(Paptisten), Is(Baracke) ibelstunde. Sonnteg : Heile erkündung. Herner Straße 10 ag 4 Uhr. Rittwoch z. 2 Uhr Sonntagsrmanden= und KateSchubertstraße 33 stunde; 11 Uhr Kingeliumsverkündigung. nde Friedhofstraße 11 tunde. 11 Uhr Kintag abend.30 Uhr Heurichenbg. Straße) tag 4 Uhr. Mittwoch zachmittag 2 Uhr. 30—.30 Uhr Sonn7 Uhr Gottesdienk. 62. Jahrg. Castroper Zeitung Rauxeler Neueste Nachrichten Bladenhorster Tageblatt Der Stadtanzeiger erscheint wöchentlich 7mal. Wochenbezugspreis 50 Pfg. Postbestellpreis 2 RM. monatlich. Ersatzansprüche können bei Störungen im Erscheinen infolge höherer Gewalt nicht gestellt werden Drus und Verlag: Geschw. Schmitz in Castrov=Rauxel. Hauptschriftleiter, verantwortlich für den Textteil: Franz Josef Pruns in Castrop=Rauxel. Anzeigenleiter: Wilhelm Welter in Castrop=Rauxel. DA. VIII. 36 1630. Sa.=Nr 2151 Castrop. Anzeigenpreis: 1 mm hoch und 22 mm breit 4 Pfg. Textanzeigen 1 mmn hoch und 72 mm breit 25 Pig. Nachlaß nach den vom W. d. D. W. herausgegebenen Richtlinien. 3. 3t. gilt Preisliste Nr. 2. Für Platzwünsche, auch für die durch Fernsprecher aufgegebenen, sowie für undeutlich geschriebene Aufträge wird keine Gewähr übernommen. Schluß der Anzeigen=Annahme 4 Uhr nachm. tags zuvor. Erfüllungsort u. Gerichtsstand Castrop=Rauxel. Amtliches Veröffentlichungsblau für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Allgemeines Kreisblau für den Stadtkreis Castrop=Rauxel. begner, die einen n. entvuppte sich id, das so lange bis es sich im 2183 2288 Das Welt des Lallbvleitstes zum Reichstreffen des Landdienstes in Tilsit Hervorgerufen durch die liberalistisch=kapitalistische und dadurch ungesunde Aufwärtsentwicklung der Industrie einerseits, und durch die Verelendung des Bauerntums und die Entwertung der Arbeit auf dem Lande andererseits, begann schon vor dem Welttriege und erst recht nach der Revolte von 1918 eine tegelrechte Flucht vom Lande in die Stadt. Hier wurde den Menschen vom Lande leichtere Arbeit, besserer Verdienst und ein bequemeres Leben geboten. Die Loslösung der Menschen vom Lande und von jeder Bindung zur Heimat und zum Volkstum in den Städten wirkte sich verheerend aus. Als nach den Jahren der Konjunktur die Arbeitslosigkeit in die Millionen stieg, war es leicht, diese verproletanüerten Massen für bolschewistische Umsturzpläne zu mißbrauchen. Den Bauern fehlten überall die notwendigen Arbeitskräfte: tausende ausländische Wanderarbeiter konnten in der deutschen Landwirtschaft Arbeit und Brot finden, während bei uns in den Städten Millionen Menschen feierten und hungerten. Damals war die Landwirtschaft verachtet, man hatte keinerlei Verständnis für die ungeheure Bedeutung des Bauerntums für das gesamte Volk. In dieser Zeit, schon viele Jahre vor der Machtübernahme, wurde der Gedanke der freiwilligen Arbeitsleistung auf dem Lande und das Bestreben. städtische Jugend dem Bauerntum wieder zu gewinnen, in der Jugend selbst lebendig. Die konsequente Verfolgung dieser Bestrebungen mußte aber stets scheitern an der weltanschaulichen und politischen Zerrissenheit der deutschen Jugend. So wie die bündische Jugend unfähig war, der trostlosen Zersplitterung und der sozialen Not innerhalb der Jugend entgegenzuwirken, mußte sie auch mit ihren Bemühungen versagen, dem Ruf eines Teiles dieser Jugend— zurück zur Scholle— zum siegreichen Durchbruch zu verhelfen. Die Zeit des Kämpfens und Ringens um die politische Entscheidung forderte eben von allen, die sich erfolgreich durchsetzen wollten. eine eindeutige kompromißlose Haltung und ein ebensolches Ziel. Allein der„Bund der Artamanen“ in dem Nationalsozialisten die Führung hatten, konnte auf der Grundlage einer straffen, disziplinierten Organisation eine zielbewußte Arbeit für den freiwilligen Dienst der deutschen Jugend auf dem Lande leisten. Diese Leistungen wurden in hervorragender Weise anerkannt, als der Reichsjugendführer den Bund im Oktober 1934 in die Hitlerjugend eingliederte und finden ihre Erfüllungen heute im Landdienst der HJ. In 20 Gruppen von etwa 500 Mann wurde der Aufbau des Landdienstes begonnen; aus diesen kleinsten Anfängen zu beginnen, erforderte angesichts der Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt. ##und die heute noch groß sind, unerhörten Willen und grenzenlosen Idealismus derjenigen, die sich dieser sache verschworen hatten. Ran stand der Bewegung„Stadt— Land“ schon ##inner mit ebensoviel Skepsis gegenüber, wie man ohnmächtig der Landflucht zusehen mußte. Es ist daher kein Wunder, wenn die Bauern und Landvirte dem Landdienst zuerst recht mißtrauisch begegreten, was auch heute noch dort der Fall ist, wo der Landdienst zum ersten Male in Erscheinung tritt. Das liegt durchaus in der Natur der Sache. Man hat doch mit den Städtern seine üblen Erfahrungen gemacht: wenn sie einmal für einige Tage oder Wochen aufs Land kommen, dann sind sie zwar beseistert, helfen sogar mal mit bei der Arbeit, aber für das Leben draußen im Dorse sind sie verdorben und untauglich. So bekommen die Referenten des Landdienstes gar oft zu hören:„Ja. Euer Idealisnus ist recht schön und anerkennenswert, aber die Praxis...?“ Dieser Zweifel ist kein böswilliger; der Bauer braucht Menschen, die nicht nur arbeiten wollen, sondern auch können. Seine Mittel sind nicht so üppig. als daß er sich große Experimente leisten könnte. Diese Bedenken können aber mit bestem Gewissen ##rstreut, werden. Wie die Praxis aussieht, beweisen heute 500 Landdienstgruppen mit über 6000 Jungens, beweisen hunderte Landdienstler, die nun schon einige Jahre in der Landarbeit tätig sind, und das beweisen letzten Endes die Urteile der Betriebsfuhrer, die alle ihre Zufriedenheit mit den bei ihnen beschäftigten Landdienstlern zum Ausdruck bringen und hervorheben, daß diese im Durchschnitt den anderen Landarbeitern in der Leistung nicht nachstehen. Nun ist das Landdienstwerk der HI noch verhältnIsmäßig jung, so daß nicht verlangt werden kann. man sich überall einen klaren Begriff davon nachen kann. Mancherorts sieht man im Landdienst fur den Ersatz für die volnischen Schnitter, für die Pander= und Saisonarbeiter; man ist der Meinung. d es dem Landdienst nur darum zu tun ist. die „beitslosen Jugendlichen aus der Stadt für einige Monate unterzubringen und gleichzeitig bei der Einingung der Ernte zu helfen. Diese Ansichten sind alsch. Der Landdienst der HJ. will erstmals dem dauernstand bei seiner schweren Arbeit helfen und Parole des Reichsnährstandes zur Erzeugungsschlacht die Mitarbeit der deutschen Jugend sichern. Darüber hinaus aber hat sich der Landdienst die hohe Aufgabe gestellt, einen Teil unserer städtischen Jugend für immer im Dorf ansässig zu machen, um so beizutragen zur Sicherstellung des Landarbeiternachwuchses. Aus diesem Arbeitsprozeß wird sich eine Auslese der Besten herausstellen, die aufgehen wird im Bauerntum, um so wieder den Kreislauf der Geschlechter zu schließen! Deshalb ist der Landdienst kein„Ersatz" und keine„Arbeitslosenvermittlung“, sondern eine Arbeits= und Erziehungsgemeinschaft der deutschen Jugend! Die Jugend kommt freiwillig, meist aus den übervölkerten Industriegebieten zum Landdienst und hat zum überwiegenden Teil den nicht gerade leichten Weg von der Stadt zum Land mit jestem Willen und innerer Bereitschaft angetreten. Sie ist arbeitswillig und arbeitsfreudig. Der Gruppeneinsatz des Landdienstes ist eine einzig mögliche Form, durch die es praktisch gelingt, Die nachfolgende Abhandlung aus der Feder des durch verwandtschaftliche Beziehungen mit Castrov=Rauxel verbundenen evangelischen Pastor Arthur Becker von Nao me toque(Brasilien) konnte mit Rücksicht auf eine in Brasilien herrschende verschärfte Briefzensur erst am 28. Juli 1936 zur Post gegeben werden. Wenn sie auch verspätet überkam, so ist die Arbeit doch jetzt anläßlich dor zur Zeit in Erlangen stattfindenden 4. Reichstagung der Auslandsdeutschen= Organisation besonders aktuell. Der Verfasser der Abhandlung tritt nach siebenjähriger Arbeit in Brasilien im November einen halbjährigen Deutschlandurlaub an der ihn auch mit seinen zahlreichen hiesigen Freunden und Bekannten wieder zusammenführen wird. In diesen Tagen. 15. bis 18. Mai, findet an der Wiege der Riograndenser Deutschtums in Sao Leovolde die Jubiläumstagung der Deutschen Evangelischen Kirche von Rio Grande do Sul statt. Damaks, vor 50 Jahren. versammelten sich hier auf Initiative des 1925 entschlafenen langjährigen Sao Leopoldenser Pfarrers und deutschen Verlagsinhabers D. Dr. Wilhelm Rotermund eine kleine Anzahl Pfarrer und Gemeindevertreter, die sich inmitten fremden Volkstums und anders gearteter Umgebung eng umrissene Satzungen gaben und damit den ersten Schritt zur Synode tätigten. Von Späteren wurde der Boden weiter bearbeitet, so daß aus dem damals gelegten Samenkorn der wuchtige Bau unserer Deutschen Evangelischen Kirche, der stärksten evangelischen Kirche in Südamerika, erstehen konnte. Was Jene 50 Jahre vor uns hier zu schaffen beabsichtigten, das haben wir heute: eine deutsche Volkskirche unter dem Kreuz des Südens. Daß eine solche Kirche in fremdem Land und Erdteil als Hauptträgerin unseres Volkstums um ihren Bestand dauernd zu ringen und zu kämpfen hat, liegt klar auf der Hand. Die Schwierigkeiten dringen weniger von außen herein, vielmehr erstehen sie in den eigenen Reihen. Dem Charakter der katholischen Kirche entsprechend wird auch dort, wo es sich in der Hauptsache um Deutschbrasilianer handelt, in sämtlichen Hochämtern nur vortugiesisch gepredigt. in vereinzelten Früh= und Nebenmessen nur deutsch. Bei Protestanten, die nicht tiefer denken, führt das dann manchmal zu der Folgerung:„Was bei den Katholiken möglich ist, braucht bei uns nicht unmöglich zu sein, auch wir konnten abwechselnd deutsche und vortugiesische Gottesdienste haben." Würde diesem Gedanken innerhalb unserer hiesigen Kirche breiterer Raum gewährt, dann wäre auch von uns aus der erste Schritt zum völkischen Indifferentismus getan. Um das zu vermeiden, um dafür Sorge zu tragen, daß unserer hiesigen Volksgruppe einst Führerversönlichkeiten erstehen, die hiesigem Lande entstammen, für die die Begriffe„Volkstum und Vaterland" nicht Gegensätze bedeuten, sondern für die eins Voraussetzung zum andern ist, wird gelegentlich der Jubiläumstagung der Synode der Grundstein zum Evangelischen Deutsch= brasilianischen Gymnasium gelegt, das staatliche Anerkennung besitzt. Auf diese Weise findet unser ganzes hiesiges Privatschulwesen seine Krönung. An diesem Gymnasium wird der junge Deutschbrasilianer zum vollwertigen brasilianischen Staatsbürger erzogen. Jene völkischen Werte aber, die ihm einst in frühester Jugend in seiner einfachen Schule in die empfängliche Kindesscele hineingelegt wurden, verkümmern nicht mehr, sie werden weiter gepflegt, der junge Mensch lernt sie lieben und schätzen. Der Begriff Volkstum schließt den Begriff Vaterland nicht aus. Gott hat uns als Angehörige einer bestimmten Rasse, eines besonderen Volkstums geschaffen. Dadurch hat er die urewigen Gesetze des Geistes und des städtische Jugend auf das Land zu verpflanzen. Das kameradschaftliche Beisammensein, das Bewußtsein, einer großen Gemeinschaft anzugehören, gibt dem einzelnen die Kraft, manche Entbehrungen und Härten, die das Leben auf dem Lande mit sich bringt, zu ertragen und zu überwinden, um dann allmählich in der neuen Umgebung zu verwurzeln. Die verachtete Landarbeit wird so zum Ehrendienst für die deutsche Jugend! So wächst der Landdienst langsam zu einem großen Werk, das einzig durch seine praktischen Leistungen die Notwendigkeit und Bedeutung seines Bestehens rechtfertigen und beweisen will. Am 6. September tritt der Landdienst zum ersten Male in einer großen Kundgebung vor die deutsche Oeffentlichkeit. Und er kann es mit Stolz als eine Anerkennung seines bisherigen Erfolges bezeichnen, wenn seine Führerschaft durch den Reichsjugendführer dort. an der äußersten Nordostecke des Reiches, die Parole für ihre weiteren Aufgaben erhält. Blutes in unsere Seele hineingelegt, denen niemand ungestraft zuwiderhandeln kann. Ob wir wollen oder nicht: dieses Blut pulsiert in unseren Adern. ob wir wollen oder nicht: dieser Geist durchwebt unser ganzes Wesen. Wer seinem Volkstum die Treue hält, ist ein Charakter, weil er sich in seinem Handeln von den zutieist in seinem Innern verankerten Gottes= und Naturgesetzen, aus denen sich seine Grundhaltung zwangläufig ergeben muß, leiten läßt. Als Angehörige eines bestimmten Volkstums werden wir geboren, die Staatsangehörigkeit hingegen können wir durch einen formellen Akt erwerben oder aufgeben. Wie will nun jemand. der sein Volkstum, und damit im tiefsten Grunde sich selbst, renegiert, seinem Vaterlande und dessen Fahne. der er geschworen, die Treue halten! Es ist nicht zuviel behauptet: ein völkischer Renegat wird in jedem mit Gefahr verbundenen Falle. der zu versönlicher Entscheidung drängt, auch zum erbärmlichen Verräter seines Vaterlandes. Ganz im Gegensatz zu solchen Menschen wird jemand handeln, dem das Volkstum heiligstes Gut ist. Für ihn sind Volkstum und Vaterland nicht zu trennen, für ihn als Charakter und in sich geschlossene Persönlichkeit erfordert Treue in einem Falle auch Treue am andern. Menschen solcher Gattung ist auch die Muttersprache ein kostbares Vermächtnis. Ihnen ist die Sprache nicht nur Mittel zum Zweck, was etwa dahin zu formulieren wäre: durch Zweisprachigkeit kann man bessere Geschäfte machen. Sprache ist mehr, sie ist die Bindung von Geist und Blut. Dafür nur ein ganz banales Beispiel: Bei meinen zahlreichen Beerdigungen solcher Volksgenossen, die sich samt ihren Angehörigen privatim und auch geschäftlich mehr der Landessprache als der Muttersprache bedienten, habe ich es nie erlebt. daß man nun auch am Grabe in der Landessprache klagte und jammerte, nur die Muttersprache kam in Frage selbst in den Fällen, wo ich nach beendeter deutscher Amtshandlung und deutscher Grabrede mit Rücksicht auf anwesende Behörden einen landessprachlichen Nekrolog anknüpfen mußte. Schon dieses eine Beispiel zeigt uns, daß in Fällen höchster Freude und tiefsten Schmerzes alle äußere Politur plötzlich verblaßt, daß dann die Gesetze des Geistes und des Blutes sich nicht mehr zwingen lassen, daß sie in der Muttersprache, selbst wenn man sie nur unbeholfen noch spricht, ihren reinsten Ausdruck finden. Volkstum und Vaterland, wenn diese Begriffe sich für unsere hier geborenen Volksgenossen in ihrer Gesamtheit als ein unzertrennliches Ganze erweisen, dann steht unsere hiesige Volksgruppe für alle Zeiten gesichert da. Dieses Ziel zu erreichen ist unter anderem die vornehmste Aufgabe unserer Schulen, ganz besonders aber auch die des neu gegründeten Evangelischen Deutschbrasilianischen Gymnasiums an der Wiege des Riograndener Deutschtums in Sao Leopolde. Wir Auslandsdeutschen wissen, welche großen Dinge und Ideen die Volksgenossen der Stammesheimat bewegen, wir verfolgen das Geschehen daheim mit gespanntem Interesse und bedauern, nicht aktiv daran beteiligt sein zu können Obige Zeilen sollen den sich für das Auslandsdeutschtum besonders interessierenden Kreisen das Hauptproblem aufzeigen, um dessen Lösung wir hier draußen auf Vorposten deutschen Volks tume ringen. Die Jahrestagung der katholischen auslandsdeutschen Mission Frankfurt a. M. In Frankfurt a. M. sand dieser Tage die Jahrestagung der katholischen auslandsdeutschen Mission statt, in der unter der Leitung des Reichsverbandes für die katholischen Auslandsdeutschen die auslandsdeutsche Seelsorgearbeit aller auf diesem Gebiete tätigen Verbände zusammengesaßt ist. Annähernd 500 deutsche Welt= und Ordenspriester sowie Laien, die in der volksdeutschen Arbeit stehen, aus dem Reich und 36 anderen Ländern. in denen deutsche Gemeinden und Volksgruppen betreut werden, hatten sich zusammengesunden. Die Tagung begann mit einer liturgischen Feierstunde im Frankfurter Dom, bei der Bischof Berning auf die Grundlagen und Ziele auslandsdeutscher seelsorgerischer Arbeit hinwies. Auf dem anschließenden Begrüßungsabend hieß der Bischof von Limburg, Dr. Antonius Hilfrich. die Gäste aus aller Welt herzlich willkommen, vor allem die anwesenden Kirchenfürsten: Erzbischof Rodic aus Belgrad. Bischof Dr. Hudal aus Rom, Bischof Xaver Geyer, den Leiter der auslandsdeutschen Priesteranstalt in Kloster Banz und den Abt Simon Landesdorfer aus Scheyern. Der Leiter des Reichsverbandes, Konsistorialrat Dr. Scherer, umriß den Zweck der Tagung und begrüßte die Vertreter der Reichsregierung. der Partei. der Stadt Frankfurt und die vielen Mitarbeiter aus dem In= und Auslande. Geheimrat Dr. Langmann vom Auswärtigen Amt Berlin sprach im Namen der volitischen Stellen und der Auslandsorganisation der NSDAP. Er führte aus, daß deutsches Wesen und religiöses Erleben immer in enger Verbindung gestanden haben und dankte den Trägern der katholischen auslandsdeutschen Mission. die ihre Arbeit im Bewußtsein des Zusammenklanges von Schöpfung und Glauben leisteten, für ihr opfervolles Wirken am deutschen Volkstum. Lebhafter Beifall erhob sich, als der Belgrader Erzbischof Raphael Rodic versprach, den 150000 katholischen und deutschen Volksangehörigen seiner Erzdiözese die muttersprachliche Seelsorge zu gewährleisten. Die Haupttagung wurde eröffnet mit einem grundlegenden Reserat des Leiters des Reichsverbandes. Dr. Scherer. Ausschnitte aus der auslandsdeutschen Arbeit gaben der Rektor der Bonisatius= gemeinde in Paris. Franz Stock. und der Direktor der katholischen deutschen Lehreranstalt„Banatia“ und Vorsitzender des Banater Bonisatiuswerkes in Temesvar, Ehrendomherr Josef Nischbach, Professor Dr Grentrup(Berlin), dessen auslandsdeutsche Forschungsarbeiten weithin bekannt sind. gab einen Ueberblick über den Einsatz der deutschen „Orden in der auslandsdeutschen Missionsarbeit. Der deutsche Seelsorger in Madrid. Msgr. Birkenfeld der Wochen hindurch Augenzeuge der spanischen Greuel war, berichtete von seinen aufrüttelnden Erlebnissen und fand Worte dankbarer Anerkennung für das Hilfswerk der deutschen Behörden und der Madrider deutschen Botschaft, denen sich Bischof Berning mit warmen Worten anschloß. daß der Nationalsozialismus Deutschland vor diesen bolschewistischen Greueln bewahrt habe. Anschließend überbrachte der Leiter der römischen Anima, Bischof Dr. Hudal, die Grüße der deutschen Kolonie in Rom. Die Mitgliederversammlung beriet sodann über die Förderung der praktischen Arbeit, die in den letzten Jahren ungemein stark ausgebaut wurde, und traf eine Reihe von weittragenden Entschlüssen. Sonderpostanstalten fahren nach Nürnberg Dresden. Zwei Marschstaffeln von Teilnehmern des Gaues Sachsen der NSDAP., die am 8. September von Hof aus den Anmarsch zum Reichsparteitag in Nürnberg beginnen, werden durch je eine fahrende Sondervostanstalt begleitet. Beide Postämter führen Stempel mit der Inschrift:„Dresden— Hof—Nürnberg. Marschpost“, und der Umschrift „Marschstaffel zum Reichsparteitag der NSDAP., Gau Sachsen". Die beiden Postanstalten verkaufen Postwertzeichen, nehmen Briessendungen, gewöhnliche Pakete und Telegramme an und geben Postsendungen jeder Art und Telegramme an die Marschteilnehmer und später auch an die sächsischen Teilnehmer am Reichsparteitag in Nürnberg aus. Anträge auf Abstempelung von Sammlermarken nimmt das Postamt Dresden A7 entgegen. dem die beiden fahrenden Sondervostanstalten unterstellt sind. Reichspost stellt Anwärter für den gehobenen mittleren Postfachdienst ein Bei der Deutschen Reichspost soll wieder eine Anzahl von Anwärtern für den gehobenen mittleren Postsachdienst eingestellt werden. Die Bewerber, die das 23. Lebensjahr nicht überschritten haben. sollen(Ausnahme: gedienter Jahrgang 1913), müssen die Reiseprüfung(Abitur) abgelegt haben und der HJ. der SA., der SS., dem RSKK. oder der NSDAP. angehören und dort die weltanschauliche Schulung der NSDAP. mit Erfolg durchlausen haben. Bevorzugt werden diejenigen Bewerber,— sonstige Eignung vorausgesetzt— die sich vor dem 30. Januar 1933 für die nationalsozialistische Volkserhebung außergewöhnlich betätigt haben und solche. die ihrer aktiven Dienstpflicht bei der Wehrmacht in Ehren genügt haben. Auf sportliche Durchbildung wird besonderer Wert gelegt. Einstellungsgesuche sind an die Reichspostdirektion zu richten, in deren Bezirk der Bewerber seinen Wohnsitz hat. Sie könenn nur in Betracht gezogen werden, wenn sie bis zum 30. September 1936 vorliegen. Volrblam und Balerrand Zur Tagung der Auslandsdeutschen in Erlangen Von Pfarrer Arthur Becker, Nao me toque. Brasil „Andbrra, frei und neutral Aus dem beschaulichen Eigendasein her ausgerissen— Ein staatliches Kuriosum in Schwierigkeiten NSK Der kleine Pyrenäenstaat Andorra. ein historisches Kuriosum aus grauer Vorzeit, dessen Ueberlieferungen bis auf Karl den Großen zurückreichen. ist plötzlich in das Blickseld des politischen Geschehens gerückt worden. Rote spanische Milizen haben die Grenze überschritten und einen Priester französischer Nationalität ermordet, rote Banden plündern den Viehbestand der Ondorraner und zwingen sie. bewaffnete Wachen auszustellen. So wird denn die kleine Republik mit rund 7000 Einwohnern und mit einer Ausdehnung von 450 akm in den Strudel des spanischen Bürgerkrieges hineingezogen. Vor wenigen Jahren noch lag Andorra ganz außerhalb der Beachtung. Die Bewohner der feudalen Gebirgsrepublik führten ein schlichtes und unkompliziertes De dasein als Schmuggler zwischen Spanien]? änderten sich, an ihre Stelle trat bei der Bevölkerung die Gier nach Verdienst und nach bisher ungekannten Luxusgenüssen. Hotels wurden gebaut. um den Touristenverkehr anzulocken, und schließlich sollte auch ein großes Spielkasino, um nicht hinter Monaco zurückzustehen, errichtet werden. Mit der Umschichtung der Begriffe begannen auch politische Forderungen. Die Jugend Andorras verlangte politische Rechte und eine Neuordnung der mittelalterlichen Versassung. Ein Aufstand brach aus. Dieses unblutige Revolutiönchen hätte weiter keine Bedeutung gehabt, wenn nicht der Präsekt von Pervignan, als Vertreter der französischen Fürsten, sich nicht eingemischt und souveräne Rechte geltend gemacht hätte. Da der Generalrat sich auf seine Urkunden stützend. die Einmischung des Präjekten verbat, so ließ dieser der politischen Kommissare im Heere und der Marine abgeschafft werden sollen. Es ist begreiflich, daß Jagoda, schon mit Rücksicht auf den französischen Verbündeten, sich eifrig bemüht, die Bedenken über einen Aufruhr innerhalb der roten Streitkräfte zu zerstreuen. Zu diesem Zwecke will er den Nachweis führen, daß es sich bei beiden Verschwörergruppen lediglich um innerpolitische Ambitionen machtlüsterner Politiker handele. von denen das rote Heer als solches unberührt bleibe. und Frankreich. Wer die Hauptstadt Andorra la]30 Gendarmen in Andorra einmarschieren, und Vieia besuchen wollte, mußte einen beschwerlichen drohte mit der Anwendung von Gewalt, falls man Maultierritt über unwe nehmen Ein Generalrat von zwölf Notablen führte die Regierungsgeschäfte. und die beiden Prinzen von Andorra d. h. der Präsident von Frankreich als Erbe der Könige und der Bischof von Seo de Urgel. begnügten sich damit, sich durch je einen sogenannten „Vequers" vertreten zu lassen. Die Rechte der mußte einen beschwerlichen#8½nan##er Anwendung, von G degsame Felsgrate unter sich seinen anordnungen nicht jüge. Das Vorgehen Frankreichs stieß auf den heitigen lasse aber im einzelnen dem Klerus der betreffenProtest des spanischen Mitfürsten, des Bischofs von den Länder freie Hand. Pius XI. habe sich in einem Seo de Urgel und auf den der Madrider Regierung. Gespräch mit einem spanischen Flüchtling außerDer Vatikan gegen den Kommunismus Aktion des Papstes steht bevor Es mehren sich die Meldungen und Vermutungen, die eine scharfe Stellungnahme des Vatikans gegen den Kommunismus in nahe Aussicht stellen. Der Papst betrachte den Kommunismus als die allerschlimmste Gefahr für Europa und die ganze Welt, gegen die eine systematische Aktion zu führen sei; er habe in seinen jüngsten Besprechungen mit österreichischen, französischen und ungarischen Bischöfen die Richtlinien für diese Kundgebungen erteilt, er lasse aber im einzelnen dem Klerus der betreffenDer damalige spanische Außenminister. Fernando de los Rios, der übrigens seine Doktorschrift über Andorra geschrieben hatte, richtete ertreten zu lassen. Die Rechte der eine sehr energische Note an den Könige von Frankreich als Mitfürsten von Andorra! Quai'Orsay, reichen auf Louis le Debonnaire zurück, der für die in der er ausführte, daß Frankreich ohne ZustimAndorraner einen jährlichen Tribut nach heutigem mung des Mitprinzen, also des Bischofs von Seo de Gelde von 900 Franken festsetzte, der auch heute noch Urgel. nicht berechtigt sei. einen Souveränitätsakt an den Prändenten von Frankreich entrichtet wird. in Andorra auszuführen. Die französische Auslegung. Er hat dafür das Recht, sich„Prince'Andorra“ zu daß der Bischof in Andorra nur eine geistliche nennen, und in der Tat wurde Poincaré unter dem Autorität besitze, wurde zurückgewiesen. Die gesamte Gelächter des Parlamentes einige Male mit diesem spanische Presse stellte sich hinter den Minister, auch Titel angeredet. Der Bischof von Seo de Urgel als die oppositionelle, und betonte, daß Spanien es nieMitprinz bezieht einen höheren Tribut. mals zulassen dürse, daß sich Frankreich im Norden Spaniens. auf den Südabhängen der Pyrenäen. ein französisches Gibraltar schafse. Denn durch Andorra führt die neuangelegte Autostraße bis hinab zum Mittelmeer. die als Zufuhrstraße für die schwarzen Reserven Afrikas dienen könnte. Dank der Energie der Madrider Regierung wurde der französische Vorstoß auf Andorra zurückgewiesen, und die Gendarmen Frankreichs zogen sich wieder zurück. So hat denn Andorra seine Eigenstaatlichkeit behalten, über die es eisersüchtig wacht. ihren Bis zum Jahre 1929 kümmerten sich die Andorraner wenig um die Außenwelt. sie lebten friedlich am Rande der Geschichte dahin, sangen ihre Hymne „Andorra frei und neutral!" aber im September desselben Jahres stattete ihnen der Präsident von Pervignan im Namen des Präsidenten von Frankreich einen Besuch ab; auch der Kanzler des Bistums von Seo de Urgel war erschienen. Beide Herren wurden mit außerordentlichen Ehren. als Vertreter der Fürsten, empfangen. Aber mit der idollischen Ruhe in Andorra war es zu Ende. Dem Da nun die Andorraner ihrer. Sprache und ihren Genralrat wurde nämlich ein Vertrag unterbreitet. Sitten nach zu den Katalanen zahlen, so sind sie auchn Dem Da nun die Andorraner ihrer Sprache und in dem er sich verpflichten sollte, Kavitalistenaruppe das Wasserkräfte des einer französischen mehr mit panien als mit Frankreich Recht einzuräumen, diesverbunden. Ihre Rolle im Bürgerkriege ist des Ländchens auszubeuten schwierig; eingekeilt zwischen den spanischen Provinund eine Autostraße anzulegen. Vergebens warnte# von Lerida und Gerond und der ftandvüschen der Vorsitzende des Generalrates. der meinte, daß mit dem Augenblick. in dem Andorra dem Kavitalismus die Türen öffnen würde, mit ihm alles Uebel über das Land kommen würde. Der Vertrag wurde unterzeichnet. Zahlreiche französische und spanische Arbeiter wurden nun in Andorra beschäftigt. Mit ihnen kam auch die Unruhe, denn syndikalistische und kommunistische Agitatoren. auch verbrecherische Elemente, denen der Boden in der Heimat zu heiß geworden war, kamen zusammen mit den Arbeitern und fanden in Andorra ein unerwünschtes Asyl. Die vatriarchalischen Sitten zen non Lerida und Gerona und der französischen Pyrenäengrenze, fällt es ihnen schwer, ihre Neutralität zu wahren, zumal in Wirklichkeit keine richtigen Grenzscheiden bestehen, und sie selbst über keine Soldaten verfügen, um eine Grenzverletzung zu verhindern. Die Viehherden der Andorraner werden von den roten Banden geplündert, kommunistische und anarchistische Milizen dringen in das andorranische Gebiet ein, um sich vor den Verfolgungen der nationalen Truppen zu schützen. Spanien ist unfähig. Andorra vor einer Neutralitätsverletzung zu schützen, und der Präsident von Frankreich, als Fürst von Andorra, scheint zur Zeit auch andere Sorgen zu haben, obwohl Andorras Selbständigkeit gefährdet erscheint. U. St. ordentlich scharf gegen den Kommunismus ausgesprochen zer habe betont, die christliche Menschheit sollte eine Einheitsfront zu ihrem Schutze gegen die wachsende kommunistische Gefahr bilden. Der Papst scheint entschlossen zu sein, nach seiner Rückkehr aus seiner Sommerresidenz, den Kampf gegen die kommunistische Weltgefahr fortzuführen, wozu der vatikanische Berichterstatter der römischen Zeitung„Stampa“ schreibt:„Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sich die Absichten Pius XI. nach seiner Rückkehr in die Vatikanstadt in neuen wichtigen Manifestationen kundtun werden. Der Papst scheint die Absicht zu haben, den Kampf bis auf den Grund zu führen, auch wenn er im Augenblick in einigen Ländern auf eine stärkere Reaktion stoßen sollte.“ General Schmidt von Knobelsdorf gestorben Flensburg. In Glücksburg ist der ehemalige Generalstabschef der Kronprinzen=Armee während der Kämpfe bei Verdun, General der Infanterie Konstantin Schmidt von Knobelskhrf, im Alter von 75 Jahren gestorben. Auf 72 000 Einwohner ein Finanzamt Wie sich aus einer Darstellung von Ministerialrat Groth vom Reichsfinanzministerium in der„Deutschen Steuerzeitung“ ergibt, beträgt die Zahl der Finanzämter in Deutschland 917, die sich auf 23 Landesfinanzamtsbezirke verteilen. Im Reichsdurchschnitt kommt auf 72007 Einwohner ein Finanzamt. In Preußen und Sachsen sind es mehr als 85.000, in Bayern und Württemberg nur knapp 50000. Diese Unterschiede sind hauptsächlich dadurch begründet. daß die Finanzämter in Süddeutschland einen größeren Geschäftskreis haben, da ihnen auch die Verwaltung einer Reihe von Landesaufgaben obliegt. Die Größe eines Finanzamtsbezirkes soll immer so bemessen sein, daß dem Leiter die Uebersicht über die wirtschaftliche Gestaltung des Bezirks nicht verloren geht In 19 Fällen sind deshalb in den letzten Jahren Teilungen von zu großen Finanzamtsbezirken erfolgt. Gegenwärtig schweben Pläne zur Teilung weiterer größerer Finanzamts= bezirke, die demnächst zum Abschluß kommen werden, z. B. der Finanzämter Düsseldorf, Kassel, Kiel und Köln. Aber nicht nur die Teilung, sondern aus Vereinfachungsgründen auch die Zusammenlegung von Finanzämtern wird durchgeführt. Seit Bestehen der Beichslinanzverwaltung sind 127 Finanzämter aufgehoden und mit benachbarten vereinigt worden. In den Gemeinden, die ihr Finanzamt verloren haben, ist den Wünschen der Bevölkerung nach mündlichem Verkehr mit der Steuerbehörde durch die Einrichtung von Steuersprechtagen und Steuerzahlstellen entsprochen worden. Seit der Machtübernahme ist die Aufhebung von Finanzämtern möglichst vermieden worden. Die Beamten des Finanz= amtes sollen in enger Fühlungnahme mit den Volksgenossen ihres Bezirkes bleiben, weshalb die Bezirke nicht zu groß sein dürfen. Beiost für Marxisten nicht ratsum! Französische Volksfront=Reisegesell schaft in Sowjetrußland unerwünscht SolbzeitertoriVottbolt Panik in der russischen Kolonie— Ein 36 stündiges Verhör— Frankreichs Furcht vor dem Chaos der koten Armee London. Agenten der GPU., der berüchtigten sowjetrussischen Geheimpolizei, sind augenblicklich damit beschäftigt, die gesamten Mitglieder der Botschaft, des Generalkonsulats und der„Arcos“(Handelsvertretung) zu terrorisieren. Die ganze sowjetrussische Kolonie— mit Ausnahme der vermanenten Spitzel und vier sanatischer Stalin=Anhänger— befindet sich in einer Panik. Fast alle Angehörigen des Londoner Sowjetversonals sind einem langen Verhör unterworfen worden. Ein russischer Ingenieur, der mit einem großen britischen Unternehmen über den Abschluß eines Millionengeschäfts verhandelte, erklärte der Firma bereits zum dritten Male, daß die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit verschoben werden müßten. Er selbst wurde durch die Agenten der GPU. volle 36 Stunden ohne Unterbrechung verhört. Nach dieser überaus anstrengenden Vernehmung, bei der Druckmittel angewandt wurden, die jede Phantasie übersteigen, brach der Mann völlig zusammen. Er mußte sich in ärztliche Behandlung begeben und soll nunmehr in eine Heilanstalt übergeführt werden. Unter den Russen in London und anderen engauch die Nachforschungen sofort in London begonnen und die tüchtigsten Kövfe der GPU. zur Untersuchung in die Londoner Sowjetdienststellen entsandt. In einem scharf bewachten Geheimzimmer der russischen Botschaft in Kensing Palace Gardens sitzen Tag und Nacht die Moskauer Chesspione, um das reiche Material zu sichten, das angeblich zusammengetragen werden konnte. Diese Herren sind die Spezialisten des„dritten Grades". die alles daran setzen, um die Verdächtigten zu Geständnissen zu bewegen. Bei der Untersuchung handelt es sich um zwei scharf voneinander zu trennende Komplotte. Zunächst einmal sucht man Material für die Trotzki=Sinojew=Verschwörung, das bereits 16 führenden alten Bolschewisten das Leben kostete, während noch hunderte einem Sensationsprozeß entgegensehen. Bei der zweiten Verschwörung handelt es sich um ein Komplott innerhalb der Roten Armee. das von London aus finanziert worden sein soll. Obwohl sich Jagoda bemüht, eine Verbindung zwischen den beiden Verschwörungen nachzuweisen. soll ihm dies noch nicht gelungen sein. Stalin versucht, der Unzufriedenheit im Heere keine Beachtung den Russen in London und anderen eng= sucht, der Unzufriedenheit im Heere keine Beachtung lischen Stadten hat ein gegenseitiges Mißtrauen zu schenken, doch wird es namentlich für die franzöPlatz gegriffen, das jeder Beschreibung spottet. Die sischen Kenner russischer Verhältnisse von Tag zu Mitglieder der Sowjetkolonie schneiden sich gegenseitig, empfangen keine Besuche mehr und antworten nicht einmal auf Fernanruse. Nach Dienstschluß schleichen sie auf Umwegen und angsterfüllt in ihre Wohnungen, wo sie hinter verschlossenen Türen nur im Flüsterton sich zu unterhalten wagen. Jedes gesellige Leben stagniert. Die surchtbare Angst vor Wiederholung des Blutbades von 1917/18 läßt keinen frohen Gedanken aufkommen. Die auf der Suche nach„Material“ befindlichen Moskauer Agenten stehen in ständiger Verbindung mit der Lubjanka in Moskau, dem Hauptquartier der GPU. Alle Berichte gehen direkt an den obersten Chef Jagoda. der der selsenfesten Ueberzeugung ist, daß die Verschwörergruppe Trotzki=Sinowjew ihr Komplott in London ausgeheckt hat. Deshalb wurden Tag klarer, daß sich innerhalb der Roten Armee Ereignisse von symptomatischer Bedeutung und größter historischer Tragweite vorbereiten. Nach französischer Ansicht unterliegt es keinem Zweifel, daß sich die Rote Armee in einem Zustand völliger Auflösung befindet, daß das Chaos regiert und daß das Offizierkorvs aller Grade in zwei feindliche Lager geteilt ist. In der Roten Armee sollen zwei rebellierende Gruppen festgestellt worden sein. Die eine besteht aus Berufssoldaten, die die Ermordung des Kriegsministers und Obersten Chefs aller roten Streitkräfte. Woroschilow, zum Ziele hatte. Die zweite Gruppe dagegen setzt sich aus den politischen Kommissaren des Heeres zusammen, die wiederum die Ermordung Stalins und seiner Armeeführer plante. weil der Kreml unlängst andeutete, daß die Posten Paris. Der„Matin“, der sich mit den Vorgängen der Sowjetunion beschäftigt, erzählt in diesem Zusammenhang die Geschichte einer der französischen Volksfront nahestehenden Gruppe von Journalisten und Bildberichterstattern, die eine Urlaubsreise nach Sowjetrußland unternehmen wollten. Ihre Aufnahme bei der sowjetrussischen Paßbehörde in Paris sei nicht gerade freundlich gewesen. Man habe sich über ihren Wagemut gewundert, in so ernsten Zeiten eine derartig weite Reise antreten zu wollen. Als die französische Reisegesellschaft weiter auf der Durchführung ihres Planes bestand, habe man ihr bedeutet, daß sie auf ihr Vorhaben verzichten oder zumindest die Reise etwas aufschieben müsse. So sei den französischen Freunden Sowjetrußlands nichts anderes übrig geblieben, als mit ärgerlicher Ueberraschung von ihrem Vorhaben Abstand zu nehmen. Heute, so schreibt das Blatt weiter, begännen diese reiselustigen Franzosen zu verstehen. Vielleicht habe man befürchtet, daß die französischen Journalisten auf ihrer Reise sowjetrussische Berufskollegen treffen könnten, die gern die Gelegenheit benutzt hätten, ihnen das zu sagen, was sie in ihren Zeitungen nicht schreiben dürfen. Das reizvollste an dieser Geschichte sei aber gewsen, daß sich unter den„Verdächtigen“, denen man den Eintritt in das„SowjetParadies“ verwehrt habe, ein waschechter Kommunist und ein Schriftleiter der„Humanité“ befunden habe. Der Streit um Trotzki Zurückweisung sowjetrussischer Beschuldigungen durch Norwegen Oslo. Das norwegische Außenministerium beantwortete die mündliche Demarche des sowjetrussischen Gesandten in der Trotzki=Angelegenheit durch eine Denkschrift. Darin bedauert es die norwegische Regierung, daß die Sowjetregierung für ihre Vorstellungen eine Form gefunden habe, die mit dem Sscih diche Pareng„Ve atnis zwischen Sowjetrußlund und Norwegen nicht in Einklang stehe. Was die Sache selbst betreffe, müsse die norwegische Regierung jeden Vorwurf, sich eines völkerrechtlichen Versäumnisses schuldig gemacht zu haben, auf das bestimmteste zurückweisen. Bereits vor der Entgegennahme der russischen Ausführungen habe sie Trotzki unter eine so scharfe Kontrolle gestellt, daß es in Zukunft als ausgeschlossn gelten könne, daß er die sowjetrussischen Staatsinteressen zu bedrohen imstande sei. Er sei interniert worden, weil er sich geweigert habe, eine neuerliche Erklärung zu unterschreiben, demzufolge er sich jeder politischen Tätigkeit enthalten werde. Was jedoch das Asylrecht betreffe, müsse die norwegische Regierung darauf hinweisen, daß auch die sowjetrussische Verfassung ähnliche Bestimmungen enthalte. Die Ermordung Kirows könne Trotzki weder mittelbar noch unmittelbar auf norwegischem Gebiete vorbereitet haben, weil er erst im Juni 1935 nach Norwegen gekommen sei, während Kirow bereits im Dezember 1934 getötet worden war. Rudeln mit 50-KM.=Scheinen „Sisger. Ein äußerst seltsamer Fall von Devisendem Klever Schöfsengericht verhandelt. Die Zollkontrolle sand im Juli in Elten, als sie die Einkaufstasche einer Ehefrau untersuchte. 5.#ss, Treimengentüte mit Rudeln, 450 RM in 50=RM.=Scheinen. Eine weitere Untersuchung förverie aus einer Mehltüte 350 RM. zutage. Die Angeklagte behauptete, das Opfer einer üblen Verwechslung zu sein. Der holländische Händler hat dem ONRTN Verteidiger der Ehefrau erklärt. eine Summe von annähernd 2000 RM. sei in seinem Geschäft von einem unbekannten jungen Mann in die verschiedentlichen Tüten verteilt worden. Der Irrtum und das Verschwinden der Tüten mit dem Geld habe sich erst herausgestellt, als die Frau bereits die Grenze siert hatte. Während der Staatsanwalt von der Schuld der Angeklagten überzeugt war. hielt das Gericht die Angeklagte nicht für überführt und sprach sie auf Kosten der Staatskasse frei. Der Haftbesehl wurde ausgehoben. Die 800 RM., das Fahrrad und die Freimengen werden eingezogen. Unhaltbare Wasserverhältnisse bei einem Brande Kleinenbroich. Durch einen zum Großfeuer ausgewachsenen Brand. der in einer Scheune des Landwirts Knuttetz ausgebrochen war. wurden mehrere Scheunen und Stallungen des Genannten und des Bauern Hitz eingeäschert, wobei eine Anzahl Schweine in den Flammen den Tod fanden. Zwar bemühten sich die Feuerwehren von Kleinenbroich. Pesch. Korschenbroich und Liedberg eifrig um die Löschung des großen Brandes, konnten aber wegen Wassermangels nur wenig ausrichten. Denn sie mußten immer wieder so lange warten, bis sich ein Brunnen wieder mit Wasser gefüllt hatte. Hoffentlich haben die Besitzer dadurch den Wert eines gut gepflegten Feuerlöschteiches kennen gelernt. Beim Spiel am Lastauto verunglückt Langenfeld. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich in Berghausen. Zwei Kinder hatten sich auf das Trittbrett eines mit Sand beladenen Lastkraftwagens gesetzt. Beim Anfahren des Wagens sprangen die Kinder ab und fielen unter die Räder des Wagens. Das eine der Kinder erlitt schwere Verletzungen. Die Verletzungen des anderen Kindes sind leichterer Art. Verkehrsunfall durch ein Taschentuch Ein Kind getötet, 2 Motorradfahrer schwer verletzt Rommerskirchen. Auf der Straße von Fliesteden nach Büsdorf ereignete sich am Dienstag ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Motorradfahrer mit Soziusfahrerin aus Quadrath bei Bergheim=Erft fuhr, aus Büsdorf kommend. in Richtung Rheydt. Aus entgegenkommender Richtung kam eine Frau mit einem Kind auf der rechten Straßenseite. Dem Kind entfiel ein Taschentuch, das vom Wind auf die andere Seite getrieben wurde. Es wollte das Taschentuch wieder holen und lief in gebückter Haltung in das Motorrad hinein, wobei es schwer verletzt wurde. Kurze Zeit nach der Einlieferung in das Krankenhaus Bergheim ist das Kind seinen Verletzungen erlegen. Der Fahrer selbst erlitt eine Rivvenquetschung. Seine Frau mußte ebenfalls schwer verletzt in das Krankenhaus gebracht werden. Zum zweitenmal reife Erdbeeren Niederlahnstein. Auf dem Markt in Niederlahnstein standen fünf Körbchen Erdbeeren zum Verkauf. Es handelt sich hier um eine zweite Erdbeerernte. Die Erdbeeren wurden„In der Mark" und„Auf dem Berg“ gepflückt. Man führt diese zweite Ernte auf das feuchte Sommerwetter und die gegenwärtige warme Witterung zurück. Allenthalben stehen auch verschiedene Erdbeerkulturen zur Zeit noch in der Blüte, so daß. hält das schöne Wetter an. noch öfters in den nächsten Wochen Erdbeeren geerntet werden dürften. Wundervoll stehen die Klänge im Raum. Sie brauchen nur eins der Rundfunkempfangsgeräte aus dem neven Telefunken-Jahrgang einzuschohen. Kommen Sie zur Vorführung) Ihr Zundlu#khöndies eumchel Juringehihsin in Georcser Don Charlotte Spielmann Zweimal im Monat fahren die Dampfer der Woermannlinie nach Südwest= und einmal nach Ostafrika. An Bord stehen junge, unternehmungslustige Mädchen, weibliche Robinsone, die das Fernweh gepackt hat. Trotz aller Romantik wissen diese jungen Mädchen genau,„was“ sie tun, und gehen keinem unbestimmten Ziel entgegen. Der Frauenbund der Deutschen Kolonial= gesellschaft, Berlin, hat ihnen dazu verholfen, ihre Träume zu verwirklichen. Die einzige Stelle, die die offizielle Erlaubnis hat, jungen Mädchen nach Südwest= und Ostafrika, Kenya, Kamerun, Angora und Südafrika Stellungen als Farmgehilfinnen, Kindergärtnerinnen, Haustöchter, Farmlehrerinnen, Hotelköchinnen und Hotelmädchen zu verschaffen. Nur die Besten der Besten dürfen hinaus, denn sie haben das Deutschtum im Ausland zu vertreten. Der Frauenbund siebt genau, und jede„Schandtat“ kommt heraus— bis zum Zigarettenverbrauch. Von zweitausend jungen Mädchen darf dann etwa eine ihren Traum verwirklichen. Meist kommt diese „Eine“ nach abgelaufenem Kontrakt nicht zurück, ihre Heiratsanzeige steht in der Zeitung; denn die Farmer lassen so leicht keine Frau, die etwas taugt, gehen— sie heiraten sie vom Fleck weg. Es entsteht ein Kreislauf, denn die ehemalige Haustochter ist jetzt Farmfrau; erwartet ein Baby— und eine Haustochter wird im Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft angefordert. Kaum ein anderer Mann weiß eine tüchtige Frau so zu schätzen wie gerade der Farmer, dessen Wohl und Wehe von der Frau, der Helferin und Kameradin abhängig ist. Aber nirgends werden so hohe Ansprüche an Frauen gestellt, wie auf einer Farm. Damit die jungen Mädchen sich keine„Raupen“ in den Kopf setzen, werden sie, bevor sie in engere Wahl gestellt werden, genau über ihre Aussichten, Lebensbedingungen und alles, was sie in Uebersee erwartet, unterrichtet. Am liebsten nehmen jetzt die Farmer staatlich geprüfte Kindergärtnerinnen, die die Unterrichtserlaubnis für die ersten vier Grundschuljahre haben. Die Schulen sind sehr weit gelegen, und die Kinder können darum nicht zu Hause bei den Eltern wohnen. Sie leben im„Schülerheim“ und kommen nur ein= bis zweimal im Jahre nach Hause auf die Farm. Wenn nun die staatlich geprüfte Kindergärtnerin in der Familie Kinder von sehr verschiedenem Alter zu betreuen hat, kann sie das älteste unterrichten und als Kindergärtnerin das kleinste erziehen. Meist hilft dann die Farmersfrau draußen dem Mann auf dem Feld. Je nach Charakter und Veranlagung bleibt auch manchmal die Hausfrau bei den Kindern im Hause, während eine Haustochter die landwirtschaftlichen und häuslichen Arbeiten übernimmt. Darum muß jedes junge Mädchen, das eine Stellung auf einer Farm annimmt, den Anforderungen des Landlebens gewachsen sein. Nur vollkommen gesunde junge Mädchen erhalten auf Grund ärztlicher Zeugnisse die Vermittlung des Frauenbundes. Die Gehälter, die heute von drüben angeboten werden, sind gering, Haustöchter erhalten bei freier Station 2 Pfund Sterling im Monat, Hauslehrerinnen 5 Pfund Sterling im Monat. Bei seiner Stellenvermittlung begünstigt der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft die Absolventinnen der Kolonialen Frauenschule Rendsburg. Sie bildet die Schülerinnen in allen Zweigen eines ländlichen Haushalts aus. Etwas über das Farmerleben in Südwestafrika erzählen Frauen, die„draußen“ waren: die Größe einer Farm beträgt im Norden und in der Mitte des Landes im Durchschnitt 5000, im Süden oft 20.000 Hektar, das ist fast ein kleines Fürstentum. Die ersten Monate, ja oft die ersten Jahre haust der Anfänger meist in dem allerdürftigsten Unterkunftsraum. Es gibt so viele, drängende Arbeit, daß zum Hausbau die Zeit fehlt und auch oft die Mittel. Es müssen Krale für das Vieh gebaut werden, Räume für die Molkerei, Geräteschuppen, der Garten muß angelegt, das Maisfeld geordnet, das Farmland eingezännt werden. Oft muß die Frau sich mit einer offenen Feuerstelle unter einem Kameldornbaum als Küche behelfen. . Was der Haushalt braucht, muß in Hof Dor der Ausreise in die weite Welt (Schirner—.) und Garten selbst erzeugt werden. Oft auch muß sich die Frau um die Außenwirtschaft kümmern, denn Arbeit und Geschäft halten den Mann oft Tage und Wochen von der Farm fern. Die Frau muß dann den nach Hunderten und Tausenden zählenden Viehbestand übernehmen, muß die Einzäunungen abreiten und die Aufsicht über die Feldarbeit der Eingeborenen führen. Für Kinder ist Südwestafrika ein ideales Land. Das schöne Klima, die ungebundene Freiheit der Natur, der Umgang mit den Tieren lassen sie frisch und prachtvoll heranwachsen. Die Kinder müssen überall ordentlich zupacken, und das tun sie alle gern Eine sehr wichtige Arbeit ist das Bewässern des Gartens. In der heißen Zeit trocknet der Boden so schnell aus, daß ein Begießen mit Kannen keinen Zweck hat. Deshalb liegen die Beete tiefer als der übrige Boden, zwischendurch laufen schmale Gräben, durch die man vom Bassin aus Wasser leitet, wenn das betreffende Beet genug hat, wird die Rinne mit einer Schaufel Erde wieder geschlossen, und das Wasser läuft weiter zum nächsten Beet. In den drei Wochen Ferien, im Juli, in der kalten Zeit ist meist Schlachtfest, und dann ist auch die Jagdzeit. Dann geht es mit Auto oder Pferde hinaus in das Gelände, hinter Springböcken oder Kudus her. In jedem Farmerhaus kann man die Jagdtrophäen sehen, die Geweihe auf der Veranda, die Felle als Teppiche und Decken, die Schwänze als Besen und Wedel. Manchmal hängt auch eine Schlangenhaut da, ein Leopardenfell, ein Wildschweinsschädel. Wenn man solchen Bericht gelesen hat, kann man sich als junges Mädchen ein ziemlich genaues Bild von den Schatten= und Lichtseiten eines Lebens in Uebersee machen. Es kommt immer auf den Menschen an, die guten Seiten an einer Sache herauszufinden. Das eigene„Ich“ gestaltet alles um uns herum, und aufbauende Arbeit ist immer schön, auch wenn sie noch so schwer ist.“ Iwei neor Gäfte heitere Erzählung von heinz Steguweit Der Schauplatz fröhlicher Geschichten muß nicht immer ein bekränztes Dorf, eine Jungfernhochzeit oder die Mansarde eines Poeten sein, zuweilen tut es auch, wie in diesem Falle, die Glasveranda eines vornehmen Wirtshauses. Freilich: Menschen, die auf Zehenspitzen schweben und zumeist durch die Nase sprechen, vermeiden das Wort Wirtshaus als etwas Unfeines, sie sagen lieber Restaurant. Ich erzählte: Diese Geschichte trug sich in der Glasveranda eines vornehmen Wirtshauses zu, wo eben ein Gast erschienen war, ein Mann mit Zylinder, seinem Schal und kinohaft sitzendem Mantel. So etwas von Taille, so etwas von Schnitt...! Der Kellner half nur mit den Fingerspitzen dem Herrn aus der Robe, so empfindsam knisterte die nobel modellierte Hülle. Wir alle wissen, der Charakter eines Menschen gleicht nicht immer der Güte seines Kleides; der Bär hat einen edlen Pelz, doch schlägt er sein Opfer erbarmungslos zu Brei; zum andern gleicht der deutsche Schäferhund dem reißenden Steppenwolf, ist aber im Herzen eine treue Kreatur. Will sagen: Der Herr, der eben im Zylinder erschienen war, offenbarte nicht jene Feinheit, die seinem Mantel gut gestanden hätte. Vielmehr setzte sich der Herr zu Tisch, bat um die Speisenkarte, und als ihm weder Würsichen mit Kartoffelsalat noch Eisbein mit Sauerkraut genügten, weil er, wie er meinte, dieses Futter auch zu Hause haben könnte, warf er die Karte auf den Tisch: „Habt ihr keine Krebsschwänze in Dill. Oder Fasanenkeule? Meinetwegen auch Kalbsmedaillon mit Artischocken und Sauce bearnaise—?“ Der Kellner zupfte sich am Frack, wollte eben einen Räusper absenden und geloben, alle diese Dinge stünden zur Verfügung, man müsse sie nur rasch besorgen,— als der Gast seinen Aerger, solchermaßen entzügelte: „Was glotzen Sie mich an? Sie Esel!“ Der Ober, ein Mann ehrsamer Arbeit, war wohl bereit, den anspruchsvollen Besucher so umsichtig zu bedienen, wie er es wünschte, doch konnte sich der befrackte Ganymed nicht entschließen, die Kränkungen des ruppigen Mannes hinzunehmen. Also sagte der Kellner „Mein Herr, mäßigen Sie Ihr Betragen, ich lehne sonst die Bedienung ab—!“ Da fuhr der Fremde vom Stuhl, schwoll kollernd rot, hieß den Ober einen dreisten Patron, dessen Ermahnungen man sich verbitten müsse,— kurzum: Der Auftritt wurde so geräuschvoll, daß der Wirt kam, ohne freilich seine Schlichtungsversuche ob dieses Haders durchsetzen zu können: Der feine Gast griff nach Schal und Mantel, knallte sich die Röhre auf den Schädel und wand sich mit einem heftigen„Pfui Teufel" durch die Drehtür. Der Pause voller Bestürzung und Groll folgte ein neuer Streit, sozusagen der Krieg unter Brüdern. Wie das so oft ist im Leben: Ein Fremdling dringt ein, legt Feuer an, verläßt das Haus und freut sich des Brandes der andern! Diesmal also ließ sich der Wirt den Hergang berichten, genau und Wort um Wort, bis er seinem Kellner nicht ohne wütende Geste die Belehrung gab:„Es sei, wie es wolle, Sie haben die meiste Schuld! Jawohl, Gustav, ein Kellner darf keine Widerworte geben, diese Beherrschung gehört zu seinem Beruf!“ „Der Mann hat mich aber gekränkt. Hat meine Ehre angegriffen... „Gustav, das Geschäft geht vor, das Wohl des Hauses ist Ihre erste Pflicht!“ „Aber...“ „Nichts aber. Merken Sie sich: Der Gast hat immer recht! Sie kapieren: Immer!— Wer ersetzt mir jetzt den Schaden?“ Der Ganymed schwieg, pflückte seine Nummer vom Frack, legte sie auf einen Teller, um sie dem Wirt so appetitlich zu servieren, wie man ein Pastetchen zu reichen pflegt! Und sagte dabei:„Bedaure, dann muß ich dieses Haus verlassen, leben Sie wohl—!“ Stieg hinauf in sein Zimmer, packte den Koffer, und da der Wirt ein bockiger Rechthaber war, ging auch die Aushändigung des Zeugnisses ohne lange Schwierigkeit vonstatten. Am nächsten Tag— das Wetter strahlte— kam wieder ein feiner Herr ins Wirtshaus, wieder trug der Mann, ein anderer als der von gestern, einen seidenen Schal, trug auch einen Zylinder nebst kinohaft feudalem Mantel. So etwas von Taille, so etwas von Schnitt, der Wirt half nur mit den Fingerspitzen dem Gast aus der Robe, so empfindsam knisterte die nobel modellierte Hülle. Den Wirt kränkte es kaum, daß der Besucher ihn keines Blickes würdigte, daß er vielmehr mit abgewendetem Kopf in den Sessel sank, um eine Portion Krebsschwänze, ferner eine Fasanenkeule zu verlangen, vielleicht auch Kalbmedaillon mit Sauce béarnaise... Jetzt erst erkannte der Wirt, die Augen aufreißend, seinen entlassenen Kellner. Wo hatte der Kerl die feinen Klamotten gepumpt?— Da sich der Gast dieses Starren und Staunen nicht gefallen ließ, kläffte er: „Was glotzen Sie mich an? Sie Esel!“ Der Wirt wollte rebellieren, alle Geister der Empörung bäumten sich auf in ihm,— doch dem andern gelang ein diebisches Gelächter. Er flüsterte:„Stille, kein Widerwort, denken Sie ans Geschäft, denken Sie ans Wohl des Hauses. Der Gast hat immer recht! Sie kapieren: Immer!“ Der Wirt schwieg, holte Luft, pflückte die Nummer vom Rock, legte sie auf einen Teller, um dann so appetitlich zu servieren, wie man ein Pastetchen zu reichen pflegt:„Gustav, weil Sie recht haben als Gast,— spielen Sie wieder den Kellner!" Zwischen Fördertürmen und Hochöfen##mnm e **„ Hier ists, wie zum Träumen, Honmlichlte Haten und biging Hahoimpisig Hote Bihs für mein Kind Herrnässte Rutue und kleine beisellinisse Um die Zeugen alter Pracht vergangener Jahrhunderte und herrlicher Naturschönheiten zu bewundern, braucht man nicht den Norden Deutschlands mit seinen germanischen Opferstätten, Hünengräbern und alten Siedlungsstellen aufzusuchen, oder die stimmungsvolle Schönheit der Lüneburger Heide. Auch im Land der roten Erde zwischen Fördertürmen und Hochöfen gibt es Flecken, die davon zeugen, daß dieses Land der Kohle und Eisen voller Gegensätze steckt. In diesen Tagen jährt es sich zum 30. Male, daß das Naturschutzgesetz auch für das Ruhrgebiet in Kraft trat und welche segensreiche Wirkung dieses Gesetz gerade für das Land zwischen Lippe und Ruhr hat, beweisen uns heute die Stätten, die die schönsten Naturschutzgebiete Deutschlands sind. Aus der Reihe der vielen Burgen und Schlösser, Bäume und Baudenkmale seien nur einige herausgegriffen. Ein Urwald im Industriegebiet 400 Jahre alte Bäume— Das Schloß im Verborgenen— Wer kauft den Park? Wohl die wenigsten wissen, daß wir mitten im Herzen des Industriegebietes das schönste Waldgebiet Westfalens haben. Es ist der Wald und Park des Grafen von NesselrodeReichenstein in der jüngsten deutschen Stadt Herten. Schon immer war der Park für die Oeffentlichkeit gesperrt und ist es auch heute noch zum Leidwesen vieler. Aber es ist notwendig, wenn wir diesen Schloßpark, der unter Naturschutz steht, erhalten wollen. Nur einmal im Jahre, am Fronleichnamstage, ist der Park für den Durchzug der Prozession, wie es die Tradition besagt, geöffnet, und dann aber nur für einige Stunden. Die Tore schließen sich wieder für ein ganzes Jahr. Nur unter diesen Umständen konnte sich der Park, der eine Größe von über 120 Morgen hat, so prächtig entwickeln. Früh genug hat man seine Schönheit erkannt und die gesamte 120 Morgen Wald unter das Naturschutzgesetz gestellt, und damit den Menschen des Industriegebietes das herrlichste Stück Wald erhalten, das es im gesamten Westfalen gibt. Kaum hat man das große Schloßtor durchschritten und geht eine prächtige Kastanienallee hinab, dann ist man in diesem Park, der eigentlich den Namen eines Urwaldes eher verdient. Keine Gärtnerhand. hat hier gearbeitet und man sucht vergebens gepflegte Wege. Ganze Morgen sind vielleicht schon seit Jahrzehnten nicht mehr von einem Menschenfuß betreten. Wohin das Auge blickt, ein Urwaldcharakter mit einer stimmungsvollen Schönheit. Ganz natürlich konnte sich dieser Wald entwickeln. Es gibt keine Abschnitte von Buchen, Eichen, Akazien, sondern es ist ein Durcheinander von Bäumen aller europäischen Arten und zahlreichen exotischen Gattungen. Gerade dieses Durcheinander gibt dem Wald eine bestimmte Note. Ein Durchdringen ist für den Besucher unmöglich. Es gibt zwischen zwei Bäumen keinen freien Raum. Unterholz wie es nur eine Dschungel aufweisen kann bis zu einer Höhe von 10 und mehr Meter. Man denkt an die Landschaft unserer Heimat vor der Steinkohlenzeit. So ähnlich wie der Hertener Schloßwald kann sie nur ausgesehen haben. Auch hier wie bei den Bäumen alle Arten von europäischen und ausländischen Sträuchern. Der Waldboden besetzt mit Blumen unzähliger Sorten. Blumen, Sträucher und Bäume, die in unserer Stadt längst ausgestorben sind, wuchern hier. Vom Himmel sieht man nicht viel. Der größte Teil der Bäume hat ein Alter von über 150 Jahre, die ältesten sind über 400 Jahre alt. Mehrere Männer können so einen Baum, wie die Kastaniengruppe sie vor der Ostseite des Schlosses aufzuweisen hat, nicht umfassen. Drei Meter besitzt der Baum im Durchmesser in Brusthöhe, 25 Meter in der Krone. Die anderen haben nicht viel weniger. Herrliche Prachtexemplare sind die Rotbuchen, die nicht weit davon stehen. Sechs Männer reichen nicht aus, um mit ihren Armen so einen Stamm zu umfassen. Der größte von ihnen ist über 40 Meter hoch. Um die Stämme hat sich wilder Wein, Hopfen und Efeu geschlungen. Vom Boden bis zur Krone sind diese Stämme durch die dichten Ranken grün und sind so die Brutstätten der gefiederten Sänger. Majestätisch ragen die Eschen zum Himmel empor, die mit einer Höhe von 20 Meter wohl zu den stattlichsten Bäumen gehören und eine Seltenheit sind. Seltene Formen weisen auch die Kastanien und Akazien auf, deren Aeste gleich am Boden beginnen und auf der Erde liegend in waagerechter Haltung sich den Weg gesucht haben. Bei einigen Bäumen sind die Aeste sogar in den Boden gewachsen und kommen an anderer Stelle wieder hervor. Von den vielen exotischen Bäumen ist zu nennen der Gingko, den es nur noch selten in unserer Heimat gibt. Er ist der Zwitter unter den Bäumen, der Uebergangsbaum vom Radel= zum Laubholzbaum. Dieser Fremdling ist mit seiner Höhe von 12 Meter ein schönes Zierstück des Parkes. Fast ein jeder der Bäume hat hier etwas Besonderes, sei es das hohe Alter, der mächtige Stamm, die seltene Form seines Wuchses, die große Krone oder seine Herkunft. Nicht zu vergessen sind die Eichen, die hier stehen. Eichen, wie sie als knorrig in dem deutschen Lied verewigt sind und man sie nur in Westfalen finden kann. Eichen weist dieser Park auf, hinter deren Stamm sich fünf Männer in einer Front aufstellen können und doch nicht gesehen werden. Ein Urwald im wahrsten Sinne des Wortes ist dieser Schloßwald, der nicht von Rauchschwaden und anderen industriellen Einwirkungen gestört und beschät#t werden kann, weil die Industrie zu weir abliegt. Inmitten dieses Waldes liegt das Schloß des Grafen von ResselrodeReichenstein, eine der schönsten Wasserburgen des Emscherlandes im Renaissancestil. Seit Jahren ist es nicht mehr bewohnt, da der Graf einen neuen Wohnsitz am Rhein hat. Der Zahn der Zeit nagt im Innern wie Aeußern und die Nachkommen planen eine große Restaurierung vorzunehmen. Hier ist's wie zum Träumen. Rote Baule für mein nino Wachsen auf den Bäumen. Unter dem Holunderkraut Steh'n die dunklen Dolden, Nah daran mit leisem Laut Streifen Engel golden. Astern woll'n zu tausend blüh'n, Kinder gehn und grüßen: „Hier ist grün und da ist grün Unter meinen Füßen“. Albrecht Goes. Westfulische Ernedraadfe Mitgeteilt von Dr. fr. Ulennemeyer Um Jakobitag beginnt in Westfalen die Ernte. Sie bringt viel Arbeit und Beschwerden, aber sie ist jedoch eine frohe und beinahe festliche Zeit. Auch auf besseres Essen wird Gewicht gelegt. Die sauerländischen Hausfrauen haben die schönsten und längsten Würste dafür aufbewahrt, und eine besondere Art führt den Namen„Habermägger“(Hafermäher). Aeltere Leute wissen noch zu erzählen, daß die Nachbarn sich gegenseitig bei der Ernte unterstützten, und wenn in der Gegend von Burgsteinfurt ein Hofbesitzer seine Arbeiten so weit beendet hatte, daß er keiner fremden Hilfe mehr bedurfte, so zeigte er das durch eine Fahne an, die auf den Strohdiemen gesteckt wurde. Der Besuch von Zuschauern und Fremden auf dem Felde gibt zu Bräuchen Veranlassung, wie sie auch anderswo vorkommen: Hochheben, Binden, Schuhwischen. Dem westfälischen Gebiete eigentümlich scheint aber das Zehenbeißen zu sein. Wenn die Magd den Roggenmähern zum erstenmal das Essen bringt, geschieht ihr das von jedem Arbeiter oder vom Baumeister. Es sollen damit wohl böse Einflüsse, die dem Segen des Feldes schaden könnten, beseitigt werden. Die erste Garbe wird in Anröchte(Kreis Lippstadt) unter großem Jubel nach Hause getragen und dem Haushahn vorgeworfen. Mit reicheren Bräuchen ist der Abschluß des Mähens und die Behandlung der letzten Garbe umkleidet. In schaumburg=lippischen Dörfern ließ man ein rundes Stück auf dem Felde stehen, das hieß Waulroggen. Da hinein steckte man einen blumenumwundenen Stab, den Waulstab, und band die Aehren an ihm rings zusammen. Dann nahmen alle Schnitter den Hut ab und riefen dreimal:„Waul, Waul, Waul!“ indem sie dazu die Sensen strichen. In Unna, wo man die letzte Garbe mit dicken Steinen beschwert, heißt sie„De graute Meaur", im Münsterlande:„Arnenmaur“ und weiter nach Norden bis ins Oldenburgische: „Peiterbolt“. Durch alle diese Handlungen soll die Wachstumskraft und die Fruchtbarkeit der Erde, die in der letzten Garbe verkörpert wird, auch für künftige Jahre dem Acker gesichert werden. Wenn alles abgemäht ist, ziehen an vielen Orten die Mäher ins Haus, wo ihnen der Wirt Branntwein bringt, weil sie sonst das Recht haben, den Kohl im Garten zu mähen. Die Mägde kommen mit ihren Harken, die mit Dornen umwunden sind, um der Wirtin damit das Haar zu kämmen, und auch dieses löst sich mit dem Branntwein aus. Die Einbringung des goldenen Reichtums wird wiederum mit besonderer Feierlichkeit begangen. Wagen und Pferde des letzten Fuders sind geschmückt. Die Leute, die auf dem Fuder sitzen, singen und jauchzen; man nimmt auch wohl ein paar Kinder mit hinauf als Zeugen und Gewähr künftiger Fruchtbarkeit (in Fürstenberg, Kreis Büren). Vor allem aber verkörpert sich diese in dem Erntekranz oder Erntebusch, der auf dem Wagen prangt. Oft wird diese pflanzliche Verkörperung der Fruchtbarkeit durch einen Hahn ersetzt. Manchmal prangt er aus Holz verfertigt und bunt bemalt in der Mitte des Erntekranzes oder auf einer Stange. Manchmal heißt der Kranz oder Zweig, auch wenn der Hahn fehlt, für sich allein Erntehahn, so wie der in Havixbeck benutzte Nußstrauch„Stoppelhahn", der Kranz und Zweig in Buer, Witten, Crange„Brauthahn“ genannt wird. Hier wird aber doch wenigstens eine Hahnenfeder in den Kranz gesteckt. Die Bezeichnung„Brauthahn“ ist in Recklinghausen auch für den Ernteschmaus üblich. Vom Stoppelhahn redet man im Münsterland und sagt auch zu Martini, wenns ans Schlachten geht:„Nun wird der„Stoppelhahn“ verzehrt.“ In manchen Gegenden heißt das letzte Fuder„Krone“, auf dem Hellweg und im ganzen Sauerland bis dahin, wo das Fränkische beginnt, ist der Ausdruck„Karkelmai, Hörkelmai, Hackel=, Hiärk=, Kemai“ üblich. Man versteht darunter den grünen Busch, der auf das letzte Fuder gesetzt oder wie in der Gegend von Werl hinten an den Wagen gebunden nachschleifen muß. Aber auch das letzte Getreidefutter selbst nennt man so:„Nahwer, hiäste den Hakemai all aff, hiäst'n all in?“ sagt man— sowie auch das Erntefest mit seinem Schmause.„Hörkelmai darf net drög inkommen“, heißt es, und darum gießt man dem, der ihn trägt, einen Eimer Wasser ins Gesicht. Derartige Fruchtbarkeitszauber kommen auch in anderer Gestalt in den Erntebräuchen vor. In einigen Gegenden des Bezirks Münster wurden die Mägde von den Knechten ins Wasser geworfen. Der neue Erntekranz wird über der Niendör befestigt— manchmal nur von dem, der mit der Ernte zuerst fertig geworden ist— und bleibt dort bis zum nächsten Jahre hängen. Auch der Hahn findet dort neben der Tennentür seine Stelle, und vielfach ist ihm vorher ein Kranz von Eierschalen um den Hals gehängt worden. In den Dörfern bei Schmallenberg herrschte früher der Brauch, beim Einfahren des letzten Fuders den„Herbsthahn“ zu schlachten und zu verzehren. Durch den Fortschritt der Technik und der Wirtschaft verschwanden die Dreschflegel von den Tennen der Bauernhäuser. Einstmals erklang ihr Ton im munteren Takte und reizte das Ohr, allerlei menschliche Laute und Worte herauszuhören, je nachdem zwei, drei vier oder fünf Mann daran beteiligt waren. Die Dresch= arbeit, die in der Regel in der Morgenfrühe getan und vor Beginn der Dämmerung beendet sein mußte, nannte man„Uchte“ oder „Uchtwerk“. Ein Uchte dreschen hieß daher eine ganz bestimmte Menge Garben ausdreschen, wofür einige drei, einige vier Stunden rechneten. Vor Maitag mußte das Uchtwerk beendet sein. etestedonsnsononenessonnnennsbensbasenononannns Feierabend: (Weltbild—.) Zigarrenstadt— Zigarrendorf Ein gutes Beispiel macht Schule Bekanntlich hat die Stadt Bünde unter ihrem rührigen Bürgermeister Dr. Moes und dem verdienten Heimatforscher Professor Langewiesche den vielen Schätzen der Elsestadt eine beachtliche Bereicherung hinzugefügt: Das Zigarrenmuseum. Mit großem Fleiß wurden hier alle Dinge zusammengetragen, die irgendwie mit der Zigarrenherstellung in Verbindung stehen. Der Rahmen mußte sehr weit gespannt werden, da im Gefolge der Zigarrenherstellung eine ganze Reihe verwandter Industrien in Verbindung stehen. Während das Bünder Museum mehr und mehr ausgebaut wird, folgt ein Dorf im Ravensberger Kessel diesem schönen Beispiel: Lippinghausen. Es ist eines der ravensbergischen Dörfer, in denen sich Zigarrenherstellung, bäuerliches Leben und Margarinefabrikation treffen. Aehnlich wie in Bünde wird man nun ein Dorfmuseum einrichten, in dem die typische Industrie unserer Heimat in ihrer mannigfachen Aeußerung vertreten sein wird. Es ist erstaunlich, wie auch die Zigarrenherstellung im Laufe der Zeit gewissen Moden und Veränderungen unterworfen war. Jetzt wird man die Dinge zusammentragen, die einen Querschnitt dieser lebenswichtigen Industrie vermitteln. Das Entscheidende wird aber die Vollkommenheit dieses Museums sein, das überdies auch in anderen Abteilungen Stücke bäuerlichen Kultur= und Kunstwillens beherbergen wird.— Stücke, die die Margarinefabrikation in ihren Anfängen verdeutlichen, werden schließlich eine vollkommene Neuheit im Museumsbetrieb unserer Heimat darstellen. Dankersen 800 Jahre alt Der im Amte Lahde und zum Kreise Minden gehörende Ort Dankersen, der von der Minden=Hannoverschen Bahnstrecke durchschnitten wird, kann auf ein 800jähriges Bestehen zurückblicken. Bereits im 11. Jahrhundert wird dieser Ort, wo man heute stattliche Bauernhöfe und schmucke Beamtenhäuser sieht, urkundlich erwähnt. Ein Nachkomme Wittekinds namens Wedekind, der in der Burg„Haus vom Berge“ saß, war 1328 Besitzer der Gemeinde Dankersen. Später wurde das Dorf durch den Bischof Otto vom Berge an das Heiliggeistspital in Minden verpfändet. Dankersen gehört mit zu den wohlhabendsten Dörfern des gesamten Kreises Minden. Wechonsenug“— Stadlanzeiger für Castrop-Rauzel und Umgebung Neue 1 0 p · R und Umgebung 10 Hahte+"Erstfulen 1 Westfalen in den allesten Zeiten k. Wessalen in den ältesten Zeiten Von A. H. Blesken onv, v, woh. Geschichte des Lebensraumes, der die. gleichen Landgehaben. Dabei st es burchap mano von Mestialen e. e hoheit oder noch mancher anderen Art im dem Namen, Westk ojingr gebrg telalter zuruck. Es nab vie früntischen andern Schriftstellern noch vorfinden, so kann man doch feststellen, daß sich das Gebiet, das sich nach Westen, also nach den Franken hin ori mit besonderer Betonung Westsaten hieß und daß der Name Sachsen in der Folgezeit mehr für östliche zur Elbe hin gelegene Gebiete in Gebrauch kam. Hierhin hatte sich ja naturgemäß nach der Eroberung des Sachsenlandes der politische Schwerpunkt verlagert, da sich hier jene Kämpfe zum Schutze der Reichsgrenze abspielten, die gete## slavische, magyarische und andere nicht deutsche Völkerschaften zu führen waren. Man kann es also verstehen, daß der erste Herzog aus dem Hause der Ludolsinger von einem zeitgenössischen Schriftsteller Herzog der Ostlachsen genannt wird. Aber auch im Kern des alten Sachsentandes war nach seiner Unterwersung durch die Franken nicht viel mehr von seinen alten Eigenheiten bestehen geblieben. Bei der Neuordnung von erwi lung zurück.(r achren konwen, A/penr.r e7 Stämmen jeden. Der dritte Name birgt nebenbei bemerkt in sich die 9o. ag a. u. blieben. Bei der Neuordnung von Verwaltz #. Rechtspflege waren ja der evorm nuch die ° und den sotogrsg, ausgehoben worden: aber in o: uno Rechtspflege waren ja der o alten Gaue nicht aufgehoben worden: aber in der Praxis ging man doch über sie hinweg, als wenn sie nicht vorhanden gewesen wären. Das trat vavurch noch schroffer in Erscheinung, daß die neuen Gaue nicht etwa eine Zusammenfassung von alten bildeten— dann wäre diese ja immer noch erkennbar gewesen— sondern die neuen Grerzegndpunfte des sein, denn es lag durchaus nicht im fränkischen Interesse, etwas bestehen zu lassen, was an frühere Zustände erinnerte. Das hätte in Zukunft leicht Anlaß zu neuen Zwistigkeiten geben können. Aber nicht bloß auf politischem Gebiet, in Verwaltung und Rechtsprechung, ging die Neugronung unter völliger Nichtachtung der alten Zustänte toren Weg. sondern auch auf dem Gebiete der kirchlichen Angelegenheiten. Bekanntlich sah Karl der Große eine seiner Hauptaufgaben darin. die Bewohner der eroberten Gebiete zum Christentum zu bekehren, ob das nun mit oder ohne oder gar gegen deren Willen geschah. Auch hier galt es ja, eine äußere Ordnung zu schaffen. Dabei wurde nun nicht etwa das neue gewonnene Land auch in neue Kirchenkreise eingeteilt, sondern die einzelnen Gebietsstücke wurden schon bestehgnden dieser Hinsicht sollte nichts an alte Verhältnisse erEs kam aber noch etwas anderes hinzu. Die Knertvarter Von den drei Namen Vr, ut /uach Wiltlur die alten. Von dem Siasspugr..es der der Westsalen bis in die Gevenygch die aste Eroberers aus gesehen konnte das gar nicht nen: höchstens grigrert an den einen nou...( be1 Mit dem Erhalten und Schwinden von Namen ist rhaupt ein mertwuroig schen ihren Befreier vom römischen Joche schenkte, ist völlig verschwunden, der viel jüngere Nggue Peit Fahl- bezeichnet wird. Wer recht hat, mag dahino be des alten Sachsenlandes, jetzt Westfalen genann:“ macht, wenn er sagt:„Seiner Lage nach gehört es (Westfalen) zu Niederdeutschland und hat nach Osten Sachsen. nach Süden den Rhein. nach Westen ebenfalls den Rhein oder die Vssel. nach Norden das Meer“. An einer anderen Stelle seines oben genannten Buches meint er ganz kurz:„Westfalen ist eine Provinz Niederdeutschlands, die von den zwei ansehnlichsten Flüssen begrenzt wird. der Weser und dem Rhein.“ Charakteristisch für Rolevincks Grenzangaben ist aber doch auch Sachsen als Grenze von Westfalen angibt. Jedenfalls ist daraus zu ersehen, daß zu seiner Zeit sich der Begriff Sachsen schon gewandelt hat und ein anderer gewesen ist als etwa zur Zeit Wittekinds. Aber das wird schon stimmen, daß die westfalischen Gebiete auch in den ältesten Zeiten zwischen Rhein und Weser gelegen haben: jedenialls jährlich. findet sich diese Angabe auch in der Folge in den tun sie es denu#c, d Mierten bis ins 18. Jahrhundert hin= Er erscheint in al eoergzhischen.., be ine 19. gerabe gro. Gugel ober Rade sten aus begzase alie deren e ostiete die aser Sachsengaue zunächst den Ersbistümern Mains und Köln einverleibt. Dem ersteren unterstand das Bistum Paderbokn zum letzteren gehörten die Bistümer Münster, Minden und Osnabrück. Die Ausbreitung des Christentums hat wohl zu allen Zeiten den Weg vom Westen zum Osten genommen. besonders aber von der Zeit an. da Winfrid mit dem Beinamen„Bonisatius Erzmineg poge, gleichen war. Da das Werk der Kirche inmer in der gleiche Einheitlichkeit betrieben wurde. die Landesgrenzen sich aber aus den verschiedensten Gründen stetig änderten, ist es zu verstehen, daß die Kirche bei der Bildung ihrer Svrengel auf politische Grenzen keine Rücksicht nahm. weder bei Erzbistümern noch bei Diese kirchliche Einteilung war aber auch in anderer Beziehung von Bedeutung. Gerade weil, die Gebiete in ihrer Form im großen und ganzen. stant blieben, die politischen Grenzen aber immer wieder wechselten, auch deshalb. weil der Kirchenkreis der Träger der kulturellen Leistungen war. war der Zusammenhalt des Volkes mit der Kirche ein sehr großer. größer als der Zusammenhalt mit dem sich von Jahr zu Jahr lockerte. Nur unter diesem Gesichtswinkel kann man es verunter seinem Bischof Liutger bis weit in das Land der Friesen zur Nordsee erstreckte. Wie weit diese Eigenart kirchlicher Hexrschgitz: der Sonbschot. Ver-Zesgegeizsicl eisher 64 se Baues der alten Dorfkirche, recht lehrreiche Aufschlüsse ergeben. Daß der Westen in jeder Beziehung einen gewissen Vorsprung behielt, ist schon, daraus zu erklären, daß sich hier vom Rhein ner vie Wirkungen der Römerinvasion überall zeigten. weiteren muß man bedenken, daß es sich, je weiter man nach Osten kam, desto mehr zeigte, wie es sich um Landstriche handelte. die der Kultur erst gewonnen werden sollten. Von weitgehendem Einfluß war natürlich auch die Münzhoheit, und da dominierte wieder Köln im alten Westfalen. Da kann man es verstehen, daß man in der Literatur der Zeit den Namen Westfalen kaum noch findet. Nur vom westsälischen Rechte ist immer noch die Rede. In dieser Hinsicht ist die Geschichte der Veme als eines Gerichtes, das nur Westfalen, dem Lande der roten Erde eignet, sicher sehr aufschlußreich. Wie nachhaltig fremder Einfluß eine haben neben der aus germanischen und slawischen Slzäsgter mitgevigt: Bie.164, anderen Teilen Deutschlands einwandernden Bergleute, die Walen, die als Holzarbeiter einwandernden Tiroler und die Kräuter= und Wurzelkrämer, die man Laboranten nannte. *) Wiedergegeben nach Dr. Heinrich Stötzel „Die deutsche Bergmannssage“, erschienen in Walter Bacmeisters Nationalverlag. Essen. Leinen RM. 3,—, kart. RM. Heimatsprache ist Volksgut Die Pflege der heimischen Mundart Neben Volkskunst. Bau= und Siedlungsweise, Tracht und Brauch ist die Mundart die gichtigte geistige Aeußerung bodenständigen Volkstums. Mundart ist nicht, wie früher vielfach angenommen wurde, eine verdorbene Schriftsprache. Gegenteil: Mundart ist die eigentlich gewachsene. bodenständige Sprachform, die als Glied einer Entwicklungskette noch unmittelbar zusammenhängt mi den älteren germanischen Sprachenstufen, der gege über aber die Schriftsprache zum guten Teil eine ertarrte Kunstfsorm darstellt.... Mundatt als Von besonderer Bedeutung ist vie„m, Ausdruck der Bewohner der dörflichen Gemeinschaft. Mundart und Hochsprache haben hier ihre Aufgabe nebeneinander. Wie die deutsche Gemeiniprache de: deutsche Volkstum jenseits der Stagiege,#### uns bindet, so tut dies im kreirggtäglich die#. meinsame Mundart. Damit son natun##ch dirEr# deutung der Hoch= und Einheitssprache in keiner der Mundart wird die dörfliche Gemeinschaft und gestaltet durch die sog. Volksdichtungen, h. Lieder, Sagen, Schwanke, soweit sie wirklich lebendiges, weitergegebenes und gehörtes Erzählgut sind. Außerdem wären noch die Namen zu nennen. vor allem die Orts= und Flurnamen, die ein bedeutsames Stück dörflich bodenständiger Ueberlieferung enthalten und in geschichtlicher und volkskundlicher Hinsicht wertvolle Aufschlüsse geben können. Diese Gebiete. Mundart mit ihrem bäuerlichen Erzahlgut wie Orts= und Flurnamensorschung, stellen der Heimatpflege reiche Aufgaben. Es ist im besonn##en eine Angelegenheit der Lehrer und Volkserzieher, durch eigene genaue Kenntnis und Beschäftigung Sinn und Verständnis für die Eigenart dieses Volksgutes zu wecken und es in seiner Bedeutung für die Gemeinschaft zu erhalten. Professor Dr. h. c. Paul Sartori Von den Bagen der beatschen Bergmannturn Die Gestallen der Bergmannssage") sehr starken polnischen Einfluß zurückzugehen, wie schon der Name Skarbnik sagt, und vor allem auf V. Der Verggeist Bo Wir sagten schon, daß Bergmönch und„Berggeist“ häufig gleichgesetzt werden. Entscheigend.it aber, daß der Berggeist nur im Erzgew#ige und Schlesien vorkommt. während ja der Bergmönch seine Die polnischen Bergleute nennen den Berggeist auch Bergajst; gewöhnlich führt er jedoch den Namen Skarbnik, d. i. Schatzmeister(Skarb— Schatz, Hort). aber auch Peitreck von Pietr— Peter, und czarz Pietrek— schwarzer Peter. Diese Bezeichnung ist ein Spitzname des Geistes, ein Scheltname. Den Namen des Berggeistes unter Tage nennen, ist gefährl#ch. Alle Bergleute sprechen ungern von ihm, ch. dann mit„er oder polnisch„on“. illerlei Gestalten: bald als feurige Er erscheint in auerlei Diese Angabe träet in ihrer vict vetgag#zz,#ugel der Rädchen, die vor den Füßen, dez. Bergesen ue eie ien zihe Nas haf ie aler hgn en Sascht nenb ein. Jee werisger an politsche Grenzen denten, sondern eine Fliege, sich zeigt oder in der vn. etwa nd auch leine Meinung, daß, mo z bozy„uaz geise zuigen Grubd,.. Hauaen gemtee im Schachle neohts wisse, wenn man seine Sagen ninz.) geise in. ey... jehen. Andere Bergleute sohen ster, geschlossenster Form. Bei Westfalen weiß jeder hat keinen eigenen Namen von gleichem Gewichte sächzfische Gebiet minus Westsalen Niedersachsen.:“ Zaunert beurteilt die Sachlage vom sagengeschichtlichen Standpunkte aus und denkt, wie man sieht. weniger an ein scharf begrenztes Gebiet, als an den Stamm Westsalen. Das zeigt schon der Titel des Buches und auch seine Meinung, daß man von einem nichts wisse. wenn man seine Sagen nicht kenne und daß diese erst in das Wesen des Stammes Wer wohnte nun in den oben aufgezeigten Grenn? Mit der Antwort:„Die Sachsen“ ist nicht viel gesagt, denn die Stämme. die etwa ums Jahr legenen Zeitpunkt an— in„die Gehiete zwischen Riederrbein und der unteren Woegze, mit den Frazl ken jenen mehr denn dreißig Jahre langen Krieg führten, unterwarsen die eingeborenen Stamme und zwangen sie entweder zur Auswanderung, wie die Brukterer. oder unterwarsen sie und vermischten sich in der Folgezeit mit ihnen, wie es das Beispiel der Angrivarier zeigt. So sind also die Sachse der nach ihnen benannten Kriege ein sich aus den verschiedensten Bestandteilen zusammensetzen. des Voll, wie es etwa die Franken und die Alemannen auch waren. Wenn wir nun auch die alle Dreiteilung bei einem so bedeutenden Geschichtsschreiber Widukind von Coroey und manchen ails Lier. Wbenn im Schacht irgend es, zglepiaglg eine Fliege, sich zeigt oder in der Sn#tplotzi#a, summt, so erschrickt alles und bekreuzigt sich— der Berggeist hat dann Tiergestalt angenommen. Wo sich die Geisterfliege hinsetzt, dort fallen infol ihrer Schwere Gesteinsmassen herab. Auch zeigt si der Skarbnik als Spinne, dann glüht sie und die Fäden ihres Netzes zischen wie Zündschnuren. Gern erscheint er in der Gestalt einer Maus. Bei Beuthen steht auf einem abgebauten Grubenfelde ein Schacht. Aus diesem steigt zuweilen der Berggeist in Gestalt eines ungeheuren schwarzen Vogels ohne Kopf hervor. Erscheint er als Flamme, so gehi er vor dem Bergmann her und verschwindet plötzlich in der First. In einigen Gruben Oberschlesiens hat man den Berg(pestalt einer bläulichen Flamme im Schachte auf= und abschweben sehen. Andere Bergleute sahen ihn dort oft beim Einsturz von Pfeilern als riesengroße rötliche Flamme in der First verschwinden. Naht er als Bergmann, so kann man ihn an den roten Augen erkennen, wie etwa den Wassermann an den grünen. Vor seinem Erscheinen summt zuweilen eine Fliege im Schacht.— Auffallend sind die vielen Erscheinungsformen, wie sie sich bis jetzt bei keinem anderen Berggeist in dem Maße fanden. Das ist auch ein wesentlicher Unterschied gegenüber dem Bergmönch. Als Skarbnik— Schatzmeister hat der Berggeist auch eine märchenhafte Wohnung im Ist das Bild des Berggeistes an und für sich schon viel grausamer und wilder als das des Bergmönchs. so tritt das in Schlesien noch viel stärter, hervor. Eine grenzenlose Angst und unterwürfige Furcht vor dem Berggeist, dem Skarbnik. spricht hier aus den Sagen. Darf man im Erzgebirge seinen Nomen nicht verspotten, so darf man in Schlesien seinen Namen überhaupt nicht nennen. Das scheint auf seinen Teufelsfuß. Aber auch im Erzgebirge macht sich der slawische Einfluß sehr stark bemerkbar in der grausamen Koboldnatur. Der Kobold scheint eine besondets böhmische Gestalt zu sein. Wie we nun dieser slawische Einfluß die ursprüngliche Gestalt des Berggeistes verändert hat, ist nicht eher fest zustellen, bis genauere Untersuchungen über verwandte slawische Geister vorliegen, die einen Vergleich zulassen. Der Berggeist“ ist ein Geist von ganz persönlichem Gepräge geworden. Seine häufigste Erscheinungsform ist die des Steigers und Markscheiders oder auch eines gewöhnlichen Bergmanns. Zuwei len nimmt er Tiergestalt an und erscheint als Maus. Roß oder Vogel ohne Kopf. oder er verwandelt sich in eine rote oder blaue Flamme und in eine feurige Kugel. Sowohl die Erscheinungs= wie Veränderungsmöglichkeiten sind also sehr groß und bei keinem anderen Bergwerksgeist so zahlreich. Das unterscheidet ihn auch von dem Bergmönch. der nur als Mönch oder Bergamtsbeamter erscheint und fast nie andere Gestalt annimmt. Die Hauptbeschäftigung des„Berggeistes“ liegt darin, daß er ebenso wie der Bergmonch über das Bergwerk wacht. Fluchen, Lärmen und Pfeisen duldet er nicht in der Grube und bestraft die Uebeltäter. Auf die Einhaltung seiner Charaktergesetze ist er sehr bedacht: den Gruß erwidern. Feuer geben. nicht vseisen und Opfergaben als Gegenleistung. Brot= oder Lohnanteil für seine Hilfe. Auch die Charakter= gesetze sind in dieser Art und Betonung beim Bergmönch nicht vorhanden. Das gleiche gilt von den Opsergaben. Statt dessen sind die Geschenke, wie Unschlitt und Flachs, die an den Hausgeist ennern beim Bergmönch viel häufiger. Es mag seltsam erscheinen, daß das Brot. das als Opfergabe doch auch zum Hausgeist gehört, beim Bergmonch nicht auftritt. wohl aber beim„Berggeist". Wenn der Berggeist auch keine direkten Geschenke austeilt, so zeigt er sich doch hilfreich gegenüber den Bergleuten. indem er für sie die Arbeit verrichtet, ihnen reiche Ausbeute verschafft und sie vor einem Unglück warnt. Koboldartig wird er, wenn er die Bergleute erschreckt, sie ohne Grund schwer verletzt oder sogar tötet. Seine Strafen sind oft hart und grausam. viel grausamer als beim Bergmonch, der eine harte Strafe nur vereinzelt kennt. Der„Berggeist" unte scheidet sich demnach vom Bergmönch durch seine zahlreicheren Erscheinungsformen und größere Veränderlichkeit, den besonders ausgebildeten Charak= tergesetzen, den Opfergaben und der grausameren Natur. Die stärkere, Verbindung mit dem Bergund das arößere Am 26. August starb zu Dortmund der Oberstudienrat Pros. Dr. h. c. Paul Sartori, dessen Name weit über die Grenzen Westsalens hinaus in der wissenschaftlichen Welt bekannt geworden ist. Westfalen. in dem er über 50 Jahre gelebt hat und von dessen Volkstum er wie kaum ein anderer tiefgehende Kenntnis besaß. ist ihm zur zweiten Heimat geworden. Geboren ist er am 5. November 1857 zu wo er bis zum Beginn seines Universitätsstudiums die Schule besuchte. In Bonn, Leipzig und Göttingen studierte er Deutsch und alte Spracherz,„Nach bestandenem Staatsexamen trat er in den Leh########per des Göttinger Gymnasiums ein, das er aber schon am 1. Avril 1885 mit dem Dortmunder Städtiichen Gymnasium vertauschte. Hier hat er bis zu seiner Pensionierung am 1. April 1923 eriol gewirkt: schon 1962 wurde er zum Projenor und später zum Oberstudienrat ernannt. Von seinen Schülern wurde er wegen seines umfangreichen Wissens hoch geschätzt und verehrt. Neben eigentlichen beruflichen Tätigkeit als Lehrer hat Sartori schon früh wissenschaftliche Arbeit vern#even. Ihn fesselten vor allem Fragen des Volkstums und er wurde zu einer Zeit, als die Beschäftigung mit dem Volkstum noch nicht so hoch im Kurse stand wie in unseren Tagen. ein führender Wissenschaftler auf dem Gebiete der Volkskunde. Er versaßte ein grundlegendes Werk in 3 Banden über„Sitte und Brauch". schrieb eine„Westfälische Volkskunde". die bereits in 2. Auflage vorliegt, gab eine in der Sommlung Göschen erschienene Arbeit über das Volkslied neu heraus und versaßte im Auftrage des Verbandes deutscher Vereine für Volkskunde ein „Deutiches Glockenbuch“. Außerordentlich umsangreich ist seine Mitarbeit an wissenschaftlichen Zeitschriften. Handbüchern. Programmen usw. Er gehört zu den Gründern des Vereins für rheinische und westfalische Volkskunde und wurde Vorsitzender des Vereins und Mitherausgeber seiner Zeitschrift, dessen erster Band bereits 1904 erschienen ist. Bis in die letzten Tage seines Lebens hinein hat er wissenschaftlich gearbeitet und noch vom Krankenbette aus hat er einen Aufsatz aus dem Gebiete der westfälischen Volkskunde einer wissenschaftlichen Zeitschrift zur Verössentlichung übersandt. Die Philosophisch=Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Münster hat ihm bei Gelegenheit seines 70. Geburstages die Würde eines Ehrendottors verliehen. Die deutsche Volkskunde verliert in ihm einen Fachgelehrten, dem sie für seine Mitwirkung an ihrem Ausschwung zu einer angesehenen selbstandigen Wissenschaft Dank schuldig ist. Natur. Die stärkere Verbindung mit dem Bergwerk, die Fulle der Eigenschaften und dus grogerVerbreitungsgebiet zeichnen ihn außerdem vor allen anderen Vergwerksgeistern Wandrer, schone Wald und Hlur, Heilig sei dir die Naturl Halte Weg und Plätze rein, Laß das Spiel mit Feuer sein! Der Böhm auf dem Rain Erinnerung von I. Ichröngkamer=Keimdal als en schon abgeben mögen, ihm bei der Arbeit zusah, und hat mir aus Eden.... au. der Vilonis ein freien Stücken pieler ertlärt, was einem genommen es auch mit dom Rühol einmal dann am Sonntag auf dem Kirchenplatz aufgepaßt, und sind wir dann mitsammen heimgegangen. Immer hat er etwas heimgetragen an Sonntagen. Einen neuen Steinhammer oder ein paar Meißel zum Felsenbohren, die er in Eeisen. Bihet aczete egrege ncgen, hat komnte, uderne Sacbug brichen ur Reo und untwort gestanden, wenn ich So war in Jahnagkrist„ à mmis. Als der Böhm ins Land kam, trug er seine Habe im Schneuztüchel, und sein Weib hatte nicht mehr, als was sie im Rückenkorb trug, und das waren Zwillinge. So hat der Böhm angefangen. Sein irdischer Nachfahre hauset jetzt auf dem Rain, der vor einem Menschenalter noch eine Wildnis war. Jetzt ist die Siedlung ihren Insassen längst eine liebe Heimat; ein paar Buben des Nachfahren sind schon ausgezogen, das heilige Gefilde gegen den Feind zu schützen, und einer von ihnen, der vom Vorfahren, dem alten Böhm, das Felsensprengen gelernt hat, dem das Zündrohrlegen und Pulverlegen von diesem her im Blute liegt, jagte gar auf les erklärt wa kleinen Buben lehrhaft und nützlich ist. Den Böhm auf dem Rain hab' ich deshalb schon so gut leiden mögen, weil er ja mein Nachbar werden sollte. Und künftige Nachbarsleute tun recht, wenn sie sich schon frühzeitig gut zueinander stellen. Es war mir nämlich als Bub schon eine ausgemachte Sache, daß ich mir auf das Bühel über dem Dörfel einmal ein Schloß baue, wenn ich groß bin und Geld habe. Denn das Großwerden und Geldhaben waren mir gleichbedeutende Begriffe. Der Böhm auf dem Rain hatte aber sein Häusl gleich unterhalb des Bühels. Und weil der genommen, es auch mit dem Bühel einmal so zu machen, wenn ich groß bin und Geld habe und das Schloß baue. Nach getaner Arbeit bin ich mit dem Böhm oft auf der Hausbank gesessen; da haben wir dann schweigend hinausgeschaut in das abendliche Land, bis ich dann den Gangsteig hinabhüpfte ins Dörflein zur Nachtsuppe ins Vaterhaus. Wie die Bauern gesehen haben, was der Böhm aus der Wildnis geschaffen hatte, haben sie ihn in ihre Dienste genommen: überall gab es Felsen in Feldern, Wildwuchs in Es sind herrliche Tage, brauche dringend mehr Geld. Gruß! Irmgard.“ (Poststempel der Ansichtskarte vom 3. 6. 1934!!) Wir verabschiedeten nach dieser Untersuchung den Herrn mit der kalten Höflichkeit der Gentleman=Unterwelt und empfahlen ihm angelegentlichst, unsere Gesichter zu vergessen, sonst würden ihm mal aus einer unvermuteten Richtung einige Löcher in den Leib gepustet, good by, Mister!“ Der Mister K klappte ängstlich mit den Augendeckeln und verschwand. war, so hatte ich auch nicht weit nach Handwerksmann, wenn ich das bauen wollte. Das Großwerden hat nicht lang auf sich warten lassen und das Geldhaben auch nicht. Ich bin so groß geworden, daß mich der Herr Landesvater in sein Leibregiment gesteckt hat. Und Geld hatte ich auch genug, aber leider mit dem leidigen Minusvorzeichen; andere Leute nennen es Schulden. Dieses Malefizvorzeichen ist schuld, daß mein Schloß auf dem Bühel noch immer nicht steht. Hab's nur zu einem Häusl gebracht, das kaum größer ist als die Siedelstätte des Böhm auf dem Rain. Böhm auf dem Rain hat der Siedelmann geheißen, weil er aus Böhmen hergekommen ist und sich auf dem Rain oben auf dem Bühel sein Haus gebaut hat. Geschrieben hat er sich Pfeiffer, aber gepfiffen hat er nie. Und ein Böhm war er auch nicht, sondern ein Deutscher, den sie drüben ausgebissen haben. Das hat sich der Böhm zur Lehre genommen und hat sein neues Hauswesen nicht mehr in eine Dorfschaft, sondern schön in die Einschicht gestellt. Sein Haus hat er so gebaut, daß es den Rücken nach dem Böhmerlande zeigte, aber im Angesicht wies sich ihm das Gefilde um die Röhrnach mit den vielen Dörfern und Mühlen, weiter hinaus die blauenden Vorberge des Bayerwaldes, und ganz weit draußen silberten an klaren Tagen die Firnen der Alpen herein. Denn der Böhm war ja kein Böhm, sondern ein Deutscher und hat deutsches Land vor sich sehen wollen. So viel schönes, gutes, heiliges Heimland wird man aber selten wo auf einmal überblicken können als wie vom Böhm auf dem Raine aus. Drum hab' ich ja auch als Bub das Schloß auf dem Bühel so fest im Sinn gehabt. Und noch ein wenig... Wie der Böhm auf den Rain hergekommen ist ins Bayernland, war auf dem Rain alles eine Wirrnis und Wildnis voll Haselstanden und Wacholdergestrüpp. Der Böhm hat aber das Plätzlein gekannt, hat seine Hütte hineingestellt und nach einem Jährlein sind um die Hütte statt des Wildwuchses Aepfel= und Kirschbäumchen erblüht. Die Findlingssteine waren sorglich aufgelesen und als wuchtige Mauer gegen das Böhmerland zu aufgeschichtet. Kartoffeln sproßten üppig auf dem Neugrund, Sommerkorn wellte sich im Höhenwind, und des Flachses blaue Blüte sonnte sich die sanften Hänge hin. Der Böhm auf dem Rain hatte jetzt sein Eigen, an dem einer seine herzhelle Freude haben konnte. Wer von den Wäldern her am Böhmhäusl vorüber kam, ist unwillkürlich stehen geblieben und hat beides bestaunt, die weitoffene Landschaft mit ihren Dörfern und Türmen und die blühende Siedlung des Zugewanderten, der unermüdlich tätig war, sein Eigen zu verbessern. Wie oft bin ich als Bub den schmalen Gangsteig zur Böhmhöhe hinaufgelaufen, hab' mir den Siedler gesucht und ihm bei seinem Schaffen zugesehen. Roden, reuten, urbar machen war sein Tagewerk. Ganze Dornhecken sind vor seiner Reissichel hingesunken, üppige Haselgehege und wilde Wacholderwälle, Quellmoore und Steinhalden wandelten sich in blühendes Fruchtland. Hei, wie sind da von brennenden Dornbüschen prasselnde Flammen zur Höhe geschlagen, wenn das Feuer die Hecken hinlief, bis aller Wildwucs gefressen war. Wie schütterte oft der ganze Berg, wenn die pulvergesprengten Felsen den Hang hindonnerten und turmhoch in die Lüfte surrten wie Sprengstücke von schweren Granaten. Uns konnten die Trümmer nichts anhaben, denn der Böhm und ich saßen im Unterstand und warteten auf das Bersten und Krachen, das die Raben von den Rainen schreckte und die Habichte aus ihren Horsten riß. Alles, was da der Böhm mit Eisen und Feuer, mit Pulversgewalt und furchendem Pflug bearbeitete, wandelte sich in wenigen Wochen in schweres Fruchtland. Das Gefilde lag geneigt auf der Sonnenseite, und die Strahlen des Tagesgestirns beschienen es von Anfang bis zum Niedergang. Doch konnte die sengende Sonne nichts ausdorren. Denn der Böhm hatte auch Wildmoor und Quellsümpfe ausgegraben und die reinen Wasser in rieselnden Bächlein über das ganze Gefilde geleitet, so daß er, wenn es nottat, dürstendem Gras und schmachtender FeldSchloß einmal dumpfer Donner im Hachfeld erscholl oder wal hahe dann bumpser Bönner im Hochselb erschou ober wenn ein hohes Feuer in den Waldwiesen aufqualmte, dann habe ich immer gleich gewußt, hier ist der Böhm an der Arbeit. Wenn ich Zeit hatte, bin ich ihm zugesprungen, und wenn ich abgehalten war, bin ich doch in Gedanken bei ihm gewesen. Oft ist es vorgekommen, daß ich ihn die ganze Woche nicht sah. Dafür habe ich ihmdich Gott! ch das Schloß auf dem Bühel einmal habe, dann lade ich ihn gutnachbarlich ein und bewirte ihn mit allen Köstlichkeiten, die ich für solche Gäste im Geiste schon längst bereithalte. Da sitzen wir zur Feierweile auf dem Söller und schauen über die Heimat hin und schwelgen und schweigen in die Stille der steigenden Sternennacht hinein: Heimat, hüt' Aktentaschen- Kände hoch! Ein Bericht von Cheistian Bock Eine Aktentasche ist keineswegs nur, was das Wort sagt: eine Tasche, in die man Akten tut— eine Aktentasche ist mehr. Es ist eine Art Lebensanschauung, eine ernste, würdige, kalbslederne seriöse, schwarz gefärbte Lebensanschauung. Es ist der sogenannte„verfluchte Ernst des Lebens“ in Person. Ich weiß, es gibt noch andere, es gibt diese leichtlebigen, tänzelnden, hellgelben Aktentaschen, die windschief unter dem Mantelärmel heraushängen— aber die gelten nichts. Was eine ordentliche Aktentasche ist, die ist schwarz. Die ist wenigstens dunkelbraun. Die ist: ernst, würdevoll, geheimnisvoll wichtig. Das ist es: geheimnisvoll wichtig. Denn Aktentaschen verbergen, was sie in sich tragen, vor der Neugier der Leute. Aber wenn man dann durch die Straßen geht, wenn man einmal mit den Fingern zählt, wieviel Männer da mit ernsten Aktentaschen gehen: ja, gibt es wirklich soviel Wichtiges auf der Welt, wie da herumgetragen wird? Und dann möchte man es also gründlich wissen. Ich rief einen Mann an, der soviel Gangster=Filme gesehen hat, wie es Gangster gibt, und verabredete mich mit ihm am hellen Tag, mitten im lebhaftesten Verkehr. Wir gingen in der Maske argloser Spaziergänger die Straße hinunter, er gab mir währenddessen Instruktionen, und dann sahen wir da etwas vor uns wie wir es gerade suchten, eine mitteldicke, sehr ernste Aktentasche von der richtigen serösen Sorte. Ein Herr ging damit, und dieser Herr hatte, wohl im Laufe der Jahre, selbst das Aussehen seiner Aktentasche angenommen. „Also, den da“, sagte mein Begleiter,„nehmen wir uns vor.“ Wir gingen, einer links, einer rechts, an den Mann heran.„Verzeihen Sie“, sprach ich,„würden Sie mir vielleicht Feuer geben.“ Der Mann blieb stehen. Mein Begleiter ließ im Futter seiner Jackentasche den Zeigefinger wie eine Revolvermündung in den Stoff ragen und sagte im leisen Chicagoer Tonfall:„Mein Herr, folgen Sie uns bitte unauffällig in die Nebenstraße. Leisten Sie keinen Widerstand!“ Der Herr ging mit. Wir flankierten ihn, links und rechts. Und dann also, an der nächsten Ecke zwangen wir ihn mit vorgehaltenem Rockfutter, seine Aktentasche zu öffnen. Ich nahm mit fliegendem Blei folgenden Bestand als Inhalt auf: 2 Brötchen, mit Salami belegt, in unbeschriebenes Butterbrotpapier gewickelt. 1 leerer Briefumschlag. In dem Briefumschlag ein glatt gestrichenes Stück Staniolpapier. 1 leicht beschädigte Ansichtskarte aus Swinemünde mit dem Text:„Endlich Sonne. Es ist nun gewiß, daß ich das alles gelogen habe, wenigstens die Gangster=Romantik. die ich aufzäunte. Wahr ist vielmehr, daß wir mit vielen höflichen Reden und Bitten Männer mit Aktentaschen dazu bewogen, vor unseren Augen ihre Aktentaschen einmal zu öffnen. Lächelnd haben sie es getan. Aber es muß gesagt werden, daß wir am Anfang ein paarmal das Unglück hatten, an allzu ernste Aktentaschen zu geraten. Die Aktentaschen wurden böse. Die Aktentaschen entschritten beleidigt, als hätten wir ihnen etwas Unehrenhaftes zugemutet, sich vor uns zu öffnen. Die Aktentaschen schnappten ein. Aktentaschen, dachten wir schon, haben keinen Funken Humor, so eingebildet sind sie in ihrem kalbsledernen Hochmut— aber dann trafen wir es besser und trafen Leute, die zu allem, was sie in ihrer Aktentasche trugen, noch einenen Kommentar gaben. Und einen haben wir auf einer Bank im Park überredet, den ganzen Inhalt seiner Aktentasche still in den Papierkorb des städtischen Parks zu schütten, der auch sonst dem Schutze des Publikums empfohlen war. Der Mann trug in seiner Tasche ein Wochen altes Zeitungsblatt, das hatte er einmal hineingetan, er wollte noch etwas Bestimmtes darin lesen, aber er wollte es ernstlich längst nicht mehr. Dann gab es in der Tasche noch drei Bleistiftwracks, die das Tragen nicht mehr wert waren, es gab eine große leere Zigarettenschachtel, und diese Zigarettenschachtel lag seit drei Wochen darin, weil auf ihrem Deckel eine Telephonnummer notiert war(aber solche Telephonnummer geht schließlich auch auf ein schmales Stück Papier zu schreiben)— es gab noch soviel leeren Ballast in dieser Aktentasche. Und der Aktentaschenträger ging, glücklich, daß wir ihn davon befreiten, hin und leerte seine Aktentasche über dem Papierkorb aus. Der Parkwächter indessen schaute ihm mißtrauisch aus einiger Entfernung zu. In einer sprungbereiten Haltung, als sehe er einen Lebensmüden, dem er im nächsten Augenblick zu Hilfe eilen wollte. Ein Gerechter war unter allen: eine einzige Aktentasche, in der wirklich Akten waren, sonst fanden wir keine. Die Aktentasche ist die Fassade des Mannes, hinter dessen Leder sich das Menschliche verbirgt, die Aktentasche ist Symbol, sie heißt: Wir haben keine Zeitl, sie heißt: Was denken Sie, was ich so am Tage alles zu machen habe!, sie heißt: Das Leben ist ein ernstes Geschäft! Und dahinter ist das Menschlich=Rührende: Schrippen und Bleistiftwracks. „Ich unterm Rantofler? Ist ja nicht wahr!“ Eine heikle Angelegenheit, wie sie die Volkskunde sieht „Unter dem Pantoffel stehen"— wer, gleich, ob Mann oder Frau, möchte sich das nachsagen lassen?" Ich unterm Pantoffel? Kommt nicht in Frage! In meinem Hause gibt es nur eine Meinung, und das ist meine!“ So oder ähnlich weist mancher tief entrüstet alle Anspielungen zurück. Doch lassen wir den Streit. Forschen wir lieber einmal nach dem Ursprung der seltsamen Redensarten, die rund um den Pantoffel entstanden sind! Schon um 1200 begegnet uns der Pantoffel als Symbol der Herrschaft in der Ehe. Zeitgenössische Schriftsteller berichten aus jener Zeit einen Hochzeitsbrauch, der auch heute noch nicht ganz ausgestorben ist: Wenn Braut und Bräutigam vor den Traualtar treten, versuchen sie, dem künftigen Ehegemahl auf den Fuß zu treten. Wer dem andern zuerst auf den Schuh tritt, dem gehört die Herrschaft in der Ehe. Die alten Skribenten geben auch gleich an, worauf sich diese Sitte gründet. In den Turnieren und Zweikämpfen der Ritter war es üblich, daß der Sieger dem Besiegten den Fuß auf den Nacken setzte. Diese Geste der Machtergreifung wandelte sich zu einem Volksbrauch, wie er eben beschrieben wurde. Böse Zungen freilich behaupteten schon damals, die Redensart vom Pantoffel käme daher, daß herrschsüchtige Frauen ihre widerspenstigen Ehemänner mit dem Pantoffel als Hieb= und Schlaginstrument zur Räson brächten. Von diesen sicherlich sehr übertriebenen Meldungen, die sich in manchen Volksschwänken finden, leitet sich das geflügelte Wort„Den Pantoffel schwingen“ her. Keiner, das wurde schon gesagt, möchte als „Pantoffelritter“ gelten. Um so merkwürdiger i: es, daß ein Mann sich wirklich einmal freiwillig unter den Pantoffel stellte, ja, unter diesem Zeichen sogar Ruhm und Lorbeer gewann! Von diesem ersten Pantoffelritter erzählt ein Mönch in einer um 1300 geschriebenen. Chronik. Und wenn diese Geschichte wahr ist, dann haben wir hier eine zweite Erklärung unserer Redensarten vom Pantoffel. Da lebte, so erzählt die Chronik, einmal in Deutschland ein mächtiger Ritter, genannt Poliphem mit der eisernen Stirn. Der mochte sich vor niemand beugen und war ein freier Mann wie der Kaiser selber. Nun hatten sich der Kaiser und der Papst einmal nach langem Streit ausgesöhnt und feierten den Friedensschluß mit großen Turnieren, zu denen die ganze Ritterschaft erschien. Ehe die Ritter aber auf den Turnierplatz ritten, mußten sie als Zeichen ihrer Huldigung ein kleines Zepter oder einen Krummstab auf ihren Helmen befestigen. Doch der stolze Poliphem warf Zepter und Krummstab in die Ecke und schrie:„Was soll mir der Plunder? Ich bin mein eigener Herr und diene niemand.“ Poliphems sanfte und schöne Gattin Beatrix indessen war diplomatischer und friedlicher und suchte ihn zu bekehren. Und als der Ritter sie anschrie, das seien seine Sachen und da solle sie sich nicht hineinmischen— da wandte sich die schöne Beatrix schmollend ab und ließ Poliphem allein. Nun war der grimme Ritter noch nicht lange verheiratet und vermochte einen Zwist mit seiner Eheliebsten nicht zu ertragen. Verzweifelt blickte er sich um und sah das zierliche, rotseidene Pantöffelchen, das Beatrix beim Davoneilen verloren. Wie nun gerade die Herolde zum Kampf bliesen, steckte er sich das kleine Ding auf den Helm, klirrte hinaus und ritt in den Hof. „Unter welchem Zeichen streitet Ihr?“ fragten die Herolde.„Zepter oder Krummstab?“—„Unter dem Pantoffel der schönen Beatrix!“ schrie Poliphem grimmig, ritt an den Verblüfften vorbei und warf an diesem Tage alle Gegner in den Sand. Soweit die Geschichte des ersten Pantoffelritters. Weniger Ehre als er legten die„Pantoffelhelden“ in späterer Zeit ein. Jakob Grimm berichtet in seinen„Deutschen Rechtsaltertümern“ von einem seltsamen Rechtsbrauch: Wenn ein Mann sich von seiner Ehefrau prügeln ließ, so sammelten sich die Nachbarn vor seinem Hause, kletterten auf das Dach, schlugen den First ein und rissen das Dach von oben bis unten ab. Damit sollte symbolisch ausgedrückt werden: Ein Pantoffelheld ist nicht würdig, ein Obdach zu besitzen. Aus dieser Bestrafung der Pantoffelhelden im Mittelalter ist übrigens ebenfalls eine volksdeutsche Redensart entstanden: „Einem aufs Dach steigen!“ Noch um 1760 war die Bestrafung des Pantoffelheldentums durchaus rechtsüblich, so z. B. im Fürstentum Fulda, wo das Fürstliche Hofmarschallamt selbst sogar livrierte Diener mit dem Auftrag entsandte, das Dach des Hauses, in dem der angeklagte Pantoffelheld wohnte, in aller Form abzudecken. In Darmstadt wiederum traf die Strafe nicht nur den Mann, sondern auch die pantoffelschwingende Frau. Hier erschienen in früher Morgenstunde die„Rächer“, sechs kräftige Männer, die ein Eselein mit sich führten. Auf dieses Tier wurde die Sünderin festgebunden und durch die ganze Stadt geführt. Stellte es sich heraus, daß der Mann„in offener Fehde“ seinem Weibe unterlegen war, so mußte er als Führer des Esels mitziehen und so„allen Leuten seine Schmach kundtun". Viele solcher und ähnlicher Berichte sind erhalten geblieben. Und sie legen eigentlich kein besonders günstiges Zeugnis ab von Eheleben und Sitten in jener Zeit. Es stimm! manches nicht bei der vielgepriesenen„guter alten Zeit...“ O. G. Foerster. SNeuste Rankdr Rillell Warader dls Vorker Tachen Australien Als der amerikanische Besucher zum erstenmal im australischen Busch war, kam eine Herde Stiere vorbei.—„Was sind das für Tiere? fragte er.—„Na. Stiere!"—„Ach. bei uns sind sie dreimal so groß!“— Dann wurden Schafe vorbeigetrieben.„Und was ist das?“ fragte der Amerikaner.—„Schafe.—„O. ich dachte: Kaninchen!"— Nun aber kamen drei Känguruhs vorbeigesprungen.—„Was sind das für Tiere? — Der Australier sah flüchtig hin:„Grashüpfer. Sind die bei Ihnen auch so groß?“ (Age Melbourne) * Ein Siedlungslustiger kommt in eine wasserarme Gegend Australiens. Dort steht ein Mann auf einer Brücke und starrt in das trockene Fluß„Was machen Sie da?“ fragt der Zugereiste „Ich habe hier Land gekauft, und nun warte ich, daß einmal Wasser kommt, damit ich mich ersäusen kann!“(Age Melbourne) Amerika Die Hausfrau hat notwendige Besorgungen zu erledigen und den Sonnabendnachmittag gewählt, damit der Vater sich den drei kleinen, lebhaften Sprößlingen widmen kann. Als die Mama heimkehrt, überreicht ihr der Pava, Statistiker von Beruf, die saubere Auftelluns: 10mal Nase gevutzt Schuhsenkel zugebunden.... 13mal Wasser zum Waschen eingelassen. 18mal Klavs auf den Povo..... 446 gind Gummiballons gekauft 3 f. Ro. Knns Durchschnittliche Lebensdauer des Ballons Ermahnung zum Damm=Ueberschreiten........ 21mal Wieviele Sonnabende wird der Vater die Mutter wieder ver treten?....... 0mal (Montreal Star) * Bix:„Gehst du immer noch im Schlaf spaderen?“ Dix:„Rein, ich nehme jetzt immer Fahrgeld (Universitn of Calisornia Peliean) Schweiz Nach der Trauung kommt der neugebackene Ehemann allein aus der Kirche heraus und läßt seine junge Frau nur so hinterhertappen. Zur Rede gestellt, warum er das täte und so rücksichtslos sei, sagte er:„Jetzt hört's Flattieren uff!“(Schweizer Illustrierte) Bärbele sieht weidende Kühe und fragt ihren Papa:„Papa, was machen die Chüe dort? „Grase tüe sie!“ Bärbele:„Nei!“— Papa:„Weide tüe sie!“— Bärbele:„Nei, sie tüe vic=nigge!“ (Schweizer Spiegel) * Das Margritli vom Land sah in der Stadt die ersten Herren in Knickerbockerhosen. Da sagte es sehr erstaunt:„Dö hätt's viel größere Buebe als bi üs daheim!"(Schweizer Spiegel) Finnland „Siehst du, diese Frau ist tagsüber im Büro, abends an der Kasse im Lichtsvieltheater und nachts als Kellnerin in einem Kaffee!" „Und schlafen tut sie nicht?“ „Doch, sie schläft in einem Schaufenster als Reklame für Schlafanzüge. (Snomen Ruvalethi) Holland Im Amsterdamer Hafen beobachtet eine Touristin aufmerksam das Aus= und Einladen eines Frachtschiffes. Neben ihr hat sich ein wettergebräunter Schiffsarbeiter vostiert, die entblößte tätowierte Brust dem scharfen Seewind preis„Sagen Sie“ fragt ihn das Fräulein,„gehen denn diese Figuren nicht auf die Dauer beim Waschen wieder ab?“.. Mefraume zugt. 8. „Dat weet ick wärklich nitz Mestuum, zuar der Schiffer die Achseln.(Haagsche Post) Frankreich Arzt:„Ihr Fall wird die Wissenschaft außerordentlich bereichern, mein Herr!“ Patient:„Ach du lieebr Gott! Und ich dachte. die Sache würde nicht mehr als 50 Franc kosten!“ (Le Rire) * „Oh. da bist du ja schon. Emil!“ „Emil? Wieso Emil?". Mitimern Verzeih! Ich dachte, heute wäre Mittwoch.“ (Le Rire) Italien „Wie gelang es Ihnen nur. Rom in drei Tagen so gründlich zu sehen?" „Ganz einfach, meine Frau besuchte die Kirchen, meine Tochter die Museen und ich die Vergnügungslokale."(Euerin Meschino) * Erster Maler:„Ich habe neulich eine Lira aufs Pflaster gemalt, da kam ein Bettler und wollte sie aufheben!“ Zweiter Maler:„Das ist noch garnichts! Ich habe neulich eine Lira aufs Pflaster gemalt, da kam ein Bettler und hat sie aufgehoben!“ (Marc Aurelio) „Was ist euch lieber?“ 12 Sekunden Ein Eigenschaftswort, das einem die Menschen beilegen, verpflichtet gewissermaßen. Seitdem Kurfürst August von Sachsen der„Starke“ genannt wurde, erwartete man natürlich beständig Proben besagter Stärke. Der Mensch aber wird es auf die Dauer müde, Hufeisen zu zerbrechen oder etwa vom Stefansturm in Wien sich von zwei Trompetern etwas vorblasen zu lassen, während man die beiden Musikanten freihändig in die Luft hinaushält — was vermutlich dem Kurfürsten mehr Vergnügen bereitet hat, als den armen Bläsern, die jeden Augenblick fürchten mußten, aus dem letzten Loch zu pfeisen! Aber es kommen doch Situationen, wo einem die sprichwörtlich gewordene Kraft gute Dienste zu leisten imstande ist. Das war dazumal, als der Herr Kurfürst auf einsamem Ritt gen Reichenbach im Vogtlande kam. Er war in einen weiten Mantel gehüllt, so daß keiner in dem schlichten Reitersmann den großmächtigen Herrn erkannt hätte.. Jinam Etig. aanen Anscheinend erging es einem Stier genau so, der sich vermutlich über des Kurfürsten munter daher sprengenden Roß ärgerte. Vielleicht auch über seinen Reiter, in dem er den überlegenen Gegner witterte. Plötzlich machte der Stier kehrt und jagte auf den Reiter los. Der aber nicht faul, ergriff sein Schwert und spaltete dem wütenden Tier den Schädel! Ein Hirte aber, der das von ferne ängstlich beobachtet hatte, war flugs ins Dorf geeilt, um Leute aufzubieten, die von dem kecken Reiter, der den Stier erlegt, Ersatz fordern sollten. Schon vor dem Dorfe erwartete ihn eine ländlich bewehrte Schar: sen und Dreschfleael ragten drohend über ihren Häuptern. So rückte man von allen Seiten dem Fremden zu Leibe. Da wußte der sich nicht anders zu helfen, als daß er den Mantel auseinanderschlug, unter dem der kostbare Waffenrock schimmerte. Wie Schuppen fiel es den Leuten von den Augen. Sie warfen ihre Waffen und sich selbst vor dem Kurfürsten in den Staub. Der aber meinte lachend:„Was ist Euch lieber, Leute, ein toter Stier und ein lebender Kurfürst oder umgekehrt— ein lebender Stier und ein toter Kurfürst?“ Wie die Antwort seiner Untertanen ausgefallen ist, braucht man wehl nicht zu sagen... Streitkähne aakeim und unterwegs Kleine Witzsammlung Munke war spät nach Mitternacht nach Hause Am nächsten Morgen meuterte Munkes Minna. „Du hast gelogen!“ „Ja. Du hast mir heute nacht erzählt, du kämst von Tante Frieda, in Wirklichkeit aber kamst du aus der Piccadilly=Bar!" Meint Munke: „Zugegeben— aber gestern abend konnte ich das Wort Piccadilly=Bar nicht mehr aussprechen. Der Fall lag ein wenig kompliziert. Die vier Fachärzte besprachen sich. Zuerst in schlichten lateinischen Fachausdrücken. Dann wurde die Debatte heftiger. Man nannte die Dinge beim richtigen Namen. Warum reden Sie denn jetzt deutsch? Die vier Aerzte seufzten:. „Weil wir mit unserem Latein zu ende sind.“ * Was Frauen oft für Hüte tragen! Der neue Hut war ein Monstrum. Der Ehemann protestierte:„g..26 „So gehe ich nicht mit dir auf die Straße!“ Das Frauchen fauchte: „Was verstehst denn du? Du hast doch keinen guten Geschmack?“ Der Ehemann nickte: 4 „Stimmt! Sonst hätte ich dich damals nicht geheiratet.“ Streiten sich zwei. Schreit der eine: „Sie sind wohl neunmal gescheit?“ Sagt der andere:„„ „Sonst nicht! Aber Ihnen gegenuder komme ich mir so vor!“ „Was. Marianne hat gesagt, du wärst ein Idiot?“ „Nicht so direkt. Aber sie sagte, was meinen Geisteszustand beträfe, so ähnele er dem deinen auss Haar.“ se. Könnte stimmen Der Lehrer wählte ein Rechenbeispiel aus dem täglichen Leben:„Zwei Städte sind dreihundert Kilometer voneinander entsernt. Von Stadt fährt ein Automobil mit hundert Kilometer in der Stunde, von der anderen Stadt der andere Autofahrer mit hundertzwaxzig Kilometer Durchschnitt. Wo treffen sich die##den Fahrer: Der Schüler rief: „Im Krankenhaus, Herr Lehrer.“ Schachaufgabe von Dr. Ado Kraemer „Memeler Dampfboot“. 1933 1 lhe Wine Wenmrnihe ude eummanh ue umn, 222 25# 22 W. 2 Wlihe Wibhe, ung he un, Mane. 0 W an Witih — 7 indische Münze. 7. Geldzustellungsformular. 8. Anfang. 9. Frau eines selbständigen Handwerkers, 10. Himmelskörper, 11. landwirtschaftlicher Besitz, 12. Moorland, 13. Staat in Nordamerika, 14. Schmuckstück, 15. Verpackungsge.“ 16. Stadt in Neuitalien, 17. Raubfisch. Matt in drei Zügen Bilderrätsel Bedeutung der einzelnen Wörter a) von links nach rechts: 1 soziale Einrichtung, 7 Stelle, 8 herausgebauter Teil des Hauses, 9 französischer Romanschriftsteller im 19. Jahrhundert, 10 übergroßer Mensch, 12 Stadt an der Mosel, 15 Trieb, 16 Küchengerät, 18 Zeichnung im Holz, 20 Schüler, 23 griechische Gottin, 25 Körperteil, 26 Schiffsseite, 27 Fahnenflüchtiger; b) von oben nach unten: 1 Schlachtort im Kriege 1870/71, 2 Badeort am Spessart, 3 Element der Alten, 4 Kriegsgott, 5 Wild, 6 tierisches Fett, 9 Nebenfluß des Rheins, 10 Teil des Baumes, 11 weiblicher Vorname, 13 abessinischer Häuptling, 14 Getränk, 16 Nebenfluß der Donau, 17 Verwandter, 18 Längenmaß, 19 Metall, 21 Behälter, 22 Märchengestalt, 24 Futtermittel. 40099 Magisches Kreuzworträtsel Die Wörter lauten waggerecht und senkrecht Bedeutung der Wörter: 1. Nordwesteuroväer, 2. Ordensbruder, 3. Hauptstadt von Lettland, 4. Handwerkszeug, 5. Männername, 6. britisch= Silbenrätsel a, a, a, ben, ber, cu, da, da, dat, de, de, des, dra e, e, e, ga, gly, he, hi, il, irr, le, ler, lett, li, licht, lie, mo, mu, na, na, na, ni, phen, ra, re, ro, ru, san, sche, sel, tel, tha, tri, um, un, wer. Aus vorstehenden 48 Silben sind 15 Wörter zu bilden, deren erste und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Zitat von Theodor Körner ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Teil der Uhr 2. Wasserfälle in Nordamerika 3. Laubbaum 4. chemischer Grundstoff 5. Frauengestalt aus„Otheuo 6. Stadt in der Provinz Sachsen 7. Nebenfluß der Donau 8. Name der untersten ostindischen Volks9. altägyptische Bilderschrift 10. Naturerscheinung im Moor 11. Fußbekleidung 12. Muse 13. Südfrucht 14. Zauberschutzmittel 15. Abendständchen Auflösung aus voriger Nummes Schachaufgabe von O. Dehler 1. Ke5—f5, Kg7Xh6; 2. Te6—es, Kf8—97; 3. Te8—e7 usw.— 1. Kf7—97; 2. Te6—es. K97—57: 3. Kf5—f6 usw. Unter Aufopferung des Springers wird in die bekannte Mattführung König. Turm gegen König eingelenkt. Ein sehr gefälliges Stück. Silbenrätsel 1. Danton, 2. Inventur, 3. Elbe, 4. 5. Elektra, 6. Nabob, 7. Schaluppe, 8. Cherub, 9. Hildegard, 10. Expander, 11. Neiße, 12. tau, 13. Innozenz, 14. Nachrichtenamt, 15. Datum, 16. Bornholm, 17. Estomihi, 18. Saargebiet. „Die Menschen sind bestimmt zu ErdbeBesuchskartenrätsel Amtsgerichtsrat Geographisches Silbensuchrätsel Hammerfest, Indien, Merseburg. Amsterdam, Litauen, Astrachan, Jericho, Ankara.— HimaKreuzworträtsel a) 1 Stab, 4 Kauf, 7 Ebro, 8 Asti, 9 Adept, 11 Ehe, 13 Clan, 15 Ruth, 17 Heu, 18 Dur, 19 Wien, 21 Lohe, 22 Ali, 23 Agent, 25 Bode, 26 Dose, 27 Esel, 28 Eder;— b) 1 Seeschwalbe, 2 Ara, 3 Boden, 4 Kaper, 5 Ast, 6 Fischreiher, 10 Kleid, 12 Stuhl, 14 Aue, 16 Udo, 20 Nagel, 21 Linde, 23 Ade, 24 Tod. Bilderrätsel Kraft durch Freude Frauenwell und Heim AihserNachnotlleritig Von Dr. Eva Wendors Unsk Unter einen Nachiönning verschtnan heranwächte, ig vewehzucg ein in einer Ehe, in der hereits öhermin Muter sich weiter lich ain:: Nachkömmling versteht man gewocnlich ein in einer Ehe, in der bereits größere Kinder vorhanden sind, spät geborenes Kindchen. Es ist also ein Kind, das verhältnismäßig alte Eltern und keine gleichaltrigen Geschwister hat und das dadurch von vornherein in eine etwas schwierige Situation hineingeboren wird. In einem Kreis von Müttern interessiert nun vor allem die Frage: was bedeutet ein solcher Nachkömmling für die Mutter— und wie wird sie mit ihm fertig?— Es ist nicht das erste Kind— folglich hat die Mutter vor einer Erstgebärenden den Vorteil der körperlichen Vorbereitung voraus. Mag auch die letzte Geburt lange Jahre zurückliegen, die Organe waren schon einmal auf die Mutterschaft eingerichtet, die Geburtswege sind vorbereitet. Das späte Kind braucht also vor und während seiner Geburt keine größeren Schwierigkeiten zu verursachen, als sie sonst bei einem zweiten oder dritten Kinde vorliegen. Natürlich spielt es eine Rolle, ob die Mutter körverlich elastisch geblieben ist. Aber in unserer Zeit ist eine Frau von 40 Jahren in den meisten Fällen noch genügend beweglich und widerstandskräftig. Körperliche Schwierigkeiten sind also normalerweise nicht zu befürchten. Die weitere Frage ist die, wie die Mutter mit der Säuglingspflege fertig wird. Ihre früheren Erfahrungen hat sie meist verlernt oder vergessen; außerdem ist gerade in den letzten zehn Jahren so vieles anders geworden, daß man das einmal Gelernte kaum noch verwerten kann. Die Mutter versteht auch nicht mit einem so winzigen Wesen umzugehen, ist unsicher und ungeschickt. Es heißt also: ganz neu lernen! Denn unvorbereitet und leichtsinnig kann gerade die ältere Mutter nicht an ihre verantwortungsvolle Aufgabe herangehen. Sie kann es um so weniger, als sie diese Aufgabe im Gegensatz zu mancher jungen Mutter in ihrer vollen Bedeutung und Schwere erfaßt. Und in dieser seelischen Einstellung liegt wiederum eine der Schwierigkeiten, die der Mutter gerade mit der Geburt eines Nachkömmlings erwachsen, und die für gewöhnlich vorher unterschätzt werden. Die Mutter ist gegenüber ihrem Spätgeborenen vielfach überängstlich! Einmal hat wohl meist das Erlebnis der späten Mutterschaft stark auf ihre Nerven eingewirkt, infolge dieser Labilität ist sie unsicher und voller Sorge; sie sieht für ihren Liebling tausend Gefahren, die für die jüngere Mutter gar nicht existieren Ist sie auch körperlich noch elastisch, so heranwachst, so muß vie Mutter sich weiter überwinden und das Kind an den Unternehmungen seiner Altersgenossen teilnehmen lassen,— auch wenn sie vielleicht überall Geiäe er seht, die für eine junge Mutter gar tieren. So ist es für die Mutter keinesfalls leicht, einen Nachkömmling aufzuziehen; dafür erlebt sie aber vielleicht auch die Freuden der Mutterschaft intensiver als manche junge Frau. Der Vater des Nachkömmlings aber ist selbstverständlich stolz und glücklich und beschäftigt sich um so eingehender mit dem Kleinen, als er selbst reifer geworden ist. Wie aber stellen sich die älteren Geschwister zu dem kleinen Erdenbürger? Lehnen sie ab—, sind sie vielleicht neidisch,— fürchten sie, in ihren Rechten verkürzt zu werden? Es ist die Aufgabe der Mutter, die älteren Kinder so zu behandeln, daß sie sich nicht vernachlässigt fühlen können,— daß sie aber darüber hinaus zu lebendigem Interesse für den kleinen Erdenbürger gewonnen werden. Auf jeden Fall: das ganze Haus steht zunächst einmal Kopf,— das ganze Leben ist „Kommi der Dater bald nach Hwase?“ (Scherl=.) umgewandelt, wenn der Nachkömmling da ist! Viel Sorge und Mühe, aber unendlich viel Freude bringt so ein Kindchen mit sich, und die wird vielleicht gerade in der älteren Ehe Pesensen be ganz jungen Der Schmuck der Frau Wesentlicher Gestandteil der Kleidung— Edelmetalle und Steine— Wirkungsvolle Halbedelsteine „Der Wunsch der Frau, sich zu schmücken, ist rowegs neu. Wir können ihn bis in die ältesten Zeiten zurückverfolgen. Und wir finden immer wieder, daß gerade der Volksschmuck älterer Zeiten uns gute Wege weist, in welcher Weise Schmuck gearbeitet und getragen werden sollte. So wenig angenehm kostharen Ghelste.9 mitz, Prillanten oder „sreüren Soeizemnen überldor und behängt, Schmucksach, der Hest kindet von die Schmucktlück, das zum Otzeideezpe. sonders bevorzugt waren rate Steina Juch wirkt ein schöngearbeitetes die deutschen Trachten.. die beutschen Trachten ansehen, so finden wir, daß bei ihnen der Schmuck geradezu einen wesentlichen Bestandteil darstellt,— ohne ihn würden die Trachten nur das halbe Ansehen Das beliebteste Material für den Bauernchuzchaist Silber, das sich auf die vielfältigste in manchean eie t in Friesland und auch ## en Teilen Schlesiens findet man aber auch goldenen Schmuck häufig. Die Aermeren trugen die gleichen Schmucksachen aus vergoldetem Silber oder versilbertem Kupfer. In der holsteinischen Gee##tindet man die die tiefdunkelroten Granaten. Ketten aus Graiaten und Korallen trägt und trug man viel der Schweiz und in Oesterreich, ebenso waren Bernsteinketten ein gern getragener Smregr, Zie ostpreußischen Burschen schnitzten ihren wialochen aus Horn oder Bernstein herzförmige Spangen. In Pommern bestanden die Bernsteinketten oft nur aus aneinandergereihten, unscheinbaren Bernsteinstücken, während die Bernsteinperlen in der Bückeburger Gesoben Iin Fran.. e.. Jühnereis aetam saunschweig trug man mit VorVernstein. Hochgeschätzt sind Silber= und Goldfiligranarbeiten. Von besonderer Schönheit ist das ostund westfriesische Filigran. In Hannover und Westfalen findet man Gold und Silber bisweilen zu einem Schmuckstück verarbeitet. sonders bevorzagt waren rote Steine. Jug Schlesien brachte solche Glassteine in Ringen, Spangen und Broschen an. In Westfriesland und in den Elbmarschen begnügte man sich aber nicht mit Glassteinen, da mußten es schon echte Steine sein, und besonders gern verarbeitete man die grünlich=blauen Türkisen und Kleine Frauen=Gundschau Etwas von der Vererbung Wer gesunde Kinder haben will, muß selber gesund sein,— diese einfache Tatsache ist den ae sam jett glücklicherweise zum Bewußtsein ren. Ist sie auch korperlich nochelaftisch, sb ist Frauen jetzt g sie seelisch bestimmt nicht mehr so widerstands. gerommen. on Einzelfäuen mag das Nichtzufähig wie die junge Frau; sie bringt es z. B. standekommen einer geplanten Ehe vielleicht nicht fertig, ruhig weiter zu schlafen, wenn wir dankbal Zaßen Ganzen aber müssen Seicht wicher a euizigen. Saief hishelgen, den nar auldie Michigent uie Landz iu Setiun= etstng ae „lie nestmendie erkannte Vflaimat ete deu, schäftigt man sich jetzte aud in England de. uis norwenoig errannre Prlegemaßnahme ver Erauugr man suy guzi eingenend mit diesen Fe sar In. 16. Puialton I Sie kann auch nicht einfach auf diese oder jene als nolwenbig erkannte Pflegemaßnahme verzichten, nur, weil diese im Augenblick sehr unbequem ist. Die ältere Mutter muß also auf alle Fälle mit einem weit größeren Nervenverbrauch rechnen als die junge Frau. Um so mehr muß sie aber darauf bedacht sein, daß ihre Nervound Aergslchtelt niht.sGhädlch auf dos Lrz, Iazerr, amliche Klnder seiz linger Kind wirken. Der kleine Erdenbürger darf zwei Lahrhunderten nur mit zwei Fingern nicht verzärtelt und verweichlicht werden; er zwei Jehen geboren werden. Eine Statistik schäftigt man sich jeg. eingenend mit diesen Fragen und trägt Material zusammen, um die nötigen Beweise zu bringen. Es gibt da einige ganz erstaunliche Fälle, die Bände sprechen und überzeugender wirken als lange Vorträge. In wo immer untereinander geheiratet wird, hat keines der Mitglieder Haare„oder Zähne. In Schottland lebt eine Familie, deren sämtliche Kinder seit länger als und s i e e ge Veeigzuge weiven, er Johtes läize doren werden Eine Siatikilk des sou wogt liebevoll umsorgt werden, darf aber der von geistig minderwertigen Eltern das Gefühl haben, daß sich alles im Hause men. Gustiag Sraztlizeinnen seunzen:. Stave, brave, bravel Lustige Sportlerinnen feuern ihre Kameradinnen zur Höchstleistung an. (Scherl—.) mael, ein Halbblut, heiratete im Jahre 1840; seine sämtlichen Nachkommen sind schwachsinnig. Wir erkennen aus all diesem, eine wie ungepartners hat. des richtigen EheDeutsches Beispiel macht Schule Juni fand in Norwegen(in Oslo) eine nationale Haushaltsausstellung statt, die sich ####te Hausfrauen des Landes wandte. Das Schlagwort dieser Ausstellung war:„Ein in warb für den Gedan..; daß die Hausfrau in größerem Maße als bisher in ihrer Küche die einheimischen Waren verwenden solle. Es wurde besonders darauf Zingewieser, daß Kartoffeln, Milch, Gemüse, Dost und Heringe in großem Maße gebraucht werden sollten. Auf der Ausstellung wurde auch ein Brot vorgeführt, das aus 70 bis 80 Prozent Roggen, und Weizen und 20 bis 30 Prozent offelwalzmehl gebacken war. Dieses Kartoffelwalzmeh. unterscheidet sich von dem üblichen Kartoffelmehl dadurch, daß es aus ganzen „ Kasteffelz. hergestellt ist und alle guten Eigen„####n der Kartoffel besitzt. Es wird behaups, Hit oaß das so hexgestellte Brot einen hohen „#rwert besitzt und geschmacklich erstklassig ist. auf jeden Fall hilft dieser Zusatz sicherlich in bezug auf den Verbrauch von Brotgetreide sehr sparen, und da Norwegen ein Land ist, in dem viel Kartoffelbau betrieben wird, ist diese Erfindung für die Volkswirtschaft sehr wesentlich. Allerlei Aberglaube um die Hochzeit Schgeiten inden besonders viele und Juni nicht Eheschließungen im Mai nicht als glückbringend angesehen Möadenichud, daß eine Hochzeit im girche zünstis sei, geht darauf zurück, daß Otern und altüherer Zeit Hochzeiten zwischen Luern und Pfingsten nicht guthieß. Auch die Heiraten im Mai. In D2 de haehd- Kesensege in. Der 24. Oetgenven alie Heltalsiag Keochil Rach die Mlasea. glaubt zum Beispiel vielerorts, daß eine rat am Montag Reichtum bringe, eine Hochzeit am Dienstag Gesundheit erhoffen lasse, „Mittwoch der allerbeste Tag für die Heirat sei, daß Donnerstag und Freitag als sehr ungünstige Tage anzusehen seien, der Samstag aber geradezu Unheil bedeute. Viele glauben, daß es Unglück bringt, wenn einer Frau der Ehering vom Finger gleitet. Das Zerbrechen eines Eheringes wird vielfach als ein Zeichen angesehen, daß man seinen Ehegenossen verliert. Wenn im Brautkranz bisweilen Orangenblüten benutzt werden, so ist das eine alte Sitt der Sarazenen, die diese Blumen als ein Symbol einer gedeihlichen Verbindung ansahen. Häufig sehen wir Münzen als Bestandteil des Schmucks angebracht, doch sagt unserm Geschmack diese Schmuckart heute nicht mehr zu. Das gleiche gilt von den herzförmigen Spangen, die von Holland bis Ostpreußen im ganzen Küstengebiet von den Mädchen getragen wurden. Diese allzu gegenständliche Darstellung erscheint uns als zu wenig kunstreich. Auch die Ringe mit dem Händepaar darauf gefallen uns nicht mehr. Daß früher der Schmuck oft benutzt wurde, um gleich den Beruf des Trägers auszudrücken, verdient erwähnt zu werden. So hat der Hamburger Zimmermann auf seinem Ohrring sein Handwerkszeug abgebildet, der Senner trägt an der Uhrkette Melkschemel und sonstiges Gerät, der Schütze in Oesterreich eine Armbrust, der Fuhrmann Viel zu wenig wird bei unserm heutigen Schmuck noch beachtet, eine wie wundervolle Wirkung erzielt werden kann, wenn man Bernstein aller Arten mit mattem Silber zusammenfügt. Ueberhaupt ist bei der Verarbeitung von solchem halbedlem Gestein darauf hinzuweisen, daß es auf künstlerisches Empfinden dabei ankommt. Ein gut gearbeiteter und richtig angebrachter Halbedelstein kann eine viel schönere Wirkung haben als irgend ein Diamant. Man darf die dekorative Wirkung eines schönen Schmuckstücks durchaus nicht unterschätzen. Neben Bernstein wirken besonders schön Rauchtopase, Aquamarine und Amethysten. Auch Granaten können in guter Verarbeitung sehr schön aussehen und brausczehieten kostbarsten Rubinen kaum zuNütter gebt acht Beim Aufhängen von Gardinen, Fensterrutzen usw. zeigt manche Hausfrau Leistunost recht wackeligen Eisch werden ein oder zwei Stühle übereinander aufgebaut, und aben thront die Hausfrau bei ihrer Arbeit. glichich zweimat oder auch mehr mag dies ##. 9 ausgehen, aber wehe, wenn es zum . I# kammtl Durch eine kleine Ausgabe für ####schaffung einer Stehleiter erreicht man emlichkeit, zweitens aber Sicherheit. Wenn sie aber eine Trittleiter benutzen, dann achten Sie bitte auch darauf, daß diese genügend befestigt und gesichert ist. * „Das ist nur eine kleine Auslese aus dem Lichtbildervortrag, den Frau Planeth von der RS=Frauenschaft im Rahmen einer Kundgebung„Verhütet Hausunfälle“ hielt. Möchten viese Zeilen dazu beitragen, daß alle frauen und Mütter sich stets der Gefahren bemußt sind, die sie täglich umlauern und das ie v. 555, Familie bedrohen. Die Familie ist ###inste und wichtigste Gemeinschaft für den Bestand des Volkes. Mit ihrer Vorsicht erfünt also die Hausfrau und Mutter eine Vhsfand. Done Pflicht gegenüber Volk und Jaleekunderte Wein iam Neutschen Elein Traubenlese an der Mosel Fast zwanzig Jahrhunderte ist der Wein am Rhein beheimatet. Schon die Germanen verstanden es, aus Trauben Most zu keltern und diesen Wein zu vergären. Sie müssen in der Herstellung des Weines bereits etwas geleistet haben, denn als das römische Imperium an den Rhein vorgedrungen war, empfanden die Römer den rheinischen Wein als eine beachtenswerte Konkurrenz des römischen Traubensaftes, und der Kaiser Domitian hatte nichts Eiligeres zu tun, als die Weinkulturen der Germanen zu verbieten. Im Jahre 91 n. Chr. erschien ein Edikt, durch das der Weinbau in den germanischen Gauen zerstört wurde. Fast 200 Jahre lag der Weinbau am Rhein brach. Als dann der Sohn eines Gärtners den römischen Kaiserstuhl bestieg, wurde das wieder anders. Kaiser Probus ließ den germanischen Weinbau wieder aufleben und legte damit die Grundlage für die Weinpflege der Merowinger und Karolinger. Kaiser Probus hat sich zweifellos mit seinen Maßnahmen ein großes Verdienst um den deutschen Weinbau erworben. Kommende Jahrhunderte haben ihn deswegen sogar als eine Art Weinheiligen verehrt. Klöster und Bistümer wurden später kenntnisreiche Pfleger des rheinischen Weines. Ist doch der Wein für den christlichen Gottesdienst ein unbedingtes Erfordernis. Die alten Chroniken der Klöster erzählen viel vom Wein, und wir wissen, daß die Mönche ihn keineswegs nur für die Zwecke des Gottesdienstes pflegten, sondern auch, weil sie den Rebensaft als Genußmittel zu schätzen wußten. Als dann die Reformation mit ihren Stürmen über Deutschland dahinbrauste, verfielen mit zahlreichen Klöstern auch weite Strecken des Weinbaues. Der Dreißigjährige Krieg, der Deutschland in ein Chaos verwandelte, vernichtete an Weinkulturen, was noch bestehen geblieben war. Die Tatsache, daß die Weinbaugegenden in den immer wieder gefährdeten Grenzgebieten liegen, macht dieses durchaus erklärlich. Der Wiederaufbau der Weinkulturen beginnt dann im 18. Jahrhundert, was zugleich eine Aufwärtsentwicklung des Weinbaues in bezug auf die rationelle Bewirtschaftung bedeutet. Die Wissenschaft wandte sich mehr und mehr dem Weinbau und der Weinpflege zu. Als man sich mit der Pflege der Rebsorten, der Schädlingsbekämpfung befaßte, als die Kellerwirtschaft nach wissenschaftlichen Grundsätzen betrieben wurde, als man Winzervereine gründete, Weinbauschulen errichtete, Ausstellungen veranstaltete und fachliche Zeitschriften gründete, da entwickelte sich alsbald der Weinbau zu dem, als was wir ihn heute kennen: da entstand eine Weinkultur von beispielhafter Bedeutung. Heute ist der deutsche Weinbau ein beachtlicher volkswirtschaftlicher Zweig. 80000 ha der landwirtschaftlich genutzten Fläche des Reiches entfallen auf ihn. Auf diesem Anbaugebiet wurden im letzten Jahrzehnt jährlich durchschnittlich 200 Millionen Liter Wein geerntet. Eine Million deutscher Volksgenossen sind in ihrer Existenz vom Weinverbrauch abhängig. Mehr als 600000 Menschen arbeiten in den weltberühmten Weinbaugebieten im Westen und Südwesten Deutschlands im Dienst der Weinkultur, und fast eine halbe Million ist in den für den Weinbau beschäftigten Industrien tätig. Dabei ist der Weinverbrauch in Deutschland äußerst gering. Pro Kopf der Bevölkerung werden im Jahr nur etwa 3 bis 4 Liter Wein getrunken. Wie ganz anders ist der Weinverbrauch in anderen Ländern. In Oesterreich kommen auf den Kopf der Bevölkerung 16 Liter jährlich, in der Schweiz 60 Liter, in Italien 100 Liter und in Frankreich gar 140 Liter. Diese Zahlen zeigen deutlich, wie wichtig es ist, für den deutschen Wein zu werben. Würde jeder erwachsene deutsche Volksgenosse monatlich nur zwei Glas deutschen Weines trinken, so wäre die Not des Winzers und die Gefährdung der in der für den Weinbau schaffenden Industrie tätigen Volksgenossen behoben. Der Verbrauch des geernteten Weines wäre gesichert, und damit auch die Existenz einer Million deutscher Volksgenossen. Man trifft immer noch die Vorstellung an, daß der Wein etwas Besonderes sei, ein Getränk für Begüterte,„bessere Kreise". Demgegenüber kann nicht deutlich genug betont werden, daß der Wein auf den Tisch eines jeden Volksgenossen gehört, denn der Wein ist nicht nur ein Genußmittel, sondern auch ein wertvolles Nahrungsmittel, und mit seinen 600 Kalorien Nährwert, mäßig genossen, gesundheitsfördernd und kräftigend. Es ist aber noch viel zu wenig bekannt, daß es auch einen unvergorenen deutschen Traubenmost gibt, der ohne eine Spur Alkohol die gesundheitsfördernden Kräfte der Traube enthält. Und dann noch eins. Wein will mit Bewußtsein getrunken werden. Wein will im wahrsten Sinne des Wortes„genossen“ sein. Wer erst einmal gelernt hat, den rheinischen Wein richtig zu genießen, mag ihn nicht mehr missen. Für jede Geschmacksrichtung bietet das Rheinland sein Rebenblut:"Vollblumig",„spritzig", „elegant",„rassig“ oder„frisch“, ganz wie es die Zunge wünscht. Darum greift zum Pokal und laßt euch das Dasein verschönern durch Wein vom deutschen Rhein! Rleeinisehlee Feolssinn und geedener Wein! Winzer#est im Koblenzer Weindort Koblenz, die Stadt zwischen Rhein und Mosel, und sein Weindorf, sind zu einem Begriff geworden, sind nicht mehr voneinander zu trennen. Wer nicht im Weindorf war, kennt Koblenz nicht! Hier spiegelt sich die rheinische Seele in ihrer ganzen Urwüchsigkeit. In einem verträumten Winkel der Rheinanlagen liegt dieser weinfröhliche Ort, dicht am Rhein. Aus Anlaß der großen Reichsausstellung„Deutscher Wein" im Jahre 1925 wurde das Koblenzer Weindorf geschaffen und ist inzwischen weltbekannt geworden. Elf Jahre besteht nun diese nach Stimmung und Charakter einzigartige Anlage. Auf altem holprigem Marktplatz, unter großen, breitkronigen Bäumen steht eine Anzahl im Fachwerkstil der einzelnen deutschen Weinbaugebiete errichteter Winzerhäuser, gemütlich, ein Idyll im Grünen. Davor stehen Tische nud Bänke, die Abend für Abend von einer humorvollen, trinklustigen Gemeinde gefüllt sind, die ihre eigenen Gesetze verkündet. Jahr für Jahr, Abend für Abend, von Anfang Juli bis Oktober ist hier die Stätte des rheinischen Winzerfestes. Abend für Abend Vor Winzertesen au der Alte Winzerfest, ein Fest der Freude für die ganze Winzerfamilie! Wenn der Sommer von uns Abschied nimmt, entzündet die Herbstsonne in Weinberg, Wald und Feld ein leuchtendes Fanal. Nun, da die Aussichten für eine gute Ernte geklärt sind und auch die Weinbergsspritzarbeit sich voll und ganz bewährt hat, die Traubenpilze und Schädlinge vernichtet sind, hat der Winzer das leuchtende Ziel seiner Jahresarbeit vor Augen. Es gilt nun den Weinbergsschutz einzurichten, denn in den Tagen der Reife sind die Weinbergwege für jedermann geschlossen. Die Traubenhut hält Wacht, und die ganze Familie sehnt den Tag der Ernte herbei. Die Weinberge werden mit Drahtzäunen und Dornengestrüpp gegen fremde Zugriffe geschützt. Tag und Nacht ist der ehrenamtliche Traubenschutzdienst, versehen durch Winzersöhne, unterwegs. Mit vorsintflutlichen Gewehren und Ratschen sucht der„Wingertschütze“ den frechen Drosseln, Spatzen, Staren und anderen Traubendieben das Handwerk zu legen. Im Dorf aber wird bereits alles fertig gemacht zur Aufnahme der Ernte. Durch die Weinpatenschaftsaktion ist der Inhalt der Weinfässer wieder in Bewegung geraten, und der Absatz ist in vollem Gange. Die Fässer werden gereinigt, ausgeschwefelt und für die neue Ernte gerichtet. Die Winzerältesten treffen sich Abend für Abend auf dem Dorfplatz, um über den Lesetermin zu beraten, denn jeder Sonnentag wird noch ausgenutzt. Er erhöht den Gehalt und die Süße der Traube, die ja einen Spitzenwein liefern soll. Wenn dann der Tag der Lese kommt, verkünden die Dorfglocken und Böllerschüsse am frühen Morgen den Tag der ersten Lese. Jung und alt ist dabei, und auf dem Dorfplatz oder auf dem Marktplatz des Winzerstädtchens versammelt sich die ganze Bürgerschaft. Vorauf eine Bauernkapelle und der Bürgermeister des Ortes. Die Ochsen= und Pferdegespanne, Winzerinnen in ihrer schönen Tracht mit bunten Kopftüchern, Winzer mit den Kiepen auf dem Rücken und die Jugend bilden einen großen Winzerzug, der vor die Tore der Stadt oder des Dorfes geleitet wird. Unter den Klängen der Bauernkapelle gibt es schnell einen Winzertanz, die Kostproben der Trauben und des Mostes werden an Ort und Stelle genommen, und dann beginnt die Lesearbeit, die von jung und alt unter freudigem Gesang vollzogen wird. Die steil emporsteigenden Weinberge sind bald belebt. Abends künden dann die Glocken das Ende der Lese, und in der Nacht wacht wieder der „Wingertschütze", bis alles geerntet ist. Tag für Tag dasselbe Bild, bunt, schön und volksverbunden. Ist dann alle Erntearbeit getan, so geht die Jugend, nachdem die Weinberge wieder freigegeben sind, an das sogenannte„Mundstoppeln". Weinstock für Weinstock wird nochmals nach Trauben nachgesehen, und auch hierbei fällt manche Rebe, die bei dem geschäftigen Treiben der Erntearbeit übersehen worden ist, in die Hände der Buben, für die das „Mundstoppeln“ die Herbstferienfreude ist. Im Weindorf aber beginnt das Erntefest der Winzer, das„Winzerfest“. Hier lebt altes Brauchtum auf, und der Frohsinn und die Freude nimmt kein Ende. Der Winzer, ein harter Menschenschlag, doch mit einem echt rheinischen Herzen, versteht es, die Tage der Freude zu feiern und zu gestalten. Dann ist die Ahr nochmals das Ziel vieler ihrer ständigen Besucher. Alle wollen sich ein Stück dieser Romantik sichern, den Ahrburgunder, den Sonnenschein des Lebens genießen zur Stärkung für den täglichen Daseinskampf. Das größte und letzte Winzerfest an der Ahr findet in Bad Neuenahr in der Zeit vom 26. bis 28. September statt. Bei ihm sind sämtliche Winzerorte der Ahr mit all ihren Weinen vertreten. laufen hier 1000 Flaschen aus in die durstigen Kehlen. Wenn die Dämmerung sich niedersenkt und die Lampen und Lichter in bunten Farben aufglühen, beginnt hier das Leben mit seinem fröhlichen Getue. Eine Musikkapelle in traditioneller Winzertracht spielt flotte, lustige Weisen, es wird getanzt, gesungen und geschunkelt, alles getragen von weinfroher Begeisterung. Aus allen Winkeln und Ecken klingen Melodien Scherz und Uebermut. Es lacht das Leben, das keinen Griesgram kennt, rheinischer Frohsinn ist hier zu Hause, voll goldenen Humors sind die Vorträge, die den Abenden die Würze geben und für die der „Ober“ des Weindorfes mit einem Stab namhafter Künstler verantwortlich zeichnet. Alles ist hier ohne Zwang, originell und volkstümlich; hier feiern alle von nah und fern, vom In= und Ausland ein gemeinsames Fest und jeder sein eigenes. Er kann feiern und gefeiert werden; auf den Brettern des Podiums kann er seine Kunst dem lustigen und weinseligen Völkchen zeigen. In diesem Jahre feiert man vom 12. Juli bis Anfang Oktober das 12. Rheinische Winzerfest, und wer nach Koblenz kommt, wird sicher auch seinen Weg nach dem so viel und gern besuchten Koblenzer Weindorf lenken. Die schön verlebten Stunden in Gemeinschaft lebensfroher Menschen werden ihm stels ein Erlebnis sein. Winzer#est im Kurort Honnet am 19. und 20 September. Das Honnefer Winzerfest, das bereits auf eine jahrelange Tradition zurückblicken kann, findet in diesem Jahre am 19. und 20. September in einem besonders festlichen Rahmen statt. Durch eine glückliche Verbindung mit der Geschichte der Stadt Honnef wird es einen heimatkundlichen Einschlag erhalten. Auf dem Markt wird das alte„Hontes“, das alte GauW Winzerfestzug: Bacchus thront aus hohem Wagen Trauben vom Rhein Bilder: Landesfremdenverkehrsverb. Rheinl. M. verwaltungshaus zur Zeit der Ritter von der Löwenburg, zu einer Weinschenke ausgestaltet, um das sich an beiden Tagen das ganze Leben abspielen wird. Der Marktplatz wird ein großes Winzer= und Weindorf darstellen. Eine Tanzfläche unter den bunt beleuchteten Bäu; men bildet den Sammelpunkt der Tanzlustigen. Für diejenigen, die lieber ihren guten Tropfen in Ruhe trinken wollen, sind einladende Lauben und lauschige Ecken vorgesehen. Das Fest wird eingeleitet mit dem Empfang und der Einholung der Ritter von der Löwenburg, die ihre Teilnahme in ihren alten Kostümen zugesagt haben. Hoch zu Pferde werden die ehemaligen Herren von Honnef, umgeben von ihrem Troß, ihren Einzug in die Stadt halten, um an dem Festgelage der alten Schenke teilzunehmen. Tanz und Volksbelustigung sorgen für eine willkommene Abwechslung an diesem Vorabend des Festes. Das Hauptereignis des Sonntags bildet der große Festzug durch die Straßen der festlich geschmückten Stadt. Wer sich noch der prächtigen Wagen aus dem Vorjahre zu erinnern weiß, kennt das Bestreben des Kurortes Honnef, seinen Gästen, etwas besonders Schönes zu bieten. Durch die Mitwirkung der Ritter von der Löwenburg im Festzuge wird dieser eine besondere Note erhalten. Der Zug findet seinen Abschluß auf dem Markt, auf dem sich alsdann bei echt rheinischer Stimmung und rheinischem Wein ein wahres Volksfest entwickeln wird. Beesckastter Weisckienes Das Fest der Doktorstadt vom 26. bis 28. September Weinkirmes! Halten wir die Sachen einmal auseinander. Wein! Dieses Wort birgt in sich den Inbegriff des köstlichen Genusses jenes Getränks, das, wie das Weingesetz sagt, durch alkoholische Gärung aus dem Safte der frischen Trauben entstanden ist. Unsere Winzer erzeugen den Wein durch die harte Arbeit ihrer Hände, indem die schwielige Faust am sonnigen Hang der felsigen Berge den Karst und die Hacke schwingt und die zahlreichen anderen Hantierungen ausführt, die zur Gewinnung der edlen Trauben notwendig sind. Für geringes Geld ist jeder imstande, in Glas oder Flasche sich reichen zu lassen vom fließenden Moseldoldes, das mehr ist als schlechthin ein Stiller des quälenden Durstes.„Tröster in Trübsal sollst du mir sein“, also wird zuversichtlich und liebreich der Wein besungen. Auch„Feind des Griesgrams“, „Zerstörer des Muckertums“ wird er genannt. Ferner:„Der beste Arzt",„die angenehmste Medizin“,„der würzigste Trank",„Rieslingtee“,„Sorgenbrecher",„Sonnenschein",„Der Geistesfreunde Stell=dich=ein“ usw. mehr; es möge genügen.— Kirmes! Ein zweites schönes Wort; denn es erinnert an die erwünschte Spendung von Freude und Jubel und Lust. Die Kirmes vermittelt eine kurze Ausspannung von den vielen Mühen des grauen Alltags. Dazu bringt sie den Besuch von Verwandten, Bekannten und das Bekanntwerden fremder Personen.— Weinkirmes! Beides zugleich: Kirmes und Wein miteinander verbunden, das dürfte wohl die Fülle genußreicher Stunden und freudenvoller Genüsse sein. Sie wird dir geboten in den Tagen vom 26. bis 28. September 1936 auf der dich rufenden Bernkasteler Weinkirmes. Samstag ist Moselabend mit Ufer= und Burgbeleuchtung. Im Mittelpunkt der am Sonntag= und Montagnachmittag auf dem Markt stattfindenden Festkundgebung steht ein Festzug mit dem Motto: „Der Wein in Wort und Lied“. Anschließend Weinspende aus dem historischen Weinbrunnen. In allen Gaststätten Tanz und moselländische Fröhlichkeit. POroeWrrwoer Ein Strandroman von Hermann Weick 13 Die Unruhe aber war noch zu groß in ihm, als daß er jetzt in die Stille seines Hotelzimmers hätte zurückkehren können So wanderte er noch eine Weile durch die Nacht, kreuz und quer. Bis er sich plötzlich vor Mauds Pension befand. Er sah zu den Fenstern empor, hinter denen Maud schlief. Lange stand er so da, versunken in den Anblick des Hauses, in dem er den liebsten Menschen wußte, den er auf Erden besaß. Dann ging er, ruhiger geworden, heimwärts. Seit dem Telephongespräch, das Frau Wenckhaus mit ihrem Gatten geführt hatte, war eine Veränderung in ihr vorgegangen. Sie hatte es bis jetzt nicht anders gewußt, als daß bei allen wichtigen Entscheidungen die Stimme ihres Mannes ausschlaggebend gewesen war, und hatte auch seinen Willen stets gelten lassen. Wenn auch seit einiger Zeit etwas wie leise Auflehnung gegen seinen Entschluß, Trude ihren geliebten Maler nicht heiraten zu lassen, sich in ihr geregt hatte, so war es doch bisher bei einem schweigenden Protest geblieben. Jetzt war das mit einem Schlage anders geworden. Ein trotziger Widerstand war in Frau Wenckhaus erwacht. Sollte Trude unglücklich werden, nur weil ihr Mann seinen Starrsinn nicht aufgeben wollte? Da hatte sie, die Mutter, auch noch ein Wort mitzureden! Sie würde nicht mitansehen, wie Trude nach und nach verkümmerte und ihre besten und schönsten Jahre einbüßte, nur weil ihr Herr Gemahl sich nicht dazu aufschwingen konnte, von seiner vorgefaßten Meinung abzugehen! Frau Wenckhaus befand sich in kampfbereiter Stimmung. Am liebsten wäre sie sogleich nach München zurückgefahren, so sehr brannte sie darauf, ihrem Gatten tüchtig die Meinung zu sagen. Nun— das konnte auch in zwei Wochen noch geschehen! Sie tröstete Trude, die mit verstimmtem Gesicht umherging: „Mache dir nichts aus Papas Antwort, Trude! Ich werde schon dafür sorgen, daß er seine Ansicht über Herrn Völker ändert.“ „Was wirst du bei Papas Starrköpfigkeit ausrichten?" erwiderte Trude geringschätzig.„Wenn er dich daheim bearbeitet, fällst du ja doch wieder um!“ „Das darfst du nicht sagen!“ ereiferte sich Frau Wenckhaus.„Ich bin und bleibe ganz auf deiner und Völkers Seite! Und Papa bekomme ich auch noch zu uns herüber!“ „Abwarten!“ sagte Trude, es klang nicht sehr überzeugt. Sie hatte auch wirklich keinen Glauben daran, daß es ihrer Mutter gelingen würde, den Vater umzustimmen, wenn man ihn nicht unter Druck setzen konnte— Dieses Druckmittel würde sie jetzt anwenden! Fritz Völker hatte sich, wie vorausgesehen, mit Begeisterung bereitgefunden, bei ihrem Plane mitzumachen... Frau Wenckhaus ahnte nichts von dem Komplott, das hinter ihrem Rücken geschmiedet worden war; sie hätte sonst nicht so ruhig am Badestrand gesessen. Wie stets in der letzten Zeit hatte Völker sie und Trude auch heute wieder am Hotel abgeholt, sie hatten dann eine Weile zusammen im Sand gelegen, vor wenigen Minuten hatten sich Trude und Völker ins Wasser begeben, Frau Wenckhaus sah sie gerade jetzt bei Laurens und der Amerikanerin stehen. Wieder dachte sie daran, wie lieblos es von ihrem Gatten sei, Trude das Glück, das sie sich wünschte, nicht zu gönnen; das würde aber anders werden— sie würde schon dafür sorgen. Dieser entschlossene Gedanke verlieh Frau Wenckhaus ein Gefühl des Stolzes; mit sich zufrieden, legte sie sich wieder in den weichen Sand zurück und hielt ihre übliche Morgenruhe.—— Im Wasser flüsterte Trude im gleichen Augenblick Fritz Völker zu: „Kann es losgehen?“ Er sah rasch umher. „Warte noch etwas. Der Badewärter scheint gerade zur anderen Seite herübergehen zu wollen; er darf dich unter keinen Umständen bemerken, sonst fährt er im Kahn heraus und holt dich herein, bevor ich bei dir bin.“ Bald darauf gab er Trude verstohlen ein Zeichen, worauf sich diese wie unabsichtlich entfernte. Sie schritt den Wellen entgegen, die an diesem Morgen nicht sehr hoch gingen; dann begann sie meerwärts zu schwimmen. Laurens, der etwas abseits mit Maud Smith stand und den Vorgang beobachtet hatte, näherte sich Völker. Ihm war nicht ganz geheuer zu Mute; was Trude da unternahm, war doch verteufelt gefährlich! Das Meer ließ nicht mit sich spaßen; wenn Trude sich zu weit hinauswagte, dann konnte ihr leicht ein Unglück zustoßen. Er äußerte diese Bedenken zu dem Maler, aber Völker, der seelenruhig dastand, nur unentwegt Trude mit den Blicken verfolgte, schien seiner Sache ganz sicher zu sein. „Trude schwimmt wie ein Fisch, und wenn es nötig werden sollte, hole ich sie vom Meeresboden herauf!“ sagte er und reckte den kraftstrotzenden Pörper. „Ich werde Ihnen jedenfalls nachschwimmen, Herr Völker, für den Fall, daß Sie Unterstützung brauchen!“ „Sehr freundlich von Ihnen— ich denke aber, daß ich allein fertig werde!“ Maud Smith, die, neugierig geworden, herangekommen war, wollte wissen, welche Geheimnisse die beiden Herren miteinander hätten. Laurens sah Völker fragend an. „Sie können es Fräulein Smith sagen, nur darf sie uns nicht verraten!“ Mit raschen Worten setzte Laurens der Amerikanerin auseinander, was hier im Gange war. Sie blickte in die Ferne, angstvoll tastete ihre Hand nach Laurens' Arm. „Dort?... Ist das Fräulein Wenckhaus?... Das ist ja Wahnwitz, was sie unternimmt.“ Da kam von draußen der erste Hilferuf. Mit mächtigen Bewegungen arbeitete sich auf dieses Signal hin Fritz Völker voran... Frau Wenckhaus wurde durch erregtes Stimmengewirr, das sich ringsumher erhoben hatte, aus ihrer Ruhe aufgeschreckt. Sie richtete sich auf, überall hatten sich die Leute erhoben und blickten mit aufgeregten Gesichtern zum Wasser hin Einige gestikulierten wild mit den Händen, machten die Umstehenden auf etwas aufmerksam, was draußen geschah; immer lauter wurde der Lärm. Da kamen wieder Hilfeschreie... nun wieder! Auch Frau Wenckhaus war aufgestanden. „Was ist geschehen?“ fragte sie einen Herrn, der neben ihr stand. „Jemand ist abgetrieben worden und ruft um Hilfe!“ wurde ihr hastig geantwortet. Jetzt entdeckte auch Frau Wenckhaus draußen die Gestalt in den Wellen. Etwas Rötliches tauchte immer wieder auf und verschwand wieder. In einem beklemmenden Ahnen, das jäh über sie hinstreifte, suchte sie unter den Menschen, die im Wasser standen, ihre Tochter. Sie konnte sie nirgends finden. Dort drüben hatte doch vorhin Trude gestanden—— wo mochte sie jetzt sein? Da erschien draußen wieder der rötliche Farbfleck... Frau Wenckhaus meinte plötzlich, ihr Herz setze im Schlage aus. Trude trug einen ziegelroten Badeanzug... Trude war es ja, die draußen um Rettung rief! Frau Wenckhaus schrie entsetzt auf. Sie drängte die Menschen, die vor ihr standen, beiseite und eilte schreckensbleich dem Wasser zu. „Es ist meine Tochter! Es ist meine Tochter!“ stammelte sie immer wieder. Sie wäre beinahe umgesunken. Mitleidige Hände stützten sie. Wie ein Lauffeuer war es durch die Menschenscharen gegangen, daß es die Tochter dieser Dame war, die draußen hilflos im Meere trieb. Mit Augen, in denen das Grauen stand, sah Frau Wenckhaus aufs Meer hinaus. Stimmen, die von weit her zu kommen schienen, drangen an ihr Ohr. „Ein Herr ist ihr nachgeschwommen... sehen Sie ihn?... er kommt ihr rasch näher... wenn er sie nur erreicht, solange sie sich über Wasser halten kann!... Der Wärter ist schon im Boot draußen... aber er ist noch weit von ihr entfernt... jetzt ist sie verschwunden... nein, da ist sie wieder... der Schwimmer muß jeden Augenblick bei ihr sein...“ Dann ein erlöster Schrei aus vielen Kehlen: „Jetzt hat er siel“ Frau Wenckhaus faßte wieder Hoffnung. Wenn nur der Mann im Boot schneller fahren würde, damit er sie beide aufnehmen könnte! Lange würden sie sich nicht mehr halten können! Eine neue Welle der Erregung ging durch die Menschenmassen. „Er schwimmt mit ihr zurück!“ rief jemand. „Donnerwetter, das ist eine Leistung!“ meinte ein anderer begeistert. Die Sorge der Menschen war gewichen und hatte einer gespannten Neugier Platz gemacht. Wie ein prickelndes Schauspiel genoß man jetzt, wo die Gefahr vorüber war, den Vorgang auf dem Wasser. Nun hatte Fritz Völker wieder festen Boden unter den Füßen. Mit weiten Schritten stapfte er durch das Wasser. Trude, die bewußtlos zu sein schien, trug er auf den Armen. Laurens, der für alle Fälle in einigem Abstand hinter dem Maler hergeschwommen war, kam gleichzeitig mit dem Boot des Badewärters zu den beiden. „Geben Sie mir die Dame ins Boot!“ sagte der Wärter. „Nicht nötig, danke!“ antwortete Völker,„die kurze Strecke kann ich sie noch tragen!“ Laurens, der neben ihm herging, sagte leise, damit der Badewärter, der sich noch in der Nähe befand, es nicht hören sollte: „Das hat ja gut geklappt!“ „Und ob!“ flüsterte die bewußtlose Trude und blinzelte mit den Augen. „Willst du gleich ruhig sein!“ stieß Völker zwischen den Zähnen hervor. In Scharen waren die Badenden ihnen entgegengekommen, nun wurde man umringt, man rief Völker anerkennende Worte zu, helle Begeisterung über seine Rettungstat herrschte allenthalben. Völker tat, als bemerke er nichts von alledem. Zart, behutsam wie eine leicht zerbrechliche Figur trug er Trude dem Ufer zu. Dort stand Frau Wenckhaus. Sie hatte ein Schluchzen in der Kehle. Fritz Völker hatte ihr Tochter gerettet. Ohne ihn wäre Trude wohl verloren gewesen. Wie sollte sie diesem Manne jemals dafür danken können! Neue Angst brach über Frau Wenckhaus herein. Vielleicht lebte Trude nicht mehr; wie eine Tote lag sie in Völkers Armen... Nun hatte der Maler den Strand erreicht. „So, da wären wir!“ sagte er, als habe es sich um einen gemütlichen Spaziergang gehandelt und legte Trude vorsichtig auf den Boden. Frau Wenckhaus kauerte neben ihrer Tochter nieder. „Lebt sie noch?“ fragte sie angstvoll. Völker lachte. „Aber selbstverständlich! So schnell stirbt man nicht! Der Schreck ist ihr wahrscheinlich in die Glieder gefahren, da sie die Besinnung verloren hat.“ „Ist denn kein Arzt in der Nähe?“ Da schlug Trude die Augen auf. Mit ratloser Miene sah sie umher. Plötzlich. schien sie sich zu erinnern, was ihr begegnet war. Mit einem angstvollen Laut richtete sie sich auf. „Sei ruhig, Trude!“ sagte Frau Wenckhaus und legte stützend den Arm um sie.„Es ist dir nichts geschehen, Herr Völker hat dich gerettet.“ Trude hob die Augen zu Völker empor. Ein dankbares Lächeln kam in ihre Züge, während sie ihm die Hand hinstreckte. Maud Smith und Laurens, die dabei standen, schauten einander vielsagend an. Welch eine Schauspielerin! stand in ihren Blicken geschrieben. Hoch= und Hurrarufe wurden ringsum laut. Nicht viel hätte gefehlt, so hätte man Völker auf die Schultern genommen. Er war ohne Zweifel heute zu einer Berühmtheit des Badeortes geworden. „Geht es schon besser?“ fragte er und beugte sich zu Trude hinunter. „O ja, ich fühle mich schon wieder ganz wohl; nur kalt ist mir vom Wasser, ich möchte mich ankleiden!“ Frau Wenckhaus und Völker führten sie, die noch immer etwas unsicher zu gehen schien, zu ihrem Badekarren. „Gehen Sie mit uns nach Hause?“ fragte Frau Wenckhaus den Maler. „Gewiß! Ich warte droben auf Sie!“ Auf dem Wege zum Hotel folgten ihnen dann stets viele neugierige Blicke. Alle Welt schien von dem Vorgefallenen zu wissen und sich für die junge Dame, die beinahe ertrunken wäre, und für ihren tapferen Retter zu interessieren. „Froh bin ich, wenn diese Gafferei aufhört!“ meinte Völker, dem es zuwider war, Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit zu sein. „Lassen Sie den Leuten ihr Vergnügen!“ meinte Frau Wenckhaus darauf.„Haben Sie nicht eine große Tat vollbracht? In den Augen dieser Menschen sind Sie ein Held.“ „Na, na. Held ist etwas zu hoch gegriffen!“ „Nein, Sie sind ein Held, Fritz!“ widersprach Trude mit großem Nachdruck, während es um ihren Mund von unterdrücktem Lachen zuckte. Als sie dann im Hotel angelangt waren, bat Frau Wenckhaus den Maler, für eine halbe Stunde mit heraufzukommen. Droben sagte sie zu ihrer Tochter: „Du wirst dich jetzt etwas hinlegen, du hast Ruhe nötig; ich werde mich solange mit Herrn Völker unterhalten!“ Trude warf, während sie mit ihrer Mutter in das andere Zimmer ging, rasch Völker einen verständnisvollen Blick zu. Mache deine Sache weiterhin gut!— stand in dem Blick. Gleich darauf kam Frau Wenckhaus zurück. Ihr Gesicht hatte einen feierlichen Ausdruck angenommen. „Ich hatte wegen der vielen Leute, die bisher immer um uns waren, noch keine Gelegenheit, Ihnen so recht zu danken, wie ich es möchte!“ Sie ergriff seine beiden Hände.„Sie können es kaum ermessen, was Sie heute für Trude und mich getan haben!“ „Es war eine Selbstverständlichkeit, gnädige Frau!“ „Wenn Sie nicht gewesen wären, lebte Trude jetzt nicht mehr!“ „Das ist nicht unbedingt gesagt...“ „Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll, Herr Völker!" Jetzt setzte auch Völker eine feierliche Miene auf. „Gnädige Frau, Sie wissen, wie Trude und ich früher zueinander standen, daß aber Sie und Ihr Herr Gemahl sich unserer Verbindung widersetzten! Ich habe Trude heute noch ebenso lieb wie damals, und ich glaube, annehmen zu dürfen, daß auch Trude mich noch immer sehr gerne hat...“ „Sicher hat sie das! Das müssen Sie doch gemerkt haben!“ unterbrach Frau Wenckhaus ihn eifervoll. „Ich bin, als ich ebenfalls hierher nach Norderney kam, absichtlich Ihnen und Trude aus dem Wege gegangen, da ich mich nach dem Vorgefallenen nicht aufdrängen wollte!“ fuhr Völker fort und stellte sich das Gesicht vor, das Trude, die todsicher drinnen am Schlüsselloch horchte, bei diesen Worten machen würde.„Jatzt, da Sie mich fragen, wie Sie mir dafür dausen sollen, daß ich Trude aus dem Wasser geholt habe, möchte ich meine Bitte von früher wiederholen: Geben Sie mir Trude zur Frau. Sie machen mich damit zum glücklichsten Menschen der Welt.“ Amen! sagte Trude im Nebenraum leise vor sich hin. Frau Wenckhaus lächelte den Maler zustimmend an. „Ich wüßte nicht, was ich lieber tun würde, lieber Völker! Sie haben sich Trude wahrlich verdient! Es wird nicht viel Männer geben, die unter so großen Gefahren die Frau, die sie lieben, sich errungen haben!“ Völker preßte dankbar Frau Wenckhaus' Hand. „Und Ihr Herr Gemahl?“ kam er dann auf den Kernpunkt der Sache zu sprechen.„Wird auch er von seiner ablehnenden Stellung, die er mir gegenüber bisher eingenommen hat, abgehen?“ „Das lassen Sie meine Sorge sein, lieber Fritz. Wenn mein Mann hört, was Sie für Trude getan haben, wird er Sie ebenso herzlich als künftigen Schwiegersohn willkommen heißen, wie ich es jetzt tue!“ Gleich darauf öffnete Trude die Türe. „Ich kann beim besten Willen nicht länger liegen!... Habt ihr euch inzischen gut unterhalten?“ „Sehr gut sogar!“ Frau Wenckhaus machte eine Pause, um die Wirkung ihrer nächsten Worte zu erhöhen.„Herr Völker hat mich um deine Hand gebeten!" „Und?“ „Ich habe gern zugestimmt!“ Trude ging auf Völker zu, der ihr die Hände entgegenstreckte. „Hast du mich denn noch so lieb wie früher, Fritz?“ „Noch viel mehr!“ „Ihr könnt euch ruhig einen Kuß geben!“ sagte Frau Wenckhaus lächelnd.„Oder geniert ihr euch vor mir?“ „Wir haben uns schon so lange nicht mehr geküßt“, antwortete Trude mit scheinheiliger Miene, „wir sind es gar nicht mehr gewöhnt...“ Dann tat sie aber sehr ausgiebig, was ihre Mutter sie geheißen hatte. „Und Papa?“ sagte sie plötzlich und sah ihre Mutter fragend an. „Er wird dir den Mann, den du liebhast und der dich heute vom Tode erettet hat, nicht länger verwehren, darauf kannst du dich verlassen!“ „Und wenn er trotzdem Schwierigkeiten macht?“ Frau Wenckhaus sah mit einem Male sehr energisch aus. „Dann heiratet ihr dennoch! Ich bin schließlich auch noch da, und ich stehe voll und ganz auf eurer Seite!“ * Peter Laurens hatte alle Hände voll zu tun. Margot Thomaschek, die sich in immer stärkerem Maße für ihn zu interessieren schien, zeigte sich sehr anspruchsvoll; die Einladungen in ihre Villa mehrten sich, es gab kaum mehr einen Spaziergang, eine Tanzveranstaltung, zu der sie Laurens nicht hinzugezogen hätte. Wenn er sich ein paar Stunden von dieser Pflichtarbeit, wie er sie bei sich nannte, freimachen konnte, weilte er bei Maud Smith. Hier fühlte er sich glücklich und zufrieden; diese Stunden hätten nie zu enden brauchen... Die Amerikanerin begegnete ihm mit stets gleichbleibender Herzlichkeit. Sie fragte nie, was er in der Zeit, die er nicht bei ihr verbrachte, tat; Laurens empfand darüber manchmal Bitterkeit und Trauer. Maud wußte doch, daß er sich so viel in Margot Thomascheks Gesellschaft befand; ließ sie das so völlig gleichgültig? Empfand sie nicht mehr für ihn, als daß sie ihn leichten Herzens einer anderen überlassen konnte? Immer wieder kamen für Laurens Augenblicke, in denen er am liebsten jeden Verkehr mit Margot Thomaschek abgebrochen hätte. Was bedeutete sie ihm eigentlich? Stand er ihr innerlich nicht ganz fremd, ja ablehnend gegenüber? Und sie sollte er heiraten? An ihrer Seite künftig leben... und Maud Smith vergessen? Würde er Mand jemals vergessen können? (Fortsetzung folgt) KUNST UND LEBEN Raimund singt und— brummt! Zum 100. Todestag des Wiener Volksdichters am 5. September 1936— Von S. Droste-Hülshoff Das Wien der Kongreßstadt und des beginnenden Biedermeier wäre kaum denkbar ohne seinen berühmten Lokalkomiker und Volksdichter Ferdinand Raimund. Zwei Jahrzehnte war er der Liebling der Wiener und schaffte den Direktoren der Theater in der Josefstadt und Leopoldstadt volle Kassen. Ein glänzender Charakteristiker, dabei eine Natur voll warmen, ursprünglichen Gefühls, wußte der ehemalige Zuckerbäckerlehrling seinen Bühnengestalten eine überaus glückliche Verbindung von Komik und Rührendem zu geben, die dem Wesen der Zeit entsprach und dem Künstler die größten Erfolge errang. Auch die Zauberspiele und Volksstücke Raimunds, in denen sich goldener Humor mit tiefere Lebensweisheit paarte, sind Kulturspiegel jener Zeit. Sein „Verschwender“ mit dem bekannten„Hobellied“ wird heute noch aufgeführt und fesselt die Zuschauer wie einst, als Raimund selbst als„Valentin“ an der Hobelbank auf der Bühne stand. Für die gestrenge vormärzliche k. u. k. Polizei war der Schauspieler Raimund freilich ein Schmerzenskind. Verdankte er doch seine Volkstümlichkeit zum großen Teile dem unerlaubten„Extemporieren auf offener Bühne“ und allerlei witzigen politischen Anspielungen, die das Publikum zwar stets begeistert aufnahm, aber der hohen Obrigkeit gründlich mißfielen. Es gab Verwarnungen in Fülle und, da Raimund keine Lust zeigte, sich zu bessern, nicht selten dramatische Strafen. Die Dienstfedern bekritzelten zahllose Aktenbogen „in Sachen des Ferdinand Raimund, Schauspieler am k. u. k. priv. Theater in der Leopoldstadt, wohnhaft Praterstraße 510“, was aber Raimunds Beliebtheit nicht minderte. Im Gegenteil: daß er für seine Improvisationen öfter brummen mußte, machte ihn erst recht volkstümlich! Die Leute strömten allabendlich in Scharen herbei, und selbst Mitglieder des Hofes erschienen mit Vorliebe in den Theatern... An einem Märztag des Jahres 1815 spielte Raimund in einem komischen Volksstück eine Rolle, in der er ein paar kleine Vögel zu behüten hatte, die ihm trotz aller umständlichen Vorsichtsmaßnahmen schließlich doch aus dem Käfig entkamen. Kurz vorher war bekannt geworden, daß Napoleon seine Verbannung auf der Insel Elba verlassen hatte und sich wieder auf französischem Boden befand. Das machte dem hohen Kongreß nicht wenig Sorgen. Trotzdem saß eine glänzende Gesellschaft von Diplomaten und Offizieren mit ihren Damen im Theater und lachte herzlich über das unnachahmlich dumme Gesicht, mit dem Raimund seinen entflogenen Vögelchen nachblickte. Da wandte sich der Künstler plötzlich halb um und sagte mit pfiffigem Blinzeln nach den Logen, in denen die goldbestickten, ordenbehangenen Fräcke leuchteten:„Macht nix! Ist ja euch auch erst einer aus'kommen!" Stürmisches Klatschen belohnte diesen Scherz. Doch die hohe Obrigkeit brummte Raimund„drei Tage Arrest in Eisen und mit Fasten wegen im Theater erregten Aergernisses" auf. Ein andermal schimmerte es in den Rängen des Leopoldstädter Theaters wieder besonders strahlend von goldgestickten Diplomatenfräcken und Orden. Man gab ein Stück, das eine Parodie von Goethes„Wilhelm Meister" enthielt. Ferdinand Raimund trat als Bauer auf, hielt einen dicken Wanderstecken in der Hand und sollte das Lied singen: Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen?" Er machte es aber ein wenig anders: hielt, den dicken Knüppel in die Höhe, blickte grinsend nach der Loge, wo der russische Gesandte mit einigen hohen Würdenträgern saß, und sang im tiefsten Baß:„Kennst du das Land, wo diese Stöcke blühen?" Schallendes Gelächter und Beifall bei offener Szene belohnten die Anspielung, denn man sprach damals sehr viel von der Herrschaft der russischen Knute, unter der das Volk des Zarenreiches gerade besonders zu leiden hatte. Der Gesandte aber zog die Augenbrauen in die Höhe und schüttelte kaum merklich den Kopf. Was wieder dem Chef der Wiener Polizei eine schlaflose Nacht bereitete. Man stand nämlich just mit Rußland auf freundschaftlichem Fuße, und Metternich wünschte alles zu vermeiden, was die Leute aus dem Nordosten etwa verschnupfen konnte. So gab der Polizeigewaltige einen kurzen Befehl, und Raimund wurde für vierundzwanzig Stunden hinter Schloß und Riegel gesetzt. Am übernächsten Abend aber erschien er im selben Stück wieder auf der Bühne. Das Theater war überfüllt, und man empfing Raimund schon beim Erscheinen mit lebhaftem Klatschen. Die gefährliche Stelle nahte. Raimund besann sich eine Weile, und die Zuhörer verharrten mäuschenstill in höchster Spannung. Da schüttelte Raimund seinen dicken Stock mit beiden Händen und rief:„Du— nimm dich in acht!'s heißt Zitronen und net Stöcke! Merk' dir's, sonst mußt du brummen!“ Natürlich erntete der Künstler wieder stürmischen Beifall. Anderntags aber wurde er zur Polizei beordert und von einem Beamten energisch verwarnt. Wenn er sich nicht bessere, würde man ihn für längere Zeit nach dem Spielberg(dem damaligen Staatsgefängnis) bringen. Raimund tat sehr zerknirscht. Als er aber abends im Rampenlicht stand, konnten seine Bewunderer zu ihrem großen Vergnügen folgende Verse hören: „Carbonari, sagt er— Larifari, sagt er, Wer was denkt,sagt er— der wird’henkt, sagt er, Wer was red't, sagt er— darf dös net, sagt er, Wer was schreibt, sagt er— is net’scheit, sagt er, Denn der Spielberg, sagt er— is net weit.. sagt er!“ Es war zum Glück der letzte Spielabend vor den sommerlichen Theaterferien. Raimund verließ das Theater, ohne sich erst umzukleiden, durch eine Hintertür. Ein Wagen brachte ihn schleunigst zu guten Freunden in einen abgelegenen Landort. Von da aus unternahm der Künstler eine Sommerreise ins Ausland. Die Polizei umlauerte vergeblich seine Wiener Wohnung, und als das Leopoldstädter Theater im Herbst die Vorstellungen wieder aufnahm, war über die Sache Gras gewachsen.— Als man Raimund einmal fragte, wie es ihm auf einer Hochzeitsfeier gefallen habe, bei der er Gast war, erwiderte er: „Wann d Suppen so ward’wesen wär, wie der Weißwein, der Rotwein so alt wie die Gans und d' Gans so fett wie d’ Braut, dann wär’s ganz schön’wesen!“ Schließlich hat er sich aber doch noch„umgebracht", der gemütvolle Dichter=Schauspieler Alt=Wiens. Am 5. September 1836 starb er, erst sechsundvierzig, von eigener Hand: Er wurde von einem tollwutverdächtigen Hunde gebissen, und da es damals in solchen Fällen keine Hilfe gab, zog Raimund mannhaft ein rasches Ende dem qualvollen Leiden vor. Beim Zwinkerer Peer Gynt Von Hermann Rößler Station Vinstraa im Gudbrandsdal. Voller Wucht steilen über dem Schienenstrang die Berge auf. Unten die Dovre=Bahn. Einige Bauern, hochgewachsen und ernst, stolz und zugeknöpft, aber mit gutgeformtem Gesicht und gescheitem Blick, sehen dem Schnellzug nach, der um die Biegung verschwindet. Aus; dem Speisewagen winken noch die beiden blonden, nett in Weiß gekleideten Küchenmädchen zwei jungen Männern nach, die etwas wurstig, die Hände in den Taschen, auf dem Bahnsteig stehen. Sorglos, mit einer Haltung, die man fast„schlapp“ nennen könnte, stehen sie da, als blinzelten sie in die warme Herbstsonne. Träumerei... Man kann sich ihr gar zu leicht hingeben, hier mitten im Schoß der Berge. Der Mensch mit seiner vielgerühmten Psychologie, mit der er sich in unserem Zeitalter so wichtig macht, ist hier im Norden nicht so interessant. Die Natur ist es, die immer noch lebt! Auch hier an der Bahn, am Zivilisationsstrich. Man sehe nur zu den mächtigen Bergen auf. Es ist, als wollten die Berge sprechen. Sie lachen und blinzeln, wie es Peer Gynt, der Zwinkerer, einst tat.„Gynt“ bedeutet nämlich soviel wie„der Zwinkerer". Peter Zwinker! * Sommertag in den achtziger Jahren. Ein junger Mann, das Ränzel auf dem Rücken und die Gedanken froh und unbeschwert, obwohl die Freunde ihn einen Grübler nennen, wandert über diesen Bergrücken. Er muß, da der Abend ihn überrascht, in einer Säterhütte übernachten. Sennhirten sind selten gesprächig— aber dieser hier findet Gefallen an dem schweigsamen und doch fröhlichen Grabbe- Woche in Detmold 9 117-815 7 * 4 15 5% 77% 1 5 14 WRC 5 * 11 9 2 15 111 Christian Dietrich Grabbe? 1801 f 1836 Zum zweiten Mal in diesem Jahre rüstet Detmold, die Hauptstadt des Lipperlandes, für die Durchführung einer kulturellen Veranstaltung, die aus dem ganzen Reich Besucher und Anteilnahme erwarten kann. Die Grabbe=Woche gilt der Erinnerung an den westfälischen Dramatiker, der 1801 in Detmold geboren wurde und nach bewegtem, dichterisch fruchtbarem Leben als 35jähriger 1836 in seiner Vaterstadt starb. 100 Jahre blieb hristian Dietrich Grabbes Dichtertum dem deutschen Volke vorenthalten. Heute feiern seine Werke Auferstehung. Die kulturelle Pionierarbeit des Gaues Westfalen=Nord begründet sich auf dem Einsatz des Gauleiters und Reichsstatthalters Dr. Meyer, dem der Gau auch die Richard=Wagner=Festwoche verdankt, die nach verheißungsvollem vorjährigem Auftakt wieder mit größtem Erfolg durchgeführt wurde und eine wertvolle Dauereinrichtung werden wird. Reichsminister Dr. Goebbels übernahm die Schirmherrschaft über die Grabbe=Woche; die Bedeutung der Veranstaltung und die Anerkennung der Kulturarbeit im Gau WestfalenNord haben damit ihre Würdigung gefunden. Gast. Er erzählt ihm eine alte Geschichte aus der Gegend. Von einem Rentierschützen namens Peer Olsen... ja, wie lange ist es eigentlich her? Ueber hundertunddreißig Jahre. Um 1750 soll Peer Olfen hier gelebt haben, und noch heute ist die Gegend voll von seinen Taten und— seinen Prahlereien. Drüben, da sehen Sie, junger Mann, dort, wo jetzt die Berge der Rondane im Sonnenuntergang brennen, als sei Feuer und Blut am Himmel... dort kannte Peer Olsen jede Bergwand, jeden steilen Grat. Dort wilderte und schoß er das Renntier. Und drüben in Jotunheimen, da, Sie müssen nach der anderen Seite sehen, dort die Bergzacken in der Ferne... in diesem Reich der gespenstischen Bergriesen, der Firnen und Gletscher, war Peer Olsen an steiler Wand dem Rennbock nachgeklettert und mit ihm beinahe durch eine tiefe Schlucht in den See gestürzt. Groß waren Peers Taten, aber ebenso groß seine Phantasie. So herrlich wie Peer Olsen konnte niemand lügen! Alles war noch voll von Peer Olsens Erzählungen, und Wahrheit und Lügen verschmolzen zu einem. Ob es wahr ist, daß der tolle Peer die Tochter des reichsten Bauern vor der Hochzeit dem Bräutigam weggenommen und ins Gebirge verschleppt hatte? Niemand wußte das heute, aber jeder auf dem Berg hier sprach davon, als sei es wahr gewesen.— Der junge Wanderer hört den Erzählungen des Sennhirten aufmerksam zu. Er macht sich seine Gedanken. Peer Olsen ... der Renntierschütz, Jäger, Lügner und Prahler— das war ein Echter, ein Ganzer, ein Mensch, der sich selbst genug war und sein Leben und seine Taten lebte! Und wer ist unsereiner? denkt der junge Mann bekümmert? Ein Grübler. Ein Federfuchser. Dramaturg am Theater in Bergen. Ein kleiner Herr Henrik Ibsen, den niemand kennt, außer ein paar guten Freunden und Kollegen. Aber der da, dieser Peer Olsen, das war ein Mensch“ voll Wildheit und Kraft, voll Gut und Böse, ein ganzer, ein nordischer Mensch... der hat nicht vergebens gelebt! Endlich schläft der junge Mann ein, nachdem er seinen Rock, seinen Künstlerschlips, seine Stiefel abgelegt hat. Wir wissen alle, was später aus Henrik Ibsen, damals Dramaturg am Theater, geworden ist. Und auf dieser Bergwanderung, wo ihm der Sennhirt von Peer Olsen erzählte, hat der Dichter den ursprünglichen Plan zu seinem Meisterwerk „Peer Gynt“ gefaßt, das er in reiferen Jahren schrieb! Die Erzählung machte auf ihn einen so gewaltigen Eindruck, daß er sie nie im Leben mehr los wurde... * Und hier liegt die Hütte Peer Olsens. Ein Haus in einer Waldlichtung, alt, aus morschen Brettern, verfallen und arm. Gewiß, hier konnte Mutter Aase genug schimpfen, daß ihr Peer sich an diesen elenden Brettern die Hosen zerriß und, statt sie zu flicken, auf dem bewachsenen Dach in die Sonne blinzelte und Kaiser werden wollte. Der Zwinkerer. Man versteht, daß Ibsen gerade diesen Namen„Gynt“ gewählt hat. Eine Doppelnatur, wie so viele Norweger. Ein reiches Gefühlsleben, oft von Leidenschaft gejagt, voller Abenteuerdrang— aber ein verschlossenes Außenleben, bei dem oft nur ein Augenzwinkern, ein schlaues Blinzeln verrät, was für Stürme in der Seele sind... Ein Mann kommt aus der Hütte. Im schwer verständlichen Gudbrandsdal=Dialekt erzählt er, daß dies hier nur ein kümmerlicher Ueberrest sei. Die eigentliche Hütte Peer Olsens, der Hof„Haga“, sei schon vor zehn Jahren abgetragen und befinde sich in Lillehammer in dem Sandvigschen Freiluft=Museum. Dort steht sie als„Hütte Peer Gynts“. Das Ganze hier war früher ein stattlicher Hof. Er ist allmählich verfallen. Kein Wunder, wenn einer nichts als Renntiere jagt und das Blaue vom Himmel herunter lügt. Und Bauerntöchter ins Gebirge verschleppt. Und mit einem schlauen Blinzeln, als sei er der echte Nachkomme des tollen Peer, sagt der Mann:„Gehen Sie vielleicht nach Jotunheimen? Vier Tage Marsch von hier. Aber dort finden Sie die Hütte von Lars Jende, er hat erst im vorigen Jahrhundert gelebt, und man sagt, er war der echte Peer Gynt.“ * Lars Jende, das andere Vorbild zu Peer Gynt in der Volkssage, soll ein großer Bergsteiger und ein launiger und phantasievoller Erzähler gewesen sein. Auch sein Andenken lebt noch. Wie immer, gibt es also verschiedene Vorbilder einer großen Sagen= und Nationalgestalt. Erst der Dichter mußte kommen und sie uns, der Welt, schenken. Aber im norwegischen Volk hat Peer Gynt immer gelebt. Am nächsten Abend gelangt man ins Tal. Man liegt auf einem Felsblock im üppig blühenden Bergheidekraut. Rostrot leuchtet es weithin und wetteifert mit dem Herbstgold der Birken, die wie feurige Lohe aus dem Tannendunkel zu brennen scheinen. Oben segelt eine Wolke... phantastisch wie ein Wikingerschiff geformt. Nein, wie ein Gesicht. Der schlaue, alte Zwinkerer Peer Gynt blinzelt über der norwegischen Landschaft. Drüben, am Hof, tritt ein Bauer vor die Schwelle, seines Hauses, blickt zu der Wolke und zu den dunklen Bergen mit ihren weißen Firnen empor und reckt behaglich die Arme, als atme er den warmen Erdgeruch ein— den Atem eines freien Landes! Soziale Staffelung der billigen Eintrittspreise der NöKG. Stadttreis Castrop=Rausel Castrop=Rauxel, 6. Sept. 1936 Heute zum 300. Male Rauxeler Boken=Prozession Eine Stiftung aus dem Pestjahr 1636 Im Jahre 1636 wütete, wie in so manchen Landstrichen unseres Vaterlandes, auch in unserer engsten Heimat der Würgengel des„schwarzen Todes“, die Pest. Sie hielt bei der durch die langen Kriegsjahre und die damit in Verbindung stehenden wirtschaftlichen Nöte ausgemergelten Bevölkerung grauenhafte Ernte. Ganze Familien fielen der „Pestilenz“ zum Opfer, ja die Einwohner der Bauerschaft Merklinde sollen vollständig von der verheerenden Seuche dahingerafft worden sein. „Wir bitten Dich. Herr Christe God Verwahr uns vor dem schwartzen Tod!“ so sangen und beteten die vor Angst und Furcht gebrochenen Menschen. Gegen das„große Sterben“ war kein irdisches Kraut gewachsen. Nur Gott. der Herr über Leben und Tod. konnte dem„apokalyptischen Reiter“, der seine fürchterliche Geisel über unsere Vorfahren schwang. Einhalt gebieten. Schließlich fand das beharrliche Gebet der Menschen Erhörung. Die gefährliche Seuche ließ nach. Sie hörte auf. Voll Dank riefen die Ueberlebenden eine jährlich zu veranstaltende Prozession ins Leben, die zu den drei„Pestkreuzen“ in Obercastrop, Frohlinde und Rauxel=Dorf hinausführen sollte. 300 Jahre lang haben die Nachfahren getreulich dies in schwerster Notzeit von den Vorfahren gemachte Gelöbnis erfüllt. Am heutigen Sonntag zieht wieder die„St. Rochusprozession“ zum Rauxeler Kreuz: sie trägt, wie auch das Kath. Krankenhaus zu Castrop=Rauxel(St. RochushospiW tal), ihren Namen nach dem heiligen Rochus der 1295 in Montpellier geboren wurde und 1327 am 16. August starb. Er zeichnete sich als aufopfernder Pfleger der Pestkranken aus. Alter Ueberlieferung nach findet die St. Rochusprozession zum Rauxeler Kreuz am dritten Sonntag nach dem 16. August (dem Todestag des Heiligen) statt. Das Rauxeler Kreuz, das vor einigen Jahren bei der durch die Verkehrsentwicklung gebotenen Wegearbeiten einen neuen Standort erhielt, wurde damals einer gründlichen Erneuerung unterzogen. Wie alljährlich wird es auch am heutigen Sonntag wieder das Ziel von vielen Gläubigen sein. Die Prozession zieht in diesem Jahre erstmalig nicht um 2 Uhr, sondern erst um.30 Uhr von der St.= Lambertuskirche aus. Sie nimmt auch diesmal einen neuen Weg, indem sie über die Wittener Straße, durch das Bennertor, über die Hoch=, Ring=, AmtMittel=, Rauxeler und Wilhelmstraße führt. Nach dem Gottesdienst am Kreuz, der in diesem Jahre anläßlich des 300. Males des Auszugs der Prozession besonders feierlich ausgestaltet werden soll, löst sich die Prozession, wie das in den letzten Jahren Brauch geworden ist, auf. Zur Erinnerung an die früher mit der„St. Rochus=“ oder„Boken=Prozession“ verbundenen Bewirtung von Armen, aber auch von Bekannten und Freunden überhaupt, bei denen, wie die Ueberlieferung wissen will, u. a. auch der um diese Zeit ja „fällige“ Pflaumenkuchen eine große Rolle spielte, hat sich der Brauch eingebürgert, daß am Sonntag der Prozession nach dem Rauxeler Kreuz Pflaumenkuchen verzehrt wird. Die Urkunden über die Stiftung der Prozession und des„Rochus=Armenfonds“, die noch vorhanden sind, wissen allerdings von dieser Sitte noch nichts. Vor einiger Zeit veröffentlichten wir das Programm der NS.=Kulturgemeinde Castrop=Rauxel für diesen Winter. Es sieht 3 Chor= und Orchesterkonzerte, 3 Theaterabende, 2 Vortragsveranstaltungen und je einen Kammermusik= und Baliettabend vor. die sich auf die Zeit vom 8. Oktober 1936 bis 26. März 1937 verteilen. Fünf der Veranstaltungen finden im Wichernhaus, vier im Klöcknersaal(AdolfHitler=Straße 157) und die Aufführung der Matthäuspassion in der Evgl. Kirche von Habinghorst statt. Die Veranstaltungen der Zehnerreihe sind also gleichmäßig über das gesamte Stadtgebiet verteilt, so daß sich diesmal aus„örtlichen“ Gründen kein Volksgenosse Zurückhaltung auserlegen kann. Auch die Kostenfrage kann kein Hindernis für die Teilnahme an den Veranstaltungen der NS.= Kulturgemeinde sein. Die Preisgestaltung erfolgt wieder in sozial durchdachter Weise, gestaffelt nach dem Gehalt. So bezahlt z. B. ein Volksgenosse, dessen Monatseinkommen unter 150 RM. liegt für den Besuch einer Einzelveranstaltung nur 50 Pfg. Beim Erwerb einer Dauerlarte für alle 10 Darbietungen für 4 RM. kostet ihm der Besuch jeder einzelnen Veranstaltung sogar nur 40 Pig. Für den Preis von nur 2 Glas Bier oder 4 Zigarren oder einer Tafel Schokolade kann also in diesem Winter jeder Volksgenosse und jede Volksgenossin, deren Einkommen 150 RM. monatlich nicht erreicht, die Aufführungen des Westfälischen Landestheaters („Maria Stuart".„Scharnhorst" und„Sprung aus dem Alltag"). Vortragsabende von Professor Dr. Grimm=Essen und Otto Franz Krauß. Orchester= und Chorkonzerte. Kammermusikabend. Ballettabend (Günther=München) besuchen. Dabei ist es nach der Neuregelung, die in diesem Jahre erstmalig getroffen wurde, nicht mehr erforderlich, daß eine Reihenkarte für alle 10 Veranstaltungen abgenommen wird, um in den Genuß einer Verbilligung des Eintrittsvreises zu kommen. Es gibt jetzt auch sogenannte„Unterabonnements“ für 6 Veranstaltungen, die.50 RM. kosten, so daß auch hier der Besuch jedesmal nur 40 Pfg. kostet. Die„Unterabonnements sind so eingerichtet, daß die eine Reihe die 3 Theaterabende, die Ballettveranstaltung und die 2 Vorträge und die andere die Das soll aber nicht hindern, daß diesem Brauche des Pflaumenkuchenessens auch im Jahre der 300. Widerkehr gehuldigt wird. Ueber den Namen Boken=Prozession gehen die Deutungen noch immer auseinander, wenn auch heute die Mehrzahl der Heimatforscher sich darauf geeinigt hat, daß der volkstümliche Name irgendwie von Buchenbaum abzuleiten sei. Hoffentlich ist in diesem Jahre der Prozession gutes Wetter beschieden, so daß die 300. Wiederkehr des alten Ahnenbrauches recht zahlreiche Beteiligung finden kann. Promenadenkonzert im Stadtgarten Am heutigen Sonntag, vormittags von 11.30 bis 13 Uhr, findet im Stadtgarten ein Promenadenkonzert statt. Dargeboten wird es von Mitgliedern der ehemaligen Orchestervereinigung Castrop in Verbindung mit der Werkskapelle der Zeche„Graf Schwerin" unter Leitung des Kapellmeisters Gustav 14 musikalischen Darbietungen und die 2 Vortragsabende umfaßt. Jeder Volksgenosse kann also zwischen Theater oder Musik ganz nach seinen Neigungen wählen. Für Volksgenossen, deren Monatseinkommen sich zwischen 150 und 300 RM. bewegt. tostet die Dauerkarte(10 Veranstaltungen) 8 RM., das Unterabonnement(6 Veranstaltungen).40 RM.: eine Einzelveranstaltung würde bei dieser Gehaltsklasse also auf 80 bzw. 90 Pfg. zu stehen kommen, während hier eine Einzelkarte 1 RM. kostet. Volksgenossen, deren Einkommen über 300 RM. monatlich liegt, haben für die Gesamtreihe(10 Veranstaltungen) 10 RM., für die Untergrupve(6 Veranstaltungen).60 RM. und für eine Einzelveranstaltung.50 RM. zu zahlen. Auch hier liegt also eine wesentliche Verbilligung beim Reihenabonnement vor, da dann die Einzelveranstaltung nur 1 bzw. 1,10 RM. kostet. Besonders hingewiesen sei noch auf eine weitere Neuerung. die es Abnehmern der Reihenlarten der beiden höheren Gehaltsklassen ermöglicht, für Angehörige ihres Hausstandes Reihenkarten zum billigsten Preise zu erwerben. Wenn also die „Stammkarte“ 10 bzw. 8 RM. kostet, kommt die „Nebenkarte“ für Hausstandsangehörige auf nur 4 RM. zu stehen. Ebenso ist das Preisverhältnis für „Nebenkarten“ bei den„Untermieten"(6 Veranstaltungen), die nur.40 RM. tosten. Zu den Hausstandsangehörigen zählen auch die im Hausstand beschäftigten Personen, wie Hausangestellte. Kraftwagenführer usw. Es wäre freudig zu begrüßen, wenn seitens der Arbeitgeber von dieser Gelegenheit, ihren Angestellten eine große Freude für billiges Geld zu bereiten, weitgehend Gebrauch gemacht würde. Um allen Volksgenossen die Teilnahme an den Veranstaltungen der RS.=Kulturgemeinde Castrov= Rauxel noch weiter zu erleichtern, ist überdies noch vorgesehen, daß die Bezahlung der Reihenkarten in bequemen Ratenzahlungen erfolgen kann. Bemerkt sei zum Schluß noch, daß die Hauptkarte des Abonnements übertragbar ist. die Nebenkarte jedoch nicht. Mitglieder des Freundesringes der RSKG. erhalten einen Preisnachlaß von 33½8 Prozent. Mitglieder der dem Stadtverbande der Hei mattreuen Vereine angeschlossenen Organisationen einen solchen von 15 Prozent. Kammel. Die Vortragsfolge sieht Märsche, Ouvertüren. Intermezzi und Walzer bekannter Komponisten vor. Germanische Kultur Westfalens Dortmund. Die Ausstellung„Urgeschichtliche und germanische Kultur Westfalens" im Kunst= und Gewerbemuseum am Ostwall erfreut sich regen Besuches. In zahlreichen Führungen wurden viele Volksgenossen mit der Vorzeit Westfalens bekannt gemacht. Die Führungen haben immer wieder gezeigt, daß sie für die Besucher dieser Ausstellung von ganz besonderem Vorteil sind. Gerade die, die bislang noch gar nicht oder nur wenig Gelegenheit hatten, sich mit Vorgeschichte auseinanderzusetzen. sollten es nicht versäumen, einmal eine Führung durch die große Ausstellung mitzumachen. Am Sonntag, dem 6. September, findet um 11.30 Uhr wiederum eine Führung durch die Ausstellung unter Leitung von Dr. Poppe statt. Lotaler Sport Castrop 11— Lindenhorst Wie 02 so erleht auch BV. 11 den Beginn der Meisterschaftskämpfe 36/37 aus eigenem Platze. Gegner war im Vorjahre in der Gruppe A tonangebend. Die Obercastroner werden schon mit stärkster Aufstellung antreten müssen, wenn sie sich einen guten Austakt sichern wollen. Dann aber müßten sie es schaffen! Sportfreunde Schwerin— Castrop=Nord Die 2. Kreisklasse beginnt mit einem Ortstressen auf der Kampfbahn an der Linde. Die Blau=Weißen stoßen hier auf eine gut durchtrainierte fleißige Mannschaft. Wenn die Sportfreunde den gleichen Eiser wie bei den beiden letzten Gesellschaftsspielen an den Tag legen, müßten sie Sieger bleiben. VfL. Habinghorst— Eichlinghofen VfL. Habinghorst hat dem Gast gegenüber einen schweren Stand. da er für das Spiel auf den Mittelund halbrechten Stürmer verzichten und Ersatzmänner einstellen muß. Trotzdem sollte er es schafsen, wenn auch Eichlinghofen alles daran setzen wird. um die Scharte vom Vorjahre auszuwetzen. Urania Lütgendortmund— Eintracht Rauxel Eintracht muß als einziger Castrov=Rauxeler Verein nach auswärts. Er hat in Lütgendortmund gegen den Neuling der 2. Kreisklasse„Urania“ anzutreten. Der Gegner soll recht gut in Form sein. so daß die Eintracht=Mannschaft schon Siegeswillen und Kampfkraft mit auf die Fahrt nehmen muß. Pferdesport Der heutige Volksrenntag auf der Wambeler Bahn Wenn am heutigen Sonntag. dem 6. September, am Volksrenntag. auf der Wambeler Bahn die Pferde gesattelt werden, dann ist das der Auftakt zu heiß umstrittenen und daher interessanten Prüfungen. In fast allen Prüfungen werden Pferde Berliner Ställe an den Start gehen, die mit unseren Westdeutschen Vertretern und verschiedenen Hannoveranern in scharfen Wettkampf treten. Für das Hauptrennen, das Kartellrennen, sind noch 8 Dreijährige startberechtigt. Unter ihnen nimmt der famose Westdeutsche Edel=Bitter die Favoritenstellung ein, die er aber in diesem Rennen nicht so ganz leicht wird behaupten können, da die Berliner Dreijährigen Seine Hoheit, Schwarz=Weiß, Item und Graviter sicher in die Entscheidung mit eingreisen dürften. Auch von den beiden Westdeutschen Irmgard und Terxes ist ein gutes Laufen zu erwarten. Der für das Kartellrennen genannte Berliner Geradeaus besitzt im übrigen noch eine Nennung für den Preis des Ravensberger Rennvereins. Der Preis des Ravensberger Rennvereins, ein mit einem Ehrenpreis und 3000 RM. ausgestattetes Rennen, dürfte mit seiner bis jetzt noch vorliegenden Zahl von 14 Nennungen zu einem vorzüglichen sportlichen Ereignis werden. Unter den an den Start gehenden Pferden werden sich wiederum einige der Berliner Ställe und zwei Hannoveraner befinden. Nicht minder hart umstritten wird der Sieg im Metternich=Rennen sein, für das noch 9 Bewerber vorgesehen sind. Auch hier finden wir Berliner Vertreter wie u. a. Dill aus dem Stall Oppenheim und Prinzenweg aus dem Stall P. Mühlens. r den Volksrenntag sind noch 89 Pferde startberechtigt, die wohl auch zum größten Teil lausen werden, da nunmehr mit größeren Ausfällen nicht mehr zu rechnen sein wird. Die Vorbedingungen für einen guten Sport am Volksrenntag sind also gegeben. Sie brauchen nicht nach auswärts fahren, denn eine wirklich schöne Auswahl in modernen und zugleich spersamen Ofen zeigt Ihnen das Fachgeschäft Kaller Castrop-Rauxel 1, Marktstr. 20 Ich unterschreibe jetzt meine Post mit viel mehr Freude, denn meine Geschältsbriefe machen neuerdings einen viel besseren Eindruck. Ich ließ mir neue geschmackvolle Briefblätter und Mitteilungen drucken von der Druckerei Geschw. Schmitz, Castrop-Rauxel 1. Münsterstraße 24. Die neuen Geschäftspapiere sehen sehr gut aus. Wirklich, es wäre kurzsichtig, würde man der paar Plennige wegen schlechtes Zeug drucken lassen, das bei der Kundschaft alles andere als nur keinen guten Eindruck machen würde. Tra liefert schnellstens Druckerei Geschw. Schmitz Violinund BlockflötenUnterricht erteilt in u. außer dem Hause Gertrud Hennig staatl. gepr. Musiklehrerin Castrop-R. 1. Münsterstr. 1, II. Etage Waschmaschinen Wringer, Wassermotore liefert preiswert Wilh. 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