„„ . Redaktion, Druck und Verlag Nro. 54. Amtliches Ergan für ven Landgrrichtsbesten Vortmund. *4 Wahrheit.— Gerechtigkeit.— Gemeinwohl. Samstag 7. Juni 1883. von Ph. Culbart in Castrop. Erscheaint Miutwochs und Sanstags und kostel vierteljährlich in der Expedition 1 Mark, durch Boten Mark 1,10.— Illustr. Blätter 50 Pfg. Insertions=Gebähr: für die einspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfennige. Reclamen per Zeile 30 Pfennige. 9. Jahrg. Abonnements=Eintäbung. Wir laden hiermit zum Abonnement auf den„Castro= per Anzeiger“. Jedermann freundlichst ein und ersuchen unsere alten Abonnenten und Freunde um gütige Empfehlung unseres Blattes. Der„Castroper Anzeiger“ bringt stets das Neueste und Wichtigste sowohl aus dem Amte Castrop und umliegenden Aemtern und Städten, wie auch aus dem übrigen deutschen Vaterlande und der ganzen Welt überhaupt. Der„Castroper Anzeiger“ ist in ca. 1500 Exemplaren in den Aemtern Castrop, Herne, Lütgendortmund, Stockum, Langendreer, Datteln, den Landkreisen Dortmund, Bochum, Recklinghausen u. a. m. verbreitet und empfiehlt sich daher ganz besonders zur Verbreitung von Anzeigen aller Art. Bestellungen auf den„Castroper Anzeiger“ für das 3. Quartal 1883 werden von unsern Boten, von den Postanstalten, sowie in unserer Expedition in Castrop fortwährend entgegengenommen. Landbriefträger sind angewiesen, Zeitungs=Bestellungen sowie die Zahlung dafür entgegenzunehmen. Achtungsvoll Expedition des„Castroper Anzeiger.“ Politische Aebersicht. Deutschland. Berlin, 3. Juli. Nach der„Nordd. Allg.“ wenden die deutsche Reichsregierung und die preußische Regierung den bedrohlichen Nachrichten über das Auftreten der Cholera in Egypten gemeinschaftlich die ernsteste Aufmerksamkeit zu. Es sollen unverweilt Eommissionen der betheiligten Ressorts unter Hinzuziehung des Reichsgesundheitsamts zusammentreten, um diejenigen Vorbeugungsmaßregeln zu erwägen, welche geeignet erscheinen, dem Einbruch der verheerenden Seuche in unser Vaterland zu steuern. — Nach der jetzt fertiggestellten Rednerliste hat in der letzten Session des Reichstags Eugen Richter nicht weniger als 350 Mal das Wort ergriffen. Ihm zunächst kommt Windthorst, der 198 Mal sprach. Auffallend weniger sprachen Hänel und Schorlemer=Alst, die nur 27 resp. 26 Mal das Wort ergriffen. — In Sachen der Erstreckung des Armenrechts auf rückständige Gerichtskosten hat der Finanzminister bestimmt, die vor Bewilligung des Armenrechts für die betreffende Instanz auf den Namen der armen Partei bereits zum Soll gestellten Kosten auf die Anträge der Gerichtsschreibereien sodleich derinitiv niedergeschlagen sind, ohne daß es noch eines 20) Reichthum und Name. Novelle von Mary Dobson. „Ich bedaure, Herr Baron,“ erwiderte der Kaufmann, von Ihrer Gastfreundschaft nur bis diesen Abend Gebrauch machen zu können. Ich wollte noch nach W. zurückfahren, um morgen mit dem ersten Zuge meine Reise fortzusetzen!“ Es trat eine augenblickliche Pause ein, die der Baron unterbrach, indem er sagte: „Sie freuen sich wohl, nach so langer Abwesenheit wieder einmal in der Heimath zu sein?“ „Das thue ich, Herr Baron, obgleich auch das Reisen für mich große Reize und vielen Nutzen gehabt. Ein Kaufmann muß die Welt sehen und selbst Verbindungen anknüpfen!“ sich wahrlich schade, Herr Kranzler, daß mein Onkel nicht hier ist, sonst müßten wir unbedingt nach Eberstorff fahren, und Sie hätten dann keine Aussicht, unter ein paar Tagen fortzukommen!“ „Wie meinen Sie das?“ fragte lächelnd der Kaufmann. „Mein Onkel ist nämlich ein passionirter Reisender und er kennt keinen höheren Genuß, als sich mit Menschen zu unterhalten, die in den Ländern und Erdtheilen gewesen sind.“ „Es würde mir ein großes Vergnügen gewähren, ihm vom Orient zu erzählen, doch sagen Sie, Ihr Onkel sei nicht hier——“ „Er ist seines Leberleidens wegen in Carlsbad, gedenkt aber die Kur nur kurze Zeit zu gebrauchen!“ Die Unterhaltung der drei so nahe verwandten Menschen, die sich jedoch gewissermaßen fremd und förmlich gegenüber standen, wurde in den verschiedenen Wegen des Gartens sortgesetzt, bis endlich die junge Frau vorschlug, sich ins Haus zu begeben, da die Theestunde herangekommen war. Die Herren kamen ihrer Aufforderung nach und während sie ins Haus ging, den dustenden Trunk zu bereiten, führte noch der Freiherr seinen Schwager auf dem Gutshof umher, um ihm die verschiedenen zur Landwirthschaft gehörenden Gebesonderen Nachweises über die dauernde Zahlungsunfähigkeit des Schuldners bedarf. Sind den Steuerbehörden jedoch Thatsachen bekannt, deren Geltendmachung die Entziehung des Armengeldes zur Folge haben würde, oder ist begründete Aussicht, daß die zum Armenrecht verstattete Partei künftig zum Nachzahlen der Kosten imstande sein werde, so bleibt es dem verantwortlichen Ermessen der zuständigen Behörden überlassen, nur die einstweilige Abstandnahme von der Einziehung der Kosten oder die vorläufige Niederschlagung derselben anzuordnen. Berlin, 28. Juni. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung steht die dritte Berathung des Schulversäumnißgesetzes. Adg. Windthorst erklärt sich entschieden gegen das Gesetz. Cultusminister v. Goßler erklärt, daß er in allen wesentlichen Punkten entgegengesetzter Ansicht ist(Zustimmung links). Er halte die Entwickelung unseres preußischen Schulwesens für eine absolut gesunde und so lange er auf diesem Platze stehe, werde er auf diesem Standpunkte verharren und ihm Geltung zu verschaffen suchen. Abg. Dr. Wagner steht auf dem Standtpunkte des Ministers und hält sich für verpflichtet, die Angriffe des Abg. Windthorst auf den allgemeinen Schulzwang zurückzuweisen. Abg. Dr. Windthorst erwidert, daß auch er den Wunsch habe, die Kinder müssen etwas Tüchtiges lernen; aber er verbleibe dabei, daß die Schule eine andere geworden, als zur Zeit der Einführung des Schulzwanges. Seit der Aera Falk sei das ganze Volksschulwesen in Preußen corrumpirt worden(Widerspruch links). Es sei eine Tyrannei, wenn man die Eltern zwinge, ihre Kinder in Staatsschulen zu schicken, die nach der jeweiligen Phantasie der verschiedenen Minister geleitet werden. Abg. Dr. Reichensperger(Köln) warnt vor Hyperbeln, die von rechts und links herüberkämen. In England bestehe kein Schulzwang, es bestehe dort eine freie Schule, aber trotzdem seien die Engländer ein gesundes wirthschaftlich kräftiges Volk. Die Abgg. v. Tiedemann(Labischin) und v. Eynern sprechen im Sinne des Abg. Zelle. Ersterer spricht seine Verwunderung darüber aus, daß Herr Windthorst in einem Augenblicke neue Forderungen aufstelle, wo man soeben dabei sei, den katholischen Mitbürgern zum Frieden zu verhelfen. Die Vorlage wird hierauf mit einem Antrage Bergenroth angenommen, welche derselben den strafrechtlichen Charakter nimmt.— Cultusminister v. Goßler erklärt, daß dieser Beschluß das Gesetz gefährde. Gegen die Gesammtabstimmung protestirte Abg. Windthorst mit Rücksicht darauf, daß ein abändernder Beschluß vorliegt. bäude zu zeigen, die zur Sommerzeit zum Theil leer waren. Als bald nachher sie im Wohnzimmer erschienen, wartete am Theetisch schon Helene— zum ersten Mal als Hausfrau— auf sie, eine schöne und anmuthige Hausfrau, was die Blicke beider Männer ihr sagten, die mit nicht zu verkennbarer Bewunderung jeder ihrer Bewegung folgten. „Das ist doch die erste gute Tasse Thee, die ich seit langer Zeit getrunken,“ sagte Richard Kranzler, mit Behagen den heißen, aromatischen Trank schlürfend, während der Baron mit offenbar eben so großem Genuß den seinigen trank. „Die Theebereitung im Morgenlande sagt uns Europäern nicht zu——“ „Und doch ist der eigentliche Thee dort besser, als hier,“ bemerkte Helene. „Das ist er in der That und ich habe einige Kisten mitgebracht. Die eine ist für Greifenberg bestimmt—“ „Und wird um so willkommener sein, wenn Sie sie selbst bringen, Herr Kranzler,“ sagte zuvorkommend der Baron. „Ich werde mir erlauben, Ihrer Einladung Folge zu leisten, Herr Baron,“ erwiderte der Kaufmann,„muß aber, um heute von hier sorzukommen, noch Ihre Güte in Anspruch nehmen, da ich keine Postpferde bekommen konnte—“ „Es gewährt mir Freude, Ihnen darin dienen zu können. Bestimmen Sie nur die Zeit, wann Sie fahren wollen, und ich werde Sorge tragen, daß die Pferde frühzeitig zu Hause sind!“ „Man fährt nicht lange bis., eine Stunde; wenn ich also um halb zehn Uhr ausbreche—“ „Dann kommen Sie früh genug—“ „Ich habe das Abendessen halb neun Uhr angeordnet,“ bemerkte die junge Frau. „So will ich mich Ihnen bis dahin empfehlen,“ erwiderte der Freiherr sich erhebend,„denn ich habe noch nothwendige Anordnungen für morgen früh zu treffen,“ und sich leicht gegen die Anwesenden verbeugend, verließ er das Zimmer. Die Geschwister folgten seinem Beispiel und begaben sich Berlin, 30. Juni. In seiner heutigen und letzten Sitzung erledigte das Haus den Rest seiner Arbeiten. Nachdem das Mandat des Abg. Hahn für erloschen und das des Abg. Seiffardt(Crefeld) für ungültig erklärt worden, beschäftigt sich das Haus mit Petitionen. Eine Petition der Stadt Deutsch=Krone um Uebernahme der dortigen Baugewerkschule in die staatliche Verwaltung wird der Staatsregierung zur Berücksichtigung überwiesen. Der Präsident gibt sodann die übliche Geschäftsübersicht, welche er mit dem Wunsche schließt, daß die Arbeiten der langen Session dem Lande von einigem Nutzen sein mögen. — Abg. v. Bockum=Dolffs spricht unter Beifall des Hauses dem Präsidenten und den Vicepräsidenten den Dank für die unparteiische Leitung der Geschäfte aus, und mit einem Dank für die Unterstützung des Hauses, welche ihm sein Amt leicht gemacht, schließt der Präsident die Sitzung um 2 Uhr bei 24 Grad Wärme. Berlin, 2. Juli. Um 1 Uhr traten die Mitglieder beider Häuser des Landtages unter dem Vorsitze des Herzogs von Ratibor im Sitzungssaale des Abgeordnetenhauses zur Schlußsitzung zusammen. Der Vicepräsident des Staatsministeriums, von Puttkamer, verlaß diesAllerhöchste Ordre d. d. Bad Ems, 27. Juni, durch welche die beiden Häuser des Landtages der preußischen Monarchie am 2. Juli d. I. geschlossen werden, worauf der Präsident mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser die Sitzung um 1 Uhr 5 Minuten schließt.— Nach dem„D. Tgbl.“ begibt sich heute, Montag Nachmittag, Fürst Bismarck auf kurze Zeit nach Friedrichsruhe, von wo er, wenn keine Verschlimmerung seines Leidens eintritt, in's Bad zu reisen gedenkt. Darmstadt, 30. Juni. Bei einer am 25. d. M. im hiesigen Schlosse abgehaltenen Galatafel proclamirte der Großherzog von Hessen die Verlobung seiner ältesten Tochter, der Prinzessin Elisabeth von Hessen, einer Enkelin der Königin Victoria, mit dem Prinzen Ludwig von Battenberg, dem in englischen Diensten stehenden Sohne des Prinzen Alexander von Hessen. Der Bruder des Bräutigams ist der Fürst von Bulgarien. Aus Sachsen, 27. Juni. Die Schuhmachermeister des ganzen Voigtlandes sind in Lengenfeld zusammen gewesen, um Stellung zu dem im August d. J. zu Berlin stattfindenden Schuhmachertage zu nehmen. Als Hauptübelstände bezeichneten sie den Handel mit Schuhwerk in den Leihgeschäften und bei Trödlern, das Betreiben des Gewerbes durch nicht berufsmäßige Personen, dann das Hausirgewerbe. — Sorgenvoll blickt heute das gesammte Europa gen Osten, woher eine beängstigende Kunde kommt. Ein Feind droht von dorther in die Fluren des Abendlandes einzubrechen, dem kein kriegsgeübtes Heer Widerstand leisten, den nicht Kanonendonner und Gewehrfeuer zurückschrecken kann. in der tropichen geboren, schreitet er, immer in die Gemächer der jungen Frau, wo diese am liebsten verweilte, und kaum hatte sich die Thür hinter ihnen geschlossen, als sie ihren Bruder ernst und dringend fragte: „Jetzt, Richard, sage mir Deine Meinung über den Baron. Wie gefällt er Dir als— als Schwager?“ „Als Schwager glaube ich, daß wir einmal wahre Freunde werden könnten, denn er hat auf mich den Eindruck eines offenen, rechtschaffenen Charakters gemacht, dessen zwar sehr verzeihlicher Hauptfehler wohl von jeher sein Adelsstolz gewesen. „Ist das Deine ganze Antwort, Richard?“ „Ich habe Deine Frage beantwortet, Helene; was aber Dich und ihn anbetrifft, da habe ich keine Ansicht, sondern verweise Dich, wie Du selbst es thust, auf die Zukunft. Ich denke und fühle nicht wie Dein Gemahl, sondern mein Geschick wird einmal durch einen Blick entschieden, und ist erst die Liebe in meinem Herzen geweckt, so muß sie mein werden, die sie zu wecken verstanden und wenn ich sie in einem hochadeligen Hause angetroffen habe!“ „Und ist das bisher noch nicht geschehen, Richard?“ fragte die Freiherrin, überrascht durch die Heftigkeit ihres Bruders. „Ich gebe Dir die Antwort, wenn ich wiederkomme, Helene. Jetzt aber laß mich einmal Deinen Gesang und Dein Spiel hören; bei Deinen ungewöhnlichen Anlagen hast Du es darin gewiß zu einiger Vollkommenheit gebracht!“ Nachdenklich setzte sich die junge Frau ans Instrument, als aber ihre Finger die Tasten berührt, da wac sie zu sehr Künstlerin, um nicht mit allen ihren Gedanken bei der Musik zu sein. Sie trug ihrem Bruder einige seiner früheren Lieblingslieder vor, spielte darauf mehrere ihm noch unbekannte Piecen, und als sie ein ergreifendes„Lied ohne Worte“ beendet, stand er an ihrer Seite und rief mit nicht zu verkennender Bewunderung: „Wahrlich, Helene, Du hättest eine Künstlerin werden müssen!— Mit diesem Talent und Deiner Persönlichkeit wäre Ruhm und Ansehen Dir reichlich zu Theil geworden!“ „Ich bin nicht ehrgeizig,“ entgegnete ruhig die junge — wachsend, unfaßbar, unbesiegbar vorwärts. Die Cholera ist ausgebrochen. Wie fast immer, befindet sich ihre Wiege dort, wo die muhamedanische Welt sich an den heiligen Stätten ihres Glaubens versammelt, um in Mekka und Medina an dem Grabe des Propheten zu beten. Dort, wo eine entnervte, von Strapazen erschöpft, ungenügend ernährte Menschenmasse unter einem tropischen Klima eine Lebensweise führt, welche den ersten Anforderungen der Reinlichkeit und Gesundheitspflege widerspricht, wird die verheerende Seuche groß gezogen. Die in ihre Heimath nach den Gestaden des Mittelmeers zurückkehrenden Pilger tragen den Krankheitskeim in sich, sie verbreiten die Ansteckung unter ihren gesunden Volksgenossen in der Heimath. Egypten namentlich ist die Uebergangsstation, an welcher von jeher die Seuchen des Morgenlandes durch das Völkerthor am goldenen Horn den Eingang nach Europa gefunden haben. Um so besorgnißerregender sind die Meldungen des Telegraphen, nach welchen die Epidemie bereits in Damiette und Alexandrien, in den großen Handelsstätten des Nildeltas wüthet. Durch die Erfahrung gewitzigt haben die europäischen Großstaaten ihren Widerwillen gegen gemeinsame Veranstaltungen überwunden und eine internationale Gesundheitscom= mission geschaffen, welche die epidemischen Verhältnisse des Orients stets im Auge behalten und nöthigenfalls die erforderlichen Schutzmaßregeln gegen Einschleppung der Epidemien nach dem Abendlande treffen muß. Naturgemäß können diese Schutzmaßregeln sich nur auf die Einrichtung einer strengen Quarantaine erstrecken, bei welcher aus dem Orient einlaufende Schiffe erst dann in einen europäischen Hafen einlaufen dürfen, wenn genügende Zeit verflossen ist zur Feststellung, daß die Besatzung des Schiffes gesund, eine Ansteckung von ihr nicht zu befürchten ist. Es ist unvermeidlich, daß unter solchen Maßregeln die Verkehrs= und Handelsinteressen erheblich leiden, namentlich in denjenigen Ländern, deren Verbindungen mit dem Orient besonders lebhafte sind, wie dies besonders bei England mit seinen indischen Colonien der Fall ist. Selbstverständlich müssen die materiellen Interessen denen der Gesundheit weichen. Das erfordert nicht nur die Humanität, daß ist ein Gebot der Selbsterhaltung für die Völker Europas. Um so befremdlicher ist es, wenn jetzt, sicherlich von berufener und unterrichteter Seite aus, die Beschuldigung gegen England erhoben wird, ihm falle die Verantwortung für die Thatsache zu, daß in diesem Augenblick der unheimliche asiatische Gast an die Thore des Abendlanlandes klopft. Die internationale Sanitätscommission, heißt es, habe ihre Schuldigkeit gethan, sie habe rechtzeitig die erforderlichen Schutzmußregeln gegen Einschleppung der Epidemie getroffen, aber England habe sich denselben nicht gefügt, weil es seinen Verkehr mit Indien nicht einschränken lassen wollte. Es wird Sache der englischen Staatsmänner sein, ihre Regierung gegen diese Beschuldigung zu vertheidigen. Hamburg, 1. Juli.(Erstes allgemeines deutsches Kriegerfest.) Der Festgruß der Festzeitung beginnt mit den Worten:„Nun schmücke Dich mit Deinen schönsten Kränzen, Hammonia, laß Deine Fahnen weh'n. Und Hammonia hat sich geschmückt: alle Hauptstraßen prangen im reichsten Flaggenschmuck. Der stundenlange Weg, den der Zug passirt, ist zu einer einzigen Via triumphalis umgestaltet. Freilich, das Grün ist unter den heißen Strahlen der Sonne bald verblaßt: aber die Schmückung ist doch gemacht, ist da. Unzählige Häuser und Läden zeigen mehr oder weniger gelungene Inschriften. Selbst in Nebenstraßen, die durchaus keine Aussicht haben, einen Abglanz des Festes wiederzustrahlen, herrscht Festfreude, wehen Fahnen, ringeln sich Guirlanden. Seit vier Tagen eigentlich ist in den Straßen Festlärm. Vorgestern und gestern, als die tausende der Gäste eintrafen, waren die Plätze vor den Bahnhösen überfült. Frau,„und mein Spiel ist nur für mich und meine Umgebung. Aber wie ists mit Dir? Hast Du im Morgenlande die Musik geübt?“ Richard Kranzler nahm den von seiner Schwester verlassenen Platz ein und spielte aus dem Gedächtniß einige wunderbar schöne Phantasien, von denen er erzählte, daß er sie öfter in Ostindien gehört habe. Er wollte auch noch ein französisches Lied vortragen, als der Diener erschien und das Abendessen meldete. „So spät ist's schon?“ sagte Helene.„Dann schlägt ja auch gleich gleich die Abschiedsstunde von Dir— doch ich freue mich unaussprechlich, daß ich Dich heute gesehen, und eben so sehr, daß ich Dich wieder daheim weiß!“ „Ich kehre bald zu Dir zurück, geliebte Schwester, und verlasse Dich heute ohne alle Sorgen,“ und ihren Arm nehmend, führte er sie in das Eßzimmer, wo schon der Baron anwesend war. Sie nahm ihren Platz neben den beiden Herren ein und kam gewandt und umsichtig ihren Pflichten als Hausfrau nach. Das Gespräch wandte sich eine Weile den verschiedenen Gutsarbeiten zu, bis Richard Kranzler bemerkte: „Greifenberg ist wohl ein großes und fruchtbares Gut, Herr Baron?“ „Sie hätten nur noch hier bleiben sollen, Herr Kranzler, und es sich ansehen—“ „Sie kennen die Gründe, weshalb ich heute nicht kann und haben mein Versprechen, daß ich binnen Kurzem wieder kommen werde!". 4 „Du wirst dann wahrscheinlich zur Erntezeit hier sein“, bemerkte Helene. „Die auch Ihnen noch neu ist, gnädige Frau,“ fügte##d ihr Gatte hinzu. „In großem Maßstabe wenigstens, gleich allen andern ländlichen Arbeiten!“ Jetzt fuhr der Wagen vor, die kleine Gesellschaft erhob sich und von seiner Schwester gefolgt, begab sich Richard# Kranzler nach seinem Zimmer, um sich zur Reise zu rüsten, während sein Diener schon sein Gepäck besorgt hattte. Alsa Aber so viel Trubel ist, so viel Menschen unterwegs sind: es wickelt sich alles glatt ab und, als gestern Abend der Zapfenstreich die ersten Festklänge laut werden ließ, war bei der größten Betheiligung seitens des Publikums immerhin die : größtmögliche Ruhe. Der Empfang, den die Gäste fanden, war der herzlichste. Der Bootcorso auf der schönen Alster unterblieb, weil man befürchtete, daß es bei der voraussichtlich sehr großen Betheiligung des Publikums Unglücksfälle abgeben könnte, hatten die Theilnehmer Muße, behaglich ihre Wohnung aufzusuchen und sich dann die im Fest= und Sonntagsglanze leuchtende Stadt anzusehen. Der heutige Morgen brachte nach der Reveille zunächst die Erinnerungsfeier an die Gebliebenen. Herr Holzapfel hielt an dem bekränzten Kriegerdenkmal eine warm empfundene Ansprache, in der er hauptsächlich dem Gedanken Ausdruck gab, daß es immerfort das Bestreben der Kameraden sei, für Wittwen und Waisen zu sorgen. Es waren auch die Spitzen der Civil= und Militärbehörden anwesend. Dann begann das Leben und Treiben auf den Plätzen, auf welchen der Festzug Aufstellung nahm. Wegen seiner ungeheuren Ausdehnung war dieselbe keineswegs leicht. Erst um 1 Uhr konnte sich der Zug in Bewegung setzen und erst um 5 Uhr hatten seine letzten Ausläufer den Festplatz erreicht. Wien, 2. Juli. Graf Chambord leidet seit drei Wochen an Verdauungsbeschwerden und ist sehr stark abgemagert. Die Natur seiner Krankheit ist noch nicht festgestellt. Nach dem„Tagebl.“ leidet Graf Chambord an hochgradiger Herzverfettung. Er befand sich gestern sehr schlecht. Am letzten Freitag consultirte er die Professoren Billuoth und Drasche aus Wien. Wien, 4. Juli. In Betreff der Krankheit des Grafen Chambord steht eine neue Consultation der Aerzte bevor. Dieselben sind besonders wegen der außerordentlichen Schwäche des Patienten besorgt, der seit drei Tagen fast nichts gegessen hat, sehr schwerhörig ist und äußerst wenig spricht.— Der Graf von Paris, die Herzöge von Alencon und Nemours, Graf Harcourt und Kapitän de Morhain sind heute früh aus Paris hier eingetroffen und reisen nach Frohsdorf. Triest, 30. Juni. Der morgen hier aus Alexandrien eintreffende Lloyddampfer ist überfüllt. Die Lloydagentur in Alexandrien bestellte telegraphisch drei Dampfer für Transport von Personen, welche der Cholera wegen die Flucht ergriffen haben. Belgien. Brüssel, 29. Juni. In der Nähe der Stadt ward auf erfolgte Denunciation eine verborgene Destillerie aufgefunden. Der Steuercontroleur drang nebst einigen anderen Beamten in eine geheime Brennerei ein und sie constatirten durch Zeugen und Bücher, daß ein in Steuersachen wenig delicater Industrieller den Staat tagtäglich seit zehn Jahren um 400 Francs beeinträchtigte. Die Geldstrafe, in welche dieser unehrliche Destillateur verfallen wird, beziffert sich nach Millionen.— Die unglückliche Exkaiserin Charlotte von Mexiko befindet sich gegenwärtig im Schloß Buchot bei Brüssel, wo sie wöchentlich mehrere Male den Besuch des belgischen Königspaares(König Leopold ist bekanntlich ihr Bruder) empfängt. Im nächsten Monat vollendet sie ihr 43. Lebensjahr; ihr Haar ist vollständig gebleicht. In ihrem Befinden ist insofern eine Besserung eingetreten, als die Wuth= anfälle vollständig aufgehört haben und ihr Iirsinn die Form einer stillwehmüthigen Melancholie angenommen hat. Sie spricht gegenwärtig fast nur deutsch, liebt lange Spaziergänge in dem großen Park und widmet ihre meisten Stunden dem Klavierspiel. Trotzdem ist keine Aussicht auf Wiederherstellung ihres zerrütteten Seelenzustandes vorhanden. er wieder auf dem Korridor erschien, traf er daselbst seine Schwester in Hut und Mantel, die, seine Ueberraschung gewahrend, sagte: „Es ist ein so herrlicher Abend, Richard, daher will ich Dich bis W. begleiten. Ich habe Deine Gesellschaft dann noch eine Stunde länger——“ „Ein vortrefflicher Einfall, Helene,“ entgegnete erfreut der Bruder,„wie lange auch sind wir nicht zusammem gefahren.“ Im Hausflur angelangt, blickte der Freiherr einigermaßen überrascht auf seine Gattin. Diese jedoch kam seiner Frage zuvor und sagte: „Ich begleite meinen Bruder, Herr Baron, auf der guten Landstraße wird keinerlei Gefahr für mich sein——“ „Nicht die geringste, gnädige Frau—“ und der Baron half seiner Gattin Platz nehmen und verabschiedete sich darauf von seinem Schwager, der sogleich ihr folgte. Dann sprang auch der Diener auf den Bock, der Kutscher trieb seine Pferde an und in wenigen Minuten war das Fuhrwerk in der eintretenden Dämmerung den Augen des Nachschauenden entschwunden. Dieser aber war der Baron, der noch lange sinnend und nachdenkend am Fenster stand und die letzte Vergangenheit an seinem geistigen Auge vorüberziehen ließ. Ob er sich dann die Zukunft ausmalte an der Seite eines schönen, hochbegabten, zärtlichen Weibes, das er glühend liebte und dessen Liebe er gleichfalls gewonnen?“ Wie lange er am Fenster seines Wohnzimmers gestanden, wußte er kaum, plötzlich aber ward er in seinem Sinnen burch das Rollen eines Wagens gestört, der näher kam und auf den Gutshof einbog. Bald erkannte er vier Pferde, es waren also seine Mutter und Schwestern, er trat vom Fenster zurück, sein Gesichtsausdruck, der eben so weich und mild gebesen, veränderte sich schnell, und ernst blickten seine Augen, als er hinausging, um sie in Empfang zu nehmen. Die Baronin schien sehr erfreut, ihren Sohn und ihn allein zu sehen, denn seinen Arm nehmend, schritt sie mit Paris, 4. Juli. Der Zustand des Grafen Chambord ist nach dem letzten Bulletin noch immer sehr bedenklich; die Schwäche ist außerordentlich und die beunruhigenden Symptome dauern fort. Die Aerzte haben wenig Hoffnung.— Das Gerücht, daß die Prinzen von Orleans die Publikation eines Manifestes in Erwägung genommen hätten, wird für unbegründet erklärt. England. James Carey ist von Dublin abgereist, hat sich aber nicht, wie man glaubte, nach einem überseeischen Hafen eingeschifft, sondern seine Schritte nuch England gewandt, wo er, wie es heißt, unter einem andern Namen ein Geschäft zu betreiben gedenkt. Amerika. New=York, 30. Juai. Auf Befehl der Auswanderungscommission sind mehrere aus Irland ausgewanderte mittellose Familien heute nach Irland zurückgesandt worden. — Bei einem Zusammenstoße zweier Arbeiterzüge auf der Northern=Pacific=Bahn, in der Nähe von Helena(Montana) wurden 18 Chinesen sofort getödtet und 25 schwer verletzt. Locales und Provinzielles. f Castrop, 5. Juli. Am Dienstag den 10. ds. Mts., Abends gegen 7 Uhr, wird der Hochwürdigste Bischof Franz Caspar in unserer Stadt eintreffen. Hochderselbe wird um 5 Uhr Nachmittags von Hörde abfahren und seinen Weg über Dorstfeld— Lütgendortmund— Merklinde nehmen. Der Kirchen=Vorstand und die Gemeinde=Vertretung in corpore werden den hohen Gast in Merklinde, an der Grenze der Pfarrgemeinde Castrop, begrüßen und nach Castrop begleiten. Der kirchliche Empfang durch die Geistlichkeit, Engelchen 2c. findet vor dem St. Rochus=Hospitale statt, von wo der Hochwürdigste Herr in Prozession zur Kirche und von da nach Beendigung der kirchl. Empfangs=Ceremonien und nach Spendung des bischöfl. Segens zur Wohnung des Herrn Dechant Lohmann geleitet wird. Am Mittwoch den 11. und Donnerstag den 12. Juli werden die Firmlinge der Pfarrgemeinde Castrop gefirmt, und zwar am Mittwoch Diejenigen, welche in den Jahren 1873, 1874, 1875, 1876, 1877, 1878 und früher zur ersten heil. Communion geführt sind, dagegen am Donnerstag Diejenigen aus den Jahren 1879, 1880, 1881, 1882 und 1883. Am Samstag den 14. Juli werden die Firmlinge aus Lütgendortmund und am Montag den 16. Juli Diejenigen aus Kirchlinde hierselbst gefirmt werden. ** Castrop, 6. Juli. Die gestern Abend im Vereinslokale beim Wirth Herrn Greve tagende Generalversammlung des hiesigen Turnvereins war äußerst zahlreich besucht. Sehr wichtige Angelegenheiten, welche die Tagesordnung in sich faßte, hatte die Turnerschaar in so großer Zahl herbeigerufen. Wie der Verein stetig weiterblüht und wie für die edle Turnerei ein reges Interesse im Orte obwaltet, das beweist die neue Aufnahme von sechs Mitgliedern. Sodann wurde die Jahresrechnung von zwei dazu erwählten Mitgliedern einer Revision unterworfen, und für richtig befunden, worauf dem Kassenwart Decharge ertheilt wurde. Der Befund der Kasse wies den schönen Bestand von 397,97 Mark nach, wovon 325 Mk. bei der hiesigen Sparkasse verzinslich angelegt sind. Die bethätigte Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Resultat: Es wurden gewählt resp. wiedergewählt als: „ Präses....... Herr Dr. Zumbusch, „„ A. Diekmann, I. Turnwart.....„ F. Klein, II.„„ Alex Eichwald, Schriftwart„ H. Lueg, ihm nach dem hellerleuchteten Wohnzimmer, wohin die beiden Baronessen ihnen folgten. „Nun Arnold, wie ist es Dir in der Stadt ergangen?“ fragte sie in bester Stimmung, während Jene Hüte und Mäntel ablegten und Wanda forschend in das nächste Zimmer blickte. „Ganz nach Wunsch, Mutter“, entgegnete er lebhaft. „Der Handel ist abgeschlossen und wir bekommen den besten Preis für unsern Weizen!“ „Wie Du schon Dich über ein gutes Geschäft freust!“ entgegnete kopfschüttelnd die Freiherrin.„Ich billige das für einen Cavalier nicht, es kommt ihm nicht zu! Ein bürgerlicher Kaufmann—“ „Arnold“, fragte jetzt seine jüngste Schwester,„hast Du Herrn Kranzler gesehen? Ist er schon wieder fortgereist?“ „Er ist vor einer Stunde nach W. gefahren und seine Schwester begleitet ihn dahin!“ „Ohne dies letzte Wort sollte man sast glauben, sie kehrte mit ihm nach... zurück!“ sagte Freiin Theodora mit einem raschen Blick auf ihren Bruder. „Dazu hätte meine Frau keine Veranlassung und würde ein solcher Schritt von ihrem Vater sicherlich mit großem Mißfallen aufgenommen werden.“ „Ach ja, sie ist Deine Frau! Ich vergesse das immer wieder, da Ihr Euch hier wie zwei ganz fremde Menschen gegenüber steht!“ „Wie kann das anders sein, Theodora, da wir uns seit kaum zwei Wochen kennen?“ „Du hast also den Kaufmann Kranzler gesehen?" unterbrach schnell die Baronin das Gespräch. „Ja, ich kam schon früh von W. zurück, in der Absicht, meiner Frau vorzuschlagen, gleichfalls nach Eberstorff zu fahren, und traf die Geschwister im Garten!“ „Und wie hat er Dir gefallen?“ „Er hat während unseres kurzen Beisammenseins den besten Eindruck auf mich gemacht. Gelegenheit zu näherer Bekanntschaft werde ich noch diesen Sommer haben, da er mir einen längeren Besuch zugesagt!"(Forts. folgt.) Casse Zeug In Anbe mehr genügte, bester Constru# beauftragt, O sten Versammli ein für seinf ** Castro Amtsgerichtsgebe glücklicher Weise Bodels hies. Krieger=T getroffen, um Hoffen wir, di recht rege The ten Lohn find Bei einer Harpen mit ging die volle Braut des Un chens soll glüc Herne, K. von hier Hand geschnit bleiben werden Revolversalven telt und verha Bochum Uhr der bein Hingst die übl die Zelle des des bekannten, bes inhaftirt einen Schlag Bauch und R zeitig den., schnitt derselb auf unerklärliso daß H. mit zusammendrück wieder hinein Einige wegen sog. Kalfaktor mult und den dem armen Vi Krankenhaus d In Rie fallen; er gal *„Bier muß! Diese be Bielefeld zu haben, inde energisch zu L. 40,000 Liter mehr erwähner 6000 betrug, Wir zweifeln dern Feinde g gen werden. 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In Anbetracht, daß das alte Reck den Ansprüchen nicht mehr genügte, wurde die Anschaffung eines eisernen Reckes bester Construction beschlossen, und der Schriftwart damit beauftragt, Offerten einzuholen, worüber dann in der nächsten Versammlung denitiv beschlossen werden soll. Dem Verein für sein ferneres Fortbestehen ein kräftiges„Gut Heil". ** Castrop, 6. Juli. Bei der Reparatur des Blitzableiters am Amtsgerichtsgebäude fiel ein Arbeiter aus ziemlicher Höhe herab, ohne glücklicher Weise Schaden zu nehmen. Bodelschwingh, 6. Juli. Am Sonntag feiert der hies. Krieger=Verein sein Jahresfest. Alle Vorbereiitungen sind getroffen, um dasselbe in jeder Weise würdig zu begehen. Hoffen wir, daß die Bemühungen des Vorstandes durch eine recht rege Theilnahme seitens der Bürgerschaft, den verdienten Lohn finden. Bei einer unnützen Spielerei eines jungen Mannes in Harpen mit einem geladenen Pistol entlud sich letzteres und ging die volle Ladung, 3 Bleistücke, der in der Nähe stehenden Braut des Unglücklichen in die Brust. Der Zustand des Mädchens soll glücklicherweise nicht ganz hoffnungslos sein. Herne 3. Juli. Gestern Abend wurde der Händler K. von hier durch einen jungen Menschen derart über die Hand geschnitten, daß wahrscheinlich mehrere Finger steif bleiben werden. Der Thäter, welcher vorher schon förmliche Revolversalven auf mehrere Passanten abgefeuert, ist ermittelt und verhaftet. H. Ztg. Bochum, 1. Juli. Als gestern Abend etwa um 9 Uhr der beim hiesigen Gefängniß angestellte Hülfsaufseher Hingst die übliche Nacht=Runde durch die Zellen machte und die Zelle des Untersuchungsgefangenen Fack, welcher wegen des bekannten, kürzlich im Rechen'schen Busch verübten Raubes inhaftirt ist, betrat, erhielt er von Fack mit einem Brett einen Schlag über den Kopf und je einen Messerstich in den Bauch und Rücken. H. schrie um Hülfe und suchte gleichzeitig den., welcher entfliehen wollte, festzuhalten; darauf schnitt derselbe ihm mit einem Messer, in dessen Besitz er auf unerklärliche Weise gekommen ist, förmlich den Leib auf, so daß H. mit Aufwand seiner letzten Kräfte, diesen wieder zusammendrückte— nicht, wie erzählt wurde, die Eingeweide wieder hineinlegte— und dann bewußtlos zusammensank. Einige wegen eines leichten Vergehens inhaftirte und als sog. Kalfaktoren fungirende Gefangene kamen auf den Tumult und den Hülferuf herbei, bändigten den F. und leisteten dem armen Verwundeten Hülfe, welcher jetzt hoffnungslos im Krankenhaus darniederliegt. In Riemke wurde ein Arbeiter vom Sonnenstich befallen; er gab kurz darauf seinen Geist auf. *„Bier ist ein schädlicher Stoff, der vertilgt werden muß! Diese bekannte These scheinen die Krieger bei dem in Bielefeld stattgefundenen Kriegerfeste vor Augen gehabt zu haben, indem sie als echte Krieger dem schädlichen Stoffe energisch zu Leibe gegangen sind. Wie mitgetheilt wird, sind 40,000 Liter Bier zum Ausschank gekommen, was um so mehr erwähnenswerth ist, als die Zahl der Festtheilnehmer 6000 betrug, darunter ein Drittel Frauen und Mädchen. Wir zweifeln nicht, daß unsere Krieger aber auch jedem andern Feinde gegenüber eine gleiche Bravour an den Tag legen werden. Zu sechs Wochen Gefängniß wurde vom Schöffengericht zu Rheinberg ein Schneider verurtheilt, der einer Frau nachgesagt hatte, sie sei eine Hexe. Eine aus denselben Gründen angeklagte Frau trug kein Bedenken, dem Gerichte gegenüber die Behauptung zu wiederholen, daß die Ehefrau G. eine Hexe sei. Diese habe einmal ihr Kind mit der Hand über die Wange gestrichen, von diesem Momente an sei das Kind krank geworden und gestorben. Sie habe, so erzählte die Angeklagte weiter, das Häubchen, welches ihrem Kinde mit ins Grab gelegt worden, später in ihrem Bette gesehen mit dem Hexenkranze, auch habe sie eines Nachmittags, als ihr Kind schon längst beerdigt gewesen, die Ehefrau G. in ihrer Wohnung gesehen, wie dieselbe ihr Kind lebend auf dem Arme getragen. Ich bekomme jetzt meine Strafe, so schloß die Alte, die Ehefrau G. bekommt aber ihre ewige Strafe. Das Gericht verurtheilte die Angeklagte zu einer Gefängnißstrafe von 3 Monaten. So passiert im„aufgeklärten“ neunzehnten Jahrhundert zu Rheinberg am Niederrhein. Hier sagt man manchmal noch mehr wie Hexe. * Ein entseßlicher Vorfall ereignete sich am Sonntag in Bochold. Der Maschienenwärter und Kötter., welcher aufgebracht durch das Ohrenzischeln„guter Freunde“ gegen seine Frau, mit der er 16 Jahre in glücklicher Ehe gelebt, mißtrauisch geworden war, hat diese, nachdem er zuerst dem Schnapsteufel über die Maaßen gehuldigt, mit einer Grabschüppe den Kopf abgeschlagen und den Leichnam noch in wahrhaft kannibalischer Weise zerhauen. Als die Polizei erschien, lag der grauenhafte Mörder über den entseelten Körper, ein 12 Zoll langes Messer in der Hand haltend. Mehrere andere Messer, deren Klingen abgebrochen, sowie Stuhlbeine, Ofendeckel u. s.., alles mit Blut besudelt, lagen in der Stube umher. Von dem Kopf des armen Opfers war nur noch der Unterkiefer vorhanden, der übrige Theil desselben hing in kleinen Stücken an den Wänden, Bett, oder lagen auf dem Fußboden. Was wird der Mörder, der das Verbrechen augenscheinlich in der Trunkenheit verübte, jetzt hinter den schweren Eisengittern des Gefängnisses für eine Seelenpein auszustehen haben! Coblenz, 28. Juni. Gestern Abend kehrte die Regimentskapelle der 28er von Amsterdam nach Coblenz zurück. Sie hatte von einem„Unternehmer“ sich engagiren lassen, auf der dortigen täglich„interessanter“ werdenden„Weltausstellung“ acht Tage lang zu concertiren. Als die Musiker nun gestern vor der Abreise ihre Gelder empfangen wollten, war der Herr— Unternehmer spurlos verschwunden. Ein recht unternehmender Herr! Die Moral von der Geschichte: Wenn man im Auslande engagirt ist, lasse man sich immer voraus bezahlen oder wenigstens das Geld sicher stellen. In Aachen herrscht über das entsetzliche Brandunglück allgemeine Niedergeschlagenheit. Beim Anblick des halb ausgebrannten Rathhauses weinten alte Leute wie Kinder. Wer die Rolle kennt, welche die Marktthürme im Leben und der Mundart des Aachener Volkes spielten— für sie bedeuteten sie den Inbegriff der Höhe und Majestät; tausend Märchen und Sagen gingen über die Thürme um—, wird den Schmerz desselben begreifen, den es empfindet, wenn es anstatt der Thürme nur noch Kaminrohre in die Luft ragen sieht. Der Dom, das Münster Karls des Großen, schwebte auch in Gefahr, welche indeß abgewandt wurde. Sonntag fand dafür ein Dankgottesdienst statt. Der große Umfang, welchen das Brandunglück genommen hat, ist hauptsächlich dem Funkenfeuer zuzuschreiben, welches von dem Heerd des Brandes ausging und brennbare Stoffe bis in weit entfernte Stadttheile trug. Dagegen war das ans Rathhaus anstoßende Real=Gymnasium in großer Gefahr, durch die Hitze entzündet zu werden. Bei dem großen Rettungsbedürfnisse haben auch gänzlich unlegitimierte Personen erlaubt, die Feuerwehren fernerer und näherer Ortschaften herbeizuführen. Das Polizei=Präsidium warnt vor solcher übereilten Handlungsweise, zumal die Stadt für die derart Herbeigerufenen erwachsenen Kosten nicht aufkommen könne. Aachen, 3. Juli. In der heutigen Sitzung des Stadtverordneten=Collegiums machte Herr Bürgermeister Fleuster Mittheilungen von nachstehender an den Herrn Oberbürger= meister v. Weise gelangten Depesche: „Ich fühle so lebhaftes Bedauern über das beklagenswerthe Brandunglück, welches Ihre Mitbürger und das altehrwürdige Aachen so hart betroffen hat, daß es mir am Herzen liegt, mit meiner vollen Theilnahme an dieser Heimsuchung und meiner vollen Anerkennung für die Leistungen der Feuerwehr hierdurch Ausdruck zu verleihen. Coblenz(Schloß), 1. Juli 1883. gez.: Augusta. Interessant und Beweis für das große Interesse an unserem großen Brande auch im Auslande ist der Umstand, daß Ihre Mäjestät die Königin der Belgier sich gleichfalls telegraphisch darüber erkundigt hat. * Ein Akt großer Rohheit wurde vor kurzem in der Kreuzkapelle zu Eltville verübt. Die Thür wurde erbrochen, Kruzifix, Statuen, Kerzen u. s. w. wurden zerschlagen und das Altartuch in kleine Fetzen zerrissen. Die Opferbüchse fand man aufgeschlagen, jedoch noch mit ihrem kleinen Inhalte. Auf einen Diebstahl hatte man es also nicht abgesehen. * Da es in Leipzig schwer hält, in der Nacht einen Arzt zu erlangen, 11 Aerzte sich aber bereit erklärt haben, jederzeit auch des Nachts gegen ein sicheres Honorar ärztliche Hülfe zu leisten, so ist von Rath und Stadtverordneten eine heilsame Maßregel getroffen, nämlich ein Posten von jährlich 1000 Mark in den städtischen Haushaltsplan eingestellt worden, aus welchem den Aerzten für jede einzelne Hülfeleistung während der Nacht ein Honorar von 6 Mark garantirt und gewährt werden soll, wenn sie von den Hülfesuchenden selbst, ohne daß sie deshalb zu Zwangsmitteln vorschreiten sollen, ein solches Honorar für ihre Bemühungen nicht erlangen können. * Beim Bau eines Irrenhauses stand ein Bauer lange Zeit; um zu erfahren, was man da baue, befragte er einen der Zuseher.„Ein Narrenhaus für die Bauern“ entgegnete derselbe und lachte.„Hab' mir's wohl gedacht", erwiderte dieser schlagfertig,„für die Stadtherren wär's wohl viel zu klein.“ * Die Grenzen zwischen Sparsamkeit und Geiz sind schwer zu ziehen und kaum sicher festzustellen. Eine junge Dame, heimlich verlobt in Carlsbad, bemerkte auf der Heimreise, von der Mutter und ihrem Verlobten begleitet, daß Letzterer auf einer Haltestation eine Cigarre halb rauchte, dann sorgfältig löschte und den Rest, vorsichtig in Papier gewickelt, zu sich steckte. Von diesem Augenblick an erkaltete mit der Cigarre ihre Liebe. Sie beharrte trotz aller Gegenvorstellung bei ihrem Rücktritt von der Verlobung, weil— die geizigen Ehemänner die schlechtesten seien. War die Sparsamkeit nun löblich oder übertrieben? Vielleicht hängt es von der Feinheit der Cigarre ab. * Graz. Aus Graz(Steiermark), 30. Juni wird berichtet: Max Nasko, Schüler der achten Klasse des ersten Gymnasiums, schoß heute Vormittags auf den MathematikProfessor Alois Sänger und traf ihn in die Brust. Veranlassung zu der That war, daß der Professor auf die Frage Nasko's, ob er bei dem Abiturienten=Examen durchkomme, verneinend geantwortet hätte. Nasko hatte schon im Winter schlechter Klassen halber einen Selbstmordversuch gemacht. Seit einigen Tagen war er verschollen und von der Polizei vergeblich gesucht worden. Nasko war einer der schlechtesten Schüler. Er hatte schon vorher den Entschluß ausgesprochen, auf Professor Sänger zu schießen. Vor der That hatte er Generalbeichte abgelegt. Nasko wurde sofort verhaftet und gestand, er habe den Professor tödten wollen. Professor Sänger gilt zwar als strenger, aber stets gerechter Lehrer. Man hofft, ihn am Leben zu erhalten. Die Revolverkugel traf eine Rippe. * In England ist es den verwittweten Schwägern verboten, eine Schwägerin zu heirathen, auch wenn sie noch so hübsch und liebenswürdig ist. Das Unterhaus gab seine Zustimmung, daß das Gesetz aufgehoben werde, das Oberhaus aber nicht. Die Königin soll seitdem sehr verstimmt sein; den man sagt, sie wolle ihre jüngste Tochter mit deren Schwager, dem Großherzog von Darmstadt verheirathen. *(Doppelt genäht hält gut.) Bäuerin(zur Magd): „Ricka, hoscht scho Wasser an d' Milch'schütt?“— Magd: „Des könnt' i setzt nit für’wiß sage, Frau.— Bäuerin: „No schütt'st lieber no amol na.“ * Auf dem Schützenhofe in Buxtehude versagte dem Gastwirth Johannsen das Gewehr; er ging hinter das durch eine Bretterwand geschützte Schießzelt, um sein Gewehr zu untersuchen; plötzlich entladet sich die Büchse und die Kugel fährt durch die Wand, streckt einen an derselben stehenden 13jäyrigen Schmiedssohn todt nieder, fliegt weiter und durchbohrt einem 17jährigen Menschen die rechte Brustseite. Auch dieser starb in der Nacht. * Auch der Nagotzy ist ein guter Makler, der Russen und Türken friedlich zusammenführt. Der Russe Todtleben und der türkische Pascha Kähler trinken Ragotzy in Kissingen, der hübsch abführt und doch Eisen in's Blut bringt. * Die Holländer Kaufleute halten ihr Geld fest, wie aus vielen Prozessen bekannt. Vor etwa 300 Jahren hatte die Regierung 30,000 Gulden für Entdeckung der Nordost=Passage ausgesetzt. Der berühmte Schwede Nordenskjöld beanspruchte diese Belohnung für seine Entdeckung, wurde aber abgewiesen, weil die alten Holländer einen neuen Handelsweg, aber nicht eine wissenschaftliche Entdeckungsfahrt im Sinne gehabt hätten. * Vor der Strafkammer des Landgerichts in Berlin wurde die Affaire gegen die in vorletzter Nummer gebrachte Erpresserbande gepflogen, und sind die Strafen ausgefallen, wie folgt: Der Redacteur Grunewald wurde zu 6jährigem Gefängniß und 6jährigem Ehrverlust, Moser zu 4½jährigem Gefängniß und 4jährigem Ehrverlust, Schonholz zu 4jährigem Gefängniß und 4jährigem Ehrverlust, Lodometz zu 1jährigem Gefängniß und 2jährigem Ehrverlust verurtheilt. Vogelsang und Sawatzki wurden freigesprochen. * Passau, 27. Juni. Ueber die beherzte That eines Mädchens, wodurch ein schreckliches Unglück verhütet worden, schreibt die„Donau=Ztg.. Als vorgestern Abend der Courirzug von hier abgelassen wurde, wollte in Seestetten noch ein Fuhrknecht mit einem schweren Holzfuhrwerk die dortige Ueberfahrtstelle benützen, blieb aber auf dem Schienengeleise stecken und konnte nicht mehr weiter. Die 17jährige Tochter des dort stationirten Bahnwärters, welche für ihren Vater den Nachtdienst versah, wollte die Barrière schließen, gewahrte die Gefahr und lief mit der Laterne dem heranbrausenden Zug entgegen. Der Lokomotivführer, aufmerksam auf die abwehrenden Bewegungen mit dem Lichte, gab Contredampf, und brachte den Zug noch vor dem drohenden Hindernisse zum Stehen, wodurch das Unglück vermieden wurde. * Dem Siebenschläfertag(27. Juni), welcher im Volke ein so hohes Ansehen als Wetterverkünder genießt, rückt Dr. Aßmann in der„Magdeburger Ztg. mit Zahlen entgegen. Bekanntlich zählt man den Siebenschläfertag zu den sog. Loostagen, und der Volksmund behauptet, daß, wenn es am „Siebenschläfer“, regne, so regne es 7 Tage lang. Andere aber wollen gar diese Regenperiode auf die nachfolgenden 7 Wochen ausgedehnt wissen. Dr. Aßmann hat nun die Witterung der letzten 17 Jahre einer Betrachtung unterworfen und kommt zu dem Schlusse, es sei sogar im Verlauf dieser Jahre eine etwas größere Wahrscheinlichkeit vorhanden gewesen, daß einem trockenen„Siebenschläfer“ eine Regenperiode folgen werde, als dies bei einem regnerischen Tage der Fall war. Aehnlich verhält es sich mit der Lesart, welche sieben Wochen Regenwetter nach dem regnerischen„Siebenschläfer“ verlangt. Im Durchschnitt von 6 Jahren, in denen der „Siebenschläser“. Regen brachte, hatte die diesem folgende Wochen uur 2,3 statt 7 Regentage. In den 11 Tagen, in denen der„Siebenschläfei trocken war, war dagegen der Durchschnitt der Regentage in der nächsten Woche etwas höher, nämlich 2,5. Auf die sieben folgenden Wochen stellte sich das Ergebniß so, daß in diesen nach dem„Siebenschläfer“ mit Regen 12,9 Regentage, in den Wochen nach einem „Siebenschläfer“ ohne Regen 13,9 Regentage folgten. * An einer Spanierin, die dieser Tage mit der Eisenbahn nach München kam, soll Carlsbad Wunder thun und Berge versetzen. Sie war so groß und dick, daß sie nicht gehen und stehen konnte und auf einem Kofferträgerwagen von einem Zug zum andern gebracht werden mußte. *(Ein interessantes Zwiegespräch.) Zwei Schiffe begegneten sich in der Nordsee auf Hörweite und redeten sich folgendermaßen an:„Wo kummst du her?"—„Von Hull.“—„Wat hest du loden?“—„Wull.“—„Wie heit dat Schipp?“—„John Bull.“—„Un de Eapitain?“ —„Krull.“— Da ruft der Fragesteller wüthend zurück: „Minsch, du bist ja wull dull!“ * Feuerproben im strengsten Sinn macht der Wiener Ingenieur Schella. Er geht angethan mit seinem Feuertauchapparat getrost in's größte Flammenmeer. Sechs Riesenscheiterhaufen werden von vier Klaftern Holz gebildet, die mit Pech, Schwefel und theergetränkten Hobelspänen ausgefüllt sind und mit Petroleum begossen werden; er bleibt in diesem Scheiterhaufen ohne Glasplatte und mit freien Augen so lange, bis das ganze Holz niedergebrannt ist und geht vollständig unverletzt wieder heraus. Kaiser Wilhelm hat einer solchen Probe beigewohnt und gesagt: Man muß das sehen und staunen, wie weit es die neuen Erfindungen gebracht haben. * Das folgende sinnreiche Recept zur Herstellung der modernen Damenhüte macht gegenwärtig Runde durch die Zeitungen: Man nehme ein großes Draht= oder Gazegestell und beklebe es mit Seiden= und Sammtlappen in den verschiedensten Größen, dann ein Viertelpfund Blumen, ein Kilo Federn, Waldvögel und Colibris u. s. w. wohl durcheinandergerührt; ein Bund Heu kann auch nicht schaden. Man stößt das Kunstwerk mit der Faust ein, und der neueste Damenhut ist fertig. * Ein zwölfjähriges Mädchen aus Alt=Salza ist am Sonntag Morgen von einem 37jährigen Arbeiter Naucke aus Schönebeck, der bereits 15 Mal theils Gefängniß theils Zuchthausstrafe verbüßt hat, geschändet und ermordet worden. Die abscheulichen Einzelheiten des Mordes entziehen sich der Darstellung. * Alles hat seine zwei Seiten in der Welt, wie folgende Parodie wieder beweist: Wo man singt, läßt du dich ruhig nieder? Auch die Schurken singen fromme Lieder! * Auf einer Eisenbahn in Michigan saß guten Muthes ein jung verheirathetes Paar. Sie war etwa 25 Jahre alt, er ein oder zwei Jahre jünger. Auf einer Station stieg eine respektable Dame ein, die sich auf dem Platze vor dem jungen Paare niederließ. Die Dame hörte bald, wie sich der junge Maun ziemlich ungenirt über ihren altmodischen Hut und ihr Umschlagetuch lustig machte und sagte zu der„jungen Frau“:„Madame, wollen Sie so freundlich sein, und Ihren Sohn bitten, doch das Fenster hinter sich zu schließen.“ Der„Sohn“ schloß das Fenster, und beide schlossen den Mund. und Landwirthschaftliches. Vertilgung von Fliegen in Viehställen empfiehlt J. Köllner in der„Wiener L. Ztg.“ einfache Vorrichtun5000 Pfund Casser, prima Menado und Java, gen, welche das Nisten der Schwalben in den Ställen erleichtern:„Man bringe im Frühjahr kleine schmale Brettchen an den Balken der Stalldecke oder an den Gürteln der Deckwölbungen derart an, daß sie von ihrem Befestigungspunkte wagerecht abstehen. Die Brettchen werden schnell von der Rauchschwalbe(Hirundo rustica) ausfindig gemacht, als vorzügliche Nistplätze erkannt und zumeist sofort in Beschlag genommen. Sind die Stallungen nur halbwegs geräumig, so nisten sich bald mehrere Pärchen dieser netten Vögel ein, und die schönen Zeiten der Fliegen haben ein Ende. Rastlos ziehen die Schwalben bei Thüren und Fenster ein und aus, ohne sich, außer der Tränke, weiter zu entfernen und haschen im Stalle selbst emsig das lästige Geschmeiß, womit sie sich und ihre Brutsernähren. Die Nutzthiere werden in kurzer Zeit ihre Peiniger loß. Beim Anbringen der Brettchen ist nur darauf zu achten, daß dafür solche Plätze gewählt werden, von denen aus die Brut der Schwalben durch das Auswerfen des Unraths nicht lästig werden kann. 20 50 18 50 1. Qualität wrizen per 100 Kilo e 2.„ 3.„ Roggen per 100 Klo 4:..... 12 80 1. Qualität........—— * 1 2.„ 14 80 Buchweizen Hafer, neuer Aveelsamen Rapssamen Kartoffeln 15— 1. 2. Qualität 8 50 Heu per 50 Kilo 3 Stroh per 600 Kilo 24— Rüböl per 100 Kilo 71— Preßkuchen per 1000 Kilo 130— Vorschuß per 100 Kilo 31— Kleien per 50 Kilo 5 20 Wintergerste per 100 Kilo 14— Sommergerste„— von einer Concursmasse zum Wiederverkauf übernommen, gebe ab 1 Pfd. zu 85 Pfg., 5 Pfd. und mehr zu 83 Pfg. Speck à Pfd. 68 und 70 Pfg., .=Mehl 21 Pfd. für 3 Mark. Rud. Bolenz. Bekanntmachung. Am 15. Juli beginnen die Gerichtsferien und dauern bis 15. September. Während dieser Zeit werden nur Feriensachen bearbeitet. Solche sind: 1. Strafsachen, 2. Arrestsachen und die einstweilige Verfügungen betreffenden Sachen, 3. Maß= und Marktsachen, 4. Streitigkeiten zwischen Vermiethern und Miethern von Wohnungs= und andern Räumen wegen Ueberlassung, Benutzung und Räumung derselben, sowie wegen Zurückhaltung der vom Miether in die Miethsräume eingebrachten Sachen, 5. Wechselsachen, 6. Bausachen, wenn über die Fortsetzung eines angefangenen Baues gestritten wird, 7. Grundbuchssachen, 8. die übrigen Sachen der nicht streitigen Gerichtsbarkeit, soweit sie schleunig sind. Zur Erledigung der Vormundschaftssachen der Grundbuchsachen und der Sachen nicht streitiger Gerichtsbarkeit ist während der Ferien der Mittwoch von 9— 12 Uhr Vormittags bestimmt. Auf das Mahn=Verfahren, das Zwangs=Vollstreckungs=Verfahren und das Konkurs=Verfahren sind die Ferien ohne Einfluß. Castrop, 30. Juni. 1883. Am Vienstag 10. Juli, Vormittags 10 Uhr, werden im Pfandlokale beim Wirth Herdickerhoff hier 1 Kleiderschrank, eine Commode, 1 großer eich. Tisch, 1 Damasttischtuch u. 6 Servietten u. ein öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert. Castrop, 6. Juli 1883. Bergerhoff, Gerichtsvollzieher. Am Vienstag d. 10. Juli, Morgens ½9 Uhr, werde ich in meinem Auctionslokale beim Wirth Herdickerhoff 1 Parthie Jacquettes u. Umhänge für Damen meistbietend gegen Baarzahlung versteigern. Bergerhoff, Gerichtsvollzieher. Srastertauf. Am Donnerstag den 12. Nachm. 4 Uhr, läßt der Landwirth Herr Bethacke gnt. Stromberg zu Börsinghausen 6 Morgen vorzügliches Gras in Wieckingskamp in der Nähe des Ringofens nummerweise gegen Credit zum Verkaufe aussetzen. Nach dem Verkaufe findet die Verpachtung der Nachweide statt. Zusammenkunft bei Wirth Sinder. Castrop, 5. Juli 1883. Werth. Rechnungs=Formulare empfiehlt zu billigsten Preisen die Buchdruckerei von Ph. Culbart. •• 7* Am Montag den 9. d. Mts., Nachm. 4 Uhr, werde ich ich das gut gerathene Gras in der ca. 3 Morgen großen Wiese im Hagen an der Landferbach zu Börnig belegen, für Herrn Winkelier Sundermeier zu Sodingen nummerweise zum Verkaufe aussetzen. Versammlung bei Wirth Reinert zu Börnig. Castrop, 5. Juli 1883. M. Göttinger. Am Dienstag den 10. d. Nachm. 4 Uhr, werde ich das gut gerathene Gras in meiner Oelteichwiese durchs Meistgebot nummerweise verkaufen. Versammlung in der Wiese. Frohlinde, 3. Juli 1883. Schulte=Frohlinde. Grus Hrrnaus. Für die Märkische Mühlen=Actien=Gesellschaft in Witten werde ich die frühere Haarmann'sche Wiese(Badeanstalt), ca. 2 Morgen groß, am Dienstag den 10. d.., Nachm. 3 Uhr, nummerweise gegen Credit verkaufen. Castrop, 2. Juli 1883. J. Zumloh. RoggenVerkauf Am Samstag den 7. d. Nachm. 6 Uhr, werde ich für Herrn Oeconom Oberhöffken in Gerthe in der Nähe von Wirth Hauholz in Obercastrop öffentlich gegen Credit verkaufen. Holhausen, 3. Juli 1883. Kämper. Roggen= u. WeizenfruchtVerbauf. Am Dienstag d. 10. Juli cr., Nachmittags 4 werde ich für Herrn H. Reinold bei Zeche „Graf Schwerin“. 20 Morgen guten Probsteier Roggen, 10 Morgen guten Probsteier meistbietend auf dem Halme verkaufen und lade Kauflustige hierzu ergebenst ein. Versammlung bei Herrn Reinold. Castrop, 1. Juli 1883. J. Zumloh. sffnssd Ein Wohnhaus mitea. mau 60 Ruthen Gartenland, ###1444 welches sich zu jedem Geschäft, besonders„für Bäckerei eignet, ist auf den 1. November zu vermiethen oder zu kaufen unter günstigen Bedingungen. Cl. Hagemann in der Nähe der Zeche Viktor Paapapier mit Firma empfiehlt Ph. Culbart. Trache Prenaus. KN Am Dienstag den 10. Juli er., Nachm. 5 Uhr, werde ich auf dem Winkel und dem grogroßen Stück ca. 10 Scheffelse gute Roggenfrucht(Probsteier) meistbietend gegen Credit verkaufen. Versammlung bei Wirth Wiesmann in Sodingen. Schulte=Alstede. Weizenfrucht=Verkauf in Gerthe. Dienstag den 17. Juli d. Nachm. 4 Uhr anfangend, werde ich für Herrn Oeconom Böttgenbach wegen Beendigung der Pachtzeit des Jörgen'schen Gutes 16 Morgen Weizenfrucht öffentlich nummerweise gegen Credit und Bürgschaft verkaufen. Versammlung bei Wirth Herrn Blome in der Gertherheide. Holthausen bei Castrop, 3. Juli 1883. Kämper. Für Wirche! Der Krieger= und Landwehr=Verein zu Obercastrop feiert sein diesjähriges Fest im Söding'schen Saale mit reichlich anschließenden Wirthschaftsräumen daselbst und wird die Restauration am Sonntag den 8. d. Mts., Nachm. 5 Uhr, im Vereinslokale beim Gastwirth Herrn Hrch. Lambertz öffentlich meistbietend vergeben werden. Obercastrop, 6. Juli 1883. Der Vorstand. Lotterie von Daben=Gaben Concessionirt durch Entschließung Groß herzoglichen Ministeriums des Innern vom 29. Dezember 1882, sowie durch Landesherrliche Genehmigung vom 26. März 1883 für den Umfang der preußischen Monarchie und im Bereiche anderer deutscher Staaten Preis des Looses für jede Ziehung Mk. 2,10. Gesammtzahl der Loose 100,000. Gesammtzahl der Gewinne 10,000. 2. Ziehung am 9. August 1883. Hauptgewinne: 10,000, 4000, 3000, 2000, 1500, 1000, 700 Mk., sowie noch viele Gewinne in geringerem Werthe. 3. Ziehung am 11. Sept. 1883. Hauptgewinne: 12,000, 4500, 2500, 1800, 1200, 900, 700 Mk., sowie noch viele Gewinne in geringerem Werthe. 4. Ziehung am 9. Oetbr. 1883. Hauptgewinne: 15,000, 4500, 2500, 1800, 1200 Mk., sowie noch viele Gewinne in geringerem Werthe. 5. Zieh. vom 20.—27. Nov. 1883. Hauptgewinne: 60,000, 30,000, 12,000, 6000, 5000, 4000, 3000, 2500, 2000, 1800, 1500, 1200 Mk., sowie noch viele Gewinne in geringerem Werthe. Zu haben bei Ph. Culbart. Ein fast neuer 4“ Ackerwagen billig zu kaufen, bei wem sagt die Exp. d. Bl. L Es hat Gott dem Allmächtigen in Seinem unerforschlichen Rathschlusse gefallen, gestern Abend gegen 8 Uhr die Theresia Pillmann im Alter von 8¼ Jahren nach längerem Leiden zu sich in ein besseres Jenseits zu nehmen. Castrop, 6. Juli 1883. Die trauernden Hinter4 bliebenen. tadie Berdigung findet am Sonntug Nachmittag 5 Uhr statt. I Schweine=VersicherungsVerein Castrop. Am Sonntag den 8. d. Mts., Nachm. 5 Uhr General=Versammlung. Tagesordnung: 1. Zahlung von Auflagegelder pro Schwein 50 Pfg., 2. Aufnahme neuer Mitglieder, 3. Bereinsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Der Vorstand. 3 bis 9 Zimmergesellen und 3 Bauschreiner gegen hohen Lohn gesucht. Fr. Kleffmann, in Stockum b. Annen. Mehrere tüchtige Anstreichergehülfen gegen hohen Lohn und dauernde Arbeit auf sofort gesucht von Steinkühler, Castrop, Ein gebr. mittelgroßer Sprungherd b. z. verk. Näheres Menage Zeche„Erin“ Lotterie zur Vollendung der neuen Wallfahrtskirche zu Haltern. Hauptgewinn 10,000 Loose à 1 Mark sind zu haben in der C. Heinemann= 'schen Buchhandlung sowie in der dition dieses Blattes. om öopath. heilt sicher und dauernd alle heilbaren Leiden auf e. f. d. Kranken angenehme Weise, u. wolle m. s. vertrauensvoll(auch brieflich) wenden an Diätetiker Menke, I. Kampstr. 143, Dortmund. bei Rechnungsformulare Ph. Culbart. Zum Bügeln der feineren Wäsche empfiehlt sich Wittwe Neufeld. Heimathskunde des Eine Pflugleine an der Wittener Straße gesunden. Von wem, sagt die Expedition. der Stettiner KirchenbauLotterie zu 1 M. Kreises Dortmund, nebst Karte. Bearbeitet von Carl Richter. Preis 50 Pfg. Vorräthig bei C. Heinemann in Castrop. Die neuesten Caschen=Fahrpläne zu haben in der Expedition des stroper Anzeiger“. — Ausgabe vom 1. Juni 1883— sind zum Preise von 30 Pfg. zu haben bei C. Keinemann. Am Montag d. 9. Juli, als am hiesigen Kirmeßtage, findet be mir von Morgens 9 Uhr an und von Nachmittags 4 Uhr an Ball statt, wozu einladet A. Strotmann, Bodelschwingh. „* sind zu haben vei Ph. Culbart. Den Eheleuten Soseph Beulmann zum heutigen Silberhochzeitstage die herzlichsten Glückwünsche. Bleib Euch die Zukunft hold, so wird aus Silber Gold. Castrop, 6. Juli 1883. P. C. Etsenbahn Tahrplan. Gültig vom 1. Juni. Rechtsrheinische(Cöln=Mind.=) Eisenbahn. Von Castrop nach Minden-Berlin: Abfahrt: 9,25 11,13 4,52 9,17* 2,09 Von Castrop nach Deutz-Cöln: Abfahrt: 6,23 8,17 10,57 1,47 8,01 Von Mengede nach Minden-Berlin: Abfahrt: 9,36 11,24, 5,03 9,36* 2,22 Von Mengede nach Deutz-Cöln: Abfahrt: 6,15 8,09 10,48 1,37 7,52 Emscherthalbahn. Von Wanne nach Dortmund: Abf. Wanne Herne Castrop(Stadt)„ Merklinde„ Marten„ Huckarde„ Dortmund Ank. Von Dortmund Dortmund Abf. Huckarde„ Marten„ Merklinde„ Castrop(Stadt)„ Herne„ Wanne Ank. .45 6,56 7,08 7,19 7,31 7,38 7,49 2,24 2,34 .45 2,57 3,08 3,14 3,27 6,05 6,19 6,34 6,51 706 7,12 7,25 nach Wanne: 9,10 .25 .41 10.— 10,13 10,30 10,42 3,50 4,02 4,10 4,21 4,32 4,44 .50 Fährt nur bis Hamm. 7,50 8,04 8,16 8,33 8,46 .05 9,13 Postwagen-Fa zwischen Castrop Stadt u. Bahnh. I. Fahrt aus Castrop Stadt in„ Bahnhof aus„„ in„ Stadt II. Fahrt aus Castrop Stadt in„ Bahnhof aus„„ in„ Stadt III. Fahrt aus Castrop Stadt in„ Bahnhof aus„ in„ Stadt IV. Fahrt aus Castrop„ in„ Bahnhof aus„ in„ Stadt V. Fahrt aus Castrop„ in„ Bahnhof aus„„ in„ Stadt VI. Fahrt aus Castrop„ in„ Bahnhof aus„„ in„ Stadt hrten Castrop. 5,50 Vorm. 6,10 Vorm. 6,25 Vorm. 6,45 Vorm. 8,45 Vorm. 9,05 Vorm. 9,20 Vorm. 9,40 Vorm. 10,25 Vorm. 10,45 Vorm. 11,20 Vorm. 11,40 Vorm. 1,25 Nch. 1,45 Nch. .00 Nch. 2,20 Nch. 4,20 Nch. 4,40 Nch. 4,55 Nch. 5,15 Nch. 7,30 Nch. 7,50 Nch. 8,05 Nch. .25 Nch. Castrop Bahnhof und Datteln. I. Aus Datteln 5,10— 9,45 Vorm. 6,40 Nachm. II. Aus Castrop Bahnhof 6,30 Vorm. 2,00— 8,00 Nachm. Redaktion, Nro. 55. Berlin, zessin Wilhelm leicht und glück und der neuge Der Wun daß der neue mit Gottes erlauchten Elte für unser Volk preußischen He Liebe und Tre einander verbu — Der 5 in seinem Lan surchtbaren Lel Bei Besichtigun Mylau löste sich neben dem Kön und der Fabri Eisen, welches und den Fabr alle Uebrigen zug gleich nach — Ueber kämmerei von bert von Sach entging, meldet deshalb dehnba lich theilweise ging. In Fol das Gegengewi beiführte. 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