68.4 Nummar 140. 10! Gastroper Zeitung kaureler Neueste Nachrichten Donnerstag, den 10. September 1943 Turteste=Rumpse um Stallngrad! Beherrschende Höhen unmittelbar westlich der Stadt im Sturm genommen Drei Namen Keine wirksame Ablenkung Telegramm unseres Lissaboner Mitarbeiters kb Lissabon, 10. September. Zu den vergeblichen Entlastungsangriffen der Sowiets sagt die USA=Zeitschrift„Time“, daß es nicht gelungen sei, irgendeine wirksame Ablenkung zu erreichen. Die Sowjetarmee habe bis jetzt noch nicht ihre Fähigkeit unter Beweis zu stellen vermocht, eine erfolgreiche Offensiv=Aktion gegen das volle Gewicht der deutschen Armee starten zu können. Auch über die Lage in Moskau berichtet die Zeitschrift interessante Einzelheiten. Jeder Sowjetbürger wisse heute, daß jetzt die ernsteste Stunde des Krieges geschlagen habe. Kein Ausländer könne mit einem Bolschewisten auch nur ein paar Minuten sprechen, ohne daß von der zweiten Front geredet würde, und zwar vom Standpunkt der Sowjets aus mit überzeugenden Argumenten. Alle Männer und Frauen in Moskau, die nicht unmittelbaren Kriegsdienst leisten, müßten Holz für den Winter in die Stadt schaffen und zerkleinern. Die erste Sängerin der Moskauer Oper konnte längere Zeit nicht auftreten, weil sie sich beim Holzhacken verletzt hatte. Die meisten Frauen Moskaus aber trügen Uniformen und übten irgend einen Dienst in der Armee oder Verwaltung aus. Feindliche Stellungen durchbrochen □ Berlin, 10. September. Zu den DienstagKämpfen im Festungsgebiet von Stalingrad teilt das Oberkommando der Wehrmacht ergänzend mit: Westlich von Stalingrad stießen bereits am frühen Morgen deutsche Panzer vor. durchbrachen die befestigten feindlichen Stellungen und gewannen eine beherrschende Höhe. Nachfolgende Infanterietruppen überwanden den Widerstand bolschewistischer Kampfgruppen, säuberten das im Sturm genommene Gelände und nahmen weitere Höhenstellungen westlich von Stalingrad nach hartem Kampf. Die Bolschewisten unternahmen vergebliche Gegenangriffe, die sämtlich unter blutigen Verlusten für den Gegner vor den deutschen Stellungen liegen blieben. Auch nordwestlich von Stalingrad machte der deutsche Angriff weitere Fortschritte. Teile des Feindes, die sich in einem Panzeraraben verschanzt hatten, wurden vernichtet. Gegenangriffe der Bolschewisten wurden unter hohen Verlusten für den Feind abgewehrt und dabei mehrere feindliche Panzer vernichtet. Deutsche Kampfflugzeuge griffen in die harten Kämpfe im Raum des Befestigungsgürtels von Stalingrad mit guter Wirkung ein. Durch die Zerstörung von 20 Panzerkampfwagen und 18 Geschützen der Bolschewisten brachten sie den Erdtruppen Entlastung bei dem weiteren Eindringen in das Verteidigungssystem. Drei Munitions= und zwei Treibstofflager wurden vernichtet. Angriffe deutscher Kampfflugzeuge richteten sich gleichzeitig gegen die zum Schutze Stalingrads eingesetzten Flakbatterien, von denen 13 durch Bombentreffer außer Gefecht gesetzt wurden. Zerstörerflugzeuge griffen bolschewistische Eisenbahnlinien im Norden von Stalingrad sowie ostwärts der Wolga mit guter Wirkung an. Die Bomben der deutschen Flugzeuge rissen die Schienenstränge auf und verursachten in den Bahnhofsanlagen, in denen Truppenverladungen vorgenommen wurden, umfangreiche Brände. Kriegswichtige Ziele im Innern der Stadt wurden in der Nacht zum Mittwoch mit guter Wirkung bombardiert. Ostwärts der Wolga griffen deutsche Kampfflugzeuge Flugplätze der Bolschewisten an. Hallen und Unterkünfte gerieten nach Bombentreffern in Brand. e Se e dsel Waden Wurge SMOSKAU 0 50 100 150 km Kaluga oenpteR-Oledter Im Mittelabschnitt der Ostfront sind es drei Namen, die in den Wehrmachtberichten der letzten Zeit mit Regelmäßigkeit zu lesen sind: Rschew. Medyn und Kaluga. Mit Erbitterung und Zähigkeit, mit einem ungeheuren Einsatz von Material und Menschen sucht der sowietische Gegner die deutsche Front zu erschüttern. Aber nicht nur werden alle seine Angriffe gehalten und zurückgewiesen— diese drei Namen werden zum Grab sowjetischer Armeen, und einer gewaltigen Menge ihres Kriegspotentichs. Churchill nebelt das Unterhaus ein Selbst seine Rekordrede ist ein Zauberkunststück der Verdrehung Von unserem diplomatischen Mitarbeiter Schwere Panzerverluste der Sowjets Bei ihren vergeblichen Entlastungsangriffen im Raum von Kaluga und Rschetv om Berlin, 10. September. Nach neun Wochen beredten Schweigens hat Churchill im Unterhaus einen Bericht über die Lage erstattet, in welchem er sich wie so oft als Meister in der Kunst erwies, die Sprache als Mittel teils zum Verschweigen, teils zur Entstellung von Tatsachen zu benutzen. Da er dem gegebenen Thema seiner Rede, den wichtigen politischen und militärischen Ereignissen der letzten Monate nicht gut ausweichen konnte, griff er es dreist und beherzt an und machte daraus eine Beweisführung für die Behauptung, daß sich die Lage für England wieder einmal bedeutend gebessert hätte. Die an solche Zauberkunststücke reichlich gewöhnten Abgordneten mußten sich danach etwa folgendes servieren lassen: Die Vernichtung des Geleitzuges im Mittelmeer durch deutsche und italienische See= und Luftstreitkräfte war ein„großer Erfolg“ und der dafür gezahlte hohe Preis war nicht zu teuer, weil einige wenige Schiffe Malta erreichen konnten. Die völlig mißlungene Landung bei Dieppe, die Churchill mit wenigen Sätzen erledigte, war nur eine gewaltsame Aufklärung, die er persönlich als einen unbedingt notwendigen Vorläufer zu einer Operation großen Ausmaßes betrachtet. Auch dieses Unternehmen war ein ermutigender Erfolg, weil die meisten beteiligten Truppen— wie Churchill einräumt, zu fünf Sechstel Kanadier — wieder zurückkehrten. 1. 3. Die angebliche Offensive der Amerikaner und Australier bedeutet ebenfalls eine„glückliche Wendung" des Krieges. 4. Die Schiffsbauten haben zwar mit den Versenkungsziffern nicht Schritt halten könneu und die Verluste zur See seien sehr schwer, aber es ist eine„große Verbesserung im Vergleich zu den Vormonaten eingetreten.“ 5. Bei seinem Besuch an der ägyptischen ront hat Churchill die Armee„in Auflösung und völliger Zersplitterung“ vorgesunden und die Truppen waren auf der einen Seite von ihrer Ueberlegenheit über die Soldaten der Achsenmächte überzeugt, von der anderen Seite erstannt darüber, daß sie fortwährend geschlagen werden. Die Generäle waren hervorragend, aber es mußten„drastische Aenderungen im Oberbefehl erfolgen.“ Die Lage im Nahen Osten, wie Churchill versicherte, ist nicht als unbefriedigend anzusehen, weil die Verteidigung Aegyptens verschiedene Monate aufrecht erhalten werden kann. 6. Die Moskauer Beschlüsse sind geheim. Nicht geheim aber ist, daß die Sowjets der Ansicht sind, daß England und Amerika sie nicht genügend unterstützen, daß sie Taten statt Worte verlangen und daß Stalin dies in barscher Rede zum Ausdruck gebracht habe. Dies ist der wesentliche Inhalt des Churchill= Berichts. Die von ihm daraus gezogene SchlußFortsetzung 2. politische Seite dnb Aus dem Führerhauptquartier, 10. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Bei der Erstürmung einer beherrschenden Höhe südostwärts Noworossijsk wurden über 1000 Gefangene eingebracht und 27 Geschütze, ein Pauzerzug und zahlreiches sonstiges Kriegsgerät erbeutete. Vor der Schwarzmeerküste versenkten Kampfflugzeuge ein Trausportschiff von 500 BRT. Am Terek verlor der Feind bei vergeblichen Angriffen 18 Panzerkampfwagen. Im Festungsgebiet von Stalingrad durchbrachen Panzertruppen zäh verteidigte Stellungen des Feindes und nahmen in erbitterten Kämpfen unmittelbar westlich Stalingrad gelegene beherrschende Höhen. Bei Nacht wurden das Stadtgebiet sowie sowjetische Flugplätze ostwärts der Wolga bombardiert. Südwestlich Kaluga wurden wiederholte örtliche Angriffe des Feindes abgewiesen. Die Zahl der in diesem Kampfabschnitt seit dem 11. August vernichteten Panzer hat sich auf über 1000 erhöht. Im Raum von Rschew fanden auch am gestrigen Tage keine größeren Kampfhandlungen statt. In der Zeit vom 30. Juli bis 6. September wurden hier durch Heer und Luftwaffe 2126 sowjetische Panzer vernichtet. An der Einschließungsfront von Leniugrad scheiterten vereinzelte feindliche Augriffe. Auf dem Ladogasee wurden drei sowjetische Kanonenboote durch Bombentreffer schwer beschädigt. Im hohen Norden griffen Kampfflugzeuge einen Flugstützpunkt an der Kola=Bucht und das Hafengebiet von Murmansk an. Jagdflieger schossen in diesem Raum 26 feindliche Flugzeuge ohne eigene Verluste ab. Die Sowjetluftwasse verlor am gestrigen Tage in Luftkämpfen mit deutschen und kroatischen Vom Kampfgeschehen im Osten Linkst Das Haus der Sowiets in Krasnodar war von den Bolschewisten vor ihrer Flucht heimtückischerweise vermint worden. Nachdem deutsche Pioniere bereits, wie unser Bild zeigt, zwei Sprengladungen entfernt hatten, ging eine dritte Ladung hoch, die einen großen Tell des Gebäudes zerstörte(Bildmitte). — Rechts: Jagd auf bolschewistische Banden in dem an Schluchten und Klippen reichen Donufer.— Oben: Die neuen Eichenlaubträger Leutn. d. R. Gerd Hein und Oberitn. Werner Ziegler. PK= Kriegsberichter Schelm, Kipper und Scherl/OKW. Jägern und durch Flakartillerie 137 Flugzeuge. Vier eigene Flugzeuge werden vermißt. Bei Einflügen in die besetzten Westgebiete und bei vereinzelten Tagesstörflügen über Westdeutschland wurden in Luftkämpfen zehn britische Flugzeuge abgeschossen. Im Laufe der Nacht griffen Verbände der britischen Luftwaffe südwestdeutsches Gebiet an. Die Zivilbevölkerung hatte Verluste. Vor allem in Wohnvierteln entstanden Sach= und Gebäudeschäden. Nach bisherigen Meldungen wurden drei der angreifenden Bomber abgeschossen. In der Zeit vom 28. August bis 8. September verlor die britische Luftwaffe 252 Flugzeuge, davon 120 über dem Mittelmeer und in Nordafrika. Während der gleichen Zeit gingen Kampf gegen Großbritannien 59 eigene verloren. Kampfflieger griffen bei Tag und Nacht Rüstungswerke und militärische Anlagen an der englischen Südküste sowie in Mittel= und Ostengland an. Ein britisches Motorschiff von 300 BRT. wurde durch Bombentreffer versenkt.“ versenkt * Rom, 10. September. Der italjenische Wehrmachtbericht vom Mittwoch teilt mit:„In Aegypten nahm unsere Artillerie feindliche Kraftfahrzeugansammlungen unter Feuer. Vier feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen, drei von deutschen Jägern, eines von den Flakbatterien von Tobruk. Im Luftkampf über Malta wurde eine Spitfire abgeschossen und stürzte ins Meer. Das Torpedoboot„Ors“ versenkte ein feindliches=Boot.“ Drei neue Ritterkreuzträger □ Berlin, 10. September. Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Oberst Hans Hüttner, Kommandeur eines InfanterieRegiments;=Sturmbannführer Rudolf Mühlenkampf, Kommandeur einer ½Panzer=Abteilung in einer Division der Waffen=: Stabsfeldwebel Claus Breger, Zugführer in einem Infanterie=Regiment. Jagdflieger erhielt das Ritterkreuz □ Berlin, 10. September. Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Leutnant Zellot, Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader. Wieder Luftangriffe auf Nordaustralien □ Berlin, 10. September. Die japanische Luftwasse unternahm am Montag und Dienstag wieder wirkungsvolle Angriffe auf nordaustralische Häfen und Stützpunkte. U. a. wurden die Städte Townsville, Cairus, Port Darwin, Broom und Derby mit Bomben schweren Kalibers belegt. Im Hafen von Towusville wurde ein mittelgroßer Truppentrausporter in Brand geworfen und sank. Ein weiterer Transporter wurde unweit von Port Darwin versenkt. In Luftkämpfen über Nordaustralien wurden insgesamt 14 feindliche Flugzenge abgeschosten. Träderödischaft sur die Ainernaner „Zapan Ames and Advertiser" zur letzten Rede Roosevelts ∆ Tokio, 10. September.„Trauerbotschaft für das amerikanische Volk“, nennt„Japan Times and Advertiser" die letzte Roosevelt=Rede. Zwar habe der Präsident auch diesmal seine theatralischen Gewohnheiten nicht lassen können, aber die Aussichten die er der USA.=Bevölkerung geschildert habe, seien so traurig und entmutigend gewesen, wie nie zuvor. Ganz im Gegenteil zu seinen früheren hohlen Redensarten über Freiheiten und Zivilisation sei dies der Notschrei eines verzweifelten Diktators gewesen, der vergebens hoffe, aus dem augenblicklichen Dilemma herauszukommen. Sonderbar an dem traurigen Bild, das der amerikanische Präsident dem amerikanischen Volk male, sei, daß er sowohl den Kongreß als auch die Bevölkerung selbst für die ernste gegenwärtige Situation verantwortlich mache. Habe Roosevelt denn vergessen, so fragt das Blatt, daß weder der Kongreß noch das amerikanische Volk, sondern einzig und allein er selbst mit einer„New=Deal=Philosophie“ die Inflation herbeigeführt habe und daß sein Spiel mit dem Kriege diesen Prozeß beschleunige? Roosevelt sei es gewesen, der sich Milliarden bewilligen ließ in der Hoffnung, daß schrankenlose Ausgaben auf Konto einer verpfändeten Zukunft wieder Wohlstand bringen könnten. Um den Tag der Abrechnung hinauszuschieben und die begangenen Fehler zu vertuschen, habe der Präsident mit der Kriegsgefahr gespielt und auf das Wundermittel einer Wirtschaftsbelebung durch Aufrüstung gehofft. Nur ein Tyrann mit unstillbarem Machthunger, ein Irrsinniger, könne nach all den begangenen Fehlern verlangen, weiter an der Spitze der Staatsführung zu bleiben. Nach den Taten Roosevelts während der letzten zehn Jahre vom New Deal über seine dritte Wahlveriode bis zur Verwicklung in den Krieg— sei es klar, so schließt„Japan Times and Advertiser", daß nur er allein dafür verantwortlich sei, daß mit allen Naturschätzen gesegnete amerikanische Land an den Rand des Abgrundes gebracht zu haben. Churchill nebelt das Unterhaus ein Portsetzung von der 1polltisch. Seite folgerung gipfelt in dem Satz:„Die Stunde der Befreiung naht heran.“ Der Kommentator des amerikanischen Rundfunks gibt seinen Ausspruch aus dem Unterhaus mit der Bemerkung wider, daß die Abgeordneten für die Rede Churchills kein Interesse gezeigt hätten, was sie allerdings nicht hinderte, an Churchill etwa ein Dutzend unangenehme Fragen zu richten, u. a. nach der Größe der Verluste von Dieppe und den Panzerverlusten in Libyen. Da eine Beantwortung solcher Fragen auf dem von Churchill hervorgerufenen Gemälde unschöne Flekken verursachen könnte, lehnte er es ab, darauf einzugehen, weil es nicht Gepflogenheit sei, solche genauen Angaben zu machen. Darauf gab das Unterhaus das Rennen auf und vertagte sich... „Ein Volksschüler hätte intelligenter sprechen können" Drahtbericht unseres ständigen Mitarbeiters Wort ergriff, nur noch 20 Abgeordnete im Saal gewesen seien. Man habe sich bemüht, aus dem Restaurant die„geflüchteten Volksvertreter" herbeizuholen, damit das Haus beschlußfähig bleibe. Aber diese hätten, kaum daß die Zählung abgeschlossen war, sich wieder an die Frühstückstische begeben. In der konservativen Presse, besonders in den billigen Blättern, sucht man die Dinge so darzustellen, als ob dies Verhalten der Abgeordneten einen„taktischen Erfolg Churchills" darstelle. Wenns kritisch wird- Ferien! □ Stockholm, 10. September. Das englische Unterhaus gab am Mittwoch, so meldet Reuter, mit 319 gegen 7 Stimmen seine Zustimmuna. das Unverhaus auf kurze Zeit zu vertagen. □ Berlin, 10. September. Reichsjustizminister Dr. Thierack sprach am Mittwochnachmittag vor der deutschen Presse über Ziel und Bedeutung seiner kürzlichen Beauftragung durch den Führer. Mit dem Führererlaß vom 20. August 1942 sei das Amt des Reichsministers der Justiz, des Präsidenten der Akademie für Deutsches Recht und des Leiters des NS.=Rechtswahrerbundes und damit die Verantwortung für die gesamte deutsche Rechtspflege in eine Hand gelegt worden. In der deutschen Rechtsgeschichte sei dies zum ersten Mal in diesem großen Umfange geschehen. Als den eigentlichen Sinn und das Ziel seiner Aufgaben aber betrachtet Dr. Thierack: 1. Eine starke nationalsozialistische Rechtspflege aufzubanen, um die gewaltigen augenblicklichen und künftigen Aufgaben des Großdeutschen Reiches zu erfüllen. 2. Diese starke nationalsozialistische Rechtspflege, d. h. eine selbstsichere, also keine kraftlose und unsichere, nach der Idee des Nationalsozialismus auszurichten, dessen Weltanschauung auch die Rechtssprüche zu tragen habe. 3. Um die Aufgaben des nationalsozialistischen Großdeutschen Reiches zu erfüllen, sei es erforderlich, daß all die Gesetze, all die Gerichtsorganisationen und Iustitutionen, die immer noch ausgerichtet seien auf eine Zeit, in der das deutsche Bolk zusammengepreßt war auf engstem Raum, in dem es sich selbst behaupten mußte, in der es keine weite Sicht hatte, in der Spannungen innerhalb der einzelnen Teile des Reiches sichtbar waren, anderen Organisationen, einen anderen Geist und einem anderen materiellen Recht Platz machten. Der Zentralpunkt dieser großen Aufgaben sei das Reichsjustizministerium. Es sei nicht nur Objekt des neuen Prinzips, sondern auch Subjekt. Die Akademie für deutsches Recht werde dazu berufen sein, als wissenschaftlicher Helfer eingesetzt zu werden, auf ihr würden die Grundlagen geNeues in Kürze Helsinki. Wie der finnische Heeresbericht vom Mittwoch meldet, war die Kampftätigkeit an allen Fronten weiterhin schwach. Tokio. Die japanische Regierung eröffnet in diesem Monat in Tokio ein Schulungslager zur Ausbildung der für die neuen Südgebiete bestimmten Beamten. Berlin. Im mittleren Atlantik wurden zwei amerikanische Handelsschiffe durch Unterseeboote versenkt. Rom. Die Hälfte der Baumwollernte von Rhodesien ging bei einem Brand in Gatooma zu Grunde. Genf. Die kubanische Regierung hat infolge der steigenden Benzinknappheit neue Einschränkungsmaßnahmen angeordnet. Stockholm. Ein Bomher der USA.=Heeresluftwaffe ist über der Stadtmitte von New York abgestürzt. schaffen zum neuen Volksrecht, zum neuen Strafgesetzbuch. Als helfende Organisation trete daneben der Rechtswahrerbund in Erscheinung, der der Menschenführung zu dienen habe. Diese Organisation dürfe keine Gesetzesfragen lösen, sondern sie diene allein der Aufgabe, die Menschen auf die deutsche Rechtspflege auszurichten und sie zu führen. Er werde darauf hinwirken, daß das deutsche Volk in Zukunft im deutschen Richter einen Helfer sieht, zu dem der einzelne Volksgenosse vertrauensvoll wie zu einem Arzt hinkomme; der Richter dürfe nicht mehr ein verwaltungsmäßig arbeitender Jurist sein. Zwar könne der Richter nur mit dem Gesetz richten, aber es dürfe, vom Studium angefangen, nicht so weit kommen, daß der Richter das Gesetz beherrscht, das Leben aber nicht mehr sieht und wenn, dann nur durch die Brille des Gesetzes. Hier setze eine der Hauptaufgaben ein, die ihm, dem Minister, gestellt worden seien. Der Auftrag des Führers, eine Neuordnung der deutschen Rechtspflege in Angriff zu nehmen, leite ein Projekt ein, das seit vielen Jahrzehnten, ja fast Jahrhunderten, immer wieder gewollt wurde, was aber nie erreicht werden konnte. Es sei eine ungeheuer schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, die durchgeführt werden müsse und auch durchgeführt werde. Die feindliche Agitation habe den Passus des Führererlasses, daß er, der Reichsjustizminister, bei seinen Aufgaben gegebenenfalls vom bestehenden Recht abweichen könne, in dummdreister Weise für ihre Zwecke verwendet. Er könne abschließend hierzu nur erklären, jene Agitationslügen seien der beste Beweis dafür, daß dem deutschen Volk mit der Erfüllung des Führerauftrages ein weiteres wichtiges Moment des Vertrauens zu dem gesamten sozialen Aufbauwerk und den sozialen Errungenschaften des nationalen Staates zur Verfügung gestellt werden. gungsrafes der britische Innenminister für Indien, Reginald Maxwell, einen Ueberblick über die Maßnahmen zur Unterdrückung der indischen Freiheitsbewegung, die von britischer Seite unternommen worden sind. In einer anschließenden Diskussion wurde mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß es Pflicht der Regierung sei, alle Versuche zur „Unruhestiftung“ mit größter Strenge zu unterdrücken. Schanghai unter neuem Regime ∆ Schanghai, 10. September. Dem Aufruf zur Alteisensammlung in Japan folgend, beschloß der Stadtrat der internationalen Niederlassung, die vielen großen Eisentore an den Grenzen der Niederlassung den japanischen Behörden für diese Sammlung zu stiften. Zehn solcher Tore im Werte von etwa 50000 Chindollars sind bereits entfernt worden. Die Unruhen der letzten 15 Jahre hatten den Stadtrat bestimmt, diese Tore zu bauen und ständig zu vermehren, um den Flüchtlingsstrom in die Niederlassung abzuwehren, wenn sich Unruhen außerhalb Schanghais abspielten. Der Stadtrat bekundet mit dieser Stiftung, daß derartige Abwehrmaßnahmen unter den heutigen Verhältnissen nicht mehr für notwendig erachtet werden. Züdische Warenschieber verhaftet Istaubul, 10. September. Wie die Blätter melden, wurden hier in zwei Tagen vier jüdische Großkaufleute wegen Warenschiebungen verhaftet, während gegen zahlreiche andere das Verfahren eingeleitet wurde. Australier auf Neu=Gumnea zurückgeworsen □ Berlin, 10. September. Die japanischen Truppen auf Neu=Guinea konnten neue Erfolge erzielen. Nach tagelangen Kämpfen um den Besitz eines Passes im Owen=Stanley=Gebirge wurden die australischen Truppen zurückgeworfen und mußten zahlreiche Gefangene in den Händen der Japaner zurücklassen. Die Japaner gewannen in den beiden letzten Tagen über 20 Kilometer an Boden. Der Vormarsch auf Port Moresby wird trotz zähen feindlichen Widerstandes fortgesetzt. Ritterkreuzträger Georg von Bismarck gefallen □ Berlin, 10. September. Bei den Kämpfen in Afrika fiel als Kommandeur einer Panzerdivision Ritterkreuzträger Generalmajor Geora von Bismarck. Mit dem Heldentod vor dem Feinde fand das Leben eines tapferen Soldaten und Offiziers letzte Erfüllung. Ritterkreuzträger Major Adolf Fordan gefallen □ Berlin, 10. September. Bei den harten Kämpfen im Raum von Stalingrad fiel am 21. August 1942 der Bataillons=Kommandeur in einem Infanterie=Regiment, Ritterkreuzträger Major Adolf Jordan. Die Truppe verliert mit ihm einen ihrer besten Führer und Kämpfer, der durch seinen selbstlosen tapferen Einsatz mehrfach entscheidend zu den Erfolgen der Division beigetragen hatte. Neuoronung der dedischen Kechispfiege Reichsjustizminister Dr. Thierack über den Auftrag des Führers 8a Rom, 10. September.„Ein Volksschüler hätte besser und intelligenter sprechen können als Churchill“, meint die„Tribune". Dasselbe wird von Roosevelt gesagt, der im letzten Augenblick erkannt habe, daß Kriegführen eine teure Sache sei, die man besser vorher überlegen sollte. Trotzdem hält es die italienische Presse der Mühe wert, die Rede Churchills und die Botschaft Roosevelts eingehend zu behandeln, weil beide Geständnisse ablegten, die als sehr interessant bezeichnet werden. Die Erklärungen des südafrikanischen Premierministers, General Smuts, der u. a. sagte, „ohne Eroberung Nordafrikas könne man diesen Krieg nie gewinnen“, ist in römischen politischen Kreisen als sehr beachtenswert bezeichnet worden. „Farte- Skandal“ sagt„Daily Herald“ Drahtbericht unseres ständigen Mitarbeiters dp Stockholm, 10. September. Der arbeiterparteiliche„Daily Herald“ nennt die Parlamentssitzung eine Farce, ja, einen Skandal. Das Blatt hält sich darüber auf, daß schon beim letzten Male der ursprünglich voll besetzte Saal sich geleert habe und daß, nachdem der Premier geschlossen hatte und als Sprecher und Opposition der arbeiterparteiliche Abgeordnete Greenwood das Banden tampfen gegen=Voldzeis ia Fran Wieder Ueberfall auf Kraftwagen kolonnen USA=Ingenieure getötet Drahtbericht unseres ständigen Mitarbeiters re Ankara, 10. September. Aus Teberau liegen Meldungen vor, daß im nördlichen Greuzgebiet des Iran wieder einmal eine große Lastkraftkolonne der Sowjets angegriffen und fast völlig vernichtet worden ist. In den erbitterten Kämpfen wurde die Mehrzahl der Begleitmannschaften, unter denen sich auch mehrere USA=Ingenienre befanden, getötet. Nur wenigen gelang es, sich durch Flucht zu retten. Die sowjetischen Militärbehörden haben strenge Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Britische Soldaten schießen auf Kinder □ Rom, 10. September. Wie aus Emyrna gemeldet wird, schossen am Dienstag in einem in der Nähe von Aleppo gelegenen Dorf stationierte britische Soldaten auf eine Gruppe syrischer Demonstranten. Hierbei wurden mehrere Kinder getötet. Dieser Zwischenfall rief unter der arabischen Bevölkerung einen Sturm der Empörung hervor. Die Masse ging gegen die britischen Soldaten vor, töteten drei und verletzten vier englische Soldaten. Es kam zu einer neuen Schießerei, in deren Verlauf zwei Frauen und fünf Kinder getötet wurden. Auf Anweisung des britischen Oberkommissars Spears sind auf Grund dieses Zwischenfalls sämtliche Ortschaften an der syrischen Nordgrenze von Polizeitruppen besetzt worden. Die Verrschaft des Lathi wird verschärft ∆ Bangkok, 10. September. Wie aus Delhi berichtet wird, gab am Dienstag während der Sitzung des sogenannten nationalen VerteidiHIöherünkte der Ti#moehan in Venedig Telegramm unseres ständigen Mitarbeiters sa Rom, 10. September. Arbeitsreiche Tage liegen hinter uns. Die 16 europäischen Staaten haben das beste, was sie in diesem Jahre zu bieten hatten, nach Venedig geschickt. Bei der Gesamtbetrachtung der vorgeführten Sviel= und Dokumentarfilme fällt es auf. daß das Kriegsgeschehen stark auf das nationale Filmschaffen eingewirkt hat. Zwei von ihnen.„Alfa Tau“ und„Bengasi“ verdienen besonders erwähnt zu werden. In diesen italienischen Filmen wurden zum ersten Male Offiziere und Mannschaften in großer Zahl verwendet.„Alfa Tau". ein UBoot=Film, wurde überhaupt ohne Mitwirkung von Schauspielern gedreht. Unter den deutschen Spielfilmen hatten„Der große König" und„Die goldene Stadt“ den meisten Erfolg. Die Uraufführung von„Die goldene Stadt“ war geradezu eine Sensation. Dieser erste Farbengroßfilm bedeutet, wie die italienische Presse teilweise feststellt, eine' Revolutionierung auf dem Gebiete der Filmtechnik. Der Film hatte den größten Publikumserfolg. Veit Harlan und Christiane Söderbaum wurden stürmische Ovationen dargebracht. Es muß gesaat werden, daß gerade die kleinen europäischen Staaten diesmal ganz beachtliche Leistungen aufzeigen konnten. Die Referate der italienischen Presse sind in jeder Beziehung unvoreingenommen. In den vergangenen 10 Jahren hat Deutschland fünfmal den höchsten Preis, die„Coppa Mussolini“ errungen: 1936. 1938, 1939, 1940 und 1941. Bochum im Zeichen der Grillparzer-Woche Die Bochumer Bühne hat die neue Spielzeit am Sonnabend, dem 5. September, mit einer westdeutschen Erstaufführung von „Maximilian von Mexiko“, von Fritz Helke, inszeniert von Willi Busch, begonnen Dieser Aufführung folgen die Erstaufführun. gen von„Hokuspokus“ von Curt Götz, und Goldonis„Kaffeehaus“, die Leon Epp in Szene setzen wird.— Die neue Spielzeit der Bochumer Bühne steht vor allem im Zeichen der „Grillparzer=Festwoche“ die zu Saisonende stattfinden wird. Mit ihr setzt Intendant Professor Dr. Saladin Schmitt die zur Tradition gewordenen Bochumer Dichterwochen fort, von denen bioher eine Goethe, eine Schiller= eine Kleist=, eine Shakespeare=, eine Hebbel. und eine Grabbewoche stattfanden. Professor Dr. Schmitt hat bereits in der vergangenen Spielzeit einige Werke Grillparzers in Hinsicht auf die Grillparzer=Woche, die anfänglich die vorige Spielzeit abschließen sollte, inszeniert. Jetzt folgen Grillparzers„Ahnfrau“ und die Trilogte„Das voldene Bließ"(„Der Gastfreund“.„Die Argonauten",„Medea“). Weiter sollen noch„König Ottokars Glück und Ende"„Libussa“, „Sappho" und„Des Moores und der Liebe Wellen“ folgen.— An klassischen Werken sind Nouaufführungen von Goethes„Egmont" und Schillers„Kabale und Liebe“ vorgesehen. Gerhart Hauptmanns 30. Geburtstag wird man mit einem seiner Werke feiern. Ferner ist die Erstaufführung eines Dramas von Erwin Guido Koldenheyer geplant. Henrich Ibsen ist mit den„Stützen der Gesellschaft" im Spielplan vertreten. Franz Hauptmanns „Nächtliche Einkehr", Cesare Meanos„Abenteuer mit Don Quichote" und Gherardo Gherardis„Feuer im Herbst“ ergänzen den Spielpkan nach der modernen Richtung hin, während im heiteren Spielplan Hans Schweikarts Ich brauche dich“ Friedrich Schreyvogels„Die weiße Dame“ und Otto Bielens„Das kleine Bezirksgericht" vorgesehen sind. Bevorstehende Uraufführungen Walter Abendroths 2. Symphonie in.moll wurde zur Uraufführung mit den Dresdner Philharmonikern angenommen. Die Uraufführung der„Konzertanten Symphonie für Klavier und Orchester“ von Hermann Ambrosius wird im Oktober im Gewandhau zu Leipzig stattfinden. Der Komponist hat selbst den Klavierpart übernommen. Ottmar Gerster hat eine Toccata für großes Orchester“ vollen. det. Das Werk wird im September zu Düsseldorf urauf. geführt werden. Gustav Freussen aus Französisch. Eine französische Uebersetzung von Gustav Freussens Roman Der Untergang der Anna Hollmann“ ist jetzt im Verlag von Aldin Michel zu Paris erschienen. Die Kammerspiele zu Brünn erwarben die Kriminalkomödie „Sieben sind verdächtig?“ des Münchner Autors H. W. Leonhardt zur Uraufführung. Uraufführung im Jahre 4000 den Erinnerungsfeiern des 2600jäh. nischen Reiches wurden, im Staatsaufgestellt mit varstellungen aus allen GeJapanische Gelehrte und Tochniker haben für diesen Zweck lichtempffnotiches, Lupter peschaftget, gag, wie man annim eine mehrtausendjährige Haltbarkeit besitzt. Auch Filme gleicher Zeitfestigkeit wurden hergestellt. So kann sich die Pl Im Zesehenenbang mit ioen Lastieng des Jovonzeit mit Harsaeps dent trag, 2 n# Lichtbilder hergesteut mit Barstellungen aus allen Gebieten des öffentlichen und privaten japanischen Lebene der Gegenwart. Je 50 dieser Photos wurden den größten Tempeln des Reiches übergeben, die sie, gegen jede Zerstörungsmöglichkeit von innen und außen durch die modernsten Mittel geschützt, an geeigneten Plätzen verwahren sollen. Die Bilder sollen als Dokumente unserer Zeit auf die Menschen ferner Zukunft kommen. Jananische Gelehrte und Tochniker haben für diesen Zweck ein ssindliches Papier geschaffen das wie man cnnimmt, von rgestellt. So kann sich die Phan: tasie nun das Ereignis ausmalen wenn etwa im Jahre 4000 diese bildlichen Dokumente ans Licht kommen, die Filme ihre etwas verspätete„Uraufführung" erleben und die Menschen einer fernen Zukunft vielleicht mit grenzenlosem Staunen das betrachten, was uns jetzi selbstverständlich erscheint Bereits 4 800 im Eisenbahnen auf Fava wieder in Betrieb ∆ Tokio, 9. September. Domei meldet aus Batavia: Obwohl es erst ein halbes Jahr her sei, daß japanische Streitkräfte ihre militärischen Aktionen auf Java beendeten, sei die Aufbauarbeit jetzt schon auf allen Gebieten der Wirtschaft, Industrie und des Verkehrs in vollem Aufblühen begriffen. Nachdem bereits am 1. Mai die Hauptbahnlinie Batavia—Surabaja den Verkehr hätte wieder aufnehmen können, seien bisher insgesamt 4810 km Eisenbahnen wieder in Betrieb genommen worden. Landwirtschaftlicher Zehnfahresplan in Japan ∆ Tokio, 9. September. Um allen kommenden Anforderungen gerecht zu werden, beschloß die japanische Regierung einen landwirtschaftlichen Zehnjahresplan, der sowohl die Produktionsvermehrung der Hauptlebensmittel sicherstellen als auch dafür sorgen soll, daß durch die Entsendung landwirtschaftlicher Arbeiter nach den neugewonnenen Gebieten die landwirtschaftliche Erzeugung im Lande selbst nicht leidet. Im japanischen Mutterland soll die landwirtschaftliche Bevölkerung 40 v. H. der Gesamtbevölkerung nicht unterschreiten. Emuts:„Ungemütlich und beunruhigend“ * Madrid, 10. September. Der südafrikanische Ministerpräsident Smuts, der offenbar von den inneren Schwierigkeiten in dem von ihm verratenen Lande durch Enthüllung militärischer Weisheiten ablenken wollte, erklärte am Dienstag in einer Rede in Pretoria, der lebenswichtigste Kriegsschauplatz in diesem Kriege sei die MittelmeerBasis. England könne den Krieg nicht gewinnen, ohne diese Basis zu„säubern.“ Die Ereignisse hätten gezeigt, daß, wenn Nordafrika nicht mit größter Entschlossenheit gesäubert werde, die Hilfsquellen für den gesamten Kriegseinsatz der Alliierten in Mitleidenschaft gezogen würden. Bei einer Zusammenkunft mit Churchill in Aegypten habe er mit ihm die ganze Lage im mittleren Osten untersucht, und man habe die Situation „ungemütlich und beunruhigend“ gefunden. Wir hören im Ründeunk: Donnerstag. Reichsprogramm: Lisa Jungkind ist die Solistin der Operettensendung von 16—17 Uhr. Von 17.15—18.30 Uhr fröh. liche Unterhaltung aus Luxemburg. Get Svanholm, Egmont Koch, Friedrich Dalberg, Eise Fischer, Hilde Scheppan, Irmgard Langhammer, Margary Booth sind die Solisten im 3. Aufzug der„Götterdämmerung“ von 20.35—22 Uhr.— Deutschland= sender: Wilhelm Franz Reuß dirigiert Orchestermusik von Thuille, Liszt, Parodi und Blumer von 17.15—17.55 Uhr. Das Schneiderhan=Quartett(pielt Anton Ovoraks Streichquarteit As-Dur vo. 17.55—13.20 Uhr.„Stunde für dich“ von 21—32 Uhr. Aus der Heimat Castrop=Rauxel, 10. September Sonnenfinsternis am 10. September Das wichtigste astronomische Ereignis des Jahres ist für Deutschland die teilweise Bedeckung der Sonne durch den Mond am 10. September. Für diese Verfinsterung gelten folgende Daten. Durchgang des Mondes durch die Erdbahnebene von Süd nach Nord am 9. um 15 Uhr. Neumond am 10. um 16 Uhr 54 Min. Erdferne am 4. um 8 Uhr. Beginn der Finsternis überhaupt am 10. um 15 Uhr 57 Min. Größte Phase am 10. um 17 Uhr 39 Min. mit einer Bedeckung von 0,523 des Sonnendurchmessers. Ende der Finsternis überhaupt um 19 Uhr 21 Min. Im Gegensatz zu einer Mondfinsternis, bei der der Mond tatsächlich verdunkelt wird, wird bei einer Sonnenfinsternis die Sonne nur bedeckt. Eine solche Finsternis verläuft daher an jedem Ort der Sichtbarkeitszone anders. Bei uns gelten für den Verlauf der Bedeckung folgende Angaben: Beginn der Bedeckung am 10. um 17 Uhr 25 Min. Mitte der Finsternis um 18 Uhr 18.2 Min., wobei der nördliche Teil des Sonnendurchmessers mit 0,36 bedeckt ist. Ende der Finsternis um 19 Uhr 8,2 Min. Ham to. Mule Wesrs. Landestheater Fünf Gastspielabende in Castrop=Rauxel Der 92. Geburtstag Am heutigen Donnerstag kann unsere Mitbürgerin Ww. Christine Adams, geb. Düffels, Bochumer Straße 141, ihr 91. Lebensjahr vollenden. Sie erfreut sich als älteste Einwohnerin Ober=Castrops in den Kreisen ihrer Bekannten einer besonderen Wertschätzung und wird heute im Mittelpunkt gar mancher Ehrungen stehen. Dem allverehrten, hochbetagten Geburtstagskind auch unsererseits einen recht herzlichen Glückwunsch zu ihrem Ehrentage und ebenso ein kräftiges„Glückauf“ für noch recht viele weitere Jahre in völliger Zufriedenheit. Möge es Frau Christine Adams vergönnt sein, die Schwelle der 100 Jahre zu überschreiten! 85 Jahre alt Ihr 85. Lebensjahr vollendet am heutigen Donnerstag unsere Mitburgerin Ww. Wilhelmine Nerlich, geb. Henning, Im Brand 22. Im Stadtteil Ickern erfreut sich die Altersjubilarin des besten Ansehens und der größten Beliebtheit, so daß ihr wohl viele Glückwünsche zugehen werden. Auch von der angestammten, schicksalverbundenen Heimatzeitung, dem„Stadtanzeiger für Castrop=Rauxel und Umgegend“, die herzlichsten Glückwünsche zum heutigen Tage und ein kräftiges„Glückauf“ für eine hoffentlich noch recht lange und recht glückliche Zukunft! heute Abschiedsvorstellungen des Zirkus Kreiser Auch am gestrigen Tage gingen in den beiden Vorstellungen des Zirkus Kreiser=Barum im Zuschauerring die Wogen der Begeisterung über die von Menschen und Tieren gezeigten guten zirzensischen Leistungen recht hoch. Das abwechslungsreiche Programm unterhielt alle Besucher aufs beste; sowohl in der Nachmittags= als auch in der Abendvorstellung lautete das einstimmige Urteil dahin, daß Zirkus Kreiser hält, was er verspricht. Wer den Zirkus noch nicht besuchte, hat heute nachmittags und abends zum letzten Male Gelegenheit, das ganze Programm kennen zu lernen. Mit den beiden heutigen Vorstellungen verabschiedet sich Zirkus Kreiser von Castrop=Rauxel, nachdem er ein Gastspiel von 6 Vorstellungen durchführte. Keine Erhöhung für die Hauszinssteuer Mit dem Wegfall der Gebäudeentschuldungssteuer ab 1. Januar ist die Befürchtung aufgetaucht, daß der Einnahmeausfall für die Länder und zum Teil auch die Gemeinden durch Steuererhöhungen ausgeglichen werden solle, insbesondere bei den Realsteuern. Wie die„Deutsche Steuer=Zeitung“ von zuständiger Stelle mitteilt, sind diese Befürchtungen grundlos. Der Ausgleich wird nicht durch Steuererhöhungen herbeigeführt werden, sondern dadurch, daß ebenso wie bei der Beseitigung der Bürgersteuer das Reich den Ländern und über diese den Gemeindeverbänden Ausgleichsbeträge aus Reichsmitteln zur Verfügung stellt. Lange hat das Theater ringen müssen, bis es in Castrop=Rauxel einen für dauernde Gastspiele vorbereiteten Platz fand. Die Schuld lag nicht nur bei dem Unkollidiertsein der hiesigen Verhältnisse, mehr wohl noch fast an der technischen wie künstlerischen Unmöglichkeit der Saalbühnen wie der sich hierher verirrenden„Wandertheater". Die meisten von ihnen waren noch nicht allzu„weit von dem Niveau entfernt, das wir in dem köstlichen„Raub der Sabinerinnen“, so treffend persifliert finden. Anders wurde das erst, als sich die Stadtverwaltung im Verein mit der NSG.„Kraft durch Freude“. der Theater=Angelegenheit annahm. So kann denn jetzt schon zum zehnten Male die Künstlerschar des Westfälischen Landestheaters ihre Gastspiele hier in der„Industriestadt im Grünen“ geben. Wenn sie auch häufig ihre Mitglieder wechselte, der ernste Kunstwillen ist geblieben; das Streben, auf alle Fälle möglichst Vollendetes zu bieten, hat dem Westfälischen Landestheater von Jahr zu Jahr mehr Freunde und Gönner zugeführt. Sie werden ihm auch diesmal treu bleiben, wenn es im Winter 1942/43 die neu vorgesehenen Gastspiele abwickelt. Sie finden im Wichernhaus der Altstadt statt. Der Eintrittspreis zu den einzelnen Veranstaltungen beträgt.— RM. Nach folgendem Spielplan wickelt sich das Theaterleben ab: Sonntag, den 4. Oktober 1942, 17 Uhr: Wichernhaus:„Das blinde Herz“, dramatische Legende von Herbert Becker; Montag, den 7. Dezember 1942, 19.30 Uhr, im Wichernhaus:„Johannisfeuer", Schauspiel von Hermann Sudermann; Montag, den 22. Februar 1943, 19.30 Uhr, im Wichernhaus:„Die große Nummer", Volksschauspiel von Ernst Schäfer; Mittwoch, den 5. April 1943, 19.30 Uhr im Wichernhaus:„Die weiße Dame“, Lustspiel von Friedrich Schreyvogel; Mittwoch, den 12. Mai 1943, 19.30 Uhr, im Wichernhaus:„Das neunzackige Mädchen“, Schwank von Franz Gribitz. Auch drei Vorträge im Winterprogramm Außerdem werden drei Vorträge stattfinden, die sämtlich in der Aula der Oberschule für Mädchen sattfinden.„ 1949 1 6 z.. I. a(2. Im November 1942, 19.30 Uhr, in der Aula(Frau Wudia Falkenau):„Geheimnisvolle Kräfte und unsichtbare Strahlungen"; Samstag, den 12. Dezember 1942, 19.30 Uhr, in der Aula(Kurt Herdemerten):„Grönland=Expedition 1938 der Hermann=Göring=Stiftung"; Donnerstag, den 4. März 1943, 19.30 Uhr, in der Aula ((Karl L. Kossak=Raytenau):„Juden, Engländer und Araber in Palästina". Der Eintrittspreis zu diesen Vorträgen beträgt —.50 RM. Mitglieder des Kulturringes haben zu sämtlichen Veranstaltungen freien Eintritt. Die Einlaßkarten sind vor den einzelnen Veranstaltungen in der Geschäftsstelle am Markt in Empfang zu nehmen. Vorverkaufsstellen: im Süden:„KdF.“, am Markt; Buchhandlung Franz Lambertz, Münsterstraße 1; im Norden: A. Morjan, Bahnhofstraße 308; KdF.= Walter und Moritz Kösters, Adolf=Hitler=Straße 48. Ausbildung als Gesundheitsdienstmädel des BöM. In der Ortsgruppe Castrop=Rauxel=Ost beginnt am Freitag(11..) 20 Uhr in der Pestalozzi=Schule(Bodelschwingher Straße) ein Kursus zur Ausbildung von Gesundheitsdienstmädeln des BdM. Einige Anmeldungen können noch zur Dienststelle des Bannes geschickt werden. Mütter und Kinder fahren in Erholung Die NSV., die auch im dritten Kriegssommer wieder Tausende von Kindern durch die Kinderlandverschickung aus dem Gau Westfalen=Süd in süd= und ostdeutsche Gaue verschickt, führt auch ihre Transporte von erholungsbedürftigen Müttern und Kindern weiter durch. Mitte dieses Monats wird z. B. ein Transport„Mutter und Kind“ von Witten aus gestartet. Als Abfahrtstermin ist der 18. September festgelegt worden. An der Fahrt, die nach Niederschlesien gehen soll, können noch Mütter mit Kindern teilnehmen, die sich bei den Dienststellen der NSV. melden wollen. Lebensmittelkarten für ausländische Zivilarbeiter Eine für Betriebsführer, die ausländische Zivilarebiter beschäftigen, außerordentlich wichtige Bekanntmachung bezuglich der Verpflegung der nach dem 1. 9. 1939 im Reich seßhaft gewordenen ausländischen Zivilarbeiter enthält der heutige Anzeigenteil unserer Zeitung. Ausgenommen von der vorgeschriebenen Meldung sind nur in Gemeinschaftsverpflegung befindliche und als Hausgehilfinnen gehende Personen. Die Erstanmeldung hat bis spätestens Sonnabend, den 12.., zu geschehen. Nach=, Ab= und Ummeldungen von ausländischen Zivilarbeitern haben sofort bei Eintritt der Bestandveränderung zu geschehen. Die neuen Wochenkarten für Lebensmittelbezug der ausländischen Zivilarbeiter werden jeden Montag ausgegeben.(Vgl. Bekanntmachung!) Wer möchte Marine=Funker werden? Unsere Kriegsmarine braucht gut ausgebildete und in ihrer Laufbahn alles beherrschende Männer. Neben vielen anderen Laufbahnen hat auch der Funker an Bord oder an Land eine große Aufgabe. In der heutigen Zeit, wo die optische Nachrichtenübermittlung infolge der großen Entfernungen nicht gebraucht werden kann, muß der Funker diesen Dienst versehen. Wenn z. B. ein=Boot wieder erfolgreich Handelskrieg geführt hat, so weiß die Heimat dieses nur wenige Zeit später. Hieran sieht man schon, welch große Bedeutung der Funkerei zukommt. Viele deutsche Jungen haben den Wunsch, später einmal bei der Kriegsmarine als Funker zu dienen. Um sich schon vorzubereiten, hat das OKM. eine Einrichtung geschaffen, wo die interessierten Jungen das alles lernen: den Marine=Wehrfunk. Die HJ. hat zusammen mit dem OKM. Funkkameradschaften gebildet. Die Jungen versehen ihren Dienst zweimal in der Woche. Dort lernen sie Funktechnik und Morsen. Ihr Ziel ist, das Seesportfunkzeugnis zu erlangen. Es besteht immer noch die Meinung, daß sich die Jungen auf 4 bzw. 12 Jahre Dienstzeit verpflichten müssen. Das ist jetzt vom OKM. aufgehoben. Alle Jungen, die Interesse an diesem Dienst haben, können sich täglich außer Mittwochs und Sonnabends in der Zeit von 18 bis 20 Uhr in den Diensträumen des Marine=Wehrfunks, Hermann=Göring=Straße melden(im WBK. unten rechts). Milchleistungskontrolle Einstellung weiblicher Kräfte für deren Durchführung Es ist beabsichtigt, in der Zeit vom 15. Oktober bis 27. Oktober d. Is. wieder einen Lehrgang für Probenehmer und Probenehmerinnen an der Lehr= und Versuchsanstalt für Viehhaltung in Ostinghausen, Krs. Soest, abzuhalten. Schriftliche Anmeldungen können von Bewerbern und Bewerberinnen bei der Kreisbauernschaft Recklinghausen. Abt. Milchkontrolle, umgehend eingereicht werden. Eine Anstellung erfolgt in den Nachbarkreisen. Nähere Auskunft wird von der genannten Stelle kostenlos erteilt. Rechtzeitig Stoppel stürzen! Ein Spruch alter Bauernweisheit lautet, daß der Pflug an den Erntewagen angehängt werden muß. Es soll das heißen, daß möglichst sofort nach dem Mähen des Getreides die Stoppeln untergepflügt werden sollen. Man verfolgt mit dieser Maßnahme zwei Ziele, nämlich: erstens den Boden vor einer zu starken Austrocknung zu bewahren und zweitens die Stoppelreste möglichst schnell zur Zersetzung zu bringen. Das Stoppelschälen kann im allgemeinen dadurch beschleunigt werden, daß man die Hockenreihen entsprechend weit setzt. Die schmalen Hockenreihen können leicht nachgeschält werden. Wegen der starken Arbeitsbelastung in diesem Jahr wird vielfach das rechtseitige Stoppelschälen versäumt sein. Es maß vn..### u wie möglich nachgeholt werden, weil sonst größere Verluste an Wasser und Gare im Boden nicht zu vermeiden sind. Bei verspätetem Schälen empfiehlt es sich, etwas tiefer zu schälen, um die Zersetzung der Stoppelreste möglichst zu beschleunigen. Zunehmende Besserung der Versorgungslage Für die luftgefährdeten Gebiete eine 3. Sonderzuteilung von Käse Die jahreszeitliche Rückläufigkeit der Milchanlieferungen an die Molkereien tritt gegenwärtig weit weniger stark in Erscheinung als im vorigen Jahr. Gebiesweise haben sie sich auf recht befriedigender Höhe gehalten. Das kommt der Buttergewinnung zugute, die nur wenig zurückging, und schließlich auch der Käseerzeugung. Die Versorgungslage in Käse erweist sich so gut, daß innerhalb des 40. Versorgungszeitraumes Sonderzuteilungen in erheblichem Umfange möglich wurden. Normalerweise gab es auf die Reichsfettkarte für jeden Verbraucher zweimal 62,5 Gramm Käse, davon einmal 62,5 Gramm Schmelzkäse und außerdem 125 Gramm Speisequark. Zusätzlich hat es dann auf den=Abschnitt 40 der Reichsfettkarte eine Sonderzuteilung von 62,5 Gramm Käse gegeben. Die günstige Versorgungslage gestattet es im Augenblick, für alle Verbraucher auf den Nährmittelkarten=Abschnitt N 30 in der 40. Versorgungsperiode nochmals 125 Gramm Käse auszugeben. Darüber hinaus sollen nun in den luftgefährdeten Gebieten auf den Abschnitt N 31 der rosa Nährmittelkarte weiter zusätzlich 62,5 Gramm Käse ebenfalls in der laufenden Versorgungsperiode ausgegeben werden, wozu der Aufruf noch erfolgen wird. Die Abgrenzung, welche Orte zu den luftgefährdeten Gebieten gehoren, wird vom Provinzial=Ernahrungsamt Abteilung B noch bekanntgegeben. Wer süiftet ein Rundfunkgerät für die Flak? Wir möchten mit unserer Lesergemeinschaft gern ein Rundsunkgerät für eine Flak=(oder Wehrmachts=) Formation aufbringen. Wir hoffen nach den guten Erfahrungen, die wir vordem wiederholt mit unseren Appellen an die Lesergemeinschaft machen durften, auch diesmal keine Enttäuschung bereiten und keine „Fehlanzeige“ machen zu brauchen; wir nehmen vielmehr an, daß wir die betreffenden Soldaten recht bald benachrichtigen können, daß die Treue und Kameradschaft der Heimat auch diesmal nicht versagen, sondern sich beeilen, den„eben so dringlichen wie begreiflichen Wunsch unserer Soldaten nach dem Abhören der neuesten Meldungen und unterhaltsamen Sendungen" bestens zu erfüllen. Nun, wer hilft mit, auch in dieser Form seiner Verbundenheit mit der Front und seinem Dank mit der Kampftrappe Ausdruck zu verleihen? Wer kann ein Rundfunkgerät zur Verfügung stellen? Näheres ist in der Geschäftsstelle zu erfahren. Aus der Bewegung NSDAP., Ortsgruppe Mitte Am Freitag, dem 11. September, beginnt um 20.00 Uhr ein Dienstappell der Politischen Leiter der NSDAP., Ortsgruppe Castrop=Rauxel=Mitte. Teilzunehmen haben auch alle Führer der Gliederungen und die Amtswalter der DAF. und NSV. Zeitschriftenschau" Der Weg zum Weltruhm Als Wolfang Amadeus Mozart 18 Jahre und Vizekapellmeister der Salzburger Residenz war, hielt es ihn nicht länger zu Hause. Ueber Mannheim, das ihn bitter enttäuschte, reiste er nach Paris weiter. Aber auch dort blieb der erhoffte Erfolg aus. In Wien führte Mozart ein freies, aber von Sorgen überschattetes Leben, schließlich gelang es ihm, sich durchzusetzen und auf dem Weg zum Weltruhm den Gipfel zu ersteigen. Ein Wien=Film unter der Spielleitung Karl Harths läßt eindrucksvolle Szenen aus Mozarts Leben und Schaffen auf der Leinwand lebendig werden. Einige der wichtigsten Stationen aus des Künstlers wechselvollem Lebenslauf, wie ihn der Film uns schildert, zeigt das neue Heft der Kölnischen Illustrierten Zeitung. Aus dem weiteren Inhalt: Trauer in Budapest: So stürmten sie Krasnodar: Der Ring um Leningrad. Zum Schluß Karikaturen unseres Zeichners Bri:„Nach der großen Invasion siegreich daheim“. Ein Arzt muß schweigen ROMAN VON KARL UNSELT Cepyright by Verlag Knorr& Hirth Kommandttges. München 1939 “ 3 6. F o r t s e t z u n g Ein Schluchzen brach plötzlich von seinen Lippen. Erst jetzt ließ Beate seine Hand los. Er sank auf einen Stuhl nieder und schlug die Hände vor das Gesicht. Beate wandte sich ab und trat an das Fenster. Es tat ihr leid, daß sie ihm hatte wehtun müssen, und sie fragte sich, ob sie richtig gehandelt hatte. Sie dachte an die leidenschaftlichen Worte, mit denen er in der Narkose von seiner Liebe zu Lisa gesprochen hatte. und kam zu der Ueberzeugung, daß es doch richtig gewesen war, ihm rechtzeitig die Wahrheit zu sagen, ehe es zu spät war und vielleicht eine plötzliche Erschütterung zu gefährlichen seelischen Störungen geführt hätte. Ein Geräusch hinter ihr ließ sie sich umdrehen. Jochen war aufgestanden. In seinem Gesicht war noch die erste große Herzensnot seines jungen Lebens, aber um seine Lippen lag bereits ein harter männlicher Beate trat zu ihm, legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte leise:„War es schwer, Jochen?“ „Sehr. Und wenn es nicht der Doktor wäre, ich weiß nicht, was ich dann getan hätte. Aber ein bißchen freut es mich ja doch, daß Herr Böse sich vergeblich bemühen wird.“ Beate lächelte erleichtert. Die kleine Schadenfreude gönnte sie ihm, sie war ein gutes Zeichen. „Und es war ja auch eigentlich schön von Ihnen, daß Sie mir dieses Geheimnis anvertrauten. Wir sind jetzt heimlich Verbündete, Schwester Beate. Ich werde bestimmt- nichts verraten.— Lassen Sie mich jetzt gehen. Gleich kommt Ihr Bruder zurück, ich möchte ihm jetzt nicht begegnen.“ „Das kann ich verstehen. Aber ich, hoffe, daß Sie trotzdem recht bald und oft zu uns zum Musizieren kommen.“ Er sagte es zu und bedankte sich noch einmal und eilte dann aber hinaus. Wenig später sah sie ihn in den Garten hinunter flüchten, und gerade an der Pforte prallte er mit Horand zusammen. Ihr Bruder schien ihm etwas zu sagen, aber Jochen rannte davon. Beate blickte verloren über die Häuser hinweg in die Richtung, in der der Hof Robert Riffarths lag, und dachte an die schwere Stunde ihres eigenen Verzichts. Ihr Herz tat dabei ein wenig weh, und die Ferne begann leise vor ihren Augen zu flimmern. Dann trat der Bruder ein und Wehmut und Schmerz verkrochen sich wieder in ihre heimlichen Winkel. „Was war denn mit Jochen los?“fragte Horand während er aus seiner Tasche eine Glasröhre mit einem Rachenabstrich nahm.„Der hatte es ja eilig.“ „Er wollte wohl seinen Autobus kriegen.“ „Möglich“, sagte Horand zerstreut.„Ich habe mir eben überlegt, daß wir an Riffarth einen Brief schreiben wollen. Er soll sich umgehend äußern, ob er Grotjahn noch auf seine Kosten wegschicken will oder nicht, andernfalls werde ich bei der Landesversicherungsanstalt einen Kurantrag stellen.“ Beate nickte zufrieden und freute sich, daß er diese Angelegenheit nicht wieder auf die lange Bank schieben wollte. Sie setzte sich sofort an die Schreibmaschine und spannte einen Bogen ein. Während Horand den Vordruck für die Versendung des Rachenabstrichs an das Städtische Untersuchungsamt in Braunschweig ausfüllte, meinte er:„Da fällt mir übrigens ein, daß du die Meldung an den Kreisarzt immer noch nicht geschrieben hast. Ich hatte dich doch vorige Woche schon darum gebeten.“ „Entschuldige“, murmelte Beate.„Ich habe es tattächlich vergessen.“ Horand warf ihr einen schrägen Blick zu und sagte dann in einem bitteren Tone:„Beate, es hat wirklich keinen Zweck, mit Herrn Riffarth rücksichtsvoll umzugehen.“ Die Glocke der Haustür schlug an. Horand erhob sich und ging hinaus. Beate schrieb.„Herrn Robert Riffarth, Hofbesitzer“ und starrte einen Augenblick auf die Zeile. Ueber dem letzten Brief an Riffarth hatte „Mein lieber Robert!“ gestanden. Das lag weit zurück, und doch war es ihr jetzt, als sei es gestern gewesen. Die Tür öffnete sich und ihr Bruder trat mit Dr. Eversbach ein. Der Rechtsanwalt war nicht viel älter als Horand. Er hatte ein strenges, auffallend beherrschtes Gesicht. Er begrüßte Beate höflich. Selbst die belanglosen Zegrüßungsworte klangen abgewogen und vorsichtig Horand schob ihm einen Stuhl hin, auf dem er sich niederließ. „Tja, Herr Doktor“, begann er, indem er seine Aktentasche öffnete.„Das ist eine unangenehme Sache. Da Sie mich anrufen ließen, nehme ich an, Sie sind bereits im Bilde.“ „Absolut nicht. Ich wollte mit Herrn Riffarth wegen eines seiner Steinhauer sprechen, da verwies er mich an Sie und zwar mit der Bemerkung, daß er reinen Tisch machen wollte. Es ist mir vollkommen unklar, was das bedeuten soll.“ Eversbach hatte eine gelbe Mappe aus seiner Aktentasche genommen, schlug sie auf und räusperte sich. „Sie haben vor einem halben Jahr die Erbschaft Ihres verstorbenen Bruders angetreten.“ „Jawohl.“ „Sie hätten die Erbschaft innerhalb sechs Wachen ausschlagen können. Es wäre für Sie vielleicht besser gewesen, Herr Doktor, Sie hätten es getan.“ „Es wäre bequem, aber unanständig gewesen.“ „Wie Sie meinen“, sagte Eversbach kühl.„Sie haben mit der Erbschaft nicht nur den beweglichen und unbeweglichen Besitz Ihres Bruders übernommen, sondern auch dessen Schulden.“ „Die Schulden waren der Grund, weshalb ich die Erbschaft überhaupt angetreten habe.“ Eversbach streifte Horands hartes Gesicht mit einem erstaunten Blick. Beate wandte sich plötzlich ab und trat ans Fenster. Sie fühlte, wie sich die Luft des Zimmers mit einer gefährlichen Spannung auflud. „Mein Mandant“, fuhr Eversbach, ein wenig unsicher geworden, fort,„Her Robert Riffarth, hat Ihrem Bruder ein größeres Darlehen zum Aufbau seiner Praxis gegeben. Ein Teil dieses Darlehens ist zurückgezahlt. Ueber die Restsumme hat Ihr Bruder meinem Mandanten einen Schuldschein gegben. Es handekt sich um Reichsmark fünstausend.“ „O Gott“, entfuhr es Beate vor Schreck. „Wollen sie sich, bitte, von der Echtheit der Unterschrift Ihres Bruders überzeugen“, sagte Eversbach und hielt die Mappe Horand hin, in der der Schuldschein lag. Dieser warf einen kurzen Blick darauf.„Es ist die Unterschrift meines Bruders.“ „Mein Mandant stellt Ihnen nun eine Frist von vierzehn Tagen. Sollten Sie innerhalb dieser Frist die Summe zuzüglich Zinsen nicht gezahlt haben, bin ich beauftragt, auf Zahlung zu klagen.“ Er klappte die Mappe zu, steckte sie wieder in die Aktentasche und erhob sich. Horand holte tief Atem. Das war also das Ende. Die Entscheidung war gefallen, darüber brauchte er sich nun den Kopf nicht mehr zu zerbrechen. Eine eisige Ruhe überkam ihm. „Herr Doktor“, sagte er ohne Besinnen,„ich kann die Summe nicht bezahlen.“ „Ich kenne Sie", erwiderte Eversbach mit völlig veränderter Stimme, sie war nun voll menschlicher Anteilnahme,„und ich weiß, mit welchen Schwierigkeiten Sie hier zu kämpfen haben. Glauben Sie mir, es ist mir nicht leicht gefallen, den Auftrag zu übernehmen. Soll ich Herrn Riffarth bitten, die Frist zu verlängern und Ihnen Ratenzahlungen zu bewilligen". „Nein, das möchte ich unter keinen Umständen. Ich stelle hiermit Herrn Riffarth zur Deckung seiner Forderung die ganze Erbschaft zur Verfügung.“ „Ernst", stieß Beate entsetzt hervor.„Das ist doch Wahniton. „Seien Sie doch vernünftig“, pflichtete ihr Eversbach bei.„Herr Riffarth wird bestimmt mit sich reden lassen. Vielleicht kann ich ihm auch noch einen tragbaren Vergleich vorschlagen.“ Horand schüttelte den Kopf. Um seine Lippen lag ein. Zug trötziger Verbissenheit. „Vielen Dank für Ihren guten Willen, Herr Doktor. Ich kann Ihr Angebot leider nicht annehmen.“ „Tun Sie es. Ich rate Ihnen dringend dazu". beschwor ihn der Rechtsanwalt.„Es können jeden Augenblick Umstände eintreten nach denen Sie bereuen würden, mein Angebot abgelehnt zu haben.“ „Das verstehe ich nicht. Was sollten das für Umstände sein?“ Eversbach hob die Schultern.„Darüber darf ich noch nicht sprechen. Vielleicht habe ich überhaupt schon zuviel gesagt. Aber als Mensch kann ich es nicht verantworten, wenn Sie Ihre Existenz unnötig ruinieren. Ueberlegen Sie es sich noch einmal in Ruhe. Ich werde Ihnen morgen die schriftliche Zahlungsaufforderung zustellen.“ Dann reichte er Horand die Hand, und als er sich von Beate verabschiedete, sagte er:„Reden Sie Ihrem Bruder zu.“ Fortsetzung folgt. Aus Westdeutschland Sündenregister in Knittelversen Lokomotive überfuhr ein Aute Herne. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Zechenübergang an der Röhenstraße. Der Dreiradlieferwagen der Bäckerei., der den Uebergang passieren wollte, wurde von einem Kohlenzug erfaßt, zertrümmert und brannte restlos aus. Der Fahrerin des Wagens wurde das linke Bein abgequetscht. Auch sonst erlitt sie schwere Verletzungen, so daß an ihrem Aufkommen gezweifelt werden kann. Auch der Beifahrer wurde verletzt. Die Schuldfrage muß noch geklärt werden. Beim Heuabladen tödlich verletzt Herne. Auf tragische Weise kam die bei dem Landwirt Franz S. in der Weichselstraße beschäftigte neunzehnjährige Landwirtschaftsgehilfin Hildegard K. zu Tode. Während des Abladens von Heu machte sich K. auf dem Heuboden nützlich. Auf bisher nicht geklärte Weise kam sie der Bodenluke zu nahe und stürzte ab. Mit einem Schädelbruch blieb sie auf der Tenne liegen. Trotz der sofortigen Ueberführung in das Marienhospital war alle Kunst der Aerzte vergebens. Der Tod trat einige Stunden später ein. Auf frischer Tat ertappt Herne. Am Dienstag in den frühen Morgenstunden wurden zwei Einbrecher, die im Begriffe waren, mit ihrer Beute an Rauchwaren aus einer Trinkhalle an der Wiescherstraße zu entkommen, auf frischer Tat überrascht. Ein Passant bemerkte, daß Licht in der Halle war. Er holte sich rasch in der Nachbarschaft Hilfe, so daß die Diebe festgehalten und die Polizei benachrichtigt werden konnte. Als die Polizei erschien, saßen die Füchse noch in der Falle, so daß sie festgenommen werden konnten. Es handelt sich um zwei Burschen aus Herne. 1600 Morgen neues Gemüseland Dortmund. Auf Veranlassung der Landesbauernschaft Westfalen in Verbindung mit dem Gartenbauwirtschaftsverband hat die Stadt Dortmund ihre im Amtsbezirk Waltrop gelegenen Riesenfelder für den Anbau von Gemüseflächen von 1400 auf rund 3000 Morgen erhöht. Aus diesen Gemüseanbauflächen werden schon jetzt erhebliche Mengen des Gemüsebedarfs der Städte Bochum, Dortmund und des weiteren nördlichen Nuhrgebietes gedeckt. In Zukunft soll das noch in weit stärkerem Maße als bisher der Fall sein. Heinrich König in die Gauleitung berufen Bochum. Gauleiter Paul Giesler hat den Parteigenossen SA.=Oberführer Heinrich König zum Nachfolger des verstorbenen Parteigenossen Albert Meister in dessen Aemter innerhalb der Gauleitung Westfalen=Süd ernannt und ihn in den Stab der Gauleitung berufen. Der neue Arbeitsbereich des Parteigenossen König umfaßt insbesondere die Betreuung der alten Kämpfer des Gaues. Tödlicher Betriebsunfall Coesfeld. In einem hiesigen Betriebe löste sich der von einem Kessel hochgewundene Deckel und fiel auf den 18jährigen Schlossergesellen Bernhard Gerwens aus Epe, der von der 40 Zentner schweren Last auf der Stelle getötet wurde. Zwei andere Schlosser erlitten leichtere Verletzungen. Eine nicht alltägliche Schweinejagd Neubeckum. Beim Austreiben der Schweine hielt einer der Schinkenträger es für angezeigt, in die Abflußrohre der Kanalisation hineinzukriechen. Den Versuch, ihn hinauszuziehen, beantwortete er damit, daß er nur noch weiter in die geheimnisvolle Tiefe hineindrang. Als man gegen Abend die Bergungsversuche wieder aufnahm und mit Blendlaternen vorging, glückte es schließlich, dem entlaufenen Borstenvieh einen Strick um ein Hinterbein zu legen, und — Hau ruck!— gings dann wieder zurück ans sinkende Tageslicht. Architektonischer Fund aus romanischer Zeit Soest. Als man in dem Keller eines hiesigen Hauses Bodenarbeiten ausführte, entdeckte man drei kleine romanische Pfeilerbasen aus dem 12. Jahrhundert. Sie wurden für das Burghofmuseum erworben. Vom eigenen Vater überfahren Milspe. Ein 15jähriger Junge, der auf dem von seinem Vater gesteuerten Lastzuge mitfuhr, stieg während der Fahrt ab, um das Schlußlicht zu prüfen, geriet dabei aber unter die Räder und mußte mit schwerer Brustquetschung, Lungenriß usw. ins Krankenhaus nach Schwelm gebracht werden. Der habererdichter von Kiesersfeelden] Ein uralter bayerischer Volksbrauch Sport Mex Schmeling teitt ab Nach einer Mitteilung seines Betreuers, Max Machon, wird Max Schmeling seinen Titel als Europameister der Berufsboxer im Schwergewicht kampflos abtreten. Gleichzeitig hat Schmeling sich entschlossen, seine Lizenz als aktiver Boxer nicht mehr zu erneuern. Das bedeutet praktisch das Ende der glänzenden Laufbahn des Deutschen Meisters aller Klassen. Bewogen zu diesem. schwerwiegenden Schritt wird Schmeling durch die Tatsache, daß seine beim Kreta=Einsatz erlittenen Verletzungen die harte sportliche Tätigkeit eines Berufsboxers nicht mehr gestatten. Es gibt wohl nur ganz wenige Menschen, die noch! ein echtes Haberfeldtreiben mitgemacht haben, hat doch! dieser uralte oberbayerische Volksbrauch schon gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts zu bestehen aufgehört. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein bäuerliches Rügegericht, das den Sinn hatte. Recht und Sitte auf dem Lande zu wahren. Verstöße dagegen wie Betrug, Ehebruch, Geiz oder Wucher wurden in drastisch=volkstümlicher Weise geahndet. Hatte sich irgendein Bauer oder eine sonstige Person durch ihren Lebenswandel mißliebig gemacht, so wurde diese zunächst brieflich oder mündlich wiederholt verwarnt. Zeigte sie daraufhin keine Besserung, so versammelten sich in einer finsteren Nacht oft Hunderte„wilder Männer“, die sich durch falsche Bärte, Schwärzen der Gesichter und Verkleidung unkenntlich gemacht hatten, vor dem Hause des Uebeltäters. Zunächst wurde mittels Blashörnern, Glocken, Klappern, Topfdeckeln und Ratschen eine ohrenbetäubende„Katzenmusik“ veranstaltet. Hierauf hielt der Haberermeister vor den versammelten Dorfbewohnern die altüberlieferte Eingangsrede. Sodann wurde in Knittelversen das „Sündenregister“ des Angeschuldigten verlesen, in dem Ernst und Humor gleichermaßen zu ihrem Recht kamen. Sein Verfasser war gewöhnlich ein bekannter Haberer, der wie alle übrigen Mitglieder dieses ländlichen Geheimb indes durch einen feierlichen Eid zu unverbrüchlichem Schweigen verpflichtet war. Als Dichter solcher gefürchteten Knittelverse genoß einst der ehemalige Bräumeister und langjährige Gastwirt Josef Schulz, der jetzt i. Kiefersfelden im 80. Lebensjahr gestorben ist, großen Ruf. Wo immer im bayerischen Oberland ein Haberertreffen stattfand, stellte er seine rügende scharfe Feder in den Dienst des althergebrachten bäuerlichen„Femegerichtes". Das Talent dieses urwüchsigen Mannes vererbte sich auf seine Tochter Afra Schulz, die selbst eine bekannte Heimatdichterin ist. Es gehörten Mut und Selbstvertrauen dazu, Mitglied des Habererbundes zu sein, dessen Tätigkeit von der Kirche wie dem Bayerischen Staat als Landfriedensbruch betrachtet wurde. Damit war jedoch diese wettverbreitete Art der Volksjustig nicht lahmzulegen. Namentlich in der Gegend um Mißbach, Rosenheim und Tegernsee hatte sie einst Tausende aktiver Anhänger. Nur ehrbare, verschwiegene und waffenfähige Männer oder Burschen durften dem seltsamen Geheimbund angehören, dessen gesamter Wirkungsbereich in zwanzig Bezirke eingeteilt war. An der Spitze der Organisation, deren Uranfänge noch auf die durch Karl den Großen in den Grafschaften eingesetzten Rügegerichte zurückgehen sollen, stand ein auf Lebenszeit gewählter„Haberermeister". Jahrhundertelang zitterten die Uebeltäter im ganzen bayerischen Oberland vor dem mächtigen Geheimbund, der namentlich Vergehen an das Tageslicht brachte, zu deren Sühne es im Strafgesetzbuch keinen Paragraphen gab, die aber dennoch von der Volksmeinung verurteilt wurden. Mit Josef Schulz sank einer der letzten Männer ins Grab, die es noch als echtes bäuerliches Rügegericht gekannt und gefördert haben. Schüchterne Anfrage Von Hans Bergström Schultze ist der grße Schachzug seines Lebens geglückt. Das reiche Fräulein Meier hat ihm ihr JaWort gegeben. Rosalinde Meier, die einzige Tochter der Firma Meier, Meier u. Meier! Die Firma ist in der Finanzwelt ein Begriff. Schultze ist der glücklichste Mensch der Welt. Nächsten Sonntag soll er mit dem zukünftigen Schwiegervater sprechen. Von Mann zu Mann gleichsam. Nur eine Formalität, hat ihm Fräulein Rosalinde versichert. Denn Fräulein Rosalinde ist ein modernes Mädchen und entscheidet selbst über ihr Leben und ihre Mitgift. Jawohl: ihre Mitgift. Schultze zerbricht sich vergeblich den Kopf, wie groß die Summe sein könnte. Irgendwie schickt es sich nicht, Rosalinde direkt zu fragen. Schultze beschließt daher, am entscheidenden Sonntagvormittag vorsichtig anzufragen. Diskret natürlich, es muß sich gleichsam von selbst ergeben. Sonntag vormittags steht Schultze vor dem zukünftigen Schwiegervater. Meier strahlt Wohlwollen aus und klopft dem jungen Mann auf die Schulter:„Sie sind ein Glückspilz, Herr Schultze!“ sagt er,„denn meine Rosalinde ist ein Schatz. So eine Frau findet sich nicht zum zweiten Mal. In meiner Tochter bekommen Sie nicht nur eine hübsche und gesunde Frau, sondern vor allem auch eine Lebenskameradin, die Ihnen eine ausgezeichnete Hausfrau und Mutter ihrer Kinder sein wird. Rosalinde ist so häuslich veranlagt, dabei sehr sparsam. Sie versteht es wirklich, Geld zusammenzuhalten und———“ Da hält es Schultze nicht länger aus. Wird dunkelrot, räuspert sich und platzt los:„Darf man fragen, Herr Meier, wieviel Geld meine geliebte Rosalinde zusammenhalten wird?" Treßspantl. Zizer=Hobensee Vom Alpenstrandläufer bis zum Seeadler 7 Ein Vogelparadies westlich von Rügen und Wissenschaft Hohe italienische Auszeichnung für Peter Hoenselaers Aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums der künstlerischen Tätigkeit hat der König und Kaiser von Italien den Generalintendanten der Städtischen Bühnen Dortmund, Peter Hoenselaers, für die Förderung der deutsch=italienischen Kulturarbeit mit dem Ritterkreuz der Krone von Italien ausgezeichnet. Der Königlich=Kaiserliche italienische Botschafter Dino Alfieri sandte das nachstehende Telegramm:„Anläßlich des 25jährigen Jubiläums Ihrer künstlerischen Tätigkeit spreche ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche aus. Gleichzeitig teile ich Ihnen mit, daß Seine Majestät der König und Kaiser Sie mit dem Ritterkreuz der Krone von Italien ausgezeichnet hat.“ Verleihung der Löns=Plakette Die für besondere Verdienste um die Arbeit der Deutschen Hermann=Löns=Gesellschaft, Hannover, geschaffene neue Löns=Plakette wurde jetzt von der Löns=Gesellschaft erstmalig verliehen und zwar an Reichsminister Rust, Gauleiter Telschow. Gauleiter Dr. Meyer, General der Infanterie Muff, Kreisheimatpfleger Hauptmann Stuhlmacher, Börries Freiherr von Münchhausen und an Wilhelm Asche, den Weggenossen des Dichters HerWestlich von Rügen liegt die langgestreckte pommersche Insel Hiddensee, die mit der Fährinsel und dem Gänsewerder ein Gebiet von 18,6 Quadratkilo= metern umfaßt. In fünf Ortschaften darunter Kloster und Vitte, hausen dort etwa 1200 Menschen, meist anspruchslose Fischer. Hidensee hing einst mit Rügen zusammen und wurde 1308 durch eine furchtbare Sturmflut von dieser Insel getrennt. Von weiteren Naturkatastrophen dieser Art wurde dieses Eiland 1867 und 1872 heimgesucht. Durch erstere wurde der Süden Hidensees vom Hauptteil abgeschnitten. Bei der zweiten Sturmflut von 1872 aber entdeckte man bei Neuendorf in der Mitte der Insel einen prachtvollen Goldschatz aus der Wikingerzeit, der aus einem Halsschmuck mit zehn kreuzförmigen Anhängern, einem geflochtenen Halsring und einer runden Schmuckscheibe bestand, in deren Mitte sich eine Goldzelle in Kreuzform befindet, und deren Hauptmotiv vier greifenartige Tiere in seltsamer Verschlingung bilden. Die Stücke, die heute im Museum von Stralsund untergebracht sind, stammen wahrscheinlich aus einer Goldschmiedewerkstätte am Hofe des Dänenkönigs in Jellinge auf Jütland, die im 10. Jahrhundert n. Ztw. blühte. In Bakenberg steigt die Halbinsel Dornbusch bis zu 72 Meter Höhe an, während die Halbinsel Gellen im Süden flach ist. Außer durch den sensationellen Schatzfund, von dem zahlreiche Nachbildungen sich im Handel befinden, und seine vielbesuchten Seebäder ist Hiddensee auch als Vogelparadies bekannt geworden. Die Insel kann in dieser Eigenschaft getrost dem Bartschtal, einer schlesischen Teichlandschaft im Kreise Militsch=Trachenberg, dem Steinhuder Meer bei Hannover oder dem Speichersee vor den Toren Münchens an die Seite gestellt werden. Namentlich in Alt=Bessin, das zugleich ein Versuchsgebiet der biologischen Station der Universität Greifswald darstellt, ferner auf der Fährinsel und dem Gänsewerder, sowie im Wiesengelände um Dunt und Glamböck ist es gelungen, mit Hilfe des Reichsnaturschutzgesetzes die seltsamsten Vogelarten anzusiedeln oder wiedereinzubürgern. Die Insel Hiddensee hat hierzu viele natürliche Vorbedingungen wie einen flachen, ruhigen Strand mit sehr niedrigem Wasserstand, Dünen, Gehölze, Moorteiche, Sandbänke, Schlick= und Wattbildungen mitgebracht. Dazu kommt noch, daß viele fremde Vogelarten dieses pommersche Eiland als„Durchzugsstation“ auf ihrer großen Reise aus dem Norden betrachten und sich dort, je nach den Eisverhältnissen, kürzere oder längere Zeit aufzuhalten pflegen. Man findet indessen auf Hidensee nicht nur Alpenstrandläufer, Austernfischer, Bekassinen, Brachvögel und Kiebitze, sondern auch den Kampfläufer, die Lachund Raubseeschwalbe, Mittelsäger, Sandregenpfeifer und Uferschnepfe. An Großvögeln aber sind zahllose Enten. Gänse und Möven neben Fisch= und Seeadlern, Kranichen, Reihern und Schwänen vertreten. Schließlich gibt es auf Hidensee auch eine vielfältige Singvogelwelt, ob es sich nun dabei um Amseln und Stare, Blau= oder Rotkehlchen, Drosseln, Finken oder Stieglitze handelt. Der Naturfreund kann also dort zu jeder Jahreszeit die interessantesten und lehrreichsten Beobachtungen machen. Karriere Fritzchen ist Lehrling bei der Firma Müller u. Co. Ein Lehrling hat viele Pflichten. Morgens muß Fritzchen im Geschäftseingang Treppen waschen und das Straßenpflaster vor dem Firmeneingang schön reinlich schrubben. Im Laufe des Tages muß er zweiundzwanzig Mal die Aschenbecher im Zimmer des Chefs und des Buchhalters ausleeren. Nachmittags muß er über die Straße laufen und Kaffee holen. Zuerst für den Chef. Dann für den Buchhalter. Zuletzt für das Fräulein Grete, die Sekretärin des Chefs. Fritzchen hat wirklich das Gefühl, die ganze Last des Betriebes ruhe auf seinen schwachen Schultern. Nach vier Jahren hat Fritzchen ausgelernt. Morgens zieht er seinen neuen dunkelblauen Anzug an und erscheint mit besonders sorgfältig gescheuertem Hals im Büro. Fräulein Grete hat ihm verraten, daß der Chef eine Rede halten wolle. Fritzchen zu Ehren. Der Chef hält gerne Reden. Fritzchen träumt von Gehaltserhöhung, Anerkennung seiner treuen Dienste und besonderen Ehrungen. Fritzchen wird ins Chefzimmer gerufen. Steht Herrn Müller gegenüber. Herr Müller räuspert sich würdevoll: „Mit dem heutigen Tage hast Du ausgelernt, Fritzchen! Ich habe mich anläßlich dieses bedeutenden Wendetages in Deinem Leben dazu entschlossen, zu Dir in Zukunft nicht mehr„Du“ zu sagen. Von nun an mußt Du nachmittags nicht mehr Kaffee für den Herrn Buchhalter, das Fräulein Grete und mich holen. Das werden von nun an— Sie besorgen...!“ (Aus dem Dänischen von T. Vermoes.) Namen, die wir täglich lesen Brighton an der Südküste Englands, wurde im August von unseren Bombern schwer angegriffen. Die Stadt wurde von dem angelsächsischen Bischof gebaut und hieß früher Brighthelmstone, wobei stone auf die steinerne Burg des Bischofs hinweist. Italien nennt sich selbst Italia und hieß früher Fitalia, das„Land der Rinder“, vermutlich abgeleitet vom Lateinischen vitulusdas Rind. Wenn man bedenkt, daß im südlichen Teil von Calabrien früher die Viehzucht eine ungeheure Blüte hatte, so wird der Name durchaus verständlich. Alexandria in Aegypten, wurde 331 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet und nach ihm benannt. „Redizinal? Da sind Se woll so'n besserer Pillendreha?“ Menschliches, Allzumenschliches aus dem Leben großer Aerzte. Es war nicht verwunderlich, daß Rudolf Virchow bei seiner bissigen Art unter einem Teil seiner Hörer nicht beliebt war. Einmal fand er an seinem Ueberrock die Abbildung eines Gorillas angeheftet. Der berühmte Mediziner eröffnete seine nächste Vorlesung mit den Worten:„Meine Herren, einer von Ihnen hat mir da sein Bild verehrt. Ich weiß nur nicht, bei wem von Ihnen ich mich bedanken soll, denn das Bild hat merkwürdigerweise mit Ihnen allen eine auffallende Aehnlichkeit.“ * Ein anderes Mal stellte Professor Virchow einem Prüfungskandidaten die knifflichsten Fragen, und so konnte es nicht ausbleiben, daß der junge Mann manche Antwort schuldig bleiben mußte. Schließlich meinte Virchow murrend:„Was wollen Sie überhaupt einmal werden?" Da dachte sich der Prüfling mit dem Mute der Verzweiflung: jetzt oder nie! treu und trocken sagte er: „Assistent bei Virchow!“ Virchow zuckte wie vom Schlag getroffen zusammen dann aber freute er sich über den Freimut des Prüflings und sagte dann lachend:„Dafür genügt Ihr Wissen! Kommen Sie morgen zu mir!“ Auf einer Abendgesellschaft machte sich eine Dame an Virchow mit den Worten heran:„Ach. der berühmte Arzt, nicht wahr?" „Nein“, knurrte Virchow, leider nur ein Doppelgänger!“ Der berühmte Mediziner Billroth war noch ein junger Anfänger. Einmal fragte ihn teilnahmsvoll eine befreundete Dame, wie es ihm denn gehe.„Oh, danke, sehr gut, meine Patienten wachsen von Tag zu Tag.“ Die Dame fragte zweifelnd:„Wirklich? So eine gute Praxis haben Sie schon?“ Billroth lächelte:„Das nicht gerade, aber ich bin doch Kinderarzt!“ * Vor Billroth stand im Examen ein Kandidat der eine Reihe gestellter Fragen bis dahin nur durch beharrliches Schweigen beantwortet hatte. Der Prüfer griff nun das Kapitel„Regeneration“ auf und fragte: „Herr Kandidat, glauben Sie an eine Regeneration des Gehirns?“ Jetzt endlich brach der Prüfling sein Schweigen und antwortete:„Jawohl. Herr Professor!“ Billroth nickte:„Na sehen Sie, dann haben Sie ja noch Hoffnung.“ * Eine stolze Mutter meinte einmal zu dem großen Arzt Carl Ludwig Schleich, ihr Sohn hatte die Prüfung mit Auszeichnung bestanden. „Sehr schön“, lächele Schleich.„hoffentlich kann er das als Greis auch von der Lebensprüfung behaupten!“ Man erzählte Carl Ludwig Schleich von einem Manne, der trotz seiner Blindheit allzeit fröhlich und heiter und für alle Genüsse des Lebens aufgeschlossen sei. Schleich nickte und meinte:„Es gibt eben Leute, die blind durchs Leben laufen, trotzdem sie sehr gut sehen können— und es gibt Blinde, die sehen das Leben so, wie es gesehen werden muß!" Einmal wurde Papa Wrangel ein Medizinalrat vorgestellt. Wrangel murmelte:„Medizin? Medizinal? Da sind Se woll so'n bessera Pillendreha, wat?“ Robert Koch wurde einmal gefragt, ob ein Arzt bei seiner Tätigkeit nicht oft mit seinem privaten Gewissen in Konflikt käme. Koch antwortete dem Frager„Privates Gewissen? Der Arzt hat nur ein öffentliches Gewissen zu haben!" Ein anderer Arzt meinte zu Robert Koch, ob dieser es nicht bedauerlich finde, so wenig Freunde zu haben. Koch entgegnete, wobei er seinen Blick über die Brillengläser wandern ließ:„Auf die Zahl kommt es nicht an!“ Amtliche Bekanntmachung— Betr.: Lebensmittelkarten für ausländische Zivilarbeiter Für ausländische Zivilarbeiter, die nach dem 1. 9. 1939 im Reich ansässig geworden sind, wird mit Wirkung vom 21. September 1942(Beginn der 41. Zuteilungsperiode) die Wochenkarte für ausländische Zivilarbeiter eingeführt. Ausgenommen von dieser Neuregelung sind diejenigen Personen, die sich in Gemeinschaftsverpflegung befinden, die in der Landwirtschaft beschäftigt sind und Hausgehilfinnen. Die Ausgabe dieser Wochenkarten erfolgt am Montag jeder Woche gegen Empfangsbescheinigung durch die Betriebe, in denen diese Arbeiter beschäftigt sind. Die Betriebe haben daher sofort, spätestens bis zum 12. 9. 1942, der Hauptkartenausgabestelle des Ernährungsamtes, Castrop=Rauxel 1, Leonhardstr. 2(HI.= Heim), Zimmer 5 eine vollständige namentliche Liste der bei ihnen beschäftigten ausländischen Zivilarbeiter, für die obige Voraussetzungen zutreffen, mit genauer Wohnungsbezeichnung einzureichen. Zu= und Abgänge sind allwöchentlich unter Angabe der neuen Anschrift mitzuteilen. In den Veränderungslisten ist anzugeben, von wo und aus welchem Betrieb der Arbeiter kommt oder wohin er verzogen und welches seine zukünftige Arbeitsstätte ist. Für neu eintretende Arbeitskräfte ist außerdem die Vorlage der polizeilichen Anmeldung und der Zuweisung des Arbeitsamtes erforderlich. Verstöße gegen diese Bestimmungen werden nach der Verbrauchsregelungs=Strafverordnung verfolgt. Castrop=Rauxel, den 8. September 1942. Der Oberbürgermeister. Huche für mein umtangrichen Lebensmittel-, Tabak-, Wein- u. Spirituosengeschäft ein Lommauchen mit guter Schulbildung. Schriftliche Angebete unter Nr. 2262 an den Stadtanzeiger. Nederkinderwagen kaum gebraucht, zu verkaufen, Preis 44.—RM. Dortmunder Straße 26 I. Cist Gu i der Nof.: Den„Hantngiger ancum uchentte mal. Wochendezugeprete 50 Vfg., Pontdezugsprete 2 RM monat: Druck u 1 zi. C. Td Kartenberg, herne Haupt schriftleiter Willi Franke, 4. J1. Wehrmacht. Verantwortlich für Polltik. Kuns und Wissenschaft l. B. Otto Pohle. WanneEickel; verantwortlich für die örtlichen wvortlichen u. provinztellen Mitteilungen Franz Jolet Pruno. Castrov=Rauxel Sa., Nr. 2151 Castrov.— Anzeigenoreie 1 um hoch u. 72 mm dreit 25 Usa Nochlaß nach den vom W. d. D. W. derausgegedenen Richtlinien. K. Jt. gilt Preisliste Nr. 1. ##e Bilder. Jomelt nicht endere angegeden. Schert.