Rummer 187 Mittwoch, den 12. August 1942 Hezzenhrrager„Gagis Sersenn! Deutsches-Boot im Mittelmeer setzt neuen Erfolgsmeldungen die Krone auf Verfolgungskämpfe am Kaukasus Westsälische Panzerdivision vernichtete 1000 bolschewistische Panzer □ Berlin, 12. August. Wie das OKW zu den Kämpfen an der Ostfront mitteilt, verfolgten am Montag die deutschen und verbündeten Truppen in den Kampfräumen bei Krasnodar, Maikop und Piatigorsk die geschlagenen Bolschewisten weiter. Die südlich der DonMündung zur Säuberung des Kampfgebietes eingesetzte rumänische Kavallerie nahm die Hasenstadt Jeisk am Asowschen Meer. Auch zwischen Don und Sal drangen die deutschen Augriffstruppen vorwärts; südlich Stalingrad wurden mehrere seindliche Gegenangrisse abgewiesen. Das im Angriff durchschrittene Gebiet wurde von abgeschnittenen feindlichen Kräftegruppen gesäubert. Die Luftwaffe bekämpfte dicht vor den deutschen Angriffsspitzen sowie im rückwärtigen feindlichen Gebiet die flüchtenden bolschewistischen Kolonnen. Der Feind hatte durch Volltreffer in die sich auf den zerstörten Straßen und Eisenbahnen aufstauenden Fahrzeugkolonnen und Eisenbahnzüge schwere Verluste. Im Kampfgebiet nördlich des Sal unterstützte die Luftwaffe das „Eagle“ aus Geleit herausgeholt * Berlin, 12. August. Das OKW geb gestern abend bekannt: Ein deutsches Unterseeboot hat heute mittag im westlichen Mittelmeer den englischen Flugzeugträger„Eagle“ aus einem stark gesicherten Geleitzug mit 4 Torpedotretfern versenkt. Vordringen des Heeres gegen frisch in den Kampf geworfene bolschewistische Reserven. Westlich Kalatsch geht die eingeschlossene feindliche Armee ihrer Vernichtung entgegen. Bei diesen Kämpfen vernichtete eine westfälische Panzerdivision ihren 1000. Panzer im Ostfeldzug. Im Abschnitt Woronesch wurden am 9. August zwei auf das Westufer des Woroneschflusses vorgestoßene feindliche Kompanien über den Fluß zurückgeworfen und nördlich der Einmündung des Woronesch in den Don mit Schlauchbooten übergesetzte Bolschewisten vernichtet. An der Nordfront des Brückenkopfes Woronesch gewann ein örtlicher deutscher Angriff, von der Luftwaffe wirksam unterstützt, gegen zähen feindlichen Widerstand in ausgebauten Stellungen am Boden. Ostwärts Orel gelang es am 9. August deutschen Stoßtruppen in das stark ausgebaute feindliche Stellungssystem einzudringen und mehrere Bunker und Kampfstände mit ihren Besatzungen zu vernichten. Im Raum von Rschew wurden am 9. August zahlreiche feindliche Panzerangriffe abgewiesen und örtliche Einbrüche bereinigt. Die Bolschewisten hatten bei diesen Abwehrkämpfen, trotzdem ihre Vorstöße von schwerem Artilleriefeuer unterstützt wurden, sehr hohe blutige Verluste. An anderer Stelle dieses Kampfgebietes wurden im Gegenangriff mehrere bolschewistische Stützpunkte genommen. Durch die Zerstörung von 100 Lastkraftwagen sowie von 20 Flößen und Booten wurden die Angriffsbewegungen des Feindes stark gehemmt. Durch deutsche Fäger und Flakartillerie wurden über diesem Kampfgebiet 32 bolschewistische Flugzeuge abgeschossen. Im Gebiet des Wolchow=Brückenkopfes gelang es am 9. August einem örtlichen deutschen Angriff die stark gefestigten feindlichen Stellungen überraschend zu durchbrechen und nach Osten Boden zu gewinnen. Durch diesen Erfolg wurde die Vorverlegung der deutschen Stellungen in günstigere Geländeabschnitte ermöglicht. esd Berlin, 12. August. Die gegenwärtigen Kämpfe im Süden der Ostfront sind gekennzeichnet durch die Angriffe unserer Luftwaffe auf die zurückflutenden sowietischen Truppen vornehmlich in den Verschiffungshäfen am Schwarzen Meer und durch die Entlastungsangriffe der Sowjets im Raum von Rschew. Durch den Ansturm immer neuer Kräfte bei Rschew versuchen die Sowiets ihren britischen und amerikanischen Verbündeten die Notwendigkeit einer„zweiten Front“ vor Augen zu führen. Die Sowiets können im Ernst kaum annehmen, daß diese ungeheuren Verzweiflungsangriffe eine Besserung ihrer Lage im Süden herbeizuführen vermögen, wo sie bereits wertvolle Gebiete verloren haben und den Rest ihrer fliehenden und stark geschwächten Trupven einzuschiffen versuchen. Dazu werden von den Fluchtschiffen zahlreiche Transporter durch die deutsche Luftwaffe versenkt und beschädigt. So finden die aus den Gebirgstälern in den Häfen Tuapse, Noworossiffk und Anapa noch eintreffenden Sowiets dort neben den Wracks mehr zerstörte Kais vor, als ihnen lieb ist. Es ist zu erwarten, daß London das Tamtam von der„zweiten Front“ Generalfeldmarschall Kluge bei einer Panzerdivision (Rechts Generalmajor Fehn) (PKk.Kriegoberichter Böhmer) noch verstärken wird, gewissermaßen als psychologischen Beitrag zur Unterstützung der Sowjetunion. Bei nüchterner Betrachtung der Ereignisse auf allen Meeren, insbesondere der der letzten Tage, kann einer weiteren Entwicklung mit Interesse entgegengesehen werden. Uns genügen hier die nüchternen Zahlenangaben des OKW=Berichts. Versenkt: Aus einem Geleitzug für England sechs Schiffe mit 41000 BRT, und ein Zerstörer in amerikanischen Gewässern und Westafrika sieben Schiffe mit 45000 BRT, wozu noch schwer beschädigte Frachter und Kriegsschiffe kommen, die natürlich für längere Zeit ausfallen, wenn nicht gar verloren gehen. Neue Ritterkreuzträger des Heeres dnb Berlin, 12. August. Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: General der Infanterie Wilhelm Wetzel. Kommandierender General eines Armeekorps: Oberleutnant Otto Hoffmann, Batterieführer in einer Sturmgeschützabteilung: Wachtmeister Siegfried Freyer, Zugführer in einem Panzerregiment. „Psychologische Hilfe“ für die Sowjets den Verzweiflungsangriffen bei Rschew neues Londoner Samtam? Drahtbericht unseres militärischen Mitarbeiters Nach add derichter:„Gial fließl in Indlen in Hule und Zalle“ Weiteres Ansteigen der Opfer des britischen Polizeiterrors— Mit Bleiknüppel und Feuerwaffen gegen das Volk Drahtbericht unseres eigenen ständigen Korrespondenten sa Rom, 12. August. Im Gegensatz zum Londoner Rundfunk, der die gegenwärtige Lage in Indien immer zu verschleiern und die Tragweite des Kampfes als minimal darzustellen versucht, telegraphiert der amerikanische Korrespondent Chaplin seinen Blättern aus Bombay:„Blut ließt in Fülle. Ueberall nehmen die Unruhen an Heftigkeit zu. Die Menge zerstört die Automobile und die britischen Staatsangehörigen werden von der Polizei ausgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.“ Weitere Ausdehnung der Unruhen □ Stockholm, 12. August. Laut Reuter meldet ein amtlicher Bericht der Provinzialregierung in Bombay, daß Polizei und Militär auf die in der Stadt„revoltierenden“ Menschenmassen das Feuer etwa 10mal eröffnen mußten. Am schlimmsten betroffen seien die Gebiete von Dugong und Dabar. In diesen beiden Stadtvierteln sowie in anderen Gebieten habe es zahlreiche Fälle von Gewalttaten gegeben. Bei den Unruhen am Sonntag seien im Stadtgebiet acht Tote und 160 Verwundete zu verzeichnen gewesen, unter letzteren 27 Polizisten.— In der Textilindustrie und in anderen Industrien machten sich„gewisse Betriebsstörungen“ bemerkbar. Der Sender Delhi berichtet, daß der Belagerungszustand in Bombay auf weitere Gebiete ausgedehnt worden sei. Ein Bericht des englischen Nachrichtendienstes besagt, daß die Hauptstörungen in Bombay und Ahmadabad zu verzeichnen seien. Truppen hätten an verschiedenen Stellen eingesetzt werden müssen. In einem weiteren amtlichen Bericht heißt es, daß im Bombayer Stadtteil Baroda im Laufe des Montagnachmittag Versuche unternommen wurden, Brände anzulegen. Auch seien drei Polizeistationen in Brand gesteckt worden. Die Telephonleitungen wurden an verschiedenen Stellen durchschnitten. Aus einem Bericht der Regierung der Vereinigten Provinzen ergibt sich, daß in Lucknow gleichfalls Militär eingesetzt werden mußte. Dort ist ein Streik ausgebrochen. Laut Reuter wurde in Ahmadabad ein britisches Infanteriebataillon eingesetzt. In Benares wurde eine Studentenkundgebung von der Polizei mit Knüppeln auseinandergetrieben. Die Riederknüppelung Indiens # Madrid, 12. August. Die im Laufe des Dienstag aus Indien eingelaufenen Meldungen stehen im Zeichen des Einsatzes der britischen Truppen, die der englische Zwangherr neben der Bleiknüppelpolizei nunmehr in steigendem Maße gegen die für ihre Freiheit strebenden Inder einsetzt. Wahrscheinlich versprechen sich die Briten vom Einsatz dieser schießfreudigen englischen Kolonialtruppen eine erhöhte Wirkung bei dem Versuch, den indischen Freiheitsdrang niederzuknüppeln. Sie scheinen in dieser Erwartung nicht enttäuscht zu werden. Denn selbst nach englischen Meldungen heißt es, daß allein bei einem Zusammenstoß in Bombay am Dienstag nachmittag 13 Inder getötet und über 30 verletzt worden sind. Indische Jugend greift ein Drahtbericht unseres eigenen Vertreters dy Stockholm, 12. August. Die Empörung der indischen Massen schnellt machtvoll empor. In London sucht man indessen einstweilen noch die Befürchtung zu verbergen, daß es zum Generalstreik in einer Provinz oder zu einer über das ganze Reich sich erstreckenden Revolte kommen könnte. Ein besonderer Charakterzug der Vorgänge in Bombay, Kalkutta und New=Delbi ist, daß diesmal die Jugend der indischen Nationalisten in vorderster Linie steht; sie ist es, die die Polizei und das Militär mit einem Steinhagel überschitttet. Der Vertreter von News Fortsetzung 2. polltische Seite O, Salomon...! Drahtbericht unseres diplomatischen Vertreters om Berlin, 12. August. Die Wahrheit über den Verlauf der großen Seeschlacht bei den SalomonInseln, über deren Abschluß ein japanischer Bericht noch nicht vorliegt, beginnt jetzt selbst in den Vereinigten Staaten durchzudringen. Sehr leise, aber vernehmlich werden in dem Bericht des amerikanischen Flottenchefs. Admiral King, an das Marine=Departement ernste Töne angeschlagen, die das Publikum auf die Nachricht von einer vernichtenden Niederlage vorbereiten könnten, wenn es nicht von der Presse absichtlich im Dunkeln gehalten würde. Die Schlacht wird in dem Bericht des Admirals als aus Offensivoverationen der amerikanischen Flotte entstanden bezeichnet, die den Zweck gehabt hätten, Truppen auf den südöstlichen Inseln der Salomon=Gruppe zu landen, um die Verbindungslinien nach Australien und Neuseeland zu sichern An diesen Ausdruck des Admirals von der Offensive klammern sich die Berichterstatter der amerikanischen= und englischen Presse. Sie verkünden triumphierend, daß jetzt eine entscheidende Wendung im Pazifik eingetreten sei, denn zum ersten Male sei die Strategie der Defensive verlassen worden. Besonders die Londoner Presseregie tut sich darin hervor, indem sie durch gefügige Korrespondenten nach dem Ausland, zum Beispiel nach Stockholm, melden läßt, die amerikanische Offensive verfolge das Ziel, alle Stützpunkte, die die Javaner in den letzten Monaten besetzt haben, wieder zu erobern. Daß davon keine Rede sein kann, geht selbst aus dem Bericht des amerikanischen Admirals deutlich hervor. Er sagt ausdrücklich, daß die Japaner mit Schnelligkeit und Energie zum Gegenangriff übergegangen und daß noch schwere Kämpfe im Gange seien. Informationen seien noch„unvollständig“, aber es habe„den Anschein“, daß ein amerikanischer Kreuzer versenkt, zwei Kreuzer, zwei Zerstörer und ein Transporter beschädigt wurden. Man müsse sich darüber im klaren sein, wird in dem Bericht hinzugefügt, daß es sich um eine der schwierigsten und kompliziertesten Operationen in der Seekriegführung handele und daß beträchtliche Verluste zu erwarten seien, wie sie notgedrungen alle Angriffsoperationen mit sich brächten. Dies ist zwar noch lange nicht die Wahrheit. kommt ihr aber immerhin nahe, und so kann auch nach dem amerikanischen Bericht bereits heute die ###merikas Marineminister Knox verkündet:„Sieg!“ (Geichrunge Seeschlacht bei den Salomon=Inseln als die größte seit Ausbruch des ostasiatischen Krieges bezeichnet und als erster Erfolg die Reduzierung der amerikanischen und englischen Flotte in Ostasien und im Pazifik festgestellt werden. Da aber die amerikanische Presse und die Londoner„Times“ auch heute noch von amerikanischen Siegen bei den Midway=Inseln und im Korallenmeer sprechen, die bekanntlich schwere amerikanische Niederlagen waren, so wird auch die Schlacht bei den SalomonInseln wiederum als gmerikanischer Sieg getauft werden. Nicht anders verhält sich übrigens die feindliche Berichterstattung gegenüber den Ereignissen an der Ostfront. So spricht der Londoner Korrespondent der„Neuen Zürcher Zeitung" tragsgemäß von einem„planmäßigen und kühnen Manöver Timoschenkos“, womit er die Verfolgungsschlacht vor dem Kaukasus meint und fügt geheimnisvoll hinzu, man könne daran„die Umrisse eines großen Planes“ Timoschenkos erkennen. Der britische Tonnageschwund 1 Stockholm, 12. August. Der englische Tonnagemangel, wird infolge der ständig wachsenden Erfolge der deutschen=Boote von Taa zu Tag fühlbarer. Zu den bereits stark reduzierten Lebensmittelrationen auf der englischen Insel mußte der britische Verpflegungsminister Lord Woolton jetzt neue Maßnahmen zur Einsparung von Lebensmitteltransvorten aus Uebersee ergreifen. „Ich habe,“ so erklärte er nach einer Reutermeldung,„in einer Sitzung am Dienstag nachmittag in London, soeben meine Anforderung an Schiffs raum als Verpflegungsminister reduzieren müssen, damit der dadurch eingesparte Schiffsraum für die tatkräftige Weiterführung des Krieges benntzt werden kann.“ Die Engländer bekommen die Blockade, die sie uns zugedacht haben, immer stärker am eigenen Leibe zu spüren. Indische Zugend greift ein Fortsetzung von der I. oollt. Seite Chroniele in Bombay schildert, wie sich scharenweise Jungen und Mädchen mit den Fähnchen indischer Nationalisten und anderen Emblemen auf die Straßenbahnschienen legten, um den Straßenbahn= oder Autobusverkehr zu stören. Das Militär ist auf solche Art von Angriffen nicht eingerichtet gewesen. In London sucht ein Teil der Labourparty die Einberufung des Parlaments zu erzwingen. Die Partei ist, wie in allen wichtigen Fragen, gespalten. Ihre Minister gehen mit Churchill und meineu, daß es nur schaden könne, die indische Frage jetzt öffentlich im Parlament zu debattieren. Der Vizekönig habe Vollmachten erhalten, in Indien zu schalten, wie er wolle. Lustwasfe in Indien eingesetzt Bern, 12. August. Jetzt einlaufende Meldungen einer amerikanischen Nachrichtenagentur aus Bombay lassen erkennen, daß die bisher von den Briten veröffentlichten Nachrichten über die Vorgänge in Indien absichtlich das Ausmaß der Freiheitskundgebung verkleinert haben. Die Nervosität der britischen Machthaber ist von Stunde zu Stunde gestiegen, so daß sich, wie die amerikanische Nachrichtenagentur meldet, die britische Polizei genötigt sah, die britische Luftwaffe einzusetzen,„um die drohend auftretenden Volksmassen zu zerstreuen". Die Briten exerzierten mit den Indern also die„Freiheit" dadurch, daß sie Träuengasbomben aus den Flugzeugen auf ihre Freiheit demonstrierende Inder warfen. Der Berichterstatter einer amerikanischen Nachrichtenagentur meldet aus Neu=Delhi:„Ich habe am Montagnachmittag in Alt=Delhi während drei Stunden den Anhängern Gandhis zugeschaut, wie sie mit gewaltlosen Methoden die Engländer aus Indien vertreiben und sich ihre Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstregierung erkämpfen wollen. Eine mehrere Tausende zählende Menge wälzte sich durch die Hauptstraßen Alt=Delhis, dem großen Platz zu und es gelang den Indern, den Verkehr zu blockieren und das Geschäftsleben gänzlich lahmzulegen. Tatsächlich war der Streik vollständig. Der Lärm war fürchterlich. Ununterbrochen ertönten die Schlachtrufe der Kongreßpartei, die den Rückzug der Briten aus Indien forderten und dann Gandhi. Nehru und die anderen verhafteten Prominenten priesen.: Im Sprechchor wurde immer wieder die Freilassung des Mahatma und seiner eingesperrten Anhänger verlangt. „Tag des Protestes gegen die britische Bedrückung“ ∆ Tokio, 12. August. Domei meldet aus Schonan: Am Mittwoch werden in den 19 größten Städten der Malaien=Halbinsel Massenkundgebungen zum Protest gegen die Verhaftung Gandhis und anderer indischer Führer abgehalten werden, an denen rund 60000 Inder teilnehmen werden. Die Inder in Schonan, Penang, Kuala=Lumpur und anderen Städten werden den 12. August als Tag des Protestes gegen die britische Bedrückung begehen. Vor den Rohren amerikanischer Küstenbatterien □ Berlin, 12. August. Ein mit Rohstoffen beladenex amerikanischer Frachtdampfer wurde unweit der Küfte von Florida durch ein Unterseeboot versenkt. Die Versenkung erfolgte so nahe an Land, daß die Geschützbedienungsmannschaften Teeizehn Schisse in drei Lagen: Schwere sowietische Flugzeuoverluste Neue Luftangriffe auf England dnd Aus dem Führerhauptquartier, 12. August. Das Oberkommando der Wehrmacht gab gestern bekannt: Im Raum von Maikop wurde der Feind in mehreren Kampfabschnitten in das Gebirge zurückgeworsen. Eine von ihren Verbindungen abgeschnittene Kräftegruppe wurde vernichtet. Die Luftwaffe verstärkte ihre Angriffe gegen die Räumungsbewegungen und Einschiffungen der Sowiets im Küstengebiet sowie in den Schwarzmeerhäsen Tuapse, Noworossisk und Anapa. Hierbei wurden 11 Trausportschiffe mit zusammen 12700 BRT versenkt, neun weitere beschädigt. Westlich Kalatsch geht die auf engstem Raum zusammengedrängte sowjetische Armee ihrer Vernichtung entgegen. An der übrigen Donfront nur örtliche Kampftätigkeit, die in einem Abschnitt ungarischer Truppen lebhaftere Formen annahm. Sturzkampffliegerverbände unterstützten südwestlich Stalingrad die Kämpfe des Heeres. Sie belegten außerdem zwei Flugplätze in der Nähe der Stadt mit Bomben schweren Kalibers. wobei 20 sowjetische Flugzeuge am Boden vernichtet wurden. Im Raum von Rschem dauert die schwere Abwehrschlacht an. Auch nördlich der Stadt nahm der Feind gestern unter Einsatz neu herangeführter Kräfte seine heftigen Angriffe wieder auf. Sie scheiterten im gesamten Kampfabschnitt an dem heldenhaften Widerstand der deutschen Infanterieund Panzertruppen. Den ganzen Tag über vorgetragene Bombenangriffe der Luftwafse auf sowietische Stellungen, Panzer= und Truppenausammlungen brachten den Verbänden des Heeres fühlbare Entlastung. Südostwärts des Ilmensees und an der Wolchow=Front wurden mehrere örtliche Angriffe des Feindes zum Teil im Gegenstoß abgewehrt. Im hohen Norden erzielte die Luftwaffe Bombentreffer in Anlagen eines Flughafens an der Kola=Bucht, sowie in Batteriestellungen westlich der Murmanbahn. Nachtangriffe der Luftwaffe richteten sich gegen Nachschubverbindungen, Ortschaften und Flugstützpunkte süd= und nordwestlich Moskaus. An der Ostfront wurden am 9. und 10. August in Luftkämpfen, durch Flakartillerie und am Boden 195 feindliche Flugzeuge vernichtet. 14 eigene Flugzeuge werden vermißt. Bei zunehmender Lufttätigkeit im Mittelmeerraum und über Nordafrika verlor der Feind gestern 16 Flugzeuge. Einige britische Flugzeuge führten am gestrigen Tage wirkungslose Störflüge nach Westdeutschland durch. An der Südküste sowie im Südosten und Osten Englands belegte die Luftwafie in den Abendstunden und in der vergangenen Nacht kriegswichtige Ziele mit Spreng= und Brandbomben. Zahlreiche Brände wurden beobachtet. Sämtliche Flugzeuge kehrten von ihrem Einsatz zurück. Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, brachten die letzten drei Tage den deutschen Unterseebooten im Atlantik neue große Erfolge. Ein nach England bestimmter Geleitzug, durch Zerstörer, Bewacher und Flugzeuge stark gesichert, erlitt durch immer wiederholte Tagund Nachtangriffe unserer Boote trotz häufiger Behinderung durch unsichtiges Wetter, schwere Verluste. Sechs Schiffe mit 41000 BRT sowie ein Zerstörer wurden versenkt und sieben weitere Schiffe torpediert. Mit dem Verlust eines großen Teiles dieser Schiffe kann gerechnet werden. Hierbei haben junge=Boot=Besatzungen ihre erste Bewährungsprobe abgelegt. Ferner verlor der Feind vor der amerikanischen wie vor der westafrikanischen Küste sieben Schiffe mit zusammen 45231 BRT, drei weitere Schiffe und ein Zerstörer wurden durch Torpedotreffer beschädigt. Ein Teil dieser Schiffe befand sich beladen mit Kriegsmaterial auf der Fahrt von Amerika nach Aegypten. Damit hat der Feind in den letzten drei Tagen 13 Schiffe mit 86231 BRT und einen Zerstörer verloren, während zehn Schiffe mit über 48000 BRT und ein weiterer Zerstörer beschädigt wurden. Vordringen im Kaukasusgebiet □ Berlin, 12. August. Wie das Oberkommando der Wehrmacht zu den Kämpfen im Kaukasusgebiet mitteilt, drangen die deutschen Trupven am 10. 8. bei anhaltender drückender Hitze weiter vor. Der feindliche Widerstand am unteren Kuban im Gebiet von Krasnodar wurde niedergekämpft. Aus dem Kampfgebiet bei Maikov flüchteten die Bolschewisten ins Gebirge, wo sie von den deutschen Truppen weiter verfolgt werden. Die weitere Säuberung des Westufers des Laba=Flusses von versprengten bolschewistischen Trupvenabteilungen wurde fortgesetzt. Anariffe deutscher Kampfflugzeuge richteten sich gegen den auf den Straßen vom nördlichen Kaukasus zur Küste des Schwarzen Meeres zurückflutenden Feind. Komteat Josa.„Segende beicht zufummen Tokio kündigt die Veröffentlichung der großen Seeschlacht=Erfolge an Drahtbericht unseres eigenen ständigen Korrespondenten der amerikanischen Küstenbatterien Zeugen der Versenkung des Schiffes waren, ohne in den Kampf eingreifen zu können. Das Schiff, das vorwiegend Gummi geladen hatte, brannte lichterloh und sank nach einer Viertelstunde. Rlusions=Konkurrent Churchills verübte Selbstmord * Geuf, 12. August. Der englische Vizeadmiral Harry Skey hatte, wie„Daily Expreß“ berichtet, eine„Patenlösung“ gefunden, wie England den Krieg gewinnen könnte. Er drang damit nicht durch und verübte in seiner Wohnung Selbstmord. — Churchill dürfte damit auf dem Gebiet der Illusionen einen gefährlichen Konkurrenten verloren haben. sa Rom, 12. August. Der japanische Admiral Sosa gewährte dem Vertreter des„Giornale 'Italia“ in Tokio eine lange Unterredung, in der er sich auch ausführlich über die Bedeutung der Luft= und Seeschlacht bei den Salomon=Inseln äußerte. Der Admiral erklärte unter anderem: „Trotz der feindlichen Offensivmöglichkeiten von australischen Stützpunkten aus ist anzunehmen, daß den Japanern von dort aus keine Gefahr droht. Es ist dagegen wahrscheinlich, daß die ganze Legende von der Kriegsbereitschaft Australiens nach der Landung japanischer Truppen wie ein Kartenhaus zusammenbrechen wird. Die Schlacht bei den Salomon=Inseln beweist, wie allmählich die Beherrschung der Luft im Korallen=Meer an die Japaner übergeht, was die unvermeidliche Schwächung der feindlichen Positionen auf Neu=Guinea zur Folge haben wird.“ Gesamtbericht in den nächsten Tagen ∆ Tokio, 12. August. Marinebehörden gaben bekannt, daß die Einzelheiten über die Seeschlacht bei den Salomon=Inseln nunmehr eingegangen seien und daß die Veröffentlichung der gesamten Ergebnisse durch das Kaiserliche Hauptquartier in den nächsten Tagen erfolgen wird. ∆ Tokio, 12. August. Zu der sensationellen Niederlage, welche die japanische Marine bei dem letzten Seegefecht bei den Salomon=Inseln der amerikanischen Flotte zugefügt hat, und bei der die Allierten mehr als 28 Kriegsschiffe verloren, schreibt Masanori Ito, der bedeutende japanische Marinekommentator, am Dienstag in„Asahi Schimbun“:„Die völlige Zerstörung des mächtigen anglo=amerikanischen Geleitzuges hat den Bemühungen der Alliierten, größere Truppenkontingente und Landungstruppen zu transportieren, „Reenenöutner noch ader Dalch harddur Aber das ist nur ein negativer Trost, sagt die Zeitschrift„Lise“ Telegramm unseres ständigen Korrespondenten bk Lissabon, 12. August. Der abgewiesene USAAngriff auf die von den Japanern besetzten Aleuten=Inseln Kiska, Attu und Agattu lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit auf diesen Kriegsschauplatz, von dem beide Seiten nur spärliche Nachrichten verbreiten. Die USA=Zensur in Alaska ist außerordentlich scharf und erlaubte den zehn Zeitungen des Landes erst vor wenigen Tagen den amtlichen USA=Heeresbericht abzudrucken. In der New Yorker Presse aber wird das Thema Aleuten in Verbindung mit möglichen Operationen gegen das amerikanische Festland lebhaft besprochen. Die Zeitschrift„Lise“ veröffentlicht Bilder über den ersten Verwundetentransport von Dutch Harbour nach Seattle. Die Geschichte, die diese bei dem japanischen Bombardement des USA=Hafens verletzten Marinesoldaten erzählten, sei die gleiche, so sagt die Zeitschrift, wie die der Truppen auf den Philippinen, Singapur und Java. Die Stimmung der Soldaten wäre ausgesprochen schlecht. Noch wehe das Sternenbanner über Dutch Harbour, aber das sei nur ein negativer Trost. Trotz des Einsatzes der USA=Flugzeuge, so erzählten die Soldaten weiker, stießen die Japaner dauernd vor und ständen bereits 600 Kilometer vor Dutch Harbour. Besonders beeindruckt war die New Yorker Presse durch die Erklärung, die ein gefangener USA=Marinesoldat über den Tokioter Sender abgab. Er sagte, daß nach seiner Ansicht die USA=Marine die besetzten Inseln niemals zurückerobern könnte. Nach Informationen des USA=Nachrichtendienstes vermutet man in Washington, daß sich mindestens 10000 Japaner auf den Aleuten=Inseln befinden und daß ihre Zahl dauernd steigt. „Zweite Front“- aber ganz woanders! Madrid, 12. August. Die Zeitung„Alcazar“ ist der Ansicht, daß die Briten ihre zweite Front, von der sie soviel gesprochen haben, nun erhalten hätten. Sie sei allerdings nicht gerade nach ihren Wünschen ausgefallen, denn ste liege in Alien, genauer gesagt in Indien. Zur Seeschlacht bei den Salomon-Inseln (Scherl) einen tödlichen Schlag versetzt, und die schweren Verluste, die sie bei diesem ersten Versuch erlitten haben, dürften ernsthafte Auswirkungen auf ähnliche Operationen haben, die Großbritannien und die Vereinigten Staaten in Zukunft in Eurupa oder im Pazifik zu unternehmen gedenken. Man kann sich auch vorstellen, welche psychologische Wirkung dieser Fehlschlag des ersten amerikanischen Versuches, Massentruppentransporte gegen die gegnerische Front zu werfen, ausgelöst hat.“ Der Kommentator betont, daß es Japan gelungen ist, sich die beherrschende Seemachtsstelle an der pazifischen Front zu sichern, und daß es Australien jetzt so gut wie eingeschlossen hat. Die angloamerikanische Aktion bei den Salomon=Inseln könne nur als ein verzweifelter Versuch betrachtet werden. Roosevelt fordert Stützpunkte auch von den Sowiets 7* Drahtbericht unseres Mitarbeiters re Aukara, 12. August. In einer Moskauer Pressekonferenz hat der amerikanische Delegierte, Follet=Bradley, eine Erklärung abgegeben, wonach seine Aufgabe in Moskau lediglich in militärischen Angelegenheiten bestehe. Er soll mit Stalin die Lieferungen von Kriegsmaterial aus den USA besprochen und dafür Sorge tragen, daß der Nachschub rascher und zielsicherer vor sich gehen kann. Es heißt aber in eingeweihten Kreisen, daß Bradlen auch eine Forderung Roosevelts überbringe, den USA Stützpunkte an der sibirischen Küte zu überlassen. Erfolgreiche Lustangrisse im hohen Norden X Berlin, 12. August. Wie das OKW mitteilt, waren am Montagvormittag Batteriestellungen der Bolschewisten im Raum von Louhi westlich der Kandalakschabucht heftigen Anariffen deutscher Sturzkampfflugzeugen ausgesetzt.„Ju 87“ warfen Bomben schweren Kalibers in die feindlichen Batterien und fügten den Bolschewisten, die dem deutschen Luftangriff heftiges Abwehrfeuer schwerer Flakgeschütze ontgegensetzten. hohe Verluste an Menschen und Material zu. Ein Angriff deutscher Zerstörerflugzeuge richtete sich gleichzeitig gegen den Flugplatz Warlamowo ostwärts der KolaBucht. Bei freier Jaad und Begleitschutz schossen deutsche Jäger in Luftkämpfen ohne eigene Verluste zwölf feindliche Flugzeuge ab. Fünf weitere Flugzeuge der Bolschewisten wurden durch Flakartillerie herausgeschossen. Basticos Ernennung zum Marschall Drahtbericht unseres eigenen Korrespondenten sa Rom, 12. August. Die Ernennung des Marschalls Ettore Bastico, der zusammen mit Generalfeldmarschall Rommel die siegreichen Operationen in Aegypten leitet, zum Marschall Italiens ist die höchste Auszeichnung. die dem bewährten italienischen Offizier verliehen werden konnte. Außer ihm ist während dieses Krieges nur der Generalstabschef Cavallero in diesen hohen Rang erhoben worden. Marschall Bastico, der trotz seiner 66 Jahre alle Strapazen des nordafrikanischen Krieges erträgt, zeichnete sich schon im italienisch=türkischen Krieg im Jahre 1912 als Beobachter eines lenkbaren Luftschiffes durch besondere Tapferkeit aus. Während des letzten Weltkrieges wurde er zum Obersten befördert. Als General nahm er am Kriege in Abessinien und am spanischen Freiheitskampf teil und wurde damals international bekannt. Auch schriftstellerisch betätigte sich Marschall Bastico. so schrieb er u. a ein viel beachtetes Buch über seine Erlebnisse in Ostafrika. Dr. Ley über den Leistungslohn im Baugewerbe dnd Berlin, 12. August. Zur Einführung des Leistungslohnes im Baugewerbe, sprach Reichsorganisationsleiter Dr. Ley anläßlich einer Arbeitstagung des Fachamtes Bau der DAF, zu der sich die Gaufachabteilungswalter Bau und Betriebsführer der deutschen Bauindustrie auf der Reichsschulungsburg in Berlin=Wannsee zusammengefunden hatten. Dr. Ley betonte, daß die jahrelange mühevolle Vorarbeit, die von der Deutschen Arbeitsfront geleistet wurde, notwendig war, um die Grundlagen für gerechte Leistungswerte zu ermitteln, durch die inmitten des Krieges der Leistungslohn auf einem der größten Wirtschaftssektoren verwirklicht werden konnte. Die Versuche, die in einer Reihe von Richtbetrieben des Baugewerbes seit einigen Jahren angestellt worden sind, haben bewiesen, daß sich diese Leistungswertsätze in der Praxis zum Nutzen aller Beteiligten auswirken. Die Einführung des Leistungslohnes, so betonte Dr. Ley, wird dem deutschen Baugewerbe helfen, die ihm gestellten großen Aufgaben zu meistern und damit dem gesamten Volk zugute kommen. Neues in Kürze Shanghai. Am Dienstagnachmittag versammelten sich alle in Shanghai lebenden Inder zu einer Massenprotestversammlung für die, indische Unabhängigkeit. Berlin. Die Gesellschaftsabschlüsse der britischen Schiffahrtsgesellschaften sind in diesem Jahr durch einen starken, Gewinnrückgang gekennzeichnet, Stockholm. Auch am Dienstag kam es in Bombay erneut zu lebhaften Kundgebungen der über die blutigen Ereignisse des Vortages empörten indischen Bevölkerung. Tokio. Vom chinesischen Kriegsschauplatz werden heftige Kämpfe in der Provinz Tschekiang gemeldet; zwei chinesische Regimenter wurden vernichtet. Genf. Der britische Blutterror in Indien wird von der USA=Presse, wie nicht anders zu erwarten, durchgehend begrüßt und gewissermaßen als das einzig Richtige gepriesen. Lissabon. Am Dienstag ging an Bord des Fahrgastschiffes„Quanza“ ein weiteres Truppenkontingent zur Verstärkung der Garnisonen auf den Kapverdischen Inseln von Lissabon ab. Vigo. Wie hier bekannt wird, hat Spanien während der vergangenen Wochen die Garnison auf den Kanarischen Inseln durch die Entsendung eines Truppenkontingents von 15000 Mann verstärkt. Berlin. Reichsarbeitsführer Konstantin Hierl kehrte in diesen Tagen von einer längeren Reise an den Südabschnitt der Ostfront nach Berlin zurück. Rom. Siamesische Zwillinge männlichen Geschlechts wurden von einer 26jährigen Italienerin in Pozo Puerto(Argentinien) geboren. Genf.„Daily Sketch“ kündigt eine Massen=Invasion englischer Agenten in Chile und Argentinien an. Oslo. Das Ziel von„Nasjonal Samling“ ist ein freies Norwegen im Geist der neuen Zeit, so führte Minister Lunde in einer Rede in Vik am Sogne=Fjord aus. Berlin. In der heutigen Vormittagsziehung der 5. Klasse der 7. Deutschen Reichslotterie sielen drei Gewinne von je 200000 Reichsmark auf die Nummer 23 860. Die Lose werden in allen drei Abteilungen in Achtelteilung gespielt. Stockholm. Nach einer Mitteilung des englischen Kriegsministeriums ist Generallentnant Gott im „Mittleren Osten“.(also wohl in Aegypten) im Kampf gefallen. Wir hören im Ründeunie: Reichsprogramm: Otto Ebel von Sosen dirigiert das Niedersachsenorchester im„Schloßkonzert aus Hannover“ von 12,45 bis 14 Uhr.„Musikalische Kostbarkeiten von 15,30—16 Uhr.— die 21 Uhr.— Deutschlandsender: Rudolf Schulgz spieft ein Vio. Ghre r######pon von 1715—1320 Uhr. Von 11.15 bis 29 yr uners Krufficer von elner unterhaltsamen Setto. * Wanderpreisschiegen der Voereastroper=Antschagen. Vorbildliche Schießsportpflege in drei Leistungsklassen Has Der Tgeeuuc Castrop=Rauxel 12. August Wunder der Sternennacht Heimat, deine Sterne... Der, August bringt uns das Wunder der Sternschnuppenfälle und überdies noch manche sternenklare Nacht, in der man im Anblick der Sterne ganz still wird vor der Unfaßbarkeit der Welt. Die Sterne lösen im nachdenklichen Menschen wohl am tiefsten den Gedanken der Ewigkeit aus. So mancher Soldat, der draußen auf einsamem Posten vor dem Feinde steht, hat Zwiesprache mit den Sternen gehalten und ihnen seine geheimsten Gedanken anvertraut. Um das Licht der Sterne schwebt es wie ein Rätsel. Leuchten, funkeln oder flimmern sie? Wie kommt ihr Licht zu uns auf die Erde? Man muß, um dieses Wunder begreifen zu können, bedenken, daß die Lichtstrahlen vom Stern zum Beobachter viele, beständig wechselnde Luftschichten von verschiedener Dichte durchdringen müssen, wobei sie häufig gebrochen werden und Ablenkungen oder Krümmungen erfahren. Beträgt eine solche nur plus oder minus 6000 Meter, was bei einer Entfernung von mehreren Lichtjahren sehr gering ist, dann verhält sich die Lichtstärke zweier so abgelenkter und daher zu verschiedenen Zeiten ankommender Lichtstrahlen wie:2. In diesem Falle würde der Beobachter ein einmaliges Funkeln wahrnehmen. Da aber viele Strahlen bestandig das Auge des Bobachters treffen, darum funkeln und flimmern die Sterne auch beständig. Die Farbänderung der Sterne in der Nähe des Horizontes entsteht durch Streuung der Strahlen in der Atmosphäre. So läßt sich das Wunder der Sternennacht auch ein wenig mit dem denkenden Verstande erfassen, ohne daß die Ehrfurcht vor der Größe des Weltalls und seiner Ordnung auch nur einen Augenblick nachläßt. In solchen Augenblicken weht uns die ein wenig traurige, zarte Weise, die so oft durch den Rundfunk klingt, durch das Gemüt:„Heimat, deine Sterne...“ Die neuen Kartoffelpreise Amtliche Preisfestsetzung der Höchstpreise für die Abgabe an den Verbraucher Speisekartoffeln ab 13. 8. bis 19. 8. 1942: Bei Abgabe von je ½ kg für weiße, rote, blaue 7,0 Rpf., runde gelbe, 7,5 Rpf., lange gelbe, 8,0 Rpf.; bei Abgabe von 2,5 ka und mehr für weiße, rote, blaue 6,5 Rpf., runde gelbe 7,0 Rpf., lange gelbe.5 Rpf.; bei 50 kg je 50 kg für weiße, rote. blaue..— RM., runde gelbe 6,50 RM., lange gelbe.— RM. Beim Verkauf an Verbraucher sind Pfenigteilbeträge nur im Endbetrag auf volle Reichspfennig aufzurunden. Vorsicht beim Anfassen von Sprengstücken Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden daß das Anfassen von Sprengstücken und anderen Resten abgeworfener Bomben gefährlich sein kann, weil diese zum Teil Phosphor enthalten, der nicht nur giftig ist, sondern auch zu Verbrennungen führt. Trotzdem wird immer wieder festgestellt, daß insbesondere Kinder Abwurfreste einsammeln oder mit der klebrigen Gummimasse spielen und dadurch erheblich zu Schaden kommen. Eltern und Erzieher, bewahrt Eure Kinder vor solchen Verletzungen! Belehrt sie erneut und sorgt, insbesondere nach Fliegerangriffen, für entsprechende Aufsicht. Befreiung von der Rundfunkgebühr Der Reichspostminister hat die Befreiung von der Rundfunkgebühr aus staatspolitischen und sozialen Gründen neu geregelt. Besondere Vergünstigung genießen die Kriegsbeschädigten und Versehrten sowie deren Hinterbliebene. Die Angehörigen der Empfänger von Kriegsbesoldung oder die ihren Unterhalt ganz oder zum Teil aus der Kriegsbesoldung bestreiten, können künftig unter denselben Voraussetzungen von der Zahlung der Rundfunkgebühr befreit werden, wie die Empfänger von Einsatz= oder RäumungsFamilienunterhalt. Für kinderreiche Familien sind die Einkommensgrenzen wesentlich heraufgesetzt worden. Minderbemittelte Volksgenossen erhalten eine Befreiung, wenn ihr Einkommen die vorgesehenen Beitragssätze um. nicht mehr als 50 v. H. statt bisher 15 v. H. übersteigt. Die neue Regelung tritt am 1. September in Kraft. „Ueb' Aug' und Hand fürs Vaterland!“ und„Jung gewohnt, ist alt getan!“ das waren die beiden Volksmund=Sprichwörter, die als Motto über der schönen kameradschaftlichen Veranstaltung standen, die am letzten Sonntag von der 13. Kompanie des Bürgerschützenvereins Obercastrop bei bester Beteiligung der Altschützen wie auch der Regimentsführung und des „Königshauses“ in der Wirtschaft Rohde(früher Lambertz) abgehatten wurde. Nach Erledigung des geschäftsordnungsgemäßen Teiles der Zusammenkunft begrüßte Schutzenhauptmann Denter S. M. Schützenkönig Heinrich., Vereinsführer Weyers, Schutzenoberst, Regimentskommandeur Schäfer und Regimentsschießwart Brenker. Kompanie=Schießwart Heinrich Villis bot dann einen Ueberblick über die in diesem Sommer von der Kompanie der Altschützen geleistete Schießsportpflege. Er wies nach, daß die„Alten Herren“ keineswegs auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen ausgeruht haben. Im Gegenteil, sie haben, ungeachtet der Hemmnisse, die Pflichtschichten und Alkersgebrechen, insbesondere Verschlechterung der Sehverhältnisse der Augen und zunehmende Kurzatmigkeit für sie namentlich in der Kriegszeit bedeuten müssen, mit ihrem Schießwettkampf innerhalb der Kompanie solchen Erfolg gehabt, daß nicht weniger als 44 Prozent des Schützenbestandes der 13. Kompanie auf dem Schießplatz angetreten sind, um ihr Vertrautsein mit der Büchse erneut unter Beweis zu stellen. Unter anderen äußeren Umständen wäre bei dem Eifer und der Begeisterung, die in der 13. Kompanie Obercastrop herrschen, das Ergebnis noch besser ausgefallen. Um alle Schützen in möglichst gerechter Weise zu erfassen, wurde die Kompanie in drei Leistungsklassen eingeteilt und dementsprechend Bedingungen und Wertung festgelegt. Eine gleichartige Uebung soll in jedem Jahre als Wanderpreisschießen der 13. Kompanie durchgeführt werden. Die drei Bestschützen waren diesmal Schützenfeldwebel Szymczak mit 179 Ringen in der 1. Klasse, Schützenleutnant Leßmann mit Wir wissen aus der Schule, vielfach auch aus eigenen Anschauungen, daß in Ostwestfalen seit vielen Jahrhunderten Flachsanbau getrieben wurde. Hauptsächlich in Ravensberg. Bielefeld begründet seinen Ruf als Leinenstadt auf diesem Gewerbezweig. In Tecklenburg wird heute noch das alte Gebäude der „Legge“, das ist das Gebäude, in dem das Leinen geprüft, gelegt wurde, gezeigt. Nach der Machtübernahme durch den Führer wurde auch dieses alte Gewerbe wieder zu neuem Leben erweckt. Zunächst galt es aber. den Flachsanbau zu fördern, dann kam die Aufbereitung und die Verarbeitung von selbst. Wie wir schon im„Stadtanzeiger“ mitteilen konnten, sind wir in unserer Stadt auch Flachsfeldern begegnet. Ist das auch nur eine Ausnahmeerscheinung, so freut es einen doch, daß der Sinn für das Zweckmäßige aus alter Zeit nicht verschwunden ist. Ein Gewerbezweig ersteht wieder, der uns vom Auslande in der Beschaffung eines wichtigen Bekleidungsmittels unabhängig macht. Wenn wir Bielefeld als Hauptsitz erwähnten, so schließt das nicht aus, daß Flachs in ganz Westfalen angebaut worden ist. So im Sauerland, wo heute noch die Spinnstubengeschichten und=schwänke in der Erinnerung fortleben. Von den Siedlinghäusern heißt es bei Grimme, daß sie mit Leinen„in alle Welt und vier Oerter“ zogen, um ihre Waren an den Mann oder besser an die Frau zu bringen. Auch in unserer Gegend war der Flachsanbau heimisch. Alte Leute erzählen noch heute, wie sie oder ihre Eltern in ihrer Jugend an den Winterabenden am Spinnrad gesessen hätten. Bei uns scheinen die dörflichen Zusammenkünfte zu einer Spinngemeinschaft nicht üblich gewesen zu sein. Mit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts ging aus den bekannten Gründen(Konkurrenz des billigen 135 Ringen in der 2. Klasse und Schütze Adamiak mit 167 Ringen in der 3. Klasse. Feldwebel Szymczak erntet auch noch die Ehren der Kompanie=Meisterschaft. Vereinsführer Weyers gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Schießsportpflege den„alten Knochen“ von der„Dreizehnten“ noch immer so vorzüglich im Blute stecke, daß sie manchen. Jungschützen als Vorbild hingestellt werden könnten. Er glaubte nach dem, was er gesehen und gehört habe, annehmen zu dürfen, daß das auch weiterhin so bleiben solle. Niemals sei Disziplin und gutes Beherrschen der Schießkunst den Deutschen nötiger gewesen als heute, da sie sich unter Führung Adolf Hitlers im Entscheidungskampfe mit den Weltfeinden Bolschewismus, Demokratie und Plutokratie befänden. Hinter allem Lug und Trug, das auf der Gegenseite trotz aller Niederlagen noch immer wieder ihr Haupt erheben, stecken der Jude und das Freimaurertum, die man bei der Aufzählung der Weltfeinde nie vergessen bürfe, denn sie seien Deutschlands grimmigste Feinde. Aber so lange Deutschland unter Adolf Hitler einig ist und Hand in Hand mit seinen wackeren Bundesgenossen kämpft, wird er alle Anstürme der Feinde zu schanden werden lassen. Unsere Soldaten werden mit den besten Waffen der Welt den Gegner schlagen, wo immer er sich stellt. Und die deutsche Heimat wird ihren Soldaten an der Front immer mit allem Nötigen in bester Qualität und reichlicher Quantität versorgen. In diesem Sinne wurde das Siegheil auf den Führer zum Treugelöbnis besonderer Art. Die Siegerehrung nahm S. M. Schützenkönig Heinrich I. vor, der jedem Sieger eine Siegerplakette überreichte und die Parole ausgab:„Nur so weiter machen im Dienste an der Schützensache.“ An die Siegerehrung schloß sich ein kameradschaftliches Beisammensein, bei dem der Gemeinschaftssinn der Altschützen in vorbildlicher Weise in die Erscheinung trat. Die schönen, gemütlichen Stunden werden allen, die daran teilnahmen, noch lange eine freudige Erinnerung sein. russischen Flachses und des Maschinengarns) auch in Westfalen der Flachsanbau rapide zurück. Es hat aber auch fernerhin nie an beachtenswerten Versuchen zur Wiederbelebung gefehlt. Im ersten Weltkrieg trat noch einmal der alte Gnadenfonds Friedrich Wilhelms II. auf den Plan, der zur Unterstützung der Bestrebungen der Kriegsflachsbaugesellschaft Flachsbauprämien an Flachsbauer in Westfalen und Hannover zahlte. Den vereinten Bemühungen gelang es, eine ständige Steigerung des Flachsanbaues zu erreichen und auch für die beiden ersten Nachkriegsjahre zu behaupten. In der Folgezeit bemühte sich um den Flachsanbau vor allem die 1922 gegründete„Arbeitsgemeinschaft der Bielefelder Leinenindustrie zur Förderung des Flachsanbaues“, deren Tätigkeit einen bemerkenswerten Abschnitt aus der neueren Wirtschaftsgeschichte des Ravensberger Landes umschließt. Sie konnte zwar die rückläufige Entwicklung auf die Dauer nicht aufhalten, wohl aber wesentlich verzögern. Das wirkte sich auch auf die jüngste Entwicklung aus. Als nach der Machtübernahme das deutsche Landvolk aufgerufen wurde, sich wieder dem Flachsanbau zuzuwenden, war das alte Flachsland Ravensberg in der glücklichen Lage, noch über zahlreiche alte Flachsanbauer und Flachsarbeiter zu verfügen, die mit den besonderen Anforderungen des Leins an Boden, Saat und Ernte von Jugend her vertraut waren. Hinzu kam, daß die ostwestfälischen Bauern wissen, daß ihre Vorfahren durch Jahrhunderte den Flachsanbau mit Erfolg betrieben haben. Dementsprechend waren auch die Anbauergebnisse in Westfalen besonders erfreulich. Schon in den vergangenen Jahren bestellten die westfälischen Bauern rd. 5000 ha mit Flachs, das ist mehr als vor der Machtübernahme auf das gesamte Reichsgebiet entfiel(1932 waren es 4516 ha). Die ganze Entwicklung zeigt, daß Westfalen und vor allem Minden=Ravensberg auf dem besten Wege ist, wieder Flachsland zu werden und seinen traditionellen Anteil an der texilen Rohstoffversorgung zu leisten. Auch einzelne Fleischmarken sind Urkunden Wie Butter=, Fett= und Brotkarten sind auch die Fleischkarten als Urkunden im Sinne des§ 348 Abs. 2, § 349 StGB. anzusehen. Zweifelhaft konnte diese Frage bei abgetrennten, also nicht mehr mit dem Stammabschnitt verbundenen„Fleischmarken" sein. Das Reichsgericht hat jetzt aber über§ 2 StGB. (analoge Gesetzesanwendung) die Urkundeneigenschaft auch dieser einzelnen Fleischmarken bejaht und dazu ausgeführt: Es kann nicht übersehen werden, daß der Verbraucher rein tatsächlich die Möglichkeit hat, auch bereits abgetrennte Fleischmarkenabschnitte zum Fleischbezug zu verwenden. Denn der redliche Verkehr behandelt die Abschnitte, ohne damit die Ziele der Rationierung beeinträchtigen zu wollen, gelegentlich aus praktischen Gründen als gültig, d. h. so, als ob die mit einer ordnungsmäßig ausgefüllten Stammtarte noch zusammenhingen und mit ihr eine einheitliche Urkunde bildeten. Dieser Handhabung kann sich strafrechtliche Würdigung nicht verschließen. Daher kommt dem von der Stammkarte bereits abgelösten Abschnitt dieselbe strafrechtliche Wertung zu wie der Stammkarte mit den Abschnitten selbst. Der richtige Mädelberuf: RSB=Schwester Dieser Beruf entspricht der inneren Veranlagung und dem Wesen unserer Mädel Eine Operationsschwester schreibt:„Schon viele Jahre hegte ich den Wunsch, Operationsschwester werden zu durfen. Endlich hatte ich das große Glück und habe es noch keine Minute bereut. Allerdings wird von einer Operationsschwester ganze Arbeit und der Einsatz des ganzen Menschen gefordert. Da muß ein Privatleben vollkommen zurückstehen. Doch der Gemeinschaft des deutschen Volkes selbstlos zu dienen, erleichtert vieles Anangenehme und gibt gerade jetzt in der Zeit des Krieges das beglückende Bewußtsein: Du stehst ebenso aufrecht im Kampf um dein Vaterland, wie die tapferen Männer an der Front. Der oberste Grundsatz bei den Aufgaben der Operationsschwester ist wohl die Beachtung höchster Sterilität. Peinlichste Gewissenhaftigkeit und Sauberkeit sind dabei die zuverlässigsten Waffen gegen die heimtückische Bakterienwelt. Sei es Instrumentenpflege oder das Sterilisieren von Wäsche und Verbandsmaterial, stets hat jede einzelne Operationsschwester die vollste Verantwortung. Da heißt es natürlich achtsam' sein bis aufs kleinste. Hat man es endlich erreicht, bei großen Operationen ständig instrumentieren zu können, macht der Beruf einer Operationsschwester noch mehr Freude. Nun ist die Verantwortung selbstverständlich noch größer und schwerer. Die Reihenfolge beim Anreichen der Instrumente, ebenso die Gestaltung der Operationen durch die einzelnen Operateure ist immer verschieden. So kann man das Instrumentieren nicht gedankenlos nach einem Schema erlernen, sondern muß verstehen, sich anzupassen. Um Operationsschwester zu werden, muß man daher großes Interesse, äußerstes Verantwortungsgefühl und gutes Einfühlungsvermögen mitbringen. Ich kann mir kein schöneres Arheitsgebiet in der Krankenpflege denken, als das der Operationsschwester. Wenn du, deutsches Mädel, Lust und Liebe zum Schwesternberuf empfindest und glaubst, mit dem gleichen Ernst, dem Verantwortungsgefühl, aber auch derselben inneren Freude und Befriedigung dieser schönen Gemeinschaftsaufgabe um deines Volkes willen dienen zu können wie diese Operationsschwester, so komm zu der NS.=Schwesternschaft. Rat und Auskunft gibt dir gern der NS.=Reichsbund Deutscher Schwestern, Dortmund, Dudenstraße, sowie jede Dienststelle der NSV. Schreckliches Erlebnis einer Mutter Bochum. Ein dreijähriges Kind wurde auf der Viktoriastraße vor den Augen seiner Mutter von einem Lieferauto erfaßt. Die Mutter sprang im letzten Augenblick helfend hinzu, konnte aber die Kleine nicht retten. Sie wurde selbst von dem Wagen erfaßt und zur Seite geschleudert. Mutter und Kind erlitten nicht unerhebliche Verletzungen. Westsalischer Flachsandad ist fahrens 5000 ha mit Flachs in Westfalen] Größter Anteil am deutschen Gesamtanbau Ein Arzt muß schweigen ROMAN VON KARL UNSELT Copyright by Verlag Knorr& Hirth Kommanditges. München 1939 12. Fortsetzung. Horand wollte noch etwas sagen, aber ehe ihm das Richtige einfiel, war die Verbindung bereits unterbrochen. Er legte den Hörer in die Gabel zurück und starrte eine Weile auf das schwarze unscheinbare Gehäuse. Der Fall war fabelhaft erledigt. Das mußte man schon sagen. Geschah diese fabelhafte Erledigung nun aus Einsicht oder aus einer anständigen Gesinnung, oder war sie eine raffinierte Schikane gegen ihn? Jedenfalls war er einen Patienten auf eine so korrekte Art losgeworden, daß er sich nicht im geringsten dagegen wehren konnte, denn diesem Patienten wurde auf eine so großzügige Art geholfen, wie er es niemals hätte tun können. Und darauf kam es ja schließlich vor allen Dingen an. Auf der Treppe rief Beate, ob er eine Tasse Kaffee trinken wolle. „Ja, ich komme“, antwortete er, überzeugte sich dann, daß das Wartezimmer leer war, und ging nach oben. Der Zwischenfall hatte keineswegs zur Besserung seiner Stimmung beigetragen, er bestärkte ihn vielmehr in seiner Absicht, den Kampf einfach abzubrechen. Die Kräfte waren zu ungleich, er mußte auf die Dauer unterliegen. Als Beate sein finsteres Gesicht sah, fragte sie ihn sofor besorgt, ob das Gespräch unangenehm gewesen wäre. Schweigend ließ er sich am Tisch nieder und starrte auf ihre Hand, die Kaffee und Milch in die Tassen goß. Dann hob er plötzlich den Kopf und sah Beate scharf an.„Sag mal. Beate, was ist eigentlich damals zwischen Hans und Riffarth passiert? Der Mann haßt mich wie die Sünde. Er hat mir Geld geboten, wenn ich ihm gewissermaßen aus den Augen gehen würde. Ich begreife diesen Haß nicht. Begreifst du ihn?“ Beate setzte sich ihm gegenüber und stützte den Kopf in die Hände. Nach einer Weile sagte sie keise:„Nein. Den Haß begreise ich nicht. Ich könnte wohl begreisen, wenn er sich schämte. Aber vielleicht ahnt er nicht, was ich weiß.“ „Und was weißt du?“ „Muß ich es dir sagen?“ Ihre Stimme klang gequält. „Ich habe dich nie danach gefragt. Beate, was damals hier geschehen ist, weshalb du von Hans weggegangen bist. Und er hat mir auch nichts geschrieben. Aber ich muß jetzt Klarheit haben, denn ich weiß nicht mehr, wie ich mich gegen Riffarth wehren soll.“ „Ich—“, stieß Beate hervor und holte tief Atem, „ich habe einmal— Riffarth— gern gehabt. „Was?!“ entfuhr es Horand. Er starrte sie entgeistert an.„Du— hast— ausgerechnet du?“ „Ja. Sogar sehr gern„Ernst. Und ich habe geglaubt, daß er mich ebenso gern hätte, denn er hatte sich, seit wir uns kannten, vollkommen geändert.“ „Und?“ „Und dann— kam die große Enttäuschung. Ich sprach mit Hans, daß wir uns gern hätten und uns verloben wollten.“ „Mein Gott", flüsterte Horand und preßte eine Hand vor die Augen. Er fühlte den Schmerz, den Beate dieses Geständnis bereitete. „Und da sagte mir Hans, daß das unmöglich sei. Ich dürfe Riffarth unter keinen Umständen heiraten, da ich sonst einen Menschen todunglücklich machen würde, der ältere Rechte an Riffarth habe, und dem er seine ganze Existenz verdanke. Es sei unwürdig von seinem Freunde Robert und auch von mir, daß wir hinter seinem Rücken eine heimliche Liebelei angefangen hätten. Ich mußte ihm mein Wort geben, nicht mehr mit Riffarth zu sprechen. Er würde das sofort erledigen.“ Horand erhob sich und ging schwerfällig um den Tisch herum. Sein Gesicht war wie von einer eisigen Kälte erstarrt, aber in seinen Augen loderte ein gefährliches Feuer. „Beate“, sagte er dann mühsam und legte seine Arme um sie.„Ich danke dir, daß du mir das gesagt hast. Ich werde nachholen, was Hans versäumt hat.“ Erschreckt warf sie den Kopf hoch.„Was meinst du damit?“ „Ich werde Riffarth zur Rechenschaft ziehen. Beate erhob sich„Was willst du tun?“ fragte sie angstvoll. „Um Gottes willen, Ernst. Sei vernünftig. D machst dich und mich unglücklich.“ Er sah seine Schwester lange an.„Beate, ich habe vorhin, als du mit ihm sprachst, dein Gesicht beobachtet. Bist du etwa noch nicht darüber hinweg?“ „Doch, doch, Ernst. Schon lange. Ich bin ja damals auch sofort abgereist.“ Da er die stumme Qual in ihren Augen nicht länger ertragen konnte, wandte er sich plötzlich ab und ging mit erregten Schritten durch das Zimmer. der er seine Existenz verdanken soll, auch nur gespie zu haben, sonst hätte er sie doch geheiratet. Und so we fühlt sich noch obendrein berechtigt, einen mit seine Haß zu verfolgen.“ Er blieb stehen und blickte Beate hinüber.„Weißt du vielleicht, wer diese ist?“ Beate nickte.„Sie heißt Cornelia Rupprecht. Sie ist die Tochter des Kommerzienrats Rupprecht, auf dessen Gut Riffarth Inspektor war. Der Hof, den er jetzt hat, gehörte früher auch mal Rupprecht.“ „Und wo steckt diese Dame?“ „Das weiß ich nicht. Ich glaube, sie ist Sängerin und viel auf Reisen.“ Sie trat dicht an ihn heran und legte bittend ihre Hände auf seine Schultern.„Ernst, ich weiß nicht, was du vorhast. Aber versprich mir, daß du nichts ohne mein Wissen unternimmst.“ „Ich werde Riffarth zur Rede stellen“, sagte er schroff. „Das will ich nicht. Ich will nicht, daß diese Geschichte noch einmal aufgerührt wird. Es war zu beschämend für mich. Und du erreichst auch nichts damit. Riffarth wird dich auslachen und seine Haltung nicht ändern. Du zwingst mich höchstens, sofort wieder abzureisen, wie ich es damals getan habe.“ „Das ist Erpressung", stieß er zornig hervor und trat einen Schritt zurück so daß ihre Hände kraftlos herabfielen.„Du hast bloß Angst, daß ich dem Kerl was tue.“ „Du hast kein Recht, mit mik in diesem Ton zu reden. Im übrigen bin ich erwachsen genug, um meine persönlichen Angelegenheiten allein erledigen zu können, wenn ich es für notwendig halte. Was du vorhast, tust du nicht aus Besorgnis für mich oder etwa zu meiner Ehrenrettung, sondern aus einem ganz egoistischen Grunde: du glaubst damit über Riffarth triumphieren zu können, weil du sonst gegen seinen Haß machtlos bist. Ich hätte vorher bedenken sollen, daß du von Frauen und ihren Empfindungen keine Ahnung hast.“ „Das mag sein“, erwiderte Horand ein wenig unsicher und dachte flüchtig an Lisa.„Aber du scheinst zu vergessen, daß ich um meine Existenz hier kämpfe, die von Riffarth bedroht wird. Ich hatte geglaubt, du würdest mich in diesem Kampf unterstützen. Es war eben ein Irrtum. Ich werde also auf deine Empfindungen Rücksicht nehmen, das Haus hier verkaufen und das Feld kampflos räumen.“ Beate wollte etwas sagen, doch die Klingel des Wartezimmers schlug an, und ihr Bruder verließ eilig den Raum. Als er die Treppe hinunterging, dachte er über Beates letzte Worte nach und schüttelte den Kopf. Da sollte sich einer mit den Frauen auskennen, wenn die eigene Schwester einmal diesen unglaublichen Menschen gern— sogar sehr gern— gehabt hatte. Wenn er sich das jetzt richtig überlegte, so war es ihm einfach unfaßbar. Seine Schwester und Riffarth! Selbst wenn diese Cornelia Rupprecht nicht existiert hätte, so würde er auch an Stelle seines Bruders alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um diese irrsinnige Verbindung unter allen Umständen zu verhindern. Für Hans mußte das natürlich besonders schwer gewesen sein, da er mit Riffarth eng befreundet gewesen war. Diese Freundschaft war übrigens auch ein merkwürdiges Kapitel. Die ganze Geschichte würde wohl immer ziemlich dunkel und rätselhaft bleiben. Irgend etwas stimmte da nicht, da konnte einer sagen, was er wollte. Er zog nachdenklich den weißen Kittel an und öffnete die Tür zum Wartezimmer.„Bitte“, rief er hinein und sah dann erstaunt, daß sich die Frau des Schlächtermeisters Engel von dem Stuhl vor dem runden Tisch erhob. Sie war bisher nicht seine Patientin gewesen. „Nun, Frau Engel“, sagte er, nachdem er die Tür hinter ihr geschlossen hatte,„wo fehlt's denn?“ „Ach Gott, Herr Doktor“ begann sie ein wenig kurzatmig und heiser,„ich hab so'n schrecklichen Husten. Der würde ja sonst wohl von selber wieder weggehen. Aber da ist doch nun morgen das große Konzert im „Sachsenroß“, da muß ich doch hingehen. Ich verstehe nicht viel von Musik, aber Giesebrecht hat bei uns die ganzen Würstchen bestellt.“ „Dann müssen Sie natürlich hin“, meinte Horand, und die Vorstellung einer Brücke aus Würstchen etwa zu dem Vorspiel der„Meistersinger“ entlockte ihm ein verstohlenes Lächeln. Vertetung Mägnles der Sann=Regierung gesungen Genosse Abramow, vor dem selbst Generale Haltung nehmen mußten 1 PK. Bei den Erfolgen an der Ostfront glückte einer Division der Waffen= ein seltener Fang. Bei der Aufräumung eines von ihr gebildeten Kessels gelang es den=Männern, einen sowjetischen Regierungsvertreter gefangenzunehmen. Aus einem leeren Bunker wurde ein Politruk herausgeholt, der vor Angst an allen Gliedern schlotterte. Als man ihn zur Gefangenensammelstelle brachte, nahmen die anderen Gefangenen sofort eine drohende Haltung gegen ihn ein, und man konnte sie nur mit Mühe davon abbringen, den Verhaßten zu lynchen. Durch den Dolmetscher nach der Ursache ihrer Aufregung befragt, erklärten sie, der Mann sei einer der brutalsten Politruks(Kommissare), die sie in ihrer Marine=Sonderbrigabe erlebt hätten. Ueberall, wo er auftauchte, seien kurz darauf Erschießungen erfolgt. Er war daher gefürchtet und gehaßt und mußte in seinem eigenen Interesse sogar im Gefangenenlager getrennt von den übrigen untergebracht werden. Dann stand der Mann im Verhör: klein, gedrungen, schwarzes Haar mit bläulichem Schimmer, flaches, sehr breites Gesicht, Mundpartie brutal, Kinn vorgeschoben, Nase eingedrückt, Haut fettig und gelb. Zunächst versuchte er alles abzuleugnen, sogar, daß er Parteimitglied und Politruk sei. Aber Schritt für Schritt wurde er mit Hilfe anderer sowjetischer Gefangener und vor allem eines intelligenten Ueberläufers überführt und gab schließlich die Wahrheit zu. Iwan Kirilowitsch Abramow heißt er und ist 1910 in Jakuti(Ostsibirien, östlich des Baikalsees) geboren. Seiner Nationalität nach ist er Tunguse(Samojede), d. h. Angehöriger eines Volksstammes, der auf niedrigster Kulturstufe lebt, wo man sich jahrelang nicht wäscht und nur mit Tierfett einreibt, in Schneehütten, Zelten oder primitiven Blockhütten wohnt. Nach seinen eigenen Aussagen hat er von seinem Heimatort aus 2000 Kilometer mit Schlitten und Pferd zur Station der Ostsibirienbahn zu fahren, von wo es noch 7000 Kilometer mit Bahnstrecke bis Moskau sind. Trotzdem wurden bei dem Manne Aufnahmen aus dem Jahre 1933 gefunden, auf denen er in den Kuranlagen von Kislowodsk zu sehen ist. Die Reise dorthin fuhrt über etwa 11000 Kilometer; für einen gewöhnlichen Sowjetbürger wäre sie niemals zu erschwingen. Des Rätsels Lösung stellte sich bald heraus: Abramow wurde als Vertreter des Njugschinskigebietes zum Abgeordneten des Tschitinskwahlbezirks gewählt. Als solcher wurde er dann in den Obersten Rat der Sowjets aufgenommen und weiter dem Rat der Nationalitäten zugeteilt. Dieser primitive, auf der Intelligenzstufe und dem Kulturniveau eines Urwaldbewohners stehende Pelzjäger aus den weiten Einöden Sibiriens hatte also eine glänzende politische Laufbahn hinter sich. Den höchsten Regierungskörperschaften gehörte er an. Aus seinem verschmutzten Notizbuch gingen Anschriften und Beziehungen zu höchsten sowjetischen Stellen hervor. Es konnte ferner auf Grund verschiedener Aussagen ermittelt werden, daß sogar Armeegenerale vor Mitgliedern des Obersten Rates der UdSSR., also vor ihm aufzustehen und Haltung anzunehmen hatten. Trotz der hohen Stellung, die der Gefangene in der Sowjetunion einnahm, ist sein Bildungsstand gering und seine Ausdrucksweise äußerst primitiv. Solche Regierungsmitglieder aber waren seit Jahren die Hauptstützen der Stalinschen, jüdischen Macht, da sie bedingungslos und ohne eigene Ueberlegung alles annahmen, was ihnen zur Abstimmung vorgelegt wurde. =Kriegsberichter Hellmut Dengler. Das Ende eines Dompteurs Auf dem Wien=Meidlinger Friedhof wurde jüngst der weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Wiener Löwendompteur Wilhelm Schusser beerdigt. Schusser war ein Anhänger der sogenannten „wilden Dressur“ und betreute zuletzt die mit Recht gefürchtete Löwengruppe des Kapitäns Schneider, der selbst seinen Tieren zum Opfer fiel. Das Glück, das manchem Dompteur so hold zu sein scheint, ward Schusser zeitlebens niemals zuteil. Sein Körper war von zahllosen Narben bedeckt, und die letzte schwere Verletzung, die er bei einer Raubtiervorführung in Augsburg erlitten hatte, mag sein Allgemeinbefinden ungünstig beeinflußt haben. Das Publikum weiß nichts davon, daß der Umgang mit Raubtieren viel schwieriger und gefährlicher ist, als das etwa nach der spielenden Art der Bestien der Fall zu sein scheint. Schusser war ein ausgezeichneter Dompteur, der Kraft, Mut, Intelligenz und fanatische Tierliebe vorbildlich vereinigte. Aber es ist die Tragik seines Lebens, daß er von Anfang an vom Unglück verfolgt wurde und oft genug schwer verletzt und blutüberströmt von den Stätten seiner: Wirksamkeit weggetragen„werden mußte. Reagierkeitereine Eroschaft Eine halbe Spielkarte. ein verlorener Brief und ein indiskreter Hauswart Viele Jahre lang hatte Pedro Durillo, ein in Lissabon wohnender junger kaufmännischer Angestellter nichts von seinem Onkel Fernando gehört, der in Argentinien lebte und ein menschenscheuer Sonderling war. Umso überraschender war er, als er vor einiger Zeit einen Brief von ihm aus Buenos Aires erhielt. Der Onkel, von dem Pedro nicht einmal gewußt hatte, daß er ein vermögender Mann war, teilte ihm darin mit, daß er sich sehr krank fühle und Vorkehrungen für den Fall seines Ablebens getroffen habe. Da er keinen anderen Verwandten habe, wolle er den Neffen als seinen Erben einsetzen. Der alte Durillo, der immer von dem Wahn besessen war, daß er sein Geld verlieren könne, hatte seinen ganzen Besitz an Geld und Wertpapieren im Kassenschrank eines Geschäftsfreundes aufbewahrt. Dies teilte er dem Neffen mit. Er könne sich in den Besitz des Vermögens setzen, wenn er die eine Hälfte einer Spielkarte und den Schlüssel zu dem Kassenschrank, die bei einem Notar hinterlegt seien, bei dem erwähnten Geschäftsfreund, einem Kaufmann namens Caballero, vorweise.(Folgte Adressenangabe des Kaufmanns.) Schlüssel und Spielkarten würden an Pedro nach dem Ableben seines Onkels übersandt. Pedro dachte sich nicht viel dabei und legte den Brief in irgendeine Ecke. Die Sache geriet bald in Vergessenheit. Bis wenige Wochen später plötzlich das Schreiben eines Notaxs aus Buenos Aires eintraf, in dem Pedro von dem Ableben des alten Durillo in Kenntnis gesetzt wurde. Dem Schreiben lag eine halbe Spielkarte— der obere Teil des Herzkönigs— und ein Schlüssel bei. Das Vermögen des alten Herrn, so hieß es, belaufe sich auf mehrere hunderttausend Mark. Wo das Geld hinterlegt sei, sei nicht bekannt. Nun war Pedro aus allen Wolken gefallen. Ein Riesenvermögen war ihm über Nacht zugefallen. Aber wo hatte er den Brief hingelegt, in dem die Adresse des Geschäftsfreundes verzeichnet war? Pedro suchte und suchte— erfolglos. Er verkündete in Zeitungsanzeigen, daß er eine hohe Belohnung für die Wiederbeibringung des verlorenen Briefes zahle. Pedro gelangte schließlich auf ganz andere Weise in den Besitz der Adresse. In seinem Haus waltete nämlich ein sogenannter Hauswart, der ein besonders neugieriger Vertreter seines Berufes war. Dieser Mann, der des Morgens die Post für das ganze Haus zu empfangen pflegte, hatte den verlorenen Brief bereits gelesen, ehe ihn noch sein rechtmäßiger Empfänger in die Hand bekam. Als er seine Neugier gestillt hatte, klebte er den Brief wieder zu, so daß man nichts von dem Vertrauensbruch bemerkte. Zufälligerweise hatte er sich, von dem Inhalt des Schreibens gefesselt, die Adresse gemerkt. Und als er nun in den Zeitungen las, welchen Wert diese Adresse für Herrn Durillo hatte, überwand er seine Scheu und entschloß sich, die Belohnung zu verdienen, indem er seine Indiskretion gestand und die Adresse preisgab. Ueberglücklich bezahlte Pedro die Belohnung und kann nun seine Erbschaft antreten. Der neugierige Hauswart wurde allerdings seines Postens enthoben und wird auch noch eine Geldstrafe über sich ergehen lassen müssen. Fünf Kannen Weins in fünf Zügen Am Marktplatz der vielbesuchten Tauberstadt Rothenburg steht im rechten Winkel zu dem prächtigen Renaissancebau des Rathauses Leonhard Weidmanns von 1572/75 der stattliche Giebelbau der Alten Post. Jeden Tag zur Mittagstunde scharen sich davor um den schönen Herterichbrunnen vor der malerischen Marienapotheke die Besucher dieses Stadtjuwels, um dem Spiel der Kunstuhr am Giebel der Alten Post zuzuschauen, das die dankbare Stadt ihrem Retter aus höchster Not errichtet hat. So wird jeden Tag gezeigt, wie der alte Ratsherr Nusch die ihr nach ihrer Eroberung durch General Tilly im Jahre 1631 gestellte Bedingung erfüllte, den ihm bei seinem Einzuge kredenzten großen Becher Weins in einem Hub bis auf die Nagelprobe zu leeren, solle die Stadt vor der Brandschatzung durch das Heer der Liga bewahrt bleiben. Hierbei handelte es sich um ein Gefäß, das ungefähr vier Liter faßte. Und Nusch leistete es. Das Vertilgen großer Mengen Weins scheint damals eine vielverbreitete Unsitte gewefen zu sein. Denn auch im münsterischen Ratsprotokoll vom 16. April 1612 wird von einer Wette berichtet, bei deren Austrag schließlich sogar noch der Rat der Stadt entscheidend eingreifen mußte. Der münsterische Bürger Wennemar Niehoff hatte mit dem fürstlichen Trompeker um fünf Taler gewettet, er werde„fünf Kannen Weins in fünf Trünken“ leeren. Im Gegensatze zum alten Nusch gelang ihm das jedoch nicht, und da er dazu noch„höchst unflätig“ wurde, klagte der Trompeter beim Rate der Stadt, und dieser dekretierte, Niehoff habe dem Trompeter das für die fünf Kannen Wein verauslagte Geld zu erstatten und außerdem bei Strafe der Pfändung die verspielten fünf Taler an die Armen abzuführen, denen der Kläger sie zugesichert hatte. Heibenlepo Pin 30 Abenledern Eine neue Handschrift des Ribelungenliedes aufgefunden Erinnerungen an die Völkerwanderungszeit Auf Schloß Prunn an der Donau, das sich malerisch auf Steilselsen über dem Wald erhebt, wurde eine neue Handschrift des Ribelungenliedes ausgefunden. Als ein mittelhochdeutsches Heldenepos von unvergleichlicher, farbiger Anschaulichkeit, männlicher Kraft und hohem, sittlichem Ideengehalt, das an literarischer Bedeutung den Versen Homers ebenbürtig ist, hat das Nibelungenlied nicht nur die nationale Dichkunst, sondern auch Bildhauerei, Malerei und Musik in stärkstem Maße befruchtet. Es sei hier nur an die dramatischen Bearbeitungen von Geibel, Rauppach, Hebbel und Wilbrandt, die musikalische Ausdeutung durch Richard Wagner, die Nibelungenfresken von Schnorr und Carolsfeld in München, die Standbilder auf der neuen Linzer Donaubrücke und die berühmten Zeichnungen von Peter Cornelius erinnert. Die ältesten poetischen Spuren des Nibelungenliedes sind in den Liedern der Edda enthalten, die teilweise noch bis zum Ende des 9 Jahrhunderts zurückgehen. Das große Heldenevos selbst aber ist nach der Ansicht hunderts entdeckte dann der praktische Arzt Hermann Obereit auf Schloß Hohenems im vorarlbergischen Rheintal eine Handschrift des Nibelungenliedes, wodurch die Nachforschungen neuen Auftrieb erhielten. „Der Nibelungen Not“, wie der eigentliche Titel des großen dichterischen Kunstwerkes selbst lautet, gliedert sich bekanntlich in zwei Teile. Im ersten steht die kraftvolle Reckengestalt Siegfrieds von den Niederlanden im Mittelpunkt. Ferner wird darin von seiner Werbung um die schöne Krimhilde, die Schwester des Burgunderkönigs Gunther, seinem Kampf gegen die Sachsen, die Bezwingung Brunhildes für Gunther, dem Streit zwischen Krimhilde und Brunhilde, sowie Siegfrieds heimtückischer Ermordung durch den„grimmen Hagen“ auf Anstiftung Brunhildes erzählt. Der zweite Teil des gewaltigen Heldenepos behandelt Krimhildes Vermählung mit Etzel und ihre furchtbare Rache an den Burgunden, die alle an Etzels Hofe fallen. Die Strophenform des Nibelungenliedes besteht aus vier paarweise sich stumpf reimenden Langzeilen, die in eine klingend schließende Zäsur und zwei Halbverse zerfallen. Wunderliche Welt Sie glauben es wohl nicht? In Japan weist ein Zeitungsroman oft 1000 bis 2000 Fortsetzungen auf, so daß man an ihnen drei, vier oder fünf Jahre liest. Die Sitte des Küssens ist erst um 1550 von Italien nach Deutschland gekommen. In China ist es Sitte, sehr alten Leuten einen Sarg zu schenken. In Delhi, der Hauptstadt Britisch=Indiens, steht eine Säule aus Schmiedeeisen, die im Jahre 350 v. Chr. errichtet worden ist und die bis heute noch keinen Rost angesetzt hat. Das Geheimnis des dort angewendeten Rostschutzes ist noch nicht gelöst. Ein Drittel der Menschheit ißt heute noch mit den Fingern, ein Drittel mit Stäbchen und nur ein Drittel mit Gabel und Messer. In Irland wird dem neugeborenen Kind ein aus Frauenhaar gefertigter Gürtel um den Leib gebunden. Dadurch glaubt man, von dem Kinde alles Böse fernhalten zu können. Kunst und Wissenschaft Pros. Dr. Saladin Schmitts Verdienste um Grillparzer In Anbetracht der Tatsache, daß Professor Dr. Saladin Schmitt als Intendant der Bochumer Bühnen durch seine Grillparzer=Aufführungen wesentlich zur Pflege des dichterischen Erbes des Wiener Grillpar= zer beigetragen und dies einer breiteren Oeffentlichkeit zugänglich gemacht hat, wurde dem erfolgreichen Bochumer Intendanten die Ehrenmitgliedschaft von der Grillparzer=Gesellschaft in Wien zuerkannt. Otto Erler wurde geehrt Aus Anlaß seines 70. Geburtstages ernannte die Friedrich=Schiller=Universität Jena den Dichter Otto Erler, einen der bedeutendsten Dramatiker der Gegenwart, zum Ehrenbürger. Sein Bühnenwerk„Thors Gast" wird auf Veranlassung des Gauleiters und Reichsstatthalters in jedem Jahre zu Frühlingsanfang vom Deutschen Nationaltheater Weimar aufgeführt werden. Erzählte Kleinigkeiten Der Berliner Prediger und Philosoph Schleiermacher überschickte durch Boten dem königlichen Leibarzt Dr. Gräfe, der ihn behandelt hatte, zunebst einem Dankschreiben vier Louisdor. Aerztliche Tarife gab es damals noch nicht. Die Patienten schätzten den Arzt, seine Leistung und ihre eigene Finanzkraft und Schuldigkeit selber ein, und eher griff jeder dabei zu hoch als zu tief. Der verwöhnte Gräfe war mit den vier Louisdor aber nicht zufrieden, sondern schickte den Boten mit dem Geld und mit folgendem Schreiben zurück:„Arme kuriere ich umsonst— Wohlhabende zahlen, wie üblich.— Reiche honorieren mich nach Belieben anständig.“ Das Wort anständig war unterstrichen. Der Philosoph las lächelte und meinte:„Der erste Mensch, dem ich einen Irrtum wirklich beweisen kann.“ Und er setzte sich hin und schrieb:„Da Sie so offen zu mir reden, will auch ich die Scham überwinden, die mich verführte, Ihnen gegenüber so zu tun, als wäre ich wenigstens wohlhabend. In Wahrheit bin ich— leider— arm!“ Er entsandte mit diesem Brief den Boten und schloß das Geld nicht ohne Schmunzeln in seinen Kasten zurück. Bestbeutschraus Gelsenkirchen fördert die Seidenraupenzucht Gelsenkirchen. Die Stadt Gelsenkirchen besitzt an der Valentinstraße in Buer=Hassel auf städtischem Gelände eine als vorbildlich anerkannte Seidenraupenzuchtanlage. Ihre Geschichte reicht bis in die Zeit zurück, als vor 18 Jahren die große Krise im Bergbau Hunderte von Bergleuten arbeitslos machte. Viele von ihnen fanden in der Seidenraupenzucht eine neue Beschäftigung. Der wirtschaftliche Ertrag der Züchtung von Seidenraupen ist allerdings für den Züchter nur gering und kann allenfalls als Nebenverdienst, als zusätzliches Einkommen zur kleinen Rente zähen. Deshalb sind Ernst und Zähigkeit der Zuchtpioniere doppelt anzuerkennen. Nach 18jähriger Entwicklung wurden aus den wagemutigen, aber damals noch unerfahrenen Anfängern alte erfahrene und erfolgreiche Züchter. Sie hatten schon schwere Lehrjahre hinter sich, als sich Oberbürgermeister Böhmer 1934 und 1935 entschloß, der Seidenraupenzucht jede Förderung zuteil werden zu lassen. Auf seine Anordnung hin wurde die schon bestehende Anlage an der Valentinstraße um weitere drei Morgen vergrößert und der Bestand an Maulbeersträuchern auf 15000 erhöht. An Stelle der alten behelfsmäßigen Zuchträume aus Holz errichtete die Stadt auf dem erweiterten Gelände zwölf neue massive Zuchträume, so daß eine geschlossene Gesamtanlage entstand. Jeder der zwölf Zuchträume kann im Verlauf einer Züchtungsperiode mit 30000 Seidenraupen besetzt werden, so daß sich eine jährliche Züchtung von fast 400000 Raunen ergibt. 900 Kilo Frischkokons können bei voller Ausnutzung schon jetzt aus der Anlage in Hassel herausnewirtschaftet werden. Oberbürgermeister Böhmer will der einheimischen Seidenraupenzucht jede nur mögliche weitere Förderung zuteil werden lassen. 101 Jahre alt Hagen. Frau Rosalie Anna Schönrock von hier wurde 101 Jahre alt. Sie ist noch verhältnismäßig rüstig. Wieder eine Familie durch Enteneier vergiftet Paderborn. Erst kürzlich hatten sich bei einer hiestgen Familie nach dem Genuß von Enteneiern schwere Vergiftungserscheinungen gezeigt, worauf in der hiesigen Tagespresse entsprechende Warnungen an die Bevölkerung gerichtet worden. Trotzdem ist jetzt wieder ein gleicher Fall eingetreten. Auch diesmal hat sich wieder eine ganze Familie vergiftet. Die erste deutsche Heimschule in Westfalen Lüdinghausen. Am 1. September 1942 wird in der Provinz Westfalen die erste deutsche Heimschule für Jungen, und zwar in Lüdinghausen, eröffnet. Die deutschen Heimschulen nehmen in erster Linie Kinder von Gefallenen, von Wehrmachtsangehörigen und Beamten sowie von Eltern, die unter dem Einfluß des Krieges mit häufigem Wohnungswechsel zu rechnen haben, auf. Die Schüler werden den einzelnen Schulen größtenteils von der Inspektion der deutschen Heimschulen beim Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin=Grunewald, Königsallee 11a), zugeteilt. Ein Teil der verfügbaren Plätze bleibt Schülern aus dem jeweiligen Schulort und der weiteren Umgebung vorbehalten. So können auch in Lüdinghausen noch Jungen aus der Provinz Westfalen untergebracht werden. Die staatliche Schulaufsicht über die Schule übt der Oberpräsident, Abteilung für höheres Schulwesen, aus. Statt Karten Christian Hermsmeyer Steuer-Inspektor Gertrud Hermsmeyer geb. Klus Vermählte Castrop-R. 1, 12. Aug. 1942 Blücherstraße 1 Welche Schneiderin übernimmt noch(M479 evtl. auch Hausschneiderin gesucht. Von wem, sagt die Geschäftsstelle des Stadtanzeigers. älterer Gelehrter wohl in der zweiten Hälfte des 12. oder zu Beginn des 13. Jahrhunderts von einem höfischen Dichter in ritterlichem Geist verfaßt worden. Nach neueren Forschungen konnte der Zeitpunkt der Entstehung sogar fast auf das Jahr genau, nämlich die Zeit von 1200—1205 bestimmt werden. Die im Nibelungenlied enthaltenen Sagen sind ein Gemeingut des ganzen deutschen Volkes und anscheinend noch Erinnerungen an die Zeit der Völkerwanderung. Das insgesamt 39 Abenteuer umfassende Heldenepos ist uns in zahlreichen Handschriften erhalten geblieben, von denen 3 Pergamentschriften aus dem 13. Jahrhundert, die sogenannte Hohenems=Münchener von Lachmann, die Hohenems=Laßbergische von Zarnke und die St. Gallener von Bartsch, als die bedeutsamsten gelten. Im 17. Jahrhundert war das Nibelungenlied allerdings fast gänzlich verschollen Nur der Gelehrte Wolfgang Lazius hat es damals gekannt und einige Strophen davon in seiner„Geschichte der Völkerwanderung" verwertet. In den 50er Jahren des 18. JahrSaubere (W682 Rausgeinn! für ½ oder ¼ Tage für gepflegten Haushalt sofort gesucht. Von wem, sagt der Stadtanzeiger. Kartoffelschalen laufend zu kaufen gesucht. Gefl. Zuschriften unter Nr. 2231 an den Stadtanzeiger. Wer hat bei seinem Nachbarn zwei braun gestrichene, zusammenlegbare Böcke gesehen? Sie sind aus einem Keller gestohlen worden! Nähere Angaben durch den Stadtanzeiger erbeten. Plötzlich und unerwartet entschlief am Montag, dem 10. August, meine liebe Schwester, unsere herzensgute Tante und Großtante Wwe. Emma Rogge geb. Kortmann im Alter von 48 Jahren. In stiller Trauer Wwe. Maria Steber u. Angehörige. Castrop=Rauxel 5, den 11. August 1942. Lindenstraße 7 Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, dem 13. August 1942, 15.30 Uhr, vom Trauerhause aus, Lindenstraße 7. Gott der Allmächtige nahm Montag mittag 12,15 Uhr meinen lieben Mann, unseren guten Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Johannes Stickel zu sich in sein himmlisches Reich. Ruhig und ergeben, nach einem christlichen Lebenswandel, gestärkt durch den Empfang der hl. Sterbesakramente, wurde der liebe Verstorbene im Alter von 64 Jahren durch einen sanften Tod erlöst. Um ein stilles Gebet bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. Castrop=Rauxel 1, den 10. August 1942. Kottenburgstraße 100 Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, dem 13. August 1942, 17 Uhr vom Sterbehause aus, Kottenburgstraße 100.— Das Seelenamt ist am gleichen Tage. morgens.05 Uhr, in der Elisabeth=Pfarrkirche zu Obercastrop. Junger Mann aus gut. Hause sucht mögl. für sofort in.=N. 1 gut möbliertes Scharzinimel mögl. mit Badbenutzung. Angebote erbeten unter Nr. 2232 an den Stadtanzeiger. Srobieren geht über Studieren. Also probieren Sie es endlich mal mit einer kleinen Anzeige Im Stadtanzeiger. sie bringt Ihnen was Sie suchen. Der„Stadtanzeiger“ erscheint wöchentlich 6mal. Wochenbezugspreis 50 Pfg., Postbezugspreis 2 RM. monatlich. Druck u. Verlag.31. C. Th. Kartenberg, Herne. Hauptschriftl. Willi Franke,.3t. Wehrmacht. Verantwortl. für Politik, Kunst u. Wissenschaft i. B. Otto Pohle, WanneCickel, verantwortl. für die örtl., sportsichen u. provinziellen Mitteilungen Fr. Jos. Pruys, Castrop= Rauxel..=Nr. 2131 Castrop.— Anzeigenpreis 1 mm hoch u. 72 mm breit 25 Pig. Nachlaß nach den vom W. d..W. zerausgegeb Richtlinien. J. 3t. gilt Preisliste Nr. 1. Alle Bilder, soweit nicht anders angegeben, Schark.