***"A für Castrop=Rauzel und Umgebung 60 Jahra Castroper Zeit#n Der Stadtanzeiger erscheint wöchentlich, 7mal. Wochendezugsprets Anzeigenpreis: 1 mm hoch und 22 mm breit 4 Pfg. Text02. Jahig. Eafropel=Honung 50 Pfg. Postbestellpreis 2 RM. monatlich. Ersatzansprüche können anzeigen 1 min hoch und 72 mm breit 25 Pfg. Nachlaß nach bei Störungen im Erscheinen infolge höherer Gewalt nicht gestellt den vom W. d. D. W. herausgegebenen Richtlinien. 3. 3t. gili Rauxeler Neueste Nachrichten werden Drus und Verlag: Geschw. Schmitz in Castrop=Rauxel. Preisliste Nr. 2. Für Platzwünsche, auch für die durch Fernsprecher edess Wowvier erweyrssh“““ Hauptschriftleiter, verantwortlich für den Textteil: Frani aufgegebenen, sowie für undeutlich geschriebene Aufträge wird #goblatt Josef Pruns in Castrov=Rauxel. Anzeigenleiter: Wilhelm keine Gewähr übernommen. Schluß der Anzeigen=Annahme 4 Uhr Blabenhörfter Tagevlatt Welter in Castrop=Rauxel. DA. VII. 36 1680. Sa.=Nr. 2151 Castrop. nachm. tags zuvor. Erfüllungsort u. Gerichtsstand Castrop=Rauxel. Amtliches Veröffentlichungsblau für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Allgemeines Kreisblau für den Stadtkreis Castrov=Raurel. Nr. 221 1936 Austungswahn Mit der Vorverlegung des Einberufungsalters für die Militärpflichtigen von 21 auf 19 Jahre hat die Sowjetregierung eine Maßnahme getroffen, die auch den letzten Zweifel über den Charakter und das Ziel der Sowietpolitik beseitigen muß. In den nächsten vier Jahren werden je anderthalb Jahrgänge zusätzlich in Dienst gestellt. Zahlenmäßig ergibt sich daraus eine Verstärkung der aktiven Roten Armee um die Hälfte des jetzigen Bestandes. Nachdem der Sowjetmarschall zu Anfang dieses Jahres die gegenwärtige Stärke der Roten Armee mit 1,3 Millionen angegeben hat. wird sich ihre Stärke vom nächsten Jahre ab auf rund 2 Millionen erhöhen. Das wirtliche Ausmaß dieser Vermehrung der Sowjetarmee kann man sich aber erst einigermaßen vorstellen, wenn man bedenkt, daß hier nicht bloß rund 700 000 Mann neu eingestellt werden; das bedeutet auch eine Vermehrung des gesamten technischen und maschinellen Kriegsapparates der Roten Armee (Artillerie. Tankkorvs Fleugzeuge usw.). Dieser Anparat ist bereits im vergangenen Jahre in ungeheurem Maße verstärkt worden, und es scheint, als ob die Kostenfrage dieser gewaltigen Aufrüstung im Sowietstaate überhauvt keine Rolle spiele. Dazu kommen die großen Vorbereitungen zu einer beschleunigten Mobilmachung dieser Riesenarmee; der Ausbau des strategischen Straßen= und Eisenhahnnetzes, vor allem zur russischen Westgrenze hin. die Anlage neuer Kasernen und zahlreicher Flugplätze für die rote Luftflotte. Diese Aufrüstung kann nur aus den politischen Zielen der Sowjetregierung verstanden werden. In Moskau weiß man ganz genau, daß zur Zeit irgendein Angriff auf sowjetrusisches Gebiet nicht zu befürchten ist, weder an der europäischen Westgrenze noch im Fernen Osten. Weder Polen noch Deutschland tragen sich mit solchen Angriffsplänen, von den kleineren Staaten im Nordosten und Südosten Europas, ganz zu schweigen. Auch Javan konzentriert seit Jahren berits seine Angriffskräfte ausschließlich auf Nordchina und die Gebiete der Inneren Mongolei. Trotz aller weit gespannten Ziele der japanischen Militärs denkt in Totio kein vernünftiger Politiker daran, mit der Sowietunion einen Krieg vom Zaune zu brechen; denn dieser Krieg würde bestimmt nicht auf Japan und Sowjetrußland beschränkt bleiben. Außerdem ist die innerpolitische Lage Japans so voll schwerer Svannungen, daß es auch in dieser Hinsicht genügend Gründe gibt, die die javanische Regierung davon abhalten werden, das Land in einen gefährlichen Krieg zu stürzen. Die Stellung Japans auf dem fernöstlichen Kontinent ist weit ungünstiger als die Stellung Moskaus. Die in Mandschukuo stehende japanische Armee befindet sich strategisch in einer wenig angenehmen Lage. Sie wird von drei Seiten von Sowjietrußland umklammert. im Westen von der Küstenprovinz mit Wladiwostock, im Norden von der Bailal=Armee unter General Blücher und im Nordwesten von der völlig unter sowietrussischem Einfluß stehenden Aeußeren Mongolei. Wenn daher der japanische Kriegsminister soeben die Forderung erhebt, daß alle verfügbaren Mittel zur Verstärkung der japanischen Armee auf dem ostasiatischen Kontinent verwendet und alle anderen Forderungen den Bedürfnissen des Heeres untergeordnet werden sollen, so hat diese Forderung ganz andere Beweggründe, als diese riesenhafte Aufrüstung der Sowiets. Die Aufrüstung der Sowiets kann daher nur mit dem Angriffswillen der bolschewistischen Außenpolitik erklärt werden. Die Unruhen in Frankreich und jetzt der langwierige und äußerst gefährliche Bürgerkrieg in Spanien haben die Hoffnungen Moskaus auf den Beginn der seit langem vorausgesagten Krise der „westlichen kapitalistischen Staaten“ neu belebt. Die weltrevolutionäre Propaganda der Komintern hat von Monat zu Monat zugenommen, die Agitation unter der Arbeiterbevölkerung der einzelnen Länder hat Formen angenommen wie nie zuvor Die jetzt ins Riesenhafte gesteigerte Aufrüstung dient nur dazu. die Rote Armee für alle Fälle attionsbereit zu machen. Die neue„demokratische Verfassung“, die Ansang Mai angekündigt wurde, soll die wirklichen Ziele der sowietrussischen Revolutionspolitik nur verschleiern. Das ist der einzige Zweck dieser Tarnungsmaßnahme. Die Heeresvermehrung, die Moskau sochen angeordnet hat, wird aber auch nicht ohne politische Rückwirkungen bleiben. Der Druck der Sowictunion auf Mitteleurova verstärtt sich von Monat zu Monat. Deutschland kann daran nicht einsach vorübergehen, erst recht nicht an dem gesteigerten Ausbau der sowjetrussischen Lustflotte. Ziese Frage spielt daher auch in die zulünftigen Verhandlungen der Westmächte mit Deutschland hinein. England und Frankreich erwarten von Deutschland den Beitritt zu einem Luftabkommen, in dem das Verhältnis der Luftflottenstärke Deutschlands und der Westmächte festgelegt werden soll. Deutschland hat aber bereits mit Recht darauf hingewiesen= daß es nicht nur seine Westgrenze, sondern auch seine Ostgrenze zu schützen hat. Die Vorbereitungen sowietrussischer Offiziere und Ingenieure in der Tschechoslowakei müssen auch den Westmächten einen deutlichen Anschauungsunterricht darüber geben, was im Osten unter dem Einfluß Moskaus vor sich geht. Sie werden durch die jetzt erfolgte Erhöhung der Mannschaftsstärke der Roten Armee ebenso überrascht gewesen sein wie wir, und man wird sich in Paris und London nun wohl auch darüber Rechenschaft geben können, welche Berechtigung dem deutschen Standpunkt in der Beurteilung der Politik der Sowjetunion zukommt. Es liegt auf der Hand. daß die fortlausende Verstärkung der Roten Armee und ihr weiterer Ausbau in den nächsten vier Jahren ein besonderes Verhandlungsthema der für Oktober angesetzten LocaxnoKonferenz werden wird, denn die Frage der sowjetrussischen Gefahr für Europa kann nun nicht mehr übergangen werden. Rekord des Sittenverfalls Siebenundfünfzigmal geschieden Das in Budapest erscheinende Blatt„Pester Lloyd“ berichtet aus Sowietrußland: „Die Mißbräuche, die mit der sowietrussischen Ehe getrieben wurden, gingen so weit, daß sie selbst Volkskommissaren zu stark waren. Insbesondere übersteigt der Fall des Regierungskommissars Wladimir Arietschow alles bisher Dagewesene. Dieser Mann hat sich nämlich innerhalb der letzten acht Jahre nicht weniger als achtundfünfzigmal vermählt und siebenundfünfzigmal wieder scheiden lassen. Seinen Ehen entstammen 102 Kinder. Er machte sich eben das Eherecht zunutze, das einem„Genossen" ohne weiteres gestattet, beim Standesamt die Scheidung zu begehren, um wenige Minuten später mit einer anderen Frau die Ehe einzugehen. Als nun Arjetschow zum achtundfünfzigsten Mal zum Scheidungsrichter kam und die Trennung seiner Ehe begehrte, lehnte dieser sein Ansuchen ab.“ Vorschafter Iharmann aber Beatschiand „hiller sichert dem deulschen Volk sein Lebensrecht“. Der frühere amerikanische Botschafter in Berlin, Jacob G. Shurmann, gewährte einem Schriftleiter der NSK. während seines Berliner Aufenthaltes liebenswürdigerweise eine längere Unterredung. In den Räumen des„Deutschen Klubs“ kommt dem Besucher eine würdige Erscheinung im schlohweißen Haar entgegen. Nach einer freundlichen Begrüßung lassen wir uns nieder und plaudern über Vergangenheit und Gegenwart. Man sieht es dem weitgereisten Gelehrten und Diplomaten nicht an. daß er die Achtzig bereits überschritten hat. Von einer geradezu bewundernswerten Elastizität getragen, mit einem klaren, klugen und offenen Blick erzählt er von den vielen Jahren, die er in Deutschland verbracht hat und die ihm, wie selten einem Ausländer, Gelegenheit boten, dieses Reich und sein Volk eingehend kennenzulernen. Als Student weilte er auf den Universitäten London. Paris. Edinburgh. Heidelberg. Berlin und Göttingen, wo er sich dem Studium der Rechts= und Staatswissenschaften sowie der Philosophie und der Kunst widmete. Er hat das kaiserliche Deutschland erlebt, er kannte den Weimarer Staat und studiert nun trotz seiner vorgerückten Jahre das nationalsozialistische Deutschland. Als junger Student hat er im Berliner Tiergarten noch Kaiser Wilhelm gesehen und begrüßt, der Altreichskanzler Bismarck ist ihm begegnet, und mit dem Kronprinzen Friedrich, dem späteren Hunderttagekaiser, ist er Schlittschuh gelausen. 28 Jahre war Shurmann Präsident der Cornell=Universität und erst dann ging er in der Jahrhundertwende in den diplomatischen Dienst über. Er war der Gesandte Amerilas in Athen und Peking und wurde 1925 Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin. Fünf Jahre verwalteie er dieses verantwortungsschwere Amt, um sich dann wieder seinen politischen Studien zu widmen. Ehe er den Berliner Diplomatenposten antrat. wurde er in Amerika, wie er lebhaft erzählt, von Journalisten bestürmt, die wissen wollten, wie er zu Deutschland stände und was er von diesem Reich halte. Er konnte ihnen nur sagen, daß er nach seiner langen Abwesenheit ja Deutschland selbst wieder kennenlernen, darüber hinaus aber bereits feststellen müsse, daß ein ausgeglichenes europäisches Kräfteverhältnis nach seiner Meinung solange nicht möglich sei. als man dem Reich die beiden wichtigsten Voraussetzungen für eine Kulturnation vorenthalte: Gleichberechtigung und Souveränität. Eine Aufsassung, die damals in gewissen Kreisen des Auslandes weder beliebt war noch verstanden wurde. Der Botschafter stellt heute mit Interesse fest, daß seine damalige und immer konsequent vertretene Auffassung nicht nur richtig war, sondern auch durch die historische Entwicklung bestätigt worden ist. Adolf Hilter hat, wie er sich ausdrückte, nichts weitei getan, als dem deutschen Volk sein Lebensrecht gesichert. Der Kanzler hat durch seine Politik der direkten Verständigung Differenzen ausgeräumt, die die Vorbedingung für eine weitere sinnvolle politische Zusammenarbeit der Nationen darstellt. Hier denkt Sburmann an den Freundschaftsvertrag mit Polen, das deutsch=englische Flottenablommen und die letzte Vereinbarung des Reiches mit Oesterreich Das sind nach seiner Meinung außenpolitische Ereignisse, die nielleicht der Beginn einer neuen euronäischen Evcche sein können. Die klare außenpolitische Linie des Führers ist in seinem Urteil, das er in diesem Sinne politisch=missenschaftlich gewertet sehen möchte Kritik an der bisberigen und Gestaltung der zukünftigen europäischen Entwicklung. 1 Nur ein gleichberechtigtes und sonveränes Deutschland kann nach der Auffassung des welterfahrenen amerikanischen Diplomaten zu einer Verständigung mit den beiden großen europäischen Staaten gelangen, die in einer besonders engen Verbindung gegen das Reich gekämpft und gerungen haben. Shurmanns jetziger europäischer Aufenthalt wird sich über zehn Monate erstrecken. Er war bereits in London. in Paris und in der Schweiz, um überall abseits der amtlichen Diplomatie seine Beobachtungen zu machen und seine Studien fortzuführen. Auch Genf hat er aufgesucht und, wie er sagt. dort über 50 Reden gehört. Vielleicht wird er im Herbst, wenn er wieder in die Völkerbundsstadt jährt, noch ein größeres Kontingent politischer und diplomatischer Darlegungen über sich ergehen lassen müssen. Inzwischen aber will er nach dem Abschluß der Olymvischen Spiele, zu denen er fast jeden Tag hinausfährt, sich mit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn, die in Bern leben, in Frankfurt treffen und von dort in seine alte Musenstadt Heidelberg. deren Ehrenbürger er ist und deren Universität er zum Bau eines neuen Collegien=Hauses im Jahre 1928 500 000 Dollar überreichte, fahren und alte Erinnerungen auffrischen. Die Reise wird dann weiter durch die Westmark gehen und den ehrwürdigen Divlomaten für seine Angehörigen als Reiseführer durch das Rheinland, das es ihm angetan hat, wirksam werden lassen. Zum bevorstehenden Reichsvarteitag will Botschafter Shurmann nach Nürnberg kommen, um endlich einmal an dem Generalappell der Bewegung teilnehmen und den Führer, dem er in diesen Tagen einen Besuch in der Reichskanzlei abgestattet hat, vor dem großen politischen Forum der RSDAP. und deutschen Volkes hören zu können. Shurmann brennt förmlich darauf, die politische, provagandistische, aufrüttelnde. erzieherische, schöpferische und gestaltende Persönlichkeit Adolf Hitlers in ihrer Wirkung auf die Massen miterleben zu können. Auf die Frage, ob er nicht den letzten oder vorletzten Parteitagfilm gesehen hätte, erwiderte er bezeichnenderweise, daß er sich persönlich zu überzeugen wünsche und daher im September in die Stadt des großen Treffens der Bewegung gehen werde. Er hätte unendlich viele Reden gehört und zahllosen Konferenzen beigewohnt, und es sei daher begreiflich, daß er nunmehr den Reichsparteitag der NSDAP. nicht missen möchte. Im Herbst, wahrscheinlich im Oktober. wird der Botschafter den euroväischen Kontinent wieder verlassen und in seine amerikanische Heimat zurückkehren. Dort erwarten ihn etwas bewegtere Zeiten, da der Wahlkampf um den Präsidenten der Vereinigten Staaten sich seinem Ende nähern und die Entscheidung bekanntlich im November fallen wird. Auch im Lande der 48 Staaten stehen zahllose Probleme zur Erörterung, die auf eine Lösung drängen. Es ist begreiflich, wenn sich Shurmann hierzu nicht äußerte, da Wahlzeiten nur zu leicht angetan sein können. Diskussionen auszulösen, die niemals der Zweck der hier geschilderten Unterhaltung sein sollen und können. Wir sind aber dovon überzeugt, daß die zehn Monate Europa, die der Gelehrte und Diplomat Shurmann diesseits des großen Wassers verbracht hat, ihn mit einer Fülle von neuen Eindrücken und Erfahrungen heimkehren lassen und ihn in die Lage versetzen, sich in immer umfassenderer und tiefgehenderer Weise mit seinen politischen Wissenschaften und Forichungen zu beschäftigen. Das neue Deutschland wird sicherlich in seinen Gedanken und Urteilen nicht die letzte Stelle einnehmen. Dr. Walter Bastian. Das Ney der Keichsaulsbahnen Am Montag werden vier weilere Teilstrecken eröffnet— Der kausendste Kilometer in fünf Wochen fertig 125 000 Mann an der Arbeit Der bisher höchste Stand der Belegschaft Am morgigen Montag, also unmittelbar nach dem Abschluß der Olymvischen Spiele, wird das gewaltige Werk der deutschen Reichsautobahnen durch die Eröffnung von vier weiteren Teilstrecken mit zusammen 200 Kilometern Länge um ein beträchtliches Stück vorwärts gebracht sein. Zu diesen Teilstrecken gehört einmal die 50 Kilometer lange Teilstrecke Braunschweig—Heimstedt. von der bereits die 40 Kilometer lange Strecke Braunschweig—Lehrte in Betrieb ist. Weiter wird ein 30 Kilometer langes Teilstück der Linie Berlin—München eröffnet, nämiich der Abschnitt Weißensels—Weißenberg. Die dritte neue Strecke ist als vorläufig letztes Stück der Reichsautobahnlinie München—Reichsgrenze die Strecke von Samerberg bis Siegsdorf mit 35 Kilometer Länge, durch die von Montag an die gesamte Linie München— Siegsdorf mit unmitelbarem Anschluß an die deutsche Alvenstraße SiegsdorfManthäusel-Berchtesgaden befahren wird. Das bedeutet für den Fremdenverkehr des gesamten Chiemgaues und das Berchtesgadener Land einen außerordentlichen Fortschritt. einen Markstein in der Verkehrsentwicklung des deutschen Alvenlandes überhaupt. Die vierte neue Autobahn. die vom Berliner Ring westlich von Werder bis zur Kreuzung mit der Reichsstraße nördlich von Magdeburg am Montag in Betrieb genommen wird ist mit 80 Kilometer die größte Autobahnstrecke, die je eröffnet worden ist. Es fehlt dann an der durchgehenden Gesamtverbindung Berlin Hannover nur noch das kurze Zwischenstück zwischen Magdeburg und Helmstedt mit dem großen Elbübergang. Aber auch diesen Abschnitt hofft man noch bis Ende des Jahres sertigstellen und dem Verkehr übergeben zu können. In etwa fünf Wochen, am Gedenktage des Spatenstiches zu den Reichsautobahnen durch den Führer, wird der 1000. Kilometer der Oeffentlichkeit übergeben werden. Außer diesen 1000 Kilometern, die dann in Betrieb sind, befinden sich noch weitere 1500 im Bau. Zurzeit hat auch die Belegschaftsstärke der unmittelbar an den Autobahnen Arbeitenden mit 125000 Mann ihren bisher höchsten Stand erreicht. Auf der Strecke Berlin—Magdeburg sand am Mittwoch eine Vorbesichtigung durch Vertreter der Berliner Presse statt. Die Bahn, die nordöstlich von Lehnin in dem schneckenförmigen Auffahrtsgelände des sogen. Brandenburger Dreiecks beginnt, ist über ein jetzt fertiggestelltes 7 Kilometer langes Stück des Berliner Autoringes zu erreichen, das zwischen Groß=Kreutz und Glindow von der Reichsstraße 1 nach Süden abbiegt. An Niederungen und Höhen. Seen und Feldern. Laub= und Nadelwaldungen vorbeiführend. ist die Strecke in ihrem ganzen Verl-u außerordentlich reizvoll und abwechselungsreich. Zur Vermeidung von Kreuzungen mit den Verkehrestraßen und Landwegen spannen sich 59 Brücken sowie einige Fußgängerstege über die Bahn. Das großte Bauwerk ist die Brücke am Nahmitzsee bei Lehnin mit einer Gesamtlänge von 184 Metern. Dieses Bauwerk ist in fünf Oeffnungen von je 33 Metern Spannweite unterteilt und etwa 9 Meter hoch: es überbrückt die Straße nach Nahmitz, die Eisenbahn und das stark moorige Gelände der dortigen Seeenge. Vor der Anschlußstelle Theeßen hat die Bahn übrigens mit einer 10•2 Kilometer langen schnurgeraden Srtecke die längste Gerade aufzuweisen. die es auf den deutschen Autobahnen überhaupt gibt. Ausfahrten sind an fünf Stellen vorhanden, nämlich drei Kilometer nördlich von Lehnin, etwa neun Kilometer südlich von Brandenburg, zwei Kilometer südwestlich von Zierar bei dem Dorse Theeßen un schließlich unweit des Dorfes Schermen an der Kreuzung mit dem Abschnitt Burg Magdeburg der Reichsstraße 1, also am vorläufigen Ende der Bahn. Im Mai 1934 haben die Bauarbeiten begannen. Einen Ueberblick über das gewaltige Stück Arbeit, das geleistet werden mußte, gebeen folzende Zahlen: Es wurden 350000 Luadratmeter Waldfläche gerodet und etwa 400000 Kubikmeter Mutterboden abgehoben. An Baustofsen wurden 60000 Tonnen Zement. 250 000 Kubikmeter Kies und Sand. 70 000 Tonnen Schotter und Splitt, 30000 Tonnen Pflastersteine und 300 Tonnen Stahlkonstruktionen allein für die Bauwerke verbraucht. Betonfahrbahndecken sind in einem Umfange von.2 Millionen Quadratmeter hergestellt worden. Für die Bahndecke wurden weitere 110000 Tonnen Zement, 130 000 Tonnen Splitt, 310000 Tonnen Kies und Sand und 3000 Tonnen Bewehrungseisen benötigt. Es sind also insgesamt mehr als eine Million Tonnen Baustoffe an die einzelnen Baustellen herangeschafft worden, eine Materialmenge. die 50000 Eisenbahn= waggons zu je 20 Tonnen ausfüllen würde. Für die Ausführung aller dieser Arbeiten waren etwa zwei Millionen Tagewerke notwendig. Für die Unterbringung der großstädtischen Arbeitskameraden wurden fünf Lager mit einer durchschnittlichen Belegschaft von 220 Mann errichtet. Die neue Autobahn wird am Montag um 15.30 Uhr durch eine große Feierlichkeit am Brandenburger Dreieck eingeweiht. Nur hakenkreuz als Nationalflagge für alle Wassersportfahrzeuge Berlin. Der Reichssportführer hat mit Zustimmung des Reichsinnen= und Reichsverkehrsministers über die Flaggenführung der Wassersportjahrzeuge eine Bekanntmachung erlassen, die unter Bezugnahme auf die Verordnung über die Flaggenführung der Schiffe feststellt, daß darunter sämtliche Wassersportfahrzeuge einschließlich der Ruder= und Paddelboote fallen. Die deutschen Wassersportfahrzeuge dürfen, so sagt die Bekanntmachung. als deutsche Nationalflagge nur die Hakentreuzflagge führen. Sie wird im allgemeinen am Heck oder an der Gaffel gesetzt. Die Hakenkreuzflagge hat die Form der Handelsflagge. Das Hakenkreuz ist also durchgewebt. An der Stelle. an der die Hakenkreuzflagge gesetzt wird. oder nach regelmäßigem Brauch gesetzt wird. dürfen andere Flaggen nur zum Signalgeben gesetzt werden. Hier dürfen demnach z. B. weder die Fahnen der Länder. Provinzen oder der Städte. noch Vereinsflaggen gesetzt werden. An anderen Stellen. z. B. als Gösch am Bug. dürfen diese Flaggen jederzeit geführt werden. Unzulässig ist das Setzen früherer deutscher Nationalflaggen, der alten kaiserlichen Kriegsflagge und der schwarz=weiß=roten Flagge mit dem Eisernen Kreuz. Gegen die Verwendung der schwarz=weiß=roten Farben in Klubstandern usw. bestehen keine Bedenken. Binnenwassersvortfahrzeuge. deren Eigentümer oder Benutzer Juden sind. dürfen die Hakenkreuzflagge nicht führen. Für seegehende Wassersportfahrzeuge ist bis auf Widerruf eine besondere Regelung getroffen worden. Eine Verpflichtung zum Setzen der deutschen Nationalflagge besteht für Binnenwassersvortfahrzeuge nicht. Seegehende Fahrzeuge müssen dagegen in bestimmten Fällen die Flagge zeigen. Das Recht. an Stelle der Hakenkreuzflagge die Flagge der Wassersportfahrzeuge zu führen, wird besonders geregelt. Für genaue Einhaltung der Flaggenvorschriften sind die Polizeibehörden verantwortlich. so selten, daß jedes einigermaßen gut erhaltenes Stück auf jeder internationalen Auktion den Phantasienreis von 135000 Mark erzielt. Die Detadrachme des alten Syrakus ist nämlich nachweislich eine der ältesten Münzen der Welt. Bevor Geldstücke aus Edelmetall geprägt wurden, galten in Syrakus und anderen Orten Kühe und anderes Vieh als Wertmesser und Zahlungsmittel. Der erste Mann der staatliches Geld herausgab. war bekanntlich Krösus von Ludien. Vor seiner Regierung gab und nahm man Silberklumpen in Zahlung. Die Griechen des Altertums durften sich rühmen. als erstes Volk der Erde Geldstücke mit Menschenkönsen geprägt zu haben. Schon damals wurde der Konf im Prosil und zwar nur auf einer Seite gezeigt. Noch heute gibt es alte griechische Geldstücke mit dem Kopf der Athene, der Göttin der Wissenschaft. Auf der Kehrseite zeigen diese Münzen eine Eule. Ameisen bauten 10 Meter hoch London. Ein aus dem Belgischen Kongo zurückgekehrter englischei Forscher berichtet von den riesenhaften Ameisenhügeln, die von den dortigen weißen Ameisen gebaut werden. Die Hügel sind von solchen Ausmaßen— sie erreichen bis zu 10 Meter Höhe— daß Eingeborene dazu übergegangen sind, um die Ameisen zu vertreiben, um die Haufen als Häuser zu bewohnen. Diese von den weißen Ameisen geschaffenen Wohnstätten sollen sich übrigens als ausgezeichneter Schutz gegen trovische Stürme erwiesen und die von Menschenhand errichteten Hütten an Solidität weit übertrossen haben. tung von Schutzrechten der Kohletechnik. In diesen Eigenschaften stellte er seine hervoragenden Kenntnisse und Erfahrungen in den Dienst der chemischen Forschung und förderte besonders zahlreich Doktoranden der Universität Münster. Als Herausgeber der„Berichte der Gesellschaft für Kohletechni!“ und des„Handbuchs der Kokerei“ wic auch durch die Veröffentlichung mehrerer Untersuchungen und Erfahrungen in Fachzeitschriften trug er einen wesentlichen Teil bei zur Ersorschung der Möglichkeiten der Veredelung der Kohle. Der Erweiterungsbau des Landeshauses gerichte! Münster. Im Zuge der Fürstenbergstraße wird. wie wir bereits berichtet haben, gegenwärtig ein dreistöciger Erweiterungsbau dem Landeshause angefügt, der schon in den wenigen Monaten, die der Rohbau gedauert hat, so weit gebracht ist, daß der Bau heute gerichtet werden konnte. Zwar jaßt der neue Bau gleich dem Landeshause, mit dem er verbunden ist, drei Stockwerke und ein ausbaufähiges Dachgeschoß. dagegen aber fehlt ihm das hohe Kellergeschoß des Landeshauses. Dadurch aber bildet er einen wohlabgewogenen Uebergang zwischen dem riesigen Bau des Landeshauses und den benachbarten Privatbauten. Man rechnet damit, daß der Neubau zum 1. Oktober bezogen werden kann. Man wollte dem Schützenoberst einen gemeinen Streich spielen Der rote Terror in Malaga Deutsche Flüchtlinge erzählen von ihren Erlebnissen Auf dem Dampfer„General Osorio“, der Hamburg=Südamerikanischen Dampfschisjahrts=Gesellschaft befinden sich mehr als 100 Spanien=Deutsche auf dem Wege nach der Heimat. Ein Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros hatte Gelegenheit, mit den Spanien=Deutschen, die noch ganz unter den schweren Eindrücken der letzten Wochen stehen, an Bord zu sprechen. Fast alle stammen aus Malaga, wo der kommunistisch=anarchistische Terror mit am schwersten wütet. Als den Deutschen Malagas am 13. Juli die Ermordung des Leiters des spanischen Rechtsblocks und der Erneuerungsbewegung, Calvo Sotelo, bekannt wurde, wußten sie„daß dies das Signal sein würde zu weitreichenden und umgestaltenden Ereignissen. Am 17. Juli nachmittags, dem Tage. an dem die Truppen in Spanisch=Marokko sich gegen die Madrider Regierung erhoben, marschierte eine Komvagnie Insanterie der Garnison Malaga durch die Stadt zum Sitz des Zivilgouverneurs, um den Kriegszustand zu verkünden. In der Nähe des Zivilgouvernementsgebäudes entwickelte sich eine Schießerei mit Kommunisten, die sich bald zu einem Gefecht zwischen den Truppen und der Polizei auswuchs. Auf seiten des Militärs standen die Mitglieder der spanischen„Phalanx“, eines von der Regierung am meisten verfolgten rechtsgerichteten Verbandes, der jedoch schlecht organisiert und unzureichend bewaifnet war. Die linksgerichteten Grupsen. die über eine gute Ausrüstung verfügten, stellten sich auf die Seite der Polizei. In der Nacht zum 18. Juli lief außerdem ein großer Teil der Soldaten. von der starken bolschewistischen Propaganda, im Heer beeinflußt, zu den Marxisten über. Die Uebermacht der Roten war so stark, daß sich die Nationalisten in Malaga nicht halten konnten. Jetzt konnten die Bolschewisten in Maiaga ihr Verwüstungsprogramm ungehindert in Angriff nehmen. Zunächst ging man gegen die wohlhabenden Bürger der Stadt vor Man holte sie aus ihren Wohnungen und warf sie in die Gefängnisse und in die Gewerkschaftshäuser. Als diese überfüllt waren. sing man an, sie kurzerhand zu erschießen. Sie wurden zu Fuß oder im Wagen zum Friedhof gebracht und dort ermordet. Die Toten übergab man dem Mob. der aus den Leichen Freudentänze ausführte. Dann wurden Häuser und Villen in Brand gesetzt. Die Hauptstraße von Malaga und die Wohnviertel der wohlhabenden Kreise waren bald ein einziges großes Flammenmeer. Am 18. und 19. Juli standen über ganz Malaga gewaltige Rauchschwaden, die tagelang die Luft bis zum Ersticken verpesteten. Schon in den ersten Tagen wurde das Grundbuchamt in Brand gesteckt damit später nicht etwa Ansprüche auf Schadenersatz erhoben werden konnten. Das Morden hörte nicht auf. Man ging zur Verfolgung der Mitglieder der rechtsgerichteten Verbände über. Eine planmäßige Treibjagd begann. Aus ihren Wohnungen geholt, wurden die Verfolgten auf der Straße sofort erschossen. Ebenso verfuhr man bei Haussuchungen, die von roten Milizen bei rechtsgerichteten Personen vorgenommen wurden. Hierbei verschwanden außerdem zahlreiche Wertgegenstände. Inzwischen hatte im Hasen von Malaga die Aktion der roten Matrosen eingesetzt. Die Offiziere, die auf seiten der Nationalisten standen, wurden von der eigenen Mannschaft verhaftet. Füni Kriegsschiffe lagen im Hasen von Malaga, die nun von Gefreiten oder Deckoffizieren kommandiert wurden. Bemerkenswert war, daß sogleich ein„Revolutionärer Rat“, aus Zivilisten zusammengesetzt, den Kommandanten dei Kriegsschiffe beigegeben wurde. Der Kommandierende General der Provinz Malaga wurde im Hasen von Marristen erschossen. Vom 17. Juli an war die Stadt von aller Welt abgeschnitten. Telephon. Telegraph und Eisenbahn waren völlig stillgelegt. So hatten die Deutschen keine Verbindung mehr zur Außenwelt. Wir hörten nun, so berichten die Flüchtlinge, zunächst lediglich die Sender von Madrid und den nationalistischen Sender in Sevilla. bis eine Anweisung herauskam, wonach nur noch der Madrider Sender abgehört werden dürfe, da nur dieser„die offiziellen und die einzig wahren Mitteilungen“ bringe. Außerdem wurde angeordnet, daß man Rundsunk nur noch bei geöffnctem Fenster und nachts im beleuchteten Hause hören dürfte. Für die Deutschen in Malaga ergab sich die Frage. ob die Madrider Regierung, die in Malaga durch den Zivilgouverneur vertreten wurde, überhaupt noch Herr der Lage sei. Man konnte jeden Augenblick glauben, daß sich ein völlig kommunistisches Regime durchsetzen würde. Unter diesen Umständen. so erzählten die Flüchtlinge, mußten wir alles daran setzen, dem großen Hexenkessel so weit wie möglich zu entfliehen. Dies war nicht einfach, und nur dank der Umsicht des deutschen Konsuls in Malaga war es möglich, uns einzeln und in kleinen Gruppen zu den im Hafen eingetroffenen Dampfern„Hero" und„Saturn" zu begeben. Durch die Vermittlung des deutschen Konsuls hatte auch der Polizeikommissar von Malaga einige Autobusse zur Verfügung gestellt. die durch Polizeimannschaften gedeckt wurden. Nur so gelang es uns. durch die kommunistischen Viertel hindurchzukommen und deutsche Volksgenossen aus ihren Wohnungen zu befreien, wo sie schon Tage lang von aller Welt abgeschlossen waren. Wir konnten nur das Allernotwendigste mitnehmen. Die meisten von uns sind ganz ohne Geld und ohne sonstige Mittel. Um so erfreuter waren wir über die überaus herzliche Aufnahme, die uns an Bord der deutschen Schiffe zuteil wurde. Reichskriegerbund„Kyffhäuser“ spendet für die geschädiglen deutschen Volksgenossen in Spanien Der Deutsche Reichskriegerbund(Kysshäuserbund) e. V. spendete auf Veranlassung seines Bundesführers. SS.=Oberführer. Oberst a. D. Reinhard. 1000 RM. für die durch die Unruhen in Spanien geschädigten deutschen Volksgenossen. Der Nobelpreis Wie aus Oslo gemeldet wird, hat der Antrag auf Verleihung des diesjährigen Friedensnobelnreises an Baron Pierre de Coubertin. der vor kurzem in einem von allen Mitgliedern unterzeichneten Schreiben des Internationalen Olymvia=Komitees an das Nobelpreiskomitee gestellt wurde, aus formalen Gründen keine Aussicht auf Annahme. Die Einlieferungsfrist für Kandidatenbenennungen lief bereits am 31. Januar ab, und bis zu diesem Tage war von keiner Seite ein Antrag auf Verleihung des Preises an den Begründer der modernen Olympischen Spiele gestellt worden. Dazu kommt weiter, daß die Mitglieder des Internationalen Olympia=Komitees kein Vorschlagsrecht besitzen. Nach den Grundsätzen der Nobelstiftung sind die Mitglieder von Regierungen und Parlamenten, eine Reihe von Universitätsvrofessoren des Völkerrechts und der Philosophie sowie bestimmte internationale Körverschaften, beispielsweise das Friedensbüro in Bern, berechtigt. Friedenspreiskandidaten vorzuschlagen. Diese Voraussetzungen werden von den Mitgliedern des Olymvischen Komitees nicht erfüllt. Es ist also die Stellung eines neuen Antrages erforderlich, und auch in diesem Falle könnte der Preis Baron Coubertin erst im Jahre 1937 zugesprochen werden. Das Nobelvreiskomitee tritt in der zweiten Hälfte des Monats November zusammen, um über die Verleihung des diesjährigen Preises zu beschließen. Da im Vorjahre der Friedensnobelvreis, ebenso wie der Literaturpreis, nicht zur Verteilung gelangte, ist mit der Möglichkeit der Verleihung von zwei Preisen zu rechnen. Berechligte Beschwerde Einschränkung des Gottesdienstes für Deutsche In Bielschowitz sand bisher an jedem Sonntag ein Gottesdienst für die deutschen Katholiken statt. Künftig soll auf Grund einer neuen Anordnung nur noch am letzten Sonntag jeden Monats ein Gottesdienst in deutscher Sprache stattfinden. Die„Kattowitzer Zeitung“ nennt diese Maßnahme unbegreiflich und fügt hinzu: Als es galt, durch freiwillige Spenden den Kirchenbau zu fördern, waren die deutschen Parochialen unter den Gebefreudigsten. Die deutschen Katholiken waren immer zum Opfern bereit. um sich den deutschen Gottesdienst zu erhalten. Wenn jetzt der größte Teil von ihnen ohne Arbeit ist und deswegen die Messestivendien nicht mehr ausgebracht werden können, darf das kein Grund zur Einstellung der deutschen Gottesdienste sein. Ein kleines Silberslück für 135 000 Mark London. In London wurde der Kongreß der Numismatiker eröffnet, zu dem 300 prominente Münzensammler aus aller Herren Länder herbeigeströmt sind. um die vier zur Schau gestellten Seltenheiten zu bewundern. Die wertvollste Münze der Welt so heißt es, ist eine Detadrachme aus dem alten Syrakus, ein kleines Silberstück ungejähr in der Größe eines Guldens. Diese Münze ist nämlich Kaffee in Köhrenleitungen Neuyork. Auf den großen Kaffeevlantagen Venezuelas wurden bisher Maultiere zur Beförderung der Kaffeestrauchfrüchte vom Hochland zu den Verladungsstellen an der Küste verwendet. Diese Art von Transport war naturgemäß langsam und beschwerlich zugleich, weil gute Straßen meist fehlten und wo sie vorhanden waren, oft durch Ueberschwemmungen und Bergrutsche unvassierbar sind. Die Plantagenbesitzer haben seit einiger Zeit eine große Rohrleitung gebaut, durch die die Kaffeefrüchte nunmehr zu den Verladestellen befördert werden. Da es sich wohlgemerkt noch nicht um ausgeschälte Kafseebohnen handelt, sondern um die Früchte, in denen je zwei Bohnen enthalten sind. so braucht besondere Vorsicht nicht beobachtet zu werden. Man läßt einen starken Wasserstrom durch die Röhren lausen und schüttet die Früchte einfach in große Trichter. von wo sie der Wasserstrom in die Röhren reißt. Auf diese Weise gelangen 100 Kilo Kafseefrüchte, zu deren Transport solange ein Maul. tier einen halben Tag gebrauchte, in knapp 40 Minuten zu Tal. Unten werden die Früchte dann getrocknet und weiter verarbeitet. Westbeatschland Bekannter Wissenschaftler auf dem Gebiele der Kohlentechnik gestorben Münster. Im 50. Lebensjahre starb nach kurzem Leiden der Prosessor der Philosophischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Landesuniversität. Dr. Wilhelm Gluut. In Bremen geboren, promovierte er nach dem Besuche der Universitäten München und Freiburg im Jahre 1909 in Berlin zum Dr. phil., war dort Assistent von Exz. Emil Fischer und wurde nach weiteren Studien in Bonn und London wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kaiser=Wilhelm=Institut für Koblesorschung in Mül. heim=Ruhr. Im Jahre 1916 habilitierte er sich an der Westsälischen Wilhelms=Universität und vertrat dort in Vorlesungen und Uebungen vor allem die Chemie der Kohle: 1928 wurde er zum nbao. Prof. ernannt. Nach Gründung der Gesellschaft für Kohletechnik in Dortmund=Eving im Jahre 1918 übernahm er deren geistige Leitung und war außerdem Geschäftsführer des Bergwerksverbandes zur VerwerTelate. Um dem Schützenoberst einen gemeinen Streich zu svielen und dadurch offensichtlich das Schützenfest zu stören, versuchten dunkle Elemente, in der Nacht vor dem Schützenzuge dem Pferde des Schützenobersten Mähne und Schwanz zu verstümmeln. Der Oberst hat auf die Ermittlung der Störenfriede eine Belohnung von 150 Mark ausgesetzt. KN „Mutter Becker“, 100 Jahre alt geworden Raesfeld. Die Witwe des Fabrikanten Johann Becker, Maria Friderite geb. Höting. tonnte gestern ihren 101. Geburtstag seiern. Das Ehepaar Beder ist für die Geschichte Raesfelds insosern von besonderer Bedeutung. als Herr Becker hier die erste mechanische Weberei gründete, die auch heute noch Raesfelds wichtigster Betrieb ist. und Frau Becker sich stets der Arbeiterschaft und ihrer Nöte und Bedürfnisse mit einer solchen Liebe angenommen hat. daß der ihr heigelegte Name„Mutter Becker" ihre Stellung zur Arbeiterschaft am besten charakterisiert. Zwei Pferde und zwei Kühe vom Blitz erschlagen Lüdinghausen. In der Bauerschaft Evpendorf bei Livoramsdorf wurden zwei vom Feide zurücktehrende wertvolle Pferde eines Gespanns auf ofienem Felde vom Blitz erschlagen. Der die Pferde begleitende Knecht slog durch die Gewalt des Blitzes vom Wagen und war eine Zeitlang gelähmt.— In der Bauerschaft Bockum bei Werne tötete der Blitz zwei gute Milchkühe des Bauern Bülow. Das Gewitter brachte ungeheure Wassermassen, die zeitweilig als Wolkenbruch niedergingen. Blitzschlag zerstört ein neues Wohnhaus Herford. Bei einem schweren Gewitter schlug der Blitz in dem Nachbardorse Hagedorn in das soeben neu bezogene Haus des Zigarrenarbeiters Sewing. und der dadurch verursachte Brand zerstörte das neue Haus bis auf die Umfassungsmauern. Das Mobilar konnte glücklicherweise gerettet werden. Brautschad un der Kbria! Gerüchte um die Sommerreise Eduards VIII. Sibenik(Dalmatien). Die Sommerfahrt König Eduards VIII. auf der Lurusjacht„Nahlin" hat begonnen. Wenn es das Wetter erlaubt, wiro der Monarch 300 Seemeilen voll Sonnenschein und blauem Adriahimmel genießen können. An Bord des Urlaubschiffes ist für Zerstreuung bestens gesorgt worden. Umfangreiches Fischereigerät wird dem König gestatten, auf irgendeinem der unzähligen Eilande der dalmatinischen Küste zu angeln. Im Uebrigen ist in Sibenik der berühmte Berufsspieler Archie Comp= ston an Vord gegangen, der dem Herrscher während der ganzen Fahrt als Trainer in seinem Lieblingssport Golf dienen wird. In den Bunkern der„Nahlin" aber liegt die stattliche Anzahl von 3000 Golfbällen. Das Deck der Luxusjacht ist nämlich eigens in einen Miniaturgolfplatz umgewandelt worden. Indessen nimmt man an. daß die Mehrzahl der Bälle in den blauen Wassern der Adria landen werden, bevor die Krenzfahrt ihr Ende erreicht hat... Die Ferienreise des englischen Königs wird vielleicht manche unvorhergesehne Ueberraschung bringen. Während in einem Teil der Weltvresse von der Möglichkeit einer Zusammenkunft mit dem Duce gesprochen wurde, wollen andere nicht minder unterrichtete Kreise wissen, daß des Königs Adriafahrt mit seinen Heiratsplänen zusammenhängt. Gerade das englische Volk, das jetzt schon inmitten der gigantischen Vorbereitungen für die nächstes Jahr stattfindenden Krönungsfeierlichkeiten lebt. besaßt sich außerordentlich stark mit der Frage einer Königshochzeit. Der Gedanke allein genügt, um Mädchenherzen höher schlagen zu lassen. ist doch so ein Hoffest ein letztes Stück Romantik in unserer scheinbar, so nüchtern gewordenen Zeit. Wird Eduard VIII. in Begleitung seiner Gemahlin die Stufen zum Altar der Westminster Abtei emvorschreiten, um die Krone aus den Händen des Erzbischofs von Canterbury zu empfangen? Oder wird der König der ewige Juggeselle bleiben? Wer kommt noch an Bord? Der Besuch der griechischen Prinzessin Katharina bei der Königin Mary von England gab den berussmäßigen Gerüchtemachern wieder neuen Stoff. Hinzukam, daß Eduard VIII. hervorragende Perfärlichkeiten der Londoner Gesellschaft als Gäste an seiner Mittelmeerfahrt teilnehmen läßt. Darunter befinden sich drei bekannte Londoner Schönheiten. Frauen, die mit guten Freunden des Herrschers verheiratet sind. Lady Dufs=Coover, die Gattin des Kriegsministers, Lady Mountbatten. die Gemahlin eines entfernten Verwandten des Königshauses und schließlich Lady Bronlow. deren Sohn der Monarch erst vor einiger Zeit Pate gestanden hat. Selbst verständlich befinden sich auch die Gatten dieser Da men an Bord. ebenso der Kämmerer Sir John Aird. der Earl of Dudlen und sein Privatsetretär Godfrey Thomas. Den Vorsitz der Tafel führt die älteste Dame. Lady Cunard. die Witwe des Gründers der gleichnamigen Reederei, und es heißt, daß unterwegs noch die eine oder andere Dame zusteigen wird. deren Name vorläufig noch nicht verraten werden darf... Die engere Wahl Als aussichtsreichste Kandidatin auf den englischen Königsthron wird die bildhübsche Prinzessin Katharina von Griechenland bezeichnet. Sie ist eine Schwester des Griechenkönigs Georg. Ihr Besuch bei der Königin Mary im Buckingham Palast ließ alle möglichen Kombinationen auskommen. Andere dagegen tippen auf die Prinzessin Cäcilie von Preußen, eine Tochter des Exkronprinzen, die kürzlich bei der Familie des verstorbenen englischen Admirals Jellicoe längere Zeit zu Gast weilte. Prinzessin Katharina und Prinzessn Cäcile seien die ein zigen nichtkatholischen Fürstentächter Europas. die man in engere Wahl zieht. Wie sich Eduard VIII. zu diesen Heiratsplänen stellt, wird die Zukunft lehren. Möglich, daß Prinzessin Katharina als Gast Lady Cunards an Bord der„Nahlin" erscheinen wird. Vielleicht fährt sie auch direkt nach Griechenland zu ihrem königlichen Bruder. den Eduard VIII. dann begrüßen und um die Hand seiner Schwester bitten wird.. Dies alles ader sind nur einstweilige Vermutungen, und so wird man abwarten müssen. ob die 23jährige griechische#inzessin, die übrigens in der Londonet Gesellscha!: sehr beliebt ist, tatsächlich neben dem König vor ieem Altar der althistorischen WestminsterAbtei knier wird. um die Königinnenkrone und den Segen des Eizbischofs zu empfangen... Dad grsektechr stiebt nient aus zum Dank ward der Greis so redselig, wie er es wohl in seinem Leben nicht oft gewesen ist. Und das Sonderbarste war, daß in seinen ernstesten Geschichten sich etwas Lustiges, ja Schnurriges verborgen hielt. Das trat aus ihnen erst hervor, wenn man die Geschichten hinternach noch einmal bedachte. Da war die Erzählung von der Urgroßmutter, die seit Wochen am sicheren Sterben lag und Tag um Tag und Nacht um Nacht unentwegt die fertig geschriebenen Briefe an alle ihre neun Kinder— es waren auch schon die Briefmarken aufgeklebt— fest in den verdorrenden Händen hielt und sie nicht herausgab, bis ihr der letzte Atem entflohen war. Wie sehr hatte sie sich gesehnt, ihre Riesen und Riesinnen noch einmal vor dem Hintritt aus diesem Erdenleben wieder zu sehen, und dann hatte sie der Magd gewinkt, die Briefe davonzutragen. Doch sie forderte sie jedesmal zurück Das Reisen würde die Kinder viel zu viel Geld kosten, und zäh sind Bauern im Geldausgeben nun einmal je und je gewesen. So starb sie ohne Wiedersehen, die Rufebriefe in den Händen, und ihre große Sorge war bis zuletzt das Reisegeld der Kinder gewesen. —„So etwas von dieser Art haben wir wohl alle geerbt“, sagte der Onkel Alerander und blickte dem jungen Menschen prüfend in die Augen. Und dann der taube Josef. Wie die Mutter starb, eine Neunzigerin, waren es fünfundzwanzig Jahre her, daß die Söhne nicht zu Hause gewesen. Nun trafen sie alle mit dem gleichen Zuge ein und wurden von der ganzen Sippe am Bahnhof der nahen Kreisstadt begrüßt, umarmt und auf beide Wangen geküßt. Da war denn auch ein hagerer derbknochiger Mensch mit unrasiertem Gesicht, der immer wieder auf den schon ein wenig geschrumpften Josef eindrang.„Wer ist denn der Kerl?“ fragte Josef, dem Alexander ins Ohr schreiend.—„Unser Bruder Andreas!“ brüllte der zurück.— Sie hatten sich eben ein Menschenalter lang nicht gesehen. Wie diese und noch etliche andere Geschichten aus dem bunten Leben der Familie erzählt waren, tönten Glocken, die Hüte mußten genommen werden, und der Zug zum Friedhof ordnete sich. Sie gaben ihrem getreuen Anton das letzte Geleit. Und wie alles vorüber war und der Student Theodor als der letzte, nach einem Gespräch mit dem Pfarrer, ins Haus zurückkehrte, siehe, da waren die ersten der großen Sippe, die er zu Gesicht bekam, die beiden ältesten Männer, der Josef und der Alexander. Natürlich hatten sie Gärten zu Hause, irgendwie mußte das Bäuerliche in ihnen sich doch austun, und da hatten sie vorhin, ehe der Trauerzug den Marsch antrat, in ihres Anton Vorgarten einen ganz herrlichen Busch einer Blutnuß gesehen, dergleichen sie noch nicht in ihren Gärten besaßen. Da hockten nun die beiden Uralten am Boden und äugten in das Gebüsch nach guten Trieben, denn sie wollten noch immer pflanzen und auch die Ernten in diesen Rüssen noch erleben. Ein nachbarliches Mädchen ging just in diesem Augenblick am Zaun vorüber. Die Dirn sah den Studenten und wurde über und über rot, und indessen sie grüßte, dachte er und sagte es fast laut:„Nein, dieses Geschlecht stirbt nicht aus.“ Der Kutterdauer Von Arthur Jaemicke Ein altes Bauerngeschlecht, trotzig und wehrhaft, die Hand im Laufe von sieben Jahrhunderten mit gleicher Kraft Schwert und Pflug führend, ein freies und stolzes Geschlecht sinkt mit dem Letzten dahin, den sie alle nur den Ritterbauer nennen, wie sein Vater und Großvater und dessen Vater und Großvater und so fort diese Bezeichnung geführt haben. Und die Sage geht, daß schon ein Vorfahr dem großen Volksbischof der Deutschen, Wichmann von Magdeburg, unschätzbare Dienste geleistet habe, obwohl keine Urkunde mehr davon kündet. Vor acht Jahren nun ist der Hof des letzten Ritterbauern versteigert: schwache Gesetze, die nichts wußten von den stolzen Bedingungen volklichen Lebens— Bedingungen, die nichts zu schaffen haben mit Geld und Zins—, brachten das Traurige zuwege. Woher das kam? Der Ritterbauer hatte das ganze Leben eine kranke Frau, die er mit unendlicher Geduld pflegte. Aus reiner Liebe zu seiner Frau, verletzte er das harte, unbeugsame Gesetz seines Hofes. Wieviel Wispel, Getreide und Hafer mögen aus dem hinteren Tor seines Gehöftes von ungetreuen Knechten herausgetragen, wieviel Eier und Hühner und Käse und Milch verschwunden sein! Ja, wo das Auge des Bauern und der Bäuerin nicht wachen, da ist kein Vorwärtskommen. Dazu kam noch, daß ein Unglück dem andern folgte: Pferde fielen, Kühe verkalbten, Schweine verferkelten; Wucherzinsen von Getreide= und Düngemittelhändlern und fragwürdigen Kreditinstituten, die ihn immer fester und unentrinnbarer in die Hand bekamen, endlich ein Brand der unversicherten gefüllten Scheune— die Versicherungsprämie konnte nicht gezahlt werden— besiegelten sein Schicksal. Der Hof, Heimstatt eines aufrechten Bauerngeschlechtes seit Jahrhunderten, kam unter den Hammer, ein schöner Besitz wurde sinnlos zerschlagen. Die Frau überstand es nicht. Kinder waren nicht da. Mit dem kümmerlichen Rest des Geldes zog der Ritterbauer in die Stadt. Wie ein gefangener Vogel kam er sich inmitten der Steinmauern vor, ihm fehlte die Weite der Felder, der Aufgang der Sonne, das Rauschen der Wälder. Er half hier, er half da aus, aber wer will einen alternden Mann auf die Dauer in der Stadt haben? Das bißchen Geld schmolz wie der letzte Schnee in der warmen Frühlingssonne. Und die Sehnsucht nach der Heimat, nach seinem Dorf wurde immer größer. Eines Tages hielt es ihn nicht länger. Er warf alle Scheu und Scham ab, die Sehnsucht war unbezwingbar geworden. Und als er sein Dorf wieder liegen sah, als jeder Strauch und jedes Ackerstück ihn mit bekannten und lieben Augen ansahen, da klopfte sein Herz schneller. Zuerst ging er auf den Friedhof, wo seine Frau lag. Tränen fielen aus seinen alten Augen. Aber das Gefühl, wieder in der Heimat zu sein, besiegte auch diesen Schmerz. Dann ging er auf den Hof zu, trat in die Stube des jungen Bauern, der das Herzstück seiner einstigen Wirtschaft, das sogenannte Mühlengut, mit samt den Gebäuden erworben hatte. Er brachte kein Wort hervor. Eine wunderliche Mischung von Trotz und Demut wogten in seinem Innern. Aber der junge Wirt, einer von den vielen Jungen, die den brausenden Sturmglockenklang der neuen Zeit, dieser großen Zeit der Kameradschaft ohne Unterschied und der festen Verbundenheit mit wacher Seele und mit gläubigem Gemüt in sich aufgenommen hatten, erleichterte dem alternden Ritterbauern jedes Wort. Der Junge fühlte, wie dem Alten zumute sein mochte. Die bauchige Wacholderflasche, bis auf den letzten Tropfen geleert, tat das übrige. So wurde der Ritterbauer Altenteiler auf seinem Hof. Ohne lange Worte und Umschweife. Er bekam den ersten Platz auf der Polderbank, erhielt den ersten Kirchensitz. Und am andern Tage säte er— er war nicht zu halten— in der ersten linden Sonne auf den Quermaaten Sommerroggen. Er arbeitete, als ob er schon lange etwas versäumt hatte, unentwegt und ohne aufzuhören. Endlich vesperte er unter der alten Schirmkiefer, wie er es vor Jahren getan hatte, und es war ihm, als habe er erst gestern hier gesessen. Und er sah den ersten Schimmer in den Pappeln, die im hellen, geruhigen Frühlingslicht standen, spürte den Geruch der Aecker, und die ersten Vogellaute dünkten ihm leise Choräle. Im Hause des Stadtkassenrendanten Anton Mosler war die stattliche Trauergemeinde versammelt. Der Enkel Theodor, Student der Medizin und hilfsweise Assistent am Institut für Rassenkunde, stand und betrachtete die Köpfe der ihm bis dahin unbekannt gewesenen Anverwandten. Aus den entlegensten Landschaften waren sie zum mitteldeutschen Sterbeort ihres Bruders, Vetters und Onkels Anton hergereist, hatten vor dem Sarge, der ihretwegen noch einmal hatte geöffnet werden müssen, stummen Abschied genommen, um dann still in das Trauerhaus zurückzukehren. Nun saßen sie und warteten auf die Stunde der Bestattung. „So ist es nun“, sprach der Alexander zum Josef, und er mußte sehr laut sprechen, denn der Greis war fast taub,„nur wenn einer stirbt, treffen sich die anderen.“ Der Josef verstand die Worte und nickte dazu tiefsinnig mit dem Kopfe... So war es, wie der Alex sagte. Mit vierzehn von Hause fort, aus dem oberschlesischen Bauerndorf, einen Beruf erlernt, in der Fremde seßhaft geworden, Weib und Familie gewonnen und dann durch fünfzig Jahre hin nur zweimal wieder in die alte Heimat eingekehrt, beim Tode des Vaters, bei der Beerdigung der Mutter. Und nur diese beiden Male hatten die Söhne sich allesamt wieder einmal zusammengefunden. Nun war, als der erste aus ihrer Reihe, der Anton von ihnen geschieden.„Viel zu jung“, schrie der Josef dem Alexander ins Ohr,„viel zu jung. Er selber, der Josef, war vierundachtzig, der Alexander neunundsiebzig Jahre alt, und sie wollten noch lange leben. Und dieser Anton hatte sich mit vierundsiebzig schon davongemacht! Sie wollten sich noch mehr sagen, die beiden Uralten, aber sie gaben es auf, sich mit Worten zu verständigen. Josefs Taubheit machte es zu schwer. Sie ließen nun die Augen wandern, ihre großen Augen, die wasserhell blau waren und noch durch kein Brillenglas geschaut hatten. Ja, der Andreas fehlte, der Jüngste. Saß auf dem Hof der Mosler drunten im Oberschlesischen und konnte nicht abkommen. Die Ernte ließ ihn nicht abkommen. Erst kommt das Leben, danach der Tod. Er war neunundsechzig, der Andreas, und gab den Hof noch immer nicht ab... Die Anna war auch nicht da. Sie hatte in der Heimat in den Meisnerhof hineingeheiratet. Das war der größte im Dorf. Und wenn der Andreas nicht fahren konnte, dann mußte die Anna, als die größte Bäuerin, erst recht zu Hause bleiben. „Rüstig bin ich noch“, hatte sie geschrieben, „nicht daß ihr glaubt, ich könnte wegen Krankheit nicht reisen.“ Nun, das glaubten sie auch gar nicht. Der Gedanke, daß einer ihres Geschlechts leidend sein könnte, kam bei ihnen nicht auf.— Immerhin, sie rechneten es aus, daß die Anna boch auch schon ihre zweiundsiebzig auf dem Buckel hatte. Die starken Männer und Frauen mit den breiten Handgelenken und den eckigen Köpfen, den kräftigen Nasen und den buschigen Brauen, alle diese Männer und Frauen mit den starken Stimmen und den großen blauen Mosler= augen, dazu das viele junge Volk, deren Vornamen man nicht merken konnte— das war nun so ziemlich die ganze Familie, die da in diesem Zimmer beisammensaß, und einer versuchte, den anderen kennen zu lernen, und die Frauen, die durch Einheirat in die Familie der Mosler gelangt waren, freuten sich dieser Verwandtschaft. Wie sie so eine halbe Stunde beieinander saßen, war es gar nicht mehr wie eine Trauerversammlung. Sie erzählten einander von ihren unterschiedlichen Berufen, von ihren eigenen Erfolgen und von denen ihrer Kinder und Schwiegersöhne. Der Josef, dem eine Unterhaltung nichts nützen konnte, ließ sich den Hausgarten zeigen und sah sich bald allein gelassen. Der weißhaarige Alexander spähte sich aus dem mannhaften Nachwuchs den großen Menschen aus, der dort in der Tür lehnte, und zog ihn in ein Gespräch. So so, das also war ein Enkel des verstorbenen Anton, so so. Und dem mußte man nun gleich eine Menge sehr verständiger Fragen beantworten, nach Ureltern und Urureltern. Nach Bildern fragte er und nach Briefen und Dokumenten. Man merkte es ihm an, die Familie lag ihm am Herzen. Und des Unverändert im Wandelder Zeiten bleibt die Preude der Kinder an Kasperles Späßen (Das Deutsche Bild- M) Un Relas Prag A Reste Rumoreske von Emik Stcodthoft Immer, wenn Heinrich Kegel spät abends aus seiner Skatgesellschaft heimkehrte, stieg er mit heillosen Verwünschungen auf den Lippen ins Bett. Meist drehte sich dann seine Emilie, nicht ohne vorher auf die Weckuhr geschielt zu haben, von der linken auf die rechte Seite und blies mit den Worten„weshalb bleibst du da auch nicht weg, solltest dich lieber mehr deiner Familie widmen!“ frischen Sturmwind in die Zorneswogen ihres Heinrich. Die eheliche Szene endete, wie derartige Szenen zu enden pflegen. Heinrich wälzte sich, einem Walroß gleich, schnaubend und prustend auf eine der stattlichen Breitseiten, zog die Decke über die Ohren und ließ Emilie auf die Rückenpartie einsprechen, so bissig es ihr eben gelingen mochte. Noch die Tagesgedanken kreisten zu einem erheblichen Teil um die samstägliche Skatrunde, die endgültig zu liquidieren eine der genießerischsten Zwangsvorstellungen Heinrich Kegels war. Auf die Gefahr hin, sein Mißfallen zu erregen, muß hier bemerkt werden, daß es ihm mit seinen Vorsätzen nicht so arg bedacht war. Ging die Woche zur Neige und nahte der Samstagabend, bequemte er sich langsam zur Nachsicht.„Man darf seine Freunde nicht überscharf beurteilen“, pflegte er sein Gewissen zu beruhigen.„Wohin sollten wir kommen, wenn da jeder splitterrichten wollte“, war die zweite Etappe seiner Duldsamkeit. Und mit den Abschiedsworten:„Soll ich vielleicht alles auf die Goldwaage legen und wegen meines meckerigen Schwagers den ganzen Skat auffliegen lassen?“ schwang er sich vor Emiliens Ohren vornehmlich in den moralischen Sattel und trat den gewohnten Gang zum Ratskeller an. Zug seinen Trumpfreichtum lockerte, zu sticheln begann:„Nein, nein, was'n Pech!“ und Herr Kunze etwas von„hier zu Gast" und„Mangel an Lebensart“ murmelte, war es mit der Selbstbeherrschung zu Ende.„Jetzt ist aber Schluß!“ schrie er mit der Stimme eines Blasmusikers,„Schluß mit allen Kunzes, Kiebitzen und Mauerbrüdern!“ Und wie ein Hagelwetter prasselten die Karten auf den Tisch. Gegen alle Gewohnheit frühzeitig langte Kegel daheim an. Rote Herzen flimmerten ihm vor den Augen. Er hatte das Bedürfnis, seine Emilie zu überraschen, mit ihr allein zu sein. Auf leisen Sohlen betrat er seine Häuslichkeit. Emilie schien Besuch zu haben, ein paar Damenhüte und=mäntel hingen an der Garderobe. Eben wollte Heinrich ins Zimmer treten, da hörte er Zipplichs Frau, seine Schwester Ida, sagen:„Bis vierzig halte ich noch“, und nach einigem Hin und Her eine süßlich quellende fremde Stimme:„Nu aber rin, Frau Kegel, und gesagt wird nischt!“ Dem Herrn des Hauses wurde schwach. Unzweifelhaft spielte man da drinnen Skat. „Heinrich... nein... du? Seid ihr so früh fertig?“ Drei mit geröteten Gesichtern dasitzende Skatspielerinnen sahen auf.„Kennst du Frau Kunze schon, unser jüngstes Mitglied in der Harmonie?" stellte Emilie vor.„Kunzes sind nämlich gute Bekannte von Zipplichs und erst kurze Zeit am Ort ,und da ist es ja doch Pflicht, nicht wahr, Heinrich...?“ Heinrich nickte. Jawohl, es war Pflicht. Er war sprachlos. Ihn schwindelte. Frau Kunze schien sich in der neuen Gesellschaft bereits sehr wohl zu fühlen„Also nu feste rin, Frau Kegel, und gesagt wird nischt!“ nahm sie ihre Skatbelehrung wieder auf. Dann, mit einer Wendung zu den immer noch der Sprache beraubten Heinrich:„Und, nicht wahr? Herr Kegel, Kiebitze haben schön den Schnabel zu halten!" Die Eilesenarung Von##eed Rickter Hier, in einer traulichen Nische, behütet, unter einer schmiedeeisernen Lampenkrone, deren Rahmen das fröhliche Handwerk rundlaufend mit Maßkrügen, Brezeln und allerlei Getier versehen hatte, warteten schon die Freunde, Kegels Schwager Zipplich, ein spuchtiger Herr mit grauem Spitzbärtchen, der Bäckermeister Johannes Detering sowie Herr Kunze, den Zipplich mitgebracht hatte. nicht gleich zum Geschäftlichen Man ging über, um Himmelswillen! Während die leckeren Schöppchen mit schaumigen Hauben anrollten, die Glimmstengel sachgemäß geköpft und in Brand gesetzt wurden, unterhielt man sich höflich mit dem neuen Tischgaft, Herrn Kunze, der sich mit seiner jungen Frau erst vor kurzem im Städtchen ansässig gemacht hatte. Er verkrat die Lederbranche, schien trotz seines landfremden Dialekts ein umgänglicher Mann und versprach eine Zierde der Skatrunde zu werden. Wie schnell er in der Gesellschaft warm wurde, soll sich in der Folge noch erweisen. In bläulich wabernder Lohe, die sie aus kurzen Pfeifchen und Zigarren bliesen, saßen sie wie die Männer des Feuerofens um den runden Tisch nud waren am Kartenknallen, daß die Gläser tanzten. „Achtzehn— gemacht— zwanzig— in Ordnung— zwei=vier=siebenundzwanzig— mein Spiel— dreißig— geht mir nicht mehr aus der Hand— sechsunddreißig— nun erst recht— passe!“ Da Zipplich wegen eines vor Wochen erlebten schweren Reinfalles grundsätzlich auf der Lauer lag, paßte auch er, und Kegel klaubte sich mit dicken Fingern den Skat auf. Bedächtig steckte er die Blättchen zusammen, während er mit schrägen Blicken in Deterings fächerförmig an den Leib gebogenen Segen Einblick zu nehmen trachtete. Wie erschreckte Mäuse nagten seine Glubschaugen an den offenbar wenig erfreulichen Gaben, die ihm das Skat=Christkind beschert hatte. Dann ließ er zwei Karten in Ruhestellung gehen, sagte mit forscher Stimme„Herz Solo“ und reckte den Hals aus dem Kragen, daß sein Vorhemdchen krachte. Der kiebitzende Kunze, mit der Nase tief in Kegels Karten forschend, wandte sich verächtlich ab und meinte zu Zipplich geneigt: „Na, nu aber ran wie Hektor an die Bouletten!“ Und Zipplich, solcher moralischer Stärkung keineswegs bedürftig, ging ran und stieg mit einem gesalzenen„contra“ in die für Kegel faule Angelegenheit ein. Sein Spitzbärtchen zitterte vor Begier. Er hatte gegeben, sich selbst drei Jungens vom besten, dazu Herz König, neun und acht nebst Pik=Aß, Pik=Zehn und zwei kleinen Kreuzen. Kegel war am Ausspielen. Er zog Klein=Herz, Detering zögerte. Kunze schnaufte mißbilligend, und da ihm zwei Spiele bekannt waren, ermunterte er den Bäckermeister mit einem kräftigen:„Was gibt's denn da zu überlegen? Rin, was Beine hat!“ Und Detering, erleichternd aufatmend, als sei ihm eine Molle mit schwerem Kuchenteig entglitten, haute Karo=Aß dazu. Lustig schmunzelnd kassierte Zipplich den Stich mit HerzKönig. Das war zu viel. Auch für Heinrich Kegel war das zu viel.„Emilie“, schwor er sich, „Emilie...“ sagte aber noch einigermaßen beherrscht, mit einem blassen Schein um die Nase:„Kiebitze müssen sich raushalten!“ Als Zipplich jedoch, während er Zug um Ein Jahr waren Peter und Margot nun verheiratet. Tante Ludmilla, eine kluge Frau, kam erst jetzt auf Besuch.„Wie geht's, wie steht'?“ fragte sie den Neffen,„ihr seht beide munter aus.“ „Gott, ja“, sagte Peter und strich die Asche von seiner Zigarette ab,„sind wir auch... aber—— „Wie? Ein Aber?“ „Na ja, weißt du, Tante—— ein bissel nüchtern ist die Ehe halt doch!“ Also kurz und gut, die liebe Margot hatte nicht das richtige Verständnis für ihn. Es mußte ihr ein bißchen an Feingefühl fehlen. —„Jedenfalls, wenn ich vom Büro nach Hause komme, müde und abgerackert, und will mal so richtig meine Ruhe haben, dann geht es los: Hast du dies, und hast du schon das gehört—— und ich kriege das unglaublichste Zeug erzählt, daß mich nicht im geringsten ein reizen kann. Wenn man da sitzt und den Kopf schon voll genug hat! Nein, das müßte sich Margot abgewöhnen. Aber das tut sie ja nicht. Denkt ja gar nicht daran.“ Dies beichtete der Reffe. „Na“, sagte Tante Ludmilla und hatte so ein Lächeln in den Augenwinkeln,„dann mach's doch mal so: Auf jede blöde Geschichte, die sie dir auftischt, setzest du eine noch viel blödere aus deinem Büroleben, das sie gar nicht interessiert. Das mach' mal. Und das weitere wird sich dann schon finden.“ Peter dankte vielmals und begann gleich am nächsten Tage mit der Kur.— Frau Margot, als sie davon anfing, daß Frau Kolinsky von nebenan ihr Staubtuch schon wieder auf dem Korridor—— erlebte, daß ihr Teurer ihr einfach ins Wort fiel und ihr mitteilte, das das Ammoniumsuperphosphat plötzlich im Preise anzog. Sie vernahm es und war zunächst mal platt. Aber sie erholte sich wieder und konnte nun endlich erzählen, daß Dr. Molinkes Lina gekündigt—— aber da schlug sie ihr Peter brutal mit der Enthüllung nieder, daß Grünkern& Co., Hamburg und Rotterdam, jetzt auf der Insolventenliste standen, und was sie nun meinte, was man da machen sollte?— Was sie meinte? Nichts. Sie war völlig verdutzt und schwieg.— Am nächsten Tage das Gleiche. Und dann geschah es ganz genau so, wie die gescheite Tante Ludmilla es geahnt hatte. Aus Angst vor dem haarsträubenden Geschäftsquatsch, mit dem ihr Mann ihr jede ihrer Geschichten über Frau Müller und Frau Koblinsky quittierte, ward Frau Margot so vorsichtig in der Auswahl ihrer Berichte, daß sich dabei ihr Geschmack ganz zwanglos ein bißchen reinigte, und das war ja kein so großer Fehler. Also alles in allem, ein ganz nettes Rezept, das von der Tante Ludmilla, nicht? Aber die Tante Ludmilla hatte nicht nur einen jung verheirateten Neffen, sondern auch noch eine ebensolche Nichte. Und da lagen die Dinge so: Max als Bräutigam die Rücksicht und Zartheit selber, ein herrlicher Begleiter für das Wochenende, ein Sonnengeschöpf, das Sorgen nicht zu kennen schien eine Lerche an einem Himmel reiner Freuden, und ein Schmekterling über den Blüten eines lieblichen Lebenstages, war kaum ein paar Wochen verheiratet, als das Brummen anfing. Früh umnebelten seine Aufmerksamkeit völlig schon am Frühstückstisch die Kurse, die leider Gottes in seiner Zeitung standen. Rief ihn Frau Thea, die sich nach seiner Stimme sehnte, im Geschäft an, dann hatte er gerade eine Konferenz und ließ sich ungern stören, oder er wurde, wie er sogleich vermerkte, aus einem wichtigen Diktat gerissen. Zu Hause bei der Suppe tat er schon kund, daß Schobach& Senf schief lägen, und mit Brombach& Co. mußte man vorsichtiger sein, dort war auch nicht alles Gold, was glänzte. Rückte nun Frau Thea endlich schüchtern damit heraus, daß alle Welt jetzt Grün trüge, und... aber weiter kam sie gar nicht. Max erklärte, wenn er sein Geschäft betrachtete, dann sähe er alles schwarz vor Augen. Und kurzum, es war mit ihm eben ganz einfach ein vernünftiges Wort nicht mehr zu reden. Tante Ludmilla, die gerade zur rechten Zeit mal auf ein paar Stunden hereinguckte, nahm ihre leise schluchzende Nichte beiseite und redete geraume Zeit mit ihr, reiste ab, und am nächsten Tage vollzog sich dies: Max, beim Frühstück ausrufend:„Mein Obligationen sind ja schon wieder abgesackt!" wird unterbrochen durch die Mitteilung seiner Gattin, daß der Spinat heute doch wohl den gestrigen Preis halten würde. Ob er nicht auch so meinte.— Und als Max sie fassungslos anstiert:„Nämlich drei Pfund 25 Pfennige. Was rätst du mir, soll ich welchen kaufen?"— Max, ganz verstört, erklärt unsicher, das seien nicht seine Sorgen und will etwas über die Entwicklung der Lederindustrie vorlesen. Liegt ihm brennend am Herzen. Seiner Frau aber nicht. Und sie drückt sanft, aber unwiderstehlich seine Zeitung nieder und fragt mit tiefem Ernst: „Weißt du, was Kartoffelhering à la Königin Luise ist? Nicht? Dann mache ich dir keinen!" —„Aber liebes Kind“, stammelt er. Da sagt sie hart:„Soll ich für die Kartoffelsuppe Stückchen lassen, oder wie willst du es sonst?"— Er ist ganz entgeistert, starrt sie an, und dann hat er es sehr eilig, in sein Geschäft zu kommen. Mittags, kaum daß er dasitzt, dasselbe wie früh. Und so weiter, drei Tage lang. Heute ist Max geheilt. Man unterhält sich dort genau so schonungsvoll und die Nerven des Partners achtend, wie bei dem Verwandtenpaare Peter—Margot. Und wer für die Rezepte der Tante Ludmilla etwa in seinen eigenen Verwandtenkreisen Verwendung haben sollte: bitte! „Alters’-WeisheitDu darfst niemals eine Frau fragen, wie alt sie ist, sondern du mußt dich stets erkundigen, wie jung sie sich fühlt! Viele Frauen verstehen es nicht, aus ihren späteren Jahren die Anmut ihrer Reife zu ziehen. Eine Frau wird so jung, wie der Mann sie behandelt! Einmal erkundigte man sich bei einer reizenden Frau, die trotz einer großen Kinderstube sich die fast mädchenhafte Anmut ihrer Jugend zu bewahren gewußt, wodurch sie sich eigentlich so jung erhalten habe.„Weil ich mit jedem meiner Kinder wieder selbst zum Kinde geworden bin!“ entgegnete sie lächelnd. Das Alter gibt der Würde eine Krone, die leider nur die wenigsten zu tragen verstehen. „Was muß ich tun, um ewig jung im Gedächtnis der Nachwelt weiter zu leben?“ fragte einmal eine Schauspielerin einen bekannten Philosophen.„Das beste Mittel, Madame, ist früh sterben“, meinte er lakonisch. I. Adams Um den Wanderpeeis Heitere Sportskizze von Walter Siemes Jeden Nachmittag, zur bestimmten Stunde, kam von der Wiese her der Hall von Schüssen zu meinem Hotelzimmer herauf. Dann ging ich wohl hinunter und sah den Fußballkünsten der Schulbuben zu. Manchmal stellte ich mich auch ins Tor oder schoß selber einen„plazierten“ Schuß.„Plaziert“ sagten die Buben, wie sie mir überhaupt in der modernen Technik des„sportlichen“ Worts überlegen waren. Es war kein richtiger Fußballplatz, nur eine Wiese, außerhalb des Dorfes. Die Außenlinien und Strafraumgrenzen waren mit Asche angedeutet, die Tore aus rohen Baumstämmen gefügt. Aber der Fußballgeist der Schalker und Nürnberger konnte kaum größer sein als der Geist unserer Dorfbuben. Schon seit geraumer Zeit hatte ich gemerkt, daß etwas Besonderes im Gange war, daß sich etwas vorbereitete. Vom Fenster aus sah ich sie häufig zusammenstehen, wie in öffentlicher Versammlung, hörte sie miteinander streiten und gewahrte auch, wie der eine oder andere hin und wieder zu meiner Stube heraufdeutete. Schließlich kam eine Abordnung, bestehend aus Hermann und Jupp, und baten um eine Unterredung. Jupp hielt eine Rolle in der Hand. „Einen schönen Gruß von der Hauptstraße und den anderen", ließ Hermann sich vernehmen,„ob Sie vielleicht nicht so freundlich sein wollten und Schiedsrichter spielen?“ Die Hauptstraße war eigentlich die einzige im Dorf, aber sie war sehr lang, wohl über einen Kilometer. Was noch rechts und links eigenbrötlerisch verstreut neben ihr lag, waren „die anderen" Hermann sah mein Erstaunen.„Wissen Sie“, erläuterte er,„wir kämpfen nämlich um einen Wanderpreis, die Hauptstraße gegen die anderen.“ Wie sie denn an den Wanderpreis kämen? — Das dürften sie noch nicht sagen, meinte der Junge, aber ich solle es als erster erfahren. Und wann das Treffen sein solle?—„Wann Sie es sagen“, sagte der Jupp und entfaltete seine Rolle. Mit roten, grünen und blauen Pastellfarben, stand, kunstvoll geschnörkelt, von Bubenhand darauf geschrieben:„Am Sonntag auf der Wiese großer Fußballkampf um den Wanderpreis. Hauptstraße gegen die anderen. Eintritt für Erwachsene zehn Pfennige, für Kinder fünf Pfennige. Es ladet ergebenst ein die Hauptstraße und die anderen.“ Es war ein schönes Plakat, herrlich anzusehen in seinen vielen bunten Farben. Ich nickte mit dem Ernst, der ernsten Dingen gebührt und überlegte schnell. Für den nächsten Sonntag hatte sich der Heimatverein angesagt mit vielen Freunden und Bekannten. „Machen wir es also am übernächsten Sonntag“, sagte ich,„es paßt mir dann am besten. Sagen wir, um drei Uhr.“ Sie wurden ganz rot vor Dankesbezeugungen, und Hermann kramte in den unergründlichen Tiefen seiner Hosentaschen und angelte aus einem Gewirr von Schnüren und verrosteten Nägeln, zwischen Taschentuch und Messer etwas hervor.„Sehen Sie“, meinte er stolz, wie eben einer, der eben für alles Vorsorge getroffen hat,„ich habe auch schon eine Pfeife für Sie.“ Und auch Jupp hatte noch wichtiges zu sagen:„Es geht nämlich auch um das System. Die Hauptstraße spielt=System, und wir kämpfen mit fünf richtigen Stürmern“. Er sagte„kämpfen“. „Ist recht, Jungens“ sagte ich und entließ sie mit sportlich kameradschaftlichem Händedruck. Vom Fenster aus sah ich die Abordnung zur Hauptversammlung zurückkehren und sah darauf unter ihnen viel Aufregung und Begeisterung.— In der nächsten Woche gab es kein Scheunentor und keinen Baum in der Hauptstraße, von dem nicht in lustigen Farben das kommende Ereignis angekündigt wurde. Keiner konnte es übersehen, und selbst in die Stuben der Kranken und Schwachen drang die höfliche Bitte:„Es laden ergebenst ein die Hauptstraße und die anderen.“ Wie staunten aber die Jungens, als sie den festlichen Besuch sahen. Wohl über fünfzig Gäste aus dem Dorf waren gekommen(die Kinder nicht mitgerechnet) und nicht weniger Fremde, die, so mußte es scheinen, eigens mit zwei Autobussen zum Großkampf herbeigeeilt waren. Der Heimatverein war meiner Losung gefolgt. Das Schiedsrichteramt war schwierig. Nicht so sehr dadurch, daß es manchmal„hart an die Knochen“ ging(was bei dem hohen Einsatz und dem Riesenbesuch nur allzu verständlich war), viel schlimmer erschien es mir, daß die kleinen Dorfkämpen in allen möglichen Garnituren und Drapierungen angerückt und schwer auseinanderzuhalten waren. Zwar hatte ich„den anderen“ ihre Taschentücher um den rechten Arm gebunden, aber in dem oft männermordenden Gewühl blieb es gar zu oft verschwunden. Am ergötzlichsten wirkten ihre„Fußballstiefel". Denn da(wie üblich in dieser Eifelgegend) die meisten nur ihre Sonntagsschuhe besaßen, hatte man sich behelfen müssen. Alte Schuhe von allen möglichen Verwandten, auch von Tanten und Großmüttern, wurden in den Kampf verwickelt, der unter den Anfeuerungsrufen der Zuschauer einen hitzigen Verlauf nahm und schließlich unter dem Beifall der„Massen“ mit einem:=Sieg „der anderen“ endete. Während die Gäste noch warteten, um der feierlichen Ueberrichung des Wanderpreises beizuwohnen, kam der Jupp, siegreich, mit glänzenden Augen auf mich zugestürzt:„Denken Sie“, sagte er,„wir haben 10,30 Mark eingenommen!“ „Und der Wandpreis?“ fragte ich. „Den müssen wir doch erst noch kaufen“, sagte er, und aus schweißnassem Gesicht sahen seine Augen mich seltsam an: Wie kann man nur so dumm fragen! DIe Reimattelte“. Tbelläge DiO HOHHGIBOTTO Ium Sadlänzeiger für tasirop-Käuferu und Umgebung Neue Folge der Heimatblättertür Castrop- RauxeI und Umgebung Die Grafschaft Mark zur Zeit Friedrichs II. Jum 150. Todestage des Großen Königs(17. August 1936) Von Karl Schwerter. Friedrichs Ruhm— Seine unzureichende Bewertung der Mark und ihrer Bewohner— Staatsabgaben und Rechtszustände Am 17. August 1786 neigte sich das Haupt des Königs zum ewigen Schlummer. Noch in der Sterbenacht schrieb sein Minister Graf Hertzberg den für die Oeffentlichkeit bestimmten Nachruf. Er umriß den Ruhm des toten Helden mit den Worten: Sein Volk betete Ihn an. Eurova suchte Ihn nachzuahmen, die Welt bewunderte Ihn, und die Nachwelt wird erstaunt die Geschichte Seiner Taten kaum glaublich finden. Wenige Könige waren so groß wie Er. Wer Gefühl hat für Geistesgröße und für Tätigkeit zur Beförderung von Menschenglück, wird Seinen Namen nie anders als segnend aussprechen" Auch in der Grafschaft Mark trauerte das Volk um den geliebten Landesherrn. Sie, zu der die Freie Reichsstadt Dortmund und die Grasschaft Limburg nicht gehörten, war seit 1609 mit BrandenburgPreußen verbunden. Den Hohenzollern galt sie nebst Cleve, Mörs und Geldern, Minden, Ravensberg, Tecklenburg und Lingen 150 Jahre lang als eine unbequeme Zugabe zu ihrem ostelbischen Staate. Die Schwierigkeiten in der Verwaltung der preußischen Westgebiete waren um so größer, als manche der im Osten geschulten Beamten sich in den hiesigen Verhältnissen nur schwer zurechtfinden. Nicht immer haben die Markaner in reiner Verehrung zu Friedrich emvorgeblickt. Bis 1760 konnte von einem Vertrauensverhältnis zwischen ihm und ihnen nicht gut die Rede sein. Wohl schätzte der König, ganz in Gegensatz zu seinem Vater Friedrich Wilhelm., die märkischen Edelleute als getreue Basallen, von denen viele sich im Dienst des Staates auszeichneten und ovferten. Aber im Aufbringen der Mittel für die Landesverwaltung, für Kriege und friedliche Sonderunternehmungen blieben Bauern und Kötter, Handwerker und Geschäftsleute dem steuerfreien Besitzadel überlegen. In harter Mühsal hinter dem Pfluge, in Werkstätten und Kohlengruben trugen die schaffenden Untertanen das Ihrige zu Preußens Ausstieg bei. Friedrich hat während der ersten 20 Jahre seiner Regierung die Markaner und ihre Leistungen für den Staat nicht genügend beachtet und eingeschätzt. Er sah seine Provinzen westlich der Weser als halbes Ausland an und schloß sie durch eine Zollinie vom preußischen Osten ab. Die Haupteinkünfte des friderizianischen Staates flossen aus den Contributionen der Landbewohner. der städtischen Akzise und den Domänen. Der klevemärkische Landtag, dem nur die Vertreter des Adels und einiger Städte angehörten, verteilte die Staatsabgaben zu elf Zwölfteln auf die ländliche Bevölkerung und zu einem Zwölftel auf die Bürger der Städte und sogenannten Freiheiten. Dabei ist zu berücksichtigen, daß von den sechs landtagsfähigen Städten Hamm, Unna, Lünen. Schwerte und Iserlohn nur letztere über eine gesunde und vielseitige Industrie verfügte, die Arbeit und Verdienst nach unten und oben brachte. Auch die elf übrigen Städtchen und sieben Freiheiten waren durchweg leistungsschwache Gemeinwesen, weniger steuerkräftig als vergleichbare Landbezirke. Während des Siebenjährigen Krieges ist Friedrich seinem gesteigerten Geldbedarf zum Teil dadurch begegnet, daß er zuerst schlechtere Goldmünzen, dann in größerem Umsange minderwertiges Silbergeld prägen ließ. Die Verluste, die sein Volk dadurch erlitt, kamen in ihrer Höhe einer erheblichen Kriegssteuer gleich. Besonders litten die Staatsbeamten, weil sie vielsach nicht einmal das kaufschwache Bargeld, sondern nur Anweisungen auf spätere Bezahlung erhielten.— Friedrich verfügte in allen Provinzen seines Staates über einträgliche Domänen. Mit diesem Namen bezeichnete man nicht nur staatseigene Landgüter, sondern auch landesherrliche Ansprüche auf irgendwelche Nutzungen. So gehörten in den Bereich der Domänenverwaltung auch Bergwerks= und Salinenabgaben. Zoll= und Brückengelder, ferner verschiedenartige Gefälle auf Grund von„Monopolien“, die sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet hatten. aber nicht in allen Renteien galten. Die wichtigsten Bestandteile und Einnahmequellen des märkischen Domaniums waren die Pachtgüter, auch Bauhöse genannt. Im Gegensatz zum preußischen Osten, wo sie in geschlossenen Amtsbezirken vereinigt waren, lagen sie in der Mark in größeren, kleinen und kleinsten Stücken über das ganze Gebiet verstreut. Sie waren, entsprechend der ländlichen Versassung des Westens. keine Gutswirtschaften, sondern häuerliche Mittelund Kleinbetriebe. Nur in der Rentei Hamm gab es zwei größere Anmesen: Haus Hilbeck, ein altes Rittergut. und Haus Mark, den Stammsitz der Grasen von der Mark. Daneben gab es eine größere Anzahl landesherrlicher Kotten, zu denen wenig Ackerland, oft nur ein Häuechen mit Garten gehörte. An den Usern der Ruhr und in den Gegenden um Hamm und Soest lagen wertnalle staatseigene Landereien und Weiden, die, zu leinem Hose gehörig, von den Bauern gern gepachtet wurden. Andere Parzeslen waren ganz klein, z. B. die„Gärtgen:“ auf dem Buroherac zu Volmarstein. An Flüssen und Bachen bejanden sich Königliche Mühlen, meist mit Haf und Garten. Ader und Wiese verbunden. So gehörten in den Bauernschaften Mengern und Eeborn dem Könige zwei normale Bauernhöfe, zmei Erbkotten und die Weniger Mühle, in der Bauerschaft Silschede das Gut am Kaltenhase. Dazu lamen in der Wen ger Mark eine Königliche Mastgercchtigkeit von 31 Schmeinen und das Recht auf Bau= und Rutzhalz für Höfe, Kotten und Mühle. Bei der Markenteilung(1772) haben die Kommissare des Königs diese Rechte sorglich gemahrt und für die Staatskasse eine einmalige Absindung von 500 Reichstalern durchgesetzt. Die Zusage, den Holzbedarf der Mühle jedesmal kostenlos zu liefern, ist den Markerben später leid geworden. Sie boten der Staatsregierung eine einmalige Ablösungssumme von 200 Reichstalern und hofften, „Ihre Majestät möchte sich das in hohen Gnaden gefallen lassen“. Aber der Alte Fritz war nicht so gnädig, denn das Königliche Bauamt in Hamm hatte die Instandhaltungskosten der Mühle für die nächsten 12 Jahre auf 415 Taler. für 20 Jahre auf 693 Taler berechnet.— Die Domänen lieferten ansangs dem Könige die Mittel für die Hof= und Zivilverwaltung, während Kontribution und Akzise ausschließlich als„Kriegsgefälle“ galten. Vom Siebenjährigen Kriege an wurden die Domäneneinnahmen auch für militärische Zwecke und zur Speisung des Staatsschatzes verwendet. Sie waren bis ins 19. Jahrhundert hinein einer der stärksten Pfeiler für den Geldbedarf der preußischen Landesherren. Nach den Befreiungskriegen wurden die liegenden Gründe märkischer Domänen größtenteils an Bauern, Kötter und Neusiedler verkauft. Neben den Finanzen war die Rechtspflege in der Mark ein Schmerzenskind nicht nur des Königs. sondern auch der Bewohner. Sie standen an Tatkraft und sittlicher Tüchtigkeit hinter keinem anderen deutschen Stamme zurück. Aber ihre Rechthaberei, Hartnäckigkeit und Prozeßsucht überschritt das normale Maß. Darum entschied Friedrich 1749 auf einen Antrag um Vermehrung der Rechtsanwälte in seinen Landen:„Ich will weder in Brandenburg und Preußen, noch in Pommern und Magdeburg mehr Advokaten wissen. Denen Clevern und Westsälingern aber, die, von Gott und der Vernunft weit entfernt, zum Zanken geboren sind, muß man um ihres Herzens Härtigkeit willen soviel Advokaten geben, wie sie haben wollen, wofür 200 Taler in die Rekrutenkasse zu verlegen sind“. Kurz darauf nahm Samuel von Cocceii, des Königs Großkanzler, die Reform der kleve=märkischen Justiz, um die man sich seit 1714 vergebens bemüht hatte, versönlich in die Hand. Er berichtete, daß in keiner Provinz soviel über üble Rechtspilege geklagt werde wie in Cleve und besonders in Mark“.„Die meisten Richter sind vernünstige Leute, die in ihrem Distrikt allein regieren, keine Assessores bei sich haben, folglich niemand da ist, der ihnen auf die Hände Achtung geben kann. Sie sind privilegierte Räuber, wissen von keiner Ordnung, traktieren die Prozesse in der äußersten Konsusion und saugen die Untertanen durch die schweren Prozeßkosten bis auss Blut aus. Dazu tragen die 92 Advokaten, so in diesem Lande vorhanden sind, das Ihrige bei.“ Cocceji segte weg, was morsch war, und ersetzte 1753 das System der Einzelrichter durch sechs kollegiale Landgerichte in Hamm. Unna, Bochum, Hagen. Altena und Lüdenscheid. Die alte Hansestadt Soest behielt als„Nebenquartier“ der Grafschaft Mark ihre besondere, freilich stark beschränkte Versassung bei und durfte ihr Ratsgericht behalten, wie auch Schwelm mit dem zugehörigen Landgebiet sein Gaugericht. In Altena richtete man 1766 noch ein besonderes Kriminalgericht ein und entwürdigte die altehrenswerte Burg, die einst Wohnsitz der Grafen von der Mark und mütterlicherseits ein Stammhaus der preußischen Könige war, zum Zuchthaus für gemeine Verbrecher. (Zwei weitere Abhandlungen Thema folgen). über das gleiche Die Bachter des Hauses Goldschmeding Von Walter Schmidt. Im Staatsarchiv zu Münster befinden sich unter den Archivalien des Hauses Rechen die Pacht: bücher Goldschmiedings. Ein Buch, bezeichnet mit der Nummer 99. umsaßt die Jahre 1671 bis 1706 und wurde auf dem Hause Goldschmieding geführt. Das andere, unter der Nummer 100 inventarisiert, war auf dem Hause Rechen benutzt worden und behandelt die Jahre 1714 bis 1740. Diese„Pfachtbücher“ gewähren uns einen interessanten Einblick in die früheren Verhältnisse zwischen Grundherrn und Bauern. Die„Pfachtgüter" des Hauses Goldschmieding waren zu Leibgewinn verliehen. Man gab den Erben der Beliehenen einen Anspruch auf Neubelehnung. es kam somit diese Neubelehnung der Erbpacht ziemlich nahe. Bei der Neubelehnung erfolgte die Festsetzung und eptl. auch Zahlung des Leibgewinns. Im 17. und 18 Jahrhundert war das Leibgewinngut in der Grafschaft Mark die häufigste Besitzform. Die Leistungen bestanden teils in Diensten, teils in Naturallieferungen der allerverschiedensten Art. Festgesetzte Geldjummen dienten bisweilen nur als Wertmaßstab für die in Naturglien zu leistenden Abgaben. Ihrem Rechtsgrunde nach sind folgende zu unterscheiden: a) die eigentlich grundherrlichen Abgaben, die Leistungen vom Grund und Boden, die dinglich darin begründet waren, daß das Haus Goldschmieding sein Eigentum, das Land, den Bauern zur Nutzung überließ, b) solche Abgaben, die ein Entgelt für besondere. den Bauern gewährte Nutzungen und Rechte, z. B. für die Benutzung der Waldungen zur Mast bedeuteten. c) Personalabgaben. die leib= und schutzherrlichen Ursprungs zu sein pflegten. Außer den regelmäßigen Jahresgefällen wurden nun auch noch bei besonderen Anlässen Leistungen eingefordert, die je nach dem Persogenstande oder auch mit Rücksicht darauf, ob nur Land oder ein Gut vergabt war, verschieden waren(Hofgeld). In einem Fall. Stamm in Deininshausen, wird nur„Schutzgeld“, 4 Stüber jährlich von 1677 bis 1708„an den voegt zu goltsmieding geliebert.“ Die zelieferten Naturalien waren: Roggen, Gerste, Hafer. Weizen, Rübsagt. Buchkweizen, Erbsen, Flachs, Schweine. Gänse und Hühner. Weizen mußte„wol gemessen“ zur Ablieserung gebracht werden, die kleinen Mengen lassen auf einen geringen Weizenanbau in hiesiger Gegend schließen. Die„Mey=Dienste“ wurden auf Haus Goldschmieding oder Rechen verrichtet. Die Pächter befreiten sich meistens von dieser Verpflichtung durch Zahlung des Dienstgeldes. Einen Begriff von dem Umsang der Pachtländereien und der Einnahmen erhalten wir durch Aufstellung aller Abgabenflichtigen des Hauses Goldschmieding auf Grund der Pachtbücher. 1. Cönnencastrov 1671—1703 10 Malter Roggen 11 Malter Gerste. 5 Maiter Hafer, 1 Schwein,? Gänse, 6 Hühner, 10 Pfd. Flochs. 7 Reichstaler Dienstgeld. 2. Baac zu Voßnacken 1671—1687 1 Malter Roggen, 1 Malter Gerste. 5 Malter Hafer. 1 Schwein. 3 Gänse, 5 Hühner, 10 Pid. Flachs. 1681 Engberth Huberth für sich und seine sünstige Hausfrau jetziger Wittfrau des Baackshofes gewonnen. Das Gewinngeld veraccerdieret durch Kort Huhberts und Diedrich zu Cöppencastrov für 80 Reschstaler. Schürmann zu Holthausen 1671—1715 ? Scheisel Gerste, von 1687—1691 erhält sie H. Pastor Macs. Taler Taler 4. Feltmann zu Holsterhausen 1671—1688 6 Schesfel Gerste, 6 Scheffel Roggen, 2 Gänse. 4 Hühner. 5. Rötger im Hagen 1671—1698 6 Pfund Flachs, 1 Schwein, 1 Gans, 3 Hühner, 1 Taler Dienstgeld. 1682—1687 2 Scheffel Buchweizen. 1695 Berent im haegen zahlt das Gewinngeld. 6. Noethe zu Beringhausen 1674—1711 2 Scheifel Gerste, 2 Scheffel Hafer, 1 Gans, 6 Hühner, 4 Dienste. 7. Stamm zu Deininghausen 1677—1708 4 Stüber Schutzgeld an den Vogt. 8. Surrick zu Deininshausen 1676—1690 2½ Taler Wiesenpacht. 9. Borgmans zu Westhofen 1679—1717 16 Malter Korn, 6 Pfund reines Flachs. „1696 ist der zeende zu westhoffen von den Alten Hinderich Wessels aus genohmen“. Runmehr werden auch die Stiezen des Getreides gezählt. Das Dreschen geschieht auf Haus Goldschmieding. Sontag aus Rauxel muß das Getreide dorthin fahren. 10. Pilger zu Rauxel 1671—1740 1 Malter Hafer, 2 Gänse, 5 Hühner. Dienstgeld. Ab 1731 für 5 Scheffel Landes 63 „Landtpfacht". 11. Sontag zu Raurel 1671—1732 5Malter Gerste, 4 Gänse, 9 Hühner, Schornsteinsegen. 1696 wird ihm das Schornsteinsegen erlassen, dafür muß er den Zehnten von Borgmann zu Westhosen nach Goldschmiedins fahren. Jan Henrich Sontag zahlt ab 1714 nur noch 37 Stüber für den Garten auffm Wulfisbusch. 2½ Taler Wiesenpacht, Surrick hatte die Wiese früher inne. 12. Johan Kohler zu Raurel, gebürtig von Baackshof zu Boßnacken. 1727—1740 3 Taler Landvacht. 13. Graff Wilhelm aussm Berge 1671—1731 3 Scheffel Gerste, 7 Scheifel Hafer, 6 Hühner, 3 Taler Dienstgeld. 1680 Henrich der grassen Kotten 30 Taler Gewinngeld. Johann Hinderich Grase gen. Schwartze zahlt ab 1727 5 Taler Pacht. 14. Rütershoff zu Oberencastrov 1677—1716 4 Malter Roggen. 6 Taler Wiesenpacht. 7 Scheisel Roggen davon an H. Pastor Macs. Ab 1696 das„Werk“ gesvonnen. 20 Pfund. 15. Otte zu Oberencastrov 1671—1706 3 Scheisel Gerste, 2 Scheisel Roggen, 1 Gaus. 2 Hühner, 3 Taler Dienstgeld. 1696 eine Webe Dokes gebracht. 100 weniger 2 Ellen, von jeder Elle 2 Stüber verdient. macht 3 Reichstaler 18 St. Otte war also auch Leineweber, 1706 an den Herrn Richter Callenberg übergehen und zwar durch einen Erbtausch mit unseren Verwandten von Elberjeldt 16. Snettelker zu Oberencastrov 1671=1705 6 Scheffel Gerste. 1705 hat der Richter Callenberg wieder an sich gebracht, mir seinen Teil und Erbteil am Baackshof wieder versichert, so mir vormals an die von Elberseldt zur Sicherheit haben übertragen müssen. 17. Kalthoff zu Castrov 1684—1718 1 Malter Haser. 15 Stüber Hofgeld, 22½ Stüber für 3 Dienste. 1693 wegen des Leibgewinners Conradt Joan Kalthoif und seiner künftigen Braut Elsebein Ludoviei sel. Pastoren zu Harven nachgelassene Tochter für 20 Reichstaler und 2 Silbergroschen auf künftiges St. Petrus=Fest zu bezahlen. Ab 1697 für den„kemmenaer kamp“ 4 Reichstaler. 18. Plenter zu Castrov 1714—1718 1 Taler 30 Stüber und 7½ Stüber für einen Dienst wegen des Gartens an den Scheitenbeck bei der Goldschmiedingschen Wiese. 19. Joban Belen zu Castrov 1714—1718 1 Taler, für 3 Dienste 22½ Stüber wegen des Gartens neben der Kemnade am Wege von Goldschmieding. 20. Johan Sontag zu Castror 1714—1718 37 Stüber? Oertges wegen des Gartens neben Goldschmieding. 21. H. Bürgermeister Kemver zu Castrov 1714—1716 30 Stüber wegen des Gartens neben der Kemnade. 22. Die alte Woltersche zu Castroy 1714—1718 22 Stüber 2 Oertges. für einen Dienst 7½ Stüber wegen des Gartenolätzchens an der Schaitenbecke. 23. Jan Wolters zu Castrov 1716 Taler wegen des Gärtchens in Dickmannskamp. 24. Lambert Schönenberg zu Castrov 1714—1718 7½ Stüber wegen des Gartchens am Goldschmiedingschen Teiche. 25. Jürgen Henrich Ratte 1715—1718 1 Taler 12 Stüber wegen des Gartens neben der Kemnade bei dem Rosenthal. 26. Bernt Asbeck 1715—1718 3 Taler wegen des Gartens auf Dickmannskamp. 27. H. Richter Bordelius 1717 Hat eine Wiese in Pachtung, erhäft auch das von Dennenborgs in der Wiese benutzte Gartenplätzchen. 28. Jürgen Padtberg aus der Freyheit Castrop 1727—1733 3 Taler Landvacht. 29. Bies Rosier vom Hovezu Castrov 1717 Hot ein Gartenplätzchen an der großen Wiese an der Scheitenbecke vorm Hause Goldschmieding für 1 Scheffel Hafer jährlich in Pacht, soll nach Jost Siepmans(Bewahrer des Hauses Goldschmieding) Aussage mit 9 Scheisel seit 1708 im Rückstande sein. Ob er jemals die Pacht gczahlt hat? Das Buch meldet darüber nichts. Wesche Wirkungen haffe ein Eheverlobnis nach den Grundsatzen des protestantischen Kirchenrechts? Von Walter Schmidt Zur Gültigkeit eines Ebeverlöbnisses war in früheren Zeiten nach den Grundsätzen des protestantischen Kirchenrechts die Einwilligung der Eltern beider Partner oder, wie in mehreren protestantischen Provinzen Deutschlands, die Einwilligung der nächsten Anverwandten ersorderlich. War die Einwilligung erfolgt und erwiesen, dann trat eine assirmative Verbindlichkeit ein, die versprochene Ehe entweder in der bedungenen oder solchen Zeit gehörig zu vollziehen, als die besonderen Umstände es ersorderten. Dieser Verbindlichseit wurde nach dem protestantischen Kirchenrecht durch Rechtsmittel Kraft gegeben. Man schritt selbst zu absoluten Zwangsmitteln, jalls die Umstände es nötig machten. Auch wider den Willen des einen Versobten wurde die Trauung vallzogen und gebilligt. War die gegenseitige Abneigung zu groß und keine Aenderung zu erwarten. so wurde der Schuldige und Halsstarrige zu willkürlichen Genugtuung. Ersatz der Kosten und obendrein mit Geld= und Gesängnisstrase belegt. Die Aufhebung eines Verlöbnisses konnte nur veranlaßt werden, wenn: 1. der Verlobte sich mit einem Dritten entweder einließ oder verlobte, und seiner Verlobten mit Spott und Verachtung begegnete: 2. der Verlobte schwere Verbrechen beging: 3. eine lästige ansteckende Krankheit vorlag. deren Ende nicht abzusehen war: 1. der Verlobte sich eine zwei bis dreijährige bösliche Verlassung zu Schulden kommen ließ; in manchen protestantischen Löndern gab das dem Beleidigten und Verlassenen das Recht, den Ausgetretenen und Entflohenen zwangsweise vorladen zu lassen: 5. ein ansehnlicher Verlust des Vermögens es dem künitigen Ehegatten unmöglich machte. Kinder zu erziehen: 6. eine vollständige Verunstaltung des Körvers eintrat, die aber nicht durch eine gewöhnliche Krankheit der jeder ausgesetzt ist. 8. B. Vlattern, entstanden sein mußte. Nach diesen Grundiatzen waren die Eheverlöhnisse Sponsalia publica und mußten nach dem protestantischen Kirchenrechte vollzogen werdes, wenn jene Hindernisse nicht eintraten. Der Staat konnte gegen Erlegung einer gewssen Abgabe von der Veröffentlichung des Eheverlöhnisses Befreiung erteilen. Frauenwelt und Heim Die Rroele i Tanlhfaht Aller Aufang ist schwer, die MMühe lohnt sich, Arbeit macht schön. Von Grete Gerting Um einen Eindruck von der Arbeit zu ge. Besonders gut verstehen sunge Mädchen mit winnen, die die jungen Mädchen im Landjahr Tieren umzugehen. Und die Tiere fühlen sich zu leisten haben, genügt es nicht, sie an einem sonnigen Tage bei der Ernte zu sehen. Man muß sich das ganze Jahr in seiner vielseitigen Arbeit vorstellen, um zu wissen, wie die Landwirtschaft heute ist und welche Anforderungen sie an die jungen Mädchen stellt. Jede Jahreszeit gibt der Landschaft neues Gepräge, gibt auch der Arbeit und dem Aussehen der Mädchen einen andern Stempel. Und jede Arbeit beansprucht eine neue Seite der Fähigkeiten der Frau, die selber voll Beglückung entdeckt, was für reiche Möglichkeiten sie in sich hat. Natürlich kostet es Mühe, sich einzuarbeiten, und ein junges Mädchen aus der Stadt weiß ja nicht gleich mit allem Bescheid, was auf so einem Hofe vorgeht. Deshalb soll es die Augen und Ohren gut aufmachen, gut zuhören und sich umblicken. Es ist unbedingt wahr, daß man auf indirektem Wege das meiste lernt und nicht erst warten soll, bis einem irgend etwas direkt gesagt, aufgetragen oder verboten wird. Ein Bauer erzählt eine Geschichte, wie es ihm mit seiner jungen Landhelferin erging. Eine Sau sollte werfen, und das Mädchen bekam den Auftrag, die Ferkel wegzunehmen, damit die Sau ihnen nichts zuleide tun könne. Die kleine Landhelferin, die die Ferkel in eine Kiste setzen sollte, bis ihre jüngeren Geschwister geboren waren und sie zur Mutter zurück konnten, hatte aber Mitleid mit den hilflosen kleinen Geschöpfen und setzte sie zu einer andern Sau, damit sich diese der Tierchen liebevoll annehmen und die Ferkelchen es nicht gar so einsam haben sollten. Ehe sie Unheil ahnen konnte, hatte die Sau vier von den jungen Ferkeln gefressen! Das junge Mädchen wird sich so leicht nicht wieder von seinem mitleidigen Herzen verführen lassen, eine Dummheit zu machen. In dem Landjahr erwirbt das junge Mädchen einen Schatz an praktischen Erfahrungen, da täglich neue Aufgaben und Situationen gegeben sind. Und diese Erfahrung ist etwas Prachtvolles, wofür ein Mensch sein ganzes Leben lang dankbar sein wird, da sie ihm ständig zugute kommt, an welchem Platz man im Leben auch später stehen mag. Die Arbeit auf dem Lande ist nicht mehr so schwer wie früher, da die Maschinen vieles erleichtern. Man kann sich schon vorstellen, daß es zum Beispiel Kräfte erfordert, einen ganzen Tag mit dem Dreschflegel zu dreschen, und was für einen Muskelkater man vom Drehen des Butterfasses bekam, muß man auch selber gespürt haben, um es nachfühlen zu können. Tag und Nacht beginnen früh auf dem Lande. Man steht mit den Hühnern auf und geht mit den Hühnern zu Bett, sozusagen, und führt damit eine natürliche und gesunde Lebensweise, getreu dem alten Wort: Der Schlaf vor Mitternacht ist der beste. Auch mit dem Essen gibt es zuerst einige Schwierigkeiten; man muß sich auch daran gewöhnen. Wenn am ersten Morgen die Hafergrütze auf den Tisch gestellt wird, weigert sich das junge Mädchen oft, sie zu essen; es ist Tee und Brötchen gewöhnt und kann die Grütze nicht herunterbringen; gut, so muß sie eben nichts essen. Zwei Tage später versucht es zu kosten. Nach acht Tagen fragt es, wenn es den ersten Teller geleert hat:„Kann ich noch etwas Grütze bekommen?" Das Familien-Filmarchiv Nachahmenswertes Beispiel einer Mutter— Lebendige Geschichte— Bilder, die Geschlechter miteinander verbinden Von Herta Niemann Vor einigen Jahren erlebten wir am Strande eines Ostseebade, wie eine Mutter von vier entzückenden Kindern ihre Kinder bei allen möglichen Beschäftigungen und Spielen filmte. Wir überlegten mit einem Gefühl leisen Neides, einen wie köstlichen Schatz von Erinnerungen sie sich und ihrer Familie damit schuf. Wenn wir öfter eine Mutter klagen hören: wie schade, daß meine Kinder nicht mehr klein sind,— wie drollig waren sie damals!— so geben diese Filmaufnahmen uns die Möglichkeit, jene unserm Herzen unvergeßlichen Szenen auch von unserm Auge wiedererstehen zu lassen. Das ist unendlich schön. Der Mann, der heiratet, bekommt aus den Kinder= und Mädchentagen seiner Braut allerlei Szenen vorgeführt, die in ihm den Eindruck erwecken, als hätte er sie schon lange gekannt, und ebenso ist es umgekehrt. Haben die Kinder das Elternhaus verlassen und sind vielleicht weit in der Fremde, so haben die Eltern immer noch die Filme, die ihnen die Abwesenden immer von neuem nahebringen. Außerdem können Eltern und Kinder sich gegenseitig aus ihrem Leben Bildstreisen zusenden, wodurch die Verbindung zwischen ihnen viel lebendiger erhalten wird, als wenn sie auf eine Photographie wohl unter der weiblichen Hand und gedeihen. Es soll noch darauf hingewiesen werden, daß wir die schönsten Frauen Europas zweifellos in Bessarabien und gewissen Teilen Rumäniens finden, wo die Frauen seit Jahrhunderten auf dem Lande den größten Teil der Arbeit ausgeführt haben. Selbst schwere Arbeit hat nur verschönend auf diese Frauen gewirkt, da sie im Bunde mit der Natur ausgeführt wurde. Die Farben, die durch frische und gesunde Arbeit in der freien Natur erworben werden, sind mehr wert als die Farben, die man für teures Geld in Tuben und Dosen kauft; sie sind ein Widerschein der inneren Gesundheit, deren Farben niemals verblassen. Stolzeo Werk einer deutschen Frau. Im Jahre 1884 wurde in Leipzig die Blindenbibliothek gegründet, und die Gründerin dieses Werkes der Menschenliebe war eine Frau. Marie LomnitzKlamroth ist noch heute Leiterin dieser größten Blindenbibliothek der Welt. Sie fing ihre Bücherei mit einem Dutzend Bänden an; heute umfaßt sie mehr als 26000 Bücher. Wieder ein Beweis. was ausdauernde, zielbewußte Arbeit zu leisten vermag. Die Benutzer der Bibliothek sind nicht nur Deutsche, sondern überall im Auslande wohnen Menschen, denen dieses Unternehmen zugute kommt. Mit der Bücherei verbunden ist eine Druckerei für Blindenschriften. Frau Lomnitz= Klamroth, heute schon über siebzig, ist mit unermüdlichem Eifer für ihr Werk tätig. Im Jahre 1925 wurde ihr von der Universität Leipzig die Würde des Ehrendoktors verliehen und ste wurde zur Ehrensenatorin ernannt. Aber diese äußeren Anerkennungen bedeuten wenig für diese gütige Frau, der es vor allem darauf ankommt, das Los der Blinden durch ihre Arbeit zu erleichtern. Daß ihr das gelungen ist, davon zeugt die immer weitere Ausdehnung, die ihr Unternehmen genommen hat. Gepflegie Hand, gepflegter CAlensch.. Die empfindliche Haut— sachgemäße Behandlung—. Tingernägel und Gesundheitszustand Die Hand ist etwas wie eine Visttenkarte des Menschen. Man kann sehr vieles an ihr sehen,— und schöne Hände sind eine der besten Gaben, die die Natur einem Menschen mitgeben kann. Aber auch, wer keine schön geformten Hände hat, muß auf seine Hände achten und sie pflegen, damit sie einen guten Eindruck machen. Die Haut der Hände ist von der Gesichtshaut sehr verschieden, das fällt schon bei einer flüchtigen Betrachtung auf. Ihr fehlen die kleinen Fettdrüsen, die die Gesichtshaut weich und geschmeidig erhalten. Infolgedessen ist die Haut weit empfindlicher gegen Wetter, Wind und Kälte. Wenn das Thermometer unter Rull sinkt, soll man daher nie ohne dicke Wollhandschuhe, gut gefütterte Lederhandschuhe oder einen warmen Muff ausgehen. Im Frühjahr, wenn die Luft scharf ist, soll man nie mit unbekleideten Händen ins Freie gehen, weil Die angehende Bäuerin (Das deutsche Bild— M) angewiesen sind, die ja nur einen bestimmten Augenblick wiedergibt. Daß es unendlich viele Filmamateure in Deutschland gibt, wissen wir. Viele von ihnen beschränken sich natürlich nicht auf die Herstellung von Filmen für den eigenen Hausgebrauch, sondern legen sich auf bestimmte wissenschaftliche Gebiete, die auch für weitere Kreise Interesse haben. Manche unserer besten Kulturfilme sind sogenannten„Amateuren“ zu verdanken. Wenn wir bedenken, daß in Deutschland mindestens jeder zehnte Mensch photographiert, so sehen wir, was für eine Zukunft auch der Amateurfilm haben kann, sobald die nötigen Apparate und Zutaten noch etwas erschwinglicher geworden sind. Auf jeden Fall ist diese Freude am Photographieren, die wir überall beobachten können, ein wesentlicher Faktor für die deutsche Volkswirtschaft, denn Tausende von Händen und Köpfen sind seit Jahren tätig, um alle Hilfsmittel des Photographen zu schaffen und zu vervollkommnen. Vor etwa acht Jahren wurden die ersten deutschen Schmalfilmkameras herausgebracht, heute gibt es schon 25000 Besitzer von Kinoapparaten für Amateurformate, ganz abgesehen von den unzähligen Apparaten, die ins Ausland gegangen sind. Was der Amateur filmen soll? Kinder, vor allem Kinder. Sie geben unerschöpfliche Stoffe. Dann die Tiere, die um einen sind. Auch Reisen bieten reichen Stoff. Was früher ein Album mit Ansichtskarten war, die doch immer irgendwie tot waren, ist heute ein lebendiger Filmstreifen, den wir immer wieder mit Freude betrachten werden. Ein Kaufmann wird seinen Laden oder seine Fabrik filmen, damit die Enkel und Urenkel sich eines Tages ein Bild von dem Schaffen ihres Vorfahren machen können, man wird die Hausfrau bei ihrer Arbeit in der Küche und Stube filmen, den Handwerker in der Werkstatt, den Künstler im Atelier, jeden einzelnen bei seiner Hantierung. Wenn das geschieht, gewinnen wir ein kulturgeschichtliches Archiv, dessen Wert gar nicht zu unterschätzen ist. Wie froh wären wir, wenn wir solche Filme aus dem Leben unserer Vorfahren hätten! Wie manches Rätselraten würden sie unnötig machen! So ein selbstaufgenommener Film ist eine Art von Tagebuch— man sieht ja nicht nur das Dargestellte, man sieht immer auch den dahinter, der die Bilder machte; der eine wird die humoristischen Einzelheiten festhalten, der andere die schönen oder ergreifenden Dinge. Das Wesen eines Kameramannes wird sich in seinen Filmen spiegeln, da braucht er gar nicht viele erklärende Worte dazu zu sagen. Natürlich gehört ein Heimkino dazu, um die aufgenommenen Filme in seinem Hause vorführen zu können, und diese Stunden mit dem eigenen Kino gehören, das bestätigen ganz besonders die Frauen, zu den hübschesten und reichsten, die es gibt. Man muß die Filme in verschiedene Gebiete geordnet ausbewahren damit man sein„Programm“, bei einer Vorführung richtig zusammenstellen kann. Als Liebhaberei ist das Amateurfilmen für Mann und Frau gleich reizvoll. die Haut allzu leicht rissig wird. Erst an den wirklich warmen Tagen kann man eine Handbekleidung entbehren. Wenn man die Hände unmittelbar, ehe man in die Kälte hinausgeht, waschen muß, so soll man sie hinterher mit Talkum einreiben, damit sie ganz trocken werden. Feuchtigkeit und Kälte in der Zusammenwirkung sind nämlich das Schädlichste, was es überhaupt für die Hände gibt. Man soll auf dem Waschtisch stets einen guten Fettcreme stehen haben, mit dem man die Hände einreibt, wenn sie noch feucht sind. Dadurch bleiben sie weich und geschmeidig. Besonders geeignet sind Mandelcremes und Zitronencremes. Muß man bei der Hausarbeit viel in Wasser greifen, so soll man barauf achten, daß et weder zu heiß noch zu kalt ist, denn beides schadet den Händen. Scharfes Salmiak= und Sodawasser ist für die Hände sehr angreifend. Man schont die Hände sehr, wenn man zum Beispiel zum Abwaschen Abwaschbürsten mit langem Stiel benutzt, so daß die Hände kaum mit dem Wasser in Berührung kommen. Auf jeden Fall muß man unmittelbar nach dem Abwaschen und anderer grober Hausarbeit die Hände gründlich in lauwarmem Seifenwasser abwaschen und mit Zitronensaft, Bimsstein und Nagelbürste sorgfältig reinigen, worauf man sie mit Fettcreme einreibt. Händen, die regelmäßig so behandelt werden, sieht man die grobe Arbeit auch nach Wochen und Monaten nicht an. Man massiert den creme in die Hände ein, indem man von den Fingerspitzen nach unten streicht, etwa als wenn man enge Handschuhe anzieht. Jeder Finger ist auf diese Weise einzeln zu behandeln. Hinterher soll man mit den Fingern etwas Gymnastik machen und sie hin und her bewegen, damit sie ihre Geschmeidigkeit behalten. Hat man gepflegte, glatte Hände, so bleiben sie viel sauberer als eine rauhe Hand, weil sich in den Ritzen und Rissen Schmutz und Staub so festsetzen, daß sie nur mit großer Mühe wieder zu entfernen sind. Die Nägel, sowohl an den Händen wie an den Füßen, sollte man niemals mit einer Schere schneiden, sondern sollte immer eine gute Feile benutzen und zum Nachfeilen eine Sandpapierfeile. Besonders für die Fußnägel ist das anzuraten, weil auf diese Weise keine harten und scharfen Ränder entstehen. Uebrigens halten die Strümpfe viel länger bei gefeilten Nägeln, was wohl niemandem unangenehm sein dürfte. Nägel, die zu sehr über Finger oder Zehe hinausragen, sind unpraktisch und daher auch unschön. Sie sollen sich möglichst der Form des Fingers anpassen. Verkalkte Nägel sind ein Zeichen von gichtischer Anlage oder Verkalkung. Solche Nägel sind sehr porös und gelblich, und es fehlt ihnen die blanke, klare Oberfläche, die ein gesunder Nagel hat. In diesem Falle nützt die Nagelpflege wenig, sondern man soll einen Arzt aufsuchen und sich von ihm behandeln lassen. Ein gesunder Körper muß auch gesunde Nägel hervorbringen können. Nägel, die brüchig wirken, deuten auf einen schlechten Ernährungszustand hin, und man sollte seine Diät etwas umstellen, damit der Körper die Stoffe bekommt, die er braucht. Denn wenn unsere Nägel uns zeigen, daß etwas nicht in Ordnung ist mit dem Organismus, sind auch die Zähne in Gefahr! und davor haben wir alle Furcht. Man sieht, die Aufmerksamkeit, die man seinen Händen und Nägeln zuwendet, ist nicht Eitelkeit allein, sondern ein wichtiges Erfordernis, um den Körper gesund und frisch zu erhalten. Ilse Lensch Grombeeren, schmackhaft u. gesund Der Brombeere maß man schon in alter Zeit eine heilsame Wirkung bei. Aus den Blättern der Pflanze wird ein Tee gekocht, der bei verschiedenen Beschwerden von guter Wirkung ist. Die köstlichen Früchte aber können uns in mancherlei Zubereitung erfreuen. Die einfachste Art der Zubereitung ist das Brombeerkompott, zu dem die Beeren nur mit ganz wenig Wasser und etwas Zitronenschale weich geschmort werden, worauf man Zucker nach Geschmack hinzutut. Einige Tropfen Zitronensaft machen das Kompott noch schmackhafter. Brombeerpudding. 2 Pfund Brombeeren werden ohne Wasser, nur mit Zucker, weich geschmort, worauf man sie durch ein Haarsieb rührt. Hierauf streicht man eine feuerfeste Form mit Fett aus und belegt den Boden mit einer Schicht von diesem Brombeermus, darüber kommt eine Schicht Weißbrot, das man klein geschnitten und in gesüßter Milch eingeweicht hatte, diese Brotschicht bestreut man mit geriebener Kokosnuß, gibt eine Schicht Brombeeren darüber und dann wieder Brot und Kokosnuß. Man backt den Pudding in mäßig heißem Ofen etwa 45 Minuten. Ehe man ihn zu Tisch gibt, bestreut man ihn mit Zucker, kann aber auch noch Bauillensoße dazu reichen. Brombeergrütze. 1 Pfund Brombeeren werden mit ½ Liter kaltem Wasser aufgesetzt und weich gekocht. Hierauf gießt man die Flüssigkeit durch ein Sieb, gibt den nötigen Zucker dazu und tut sie nun in einen sauberen Topf zum Fertigkochen. Sobald sie wieder zum Kochen gekommen ist, gibt man 60 Gramm Maismehl hinzu, das man mit etwas kaltem Wasser glatt gerührt hatte, außerdem auch den Saft einer halben Zitrone. Man läßt alles nochmals aufkochen. Hierauf nimmt man den Topf vom Feuer und rührt den steifgeschlagenen Schnee von 2 Eiern darunter. Man gibt die Speise in eine mit kaltem Wasser ausgespülte Form und stürzt diese nach dem Erkalten. Man reicht gute Vanillensoße dazu. DeU DS Roman von Werner E. Hintz Veriag- Barin io 33 8 „Ja— meine Frau natürlich auch—“, gab Corsignac zögernd zu. Dann riß er mit einer jähen Drehung des Lenkrades den Wagend urch eine scharfe Kurve. müdung sein. Das beste wird sein, wenn ich lafe——“. Wie ein blutroter Ball hing die Sonne zwischen schmalen Wolkenstreifen über dem Meer, als der Wagen endlich vor der Terrasse des Gigantic Palace zum Halten kam. Ein Page eilte hinzu und öffnete den Schlag. Schnell schritt Paul de Corsignac auf das Portal zu und überließ dem Amerikaner die Sorge um die Damen. In der Halle, dicht neben dem Schalter des Portiers, lehnte in einem Sessel der unfehlbare Gregor und war so sehr in den Genuß einer Havanna vertieft, daß er das Erscheinen seines Herrn gar nicht bemerkte. Erst als er ihm die Hand auf die Schulter legte, blickte er auf und erhob sich gleich darauf höflich. „Nun?“, Corsignacs Blick war forschend auf seinen Sekretär gerichtet. Etwas wie verhaltene Spannung lag um seine Mundwinkel. „Nichts, Herr de Corsignac!“ versicherte der andere mit einem beruhigenden Lächeln. „Sie haben auch genau abgegeben?“ „Seit Ihrer Abfahrt sitze ich hier und überwache die Fächer, in die der Portier die Post sortiert.“ „Und?“ „Wie gesagt—— nichts!“ „Lynne hat also überhaupt keine Post erhalten? „Oh doch,— Post schon— Zeitungen und zwei Briefe,— einen aus London und einen aus Paris. Aber ich setze meinen Kopf dafür zum Pfande, daß sich kein dritter Brief mit einer rumänischen Briefmarke unter seiner Post befindet!“ „Gott sei Dank!— Nun müssen wir versuchen, ihn auch noch für die nächste Zeit den Tag über vom Hotel fernzuhalten. Wenn der Brief aus Rumänien nur nicht mit der Frühpost eintrifft!“ „Ich habe bereits meine Erkundigungen eingezogen, Herr de Corsignac!“ wehrte Gregor respektvoll ab.„Der Zug, der Briefe vom Balkan nach Rizza bringen kann, trifft erst gegen Mittag hier ein. Der Portier verriet es mir. Mit der Bestellung um 4 Uhr gelangt die Post hierher ins Hotel!“ „Sie sind eine Perle, Gregor—“. Corsignac unterbrach sich mitten im Satz, als jetzt Lynne zusammen mit Marion und Yvonne die Halle betrat und schritt ihnen entgegen.„Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden, Mister Lynne, wenn ich für uns vier zum Souper einen Tisch im Speisesaal reservieren lasse. Selbstverständlich sind Sie mein Gast—“. Und Chester Lynne verneigte sich dankend. Eine halbe Stunde später trafen die vier dann wieder am Eingang zum Speisesaal zusammen. Die Männer hatten sich in den Smoking geworfen, während Yvonne mit einer sehr offenherzigen Gesellschaftsrobe vergeblich mit der harmonischen Einfachheit von Marions Abendkleid zu rivalisieren suchte. Wieder war es der Tisch dicht am offenen Fenster mit dem Blick auf das Meer hinaus, den der Kellner ihnen anwies. Zwei Blumensträuße waren es, die jetzt auf dem weißen Damasttuch standen. Der eine von ihnen, sechs langgestielte Teerosen, verdankte seine Anwesenheit einem Auftrag, den Lynne vorhin dem Kellner gegeben hatte. Eine Selbstverständlichkeit war es, daß Corsignae Sekt bringen ließ. Und vielleicht war es dieser klugen Maßnahme zu verdanken, daß die kleine Abendgesellschaft nicht in völligem Schweigen verebbte. „So— und was werden wir nun morgen beginnen?“ erkundigte er sich schließlich, nachdem alle übrigen Gesprächsthemen erschöpft waren. Chester Lynne neigte sich leicht vor.„Ich hoffe, daß Sie nun gestatten werden, Sie für morgen als meine Gäste einzuladen. Durch den Hotelportier habe ich vorhin eine Segeljacht zu einer Fahrt nach dem Kap'Antibes mieten lassen, und wenn Sie sich in meiner Gesellschaft dem Wasser anvertrauen wollen——“ Ein ausgezeichneter Gedanke!"— Corsignac lächelte erfreut.„Ein Ausflug nach dem Kap 'Antibes— wirklich, Sie verstehen sich auf angenehme Ueberraschungen, Mr. Lynne!“ Fast die ganze Zeit über hatte Marion recht schweigsam dagesessen und nur wenig von den ausgezeichnet zubereiteten Speisen genossen, die der Kellner ihr vorgestellt hatte. Vorhin beim Betreten des Speisesaales hatte sie Jerimy Jerome bemerkt, der dann gleich darauf nach einem bedeutungsvollen Blick verschwunden war. Und diese Begegnung hatte sie an die Perabredung erinnert, die sie mit dem Detektiv getroffen hatte. Jetzt benutzte sie eine Gesprächspause, um ihr Gedeck langsam zurückzuschieben. „Ich möchte auf mein Zimmer gehen“, wandte sie sich mit einem gequälten Lächeln an Corsignac.„Eine leichte Migräne—“. Und als auch er Miene machte, sich zu erheben, wehrte sie hastig ab:„Nein, nein— es ist weiter nicht schlimm— vielleicht wird es ein wenig Uebermich gründlich gusschlo...: Meinst Corsignac niate.„Ganz wie du meinst—“. Gleich darauf verabschiedete sich Marion von den anderen— zuletzt von Chester Lynne, dessen Finger ihre Hand mit erregtem Druck umklammerten. 16. Kapitel Um diese Zeit war alles ruhig auf den Korridoren des Hotels. Die Gäste saßen noch beim Souper, und die Kellner hatten Wichtigeres zu tun, als sich um die Zimmer zu kümmern. Ganz langsam, Stufe um Stufe, war Marion die breite Treppe zum ersten Stockwerk emporgestiegen. Das Vorgefühl einer unangenehmen Ueberraschung war in ihr, während sie ihrem Handtäschchen den Zimmerschlüssel entnahm und ihn zögernd in das Schloß der Tür schob. Dann erlebte sie die erste Ueberraschung. Der Schlüssel ließ sich nicht herumdrehen. Ganz unwillkürlich geschah es, daß sie die Hand auf die Klinke legte. Auf ihren leichten Druck hin öffnete sich die Tür. Heller Lichtschein fiel durch den Spalt. Einen Herzschlag lang dachte Marion daran, durch energische Hilferufe das Hotelpersonal zu alarmieren. Dann aber bemerkte sie den Mann im karierten Sportanzug, der unter der Deckenkrone in einem bequemen Sessel saß. „Mr. Jerome—“, stieß sie befremdet hervor, während sie langsam das Zimmer beirat und die für hinter sich ins Schloß zog. Der Detektiv erhob sich, um zu einer leichten Verbeugung zusammenzuknicken.„Es freut mich, daß mein Name in Ihrem Gedächtnis haften geblieben ist, meine Gnädigste!“ Noch immer stand Marion ganz in der Nähe der Tür. Verständnislos zuckte sie die Achseln. „Aber— was suchen Sie hier— in meinem Zimmer—““. a... Jerimy Jerome lächelte vervinolich„Sie scheinen vergessen zu haben, daß ich mich nur auf Grund unserer gemeinsamen Verabredung hier befinde!“..„„„ 9 Marion schüttette ven Kopf.„Nein— das habe ich nicht vergessen,— aber——“ 8 858 J u 44 „— aber wie gelangten Sie in dieses Zimmer?“ Der Detektiv lächelte noch immer.„Ich hoff Sie werden es mir nicht verübeln, wenn ich mich einmal der Methoden meiner Herren Gegner bedient habe! Dieser kleine Nachschlüssel hier war in der Lage, das Schloß Ihrer Zimmertür zu öfinen!, gu, sehr 9611 „Halten Sie Ihr Vorgehen für seyr torrekt, Mr. Jerome?“ fragte Marion nach einer kurzen Pause streng... J un samiste Korrekt?" Der andere machte eine ungewisse Geste.„Korrekt gewiß nicht— aber den Umständen gemessen. Es lag mir daran, bei dem Besuch in Ihrem Zimmer jedes unnötige Aufsehen zu vermeiden. Sie dürfen nicht vergessen, daß Sie hier im Hotel noch immer als die Gattin des Herrn de Corsignac gelten— deshalb auch hielt ich es für richtiger, in einem unbeobachteten Augenblick hier einzudringen!“ Dann ließ er sich wieder in seinen Sessel sinken.„Ich glaube, wir tun besser, wenn wir unsere Zeit nicht mit Rebensächlichkeiten vergeuden, meine Gnädigste. Sie wissen ja, weshalb ich gekommen bin! Ich gab Ihnen mein Wort, Herrn van Huysen von Ihrer Anwesenheit hier im Hotel noch nicht zu benachrichtigen. Dafür erwarte ich jetzt von Ihnen die Wahrheit über die Rolle, die Sie hier spielen!“ Eindringlich fragend war sein Blick auf die schöne Frau gerichtet. Auch Marion hatte jetzt in einem der Sessel Platz genommen. Die ängstliche Unruhe, die sich in ihren Zügen spiegelte, entging Jerimy Jerome keineswegs. „Ich erwarte Ihre Erklärung, meine Gnädigste —“ stieß er schließlich ein wenig ungeduldig herdor.„„ Marion musterte iyn mit einem Seitenblick. „Vorher noch eine Frage, Mister Jerome! Hat — Herr van Huysen Ihnen gesagt, aus welchem Grunde ihm daran gelegen ist, mich ausfindig machen zu lassen?“ Der andere runzelte die Augenbrauen.„Nein, das hat er nicht gesagt— ich erhielt von ihm nur Ihr Bild und den Auftrag, nach Ihnen zu fahnden. Wenn ich Sie entdeckt hatte, sollte ich ihn davon telegraphisch benachrichtigen—“ „Er wohnt immer noch in Monte Carlo?“ „In Monte Carlo— im Hotel Carlot, meine Gnädigste," bestätigte der Detektiv. „Und— warum halten Sie sich nicht wörtlich an seinen Auftrag?“ fragte dann Marion plötzlich nach einer kurzen Pause des Nachdenkens. Ueberrascht blickte der andere auf:„Pardon sch verstehe nicht—“.. 1414u 334 „Nun, Mr. Jerome, Ihr Auftrag kautete doch ganz einfach, mich zu finden. Warum stellen Sie nun noch diese Nachforschungen auf eigene Faust an? Warum liegt Ihnen daran, zu erfahren, aus welchen Gründen ich hier meine Rolle als Frau de Corsignac spiele?" Einen Augenblick lang schien Jerimy Jerome ernstlich außer Fassung gebracht. Dann aber wanderten seine Augen langsam zu Marion hinüber, und ein sonderbarer Ausdreuck lag in oven.„„ 408 P. „Nehmen Sie an Gnäoigste, daß ich mich für Sie interessiere— und Sie werden mit dieser Annahme so ziemlich das Richtige Ein spöttisches Lächeln zuckte um Marions Lippen. Jerimy bemerkte es nicht.„Ihr Interesse ehrt mich, Mr. Jerome,— aber ich tann mich leider nicht veranlassen, Ihnen das zu verraten, was niemand wissen darf!“ Nervös blinzelte der Detektiv mit den Augenlidern. Auf diese glatte Weigerung war er doch nicht gefaßt gewesen.„Dann würde mir nichts weiter übrigbleiben, als Herrn van Huysen zu benachrichtigen—“, sagte er schließlich bedeutungsvoll. „Und wenn ich noch heute nacht das Hotel verlassen würde?" „Ich würde das zu verhindern wissen— notigenfalls mit Hilfe der Polizei!“ Jerimy Jerome fühlte sich keinesfalls ganz wohl in seiner Haut. Jetzt erst wurde es ihm ganz klar, daß er dadurch, daß er sich Marion zu erkennen gegeben hatte, seinen besten Trumpf geopfert hatte— allerdings nur deshalb, weil er davon überzeugt gewesen war, auch auf diesem Wege zu seinem Ziel zu selangen.„(6 Ju Marions Lachen brachte ihn einigermaßen außer Fassung. „Soweit dürfte der Auftrag, den Ihnen Herr van Huysen gegeben hat, wohl kaum gehen, Mister Jerome. Meine Verhaftung kann unmöglich in seinem Interesse liegen—“, meinte sie heiter. Angestrengt zerbrach sich Jerimy Jerome den Kopf nach einem Ausweg aus diesem Dilemma, und er atmete auf, als er ihn endlich gefunden zu haben glaubte. „Wenn ich auf Ihre Verhaftung verzichte, meine Gnädigste, so geschieht das nur, um hier im Hotel einen Skandal zu vermeiden. Wenn Sie mir Ihr Wort geben, ohne meine Einwilligung das Gigantic=Palace nicht zu verlassen „Das kann ich Ihnen natürlich nicht versprechen,“ unterbrach Marion ihn entschlossen. Jerimy Jerome erhob sich zögernd.„Leider bleibt mir keine andere Wahl, als sofort Herrn van Huysen telephonisch von Ihrer Anwesenheit zu benachrichtigen! Morgen früh kann er bereits hier eingetroffen sein— und daß Sie bis dahin nicht entfliehen— dafür werde ich schon sorgen!“ Er wartete keine Antwort ab, sondern ging hastig der Tür zu, die gleich darauf hinter ihm ins Schloß fel.„.. z viam binter ihm b. Kopfschülttelnd blickte Marion hinier ihm orein. Jerimy Jerome hatte es eilig. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, eilie er die breite Treppe hinab und landete wenige Augenblicke später vor der Loge des Portiers. „Ein dringendes Gespräch mit dem Hotel Carlot, Monte Carlo!“ stieß er aufgeregt hervor. Der Portier nickte gleichgültig.„Bitte dort drüben ist die Telephonzelle, mein Herr! In fünf Minuten wird die Verbindung hergestellt sein—“. rochen Gl. Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als Jerimy bereits vor der bezeichneten Zelle stand, die Tür aufriß und an den Apparat trat. Die fünf Minuten, die nun folgten, gehörten zu den erregtesten seines Lebens. Im Halbdunkel der Zelle verborgen, spähte er ängstlich in die Halle hinaus, die um diese Zeit nicht mehr übermäßig belebt war. Wenn Marion jetzt die Gelegenheit benutzte, um zu entkommen— es wärc für ihn schwer gewesen, sie aufzuhalten.—— Als dann endlich die Glocke schrillte, griff er mit einem hörbaren Seufzer der Erleichterung nach dem Hörer. „Hier Hotel Carlot, Monte Carlo!“ meldete sich eine Männerstimme. „Hier Jerimy Jerome!— Könnte ich Herrn van Huysen sprechen?“ „Einen Augenblick, ich verbinde Sie mit der Anmeldung!“ Es dauerte aber länger als einen Augenblick. Ungeduldig trat Jerimy von einem Fuß auf den anderen. Immer noch ließ er keinen Blick von der Halle. Wenn Marion jetzt kam—— „Anmeldung Hotel Carlot!“ Endlich!—„Hier ist Jerimy Jerome! Ich möchte Herrn van Huysen sprechen! Es ist sehr dringend.. 4net u „Herr van Huysen ist setzt nicht zu erreichen!“ klang die leidenschaftliche Stimme des anderen durch den Draht. Einen Herzschlag lang verschlug es Jerimy Jerome den Atem.„Nicht zu erreichen? Aber ich muß ihn sprechen—“ „Bedaure— Herr van Huysen ist gerade zur Vernehmung auf dem Polizeikommissariat—“ Dann plötzlich mischte sich eine andere Stimme ärgerlich ein:„Sie wissen doch, daß Sie über unsere Gäste keine Auskünfte zu geben haben—“ Bestimmt der Herr Geschäftsführer des Hotels Carlot! Es war ein äußerst nachde: r Jerimy Jerome, der gleich darauf den! anhängte und in die Halle hinaustrat. Zur Vernehmung auf dem Polizeikommissariat — Herr van Huysen?— Sonderbar!— Höchst sonderbar—— 17. Kapttel Und es war eine äußerst nachdenkliche Marion, die zur gleichen Zeit auf dem Rande ihres Bettes saß und damit beschäftigt war, die Strümpfe von den Beinen zu streifen. Jerimy Jerome bedeutete eine Gefahr— soviel hatte sie jetzt begriffen. Sicherlich hatte er nicht zum Scherz mit van Huysen gedroht! Aber wenn er diese Drohung wahr machte—— Ein Schatten glitt über Marions Züge. Wenn van Huysen ihren Aufenthalt erfuhr, dann war alles verloren—— und auch Corsignacs schlaues Spiel, in dem sie gegen ihren Willen eine Hauptrolle hatte übernehmen müssen., Corsignacs Spiel— Und unwiururlich glitten ihre Gedanken zu einem anderen Namen hinüber. Chester Lynne—. Grüblerisch starrte sie vor sich hin, bis ein leichter, feuchter Schimmer in ihre Augen trat. Chester Lynne— und Paul de Corsionge——...Egftungr Guchmus Und plötzlich trat ein entschlossener ausoruc in ihre Züge. Sie griff nach dem Hörer des Telephonapparates, der auf dem Nachttisch neben ihrem Bett statt. Die Hotelzentrale meldete sich. „Verbinden Sie mich mit dem Appartement Herrn de Corsignacs.“ 4 8. Eine kleine Pause, dann endlich Corsignacs Stimme:„Ja, bitte—?“ „Hier ist Marion! Ich muß Sie dringend sprechen, Herr de Corsignac! Dringend!“ betonte sie noch einmal. „Aber gewiß doch! Ich stehe Ihnen selbstverständlich zur Verfügung, meine Gnädigste! Sie haben nur zu bestimmen, wo wir uns treffen wollen!“ versicherte der andere liebenswürdig. „Ich erwarte Sie in fünf Minuten in meinem „Ganz wie Sie wünschen! In fünf Mituten bin ich bei Ihnen!“ Dann verriet ein leises Knacken in der Leitung, daß Paul den Hörer ansehängt hatte.. Gn 5. Marion erhob sich und trat vor den hohen Spiegel, um ein Kleid überzuwerfen. Wären ihre Gedanken nicht mit anderen Dingen beschäftigt gewesen, so hätte sie vielleicht gehört, wie jetzt in dem Nebenraum, dem Wohnzimmer ihres Appartements, vorsichtige Schrille über den Teppich glitten und wie gleich darauf die Tür geöffnet und wieder geschlossen wurde. Der Mann, der dann im Korridor auftauchte und aufatmend feststellte, daß niemand vorhanden war, der ihn beobachten könnte, hatte eine verblüffende Aehnlichkeit mit dem Baron de Montpéplin,— wenn er es nicht selbst war.— Wenige Minuten später kam Paul de Corsignac den Gang entlanggeschleudert. Nichts in seinem lächelnden Gesicht mit dem wie eingemauerten Einglas verriet die Gedanken, die sich hinter seiner faltenlosen Stirn kreuzten. Höflich grüßte er den Heern im karierten Sportanzug, der im gleichen Augenblick von der Treppe aus erschienen war und sich nun mit allen Anzeichen erwachender Neugierde in der Nähe der Tür zum Appartement Nummer drei aufhielt, an der Corsignac gleich darauf diskret anpochte. „Herein!“— klang Marions Stimme aus dem Zimmer. Jerimy Jerome konnte abermals ein Aufatmen nicht unterdrücken. Sie war also doch noch da,— die schöne Abenteuerin. Und er nahm sich vor, die ganze Nacht über gewissenhaft Wache zu halten, bis er am Morgen wieder die Möglichkeit hatte, sich mit Herrn van Huysen in Verbindung zu setzen. Inzwischen war Corsignac hinter der Tür zum Appartement Nummer drei verschwunden. In dem gleichen Sessel, in dem vorhin Jerimy Jerome gesessen hatte, lehnte jetzt Marion und blickte dem Eintretenden erwartungsvoll entgegen. „Nehmen Sie Platz, Herr de Corsignac!— Wir werden längere Zeit miteinander zu sprechen haben!“ „In Ihrer Gesellschaft nie zu lange!“ erwiderte der andere lächelnd, nahm das Einglas aus dem Auge und begann es mit dem seidenen Taschentuch zu putzen. Erst als er dieses Geschäft zu seiner Zufriedenheit beendet hatte, hob er wieder den Kopf.„Sie haben mich rufen lassen, schöne Frau!— Wollen Sie mir nicht sagen, womit ich Ihnen dienen kann?“ Der Ausdruck von Marions Zügen verriet nichts von ihren Gedanken, als sie zögernd sagte: „Ich möchte Ihnen nur eine Mitteilung machen, Herr de Corsignac,— eine Mitteilung, die Sie vielleicht verstimmen könnte—!“ „Aus Ihrem Munde? Unmöglich!“ „Das wollen wir abwarten! Also— ich mache nicht mehr mit in Ihrem Spiel gegen Chester Lynne!"(Fortsetzung folgt.) Neuue 8 Numür Kilten „Erten A tlebenswurath 99 Kann es etwas Netteres geben als einen liebenswürdigen Menschen? Das finden Sie doch sicher auch? Wenigstens fand ich es bis vor kurzem. Nehmen wir nur einmal meinen Freund Erich. Er steht im Ruf, einer der liebenswürdigsten Menschen seiner Zeit zu sein. Und er verdient es. Er ist ungewöhnlich liebenswürdig Und doch, wenn man mit Erichs Bekannten von dessen fast sprichwörtlich gewordener Liebenswürdigkeit spricht, machen sie alles andere als ein entzücktes Gesicht. Anscheinend haben sie ein Haar in Erichs Liebenswürdigkeit gefunden. Mit der hat es nämlich eine eigene Bewandtnis. Etwas, was seine Freunde allmählich herausgefunden haben. Vielleicht darf ich Ihnen einmal eine kleine Probe seiner Liebenswürdigkeit geben! Kürzlich gehe ich mit Erich spazieren. Begegnet uns unser Freund Walter. Berichtet hoch entzückt von einer Jagdeinladung. „Du gehst doch sicher hin?“ erkundigt sich Erich. Walter macht ein langes Gesicht:„Leider habe ich keine Lederweste, und ohne Lederweste...“ „Aber alter Junge, das macht doch nichts, da kann doch geholfen werden", lacht Erich. „So würdest du mir deine Lederweste...“ hofft, Walter. „Meine Lederweste— Menschenskind, ich hab doch gar keine— aber Fränzchen(Fränzchen bin ich zufällig) der hat eine— nicht wahr, Franz, du hast doch eine?“ Gewiß habe ich eine, darin hat Erich recht. Nur mit dem Verleihen ist das schon so eine Sache. Entweder sieht man das Verliehene nie wieder oder aber in wenig erfreulichem Zustand. In diesem Falle blieb mir nichts anderes über, als sauersüß zu bejahen. „Na, dann ist die Sache ja mal wieder in Ordnung!“ atmete Erich erleichtert auf. Walter freut sich, und ich muß lächeln. „Kinder, daraufhin müssen wir uns aber etwas Gutes genehmigen!“ begeistert sich Erich. Also, wir„genehmigen“ uns etwas. Walter bezahlt natürlich die Zeche, ich liefere die Lederweste, und— Erich war mal wieder liebenswürdig! Verstehen Sie nun, warum Liebenswürdigkeiten auf anderer Leute Kosten so wenig beliebt sind? Fränzchen Die Auskunft Der alte John D. Rockefeller, dessen vertrocknetes Gesicht in ganz Nord= und Südamerika jedes Kind kennt, hat einen kleinen Badeort an der paradiesischen Seeküste Kaliforniens entdeckt, wo er gegenwärtig seinen bald mumienhaften Körper pflegt. Zum Pflegen gehört Geld,— niemand weiß das besser als der alte John D. Rockefeller— und da er nicht glaubt, daß die moderne Zivilisation schon in Gestalt eines Bankgeschäftes Einzug in seinen Badeort gehalten hat, verläßt er sich nicht auf solche neumodischen Einrichtungen wie es ein Kreditbrief etwa ist, sondern tut nach guter alter Urvätersitte Geld in seinen Beutel, will sagen, er verstaut eine runde Summe in Banknoten in seine geräumige Brieftasche: Oh, nur eine Kleinigkeit über tausend Dollar. Doch schon auf seinem ersten Spaziergang durch den Ort merkte der Alte, daß er die moderne Zivilisation stark unterschätzt hat. Gleich neben dem Postamt sieht er ein pompöses Schild, auf dem steht gold auf schwarz in Antiqualettern: Cäsar Kroesus u. Compagnie, Bankgeschäft London Newyork, Filiale Dorfstadt. Oh, denkt er sich: Fein, da brauche ich ja nicht die Zinsen für vier Wochen zu verlieren; geht in den Laden und läßt sich ein Konto einrichten: tausend Dollar zahlt er ein. Am anderen Tage zeitig in der Frühe bekommt er durch Boten einen Brief von Cäsar Kroesus u. Compagnie, Bankgeschäft LondonNewyork, Filiale Dorfstadt, darin steht:„Wir buchten in Ihr Kredit— vorbehaltlich Prüfung der Echtheit der eingelieferten Banknoten— Dollar 1000.—. Wir buchten in Ihr Debet für Auskunft Dollars zwei und fünfzig cents, die bis heute mittag Punkt zwölf Uhr in bar in unserm Schalterraum zu erlegen sind.“ Nun, denkt sich John., ich habe doch durch C. Kroesus keine Auskunft einholen lassen! Das muß ein Irrtum sein, ich werde das nachher im Vorbeigehen gleich in Ordnung bringen. Also geht er später auf seinem Morgenspaziergang mit heran zu Cäsar Kroesus und Compagnie und sagt zu dem Wechselbalg hinter der Wechselkasse, der da laut Schild, hübsch gold auf schwarz wieder, in einer Person den Filialvorsteher, Effektenkassierer, doppelten Buchhalter und Arbitrageur macht, ihm den Brief weisend: Hallo, junger Mann, das muß ein Irrtum sein, ich habe von Ihnen nie eine Auskunft über irgend jemand verlangt.“ Da hätten Sie aber den Stift— es war der Laufjunge, der am Morgen den Brief gebracht hatte— sehen sollen. Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf— 1 Meter 56— und erklärte hoheitsvoll:„Auskunft über irgend jemand verlangt?— kommt gar nicht in Frage. Ueber Sie haben wir Auskunft eingeholt; man muß doch schließlich wissen, von wem man Geld nimmt!“ N. E. „Ich bin der Rantor von Füterbog' Ein Kantor, der in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts seines Amtes in Jüterbog waltete, hatte einen höchst gelehrigen Star. Ganze Sätze konnte der Vogel nachplappern, und besonders hatten ihm zwei Aussprüche gefallen, die er häufig im Hause seines Herrn gehört hatte. Der pflegte bei irgend welchen Widerwärtigkeiten zu sagen:„Das ist ja eine verdammte Wirtschaft!“ und stellte er seine Ehehälfte und sich einem Besucher vor, so tat er das mit den Worten:„Ich bin der Kantor von Jüterbog, und das ist meine Frau!“ Diese beiden Sätze waren dem Star so geläufig, daß er sie ohne Anstoß hersagen konnte und den Tag über häufiger vernehmen ließ. Als nun dem gelehrigen Vogel die gestutzten Flügel etwas nachgewachsen waren und er sich wieder nach der Freiheit sehnte, versuchte er zu entwischen— und es gelang. Seine Freiheit war aber nur von kurzer Dauer. Mit einer großen Anzahl seiner Artgenossen fiel er in die Hände eines Jägers des Grafen Solms=Baruth. Der drehte einem nach dem anderen den Hals um, um sie dann als Leckerbissen der herrschaftlichen Küche zuzuführen. So blieben schließlich nur noch eine Starin und der Star des Kantors von Jüterbog übrig. Und als der Jäger auch nach ihm seine Hand ausstreckte, schrie der Schwarzgefiederte aus vollem Halse:„Das ist ja eine verdammte Wirtschaft!“ Der Jäger prallte zurück. Das war Zauberei! Sprachlos starrte er lange auf den unheimlichen Vogel, bis er dann endlich stotternd hervorbrachte: „Wer bist du denn?“ Da sperrte der Gefragte seinen Schnabel auf und schnurrend klang es dem verdutzten Nimrod entgegen:„Ich bin der Kantor von Jüterbog, und das ist meine Frau!“ Das war die Rettung. Der Jäger machte sich davon, und Star und Starin flogen lustig weiter. Rs. Der„tolle Geist von Beeren' Der„tolle Geist von Beeren“ lag Zeit seines Lebens mit den Herren vom grünen Tisch in Fehde. Eines Jahres verheerten Raupen die märkischen Kiefern, und die Regierung in Potsdam sandte zu ihrer Vertilgung gutgemeinte, aber unbrauchbare Richtlinien aus. Auch der tolle Geist hatte sie erhalten, und er schrieb zurück:„Probatum est!! Ich bin in den Wald gegangen und habe den Kienraupen das Reskript einer Kgl. Regierung vorgelesen. Und siehe da: Die Raupen haben sich sämtlich tot gelacht." * Dem Geist von Beeren paßten die Reformen des großen Albrecht von Thaer nicht in den Kram, und er schrieb eine Broschüre unter dem Titel:„Die preußische Landwirtschaft ohne Teer“. Seine Gegner aber gaben nicht klein bei, und ihre Erwiderung hatte den Titel:„Die preußische Landwirtschaft ohne Geist". F. U. Schotte bleibt Schotte! Sir Richard Flyton war vor etwa 100 Jahren einer der reichsten Männer in London. Dennoch verleugnete er seine schottische Abstammung nie und trug seine Anzüge geSCMACM Schachaufgabe von H. Berkenbusch 2. Niederbayrisches internationales Problemturnier, 3. Preis Matt in zwei Zügen Silbenrätsel Aus den Silben: a— ba— blem— cas— di— e— em— fet— garn— gel— in— 31— 01— 01— 1131— 191— 91— 91— v1 mei— mel— ne— ne— ne— on— pel— rie — schi— sel— sev— sis— te— tra— un— un— zucht sind 14 Wörter zu bilden, deren erste und letzte Buchstaben von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort ergeben: 1. Sinnbild, Abzeichen, 2. Zuchtmethode, 3. Göttin der Gerechtigkeit. 4. Oper von Lortzing, 5. Stadt in Italien, 6. deutscher Dichter, 7. Kanonengestell, 8. europ. Staat, 9. Oper von Strauß, 10. Stadt in Hessen=Nassau, 11. Quecksilberverbindung, 12. Wärmeeinheit, 13. türk. Unteroffizier, 14. Stadt an der Elbe. Geheimschrifträtsel 12 7 13 13 1 5 10 11 14 5 7 9 7 15 6 7 15 3 13 5 7 32 13 14 17 15 7 3374 13, 5 1 6 7 1 17 7 5 13 12 15 13 14 7 4. 14 211 157 1775137 S 4715 13 14 7 11 2 16 7 13. Schlüsselwörter: 1. 1 2 324 56 7 4 Krankenpfleger, 2. 8 9 7 10 11 6 7 Hautkrankheit. 3. 12 5 13 14 2 15 Stadt in Baden, 4. 16 4 15 10 17 13 7 4 bedeutend. Komponist. Die Auflösung ergibt einen Sinnspruch von Thackeray. Rösselsprung Gitterrätsel aaaaaubbbecddeeeeeeefff ggabiiikllInnnnrsssttun Die Buchstaben sind in obenstehende Figur so einzufügen, daß Wörter folgender Bedeutung entstehen: 1 Stadtsicherung, 2 gegnerische Einstellung, 3 Organ des Körvers, 4 schlesische Stadt mit Kurort, 5 Schmuckstein(Axinit), 6 Wohlbefinden, 7. Sterbeort Ulrich von Huttens(au ist ein Buchstabe). Bilderrätsel Geschäftstüchtigkeit in USA. „Großartig! Wundervoll!— Der sollte dreitausend Kilowatt erzeugen!“(Judge, Newyork.) (Scherl=Bilderdienst—.) wöhnlich so lange, bis sie als fadenscheinige Säcke um seinen hageren Körper hingen. Der Sohn Sir Flytons verfiel schließlich auf eine List, um die Garderobe seines allzu sparsamen Vaters zu verbessern. Er bestellte bei seinem Schneider einen prächtigen Anzug für 20 Pfund und schickte ihn durch einen hausierenden Kleiderhändler seinem Vater, dem er ihn zu einem unglaubwürdigen niedrigen Preis verkaufen sollte. „Denk Dir“, sprach Sir Flyton am anderen Tage händereibend zu seinem Sohn,„ich habe einen guten Handel gemacht: gestern kaufte ich einen Anzug für 5 Pfund und diesen Morgen habe ich ihn für 10 Pfund wieder verkauft...“ Hallo, wo bist du denn gewesen?“ rief ein Mann aus, als er seinen Freund in der Stadt traf.„Ich habe meine Frau zur Bahn gebracht, die für einen Monat in Ferien gereist ist.“—„Aber du hast ja kohlschwarze Hände?" —„Ja, ich habe die Lokomotive gestreichelt.“ * „Ach, Walter“, rief die junge Dame, als sie an den Strand kamen,„ich habe ja meine Zigarettenschachtel vergessen!“—„Das macht nichts“, sagte der junge Mann,„ich habe ja genug Zigaretten bei mir.“—„Nicht deswegen. Aber mein Badekostüm war doch in der Schachtel.“ Auflösung aus voriger Nummer Schachaufgabe von Frhr. v. Holzhausen(1) 1. De6—66(droht Lf7 nebst Das matt)...... Th1—56; 2. Da6—f7. Th6—h1(oder beliebig auf der=Linie). 3. La8—h7 nebst matt auf fs oder g8. Ein sehr feines Ideenproblem. Es scheitert sofortiges Df7 an Thé; 2. Lh7. To6! und der Turm kann nicht genommen werden. Silbenrätsel 1 Engagement, 2 Rea Silvia, 3 Syndikat. 4 Trafalgar. 5 Honolulu, 6 Arroganz, 7 Lokomo= bile, 8 Tegetthoff. 9 Estomihi, 10 Rosinante, 11 Amphitheater, 12 Trelleborg, 13 Devutation. 14 Argentinien.— Erst halte Rat, dann greife zur Tat. Kreuzworträtsel Waagerecht: 7 Mara, 8 Ares, 10 As. 11 Uli. 13 Se, 14 Tee, 16 Ute, 18 Oma, 20 Isa. 22 so. 23 Lek, 25 an. 26 Esse, 28 Uran.— Senkrecht: 1 Fase, 2 Jr. 3 Sau, 4 Hai, 5 er. 6 Rest, 15 Ena. 16 Uri, 19 Most, 21 Saar, 23 Leu, 24 Kuh. 27 „Sa, 29 Re.— 1, 17 und 30 waagerecht: Fischer, Notar. Taucher: 7, 9 und 12 senkrecht: Matrose. Seemann, Lotse. Treppenrätsel 1 a) Mode, 5) r. c) Moder: 2 a) Gas. b) se c) Gasse: 3a) Beg. 5) As. c) Begas: 4 a) zu. b) Ave. c) Zuave: 5 a) Be. b) Ton. c) Beton: 6 a) A. b) Gent, c) Agent. Zahlenrätsel Olympia, Lessing, Opsilon, Mailand, Pegasus, Isolani, Admiral. Teschräste.. unn Gen großen=Aoulg Der Rialador des Preupeinongs Die Geschichte eines abenteuerlichen Lebens/ Von Dr. Hans Sieen=Lübeck In der breiten Rheinebene liegt im Jahre 1733 die Reichsarmee unter dem Prinzen Eugen und langweilt sich aus ganzem Herzen. Zwar hat man ein paar Dutzend hohe Fürstlichkeiten im Lager, ist aber trotzdem viel zu schwach, um die Franzosen anzugreifen, die sich gemächlich vor Philippsburg gelegt haben. Und in diese eintönigen Tage platzt eine kleine Sensation. Kommt doch auf schäumendem Pferd ein junger französischer Offizier auf die Vorposten der Reichsarmee zugeritten, wünscht sofort dem Prinzen Eugen vorgeführt zu werden und gibt diesem, als sein Verlangen gewährt wird, einen Brief sämtlicher Offiziere des ehrenwerten Regiments Bourbonnais, die darin die Tapferkeit des Franz Egmont de Chasot ehrenwörtlich bestätigen. Der Prinz Eugen läßt sich die Geschichte des jungen Ausreißers erzählen. Der Frechdachs hat sich im französischen Lager über das Benehmen einiger Pariser Stutzer geärgert. Es gab eine Forderung auf Degen, wobei der Kontrahent des jungen Chasot tot auf dem Platze blieb. Da nun zum Unglück der Getötete ein Verwandter des französischen Generals war, blieb dem jungen Offizier nichts anderes übrig als die Flucht. Der Prinz Eugen lächelt in sich hinein. Solche Draufgänger kann er gebrauchen. Soll der junge Herr Chasot nur bei ihm bleiben, und, damit er sich nicht so allein fühlt, macht der Prinz von Savoyen ihn bekannt mit einem anderen charmanten jungen Mann. Es ist der Prinz Friedrich von Preußen, den sein Vater an den Rhein geschickt hat, damit er sich mit dem Geruch von Pulver ein wenig vertraut mache. Die beiden jungen Offiziere werden bald gute Freunde, und als eines Tades der Prinz Friedrich wieder in Berlin ankommt, sieht man in seiner Begleitung einen jungen Mann, der etwas erstannt um sich sieht Ein Herr von Chasot. Niemand ist ihm böse. Die beiden jungen Leute rechnen damit, daß es im Frühjahr wieder an den Rhein geht, aber der bärbeißige königliche Vater hat keine große Meinung mehr für die Reichsarmee. Der Fritz soll sich sein Preußen ansehen, meint er, und schickt ihn auf eine zweimonatige„Lustreise" durch die Mark. Fritz ist sehr böse. „Preußen ist nur ein wenig anständiger als Sibirien!“ schreibt er seiner Schwester nach Bayrenth. Aber er hat ja den jungen Chasot, der soll ihm die öden Tage verschönen. So schaukelt denn eines Tages eine Reisekutsche durch den märkischen Sand und kommt nach mancherlei Irrwegen in die Gegend von Neuruppin. Hier gefällt es den jungen Schwärmern. Rheinsberg heißt der Flecken... Als später der Prinz sich verheirat, wird dort ein Schloß gebaut, und es entsteht ein Zirkel beachtlicher Persönlichkeiten, die dem jungen Schöngeist die Tage verschönen. Da ist der Freiherr von Keyserling, der Graf Manteuffel, da ist aber auch Chasot, den der junge Prinz seinen„Matador“ nennt. Königliche Spetsen, göttliche Weine, himmlische Musik, herrliche Spaziergänge, Wasserfahrten, Literatur, schöne Künste"— das alles zählt der hingerissene Chronist auf. Aber Friedrich wird König, und die Parkwege von Rheinsberg veröden. Aus dem Kavalier Chasot ist ein Kommandeur der Jäger geworden, einer neuen Truppe, die zum Schwärmen verwendet werden soll. Bei Mollwitz kann Chasot zeigen, was für ein Soldat in dem verspielten Hofmann steckt. Die Oesterreicher haben mit ihrer Attacke Glück gehabt, sind durch die preußischen Linien hindurch und sprengen auf den Hügel zu, auf dem der König die Schlacht beobachtet. Im wilden Getümmel sprengt ein österreichischer Dragoneroffizier heran.„Wo ist der König?“ ruft er. Chasot erkennt die ungeheure Gefahr, in der Friedrich schwebt. Er sprengt vor und ruft: „Hier!“. Ein schwerer Pallasch zerschlägt ihm die Stirn, blutend sinkt er vom Pferd aber der König ist aus der Gefahrzone. Als es dann später Chasot gelingt, die gesamte Bagage bei einem anderen Treffen vor der Beschlagnahme zu retten, verleiht ihm Friedrich den Orden Pour le Mérite. Nach dem Friedensschluß wird Chasot Major der Bayreuther Dragoner und erhält die Amtshauptmannschaft Köslin. Alles könnte eitel Sonnenschein um Herrn Chasot sein, da ziehen dunkle Wolken auf. Lebt da noch im Regiment Bayreuth ein Pole mit unaussprechlichem Namen, dem Chasot nicht aufs Fell sehen kann. Beide schikanieren sich nach Noten, bis schließlich in Pasewalk die Degen aus der Scheide fliegen. Der Pole fällt, Chasot flieht schwer verwundet nach Mecklenburg. Der König aber tobt und läßt den Duellanten zu sich kommen. Alle Freundschaft ist vergessen, Chasot kommt in den Spandauer Festungsturm, wo er eine gute Weile unter der Obhut des Herrn von Kleist ein beengtes Dasein führt. Als dann schließlich Friedrich den Missetäter begnadigt, ist dessen Lebenshunger doppelt groß. Die Barberina wird seine Favoritin, in allen Berliner Salons ist Chasot gern gesehen. Nur einen Fehler hat er: für preußische Verhältnisse braucht er zuviel Geld. Umsonst warnt ihn Voltaire, eines Tages bittet er Friedrich um das Gut Neuhaus bei Fürstenberg, da seine Einnahmen nicht reichten. Er sagt das aber nicht mehr dem verspielten Prinzen aus den Rheinberger Tagen, sondern dem schon recht verbitterten. Alten Fritz, von dem er nun eine Abfuhr nach Strich und Faden bezieht. Chasot ist gekränkt, stellt sich krank und fährt schmollend nach Frankreich. Ludwig XV. bittet wenig später um die Entlassung Chasots aus preußischen Diensten. Friedrich aber ist tief in seinem Herzen getroffen. Den Leichtsinn hätte er Chasot immer verziehen: das Abschiedsgesuch, durch den französischen König vorgebracht, faßt er als einen Vertrauensbruch auf. Nicht einmal die„Berlinischen Nachrichten“ dürfen noch eine Zeile über den ungetreuen Freund bringen, seine Güter werden konfisziert. Mit keinem Satz der Bibel war er mehr einverstanden als mit dem, daß der Mensch von Jugend an böse wäre. Einmal wenigstens in seinem Leben müßte er derb durchgeschüttelt werden, dann könnte er zu einem Kerl heranwachsen. Aus Christian Höfer war ein Kerl geworden, anders stünde er wohl nicht als Erbschulze im Regiment der Kolonie Friedrichsfelde, und der König Rex selber hatte ihn dazu gemacht. Aber davon, wie er einmal durchgerüttelt worden, sprach er nur an ganz hohen Festtagen. Und heute war so ein Festtag, denn der Alte Fritz war durch die Kolonie gefahren. „Was, der lange Höfer, Grenadier im Regiment Dohna, lebt Er auch noch? Ist Er noch nicht gestorben? Das freut mich, daß Er noch da ist.“ Das hatte der König gesagt. Sie hatten es alle gehört, und nächst dem König war der Erbschulze der Held des Tages. Da erzählte er es allen, die den Tag im Kruge feierten. Bie Zorndorf war es gewesen, wo die Russen schließlich doch die Schmiere erhielten, die sie so lange verdient hatten. Das Regiment Dohna war von Anfang an geegn die Russen marschiert. Das Regiment wußte nichts vom König und nichts von der Art seiner Soldaten. In den ersten Kriegen hatte es noch gar nicht bestanden, auch im dritten nichts von Prag, von Roßbach und Leuthen erlebt. Die Soldaten waren nicht mit dem Alten durch die Schule des Unglücks von Kolin gegangen. Das mußte zur Entschuldigung gesagt werden, wenn es eine Entschuldigung dafür ist, daß der Mensch von Jugend an böse und der Soldat von Natur ein Hundsfott ist. Nun mußte sie der König in seine harte Schule nehmen. Ein kurzer Kriegsgericht fand nach dem Tage von Zorndorf statt, zwanzig Mann vom Regiment Dohna wurden zum Tode durch Erschießen verurteilt. Der Alte Fritz hatte jede Begnadigung abgelehnt. Und Christian Höfer war einer von den Zwanzig. Er sprach aber nicht gern davon, wie das kam. Es war da eine Batterie vor dem Eingang Man solle denken, das Kapitil Chasot wäre nun in der Lebensgeschichte Friedrichs beendet. Allein nach langen Jahren liegt der Alte Fritz bei Dresden im Feldlager, als eine recht charmante junge Dame des Weges fährt. Der König erkundigt sich, wer das sei. Und die junge Dame, beglückt, den König kennen zu lernen, erzählt ihm, sie sei die Tochter des Malers Torelli und fahre jetzt nach Lübeck, wo sie die Frau des Stadtkommandanten Chasot zu werden gedenke. Das schlägt beim Alten Fritz wie ein Blitz ein. Der Teufel! Wollte der Chasot, sein Altersgefährte, jetzt noch heiraten! War es denn wirklich der in Ungnade geschiedene Freund? Camilla Torelli aber überraschte ihn mit einer originellen Geschichte. Lange Jahre sei ihr zukünftiger Gemahl dort oben in Lübeck schon Stadtkommandant. Niemals hätten ihn Frauen sonderlich gefesselt, bis eines Tages bei einem Bankett zu Ehren eines dänischen Königs der Stadtkommandant ihren Vater, den bei der Ausmalung des Rathauses beschäftigten Porträtisten Torelli, kennen gelernt habe. Der Maler habe eine Miniatur seiner Tochter bei sich getragen. Kaum aber habe der Stadtkommandant dieses Bild gesehen, als er binnen Stundenfrist den Maler dazu veranlaßt habe, sofort einen Eilkurier eines Dorfes gewesen. Natürlich konnte man die für einen verlorenen Haufen ansehen, die den Befehl erhielten, geradewegs sie zu nehmen. Und weil Leutnant und Fähnrich gleich am Anfang gefallen waren, hatte der junge Korporal Schmitz die Führung. Der aber fing damit an, und der Hundsfott, der in jedem Soldaten von Anfang steckt, wurde in ihnen allen mächtig. Sie wichen zur Seite aus und retteten ihr Leben, zwanzig Mann vom Regiment Dohna. Und das vor den Augen des Königs. Der mußte ein Exempel statuieren. Gern tat er's nicht, aber weil er hart gegen sich selber war, durfte er hart gegen seine Kinder sein. Das Regiment stand im Karree. Den Zwanzig waren Waffen und Uniformrock genommen. Das Peloton der Exekution wartete auf den Befehl des Hauptmanns. stand mit blankem Degen in der Hand, und der Degen zitterte, und das Gesicht war grau. Graf Dohna hatte„Still gestanden!“ kommandiert, mit einer brüchigen Stimme. Da kam der König. Er beachtete den Grafen Dohna nicht, der vom Pferde sprang und den König grüßte. Er achtete auch des Hauptmanns von Skalitz nicht, der den Degen fallen ließ. Er stapfte mit seinen steifen Beinen auf die Zwanzig zu, und dann stand er vor ihnen und verschränkte die Arme. Der Krückstock schaukelte an seinem Handgelenk. Und er stand lange. Das Feld von Zorndorf im Karree des Regiments Dohna erstarrte. Einmal jankte ein Lederriemen, einmal war da ein unterdrücktes Schluchzen. Der König sah einen jeden von den Zwanzig in die Augen. Da war einer, der zusammensackte. Da war der linke Flügelmann, der dem Blick standhielt. Christian Höfer war das. „Kerls!“ schallt der König.„Wie Hundsfötter habt ihr gehandelt und den Tod verdient. Ich kann Leute wie euch nicht gebrauchen.“ Und machte eine lange Pause. Es war da einer, den der Nebenmann halten mußte; einer, der dem König ins Auge sah. Christian Höfer war das und wollte sterben.„Der Schloß Sanssouci das Friedrich der Große erbaute und in dem er am 17. August 1786 starb. Cxekutol fridericus-Skizze von Eilhard Erich Dauls Deutsches Land Schuf nicht Gott das Heer der Sterne, Schuf er nicht die breiten Flüsse, Schuf er nicht die weite Ferne Und die reichen Regengüsse? Schuf er nicht das große Schweigen In dem Ziehen einer Wolke? Gab er nicht dies Land zu eigen Einem arbeitsstarken Volke? Wälder pflanzen wir und roden, Wenn die blanken Axte schallen. Land, wir pflügen deinen Boden, Schmieden Stahl in weiten Hallen. Gott, du läßt die Sterne strahlen, Läßt die Stürme dunkel brausen. Höre unsre Mühlen mahlen Und die Walzen surrn und sausen! Aus der Brache, aus dem Kolke Hebt sich Land zu neuen Saaten. Gott, wir dienen unserm Volke Mit den Hämmern, mit den Spaten. Ferdinand Oppenberg nach Dresden zu senden, da er fest entschlossen sei, die Tochter nach der Miniatur zu ehelichen.„Mein Vater hat es befohlen, und da bin ich jetzt unterwegs!“ das waren ihre Abschiedsworte, die der sprachlose König hörte. Es ist nur ein Jahr vergangen, da sitzt der preußische König am Abend im Zelt bei Meißen. Mit seinen schweren Fingern schreibt er ein Billet an den Herrn Chasot nach Lübeck: „Mein lieber Chasot, ich nehme gerne den Rekruten, der Ihnen das Leben verdankt, an und werde mit Freuden der Pate Ihres Kindes sein.“ Dieser kleine Rekrut aber hat den Faden geknüpft, der sich wieder zwischen Potsdam und Lübeck spannt. Oft fährt Chasot nach Potsdam. Er trifft einen alten König, der verlassen von allen Freunden, verbittert und einsam an vergangene Tage zurückdenkt. Das sind die ruhigen besinnlichen Tage von Sanssouci, wenn Chasot seinen königlichen Freund„vom Luxus der Herren Kaufleute der Lübecker Börde, von dem großen Travenstrom“ berichtet, wie Friedrich in einem Brief schreibt. So brachte die Einsamkeit des Alters zwei Freunde wieder zusammen, die sich im Drang der Mannsjahre verloren hatten. Chasot hat den großen König um mehrere Jahre überlebt. Er hinterließ zwei Söhne, von denen der zweite unter Blücher im Befreiungskriege den Pour le Mérite erstritt. Nach dem Schillschen Unternehmen ging er nach Rußland, wo er in den Armen von Arndt und Stein am Tyhus starb. Damit war ein Geschlecht erloschen, das seinen Ursprung in der Normandie hatte, dessen letzte Glieder aber durch seltsame Schicksalsfügung als tapfere deutsche Offiziere im ehrwürdigen Lübecker Dom ruhen. Rädelsführer soll vortreten, die anderen sollen davonkommen.“ Es war da keiner im Regiment Dohna, der zu atmen wagte. Christian Höfer sah auf seinen König. Einmal ruckte sein Auge hinüber zu dem Korporal Schmitz, der den Anfang gemacht hatte. Der Korporal ließ den Kopf hängen und deckte die Hand über die Augen. Aber er rührte sich nicht. Da trat Christian Höfer vor. Drei Schritte vor dem König baute er sich auf und ließ den Blick nicht von den Augen des Königs. Aber wie der König sprechen wollte, geschah das Unerwartete. Einer von den zwanzig stand in der Reihe. Da waren es achtzehn, die sich neben ihren rechten Flügelmann vor dem König aufbauten. Der eine, der allein zurückblieb, mit gesenkte mKopf, die Hand vor den entsetzten Augen, war der Korporal Schmitz, der doch damit angefangen hatte. Ach, nun ging ein Aufatmen schon durch das ganze Regiment. Hauptmann von Skalitz faßte seinen Degen fester. Es kam wieder Farbe in das graue Gesicht des Grafen Dohna. Des Königs Augen strahlten. „So seid ihr Kerls die verdammten Rädels alle. So habt ihr auch die Erlaubnis verdient, euch für euren König totschießen zu lassen. Wie heißt Er?“ Und der König griff dem langen Flügelmann in das offene Hemd. Der antwortete, und heute hatte der Alte bewiesen, daß er so etwas nie vergaß.„Hab' Er Achtung, Dohna“, befahl der König,„geb' Er dem Christian Höfer Gelegenheit, sich auszuzeichnen!“ „Und der da hinten?“ höhnte der König. „Ist das der Unglückswurm und hat sich von all den Rädels verführen lassen. Geb' Er ihm Prügel, Dohna, und jag' Er ihn davon. Guten Morgen, Kinder!“ Das war's gewesen. „Lebt Er auch noch?“ Nichts vergaß der König.„Das freut mich, daß Er noch da ist.“ Der Mensch ist böse von Jugend an, war die Meinung des Erbschulzen von Friedrichsfelde, geschüttelt muß er werden, dann wächst er sich zu einem Kerl aus. Aber der König war es, der aus seinen Soldaten Helder machte. Das Polttischs Lestamen Feie dricht de3 Jum 150. Todestag des großen Königs am 17. August Seopel Von Dr. phil. Willy Andreas, Professor an der Universität heidelberg Friedrich der Große auf seinem bekannten Schimmel, der ihn durch alle Schlachten des Siebenjährigen Krieges trug. Wer Friedrichs des Großen tiefste Gedanken über Herrscheramt, Staat und Politik ungeschminkt und rückhaltlos kennen lernen will, wird stets zu seinem großen Testament von 1752 greifen. Dieses monumentale Werk ist geschrieben auf der Höhe persönlichster Lebensentfaltung, vier Jahre vor dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, mit dem es durch den verstorbenen Göttinger Historiker Max Lehmann fälschlich in inneren Zusammenhang gebracht: worden ist. Die reichsdeutsche, aber auch die österreichische Forschung hat dessen Versuch ziemlich geschlossen abgelehnt, aus einigen Bemerkungen des Testaments herauszulesen, daß Friedrig den Siebenjährigen Krieg als Angriffs=, krieg mit ausgesprochenem Eroberungsziel von langer Hand vorbereitet habe. Methodisch war dieser Schluß verfehlt, weil er sich auf einzelne aus dem Zusammenhang herausgerissene Sätze aufbaute. Sachlich wurde aber von den verschiedenen Seiten her der Beweis erbracht, daß Friedrich sich einer Einkreisung gegenübersah: Der König kam dem politischen Angriff durch den militärischen zuvor. Nicht von diesen Dingen soll hier die Rede sein, auch nicht von der auswärtigen Politik, die im zweiten Teil dieses Testaments den Gegenstand geistreicher und kühner Betrachtungen bildet, sondern von dem Problem der Staatsführung als solcher, das in der ersten Hälfte dieses denkwürdigen Dokuments vom König aufs eindringlichste behandelt wird. Es gibt ja einen vollkommenen Einblick in die Gedankenwerkstatt Friedrichs, in seine Ziele und Absichten auf allen Gebieten der Verwaltung, der inneren und äußeren Politik; die Staatsauffassung und Praxis des Königs treten uns in diesem Rechenschaftsbericht, der zugleich Instruktion für den Nachfolger ist, wie in einem klaren Spiegel entgegen. Umfangreich wie ein Buch, aber straff in Aufbau und Gedankenführung, trägt es den allgemeinen Stempel des friderizianischen Geistes an sich. Es ist ein Herrscher, der spricht; es ist aber auch ein Philosoph, der zur Feder greift, um seine letzwillige Verfügung zu treffen. Umspannend und planvoll ist die Sicht des Ganzen. Staatsbau und Verwaltung werden in alle Verästelungen und Teile des Getriebes hinein verfolgt, alle Bereiche der Reihe nach durchleuchtet. Das Testament hat eine Doppelnatur. Sofern es ja nicht bloß Rechenschaftsbericht sein will über das, was schon getan ist, sondern zugleich eine programmatische Anleitung für Dinge, die noch unvollendet oder erst ins Werk zu setzen sind. Es ist darin die ganze Unternehmungsfreude des aufgeklärten Absolutismus freilich verbunden mit einer ernsten Warnung vor den Müßiggängern und Nichtstuern, die man Projektemacher nenne. „Der Herrscher hat allen Anlaß, sich vor ihren schlechten Vorschlägen zu hüten. Sie führen zwar immerfort den Vorteil des Herrschers im Munde, aber recht besehen deckt sich dieser Vorteil mit dem Verlust und Ruin seiner Untertanen.“ Der systematische Grundzug des Testaments spricht sich in dem charakterischen Satz aus: „Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso fest gefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude...“„Ein System kann aber nur aus einem Kopfe entspringen; also muß es aus dem des Herrschers hervorgehen" fährt er fort. Bewundernswert ist die geduldige, planvolle Durcharbeitung des Stoffes in dem Testament! Man hat manchmal das Gefühl, daß der gestrenge Vater dem Sohn über die Schulter sieht. Berührungen sachlicher Art sind ja genug vorhanden in den obersten Richtlinien staatlicher Wirtschaftsführung. Nur sind die Maßnahmen und Ansätze Friedrich Wilhelms noch weiter und feiner ausgebaut. Alles greift wohl noch stärker ineinander als zuvor. Kurz aber eindrucksvoll ist das Kapitel über die Rechtspflege. Es enthält wesentlich Maximen der friderizianischen Regierung. Seinen Kern bildet die klare Ablehnung der Kabinettsjustiz: Die Sätze sind beachtenswert, sie lauten: „In eigener Person Recht zu sprechen ist eine Aufgabe, die kein Herrscher übernehmen kann— ein König von Preußen noch weniger als ein anderer.“ Ferner: „Ich habe mich entschlossen, niemals in den Lauf des gerichtlichen Verfahrens einzugreifen; denn in den Gerichtshöfen sollen die Gesetze sprechen, und der Herrscher soll schweigen. Aber dieses Stillschweigen hat mich doch nicht daran gehindert, die Augen offen zu halten und über die Aufführung der Richter zu wachen. So ist die Einrich= tung getroffen, daß zwei Räte des höchsten Gerichtshofes alle drei Jahre die Provinzen bereisen, die Aufführung der Richter zu prüfen und jeden, der sich etwas zuschulden kommen läßt, zur Anzeige zu bringen. Man darf mit dem Pflichtvergessenen kein alles selber tun und sehen! Er kann sich nur den Hauptgeschäften widmen und muß diese mit Sorgfalt leiten. Auch in Preußen gab es Fälle, wo sich die Bürokratie zwischen Staatsoberhaupt und Untertanen drängte und sogar weitgespannte wohlwollende Absichten des Königs hemmte. Der Abschnitt über die Erziehung des Thronfolgers gehört zum Erfahrungsreichsten und Weitschauendsten und Illusionslosesten, was über dieses Problem geschrieben worden ist. Er beginnt mit der schärfsten Kritik gegen alle Versuche, den Thronfolger mit dem leeren Gepränge der Repräsentation abzuspeisen, nur damit andere Organe— seien es etwa Minister, oder seien es Geistliche— an seiner Statt die wirkliche Macht ausüben können. In diesem Zusammenhange verwirft Friedrich auch, obwohl selbst ein Minister der feinen diplomatischen Form, das Zeremoniell, soweit es die Weltfremdheit des zukünftigen Monarchen begünstigt. Mit besonderer Schärfe geißelt er die Gefahr, daß geistliche Erzieher das Selbstbewußtsein des Zöglings knicken und ihn unsicher machen, um selber herrschen zu können. Aber auch Eltern, die den Prinzen zum Mustersohn machen wollen, kommen schlecht wegz „Die guten Leute begreifen nicht, daß er ein Trottel wäre, wenn er keine Leidenschaften hätte. Trotzdem wünschen wir sehnlichst, daß er leidenschaftslos sei. Sie wollen Am Sterbelager Friedrichs des Großen Erbarmen haben: Die Stimme der Witwen und Waisen fordert Vergeltung, die Sache des Fürsten ist es, die Beamten zu ihrer Pflicht anzuhalten und streng gegen die vorzugehen, die seine Autorität mißbrauchen und das öffentliche Vertrauen unter dem Vorwand von Recht und Gerechtigkeit täuschen.“ Es genügen freilich nach Friedrichs Meinung nicht allein die Verwaltungstugenden. Beim wahren Herrscher muß vor allem Menschenkenntnis hinzutreten. Es gilt jeden an den richtigen Platz zu stellen. Insbesondere in der Wahl der ersten und höchsten Ratgeber darf sich das Staatsoberhaupt nicht täuschen. „Soll ein Fürst selbst regieren?" Diese Frage, die der König zur Kapitelüberschrift erhebt, wird bejaht. Er spinnt hier nur seine Gedanken, die er bereits als Kronprinz im Antimachiavell vorgetragen hat, weiter aus. Die Selbstregiernug hat sowohl gegen Prinzen von Geblüt als auch gegen die Minister wachsam zu sein. „In einem Staate wie Preußen“, schreibt Friedrich,„ist es durchaus notwendig, daß der Herrscher seine Geschäfte selbst führt. Denn ist er klug, wird er nur dem Staatsinteresse folgen, das auch das seine ist. Ein Minister dagegen hat, sobald seine eigenen Interessen in Frage kommen, stets Nebenabsichten. Er besetzt alle Stellen mit seinen Kreaturen, statt verdienstvolle Leute zu befördern, und sucht sich durch die große Zahl derer, die er an sein Schicksal kettet, auf seinem Posten zu befestigen. Der Herrscher dagegen wird den Adel stützen, die Geistlichkeit in die gebührenden Schranken weisen, nicht dulden, daß Prinzen von Geblüt Ränke spinnen, und das Verdienst ohne jede eigennützigen Hintergedanken belohnen, die die Minister bei allen ihren Handlungen hegen.“ Friedrich ist sich aber völlig darüber klar gewesen, daß die Achillesferse des Selbstherrschertums die übermäßige Inanspruchnahme ist. Ein Fürst kann nicht Zeitgenössische Radierung von Bock. ihn zum Gelehrten erziehen und pfropfen ihm wahllos Gelehrsamkeit in den Kopf. Dafür verleiden sie ihm die Wissenschaft für immer oder machen ihn zum vollständigen Pedanten.— Um seine Sitten zu bessern, unterdrückten sie tyrannisch seine kleinsten Wünsche. Sie verlangen, daß er mit fünfzehn Jahren die Geistesbildung und die Reife des Urteils besitze, die die Franzosen nicht vor dem vierzigsten Jahre erlangen. Ja, er soll sich sogar in dem Augenblick verlieben, wo sein Vater es wünscht, in die Person, die er ausgewählt hat, und gegen die übrigen Frauen so kühl bleiben, wie Priamos gegen die schöne Helena. Die Folge solcher weisen Erziehung ist, daß der Prinz nach dieser Bevormundung ein ganz gewöhnlicher Mensch wird und nach seines Vaters Tode unter der Last der Regierung erliegt. Dergleichen habe ich während meines Lebens oft gesehen. Ja, mit Ausnahme der Königin von Ungarn und des Königs von Sardinien, deren Geist über ihre schlechte Erziehung triumphiert hat, sind alle Fürsten Europas nur erlauchte Trottel.“ Es ließe sich über die Ratschläge zur Erziehung des Thronfolgers viel für und viel wider sagen. Manche davon stehen im Schatten von Friedrichs eigenen Jugenderinnerungen — wenn er vor zu starker Gängelung warnt, wenn er davon abrät, die Kandare zu scharf anzuziehen und öfters betont, ein junger Mensch müsse sich selber etwas die Hörner abstoßen.— Ihn auf eigene Kosten klug werden zu lassen, wird von dem Könige öfters empfohlen. Im übrigen zielen alle Ratschläge auf Erzielung von wirklicher Kenntnis des Staates, der Wirtschaft und Verwaltung, der Gesetze und Rechtspflege auf ein erfolg= und kenntnisreiches Selbsthaushalten ab. Den Anregungen und der Schulung der Geschichte wird dabei viel Raum gelassen. Aus der Vergangenheit ist für die Gegenwart zu lernen. Besonders aus der Geschichte— so schreibt Friedrich— kann der Thronfolger im voraus erfahren, wie die„Nachwelt eines Tages über ihn urteilen wird". Vor allem wünscht er eine der eigenen friderizianischen und borussischen Ueberlieferung entsprechende volle militärische Durchbildung des Kronprinzen. Die Hauptsache ist, daß er kein„Theaterkönig“ werde, kein„erlauchter Müßiggänger, kein Götzenbild, dem die Oeffentlichkeit Weihrauch streut". Das ist einer der letzten Wünsche des Testaments. Man muß sich vor Augen halten, daß der große König für seine Person nach diesen Weisungen gehandelt hat. Sein Leben legt Zeugnis davon ab, und sein Privattestament, das dem politischen vorausging, verfügt ausdrücklich, daß er so, wie er gelebt habe, nämlich als Philosoph, ohne jedes Gepränge in aller Stille beigesetzt werden solle. Bis zum letzten Hauch aber galten seine Wünsche dem Staat.„Möchte er immer“, so klingt sein Bekenntnis aus,„mit Weisheit regiert werden. Möchten Gerechtigkeit und Tugend ohne Unterlaß in ihm herrschen. Möchte er das glücklichste und gesegnetste Reich der Erde werden und bis ans Ende der Zeiten fortbestehen.“ Der Kopf des Ohilosophen Eines der bedeutendsten Marmorbildwerke von Friedrich dem Grohen von Professor Hermann Hosacus in der Deutschen Bücherei WestsuteneJnp... Seint Scgeistag In der Segelfliegerschule Borkenberge- Ein heißer Schulungstag für westfälische Fliegerbabus Vor dem Start gerlichen Arbeits= und Berufsstätten für die dreieinhalbwöchige Schulung in der=Klasse der Segelfliegerei verlassen. Diesmal aber hat es geklappt, einen verhältnismäßig starken Kursus aufzuziehen und mit Volldampf an die Arbeit zu gehen. Eben sitzen sie in ihren blauen Trainingsanzügen im Lehrraum der Schule und folgen aufmerksam einem Vortrag über Flugzeugmotoren, der an Bildtafeln und Zeichnungen demonstriert wird. In einer Skunde wird der Unterricht beendet sein, und dann geht's hinaus auf die Hänge, die schon tagelang unter fruchtbarsten Winden liegen. Da wir mit der grauen Theorie nicht mehr als eben nötig zu tun haben wollen, machen Tagesabschluß im fröhlichen Kreis wir einen Streifzug durch das Gelände und besichtigen unter Führung des technischen Leiters die sauber und zweckmäßig eingerichteten Unterkunftsräume, den Lese= und Schreibraum, die Küche, den Schuppen für die zwei Klemm=Motorflugzeuge(die Schlepper), und die geräumige Werkstatt für Segelflugzeuge. Den hier beschäftigten Technikern, die beim Ausbessern und Überholen der für den Rhönwettbewerb angemeldeten Apparate(3 Adler und 1 Sperber) sind, sieht man es in ihren verdreckten Leinenkitteln nicht an, daß es zugleich wind= und wettererfahrene Piloten sind, die ihre drei Möwen, den Leistungsnachweis für die=Klasse, am Rockkragen tragen. Sie hobeln und sägen, klopfen und nieten, verpassen ihren Schützlingen neue Windschutzhauben, die den Segelfliegern größere Bewegungsfreiheit gestatten, tauschen Sperrhölzer aus, prüfen Steuerung und Verwindung und Auf dem weiten Gelände der Segelfliegerschule Borkenberge herrscht in diesen Sommerwochen reger Betrieb. Eine junge Mannschaft, bestehend aus 125 Segelfliegerschülern, die hier aus den Flugscharen der Hitlerjugend ganz Westfalens zusammengekommen sind, betätigen sich nicht zuletzt als Verschönerungswird von erfahrenen Lehrern in die Anfangs= räte, indem sie die schlanken Rümpfe auf gründe des herrlichen Sports eingeweiht. Die kanariengelben Ton abstimmen. Früher hat Tage und Wochen, die die Sechzehn= bis Acht= man die zur Schulung benötigten zehn= und zehnjährigen in der Einsamkeit des Sandes, zwölfmeterigen Segelflug=Zöglinge selber geder Heide und der Kiefernforsten zubringen, baut, hat jedoch das Selbstversorgerprinzip stellt harte Anforderungen in körperlicher und inzwischen aufgegeben, da die einschlägigen geistiger Hinsicht. Sie sind dereinst berufen, Fabriken besser und rationeller arbeiten. im deutschen Flugwesen Führerstellungen einzunehmen, und sie sind sich bewußt, daß ein solches Ziel Opfer erfordert und Leistungen verlangt, die über dem Durchschnitt liegen. Abgesehen von der Anfängerschulung, die zum Hauptarheitsprogramm Borkenberges gehört, ist die kleine, versteckt gelegene Fliegersiedlung Sitz der einzigen in Deutschland bestehenden Reichs=Segelflug=Führerschule, deren erster Lehrgang im Februar d. J. durch den Reichsluftsportführer, Oberst Mahncke, eröffnet wurde. Die Aufgaben dieser Schule erstrecken sich auf nahezu alle Gebiete der Fliegerei, theoretische und praktische; der Unterrichtsplan umfaßt außer der volkssportlichen und weltanschaulichen Schulung flughandwerkliche wetterkundliche, nachrichtentechnische und sonstige Ausbildungsarten. Die Teilnehmer der Kurse setzen sich zusammen aus Leitern der Reichsführerschulen, Ortsgruppenführern des Deutschen Luftsportverbandes, Segelfliegern der Landesgruppen, Übungsstellenleitern, Segelflugreferenten, Jugendreferenten, Flugsachverständigen bei den Gebietsführungen der Hitlerjugend, sowie aus alten erfahrenen Kriegs= und Militärfliegern, die gern noch einmal die Schulbank drücken. Bei den jungen westfälischen Segelflugschülern, unter denen sich Osnabrücker, Münsteraner, Dortmunder, Wattenscheider, Bochumer, Gelsenkirchener, Hagener, Hammer und Bielefelder Jungens befinden, haben wir ein paar Nachmittage zugebracht, ihr Tagesprogramm kennen gelernt und mit vielen von ihnen gesprochen. Nicht immer können sie sich in so großer Anzahl einfinden und ihre bürEine romantische Abwechslung in das längs der Straße gelegene Schuppen=Einerlei bringt außer der schmucken Reichsführerschule und dem Verwaltungsgebäude ein altes, um 1790 erhautes westfälisches Bauernhaus, das nach hier verpflanzt wurde und mit seinen anheimelnden Räumlichkeiten als Kantine dient. Ehrensache, daß der große Zapfhahn nur Apfelmost, der sich unter dem Namen„Geländebier" besonderer Wertschätzung erfreut, spendet. Trunkenbolde und solche, die dem Teufelchen Alkohol auch nur den kleinsten Finger reichen, kann man im Fliegerlager nicht gebrauchen. Inzwischen sind die Jungens aus dem Unterricht entlassen, in drei Abteilungen zu je etwa 40 Mann angetreten. Ein kurzes Kommando, die Lagerkapelle, bestehend aus dem jüngsten, aber schneidigsten Fiedler=Fliegersmann, zwei Treckebündeln und zwei Schnutenorganisten, setzt sich an die Spitze des Zuges, und dann geht es den Hängen des Steinberges entgegen, den Schulungsplätzen der =Klasse. Wolkenlos ist der weite Himmel über dem Gelände ausgespannt. Langsam schwingt die mit Gras, Sandhafer und Heidebüschen bestandene Ebene nach oben, auf der langgestreckten Kuppe wehen in Abständen von 20 zu 20 Meter die kleinen weißen Startflaggen. Die erste Abteilung ist angelangt. Zwei Startmannschaften werden gebildet, und während die anderen Abteilungen, kleiner werdend, um die Hangkurve unseren Blicken entschwinden, wird der erste Kahn, ein altgedienter Zehnmeter=Zögling, von einem Dutzend kräftigen Jungens auf die Kuppe geschleppt und gezogen. Wie die Wolgaschiffer hängen schmalen Leiber am Zugseil und bringen die die M Im Segelflugzeug über den Borkenbergen (Aufnahmen: Muthherr) Ein Wanderer lauscht den Waldgeistern der Sohen“ Tatra Von Margarete Jentsch Wer in den wundervollen Bergen der Hohen Tatra wandert, hingezaubert in wilde Schluchten und majestätische Berghöhen oder in die Uferlandschaft eines plötzlich aufschimZips— man möchte dieses Ländchen„KleinDeutschland“ nennen— sammelte diese Sagen aus alten Hauskalendern und mündlichen Ueberlieferungen. Das Büchlein ist längst vergriffen. Nach vielem Suchen fand ich indessen ein Exemplar bei einem deutschen Professor in Kesmark. Die„Schatzkammer Gottes“ In jener Gegend, wo die Lomnitzer Spitze ihre Zinken gen Himmel streckt, steht eine Felsonarnnne im Valkamund die sieben Türme“ Schritten über Felsen und Täler hinweg, von einer Bergspitze zur andern, und hält die Schlüssel zur„Schatzkammer Gottes“ in seiner Hand. Zu den Menschen, die ihm begegnen, ist er bald freundlich, bald mürrisch. Ist der Mönch besonders guter Laune, so bietet er dem Wandersmann wohl auch die zur Schatzkammer Gottes an. Der mernden Bergsees, dem wird die Einsamkeit sengeuppe, im Voltsmund„Die seben Turne zur königlichen Gefährtin. Je höher er steigt, genannt. Unweit davon erhebt sich eine andesto stiller wird der Wald mit seinem Vogel, dere Gruppe, die unter dem Namen„der polgezwitscher, seinem Käfersummen und Mücken.:::#tr:, spiel. Die köstlichen, blumenbesäten Waldwiesen verschwinden. Knorriges Krummholz führt in die Regionen der Feldschroffen, der Gründe und Gesteine. Kaum ersteigbare Bergzacken scheinen ganz nahe. Firnschnee leuchtet. An geschutztem Ort blüht das Edelweiß, liegt der Horst des Adlers. Tief unten, bis zur Grenze des weiten Horizonts, schimmern im Lichtblau der Luft die wald= und hügelreichen Tallandschaften des Poprad und Hernad. Dort drüben in wildromantischer Naturschönheit ist auch die Welt alter Geschichten und Sagen. Sie sind leider nur wenig bekannt. Ein Lehrer in der deutschsprachigen nische Monch“ vekannt ist. Im Innern der Sieben Türme liegen unermeßliche Schätze verborgen. Da ist alles golden: Bäume, Früchte, Trauben und Tiere. Goldene Hühner brüten auf goldenen Eiern, goldene Kätzchen spielen, wundersame Goldvögel fliegen umher. Den Ort, wo all diese Schätze aufbewahrt sind, nennt das Volk„die Schatzkammer Gottes“. Ein Kruzifix und die zwölf Apostel aus lauterem Golde sind das kostbarste Kleinod dieser„Schatzkammer“. Der„Mönch“ ist der Hüter all dieser Schätze. Meist steht er da als ein lebloser Felsen. In manchen Nächten aber pocht Leben im Stein. Dann schreitet er mit langen Schlüssel z. Glückliche mag dann hineingehen und von den umherliegenden Schätzen nehmen, soviel er will. Nimmt er nun viel oder wenig, in jedem Falle wird er glücklich sein ganzes Leben hindurch. Wehe dem aber, der das Kruzifix oder die zwölf Apostel berührt! Der Frevler wird vom Mönch erschlagen. Noch schlimmer ist derjenige daran, der, in der „Schatzkammer Gottes“ verweilend, den Schlag der Mitternachtsstunde versäumt, denn mit dem ersten Schlage schließt sich dröhnend das Tor. Der Säumige ist lebendig begraben und dem Hungertode verfallen, wenn es nicht in den nächsten Tagen einem Menschenkinde glückt, in die Schatzkammer Gottes zu gelangen und den Unglücklichen zu befreien. Gewöhnlich dauert es viele Jahre, selbst Jahrhunderte, bis einem Sterblichen das Glück zuteil wird, die wunderbare Felsenkammer zu betreten. zweieinhalb Zentner, die so ein Ding immerhin wiegt, auf dem Karren nach oben. Jetzt steht der„Guck in die Welt“ mit dem kielschlanken eisenbewehrten Holm auf der Höhe, er federt ordentlich in dem fetten, rötlich dunklen Sand, über den er gleich hinweggleiten wird, um die zwischen roten Landemarkierungen erkennbare Lichtung zu erreichen, die etwa 500 Meter uns gegenüber bei einem Höhenunterschied von schätzungsweise 15 bis 16 Meter in Tannenschonungen eingebettet liegt. Nun kann die Sache losgehen. Der doppelarmige Gummizug wird vorn in die eiserne Nase eingehängt. Mit kritischem Blick steht der Fluglehrer daneben. Ein gutgezielter Fußtritt, und die Seilverbindung ist wieder gelöst.„Wie oft soll ich euch sagen, daß erst eingeklinkt wird, wenn der Pilot am Steuerknüppel sitzt?“ ein schmächtiges Bürschchen stülpt sich einen riesigen Leder=Sturzhelm über das blonde Haar. Etwas schmal sind die Lippen, und etwas blaß sind sie auch, denn es geht zum ersten Start, zur ersten Mutprobe. Die Blicke schätzen die Entfernung ab. Man überfliegt sie schneller mit den Augen als mit den mächtigen Flügeldecken über sich und dem nackten Steuerknüppel in der Hand. Ist es nicht doch ein gewagtes Unterfangen, auf so einem Besenstiel mit„Gedöns“ durch die Luft zu reiten? Die ruhige Stimme des Lehrers verscheucht alle Bedenken. Er gibt die letzten Anweisungen.„Also ganz mit der Ruhe, passieren kann nichts. Wind steht fabelhaft, Gegenwind ist in Ordnung. Den Steuerknüppel könnte man euch direkt festnageln, und ihr müßtet trotzdem da hinten ankommen.“ Ein Blick noch auf die Seilmannschaft. Gut. Ein Blick auf die beiden Jungens am Gitterschwanz, die den Zögling halten sollen. Gut. Dann schreit das Segelfliegerbaby mit heller Stimme:„Startmannschaft!“ Von unten antwortet es:„Fertig!“ Schnell folgen die weiteren Kommandos: „Ausziehen... Laufen... Los!“ Knirschend gleitet der mit Bleirohren ausgewogene Holm über den Sand, jubelnd kreischt der Aufwind durch die Spanndrähte, das Seil klinkt aus, und wie von der Sehne abgeschossen braust der Zögling in sein Element. Wenige Sekunden später kurvt er unter dem rechten Tragdeck die Tannenschonung ab. Kommt er rüber, kommt er nicht rüber? Jetzt zieht er, zu stark, hoppla, ein Sprung nach oben, nun wie ein mutwilliges Pferdchen nach unten, aber da gleitet er schon. Er hat's geschafft. Unermüdlich sind die Jungens am Schleppen und Ziehen, am Starten und Landen. Mal ist ein aufgeregter Bock dabei, der abwechselnd seine Nase dem Himmel und der Erde zudreht. Anfängerkrankheiten.—„Steuerknüppel in Ruhe!“ faucht der Lehrer dem hitzigen Vogel nach, der sich dann auch schnell eines besseren besinnt und seine Kiste langsam ausbalanciert. Um 6 Uhr kommt das Sammelkommando. Abmarsch ins Lager. Essenfassen!!! Wie das gefaßt wird nach solchen Stunden, die, weiß der Himmel, nichts mit Spielerei und Alberei zu tun haben, kann sich jeder in entsprechenden Farben und Mengen nach Belieben ausmalen. Wer annehmen wollte, damit sei die Tagesarbeit zu Ende, ist übrigens schwer auf dem Holzwege. Uns zuliebe veranstalten die Jungens noch ein kleines Platzkonzert. Da sitzen sie alle im Kreis, die spitzen Käppis kokett auf dem Ohr, Kameraden, die sich auf einander verlassen können, kreuzgesunde westfälische Jungmänner, in denen die Führer von morgen und übermorgen stecken. Wir stehen noch im Gespräch mit ihnen, immer wieder hören wir aus den kargen Antworten das große Jungenserlebnis, das schon Pflicht und Dienst kennt und nicht nur am romantischen Abenteuer hängt, heraus, da ertönt das Kommando. Und wie am Frühnachmittag, so geht es auch jetzt im dunkelnden Abend mit Gesang den Hängen entgegen. Gleich werden sie, wenn wir durch die einsame Heide heimwärts fahren, wieder durch die Luft sausen, die jungen ABC=Schützen unseres Segelfliegersports. Heute Tchagenolwal im Langeldy. „Bei schlechtem Welter findel der Krieg im Saale statt!“ Wenn der Wettergott nur ein Einsehen hat und für die Obercastroper Schützen ein rechtes Sonntagwetter macht, dann wird es am Sonntagnachmittag im Langeloh einen gar lustigen Krieg im Frieden geben. Auf das SchützenManöver und noch mehr auf das anschließende Biwak freuen sich in der„Oberstadt“ groß und klein. Jeder erwartet nach den Vorbereitungen der zuständigen Stellen und dem Geraune, das von unterrichteten Kreisen geflissentlich genährt wird, für den Sonntagnachmittag in der„Obercastroper Schweiz“, wirklich„große Ereignisse“. Es brauchen sich nur zwei Obercastroper— ob Männlein oder Weiblein ist gleich— zu treffen, und schon ist die Rede vom großen Schützenausmarsch: „Wissen Sie schon, daß die„alten Dreizehner“ sich verschworen haben, dem Angriff der aktiven Schützenkompagnien ganz verzweifelten Widerstand bis zum letzten— Knallkork und zum letzten Tropfen— Zielwasser entgegenzusetzen?“ „Ja, und Tage lang haben sie schon geschuftet und geschanzt, um eine regelrechte Verteidigungsstellung auszuheben.“ „Sogar schwere— Artillerie soll eingreifen mit mächtigen Bumsköppen! Wer das Pulver nicht riechen kann, wird gut tun, sich die Ohren mit Watte oder Wachs zu verkleben, wenn er als Manövergast mit von der Partie sein will.“ „Ich habe sogar zuverlässig hinten herum erfahren, — Pst! Pst! das uns niemand hört!— daß selbst die Tankwaffe in den Kampf der Schützen eingreifen soll. Wie man sich den Tank fabriziert hat, ist mir allerdings ein Buch mit siebzehn Siegeln. Aber immerhin den Obercastroper Schützenbrüdern ist alles zuzutrauen.“ „Dann mag das, was ich von der Beteiligung eines Fliegergeschwaders hörte, schließlich auch nicht aus den Fingern gesogen sein?“ „Wo möglich hat man neulich bei dem Hochwasser durch den Obercastroper Bach gar eine Torpedobootsflot tille nach dem sicheren Hafen der Huckeborns gelotst, wo die„Seemacht“ nun darauf brennt, zum Angriff eingesetzt zu werden.“ „Ausgeschlossen ist das nicht! Wenn die Kanalisation nicht zu eng wäre, hätten die Obercastroper Schützen bestimmt ein paar=Boote auf diesem ungewöhnlichen Wege kommen lassen, um deren strategischen Wert bei ihrem Manöver zu erproben!“ „Junge, Junge, da kriegt der Oberstabsarzt Hahnen=Wilm aber Arbeit!“ „Schadet ihm gar nicht! Dann weiß er wenigstens. weshalb er die schönen dicken Achselstücke trägt, auf die er inn so stolz ist, daß er keine kleinen Leute mehr kennt.“ „Na, male den Deubel nicht so an die Wand!“ „Sei unbesorgt, so schlimm wird es schon nicht werden. Denn das ganze Manöver geht ja doch nach dem berühmten Grundsatz„Markieren, Herr Hauptmann, markieren!" vor sich.“ „Auf alle Fälle werden aber die„Manövergäste“. und„Schlachtenbummler“ einen tadellosen Eindruck vom famosen Kampfgeist der Obercastroper Schützen erhalten.“ „Ganz besonders, wenn sie sehen, wie sie die Goulaschkanonen stürmen und den in der Erbsensuppe schwimmenden Stücken vom toten Schwein zusetzen!“ „Auch auf dem„Feldherrnhügel“ dürfte es recht interessant werden, wenn S. M. Johann der Große und Major Schäfer und all die anderen hohen Härrns und Damens am Scherenfernrohr den Gesamtverlauf des Manövers verfolgen.“ „Worup de die verlaoten kanns!“ „Und dann erst die große Siegesparade vor dem Erlauchten Königspaar Johann und Hildegard. Kerl, was sollen die Beine fliegen!“ „Wirst du auch dein Glück am Schießstand versuchen?“ „Klar. wie Klärchen! Und dann geht's rin in den großen Rummel mit vielen Biermarken und flotter Blasmusik!“ „Hoffentlich wird das Wetter gut! Es wäre doch schade, wenn alle Vorbereitungen, die im Freien getroffen wurden, umsonst sein sollten, und der „Krieg im Saale“ bei Brune stattfinden müßte.“ „Wir wollen das Beste hoffen! Auf Wiedersehen im Langeloh bei den Obercastropern Schützen!“ Im silbernen Myrkenkranze Dieser Tage konnten die Eheleute Bergmann Gustav Dahms und Frau Elisabeth. geb. Szamsky, das Fest des silbernen Ehejubiläums begehen. Der Silberbräutigam wurde am 20. Oktober 1881 zu Woynichowo, die Silberbraut am 30. September 1886 zu Veronika geboren. Die allzeit glücklich und harmonisch verlaufene Ehe wurde mit zwei Kindern, einem Jungen und einem Mädchen, gesegnet. Wir wünschen dem allverehrten Silberjubelpaar noch nachträglich ein herzliches„Glück auf“ zu seinem ferneren, hoffentlich noch recht langen und recht glücklichen gemeinsamen Lebensweg! Zwei hitlerjungen reiten einen Mann aus dem Kanal Ein in Castrop=Rauxel wohnender Arbeiter ging in Henrichenburg den Kanal entlang heimwärts. Unterwegs fiel es ihm ein, doch mal sein Geld zu zählen. Dabei entglitt ihm jedoch das Portemonnaie. Es fiel in den Kanal, ging aber nicht unter. Bei dem Bemühen, mit Hilfe einer an der Böschung angebrachten Leiter das Portemonnaie wieder zu erhaschen, rutschte der Mann aus, fiel in den Kanal und wäre sicher ertrunken, wenn nicht zwei Hitlerjungen, die den Vorfall beobachtet hatten, eiligst herbeigekommen wären und den Mann so lange über Wasser gehalten hätten, bis sie ihn in einen mit einem Motorboote vorüberkommenden Kahn endgültig retten konnten. Arbeitsstand des deutschen handwerks Schweißkursus in Herne Von der Kreishandwerkerschaft wird uns geschrieben:— „Nachdem bereits vor einiger Zeit im Auftrage der Gewerbeförderungsstelle der Handwerkskammer Dortmund am hiesigen Platze eine schweißtechnische Vorführung abgehalten wurde, beabsichtigt die West deutsche Schweißtechnische Lehr= und Versuchsanstalt, Duisburg, in nächster Zeit auch in Herne einen autogenen Schweißkursus zu veranstalten. Voraussetzung für das Zustandekommen eines Schweißkursus ist eine Beteiligung von mindestens zwanzig Interessenten. Bei der stetig fortschreitenden Entwicklung der Schweißtechnik und ihrer immer zunehmenden Bedeutung wird es jeder metallverarbeitende Handwerker begrüßen, sich über die neuesten Arbeitsver fahren auf diesem Gebiete unterrichten und seine Kenntnisse ergänzen und vertiefen zu können. Vor allen Dingen sollte kein Schweißarbeiten ausführender Handwerker es versäumen, die wirtschaftliche „Rechtsschweißung,, zu erlernen und sich mit dieser Arbeitsmethode vertraut zu machen. Der vorgesehene Schweißkursus umfaßt 34 Stunden und zwar 24 Uebungsstunden und 10 Vortrags stunden mit Lichtbildervorführungen. Er eignet sich sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene und wird in den Abendstunden abgehalten, so daß allen Interessenten die Teilnahme möglich sein dürfte. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die in diesem Kursus zu erwerbenden Kenntnisse wesent liche Bestandteile der Meisterprüfung sind. Der Kursus soll beginnen Anfang September. Die Unterrichtsstunden liegen ab 5 Uhr abends. Anmeldungen zur Teilnahme an diesem Kursus nimmt die Kreishandwerkerschaft Herne, Behrenstraße 12, entgegen.“ 4000 Kindern zur Welt geholfen Minden. Die in dem benachbarten Lerbeck wohnende Hebamme Frau Gundlach, die gleichzeitig auch für die Gemeinden Neesen und Glashütte tätig ist, eine Frau von fast 70 Jahren, kann jetzt auf eine 45jährige Berufstätigkeit zurückblicken, in der sie rd. viertausend Kindern in die Welt geholfen hat Todessturz eines Malermeisters vom Gerüst Löhne. Der hier ansässige Malermeister Böken beide stürzte beim Anstreichen eines Giebels von der Leiter und starb kurz darauf im Krankenhause zu Herford, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Kiavier und Tieberabend im Wichernhaus Veranstaltet von der Konzerlgemeinschaft deutscher, blinder Künstler der Gaue Rheinland, Westfalen und hessen Stadttreis Castrop=Rauxel, den 16. August 1936. Wieder vier Eilberjubilare auf„Erin“ Dieser Tage konnten wieder vier Gefolgschaftsmitglieder der Zeche„Erin" ihr silbernes Dienstjubiläum begehen. Es sind dies der Steiger Peter Burbach, der Elektriker Gustav Leuschner, der Hauer Josef Kanak und der Hauer August Temme. Peter Burbach wurde am 16. August 1887 in Kundert im Westerwald geboren. Nachdem er sich zuerst in den Siegerländer Spateisengruben betätigte, folgte er 1905 seinen beiden älteren Brüdern nach Lothringen, um dort auf den Minette=Gruben zu arbeiten. Von 1910 bis 1912 besuchte er die Diedenhofener Bergschule. Von 10. August 1911 war er als Hauer und vom 1. April 1912 als Steiger auf der Minette=Grube „Rote Erde“ der Gelsenkirchener Bergwerks=.=G. in Deutsch=Oth tätig. Wegen seiner deutschen Gesinnung wurde er 1919 als Elsaß=Lothringen ausgewiesen. Er kam damals nach Castrop und fand auf „Erin“ neue Anstellung. Bis 1931 war er als Steiger tätig. Die Folgen eines schweren Straßenunfalles, den er sich 1927 zuzog, behinderten ihn in seinem Steigerberuf derartig, daß er nach Uebertage verlegt werden mußte. Er ist seitdem als Holzmeister beschäftigt. Gustav Leuschner verfuhr seine erste Schicht am 1. August 1911 auf der Zeche„Teutoburgia". Im Mai 1916 wurde er zur Marine nach Wilhelmshaven eingezogen. Er machte den Weltkrieg auf dem Kreuzer„Emden“ mit. 1918 wurde er in Skapa=Flow interniert, er konnte jedoch im Dezember des Jahres wieder in die Heimat zurückkehren. Bei der Zusammenlegung der Zechen „Erin" und„Teutoburgia“ wurde Leuschner nach „Erin" übernommen, wo er noch heute in der Elektrowerkstatt tätig ist. Josef Kanak begann seine bergmännische Tätigkeit am 15. August 1911 als Bergeklauber auf„Erin“. Er wurde am 1. Oktober 1915 zu den Fahnen einberufen und machte beim K. K. Schützenregiment Nr. 7 den Weltkrieg bis zum Ende des Jahres 1915 mit. Er kehrte als Gefreiter mit der silbernen Tapferkeitsmedaille und dem Kaiser=Karl=Truppenkreuz ausgezeichnet in die Heimat zurück, um seine Berufsarbeit wieder aufzunehmen. Seit 1920 ist er Kohlenhauer. August Temme verfuhr ebenfalls am 15. August 1911 seine erste Schicht als Bergeklauber auf„Erin“. Später wurde er Schlepper und Lehrhauer. Seit 1920 ist auch er als Kohlenhauer auf„Erin“ tätig. Alle vier Silberjubilare erfreuen sich wegen ihres Fleißes, ihrer Pflichttreue, Tüchtigkeit und kameradschaftlichen Verhaltens der Achtung aller Gefolgschaftsmitglieder. Wir rufen ihnen ein kräftiges„Glück auf“ zu ihrem silbernen Berufsjubiläum zu und hoffen, daß sie noch recht lange in körperlicher und geistigen Frische ihrer Berufsarbeit nachgehen können. Eine Ehrenkrone ist das Aller Am heutigen Sonntag kann unsere Mitbürgerin, Wwe. Berta Thrien, geb. Ständer, Wittener Straße 1, die Vollendung ihres 85. Lebensjahres begehen. Die Altersjubilarin, die sich in ihrem Bekanntenkreise der größten Wertschätzung erfreut, wurde am 16. August 1851 zur Kreuzeler, Kreis Heiligenstadt, geboren. Wir wünschen ihr zu ihrem heutigen Ehrentage alles Gute und hoffen, daß ihr noch ein recht langer Lebensabend in körperlicher und geistiger Frische, in Zufriedenheit und Glück beschieden sein möge Solisten: Käte Josefiak=Dietz. Köln, Sopran. Grete Almstedt. Dortmund. Rezitation, Friedr. Oeckinghaus, Dortmd., Klavier. Die Konzertgemeinschaft deutscher blinder Künstler der Gaue Rheinland. Westfalen und Hessen wagte trotz der Saisonferne und Konzertbaisse und der natürlich alles Interesse absorbierenden 11. Olymvischen Spiele mit ihren atemberaubenden Rundiunkdarbietungen am Freitag abend ihr erstes diesjähriges Konzert im Wichernhaus, das in allem wieder zeigte: Kunst kennt nur eine kleine Gemeinde. Leider war der Besuch, trotz allseitiger intensiver Werbung nur sehr mäßig. Wir zählten nur rund 60 Hörer. Dabei war der Kartenvorverkauf recht günstig, was beweist, welch großer Wertschätzung und Unterstützung sich die Konzertgemeinschaft bei uns erfreut. Schade um den schlechten Besuch; denn es war ein wirklich vornehmes und gehaltvolles Programm. das die beiden blinden Künstler abwickelten. Unsere bedeutendsten Meister des Liedes: Schubert. Schumann und Trunk, und des Klaviers: Beethoven und Chovin, waren mit Spitzenwerken vertreten. Käte Josefiak=Dietz sang je vier Lieder von Schubert. Schumann und Trunk. Wohl erwogen begann sie mit des Altmeisters immer wieder gern gehörten„An die Musik“.„Auf den Wassern zu sin. gen".„Du bist die Ruh“ und der ewigen, unvergänglichen„Forelle", die meisterlich geboten wurden. Glanzpunkte waren hier die erdenferne„Du bist die Ruh". Ungemein seinsinnige Leistungen waren auch ihre Schumann Intervretationen, sehr beherrscht„In der Fremde“. beglückend das naturseiige„An den Sonnenschein" und„Der Nußbaum", und köstlich die sehnsuchtgeschwellten„Aufträge". Noch tieferen Eindruck trug sie mit den Trunischen Liedern davon. Durfte das„Willkommen“ auch noch jubeinder er klingen, so brachte sie die Schelmereien der„Gänse' und„Mäuschen“ äußerst delikat zur Geltung. seinen, sinnigen, gedeckten Tönen. ganz in sich versunken, wurde das„Abendlied" zu tief ergreisendem Ausdruck. So süß und zart und einfach, ganz auf sich selbst gestellt und durch sich wirkend. singt ihr das sobald keine Sängerin nach. Reicher Beifall be lohnte die Künstlerin, die mit einer Zugabe dankte. Friedrich Oekinghaus, der Dortmunder Pianist, stellte sich unserer Konzertgemeinde erst malig mit Werken von Beethoven und Chonin vor. Er ist ein Musiker durch und durch. Er spielt mit gereister Technit. sicherem Gedächtnis, das nie versagt. und guter Erfassung der geistigen Gehalte. Die Großtat des Abends war Beethovens=Dur- Sonate ov. 22, insbesondere die Wiedergabe des gehaltvollen ersten Satzes. Da war auch nicht eine Phase. ein Takt. die den Intensionen der Komposition entgegenstrebte. Er gibt sich sehr suggest:v. so daß erst recht spät kritische Regungen auskommen, wenn stilistische Einwände vielleicht an und für sich gegeben wären. Von Chovin hörten wir Ctüde Es=Dur Ov. 10 Nr. 3. Gesangreich im Vortrag und dynamisch sehr vorteilhaft das mehrstimmige gebundene Gefüge unterstreichend. Auch die schwierige gis=mollEtüde Op. 25 Nr. 6. glitzerte und verlte nur so in den blankgenutzten Terzen. Virtuos glänzend gelang der belannte Walzer in As=Dur. Octinghaus saßt seinen Chovin äußerst streng ohne die bletteartige Unbetümmertheit, dem leichtvirtuosen Glanz des polnisch=französischen Klaviermeisters an. und wahr lich. sehr zum Vorteil für die Abbiegung sentimentaler Klangsüßlichkeiten. Das gut mitgehende Haus dankte dem inmnathischen Künstler mit herzlichstem Beifall. Rezitationen lockerten die Vortragsfolge sehr bekömmlich auf. Erfrischend unkompliziert und ohne überspitzt geistreichelnde Art entzäckte Grete Almstedt sowohl bei den Schumannichen Melodramen„Vom Heidetnaben" und„Schön Hedwia" nach Gedichten von Friedrich Hehbel, als auch bei Goethes„Die Spröde“. Eichendorffs„Der verzweiselte Liebhaber". Mörickes„Elfenlied“, und dem Volkslied„Die Trennung", die alle reiche Zustimmung des Hauses fanden und der mit Recht auch auf die ausgewählte, ausgereifte Vortragsweise der niedlichen Sprecherin bezogen werden durfte. Alles in allem ein Abend voll der schönsten Tonsprache und des beseelten Ausdruckes, vorbildlich in seinem Gut und seiner lnapven gehaltvollen Form. Doch wie gesagt, der äußere Erfolg hielt dem inneren nicht im Entferntesten die Waage. Der Saal war beschämend schwach besetzt. Erschütternd diese Feststellung! Es erscheint ernstlich an der Zeit. der Ursache dieses Publikumsschwundes in unseren Konzerten einmal nachzuspüren. So jedenfalls darf es in der neuen Konzertzeit nicht erst anfangen. Statt Karten Waria Wedekind Leo Butzlaff Castrop-Rauxel 3, den 16. August 1936 Bevor Sie Haushallwaren und Porzellan kaufen, besichtigen Sie In Ihrem eigenen Interesse unsere gepflegten Abteilungen. 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