DGUUUUUTTTATT Lokal- und Heimatzeitung für das gesalllte Paverborter Land Eescheint an allen Werktagen und kostet durch die Post oder durch unsere Boten ins Haus gebracht monatlich 2.00 RM. Bestellungen nehmen unsere Geschästsselle und Boten, sowie alle Postanstalten und Briefträger entgegen. Redaktion. Geschästsstelle und Verlag Paderborn, Bahnbosstraße 13, Fernsprecher 3213, Posischeck=Konto: Hannover 14392, Telegramm=Adresse: Anzeiger Paderborn Tageszeitung für Jedermann Publikationsorgan vieler Behörden Anzeigenpreise: Die 30 Millimeter breite Millimeterraumzeile 10 Pfennig. für Anzeigen aus dem Verbreitungsbezirk 8 Pfennig, amtliche Anzeigen 10 Pfennig, Sammelanzeigen 15 Pennig. Im Reklameteil die 89 Millimeter breite Millimeterraumzeile 30 Psennig. In Konkurssällen oder bei Zwangsbeitreibung erlischt jeder Preisnachlaß. Gerichtsstand Paderborr Orat“. lggen: : Illustrierte Wochenschau, Sonntagsglocken, Heimatbote, Sport vom Sonntag, Am stillen Herd, Frauenwelt, Lan Nr. 299— 1. Blatt Samstag. den 14. Dezember 1029. 43 Jahrgang — Neue Bethaltblungen srischen Pleichtregekia Ju. Paltelen Nicht aussichtslose Suche nach einer Formel— Verlegung der Freitagssitzung von 10 auf 3 Uhr. Regierungserklärung im Reichstag. Reichskanzler Müller über die Finanzreform. Berlin, 12. Dezember. Nicht alle Tage spricht der Kanzler im Reichstag, aber dennoch oft genug, um sein Erscheinen am Rednerpult nicht gerade zu einer Sensation zu machen. Aber diesmal kam der Kanzler nicht als gelegentlicher Debattlei auf die Tribüne; diesmal trat er hervor als erster verantwortlicher Beamter des Reiches, in ernster Stunde, wie er selbst sagte, im allerernstesten Augenblick, um die Frage Hamlets nach Sein oder Richtsein in doppelter Beziehung zu stellen. Die Frage nach der Fortentwicklung des Reiches und seiner Wirtschaft, die sich gemeinsam in schwierigster finanzieller Lage befinden, die weitere Frage nach Bleiben oder Abdankung des jetzigen Reichskabinetts Dieses legt den bekannten umfassenden Finanzplan den Parieien vor mit der Forderung, für die Durchführung des Planes ausdrücklich der Regierung ihr Vertrauen auszusprechen. Das halten der Kanzler und mit ihm sämtliche Kabinettsmitglieder für notwendig. Die in ihren Grundsätzen als unerschütterlich bezeichneten Erklärungen wurden vom dichtgefüllten Hause mit der angemessenen Aufmerksamkeit angehört, nur dann und wann unterbrachen Widerspruch von rechts, von Nationalsozialisten und Kommunisten den Reichskanzler. Auch die starkbesetzte Loge der ausländischen Diplomaten unterbrach kaum ihre [Aufmerksamkeit. Im Beifall der Mehrheit der Volksboten ertranken nach Beendigung der Rede die kritisterenden Zurufe der Opposition. Alsbald schloß Präsident Löbe diese vielleicht bedeutungsvollste Sitzung der letzten Zeit, um den Fraktionen Gelegenheit zu lassen, die Regierungserklärung der Beratung zu unterziehen. Freitag soll die Aussprache beginnen und sie wird erst die Antwort geben über das Schicksal der Regierung, die siegen oder sterben will! 10. * Shungebericht. (114. Sitzung.) CB. Berlin, 12. Dezember. Am Regierungstisch befinden sich die sämtlichen minister mit dem Reichskanzler an der Spitze Das Haus und die Tribünen sind stark besetzt, auch die Diplomatenloge. Ruf der Tagesordnung steht die Eniseegz##ei, der Regierungserklärung. Präsident Lobe erteilt sofort dem Reichskanzler Müller das Wort zu seinen Ausführungen. Der Reichskanzler führte u. a. aus: Die Gestaltung des Haushaltsplanes für 1930 hängt eng zusammen mit der Frage, ob der Young-Plan angenommen wird oder nicht. Diese Frage soll auf der bevorstehenden Haager Konferenz entschieden werden. Die Reichsregierung hat schon vor Wochen den Beschluß gefaßt, den Reichétag grundsätzlich mit der Frage der Finanzreform noch vor Weihnachten zu befassen. Bereits damals hat der Reichstagspräsident, den Termin für die Aussprache auf den 13. Dezember vorgeschlagen. Den letzten Anstoß dazu, daß die früher beginnen kann, hat das Memorandum des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht gegeben. Wenn ich genötigt bin, mich mit den Ausführungen des Reichsbankpräsidenten kritisch zu befassen, so liegt darin keinerlei Beeinträchtigung der großen Verdienste, die sich der Reichsbankpräsident Scha auf der Pariser Konferenz, erworben hat. Aber ich muß betonen, daß die Reichsregierung der Veröfsentlichung des Reichsbankpräsidenten mit Befremden gegenübersteht. In der Denkschrift Schachts handelt es sich um die wesentlichsten Punkte, die die deutschen Sachverständigen schon bei den Pariser Verhandlungen beschäftigt haben und bei denen es ihnen eben nicht gelungen ist, den Erfolg zu erzielen, den sie gewünscht hatten. Die Reichsregierung hat das bedauert, aber daraus keinerlei Vorwürfe gegen die deutschen Sachverständigen hergeleitet. Der Sachverständigenbericht hat in einer größeren Anzahl von Fragen die Entscheidung der Reichsregierung überlassen. Dies bedeutet naturlich auch, daß bei den Verhandlungen in der letzten Zeit die Gegenseite nicht das Entgegenkommen und das Verständnis für unsere schwie rige Lage gezeigt hat, als hier erwartet wurde. Die angeblichen Verschlechterungen des Young=Planes bestehen darin, daß Deutschland auf der Haager Konferenz au einen fünfmonatigen überschuß von 400 Milslionen verzichtet habe, die ungeschützten Johreszahlungen ermöglicht und mit dem deutsch=belgischen Markabkommen eine zusätzliche Belastung auf sich genommen hat. Deutschland kann aber wechiöion, Poilauf des Deung=Füergg ben wird auf eine Reihe von finanziellen Anspruchen verzichtet. Der Kanzler gibt zu, daß diese Verzichte eine Interestenschädigung der deutschen Gläubiger zur Folge haben Alle deutschen Zugeständnisse sind nur gegen wertvolle Gegenleistungen Polens gemacht worden. Polen verzichtet auf das Recht zu weiteren Liquidationen und aus das Wiederkaufsrecht. Bezüglich der Saar wird zurzeit ein deutsch=französisches Einvernehmen in Verhandlungen gesucht. Diese Erörterungen sind nicht mit Rücksicht auf den Young=Plan begründet, sondern aus dem Bestreben nach einer Gesamterledigung der schwebenden politischen Fragen. Nunmehr beginnt der Reichskanzler die innenpolitischen zu besprechen. Ein Finanzprogramm ist mit großer Ungeduld gefordert worden. Wenn die Reichsregierung heute nur die Grundzüge darlegt, so liegt das in der Notwendigkeit, bis zum Abschluß der Verhandlungen über den YoungPlan der Regierung die Entschlußfähigkeit zu wahren. In Übereinstimmung mit der Reichsregierung hat Dr Schacht erklärt, eine der Voraussetzungen für die Young=Planes sei die Ordnung der Finanzen und der Wirtschaftspolitik. Das Reformprogramm der Reichsregierung umfaßt zwei große Aufgaben: die Schaffung eines wirklichen Gleichgewichtes des Haushaltes für die kommenden Jahre und die Bereinigung des ungedeckten Extraordinariums. Zur Entlastung der Kassenlage 1929 wird trotz starker Einschränkung der Ausgaben ein Fehlbetrag von mehr als 300 Millionen Mark verbleiben. Die durch den Young=Plan eintretende Entlastung wird gerade ausreichen, um die Fehlbeträge aus, 1928 und 1929 abzudecken. Für 1930 wird ein großer Entlastung durch den Loung=Plan zum Ausgleich des Eiats Verwendung finden müssen. Alle noch so berechtigten und lauten Rufe zur Entlastung der Wirtschaft uind zwecklos, wenn nicht der Eratsausgleich gesichert wird 1930 bringt dic Notwenz gleut, höhere Beträge für die Wertschaffung der Arbeitslosenfürsorge einzusetzen, die Krisenfürsorge zu er hen, das landwirischaftliche Notprog; amm kor zuführen, die Kosten für ein Grenzprogramm und ein Abrechnungsgesetz mit den Ländern einzustellen und auch andere Ausgaben auszugleichen. Das wird nur mit Hilfe einer zygcmäßigexen Verrgeltuggsggg e gge eefe bir Die beahschugte Steuerreiorw. B Zuuiz, De Pghenminde eine Entlastung und für die Zukunft Ausgagenminderung brii sen. Aus dem Young=Plau werden für 1930 noch 350 Millionen Mark zur Entlastung der Wirtschaft zur Verfügung stehen. Die Reichsregierung glaubt aber, dazu noch etwa 400 Millionen Mark zu benötigen. Diese sollen durch Erhöhung der Biersteuer um 100 Millionen Mark und der Tabaksteuer um 120 Millionen Mark den. Der Wirtschaft würden dann insgesamt 750 Migionen Mark zur Verfügung stehen. Beim Finanzplan der Reichsregierung soll der steuerfreie Teil des Einkommens heraufgesetzt werden. Die Kinderermäßigungen werden verbesseri und die Steuerstaffelung auseinandergezogen. Die Einkommensteuerreform wird so auch der minderbemittelten Bevölkerung zugute kommen. Die Zuckersteuer wird kommen beseitigt, die Gewerbesteuer wird um 20 Prozent, die Grundsteuer, um zehn Prozent gesenkt, werden. Die Aufbringungslast für die Industriedotigulignen, soll, aumählich aufgehoben werden, ebenso die Rentenbankzinsen. Das Steuersenkungsprogramm umfaßt genau 915 Millionen Mark Bei der Sanierung der Arbeitslosenversichebringt etwa 100 richen Gndten,„Du. Hrisehens 25 Seschen ue een eie. tehseseh e borung über die Martfrage. ereiel, witd. lichen Belastung kann also auch hier nicht die Rede sein. Der Kanzler kommt nunmehr auf die politischen Verträge und die Gaarfrage. „D# deutsch pelnische Pkommen sutz; auf den. Poizach=Plaues. Sowohl deutscher, wpie poluischerseits steht aber noch ein jährlicher Fehlbettag von 100 Millionen Abreise des Nuntius Pacelli. Coll Pacekli Kardinal=Staatssekretär werden? Donnerstag um 20.25 Uhr ist Nuntius Pacelli vom Anhalter Bahnhof über München nach Rom abgefahren. Das Ehrengeleit gaben ihm das diplomatische Korps und Tausende Berliner Katholiken. Sämtliche katholischen Vereine und Organisationen bildeten von der Nuntiatur in der Rauchstraße bis zum Anhalter Bahnhof ein Fackelspalier. Das Spalier war über drei Kilometer lang. In der Rauchstraße wurde das Spalier von den akademischen Verbindungen mit ihren bunten Mützen gebildet. Ueberall, wo sich der Nuntius zeigte, brach die Menge in Hochruse aus. Auf dem Bahnhof wurde der Nuntius im Fürstenzimmer von Bischof Schreiber, dem diplomatischen Korps und Außenminister Curtius, den preußischen Ministern Schmidt, Steiger und Becker, sowie den Staatssekretären Schubert, Meißner, Pünder, Lammers und Trendelenburg, dem Vorsitzenden des Zentrums im Reichstag, Brüning, dem Berliner Polizeipräsidenten Zörgiebel ung dem Kommandeur der Schutzpolizei in Berlin, Heimannsberg, empfangen. Fünf Minuten vor Abfahrt des Zuges geleiteten die Genannten den Nuntius auf den Bahnsteig, wo ihn eine hundertköpfige Menge mit stürmtschen Hochrufen begrüßte. Vom Fenster des Wagens aus schüttelte der Nuntius den Umstehenden bis zur Abfahrt die Hünde. Unter Hochrufen und Hüteschwenken und unter den Klängen des Papstliedes setzte sich der Zug in Bewegung. Italienische Blätter wollen wissen, daß die schnelle Adberufung von Nuntius Pacelli deshalb erfolgt sei, weil der Papst ihn zum Kardinal=Staatssekretär ernennen wolle. Märk gegenüber. Die Reichsreglerung hät deshalb einer Erhöhung der Beiträge um 0,50 Prozent zuzustimmen. Diese Regelung soll nur bis Ende Reichskasse benötigt zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen Ende Dezember eines 330=Millionen=Kredites. Der Kanzler weist daraus hin, daß die gegenwärtige Reichsregierzugriche gp# starkes Kassendefizit übernehmen mußte. 500 Millionen Mark des Defizits sollen durch die Anleihen in bezug auf holzmonopol gedeckt werden. Alle außerordentlichen Ausgaben sollen zukünftig nur durch Sondergesetze geregelt werden. Für die übergangszeit hält die Reichsregierung, swei Sondermaßnahmen für unbedingt erforderlich: Die sofortige Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um ein haibes Prozent und die sofortige Erhöhung der Tabgssteuer. 5h fn Prast zu seten. Er hoff auf Grund Zieser. Netznahmen mit Zuversicht, daß es gelingen Waznggmen flassig sorderlichen Kassenkredite durch besondere Matznagmen flüssig Reichskanzler Müller forder zum Schlutz seiner Auskührungen den Reichstag auf, sich mit großer Mehrheit zu den Grundzügen dieses Regierungsprogramms zu bekennen. Lomm: die Reichsregierung nicht in den Besitz eines klaren Vertrauensvotums, so würde der Zusammentritt der Haager Schlußkonferenz ernstlich in Frage gestellt sein. keiten nicht überwunden werden, tritt eine schwere Erschütterung der Finanzen mit ihren Rückwirkungen auf die Wirtschaft und alle Teile der Bevölkerung sicher ein. Ebense würden Folgerungen für die Fortführung der Sozialpolitik und den kulturellen Stand des Volkes entstehen. Die ernste Stuade fordert schuelle Entschlüste, Aogihagtscgwser sgtesten ihre Bedenlen zurückstellen, wenn die Win guuzg pie Reichg. des Reiches bald überwunden sein sollen.“ regierung hat unter Zurückstellung gegensätzlicher Auffassungen einmütig auf das Programm hingewiesen. Die Parteien müssen sich bewußt sein, daß es um das gemeinsame Interesse des dentschen Volkes geht. So, nur so lann das Aufbauwers der letzen zehn Jahre vor schweren Störungen bewahrt und Nach der Reichskanzlerrede vertagt sich, das Haus au Freitag. Neue Verhaubtungen zwischen Regieruug und Reichstag. Verschiebung der Reichstagssitzung von 11 auf 15 Uhr. Berlin, 13. Dez. Im Reichstage trasen heute vormittag.10 Uhr die Regierungsparteien mit der Reichsregierung zu erneuten Verhandlungen zusammen. Die Verhandlungen drehten sich darum. eine Formel zu finden, unter der eine Verständigung für das Vertrauensvotum möglich erscheint. Wie verlautet, sollen die Bemühungen dahin nicht assichts os sein. Nach der Besprechung mit der Reichsregierung hi lten die Parteiführer eine gesonderte Beratung ab. und darauf werden die Reichsminister wieder erscheinen um das Ergebnis der Verhandlungen entgegenzunehmen. Bei der Wich igkeit der Frage wurden alle Ausschußsitzungen abgesagt. Die heutige Sitzung des Reichstages, die um 11 Uhr beginnen sollte wird erst am (1. um 15 Uhr ihren Anfang nehmen. Die parteien und das Finanzprogramm. Zentrum und Volkspartei abwartend. Die Zentrumsfraktion des Reichstages, in der Abgeordneter Brüning über die Mittwoch=Verhandlungen Bericht erstattete, faßte zwar keinen formellen Beschluß, brachte aber gleichwohl zum Ausdruck, daß sie, unter Vorbehalt ihrer Stellungnahme zu den Einzelheiten, einmürig dem Programm## der Reichsregierung zuzustimmen entschlossen ist. Daber murhe ala keibftverkändlich vorausgzkagt dos die andeuer der Reichsregierung zuzustimmen entschlossen ist. Daber wurde als selbstverständlich vorausgesetzt, daß die anderen Regierungsparteien eine ähnliche Haltung einnehmen. Der Gedanke, die Finanzreform auf dem Wege über ein Ermächtigungsgesetz zu erledigen, wurde von der Fraktion einhellig abgekehnt. In der Sitzung der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei wurden neue Beschlüsse nicht gefaßt. Die Fraktion will zunächst die Erklärung der Reichsregierung abwarten, um dann zu der Frage der Durchführung des Fiuanzprogramms Stellung zu nehmen. Der Kampf um das Sofortprogramm Schacht mit dem Regierungsprogramm nicht einverstanden. Nach der Plenarsitzung des Reichstages fand im Reichstag eine Besprechung der Parteiführer stan Die Frattion der Deutschen Volkspartei will für das Regierungsprogramm eintreten, wenn alle Regierungsparteten das gleiche tun und wenn in das Vertrauensvotum das Regierungsprogramm mit bestimmten Formutierungen mit aufgenommen wird. Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat die Regierung wissen lassen, daß das vorgeschlagene Sofortprogramm nichtgenüge, um die Kreditfähigkeit des Reiches zu sichern. Insbesondere bedeute die Beitragserhöhung bei der Arbeitslosenversicherung keinen Zufluß für die Reichskasfe Der Reichsbankpräsident hat ferner eine Reihe weiterer Forderungen aufgestellt und u. a. die sofortige Erhöhung der Biersteuer verlangt. Dr. Schacht erschien im Lause des Abends persönlich im Reichstag, wo### den gliedern des Reichskabinens verhanvekte. Sparkommissar oder Spardiktator? Rede Hilferdings im Haushaltsausschuß des Reichstages. Der Haushaltsausschnß, des Reichstages beschäftigte sich mit dem volrspartenichen Antrag über die Stärkung der Stellung des Reichssparcommissars. Abg. Heimann(Soz.) erklärte hierzu, er halte das Vorgehen der Deutschen Volkspartei für einen Vorstoß gegen die Arbeitsgemeinschaft der Regierungsparteten, da eine Unterrichtung der anderen Parteien nicht stattgefunden habe. Die Sozialdemokraten müßten die Anzräge aus verfassungsrechtlichen, praktischen und politischen Grunven ablehnen. Reichsfinanzminister Dr. Hilferding erklärte u. a., die Reichsregierung halte die Einrichtung eines Reichsspark missars für dringend erforderlich, habe aber gegen den Antrag grundlegende Bedenken, die der Reichssparkommissar selbst teile. Die Fe einem Gesetz ausgeschlossen. Staatsministers Sämisch zum sewelligep Pohgt,„ sparkommissar dürfe nicht in einen unda#routen Gegensatz zum Reichsminister der Finanzen und zum Kabinett selbst gehracht werden. Im übrigen sei der Antrag verfassungsNach einer Rede des Abg. Cremer(D. Pp.) und des Reichssparkommissars Sämisch vertagte sich der Ausschuß. Preußischer Landtag (111. Sitzung.) tt. Berlin, 12. Dezember. Der Preußische Landtag verabschiedete zunächst das sogenannte Wuppergesetz. Nach der Vorlage soll für das Niederschlagsgebiet der Wupper von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein, jedoch mit Ausnahme des Niederschlagsgebietes der Dhünn, eine Genossenschaft mit dem Namen „Wupperverband“ gegründet werden. Der Verband soll den Wasserschatz der Wupper und ihrer Nebenflüsse verwalten. Darauf setzte das Haus die Etatsberatung fort. Abg. Dr. Falk(Dem.) meint, die freie Wirtschaft müsse erhalten bleiben; eine Kapitalbildung müsse wieder möglich gemacht werden. Schwer laste auf der Wirtschaft der hohe Diskoni und die ungeheuren Steuerlasten. Abg. Ladendorff(Wirtschaftspartei) hält es für unmöglich, einen so kostspieligen Verwaltungsapparat zu unterhalten, wie wir ihn uns leisten In Deutschland werde viel zuviel regiert und verwaltet, werde viel zu sehr die Privatinitiative gehemmt, Der Fürsorgestaat mit seiner Faulheitsprämie müsse endlich verschwinden! Wir sollten endlich wieder zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen Selbständigkeit und des freien Wettbewerbes kommen,., wünsch; ainen WöhanAbg. Christians(Dt. Fr.) wunschie einen Abbau der teueren pädagogischen Akademien, durch die die zukünftigen Landlehrer von der Landbevölkerung entfremdet werden. Seine Fraktion werde für äußerste Sparsamkeit eintreten und Agitationsanträge bekämpfen. Die Regierung sollte endlich mehr als bisher ihre Versprechungen gegenüber dem Abg. Kaufmann=Elberfeld(Nau.=Soz.) wandte sich gegen die Erfüllungspolitik des Reiches, deren Folge die Vernichtung der wirtschaftlichen Substanz sei. Abg. Winzer(Soz.) betonte, wenn die Landwirtschaft immer so große Mittel vom Staat fordere müsse sie erst einmal im eigenen Hause Ordnung schaffen. Mit dem Hilferuf der Landwirtschaft an den Staat vertrage sich nicht die Aufforderung des Reichslandbundes für den Volksentscheid einzutreten, der ja die Leiter des Staatswesens ins Zuchthaus bringen wolle. re Das Haus vertagt darauf die Weiterberatung auf Freitag. Die ostpreußische Frage. Freiherr von Gayl gegen ein Reichsland Ostpreußen. Wie aus Königsberg berichtet wird, hat Freiherr von Gayl, Mitglied des Reichsrats und des Preußischen Staatsrats, Stellung zur Ostpreußenfrage genommen. Er fordert, der Gedanke, Ostpreußen zum Reichsland zu muchen, sollte aus der öffentlichen Erörterung verschwinden. Nichi auf Veränderungen des staatsrechtlichen Charakiers Ostpreußens, sondern aus sofortige und wirksame Hilfe komme es an. Das Reich habe das Geld, Preußen habe die Ausführung. Der Weg vom ersten Entschluß zu einer Hilfsmaßnahme bis zu ihrer örtlichen Ausführung sei zu lang und zu sehr mit Hemmungen aller Art besetzt, als daß rasch und erfolgreich gehandelt werden könne. Ostpreußen habe daher ein Lebensinteresse an der alsbaldigen Beseinigung dieser Zustände und an einer durchgreifenden Reform der staatsrechtlichen Struktur des Reiches. Alle diese Fragen könnten aber endgültig nur für das ganze Reich gelöst werden. Ostpreußen könne nicht auf Hilfe warten, bis eine allgemeine und befriedigende Lösung für das ganze Reich tatsächlich durchgeführt sei. Es müsse daher versucht werden. unter den bestehenden Bedingungen Abhilfe zu schaffen. Ostpreußen brauche ein Gegenstück zu dem Minister für die besetzten Gebiete. Parteipolitische Einflüsse und Erwägungen aller Art hätten die Verwirklichung des Gedankens immer wieder verhindert und verhindern sie auch noch heute. Habe Ostpreußen erst den Mann mit maßgeblichem Einfluß in Berlin selbst, so bedürfe es nur des festen Willens des Reichs= und des Landeskabinetts, um einen bescheidenen Teil aller allgemeinen Sachfonds für Ostpreußen vorweg zu verwenden, und so trotz der Finanznot Mittel zur laufenden Hebung der Provinz bereitzustellen. Treviranus oder Hugenberg? Der weitere Landesvorstand des Landesverbandes Westfalen=Ost und beide Lippe der D. N. V. P. nahm Stellung zu den Vorgängen in der Partei. Mit allen Stimmen, bei drei Enthaltungen, wurde folgende Entschließung angenommen:„Ter Landesvorstand Westfalen=Ost und beide Lippe der D. N. V. P. bedauert den Austritt verschiedener Abgeordneter, insbesondere auch das Ausscheiden des Abgeordneten Treviranus. Der Landesvorstand hat jedoch nie ein Hehl daraus gemacht, daß er den zu Kompromißlösungen neigenden Standpunkt der jetzt ausgeschiedenen Abgeordneten nicht billigt. Er vermag deshalo auch jetzt die ron ihnen getanenen Schritte weder in sachlicher noch in persönlicher Hinsicht als begründet anzuerkennen. Der Landesvorstand steht in einmütiger Geschlossenheit nach wie vor zu seinem Parteiführer Dr. Hugenberg, dessen klare und zielbewußte Leitung allein vorwärts zu führen vermag, und spricht ihm sein volles Vertrauen aus. Es ist für uns selbstverständlich, daß, wie bisher unter Fugenbergs Führung, die alten christlich=nationalen und sozialen Grundsätze auch in Zukunft aufrechterhalten bleiben.“ Konstituierung der Deutschnationalen Arbensgemenlschaft. Travirauus zum Vorsitzenden gewählt. Die Deutschnationale Arbeitsgemeinschaft hat ihre vorläufige Konstituterung vorgenommen Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vorsitzenden wurde einstimmig der Abgeordnete Treviranus betraut. Der Christlichsoziale Verein in Berlin stellte sich in seiner Außerordentlichen Generalversammlung einstimmig. auf d Seite der Abgeordneten der Deutschnationalen Arbeitsgemeinschaft des Reichstages. Die autertauische Zachihaustebeite. Ende der Sträflingsmeuterei in Auburn. Acht Todesopfer. Im Staatsgefängnis Auburn im Staate Newyolk, wo die Sträflinge meuterten, ist die Ordnung vollständig wiederhergestellt worden. Die Kämpfe haben etwa sechs Stunden gedauert. Etwa 2000 Mann an Truppen, Polizei und Hilfskräften verschiedener Art waren aufgeboten. Die Gesamtzahl der Todesopfer beträgt acht, davon sieben Sträflinge. Außerdem werden noch drei Wärter vermißt. Man glaubt aber annehmen zu können, daß sie am Leben sind und sich verborgen halten. Fünf Führer der Meuterei wurden in der Ecke eines Zellenblocks erschossen, nachdem sie sich geweigert hatten, sich zu ergeben. Die Zahl der Verletzten ist bis jetzt noch nicht festgestellt worden. Bisher wurden sieben Gefängniswärter mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. In den anderen amerikanischen Staatsgefängnissen hatte man bei Bekanntwerden der Meuterei umfangreiche Vorbeugungsmaßnahmen getroffen. Die Sträflinge wurden jedoch nicht daran gehindert, die durch Rundfunk verbreiteten Nachrichten über die Meuterei in Auburn mit anzuhören. * Vereitelte Massenflucht aus einem französischen Gefängnis. Einem in allen Einzelheiten ausgearbeiteten Fluchtversuch von etwa 200 Gefangenen ist man im Gefängnis von Limoges in Frankreich auf die Spur gekommen. Ein Schwerverbrecher, dem es bereits mehrere Male gelungen ist, auszubrechen, hatte sich Nachschlüssel verschafft und sich während des Spazierganges auf dem Gefängnishofe mit anderen Gefangenen in Verbindung gesetzt. Man beschloß, lange Stricke anzufertigen, um einen Teil der Gefangenen an der Mauer herabzulassen. Die übrigen Gefangenen sollten die sieben Wärter erdrosseln. In letzter Minute kam der Plan dadurch, daß in einer der Zellen ein Strick aufeefunden wurde, ans Licht. Das Staatsgefängnis von Anburn. Erncutes Aufflackern der amerikanischen Zuchthausrevolte. Truppenverstärkung angefordert. Nachdem es zeitweise gelungen war, den Widerstand der aufrührerischen Zuchthäusler in Aubourne zu brechen und die Haupträdelsführer festzunehmen, ist es einer zweiten Gruppe, die man offenbar nicht genügend beachtet hatte, geglückt, einen neuen bewaffneten Widerstand zu organisieren. Etwa 200 Mann haben sich im Südwestflügel des Gebäudes verbarrikadiert und Angriffe der Truppen niedergeschlagen. Nach den bisherigen Feststellungen fehlen etwa 14 Wärter, die vermutlich von den Aufrührern festgehalten werden. Starke Truppenabteilungen greisen die Aufrührer des Zuchthauses mit Tränengasbomben an und man versucht, die Stahltüren des Gebändes mit Sauerstofsgeblssen zn öffnen. Die Aufrührer haben sich des gesamten Wassecklagers des Zuchthauses bemächtigt und richten ein wildes Feuer gegen die Truppen, die Verstärkungen zur Niederwerfung des Aufstandes angefordert haben. Unterschlagungen eines ehemaligen türkischen Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, hat der ehemalige türkische Handelsminister Ali Dschenani Unterschlagungen in Höhe von 70 000 türkischen Pfund(140000 Mark) begangen. Er ist flüchtig. Wie man annimmt, hält er sich in Cyrien verborgen. Der kommende Staatspräsident Griechenlands. Weitgehende Vollmacht für Venizelos. Auf der Tagung der griechischen Parteiführer wurde nach Athener Meldungen beschlossen, Venizelos unbeschränkte Vollmachten hinsichtlich der Auswahl des neuen griechischen Präsidenten zu gewähren. Die Wahl des Präsidenten des Senats, Zaimis, am kommenden Sonnabend gilt in politischen Kreisen als gesichert. Kleine telegraphische Meldungen Der Kanzler beim Reichspräsidenten. Berlin. Der Reichspräsident empfing den Reichskanzler zum Vortrag über die politische Lage. Demokraten für das Kabinett. Berlin. Die demokratische Reichstagsfraktion beschäftigte sich nach der Plenarsitzung mit der durch die Regierungserklärung geschaffenen Lage. Sie brachte zum Ausdruck, daß bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Lage eine Regierungskrise katastrophale Folgen haben müsse. Die demokratische Fraktion wird daher dem vor der Regierung geforderten Vertrauensvotum zustimmen, ebenso den Initiativ= anträgen, die zur Erledigung des Sofortprogramms eingebracht werden sollen. Familiendrama. Nürnberg. In der Burgkmaierstraße 15 wurden der 30jährige städtische Bautechniker Johann Röder, dessen 25 Jahre alte Ehefrau und das dreijährige Töchterchen tot aufgefunden. Röder hatte sich eine Schußverletzung in den Hinterkopf beigebracht, seine Frau hatte auch einen Kopfschuß, desgleichen das Kind. Die Tat scheint bereits am Dienstag erfolgt zu sein. Eine tschechoslowakische Zuckerfabrik eingeäschert. Prag. Wie aus Preßburg berichtet wird, brach in der Zuckerfabrik A.=G. Karl Stummer bei Topoltschan ein Brand aus, der das ganze Fabrikgebäude, das größte der Tschechoslowakei, einäscherte. Der Schaden wird auf ungefähr 30 Millionen Kronen geschätzt und ist nur zum Teil durch Versicherung gedeckt. Die Ursache soll Brandstiftung sein. Ausbruch von Sträflingen aus einem mexikanischen Gefängnis. Mexiko. Aus Tehuacan(Staat Puebla) wird gemeldet, daß 25 Sträflinge aus dem Gesängnis ausbrachen, nachdem sie einige Wächter angegriffen und verwundet hatten Merkblatt für den 14. Dezember. Sonnenaufgang 7 5 Mondaufgang Sonnenuntergang 15°4 Monduntergang 1716: Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz gest. Weihnachts- und Neujahrsglückwunschtelegramme Zum bevorstehenden Weihnachts= und Neujahrsfest sind wieder Weihnachts= und Neujahrsglückwunschtelegramme zu ermäßigter Gebühr in den Tagen vom 15. Dezember bis einschließlich 5. Januar zugelassen. Bei rechtzeitigem Eingang werden die Telegramme am 1. Weihnachtstage bzw. am Neuahrstage und an den Vorabenden zugestellt. Im Inlandsverkehr werden die Telegramme für die Empfänger sämtlich auf Schmuckblatt ausgefertigt. Die Wahl des Schmuckblattes unter den vorhandenen acht Schmuckblättern bestimmt der Absender durch den vor die Anschrift zu setzenden Vermerk:„GIx“ nebst Schmuckblattnummer, z. B. „GLx 7“. Unter Nr. 7 steht ein dem Zweck besonders angepaßtes neues Kunstblatt„Weihnachtstanne und Silvesterglocke“ in Zweifarbenkupferdruck zur Verfügung. Die Inlandsglückwunschtelegramme können eine beliebige Textjassung erhalten, nur muß der Text als Glückwunsch oder als Gruß unzweiselhaft erkennbar sein. Man kann aber auch einen setten Feri benntzen. 25 derartige, bei den Telegrammannahmestellen einzusehende Texte sind zur Auswahl##### handen. Jeder feste Text zählt nur als ein Der Absender hat im Urschrifttelegramm in dem sonst für de Text benutzten Raum lediglich die der gewünschten Fassung entsprechende Nummer in Buchstaben anzugeben, z. B.„dreißig neun"; in die Ausfertigung für den Empfänger wird der Text mit vollem Wortlaut ausgenommen, z. B. in dem gewählse## Falle der Text Nr. 39:„Wir wünschen ein recht frohes Fest und grüßen herzlichst.“ Die Gebühren betragen einschließtich Schmuckblattausfertigung 1,50 Mark im Orts= und 1,75 Mart im Fernverkehr für ein Telegramm bis zu zehn Wörtern: jedes weitere Wort kostet 5 Pfennige. Im Auslandsverkehr sind Glückwunschtelegramme zu ermäßigter Gebühr nur nach bestimmten Ländern zugelassen. Nach einigen dieser Länder müssen feste Texte benutzt werden. Schmuckblattausfertigung haben nur wenige Länder zugelassen. Die Gebühren für die Telegramme sind bis zu einem Drittel der vollen Sätze und teilweise noch mehr ermäßigt. Über alles Nähere geben die Telegraphenanstalten Auskunft. :: Die musitalische Rundfunkwoche. Am Sonntagabendbringen die Westdeutschen Sender eine Wiederholung der entzückenden Operette„Der fidele Bauer", von Leo Fall. Was die melodische Erfindung und die Feinheit der Technik anbelangt, ist Leo Fall einer der besten modernen Wiener Operettenkomponisten. Unter der Fülle seiner Werke hat der„Fidele Bauer", als eine seiner frühesten Operetten, seinem Namen in der Welt als Operettenkomponist Geltung verschafft. Für die Aufführung der Westdeutschen Sender sind auch diesmal wieder auswärtige Gäste herangezogen worden. Wertvolle Kammermusik bringt der Montag, und zwar am Nachmittag Lieder von Brahms und Wolf und Klavierwerke von Peters und Reger. Die Ausführenden sind Gertraud Lucas(Alt), Rudolf Peters (Klavier) und Josef Breuer(Begleitung). Am Abend spielt das Köhler=Heller=Quartett, Duisburg, in der Folge„Einsame Musik“ je ein Streichquartett der nordischen Komxonisten Sinding und Grieg. Einen durchaus volkstümlichen Charakter trägt die Kammermusik des Mittagskonzerte am Dienstag. Unter oft gehörten Werken, wie die Klaviersonate in B=dur von Mozart, ferner bekannten Liedern von Schubert und Schumann, wird auch das sogenannte„Kaiserquartett" von Haydn zum Vortrag kommen, während das Streichquartett in cemoll von Beet hoven die volkstümliche Kammermusikstunde beschließt Für den Deutschen Abend am Mittwoch, ausgeführt vom Orchester des Westdeutschen Rundfunks, unter Leitung von Dr. Wilhelm Buschkotter, ist Professor Max Strub, Berlin gewonnen worden, der das herrliche Violinkonzert in D=dur von Beethoven spielen wird. Als Einleitung dieses Abends kommt das Concerto grosso in g=moll von Händel zum Vortrag, während die Vierte Sinfonie in e=möll von Brahms das Konzert beschließt. Nach der Funkwerbung spirlt anschließend das Große Orchester des Westdeutschen Rundfunks als unterhaltsamen Ausklang deutsche Tänze. Am Freitagabend findet eine Uebertragung des WeihnachtsOratoriums von Richard Wetz aus der Stadthalle in Münster statt. Das Werk dieses begabten zeitgenössischen Tonsetzers wird von Generalmusikdirektor Dr. von Alpenburg aus der Taufe gehoben. Die Sopranpartie singt Hanna Seebach=Ziegler, die Baßpartie Fred Drissen. )) D i e w e s t f ä l i s c h e n S p a r k a s s e n. D e r Z u f l u ß a n S p a r einlagen bei den westfälischen Sparkassen im Monat November war wieder reichlich. Die Spareinlagen nahmen um 10 Millionen Mk. zu, gegen 9 Millionen Mk. im Vormonat und gegen 12,8 Millionen im Monat November des Vorjahres. Der Gesamtbestand der Spareinlagen beläuft sich auf 809 Mill. Mk., Die Giro= und Kontokorrenteinlagen stiegen um 2 Millionen auf 106 Millionen Mk., sodaß der Gesamteinlagenbestand bei den westfälischen Sparkassen 915 Millionen Mk. beträgt. Es wurden ca 20 000 neue Sparbücher ausgestellt. )) Die Landesbank und das Pfandbriofamt für Hausgrundstücke. Die Bilanzsumme der beiden Institute belief sich Ende November 1929 auf 489 Millionen Mk. Die Umsätze betrugen 648 Millionen Mk. In den Verhältnissen betr. Kreditgewährung ist gegenüber den Vormonaten keine Aenderung eingetreten. 1413 Häßlich gefärbter Zahnbelag:„Ein Kummer waren stets meine gelben Zähne. Nachdem ich alle Hilfsmittel angewandt hatte, versuchte ich es mit Chlorodont und die Wirkung war erstaunlich Heute erfreue ich mich gesunder weißer Zähne.“ Gez. E. Jacobi, Landsberg a. d. Warthe. Die englische Besetzung in Wiesbaden bendet. * Die englische Fahne eingeholt. Die letzten englischen Besatzungstruppen haben Wiesbaden verlassen. Der englische Oberkommandierende verer..: Die Niederhblung der englischen Flagge. abschiedete sich mit einer deutschen Ansprache von den staatlichen und städtischen Behörden. Er schloß seine An[Prüche, indem er dem Wunsche nach allgemeinem Frieden und gegenseitigem Einvernehmen zwischen den beiden Völkern Ausdruck verlieh. In seiner Antwort schloß sich Regierungspräsident Ehrler dem Wunsche des Generals für die künftigen Beziehungen zwischen den beiden Völkern an. Darauf erschien die britische Ehrenkompagnie vor dem Hotel Hohenzollern. Nachdem der englische Oberkommandierende mit seinem Stabe zum letztenmal in Deutschland die Ehrenkompagnie abgeschritten hatte, wurde unter den Klängen der englischen Nationalhymne die Fahne eingeholt. Damit hatte die englische Besetzung ihr Ende erreicht. )) Die Provinzial=Lebensversicherungsanstalt von Westkalen hatte im Monat November einen Antragszugang von rund 2,2 Millionen Mark. !! D i e M i c c h i s t v i l l i g e r g e w o r d e n. D e r M i l c h a u s s c h u ß der Provinz Westfalen hat in seiner Sitzung vom 9. Dezember die Milch um 2 Pfg. herabgesetzt. Paberborner Stadtchronik vom 13. Dezember 1929. Paderborrer Arbeitsmarktbericht vom 4. bis 10. Tczember. Die Arbeitslosigkeit machte einen weiteren beträchtlichen Fortschritt. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger stieg in Alu und Kru von 1974 auf 2202, das sind 228 Zugänge. Diese verteilen sich auf die 4 Kreise wie folgt: Alu Kru Kreis Paderborn Kreis Höxter Kreis Warburg Kreis Buren männl. 510 936 155 472 weibl. 18 14 3 2 männl. weibl. 67 6 9008 37 76 B Die Zahl der Arbeitsuchenden stieg von 2795 auf 3075, das sind 280 Zugänge. Es erfolgten 45 Ueberweisungen und 30 Vermittlungen. 28 offene Stellen sind z. Z. vorhanden. In Notstandsarbeiten sind 96 Per onen beschäftigt. Sämtliche Außenberufe gehen dazu über, ihre Arbeiten allmählich vollständig einzustellen. Daher kommen in erster Linie Angehörige der Außenberufe zur Entlassung. Im Baugewerbe hat die Arbeitslosigkeit weiter zugenommen. In der Mehrzahl kamen Maurer und Malen zur Entlassung. Die Entlassungen erfolgen wegen Beendigung der Arbeiten, nicht wegen Witterungseinflüsse. Auf dem Ange stelltenmarkt nahm die Zahl der Arbeitsuchenden um 7 Personen zu. Zum großen Teil kamen jugendliche zur Entlassung. Der weibliche Arbeitsmarkt zeigte gegenüber der Vorwoche insofern eine Belebung, als eine größere Vermittlungsmöglichkeit bestand. In der Landwirtschaft herrscht augenblicklich die übliche Winterruhe. Die Hauswirt chaft zeigte auch etwas mehr Lebhaftigseit, doch besteht immer Lnoch ein Ueberangebot von Arbeitsuchenden. In der Lano wir tschaft herrscht weiter Ruhe. Lediglich werden ab und zu perfekte, ausgebildete Kräfte nachgefragt. Es wurden vermittelt: 2 Melker, 7 Aushilfskräfte(zu Drescharbeiten). Offene Stellen sind vorhanden: 1 Knecht, 2 Burschen, 2 Schweinefütterer. * Schweres Anwetter in Paderborn und Umgegend Schon seit einigen Tagen ist der ozeanische Sturmwirbel auch in Ostwestfalen vorgedrungen. Unter seinem Einfluß wurde die ganze Wetterlage zu einer katastrophalen gestaltet. Zahlreiche Meldungen gehen ein über erhebliche Schäden, die der Sturm angerichtet hat. Ganz besonders stark wirkte sich die Unwetterperivde am gestrigen Donnerstag nachmittag aus. Im weiten Umkreise von Pai derborn trat starke Finsternis ein. Schwere Gewitterwolken bedeckten den Horezont und bald gab es grelle Blitze und Donnergrollen wie an schwülen Sommere gen. Der Sturm erreichte dabei eine ganz seltene Stärke. Eine ganze Reihe von Dächern wurden mehr oder weniger beschädigt. Fensterscheiben wurden eingedrückt und Bäume umgeworfen. Strichweise gesellte sich zu dem starken Regen auch Hagel, so namentlich im Delbrücker Gebiete und in Lipve. Noch stärker wie bei uns hauste das Unwetter in Lippe und in der Herforder Gegend. In Detmold wurde das Dach eines von vier Familien bewohnten Hauses durch den Sturm weggetragen. Den Familien mußten anderweit Obdach angewielen werden. Weiter wurde eine Giebelwand der Westdeutschen Holzindustrie eingedrückt und ein Holzschuppen umgeweht. Auch der Zaun des Svortvlatzes fiel dem Orkan zum Opfer. In Elverdissen schlug der Blitz in ein landwirtschaftliches Anwesen, das in Flammen aufging. Nur das Vieh und wenige Möbelstücke konnten gerettet werden. Die Stärke des Sturmwirbels hat inzwischen nachgelassen: aber auch heute ist noch keine bemerkenswerte Besferung der Wetterlage eingetreten. Die unzeitgemäße warme Temperatur hat ebenfalls nur wenig nachgegeben. !! Das neugewählte Stadtverordnetenkollegium wird am nächsten Freitag zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. :: Der neue Kreistag ist, wie schon mitgeteilt, auf nächsten Montag zu seiner ersten Sitzung einberufen. !! Zu einer Verkehrsstockung kam es gegen mittag in der Heierstraße an der Ecke Krämergasse. Tort herrschte heute insbesonders wegen des Viehmarktes auch ein reger Fuhrwerksverkehr. Als der Straßenbahnzug nach Lippspringe vom Bogen herankam, scheute das Pferd eines von der entgegengesetzten Seite kommenden Bierwagens. Das Pferd stand plötzlich zwischen den beiden Straßenbahnwagen und wäre sicher mit fortgerissen worden, wenn der Straßenbahnwagenführer nicht auf Anrufen der Passanten seinen Zug zum Halten gebracht hätte. Immerhin ist es wohl einem glücklichen Zufall zuzuschreiben, daß das Tier keinen nennenswerten Schaden erlitt. Es entstand aber eine größere Verkehrsstockung an dieser ohnehin viel zu engen Straßenecke, ebenso fehlte es nicht an dem üblichen Menschenauflauf. Gerade an dieser Ecke haben sich schon häufiger Verkehrsunfälle ereignet. Das Eckhaus(Krämerstraße) stellt für den starken Verkehr in dieser Straß: und an dieser Ecke ein schweres Verkehrshindernis dar. Man sollte daher seine Beseitigung oder Zurücksetzung in die Linie des neuen Gerlachschen Hauses als unbedingte Notwendigkeit ernstlich in Betracht ziehen. :,: Weihnachtskonzert des Musikvereins. Mittwoch, den 18. Dezember, um 20 Uhr, im Hansaheim. Das Konzert ist eine stimmungsreiche Vorandacht für das kommende Freudenfest. Alte und neue Weihnachtsmusik wird dargeboten. Voran der berühmte östimmige Chor„O admirabile Commercium“ des Königs aller Chorpolyphonie Palestrina. Der in Paderborn hochgeschätzte Hansmaria Dombrowski ist mit zwei tiefansprechenden Chorliedern, Johannes Hatzfeld mit einer seiner unnachahmlichen Volksliederbearbeitungen vertreten. Wie alljährlich zu Weihnachten, singt auch diesmal der Madrigalchor die drei schlichten Marienlieder seines Dirigenten Otto Siegl, welche seit ihrer ersten Aufführung(zu Anfang des Jahres 1926 als der Komponist in Paderborn seine Visitenkarte ab gab) in vielen deutschen Städten erklungen sind. Von besonderem Reiz ist auch das Weihnachtschorlied Ludwig Webers. Zum erstenmal erscheint damit der Name dieses hochbegabten Komponisten auf unseren Programmen. Ludwig Weder, Lehrer für Theorie an der Folkwangschule in Essen ist der erfolgreichste Komponist der Jugendbe wegung. Seine Musik ist durchaus polyphon, kerndeutsch und von starker reiner Eigenart. Die bedeutenden Schwie rigkeiten seines vielstimmigen Weihnachtsliedes(welches übrigens wie manche andere der aufgeführten Chöre auf Schallplatten zu hören ist) können nur von einem Chor gemeistert werden, der wie unser Madrigalchor auf modernen Grundlagen geschult ist und der vollständig vertraut ist mit allen Problemen der neuzeutlichen Kunst. Solistin des Konzerts ist die vorzügliche Essener Sopranistin Aenne Niegemann. Sie bringt Lieder von Cornelius, Wolf und Courvoisier zum Vortrag. Am Flügel wird sie begleitet von Heinz Baumann, dem bekannten Kritiker der Essener Volkszeitung.(Anzeige folgt in der Dienstagsnummer.) (?) Die Jahresgedächtnisfeier der Ellenden Bruderschaft, die am Dienstag und Mittwoch stattfand, hatte wohl eine zahlreiche re Beteiligung aufzuweisen wie in den letzten Jahren, sie ist aber doch gegen die Teilnehmerzahl in der Vorkriegsz it doch als tlein zu bezeichnen. Es sollen schon an die 300 Ellendenbrüder bei der Jahresfeier vereinigt gewesen sein. Man hat wohl die veränderten Verhältni se, unter denen heute die Jahresfeker stattfindet, als den Hauptgrund für die kleiner gewor dene Teilnahme anzusprechen. Es wurde ja auch schon mitgeteilt, daß eine Um= oder besser gesagt Neuorganisation der Ellenden Bruderschaft auf dem Wege sist. Dadurch hofft man auch wieder zu dem durch die Inflation verloren gegangenen Bruderschaftskapi tal zu kommen und wenn dieser Plan gelingt, werden die Jahresfeste wieder das werden, was sie früher waren. An dem Gottesdienst beteiligten sich mehr Mitglieder wie an der weltlichen Feier dem„Ellendenessen." Stark 50 Mitglieder hatten sich immerhin dazu im Bürgerverein eingefunden. Die vorangegangene Feier in der Gokirche nahm den gewohnt erhebenden Verlauf. Im letzten Jahre dat die Bruderschaft übrigens 20 Mitglieder durch den Tod verloren, ein Grund enehr, um durch Neuorganisation auch eine äußere Erstarkung der Bruderschaft zu erreichen. :,: Stadttheater. Dienstag, 17. Dezember, 20—22,15 Uhr, in vollständiger Neueinstudierung„Flachsmann als Erzieher“, die interessante Schulkomödie v. Otto Ernst, der als Lehrer das Milieu der Schule genauestens kannte, in diesem seinem dramatischen Meisterwerk amüsante Typen schildert und Erziehungsprobleme in reizvollster Handlung diskutiert. Die Komödie ist das erfolgreichste Werk des Dichters. Die nächste Vorstellung findet erst Donnerstag, 2. Januar 1930 statt. Vorverkauf: Junfermannsche Buchhandlung. !! Steuerkarten 1930. Das Finanzamt teilt mit: Das Neueste vom Tage. Vom Freitag bis 13 Uhr. Die Schlußätzung des Landtages. Berlin, 13. Dez. Der Landtag trat um 11 Uhr zu seiner letzten Sitzung zusammen. Nach Erledigung kleinerer Vorlagen wurde die Etatsberatung fortgesetzt. Finanzminister Höpher=Aschoff ging auf die Vorhaltungen ein, die wegen der Stützung der Ostbank ge macht wurden. Diese sei im Interesse der ohnehin schwer leidenden ostpreußischen Wirtschaft ein Gebot der NotwenDie„Bremen" beschädigt. Newyork, 13. Dez. Der deutsche Dampfer„Bremen“ der sich gegenwärtig auf der Reise nach Amerika befindet, ist am Vorderdeck durch den starken Sturm beschädigt worden. Einzelheiten fehlen noch. Frankreichs Schulden an Amerika. Washington, 13. Dez. Das amerikanische Parlament hat heute der Vorlage auf Regelung der Schulden Frankreichs an Amerika zugestimmt. Die franzö ische Kammer stimmte bereits im Sommer zu. Danach beziffern sich die französischen Schulden an Amerika auf 18 Rilliarden Goldmark. digreit gewesen. Kleine Funkmeldungen. An der französischen Westküste ist seit 24 Tagen ein Leuchtturm durch den Sturm vollkommen von dem Verkehr abgeschnitten. Die Besatzung ist ohne Lebensmittel. In Belgien ist ein Flugzeug durch den Sturm zum Absturz gebracht worden. Die zwei Insassen wurden getötet. Ein starker Föhn hat in Bayern großen Schaden in den Wäldern angerichtet. Bei Straubing wurde ein Dampfer von dem Sturm an das Ufer geworsen und schwer beschädigt. Ein amerikanischer Arzt will nach 6jähriger Arbeit den Erreger der Jufluenza und ein Mittel zu ihrer kämpfung entdeckt haben. Der Gevurtenüberschuß in Deutschland ist für das erste Halbjahr 1929 erheblich höher wie bisher gemeldet wurde. Er liegt mit 134000 Köpfe über der Sterblichkeitsziffer. Abzüglich der Auswanderer hat die Bevölkerung um 112000 Personen neu zugenommen. Wetterbericht. Das südwestliche Hochdruckgebiet wird von einem neuen kräftigen Tiefdruckausläufer verdrängt. Wettervorhersage für Samstag: Wieder veränderlich, zeitweise Regen. Grund des§ 377 Reichsabgabenordnung aus. Das Finanzamt ist angewiesen, im gegebenen Falle die Strafe zu verhängen. Die Arbeitgeber sind durch das Handelsamt veranlaßt, diesen Hinweis durch Anschlag in den Betriebsstätten bekannt zu geben. Turnen, Sport und Sviel Westdeutscher Spielverband. Mit einem großen Ereignis wartet die Gruppe 3 der 1. Handballlasse des Westdeutschen Spielverbandes auf. Am kommenden Sonntag, den 15. Dezember 1929 findet auf dem Sportplatz des Sportvereins Preußen ein Gau=Handballauswahlspiel zweier Mannschaft statt, die auf Anordnung des Westdeutschen Spielverbandes aus nachstehenden Vereinen zusammengestellt sind: D. S. S. Gütersloh, Spiel und Sport Gütersloh, Preußen, Paderborn. Das Spiel dient neben der Propaganda für den schönen Handballsport der Ermittlung der Gruppenvertretung, die am 19. Januar 1930 in Münster gegen eine Gruppenvertretung des Gaues Münster zu kämpfen hat. Der Anwurf ist auf 14,30 Uhr auf dem Sportplatz in der Infanterie=Kaserne festgesetzt. Handel und Börse. si 40 ge#t, sins Paderkorner Viehmarkt vom 13. Dez. Auftrieb: 71 Pferde, 37 Stück Rindvieh und 1224 Schweine. Der Handel war bei-Pserden und Rindvieh mäßig, bei Schweinen dagegen so flott, daß der ganze Bestand geräumt wurdet Es kosteten: Pferde geringere 80 bis 180 M., mittlere 200 bis 550 M., gute 550—750 M.; Rindvieh geringere 330 bis 380 M., mittlere 430—480 M., gute 480—550 M. Schweine: 6 Wochen alte Ferkel 25—30 M., 8 Wochen alte 30 40 M., 13 Wochen alte 40—50 M. Biehmarkt in Brakel. Auf dem am Dienstag zu Brakel stattgefundenen Viehmarkte kosteten gute 6=Wochenferkel 18—25 M. Der Handel war flott. :) Geseker Schweinemarkt vom 12. Dezember. Es waren zirka 400 Tiere aufgetrieben. Die Preise hielten sich noch auf alter Höhe. Es kosteten 6 Wochen alte Ferkel 24—26 M., für 7—8 Wochen alte wurden 27—30 M. bezahlt. Der Handel war sehr lebhaft. Der Markt wurde geräumt. ): Kram= und Viehmarkt in Lippstadt vom 11. Dez. Der Auftrieb an Pferden und Rindvieh war zwar gering, jedoch die Auffuhr von Schweinen groß. Es wurden folgende Durchschnittspreise gezahlt: für 6 Wochen alte Ferkel 20 bis 23 M., 8 Wochen alte 25—30 M., 10 Wochen alte 35 Schlages wurden 130—150 M. und für Schlachtpferde 60 bis 40 M.; Läuferschweine kosteten 60—70 M. Erstklast sige Pferde waren nicht aufgetrieben. Für Pferde mittleren bis 120 M. gezahlt. Tragende Rinder kosteten 270—330 M. geber zu übergeben. Arbeitnehmer die ihr rechtzeitig abgeben, setzen sich der Gefahr einer Bestrafung auf Druck und Verlag der Paderborner Anzeiger und Verlagsdruckerei A.=G. in Paderborn. Geschäfts= und Schriftleitung Martin Wagner, in Paderborn. Allen Anhängern der Pfarrer Feumann'schen Heilmitter geben wir bekannt, daß die Pfarrer Heumann'schen Heilmittel künftig in allen hiesigen Apotheken zu haben sind, bezw. bestellt werden können, bestimmt aber in der Hauptniederlage: Hirsch=Apotheke Paderborn Ueber 172.000 Das Pfarrer Heumann=Buch, 272 Seiten stark, reichillustriert, ein wertvoller häuslicher Ratgeber in vielen Krankheitsfällen, wird auf Wunsch jedermann völlig gratis gesandt durch Ludw. Heumann& Co., Rürnberg M. 214. Dankschreiben! die viel Freude bereiten, finden Sie in gediegener u. schöner Auswahl bei Jos. Fuchs, Gold- u. Süberschmied, Paderborn Rosenstraße 5 LIM Könserven erste Qualitäten Einheitspackung Gemüse-Eibsen Dose 50 Pl. 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Brüggemann Konrao, Geschäftsführer " Paderborn, Karlstr 9 Stellvertreter; 4, Wibbeke Johann, Fließenleger, Padervorn, Kettlerstr. 1 5. Dr Esser Josef, Syndikus, Paderborn Benhauserstr. 5 6. Brüggemeier Konrad, Zinnarbeiter, Jesuttenmauer 24. Paderborn, den 11. Dezember 1929 Der Wahlleiter gez. de Voys. Bürgermeister. Fort mit Gbbn und Unede letzanschluss ist Mode. 2.-5 RUHREN FOR ORTSUND BELIEBIGEN FERNEMPFANG Spitzenleistuungen Lundfunktechnik ERRM TLICH NALLEN FACHGESCHRETEN Reparaturen an Rundfunk =geräten gleich welcher Art führt prompt und zewlesenheit Ane Feur aiz Licht- Kraft- Radie Pacerborn Kamp 12 Kamp 12 Für den Muue emplehlen wir als stets willkommene ethnachtsgeschenke M teerulun eotue tun B###nzi#er wit nle. ole. n allen Jormaten mit lDamenaufdruck in moderner Ausführung. Schnellste und Stll# a#e Lieserung. ins Mlog####n## K.=C. Pannaolftr. 15 Daderoorn Jernruf 3215 Versammlung d. erangl Bürgervereins B d Lippspringe am Sonnabend. den 14. Dez. 1929, abends 8¼ Uhr im Gasthof zur Post (Ruhe) zu der sämtliche evangl Bürger herzlich eingeladen sind. C ,En.“ wird immer groter, wenn Sie ein schlechtsitzendes und lä tiges Bruchband tragen Dusch solhe Bänder verschlimmert sich das Leiden und kann zur Todesursache we den(Esentsteht Brucheinklemmung die operiert werden muß und den Tod zur Folge haben kann) Fragen Sie Ihren Arzt. Hat dieser eine Bandage verordnet, dann muß es in Ihrem Interesse liegen, sich meine außerst bequeme, unverwüstliche Spez al-Bandage anfertigen zu lassen. Durch Tag- und Nachttragen meiner Bandagen hab nsich nachweislich Bruchleidende selb-t geheilt. Weram-tr. A. B. schreibt u. a:„Mein schwerer Leistenbruch ist geheil. ich bin wieder in meinem 66. Lebensjahre ein ganzer und glücklicher Mansch!“ Landwirt Fr St schreibt u.a:„Ich sehe mich genötigt, Ihnen nach 2 Jahren meinen innigen Dank auszusprechen wurdeich ganz efreit von meinen Leiden Bandagen von RM. 15. an Für Bruch- und Vorfall-Leidende kostenlos zu sprechen in: Paderborn, 19 Dez. v 9—5 Uhr im Hotel zur Post BrilonStadt, 18 Dez.v S- 11¼ Uhr im Bahr hofhotel. Büren i,W, 18. Dez v.2- 6 Uhrim Hotel Ackfeld. Lippstadt. 20.Dez v8—12 Uhr m Hotel Köppelmann. Außerdem nach Maß in garantiert Taibbättsbuur u. übertroffener Au sführ K. Ruffing. Spezialbandagist, Köln Richard-Wagnerstr. 16. Bekanntmachung. Im Auftrage der Kämmereikasse in Paderborn werden am 14. Dezember 1929, vormit ags 10 Uhr, auf dem. Hofe des Herrn Kauimarn Senger, Grube, hierselbst die nachorzeichneten gepfändeten Sachen, nämlich 1 Schlafzimmer neu, 1 Büfett(Eiche) neu 1 Kredenz öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden. Padervorn, den 12. Dezember 1929 Hellinge. Vollz. Beamter. 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Aber auch noch ein weiteres ging aus dieser Dentschrift hervor: sie gab wieder, was die deutschen Unternehmer und Industriellen denken und wünschen. Sosehr geschah das, sosehr betrachtete man die Sitzung des Reichsverbandes als entscheidend für die Zukunft der deutschen Wirtschaft, daß man einen der größten Säle Berlins benutzen mußte, um die zur Teilnahme an der Sitzung Herbeigeeilten interzubringen.„Aufstieg oder Niedergang“ war ja der Titel der Denkschrift des Reichsverbandes gewesen— und der hatte alarmierend gewirkt. An den Anfang gestellt zu werden verdient ein Wort des ersten Vorsitzenden des Reichsverbandes, Geheimrats Quisberg, daß das deutsche Unternehmertum in seiner Gewiß erlärt sich auch die deutsche Ahuiperhanden, weivollem Umfange mit den Einzelheiten einverstauten, Weil sie„in den Vorschlägen der Regierung die große wirtschaftspolitische Linie vermisse". Die deutsche Wirtschaf will keine halben Maßnahmen, sie verlangt ganze will keine Kompromisse, sondern fordert grundsätzliche Auch bei der Finanzreform steht im Hintergrund der Kampf zwischen öffentlicher undprivater Wirtschaft. Die Denkschrift des Reichsverbandes war selbstverständlicherweise ganz darauf eingestellt, die Privatwirtschaft, die Initiative des Einzelmenschen als Unternehmer, in den Vordergrund wirtschaftlicher Betätigung zu stellen. Aber der deutsche Unternehmer ist, wie GeheimDuisberg seine de Wirtischäfzssgorn ist burchaus nicht der Länder rechnen muß. Der neue Reichswirtschaftsminister Dr. Meo g#n.## beizu ühren. Das muß selbstverständlich zu einem Zusammenstoß führen mit dem System der Sozialpolit Eu diesen Zusammenhang des Kapitalistisch=Wirtschaftlichen ben Blüies bet Bltischelt, Setes gene t veramm beschlosen Mitglieder zähle. Der neue Reichsdie vier sozialistische Milglieber zuhle. Der neue vir wirtschaftsminister Dr. Moldenhauer unterstrich besondern, daß es sich bei diesem Programm nicht darum handeln könne, nur einzelne Teile durchzuführen, sondern nur das Ganze, nicht etwa nur das„Sofortprogramm“, also die Erhöhung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung und die Heraufsetzung der Tabaksteuer. Andernfalls würde er die Verantwortung für sein Amt keinen 2 blick weiter tragen.“ Und es ist mehr als nur ein Frozume, Wunsch, wenn der Reichswirtschaftsminister err Einle Ausdruck gibt, daß die deutsche Wirtschaft Vertrauen haben möge zu der jetzigen Reichsregierung.. „Gebt Raum der Unternehmeriniriative“ war der Inhalt der Rede, die dann einer der bekanntesten deutschen Wirtschaftsführer, Dr. Silverberg, als Antwort auf die Ausführungen des Ministers gehalten hat. Er war gar nicht unbescheiden. Er bat nur darum, daß die Länder und Kommunen, dazu das Reich, etwa fünf Prozent ihrer Ausgaben streichen würden; das gäbe nämlich schon eine Ersparnis von 800 Millionen!„Ohne eine durchgreifende Verwaltungsresorm ist die Ausgabenverkürzung auf die Dauer durchaus nicht durchzuführen.“ Zur Finanzreform verlangte Dr. Silverberg aber gewisse Zusatzbestimmungen, die im Interesse des Reiches für die Beseitigung der Finanzkalamität liegen würden: erhöhten Tabakzol! underhöhte Alkoholbesteuerung. Im übrigen stellt er sich etwa auf den Boden des Reformprogramms der Regierung. geht aber noch weiter in der Forderung, Industrie und Landwirtschaft durch Milderung der direkten Besteuerung zu entlasten. Nicht zuletzt müsse eine grundsätzliche Steuerreform darauf abzielen, diejenigen, die neue Steuern oder Steuererhöhung beschließen, auch zum Tragen dieser neuen Belastung zu verpflichten. Außerdem wird von Dr. Silverberg eine sehr eingehende Kontrolle der öffentlichen Finanzwirtschaft verlangt, nich zuletzt auch hinsichtlich der Anleihepolitik, und bemerkenswert ist sein Vorschlag, die bei Einführung des YoungPlanes verschwindende Belastung durch die Industrie. obligationsschuld bei den Unternehmen mit mehr als fün Millionen Mark Betriebsvermögen beizubehalten, aber die daraus sich ergebenden sechs Prozent jährlich in Interesse der Landwirtschaft zu ver wenden, um damit lebensfähige Betriebe zu ent schulden; das würde einen Fonds von etwa 1,25 Mili liarden ergeben. Die Industriebelastung müßte nach Er ledigung dieser kreditpolitischen Aufgabe wegfallen. Einen breiten Raum nahm natürlich die Debatte über die kreditpolitische Situation ein. Der Reichs. verband stellte sich selbstverständlich auf den Standpunkt daß die kreditpolitischen Wünsche der Öffentlichen Hanl schärfster Kontrolle unterliegen müßten, also die Beratungsstelle eher noch auszubauen als etwa abzuschaffer sei. Begrüßt werden müßte der Versuch der Kommunen, durch Inanspruchnahme der Sparkassen ihre schwebenden Schulden zu konsolidieren,— aber nur unter der Voraussetzung, daß sie hinterher nicht wieder auf dem Kreditmark erscheinen! Nr. 299 Zweites Blatt Die Sondertagung des Reichsverbandes der beutschen Inbustrie am 12. Dezember in der Berliner Skala, wo 3000 Industrielle zusammengekommen waren, um zu den brennenden Problemen der deutschen Wirtschaft Stellung zu nehmen. Eingeleit#et wurde die Tagung durch eine Ansprache des Präsidenten des Reichsverbandes, Geheimrats Duisberg(im Ausschnitt). Das Bild gibt einen Blick auf die Tafel des Präsidiums. Arteil im Schneidemühler Nordprozeß. Beide Mörder zum Tode verurteilt. Im Schneidemühler Mordprozeß wurden die beiden wegen Ermordung des Viehhändlers Lasch Angeklagten Baginsti und Lihugg wegen gemeinschaftlichen Raubmordes zum Tode verFerner wird auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt. Wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugsversuchs wird Baginski zu fünf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust, Libuda zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Mildernde Umstände werden den Angeklagten nicht zugebilligt. Die beschlagnahmte Mordwaffe wird eingezogen. Die Begründung des Hirschberger Arteils Grobfahrlässige Handlung des Angeklagten. Bei der Begründung des Urteils gegen den Grafen Stokberg=Wernigerode führte der Vorsitzende u. a. aus: Das Gericht ist nicht zu der Überzeugung gekommen, es könnte ein Vatermord vorliegen. Das Gericht hat einstimmig keine Motive für den Vatermord gefunden. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war nicht nur gut, sondern geradezu deal Bertetztes Ehrgefühl kommi nicht in Betracht Auch sonst war keis Koufliktstoff im Hause vorhanden, daß der Sohn die Waffe gege seinen Vater hätte richten müssen. Gegen eine Affekthandlung spricht die Lage des Toten und die Ausführung des Schusses. Was die Möglichkeit eines Mordes betrifft, so hätte der Angeklagte viel leichter zu der Büchse greifen können, die gespannt stets hinter dem Vater stand. Noch viel leichter hätte er einen Mord auf der Jagd begehen können. Es habe sich kein hinreichender Verdacht für den Nord ergeben.....„5z, g6 TArlatsien Tzlne Weiter habe das Gericht geprust, ob fahllassige Tolung vorliege. Der Angeklagte habe jedoch selbst gesagt:„Ich und nur ich habe diesen Schuß abgegeben!“ Den Gedanken, daß Mutter und Schwester als Täter in Frage kommen könnten, habe man ablehnen müssen. Im übrigen habe sich beim Lokaltermin ergeben, daß durch ein kräftigen Schlag tatsächlich das Gewehr losgehen konnte. Das Gericht ist zu der Überzeugung gekommen, daß der Angeklagte nicht die geringste Vorsicht hat walten lassen, obwohl er mit der Wasse vertraut gemacht worden ist. Der Angeklagte hat grob fahrlässig gehandelt und mußte daher diese Strafe erhalten. Tumult im Beriiner Stadtparlament. Eingreifen der Polizei. Beim ersten Zusammentritt des neuen Berliner Stadtparlaments kam es zu unerhörten Tumultszenen und Zusammenstößen. Kommunistische Demonstranten mischten sich unter großem Lärm unter die Stadtverordneten. Mehrere Polizeikommandos waren nötig, um gegen die Ruhestörer vorzugehen. Für Erhaltung des Berufsbeamtentums. Eine Entschließung des Verwaltungsrates der Reichspost. Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost hat eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Der Verwaltungsrat spreche dem Reichssparkommissar sowie seinen Beauftragten den Dank für die schwierige und beachtenswerte Arbeit aus und ersuche den Reichspostminister, aus diesen Darlegungen diejenigen Folgerungen zu ziehen, die notwendig seien, um den Erfordernissen des Betriebes und der Verwaltung und den berechtigten Interessen des Personals gerecht zu werden. Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost vertrete nach wie vor die Ansicht, daß der Post=, Telegraphen=, Fernsprech= und Postscheckdienst im Interesse der Allgemeinheit auf dauernd erforderlichen Beamtendienstposten auch weiterhin von Berufsbeamten wahrgenommen werden müsse. Es erscheine ihm daher notwendig, daß für die Heranziehung eines genügenden und gut ausgebildeten. Beamtennachwuchses Sorge getragen werde. Als Nachfolger Pocellis auf dem Posten des päpstlichen Nuntius in Berlin gilt Monsignore Testa, Botschaftsrat an der neuen Nuntiatur beim Quirinal. In Deutschland ist er seit der Zeit des Ruhrkampfes, während dessen er sich für die leidende deutsche Bevölkerung mit größter Fürsorge einsetzte, wohlbekannt. Politische Rundschau Deutsches Reich Einspruch des Einzelhandels. Die Hauptgemeinschaft des Einzelhandels hat sich mi einer Eingabe an den Reichsrat gewandt, damit dieser dem vom Reichstag beschlossenen Gesetze des früheren Ladenschlusses am Weihnachtsheiligabend seine Zustimmung versage. Begründet wird die Forderung mit der Taisache, daß der Markthandel in das Gesetz nur insofern einbezogen ist als den Landesregierungen empfohlen wird, im Markthandel den gleichen Ladenschluß am Heiligabend durchzuführen. Die bayerischen Titel Aus München wird zum Urteil des Staatsgerichtslofes in der Frage der Titelverleihungen mitgeteilt, daß die Regierung das Verboi des Staatsgerichtsyofes zunächst als unabänderlich hinnehmen werde. Zu der Frage ob mit diesem Urteil für die bisher durch Titelverleihungen ausgezeichneten Persönlichkeiten das Recht fortfalle. die Titel weiter zu führen, wird bemerkt, daß die Fragvor dem Staatsgerichtshof nicht zur Diskussion gestanden hat. Sparmatznahmen in Heffen. Bis zur Beschlußfassung über jene Rotmaßnahmen die wegen der ungünstigen Finanzlage des Staates vorgesehen werden müssen, sollen nach Beschluß des Ministe. riums alle Anstellungen und Beförderungen bessischer Staatsbeamter unterbleiben. Durch diesen Beschluß werden Aufrückungen in höhere Gehaltsgruppen vorläufig unterbleiben. Das in der Besoldungsordnung vorgesehene Aufrücken von einzelnen Stufen und Gehaltsgruppen nach Dienstjahren wird jedoch davon nicht berührt. Italien. Für Wegfall der Unterseeboote. Wie die Londoner Presse meldet, sei anzunehmen, oaß Italien nach einer sehr langen und sorgfältigen Besprechung aller bestehenden Verhältnisse nunmehr beschlossen habe, sich dem amerikanischen und englischen Wunsch nach einer vollständigen Abschaffung der Unterseeboote anzuschließen. Der italienische Außenminister Grandi werde zu Beginn der Londoner Flottenkonferenz eine diesem Entschluß entsprechende Erklärung abgeben. Dieser Standpunkt werde von Italien eingenommen, gleichgültig, ob auch Frankreich oder Japan sich für die Abschaffung der U=Boote einsetzen wird oder nicht. Aus In- und Ausland Berlin. In der Sitzung der deutschnationalen Reichstagsfraktion wurde durch Zuruf einstimmig der Abgeordnete Dr Oberfohren zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Ebenfalls durch Zuruf wurden einstimmig die Abgeordneten Berndt und Koch=Düsseldorf zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Bern. Im wetteren Verlauf der Regierungswahlen wurde der jetzige eldgenössische Finanzminister. Bundesrat Musy, zum Bundespräsidenten für das Jahr 1930 gewählt. Kabul. Im Bezirk von Kohidama nordwestlich von Kabul sollen Unruhen ausgebrochen sein. König Nadir hat eine Strafexpedition dorthin entsandt. 20 der Unruhestifter wurden enthauptet. Weiterhin heißt es, daß am 5. Dezember weitere neun Personen in Kabul wegen einer Verschwörung gegen König Nadir hingerichtet wurden. Die„Einden“ von der Weltreise zurück. Der Kreuzer„Emden“ ist von seiner zweiten Weltreise nach Wilhelmshaven zurückgekehrt. Die Reichsmarine verbindet mit der seemnännischen und fachmänniichen Ausbildung des Offiziersnachwuchses eine außenpolitische Mistion. Man kann das Schiff gewissermaßen als einen D###lomaten ansehen, der die Aufgabe hal durch seine Reiser die durch den Krieg unterbrochenen Fäden mit fremden Mächten wiederauszunehmen oder fester zu knüpfen. Die„Emden“ hai dies auch bei ihrer zweiten Reise in hervorragendem Maßr getal Die Fahri, die am 5. Dezember v. I. begann ging zunächst nach Nordspanten, dann durch die Straße von Gibraltar nach der ostspanischen Küste. Cartagena von bier aus weiter nach Italien, Griechenland und nach di: Türket An der Stelle, an der im Kriege der Kreuzei„Breslau“ untergegangen war. wurde dieses Schisfes durch eine Gedenkfeier und Versenken eines eisernen Kreuzes gedacht. Die Reise ging dann weiter durch den Suezkanal, nach Britisch= Ostafrika, wo der Hasen Bombassa besucht wurde. Die Östertage verbrachte das Schiss im Indischen Ozean. über Niederländisch=Ostindien ging die Reise dann weiter nach der Südsee, wo zumersteumal seit dem Kriege ein deutsches Kriegsschift Neuseeland anlief. Die Einladungen konnten kaum alle angenommen werden, jeder wetteiferte, den deutschen Matrosen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Das Einireten für die durch das dortige Erdbeben Geschädigten, die Teilnahme an einem Dankgottesdienst für den der Genesung entgegengehenden englischen König, woben ein wirkliches Freundschaftsband zwischen der„Emden“ und der Bevölkerung. Im Juli ging die Reise weiter durch den Stillen Ozean über Samoa, Honolulu nach der westamerikanischen Kufte von dort durch den Panamakanal über Curacao und Trinidad und den Kanarischen Inseln wieder nach Wilhelmshaben zurhsk. Vermischtes O Der letzte Flüchtlingstransport in Eydtkuhnen. Mit dem jetzt in Eydtkuhnen angekommenen Flüchtlingstransport von 682 Personen dürfte der letzte Schub der deutschen Rußlandflüchtlinge auf deutschem Boden eingetroffen sein. Es sind jetzt im ganzen 5050 Flüchtlinge arch die Grenzübernahme in Eydtkuhnen gegangen. Wies heißt, sollen sich noch 1200 Flüchtlinge in Moskau be. finden und auf die Ausreiseerlaubnis warten. Es ist demnach nicht ausgeschlossen, daß noch zwei weitere Flüchtlingstransporte in Eydtkuhnen ankommen. Die Übernahme= und Sanierungseinrichtungen sollen deshalb erst allmählich abgebaut werden. O Nistroy entlastet. Der unter dem Verdacht, der Düsseldorfer Mörder zu sein, in Nowawes bei Potsdam,verhaftete Knecht Georg Nistroy ist von der Be. Kriminalpolizei eingehend vernommen worden. Ein bei ihm vorgefundenes benutztes Billett eines Düsseldorfer Theaters entlastete ihn von dem Verdacht, der Mörder der Maria Hahn zu sein. Da auch die Personalbeschreibung auf ihn nicht zutrifft, ist damit zu rechnen, daß er nach Ab schluß der Vernehmung aus dem Gewahrsam entlan. werden wird. O Von entflohenen Sträflingen überfallen. In einen Herrenbekleidungsgeschäft in Osnabrück erschienen zwei Männer und verlangten von dem Inhaber Anzüge. er ihnen die Anzüge vorlegte, bekam er plötzlich mit einem Totschläger einen Schlag auf den Hinterkopf. Bevor er das Bewußtsein verlor, konnte er aber noch um Hilse rufen. Im gleichen Augenblick waren die Täter geflüchtet. Vau Passanten auf der Gtraße gelang es jedoch, einen der Täter zu stellen und festzuhalten. Später konnte die Kriminalpolizei auch den zweiten Täter festnehmen. Die Untersuchung hat ergeben, daß es sich um zwei uus der Strafanstalt in Klarholz entwichene Strafgefangene, die beide auch noch die Anstaltskleider trugen, handelt. Der Geschäftsinhaber hat eine schwere Kopfverletzung davongetragen, doch besteht keine Lebensgefahr. ( Schweres Verkehrsunglück bei London. In Enfield, einem nördlichen Vorort von London, stieß ein Straßenbahnwagen mit einem Omnibus zusammen. Fünf Personen wurden dabei getötet und zwanzig verletzt. (9 Wolkenkratzer mit Zeppelinankermast. Der Neubau, der jetzt in Newyork an Stelle des ehemaligen WaldorfAstoria=Hotels errichtet werden soll. wird 85 Stockwerke hoch sein und einen Ankermast für Zeppelinluftschiffe, der noch etwa 70 Meter höher emporragen wird, erhalten. Bunte Tageschronik Raugard. Der Gärtnereibesitzer Kräntz und seine Ehefrau sind von hier spurlos verschwunden. Sie werden des betrügerischen Bankroits beschuldigt und steckbrieflich verfolgt. London. Nach einer Meldung aus Madagastar sind die drei französischen Flieger, die vermißt wurden, von dem Dampfer„Gallioni“ ausgefunden und gerettet worden. Spiel und Sport Sp. Der Deutsche Fußballbund konnte bisher noch nicht bestimmen, wo das Länderspiel gegen Italien stattfindet, da die Verbände trotz mehrfacher Aufforderung immer noch nicht ihre Stimme abgegeben haben. Auch die Entscheidung darüber, ob ein außerordentlicher Bundestag stattfindet oder nicht, steht zurzeit noch aus. 8p. Am Brüsseler Sechstagerennen nehmen drei Deutsche teit, und zwar Göbel=Frankenstein sowie Buschenhagen, der mit Pier van Kempen fährt. Aus dem Gerichtssaal s Noch keine Berufung gegen das Hirschberger Urteil. Die Meldung, daß Graf Christian Friedrich zu Stolberg=Wernigerode gegen das Hirschberger Urteil Berufung eingelegt habe, trifft nicht zu. Die Verteidigung ist sich über eine einzulegende Berufung noch nicht schlüssig geworden. Ob ein Antrag auf Bewährungsfrist gestellt werden wird, ist gleichfalls noch nicht entschieden. und Handel Amtliche Berliner Notierungen vom 12. Dezember. * Börsenbericht. Tendenz: Behauptet. Die Börse setzte lustlos und zum Teil schwächer ein. Die Grundtendenz war jedoch ziemlich widerstandsfähig, was auch darin zum Ausdruck kam, daß die aus Provinzverkäufen an den Marki kommende Ware willige Aufnahme fand. Da sich für Reichsbankanteile lebhafte Nachfrage zeigte, die man in erster Linie auf ausländische Interessennahme zurückführte, kam bald eine freundliche Stimmung zum Durchbruch, die auch eine Belebung des anfangs minimalen Geschäftes zur Folge hatte Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5,50 bis 7,50 Prozent, teilweise auch darunter zu haben. Monatsgeld erforderte weiter 8,25 bis 10 Prozent. Nach Festsetzung der ersten Kurse wurde das Geschäft allgemein lebhafter, ausgehend vom Reichsbankmarkt an dem weitere Kursgewinne zu verzeichnen waren. Im Verlaufe hielt sich die freundliche Stimmung bei mäßigen Kurserholungen. Später flaute das Geschäft etwas ab, doch konnen sich die erzielten Kursgewinne behaupten. &* Devisenbörse. Dollar 4,17—4,18; engl. Pfund 20,35 bis 20,39; holl. Gulden 168,41—168,75; Danz 81,39—81,55; franz. Frau 16 42—16 46: schwei: 8108—81.24: Bola. 5839—58.51: Jialien 21,84—21.88; schweb. Krone 112,57—112.79: 6äu. 112.61 bis 112.23; norweg. 111,86—112,08; tschech. 12.38—12.40; österr. Schilling 38.74—56.86; Argentinien 1.71—1.72: Spanien 58.03 bis 58.15. * Produktenbörse. Im Anschluß an die schwache Haltung des Auslandes, besonders Nordamerikas, gingen die Rotterungen zurück, obgleich das Inlandsangeboi eher etwas geringer geworden ist. Es hält indessen die Stagnation von seiten des Konsums an, so daß der Markt mangels Anregung in den Preisen weiter abbröckelte. Getreid= und Olsaaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark. Weiz., märk. vommersch. Boge- märt., Flaugerste Futtergerste Sommergste. Wintergerste Hafer, märk. pommersch. westpreuß. Weizenmehl p. 100 kg fr. Brl. br. inkl. Sack(seinst. Mrk. u. Rot. osootg ft. Berlin dr. 11. 19. 11.011. 10010 24.0•28.0 21.0•22.0 20.5222.0 19,0•21.0 26.0•26,0 13.7-14, 16.5-17=2 18.4-18.0 23.8-24.0 82 8.5 * Amtliche Berliner Butternotierung. 1. Qualität 171, 2. Qualität 156, abfallende Butter 140 Mark per Zentner. * Ermäßigung des Londoner Diskontsatzes. Die Bank von England hat ihren Diskontsatz um ½ Prozent von 5½ auf 5 Prozent ermäßigt. * Berliner Magerviehmarkt.(Marktbericht vom Magerviehhof in Friedrichsfelde.) Auftrieb: 718 Rinder, darunter 677 Milchkühe, 41 Jungvieh, 197 Kälber 390 Pferde. Verlauf: Schleppendes Geschäft verbleibt Überstand. Es wurden gezahlt: Milchkühe und hochtragende Kühe 290—600 M. je nach Qualität. Tragende Färsen 270—480 M. je nach Qualität. Jungvieh zur Mast: Bullen, Stiere, Färsen 38—44 M. je nach Qualität.— Pferdemarkt. Je nach Qualität 150 bis 1100 M., Schlachtpferde 40—150 M. Tendenz: Ruhig.— Schweine= und Ferkelmarkt. Auftrieb: 296 Schweine und 494 Ferkel. Verlauf: Ruhiges Geschäft bei wenig veranderten Preisen. Es wurden gezahlt im Großhandel für: Läuferschweine 4—6 Monate alt 65—85 M., Pölke 3—4 Monaie alt 45—65 M., Ferkel 8—12 Wochen alt 35—45 M., 6—8 Wochen alt 25—35 M. per Stück.— In der Weihnachtswoche fallen die Märkte aus. * Milchpreis. 17 Pfennig für ein Liter frei Berlin. * Preisnotierungen für Eier.(Festgestellt von der Berliner Eiernotierungskommission.) 1. Deutsche Eier: Trinkeier vollfrisch, gest. über 65 Gramm 20,50, 60 Gramm 19, 53 Gramm 7,50, 48 Gramm 14; frische Eier über 60 Gramm 16, 53 Gramm. 15, 48 Gramm 13, aussortierte kleine und Schmutzeier 11. 2. Auslandseier: Litauer, große 15.50, normale 13; Bulgaren 14; Russen, große 13,75—14,50, normale 13.25—13,50; Polen, größere 12,50, normale 12, abweichende 12—13, kleine, Mittelund Schmutzeier 11—12. 3. In= und ausländische Kühlhauseier: Extra große 14,50—15, große 13,50—14, normale 11—12, kleine 10—10,50; Chinesen und ähnliche 11—14. 4. Kalkeier: Normale 10.50. Witterung: Regen Tendenz: Still. * Kartoffelpreise. Die Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg ermittelte die Kartoffelerzeugerpreise s# Zentner waggonfrei märkischer Station wie folgt: Weiße Kar toffeln 1,80—2,20 M., Rote und Odenwälder blaue Kartoffely 2.10—2,50 M., Gelbfleischige(außer Nierenkartoffeln) 2.40 big 2,70 M., Nierenkartoffeln 3.50—4,00 M. Fabrikkartoffeln 2—9 Pfennig je Stärkeprozent. Besorgen Sie Ihre Weihnachtsgeschenke bei uns, Sie werden wie immer gut bedient. Echammmaszimatrr Markt:•KönIGSSHTOSSE Unser Weihnachtslager bietet Ihnen nur praktische und willkommene(ieschenke zu vorteilhaften Preisen Roman von Elisabeth Ney Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 31 „Thurm!" Laut und warnend hatte es Hannes Fürst ausgerufen. Dieser aber war aufgestanden und fuhr mit kalter, abweisender Miene in seinen Pelz. „Der„Grüne Pinsel“ ist kein Aufenthaltsort mehr für mich, solange sich solche Menschen, wie Hannes Fürst, darin herumtreiben“, rief er mit eisiger Stimme, und verließ das Lokal. „Fürst, was hat der alte Thurm!“ fragte der kleine Maler, erregt zu Hannes Fürst tretend, der, finster vor sich hinstarrend, noch immer an dem verlassenen Tische des Professors stand. Da lachte dieser kurz auf; aber seine Stimme schwankte doch verräterisch, als er antwortete: „Hab' da eine Liebelei gehabt, die dem Alten zu Ohren gekommen zu sein scheint. Lächerlich, jetzt spielt er den gestrengen Sittenrichter.“ Brönn sah Fürst bei diesen Worten mit plötzlich seltsam verändertem Gesichtsausdruck an, und erwiderte: „Wenn Thurm etwas tadelt, so hat es auch seinen ernsten Hintergrund, mein Lieber. Solltest du etwa gar... ich denke an die Sylvia Tor in deinem neuen Noman.. Fürst erbleichte. „Was willst du damit sagen, Brönn?“ fragte er rauh. „Nichts“, entgegnete dieser.„Aber nun weiß ich auch so genug. Hätt' es nie von dir gedacht, Hannes, nachdem zu damals in der Pfingstnacht so wild davonstürmteft. weil ich in ungeschickter Weise im Rausch einen Namen.. „Schweig"!“ schrie Hannes Fürst, riß seinen Mantel vom Kleiderständer, und eilte ebensalls aus dem Lokal. Draußen stieß er mit einem Manne zusammen. Als er ihn erkannte, taumelte er zurück. Es war kein anderer als Prosessor Reinbold Thurmi, ser ion icbeindat erwartet hatte. zurück und bleibe in ihrer Nähe, bis das Schwerste vorüber ist.“ W „Wirst du zu ihr zurückkehren— du?“ klang es unheimlich drohend mit tiefer Baßstimme an sein Ohr. „Ich verstehe nicht! Was meinst du?“ stammelte Fürst, und versuchte fortzueilen. Reinhold Thurm hielt ihn jedoch am Mantel fest. „Sie erwartet ein Kind!“ sagte er mit langsamer Betonung. „Was soll das? Ich liebe sie nicht", murmelte Fürst, und versuchte sich loszumachen. „Schuft!" zischte Thurm, und spie vor ihm aus, und bevor der andere die Größe der ganzen Beleidigung begriff, war der alte Herr bereits in der Dunkelheit verschwunden. Am nächsten Tage suchte Professor Thurm das alte Haus des Geheimrats draußen, außerhalb Münchens, auf. Es war ihm doch ein wenig sonderbar zumute, als er das Haus zum ersten Male wieder betrat und dann der alten Jugendfreundin Klothilde Dunker gegenüberstand. „Thurm, das ist lieb, daß Sie mich alte Frau in meiner Einsamkeit einmal aufsuchen“, sagte sie, ihm erfreut die Hand entgegenstreckend. Man sprach vorerst krampfhaft von alten Zeiten, bis Klothilde Dunker dann plötzlich sagte: „Die Carlotta macht mir Sorgen. Denken Sie nur, lieber Thurm, sie haust noch immer da unten in Niederösterreich auf ihrem Berge und ist trotz aller Bitten nicht zu bewegen, heimzukommen.“ Da hielt es Reinhold Thurm an der Zeit, sich in möglichst schonender Weise seines Auftrags zu entledigen. Als er endlich schwieg, hielt die alte Dame den Kopf leicht geneigt: aber in ihren Augen schimmerte es verräterisch feucht. „Das arme Kind!“ seufzte sie erschüttert.„Ihnen aber, lieber Freund, sage ich meinen Dank, daß Sie sich so liebevoll ihrer annehmen und daß Sie endlich kamen, um mir reinen Wein einzuschenken. Das Herz ist mir schwer, aber dennoch nicht so schwer, wie in all den letzten Tagen, da ich in der Ungewißheit schwebte. Soll ich nun zu ihr reisen?“ „Nein, liebe Freundin, ich glaube Sie werden, wenn Sie Frau Carlottas Charakter richtig erkannten, verstehen, daß sie nach Möglichkeit allein bleiben muß. Ist Rot am Mann. nun. so gentgt ein Telegramm; denn ied reise „Wann?“ fragte die alte Frau, verlegen zögernd. Thurm verstand. „Ich denke Anfang Februar“, sagte er dann ernst. „So will ich ruhig warten, lieber Thurm, obwohl mich mein Herz jetzt doppelt so stark zu ihr zieht.“ „Ich will Sie auf dem lausenden halten; doch bleiben Sie bereit und eines etwaigen Rufes gewärtig“, entgegnete Reinhold Thurm, sich erhebend. Er hielt es für gut, die alte Freundin jetzt allein zu lassen. „Dank!“ murmelte sie beim Abschied mit kaum zurückzuhaltenden Tränen.„Grüßen Sie mir Carlotta!“ „„* Heitiger Abend. Eine ruhige, sternklare Nacht. Der Schnee glitzerte und knirschte unter den Schritte. der beiden Menschen, die langsam, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt, die Bergkirche verließen, in der sie zur Christmesse geweilt hatten und nun ihrem Heim zustrebten Es waren Carlotta Dunker und Reinhold Thurm. Sie hing sich schwer an seinen Arm, und er führte sie sorglich den steilen, eisglatten Hang zu dem friedlich im Schnee liegenden, hellerleuchteten Häuschen hinab. „Sonst saß ich um diese Zeit im Grünen Pinsel“, unterbrach der alte Herr endlich das Schweigen.„Ich bereue es nicht, hier oben geblieben zu sein. Weihnachten hoch oben in einsamer Bergeshöhe hat seinen eigenen Zauber. Sehen Sie doch, Frau Carlotta, da oben den einsamen großen, weithin leuchtenden Stern.“ „Es ist der Abendstern". flüsterte Frau Carlotta er. griffen. „Der Stern von Bethlehem“, sagte Thurm feierlichernst. Im Hause umpfing sie Tannenduft, und der Hauch brennender Weihnachtskerzen vermischte sich mit all den Gerüchen der Speisen, die Mizzi Hochlehner seit mehreren Tagen in unermüdlicher Emsigkeit herstellte. „Stille Nacht, heitige Nacht", flüsterte Carlotta Dunker. und trat mit gesalteten Händen unter den brennenden Lichterbaum. Kariicatene hatel.) 2 S2, S ST•-SS. # S. a; gE =* fasdn-gns S S 78285 93 Loys i 35s 3g 3S Ssa K S SSeT: Sx uS:: 2 5 T5 625* 2 I 19 38"*• " 2 S 3—7 2 * S E— S x 2„S 9 E**8 " 55 S S 2 0 9 0 0 und wieder andere in orangefarbenen Kleidern, alle in geblümten Schürzen, sich im Garten um die schöne alte Tanze drehen. Und es ist eigentümlich, die lustigen Weisen der Volkslieder, die wir zu unsern Reigen sangen, gehen mir nicht aus dem Kopf. Immer wieder summe ich sie vor mir hin und dabei wird es mir leichter. und meine traurige Vergangenheit scheint sich immer weiter von mir zu entfernen. Seit acht Tagen bin ich in der Küche. Bis so der Tag herum ist, ist man immer recht müde. Aber ich muß doch sagen: wir lernen sehr viel. Heute haben wir alletn, drei verschiedene Fleischsorten zubereitet. Ich habe bereits ein halbes Heift voll Kochrezepte. Aber der heutige Tag brachte mir auch noch eine große Erkenntnis. Seit etwa zwei Tagen in in unserer Anstalt ein neuer Fürsorgezögling. Die Kleine sieht sehr bleich und blutarm aust Heute fiel sie plötzlich zusammen. Eine Oßnmacht. Sie gurde sofort zu Bett gebracht, und wir arbeiteten weiter. „E. ich etwa eine halbe Stunde darauf den Flur entlang ich, wie sich Schwester I. bei jener Schwester erkundigt, die mit der Pflege des Zöglings beauftragt war. Ich werde sie nie vergessen, jene ängstlich besorgten Augen und die mit fast bebender Stimme gesprochenen Worte:„Wie geht es unserm Kind?“ Da plötzlich wußte daß die Schwestern doch ein Recht haben,„Kind“. zu sagen, denn sie erziehen uns nicht nur, sondern sie schenken uns auch ihre Liebe. Ich ging in die Küche gur#ck, stand aber noch ganz unter dem Eindruck des Erlebten. Plötzlich höre ich eine Stimme neben mir:„Aber Kind, was machst du denn da!" Es ist unsere Küchenschwesie freudig an. Meine Ohren waren blötzlich geöffnet, und ich hörte auch das Gute in diesen Worten. Erstaunt schaut die Schwester von mir zur Schüssel auf dem Tisch und wieder za mtr. Ich habe nämlich den Abfall unter die schönen Salatblätter und die Salatblätter unter den Abfall getan. Ja die gute Schwester konnte nicht wissen, was mich plötzlich so freudig bewegte.— ! Nun arbeite ich bereits an Wäsche und Kleidern, die ich bei meiner Entlassung mitnehmen dari. Sonderich denke zurück, wie ich durchdrennen wollte, und tt wird es mir ganz eigentümlich zumute, wenn ich an meine Entlassung denke. Sollte es mir denn wirklich schwer fallen? Ich glaube. es ist doch nur die Angst, wie es nir in der Zukunft geht.— Meine Entlassung rückt immer näher. Heute sagte mir Schwester Oberin, daß sie für mich eine Stelle habe und daß ich in eine sehr liebe Familie komme. Ich freue mich darauf. Aber zugleich fühle ich es deutlich und muß es ehrlich gestehen, es wird mir schwer, wenn ich ans Fortgehen denke. Wenn ich jetzt das Wort„Kind“ höre, möchte ich am liebsten weinen. ein nebliger Herbsttag. Ich sitze mit einer Schwester der Anstalt im Zug. Sie hat gerade Besorgungen in der nahen Stadt zu machen und begleitet mich zugleich in meine Stelle. Der Abschied wurde mir sehr schwer. Ich werse noch einen letzten Blick auf die Gebäude der Anstalt, und ich muß mich unwillkürlich fragen: Wie kam es nur, daß mir diese Gebäude so teuer wurden? Und mein Inneres gibt mir die Antwort: Ich habe geglaubt. Verständnislosigkeit und übermäßige Strenge anzutreffen, und habe Liebe, große Liebe gefunden. „ A. Martino. Der Dorflump. Erzählung von Gregor Köster. Sort zur, sch wail“ alle gekannt, den Dorflumpen Henrich. euch seine traurige Geschichte erzählen! . In einem Dörschen ves südlichen Münsterlandes, unge##r da,„wo die alte kurkölnische Grenze verläuft, lebte um die mitte des vergangenen Jahrhunderts ein stolzer Bauer. Der ertragreiche Hof, zu dem etwa 200 Morgen Acker= und Wiesenland gehörten, war das Erbteil arbeitsamer Väter. Der Bauer freite als Dreißigjähriger die tüngste Tochter eines verarmten Edelmannes. Nach einigen sie ihrem Mann den sehnlichst erwarteten Hoferben. Der kleine Henrich, der das einzige Kind blieb, wurde mit viel Sorgfalt großgezogen. Zum Aerger des Vaters Schutter wochenehesde der schmächtigen Mutter nachgevilber war, wenig Neigung, sich nach Art anderer Bauerniungen im Pferdestall und auf dem zu tummeln, vielmehr verkroch er sich in die gute Stube. um zu Füßen der Mutter Märchen anzuhören. Es gab darob manchen derben Krach im Hause. Jahre alt war, kam er durch die Fürsprache der Mutter auf das Gymnasium der benachMit Gefühlen, die zwischen Mißtrauen und Stolz seltsam schwankten, las der Bauer die guten Zeugnisse, um dann dem scheuen, blassen Knaben, den er auf seine Art liebte, auseinanderzusetzen, daß die städtische Geschig der Weatre. gug Indessen gelang es dem Geschiu der Mutter, den Bauern immer wieder zu bereden. Bilc Frame überraschte Henrich seinen Vater mit der Birre, Geinlicher werden zu dürfen. Voll Zorn und Empörung drohte der stolze Bauer, sich zu vergessen. Er dachte nur an einen Erben, der den Reichtum des Hofes mehren sollte.„Ist es nicht Pflicht eines guten Cocistenmenschen, hier weiter zu schaffen, wo dein Vater und Großvater gearbeitet haben“, schrie er in höchster Erregung.„Das haben wir von der elenden Papierweisheit.“ Breitbeinig stellte sich der Bauer vor den Jungen.„Niemals wird Henrich ein Pfarrer! Und wenn der ganze Hof zum Deubel geht.“ in oernschib auf dem Hofe. Richts veränderte sich #### nächsten Jahren, die reich an Sonne und Regen, die Kornscheuern füllten. Ais Henrich 25 Jahre alt war, karb die Mutter. Sie hatte sich in den feuchten Novembernegrähnistager gruez P. 1. 9 holt. Am Abend des BeGeschseppt deurich betrunken aus der Wirtschaft # In Trotz und Verbitterung ging der alte Bauer seiner Stumpf und willig nahm Henrich seine Befehle entgegen. Aber die Scheidewand zwischen Vater und Sohn wurde höher und dichter. Jäh und hart waren die Worte, wenn Henrich abends aus der Dorfkneipe kam. jenen Jahren durchbrach die Industrie. vom Süden vorstoßend. den Ring der grünen Wälder. Rauchfahnen hingen drohend über dem Gehöft. Mit den Nachbarn feilschum jeden Morgen Acker= und Wiesengrund.„Nicht einen Zoll breit bekommen sie von grir“, grollte der Bauer. Eines Tages stürzte er durch die Luke des Heubodens auf das Steinpflaster der Diele und war tot. Entsetzt erzählte eine Magd, daß eine Stimme ccrill gerufen habe:„Un du gehörst mi“! „Henrich, der Knecht seines Vaters, wurde Herr des ** won Einag brochener Mensch, des Herrschens ungevohnt, Träume, stand Henrich, ein schlechter Bauer, dem stoizen Erbe seiner Väter. Bald umschmeichelten ihn die verlockenden Angebote der geschmeidigen Herdie nach dem größten Hofe schielten. Kamine rauchten in der Nähe. fremdes Volk überschwemmte das Land. „Nimm dir eine Fraueins Haus, der Hof kommt unter den Hammer", rieten die Verwandten. Henrich weigerte sich beharrlich und unterschrieb beim Rechtsanwalt Papierchen um Papierchen. Die Knechte lachten über ihren Herrn der mehr in der Kneipe als auf dem Hofe war: die Mägde versäumten ihre Pflicht. auf den Aeckern schoß das Ankraut hoch. Henrich ergab sich von Jahr zu Jahr mehr dem Trunke. Morgen um Morgen bröckelte ab vom stolzen Hof. der Schulze des Nachbardorfes. ein väterlicher Verwandter und tatkräftiger Mann. den Entmündigungsprozeß an. Es blieb nicht viel übrig. Die Industrieherren leaten ihre Papierchen dor. Henrich war erst fünfzig Jahre alt, als er arm und geächtet auf der Straße Wir Knaben haben ihn alle gekannt, den Dorflumden Henrich, der seine sauer verdienten Groschen in der Kneipe vertrank. Beim Hufschmied bewohnte er ein kleines Kämmerchen. Im Sommer half Henrich für billigen Lohn den Dörflern bei der Gartenarbeit, im Winter flickte er die morschen Fachwerkhäuser. Wenn Kinder im Dorfe undrohte die Mutter:„Soll ich einmal Henrich rufen!“ Wir schlugen einen großen Bogen un den verwahrlosten Mann. Der Torflump erlebte es noch, daß auf dem elterlichen Hof ver erste Schacht abgeteuft wurde. An einem Wintermorgen hat man Henrich erfroren vor der Maschinen halle aufgefunden. Im Dorfe ging das Gerücht, er habe in der Woche vorher bei einem Händler in der Kreisstadt wertvolle Schmucksachen verkauft und sich von dem Erlös betrunken. Man behauptete auch hartnäckig, daß es Schmucksachen gewesen seien, die die Mutter Henrichs einst getragen Druck: Paderborner Anzeiger: und Verlagbdeuckerei A.#S., Podervorn. 528 4 * S 2 Rummteitekrarrar. Beilage zum Paderborner Anzeiger, Lippspringer Anzeiger, Neuhäuser u. Delbrücker Anzeiger Conntag, den 15. Tezember 19229. Blätter zur Belehrung und Erbauung. Das Wegkrenz. VIV Am Wege steht ein Kreuzesbild so einsam und verlassen. Der Heiland lächelt schmerzlich mild um seinen Mund, den blassen. 71075 Kein Sträußchen da, kein Kränzchen hängt zu seinen wunden Füßen, Mein Herz zu diesem Heiland drängt, „laß mich dich, Herr, begrüßen! Du bist so ganz verlassen hier, von Schmerzen nur umfangen“. Da tönet eine Stimme mir, „Kind, laß mich ruhig hangen. Man betet wenig hier zu Land, doch leichter ist's zu tragen, als werd mit grober Sündenhand ich neu ans Kreuz geschlagen.“ Margaret Hohmann. Der ungekannte Christus. (Zum Evangelium des 3. Adventssonntags. Joh. 1, 19—29.) Denkt ihr noch dran, liebe Christenleute, wie es war in den Tagen, da Mutter in streng verschlossener Stube mit dem Ch.iltkind für euch werkte und ab und zu herüberschlüpfte in das dämmerige Wohnzimmer, und warnend den Finger hob. Stilk nur, still, Christkindlein ist da. Was wir damals nicht darum gegeben hätten, hineinschauen zu dürfen, und wenns auch nur durch ein Ritzchen in der Türfüllung gewesen war, und einen schmalen, ach nur so schmalen Goldstrahl von dem Lichte zu erhaschen, mit dem das göttliche Kind umflossen war. Denn daß es bei uns im Hause war, mitten unter uns, das wußten wir sicher und gewiß. Und wenn wir das ganze Jahr hindurch auch wilde Rangen waren, in diesen Tagen, wo das Christkind bei uns im Hause waltete, da gab sich doch jedes Mühe.Süßer, seliger Kinderglaube, du hast bei den meisten von uns nicht bestehen können. Der graue Alltag hat die Poesie der Kindheit längst weggewischt. Und doch bist du, gerade du, die Wahrheit über alle Dichtung, die wieder Einzug halten muß in die alten verhärteten und im Lebenssampfe verkrampften Herzen, wenn anders es noch eine Weihnacht gibt für diese Welt der Eigensucht und des Klassenkampfes. in diesem Diesseits der Maschinen und der Arbeitshast, der Organisationen und Gewerkschaften und des ganzen Riesenapparates erbittersten Diesseitskampfes und Daseinskampfes. Als einst die Juden, wie das heutige Evangelium erzählt ihre Bevollmächtigten zum Täufer schickten, um ihn über seine Stellung zum Messias zu befragen, da sagte er ihnen:„Er steht in eurer Mitte, aber ihr kennt ihn nicht.“ Wenn der strenge und so unbestechlich wahrhaftige Bo läufer des Herrn heute wieder käme. würde er auch so vielen aus uns heute wiederum die gleiche Antwort geben und den gleichen Vorwurf machen müssen. Und das nicht bloß und gewiß nicht in erster Linie jenen armen breiten Massen, denen die eigene Verbitterung und die gewissenlose Verhetzung den Glauben an Christus den Erlöser und Retter geraubt, sondern so manchen aus uns, die Christus zu kennen und zu bekennen glauben. min Seist in unserer Mitte, aber wir kennen ihn nicht“. verennen und glauben wohl noch., daß er unter uns wohnt im Tabernakel. haben vielleicht auch noch am Sonn'ag eine knappe halbe Stunde Zeit für ihn. Aber was die größte beseligendste Wahrheit des Glaudens ist, daß er in uns selber wirkt und wir in ihm. daran denken Getriebe des Alltags und den zeitlichen Sorgen wenig oder gar nicht. Und weil wir ihn in uns nicht eng und ennen, darum verstehen wir es auch so ch in seinem Geiste und mit ihm zu denken und zu und schrun denken und handeln wir ebenso fleischlich jse nach unserer Siars inder der Welt“, darum sind wir Steilung ebensolche Diener des MamSe u Pr Eigenlieve, ebenso, schwach in den Versuchunaller finnlichen Lust, ebenso allen Lockungen des Zeitgeistes unterlegen. Darum kümmert es uns so nenig ob Christus herrsche im öffentlichen Leben oder sein Wiversacher, darum ruft die Kirche oft so vergebens zur Mitarbeit an katholischer Aktion, am Apostolat darum denken und handeln wir oft so wenig katholisch beööt im Heiste, Christi und seiner Kirche. Und weil wir Christus den werrn nicht in uns selber erkennen, darum verkennen wir ihn auch in unseren Brüdern. Wir denken nicht daran, daß sie alle, und wären es die ärmsen und geringsten, lebendige Glieder sind am mystischen Leibe Christi, und oarum uns inniger verwandt und verbunden als rein körperliche Blutsverwandtschaft Menschen verbinden kann. Und dieses Mißkennen und Verkennen der Heilandsgegenwart unter uns ist so verhängnisvoll wie das erste. Es macht uns lieblos und herzlos gegen der Brüder Not. Es ist darum auch die tiefste Wurzel unseres sozialen Elends und unserer wirtschaftlichen Not. Und jegliche Reform und jedes Heilprogramm, mag es mit noch so großem Tamtam und noch so verführerischen Versprechungen vorgebracht werden, verfehlt und aussichtslos, wenn es nicht von dieser Erkenntnis Christus in unseren Brüdern ausgeht und hier seine Begründung und seine Richtlinien sucht. ist mitten unter uns, in uns und um uns. Es Haissehatschaftd Judenvolkes, daß es trotz der on vartnägt Täufers und dann des Heilandes selber ihn hattnackig verkannte und von sich stieß. Soll sich diese Tragödie nicht wiederholen in unserem und unseres Volkes Leben, so muß der Adventsruf:„Lernet um“, so muß der Mahnruf der Kirche:„Erneuerung in Christus“2„Mitleben mit Christus“ in uns allen noch viel lauteren und wirksameren Widerhall finden. Sein Licht leuchtet in der guch in der unserer Tage, das Licht seiner Weihnacht, der Golostrahl, den wir als glückliche Kinder er umstrahlt wirklich jeden aus uns. Daß aus dem seligen Kinderglauben bewußter und folgerichSöhentsaufgahe Hemmmin(gabe unseres Lebens.„Vereitet den Weg des Das Geheimnis von 15 009 Menschen. . Wenn 15000 Menschen ein Geheimnis zwei Jahre hüten, so ist dies ein psychologisches Wunder. Dieses Wunder wurde aber, wie die„America" berichtet, in der letzten mexikanischen Christenverfolgung Wirklichkeit, indem Ershichef Orozco gelang, sich unter dem Mitwissen von 19 U00 Menschen zwei Jahre lang verborgen zu halten. An einem Freitag im Oktober 1926 forderte ihn die Regierung auf, nach Mexico=Stadt zu kommen. Er tat 99 58O% 8 20 25 : 3 5 1 — 2 UPS 5 5 B BLEOB ESSBEESSREESSPSE TSPSESEE So#g.Sgree, Szes SugPg-gg 28isa * Ser ELSS• WhasSS S5SSE ##ESEE; 0 99X9S GaBDRABG S S S.SE Schngegu ge- Oggäß-Es aben.eßssEATe8c 7 5 = Sm ByNeweyPSES 5LUET S SOE *•e S 2 SEs S 15 C. *„„„ S S 959EEE FS -So 1 9- 559.2 05 GeuT-eLen S n .- 558 E·TOE — B800E * 8 O—ggg. ES SSAn: 9 EE 5 29 BeSS.S SRSSEES 9• ** 9 S E V 5 .N 9OEM WOTET! en"**1•• * S8 SEESEE 00 S-E S S 1— 15 B S 8. PEs5en 190 S&a CSTH es nicht, sondern flüchtete in die Berge. Gekleidet wie ein Viehhirte(Peon), das ergrauende Haar unter einem Rieserhute mit hoher Spitze verbergend. suchte er ein kleines Erdfleckchen fern von seiner Bischofsstadt auf. Hier hauste er ein Jahr lang, indem er von Zeit zu Zeit seinen Wohnort wechselte: wenn ihm der Boden zu heiß wurde. Nie verlor er die Verbindung mit seiner Diözefe, die er aus dem Versteck weiter leitete. Nach Jahresablauf rückte er seiner Residenz bis auf 96 Kilometer nahe. Beide Verstecke dürfen auch heute noch nicht genannt werden, um den Helfern des Bischofs Unannehmlichkeiten zu ersparen. 15 000 Menschen wohnten im Umkreis des zweiten Schlupfwinkels. Jedermann. mit Ausnahme von etwa 300 Protestanten, wußte, daß der Bischof dort weilte. Nie hat jemand das Geheimnis verraten. Diese Tatsache steht wohl. wie der Chefredakteur der„America“ hervorhebt, fast einzig da in der Geschichte des Katholizismus. Am näch en kommt diesem Ereignis wohl die Verfolgungsgeschichte des Bischofs Athanasius von Alexandrien. der sich jahrelang durch kluge Tricks den Nachstellungen der Arianer entzog. Als der Erzbischof nach Beendigung des jüng“en Religionsk ieges eines Tages in dramati cher Weise im Vorzimmer des Apostolischen Delegaten Erzbischof Ruiz erschien, bat er um eine Audienz bei Präsident Portes Gil. Beim Empfang erzählte er erst längere Zeit, wie er der Staatspolizei und den Soldaten entschlüpft war. „Sie sehen“, sagte der Präsident,„was ich für eine minderwertige Polizei habe!"„Nein", antwortete der bischof.„Sie sehen, was ich für einen prächtigen Schutzengel habe!“ Erzbischof Orozco lebt nun, ausgewiesen, in den Vereinigten Staaten. Die mexikanische Regierung mußte diese Konzession an die Radikulen machen, als sie sich mit der Kirche einigte. Als man im Oktober 1926 das Ansinnen an ihn stellte, mit den anderen Bischöfen nach Mexiko=Stadt zu gehen, geriet er in eine schwierige Lage. Schnell entschlossen ging er zum Telegraphenamt, gab ein Telegramm auf und eilte schleunigst aus der Stadt. Er hatte die Kühnheit dem Staats ekretariat in Meriko von seiner Flucht Mitteilung zu machen. Im Versteck lebte er ein grausam hartes Leben. Er mied die Haciendas(große Farmen) und hauste in den Bergen oder in abgelegenen Tälern mit Indianern in deren Hütten. Seine Seminaristen brachte er mit sich und teilte sie in fünf Gruppen zu je 20. Ihre Ausbildung führten die Professoren fort. Dreimal in drei Jahren erteilte der Bischof den Ausgebildeten die Priesterweihe. Eine der Gruppen wurde von den Soldaten eingekesselt. Durch ihre Behendigkeit im Laufen entgingen die Semenaristen dem Tode. Der Bischof selbst lag zweimal an Malaria schwer darnieder. Ein Priester half ihm durch Chirineinspitzungen.„Aber“, so erzählte er,„ich litt mehr an der Seele. Wenn die Nachricht kam, daß einer meiner Briester ermordet war, hatte ich schwere Herzschmerzen. Denken Sie, man hat mir 22 Priester umgebracht.“ Ein Indianer, dessen Namen niemand in der Oefsentlichseit kennt, brachte einmal in der Woche zu Fuß die Post nach der 96 Kilometer entfernten Bischoftsstadt Guadalajara. Um 5 Uhr abends brach er auf um 5 Uhr morgens legte er sich zwei Stunden nieder. Um 7 Uhr brach er wieder auf und war um 8 Uhr in der Stadt. Hier machte er seine Runde und gab die Post an fünf verschiedenen Personen. Keiner von den Fünfen kannte die anderen Adressaten und den Träger der Post. Bei Anbruch der Dunkelheit ging dieser wieder zurück und war am anderen Morgen um 8 Uhr wieder bei seinem Bischof: Bei ci em seiner Postgänge nötigte ihn ein Polizist zu einem Trunk Schnaps in einer Kneipe. Er stieß mit dem Schutzmann an und goß dann den Inhalt unbemerkt hinter seinem Vorhemd. Als er über Fußschmerzen klagte, kaufte ihm der Erzbi chof ein Pferd. Bei dem ersten Rit plumpste er mit seinem Gaul in ein Kavillerieregiment hinein und konnte sich nur durch scharfes Reiten der einzigen ersten Gefahr entziehen, die ihm bei seinen Postgängen begegnet ist. Nach diesem Abenteuer ging er meist zu Fuß. Einmal brachte er einen Radioapparat und baute ihn selbst für den Bischof auf. Später schenkte ihm ein Freund ein Auto. Bei seinen regelmäßigen Besuchen der Stadt nahm er Lehrstunden im Fahren. Eines Tages kam er dann triphierend vor dem Versteck des Bischofs angefahren. Dann suchte er seinen Herrn zu überreden, mit ihm in die Stadt zu fahren. Vier= bis fünfmal fuhr der Bischof mit einer Anzahl von Freunden nach Guadalajara, der Bischofsstadt, und durchstreifte zwei Stunden unerkannt die Stadt. Auf die Frage. ob er wirklich nie an der Revolution teilgenommen habe, die die sechs Staaten Merikos drei Jahre lang durchzitterte, antwortete Erzbischof Orozco:„Ich habe in dieser Sache mein Gewissen gefragt. Ehrlich kann ich sagen: nein! Zwei meiner Priester habe ich sogar suspendiert., die im Eifer zu den Waffen griffen.„Natürlich sagte er mit einem Augenzwinkern.„waren im Russisch=spanischen Krieg einige meiner Freunde für andere für Rußland. Meine Sympathien in diesem Religionskampf waren natürlich nicht bei Calles. Aber ich bin absolut unschuldig der Anklage. Waffen egriffen zu haben, andere zum Waffengebrauch ermus igt zu haben. überhaupt irgendwie am Kamvf beteiligt gewesen zu sein.“ Während der drei Jahre Verbannung las der Kirchenfürst Hergenroethers Kirchengeschichte und Pastors Papstgeschichte. eregetische Schriften, fromme Bücher und einige profane spanische Literatur. die ihm sein Indianer brachte. Die meiste Zeit opferte er der Leitung der Diözese und der Ausbildung der Seminaristen, die er von Zeit zu Zeit sah. Eines Tages kam die Nachricht, daß General Ferreira. der Gouverneur und ein Parlamen'smitglied mit 1000 Mann den Distrikt durchsuchten, wo man das Versteck des Bischofs vermutete. Erzhischof Orozco schwang sich auf ein Pferd, ritt vier Stunden weit in einem Zug und gründete eine neue Bischofsresidenz.— In Guadalajara. wurden 85 Frauen und Männer verhaf et. weil min sie wegen revolutionärer Umtriebe in Verdacht hatte. Man verbannte sie auf die schrecklichen Mariasinseln. die Teufelsinseln Meri'os. Streng wurden sie bewacht. Wie sollten sie die Sakramente empfangen? Der Bischof arrangierte die Sache so: In einem gegebenen Augenblick ließ man alle zugleich einen Reueakt beten, und ein Priester in Ve kleidung gab ihnen etwa 20 Meter außerhalb der Umzäumung die gemeinsame Abso ution. Der fünf Jahre alte Sohn Angelito einer der gefangenen Frauen. der immer Zutritt zu seiner Muter hatte, wurde nun gefragt, ob er wisse, was das Alerheiligste Sakrament sei. Er antwortete:„Jesus Christo". Ob er Isus Christus allen Gefangenen bringen wolle. Ja! Ein Priester befestigte nun ein Gefäß mit konsektierten Hostien an der Innenseite seines Oberhemdes. Angelito ging dann auf das Lager zu machte wie gewöhnlich mit den Soldaten etwas Spaß und sprang dann tanzend und singend von einem Ende des Lagers zum anderen, jedem unbemerkt die hl. Kommunion reichend. Der Erzbischof setzte sich für die Echtheit des Geschehnisses ein. Manche andere Geschichte aus die er glorreichen Verfolgungsperiode solle später erzählt werden. Der Redak eur der„America“, dem Erzbischof Orozco dies alles erzählte. macht zum Schluß seines Berichtes folgende Feststellung: „Nicht die geringste Tragik dieses tragischen Kampfes liegt darin. daß die Welt so wenig davon wußte. Wenn etwa 100 Juden in Palästina bei einem Aufstand gelötet werden, erzittern die Blätter vor Entletzen. Wenn Tausende Katholiken getötet werden. manche sogar in schrecklichen Torturen, schweigt die Presse.——“ Briefe eines Lehrers an seine ehemaligen Schuler! Aus einer lateinischen Schrift des 17. Jahrhunderts. Sie wissen, Carissime, mit welcher Sorgfalt ich Sie drei Jahre lang geleitet habe, wie sehr ich mich meinem Berufe gemäß bemüht. Sie nach und nach in die Lage zu setzen, sich selbst, Gott und die Welt kennen zu lernen Daß meine Mühe nicht vergeblich gewesen, zeigt Ihr letzter Brief, in welchem Sie mich ersuchen, ich möchte Ihnen die Mittel zur Förderung ihrer moralischen Volllommenheit näher erläutern. Sie schreiben:„Weil ich schon so manches gelesen, was mir deutliche Begriffe von Gott und von den Pflichten gegen ihn verschafft hat, drängt es mich, mit den Pflichten gegen mich selbst bekannt zu werden.“ Gern will ich Ihrem edlen Verlangen willfahren. Welch eine Freude ist es doch für mich, wenn ich zur wahren Glückseligkeit meiner Schüler, auch wenn sie nicht mehr unter meiner Aussicht stehen, etwas beitragen kann! Wenn Sie eine wahre und klare Selbstkenntnis erlangen wollen, so müssen Sie sich oft selbst prüfen. Sie müssen zu bestimmten Zeiten(die nicht in Ihrem Dienst miteinbegriffen sind) ernstlich über Ihre Verfassung nachdenken: Sie müssen aufrichtig all Ihre Handlungen und Wünsche prüfen, alle Falten Ihres Herzens durchsuchen und sich selbst von allen Ihren Werken, Worten und Gedanken genaue Rechenschaft ablegen. Diese Selbstprüfung ist so notwendig, als die Selbstkenntnis selbst, weil diese ohne jene nicht bestehen kann. Frei von allen äußerlichen Einwirkungen und sich selbst überlassen, können Sie in der Stille Ihres Kämmerleins Ihr Tagwerk prüfen und solche Begierden, die wir gern unsern eigenen und fremden Augen entziehen möchten, aus jener Trughülle herausreißen, unter der sie sich oft zu verbergen suchen. Zwar werden wir bei diesem gebeimen Selbst gericht oft beschämt sein, aber wir misssen koc einmal unsere Fehler erkennen, wenn wir sie bessern wollen. Sehr viel trägt es zur Selbstkenntnis und moralischen Verrollkommnung bei, wenn man sich ein Tagebuch hält, das heißt, wenn man jeden Tag genau vermerkt und aufschreibt, was bei dieser oder jener Gelegenheit in unserer Seele vorgegangen ist. Man muß aber gegen sich selbst aufrichtig sein und sich selbst weder Böses noy Gutes verhehlen Es muß ein Tagebuch seines Denkens, seines Empfindens, seiner Leiden und Freuden, ein Gschichtsbuch seines Herzens und Lebens sein. Es ist nicht die Einsamkeit allein, die uns zur Selbstkenntnis veranlassen kann. Auch die Bekanntschaft mit der Welt, die Aufmerksamkeit auf die Reden, Handlungen und Schicksale der Menschen sind uns dazu nicht weniger von Nutzen. Daraus lernen wir das Verhältnis, das zwischen unsern Eigenschaften und den Vollkommenheiten anderer Menschen besteht, und wir werden geschult, über unsere Vorzüge oder Nachteile vernünftig zu urteilen. Wir werden als genaue Beobachter der Menschen die Fehltritte unserer Zeitgenossen, das Niedrige, Gemeine und Lächerliche in der Denkungsart und Handlung jener Personen, die wir um uns sehen, entdecken, und uns vor solchen Fehlern hüten, oder wenn wir mit ähnlichen behaftet sind, diese korrigieren. Wir werden endlich, wenn wir uns mitten unter Menschen befinden und roi allen Siten her Urteile über unser Betragen hören, von allen Menschen— am meisten aber ron unsern Neidern— lernen können. Wenn Sie, Carissime, einen einsichtsrollen Freund haben, der Sie mit dem Umgang mit Menschen bekannt macht, Sie unter Menschen führt, Ihnen immer an der Seite steht und über alles Kluge Anmerkungen zu machen weiß, dann können Sie selbst in Ihren jungen Jahren aus dem öfteren Umgang mit Menschen sehr großen Nutzen schöpfen. Ich will jetzt abbrechen. Dieser Brief kann Sie schon beschäftigen, bis Sie den zweiten erhalten. Lesen Sie ihn nicht, wie man für gewöhnlich freundschaftliche Briefe liest, sondern lesen Sie ihn bedachtsam einmal, und dann roch einmal, so lange, bis Sie den wahren Sinn meiner Vorte in Ihr Herz aufgenommen, denn es hat ihn derEnige geschrieben, der Sie innig liebt und eine Mitverankwortung trägt an Ihrem Fortbestehen. Meiner direkten Aussicht sind Sie nunmehr entwachsen und haben angefangen, allein ihr Glück zu suchen in einer Welt, welche für Sie kein Paradies der reinen Unschuld, aber auch keine Hölle ist. Als Sie von mir schieden, gewann ich die Ueberzeugung, daß Sie ein guter Junge bleiden wollen, mag kommen, was kommen mag. Ich kann hoffen, daß Sie jenen Grundsätzen, welche Sie fleißig angenommen, so reif überlegt und so tief ins Herz gegraben haben, treu bleiben werden. Aber auch der beste Mensch, der die größte Fertigkeit im Guten hat, kann und darf sich nicht ganz versichern, daß er allem gefährlichen Reize, allen Lockungen zum Bösen widerstehen werde, Nun sind Sie gewillt, an Ihrer Vervollkommnung mit gutem Erfolge zu arbeiten und benötigen meinen Rat. Ihre Liebe und Ihr Zutrauen zu mir wird Ihnen meine Ratschläge koppelt wert machen. Vor allem, Carissime, müssen Sie bei allen Bemühungen um die Vermehrung Ihrer Vollkommenheit die Selbsterkenntnis zugrunde legen. Der rornehmste Gegenstani der Erkenntnis des Menschen ist der Mensch selbst. Und dies ist ein sehr wichtiges, ja weitläufiges Studium des Menschen. Sie müssen sich als ein Werk Gottes erkennen un wissen, daß Sie als ein vernünftiges Wesen sich der höchsten Vernunft, Golt, immer mehr ähnlich und dadurch würdimachen, um einer unendlichen Glückseligkeit teilhaftig zu werden.„Trachte danach, immer tollkommener, immer sitt licher zu werden, dann wirst du auch einst ebenso glückselic werden, wie du es durch redliches Bestceben nach Tugen verdient hast". Dieser Vorsatz muß allen Ihren freien Handlungen eine zweckmäßige Richtung geben. Sie müssen Ihre Pflichten kennen, nicht nur dem Namen nach, sondern auch in ihrem ganzen Umfange und ihren Zusammenhängen, und deren richtige Begriffe, kräf tige Beweise und Beweggründe dazu haben. Sie müssen Ihre Kräfte, Ihre Fähigkeiten kennen, nicht nur oberflächlich kennen und nicht nur überdenken, was Sie getan haben und was Sie tun werden, so idern was Sie hätten tun können und was Sie imstande sind zu tun, um durch eigenes Unternehmen, durch fleißige Uebung und unermüdete Standhaftigkeit vorwärts zu kommen. Sie müssen Ihre Reigungen, Begierden, Leidenschaften, Ihre vorherrschende Leidenschaft, Ihre Schwachheiten, Tugenden und Laster studieren, um ihre Ursache, Entstehung, Fortentwicklung und die daraus entstehenden Folgen zu erkennen. Sie müssen die schwere Kunst verstehen, die Selbs liebe mit der Vernunft oder Selbstbeherrschung so zu vereinigen. daß das Ganze Ihre Vollkommenheit wird. Wer sich selbst, seine Bestimmung und seine Pflichten kennt— nur der wird vernünftig und zweckmäßig handeln. Wer aber seine Aufmerksamkeit auf verschiedene Gegenstände und auf sinnliche Einwirkungen lenst und dabei seiner selbst vergißt, taumelt in einer moralischen Berauschung und verfehlt sein ihm von Gott gesetztes Ziel. es mir in der Fürsorgeerziehung erging. Ein nebliger trostloser Herbsttag. Wir sind allein im Abteil des Zuges. die Fürsorgeschwester und ich. Sie begleitet mich zur Anstalt B. in Hi und ist rührend um mich bemüht: aber ich hasse sie. Bei der Anstalt angekommen, empfängt mich eine Schwester mit den Worten:„Grüß Gott. Kind!“ Ich sehe sie groß an, sage aber kein Wort. Wie kann sie Kind sagen. Dieses Recht hat nur meine Mutter, die bei diesem Wort auch wirklich alles fühlt, wonach ein jedes Kinderherz verlangt. Sie muß meinen erstaunten Blick bemerkt haben, denn freundlicher blickend erzählt sie mir nun, wie der Tag in der Anstalt verläuft, wann aufgestanden wird, wann der Gottesdienst ist und wie die Arbeit eingeteilt ist.„Dann“, fährt sie fort,„muß ich darauf aufmerk'am machen, daß hier den ganzen Tag Stillschweigen herrscht". Wieder sehe ich sie erstaunt an. Warum nun Stillschweigen? Glaubt man denn, daß in uns nur Schlechtes sei und wir nur Schlechtes reden könnten? Wieder scheint die Schwester meine Gedan'en erra en zu haben, denn sie ist eifrig bestrebt, mir die Notwendigkeit des Stillschweigens zu erklären. Aber ich höre gar nicht darauf. Es ist mir ja alles gleich. Mein Blick fällt gerade auf den vor mir liegenden Teppich, in dem herrliche Rosen eingewoben sind. Wie schön hat es doch so eine Rose; hat sie ihre vollste Blüte erreicht, so dauert es höchstens zwei Tage und es ist nichts mehr von ihr zu sehen. Könnte es bei den Menschen nicht auch so sein? Die Schwester faßt mich bei der Hand; ich zucke zusammen.„Hast du gehört?“ frugt sie.„Ja, Schwester", log ich. Darauf führt mich die Schwester in einen kleinen Schlafsaal. Sie zeigt mir mein Abteil des Schrankes, in dem schon verschiedene Kleider für mich bereithängen. Und zwar ein Sonntagskleid, ein tägliches Kleid mit Schürze und ein Kleid zum Putzen. Sie gibt mir das tägliche Kleid mit Schürze heraus, sagt, daß ich mich umziehen und dann, da es an der Zeit ist, zum Abendessen herunterkommen soll. Sie geht. und ich bin allein. Ich sehe mich um: Ein freundlicher kleiner Saal. nur fünf Betten, sein säuberlich, und durch die Fenster ein herrlicher Blick auf tiefschvarze Tannenwälder. Ich sehe dies alles wie im Traum und fühle mich entsetzlich müde. Das Kleid. das ich nun anziehe, ist rosa in der Farbe und die Schürze dazu aus schwarz geblümten Satin. Also stimmt es doch nicht, daß man in den Fürsorgeanstalten ein langes graues Büßergewand tragen muß. Nun bin ich bereits ein halbes Jahr hier. Am achten Tage meines Hierseins hörte ich, daß ich sogar bei den Schlimmeren bin. Offenbar lauten die Papiere über mich sehr ungünstig. Können denn die Menschen sich gar nicht vorstellen, daß tiefstes Unglück einem zu Taten treiben kann, die als Verbrechen erscheinen? Aber ich muß über mich selbst lachen: Milfühlen verlange ich von den Menschen von Heute, die doch alle nur mehr oder weniger keine Ich=Menschen sind? Diese Gedanken verließen mich nicht. Dazu kam das Stillschweigen, das unendlich schwer auf mir lastete. Es wurde mir so eng, und es war enir, als müßte ich ersticken. Ich konnte nicht mehr und versuchte durchzubrennen. Aber es mißlang. Ich hatte schwere Tage. Doch Schwester J., die sich schon am ersten Tage sehr um mich ann ihm, ve stand es, mir das Wiedereinfinden in die Anstalt leicht zu machen. Ich höre es heute noch, wie sie sagte:„Wie kannst du uns verlassen wollen, die wir es so gut mit dir meinen!“ Nun habe ich mich ganzi gut eingewöhnt. Die Schwestern sind auch mit meinen Arbeiten recht zufrieden, weniger dagegen mit meinem Benehmen. Ich kann mich doch noch immer nicht an das Wort „Kind“ gewöhnen: den Schwestern antworte ich nur mit den knappsten Worten. Ich kann mir eben nicht denken, daß sie mich in all meinem Leid verstehen können.— Heute fanden wieder Reigen im Freien statt. Ich habe das erstemal mitgemacht. Sonst habe ich mich immer aedrückt. Ich finde es zuviel verlangt, mit schwerem Herzen zu tanzen und zu singen. Aber heute machte ich der Schwester J. zuliebe mit, und ich merkte, daß sie sich darüber gefreut hat. Wohl konnte man mir ansehen daß ich nicht so recht mit dem Herzen dabei war. Aber es hat doch einen ganz besonderen Reiz, wenn die Gesamtschar der Zöglinge, die einen in rosa, die andern in hellblau