades, Jaquettes, Fichus, Kinder= und Regen=Mäntel, ferner auf unsere elegante fertige Herren=Garderobe wie * Anzüge, Joppen, Hosen, Ueberzieher, Kinder=Anzüge machen wir besonders aufmerksam, wie auf Große Posten Gardienen, Kleiderstoffe, Bettzeuge, Federn u. s. w. Der Verkauf geschieht, wie bekannt, zu streng festen, billigsten Preisen. Anfertigung nach Maaß geschieht unter Garantie guten Sitzens. Ger Westenhellweg 46. ader Kathmah DORTMUND, Westenhellweg 46. Bochum, Gelsenkirchen, Essen, Langenberg-Eiberteiu. Bekanntmachung. Mit Genehmigung des Herrn Landraths des Landkreises Dortmund vom 30. April cr. hat der Gemeinde=Empfänger und Schulkassen=Rendant Herr Klosterkötter hierselbst den Kassengehülfen Herrn Peter Schnitzler zu seiner vollständigen Vertretung mit Vollmacht versehen. Castrop, 4. Mai 1888. Der Amtmann Müller=Tolfs. Eine von 2 Zimmer nebst Keller und Stall am 1. Juni zu vermiethen. Wo sagt die Expedition. Bekanntmachung. Samstag den 12. Mai 1888 Mittags 12 Uhr sollen an der Behausung der Eheleute Jacob Schwedt zu Börsinghausen bei Castrop 1 Schrank, 1 1 Kuh, 1 Kalb1 Schwein, 1 Haufen zwangsweise gegen gleich baare, Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden. Casparz Gerichtsvollzieher in Dortmund. Fste. Süßrahmbutter 10 feine Tafeldutter e ree .50 Mark „ Alpenbutter.50 reine Natur=Waare netto 9 Pfd. franco gegen Nachnahme. Hermann Scheuffele Am Dienstag, den 15. Mai er. Vormittags 9 Uhr werde ich im Pfandlokale beim Wirth Herrn Herdieckerhoff bier 1 Glasschrank, 1 Kleiderschrank, 1 Tisch, 1 Nachttischchen, 1 Spiegel, 3 Binsenstühle öffentlich meistbietend gegen Baar verkaufen Castrop, 11. Mai 1888. Pascich. 9 Aride. C5. Friearichie, We, •„ S 70/6 Anserligung romptetter=Ausstenern auf eigener Werrstalt. Größtes Lager. Als außrrst billig empfrhlt zu noch nir vugrwesenen Preisen! Komoden Glasschränke Pultschränke Tische Eimerbänke Hängebänke Binsenstühle Kinderstühle Kleiderschranke Nachtspinde Waschtische Bettstellen Waschtomoden v. Mrk. 18.00 an 24.00 36.00 .00 * * 9 * *0 * * * 9 * * * * * * * * 90 *0 * * * * .00 .75 .80 .20 18.00 .50 .50 12.00 18.00 *0 * *9 * * * *0 * * * 99 9 99 9 * Spiegel v. Mrk..00 an Sprungfedermatratzen 16.00 Sopha 36.00 Causeusen 50.00 Kinderbettstellen 11.00 „ mit Matratze 20.00 Eine 2schläfr. Bettstelle mit Matratze 27.00 Kinderwagen 12.00 Nohrsessel.50 sowie alle übrigen Möbel und Polsterwaaren zu den billigsten Preisen. Eichene Wohn= und Schlafzimmereinrichtungen, * * * Großes Lager in eichenen u. tannenen Särgen zu noch nie dagewesenen Preisen. Todtenhemde für Kinder v. 50 Pfg. an do. für Erwachsene„ 120 fein garnirt. Trauerkränze, Sträußchen, Handschuhe u. s. w. in größter Auswahl. Wunsch Anfertigung nach Zeichnung in allen 9 9 auf Ferner fertige ich als Spezialität: Stilen unter langjähriger Garantie. Auch halte stets großes Lager in hochseinen Vertikows, Sekretaire, Servanten, Schreibtische, Ausziehtische, Büffets, Kleiderständer Salonspiegel, Consolen, Servirtische u. s. w. zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 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Den geehrten Bewohnern von Castrop und Umgegend mache ich die Mittheilung, daß ich mich für alle Wäsche= und Bügelarbeiten bestens empfehle. Frau Wittwe Koch Biesenkampstr. 31. Freiwillige Defeuernehr abe die Praxis wieder aufgenommen. Waltrop, d. 8. Mai 1888. Fr. Langenkamp Thierarzt 3372 Gew. Sa. 375000 M. Dienstmädchen gesetzten Alters, kath., welches die Hausund Gartenarbeit übernimmt, auf sofort gegen guten Lohn gesucht. Von wem sagt die Expedition. Castrop. Sonntag den 13. d. Mts. Nachmittags 5 Uhr Gesammt=Uebung, Antreten am Geräthehause. 8 Uhr General-Versammlung. Tages=Ordnung. 1. Zahlung der Beiträge, 2. Wahl der Delegirten zum Verbandsfeste, 3. Anmeldung zur Betheiligung an dem Verbandsfeste und Beschlußfassung über die Art und Weise der Betheiligung 2c. Der Hauptmann. Bahnhof Castrop(Stadt). Capeten und Parden zu billigen Preisen bei H. Reinhardt. Ein möbl. Zimmer mit Frühstück, ist gleich oder später an einen Herrn zu vermiethen. Näheres in der Expedition dieses Blattes. Am Sonntag den 13. Mai er. Nachmittags 4½ Uhr General=Versammlung der Schweine: Versicherungslade im Vereinslokale bei Wirth Fr. Auweiler Münsterstraße. Tagesordnung. 1. Zahlung von Auflagegelder à Schwein 50 Pfg. 2. Neuwahl eines Vorsitzenden, 3. Neuwahl eines Taxators für Chaussee, Castroperholz und Habinghorst, 4. Vereinsangelegenheiten. N8. Um zahlreiche Betheiligung, besonders der Herren Taxatoren wird ersucht. Der Vorstand. J. A. Auweiler. Wirthe=Versammlung Donnerstag den 17. Nachmittags 5 beim Kollegen H. Lamdertz in Obercastrop Der Vorstand. Redaktion. Nro. 39. Se Moj. d eine sehr gute 9 Die Eiterung läf Appetit. Se. M und etwas Gebär mit dem Sofa, statt. Die Aerzte sehr befriedigend Unterstützung in Regierungsangele und war seitens halt im Zelte ger umgewandelt. Dr. Mackenz und unterhielt sic sehr eingehend. Die Stimmr Wendung zum B. Dauer der Kran Verstimmung in so rasch weichen Linie noch einer darf. Darum sin das Bestreben ger fördern, daß dem wird. Hält der f lich auch die Witt ersehnten Genuß sich der tröstliche in dem tückischen stande sein werde Tage, Wochen, i Wohlbefindens ode schwergeprüften Fi Die Kaiserin Sie geht im Kran Fußspitzen nahend wechselt leise einige sieht dann persönl Speisen. Die Kai Gemahl dieses ode sich nimmt. Sie Muß sie sich entfe ist am frühen Mor wie beim Beginn Di Herr Heger empfindet, daß er dessen zu wenig Gegenstand überz warum nennen diIhnen reden?“ „Da müssen Holsten lächelnd, mit dem dieselben Heger verstat den sie annehmen, mit sich führen ka Cölestine blich silianers, welcher „Wer sagt steinen mit mir fü „Die Leute widerte Cölestine. Diese Worte Holsten hervorge Wittwe nicht entgi kich eine plötzliche virklich der Fall, enn als er sie Augen anblickte, sp Büge ab. „Scherz bei ort,„enthält die