V**• Lokal= und Heimatzeitung#„I.] Tageszeitung für Jedermann für Stadt und Amtsbezirk Lippspringe[# I Publikationsorgan vieler Behörden Erscheint an allen Werktagen und kostet durch die Post oder durch unsere Boten monatlich 1.80 RM einschließlich Bestellgeld. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Brieftröger, unsere Geschäftsstellen in Lippspringe und Paderborn „' sowie unsere Boten enlgegen. Ferusprecher: Amt Paberborn 3213, PostscheckKonto: Hannover Nummer 14342, Telegramm=Adresse: Anzeiger Paderborn Babezeitung Anzeigenpreise: Die 30 Millimetee breite Millimoterraumzeile 10 Pfennig. für Anzeigen aus dem Verbreitungsbezirk 8 Pfennig, amtliche Anzeigen 10 Pfennig, Sammelanzeigen 15 Pfennig. Im Reklameteil die 80 Millimeter breite Millimeterraumzeile 90 Pfennig. In Konkurssällen oder bei Zwangsbeitreibung erlischt jeder Preisnachlaß. Geribtsstand: Paderborn Oratisbeilagen: Illustrierte Wochenschau, Sonntagsglocken, Heimatbote, Sport vom Sonntag. Am stillen Herd, Frauenwelt, Landwirtschaft Kr. 140— 1. Blau Donnerstag, den 18. Juni 1931. 26. Jahrgang Stfoig Bi. Brullinigs auf dei ganzen=Lillle Weder Reichstag noch Haushaltausschuß treten zusammen— Die Notverordnung tritt 1. Juli in Kraft. Der Kampf um den Reichstag. Kaleidoskopartig wechselte in den letzten Tagen die politische Situation. Aber die Bilder und ihre Hiniergründe überschnttten sich dabei, was nicht gerade zur Folge hatte, daß sie für den Zuschauer klar und leicht erkenntlich waren. Zumal nicht bloß auf diesem Hintergrund starke, aber dem Blick schon recht undeutliche Kräfte sich bewegten und bekämpften, sondern noch weiter hinten, ganz unsichtbar, nur aus den Wirkungen erkennbar, entscheidende Zusammenstöße erfolgten. Eindeutig, ohne aber zu einem Erfolge zu gelangen, war die Haltung der Opposition auf der Rechten und auf der Linken. Nationalsozialisten und Deutschnationale wollten und verlangten den Rücktriti Brünings, Anderung des gesamten politischen Kurses in Außen= und Innenpolitik, Rechtsschwenkung in Preußen. Der Vorschlag auf personelle Umbildung des Kavinetts der Deutschen Volkspartet, wodurch man den Wünschen der Rechten entgegenkam, wurde dori als völlig ungenügend abgelehnt. Dr. Brüning erklärte außerdem, daß er eine solche Umbildung nicht mitmachen, sondern mit definitiver Amtsniederlegung beantworten würde, wenn er etwa vom Reichstag zu einer Demissionierung der Minister Curtius, Dietrich oder eines sonstigen Kabinettsmitgliedes gezwungen werden würde. Ebenso unzweidentig. sogar mit deutlichen Spitzen gegen die Volkspartei gab das Zentrum zu verstehen, daß sie dann einem etwaigen neuen Reichskabinen unbedingt opponieren würde, für das dann im Reichstag die parlamentarische Mehrheit nicht vorhanden wäre. Angesichts dieser ganz unzweidentigen Erklärungen des Kanzlers, daß ihn Einberufung des Reichstages oder Verlangen nach Umbildung zum Rücktritt veranlassen würden, rückte diese politische Seite der ganzen Situation mehr in den Hintergrund; die Deutsche Voikspartei fand sich damit ab. Daß außen= und wirtschaftspolitische Gründe gegen den Ausbruch einer Regierungskrise ins Feld geführt wurden, weiß man; man kann sich auch denken, daß namentlich die Diskoni=Erhöhung auch innenpolitisch starke Rückwirkungen hatte. In den Vordergrund trat nun die sachlichere, greifbarere Seite: die Notverordnung. Gegen Anderungswünsche hat der Kanzlei an sich nichts, aber eben nur unter gewissen Voraussetzungen: der finanztelle Ertrag der Notverordnung darf nicht gefährdet werden, sie tritt vorläufig am 1. Juli in Kraft und freien Verhandlungen des Kanzlers mit den Parteien und Berufsverbänden bleibi die Behandlung der Abänderungsvorschläge vorbehalten. Auch hier zeigte der Kanzler eine solche Unnachgiebigkeit gegenüber dem Verlangen nach möglichst schnellen, sehr weitgehenden und am besten im Haushaltsausschuß zu behandelnden Reformvorschlägen, daß wenige Stunden vor Zusammentritt des Altestenausschusses alles sozusagen auf der berühmten Messerschneide stand, eine Situation, die für die Reichstagsparteien übrigens ebensowenig den Reiz des Ungewohnten hat, wie seit einem Jahr für Dr. Brüning und sein Kabinett. Erwähnt werden mag übrigens noch, daß Dr. Brüning vom Reichspräsidenten die in solchen„verzweifelten" Fällen üblichen besonderen Vollmachten— zur Reichstagsauflösung— nicht erhalten hat, einfach, weil er zweifellos gar nicht darum ersuchte. Denn er wollte einen etwaigen Beschluß auf Einberufung des Reichstages eben einzig und allein mit dem definitiven Rücktritt vom Amt beantworten und lehnte es ab, so zu handeln, wie er es im Juni 1930 getan hatte als ihn ein Mißtrauensvotum des Reichstages traf. Seine Haltung war also ganz eindeutig, was natürlich nicht hinderte, daß trotzdem allerhand„hineingeheimnist" wurde. Über das grundsätzliche Zugeständnis, über Abänderungsvorschläge zur Notverordnung zu verhandeln und das Ergebnis dann zusammen mit der Notverordnung selbst im Herbst dem Reichstag vorzulegen, scheint der Reichskanzler auch der Sozialdemokratie gegenüber nicht hinausgegangen zu sein. Für diese Partei bedeutet das natürlich eine große Belastung, die noch schwerer wurde durch den Entscheid des Kanzlers, den Beginn jener Verhandlungen von dem Zeitpunkt abhängig zu machen, an dem die Aufrollung des Revisionsproblems für unsere Tributleistungen zu einem ersten irgendwie positiven Ergebnis geführt hätten. Das erklärte Dr. Brüning auch den Gewerkschaftsvertretern, also auch, daß damit die Verordnung mit all ihren sozialpolitischen Einschräntungsmaßnahmen in Kraft zu setzen sei. Demgegenüber verlangten die Sozialdemokraten die Beratungen gerade hierüber im Haushaltsausschuß des Reichstages, besonders, da eben die bisherigen Verhandlungen mit dem Kanzlei selbst zu traendwelcher Einigung wohl nicht geführt hatten. Denn bei andern Parteten der Mitte und von rechts von dieser denkt man natürlich ganz anders über die sozialpolitischen Bestimmungen der Notverordnung. Aber auch Zugeständnis hat der Kanzler bereits im nziellen Gesamtergebnis der Notverordnung dae allgemeine Besitz: am finanziel darf nicht gerührt werden; und im übrigen kommt es Dr. Brüning anscheinend nur auf das Außenpolitische an. Als innenpolitische Hemmnisse entstanden, war in den Tagen nach Chequers seine ganze Politik darauf gerichtet, sie durch ein Mitreden des Reichstages nicht noch— wie er glaubi,— größer werden zu lassen und sie im übrigen zu umgehen. Brünings Krassprobe. Schwierige Lage der Sozialdemokratie. Das Kennzeichen der Kisenzeiten ist der schnelle Wechsel im Bild der politischen Lage. Von einer Stunde zur anderen kann es völlig anders aussehen. So auch in der jetzigen Krise. Während noch am Montag Abend die Entwicklung allgemein zuversichtlich beurteilt wurde, brach plötzlich in den Nachtstunden wieder kalte Krisenluft ein. Und am Dienstag Morgen sah es so aus, als ob es keinen anderen Ausweg mehr gäbe, als Rücktritt der Regierung. Brüning stand plötzlich in scharfem Gegensatz zur Sozialdemokratie. Alles wartete gespannt auf die Abstimmung im Altestenausschuß. Da kam die Entspannung: keine Einberufung des Reichtstags. Neue Hoffnungen in Regierungskreifen. Plötzlich wieder ein Umschwung: neue Drohung des Kanzlers an die Sozialdemokratie, die von ihrem Ruf nach dem Haushaltsausschuß nicht lassen wollte. Der Weg zum Kompromiß schien wieder verbaut, und die Verantwortung für das Schicksal des Kabinetts war plötzlich ganz der Sozialdemokratie zugeschoben. Schnelle Entscheidung im Altestenrat. In der Sitzung des Altestenrates des Reichstages ist die Entscheidung über Nichteinberufung des Reichstages wider Erwarten schnell gefallen. In der Abstimmung stellte Präsident Löbe fest, daß sich die Nationalsozialisten mit 107, die Deutschnationalen mit 41, die Kommunisten mit 77, die Wirtschaftspartei mit 22 und die Landvolkpartei mit 18 Stimmen für die Einberufung ausgesprochen haben, das sind zusammen 265 Stimmen, während zur Einberufung des Reichstages 289 Stimmen erforderlich gewesen wären. Alle anderen Parteien haben sich gegen die Einberufung ausgesprochen, so auch die Deutsche Volkspartei. Erklärungen der Volkspartei. Nach der Abstimmung im Altestenrat veröffentlichte die Deutsche Volkspartei eine Rechtfertigung ihres Stellungswechsels. Zunächst wird in der Erklärung betont, daß die Deutsche Volkspartei an ihrer Forderung nach Umbildung der Regierung festhalte, die Partei vertraue darauf, daß ihre Wünsche auf tributpolitischem und innenpolitischem Gebiet durch Verhandlungen ihres Führers mit dem Kanzler erreicht werden können. Dann heißt es weiter:„Die infolge der Tributkrise entstandene Krisengefahr für das ganze Reich und seine Wirtschaft ersordert schnellstes Handeln. Die Gefährdung der Zahlungsfähigkeit des Reiches ist gleichbedeutend mit einer Gefährdung der Existenz des Beamtentums, der gesamten Wirtschaft und ungeheurer Vermehrung der Arbeitslosigkeit. Die Reichstagsfraktion weist darauf hin, daß die Deutschnationale und die Nationalsozialistische Partei jede Bereitschaft, auch bei Erfüllung der von der Deutschen Volkspartei aufgestellten Bedingungen, eine Mitverantwortung zu übernehmen, für die beiden genannten Parteien eindeutig abgelehnt haben. Aus allen diesen Gründen hat die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei die im Altestenrai gestellten Anträge auf Einberufung des Reichstages abgelehnt. Die Reichstagsfraktion des Christlichsozialen Volksdienstes und der Konservativen Volkspartei erklärt, sie behalte sich eine erneute Stellungnahme ausdrücklich vor, wenn nicht in kürzester Frist weitere Schritte in der Tributfrage erfolgen. Nur unter dieser Voraussetzung sehe der Volksdienst von der Forderung eine sojortigen Anderung der Notverordnung ab. Die Fraktion hat zur Person des Reichskanzlers Vertrauen. Sie hält aber einzelne Mitglieder des Kabinens für eine schwere Belastung und wird daraus bei gegebener Gelegenheit die Folgerungen ziehen. Der Kampf um den Haushaltsausschuß. Nachdem die Entscheidung im Altestenrat des Reichstages gefallen war, wandte sich das Interesse dem Kampf um den Haushaltsausschuß zu. Es schien ursprünglich so, als wollte sich Brüning mit der Beratung der Notverordnung im Haushaltsausschuß einverstanden erklären. Zur allgemeinen Überraschung ließ aber Brüning nach der Abstimmung im Altestenrat erklären, er lehne auch den Haushaltsausschuß ab und würde zurücktreten, wenn die Fraktionen anders beschließen sollten. Diese Erklärung war an die Adresse der Sozialdemokraten gerichtet. In Verbindung mit dieser Erklärung entstanden sofort allerhand Gerüchte. So hieß es, Hindenburg sei schon unterwegs nach Berlin— was später dementiert wurde. Weiter hieß es, Hindenburg werde im Falle Brünings Rücktritt sofort den Führer der Deutschnationalen, Dr. Hugenberg, mit der Kabinettsbildung betrauen, oder auch den Nationalsozialisten Dr. Frick. Käme innerhalb zwölf Stunden kein neues Kabinett zustande, dann würde Brüning mit neuen, diesmal unbegrenzten Vollmachten betraut werden. Ja, es schwirrten sogar Gerüchte von Belagerungszustand und ähnlichem herum. Kabmert Tabar= Briand 32 Rimmen Mehrheit Die Botschaft Doumers— Franklin=Bouillon erneut Hetzer gegen Deutschland Die Kammersitzung am Dienstag wurde mit der Verlesung der Botschaft des neuen Staatepräsidenten durch Ministerpräsident Laval eröffnet. In der Botschaft heißt es u. a., daß die politischen Schwierigkeiten viel weniger auf die eigene wirtschaftliche Lage als auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Leiden der Nachbarn Frankreichs zurückzuführen seien. Nichtsdestoweniger könne man nicht erst die Gesundung der anderen abwarten, um dann die eigenen Nöte zu bekämpfen. Man dürfe nicht verkennen, daß der Kampf gegen die wirtschaftliche Krise durch die Probleme der Liquidierung des Krieges und der Durchführung der Verträge außerordentlich erschwert werde Um die zwischen den Völkern bestehenden Fragen zu lösen, sei noch viel guter Wille und Verständigungsbereitschaft nötig. Die französische Demokratie verdamme die Geheimdiplomätie. Sie wünsche in aller Oeffentlichkeit des Völkerbundes zu handeln. Die Organisierung des Friedens gehe Hand in Hand mit der wichtigsten nationalen Pflicht, die französische Unabhängigkeit und Sicherheit zu schützen. Anschließend nahm Franklin=Bouillon das Wort, um seine Interpellation gegen das Verbleiben Briands im Kabinett zu begründen. Er stellte die Frage, wie die Mehrheit der Kammer einen Mann im Außenamt dulden könne, den sie sich scheute, ins Elysee zu schicken. Der Redner kam dann auf die Breslauer Stahlhelm=Kundgebung zu sprechen. Briand habe erklärt, daß die Zahl von 150 000 Stahlhelmer weit übertrieben sei. Eine deutsche Zeitung habe jedoch seine Behauptung bestritten. Briand habe weiter gesagt, daß in Breslau ein Appell an den(Krieg vermieden worden sei. Auch das treffe nicht zu Schließlich habe Briand behauptet, die Reichsregierung teile seine Auffassung bezüglich des Breslauer Aufmarsches. Diese Behauptung sei ebenfalls von der Reichsregierung in Abrede gestellt worden. Es sei weder ein Protestschritt in Berlin unternommen worden, noch habe Deutschland in P####i# sein Bedauern über die Vorgänge ausgesprochen. In der BFrage des Youngplans lägen die gleichen Irrtümer bezw. Täuschungen vor. Darüber hinaus wisse man, welche., Druck die Vereinigten Staaten beabsichtigen, um Frankreich zum Nachgeben zu wingen.(Starker Beifall rechts). Ministerpräsident Laval gab eine Erklärung ab, wonach er sich vollkommen mit allen Mitgliedern seines Kabinetts identifizlere und die Politik des Außenmusters decke Laval forderte die Kammer auf. sich für oder gegen seine Regierung zu erklären, und stellte in diesem Zusammenhang die Vertrauensfrage Nachdem Soulier im Namen der Marin=Gruppe der Regierung das Vertrauen ausgesprochen hatte, schritt die Kammer zur Abstimmung über den Mißtrauensantrag, ohne daß Briand das Wort ergriffen hätte. Die Regierung erzielte mit 310 gegen 267 Stimmen eine Mehrheit von 43 Stimmen. Bei der Abstimmung über die Vertrauensfrage Lavals erzselte die Regierung eine Mehrheit von 52 Stimmen. Mit 312 gegen 260 Stimmen sprach die Kammer der Regierung das Vertrauen aus. In politischen Kreisen wird großes Gewicht auf eine Redewendung Lavals gelegt, aus der hervorgehen soll, daß Briand in seinen außenpolitischen Handlungen in Zukunft nur noch dem Mandat des Kabinetts und der Kammer folgen werde. — Zum Kampf um den Haushaltsausschuß gaben die Deutschnationalen die Erklärung ab, daß sie an Verhandlungen im Haushaltsausschuß kein Interesse hätten. Die Wirtschaftspartei vertrat die Auffassung, daß man im Haushaltsausschuß eine unverzügliche Aufrollung der Reparationsfrage doch nicht erreichen könne und daß sie deshalb auf die Einberufung des Ausschusses keinen Wert lege Kein Zusammentritt des Haushalisausschusses. Berlin. Der Altestenrat des Reichstages trat am Dienstag abend zusammen, um über den Antrag zu beraten, den Haushaltsausschuß des Reichstages einzuberufen, der sich mit der Notverordnung beschäftigen sollte, nachdem der Altestenrat schon vorher eine Einberufung des Reichstagsplenums abgelehnt hatte. Der Altestenausschuß beschloß nach kurzer Beratung, auch die Einberufung des HaushaltsausSchusses abzulehnen. Wie es heißt, soll die Regierung in Aussicht gestellt haben, den Haushaltsausschuß demnachst einzuberzfen, sie hat sich jedoch ausdrücklich den Termin für diese Einberusung vorbehalten. Termin für den Haushaltsausschuß. Zweite Hälfte des August? Zu der offiziellen Erklärung der sozialdemokratischen Reichtagsfraktion verlautet nach Berliner Meldungen von unterrichteter Seite, daß mit der Milderung von Härten bei den Ausführungsbestimmungen zur Notverordnung in erster Linie die Frage der jugendlichen Arbeitslosen gemeint ist. Hier hat sich der Reichskanzler bereit erklärt, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten Milderungen eintreten zu lassen. Weiter hat er sich bereit erklärt, das Problem der Saisonarbeiter im Laufe des Sommers mit Vertretern der Gewerkschaften und der Parteien noch einmal zu überprüfen. Die Zusage Dr. Brünings, daß im gegebenen Zeitpunkt der Haushaltsausschuß des Keichstages Gelegenheit bekommen soll, sich mit der Notverordnung zu beschäftigen, bedeutet nur eine Selbstverständlichkeit, da die Notverordnung, wie jede andere Gesetzesvorlage, nach der Verfassung ja vom Reichstag geprüft und genehmigt werden muß, also auch eine eingehende Durchberatung im Haushaltsausschuß erforderlich ist. Für den Beginn der Arbeiten des Reichshaushaltsausschusses ist gesprachsweise ein Termin in der zweiten Hälfte des August ins Auge gefaßt worden. Ob es gelingen wird, an diesem Zeitpunkt festzuhalten, dürfte nicht zuletzt von der finanziellen und xeporationspolitischen Entwicklung abhängen. Der Empfang Görings beim Kanzler. Über seinen Empfang durch den Reichskanzler teilt d.. Abgeordnete Göring(NSDAP.) mit, daß ihn der Reichskanzler über die Lage orientierte. Darauf schloß sich der Reichsbankpräsident den Ausführungen des Kanzlers an. Göring antwortete kurz, daß nach Auffassung der Nationalsozialisten nicht die Einberufung des Reichstages, sondern die derzeitige Politik die Lage herbeigeführt habe, daß weiter das Vertrauen des Auslandes weniger von der Frage der Einberufung des Reichstages abhänge, als davon, daß in Deutschland geordnete Zustände herrschten, d. h. Leib und Leben nationaler Deutscher nicht in dem bisherigen Maße bedroht sei. Die kommunistischen überfälle und Unruhen und das Versagen der Regierung seien weit mehr der Grund des Mißtrauens des Auslandes als die Einberufung des Reichtlages. England lobt Dr. Brüning. London, 17. Juni. Von der englischen Presse wird das Ergebnis der Abstimmung des Aeltestenrates mit Befriedigung aufgenommen. Es sei zu begrüßen, daß durch die Zähigkeit des Kanzlers eine Krise vermieden werden konnte' Einliberales Blatt erklärt, durch die Festigkeit und Ruhe mit der Dr. Brüning sich erfolgreich durchgesetzt habe, sei LDeutschland in der Lage jetzt in gegebenen Zeitpunkt eine Revision des Yvungplanes zu beantragen. * Die amerikanische Presse stellt zu dem Erfolg Dr. Brünings fest, daß der Reichskanzler mit seiner Minderheitsregierung erfolgreicher für Deutschland gearbeitet habe, wie je eine Mehrheitsregierung. Der Vatikan protestiert. Wegen der Ausweisung des Kardinals Segura aus Spanien. Wie der„Ossovatore Romano“ meldet, hat der Heilige Stuhl dem Nuntius in Madrid die Weisung erteilt, bei der spanischen Regierung wegen der Ausweisung des Kardinal= primas Segura Protest zu erheben. * Katholiken in Spanien schwer nißhandelt. 1300 Versammlungsteilnehmer, die von einer katholischen Massenversammlung in Pamplona mit dem Zug nach Sarragossa zurückkehrten, wurden auf einer Zwischenstation von einer tausendköpfigen Menge angegriffen. Sie schlugen auf die Teilnehmer mit Steinen und Stöcken ein, holten Reisende aus den Wagen heraus, darunter viele Frauen und Kinder, und ließen sie Spießrutenlaufen. Einzelne Personen stürzten sich vor Angst aus dem Zuge, wobei eine unter die Räder kam und zermalmt wurde. Der Pöbel verhinderte die Weiterfahrt der Versammlungsteilnehmer durch Abhängen der Lokomotive von den Eisenbahnwagen. Die Polizei sah ohnmächtig dem Treiben der angreifenden Menge zu. Auf dem Bahngleis blieben zahlreiche Verletzte liegen. Viele Reisende versuchten, mit Automobilen ihre Fahrt weiter fortzusetzen, wurden aber von einer neuen Bande angegriffen, die sechs Autos in Brand steckte und die Insassen verprügelte. Bi5. in has achtzehnte Jahrbundert binein war man für wischen Erdka“ guscließlich auf die verschiedenen einbei. „oveerarten angewiesen, deren schönste Stauden man in den Waldern sammelte, um sie bei besserer Pflege zu größeren Früchten und höherem Ertrage zu züchten. Dabei gelans. ss. aus einer unserer verbreiteten heimischen Arten die Lerschie venen Sorten der Monatserdbeeren herauszuzüchten, die nicht durch Auskäufer wucherte, aber leider diesen Vorteil durch den Verlust des köstlichen Aromas der Walderdbeere bezahlte. Dann kam aus überseeischen Ländern, aus Virginien, aus Guyana und aus Chile die drei großfrüchtigen Sorten zu uns, welche die Grundlage für Hunderte von künstlichen Sorten geLaufe der letzten Menschenalter erschienen, wieder verschwunden und neu geformt worden sind. Und zumer, noch stehr die Erdbeerzüchtung vor neuen, ungelösten Ausgaben. Sie versucht jetzt, wo die Erdbeere eine der dankbarsten und einträglichsten Kulturen für den Kleinsiedler geworden ist, immer noch das alte Problem zu lösen, den Riese“ früchten die unnachahmliche Feinheit des Duftes und Geschmackes zu verleihen, den die auf dürrem Boden gedeihende Wahlerdbeere besitzt, und sie versucht auch, den Wünschen der Konservenfabrikanten entgegenzukommen, die eine durch und durch rotfleischige Frucht für ihre Zwecke bevorzugen. So beschäftigt die allbeliebte Frucht noch immer nicht nur die Gaumen und Hunderttausende von fleißigen Händen, sondern auch di erlesensten Geister der Forscher und Züchtet. W. Sch. Probleme des Arbeitsmarktes. Die Bankbeamten tagen. Der Deutsche Bankbeamienverein hielt in Dresden seine 20. Ordentliche Haupiversammlung ab. Ihr wohnten zahlreiche Vertreier der Reichs- und Staatsbehörden und der Stadt Dresden bei. Nach Begrüßungsworten des Aufsichtsratsvorsitzenden Wendel würdigte der sächstsche Innenminister Richter die sozialen Leistungen des Verbandes und sprach von den Maßnahmen der Regierung zur Lösung des Arbeitslosenproblems. Dann behandelte der Präsiden: der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. Sprup. die Probleme des Arbeitsmarktes. Er ging aus von der Weltwirtschaftskrise und ihren Ursachen sowie von den starken Störungen der deutschen Wirtschaft durch das Versailler Diktai. die Inflation. die Kriegslasten und den Kapitalmangel. In der Verschlechterung des Arbeitsmarktes und der starken Arbeitslosigkeit sieht er die schlimmsten Kriegsfolgen. Von einer Besserung der Konjunktur sei kaum eiwas zu merken. Der Redner untersuchte dann die besonderen Maßnahmen, mit denen der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ausgenommen werden könnte, und betonte, daß man die Auswirkungen einer gesetzlichen Höchstarbeitszeit von 40 Stunden nicht überschätzen dürfe. Heimatlicher Tett Merkblatt für den 18. Juni. Sonnenaufgang 3“ Mondausgang 52 Sonnenuntergang 20] Monduntergang 2256 Dichter Martin Greif geb.— 1895: Eröffnung des Kaiser=Wilhelm=Kanals. Die Frucht, die nicht satt macht. Eine mittelalterliche Legende erzählt, daß die Mutter Gottes einst über Land im Gewand= einer armen Frau wandelnd, Kindern begegnete, die im Walde Erdbeeren gesammel: hatten und die mit Laub bedeckten Körbchen nach Hause trugen. Auf die Frage, was sie gesammelt hätten, behaupteten die Kinder, aus Angst, die fremde Frau könne sie um einen Teil der mühsam gepflückten Ernte bitten, sie hätten nichts, nur Lauv für die Ziegen. Da antwortete die Mutter Gottes traurig: „Weil ihr gelogen habt und sagt, daß es nichts sei, so sollen euch die Erdbeeren nicht satt machen.“ Seither ist das so geblieben. Die Erdbeeren machen niemand satt, aber sie erfrischen und sind von einer beträchtlichen Heilkraft, die schon den Völkern des Altertums bekannt war und im Mittelalter noch bedeuend höher geschätzt wurde als heute, wo Erdbeerenkuren besonders für Leute, die zu Stoffwechselkrankheiten neigen, ärztlich empfohlen werden. Im Mittelalter verordnete man den regelmäßigen Genuß dieser frühesten einheimischen Frucht auch gegen Schwachheit des ganzen Körpers, gegen hitzige Gebrechen des Magens, der Nieren, der Leber und der Milz. Man hielt die Erdbeere auch. und dieser Glaube findet sich in ärztlichen Lehrbüchern bis vor etwa hundertfünfzig Jahren, für ein Gegenmittel gegen Gifte; zu dieser Annahme war man dadurch gekommen, daß me beobachtet hatte, wie Kreuzottern über die Ausläuferranken der Erdbeeren hinwegkrochen, ohne daß die Früchte deswegen Gist angenommen hatten. Auch der Genuß von Erdbeeren in süßer und saurer Sahne und in nach dem Geschmack der früheren Zeit stark gewürzten Wein= und Likörbowlen wurde arztlich eifrig gefördert, was heute nicht mehr nötia ist. Zur Durchführung der Aufwerungsschlußgesetze. Die Reichsregierung hat nunmehr von der sowohl im „Gesetz über die Fälligkeit und Verzinsung der Aufwertungshypotheken" als auch im„Gesetz über die Bereinigung der Grundbücher" enthaltenen Ermächtigung, Durchführungsbestimmungen zu erlassen, Gebrauch gemacht und hat im„Reichsgesetzblatt“(Teil I, S. 140) die Verordnung zur Durchführung der Aufwertungsschlußgesetze vom 1. Mai 1931 verkündet. Die neue Verordnung erstrebt die Anpassung der Vorschriften der Aufwertungsschlußgesetze an die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches, der Grundbuchordnung und des Aufwertungsgesetzes von 1925. Die Vorschrift im§ 1160 BGB. findet künftig keine Anwendung mehr, soweit die Hypothek, Grundschuld oder Rentenschuld nach den Vorschriften des Aufwertungsgesetzes zugunsten des Gläubigers oder eines früheren Gläubigers aufgewertet und ein neuer Hypothekenbrief noch nicht erteilt oder der alte Brief noch nicht berichtigt ist, Der Geltendmachung einer zugunsten des Gläubigers oder eines früheren Gläubigers aufgewerteten Hypothek kann also künftighin nicht widersprochen werden, wenn der Gläubiger den Hypothekenbrief nicht vorlegt. Gegen die Ablehnung der einstweiligen Anordnung, die die Aufwertungsstelle nach§ 11 des Aufwertungsschlußgesetzes bis zur endgültigen Entscheidung über den vom Hypothekenschuldner gestellten Zahlungsfristantrag treffen kann, ist die Beschwerde gegeben; die weitere Beschwerde ist ausgeschlossen. Die Ablehnung der einstweiligen Anordnung bedarf keiner Begründung. Die Aufwertungsstelle hat jedem, der ein berechtigtes Interesse darlegt, auf Antrag eine Bescheinigung darüber zu erteilen ob und wann bei der Aufwertungsstelle ein Antrag auf Bewilligung einer Zahlungsfrist eingegangen ist, ob und in welcher Weise der Antrag endgültig erledigt ist und schließllich darüber, welche Zahlungsfrist bewilligt ist. Die Bescheinigung ist gebührenfrei. Die„obersten Landesbehörden können bestimmen, daß die Bescheinigung auch ohne Darlegung eines berechtigten Interesses erteilt werden kann, und daß in diesem Falle eine Gebühr erhoben wird. Wenn der Antrag, die Aufwertung in das Grundbuch einzutragen nur für dan Fall gestellt ist, daß das Grundbuchbereinigungsgesetz entgegen der Auffassung des Antragsstellers für anwendbar gehalten werde, so soll das Grundbuchamt die Frage der Anwendbarkeit des Gesetzes zunächst nur mit dem Antragsteller und, wenn der Antrag nicht zurückgenommen wird, auch mit dem Grundstückseigentümer erörtern. Die Zurücknahme des Antragsbraucht entgegen den Vorschriften der§§ 32 29 der Grundbuchordnung nicht öffentlich beglaubigt oder durch öffentlich beglaubigte Urkunde nachgewiesen zu werden. Der sich aus§ 7 des Aufwertungsgesetzes ergebende Rang des wertbeständigen Rechts ist von Amts wegen in das Grundbuch einzutragen. Im Grundbuchbereinigungsverfahren kann eine Aenderung bestehender Rangverhältnisse auch in der Weise vorgeschlagen werden, daß ein Recht in mehrere Rechte geteilt wird. :) Der Preußische Landgemeindetag West zur neuen Notverordnung. Der Gesamtvorstand des Preußischn Landgemeindetages=West tritt am 26. d. M. zu einer Sitzung in Bad Neuenahr zusammen. Neben der Beratung der Besuch in Klausheide Klausheide. Fast vor den Toren Paderborns liegt dies Eiland in der Heide. Nicht viele kennen es genauer. Der Weg dorthin bietet nicht viele Reize. Um so erstaunter aber ist der unternehmende Wanderer, der über die Grenzen und durch die Pforten der Anstalt schreiten darf. Sind hier Heinzelmännchen tätig gewesen oder hat Menschenwitz und Fleiß dies alles hervorgezaubert? Die Bodenkulturen erinnern an Bodelschwinghsche Methoden. — Ich hatte vor kurzem das Vergnügen, mit einem Verein einige erhebende Stunden als Gast in der Anstalt verleben zu dürfen. Gewiß, mit einem mailich frohen Wanderherzen kamen wir an, um noch weiter die singenden, klingenden Frühlingsharmonien auf uns einwirken zu lassen: Der Aufenhalt gab uns aber tiefere Eindrücke, er wurde zum Erlebnis. Wir wußten kaum, wie wir uns dazu stellen sollten als uns schon draußen am Eingange ein Pater in Empfang nahm, und als beim Eintritt in den Innenhof der Hochw. Pater=Direktor uns wie eine erlauchte Gesandschaft leutselig willkommen hieß, und die prächtige Hauskapelle uns mit heiteren Weisen begrüßte. Bald saßen wir hinter Kaffeetassen an zierlich dekorierten Tischen im großen Speisesaal, wo Herr Pater=Direktor sich zu uns setzte und in lebendiger Rede über Werdegang, Ziele und Zweck der Erziehungsanstalt Auskunft gab. Fast so weit das Auge ringsherum schaut, sei alles unter dem Pflug der Anstalt Die Mühen wären berechenbar gewesen. Unberech enbar sei das Beackern des Menschenmaterials, das ihnen überwiesen würde. Mit Neulegung einer religiösen Grundlage wurde begonnen. Aber alle Erziehungsmethoden fruchteten oft recht langsam, mitunter auch garnicht bei den sogenannten Psychopaten. Demgegenüber gäbe es auch Beispiele von überaus großem Erfolge. So seien nicht nur viele Zöglinge tüchtige brauchbare Menschen geworden, sondern mehrere hätten sich sogar zum Priester= und Ordensberuf durchgerungen, obwohl dies nicht gerade Zielrichtung der Anstalt sei.— Bereitwilligst wurde uns nachher die mustergültige Anlage des Hauses und der Oekonomiegebäuden gezeigt. Die Aufenthaltsräume find einfach, aber sauber. Die Schlafstätten mit den rein weiß überzogenen Betten(Steppdecken) liegen luftig und sonnig. Die meisten Zöglinge werden wohl früher micht in so properen Betten geschlafen haben. Von den Handwerkerstuben fiel besonders die Bäckerei auf. Hier wird täglich ein ganzer Ofen Brot gebacken. Ein besonderer Prachtraum ist die Kapelle mit eigenen Entwürfen. Gegen 6 Uhr wurde hier Majandacht gehalten. Die Jungens traten in strammer Ordnung an und entfernten sich auf dieselbe Weise. Und das laute Gebet und der Gesang es war fast zu stark für ein nicht daran gewöhntes Ohr. „Alles Vieh hat zweckentsprechende saubere Ställe. Malerisch sieht das Bienenhaus aus. Es ist ein Pavillon mit einer schönen Kuppel. Rundherum sind die Fluglöcher, und oben in der Kuppel, so meinte ein kleiner Junge, wohnen die Königinnen. Die Zöglinge haben für alle möglichen Sportarten einen Uebungsplatz, auch ist im Freien eine schöne große Badeanstalt vorhanden, mit durchfließendem Wasser. Sie haben also ein verhältnismäßig tdeales Leben. Zwang wird nur insoweit angewandt als es zur Aufrechterhaltung der Ordnung nötig ist. Körperliche Züchtigungen sind ausgeschlossen. Mit Langmut, Güte und Milde wird Vertrauen in die ungepflegten Herzen gesenkt. Mit Gewalt wird keiner zurückgehalten. Mag auch mal ein unbändiger Zögling ausreißen, andere sind auf einmal heimlich wieder in Klausheide, weil es ihnen draußen nicht so gut gefallen hat. Von Zwang= und Strafanstalt kann also gar keine Rede sein. Heimathaus, Karitashaus, das sind die richtigen Bezeichnungen. Nach herzlichem Abschied von den gastfreundlichen Patres gings dann wieder nach Sennelager zu. Auf diesem Wege hörte man immer wieder:„So schön hatte ich mir Klausheide nicht vorgestellt.“ Allerlei Russen, die erst jetzt vom Weltkrieg hören. Im Delta des Indigirkaflusses in Nordsivirien wohnen die Nachkommen von Kosaken, die dort im 16. Jahrhundert von Iwan dem Schrecklichen angesiedelt worden sind. Sie haben die Sitten ihrer Väter fast vollständig bewahrt und sprechen eine mittelalterliche Sprache, die mit der russischen Sprache von heute nur wenig zu tun hat. Zu diesen Indigirkakosaken kamen vor einiger Zeit Mitglieder einer Expedition der russischen Akademie der Wissenschaften: seit achtzehn Jahren war dies der erste Fremdenbesuch, den die Kosaken erhielten. Sie waren nicht wenig erstaunt, als man ihnen exzählte, daß in zwischen ein Weltkrieg gewesen, und daß der Zar sami seiner ganzen Familie ermordet worden sei. Dieses letztere schien ihnen geradezu unfaßbar, da sie gewohnt waren. ; jeden Zaren als ein gottahnliches Wesen zu betrachten. (Trotzdem sollen sie dann sofort Feuer und Flamme für die Ideen der russischen Revolution gewesen sein: sie hätten sofort ein Sowjet gegründet und den Vorsitz in diesem Sowjet einer Frau übertragen. Moderner kann man wohl am Indigirka nicht gut sein! Die Zahl der Kolonisten beträgt etwa 500; sie ernähren sich kümmerlich, von Jagd und Fischerei. Die tapfere Feuerwehr! Da besteht bei den deutschen Zirkusunternehmungen die Vorschrift, daß in jeder Gastspielstadt eine Reihe städtischer Feuerwehrleute Dienst in allen Vorstellungen tun. Eben, wenn's einmal brennt, daß jemand da ist! In größeren Städten und bei größeren Unternehmungen kostet dieser Dienst natürlich etwas, obwohl die Feuerwehr= männer vor lauter Schaulust vielleicht zuletzt ein auftretendes Feuer merken würden. Aber da müssen die Leute sein. So war es kürzlich auch in einer süddeutschen Stadt, bei einem unserer besten deutschen Wanderunternehmen. Da sollte aber jede Feuerwehrwache nur 100 Mark kosten! Armer Zirkusdirektor! Er war aber ein findiger Kopf, der Herr Direktor!„Habe eigene Feuerwehr!“ sagte er zum Ortskommandanten für die Brandgefahren! Und stellte 30 Mann von seinen böhmischen Zeltarbeitern mit alten, geliehenen Helmen und Uniformen, ein Strahlrohr in der Hand, in Reih und Glied auf. Der Herr Ortskommandant: inspizierte nachmittags die„eigene Zirkusfeuerwehr!" Hatte zuerst viel Spaß an den derben Feuerwehrgesichtern. Fragte dann amtspflichtgemäß den ersten Mann am linken Flügel:„Was tun Sie nun zuerst, wenn es im Zirkus brennen sollte?“— Stutziges Gesicht... Keine Antwort...— Dann nach schweigendem Zögern im Stotterton:„Ich nimm mein' Kuffer und fahr' hoam!...— Es war eben ein böhmischer Zeltarbeiter und kein deutscher Feuerwehrmann! Daß er einen Helm auf dem Kopf hatte, wußte er nicht mehr.— So geschehen im Jahre 1930... F. W. B. Französischer Als Nachfolger des französischen Botscha Unterstaatssek Auswirkungen der besondere der Bürg Verhandlungen die denten zur Sicherun 5. Juni 1931, sow ausgleichs. □ Gäusesterben. viel über das Sterb hat die Landfrau de Dorfe zu besitzen. an Wärme und der Maischlupf genügt ziehen der Gänscher keiten in der Aufzi mäßig Futterkalk e der Grund zur Ste Aufnahme von Pete erwähnt, daß zu ju dere bei Inzucht, di Baderb ## Wirkung der Tribn Es ist erforder der Tributlasten und Stadt ein Bild ma wie einschneidend di schwer sie sich in# sen. Selbstverständli die Durchschnittszah men werden. In e kürzungen der Bean die Einsparungen a wieder wird die Kris erhöhungen stärker ist der Durchschnitt werden, um einen u essant ist dabei, im die Tributlasten zu falls, nach dem Dut muß beachtet werder für 1931 angesetzten sich direkt auswirkt, 110 Millionen, die tistische Abgabe mit der Termine der Un zung der Gehälter Mill. M., wie die eine Schmälerung mittel, demnach als neue Belastung von 1531, also für 9 M Padervorn ist an di für das laufende E keinem Zweifel daß Anspannung richt e lungen von uns nich Etatsjahr waren ur lionen M. 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Auswirkungen der beiden ersten Notverordnungen, ins besondere der Bürgersteuer, bilden Hauptgegenstand der Verhandlungen die neue Notverordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 5. Juni 1931, sowie das Problem des Volksschullastenausgleichs. □ Gäusesterben. In diesem Frühjahr wird auffallend viel über das Sterben der kleinen Gänse geklagt. Vielfach hat die Landfrau den Ehrgeiz, die ersten jungen Gänse im Dorfe zu besitzen. Diesen zeitigen Gänsebruten fehlt es an Wärme und dem unbedingt nötigen grünen Auslauf. Maischlupf genügt vollkommen und erleichtert das Aufziehen der Gänschen. Ein weiterer Grund für Schwierigkeiten in der Aufzucht ist Kalkmangel. Man soll regelmäßig Futterkalk im Weichfutter geben und stets für trockene Einstreu sorgen. Häufig sind auch Vergiftungen der Grund zur Sterblichkeit. Schädlich ist besonders die Aufnahme von Petersilie und Kartoffelkeimen. Es sei noch erwähnt, daß zu junge oder zu alte Zuchttiere, insbesondere bei Inzucht, die Aufzucht der Jungtiere erschweren. Badervorner Stadtchronik vom 17. Juni 1931. Wirkung der Tributlasten und der Notverordnung auf Paderborn. Es ist erforderlich, daß man sich über die Wirkung der Tributlasten und der neuen Notverordnung auf unsere Stadt ein Bild macht, wenn man richtig ermessen will, wie einschneidend die neuen Bestimmungen sind und wie schwer sie sich in ünserem engen Bezirk auswirken müssen. Selbstverständlich können zu dieser Berechnung nur die Durchschnittszahlen nach der Einwohnerschaft genommen werden. In einer Stadt werden sich die Gehaltskürzungen der Beamten stärker auswirken, in der anderen die Einsparungen an sozialen Ausgaben, in der dritten wieder wird die Krisensteuer und werden die neuen Steuererhöhungen stärker zur Geltung kommen. Immer aber ist der Durchschnitt maßgebend. Er muß stets genommen werden, um einen ungefähren Ueberblick zu geben. Interessant ist dabei, im Vergleich mit der neuen Notverordnung die Tributlasten zu beleuchten, die unserer Stadt, ebenfalls, nach dem Durchschnitt berechn auferlegt sind. Es muß beachtet werden, daß die neue Arisensteuer, mit der für 1931 angesetzten Einnahme von 3855 Millionen M. sich direkt auswirkt, ebenso die erhöhte Zuckersteuer mit 110 Millionen, die Mineralölzölle mit 75 Mill., die statistische Abgabe mit 3 Millionen und die Früherlegung der Termine der Umsatzsteuer mit 80 Mill. M. Die Kürzung der Gehälter und der Reichsversorgung mit 392 Mill. M., wie die Kürzung der sozkalen Ausgaben sind eine Schmälerung des Einkommens, also der Existenzmittel, demnach als Lasten anzusehen, denn um diesen Betrag werden die Verbraucher ärmer. Mithin ist eine neue Belastung von 1625 Millonen M. für das Etatsjahr 1931, also für 9 Monate einzustellen. Das würde heißen, Padervorn ist an dieser Summe mit 912000 Reichsmark für das laufende Etatsjahr beteiligt. Es unterliegt nun keinem Zweifel daß die Notverordnung mit ihrer neuen Anspannung nicht erforderlich wäre, wenn die Tributzahlungen von uns nicht zu leisten wären. Für das laufende Etatsjahr waren und sind bekanntlich rund 1900 Millionen M. Tribute zu zahlen, für die gleichen neun Monate des Etatsjahrs, da sich die Notverordnung mit 16255 Millionen auswirken soll, also nach 1425 Mill., oder auf Padervorn berechnet, 801000 Rm. Tributlasten. * :) Versetzungen im Reichsheer. Mit dem 1. Juli 1931 werden versetzt: Der Oberarzt Krause, Sanitätsstaffel Paderborn, in die 1.(Preuß.) Sanitätsabteilung, Sanitätsstaffel Deutsch=Eylau.— Der Assistenzarzt Sell von der 3. Sanitätsabteilung, in die Sanitätsstaffel Padervorn. : Baden in der Pader. Es hat sich in der letzten Zeit die Unsitte herausgebildet, daß Kinder in den verschiedenen Paderläufen baden und hierbei das Paderwasser trinken. Die Eltern werden darauf hingewiesen, daß das Baden in den Paderläufen innerhalb der Stadt verboten ist und daß die Kinder durch das Trinken des Paderwassers leicht eine Ansteckung durch Paratyphus erleiden können. Aus Nah und Fern — Bielefeld. Ein Unglücks=Ferntransport In der Nähe von Steinsieksmühle bei Brake fuhr ein Ferntransport gegen zwei Bäume, riß sie um und stürzte dann die Böschung hinab. Führer wie Beifahrer trugen nur unerhebliche Verletzungen davon, und auch der Wagen blieb ziemlich unbeschädigt. Nachdem man ihn mit Mühe wieder aufgerichtet hatte, mußte man ihn wegen der hereinbrechenden Dunkelheit auf der Landstraße stehen lassen. Während der Nacht ging der Transport in Flammen auf. Die Feuerwehr konnte das vollständige Ausbrennen nicht ververhindern. Die mit dem Wagen vernichteten Güter stellten einen bedeutenden Wert dar. Der Brand ist wahrschein lich durch lichtscheues Gesindel, das den Wagen ausplündern wollte, verursacht worden. :: Vlotho. Ein Blitz schlägt in ein Motorrad„Ein Einwohner aus Valdorf, der sich mit seinem Motorrad auf dem Wege nach Bonneberg befand, wurde von einem Gewitter überrascht. Plötzlich schlug ein Blitz in das Motorrad ein. Der Fahrer wurde durch den Luftdruck von seinem Rade geschleudert und zog sich durch den Sturz am Kopf und an den Beinen schwere Verletzungen zu Das Motorrad wurde erheblich beschädigt. Welsede(Kr. Hameln). Abgestürzt und schwer verletzt. Auf schreckliche Weise verunglückte hier ein bei dem Gastwirt Kipp bedienstetes Mädchen, das eine Besorgung in der Ortschaft Deitlevsen ausrichten mußte. Auf der Rückfahrt rutschte ihr Fahrrad aus und stürzte mitsamt dem Mädchen einen etwa Meter hohen Abhang hinunter, wo das Mädchen schwer verletzt liegen blieb. In einem Milchauto wurde sie ins Hamelner Krankenhaus gebracht, wo außer einem Armbruch und andere: Verletzungen ein doppelter Schädelbruch festgestellt wurde. Durch einen Eisensplitter ist ein Auge blind geworden. Trotz der schweren Verletzungen war das Mädchen noch bei voller Besinnung.„ Bad Oeynhausen. Todlicher Verrehrsunsult. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf der abschüssigen Weserstraße in Babbenhausen. Der Kutscher Richard Henning aus Rehme geriet unter einen schwer mit Steinen beladenen Wagen, wobei er sich erhebliche Verletzungen besonders am Bein zuzog. Im Krankenhaus mußte dem Verunglückten das Bein abgenommen werden. Die übrigen Verletzungen am Arm und Körper waren ebenfalls sehr schwer, und an deren Folgen ist H. dann gestorben. Einbeck. Die Geschäftsleitung der Firma Stukenbrok verhaftet. In den Geschäftsräumen der Firma August Stukenbrok erfolgten mehrere Verhaftungen. Verhaftet bzw. in Schutzhaft genommen wurden die Inhaberin des Unternehmens, Fräulein Hertha Stukenbrok, Fräulein Eicke, eine Verwandte der Inhaberin, Kaufmann Namstädter=Hannover, der Prokurist Jerratsch und der Diplom=Kaufmann Volkmar sowie ein Diener, der den Kaufmann Ramstädter telephonisch über die Maßnahmen der Polizei unterrichtete. Die Veranlassung zu diesen aussehenerregenden Verhaftungen ist noch nicht bekannt. Es wird angenommen, daß sie im Zusammenhang stehen mit dem Verschwinden eines großen Teiles der Kundenkartothek und der Neugründung der Firma August Stukenbrok, G. m. b. H. in Einbeck, Sig in Hannover. Lesen Sie diese Anzeige nicht ohne die nötige Aufmerksamkeit, denn Sie ist wichtig Es hat keinen Wert riele Worte über den„Anzeiger“ zu machen, jedermann in Stadt und Land kennt ihn und alle lesen ihn gern, denn er bringt alles, was in der Heimat und in der Welt vorgeht. Osnabrück. Rauber im Solaszimmer. In ein Haus am Meisenweg drangen achts Räuber ein. In dem im Erdgeschoß befindliche Kolonialwarengeschäft erbrachen sie zwei Sparschränke und erbeuteten 100 Mark. Dann be gaben sie sich in die oberen Räume und drangen in das Schlafzimmer der Eheleute ein. Von diesen erzwangen sie mit vorgehaltenen Blendlaternen und Pistolen die Herausgabe von 350 Mark. Die Räuber sind entkommen, sie hatten die Telephonleitung durch Herausnehmen der Sicherung unbrauchbar gemacht. das die neue Heerenmode? Beim„Moderenntag“ auf der Berliner Grunewaldrennbahn zeigten Arm in Arm mit zwei Trägerinnen der neuesten Damenmode auch zwei Herren in Resormanzügen ihre Idee einer neuen Herrenkleidung. Das Neueste vom Tage. „ Vom Mittwoch bis 13 Uhr. Weiterfahrt des Nautilus? London, 17 Juni Sir Hubert Wilkins hofft, daß die Reparatur des Nordpol=U=Bootes in zwei Tagen bereits beendet sei. Dann würde die Fahrt fortgesetzt. Wagner=Festspiele in Paris. Paris, 17. Juni In der großen Pariser Oper wurden gestern die Wagner=Festspiele unter Leitung von Leo Blech und unter Mitwirkung der besten deutschen Künstler mit der Götterdämmerung beendet Die Vorführ.ung fand in deutscher Sprache statt, und wurde von den Parisern mit mit außerordentlich starkem Beifall ausgenommen. Heute Abend wird noch eine Wiederholung der Götterdämmerung stattfinden. Endert wieder bauftragt. Wien, 17. Juni. Der Staatspräsident hat, wie verlautet den bisherigen Ministerpräsident Endert beauftragt die Neubildung des Kabinetts zu übernehmen. Der offizielle Auftrag würde im Laufe des Nachmittages ergaben Probefahrt des Schienen=Zevpelins. Hannover, 17. Juni. Der Schienen=Zeppelin wird in der Nacht zum Samstag von hier nach Altona fahren. In der Sonntagnacht ist dann die Fahrt nach Berlin vorgesehen. Die Reichsbahn hat die Strecken für die Probefahrten freigemacht. Man rechnet mit einer Geschwindig keit von 220 Kilometern stündlich, also der dreifachen Schnellzuggeschwindigkeit. Kleine Funkmeldungen In Mainz kam es Dienstag zu Erwerbslosentumultein Die Geschäftswelt befürchtete Plünderungen und schloß die Läden. Beim Eingreisen der Polizei kam es zu Widersetzlichekiten, sodaß die Beamten von dem Gummiknüppel Gebrauch machen mußten. Beim Hauptbahnhof Düren stürzte Dienstag abend der Personenzug nach Heimbach eine Ueberführungsbrücke hin unter. Soweit feststeht, sollen Personen nicht ernstlich zu Schaden gekommen sein. Bei einem Erdbeben bei Kabul in Afghanistan kamen 15 Personen ums Leben. Nach den bis Mittwoch mittag vorliegenden Meldungen war bis dahin die Zahl der Opfer bei der Schiffskatastrophe in Frankreich auf 507 gestiegen. 77 Leichen konnten bisher geborgen werden. In meyreren Städten Polens kam es zu schweren Unruhen. Die Arbeitslosen Barrikaden, die von der Polizei gestürmt werden mußten. Die Menge plünderte weiter Lebensmittelgeschäfte. Die Polizei stellte überall die Ruhe wieder her und nahm viele Verhaftungen vor. Unter den Verhafteten befinden sich bekannte kommunistische Führer. Wetterbericht. Eine Störung hat sich mit Regen über England, die Nordsee bis Skandinavien ausgebreitet, die aber unsere Wetterlage nicht wesentlich beeinflussen wird. Allgemein trat starke Erwärmung ein. Temperatur in Paderborn (13 Uhr): 27 Grad. Wettervorhersage vom Donnerstag: Stärker wolkig, vereinzelt Regenschauer## lokale Gewitterbildung, geringe Abkühlung. Osnabrück. Lehrergehalt nur teilweise gezahlt. Aehnliche Schwierigkeiten wie in südoldenburgischen Gemeinden machen sich jetzt auch in unserem Bezirk bemerkbar. Die vor den Toren der Stadt liegende Gemeinde Hasbergen konnte am letzten Fälligkeitstermin den Lehrkräften nur einen Teil des Gehalts ausbezahlen. Braunschweig. Erhaltung deutschen Kurturgutes. Der Reichtverband bildender Künstler hat gelegentlich seiner Jahrestagung in Darmstadt an das braunschweigische Staatsministerium ein Schreiben gerichtet, in dem dringend vor dem Verkauf des weltbekannten Gemäldes„Das Mädchen mit dem Weinglase" gewarnt wird. Der Brand des Glaspalastes in München habe mit Flammenschrift gezeigt, daß Kulturgut unersetzbar und in Geld nicht auszuwerten sei. Niemals habe das deutsche Volk, selbst nicht in der schweren Notzeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts, sein Kulturgut veräußert. Aus der Wahrung seiner idealen Güter habe das deutsche Volk im Gegenteil Kraft zu neuem Aufstiege geschöpft. !! Arnsberg. Schüsse auf Polizeibeumte. Einer Wirtschaft statteten Diebe in Lichtendorf einen nächtlichen Besuch ab und stahlen erhebliche Warenmengen Als die Täter von der Polizei verfolgt wurden, gaben sie mehrere Schüsse auf die Beamten ab, die jedoch fehl gingen (:) Opladen. Beim Spatzenschießen mit einer seine Mutter eine Witwe. Die Mutter stürzte zu Flobertbüchse traf der 18jährige Stungen in Monheim wurde ins Krankenhaus gebracht, verschied aber schon Boden und zog sich eine klaffende Stirnwunde zu. Sie auf der Fahrt dorthin. =:: Aachen. Schließung belgischer Spielsäle an der Grenze. Sämtliche Spielsäle an der belgischen Grenze, die sleider auch von deutscher Seite überlaufen waren, sind auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft von Verviers geschlossen worden. Es handelt sich um die Spielsäle in Altenberg, Eynatten und Herbesthal. ! Kyllburg(Eisel) Seine Mutter erwürgk! Ein 30jähriger Mann aus Malberg, der bei seiner Mutter wohnte litt seit einigen Monaten an Tiefsinnigkeit. Er sprach mit niemand und ging ganz seiner Wege. Sonntagvormittag nun hat er in einem Anfall geistiger Umnachnehmen lehte, erwürgt. Das Amtsgericht von Bitburg tung seine Mutter, mit der er bisher in gurem Einverwar bald zur Stelle und gab die Leiche nach kurzem Verhör des unglücklichen jungen Mannes frei. Auf Anordnung des Gerichts wurde der Täter sofort einer Anstalt zur Beobachtung auf seinen Geisteszustand überwiesen. Autounglück flowakischer Wallfahrer. Zwei Tote, 22 Verletzte. In dem mährischen Wallfahrtsort Ungarisch Hradisch fuhr ein Autobus, in dem sich 25 slowakische Wallfahrer befanden, in voller Fahrt in einen mit vier Personen besetzten Kraftwagen. Beide Fahrzeuge überschlugen sich und stürzten die Straßenböschung hinab. Aus den Trümmern wurden 12 Schwer= und 12 Leichtverletzte geborgen, von denen zwei während ihrer Überführung in das Krankenhaus verstarben. Der Privatwagen, der durch eine Frau gelenkt wurde. fuhr in dem Augenblick, als ihn der Autobus überholen wollte, quer über die Straße und stieß mit dem Autobus zusammen. Oiterarisches D 238, ein Fahrplanplauderei nennt Michael Untersperg seinen Aussatz in der Juginummer von Westermanns Monatsheften. Diese interessante Plauderei über Entstehen Technik und Sinn eines modernen Fahrplans am Beispitel des Zuges D 238, der im Kurs Berlin=Bodensee=Schweiz mit Anschluß nach Italien fährt, wird jeder mit großem Gewinn lesen. Der Wiener Kunsthistoriker Arthur Roeßler gedenkt in einem reichillustrieerten Aufsatz des 400. Todestages(8. Juli) Tilmann Riemenschneiders, des größten deutschen Bildschnitzers der Gotik und des Mittelalters. Die Novelle„Jonathan muß für den Regen büßen“ von: Anton Schnack werden die vielen Freunde des Dichters begrüßen. Eine weitere Novelle von Inge Stramm trägt den Titel Titel„Erweckung der Herzen“ und spielt in der Welt der Zirkusmenschen. Werner Suhr schreibt in seinem Aufsatz „Charaktere gesucht" über den Unterschied zwischen Typus und Charakter. Wer möchte sich nicht mit diesem Artusel auseinandersetzen? In dieser knappen Inhaltsangabe konnten wieder nur wenige Abhandlungen erwähnt werden. Sie soll auch nur das Interesse an Westermanns Monatsheften wecken und den freundlichen Leser bestimmen, das Heft anzuschaffen. Es ist in jeder Buchhandlung, auf jedem Bahnhof, und an jedem Kiosk zu dem günstigen Preis von RM. 2.— zu haben. Unsere Leser haben das Recht, ein früher erschienenes Probeheft zu verlangen und wir bitten gegen Einsendung von 30 Pfg. für Porto von dem Verlag Georg Westermann in Braunschweig ein solches anzufordern Reise und Verkehr Erieben=Reiseführer:„Helboland“. 1931, 26. Auf lage mit 4 Karten, Mk. 1.— Wer nur in der Nähe ist, in(amburg, Bremen, auf den Friesischen Inseln macht immer gern einen Ausflug nach der roten Felseninsel Helgoland, dem einzigartigen Meereswunder der Nordsee. Wer gern einen guten Tropfen trinkt, raucht Hummern und Kaviar liebt, wird besonders au fseine Kosten kommen, denn all: Waren werden auf der Insel zollfrei eingeführt. Sokkommt der neue Grieben von Helgoland einem großen Bedürfnis entgegen, wenn er der Landratte die vielen Fragen bei der schwierigen Ausfahrt aus den Flutzmündungen der Elbe und Weser beantwortet, wenn er erzählt, wie das Meer den ehemals ausgedehnten Felsen bis auf den kleinen zerklüfteten Inselrest abgetragen hat und darlegt, welche Maßnahmen die Regierung neuerdings zum Schutze dieses kostbaren Bodens gegen den Ansturm der Brandung getroffen hat. Grieben=Reiseführer:„Weserbergland“, 1931, 15. Auflage, mit 15 Karten und 2 Rundsichten Mk. 3,25. Der Führer gibt eine umfassende Beschreibung des Wesertales von seinen Quellflüssen bis zur Porta Westfalica und der sich an beiden Ufern hinziehenden Gebirgszüge, die man unter der Bezeichnung„Weserbergland“ zusammenzufassen pflegt. Wer das Wesertal einmal bereist hat, wird sich erstaunt fragen, aus welchem Grunde dieses an Natur= und Kunstschönzeiten überreiche Gebiet noch immer nicht die Fremdenverkehrsziffern aufzuweisen hat, mit denen andere deutsche Mittelgebirge oder etwa der Rhein aufwarten können. Von Kassel über Hann.=Münden, das Alexander von Humboldt zu den sieben schönst gelegenen Städten der Welt zählte, Carlshafen, Hameln bis Hannover reicht der Kranz der Städte, die zum Teil auf eine vielhundertjährige Kultur zurückblicken können Heilbäder von Weltruf wie Pyrmont, Oeynhausen, Salzuflen, Nenndorf liegen eingebettet in einsame Gebirge, deren Forsten zu den ausgedehntesten ganz Deutschlands gehören und von deren Erhebungen man umfassende, durch das glitzernde Band der Weser reizvoll belebte Rundblicke genießt. Durch geschickte Gliederung der nicht unbeträchtlichen Fülle des Stoffes, durch sorgsame Auswahl der Reiserouten und genaue Zeit= und Wegangaben sorgt auch die neue Auflage des„Grieben“ dafür, daß der Genuß der Reise nicht durch Fehldispotionen gestört wird. Grieben=Reiseführer„Oesterreich“. 1931, 264 Seiten, mit 22 Karten und Plänen, in Ganzleinen geb. Mk. 7,50. Als 219ten Band seiner Grieben=Reiseführer läßt der Grieben=Verlag Albert Goldschmidt in Berlin soeben einen neuen Gesamtführer durch Oesterreich erscheinen. Damit hat er eine sich immer stärker fühlbar machende Lücke seiner bekannten Sammlung ausgefüllt, ist doch Oesterreich dank der Vielgestaltigkeit seiner Landschaftsformen und den rastlosen Bemühungen der Hotelfachleute, Verkehrsunternehmungen und Straßenbauer in den letzten Jahren in die vorderste Reihe der Touristenländer gerückt. Mit der Verbesserung der Verkehrswege und der Vervollkommnung der Verkehrmittel ist auch die Zahl der Reisenden gewachsen, die sich nicht mit dem Besuch eines bestimmten, eng begrenzten Gebietes begnügen, sondern ihre Freizeit zu einer Fahrt Durch das ganze Land benutzen. Ihnen wird der vorliegende Band der sich auf alles Wesentliche beschränkt, der geeignet## Führer sein. Darüber hinaus wird er aber sichertauch gern von denen zu Rate gezogen, die aus der großen Fülle von Kurorten, Sommerfrischen und Heilbädern ein für sie passendes Reiseziel ausfindig machen wollen. Ein reichhaltiges, durch eine ausgezeichnete Uebersichtskarte vervollständigtes Kartenmaterial dient einer sicheren und schnellen Orientierung über das bei der Beschreibung des Landes Gesagte Dem Umstand, daß Oesterreich als Alpenland einen besonderen Reiz auch auf den Autotouristen ausübt, ist dürch einen besonderen Anhang für Automobilisten Rechnung getragen worden. Kleine telegraphische Meldungen Die Unterschlagungen beim Greizer Landbund. Greiz. Zu den Unterschlagungen beim Landbund Greiz wird bekannt, daß der Geschäftsführer Differt, der sich seiner Verantwortung durch Selbstmord entzog, den Landbund und die dem, Landbund angeschlossene Landbevölkerung in schwerster Weise geschädigt hat. Wiewohl es bisher noch nicht möglich gewesen ist, den Umfang der Unterschlagungen restlos aufzullaren, darf man heute schon mit Unterschlagungen von beinahe 100000 Mark rechnen. Differt hat es in raffiniertester Veise verstanden, Darlehen aus Landwirtschaftskreisen für den Landound Greiz aufzunehmen und diese Darlehen dann für seine eigenen Interessen zu verwenden Sparmaßnahmen in Australien. London. Nach einer Exchange=Meldung aus Melbourne trägt sich die australische Regierung mit der Absicht, im Zumit den in Angriff genommenen Sparmaßnahmen Mannschaften der Kriegsmarine zu entassen und das Flugzeugmutterschiff„Albatros“ außer Dienst zu steuen. Der Betrag, der auf diese Weise eingespart werden könnte, wird auf sechs Millionen Mark geschätzt. Druck und Verlag der Paderborner Anzeiger und Verlagsdruckerei A.=G. in Padervorn. Geschäfts= und Schrift leitung Martin Wagner, in Paderborn. Stadt-Fadersurh Zeicken des Roten Kreuzes am 20. und 21 Juni 50 Jane-Sanitatckeienne Fauerdorn Unsere Mitbürger bitten wir um Ausschmückung d. Häuser mit Rotkreuzfähnchen u. um allgemeines Beflaggen der Häuser aus Anlaß der Anwesenheit der Mitglieder des deutschen Roten Kreuzes für Westfalen und beide Freistaaten Lippe in der Stadt Paderborn, Paderborn, den 17. Juni 1931 Der Arbeitsausschuß: I. A. Koch durch Hormone geheilt! Aufsenen ertegende Entdetkung Frühzeitiges Altern, Altersschwäche, hoher Blutdruck, Herzbeschwerden. Arbeitsunlust. (Vorsicht: Schlagentall!) Orgenold-Tabletten nach Geheimrat Dr. Sieber. Hergestellt nach den 2 Deutschen Reichspalenten Nr. 431 793 und 496550. Originalpackung à 100 Tabl. 3.75 RM. in allen Apotheken. 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Regierungskrise in Osterreich. Kabinett Ender zurückgetreten. Der Vertreter des österreichischen Landbundes in der österreichischen Regierung, Innenminister Winkler, hat seinen Rücktritt erklärt. Der Rücktritt wird damit begründet, daß seine Partei nicht die Verantwortung dafür übernehmen könne, daß die Regierung weitere Haftungen für die Kreditanstalt eingehe, wovon die nächste 80 Millionen Dollar betragen müßte. Auf die Demission des Ministers Winkler hin wurde der auf Urlaub weilende Heeresminister Vaugoin verständigt, der aus seinem Urlaub im Auto in Wien eintraf. Sofort nach seinem Eintreffen trat der Ministerrat zu einer kurzen Sitzung zusammen, in der beschlossen wurde, dem Bundespräsidenten die Demission des Gesamtkabinetts bekannt zu geben. Wie es heißt, wird Bundeskanzler Dr. Ender mit einem Versuch betraut werden, eine neue Regierung zu bilden. Oesterreich unter französischem Druck. Der Rücktritt der Regierung Ender ist nach Wiener Meldungen der seit Wochen erwartete Schluß einer Entwicklung, deren einzelne Abschnitte durch das Ausscheiden der verschiedenen Minister gekennzeichnet ist. Der erste war der Sozialminister, der zurücktrat, weil die von ihm vorgeschlagene Reform der Sozialversicherung bei der Mehrheit scharfe Kritik fand. Der zweite, der Justizminister Schürff, verließ bereits in seiner Eigenschaft als Vertreter seiner Partei das Kabinett, aber im Zeitpunkt des Rücktritts Schürffs spielte schon in den Beschwerden der Großdeutschen Partei die ganz unerwartete Berufung des Vizedirektors der französischen Notenbank Rist zum Berater der Oesterreichischen Nationalbank eine Rolle. Das war der erste Vorstoß der Franzosen gegen das Kabinett Ender=Schober. Es ist bekannt, daß Rist unter ausländischer Auswirkung gar nicht erst zum Antritt des ihm zugedachten Amtes kam, sondern daß der Holländer Bruyns an diese Stelle trat. Wie weit jedoch die Einflußnahme der Franzosen auf die Entwicklung der Dinge ging, ist aus den Informationen Pariser Herkunft besser zu entnehmen, als aus dem, was in Wien zugegeben wurde. Aber auch in Wien ist in der Oeffentlichkeit in den letzten Tagen die Tatsache des französischen Vorstoßes wenigstens in der Richtung stark hervorgetreten, daß offen von dem französischen Verlangen gesprochen wurde, den jetzigen Außenminister von seiner Stelle zu beseitigen. Es ist klar, daß man dabei nicht allein die Person Schobers meinte, sondern den Kurs, dem durch Zollunion und Anschlußwillen die Richtpunkte gegeben sind. Wenn also damals die„Wiener Neuesten Nachrichten“ einen Artikel über die Lage mit dem Titel „Im Schatten des Generalkommissars“ überschrieben, so war sie nicht weit weg von der Wahrheit. Die 120 ausländischen Gläubiger der Kreditanstalt machen ihre Bereitwilligkeit zur Auflegung der Kredite davon abhängig, daß der Bund für diese die Haftung übernimmt. Es handelt sich um ungefähr 14 Millionen englische Pfund oder 80 Millionen Dollar. Im Ministerrat widersetzte sich jedoch der Vertreter des Landvolks im Kabinett Minister Winkler der Haftungsübernahme. Das vom Nationalrat beschlossene Ermächtigungsgesetz gibt seine Vollmachten allerdings nicht der Gesamregierung, sondern dem Finanzminister. Es heißt nun, daß der Finanzminister in der Nacht zum 16. Juni seine Unterschriftunter die Haftungserklärung gesetzt hat. In der ganzen Zeit seit der Verlusterklärung der Kreditanstalt war es aber notwendig gewesen, sie über Wasser zu halten. Trotz der Unterstützung, die die BJ3. und zehn andere Notenbanken der Nationalbank zugesagt haben, ist doch diese Last für die Notenbank anscheinend schwer tragbar geworden, denn gleichzeitig haben sich die übrigen Geldinstitute mobil gemacht, um den fortwährenden Geldabrufungen der Geldeinleger Rechnung tragen zu können. Die Folge davon war, daß jetzt bereits der Notenumlauf um 220 Millionen Schilling gestiegen ist. Das hatte zur Folge, daß der Generalrat der Nationalbank in seiner Sitzung am Montag, in der er zum zweiten Male eine Erhöhung des Diskontsatzes vornahm, sich nicht mehr entschließen konnte, eine weitere Belastung mit derartigen Wechselkrediten ins Unbegrenzte zu übernehmen. Er hat deshalb der Regierung zur Kenntnis gebracht, daß die Aufnahme von Wechselmaterial für die Kreditanstalt begrenzt werden müsse. Wenn also auch nicht das Wort „Moratorium“ ausgesprochen wurde, so ergibt sich doch in logischer Folge ein solcher Weg, wenn eben der Nationalbank nicht von anderer Seite. Hilfe beschafft werden könnte. In dieser Lage ist am Dienstagnachmittag der Gesamtrücktritt der Regierung erfolgt. Sie wird die Geschäfte weiterführen, bis jemand anders das Steuer in die Hand nimmt. Es ist eine mehr als schwere Aufgabe, und der Kurs, der komwen soll, ist noch nicht bekannt. Ham Alttergang des„Gl. Hhlldelt“. Am Krankenbett des deutschen Volkes. Auf dem Arztetag in Köln ging der ständige Beauftragte der ärztlichen Spitzenverbände Deutschlands, Dr. Hädenkamp=Berlin, auf Fragen der Sozialpolitik ein. Die Sozialversicherung habe solche Wandlungen erfahren, daß ihre ursprünglichen Grundlagen als erschüttert angesehen werden müßten. Mehr und mehr nähere sich unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen die Versicherung einer staatlichen Fürsorgeeinrichtung. Dabei seien die Leistungen, namentlich diejenigen , f ü r d i e K r i e g s o p f e r, s o h e r a b g e d r ü c k t w o r d e n, d a ß s i e z u m Teil als völlig unzulänglich bezeichnet werden müßten. Der allergrößte Teil des Volkes werde durch die Wirkungen der neuen Notverordnung mit Sicherheit der wirtschaftlichen und sozialen Verelendung entgegengeführt. Es könne nicht ausbleiben, daß die gesundheitlichen Verhältnisse des deutschen Volkes unter dem Druck der Reparationslasten in absehbarer Zeit eine verhängnisvolle Verschlechterung erfahren müßten. Gegen die unmittelbare Bedrohung der Arbeitsund Leistungskraft des deutschen Volkes erhebe die deutsche Arzteschaft ihre warnende Stimme. Die deutschen Arzte appellierten am Krankenbett ihres Volkes an die Tarkraft der Regierung und an die Einsicht der Reparationsgläubiger. Die auf den Bestimmungen des Versailler Vertrages begründete Internationale Sozialpolitik, die sich den Schutz der Arbeitskraft und die allgemeine Verbreitung der sozialen Versicherungseinrichtungen zur Aufgabe gemacht habe, müsse jeden Sinn und jede Wirkung verlieren, wenn die Reparationslasten zum fortschreitenden Wirtschaftsverfall der Völker und zu unabsehbarer Steigerung der Arbeitslosenziffern führten. Die deutschen Arzte hielten es für ihre Pflicht, gerade in der Notzeit auch unter schweren persönlichen Opfern bei der Durchführung der sozialen Versicherung mitzuarbeiten. Jedoch erwarten sie, daß ihnen keine größeren Lasten auferlegt werden als anderen Berufsgruppen. Besonders eindringlich wies Dr. Hädenkamp auch auf die unerträglich gewordene Lage des ärztlichen Nachwuchses hin. Tausende junge ausgebildete und leistungsfähige Arzte seien zur Arbeitslosigkeit verurteilt, weil die Gesetzgebung die Zulassung zur kassenärztlichen Tätigkeit gesperrt und durch die Notverordnung vom Dezember 1930 die Zulassungsmöglichkeit noch über die früheren Maßnahmen hinaus eingeengt habe. Zum Schluß ging der Vortragende auf die Stellung der deutschen Arzteschaft zu der viel umstrittenen Frage einer etwaigen Anderung des Paragraphen 218 des Strafgesetzbuches ein. Die Führung der Arzte lehne es ab, sich durch eine öffentliche Propaganda, die vielleicht rein politische Hintergründe habe, von ihrer ärztlichen Überzeugung abdrängen zu lassen. Wie der einzelne Arzt, so habe der gesamte ärztliche Stand bei seinen Überlegungen einzig und allein die wissenschaftliche Erkenntnis und die ärztliche Gewissenspflicht entscheiden zu lassen. * Die Ankunft des Bergungsdampfers in St. Nazaires. Die Toten des verunglückten Dampfers „St. Philibert“ werden an Land gebracht Die Arsachen der französischen Schiffstalastrophe. Die Zahl der Toten noch nicht ermittelt. Französische Blätter wenden sich mit aller Entschiedencheit dagegen, daß man die Fahrgäste selbst für die Katastrophe des vor der Loiremündung gesunkenen Vergnügungsdampfer verantwortlich machen wolle. Der unverantwortliche Leichtsinn liege vielmehr darin, daß man einen kleinen Flußdampfer auf das Meer hinausschickte, und daß die Verkehrsgesellschaften die üble Gewohnheit hätten, eine unbeschränkte Zahl von Passagieren aufzunehmen. Wer an der Westküste Gelegenheit gehabt habe, die überlasteten Vergnügungsdampfer zu beobachten, müsse sich nur wundern, daß solche Unglücksfälle nicht weit häufiger vorkommen. über die Zahl der Opfer der Katastrophe gehen die Angaben noch weit auseinander. Während die ersten Schätzungen auf etwa 350 lauteten, geben einige Blätter jetzt die Zahl der Ertrunkenen mit 420 bis 440 an. Andere Meldungen sprechen sogar von 500 Opfern; die kleinen Kinder, die mit den insgesamt 467 Ausflüglern die Fahrt mitmachten, sollen in der Passagierliste nicht verzeichnet gewesen sein. Die Schiffahrtsgesellschaft gibt bekanni, daß der Dampfer für die Aufnahme von 500 Fahrgästen gebaut gewesen sei. Der Kapitän des Dampfers, habe seit zehn Jahren bei der Gesellschaft Dienst getan. Früher habe er Küstenfahrzeuge im Kanal geführt. Erst vor wenigen Wochen sei er an die Westküste-versetzt worden. Deutsches Beileid. Der deutsche Botschafter von Hoesch hat dem französischen Außenminister Briand das Beileid der Reichsregierung übermittelt. Das Unglücksschiff„St. Philbert“. Zum Untergang der„St. Philbert“. Die Abendpresse bestätigt aus Paris, daß der Schiffsuntergang bei St. Nazaires über 500 Todesopfer gefordert hat. In Nantes wurde bereits eine zweite Totenliste herausgegeben, die 97 neue Namen enthält. Die Zahl der bisher festgestellten Opfer beläuft sich demaach auf 465. Als tragische Einzelheit sei noch erwähnt, daß ein dreistöckiges von Arbeiterfamilien bewohntes Haus nach der Katastrophe vollkommen verwaist ist. Arztetagung in Köln. Hauptversammlung des Hartmann=Bundes. Die 50. deutsche Arztetagung wurde am Dienstag mit der Hauptversammlung des Verbandes der Arzte Deutschlands (Hartmann=Bund) eröffnet. Geheimrat Dr. e. h. Stauder der Vorsitzende der beiden ärztlichen Spitzenverbände, entwars ein Bild der Lage des Arztestandes und betonte, daß das vergangene Jahr ein Jahr schwerster Sorge gewesen sei. Die Hauptversammlung werde sich mit zwei Hauptfragen zu beschäftigen haben, und zwar mit der Sozialversicherung und der Jungärzteschaft. Grzesinski gegen Düsterberg. Die Revision der Staatsanwaltschaft vor dem Reichsgericht. Im Beleidigungsprozeß des früheren preußischen Innenministers Grzesinski gegen den Zweiten Bundesführer des Stahlhelms. Oberstleutnant a. D. Düsterberg, hat der Erste Strafsenat des Reichsgerichts am 16. Juni wie folgt erkannt: Das Verfahren bezüglich des Falles Harnack wird eingestellt, nachdem der Klageantrag vom Ministerium des Innern insoweit zurückgenommen worden ist. Im übeigen wird die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil der Großen Strafkammer beim Landgericht Halle vom 6. Januar dieses Jahres verworfen, weil ein Rechtsirrtum der Vorinstanz nicht erkennbar ist. Der Beleidigungsklage lag die bekannte Rede Düsterbergs in Eisleben für das Volksbegehren gegen den Young=Plan zugrunde, in der er erklärte, der preußische Innenminister habe als Ausführungsorgan der Feinde gehandelt, der Minister verdiene dafür das Kreuz der französischen Ehrenlegion. Diese Auszeichnung sei auch zweckmäßig für den Minister, denn wenn er sie am Frack hängen habe, komme er wenigstens nicht in die Verlegenheit, mit einem Kellner verwechselt zu werden. Der Regierungspräsident von Harnack war nicht persönlich beleidigt worden. Aber vom Vater des Regierungspräsidenten, dem verstorbenen Geheimrat von Harnack, soll Oberstleutnani Düsterberg in der gleichen Rede behauptet haben, dieser frühere Günstling des Kaisers sei alsbald bei Ausbruch der Revolution als Judas Ischariot ins gegnerische Lager gewechselt. Das Landgericht Halle hatte den Beklagten zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt, wobei es ihm berechtigte Erregung über das Verbot des Stahlhelms im Westen zugute hiel:. Aber Oberstleutnant Düsterberg hätte trotzdem von Minister Grzesinski nicht sagen dürfen, dieser habe bewußt und durch nichts gezwungen die Geschäfte der Feinde besorgt. Auch die Rußerung über den Orden am Ministerfrack sei eine Herabsetzung des Ministers. Deshalb habe eine Verurteilung erfolgen müssen. Für das Strafmaß spiele die Vorgeschichte jedoch eine wesentliche Rolle. Der Angeklagte habe überzeugt sein können, daß das Verbot des Stahlhelms zu Unrecht erfolgt sei. Darüber, daß diejenigen, die das Volksbegehren eingeleitet hätten, nicht aus egoistischen, sondern aus vaterländischen Interessen gehandelt hätten, könne kein Zweifel bestehen. Rückschauend könne man außerdem sagen, daß der Kampf gegen den Young=Plan durchaus berechtigt gewesen sei. Weiter komme in Betracht, daß Grzesinski einige Monate vorher eine Rede gehalten häbe, in der er die nationalen Kreise an die Laterne gewünscht habe. Ferner komme in Betracht, daß die preußische Regierung das Volksbegehren mit nichtverfassungsmäßigen Mitteln bekämpft habe, wie das in der bekannten Entscheidung des Staatsgerichtshofes festgestellt worden sei. Sturz der Oldenburger Regierung. Nach Annahme eines nationalsozialistischen Mißtrauensantrages. Der von den Nationalsozialisten gegen das oldenburgische Beamtenkabinett Cassebohm eingebrachte Mißtrauensantrag wurde vom Landtag mit 24 gegen vier Stimmen bei 20 Enthaltungen angenommen. Dafür stimmten neben den Antragstellern die Deutschnationale Volkspartei und die Landvolkpartei. Der Stimme enthielten sich Zentrum und Sozialdemokratie. Der Ministerpräsident erklärte, die Regierung trete zurück und erwarte, daß der Landtag sich eine beschleunigte Neubildung des Kabinetts angelegen sein lasse. Es ist anzunehmen, daß die Rechtsparteien versuchen werden, eine Neu= bzw. Umbildung des Kabinetts herbeizuführen. Ob sich dabei eine Erweiterung nach rechts ergeben wird, ist noch fraglich, da die SPD., das Zentrum und die Kommunisten sowie die Staatspartei über insgesamt 24 von 48 Stimmen verfügen. Tumulte im Braunschweigischen Landtag. Gegen die Notverordnung.— Russenkredite bewilligt. In der Dienstag=Sitzung des Brannschweigischen Landtags brachte, wie aus Braunschweig gemeldet wird, der Abgeordnete Groh von der nationalsozialistischen Landtagsfraktion folgenden Antrag ein: Der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen, unverzüglich bei der Reichsregierung dafür einzutreten, daß die sofortig. Aufhebung der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 5. Juni 1931 herbeigeführt werde. Bei der Begründung des Antrages des Abgeordneten Groh entstand ein starter Tumult, in den auch die Tribüne des Landtages eingriff. Die Kommunisten und Sozialdemokraten suchten den Redner durch Zwischenrufe zu unterorechen. Es fielen starke Worte, die zu weiteren Tumulten Veraulassung gaben. Der Präsident ließ die Tribüne räumen, unterbrach die Sitzung und berief den Aeltestenausschuß. Nach einstündiger Unterbrechung der Sitzung kam es abermals zu einem Tumult, als der kommunistische Abgeordnete Meinert das Vorgehen des Abgeordneten Groh eine elende Heuchelei nannte. Schließlich beruhigte sich das Haus und beschloß, die Abstimmung über den Antrag Groh auf morgen zu vertagen. Dann trat das Haus in die Beratung des Gesetzentwurfs zur Aenderung des Gesetzes über die Uebernahme einer Bürgschaft für Aufträge der russischen Regierung an braunschweigische Firmen ein. Nach ausgedehnter Debatte wurde beschlossen, dem Antrage des Ausschusses entsprechend die Garantie durch den Staat zu übernehmen. Politische Rundschau Deutsches Reich Hitler eröffnet die Reichsführerschule der S.=A. In München wurde die Reichsführerschule der natioualsozialistischen S.=A. eröffnet. Die Eröffnung wurde von Adolf Hitler selbst vorgenommen, der zu dem Eröffnungsakt mit den leitenden Männern der Partei erschienen war. Leiter der Reichsführerschule ist Major a. D. Kühne. Die Dauer des ersten Kursus ist auf drei Wochen bemessen. Die Reihe der politischen und weltanschaulichen Vorträge, die im Rahmen des Kursus vorgesehen sind, eröffnete Adolf Hitler selbst mit einem Vortrage, der die Kursteilnehmer in die politischen Aufgaben der Reichsführerschule einführte. Kürzung der Ministergehälter in Anhalt. Im Anhaltischen Landtag brachten die Kommunisten einen Antrag auf Streichung der Ministergehälter ein. Der nationalsozialistische Redner beantragte die Kürzung der Ministergehälter auf 1000 Mark. Der Vertreter der Deutschen Volkspartei erklärte, gegen das Ministerium und gegen den Staatshaushalt zu stimmen. Die Entscheidung liegt bei den Deutschnationalen. Die Abstimmungen über die Anträge erfolgen am kommenden Freitag. Tumulte im Braunschweigischen Landtag. Im Braunschweigischen Landtag brachte der Abgeordnete Groh von der nationalsozialistischen LandtagsDer Schandfleck Roman von Lucie Reinhard Copyright by Martin Feschtwanger, Halle(Saale) 1930 23 Frau Irma wartete schon ungeduldig auf die Herren. Sie ging erregt in dem großen Gemach umher. Mußte auch Dora gerade jetzt krank werden, wo die große Gesellschaft in wenigen Tagen bei ihr stattfand. Alles war schon bestellt, und die Gäste hatten alle zugesagt. Auch die neuen Kleider, die sie für sich und Dora in Berlin bestellt hatte, konnten jeden Tag eintreffen. „Warum ist Blandine nicht statt Dora erkrankt?" dachte ste jetzt.„An der liegt doch wahrhaftig nichts. Na, endlich seid ihr ja da“, wandte sie sich zur Tür, in der ihr Gatte und Richard erschienen. „Du kannst den Gästen jetzt nicht mehr absagen“, meinte Hermann, als Frau Irma den Wunsch aussprach, die Gesellschaft zu verschieben.„Vielleicht ist Dora auch bis dahin wieder gesund.“ „Wäre doch Blandine statt Dora erkrankt“, rief sie ärgerlich aus. „Aber Irma, versündige dich nicht.“ Hermann blickte sie empört an.„Im übrigen wollte ich dich heute auch bitten, gegen das Mädchen freundlicher zu sein, denn Richard liebt Blandine und will sie mit meiner Zustimmung heiraten.“ Frau Irma blieb buchstäblich der Bissen im Munde stecken. „Was will Richard?“ fragte sie entsetzt.„Blandine heiraten, diesen Schandfleck der Familie?" „Mutter! Irma!“ riefen Vater und Sohn zugleich empört aus. „Einfach lächerlich.“ Sie schüttelte mit dem Kopfe. „Mutter, ich habe Blandine lieb und werde sie heiraten, wenn sie mich nimmt.“ fraktion folgenden Antrag ein:„Der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen, unverzüglich bei der Reichsregierung dafür einzutreten, daß die sofortige Aufhebung der Notverordnung des Reichspräsienten vom 5. Juni 1931 herbeigeführt wird.“— Bei der Begründung des Antrages entstand ein starker Tumult, in den auch die Tribüne des Londtags eingriff. Die Kommunisten und Sozialdemokraten suchten den Redner durch Zwischenrufe zu unterbrechen. Der Präsident ließ die Tribüne räumen und unterbrach die Sitzung. Aus In= und Ausland Altona. Der nationalsozialistische Gauleiter und Landtagsabgeordnete Lohse=Altona, der Montag festgenommen worden war, wurde später dem Amtsgericht und dem Verin zwei Beleidigungsklagen des Ministers Schiele in Sachen der Kalimillionen vernommen zu werden. Lohse verweigerte jedoch jede Aussage und wurde wieder auf freien Fuß gesetzt Der sozialdemokratische Stadtrat Heide beging Selbstmord durch Erschießen. Heide war der Leiter der Itzeboer Filiale der Schleswig=Holsteinischen Volkszeitung und der sozialdemokratischen Volksbuchhandlung. Der Grund zur Tat ist nicht bekannt. Saarbrücken. Die Regierungskommission hat beschlossen, vom 1. Juli ab die Grundgehälter und die Stellenzulagen der Staatsheamten um sechs Prozem zu kürzen. Außerdem trit Eine Verturzung des Urlaubs von zwei bis fünf Tagen ein. Die Mitglieder der Regierungskommission, deren Bezüge vom Völkerbund festgesetzt werden, sollen freiwillig(1!) haltskürzungen übernehmen. Budapest. Wie aus Stuhlweißenburg gemeldet wird, fand dort die Enthüllung eines Denkmals statt, das den gefallenen Helden des ehemaligen K. und K Infanterieregiments Nr. 69 vom Generalfeldmarschall von Hindenburg gewidmet wurde. Lindenburg war bei der Feier durch den Budapester deutschen Gesandten von Schön vertreten, der durch das Deutschlandlied Feier gab Anlaß zu lebhaften Bekundungen der deutsch=ungarischen Freundschaft. Das Dämmerschlafserum. Ein deutscher Arzi entdeckt es. Ein neues Serum ist entdeckt worden, das die Lüge aus der Welt schaffen soll: spritzt man es einem Menschen ein, so gerät er in eine Art Dämmerzustand und gesteht dann alles, was man von ihm wissen will. Man hat dieses Serum daher sofort das„Antilügenserum“ genanni, und wenn es hält was seine Entdecker versprechen, wird es bald keine unentdeckten Verbrechen mehr geben. Ein deutscher Arzt, D r. C. W. Mühlbergek, und der amerikanische Prosessor Leonard Keeler haben in gemeinsamer Arbeit das Dämmerschlafserum gebraut. Es handelt sich, wie es scheint, um eine Mischung von Morphium und Scopolamin. Dr. Mühlberger erklärte einem Berichterstatter, der ihn in großer Besorgnis fragte, ob denn ein Mensch, selbst wenn er ein Verbrecher sei, diese Mischung vertragen könne, mit großer Bestimmtheit:„Die Vergiftung durch die Injektion ist nicht stärker als die Vergiftung, die durch den Genuß von sechs Glas Kognal verursacht wird.“ Sechs Glas Kognak— das ist immerhin schon etwas! Die Versuche mit dem„Antilügenserum“ wurden bisger an zwölf Studenten vorgenommen. Jetzt stehen die Serumentdecker mit gerichtlichen Behörden und Polizeiämtern in Verbindung, um die Erlaubnis zu Versuchen an Verbrechern zu erlangen. sische Buter bei uns loswerden Ausen bossen nämlich, diese Buter risgiesen Thine.ich aus bolgender Anatse der berrichen die rusische Butter eine fremde asiatische führen könne. Man schickte die Butter zur Untersuchung die Landwirtschaftsschule in Cambridge, wo Cecil stliege augtgmatich Marhresturieuder und als Stechfliege auotomatisch Vervreiterin von Krankheiten. Verbreitungskreis der in Frage kommenden Fliege foll aus Swirten beschränkt sein. Warburton, einer der bekanntesten Spezialisten für Fliegen, teilte weiter mit, daß man in vielen Butterfässern diese Fliegen in riesiger Anzahl Sie gehören zu einer Gruppe, die in einen langen, Schlaf zu verfallen und unter Umständen jahrelang ussonzungruns zu leben vermag, ohne deshalb die Fortvstungungsmöglichkeit zu verlieren. wissenschaftliche Material wurde den englischen Regierungsbehörden unterbreitet. Die russischen LieferanEeid der stiegendurch. na einen großen autmortunge gn u.. u zuce jede Vertung abgelehnt und auf Abnahme der Butter bestanden, Uno mit dieser Butter sollen wir nun beglückt Bekanntlich hat das Nordpol=Unterseeboot des Engländers Sir Hubert Wilkins auf dem Ozean Maschinenschaden erlitten und mußte abgeschleppt werden. Unter diesen Umstän den ist die geplante Polarfahrt in diesem Jahre nicht durchzuführen. Richard war blaß geworden und hatte es in einem bestimmten Ton gesagt. „Es wäre eine gute Partie, denn Blandine hat Geld; aber das wäre schließlich nicht ausschlaggebend“, sagte Hermann.„Also richte dich von nun an danach, Irma, und mache Richard keine Schwierigkeiten, die er nicht verdient hat.“ „Na, ja, ich tue der lieben Nichte ja auch nichts, und wenn du in ihr dein Glück siehst, so muß ich ja nachgeben, Richard.“ „Hier ist übrigens ein Brief für dich, ehe ich es vergesse.“ Frau Irma erkannte das Wappen der Trauensteins auf dem Umschlag und öffnete das Schreiben mit zitternden Händen. Aber ihr erwartungsvolles Antlitz wurde vor Aerger starr, und sie biß sich auf die Lippen. „Blandine soll während Doras Erkrankung für sie einspringen, um der Fürstin vorzulesen“, sagte sie tonlos. „Das ist doch gut, ist doch ein Zeichen, daß die Frau Fürstin keine Fremde mag und Dora später wieder zu ihr kommen soll.“ Frau Irma erwiderte nichts, aber sie blickte ihren Mann mit blassem Antlitz und finsteren Augen an.„Das geht nicht", sagte sie endlich mit heiserer Stimme.„Arme Dora, nun nimmt sie ihr noch diese bevorzugte Stellung fort.“ „Aber so sei doch endlich vernünftig, Irma“, schalt jetzt Hermann.„Du weißt doch ganz genau, daß Blandine nur zur Aushilfe ins Schloß geht und schon infolge ihres Studiums dies nicht immer tun könnte. Dora wird ja auch bald wieder gesund sein.“ „An das, was sie vielleicht anrichten kann, wenn sie den jungen Mann öfter sieht, an das denkst du natürlich nicht. So seid ihr Männer ja stets.“ „Was soll Blandine denn im Schloß anrichten?“ fragte Hermann verwundert. Frau Irma lachte kurz auf und warf einen ungeduldigen Blick zur Decke empor. Sie ärgerte sich über die Begriffsstutzigkeit ihres Mannes. Jetzt trommelte sie nervös mit den Fingerspitzen auf dem Tischtuch herum. „Liebe Irma, ich verstehe wirklich nicht— vielleicht erklärst du dich näher.“ „Nun, der Fürst hat sicher ein Interesse an Dora—. neulich hat er sogar Fensterpromenade bei uns gemacht. Wenn aber Blandine dazwischen kommt, und sie benimmt sich sehr frei, wie ich unlängst auf der Straße beobachtet hatte, dann wendet sich sein Interesse ihr zu. Die Männer sind alle wankelmütig, und zudem ist Blandine schöner als Dora.“ Hermann lachte belustigt; dann schüttelte er den Kopf. „Irma, schlag' dir diese Gedanken aus dem Sinn, die führen zu nichts.“ „Ich werde schon recht haben und mich auch danach richten; wenn du zusehen willst, daß das Glück unserer Tochter vernichtet wird, so muß ich eben handeln. Eine Mutter kämpft für ihr Kind.“ Sie schwieg plötzlich, denn ein Gedanke war ihr soeben gekommen, wie sie Blandine völlig ausschalten konnte. Mit freundlichem Gesicht wandte sie sich an ihren Sohn. „Ich billige deine Wahl auch, Richard, und werde dir nichts in den Weg legen, wenn du Blandine gewinnen willst. Darum frage sie nur sehr bald, damit dir nicht ein anderer zuvorkommt.“ „Na, siehst du, das ist vernünftig von dir, Irma“, nickte Hermann seiner Frau zu.„Ihr werdet noch die besten Freunde werden, du und Blandine.“ Aber Frau Irma ging darauf nicht weiter ein, sondern lenkte das Gespräch geschickt auf die Gesellschaft, die bevorstand und für die noch allerhand besorgt werden mußte. Als die Herren später wieder zur Bank hinuntergehen wollten, sagte Hermann: „So werde ich an die Fürstin schreiben, daß Blandine für Dora einspringt.“ „Rein, Hermann, ich schreibe selbst; der Brief war ja auch an mich gerichtet“, entgegnete die Kommerzienrätin in bestimmtem Ton.(Fortsetzung folgt.) 1 .—.und es erkönki Zum Ta für das am letzten Schwere Eis Auf der New gleiste der vollbesetz bei der Einfahrt in tenden Güterzug 30 Passagiere wur bensgefährli (Pennsylvania) ent zuges, da Regengü Beamte wurden ge Das Lü Der Prozeß gege Kindersterben beschul dieses Jahres zur schädigten Kinder ho angeschlossen. An d bekanntlich bisher 76 Bö Amtliche Be * Börsenbericht. später befest! zeugte an der Börs Anfangskurse warei Klärung erwartete bedeutend, da die sache, daß die an von einem österre sind, wirkte beruhie kurse bis zu ein P einheitlich und Ele konnte sich die Tenk einer Entspannung wiederum um die die Reichstagseinbe gemeine Befestigun * Devisenbörse. 20.51; boll. Gulden Frank 16.47—16.51: Italien 22,04—22.08 bis 112,91; norweg. Schilling 59.16—59.2 bis 42.44. Berliner Schwankende und Mitgeteilt von der Commerzbank 1 bank 122.— A. 4 43 ½— Nordd. L# 82.— Bergmann Daimler Motoren 21 59½— J. G. Fa50¼.— M. F. Buc wolle—.— Oberko Rheinstahl 64.— 9 — Schuckert 104. werke 38½.— Wie u. Aus. 50, 7.— 23½.— Mechan. Hamm 60.— Wit Pfandbrfe. 91.— Orenstein 34¼.— 2 Die Berliner Bör größtenteils zu den Starte 80 Nach Mitteilung amtes ist die Anbar Die Winterweizenanb um 20 Prozent von die von Sommerweiz auf 187517 Hektar. .und es erkonk in ernften Klängen das deuksche Lied Zum Tag des Deutschen Liedes, für das am letzten Juni=Sonntag in ganz Deutschland geworben werden soll. K * Schwere Eisenbahnunfälle in Amerika. 30 Reisende verletzt. Auf der Newyorker Vorortstation Woodlawn entgleiste der vollbesetzte Schlußwagen eines Personenwagens bei der Einfahrt in eine Kurve. Er wurde auf einen haltenden Güterzug geschleudert und fing Feuer. Rund 30 Passagiere wurden verletzt, einige davon lebensgefährlich.— In der Nähe von Columbia (Pennsylvania) entgleisten mehrere Wagen eines Güterzuges, da Regengüsse die Schienen gelockert hatten. Zwe Beamte wurden getötet, mehrere verletzt. Das Lübecker Kindersterben. Prozeß im Oktober. Der Prozeß gegen die im Zusammenhang mit dem Lübecker Kindersterben beschuldigten Arzte wird vermutlich im Oktober dieses Jahres zur Verhandlung kommen. Die Eltern der geschädigten Kinder haben sich dem Verfahren gegen die Arzte angeschlossen. An den Folgen der Calmette=Fütterung sir bekanntlich bisher 76 Kinder gestorben. O Ein Jahr Gefängnis für den Mann mit der abgehackten Hand. Das Schöffengericht in Koburg fällte das Urteil gegen den Mechaniker Alfred Schad, der angeklagt war, sich auf einem Hackklotz die linke Hand abgeschlagen zu haben, um auf diese Weise in den Besitz der Versicherungssumme von 60000 Mark zu gelangen. Das Gericht verurteilte Schad wegen vorsätzlichen Betrugsversuches zu einem Jahr Gefängnis und Tragung der Gerichtskosten. Der Angeklagte wurde sofort in Haft genommen. 0 Siegeszug der deutschen Sprache in Newyork. Der Unterricht in der deutschen Sprache ist in den Newyorken Schulen in der letzten Zeit fast viermal so stark gewachsen wie der französische Unterricht. Wahrscheinlich wird in absehbarer Zeit deutsch an die Spitze des fremdsprachlichen Unterrichts in den Newyorker Schulen treten. 9 Zwei Schwerverbrecher ausgebrochen. Zwei Infassen der Strafanstalt in Lüttringhausen bei Remscheid gelang es beim Spazierengehen auf dem Gefängnishofe die Flucht zu ergreifen. Obgleich drei Aufseher auf dem Hofe anwesend waren, warfen die beiden in einem unbewachten Augenblicke einen mit einem eisernen Haken versehenen Strick über die Mauer, ktetterten schnell hoch und liefen davon. Die Verfolgung war ergebnislos. Einer der Entwichenen, der im Alter von 33 Jahren steht, war zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, während der andere noch sieben Jahre Zuchthaus zu verbüßen hatte. O Brandunglück in einer Moselstadt. Ein schweres Brandunglück hat sich in dem Moselstädtchen Treis zugetragen. Aus noch nicht geklärter Ursache brach in einem Wohnhause Feuer aus, das sich mit rasender Geschwindigkeit verbreitete und auf die benachbarten Gebäude übergriff. Drei Wohnhäuser wurden eingeäschert. Während der Löscharbeiten stürzte die Seitenwand eines Hauses ein und begrub eine Anzahl Feuerwehrleute unter den rauchenden Trümmern. Ein Feuerwehrmann wurde auf der Stelle getötet, zwei andere erlitten schwere Verletzungen. ( Opfer eines Sonnenstiches. In Nancy sollen 60 Soldaten des Infanterieregiments 26 auf einem übungsmarsche bei glühender Sonne Sonnenstich erlitten baben. Zwei Mann sollen bereits gestorben sein, drei weitere sollen den Verstand verloren haben. Von amtlichen Stellen werden diese Angaben bestritten. (9 Die amerikantsche Weizenernte gefährdet. Durch die anhaltende Dürre wird im Weizengebiete der Nordweststaaten Amerikas anscheinend eine bedrohliche Lage geschaffen. Auch im mittleren Westen und in Westkangda ist die Weizenernie durch zu geringe Regenfälle gefährdet. — Spiel und Sport sp. Deutsche ländliche Reitervereine starten in Holland bei einem internationalen Turnier am 30. und 31. Juli im Haag. Sie stoßen dort außer auf die einheimtschen Retter noch auf Ungarn. Die deutsche Mannschaft umfaßt zehn Pferde und zehn Reiter und wird zur Hälfte aus Ostpreußen und aus Hannover zusammengesetzt. Zur Entscheidung gelangen eine Vielseitigkeitsprüfung sowie ein Preis der Nation in Form eines Geländerittes. Sp. Gerüchte von einer Absage der Deutschen Radmeisterschaften des BDR., die für den 7. und 9. August vorgesehen sind, bestätigen sich nicht. Fraglich ist nur geworden, ob sie im Berliner Stadion ausgetragen werden, oder auf einer anderen noch nicht bestimmten Bahn. Gewinnauszug 3. Klasse 37. Preußisch=Süddeutsche Staakd=Losterse. Ohne Gewähr Nachdruck verboten 1. Ziehungstag 15. Juni 1931 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinne zu 5000 M. 207921 256281 8 Gewinne zu 2000 M. 124963 295295 337924 381794 30 Gewinne zu 1000 M. 46234 74444 91083 180204 186897 194083 195009 250562 252777 275058 290943 300316 339442 370144 398551 48 Gewinne zu 800 M. 18436 19367 24438 32444 40842 60912 77934 78780 61844 121637 162864 207566 219383 242460 277815 280804 291359 294782 326614 335937 345576 364802 375346 380064 48 Gewinne zu 500 M. 11402 13097 27132 73137 82274 97566 112155 161207 189884 194234 194357 231001 232236 237530 261244 273558 298836 324866 338675 368907 369153 380930 393877 398248 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne zu 50000 M. 117106 2 Gewinne zu 10000 M. 231870 4 Gewinne zu 5000 M. 329344 346397 6 Gewinne zu 3000 M. 65081 314423 360332 4 Gewinne zu 2000 M. 35035 252366 24 Gewinne zu 1000 M. 13175 14508 39865 64856 86889 91991 154826 173500 182953 239532 294325 314278 30 Gewinne zu 800 M. 8020 13191 36530 60403 1 176659 182634 199056 195809 205205 216391 253586 50 Gewinne zu 500 M. 30823 37489 50794 51457 87970 93128 94964 95021 99126 121083 125640 1: 206727 207813 224388 236909 242341 266009 279511 360856 2. Ziehungstag 16. Juni 1931 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinne zu 10000 M. 57089 332660 10 Gewinne zu 3000 M. 202331 274649 277489 335875 369206 8 Gewinne zu 2000 M. 141996 286777 304558 556213 28 Gewinne zu 000 M. 22278 28814 30233 64003 126605 129254 143768 197879 264364 281281 308063 354380 367998 398238 46 Gewinne zu 300 M. 33889 39521 60834 62736 103322 116252 131327 156041 228303 252553 259679 271189 276987 281970 302118 302506 306378 309482 337967 346616 347525 388889 393367 50 Gewinne zu 500 M. 7025 20704 27283 46218 73980 81182 88961 116750 143726 164208 165030 200328 225834 235719 240458 243665 261816 266905 277936 311955 319037 319185 327954 387534 392971 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen— 2 Gewinne zu 100000 M. 227109 4 Gewinne zu 5000 M. 99548 391594 4 Gewinne zu 3000 M. 89502 146873 10 Gewinne zu 2000 M. 53613 129764 188434 253045 346125 18 Gewinne zu 1000 M. 60497 78277 89737 111178 163143 225634 324566 365531 374662 26 Gewinne zu 800 M. 6717 18452 128330 131474 143433 145416 149000 272009 297838 318065 334975 335405 379830 52 Gewinne zu 500 M. 20445 28365 31415 10487] 112958 116397 117350 128403 141008 141955 143004 161052 163379 215494 224243 263205 267823 293083 296922 312064 320734 332480 356601 372536 382379 399517 127845 159117 320481 342096 52866 68043 35526 185099 325241 350358 Auflösung des Ulnstrierten Kreuzwortratsels U dieVoslmatVSsEIrÖNSs Börse und Handel Amtliche Berliner Notierungen vom 16. Juni. * Börsenbericht. Tendenz: Zuerst uneinheitlich, später befestigt. Die innenpolitische Hochfpannung erzeugte an der Börse eine außerordentliche Reserviertheit. Die Anfangskurse waren relariv behauptet, da man eine politische Klärung erwartete Das Geschäft war jedoch recht unbedeutend, da die Spekulation sich stark zurückhiel: Die Taisache, daß die an der Berliner Börse verbretieten Gerüchte von einem österreichischen Moratorium dementtert worden sind. wirkte beruhigend. Im allgemeinen waren die Anfangskurse bis zu ein Prozent befestigt, dagegen Montanwerte uneinheitlich und Elektrowerte eher nachgebend. Im Verlause konnte sich die Tendenz, da am Rentenmarkt sich die Anzeichen einer Entspannung mehrten, am Devisenmarkt die Nachfrage wiederum um die Hälfte geringer war als am Vortage und die Reichstagseinberujung abgelehnt worden ist. eine allgemeine Befestigung durchsetzen. * Devisenbörse. Dollar 4,20—4.21; engl. Pfund 20.47 bis 20.51; holl. Gulden 169.41—169,75; Danz. 81,82—81,98; franz. Frank 16.47—16.51: schweiz. 81,74—81,90: Belg. 58.60—58,72; Italien 22,04—22,08: schwed. Krone 112,79—113,01; dän. 112,69 bis 112,91; norweg. 112,68—112,90; tschech. 12,46—12,48; österr. Schilling 59.16—59.28; Argentinien 1,285—1.289: Spanien 42,36 bis 42.44. Berliner Börse vom 16. Juni 1931. Schwankende und auf Zeit gehandelte Werte Mitgeteilt von der Commerz= und Privat=Bank, Aktiengesellschaft. Commerzbank 100¾.— Dedibank 100¼.— Reichsbank 122.— A. G. f. Verkehrswesen 41½2.— Hapag 43 ½— Nordd. Lloyd 45¾.— Akus 62¼.— A. E. Gr82.— Bergmann 64.— Conti Gummiwerke 95¼.— Daimler Motoren 21x.— Dt. Erdöl 558½.— Gelsenberg 59%— J. G. Farben 118¾.— Mannesmann Röhren 50¼.— M. F. Buckau—.— Max. Hütte—.— Norddwolle—.— Oberkoks 57.— Phoenix Bergwerke 40.— Rheinstahl 64.— R. W. E. 101½.— Rütgerswerke /39. — Schuckert 104.— L. Tietz 82.— Vereinigte Stahlwerke 38½.— Wicking 20.— Otavi 18½.— Dt. An. u. Aus. 50, 7.— Dt. An. ohne Abl. 4,40.— Kahla 23½.— Mechan. Web. Linden 31¼.— Westst Draht Hamm 60.— Wintershall 4—, 8proz. Westf. landsch. Pfandbrfe. 91.— 5proz. Westf. Ablös. Pfandbrfe. 82¼: Orenstein 34¼.— Dortm. Univn 142¼.— Karstadt 28 ¾ Fester Börfenschluß. Die Berliner Börse schloß am Dienstag in fester Haktung. größtenteils zu den höchsten Tageskursen. Starke Zunahme des Weizenaubaues. Nach Mitteilung des Preußischen Statistischen Landesamtes ist die Anbauflächenerhebung vorläufig abgeschlossen. Die Winterweizenanbaufläche hit sich gegenüber dem Vorjahre um 20 Prozent von 912928 auf 1095 277 Hektar vergrößert, die von Sommerweizen sogar jum 76.4 Prozent, von 106 325 auf 187517 Hektar. Die Witzterroggenanbaufläche in mit 3234 807 gegen 3484 810 Hektar um 7,2 Prozent kleiner als im Vorjahre, mit Wintergerste wurden 163 736 Hektar gegen 137 203 Hektar bestellt, was einer Anbauflächenvergrößerung um 19,3 Prozeni entspricht, während die Anbaufläche von Sommergerste um 41302 Hektar oder 6,5 Prozent auf 679 264 Hektar vergrößert wurde. Die Haferanbaufläche beträgt mit 2236 284 Hektar 56 224 Hektar oder 2,5 Prozent weniger als im Vorjahre. Die Anbaufläche für Frühkartofseln hat sich mit 164 453 Hektar gegenüber dem Vorjahre nur um 0,5 Prozent vergrößert.— 45 Kroze Syndizierte Kartoffelstärte. Das Zwangssyndikat der Kartoffelstärkeindustrie ist gemäß Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft nunmehr ermöglicht. Der noch abseits stehende Teil der Stärkeindustrie kann auf Aufforderung des Reichsernährungsministers nunmehr binnen Monatsfrist gezwungen werden, seinen Beitritt entweder zum Verkaufskontor für Kartoffelstärke oder der Stärkeindustriegesellschaft vorzunehmen. Zusammenschlußzweck ist, die Herstellungsmengen für Kartoffelstärke zu kontingentieren, für den Verkauf von Kartoffelstärke stabile Verhältnisse zu schaffen, insbesondere für Erzeugungsabsatz der Kartoffelstärke. Durch das Syndikat soll gleichzeitig die Verwertung der Fabrikkartoffeln im Interesse der Landwirtschaft gefördert werden. 0.45—0.55, dto. Gersienstroh(Quadratballen) 0.45—0,55, Roggenlangstroh(zweimal mit Stroh gebündelt) 0,90—1.00, bindsadengepreßtes Roggenstroh 0,65—0,85, bio Weizenstroh 0.45—0.65, Häcksel 1.45—1.65, handelsübliches Heu, gesund und trocken. alt 1,90—2.10, gutes Heu, gesund und trocken, alt 2,35 bis 2,75, Timothy. losc. alt 3.25—3.70, Kleeheu, lose 3.20 bis 3.50 Mark: drahigepreßtes Heu 30 Pf. über Notiz. Tendenz: Stroh sehr still. Heu stetig. * Berliner Schlachtiehmarkt. Amtlicher Bericht.) Bezahlt wurden für 50 Kilogramm in Mark: Ochsen: I. vollfl. ausgemäst. höchst. Schlachtw., 1g. äliere 2. sonstige vollfleischige 16. 6. 47—48 Apgere 45—4747—4 Abere—]— 12. 6. 50—51 47—49 3 fleischige 48—44 4 gering genährte 38— 40 Bullen: 1 süngere, volfl. höchst. Schlachtwertes 43—45 42—43 der Produktenbörse herrschte ist, so daß sich das Geschäft in en nur geringe Unternehmungslust, so daß sich das Geschäft in engen Grenzen bewegte Der Promptmarkt für Brotgetreide lag verhältnismäßig stetig. Am Markt der Lieferungsgeschäfte gaben fast alle Termine sowohl für Weizen wie auch für Roggen und Hafer um 1—3 Mark nach. Weizen= und Roggenmehl lagen ruhig bei wenig veränderten Preisen. Gerste alter und neuer Ernte blieb weiter vernachlässigt. Getreide und Olsaaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark Weiz., märt. pommersch Rogg. märk. Braugerste Futteraerste Sommerast. Wintergerste Haser märk. vommersch. westpreuß Weizenmeh! p 100 kg fr. Mi 4. Rot Roggenmehl p. 100 kg ir Berlin br. intl. Sach * Berliner Heu= und Strohnotierungen. Drahi Roggenstroh(Quadratballen) 0.55—0,65, dto. Weizenstroh (Quadratballen) 0.45—0.55, bto. Haferstroh(Quadratballen) 2. sonstige vollfleischige oder ausgemästete 3. fleischige 4. gering genäbrte Kühe: 1. jüngere, fletschige, höchsten Schlachtw. 2 sonstige vollfletschige oder ausgemästete 3. fleischige 4. gering genährte Färsen: 1. vollfl., ausgemäst., döchst. Schlachtw. 2. vollfleischige 3 fletschige Fresser: 1. mäßig genährtes Jungvied Kälber: 1. Doppellender bester Mast beste Mast= und Saugkälber 2 mittlere Mast= und Saugkälber 3. geringe Kälber Schafe::. Mastlämmer u. 1g. Mastd.(Weidemast) 2 Mastlämmer u. 1g. Masthammel(Stallmaft) 3 mittlere Mastlämmer, ältere Masthammel und aut genährte Schafe Schweine: 1. Feitschweine über 300 Pfd. 2. vollfl. Schweine v. etwa 240—300 Pfd. 3 vollfl. Schweine v. erwa 200—241 Pfd. 4. vollfl. Schweine v. erwo 164—200 Pfd. 5. fleisch. Schweine v. erwa 120— 160 Pfd 6. fleischige Schweine unter 120 Pfd. 7. Souen Auftrieb: 1639 Rinder, darunter 325 Ochsen. 542 Bullen, 760 Kühe und Färsen; 3100 Kälber, 6420 Schafe, zum Schlachthof direkt 378 Schafe, 12749 Schweine, zum Schlachthof direkt seit letztem Viehmarkt 2487 Schweine. Verlauf: Bei Rindern langsam; bei Kälbern schleppend, bleibi Überstand: bei Schafen ruhig: bei Schweinen glatt. Schluß stark abflauend. • Marktbericht vom Magerviehhof in Friedrichsfelde. Schweine= und Ferkelmarkt Auftrieb: 250 Schweine, 388 Ferkel. Verlauf des Marktes: Langsam bei gedrückten Preisen. Es wurden gezahlt im Großhandel für: Läuferschweine, 4—5 Monate alt, 28.—42 Mark, Pölke, 3—4 Monate alt. 18—28 Mark. Ferkel, 8—12 Wochen alt, 14—18 Mark. alt, 12—14 Mark, dto. 4—6 Wochen alt. 10—12 Mark. * Berliner Butterpreise. 1. Qualität 121, 2. Qualität 111, abfallende Sorten 97 Mark je Zentner. 99—41 37—38 33—37 28—32 22—26 18—20 43—45 41—42 37—40 35—88 52—59 40—50 25—85 45—48 42—45 46—47 46—48 46—48 48—47 39—42 44 Die Drahtwürmer. Neben den Engerlingen und den Erdraupen gibt es im Grunde des Ackers und des Gartens keine ärgeren Schädlinge als die Drahtwürmer.“ Es handelt sich bei diesen, den Mehlwürmern ähnlichen, nur mit etwas härteren Körpern und sichtbaren Beißzangen am Kopfe ausgestatteten Schmarotzern um die Larven von Käferarten, die allgemein als Schnellkäfer bekannt sind. Diese Käfer haben nämlich die Eigenschaft, daß sie sich, wenn man sie auf den Rücken legt, mit einem plötzlichen Ruck in die Höhe schnellen können. Dabei geben mehrere von ihnen(es existieren sehr zahlreiche sich ähnelnde Arten) einen deutlich vernehmbaren Ton von sich. Die Käfer selbst sind zum Teil ebenfalls durch ihren Fraß schädlich, doch werden sie von den Larven weit übertroffen. Letztere leben, ähnlich den Maikäfern, drei bis vier Jahre bei langsamem Wachstum in der Erde, ehe sie sich in Puppen und dann in die fertigen, flugfähigen Insekten entwickeln. Während der ganzen Zeit ihres Wachtums befressen sie junge Pflanzen und die Wurzeln von solchen, mit Vorliebe auch unterirdische Knollen. Dabei ist zu beachten, daß sie besonders schädlich in wärmeren, leichten Böden werden. Bei kaltem Wetter und bei Regen gehen sie tiefer unter den Boden und richten dann nicht soviel Schaden an, weil sie hier nicht so empfindliche Wurzeln erreichen. Unsere Abbildung zeigt die drei gemeinsten und daher schädlichsten Arten. Alle sind schmutzig=gelb gefärbt, der Kopf, etwas plattgedrückt, zeigt eine glänzend rot= bis dunkelbraune Farbe. Daraus entstehen dann der erzfarbene Schnellkäfer, der blaugrün bis rötlich metallisch schillert, oder der graue oder braune Schnellkäfer, letzterer oft grau= bis weißhaarig erscheinend. Früher glaubte man, daß der Maulwurf durch die Vertilgung dieser Drahtkäferlarven besonders nützlich sei. Inzwischen hat es sich herausgestellt, daß der Maulwurf viel mehr die weichen und für die Fruchtbarkeit so wichtigen Regenwürmer als Nahrung bevorzugt, die harten Drahtwürmer aber nur im äußersten Notfall frißt. Dagegen stellen die Krähen hinter dem Pfluge und viele andere Vögel, wie Stare und Drosseln, den Drahtwürmern eifrig nach. Auch kann man die Drahtwürmer fangen, wenn man zerschnittene Kartoffeln oder Fallobst mit der Schnittfläche auf die Erde legt. Dann werden die Tiere aus ihren Höhlungen gelockt und fressen sich in diese Köder Löcher, und man muß nur dafür sorgen, sie alle Tage von neuem abzulesen und zu vernichten. Durch dieses Verfahren, was nur im Gartenbetrieb, aber nicht oder nur ausnahmsweise auf Ackern möglich ist, erzielt man mit der Zeit eine ziemlich wirksame Zurückdämmung der Schädlinge. Auf größeren Flächen bekämpft man sie durch Kopfdüngung mit Kainit oder Chilisalpeter, auch bei kalkigen Böden mit dünnen Eisenvitriollösungen, jedoch ist damit Vorsicht geboten. Hartkochende Erbsen. Das Hartkochen von Erbsen kann verschiedene Ursachen haben, die teils im Boden, teils in den Witterungsverhältnissen liegen können. Vor allem eignet sich hartes Wasser nicht zum Kochen von Hülsenfrüchten, weil darin besonders auch sonst leicht weichkochende Erbsen nicht weich werden. Der Grund liegt größtenteils im zu hohen Kalkgehalt des Kochwassers und kann durch Ausfällen dieser betreffenden Stoffe beseitigt werden. Man erzielt das Weichkochen in solchem Wasser durch nachstehende Maßnahmen: 1. Vorweichen(ungefähr 24 Stunden); 2. Vorkochen des zum Kochen bestimmten Wassers; 3. Zusatz von etwas Speisesoda oder Pottasche zum Kochwasser; 4. Mitkochen von größeren Glasscherben (Natronglas). Obwohl nicht einwandfrei, ist dieses Verfahren noch vielfach auf dem flachen Lande üblich. Auf manchen Böden werden selbst sehr leicht weichkochende Erbsensorten nach wenigen Jahren hartkochend. Solche Böden sind: 1. Phosphorsäurearme Böden über haupt; 2. Humusböden; 3. an Kali und Salpetersäure reiche Böden. Starke Stallmist= und Jauchedüngung sowie einseitige Kali= und Salpeterdüngung begünstigten das Hartkochen, weil sie die Phosphorsäure ins Minimum bringen. Die Witterung hat auf das Hartkochen der Erbsen, je nach Boden und Düngung, einen verschiedenen Einfluß. Auf an und für sich trockenen phosphorsäurearmen Böden wird das Hartkochen mehr in trockenen Jahren in den Vordergrund treten, weil die Phospborsäure wegen Wassermangel nicht recht zur Wirkung kommen kann; an kalireichen, mit Stallmist überdüngten und auf Humusböden wird meist der umgekehrte Fall beobachtet. Auch die rasche Aufeinanderfolge kann infolge einseitiger Erschöpfung des Bodens an Nährstoffen Ursache des Hartkochens sein. Nur eine vernünftige Fruchtfolge und Düngung kann hier Wandel schaffen. Vor allem soll die Erbse frühestens erst nach sechs Jahren auf sich selbst folgen. Auf das Hartkochen begünstigenden Böden gibt man die Erbse in 3. oder 4. Tracht. Phosphorsäurearme Böden sollen entsprechend früher eine Vorratsdüngung mit Phosphorsäure erhalten. Auf an Kali und Salpetersäure reichen Böden sowie bei starker Stallmistdüngung zu den Vorfrüchten muß zu Erbse immer ein entsprechender Phosphorsäureausgleich Platz greifen. Im übrigen ist hier die richtige Form der Phosphorsäure wichtig. Auf saueren Moorböden, feuchten Böden überhaupt, kalkarmen Sandböden und Humusböden ist das Thomasmehl am Platze. Auf Mittel= und schweren Böden, soweit nicht eisenschüssig, greift man zum Superphosphat. In trockenen Jahren ist auf phosphorsäurearmen mit Thomasmehl gedüngten Böden nebenbei eine schwache Düngung mit Superphosphat im Frühjahr angezeigt. Pflügen und Schleifen. Ein vereinfachtes Arbeitsverfahren, bei welchem man das Pflügen und Schleifen in einem Arbeitsgange verrichten kann, wird von einem praktischen Landwirte nach eigener Erfahrung in den Mitteilungen der D. L. G. angegeben. Es handelt sich dabei um den feststehenden Zweischarpflug, wie er vielfach zum Stoppelumbruch bei leichteren Böden zum Anlegen der Saatfurche und zum Mistunterpflügen Verwendung findet. An den Pflugrahmen, welcher der gepflügten Ackerfurche zugewendet ist, wird ein aus Eisen geschmiedeter Dreiecksrahmen mittels zweier Schrauben befestigt. Durch dessen eine Seite werden zwei Löcher gebohrt, durch die zwei Ringe zum Einhängen zweier dünnen Ketten gezogen werden. An diesen Ketten werden im Abstand von etwa 40 bis 50 Zentimetern zwei Hölzer von ungefähr 15 Zentimetern Dicke und 70 Zentimetern Breite angebracht. Die Länge der Ketten vom Haken bis zum ersten Holz muß so bemessen werden, daß die gewünschte schleifende Wirkung erzielt wird, d. h. etwa 60 Zentimeter. Beim Transport des Pfluges auf dem Wege können die beiden Ketten ausgehängt und die Hölzer bequem auf den Pflugrahmen gelegt werden. So stellt dieses Gerät einen Teil einer beweglichen Ackerschleife dar und leistet bei wenig Kraftbedarf sehr gute Dienste. Die Herstellungskosten sind gering. Jeder Dorfschmied und Stellmacher kann die Teile leicht anfertigen, soweit man nicht selbst über eine Feldschmiede und eine Schnitzbank verfügt. Der Erfinder, der diese Arbeitsvereinfachung mit dem Pferdepflug erfolgreich ausgeprobt hat, ist wohl mit Recht der Ansicht, daß die Schleife auch an Motoranhängepflügen angebracht werden kann, nur daß sie dort, entsprechend der Anzahl der Schare, größer und massiver gearbeitet sein muß. Der Pferdespulwurm. entwickelt haben. Die Streu ist nach jeder Desinfektion zu erneuern. Die alte, mit Wurmeiern infizierte Streu muß tief im Düngerhaufen untergepackt werden, und zwar so, daß sie auf allen Seiten vom Dünger umgeben ist. Nur dadurch wird eine ausreichende Erhitzung und die Abtötung der Wurmeier gewährleistet. Fahrgestell für Ackergeräte. Zur Beförderung des Ackergerätes werden vielfach Schleifen verwendet, die doch manchen Nachteil haben. Sie sind schwer zu ziehen, nehmen Unebenheiten nur mit Beanspruchung der Zugtiere und erhöhter Aufmerksamkeit des Führers, können nur mäßig beladen werden und nutzen sich schnell ab, so daß sie oft gerade dann nicht brauchbar sind, wenn man ihrer benötigt. Es wird daher empfohlen, statt dieser Schlaufen zur Verwendung von Fahrgestellen überzugehen. Das sind einfache Holzgestelle, die man sich ebenso wie die Schleifen selbst bauen kann, und sie werden mit einem Paar sogenannter Radsätze versehen. Solche Radsätze, wie sie in den Ziegeleien und Torfwerken, bei allerhand Erdarbeiten und Straßenbauten allgemein für die Etagewagen verwendet werden, sind billig, oft zum Gewichtpreis für Altmetall, zu haben. Da aber zu schmalspurige Radsätze zum leichten Umkippen des Fahrgestells führen würden, sucht man sich möglichst breite, mit über 50 Zentimeter Spurwette aus. Am Holzgestell werden vorn und hinten je ein Zughaken angebracht, an welchen man die Zugkette anhängt. Diese Haken wählt man gern etwas lang, damit sie leicht erreichbar sind, auch wenn das Fahrgestell mit weit überstehenden Ackergeräten beladen ist. Die Verwendung solcher Fahrgestelle ist besonders in den Hauptbestellzeiten nützlich. Dann sind die vorhandenen Wagen meist voll besetzt, die Ackergeräte selbst, wie auf unserer Abbildung die auf das Gestell aufgeladene Polieregge und der Schwingpflug, sind nicht fahrbar, und es handelt sich doch oft darum, etwas entlegene einzelne Ackerschläge noch zu erledigen oder Restarbeiten auf den Hauptackerflächen zu vollenden, wobei jede Zeitersparnis willkommen ist. Da bewährt sich das Fahrgestell, auf das man auch kleinere Mengen Saatgut, etwa zum Einsäen in Fehlstellen auf Acker, Wiese und Weide, leicht zum Mitnehmen mit den Geräten aufladen kann, ohne daß die großen Wagen ihrer eigentlichen Hauptaufgabe in dieser Zeit entzogen zu werden brauchen. Landmanns Merkbuch. Pflege der Aurikeln. Die Aurtkeln nehmen auf unseren Stauden= oder Blumenbeeten, auch im Felsengärtchen einen bevorzugten Platz ein. Leider haben sie die unangenehme Eigenschaft, im Laufe der Zeit langbeinig zu werden und dann weniger reich zu blühen. Diesem übelstande kann dadurch leicht abgeholfen werden, wenn man die einzelnen Pflanzen alljährlich mit guter Komposterde umgibi. Hierdurch bilden sich am Wurzelstock frische Wurzeln, wodurch die Pflanze neue Nahrung erhält und deshalb auch blühwilliger wird. Nach einigen Jahren hal dann allerdings eine Umpflanzung zu erfolgen, bei welcher Gelegenheit man dann eine Teilung der Pflanze vornimmt. Das Auftreten von Spulwürmern im Pferdekot macht sofort eine Kur gegen diese Schmarotzer nötig. Hinsichtlich dieser Wurmkur ist zu bemerken, daß alle zur Entfernung von Eingeweidewürmern in Betracht kommenden wirksamen Medikamente mehr oder weniger giftig sind und daher in einer dem Alter, Gewicht und Kräftezustand des Tieres angemessenen Menge jeweilig vom Tierarzt verordnet werden müssen. Dringend zu warnen ist vor der Anwendung von Geheimmitteln unbekannter Zusammensetzung und Pfuscherpräparaten. Aber auch bei der Anwendung erprobter Wurmmittel kann man den Erfolg niemals mit Sicherheit voraussagen, da die individuelle Verschiedenheit der Tiere hierbei eine gewisse Rolle spielt. Man kann z. B. beobachten, daß bei einem Pferd die Würmer durch eine einmalige Kur beseitigt werden, während bei einem anderen Tiere trotz Verwendung desselben Mittels wiederholte Kuren erforderlich sind. Im allgemeinen ist eine zweimalige Wurmkur angezeigt, wobei die zweite drei Wochen nach der ersten vorgenommen werden soll. Die Forderung, daß die Pferde während einer Wurmkur im Stall behalten werden müssen, ist wohl selbstverständlich, wird jedoch des öfteren nicht beachtet. Nicht weniger wichtig als die Entfernung der Würmer aus dem Körper des erkrankten Tieres ist die Verhinderung der Neuansteckung durch die Vernichtung der Wurmbrut in der Umgebung der Tiere(Stall). Der Kot wurmkranker Pferde muß gesammelt und in einer Grube mit annähernd der gleichen Menge ungelöschten Kalkes von etwa nußgroßen Stücken gut durchmischt werden. Ist der Kot ziemlich trocken, empfiehlt es sich, die Mischung mit etwas Wasser zu bebrausen, damit der Kalk„gelöscht“ und damit die zur Abtötung der Wurmeier erforderliche Hitze erzeugt wird. Nach zwölfstündigem Stehen ist der mit Kalk behandelte Kot nicht mehr infektiös.— Der Stall muß nach Entfernung der Streu jede Woche einmal mit kochendheißer Sodalösung desinfiziert werden. Diese regelmäßig wiederholte Desinfektion, die einen Monat lang nach Beendigung der Wurmkur durchzuführen ist, ist unbedingt erforderlich, um die mit dem Kot ausgeschiedenen Wurmeier zu vernichten, bevor sich in ihm ansteckungsfähige Larven Bewegliche Vogelscheuchen. Sehr empfehlenswert sind für Gemüsegärten sogenannte Propellervogelscheuchen Sie bestehen aus einem Kreuz aus 25 Millimeter starken Brettern. Jedes Ende des Kreuzes hat nach Art der Flugzeugpropeller eine stark abgeschrägte Seite. Wird dieses Bretterkreuz so an einer Stange befestigt, daß es sich drehen kann, dann vertreibi es durch das Drehen selbst und durch das dabei entstehende Geräusch unliebsame Gäste. Beim Aufstellen muß man jedoch darauf achten, daß die abgeschrägten Bretterflächen so liegen, daß sie von den vorherrschenden Winden getroffen werden. Die Benutzung des Briefkastens ist für unsere verehrlichen Lesei gegen Einsendung der Abonnementsquittung kostenlos Die Beantwortung erfolgt mit tunlicher Schnelligkeit nach der Reihenfolge der Eingänge. Nur Auskünfte, die allgemein belehrend sind, werden hier abgedruckt. Die übrigen Antworten gehen den Fragestellern brieflich zu. Nr. 539. R. F. in, O. Bei der Schafmast ist zu beachten, daß das Schaf ein mehr trockenes als wässeriges Futter liebt, welches nebenbei eiweißreich und gut verdaulich sein muß. Jüngere Hammel von anderthalb Jahren ab lassen sich nicht nur am besten mästen, sondern werden auch von den Verbrauchern am höchsten bezahlt. Nr. 540. M. B. in W. Die Verwendung von Torf als Streumittel empfiehlt sich darum, weil dabei keine Jauche verloren gehi. Es bürgert sich vielerorts ein, die Jaucherinne im Stall mit Torfstreu zu füllen, welche dann die Flüssigkeit begierig aufsaugt und gleichzeitig mit dem Dung ausgemistet wird. Dabei kommt dann noch der andere Vorteil hinzu, daß der Torf auf der Dungstätte das entweichende Ammonial, also den Stickstoff, den wir sonst saufen müssen, am Entweichen verhindert und an sich bindet. Schließlich verbessert der verwitterte Torf namentlich auf Sandböden den Hausbestand in sehr schätzenswerter Weise. Nr. 541. J. P. in K. Es ist heute zweifellos, daß die Nutzkaninchenzucht für den Landwirt rentabel ist. Die Beschaffung geeigneter Unterkünfte hwird in den wenigsten Fällen Schwierigkeiten machen. Zu bedenken ist aber, welche Rasse man anschafft. Darüber geben die Verhandlungen des. Kaninchenausschusses der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, die in den Mitteilungen der D. L. G. nachzulesen sind, und die„Deutsche Nutzkaninchenzüchtergesellschaft“ in Schwarzenbach=Saale ausreichend Auskunft.