*„ 0 0 Amtliches Ergnn für ven Inndgrrichtsbesten Vorimund. Redaktion, Druck und Verlag Wahrheit.— Gerechtigkeit.— Gemeinwohl. von Ph. Culbart in Castrop. Nro. 44. Erscheimt Mitwoche und Sansags und kostet vierteljährlich in der Expedition 1 Mark, durch Boten Mark 1,10.— Illustr. Blätter 50 Pig. Samstag 2. Juni 1883. Insertions=Gebühr: für die einspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfennige. Reclamen per Zeile 30 Pfennige. 9. Jahrg. Politische Aebersicht. Deutschland. — Im preußischen Abgeordnetenhause ist das neue Subhastationsgesetz, welches in seinem Kernpunkt den Schuldner der Willkür und Uebervortheilung durch den Gläubiger entreißen, diesen aber auch wieder in seinen Forderungen schützen soll, in zweiter Lesung angenommen und als Termin des Inkrafttretens der 1. November d. J. bestimmt. Von der Weser, 27. Mai. Zwischen Lippe=Schaumburg und Preußen schweben bereits seit langer Zeit Verhandlungen wegen Uebergangs der das genannte Fürstenthum durchziehenden Eisenbahnstrecke an Preußen. Dieselben sind nunmehr so weit gediehen, daß das Geschäft recht bald abgeschlossen und damit die Ursache mancherlei Weiterungen beseitigt werden kann. Dann erst wird Preußen sich im vollen Besitz der directen Eisenbahnlinie Berlin=Köln befinden. Holland. Amsterdam, 28. Mai. Atchin auf Sumatra bildet sich mehr und mehr zu dem alle Kräfte der niederländischen Kolonien aufsaugende Geschwür aus und ist die Lage dort augenblicklich wieder so ernst, daß die Absendung militärischer Verstärkungen vom Mutterlande aus erbeten und auch angeordnet wurde. Zürich, 28. Mai. In der züricherischen Volksabstimmung wurde das neue Wuchergesetz mit 45,105 gegen 5,739 Stimmen angenommen, die Wiedereinführung der Todesstrafe mit 28,394 gegen 25,259 beschlossen, die obligatorische Impsung mit 33,197 gegen 20,921 abgeschafft, die Ausgabe von Hypothekarscheinen und die Ausdehnung des Hypothekarkredits auf Waaren und Producte sowie Wahl eines Kantonal= bankrathes durch das Volk abgelehnt. Frankreich. Einer Depesche der Times zufolge stehe unmittelbar der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und China bevor. Der französische Gesandte in Pecking würde nächstens seine Pässe erhalten, der Gesandte China's in Paris die seinigen fordern. Obwohl eine Bestätigung der Meldung aus Paris noch nicht vorliegt, so hat die Nachricht doch viel Wahrscheinlichkeit für sich, da die Spannung zwischen Frankreich und China seit längerer Zeit sehr groß ist. Ja, es haben möglicherweise in diesem Augenblick die Feindseligkeiten schon begonnen, da ein chinesisches Corps am 7. Mai von Tientsin nach der annamtischen Grenze aufgebrochen ist. Der Kampf mit den Eingeborenen in Tonkin ist schon längere Zeit im Gange und haben die Franzosen bei einem Ausfall aus dem Fort bei Hanoi bereits eine empfindliche Schlappe erlitten. Man muß sich vergegenwärtigen, daß China, das die Oberherrschaft über Annam beansprucht, jetzt in ganz anderer kriegerischer Verfassung ist, wie in den Jahren 1857 bis 1860, wo es trotzdem den verbündeten Engländern und Franzosen genug zu schaffen machte(die verbündete Flotte wurde am 25. Juni 1859 in der Peihomündung mit Verlust zurückgeschlagen). Damals aber besaßen die Chinesen noch keine enropäischen Panzerschiffe, keine Krupps und keine modernen Handfeuerwaffen, Dinge, mit denen sie heute hinreichend und wenigstens in dem Maße versehen sind, um den Franzosen erfolgreichen Widerstand zu leisten. — Furchtbare Rache für den Tod Rivières und die Einverleibung Tonkins verlangen sämmtliche ministerielle Blätter. Das Journal des Debats ruft aus:„Wenn Tonkin gestern noch nicht französisches Land war, so ist es dies seit heute durch die Bluttaufe! Es ist für uns eine heilige Pflicht, frommsinnig das ruhmreiche Grab Rivières und seiner Genossen zu behalten.“ Lächerlich, als wenn die Eingeborenen stille stehen sollten, wenn die Eindringlinge sie mit Pulver und Blei begrüßen. England. — Michael Fagan, der dritte der zum Tode verurtheilten Helfershelfer bei dem Doppelmorde im Phönix=Park, wurde am 28 Mai, Morgens, im Hofe in Kilmainham Gefängniße hingerichtet. Außerhalb des Gefängnisses hatten sich etwa 500 Menschen eingefunden, unter denen sich die hochbetagte Mutter unde in jüngerer Bruder des Delinquenten befanden, welche beide, als die schwarze Flagge zum Zeichen, daß die Hinrichtung vollstreckt sei, aufgehißt wurde, in lautes Wehklagen ausbrachen. Fagan's Mutter, welche von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt war, hatte ein Gnadengesuch an die Königin gerichtet, welches indeß unbeantwortet blieb. Michael Fagan war, obwohl er erst 24 Jahre alt war, eines der ersten Mitglieder der fenischen Brüderschaft, und er war stolz darauf.„Ich bin ein Fenier, und will als ein solcher sterben“,— rief er von der Angeklagtenbank, als der Richter'Brien das Todesurtheil über ihn gesprochen hatte. Nachdem der Prozeß gegen die Theilnehmer an dem Doppelmorde im Phönix=Park und der gegen mißliebige Regierungsbeamte gerichteten Mordverschwörungen seinen Abschluß gefunden, sind den Kronzeugen und anderen Personen, welche der Rechtspflege dienlich waren, Belohnungen zuerkannt worden. Der Angeber wird 1000 Lstr. erhalten, weil er den Behörden wichtige Enthüllungen machte, ehe er verhaftet wurde. Der Droschkenkutscher Kavanagh, der die Angeklagtenbank mit dem Kronzeugensitze vertauschte, erhält einen freien Pardon, und 250 Lstr. Er sowohl, wie Farrwell, werden Irland verlassen. Dem Dienstmädchen Allic Kelly, dessen Reichthum und Name. Novelle von Mary Dobson. 10 Und Arnold von Greifenberg theilte diesem in den nächsten Tagen seine Wünsche und Ansichten bezüglich der Hochzeit mit und erhielt zur Antwort, daß er den 22. Juni, seinen eigenen Hochzeitstag, gewählt, und er das Aufgebot besorgen werde, wozu er sich die betreffenden Papiere ausbat. Zugleich zeigte er an, daß er die Aussteuer seiner Tochter einige Wochen vorher senden werde, und da der Advokat Blumenthal ihm mitgetheilt, daß der Baron sich vorbehalten habe, die Zimmer seiner Gattin auszustatten, so folge nur die Einrichtung eines Arbeitskabinets, größtentheils Gegenstände, welche sie schon im elterlichen Hause besessen. Nach dieser im Geschäftston abgegebenen Anzeige mußte die Einrichtung der Zimmer für die junge Freiherrin von Greifenberg in soweit abgeändert werden, daß noch ein viertes zu den von der Baronin bestimmten hinzugenommen ward. Diese lagen im ersten Stock des geräumigen Herrenhauses, wo auch die freiherrlichen Damen ihre Gemächer hatten, während der Baron zur ebenen Erde die Wohnung bezogen, welche schon vor ihm sein Vater inne gehabt, und bestanden aus einem Vor= und Wohnzimmer, dem Arbeitskabinet und dem Schlafgemach. Die Ausstattung dieser Räume, die nach dem Garten und dem Gutshof hinaus lagen, ließ nichts zu wünschen übrig; sie waren mit Allem versehen, was den Ansprüchen und der Behaglichkeit einer reichen Dame genügen konnte. In dem Arbeitszimmer befanden sich indeß nur die Gegenstände, die Herr Kranzler geschickt; diese waren außer dem zierlich sten Mobilar von Nußbaumholz mit dunkelrothem Damastbe= zug, ein kostbarer Flügel mit kostbarem Notenschrank; ein Tisch zum Zeichnen und Malen eingerichtet, mit dazu gehörenden Mappen, ein Bücherschrank, zu dem die sehlenden Bücher noch in einer der vielen angekommenen Kisten lagen, die die Freiherrin sämmtlich hatte in eine Kammer stellen lassen, von welcher der Schlüssel ihr überliefert worden; ein Nähtisch und eine Anzahl hübscher verschlossener Kasten und Kästchen, welche ohne Zweifel die Requisiten zu den verschiedenen Arbeiten enthielten. Auf dem Korridor vor diesen Zimmern der künftigen jungen Freiherrin standen vier hohe breite Schränke aus massivem Mahagonieholz, welche gleichfalls zur Aussteuer gehörten, und wie die Einrichtung zeigte, bestimmt waren, die Schätze, welche Helene Kranzler an Garderobe, Linnen, Silber, Porzellan und Krystall in verschwenderischer Weise erhalten, aufnehmen. Sie waren aber sämmtlich leer, da ihre künftige Schwiegermutter den Ausspruch gethan, es sei am richtigsten, unter der Aussicht der Eigenthümerin die Kisten ausund die Schränke einzupacken. „Wie reich Herr Kranzler sein muß, seiner Tochter so viele herrliche Dinge, die hierher gekommen sind, mitzugeben!“ hatte Freiin Wanda gesagt,„und was wir erst noch sehen werden, wenn es an's Auspacken geht!“ „Du freust Dich wohl gar auf die Zeit, wo Deine künftige Schwägerin kommt, und willst ihr am Ende noch Deine Hilfe anbieten?“ fragte Baronesse Theodora in verächtlichem Tone. „Aber Theodora, wenn wir mit Mama hierbleiben, läßt sich doch ein höflicher Umgang und freundlicher Verkehr nicht hindern. Du und Mama habt doch immer darauf gehalten, den Anstand und die äußeren Formen zu beachten!“ „Das wünsche und erwarte ich auch von Euch,“ unterbrach aus dem Nebenzimmer die Baronin ihre Töchter, welche allerdings, ohne daß ihr Sohn es wußte, die Absicht gehabt, mit ihren Töchtern das Gut zu verlassen, um nur nicht mit der bürgerlichen Schwiegertochter unter einem Dache zu wohnen.„Wir müssen, wie es unser Stand erheischt, den äußeren Schein wahren, doch wäre es mir sehr lieb, wir könnten dieser Helene Kranzler den Aufenthalt hier verleiden, so daß sie nach nicht langer Zeit wieder zu ihren Eltern zurückkehrt. Was wir thun können und wollen, muß bald geschehen, denn die Männer sind schwach und wenn seine Frau— wahrlich eine komische Benennung!— zu allen ihren Vollkommenheiten auch noch List und Coquetterie besäße, so könne es doch Wahrnehmungen und Aussagungen zur Ermittelung der Verüber des Mordversuches gegen den Geschworenen Field führ: ten, wurde eine Belohnung von 500 Lstr. zuerkannt. Die Gebrüder Carey werden mit einer kleinen Summe abgefertigt werden. Rußland. Zum Krönungstage in Moskau erscheint ein Erlaß des Czaren, der politische Amnestie denjenigen politischen Insurgenten gewährt, welche, indem sie die Erlaubniß zur Rückkehr in ihre Heimath annehmen, dem Kaiser vollkommene Unterwerfung und Treue versprechen. Dieselben bleiben jedoch nur zwei Jahre der Ueberwachung der politischen Polizei unterworfen. Das Manifest enthält ferner zahlreiche Straferlasse unpolitischer Vergehen, die Aufhebung zahlreicher Geldstrafen, Niederschlagung der rückständigen Steuern zu Gunsten gewisser Klassen der ärmeren Bevölkerung, sowie weitere Amnestien und Gnadenerlasse. Von einer besonderen politischen Bedeutung scheint hiernach die Krönung nicht werden zu sollen.— Die Krönungsfeierlichkeit ist am Sonntag den 27. ds. in der Uspenski=Kathedrale im Kreml ohne Zwischenfall glücklich von Statten gegangen. Nachdem um 8½ Uhr Morgens das diplomatische Corps in Gala=Equipagen eingetroffen, begab sich der Großfürst Thronfolger, begleitet von den Mitgliedern der Kaiserlichen Familie und den fremden Fürstlichkeiten in die Kathedrale und nahm daselbst Platz. Tiompetengeschmetter und Paukenschall kündigte alsdann an, daß sich der Kaiserliche Zug in Bewegung gesetzt. In dem Augenblick, wo der Kaiserliche Zug erschien, läuteten alle Glocken, die Musikcorps spielten, die Tambours schlugen an, die Truppen präsentirten; aus der dichtgedrängten Volksmenge innerhalb und außerhalb des Kremls ertönten brausende Jubelruse. Die Uspenski=Kathedrale bot einen unbeschreiblich prächtigen und feierlichen Anblick dar. Auf vier Säulen in der Mitte der Kirche war eine Estrade aufgebaut, auf welcher sich zwei Throne besanden; dieselben stammen aus der Zeit der Czaren Michael Feodorowitsch und Alexis Michaelowisch; der erste aus Elfenbein mit kunstvoller Schnitzbarkeit verziert, für den Kaiser, auf dem zweitem, der aus vergoldetem Silber besteht und mit kostbaren Edelsteinen geschmückt ist, nahm die Kaiserin Platz. Gegenüber den Thronen befand sich die Kakonastase(Heiligenbilderschrank), vor den Thronen zwei Tische mit Goldstoff bedeckt, auf denen die Krönungs=Abzeichen lagen. Zu der Estrade unter der großen Kuppel führen sieben Stufen empor, oberhalb derselben befindet sich ein prächtiger Thronhimmel von Sammet und Gold. Auf der Rückseite erscheinen, in Silber gestickt, das große kaiserliche Wappen, sowie die Wappen sämmtlicher zum russischen Reiche gehöriger Völker und Länder. Die Pfeiler der Kirche waren mit den Namenszügen des Kaisers und der Kaiserin und den Wappen derselben geschmückt. 1 geschehen, daß nach seiner Ansicht er sich sterblich in sie verliebte und sie bei ihrem vielen Gelde hier behielte!“ Nicht lange nach diesem Gespräch trat Arnold von Greifenberg die kurze Reise nach... an. Es war zwei Tage vor der Hochzeit, am folgenden wollte Graf Eberstorff eintreffen, um doch, wie es der Anstand erforderte, die Familie Kranzler vor der Hochzeit kennen zu lernen, der Anwalt Blumenthal aber konnte erst eintreffen, um Zeuge der Trauung zu sein. Um einmal einer Hochzeit beizuwohnen, wäre Baronesse Wanda für ihr Leben gern mitgereist, auch wünschte sie sehnlichst die große Stadt mit ihren Schätzen und Freuden einmal zu sehen. Wie aber die Dinge standen, wagte sie richt einmal diesen Wunsch zu äußern und ebensowenig ihrem Bruder, den sie doch so sehr liebte, ihre Glückwünsche und Grüße an seine Braut mit auf den Weg zu geben. Die Familie Kranzler, welche sonst ihre Landwohnung früh zu beziehen pflegte, hatte den Beschluß gefaßt, die Hochzeit in der Stadt zu begehen. Man war von der Ankunft des Bräutigams in Kenntniß gesetzt worden und Helene, die ruhig allen Vorbereitungen ihrer Eltern zu der von ihr nicht begehrten Verbindung zugesehen, sah eben so ruhig Diesem entgegen. Ihr Vater war so zufrieden und aufgeränmt, wie sie ihn lange nicht gesehen, denn ihm waren seine ehrgeizigen Pläne mit ihr gelungen, er war der Ueberzeugung, daß sie sich die Liebe ihres Gatten erwerben werde, und hatte ihr zugesichert, als er ihr umständlich die Verwendung ihrer 100,000 Thaler beschrieben, daß auch sie bald ihn lieben lernen würde. Frau Kranzler dagegen dachte nicht ohne Besorgniß an die nächste Zukunft ihrer Tochter, und hatte auch den Beschluß gefaßt, in eindringlichen Worten ihrem Schwiegersohn das Wohl derselben an's Herz zu legen. Dieser hatte die kurze Reise schnell zurückgelegt, viel zu schnell für seine noch immer widerstrebenden Gefühle. In der großen Stadt angekommen, sicherte er sich in einem der ersten Hotels ein Zimmer, nahm zugleich eines für seinen Onkel in Anspruch und begab sich dann zu einem Juwelier, um die zur Hochzeit ersorderlichen Trauringe zu besorgen. Er wählte zwei schwere — Das Krönungsmanifest, gedruckt in der Kattkoff'schen Offizin, wurde am Sonntag Abend gegen 6 Uhr ausgegeben, zahlreiche Volksmengen umgaben die Druckerei und erwarte ten mut fieberhafter Neugier den Inhalt des Manifestes. Dasselbe verkündet den Erlaß aller Steuerrückstände per 1. Januar d. J. und zwar der Rückstände für Kopfsteuer, directe und indirecte Abgaben, ferner die Strafmilderung aller Urtheile, welche die Gesetzeskraft noch nicht beschritten haben, außerdem die Erleichterung abbüßender Strafen und Aufhebung der polizeilichen Aufsicht der auf administrativem Wege Verbannten und gestattet deren Rückkehr. Das Manifest enthält ferner die Erlaubniß zur Rückkehr für die über die Grenze gegangenen Flüchtlinge und Theilnehmer an der polnischen Insurrektion, denen bisher der Aufenthalt in den Residenzen und in den polnischen Gouvernementsstädten, sowie der Eintritt in den Staatsdienst verwehrt gewesen war. Ausgeschlossen sind hierbei Mörder, Räuber und Brandstifter. Außerdem wird für eine Anzahl begangener Verbrechen theilweise Amnestie angekündigt. Der Inhalt des Manifestes soll nach der Meldung des offiziösen Telegraphenbureaus bei der Bevölkerung die freudigste Stimmung, Jubel und Hurrahrufe erregt haben. Petersburg, 29. Mai. Während der gestrigen Stadterleuchtung sind hier große Unordnungen vorgekommen und in Folge dessen heute von der Polizei alle Krönungsfestlichkeiten verboten worden.— Näheres fehlt. Petersburg, 29. Mai. Am 22. ds. fand in Rostow, der mächtig aufstrebenden, meist von Griechen und Kosacken bewohnte Handels= und Hafenstadt im Bezirk Taganrog, eine große Judenhetze statt; hundert Häuser wurden zerstört, mehrere Menschen getödtet, viele verwundet. Locales und Provinzielles. Castrop, 29. Mai. Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten sah sich dieser Tage veranlaßt, die Vorschrift, wonach die dem Ministerium unterstellten Behörden die Zahlungen für Ausführung der von ihnen vergebenen Arbeiten an die betreffenden Unternehmer als ihnen obliegende Gegenleistung thunlichst zu beschleunigen haben, zur genauesten Beachtung von Neuem einzuschärfen. Die„Gewerbtreibenden," so schließt der betreffende Erlaß„haben Anspruch auf die unverzögerte Gegenleistung der Behörden, und ist die pünkliche Erfüllung der diesem Rechte entsprechenden Pflicht Aufgabe und besondere Sorge einer guten Verwaltung. Castrop, 31. Mai. Durch Verfügung des Finanzministers vom 6. April ist angeordnet worden, daß sämmtliche an die Steuerkassen gerichteten Werthsendungen nicht mehr, wie bisher von der Post abgeholt werden dürfen, sondern den Kassen von dem Briefträger zugestellt werden müssen. Das hierfür fällige Bestellgeld von 5 Pfg. ist daher für die Folge bei Einzahlung der Steuern durch die Post dem Steuerbetrage zuzufügen. Castrop, 1. Juni. Hente Morgen wurde auf der Emscherthalbahn an der Herner Eisenhütte ein Rottenarbeiter von dem Puffer der Locomotive, welche zum Glück schon in langsamerem Tempo fuhr, von dem Bahndamm hinuntergestoßen. Ob der Mann lebensgefährlich verletzt wurde, blieb uns unbekannt. Bodelschwingh, 1. Juni. Am Montag Abend verunglückte auf Zeche„Westhausen“ der unverheirathete Bergmann Böcker dadurch, daß er von dem Bremskorbe erfaßt wurde und dergestalt eine Quetschung erlitt, die seinen Tod bald darnach herbeiführte.— Ebenfalls dort kam es am vergangenen Sonntag Abend zwischen zwei Bergleuten während der Arbeit wegen der stattgehabten Wahl zu Differenzen; der Bergmann B. schlug seinen Kollegen mit der Wetterlampe auf den Kopf und verwundete denselben erheblich.— Ferner wurde der Bergmann Adam Sch. auf seinem Gange nach der Kolonie„Westhausen“ von 4 rauflustigen Helden angefal len. Auf sein Hülferufen kamen einige Bergleute zu Hülfe. Einer der Helden wurde ergriffen, die übrigen gaben Fersengeld. Lütgendortmund, 28. Mai. Am 1. Juni begeht der hier wegen seines biederen Charakters und seines bescheidenen Benehmens von Jedermann hochgeachtete kaufmännische Chef der Zeche„Neu=Iserlohn“, Herr Direktor Althoff, sein 25jähriges Dienstjubiläum als Beamter auf genannter Zeche. Auf Anregung des Ehrenamtmanns Herrn Schulze=Velling= hausen aus Stockum, als Repräsentant der Zeche, wird zu Ehren des Herrn Althoff am Samstag eine Feier im Gasthause des Herrn Westhoff veranstaltet. Herne 27. Mai. Ein auf dem„Regenkamp“ im Alter von etwa 50 Jahren kürzlich verstorbener braver Bergmann, Wittwer, hinterließ seinen Kindern den gewiß ansehnlichen Spargroschen von rund 1200 Mk. Möge das Geld den Kindern zum Segen gereichen! Bochum, 1. Juni. Ein schwerer Schlag hat die katholische Pfarrgemeinde getroffen: Rector Cumpernatz starb am 30. Mai, Nachmittags 1 Uhr. Nach dem Tode des hochw. Herrn Pfarrers Johann Cramer am 8. April d. I. waren ihm die Geschäfte als Pfarrverweser übertragen und hat er solche zu seinen vielen anderen Arbeiten willig übernommen und mit großem Eiser erfüllt; jetzt hat Gott, wenige Wochen nachher, nach nur viertägigem Krankenlager auch den Pfarrverweser aus dem Leben gerusen und tiefgebeugt vor Schmerz beweint die Gemeinde Bochum den Verlust eines Mannes, der durch sein stilles, bescheidenes, ebenso geräuschloses wie nachhaltiges Wirken seit langen Jahren die Seele der weiten Pfarrgemeinde Bochum gewesen ist. Mitten aus der Arbeit hat ihn Gott fast plötzlich abgerufen. Am Fronleichnamsfeste zhatte er in Bochum die hl. Messe gelesen und lange und eindringlich gepredigt, um darauf, wie seit Jahren, der Prozession in Eickel beizuwohnen. Bereits indisponirt, muß der Verstorbene sich dort, bei erhitztem Körper und angestrengten Respirationsorganen, eikältet haben. Rector Johann Heinrich Eberhard Cumpernatz wurde am 26. Dec. 1830 zu Wickede a. d. Ruhr geboren. Die übergroße Arbeit hat die Kraft des kräftig gebauten Mannes vor der Zeit gebrochen. Der Tod hat in hinweggerafft zu einer Zeit, wo seine Autorität, Erfahrung und chinsicht der Pfarrei am nöthigsten gewesen wären. Bochum, 25. Mai. Der„Westf. Merk.“ schreibt: In der benachbarten Gemeinde Weitmar wurde in der vorletzten Nacht ein äußerst frecher räuberischer Ueberfall verübt. Des Nachts haben sich vier vermummte Kerle durch Einbruch Zugang zu den untern Räumen der Wirthschaft einer Wwe. M. verschafft, haben dort erst gegessen und getrunken und sich darauf in den zweiten Stock geschlichen, zunächst einen im Hause wohnenden Steiger B. auf seiner unverschlossenen Stube im Schlafe überfallen und geknebelt, ebenso eine auf dessen Hülferuf herbeieilende Tochter der Wirthin, sind darauf in die Schlafstube der Frau M. selbst eingedrungen und haben diese nebst einer anderen Tochter überwältigt, um dann, weil das Haus isolirt liegt, in aller Ruhe Kisten und Kasten zu erbrechen und zu rauben, was ihnen paßte. Sie erbeuteten 180—200 Mk. an baarem Gelde, eine Taschenuhr, einen goldenen Ring, 10 Flaschen Hochheimer, 9 Flaschen Bordeaux, mehrere Flaschen Champagner, Cognac, Boonekamp, Cigarren u. s. w. Die Hülferufe der Ueberfallenen wurden nicht gehört. Es erinnert dieser Ueberfall an den Rauban= fall zu Ueberruhr bei Steele, wo am 24. November v. I. des Abends bei Hochwasser ebenfalls vier vermummte Kerle den Rentner A. Löwenstein überfielen, knebelten und bedeutender Geldsummen beraubten. Bochum, 31. Mai. Die westfälische Volkszeitung schreibt: Gestern Mittag ging uns durch Leute aus dem Herner Revier die Nachricht zu, daß zwischen Wanne und Baukau an der Tochter eines Wirthes aus letzterem Orte ein neuer Lustmord verübt sei, und wurden uns sogar sehr genaue Angaben über das in einem Kornfelde ermordet aufgefundene Mädchen gemacht. Wie sind auf Grund unserer Erfahrung gegen alle Lustmordgerüchte so hartgläubig wie Thomas und beschlossen daher, die Nachricht erst mal 24 Stunden kalt zu stellen. Solche böse Nachrichten regen die Leute nur auf und kommen, wenn verbürgt, auch den andern Tag noch früh genug. Der„Märk. Sprecher“ und die Bochumer Zeitung", letztere in Fettdruck, brachten dagegen gestern bereits diese Sensationsnachricht, und auch die heute einlanfende„Gelsenkirchener Zeitung“ thut des Gerüchtes Erwähnung. Nach unseren Erkundigungen an competenter Stelle ist an dem Gerüchte kein wahres Wort und erklärt sich dasselbe vielleicht dadurch, daß das Dienstmädchen Beisemann aus Baukau, welche in Schalke dient, ihre Herrschaft ein paar Tage verlasen hat, inzwischen jedoch schon zurückgekehrt ist. In Duisburg verurtheilte das Schwurgericht am 28. Mai die 23 Jahre alte unverehelichte Näherin Elise Schoer aus Mühlheim a. d. Ruhr, welche am 31. Dezember v. I. ihe leibliche, am 23. April v. I. geborene Tochter von der Rhur=Kettenbrücke in Mühlheim a. d. Ruhr in den Fluß geworfen, und dadurch getödtet hat, wegen Todschlags unter Nicht=Annahme mildernder Umstände zu 8 Jahren Zuchthans. Der Vater des Kindes ist der Trompeter Herrmann Oppermann und stand früher in Wesel, jetzt in Mölln(Lauenburg) in Garnison. Tags darauf, am 29. hatte das Schwurgericht abermals über Kindsmord abzuurtheilen, dessen die 25 Jahre alte Dienstmagd Catharine Haumann aus Holthausen bei Vörde angeklagt war. Dieselbe war in vollem Umfange geständig. Sie hatte ihr 7 Jahre altes uneheliches Kind mit vergifteten Weizen umgebracht. Der Gerichtshof sprach die Todesstrafe aus. In Koblenz hat sich die Polizei eines Menschen angenommen, der mit Goldstücken nur so um sich warf und dessen sauberes Geschäft darin bestand, junge Mädchen für ein Etablissement in Belgien anzuwerben, in welchem mit menschlicher Waare Schacher getrieben wird. In Wesseling unweit Bonn fand ein 18=jähriges Mädchen, das mit dem Sortiren von Lumpen beschäftigt war, in der Tasche einer alten Weste eine Dynamitpatrone. Sie stach mit einer Nadel in dieselbe, worauf eine Explosion erfolgte. Der Aermsten wurden mehrere Finger zerfetzt, und ist dieselbe nach Bonn ins Hospital gebracht worden. Bonn, 28. Mai.(21. Verbandsfest der vereinigten Feuerwehren Rheinlands und Westfalens.) Es folgte der Bericht über die Rechnungslage; nach derselben hat die Verbandskasse einen Bestand von rund 700 Mark, von welcher Summe noch einige das gegenwärtige Fest betreffende Kosten gedeckt werden müssen. Zur Revision der Rechnungen für das Jahr 1882/83 und 1883/84 wurden die beiden Wehren von Dortmund und die Crefelder Wehr bestimmt. Bezüglich der Unfallversicherung für Mitglieder der Feuerwehren konnte mitgetheilt werden, daß bereits 3 Versicherungsgesellschaften einen gewissen Fond zu der genannten Kasse garantirt, resp. bereits eingezahlt hatten. Der Antrag der Wehr Castrop: bei den Eisenbahndirektionen zu beantragen, daß auch Wehren unter 30 Mann die Fahrpreisermäßigung gewährt werde, und der Antrag der Wehr von Rheinbach: der Ausschuß möge bestrebt sein, für die Delegirten des Rheinisch=Westfälischen Feuerwehrtages möglichst ermäßigte Fahrbillete zu erwirken, fand durch die Mittheilung Erledigung, daß nach dieser Richtung bereits Schritte geschehen, bisher aber in abschlägiger Weise beantwortet seien. Der Antrag Dortmund: Uebernahme des Verbandsfestes für das nächste Jahr fand, wie schon mitgetheilt, einstimmige Annahme. Mit der Wahl des Uebungsausschusses Goldreife aus, bestimmte die Gravirungen und erklärte sie am folgenden Tage selbst abholen zu wollen. Zur üblichen Besuchszeit fuhr er, da er in der Stadt unbekannt war, nach dem Kranzler'schen Hause, welches schon dem Aeußern nach den Reichthum des Besitzers verrieth. Es war ein weitläufiges dreistöckiges Gebäude mit breiter Marmortreppe, zu deren beiden Seiten sich hohe, glänzend broncirte Glaskandelaber befanden. Als er die schwere mit übergoldetem Griff versehene Hausthüre geöffnet, befand er sich in einem entsprechenden Treppenhaus, stieg die mit weichem Teppich belegten Marmorstufen hinan und zog an der Glocke der verschlossenen Eingangsthüre, wobei sein Blick zugleich auf zwei Seitenthüren fiel, die mit der Bezeichnung„Comptoir“ versehen waren. Zu weiteren Entdeckungen blieb ihm keine Zeit, denn ihm öffnete ein gewandter Diener und führte ihn, nachdem er seinen Namen genannt, in das Privatzimmer seines Herrn. Dieser trat ihm schon aus seinem Arbeitszimmer entgegen, ergriff die ihm mit einer Verbeugung dargereichte Hand und sagte mit der gewandten Höflichkeit, die am leichtesten über alle Verlegenheiten hinweghilft:„Seien Sie herzlich willkommen in meinem Hause, Herr Baron, in dem ich Sie heute zum ersten Male begrüße!— Ich habe Sie hierher führen lassen, da ich noch etwas, meine Tochter betreffend, mit Ihnen besprechen möchte. Nehmen Sie gefälligst Platz——“ Sich in einen der schwellenden Sessel niederlassend, fragte einigermaßen überrascht, denn er glaubte, daß bereits alles Geschäftliche, seine Heirath betreffend, geordnet sei, Arnold von Greifenberg, den der ihm so deutlich entgegentretende Reichthum seines Schwiegervaters fast bedrückte:„Darf ich wissen, Herr Kranzler, um was es sich noch handelt——“ „Es betrifft einfach das Nadelgeld Ihrer zukünftigen Frau und nach meiner Ansicht ist es nur billig, daß auch dies vor der Hochzeit bestimmt wird!“ „Ohne Zweifel, Herr Kranzler, erwiderte der einigermaßen überraschte und beschämte Mann,„und es wundert mich, daß Blumenthal noch nicht daran gedacht——“ „Es ist auch heute noch früh genug, hören Sie daher meinen Vorschlag. Meine Frau erhält von mir jährlich 1000 Thaler zu beliebigen Ausgaben, meine Tochter hat, so lange sie erwachsen ist, 500 Thaler bekommen, ich werde ihr diese lassen——“ „Wie könnte ich das annehmen?“ unterbrach hastig der jüngere Mann, dessen Stolz durch diesen Vorschlag empfindlich berührt war.„Ich kann meiner Frau ebenfalls 1000 Thaler geben, von ihrem Eigenthum noch dazu——“ „Sie scheinen verletzt zu sein, Herr von Greifenberg, und das bedaure ich aufrichtig, sagte begütigend der Banquier.„Ich bitte Sie, gestatten Sie mir, Helenen die 500 Thaler zu geben. Sie sind sogar schon in Ihrem Hause, ich habe sie in ein sicheres Fach ihres Schreibtisches gelegt, nebst einem Briefe, der ihr Vorhandensein erklärt!“ „So kann ich nicht anders, als mich einverstanden erklären, Herr Kranzler, zugleich aber erkläre ich, daß ich meiner Frau jährlich 1000 Thaler Nagelgeld auszahlen werde—“ „Schade, daß sie keine Anlage zu übergroßer Sparsam= keit hat, sonst könne sie sich bald einen heimlichen Schatz sammeln“, entgegnete lächelnd der Kaufmann.„Jetzt aber werde ich mir erlauben, Sie zu ihr zu führen und nachher Sie meiner Frau vorzustellen.“ Mit einem nie empfundenen Gefühl— es war zugleich Neugier, Mitleid und Widerstreben, folgte Arnold von Greifenberg seinem Schwiegervater und gelangte vermittelst einer Privatthüre in das eigentliche Wohnhaus. Dann stiegen sie eine breite Marmortreppe hinauf, die mit weichen Teppichen belegt, deren Geländer mit Sammt bekleidet war, und gelangten in einen Vorraum, an dessen Wänden man Spiegel und Wandleuchter angebracht hatte, welch' letztere, mit kostbaren Gaskronen versehen, wenn angezündet, dem Raum wie den Treppen ohne Zweifel bei Nacht Tageshelle verliehen. Zunächst betraten sie einen kleinen geschmackvoll eingerichteten Saal, eine Art Vor= und Empfangszimmer, in dem zu beiden Seiten sich Flügelthüren befanden, und die ihnen zunächst liegende öffnend, gab der Kaufmann seinem Begleiter ein Zeichen, einzutreten, und ihm folgend, sagte er:„Liebe Tochter, ich bringe Dir hier Deinen Verlobten— Herr von Greifenberg, meine Tochter Helene!“ und ließ dann das Brautpaar allein. Zum ersten Male stand endlich sich das junge Paar gegenüber, das nach 2 Tagen schon als Mann und Weib dies Haus verlassen sollte, jetzt aber nur eine kalte förmliche Begrüßung für einander hatte. Arnold von Greifenberg sah in der reichen Umgebung eines eleganten Wohnzimmers ein holdes junges Wesen vor sich, dessen dunkle ausdrucksvolle Augen voll sorschender Spannung auf die seinen gerichtet waren, im Uebrigen jedoch in vollkommen ruhiger, selbstbewußter Haltung seiner Anrede harrte. Helene Kranzler aber entdeckte gar bald, daß der Mann, dem ihr Vater sie am nächstfolgenden Tage als eigen übergeben wollte, sie fast ängstlich musternd betrachtete, daß aber sein Blick zutrauenerweckend war und wohlklingend die Stimme, die in ruhigem, beinahe gleichgültigem Tone jetzt sagte: „Mein Fräulein, nach der Vorstellung Ihres Herrn Vaters bleibt mir keine weitere Erklärung meiner Person übrig. Eben so wohl wissen Sie gleich mir, daß dem Wunsch und Willen unserer Väter gemäß, wir übermorgen ehelich verbunden werden, ohne uns einmal kennen gelernt zu haben. Natürlich fehlt unserer Verbindung die gegenseitige Liebe, die sonst zu einem solchen Schritt führt und müssen wir daher in gegenseitiger Pflichterfüllung vorerst Befriedigung suchen. Ich bin anch gezwungen, Sie darauf vorzubereiten, daß vielleicht anfänglich Ihnen das Leben in meiner Familie nicht zusagen wird; so viel es mir möglich ist, werde ich indeß Ihre Rechte und Ansprüche wahren und vertreten. Mehr aber vermag ich Ihnen nicht zu versprechen, denn ich stehe einmal zwischen Ihnen und den Meinen. Seien Sie indeß von meinem aufrichtigen Wunsch und Bestreben, Ihnen Ihre neue Heimath lieb und werth zu machen, überzeugt, und folgen Sie mir, das Beste von der Zukunft erwartend, vertrauungsvoll dahin!“ (Fortsetzung folgt.) em Orte ein gar sehr ge# tordet aufgerund unserer tgläubig wie erst mal 24 en regen die ch den andern und die Bosten dagegen uch die heute Gerüchtes Ercompetenter und erklärt ädchen Beisesie Herrschaft schon zurückzricht am 28. Elise Schoer zember v. 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Mehr denn ich stehe eien Sie indeß en, Ihnen Ihre rzeugt, und folartend, vertrauund der Ergänzungsmahl des Ausschusses nach§ 11 der * S a t z u n g e n s c h l o ß d e r H e r r V o r s i t z e n d e d i e V e r h a n d l u n g e n d e s Delegirientages mit einem Hoch auf die Stadt Bonn. Um * 8½ Uhr vereinigte die Delegirten rc. ein Festmahl in dem*: W a r d e r e r s t e T a g d e s F e u e r w e h r v e r b a n d s f e s t e s u n t e r allgemeiner Theilnahme der Bevölkerung verlaufen, so war ##dies erst recht der Fall am zweiten. Kaum war der Tag ##angebrochen, so wurde es bereits recht lebendig auf den Straßen und nicht lange dauerte es, so langte auch schon zu Fuß und zu Wagen eine große Menschenmenge hier an. Immer lebendiger wurde es und als nun die Bahnzüge die ersten Festgäste brachten, da war Freude und Jubel überall und auf den Straßen wogte eine Menschenmenge, die gewiß dreimal größer war, als Bonn's Einwohner zählte. Gegen Mittag # m o c h t e n d i e l e t z t e n W e h r e n u n t e r S a n g u n d K l a n g h i e r e i n gezogen sein: natürlich wurde zunächst kurze Rast gehalten und * Speise und Trank genossen, denn mancher Magen hatte wäh## r e n d d e r l a n g e n R e i s e e i n e b e d e n k l i c h e L e e r e a u f z u w e i s e n, w ä h r e n d # wieder andere Gäste recht trokene Lippen bekommen hatten. Aber allen diesen„Leiden" wurde abgeholfen; die Hotels und Wirthschaften unserer Stadt hatten reichliche Fürsorge a getroffen, um allen Hungrigen und Durstigen mit guten Speisen und Getränken aufwarten zu können. Die Kolonnen formirten sich gegen 12 Uhr auf den Alleen des Hofgartens zum Festzuge. Einen solchen Zug hat * Bonn noch nicht gesehen. Vertreten waren 85 Wehren mit 24 Musikkorps, denen noch 4 hiesige Kapellen beizuzählen sind, was die große Zahl von 28 Musikkorps ausmachte. Anwesend waren folgende Städte(jedes Sternchen bedeutet mit Musikorps): *St. Pönis, Witten,*Mühlheim a. Rh., Lüdenscheid, * Oede, Unna, Schalke, Fischeln, Herbede*Nippes, Neuwied, Hörde,*Dorp,*Rade vorm Wald, Rheydt, Paderborn, *Barmen,*Coesfeld, Langerfeld, Hückeswagen, Mühlheim a. d. Ruhr, Brackerfeld,*Rheinbach, Letmathe, Leverkusen, *Lennep,*Kalk,*Elberfeld, Deutz, Duisburg, Oberhausen, Herdecke, Uerdingen,*Euskirchen, Siegburg, Neuß, Bliedinghausen, Gerresheim,'Reydt(Turner=.=.), Zeche„Eintracht Tiefbau"*Solingen, Wetter, Soest, Wesel, Werne, Wermelskirchen, Langendreer, Wattenscheid, Grevelsberg, Altena, Eikel, 7Iserlohn, Duisburg,(Turner=.=.), Werl, Neviges, Gelsenkirchen, Steele,*Bochum, Essen,(Männer=Turner=.=.) *Dortmund(F..), Dortmund(..), Dortmund, LöschAbtheilung III), Langenberg, Homberg, Uekendorf, Coschenbroich, Düren, Altenessen, Hagen, Castrop,*Ohligs, Hamm Gladbach, Haspe, Dallerau, Ronsdorf, Hofstede, Zeche„NeuIserlohn“ Gräfrath, Oberdrees, Obercassel, Wesseling, Bonn, Ehrenfeld, insgesammt über 4000 Mann. Volle 25 Minuten nahm der Vorbeimarsch dieses kolossalen Zuges in Anspruch. Es bot sich ein ebenso interessantes wie imponirendes Bild, all' diese Wehrmanschaften in fröhlicher Stimmung und stolzen Schrittes durch die festlich verzierten Straßen ziehen, wie Rheinbach, Siegburg, Euskirchen, Neuwied 2c., zum Theil in weißen Blousen, wie die Rheins länder, oder in blauen Jacken, wie die Neuwieder, sahman die markigen Gestalten aus den Centren der westfälischen Industrie Dortmund und Bochum. Die Böller am Rhein sandten den Ankommenden ihren ehernen Gruß entgegen; auch das daselbst vor Anker liegende Extraschiff, der Barmer„Moltke“, stimmte in den donnernden Salut ein, dem sich ein vorbeifahrender Schleppdampfer anschloß. Gegen 1¼ Uhr langten die Mannschaften auf dem Festplatze, neues Rheinwerft, an. Nachdem die mächtigen Töne der von den vereinten Kapellen gespielten„Wacht am Rhein" verklungen, nahm die Uebung der Bonner Wehr ihren Anfang. Dieselbe zerfiel in zwei Abtheilungen: Schulund Hauptübung. Die Schulübung umfaßte das Steigen von 8 Mann mit Leitern bis aufs Dach mit und ohne Tempo, dem noch verschiedene Uebungen, wie die der Spritzen=Abtheilung folgten. Die Hauptübung stellte die Löschung eines Brandes in einem isolirt dastehenden vierstöckigen Gebäude Der Brand war in der zweiten Etage ausgebrochen. mit einem Hoch auf die anwesenden Magistratsmitglieder Herren Sonnenschein und Marx. Letzterer dankt für das Hoch und führt aus, daß, so lange der Magistrat von Dortmund wisse, was er an den Wehren habe, die letzteren auch wissen sollten, was sie an dem Magistrat hätten. Nachdem am Nachmittage in verschiedenen Lokalen, auch in Beuel Conzerte stattgefunden hatten, folgten am Abend in der Beethovenhalle sowie in der Entracht Bälle. Ueberaus zahlreich besucht war die Beethovenhalle. Die künstlerisch schöne Ausschmückung derselben verdient hervorragende wähnung, wie überhaupt die Dekorationskommission ihre Aufgabe zur allseitigen Zufriedenheit gelöst hat. Das Fest verief sonst ohne jede Störung. Heute ist noch eine beträchtliche Anzahl Mannschaften anwesend. Um 12¾ Uhr findet die Feitfahrt hatt.„ Pv,.: 9, Thinischemst Bonn, 29. Mai. Den Schlun des 21. Theinisch=westjälischen Feuerwehr=Verbandsfestes bildete die gestrige Festjahrt per Dampfboot nach Königswinter. Unter Vorantritt eines Musikkocps zog die hies. Wehr mit Familie, der sich viele Freunde und Gönner angeschlossen hatten, gegen 1 Uhr zum Rhein. In Königswinter angekommen, stieg man in einem Restaurant ab, woselbst schon verschiedene andere Wehren bereits eingetroffen waren. Nach einiger Erholung und Absingen eines Liedes, sowie eines von den Dürener Feuerwehrmannschaften auf die Bonner Wehr ausgebrachten Toastes setzte sich der imposante Zug in Bewegung, bestieg die Ruine des Drachenfels, von wo man nach verschiedenen Reden und Aufführung mehrerer Musikpieecen den Rückweg antrat. Ein Herr aus Essen hatte eine größere Quantität Bier, ca. 15 Faß, heranschaffen lassen, welches die Wehrmänner angesichts des schönen Panoramas und beim Gesang froher Rheinlieder sich munden ließen. Die Rückfahrt nach Bonn fand per Extrazug statt, woselbst im Vereinslokal eingekehrt und nach Austausch über die verlebten Festesfreuden das traute Heim aufgesucht wurde. Hiermit fand das 21. Verbandsfest der freiwilligen Wehren von Rheinland und Westfalen seinen endgültigen Abschluß. Zeigte auch mel am Sonntage nicht minder ein freundliches Gesicht, so war die Stimmung der einzelnen Wehren und der hiesigen Bürgerschaft eine um so ungebundenere und festlichere. Sämmtliche Festlichkeiten sind in der herrlichsten Weise verlaufen, kein Mißton trübte die allgemeine Freude. Bonn kann daher die auswärtigen Feuerwehren scheiden sehen in dem Bewußtsein, seiner Pflicht in hohem Grade Genüge geleistet und alles aufgeboten zu haben,„um den Verbandsmitgliedern den Aufenthalt in unserer Stadt zu einem angenehmen gestaltet zu haben, und die auswärtigen Vereine scheiden in dem frohen Bewußtsein, bei ihren Verbandsbrüdern schöne Tage und ein wahres Freudenfest verlebt zu haben. Sowohl den Wehren als auch unserer Bürgerschaft wird dieses Fest noch lange im Gedächtnisse bleiben. Bonn, 28. Mai. Wie die„Reichsztg.“ mittheilt, ist infolge der in letzter Zeit so vielfach vorgekommenen Kirchendiebstähle in der Münsterkirche eine Bewachung derselben in der Art angeordnet worden, daß ein Küster während der Nacht mit einem Hunde in einem an das Innere der Kirche angrenzenden Raume sich aufhält. Es ist eine Vorrichtung getroffen, daß derselbe im Nothfall den andern Küster sofort alarmiren kann.„ Erbach(Rheingau), 29. Mai. Prinzessin Marianne der Niederlande ist heute früh 5¾ Uhr auf ihrer hiesigen Besitzung gestorben.(Prinzessin Wilhelmine Friederike Charlotte Marianne war geboren zu Berlin am 9. Mai 1810, vermählt 1830 mit dem Prinzen Friedrich Heinrich Albrecht von Preußen. Ihr Gatte, von welchem sie 1849 geschieden wurde, starb 1872.) Neuwied, 31. Mai. Die Konigin von Schweden ist heute Nachmittag zum Besuch der fürstlichen Familie hier eingetroffen, dieselbe wurde auf dem Bahnhofe von dem Prinzen von Nassau, der Königin von Rumänien, der Fürstin und der Fürstinmutter von Wied empfangen. Es galt, das Feuer, welches schon die Treppe der zweiten Etage, sowie die Zimmer daselbst ergriffen hatte, von 3 Seiten zu bekämpfen, sowie die auf dem 3. Stock zusammengedrängten Bewohner zu retten. Der Rettungssack kam hierbei auch in Anwendung. Die Uebungen gingen ungemein glatt, präcise und sicher von Statten und wenn von der öffentlichen Vorstellung von der Berliner Wehr auf der Hygiene=Ausstellung gesagt wurde, so etwas sei außer Berlin nicht zu sehen, so bot die Uebung am Rheine ein würdiges Penvant hierzu. Es mangelte auch nicht an sehr anerkennenswerthen Worten Seitens der übrigen Wehren bei der staunenswerthen. sion, wie auch derjreiche Beifall erscholl. Die Kahnstor#ue###n dem Rheine mußte einen Theil des Inhalts der Schläuche über sich ergehen lassen, doch störte dieses die Stimmung nicht im Mindesten. Nachdem so das Tagewerk beendet, zogen sich die Feuerwehrmänner zurück, um sich nach den Anstrengungen und den Strapazen der weiten Fahrt gründlich an Bonner Keller und Küche zu restauriren. Der Andrang in den einzelnen Restaurants und Wirthschaften war enorm. Die Dortmunder Freiwillige Bürgerfeuerwehr begab sich in das Hotel zum„Römer“, wo dieselben ein gemeinsames Essen vereinte. Dem Wirthe gebührt für seine Leistung alle Anerkennung, Essen und Wein waren gleich vorzüglich bei billigen Preisen. Die Stimmung wurde hier noch besonders animirt durch verschiedene Toaste, deren erster von Herrn Stadtrath Sonnenschein ausgebracht wurde und zwar auf unsern Kaiser, der gleich wie er für alles, gut sei, ein warmes Herz habe, so auch dem Willen der erwehren sehr sympathisch gegenüberstehe. Brausenden Widerhall fand das Hoch, worauf unter Begleitung der engagirten Deutzer Militairkapelle, die während des Essens konzertirte, die Nationalhymne gesungen wurde. Den folgenden Toast brachte Herr Hageböck aus, indem er ausführte, daß die Behörde von Dortmund den dortigen Wehren im Gegensatz zu andern Behörden sehr wohlwollend gegenüberstehe und schloß Vermischte Nachrichten. * Onkel Tom gestorben. New-Yorker Blätter melden den Tod des Negergeistlichen Joseph Henson, welcher das Original von Frau Becher=Stowe's Hauptfigur in Onkel Tom's Hütte war. Er starb am 5. Mai auf seiner Farm unweit Dresden in Ontario(Canada) in seinem 94. Lebensjahre. * Das Alter der europäischen und außereuropäischen Monarchen stellt sich zur Zeit wie folgt: Kaiser Wilhelm von Deutschland ist 86 Jahre alt, der König der Niederlande 66, der König von Dänemark 65, die Königin von England 64, der König von Württemberg 60, der Kaiser von Brasilien 57, der König von Sachsen 55, der König von Schweden und Norwegen 54, der Kaiser von Oesterreich 52, der König der Belgier 48, der König von Portugal 44, der König von Rumänien 44, der Sultan der Türkei 40, der König von Italien 39, der Kaiser von Rußland 38, der König von Bayern 37, der König von Griechenland 37, der König von Serbien 28 und endlich der König von Spanien, der erst 25 (Der neueste Kalauer.)„Hygiene“ nannte der Berliner das abgebrannte Ausstellungsgebäude für Menschenrettung und Gesundheitspflege und das jetzige nennt er—— die eoep uktendorf, 25. Mai. Einen Aet brutaler Rohheit verübte am Mittwoch Nachmittag ein 16jähr. Bursche. Derselbe hatte zu Hause Wortwechsel bekommen, in Folge dessen er dazu überging, seine leibliche Mutter zu prügeln; als die Großmutter des Burschen zur Hülfe herbeieilte, feuerte er einen Revolverschuß auf seine Mutter ab, glücklicherweise aber ohne dieselbe zu treffen. Der in Folge des Auftrittes von der Arbeit herbeigeholte Vater, an welchem der Bengel sich ebenfalls vergriff, brachte ihn endlich mit Hülfe von Nachbarn durch Verabreichung des verdienten Lohnes zur Ruhe. Der ungerathene Sohn, welcher, wie man der „E..“ schreibt, sich dem Lehrfach widmen will, dürfte schwerlich noch in die Lage kommen, diesen Beruf auszu88.„ M G * Kalau, 2r. Mai. Ein schrealiches Verbrechen ist in unserer Umgegend verübt worden. Man fand am 23. d. M. in der Reudener Haide, unweit des Chausseehauses von Renden, ein Mädchen von 18—20 Jahren todt vor. An dem Kopfe bemerkte man Spuren gewaltsamer, augenscheinlich mit Stiefelabsätzen erfolgter Mißhandlung. Nach der Kleidung ist das Mädchen aus anständiger Familie. In dem Taschentuche fanden sich die Buchstaben A. C. vor. Es müssen mehrere Personen bei dem Morde betheiligt gewesen sein, da man mehrere Fußspuren um die Leiche wahrgenommen. * Eine grauenvolle Unthat, die von ganz besonderen, schaudererregenden Umständen umgeben ist, wurde dieser Tage in einer Fabrik bei Gmunden(Oesterreich) entdeckt. Vor einigen Wochen verschwand eine der Fabrikarbeiterinnen, ein junges Mädchen, ohne daß man erfuhr, wohin sie sich gewendet. Längere Zeit ahnte Niemand, daß der Fabrikarbeiter Kugler, welcher in den Arbeiterwohnungen eine Dachkammer inne hatte, an dem Verschwinden dieser Person Schuld trage. Da jedoch aus der Dachbodenabtheilung ein abscheulicher Leichengeruch drang, der überdies sogar an Kugler sich bemerkbar machte, wenn er in die Fabrik zur Arbeit kam, da Kugler sich ferner dadurch auffallend verdächtig machte, daß er Niemanden von dem weiblichen Dienstpersonale in seine Kammer ließ, so häuften sich die Verdachtsmomente, daß hier möglicherweise ein Verbrechen vorliege, so sehr, daß man das Gemach während seiner Abwesenheit öffnen ließ und die Bettstelle, von welcher ein erstickender Leichengeruch ausging, untersuchte. Alsbald entdeckte man zwischen der Strohmatratze und dem Unterbett einen in voller Verwesung begriffenen weiblichen Leichnam, in dessen verpestender Nähe der Unmensch die Nächte— man weiß nicht, wie viele— verbracht haben mußte. Sofort wurde der Gensdarmerie die Anzeige erstattet. Inzwischen wurde Ludwig Kugler flüchtig. Die gerichtliche Untersuchung wird klarlegen, wie und wann es dem Verbrecher gelang, sein Opfer in die Falle zu locken. Osnabrück, 25. Mai. Während das jetzt in einen Trümmerhaufen verwandelte Neuenkirchen beim Brande selbst keinen Verlust an Menschenleben zu beklagen hatte, ist gestern noch nachträglich ein tranniger Fall passirt. Die Lehrerin der„Nähschule“ ging gestern Nachmittag an den Ruinen des Kirchthurms vorbei, als sich plötzlich ein schweres Steinkreuz loslöste, uod den Schädel der armen Frau zerschmetterte.— Der Brandstifter, ein 14jähriger Stellmacherlehrling, ist ver haftet. * Aus dem Rheingau, 26. Mai. Die Figur der Germania für das National=Denkmal auf dem Niederwald wird, von dem Erzgießer Herrn von Miller jr. begleitet, mit einem Extrazuge von München nach Worms und von da auf dem Rhein nach Rüdesheim gebracht werden. Die Probefahrt auf der genannten Eisenbahnstrecke mit einem Holzgestelle von dem Umfange der Figur hat die Möglichkeit des Transportes derselben ergeben. Die meiste Schwierigkeit bietet die Ausfahrt aus München, ferner die Brücke bei Donauwörth und diejenige bei Steinach. Die nothwendige Entfernung resp. Versetzung von Schlagbäumen und Telegraphenstangen ist überall bereitwilligst zugesagt worden. Die Reise von München bis Worms wird rasch und ohne Unterbrechung erfolgen, zumal kein anderer Eisenbahnzug den der Germania passiren, also Kreuzung nur auf den Stationen stattfinden kann. Von Worms ab wird ein Trajectboot benutzt. Aus diesem kommen die Gußtheile auf die Schienen der Eisenbahn vom Rüdesheimer Bahnhofe nach der Stelle oberhalb Rüdesheim, wo die Bahn die Geisenheimer Chaussee überschreitet. Hier findet die Verladung auf Pferdewagen statt, welche bis zum Denkmalplatze hinauf fahren. * Etwas vom wunderschönen Monat Mai. Im menschlichen Leben hört man oft sagen Dieser oder Jener sei besser als sein Ruf; vom„wunderschönen“ Monat Mai kann man just nur das Gegentheil sagen. Das kommt, weil er so oft die wohlberechtigten Hoffnungen, welche man an das Wiedererwachen der Pflanzenwelt knüpft, ganz oder theilweis zerstört. Im alten Volksglauben ist der Mai übrigens auch ein Unglücksmonat. Eine Hochzeit im Monat Mai ruft den Tod herbei. Flachs im Mai gesäet, gedeiht, außer der am 12. (Pancratius) gesäete. Kinder dürfen im Mai nicht entwöhnt werden. Für uns darf er auch Unglücksmonat genannt werden, weil er unseren Land= und Gartenbesitzern vergeblich auf den so sehr nöthigen Regen warten ließ, der doch nun endlich ernstlich im Juni eintreffen will. * In Berlin wettete Jemand, es würden die Kellner in sämmtlichen Restaurationen die beiden letzten Worte einer Bestellung, die er an sie richten werde, wiederholen. In der That gewann er die Wette. Die Bestellung lautete auf ein Butterbrödchen mit Speck. Sämmtliche Angeredete wiederholten nun die Worte„mit Speck“ in fragendem Tone. Eine ähnliche Wette wurde s. Z. in Köln zum Austrag gebracht. Auf ein und dieselbe Mittheilung sollte zwanzigmal ein und dieselbe Frage erfolgen. Der Wettende, eine in Köln sehr bekannte Persönlichkeit, stellte sich an den„Vierwinden“ auf, ruft einen vorübergehenden Bekannten zu sich und sagt: Weißt Du was Neues? Nun? Der Schmitz ist todt. Welcher Schmitz? fragt der Angeredete und ganz genau so die übrigen 19, denen die Mittheilung gemacht wurde. Der Name Schmitz ist nämlich der am stärksten verbreitet in Köln. Stockflecke aus seidenen Kleidern zu entfernen. Oft weichen die Stockflecke schon dann, wenn man die Zeuge bei trockner Witterung eine zeitlang in die Luft hängt. Hilft das aber das nicht, so vermische man einen Theil Salmiakgeist mit 10 Theilen Wasser und befeuchte die Flecke damit Civilstand des Standesamtes Castrop für die Zeit vom 21. bis inclus. 31. Mai er. Geboren: ein Knabe: Bergmann Heinrich Degener zu Obercastrop,— Rangirmeister Johann Lenschen zu Rauxel,— Bergmann Friedrich Wilhelm Hartmann zu Westerfilde,— Bergmann Ludwig Wolf zu Westerfilde,— Bergmann Nicolaus Hastenteufel zu Castrop,— Schmied Franz Schulte zu Westerfilde,— Schuhmacher Heinrich Friedrich Christian Engemann zu Frohlinde,— Bergmann Ferdinand Leßmann zu Obercastrop,— Bergmann Heinrich Wilhelm Kampmann zu Nette,— Bergtagelöhner Wessel Heinrich Bertmann zu Castrop; zwei Knaben: Bergmann Theodor Johann Kleinhubert zu Giesenberg=Sodingen; ein Mädchen: Bergm. Georg Heinrich Joseph Keinhörster zu Mengede,— Bergmann Carl Friedrich Wilhelm Vullriede zu Westerfilde.— Bergmann Rudolf Berner zu Obercastrop,— Bergm. Wilh. Wolters zu Nette,— Wirth Theodor Nöthe zu Börnig,— Maurer Heinrich Denneborg zu Castrop,— Ziegelarbeiter Bernard Janssen zu Mengede,— Bergm. Heinr. Flüß zu Nette. Gestorben: Helene Steuber zu Merklinde, 1 J. 9 Mon.,— Landwirth Heinr. Grasmann zu Schwieringhausen, 41 J. 3 Mon.,— Maria Elisabeth Reißing zu Merklinde, 2 J. 2.,— August Lenschen zu Rauxel, 1/2 Stunde,— Johanna Tollkamp zu Obercastrop, 1 J. 8 Mon.,— Elibeth Cohen zu Castrop, 2 Mon.,— Heinrich Kleine zu Dingen, 2 J. 10 Mon.,— Bahnarbeiter Friedrich Wilhelm Strotmann zu Nette, 20.,— Maria Holtmann zu Castrop, 6 Mon.,— Ziegler Philipp Peter Wiertz zu Castrop, 63 J. 8 Mon.,— Todtgeborene Tochter des Bergmanns August Ischen zu Bövinghausen,— Schreiner Ludwig Richter zu Obercastrop, 43 J. 8 Mon.,— Lina Erlenbauer zu Dingen, 10 J. 1 Mon.,— Bergmann Ferdinand Gockel aus Holthausen zu Castrop, 32 J. 4 Mon.,— Tagelöhner Theodor Hülsmann zu Habinghorst, 78 J. 2 Mon. Aufgeboten: Bergmann Johann Keßler mit der gewerbslosen Anna Maria Therisia Buch zu Obercastrop,— Landwirth Georg Wilhelm Lakenberg zu Obercastrop mit der Wittwe Christina Elisabeth Weber geborenen Kessebohm zu Grumme, Kreis Bochum,— Stellmacher Johann Bernhard Heinrich Wilchelm Berkenkamp zu Nette mit der gewerbslosen Wilhelmine Sigger zu Groppenbruch,— Bergmann Carl Winter zu Börnig mit der gewerbslosen Anna Maria Methler zu Hiltrop, Kreis Bochum. Verheirathet: Eisenbahn=Lademeister Wilhelm Sigger zu Groppenbruch mit der Dienstmagd Elise Köster zu Mengede,— Bergmann Peter Urschel mit der gewerbslosen Anna Elisabeth Sibbe zu Castrop,— Bergm. Georg Wilhelm Jung zu Westerfilde mit der gewerbslosen Caroline Berensmann zu Bodelschwingh,— Bergmann Wilhelm Langeweltpoth mit der gewerbslosen Anna Theresia Friederika Brand zu Castrop,— Viehhändler und Metzger Levy Blumenthal zu Castrop mit der Haushälterin Bertha Ostberg zu Gronau. 1 Militar-Aushebung. Das diesjährige Ober=Ersatz=Geschäft für den Aushebungs=Bezirk„Landkreis Dortmund“ findet am.,., 11., 12., 13. und 14. Juni d.., von Morgens 7 Uhr an im Kühn'schen Saale, Wißstraße Nr. 17, zu Dortmund statt. Militärpflichtige, welche die vorgeschriebene An= und Abmeldung zur Stammrolle unterlassen, sowie Diejenigen, welche der Vorladung, sich zur Musterung oder Aushebung vor der Ersatz= oder Ober=Ersatz=Commission zu stellen, keine Folge leisten, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder entsprechender Gefängnißstrafe belegt. Militärpflichtige, welche bei Aufrufung ihres Namens im Musterungs= und Aushebungstermine nicht anwesend sind, werden mit eine: Geldstrafe bis zu 30 Mark oder entsprechender Gefängnißstrafe belegt. Jede Störung der Ruhe und Ordnung während des Aushebungsgeschäftes wird mit einer Geldstrafe bis zu 15 Mark oder mit verhältnißmäßiger Gefängnißstrafe geahndet. Eine gleiche Strafe trifft den Militärpflichtigen, welcher im Aushebungstermine ohne Erlaubniß der Ersatz=Commission sich von dem angewiesenen Sammelplatze entfernt. Reklamationen sind bei dem Amtmann, Bürgermeister oder dem königl. Landrath und zwar so zeitig anzubringen, daß sie bei der Ober=Ersatz=Commission noch zur Vorlage und Entscheidung gebracht werden können. Reklamationen, welche so spät eingelegt worden sind, daß sie bei der Ober=Ersatz=Commission nicht mehr zur Vorlage und Entscheidung gebracht werden konnten, haben keinen Anspruch darauf, von der Ober=Ersatz=Commission berücksichtigt zu werden. Die Familien=Mitglieder, auf deren Arbeits= oder NichtarbeitsFähigkeit es bei der Beurtheilung der Reklamation ankommt, haben mit zu erscheinen. Die Militärpflichtigen müssen sowohl vor der Ersatz= als der OberErsatz=Commission sauber gewaschen und in reinlicher Kleidung erscheinen. Diejenigen Militärpflichtigen, welche die Berechtigung zum Einjährig=Freiwilligen Dienst haben und in diesem Jahre der Königlichen Ober=Ersatz=Commission behufs Erlangung einer endgiltigen Entscheidung vorzustellen sind, haben ihre Anträge spätestens bis zum 8. Juni d. J. unter Beifügung des Berechtigungsscheins einzureichen, soweit solches nicht bereits geschehen ist. Dortmund, den 28. Mai 1883. Der Landrath. v. Rynsch. Krieger- und LandwehrVerein Castrop. General=Versammlung am 3. Juni, Nachm. 5 Uhr. Tages=Ordnnng: 1) Zahlung der Beiträge. 2) Aufnahme neuer Mitglieder. 3) Wichtige Vereins=Angelegenheiten. Der Vorstand. Emil Funcke, Düsseldorf rorzüglicher U empf fiehlt sein großes Lager Sonntag den 3. Juni # O der Gesellschaft Grüneberg aus Essen. Morgens 11 Uhr: Matinée. Nachmittags Anfang um 4 Uhr. F. Bärwolf. Senanutmachung. Den Amtseingesessenen wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Anträge auf Entlassung nach zweijähriger Dienstzeit aus dem stehenden Heere in der Zeit vom 10. bis 15. Juni er. mündlich unter Vorlage der dazu gehörigen Dokumente, als Schuldennachweisungen und ärztliche Atteste pp., auf dem hiesigen Amtsbureau entgegen genommen werden. Castrop, den 29. Mai 1883. Der Amtmann. I..: Der Beigeordnete Schmidt=Köllmann. Veranntmachung. Communalsteuer=Listen 1883/84 des Amtes Castrop liegen vom 2. Juni bis incl. 15. Juni er. auf dem Bureau der Communalkasse hierselbst zu Jedermanns Einsicht offen. Castrop, den 29. Mai 1883. Müller=Tolffs. Am Montag den 4. Juni, 10 Uhr, werde ich an der Behausung des Gastwirths Herrn Herdickerhoff hier zwei Pferde für Rechnung dessen, den es angeht, öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigern. Castrop, 1. Juni 1883. Bergerhoff, Gerichtsvollzieher. Der unbekannte Anstreicher, der mir in der Nacht vom 1. zum 2. Pfingsttage zwei Warnungstafeln mit Teer angestrichen hat, kann sofort seine Rechnung einreichen. Holthausen, den 1. Juni 1883. Täpten. Am Sonntag ist in der Expedition#s. Bl. ein Regenschirm stehen geblieben und ann derselbe hier abgeholt wer den. Am Dienstag 5. Juni, ... Vorm. 9 Uhr, werden im Pfandlokale beim Wirth Herdickerhoff hier Mobilien aller Art, als: Tische, Stühle, Glas= u. den, Sophas, Serwanten, Heiz= u. Kochöfen, Bettstellen mit Betten, Spiegel, Wand= u. Taschenuhren, 2 Tafelklaviere, sowie 2 neue 3= zöllige Waagen, 1 (Wallach), 1 Kanarien= vogel, u. s. w. öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung verkauft. Bergerhoff, Gerichtsvollzieher. 2n........„..„ Allein acht mit dieser Schutzmarte. Lurädte Schchrmate. Der rheinische Trauben=Brust= Honig, seit 16 Jahren aus dem Extracte edelster Trauben bereitet, und als angenehmstes und vorzüglichstes aller diätetischer Genußmittel b. Gusten. Katarrb, Heiserkeit. 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Gesammtzahl der Gewinne 10,000. 1. Ziehung am 5. Juli 1883. Hauptgewinnne: 10,000, 4000, 2000, 1500, 1200, 11000, 700, 500 Mk., sowie noch viele Gewinne in geringerem Werthe. 2. Ziehung am 9. August 1883. Hauptgewinne: 10,000, 4000, 3000, 2000, 1500, 1000, 700 Mk., sowie noch viele Gewinne in geringerem Werthe. 3. Ziehung am 11. Sept. 1883. Hauptgewinne: 12,000, 4500, 2500, 1800, 1200, 900, 700 Mk., sowie noch viele Gewinne in geringerem Werthe. 4. Ziehung am 9. Octbr. 1883. Hauptgewinne: 15,000, 4500, 2500, 1800, 1200 Mk., sowie noch viele Gewinne in geringerem Werthe. 5. Zieh. vom 20.—27. Nov. 1883. Hauptgewinne: 60,000, 30,000, 12,000, 6000, 5000, 4000, 3000, 2500, 2000, 1800, 1500, 1200 Mk., sowie noch viele Gewinne in geringerem Werthe. Zu haben bei Ph. Culbart. Die neresten Gaschin Tahtguggg — Ausgabe vom 1. Juni 1883 sind zum Preise von 30 Pfg. zu haben bei G. Heinemann. o möopathie heilt sicher und dauernd alle heilbaren Leiden auf e. f. d. 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Culbart. Postwagen-Fahrten zwischen Castrop Stadt u. Bahnh. Castrop. Vom 1. Juni d. Ihs. treten im Gange der Posten zwischen Castrop Stadt und Bahnhof folgende Veränderungen ein: I. Fahrt aus Castrop Stadt 5,50 Vorm. in„ Bahnhof 6,10 Vorm. aus„„ 6,25 Vorm. in„ Stadt 6,45 Vorm. II. Fahrt aus Castrop Stadt 8,45 Vorm. in„ Bahnhof 9,05 Vorm. aus„„ 9,20 Vorm. in„ Stadt 9,40 Vorm. III. Fahrt aus Castrop Stadt 10,25 Vorm. in„ Bahnhof 10,45 Vorm. aus„„ 11,20 Vorm. in„ Stadt 11,40 Vorm. IV. Fahrt aus Castrop„ 1,25 Nch. in„ Bahnhof 1,45 Nch. aus„„.00 Nch. in„ Stadt 2,20 Nch. V. Fahrt aus Castrop„ 4,20 Nch. in„ Bahnhof 4,40 Nch. aus„„ 4,55 Nch. in„ Stadt 5,15 Nch. VI. Fahrt aus Castrop„ 7,30 Nch. in„ Bahnhof 7,50 Nch. aus„„ 8,05 Nch. in„ Stadt 8,25 Nch.