*.*" A O für Castrop=Rausel und Umgebung 65. Jahrg. Castroper Zeitung der Steyzanzeigeng#scheint wöchentlich, imal, Wochendezugsprete Anzeigenprete: 1 mm hoch und 22 gm breit 4 Pig. TextUc. Sugeg. wwissepe:#tisu.9 be, Eszrungepe inl gesche ig##%, monattich, Sgzepale nicht gestenn den vom##g begz, und 72 mm breit 25 Pig. Nachlaß nagz Amtliches Veröffentlichungsblau für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Allgemeines Kreisblau für den Stadtkreis Castrop=Rauxel. Nr. 220 Samstag, den 15. August 1936 Aeues Seeitagsscstein in Westen Die deutsch=englischen Beziehungen— Aeußerungen Lord Douglas Hamiltons und Mister Wedderburns dnb. Berlin, 14. August. Der Berliner Vertreter des„Hamburger Fremdenblattes“, hatte Gelegenheit, sich mit zwei prominenten Persönlichkeiten des englischen Lebens, nämlich Lord Hamilton und dem Mitglied des Unterhauses, Mister Wedderburns, über die Beziehungen zwischen Deutschland und England zu unterhalten. Lord Douglas Hamilton ist der Ueberzeugung, daß die alte griechische Idee in den Berliner Spielen eine glänzende Verkörperung erfahren hat. Er erklärte dann:„Nach meiner Ansicht kam es nicht allein auf die äußere Organisation an, die man als außerordentlich gut bezeichnen kann. Mehr noch fiel in die Waagschale, inwieweit die Bevölkerung vom olympischen Geist erfüllt sein würde. In dieser Beziehung aber darf ich zum Ausdruck bringen, daß die Deutschen sich in wahrstem Sinne des Wortes als„Sporting Crows“ erwiesen haben, als Menschen, die wirklich vom Geiste sportlicher Kameradschaft erfüllt sind. Diese Kameradschaft kannte keine Grenzen von Völkern und Staaten. Es erschien mir um so bemerkenswerter, als ich mir sehr wohl bewußt bin, daß das deutsche Volk als Ganzes heute von leidenschaftlichem Patriotismus erfüllt und nicht mehr mit jenen Minderwertigkeitskomplexen behaftet ist, die es in den Jahren nach dem Weltkrieg bedrückten. Hier komme ich zu einem der wesentlichsten Punkte meiner Eindrücke: Was sich in Deutschland zugetragen hat, ist nicht nur ein einfacher Regierungswechsel, sondern eine Revolution in jedem Belange. Im Auslande ist man sich dessen nur zu häufig gar nicht bewußt. Der Deutsche lebt die Geschicke seines Vaterlandes mit einer außergewöhnlichen Anteilnahme mit. Ohne jeden Zweifel erfreut sich die nationalsozialistische Regierung einer ungewöhnlichen Beliebtheit. Gerade das aber wird im Auslande oft übersehen. Ich hatte wiederholt Gelegenheit, den Führer und auch den Ministerpräsidenten Göring in unmittelbarer Berührung mit der Bevölkerung zu erleben. Dabei konntenich beobachten, daß das Wort Popularität dem Grade von Verehrung, die Adolf Hitler genießt, in keiner Weise entspricht. Es ist mehr als Popularität, es ist eine Art von Gläubigkeit, die dem Führer von den Volksmassen entgegengebracht wird. Ebenso besitzen wir Engländer von Hermann Göring eine Vorstellung, die mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt. Göring, den man sich in England als ungeheuer ernst und fanatisch vorstellt, ist mir gleichsam als die deutsche Auflage des John Bull erschienen, also sehr viel freundlicher und gemütlicher, als man wohl im Auslande zu glauben geneigt ist. Alles in allem: Die Deutschen freuen sich offensichtlich wieder ihres Daseins. Die Erwerbslosigkeit ist auf ein Minimum gesunken, und der wirtschaftliche Wohlstand ist unverkennbar. Es fällt einem besonders auf, wenn man aus dem Ausland kommt, daß es kaum einen Bettler in den Straßen gibt.“ Das Unterhausmitglied, Mister Wedderburns, der der Konservativen Partei angehört, beteiligte sich später ebenfalls an der Unterhaltung, die sich auch auf den Aspekt der politischen Beziehungen Deutschlands und Englands ausdehnte. Selbstverständlich wickelte sich das Gespräch in einem ständigen Wechsel von Fragen und Antworten ab, wobei die beiden englischen Gewährsmänner sich als sehr wißbegierig hinsichtlich der verschiedensten Einzelheiten der nationalsozialistischen Reformen erwiesen. Lediglich zur Vereinfachung für den Leser fassen wir nachfolgend die Erklärungen Mister Wedderburns zusammen: „Für uns in England ist es, wie Sie verstehen werden, stets sehr schwer gewesen das Ausmaß der kommunistischen Gefahr in Deutschland zu erkennen. So weit es überhaupt Kommunisten in England gibt, sind sie nicht eigentlich marxistischer Prägung und werden eher als eine humoristische Beigabe des öffentlichen Lebens betrachtet. Dennoch verschließe ich mich persönlich keineswegs dem gewaltigen innerpolitischen Risiko, dem beispielsweise Frankreich ausgesetzt ist. Als konservativer Engländer muß ich auch alles begrüßen, was geeignet erscheint, die kommunistische Gefahr in der Welt einzudämmen. Aus dem gleichen Grunde hat der Militärvertrag zwischen der Sowjetunion und Frankreich mich und andere Mitglieder des Unterhauses bedenklich gestimmt. Wir hatten das Gefühl, daß Frankreich sich auf diese Weise Bindungen an Moskau auferlegte, die vielleicht einmal eine Belastung seiner ganzen Politik werden können. Was die Beziehungen zwischen Deutschland und England anbelangt, so bin ich ehrlicher Anhänger einer freundschaftlichen und aufrichtigen Verständigung, deren derzeitige Schwierigkeiten ich natürlich nicht verkenne. Ich kann mich nicht ohne weiteres der deutschen Beweisführung anschließen, wonach der Locarno= vertrag durch den Sowjetpakt gebrochen wurde. Wohl aber steht es auch für mich außer allem Zweifel, daß der Abschluß des Sowjetpaktes die fernere Wirksamkeit des Locarnosystems zum mindesten problematisch mache. Heute stehen wir vor der Aufgabe ein neues Vertragssystem im europäischer Westen aufzurichten. Es muß ein Ersatz für Locarno gefunden werden und deshalb sehen wir in England den kommenden Verhandlungen mit der größten Spannung entgegen. Hierbei darf ich ohne Einschränkung bemerken, daß England sich bei aller Bereitschaft, die es im Westen zeigt, im Osten nicht zu binden gedenkt. Unser Standpunkt ist es, daß wir im Osten nicht noch weitere Verpflichtungen übernehmen können. Hier werden die Ostmächte unter sich eine Formel für die Sicherung ihrer Grenzen finden müssen.“ Pilotenreserven in England dnb. London, 14. August. Das englische Luftfahrtministerium veröffentlicht die Einzelheiten des vor kurzem von Lord Swinton im Rahmen der Luftaufrüstungspläne bekanntgegebenen Projekts für die Schaffung einer völlig ausgebildeten Flugzeugführerreserve. Die Anwärter, die nicht älter als 25 Jahre sein dürfen, müssen sich auf mindestens fünf Jahre verpflichten; sie haben sich in den ersten 12 Monaten derselben Ausbildung zu unterziehen, wie die Flugzeugführer der aktiven Luftwaffe. Der Plan sieht die Einstellung von jährlich 800 Bewerbern vor, die nach der 12monatigen ersten Ausbildungszeit eine jährliche Prämie von 25 Pfund Sterling erhalten. Großfeuer in Lodz dnb. Warschau, 14. August. In eine Spinnerei in Lodz brach ein Feuer aus, dem das Hauptgebäude mit erheblichen Rohstoffvorräten zum Opfer fiel. Die Belegschaft wurde von dem Feuer so überrascht, daß sie nicht mehr ins Freie gelangen konnte. Aus dem Erdgeschoß flüchteten die Arbeiter in das nächste Stockwerk. Als sie auch hier gefährdet wurden, zogen sie sich schließlich in das Dachgeschoß zurück und sprangen dann in die Tiefe, wo Rettungsmannschaften aus Wollballen Sprungmatratzen errichtet hatten. Auf diese Weise gelang ihnen die Rettung, doch wurden 17 Arbeiter verletzt. Mehrere mußten in ein Krankenhaus gebracht werden. Ein Schwerverletzter erlag seinen Wunden, drei schweben in Lebensgefahr. krohnis tegs rungnen Trotzki und die Revolutionsvorbereitungen im Norden.— Ein Bericht des „Nya Bägligt Allehanda dub Stockholm, 13. Aug. Das konservative Abendblatt„Nya Dagligt Allehanda“ veröffentlicht an erster Stelle in großer Aufmachung einen umfangreichen Bericht aus Oslo über„Trotzki und die Revolutionsvorbereitungen im Norden“. Der Artikel stammt aus der Feder einer, wie das Blatt besonders hervorhebt,„hochgerichteten Persönlichkeit, deren Wahrheitsliebe über jeden Zweifel erhaben ist". Schon durch die Schlagzeilen, die die Ueberschrift ergänzen, wird Trotzki vorweg scharf und bündig charakterisiert: „Eine der blutigsten Gestalten der Geschichte. Der Nutzen, den Sowjetrußland von Trotzkis Radikalismus und Krankheit gehabt hat“. Die Krankheit sei, wie in dem Bericht am Anfang ausgeführt wird, lediglich vorgetäuscht worden mit dem Zweck, Mitleid zu erregen, und die Auffassung zu nähren, er habe weder Wunsch noch Kräfte, seine blutrünstige Politik fortzusetzen. Es unterliege keinem Zweifel, daß Trotzki gefährlich, frisch, munter und voller Leben sei, wenn es gelte, eine Revolution in Gang zu setzen. Sein Hauptziel sei, in allen Ländern Revolutionen nach russischem Muster zu entfachen. Für diese Zwecke habe er die 4. Internationale gegründet, deren Hauptstelle sich seit 1933 in Paris befinde und die unter Leitung eines gewissen Raymond Molinier stehe. In England werde die Organisation von Reginald Groves. in Amerika von Cannon und Schlachtmann. in Spanien von Andre Nin, in Katalonien von Maurin und in Griechenland von Vitte geleitet. Abteilungen dieser Organisation befänden sich auch in Amerika und Kuba. Ueberall, wo starke kommunistische Bewegungen vorhanden seien, stehe Moskau dahinter und Trotzki sei der treibende Organisator. Trotz seines wiederholten Versprechens, sich während seines Aufenthaltes in Norwegen jeglicher politischer Tätigkeit und Propaganda zu enthalten, habe Trotzki, wie dies dokumentarisch feststehe, die regste Tätigkeit entfaltet. Abgesehen davon, daß er selbst in persönlicher und engster Fühlung mit Vertretern der norwegischen Marxisten, wie Scheflo, Konrad Knudsen und anderen stehe, empfange er dauernd Besuche aus verschiedenen Ländern, so in der letzten Zeit vom 16. bis 18. Juni d. J. den Leiter des Hauptkontors der Trotzki=Internationale in Paris, Molinier. Er verfüge über vier Sekretäre, sein Aufgabengebiet in Norwegen sei nur dank der freundschaftlichen Beziehungen zu der jetzt regierenden Arbeiterpartei und deren revolutionären Einstellung möglich gewesen. Diese Partei werde sicherlich im Sinne der Trotzkischen Pläne vorgehen, sobald sie die ungeteilte Macht im Lande erlangt habe. In die Pläne der Weltrevolution sei übrigens auch Norwegen mit großem Interesse ausgenommen worden. Die Tatsache, daß Trotzki seinen Wohnsitz von Hoenefoß nach Christiansand verlegt habe, gibt dem Berichterstatter um so mehr zu bedenken, als Christiansand nicht nur der wichtigste strategische Punkt Norwegens, sondern des ganzen Nordens sei. Um so bedenklicher sei auch die Freundschaft der norwegischen regierenden Arbeiterpartei mit Trotzki.— In diesem Zusammenhang erinnert der Berichterstatter zum Schluß an den sogenannten „Spukflieger“, der in den vergangenen Jahren über Norwegen wiederholt gesichtet sei, ferner daran, daß die norwegische Arbeiterpartei vor einigen Jahren eine Million Kronen aus Sowjetrußland erhalten habe, und daß in Moskau bereits 1931 ein revolutionärer Aufruhr in Norwegen geplant worden sei. „hinaus mit Trotzki!“ Oslo. Am Mittwochabend fand in Oslo eine vom„Nasjonal Samling“ einberufene Versammlung unter freiem Himmel statt, in der Advokat Hjort über das Thema sprach:„Ut med Trotzki!“ (Hinaus mit Trotzki!) Die Versammlung. die von etwa 3000 Menschen besucht war, verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Die Polizei war in Alarmbereitschaft, da die Regierung angesichts der etwas gespannten Stimmung mit Zwischenfällen rechnete. Die bürgerliche Presse gibt unter dem Eindruck des in den letzten Tagen zutage geförderten Materials, aus dem wohl ziemlich einwandfrei hervorgeht, daß Trotzki sich in Norwegen politisch betätigt hat, ihre Zurückhaltung mehr und mehr auf und warnt vor den Gefahren, die derartige Umtriebe heraufbeschwören. Madrid- London= Paris- Rom Je länger sich die Verhandlungen in der Nichteinmischungsfrage hinziehen, desto deutlicher wird auch hier wieder, wie schwierig es in der augenblicklichen politischen Lage ist, ein Teilproblem als Ding an sich zu sehen und zu behandeln. Man kann geradezu sagen, daß mit jedem Tag, der verstreicht, sich auch immer stärker das Bestreben entwickelt, mit der Behandlung der spanischen Frage gleichzeitig auch etwas wie einen Schlüssel zu den anderen Problemen zu finden. Wodurch allerdings die Lösung der spanischen Frage weder näher gerückt noch einfacher wird. Denn mehr und mehr wird die Lage in Spanien zu einem Teilproblem der Mittelmeerfrage gemacht. und unter den Gesichtspunkten behandelt, die diese Frage bestimmen. Auch hierbei wieder zeigt sich, in welch zwiespältige und undurchsichtige Lage Frankreich durch seine Nachkriegspolitik geführt worden ist. Frankreich ist im Mittelmeer auf England angewiesen. Das zeigte sich anläßlich jener Verhandlungen, die zwischen Rom und Paris geführt wurden, als Italien kurz vor Ausbruch des Abessinienkonfliktes die beiden 35 000=TonnenSchlachtschiffe auf Stavel legte. Damals war die erste Regung in Paris. London auf diese überraschende Handlung hinzuweisen und. wenn möglich, für eine gemeinsame Aktion zu gewinnen. Man hat sich in Paris lange mit dem Gedanken abgefunden gehabt, daß England den Weg durch das Mittelmeer auf jeden Fall brauchte und daher aufrecht erhalten würde. Verstand man sich gut mit London, dann hatte man keinen Anlaß. sich selber im Mittelmeer allzu sehr zu bemühen. Schlimmstenfalls hatte man ja für die Heranholung von Hilfsstreitkräften aus afrikanischen Kolonien immer noch den Weg über den Atlantik in Reserve. Wenn man sich überhaupt im Zusammenhang mit der Mittelmeerfrage mit Spanien beschäftigte, dann doch nur so. daß man in gewisser Beziehung mit einer katalanischen Republik liebäugelte, die für den Seeweg von den südfranzösischen Häfen nach Nordafrika möglicherweise von Bedeutung sein konnte. Um den Seeweg nach Syrien machte man sich im Verttauen aus England überhaupt keine Sorgen. Das gleiche galt für den Seeweg nach Indochina. Der Ausgang des Abessinienkonfliktes mag infolgedessen ein Wiedererwachen, verbunden mit einem ziemlich heftigen Schrecken, gebracht haben. Die englische Flotte war offenbar doch nicht in der Lage, unbegrenzt Frankreichs Seewege nach Süden und Osten offen zu halten und war froh. wenn sie mit ihren Aufgaben fertig wurde. Italien aber, das seine Stellung als eine sehr bemerkenswerte Seemacht im Mittelmeer unter Beweis gestellt hatte, dieses Italien hatte man durch das Verhalten in der Sanktionsfrage so verärgert, daß alle schönen Hoffnungen auf Grund des Laval=Besuches völlig entschwunden waren. Und nun plötzlich, in diese schon an sich nicht ganz erfreuliche Rechnung, tritt der Faktor Spanien. Obgleich man in Paris wohl im Anfang nicht recht an die Möglichkeit eines Sieges der Militärpartei geglaubt hat, mußte man doch über die Folgen nachdenken, die ein solcher Sieg haben könnte. Siegte die Militärpartei, so war es klar, daß man nur dann auf eine Freundschaft mit einem von ihr regierten Spanien rechnen konnte, wenn man von Anfang an moralisch wenigstens auf Seiten der Militärpartei gewesen wäre. Genau das Gegenteil davon hatte man getan. und es ergab sich als logische Folge, daß nach einem Siege der Militärpartei Spanien sich Italien anschließen muß. Logischerweise— eine Verstärkung der italienischen Lage im Mittelmeer mußte dazu führen— suchte man Verständnis bei England. Aber in England ist die Meinung geteilt. Mit einem bolschewistischen Svanien ist zwar Italien nicht gedient, aber auch England keineswegs geholfen. Gartenempfang bei Göring dub. Berlin, 14. August. Zu Ehren der in Berlin anläßlich der Olympischen Spiele anwesenden ausländischen Gäste hatten Ministerpräsident Generaloberst Göring und Frau Göring am Donnerstagabend zu einem Gartenfest in ihrem Hause eingeladen. Es wurde ein Abend froher Geselligkeit, der den Gästen Deutschlands aus der ganzen Welt ein selten schönes Beispiel persönlicher Gastfreundschaft im Rahmen eines großen Empfanges bot. Die prachtvollen Vorführungen des Balletts der Staatsoper, eine Reihe geschickt vorbereiteter Ueberraschungen und eine geschmackvolle, mit einfachsten Mitteln erreichte Ausschmückung des Gartens trugen nicht wenig dazu bei, ein Fest ungezwungener, herzlicher deutscher Fröhlichkeit zu feiern. Wohl selten hat man so viele Ausrufe der Freude und Bewunderung in allen Sprachen der Welt gehört, wie an diesem Abend. Entweder— oder Schwierigkeiten bei der Vierzigstundenwoche in der französischen Eisenerzindustrie onb Paris, 14. Aug. In der Zeitschrift„Usine" wird die Möglichkeit angedeutet, daß die Regierung die Durchführung der Vierzigstundenwoche in der Eisenindustrie vielleicht aufschieben werde, denn die Rückwirkungen dieses Gesetzes machten entweder den Rückgang der Erzeugung oder die Einstellung von 10 000 weiteren Arbeitern notwendig. Da in diesem Berufszweig aber nicht ausreichende französische Arbeiter zur Verfügung stünden, müßte man trotz der Arbeitslosigkeit in Frankreich fremde Arbeiter anwerben. Sollte man sich jedoch zu einer Einschränkung der Erzeugung entschließen, so würde sich das auf die Preisgestaltung auswirken, und zur Deckung der französischen Bedürfnisse müßten Abschlüsse mit ausländischen Käufern annuliert werden. Falls die französische Eisenerzerzeugung zurück. gehe, seien ernstliche Verwicklungen zu befürchten, denn für den Ausfuhrhandel sei eigentlich überhaupt nur eine Spanne von zwei Millionen To. gegeben, während Frankreich in Wirklichkeit 1935 bereits über 16 Millionen Tonnen ausgeführt habe, davon 10 300 000 To. nach Belgien. Französisch=polnische Generalstabsbesprechungen dnb. Warschau, 14. August. Wie die polnische Regierungspresse meldet, fand am Donnerstag eine zweistündige Konferenz im polnischen Generalinspektorat der Armee statt, an der von franzäsischer Seite General Gamelin, der Militärattaché bei der Warschauer französischen Botschaft, General'Arbonneau, und die französischen Offiziere, die General Gamelin nach Warschau begleiteten, teilnahmen, während von polnischer Seite neben dem Generalinspektor der Armee, General Rydz=Smigly, der Chef des Generalstabes, General Stachiewicz, sowie die Generäle und höheren Offiziere des Generalinspektorats erschienen waren. Die Besprechungen sollen während des weiteren Warschauer Aufenthalts Gamelins fortgesetzt werden. Freitag früh begab sich Gamelin in Begleitung zahlreicher Offiziere nach Rembertow, um die Zentrale der polnischen Infanterieausbildung zu besichtigen. Am Abend nahm der französische Gast an einem Essen teil, das Außenminister Beck gab und zu dem nur ein kleiner Kreis von Gästen geladen worden war. Offizielles Dementi onb Paris, 14. Aug. Die amtliche HavasAgentur teilt mit: Von verschiedenen Seiten hat man behauptet, daß trotz des gegenteiligen Beschlusses des Ministerrates Flugzeuge französischer Herstellung in den letzten Tagen nach Spanien gesandt worden seien. Die Regierung stellt dieser Behauptung ein formelles Dementi entgegen. Vermögen Ras Nasibus beschlagnahmt onb Rom, 14. Aug. Auf Anordnung des Vizekönigs Marschall Graziani sind, wie die Agentur Stefani aus Addis Abeba meldet, sämtliche Güter und das Vermögen des Ras Nasibu sowie des früheren abessinischen Gesandten in Paris, Wolde Marian, beschlagnahmt und zu Gunsten des Staates eingezogen worden. Begründet wird diese Maßnahme damit, daß die Genannten unablässig gehetzt und so die Ruhe und Sicherheit in Abessinien gefährdet hätten. Großer Felssturz im Kanton Uri 200 000 Kubikmeter Gestein vernichten Wälder und Wiesen dnb. Zürich, 14. August. Nachdem sich bereits vor einigen Tagen an den Berghängen oberhalb des Dorfes Sileneu im Reußtal größere Felsmassen gelöst hatten, wobei zwei Häuser vernichtet wurden, erfolgte am Freitagmorgen ein neuer großer Bergsturz. Insgesamt lösten sich gegen 200 000 Kubikmeter Gestein und stürzten zu Tal, wobei einige Waldparzellen und Wiesen zerstört wurden. Die Hauptmasse des abgestürzten Gesteins blieb in den bereits durch den ersten Bergsturz verschütteten Wiesen liegen. Am 15. August antikommunistische Massenversammlungen in Warschau. Die nationaldemokratische Partei in Polen hat für den 15. August, dem Jahrestage des Sieges der polnischen Armee über die Rote Armee, zahlreiche Massenversammlungen einberufen, die einen antikommunistischen Charakter tragen werden. Italienische Wasserflugzeuge für Norwegen Rom. Norwegen hat, wie die Mittagausgabe des halbamtlichen„Giornale'Italia“ meldet, in Italien eine Serie Wasserflugzeuge bestellt. Diese Flugzeuge sind, wie das Blatt hinzufügt, für die norwegische Luftfahrt bestimmt. Der mit der Ausführung der Bestellung betraute norwegische Flieger Erling=Windigland Eliassen ist auf einem der Flugzeuge, auf Breda 28, von dem am Lago Maggiore gelegenen italienischen Flughafen Sesto Calende nach Norwegen abgeflogen. Kommunisten stecken Kirche in Mexiko in Brand Mexiko. In einem Vorort Mexikos, Villa Obregon, brach am Donnerstagnachmittag in der Carmen=Kirche Feuer aus, das den wertvollen Altar und einen Teil der Kircheneinrichtung zerstörte. Man vermutet, daß Kommunisten das Feuer angelegt haben. Kumerseeten 5is Enlor Inlöder Stürmischer Abschluß der französischen Parlamentstagung.— Leon Blum ist zufrieben dnb. Paris, 14. August. Nach Nachtsitzungen, die mit kurzen Unterbrechungen bis Freitag früh 7 Uhr dauerten, sind Kammer und Senat nunmehr in die Ferien gegangen. Beide Häuser einigten sich schließlich über sämtliche noch zu erledigenden Gesetzesvorlagen. U. a. wurde der Gesetzentwurf zur Bekämpfung unberechtigter Preissteigerungen, sowie der stark umstrittene Gesetzentwurf über die Getreidestelle verabschiedet. Vor Verlesung der Verordnung zur Schließung der Parlamentstagung erinnerte Ministerpräsident Blum in der Kammer an das seit dem 6. Juni vollbrachte gesetzgeberische Werk und erklärte, die Volksfront habe somit alle Versprechen,; wie die Vierzigstundenwoche, Verstaatlichung der Rüstungsindustrie und die Reform der Bank von Frankreich innerhalb von 10 Wochen erfüllt. Während der Parlamentsferien werde sie die Durchführung der großen Sozialgesetze weiter verfolgen und neue Reformen vorbereiten: U. a. seien vorgesehen weitere Erleichterungen für Handel, Landwirtschaft und Industrie, ein Gesetz zur Lockerung der Steuerschraube, die Schaffung einer Arbeitslosenkasse und einer Kasse zur Versicherung gegen Ernteschäden. Leon Blum bedankte sich schließlich bei seiner Mehrheit für die treue Gefolgschaft, die sie ihm geleistet habe. Während die Linksmehrheit den Worten des Ministerpräsidenten Beifall zollte, rief der rechtsstehende Abgeordnete Marin aus:„Das vollbrachte gesetzgeberische Werk ist ein Pfuschwerk und ein papierenes Werk, das dem Parlament aufgezwungen worden ist und dessen unheilvolle Folgen man bald erleben wird!“ Die Verlesung der Verordnung über die Schließung der Parlamentstagung wurde von der Linken mit dem Rufe:„Es lebe die Volksfront!“ begrüßt, was von einigen Rechtsabgeordneten mit:„Es lebe Frankreich!“ beantwortet wurde.— Man nimmt an, daß das französische Parlament nun erst Ende Oktober wieder zusammentreten wird. Bei der Behandlung des Gesetzentwurfes über die Bewilligung von Mitteln für die Heimschaffung von französischen Staatsangehörigen aus Spanien teilte im Senat ein Mitglied des Auswärtigen Ausschusses mit, daß sich bei Beginn des Bürgerkrieges etwa 20000 Franzosen in Spanien befunden hätten. Die meisten von ihnen seien bereits heimgeschafft worden. Die Heimschaffung werde von französischen Kriegssch ffen gesichert. Das Mitgiled des Auswärtigen Ausschusses fragte dann, was aus den Flugzeugen geworden sei, die für die Heimschaffung entsandt worden seien. Stucne Errrgung in England Englische Pressestimmen zum Verkauf britischer Flugzeuge an Spanien dnb London, 14. Aug. Der Verkauf englischer Flugzeuge nach Spanien hat in England zu einer außerordentlichen Erregung der Gemüter geführt. Der Luftfahrtkorrespondent der „News Chronicle“ beziffert die Zahl der in den letzten drei Wochen von England nach Spanien abgeflogenen Flugzeuge auf über 30. Dieser Zeitung zufolge sollen gestern nicht nur sechs, sondern insgesamt acht Maschinen nach Spanien abgegangen sein. Unter der Ueberschrift„Für 40000 Pfund britische Flugzeuge für Spanien“ veröffentlicht„Daily Expreß“ Einzelheiten über die Maschinen(dieses Blatt spricht von sieben Flugzeugen), die gestern vin Croydon und Heston abgeflogen sind. Außer den bereits genannten Blättern macht auch der arbeiterparteiliche„Daily Herald“ gegen oen Verkauf der Maschinen an Spanien Front Während jedoch der„DailyExpreß“ aus grundsätzlichen Erwägungen die ganze Angelegenhe#t verurteilt, glaubt der„Doily Herald“, wenn auch mit Vorbehalt, einen Unterschied zwischen den Lieferungen für die einzelnen Enfänger machen zu müssen. Im Gegensatz zu der Auffassung der Amtsstellen ist das arbeiterparteiliche Blatt der Ansicht, daß die geltenden Bestimmungen ausgereicht haben würden, um die Ausfuhr zu verhindern, da es sich um Artikel handele, die nach dem Wortlaut der Verordnung in Gegenstände für militärische Zwecke umgewandelt werden könnten. Der„Daily Herald“ fordert zum Schluß ein sofortiges Eingreifen der englischen Regierung. Die Freitagblätter bestätigen unter Wiedergabe genauer Einzelheiten die Richtigkeit der gestern vom„Evening Standard“ gebrachten Meldung, wonach am Donnerstagvormittag sechs große Verkehrsflugzeuge von englischen Lufthäfen nach Spanien abgeflogen seien. Vier Flugzeuge seien für die Nationalisten, zwei für die Marxisten in Barcelona bestimmt. Auf Erkundigung beim englischen Luftfahrtministerium wurde dem „Daily Telegraph“ mitgeteilt, daß der Verkauf von Verkehrsflugzeugen von England nach Spanien keiner Beschränkung unterliege. Sämtliche sechs Maschinen seien als Zivilflugzeuge deklariert worden. Im übrigen würde der Umbau in Kriegsflugzeuge beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen; dagegen wird die Fähigkeit der Flugzeuge zu Bombenabwürfen nicht bestritten. Engiische Seudendeumte A Spalien= gejangen Marxistische Bergarbeiter in Spanien halten 38 englische Grubenbeamte gefangen dnb. London, 14. August. Wie ein Sekretär der Rio=Tinto=Bergwerksgesellschaft in London mitteilt, werden 38 britische Staatsangehörige in den Rio=Tinto=Bergwerken von marxistischen Arbeitern anscheinend als Geiseln festgehalten. Man habe alle Versuche gemacht, diese 38 Engländer, bei denen es sich in der Hauptsache um führende Beamte handelt, aus Spanien herauszubringen. Die Versuche seien jedoch nicht geglückt. Die Beamten hätten programmgemäß Spanien verlassen sollen. Man habe ihnen jedoch nicht gestattet, abzureisen. Ein Vertreter der Rio=Tinto=Minengesellschaft, die in Spanien große Kupfer= und Schwefelbergwerke betreibt, suchte sofort nach Bekanntwerden der Nachricht das Foreign Office auf. Dieses sandte umgehend entsprechende Anweisungen an den britischen Konsul in Madrid, der versuchen soll, die spanische Regierung zu veranlassen, bei den Marxisten in Rio Tinto für Freilassung der Engländer zu sorgen. Ein gleicher Schritt wurde bei dem spanischen Botschafter in London unternommen. Die Frauen und Kinder der als Geiseln festgehaltenen Engländer sind bereits vor einiger Zeit nach England gebracht worden. In amtlichen englischen Kreisen erklärt man, daß sich die 38 Engländer angeblich nicht in Gefahr befinden. Spanische Kommunisten ermorden nationalistischen Oberst auf portugiesischem Boden Lissabon. In der Nähe des portugiesischen Grenzortes Campo Maior überschritt eine größere Abteilung spanischer Kommunisten die Grenze und drang in portugiesisches Gebiet ein. Die Kommunisten bemächtigten sich eines Obersten der spanischen Nationalisten, der sich nach Portugal geflüchtet hatte. Die portugiesischen Grenzbeamten waren der Uebermacht gegenüber nicht in der Lage, das Eindringen der Kommunisten zu verhindern. Die Kommunisten erschossen den Oberst auf portugiesischem Boden und verschwanden dann über die Grenze. Geiselerschießungen in San Sebastian Paris. Wie der Sonderberichterstatter des „Echo de Paris“ meldet, sollen 14 nationalistische Geiseln aus Tolosa von den Marxisten nach San Sebastian gebracht und dort erschossen worden sein. Kurz zuvor habe man in San Sebastian 56 aktive Offiziere und eine Anzahl Reserveoffiziere erschossen, weil sie nationalistisch gesinnt gewesen seien. Panzerkreuzer„Jaime I“ versenkt Lissabon. General Queipo de Llano gab am Donnerstag über den Sender Sevilla wieder einen Lagebericht, in dem er zunächst erklärte, daß die Madrider Linksregierung versuche, die von ihm gegebenen Meldungen als unrichtig darzustellen. Objektiven Beobachtern würde es jedoch nicht gelingen, ihm auch nur eine einzige Unwahrheit nachzuweisen. Der General ging dann auf die letzten militärischen Ereignisse ein und teilte mit, daß der auf seiten der Madrider Regierung stehende Panzerkreuzer„Jaime I“ von Flugzeugen der Militärgruppe erfolgreich mit Bomben belegt werden konnte. Das Kriegsschiff sei infolge der erlittenen schweren Havarien gesunken. Erfolge der spanischen Nationalisten Hendaye. Die von den spanischen Sendern in der Nacht zum Freitag verbreiteten Meldungen ergeben folgendes Bild: Badajoz ist von den Nationalisten nach mehrstündiger Beschießung zur Hälfte eingenommen worden; in dem restlichen Teil der Stadt wird noch gekämpft. Der Sender Burgos teilt mit, daß der Vatikan bei der Madrider Regierung erneut wegen der zahllosen Ermordungen von Geistlichen durch die Kommunisten vorstellig geworden sei. Ferner verlautet zuverlässig, daß General Mola am Donnerstag in Sevilla gewesen sei und mit General Franco, eine Besprechung gehabt habe. Die Madrider Regierung soll versucht haben, die Eingeborenen in Marokko dazu aufzuhetzen. General Franco in den Rücken zu fallen. Als Antwort auf diese Machenschaften habe das Oberhaupt des größten Stammes dem General Franco 20 000 Krieger zum Kampf gegen Madrid angeboten. Paolino Uczudun getötel? Nach noch nicht bestätigten Zeitungsmeldungen soll der spanische Schwergewichtsboxer Paolino Uezudun bei den Kämpfen um San Sebastian ums Leben gekommen sein. Der Spanier zählte zu den härtesten Nehmern der Schwergewichtsklasse und wurde in seiner langjährigen Laufbahn als Berufsboxer nur einmal von dem von Max Schmeling besiegten Neger Joe Louis entscheidend geschlagen. Olympia-Brieftaubenflug 360 Tauben nach Wien zurückgekehrt dub. Wien, 14. August. Der Klub der Wiener Brieftaubenzüchter teilt mit, daß von den 400 Wiener Brieftauben, die anläßlich der Olympischen Spiele in Berlin hochgelassen wurden, bisher 360 zurückgekehrt sind. Mitglied der Leibwache von Oberst de la Rocque erschossen aufgefunden Paris. Auf der Besitzung des Obersten de la Rocque in der Gegend von Clermont=Ferrand ist, wie erst jetzt bekannt wird, vor vier Tagen ein Mitglied der persönlichen Leibwache des Obersten erschossen aufgefunden worden. Die Untersuchung soll Selbstmord festgestellt haben. Bern. Zur Durchführung der striktesten Neutralität im spanischen Bürgerkrieg hat der Bundesrat am Freitag ein Teilnahme= und Waffenlieferungsverbot erlassen. Die Ausreise aus der Schweiz zur Teilnahme an den Feindseligkeiten in Spanien ist verboten. Gewinnauszug 5. Klasse 47. Preußisch=Süddeutsche (273. Preuß.) Klassen=Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 5. Ziehungstag 13. August 1936 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 RM gezogen 390687 162875 234492 298286 2 Gewinne zu 10000 RM. 10 Gewinne zu 5000 RM. 380694 384507 2 Gewinne zu 3000 RM. 240104 16 Gewinne zu 2000 RM. 47834 93974 117698 206615 341507 365641 54 Gewinne zu 1000 RM. 18387 19686 59481 80942 88673 125397 149273 149304 167943 188718 189601 210786 218761 261542 275044 280790 284635 297654 316254 330186 362161 368508 376324 86 Gewinne zu 500 RM. 4760 4961 9866 24013 30797 33850 34878 48750 80256 87304 90933 96937 108116 122719 123928 156509 156749 75332 78357 49846 165220 246657 316243 161214 212603 257474 295611 364904 161804 217932 259220 306121 393573 169572 220696 267936 307142 179603 238609 268273 314974 203713 240462 280905 340324 205667 246053 281501 367942 356 Gewinne zu 300 RM 319 749 1210 1716 4913 6977 29010 37775 53921 66002 77293 88948 96483 104812 124048 13860 153542 168608 192516 202407 210075 223045 237543 246648 255018 265599 285858 298002 309795 322225 337764 363259 37555 7922 12643 29887 32705 42954 54531 66528 77760 88241 97092 105019 125088 140724 156529 171244 193794 203371 211066 224342 23866 247439 257211 265807 286566 300858 313664 325474 342130 365230 377344 1489 32765 48464 60467 72016 81075 91777 97200 101818 109545 111623 47791 60445 69430 79465 90047 16756 36336 49100 62016 73106 86729 92968 125362 140964 162319 173414 196877 204048 214264 224670 239586 248222 259245 269989 287985 301600 315408 327782 346808 365582 390343 126997 149586 163417 181955 197312 205580 219760 231104 240733 250802 261234 270460 288304 303000 316693 327864 34826 368770 398154 28122 36736 50202 62926 73931 86659 93581 102691 115654 128713 150948 167771 18200 201722 208775 220035 235526 241335 251899 261409 276848 291031 308674 319435 331779 351305 372604 28858 37413 51978 65690 74594 87809 95655 102782 120237 130500 153024 168533 191876 201879 209471 221483 236045 244587 252549 964134 280016 293977 308764 321920 336468 358377 374885 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 RM gezogen 4 Gewinne zu 10000 RM. 3434 92873 6 Gewinne zu 5000 RM. 258283 311795 349927 14 Gewinne zu 3000 RM. 86188 94095 110417 134521 200288 245176 397095 12 Gewinne zu 2000 RM. 148585 170449 209512 285655 385211 393117 58 Gewinne zu 1000 RM. 12370 30068 31266 58565 67972 112277 153597 162688 185436 187070 310457 348876 319362 361664 24613 132162 189800 330155 374134 10653 13820 252307 288717 339596 347154 389991 78 Gewinne zu 500 RM. 41682 47960 51914 58870 59982 60520 70145 72794 81646 88297 113402 140363 150961 151011 152281 155454 158344 167781 184520 255257 302992 312756 330587 371149 382884 386986 272 Gewinne zu 300 RM. 27354 135884 218330 336150 375711 266608 333921 391318 411 487 3758 5078 6822 275613 340624 30335 62245 140790 159657 284980 349965 7068 9414 10394 17593 19033 20767 24311 28255 30422 31063 35747 36473 41735 46111 46160 47089 48425 65031 60755 65825 72409 75945 78277 78619 78912 79667 81864 86225 89705 91054 94823 97973 98986 103543 106208 106369 108845 109167 124178 135388 148681 172387 193887 218320 222814 244309 269466 285261 314719 333660 346643 356439 377143 126795 136402 155364 176964 199062 218497 224414 244367 273256 289462 314737 337243 346844 359567 382771 126472 137662 157006 181210 200333 219614 228502 249615 27414 292091 320894 338156 346898 364967 386222 126950 138357 162416 190136 202468 221778 232353 259416 27790 303503 323912 34230 347249 365968 394913 134274 142386 167643 191518 203409 222365 235785 260621 279260 303949 326468 345496 352912 366501 397222 72628 86999 102835 116900 135145 146775 167905 192621 218113 222589 241658 266950 280627 306711 332050 345846 366163 371219 Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu e 1000000, 2 zu je 300000, 2 zu se 100000, 2 zu je 75000, 4 zu je 50000, 6 zu je 30000, 14 zu je 20000, 84 zu je 10000, 152 zu je 5000, 296 zu je 8000, 826 zu je 2000, 2452 zu je 1000, 4102 zu je 500, 16424 zu je 300 RM. Nr. 220 Iweites Blatt des„Etadtanzeigers für Castrov=Nauxel und Umgebung“ Samstag, den 15. August 1936 Ain=Turrnee=Soltspuel Eine dendrologische Wanderung von S. Lünschermann 1. Fortsetzung. In Strauchform tritt uns im Vordergrunde der Gruppe der Douglas=Spierstrauch(Spiraca Douglasii) entgegen, der sich im Halbschatten der Ahorne wohl geborgen fühlt. Mehr als 50 Arten und zahlreiche Gartenformen dieser anspruchslosen Sträucher, die auch in mehreren Arten im Volkspark vertreten sind, finden im allgemeinen bei uns weiteste Verbreitung, obgleich sie sich weder durch Wohlgeruch noch durch besonderen Farbenreichtum hervortun, wenn auch die weißen und rötlichen Blüten mancher Arten sich zu ansehnlichen Dolden, Rispen oder Trauben anhäusen. Aber an Zierlichkeit der Belaubung und gleichzeitiger Dankbar= keit im Blühen, besonders der Frühblüher unter ihnen, kommen den Spiräen nicht viele Gehölze gleich. Der aus Nordamerika stammende DouglasSpierstrauch erinnert mit seinen langen rötlichen Blütenrispen sehr stark an den bekannteren Weidenblättrigen Spierstrauch(Spiraca salicifolia), trägt aber zum merklichen Unterschied von diesem unterseits weißfilzige Blätter. Ihren Namen trägt diese nordamerikanische Spiräenart zu Ehren des schottischen Botanikers Douglas, der zu Anfang des 19. Jahrhunderts den Westen Amerikas bereiste. Nach ihm ist auch die Amerikanische Douglastanne(Pseudotsuga taxifolia) benannt, eine der wertvollsten forstlichen Errungenschaften der neueren Zeit. An zwei Berg=Ulmen(Ulmus scabra) vorbei, die sich schräg gegenüber stehen, beschreiten wir den nach links abzweigenden Weg. Rechts am Wege begleiten uns jungstämmige Amerikanische Rot=Eichen (Quercus rubra). die sich wegen ihrer prächtigen roten Herbstfärbung neuerdings immer mehr beliebt machen, zumal sie auch wegen ihrer Raschwüchsigkeit zu forstlichen Zwecken im deutschen Wald Eingang gefunden haben, wenn auch keineswegs die Güte ihres Holzes das unserer deutschen Eiche übertrifft. Ihrer Belaubung nach würde ihre Zugehörigkeit zum Geschlecht der Eichen manchen Zweifel erregen, da die Form der großen, spitzlappigen Blätter der Rot=Eiche von dem uns Deutschen geläufigen Begriff eines Eichenblattes erheblich abweicht. Als wirkungsvolle Einzelerscheinung auf dem rechts zum Teiche abfallenden Rasen macht sich ein Gemeiner Tulpenbaum(Liriodendron tulipifera) bemerkbar, dessen auffällig gelbe Belaubung sich merklich von seiner Umgebung abhebt. Dieser schöne Baum ist schon im Jahre 1688 bei uns in Deutschland eingeführt. In seiner nordamerikanischen Heimat erreicht er nicht selten eine Höhe von 65 Metern, eine Höhe, an die die größten unserer heimischen Exemplare nicht entfernt heranreichen. Vom Juni bis August zeigt sich der Tulpenhaum im schönsten Blütenschmuck; die tulpen artigen, rotgelben Blütenglocken sind aber, da sie nur an älteren Bäumen auftreten, weniger bekannt als die auffallend gesormten Blätter mit ihrer geteilten Blatt= spitze. Wir nähern uns nun rechts einer Koniferenanpflanzung, die wegen eines besonders seltenen Nadelbaumes besondere Beachtung verdient. Es ist die Kämpfers Goldlärche(Pseudoarix Kaempferi) aus dem nordöstlichen China, ein Schmuckstück ersten Ranges. Von prächtiger Gestaltung sind die zu einem Trichter gestellten langen, weichen Nadeln die im Herbst eine goldgelbe Färbung annehmen und dann eine seltene Zierde des Baumes bilden. Engelbert Kämpfer, nach dem der Baum seinen Beinamen erhielt, war Leibarzt des Fürsten zu Lippe und brachte von seinen Reisen, die er nach den verschiedensten Ländern Asiens unternahm. eine reichhaltige Kenntnis zahlreicher Gewächse nach Europa zurück. Bei unserer Weiterwanderung begleitet uns auf der linken Seite eine dichte, langgestreckte Gehölzgruppe, die aus gemischten Gehölzen, wie: Roßkastanien, Weiß=Birken, Schwarz=Erlen etc. besteht und eine Reihe Deck= und Füllsträucher überschatten, unter denen außerdem bereits bekannten DouglasSpierstrauch u. a. besonders die Blasenspieren und Deutzien auffallen. Die Schneeballblättrige Blasenspiere(Phusocarpus opulifolia). die früher zu den eigentlichen Spiersträuchern gerechnet wurde, verrät mit Deutlichkeit durch die Gestalt ihrer Blätter, die denen unseres bekannten Schneeballes ähneln, die Bedeutung ihres Namens. Aus den im Mai und Juni erscheinenden weißen, seitenständigen Doldentrauben dieses dankbaren Zierstrauches, den uns wie so manchen auch wieder Nordamerika schenkte, entwickeln sich nach der Blütezeit rötliche Fruchtkapseln, die im Herbst den Zierwert des Strauches erhöhen. Natürlich darf auch die benachbarte Rauhe Deutzie (Deutzia scabra) in unserem Garten nicht fehlen; steht sie doch in dem berechtigten Ruf, von keinem Frühlingsstrauch an Blütenreichtum und= Schönheit übertroffen zu werden. Die Deutzien kamen bereits im vergangenen Jahrhundert aus Ostasien(China und Japan) in einer Reihe von Arten zu uns. Sind schon die einzelnen Arten infolge der Gringfügigkeit der verschiedenen Merkmale mitunter schwer zu unterscheiden. so wird dies noch erschwert durch die Bastardierung einzelner Artn zu einer Reihe von Gartenformen. Die Deutzie wurde benannt nach dem in Amsterdam lebenden Ratsherrn Joh. Deutz. der sich große Verdienste dadurch erwarb. daß er die Forschungsreisen de's schwedischen botanischen Forschungsreisenden Karl Thunberg unterstützte. Unser Weg endet auf einem freien Platz, an den sich rechts eine größere Rasenfläche anschließt, die ihrerseits an beiden Seiten von einer Reihe hochaufstrebender Pyramiden=Pappeln(Populus sastigiata) begleitet wird.— An dieser schlanken Pappel erkennt man so recht, welche Bedeutung der Pappel im Landschaftsbilde zukommt. Säulenpappel müßte sie eigentlich genannt werden, da sie aus schlanken„Säulen“ und nicht aus Pyramiden besteht. Sie gilt als eine Wuchsform der bekannten SchwarzPappel und wurde vor fast 200 Jahren(1740) aus Italien(Lombardei) bei uns eingeführt. Als ihre eigentliche ursprüngliche Heimat gilt aber Zentralasien und nicht Nordamerika, wie man vielfach angenommen hat.— Eigentümlicherweise stammen alle in Mitteleuropa verbreiteten Pyramiden=Pappeln von dem einen männlichen Exemplar ab, das von Oberitalien nach Mitteldeutschland in den Park von Wörlitz(Anhalt) gebracht wurde. Ueberall an Flüssen, Landstraßen und in Parks wurde sie seitdem in. Deutschland angepflanzt. Besonders Napoleon brachte sie in den Gebieten Deutschlands zur Geltung, die seiner Herrschaft unterstanden(„Napoleonspappel"), vor allem deshalb, um seinen Heeren die nötigen Richtlinien zu geben. Dann aber brach der Wechsel der Mode ihre Herrschaft. Sie mußte vor allem an den Landstraßen Obst= und anderen Bäumen weichen. Ihr Rückgang hatte aber noch andere Gründe, die nicht auf den Modewechsel zurückzuführen waren. Infolge der fortgesetzten vegetativen Fortpflanzung durch Ableger, so nimmt man an, stellte sich eine Schwächung der Lebenskraft ein, die in der sogenannten„Gipfeldürre“ zum Ausdruck kommt, die wir noch heute an alten Säulenpappeln antreffen. Eine gewisse Lebensmüdigkeit, so glaubte man, habe die Pappel ergriffen, die sie in den Aussterbezustand brachte. Diese Annahme findet aber bei manchen botanischen Fachleuten nur bedingte Zustimmung und wird teilweise dadurch widerlegt, daß ein starkes Zurückschneiden aller trockenen Aeste bis auf das gesunde Holz einen sehr lebhaften Ausbruch neuer, gesunder Sprosse hervorruft, so daß es also den Anschein hat, als ob doch auch noch andere Ursachen das Absterben der Givfel veranlasse und den Säulenpappeln doch noch gesunde Lebenskräfte innewohnen. Um nicht unbedingt auf die einseitige vegetative Vermehrung der Pappel angewiesen zu sein, hat man in neuerer Zeit, wo der ästhetische Reiz der steilaufstrebenden Pappel wieder höher gewertet wird, auch weibliche Exemplare eingeführt, um durch Bildung von Samen zur Fortpflanzung auf geschlechtlichem Wege eine Rassenbesserung zu erzielen. Im Schatten der Pappelreihe zieht sich eine wohlgepflegte Anpflanzung von Spiersträuchern hin, die als Einzelpflanze mit ihren rötlichen flachen Doldenrispen einer wildwachsenden„Schafgarbe“ nicht unähnlich sehen. Unter den im Spätsommer blühenden Spiräen ist sie eine der dankbarsten und blütenschönsten. Sie führt ihrer geringen Größe entsprechend den Namen Niedriger Spierstrauch(Spiraca pumila) und ist als besondere Spielart aus einer Kreuzung des Japanischen Spierstrauches(Spiraca japanica) und des ebenfalls in Japan heimischen Weißblühenden Spierstrauches (Spiraca albiflora) hervorgegangen.„Anthony Waterer“ wird die vor uns stehende Spielart mit ihrem leuchtenden Karmin vom Gärtner genannt. (Schluß folgt.) 111 Das neue Winterprogramm für Castrop=Rauxel Einige wichtige Neuerungen Der höchste Zweck des völkischen Staates ist die Sorge um die Erhaltung derjenigen rassischen Urelemente, die kulturspendend die Schönheit und Würde eines höheren Menschentums schaffen. Adolf Hitler. Die NS.=Kulturgemeinde Castrov=Raurel wird auch nach Zusammenlegung der beiden volitischen Kreise Castrov=Rauxel und Herne ihr Winterprogramm selbständig durchführen. Das ist sehr erfreulich, da dann die Arbeit für den Aufbau eines kulturellen Eigenlebens der„Industriestadt im Grünen" in gleicher Weise weiter geleistet werden kann. Die NS.=Kulturgemeinde Castrov=Rauxel hat bereits ihr neues Winterprogramm aufgestellt, das wir nachstehend veröffentlichen. Die Trennung zwischen Nord und Süd ist auf Grund der Erfahrungen, die man in den Vorjahren machte, von vornherein fallen gelassen. Alle Veranstaltungen werden somit für beide Stadthälften gemeinsam aufgezogen und zwar zum Teil im Norden und zum Teil im Süden der Stadt im Wichernhaussaal bzw. im Saal der Klöckner=Werke und in einem Falle(Karfreitagskonzert) in der Evgl. Kirche Habinghorst. Neu und begrüßenswert ist es weiter, daß die NSKG. und NSG.„Kraft durch Freude“ sich bei ihren Bestrebungen jetzt gegenseitig unterstützen und einzelne Abende in Gemeinschaftsarbeit aufziehen. Dadurch fällt die Konkurrenz. die sich in früheren Jahren mitunter auf den Besuch der Veranstaltungen ungünstig auswirkte, nun fort. Vom Programm der NSKG. werden die drei Theaterabende und der Ballettabend gemeinsam mit„KdF.“ durchgeführt. Die„Reihe" des Winters 1936 37 sieht im ganzen drei Theaterabende, einen Ballettabend. zwei Vortragsabende und vier Konzertabende vor. Man hat also gegen früher die Zahl der Veranstaltungen eingeschränkt, aber, wie anerkannt werden muß, die gleiche gute Stufe für die Darbietungen beibehalten, obschon das Gesamtvrogramm sichtlich volkstümlicher gehalten ist. Das gilt vor allem auch von den musikalischen Veranstaltungen. Für die drei TheaterabendediechK????„RDG Für die drei Thcaterabende, die einen Klassiker und zwei Neuerscheinungen bringen, wurde wieder das Westsälische Landestheater verpflichtet, das hier damit in seine vierte Spielzeit tritt. Den einen Vortrag hält Pros. Dr. GrimmEssen, der hier von seinem Auftreten vor den französischen Militär= und Polizeigerichten zur Besatzungszeit her in rühmlicher Erinnerung ist und der im Vorjahr mit seinem Vortrag„Hitlers deutsche Sendung“ einen so großen Beifall erntete. Während der vorjährige Vortrag im Süden stattsand, wird Dr. Grimm diesmal im Norden sprechen. Sein neuer Vortrag wird besonders die Außenpolitik behandeln. Eine Neuerung. die gewiß allgemein willkommen sein wird, ist die Einfügung eines heiteren Vortragsabends. Für ihn wurde der ostpreußische Vortragskünstler Otto Franz Krauß gewonnen, der vielen Castrop=Rauxelern schon vom Rundsunk her bekannt sein dürfte. Auch ein Ballettabend ist wieder vorgesehen. nachdem man ihn im letzten Jahre entbehren mußte Er wird von dem Ballett Günther=München dargeboten, dem ein beachtlicher Ruf voraufgeht. Die vier musikalischen Veranstaltungen bestehen aus Kammermusikabend(Beethoven, R. Schumann und Fr. Schubert). Chor= und Orchesterkonzert(Beethoven, Bruckner. G. Schwickert und Dr. H. Wedig). Orchesterkonzert mit heiterer Musik und Karfreitagskonzert(Bachs Matthäuspassion für Chor und Orchester). Weitere Einzelheiten sind aus dem nachfolgenden Veranstaltungsplan, für den allerdings noch Aenderungen vorbehalten bleiben, zu ersehen: Veranstaltungsplan über Aufführungen u. Konzerte NSKG. Ortsverband Castrov=Rauxel 1936 37 I. 8. Oktober 1936: Ostvreußens Vortragskünstler Otto Franz Krauß Sein Humor spaziert durch die deutschen Gaue. kennt keine Grenzen der Taktik, umsomehr aber des Takts mit allem Rüstzeug der Gestik, Mimik und Dialektik. II. 25. Oktober 1936: Kammermusikabend Programm: Beethoven: Sonate=moll: Bach: Solo=Suite=dur: R. Schumann: 3 Stücke im Volkston: Fr. Schubert: Arveggien=Sonate=dur: dazu Sologesänge für Sopran. Solisten: Ludwig Hoelscher(Cello): Frau Margarete Vogt=GebhardtBerlin(Sopran): Begleitung am Flügel: Städt. Musikdirektor M. Spindler. III. 4. November 1936: Theaterabend(Westfälisches Landestheater e..) Dieser Abend wird gemeinschaftlich mit der NS.= Gemeinschaft„Kraft durch Freude" durchgeführt. Gegeben wird:„Maria Stuart“ von Fr. v. Schiller. IV. 22. November 1936(Totensonntag): Chor= und Orchesterkonzert mit dem Städt. Konzertverein Costrov=Rauxel und dem Gelsenkirchener Städt. Orchester. Leitung: Städt. Musikdirektor M. Spindler. Programm: G. Schwickert: Sinjonische Musik über ein=mollThema: Dr. H. Wedig:„Deutscher Psalm“ für gem. Chor und Orchester: L. van Beethoven: Coriolan= Ouvertüre: Bruckner: a) Langsamer Satz aus der „Romantischen Sinsonie" b) 150. Psalm für gem. Chor und Orchester(anläßlich der Wiederkehr des 40. Todestages). 10. Dezember 1936: Vortrag des Pa. Pros. Dr. Grimm=Essen über das Thema:„Wir sind im Recht! Von Versailles bis zur Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit". VI. 5. Januar 1937: Theaterabend(Westfälisches Landestheater e..) Dieser Abend wird gemeinschaftlich mit der RS.= Gemeinschaft„Kraft durch Freude" durchgeführt. Gegeben wird:„Scharnhorst“ von Menzel. VII. 24. Januar 1937: Orchesterkonzert mit heiterer Musik Leitung: Städt. Musikdirektor M. Spindler. Programm: Dr. Karl Thieme: Tänzerische Musik: Nicolai: Ouvertüre zu„Die lustigen Weider von Windsor"; Mozart:„Ein musikalischer Spaß“ oder„Die Dorfmusikanten“: C. M. v. Weber:„Aufforderung zum Tanz“: Franz v. Suppé: a) Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“. b)„Die schöne Galathee": Joh. Strauß:„Frühlingsstimmenwalzer". Solistin: E. Delseit=Köln(Koloratursovran). Städt. Orchester Gelsenkirchen. VIII. 26. Februar 1937: Theaterabend(Westfälisches Landestheater e..) Dieser Abend wird gemeinschaftlich mit der NS Gemeinschaft„Kraft durch Freude" durchgeführt. Es kommt zur Darstellung:„Sprung aus dem Alltag“, heiteres rheinisches Volksstück v. H. Zerkaulen. IX. Mitte März: Ballett: Günther=München Diese Veranstaltung wird gemeinschaftlich mit der NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Frcude" durchgeführt. X. 26. März 1937. Chor= und Orchesterkonzert(Karfreitag) I S. Bach:„Die Matthäusvassion". ausgeführt vom Städt. Konzertverein Castrov=Rauxel und dem Städt. Orchester Gelsenkirchen. Karin Schenk(Alt). G. K. Teumer(Baß), Franzrahe(Cembalo), Böttger (Orgel). Wegen der Besetzung der Sopran=, Tenorund Baß=Bariton=Partien schweben noch Verhandlungen mit namhaften Solisten. Außer diesem offiziellen Programm sind noch kleinere Vortrags= und Leseabende für die Mitglieder der NS.=Kulturgemeinde Castrov= Rauxel vorgesehen, auf die s. Zt. noch an dieser Stelle jeweils besonders aufmerksam gemacht wird. Die Preisgestaltung weist gegen früher auch eine wesentliche Aenderung auf. Neben der Vormiete für die Gesamtreihe von zehn Veranstaltungen gibt es jetzt auch Teilvormieten(Unterabonnements), die zum Besuch von sechs Veranstaltungen berechtigen. Die Preisstafselung nach dem Gehalt ist beibehalten. Für Angehörige des Hausstandes des Vormieters werden jetzt die Reihenabonnements entsprechend den nachfolgend abgedruckten Bedingungen verbilligt abgegeben. Preisgestaltung Einheitsplatz, Preise nach dem Einkommen: Gruppe 1 Dauerkarte Einzelkarte Monatseinkommen bis 150 RM..——.50 Gruppe 2 Monatseinkommen 150—300 RM..—.— Gruppe 3 Monatseinkommen über 300 RM 10.—..50 Unterabonnement 6 Veranstaltungen(3 Schauspiele, Ballett und die 2 Vorträge). 6 Veranstaltungen(4 musikalische Veranstaltungen und die 2 Vorträge). Dauerkarte Einzelkarte Gruppe 1.40 RM.—.50 RM. Gruppe 2.40 RM..— RM. Gruppe 3.60 RM..50 RM. Abnehmer der Reihenkarten der Gruppen 2 und 3 können für Angehörige ihres Hausstandes Reihenkarten für den Preis der Gruppe 1 beziehen. Die Hauptkarte des Abonnements ist übertragbar. die Nebenkarten nicht. Bequeme Ratenzahlungen werden eingeräumt Mitglieder des Freundesringes erhalten aus die Preise einen Preisnachlaß von 33½ Prozent Die Veranstaltungen zu I. II. III. VI VIII finden im Wichernhaus, die übrigen Veranstaltungen im Klöcknersaale, Adolf=Hitler=Straße 157, statt Die Matthäusvassion(.) wird in der Evgl. Kirche Habinghorst aufgeführt. Aenderungen bleiben vorbehalten. Oberbürgermeister Dr. Anton und Kreisobmann der NSKG. Paulsen wenden sich mit nachstehendem Aufruf an die Bevölkerung der Stadt Castrop=Rauxel „Die NSKG. Ortsverband Castrov=Rauxel tritt wiederum, wie bereits in den ersten drei Jahren nach der Machtübernahme, mit einem kulturellen Veranstaltungsplan an die Oeffentlichkeit mit der Bitte, die Durchführung durch Mitgliedschaft und Abnahme der angebotenen Reihentarten zu unterstützen. Kultur pflegen und fördern bedeutet für uns. die schöpferischen Persönlichkeiten und ihse Werke zu pflegen. Mit der Darbietung der Werke wollen wir den Charakter und die Gesinnung vertiefen. damit jeder für die Schöpfungen der Talente und Genies empfänglich wird. Die Pflege darf niemals abgebrochen werden. Sie ist aber nur durchführbar in unserem industriellen Notstandsgebiet im Zusammenschluß aller interessierten Volksgenossen. Castrov=Rauxel hat in den letzten drei Jahren bereits beachtliche Anfänge auf dem Gebiete der kulturellen Erneuerung gemacht und sich einen treuen Kreis von Besuchern erworben. Ihnen gebührt an dieser Stelle besonderer Dank. Unsere Förderer bitten wir ganz besonders, sich in ihrem Bekanntenkreis werbend für uns einzusetzen. Kein Volksgenosse darf sich ausschließen! Jeder ist verantwortlich und verpflichtet für das kulturelle Leben in unserer Stadt. Aus diesem Grunde rusen wir alle Volksgenossen zur Mitgliedschaft und auch zur tätigen Mitarbeit auf.“ Man kann nur wünschen, daß dieser Aufruf in den weitesten Kreisen der Bevölkerung unserer Stadt den gewollten und notwendigen Nachhall findet. Im nationalsozialistischen Staate soll nach dem Willen unseres Führers Kulturerlebnis nicht mehr Angelegenheit eines bestimmten kleinen Kreises von Konpielle Wohnungseinrichtungen sowie Einzelmöbel liefert das Spezial-Möbelhaus Guslav Grafe Menschen sein, sondern eine Lebensnotwendigkeit des ganzen deutschen Volkes sein. Das Bemühen der RSKG. ist. alle kulturell interessierten Volksgenossen zu gewinnen, um sie an das Höchste und Wertvollste heranzuführen, was der Reichtum der deutschen Seele und was die Schaffenskraft des deutschen Künstlers zu formen und zu gestalten vermag. Die wirtschaftliche Belastung für die Veranstaltungsreihen ist so gering, daß es jedem möglich ist, die Veranstaltungen der NS.=Kulturgemeinde zu besuchen. Volksgenossen! Unterstützt das große Kulturwerk des Führers: Tretet ein in die RS.=Kulturgemeinde. arbeitet mit an der Verwirklichung der Volksgemeinschaft unserer Heimatstadt und an dem inneren Azf. und Ausbau des Dritten Reiches. Hletatbolle=Sradpflege Der Stadl. Gattenbauberwaltung Stadttreis Castrop=Rausel Castrop=Rauxel, den 15. August 1936. Schützt Flur und Ernte! Immer noch gehen Jahr für Jahr MillionenWerte dem Volke durch böswillige oder unvorsichtige. Beschädigung der Fluren verloren. Wie oft kann man z. B. beobachten, daß an den Wegerändern das Getreide zertrampelt ist. Nicht selten führen ganze Pfade durch die Feider. nur weil es einige Fußgänger zu unbequem finden, den vorgeschriebenen Weg zu gehen. Ein übler Brauch ist es auch, das Städter auf ihren Spaizergängen Sträucher und Obstbäume abbrechen, um sie zu Hause in ein Glas zu stellen. Dadurch versündigt man sich nicht nur am Ertrag der deutschen Scholle, sondern verunziert in der übelsten Weise das schöne deutsche Landschaftsbild. Niemand hat das Recht, diese Schönheiten nur für sich in Anspruch zu nehmen. während Tausende nach ihm sich über kahle Bäumchen und lückenhafte Hecken ärgern müssen. Es ist rücksichtslos, so die Schönheiten der Natur zu mißbrauchen. Den Volksgenossen wird dadurch manch stille Freude genommen und der Volkswirtschaft werden Schäden zugefügt, die sich bei entsprechender Diszivlin vermeiden ließen. Achtet darum die Gaben der Natur und tobt nicht in ihr herum wie der Elefant im Porzellanladen. Eine besondere Augenweide für Blumenliebhaber Im Stadtgarten werden die Blumenliebhaber in Kürze eine besonders schöne Ueberraschung erleben. Seitens der Städt Gartenbauverwaltung ist das am Südostrand des Städt. Freibades gelegene große Blumenbeet, das im Sommer mit rotem Mohn besetzt war, mit zirka 2400 gemischtfarbenen Chry santhemen bepflanzt worden. Das wird eine besondere Augenweide geben, wenn sie im Spätherbst zur Blüte kommen! Die Stadtgartenbesucher können der Städt. Gartenbauverwaltung keine größere Freude machen als dadurch, daß sie veinlich genau darauf achten, daß nicht von bösen Buben oder Mädelchens Blumen abgebrochen und so ihrer eigentlichen Bestimmung, allgemeine Freude zu verbreiten, entzogen werden. Sehr guter Erfolg des Kote-Kreuz-Sonntags Die am letzten Sonntag durch den Straßenverkauf von Wickenblüten auch in Castrop=Rauxel durchgeführte 2. diesjährige Sammlung für das Rote Kreuz hatte einen vollen Erfolg. Es kamen insgesamt 1195.75 RM. ein, wovon der größte Teil. nämlich 712.92 RM., im Norden der Stadt ausgebracht wurde. Im Süden wurden 482.83 RM. gesammelt. Da das Ergebnis des ersten Sammeltages für das Rote Kreuz 696,54 RM. betrug, sind für das Rote Kreuz in unserer Stadt in diesem Jahre insgesamt 1892.29 RM. eingekommen. Der vorjährige Rote=Kreuz=Sammeltag hatte ein Ergebnis von 1678 RM. Es sind diesmal also über 200 RM. mehr eingekommen. Brückenausbesserung Die hölzerne Fußgängerbrücke über der Emscher= talbahn wird zurzeit seitens der Reichsbahn einer gründlichen Ausbesserung unterzogen. Insbesondere werden auch alle nicht mehr ganz einwandfreien Bohlen des Belags entfernt und durch neue ersetzt. Die Fundpolizei meldel: Bäckerwagen=Schlüssel gefunden! Eigentumsansprüche sind bei der Ortspolizeibehörde. Kirchplatz 3, geltend zu machen. Neben den öffentlichen Anlagen, die durch die Städtische Gartenbauverwaltung(Stadtbauamt) in Ordnung gehalten werden, finden die ebenfalls von der Stadt gehegten und gepflegten besonderen Gräber auf den hiesigen Friedhösen erjahrungsgemäß viel zu wenig Beachtung. Zunächst sei einmal auf die auf dem Kath. Friedhof Im Scheiten befindlichen Grabanlagen, die in der Obhut der Stadt stehen, hingewiesen. Es befindet sich dort das Grab für die dreißig Castrover Kinder die im letzten Kriegsjahr sern der Heimat an Pilzvergistung starben. Die Stadt hat diesen Kindern, die gemeinsam in schwerer Notzeit des Vaterlandes starben, ein Gemeinschaftsgrab errichtet und die Erinnerung an das bedauerliche Geschehen durch einen künstlerisch schön ausgeführten Gedenkstein aus Muschelkalkstein lebendig gehalten. Die gärtnerische Ausgestaltung der Gräberanlage. aber auch jeder der dreißig Grabhügel, wird von der Stadt pfleglich behandelt. Jeder einzelne kleine Grabhügel ist z. Zt. mit blaublühendem Agerathum bepflanzt. Die Rückseite der Grabanlagen und der Teil vor dem Denkmal stehen im Schmucke immerblühender Begonien und Pyrethrum. Rings umgeben ist die Gemeinschaftsgruft mit einer niedrig geschnittenen Ligusterhecke. Einige Trauerweiden tragen noch dazu bei, das schöne, würdige Bild der Anlage zu vermehren. Nicht weit davon befinden sich auf dem gleichen Friedhof die 21 Reihengräber der in Castrop gestorbenen oder nach Castrop überführten Kriegsteilnehmer. Auch hier sieht man die sorglich waltende und erhaltende Hand der Städt. Gartenbauverwaltung. Jedes der auf den einzelnen Gräbern stehenden Holzkreuze hat erst kürzlich einen neuen Anstrich erhalten. Der gute Eindruck wird noch erhöht durch die sauber gehaltenen, mit Eseu bepflanzten Grabhügel. Die ganze GräberWer nicht mit offenen Augen durch die Welt wandert, so sagt das Sprichwort, der weiß nicht. wie schön sie ist. Wie wesentlich ist es dann, daß wir selbst mehr Wert darauf legen. unser Augenlicht zu schonen und zu erhalten. Oft aber treten Dinge an uns heran. die wir nicht eigenmächtig zu andern wissen. Was nützt es beispielsweise, wenn wir unsere Augen vor Zugluft und äußeren Verletzungen schützen, wenn wir tagtäglich unabänderlich am Arbeitsplatz infolge mangelhafter. gleichgültig angelegter Beleuchtung mit dem Tageslicht im Kampfe stehen. In Fällen wo der Beruf eine unnötige Nervenprobe für die Sehorgane fordert, müßte schleunigst Einhalt geboten werden. Wer ist hierzu berufener als die Organisation aller Schaffenden. die Deutsche Arbeitsfront. Das stellt auch die am vergangenen Dienstagnachmittag im Luftschutzhaus zu Hagen stattgefundene erste Tagung für die am 25. September einsetzende Sonderaktion„Gutes Licht— Gute Arbeit“ deutlich heraus. Durch planmäßige Betriebsbesichtigungen wird ein geeignetes Wort da gesprochen werden, wo Fahrlässigkeit die Lebensdauer des gesunden Auges gefährdet. Der Gaureserent für Schönheit der Arbeit, Pg. Rudolf Lahl, wies als Tagungsleiter eingangs darauf hin, daß es notwendig sei. diese Aktion von der Straße in die Betriebe und vom Betrieb ins Heim zu tragen. Pg. Rehbock, der als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der reihe ist eingefriedigt mit einer niedrig gehaltenen Hainbuchenhecke. Den Hintergrund hinter den Kreuzen bilden sommergrüne Sträucher und einige Trauerweiden. Auch der Evgl. Friedhof des Stadtteils Castrop weist in einer Gemeinschaftsanlage zwölf ähnliche Kriegergräber auf. Acht davon sind mit Holzkreuzen geschmückt, es wäre dringend zu wünschen, daß auch die vier restlichen bald in gleicher Weise gekennzeichnet würden, damit der Gesamteindruck geschlossener wird. Auch hier sind die einzelnen Grabhügel mit Efeu besetzt. Die Rückseite der Gräber bildet ein großes Beet von Tagetes, das mit Pyrethrum eingejaßt ist. Die Einfriedigung der ganzen Anlage bildet auch hier eine niedrige Hainbuchenhecke. Außer diesen 33 deutschen Kriegsheiden sind auf den hiesigen Friedhösen noch 38 hier in Kriegsgefangenschaft gestorbene fremde Kriegsteilnehmer beigesetzt. Von diesen ruhen 25 auf dem Kath. Fridrihof Castrov. 9 auf dem Evgl. Friedhof Castrov, 3 aus, dem Friedhof Ickern und einer auf dem Friedhof Habinghorst. Auch diese 38 Kriegsgräber werden von der Stadt in pietätvoller Weise unterhalten und gepflegt. Jeder der auf den Friedhöfen in den Reihen der übrigen Gräber zerstreut liegenden Grabhügel hat ein einsaches Holzkreuz, jeder eine grüne Rasendecke, die stets sauber und kurz gehalten wird. Man darf der Gartenbauverwaltung der Stadt uneingeschränkte Anerkennung dafür aussprechen. daß sie sich müht, alle diese Gräber tadellos in Ordnung zu halten. Wünschenswert wäre es, daß die Friedhofsbesucher gerade an diesen Gräbern aus schwerer Notzeit unseres Volkes nicht so achtlos vorüber gingen, sondern sie mehr beachteten und sich beim Anblick der schönen Gräberanlagen auch derer erinnern, die unter ihnen den letzten langen Schlaf tun. Elektrowirtschaft das Hauptreserat übernommen hatte, gab die Richtlinien der Aktion im einzelnen bekannt. Die verschiedentlichen Fach= und Berufsgruppen hatten ihre Vertreter entsandt, und die rege Aussprache brachte oft beachtenswerte Hinweise. die diese Sonderaktion zum Erfolg führen werden. In Betrieben, Lichtspielhäusern und in der Tagespresse wird der Generalangriff gegen schlechte Beleuchtung am Arbeitsplatz beginnen. Dr. Hieve von der Lichttechnischen Gesellschaft verwies vor allem auf die Notwendigkeit der Ueberprüfung vorhandener Grubenlampensysteme. Als erster Beschluß galt die Festlegung von ArbeitskreisAusschüssen, die unter dem Vorsitze des jeweiligen Kreisreferenten für Schönheit der Arbeit ihre Hauptaufgabe in der Erfassung von Versammlungen zum Zwecke der Werbung für den Gedanken„Gutes Licht— Gute Arbeit“ zu erblicken haben. Erstmalig, so wurde ausdrücklich betont, trete das Amt für Technik aktiv bei dieser Aktion aus den Plan. Zum Schluß verkündete Pg. Lahl, daß die Deutsche Arbeitsfront durch das Amt Schönheit der Arbeit eine Ausstellung zum Ausgang September in Dortmund oder Hagen plane, die der Aktion das wahre Gesicht geben würde. Möge, wie es ein Redner der Tagung hervorhob. das Handwerk der schöpferische Pionier der Arbeit sein, dann ist an dem Gelingen dieser alle Arbeitskameraden zugute kommenden arbeitsreichen Aktion kein Zweifel zu hegen. Das Aage, die Wasse des Lebens Vorbereitung der Sonderaktion„Gutes Licht— Gute Arbeil“ Ladeneinrichtungen Friedr. Schweitzer, Schreinermeister Kaiser-Friedrich-Straße 30: Ruf 2062 Lokaler Sport Bockum=Höve!— Castrop 02 Mit dem Abschluß der Olymvischen Spiele hat auch die sommerliche Fußballsperre ein Ende und von morgen ab ist der Fußballsport wieder tonangebend. Da die Meisterschaftsspiele schon am ersten Sonntag im September anfangen, stehen den Vereinen nur noch die August=Sonntage für Gesellschaftssviele zur Verfügung und diese kurze Zeit muß unter Beweis stellen, daß die Mannschaften wieder fit sind. Die Castroper tragen ihre erstes Spiel morgen in Bockum=Hövel aus. Der Gastgeber spielt in der Hammer Bezirksklasse und gibt einen achtbaren Gegner ab. Castrops Mannschaft wird dieselbe sein, wie in den vergangenen Spielen in der Runde der Zweiten. Wir wünschen und hofsen. daß die Elf ihr erstes Spiel siegreich gestaltet. 1. Hansa Huckarde— 2. Castrop 02 Großkampftag auf der Kampfbahn Germania herne Am kommenden Sonntag wird es wieder Hochbetrieb auf dem„Germania"=Sportplatz in Herne geben. Es finden an diesem Tage nicht weniger als 4 Rennen statt. Den Reigen eröffnet ein FliegerHauptfahren mit 26 Fahrern am Start. Ein Jugend=Rennen über 25 Runden, offen nur für Herner Jugendliche, wird ein Rennen auf Biegen und Brechen geben, denn wer möchte nicht der beste Herner jugendliche Rennfahrer sein. Eine Delikatesse ist der Herausforderungskamos. Hier starten: Schmidt=Herne, Postler=Bielefeld. GaykHerten. Seegers=Duisburg. Büdenbender und Hoffmann=Bochum. Hier wird ein wildes Jagen einsetzen. Der Kampf geht über 20 Runden. Den Sieger im Voraus zu bestimmen, ist unmöglich. Das nächste ist das große Rennen des Tages. über 200 Runden. Es wird von 13 Mannschaften ausgejahren. Es starten: Schmidt=Herne— Postler=Bielefeld: Gayk=Herten— Seegers=Duisburg: Hoffmann=Büdenbender Bochum: Peters=.Gladbach Nolden=Krefeld: Krokowski=Horst— Bedra=Gladbeck: Krause—Fischer=Dortmund: Blättchen-Dackweiler.Gldabach: Meyer—Strauch=Dortmund; PardonMaletzki=Dortmund; Beddra=Essen— Fischer=Düsseldorf: Bauh—Mechlem=Krefeld. Achtei auf den Zlachr! Die Ernte darf keine Qualitätseinbuße erleiden! Die seit Wochen anhaltende Witterung mit ihrem dauernden Wechsel von Wind und Regen hat auch den Flachs größtenteils zum Lagern gebracht. Die schöne Flachsernte ist vorbei: hoffen wir und tun wir das unsere nach Kräften, daß nicht auch die gute Flachsernte vorbei ist, daß zu den eingetretenen Ernteerschwerungen nicht auch noch erhebliche Qualitätseinbußen kommen. Die Hauptschäden, die wir zu befürchten haben, sind der krumme Wuchs und das Anrösten, bzw. Verfaulen der unteren Stengelteile. Krummer Flachs wie er bei frühzeitigem starkem Lagern entsteht, läßt sich schlecht verarbeiten, er gibt mehr Werg als Langfasern und ist daher minderwertig. Anrösten kann der Flachs sowohl auf dem Halm bei starkem Lagern als auch bei falscher Behandlung nach dem Raufen. In leichteren Fällen kann der Röster den Fehler durch Anwendung der etwas kostspieligeren und teueren Tauröste mildern. stark angerösteter Flachs ist nur zu Werg zu verarbeiten. Kein Flachsfeld wird jedoch so stark lagern, daß alle Stengel im Dreck liegen. Immer werden einzelne Stellen. namentlich die Randstreifen, noch aufrecht stehen oder nur geneigt sein. Bei solchem Lagerflachs ist es angebracht, bereits während des Rausens eine grobe Vorsortierung vorzunehmen. Der gesunde Flachs wird für sich in Streisen gelegt und der angeröstete ebenfalls für sich. Beim Ablegen der Handvollen kann man vielfach die krummen Stengel durch Strecken noch etwas gerade ziehen. Mitunter kommt einmal eine ganze Handvoll vor. die von oben bis unten vollkommen verröstet ist. die eine graubraune Farbe ausweist und sich leicht zerreißen läßt. In diesen Stengeln ist die Faser bereits restlos verdorben. Solchen Flachs soll man auf dem Felde liegen lassen, da er zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Die Vorsortierung hat den Vorteil, daß bei der Ablieferung nicht die ganze Partie nach dem schlechten Flachs beurteilt wird, sondern für den besseren Teil ein höherer Preis bezahlt werden kann. Nach dem Rausen bleibt der Flachs meist viel zu lange auf dem Boden ausgebreitet liegen. Da der Boden aber sast immer seucht ist, kann der Flachs nicht abtrocknen, im Gegenteil, er jängt an zu rösten. Es hat keinen Zweck ihn länger als einen, höchstens zwei Tage liegen zu lassen. Dann muß er hoch. ob er nun steif geworden ist oder nicht. Wo sich Lagerflachs nicht in Kapellen aufstellen läßt, weil er zu krumm ist, spannt man einen Draht in Kniehöhe und legt ihn daran. Diese Art der Ausstellung hat sich bereits vielfach bewährt. Ein weiterer Fehler, den man immer wieder sieht. ist das sofortige Bündeln beim Raufen. Dadurch trocknet der Flachs schlecht und vor allen Dingen ungleichmäßig. Etwas weniger schlimm, aber auch nicht empfehlenswert, ist das Binden der einzelnen Handvollen, das in früheren Zeiten vielerorts üblich war. Es mag dort noch eine gewisse Daseinsberechtigung haben, wo der Flachs im eigenen Betriebe auf Riffelkämmen entsamt wird. Voraussetzung ist allerdings, daß die Bündelchen so klein sind, daß sie die Trocknung nicht wesentlich erschweren und daß das Flachsstroh nach dem Riffeln umgebunden wird. Normalerweise soll der Flachs bekanntlich erst unmittelbar vor dem Einfahren gebunden werden, und zwar in Erntestricke. Das Binden muß jest geschehen, damit bei dem wiederholten Auf= und Abladen kein Wirrstroh entsteht. Brieflauben-Nationalflug Aus den 45 Reisevereinigungen des Gaues Westfalen sind die Ergebnisse des Nationalfluges der Briestauben ab Firchau bei der den Flug leitenden Reisevereinigung Wanne=Eickel eingegangen. 1933 Tauben wurden am Samstag vormittag um .20 Uhr in Firchau auf die 740 Klm lange Reise geschickt. Die Beteiligung an diesem Flug ist mit 1933 Tauben als sehr schwach zu bezeichnen, zumal noch im Vorjahre etwa 12000 Tauben geschickt worden waren und diesmal eine Beteiligung von etwa 8000 Tauben angenommen wurde. Trotzdem steht der Gau Westsalen mit 1933 Tauben an der Spinze aller Gaue des Reiches. Eine Taube aus Witten erreichte am Sonntag früh um.45 Uhr als erste Taube des Gaues den heimatlichen Schsag. Im Lause des Sonntags waren 273 Tauben zurückgekehrt. Aus amil. Bekanntmachungen der Stadt Castrop-Rauxe! Steuermahnung An Zahlung der rückständigen, nachfolgend aufgeführten Steuern und Abgaben wird mit Frist bis zum 23. August 1936 erinnert. 1. Steuern und Abgaben vom Grundbesitz für August 1936— fällig am 15. 8. 1936. 2. Gewerbesteuer vom Ertrage für das 2. Vierteljahr— fällig am 15. 8. 1936. 3. Gewerbesteuer von der Lohnsumme für den Monat Juli 1936— fällig am 15. 8. 1936. 4. Schulgeld für den Monat August 1936— fällig am 15. 8. 1936. 5. Getränkesteuer für den Monat Juli 1936— fällig am 10. 8. 1936. 6. Bürgersteuer für das 3. Kalender=Vierteljahr— fällig am 15. 8. 1936. 7. Landw. Ber. Gen. Beiträge Umlage 1935, zweite Rate— fällig am 15. 8. 1936. Im Falle verspäteter Zahlung wird ein einmaliger Säumniszuschlag von 2 Prozent des rückständigen Steuerbetrages erhoben. Die kostenpflichtige Beitreibung beginnt am 24. August 1936. Dieser Termin hat aus die Erhebung des vorgeschriebenen Zuschlages keinen Einfluß. Castron=Rauxel, den 16. August 1936. Die Stadttasse als Vollstreckungsbehörde. Kirchlicher Anzeiger Sonntag, den 16. August 1936 Katholische Gottesdienstordnung Si.=Lambeeius=Pfarrre(Altstadt) 6 Uhr erste hl. Messe mit Predigt.30 Uhr zweite hl. mit Predigt und gem. hl. Kommunion; 9 Uhr Kindermesse mi Predigt und gem. hl. Kommunion; 10 Uhr Hochamt mit Predigt. 11.15 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt; 3 Uhr Taufen; 8 Uhr Andacht. Werktags sind die hl. Messen um.15 und 8 Uhr. Kapelle des St.=Rochus=Hospitals Sonntag 6,30 Uhr hl. Messe mit Predigt;.15 Uhr hl. Messe mit Predigt. In der Woche 6 30 Uhr hl. Messe. St.=Elisabeth=Psarevikarie(Obercastrop) 7 Uhr erste hl. Messe;.30 Uhr zweite hl. Messe mit gem. hl. Kommunion: 10.30 Uhr Hochamt mit Predigt:.30 Uhr Andacht. St.=Franziskus=Gemeinde Schwerin .30 Uhr Frühmesse mit gem. hl. Kommunion der Jungfrauen:.30 Uhr feierliches Hochamt:.30 Uhr Andacht Aus den Vereinen Männerverein: Sonntag. den 16. August. Monatsversammlung nach dem Hochamt um 10.30 Uhr im Vereinssaal. Kolvingssamilie: Mittwoch, den 19. August. abends 8 Uhr. Zusammenkunft. Jungfrauenverein: Dienstag. den 18. August. abends 8 Uhr. Zusammentunft und Handarbeit. Kirchenchor: Donnerstag. den 20. August. abends .30 Uhr. Gesangstunde. Grabhilfe: Sonntag. den 16. August. Zahlungstermin von 10.30 bis 12 Uhr im zweiten Vereinssaal. Pfarrvikarie„Zu den hl. Schutzengeln“(Frohlinde) .30 Uhr Frühmesse mit gem. hl. Kommunion:.30 Uhr Hochamt:.30 Uhr Andacht. Herz=Jesu=Pfarre(Bahnhof Rauxel) 7 Uhr Frühmesse mit gem. hl. Kommunion;.30 Uhr Hochamt; .30 Uhr Andacht. St.=Joseph=Pfarre(Habinghorst) .30 Uhr erste hl. Messe;.30 Uhr zweite hl. Messe mit Predigt:.45 Uhr Hochamt:.30 Uhr Andacht. St.=Antonius=Pfarre(Ickern) .30 Uhr hl Messe;.45 Uhr Frühmesse mit Predigt und gem. hl. Kommunion;.45 Uhr hl. Messe mit voln. Gesang; 10 Uhr Hochamt mit Predigt;.30 Uhr Andacht „St. Marien“(Merklinde) .30 Uhr Frühmesse; 10 Uhr Hochamt;.30 Uhr Kirchlinde..30 Uhr hl Messe: 8 Uhr hl. Messe 10 Uhr Hochamt; 2 Uhr Andacht. Marten. 7 Uhr Frühmesse:.30 Uhr zweite hl. Uhr Hochamt;.30 Uhr Andacht. Andacht. mit Predigt; Messe; 10.30 Evangelische Gottesdienst-Ordnung Castrop..30 Uhr Frühgottesdienst Pfarrer Nelle:.30 Uhr Hauptgottesdienst, Vikar Rohlfing. Dienstag.30 Uhr Frauenhilfe 2; 8 Uhr Bibelstunde in Frohlinde. Mittwoch 8 Uhr Bibelstunde im Wichernhaus. Donnerstag 4 Uhr Frauenhilfe auf Schwerin. Freitag Jugendbibelstunde. Bladenhorst. Sonntag 10 Uhr Gottesdienst, Pastor Fritsch; 11 Uhr Kindergottesdienst. Habinghorst. Sonntag.30 Uhr Vilar Prinz; 11 Uhr Kindergottesdienst: 12 Uhr Taufen und Trauungen in der Kirche. Jugendbibelstunde fällt im August aus. Ickern. Sonnta,.30 Uhr Gottesdienst, Kandidat Strotmann; 11 Uhr Kindergottesdienst und Taufen. Donnerstag 8 Uhr Bibelstunde. Bövinghausen. Sonntag 10 Uhr Gottesdienst: 11.15 Uhr Kindergottesdienst; 12 Uhr Tausen. Mittwoch keine Gemeindebibelstunde. Bodelschwingh. Sonntag 10 Uhr Gottesdienst, Pastor Brink; 11 Uhr Kindergottesdienst. Meugede. Sonntag.30 Uhr Gottesdienst: 10.30 Uhr Kindergottesdienst. Kirchlinde. Sonntag.30 Uhr Gottesdienst: 10.45 Uhr Kindergottesdienst Mittwoch 20 Uhr Jugendbibelstunde. Freitag 20 Uhr Gemeindebibelstunde. Mittwoch 16 Uhr Frauenhilfe Rahm. Lütgendortmund. Sonntag 8 Uhr Frühgottesdienst. Pastor Kraa;.30 Uhr Hauptgottesdienst mit Taufen, Pastor Homann; 11 Uhr Kindergottesdienst. Dienstag 18 Uhr Jugendbibelstunde im Lutherhaus. Mittwoch 20 Uhr Männerbibelstunde im Lutherhaus. Sonstige religiöse Veranstaltungen Christliche Versammlung, Viktoriastraße Sonntag.30 Uhr Sonntagsschule: 4 Uhr Verkündigung des Wortes Gottes. Mittwoch—8 Uhr Gebetsstunde:—9 Uhr Wortbetrachtung. Kirchl. Gemeinschaft und Jugendbund für Entsch. Christentum, Castrop=Rauxel 1(Korsirmandensaal, Biesenkampstraße) Sonntag 16 Uhr Evangelisationsvortrag; 17.15 Uhr Jugendbundstunde. Donnerstag 20 Uhr Bibelbesprechung und Gebetsstunde. Gemeinde gläubig getaufter Christen(Baptisten), Castrop=Rauxel 1 Bahnhofstraße 33(Baracke) Versammlungen. Sonntag.30 Uhr Bibelstunde. Sonntag 11 Uhr Sonntagsschule. Sonntag 16 Uhr Heilr erkündung. Donnerstag 20 Uhr Bibel= und Gebetsstunde. Neuapostolische Gemeinde Castrop=Rauxel 1, Herner Straße 16 (Hinterhaus) Sonntag morgen 9 Uhr. Sonntag nachmittag 4 Uhr. Mittwoch abend 7 Uhr.— Kinderunterricht Sonntag. 2 Uhr Sonntagsschule. Mittwöch nachmittag 5 Uhr Konfirmanden= und Katechumenen-Unterrichtostund: Freie evgl. Gemeinde Castrop=Rauxel 1. Schubertstraße 33 Sonntag vormittag.30 Uhr Bibelbesprechstunde; 11 Uhr Kindergottesdienst; nachmittags 4 Uhr Evangeliumsverkündigung. Mittwoch abend 8 Uhr Bibel= und Gebetsstunde. Freie eogl. Gemeinde Casteop=Rauxel 4, Friedhofstraße 11 Sonntag vormittag.30 Uhr Bibelbesprechstunde. 11 Uhr Kindergottesdienst. 16 Uhr Predigt Donnerstag abend.30 Uhr Bibel= und Gebetsstunde. Castrop=R. 3. Adolf=Hitler=Straße 53(Eing. Heneichenbg. Straße Sonntag morger 9 Uhr Sonntag nachmittag 4 Uhr. Mittwoch abend 7 Uhr. Kindergottesdienst Sonntag nachmittag 2 Udr. Dortmund=Bövinghausen. Sonntag morgen 9 Uhr Gottesdienst..30—230 Uhr Sonntagsschule. 3 Uhr Cig#tesdienst. Mittwoch 7 Uhr Gottesdienst. — Vor 100 Jahren wurde in Frankreich das Zeitungsinserat geschaffen: Dus Peesseoden von Puris Die„billige“ Zeitung des Franzosen De Girardin( Geheimnis um Madame? In diesen Tagen begeht die französische Journalistik zwei hundertjährige Gedenktage. Sie feiert zunächst das erste Erscheinen des Blattes „La Presse“, das in den letzten Julitagen des Jahres 1836 zum ersten Male erschien und das gesamte Pariser Zeitungswesen revolutionierte. Nicht etwa durch den Inhalt, sondern durch ihren geringen Preis und durch die Einführung des bezahlten Inserates. Vor hundert Jahren war in Frankreich eine Tageszeitung noch ein Luxusartikel, den sich nur recht vermögende Leute leisten konnten. Die Jahresabonnements schwankten zwischen 70 und 90 Goldfranks, und wenn man bedenkt, daß der Wert des Geldes damals bedeutend größer war, als heute, so muß man den Chronisten recht geben, die behaupten, daß nur die sogenannten „besseren Kreise" Zeitungsleser sein konnten. Als der Direktor von„La Presse", De Girardin, mit seiner billigen Zeitung auf den Plan trat und aus einem Luxus= einen Massenartikel machte, war er unter seinen Kollegen der meistgehaßte Mann. Der Haß aber half nichts, alle anderen Verleger mußten ihm auf diesem Wege folgen und die Preise für ihre Zeitungen verbilligen. Durch Zufall der Hinrichtung entronnen Zum zweiten gedenkt der Pariser Journalismus in diesen Tagen eines Mannes vom Fach, der als der erbittertste Gegner De Girardins auftrat. Er hieß Armand Carrel und war der Herausgeber des Blattes„Le National“. Er konnte sich mit De Girardin nicht einigen, persönliche Fragen kamen dazu, und schließlich wurde Carrel von De Girardin bei St. Mandé in einem Duell erschossen. Die Geschichte dieses Armand Carrel ist interessant. Er wurde 1800 in Rouen geboren und sollte Kaufmann werden, wie sein Vater es war. Das lag seinem Temperament nicht, er wurde Soldat und bereits auf der Militärschule von St. Cyr nannten ihn die Kameraden den„Ungläubigen“, weil er jeden Zopf mißachtete und die Freiheit seines Vaterlandes mehr liebte, als das höfische Schattenspiel des Bürgerkönigtums, das nur Selbstzweck war. 1821 war er Unterleutnant in Belfort und nahm an einer Versammlung teil, die sich gegen das Königtum richtete. Der Boden wurde ihm zu heiß, auf einem Fischerboot floh er nach Barcelona, nahm an den Kämpfen Spaniens gegen Frankreich teil und wurde nach der Schlacht bei Liers gefangen. Mit einer Anzahl von Kameraden wurde er nach Perpignan gebracht und mit ihnen zum Tode verurteilt. Nur einem Formfehler im Urteil verdankt er es, daß seine Sache noch einmal verhandelt und er vom Kriegsgericht in Toulon freigesprochen wird. Drei Jahre später gründet er die Tageszeitung„Le National“ Mit dem ganzen Feuer des wirklichen Patrioten widmet er sich den öffentlichen Dingen und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Ein Zeitgenosse sagt von seinem Blatte, daß es eine Arena, ein Tribunal und ein Schießplatz gewesen sei. Er schrieb mit rechtschaffenem Herzen und glühender Vaterlandsliebe. Dabei muß er natürlich gegen die Belange des Königtums verstoßen, was ihm innerhalb von drei Jahren eine Buße von 16000 Frank einträgt. Das ist viel Geld bei der geringen Anzahl von Abonnenten, und als nun De Girardin mit seiner billigen Zeitung für 40 Franken im Jahr auf den Plan trat, wurde er nicht eben freundlich begrüßt. Die Geburt des Inserats De Girardin kam auf den Gedanken, seine Einkünfte nicht nur von den Abonnenten zu beziehen, sondern auch von denen, die etwas durch die Zeitung anzukündigen hatten. Damit war das bezahlte Inserat geboren. Es war gleichzeitig ein Schachzug De Girardins, die Oppositionspresse finanziell zu überflügeln. Aber die anderen ließen nicht auf sich warten. Sie versuchten die Methoden De Girardins zu diffamieren und Armand Carrel griff ihn in seiner Zeitung in beleidigender Form an. Das ließ sich Girardin nicht gefallen und antwortete mit einem Gegenhieb. Er drohte Carrel, in einer Aussprache dessen Biographie zu veröffentlichen und auch seine Beziehungen zu einer gewissen Madame T. zu schildern. Nun wurde das Duell unvermeidlich. Man wunderte sich, daß zwei Verleger sich wegen einer billigen Zeitung schossen, aber Carrel sagte kurz vor dem Waffengang, zu, einem Freund: „Glaubst du, daß ich dumm genug bin, mich mit Girardin zu duellieren, weil er seine Zeitung für 40 Frank verkauft! Er will meine Biographie veröffentlichen, und da will er jemand hineinziehen.; entweder erschieße ich ihn oder er mich.“ Zu seinem Unglück war Carrel es, den die tödliche Kugel traf. Zum Tode des großen französischen Zlugploniers Wie Biortol ven Reeinelnanm Bezwung Ein Erfolg, der dem Ozeanflug Lindberghs nicht nachstehl—„Wo ist eigentlich Dover?“ ) Wie bereits berichtet, ist soeben der große französische Flugpionier Louis Blériot gestorben. Seine Verdienste um die Flugtechnik sind unschätzbar, aber sein größter Erfolg, der seinen Namen mit einem Schlage in der ganzen Welt berühmt machte, war sein historischer Flug über den Aermelkanal von Calais nach Dover am 25. Juli 1909, der erste gelungene Flug über das offene Meer. Die Morgendämmerung war vorüber. Der Himmel stand voller Wolken und graue Nebelschwaden lagerten über dem Meer. Neben dem alten Schuppen der Kanaltunnelbauwerke auf den Klippen in der Nähe von Calais waren mehrere Männer und eine Frau damit beschäftigt, ein winziges Flugzeug, eine Maschine, die aus einigen Fetzen Leinewand und Bambusstäben zu bestehen schien, startfertig zu machen. Louis Blériot, der Flugzeugkonstrukteur, erst kürzlich schwer verunglückt und halb gelähmt, stieg in das kleine Flugzeug und schnallte sich fest. Er war entschlossen, den von Lord Northeliff ausgesetzten Preis für die erste Ueberfliegung des Aermelkanals zu gewinnen, koste es, was es wolle. Gewiß, seine Maschine war leicht, Die verhäßte Pisease Mit der Tat, nicht mit dem Mund vorangehen— In Betrieben ist kein Platz für leere Worte m. Nicht selten kann man die Beobachtung machen, daß Aeußerungen führender Männer der Bewegung schnell in den Mund genommen, dagegen weniger in das eigene Verhalten übertragen werden. Es tritt hier die alte Erfahrung in Erscheinung, daß so manches Wort zuerst an die persönlichen Rechte denkt. während es den Pflichten, die diese erst gewährleisten, aus dem Wege zu gehen versucht. Der höheren Zielen dienende Ausspruch eines führenden Mannes der Partei wird auf diese Weise in dem Munde derartiger Menschen zur Phrase und verliert dabei einen Teil seines aufbauenden Wertes. Diese Tatsache tritt auch in mancher Betriebsordnung zu Tage. In ihnen sind bisweilen derartige Sätze führender Männer der Bewegung wie Glasverlen auf eine Schnur gezogen, die dann als Gemeinschaftssatzung gelten sollen. Es zeugt aber von einer merkwürdigen Bequemlichkeit, wenn ein Betriebsführer auf diesem Wege der von ihm geführten Gemeinschaft die grundlegende Satzung anvassen will. Allgemeingültige Ausführungen sind stets lediglich Leitfaden und müssen zumindest auf die besonderen Verhältnisse der fraglichen Gemeinschaftszelle, weiter ins einzelne gehend. angewendet werden. Entschieden gesünder und zweckentsprechender aber ist es, wenn nicht einfach die wörtliche Anführung eines derartigen Ausspruches erfolgt, sondern wenn jede Bestimmung in der Betriebsordnung deutlich die Ausrichtung auf die hohe Zielrichtung, den seelischen Inhalt des Ausspruches, herausfühlen läßt. Ist das nicht der Fall, so ist stets nur ein phrasenhaftes Wirken zu erzielen, das gerade den einfachen Menschen vor den Kopf stößt oder ihm zumindest die gesamte Satzung bedeutungslos erscheinen läßt. Dem Arbeiter, wie überhaupt jedem schlichtnatürlichen Menschen, ist kaum etwas mehr verhaßt als die Phrase und die inhaltlose Form. Er wird daher von dem teilweise zu bemerkenden schematischen und gedankenarmen Aufbau mancher Betriebsordnung etwas eigenartig berührt. Er fühlt heraus. daß hier lediglich einer gesetzlichen Verpflichtung nachgekommen ist, die sein eigenes Inneres völlig kalt und unberührt läßt. Das gilt insbesondere auch dann, wenn allein kühl rechnende und nüchtern denkende Arbeit eines Juristen die einzelnen Sätze allein geformt hat. Die Führung von Menschen ist eine Kunst, die den Einsatz der ganzen Persönlichkeit des Führenden erfordert, was bereits bei der Aufstellung der gültigen Gemeinschaftssatzung in Erscheinung zu treten hat. Es ist nicht weiter verwunderlich, daß unter diesen Umständen manche Betriebsordnungen nur gerade noch den formaljuristischen Vorschriften des Gesetzes genügen. Daß in diesen Fällen kein gefühlsmäßiges Band vertrauensvoller Kameradschaft vom Gefolgsmann zur Betriebsführung und umgekehrt entstehen kann, liegt eindeutig auf der Hand. Eine größere oder kleinere Menge von Einzelindividuen ist hier ja lediglich wie eine Herde mit einem Zaun umgeben worden, um ihr Ausbrechen aus dem Gehege zu verhindern. Eine wirkliche Kameradschaft wird schon rein gefühlsmäßig nur dann entstehen. wenn die Gemeinschaftssatzung wie selbstverständlich aus der anständigen, aufrechten Gesinnung heraus erwächst. Ihre einzelnen Bestimmungen müssen lebendig gehalten werden und sich an die Vernunft aller Angehörigen wenden, um die schematische Fessel. das kalt Drohende abzustreifen. Nur der Gemeinschaftsführer, der das Herz seiner Gefolgsmannen zum Mitklingen bringt, vermag seinen Führungsanspruch unter allen Umständen zu sichern. Wo aber schon die Betriebsordnung in ihrer äußeren Form den Eindruck eines Zaunes hinterläßt, kann mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß auch die Anwendung ihrer Bestimmungen in gleicher Art erfolgt. Der Verkehr zwischen Gefolgsmann und Betriebsführung sowie den von dieser ernannten Vorgesetzten spielt sich dann ebenfalls in herrischem Befehlen und in der Forderung nach ergebenem Gehorchen ab. Vor einer lebendigen Ausgestaltung der tragenden Gemeinschaftsidee wird hier jedenfalls nicht die Rede sein können. Pflichten werden hier nicht gern übernommen und entsprechende Rechte nicht willig gewährt, sondern die vorhandene Macht wird hier den Schwächeren möglichst weitgehend zu knebeln suchen, und dieser vollbringt nur das Notwendigste. Daran ändert dann auch der Umstand nichts, daß bei jeder passenden und unvassenden Gelegenheit der Ausspruch eines führenden Mannes der Bewegung zitiert wird. Ihr Sinn wird dabei zeitweise geradezu ins Gegenteil verkehrt, wenn man sich von der phrasenhaften Ausschmückung der Worte nicht täuschen läßt, sondern den Dingen auf den Grund geht. Es ist dem natürlichen Menschen nichts widerlicher, als wenn reale Dinge nicht nüchtern als solche betrachtet werden, sondern wenn mehr oder weniger plump versucht wird. ihnen unter allen Umständen ein beschönigendes Mäntelchen umzuhängen. Eine derartige Absicht wird stets als Mangel an Mut und als Wille zur Verfälschung gemeinnütziger Ziele aufgefaßt werden. Vertrauensvolle Kameradschaft aber vermag sich nur auf aufrechtem Mannestum und unbeengter Ehrlichkeit zu gründen, jedes phrasenhafte Gewäsch ist dagegen ihr sicherer Tod. Ewig und immer wird das beispielhafte Vorangehen und nicht das tönende Wort die Menschen leiten und zu Höherem erziehen. aber er kannte sie durch und durch. Er wußte genau, wieviel er ihr zutrauen und was er aus ihr herausholen konnte. Er war seines Sieges gewiß. 25 bange Minuten Alles war bereit, aber noch konnte der Start nicht erfolgen, denn Lord Northcliff hatte vorgeschrieben, daß der Flug zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang stattfinden müsse. Der amtliche Zeitnehmer sah nach der Armbanduhr. Nur noch wenige Minuten. Mit wenigen Worten verabschiedete, sich Blériot von seinem Freunde Leblanc und seiner Frau, der die Tränen in den Augen standen. „Jetzt, steigen Sie auf! Viel Glück und auf Wiedersehen!“ rief der Zeitnehmer. „Wo ist eigentlich Dover?“ fragte Blériot, und diese Frage beleuchtet schlagartig die Verhältnisse, unter denen damals geflogen wurde. Leblanc wies mit dem Arm über das Meer. Blériot nickte und gleich darauf erhob sich seine Maschine in die Luft. Gebannt blickten die Zurückbleibenden dem wagemutigen Manne nach. Nicht lange und seine Maschine verschwand im Nebel. Madame Blériot konnte nur mühsam ihre Erregung verbergen. Fiebernd saß sie in einer der Baracken und wartete, daß der kleine Morseapparat vor ihr zu ticken begann. Fast eine halbe Stunde verging, 25 bange Minuten, da! Der Morseapparat regte sich.„Blériot in Dover wohlbehalten gelandet!“ Was sich jetzt in der Baracke abspielte, läßt sich nicht mit Worten beschreiben. Madame Blériot sank aufschluchzend auf ihren Stuhl zurück, aber in ihrem Gesicht leuchtete Triumph. Louis Blériot hatte geschafft, was bis dahin von allen nicht möglich gehalten worden war. Wer bisher die Fliegerei nur als Spielerei angesehen hatte, dem war jetzt bewiesen, daß der Luftfahrt ungeahnte Möglichkeit offenstanden. Und daß es nur solcher Männer wie Blériot bedurfte, um dem Menschen auch den Aether untertan zu machen. Künstlicher Sportsee in Tirol Eine vierhundertjährige Idee lebt auf— Pläne von weittragender Bedeutung )( In Tirol, und zwar bei Völs an der Arlbergbahn, wird in der nächsten Zeit mit der Schaffung eines großen künstlichen Sees begonnen werden. Das Gebiet liegt nur wenige Kilometer von der Landeshauptstadt Innsbruck entfernt und soll nach den Plänen der leitenden Männer der Mittelpunkt eines ganz auf Sport eingestellten Distriktes werden, der im Hinblick auf die unvergleichliche Naturszenerie die Konkurrenz mit allen Sportländern aufnehmen soll. Im übrigen ist die Idee der Anlage eines künstlichen Sees an dieser Stelle nicht neu. Schon vor 400 Jahren ließ Kaiser Maximilian I. hier ein Luxusgewässer anlegen, an dessen Ufern er in stillen Stunden gern lustwandelte. Der See soll mit dem Inn verbunden werden, so daß allen Wassersportlern Gelegenheit gegeben ist, ihn auch von weither zu erreichen. Es ist geplant, dem künstlichen See die erhebliche Größe von ungefähr 500000 Quadratmeter zu geben, die Länge wird etwa 1800 Meter betragen. Ferner tragen sich die Architekten mit der Absicht, auch ein Stadion zu bauen, das im Mittelpunkt eines Sportparks stehen soll. Ein Flugplatz für Land= und Wasserflugzeuge und ein großes Sporthotel vervollständigen die großzügigen Pläne. Seit acht Jahren sind diese Ideen immer wieder erwogen worden, doch erst jetzt hat man sich endgültig für die Ausführung, die mit erheblichen Kosten verknüpft ist, entschieden. Natürlich spielt dabei die Hoffnung eine Rolle, daß die Aufwendungen in absehbarer Zeit durch den zu erwartenden Fremdenverkehr aufgewogen werden. Jeder Hi nilverunwveilick Schutz der kinder heißt Sicherung der Zukunft— Auswüchse werden rucksichtslos bekampft m. Der Nationalsozialismus sah mit der Machtübernahme seine entscheidende Aufgabe nicht lediglich darin, frühere Schäden wieder gutzumachen und frühere Versäumnisse wieder aufzuholen, so sehr dies auch in ungezählten Fällen notwendig war. Da er nicht ein vorübergehendes politisches System, sondern die innere und äußere Neugestaltung unserer Nation aus der Weltanschauung heraus ist, liegt das Schwergewicht seiner Wirksamkeit auf allen Gebieten, die die Zukunft unseres Volkes in seiner Gesamtheit und Geschlossenheit sichern. Dabei geht die nationalsozialistische Volksführung schrittweise zielbewußt vor sich: nach außen mußte an erster Stelle zur Sicherung des Lebens und der Freiheit der Nation die deutsche Wehrkraft errichtet werden. Zur Schaffung der Lebenssicherheit unseres Volkes mußten Bauerntum und Arbeitertum auf eine sichere Grundlage gestellt werden. Die Erfolge dieser Arheit sind zu deutlich, als daß sie an dieser Stelle erwähnt werden müßten. Gleichzeitig aber setzte die umfassende Tätigkeit der Volkswohlfahrt als einer Einrichtung ein, die neben der Linderung und Beseitigung bestehender Schäden in einem überragenden moralischen Prinziv ihre Aufgabe umschlossen sieht: an den Stellen, wo irgendeine Not herrscht, die innere seelische Ordnung wieder herzustellen, das Gefühl der Solidarität und der verpflichtenden gegenseitigen Verbundenheit Volkagenossen aufzurichten. a wie der vom Schicksal Benachteiligte in seialler nen schweren Stunden nicht verlassen, sondern in der Hilfsgemeinschaft seiner Volksgenossen steht, so sehr ist aber auch jeder der gleichen Gemeinschaft verantwortlich in allen Fragen seines Lebens, die auf weite Sicht die Volksgemeinschaft berühren. Die individualistische Vereinsamung des Unglücklichen ist genau so wenig nationalsozialistisch, wie die individualistische Abschließung vor einer Verantwortung gegenüber der Zukunft unseres Volkes. Wir meinen damit die Frage der Kindererziehung und Kinderbehandlung, die Einstellung zum Kind überhaupt. Im Kind liegt die Zukunft unseres Volkes, es ist ein Glied. ein wichtiges Glied der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft, weil es in absehbarer Zeit die Kraft. die Gesundheit und den schönferischen Lebenswillen des Volkes verkörvern soll. Der nationalsozialistische Staat schenkt dem einzelnen die Lebenssicherheit und die Grundlagen zur Erhaltung seines persönlichen Lebens. Dafür schafft der einzelne nicht für sich allein. sondern für das ganze Volk. Das ist die klare Grundregel unseres neuen völkischen Lebens. Auch die Kinder sind davon nicht ausgenommen. Sie gehören dem Volke, in das sie hineingeboren worden sind. Ihr Schutz ist der Schutz unserer Zukunft. Darum hat der National= sozialismus den Kinderschutz zu einer allgemeinen völkischen Frage gemacht, nicht zu einer zufälligen Begleiterscheinung humanitärer Gedankengänge. Ebenfalls aus dem gleichen Grunde geht der Kinderschutz vor Ausnutzung und Mißhandlung alle Deutschen ausnahmslos an. Es muß ein Ende haben.] Es handelt sich in allen vorkommenden Fällen um daß Volksgenossen unerhörte Zustände in ihrer Nach= seine Verirrung und Verwirrung des natürlichen barschaft mit bedauerlichem Achselzucken übergehen Verhältnisses zwischen Entern und sagen: das geht mich nichts an. Es geht sie um ihrer Verantwortung gegenüber der Volksgemeinschaft sehr viel an. Eine der ersten Taten der nationalsozialistischen Regierung bestand auf diesem Gebiet in der Aenderung des Strafgesetzvaragraphen 223 aus der Fassung:„Wer an Kindern eine Körververletzung begeht, wird bestraft", in die Form:„Wer Kinder quält oder roh mißhandelt..." Das bedeutet eine grundlegende Erweiterung, da in das Gebiet der Mißhandlung die seelische und geistige Mißhandlung einbezogen ist. Brutale Züchtigung durch Schläge oder körperliche Mißhandlung kann schon nicht mit allgemeiner Körververletzung gleichgesetzt werden. noch weniger aber eine Unterdrückung und Quälerei der kindlichen Seele, weil durch sie in erster Linie die gesunden Lebenskräfte eines zukünftigen deutschen Mannes oder einer zukünftigen deutschen Frau vernichtet werden. Entweder werden aus solchen Kindern scheue, seige und servile Kreaturen oder ihre natürliche Lebenskraft schlägt in Heimtücke. Schadenfreude. Gemeinheit und gehässige Hinterlist um. In beiden Fällen entstehen asoziale, für die Allgemeinheit überhaupt nicht oder nur bedingt brauchbare Elemente. Hier gilt, wie auf allen Gebieten unseres Lebens, ob es sich um soziale Ordnung. Arbeitsschutz. Gesundheitsschutz oder anderes handelt, der Satz: „Schaden verhüten ist besser als Schaden vergüten.“ Es gibt ein sehr einfaches Vorbeugungsmittel: daß jeder, der einen Fall von Kindesmißhandlung oder Ausnutzung beobachtet, ihn unverzüglich zur Meldung bringt, bei der NSV. beim Jugendamt oder bei der ordentlichen Gerichtsbarkeit schen Eltern und Kindern oder Pflegern(Lehrherren, Hausfrauen) und Pflegebefohlenen, das häufig durch richtige rsychologische Einwirkung von außen korrigiert werden kann. Wenn dies aber nicht möglich ist, darf den behördlichen Stellen kein einziger Fall entgehen. der eine Kinderentziehung notwendig macht, weil jedesmal eine menschliche Seele in Gefahr ist, zerstört und als nützliches Glied der Volksgemeinschaft unbrauchbar gemacht zu werden. Der unter Aussicht der NSV arbeitende Verein zum Schutz der Kinder gegen Ausnutzung und Mißhandlung hat in den Akten seiner Forschungsstelle erschütterndes Material, das eine Anklage sowohl gegen gewissenlose Eltern wie aber auch gegen bequeme und fahrlässige Volksgenossen ist die sich scheuten, rechtzeitig Meldung zu machen. Die Weltanschauung des Nationalsozialismus. die alles Tun und Lassen auf die Gesamtheit des Volkswohles und seiner Zukunft ausgerichtet hat, fordert hier gebieterisch die Mithilfe eines jeden, dem der Zufall hierzu die Mittel in die Hand spielt. Leider ist das Märchen vom Aschenbrödel durch traurige Beispiele von Mißhandlung. Ausnutzung. Verängstigung. Verschüchterung und seelischer Quälerei als bittere Wahrheit zu belegen. Es braucht garnicht erst darauf gewartet zu werden, daß in schlimmen Fällen der Strafgesetzvaragraph in Kraft tritt— vorheriges Einschreiten. Verhüten größeren Unheils. Erziehung von Eltern und Pflegebeauftragten zu vernünftigen Auffassung. das ist wahrhaftiger Dienst an der Zukunft der Nation, die ein starkes, gesundes. klares und lebensfrohes Geschlecht braucht, um kommende Jahrhunderte großer deutscher Geschichte bestreiten zu können! 7 „Was haben Sie mir zu sagen?“ „Zuerst eine Frage! Sie sind Frau de Corsignac?“ Eine jähe Röte überflutete ihr Gesicht.„Ja — gewiß— 1n“. „Also nein!“ nickte Jerimy befriedigt.„Sie sind nicht Frau de Corsignac!“ Ein hilfloses Lachen.——„Aber wie sollte ich denn dazu kommen, mich unter falsem Namen —— und überhaupt—— Herr de Corsignac wird Ihnen jede gewünschte Auskunft geben. „Diese Auskunft wünsche ich aus Ihrem Munde, meine Gnädigste!“ wehrte der Detektiv energisch ab. Es fiel Jerimy Jerome allerdings sichtlich schwer, gegenüber diesen leicht verschleierten Augen seine Fassung zu bewahren. Die Schläge seines Herzens waren heftiger, als es sonst der Fall bei ihm zu sein pflegte. „Aus welchem Grunde geben Sie sich für Frau de Corsignac aus?“ nahm er schließlich wieder das Wort und versuchte dabei, eine inquisitorische Strenge in den Klang seiner Stimme zu legeg „Aver ich bin doch—— „Sie sind eine Abenteuerin, die unter falscher Flagge segelt, meine Gnädigste! Und nur ein aufrichtiges Geständnis kann Ihnen von Nutzen sein——“. Er verstummte verdutzt. Erregt war Marion aufgesprungen.— Ihre Augen blitzten ihn an. Empörung bebte in ihrer Stimme, als sie hervorstieß:„Herr de Corsignac wird Ihnen eine verdiente Antwort geben, mein Herr!" Damit machte sie Miene, ihn stehen zu lassen. Jerimy Jeromes Hand legte sich auf ihren Arm, einen weichen Arm mit wunderbar seidiger Haut. „Einen Augenblick“, sagte er langsam.„Ich soll Ihnen einen Gruß bestellen——“ „Sofort lassen Sie mich los— oder——“ „— einen Gruß von Herrn van Huysen!“ Es war ein Schuß ins Blaue gewesen,— aber er hatte getroffen. Marion schwankte leicht, stützte sich mit der Hand auf die Lehne des Stuhles. Eine krankhafte Blässe hatte mit einemmal ihr Gesicht überzogen.„Was sagten Sie da?— Welchen Namen nannten Sie?“ Jerimy Jerome spürte etwas wie Mitleid. Schließlich ist auch ein Detektiv ein Mensch,— aber——.„Herr Jaap van Huysen ist Ihnen nicht unbekannt, nicht wahr, meine Gnädigste?“ Marion antwortete nicht, aber ihre deutliche Bestürzung war beredter als alle Worte. „Ich kann Ihnen nämlich verraten, daß ich im Auftrage dieses Herrn hinter Ihnen her bin,— und nun bleibt mir nichts weiter übrig, als ihm mitzuteilen, unter welchem Namen sich diejenige verbirgt, an deren Entdeckung ihm so viel gelegen zu sein scheint!“ Marion hatte den Blick abgewandt. Ein Ausdruck hilfloser Verzweiflung war in ihren Zügen. Erregt nagten ihre Zähne an den Unterlippen. Sie hatte jedes Wort gehört, daß der andere gesprochen hate. Van Huysen—— Jaap van Huysen—— er hatte den Namen genannt. Als Marion sich nach einer Weile umwandte, sah sie Jerimys Blicke mit unverhohlener Verwunderung auf sich ruhen. Bewunderung—— es war beinahe schon mehr gewesen——. „Mr. Jerome——?“ „Viete, Gnädigste?“ nehme an, daß sie ein Kavalier sind—?“ „Noch niemand hat gewagt, von mir das Gegenteil zu behaupten. „Dann—— ich habe eine Bitte an Sie—!“ „Sprechen Sie ruhig!“ „Ich— ich möchte Ihnen gern das alles erklären, wie es kam, daß ich—“. Sie verstummte hilflos. „Auch ich habe keinen anderen Wunsch, als diese Erklärung aus Ihrem Munde zu hören!“ sagte Jerimy galent. „Dann— dann geben Sie mir eine Gelegenheit——“. „Die Gelegenheit ist jetzt und hier!“ „Aber ich kann doch nicht, verstehen Sie doch! In wenigen Minuten soll ich an einer Autofahrt teilnehmen— ich muß mich noch umkleiden!“ „Darauf kann ich leider keine Rücksicht nehmen!" Ihre schönen Augen füllten sich mit Tränen. „Sie sind unbarmherzig!“ Jerimy Jerome fühlte sich weich werden.„Sie müssen begreifen, Gnädigste, eine Autofahrt ist eine zu schöne Gelegenheit, um spurlos zu verschwinden——“. „Wenn das Ihre ganze Angst ist—“. Marion schien zum ersten Male wieder aufzuatmen.„Ich gebe Ihnen wein Wort darauf, daß ich heute abend wieder im Hotel sein werde, mein Herr!“ Jerimy Jerome zögerte. Unentschlossen spielten seine Finger mit der Quaste des Tabaksbeutels. „Nicht wahr, Sie werden meinem Worte glauben?“ Jerimy Jerome stand Gewissensqualen aus. Der Detektiv und der Kavalier in ihm lagen sich in den Harren. Aber ein letzter, bittender Blick aus Marions Augen schlug den Detektiv knock dut. „Gut, ich verlasse mich auf Ihr Wort! Aber wann werde ich Sie sprechen können?“ „Nach dem Souper!— Ich erwarte Sie in meinem Apartement—“ „Nummer drei— ich weiß! Abgemacht, ich werde kommen!“ „Und— Sie berichten inzwischen Herrn van Huysen nicht davon, daß Sie mich gefunden haben?“ „Ich— ich werde das nicht tun, meine Gnädigste!“ „Ihr Wort darauf?“ Mit einem vielsagenden Blick griff er nach ihrer Hand, beugte sich lange und tief darüber. 14. Kapitel Wie ein Blitz jagte Corsignacs roter Wagen über die Autostraße dahin. Eine dichte Wolke grauen Staubes bezeichnete seine Bahn. Zu beiden Seiten stiegen spärlich belaubte Berge in den blauen Himmel hinein. Von Nizza aus hatten sie über St. Laurent und Cagnes den Weg genommen. Jetzt grüßte aus der Ferne St. Paul mit seinen weißen Häusern von den Bergen herab. Flimmernd hing die heiße Luft über dem Land.—— „Wir sind bald an unserem Ziel!“ wandte sich Corsignac an Chester Lynne, der neben ihm am Steuer des Wagens saß, während Yvonne und Marion im Fond Platz gefunden hatten.„Gewiß erscheint Ihnen der Weg bis jetzt etwas eintönig, — aber warten Sie nur ab! Die Wolfsspitze und die romantische Schlucht werden Sie reichlich entschädigen!“ Der andere fuhr aus seinen Gedanken auf. Ein überraschter Zug kam in seine Miene:„Aber ich bitte Sie— die Fahrt ist doch einfach herrlich—". Dabei hatte er die ganze Zeit über kaum einen Blick auf die Umgebung geworfen, sondern immer nur in den kleinen Spiegel am oberen Rande der Windschutzscheibe gestarrt, in dem er Marion ungestört hatte beobachten können. Vence und Tourette passierte der Wagen im Fluge. Mehr und mehr erhob sich die Straße zur Höhe der umgebenden Berge. Schroffer und kahler wurden zu beiden Seiten die Felsen. Dann noch eine scharfe Biegung. Die Bremsen schrillten, dann stoppte der Wagen vor dem Zaun eines ländlichen Gasthauses. „Wir sind am Ziel!“ rief Corsignac, der rasch den Wagen verließ, um den Damen beim Aussteigen behilflich zu sein. Yvonne war die erste, der er diese Höflichkeit angedeihen ließ. Dann erst bemühte er sich um Marion. Chester Lynne, dem diese sonderbare Reihenfolge nicht entgangen war, runzelte die Stirn. Gleich hinter dem Gasthaus führte ein schmaler Fußpfad zu der eigentlichen Wolfsschlucht hinab. In gewagten Windungen lief er an der Felswand entlang, bis er im bläulichen Halbdunkel der Schlucht verschwand. Ein starkes Rauschen drang aus der Kluft. Ein feiner Wasserstaub stieg in das Sonnenlicht empor und erschimmerte dort in allen Farben des Regenbogens. Vorsichtig klommen die vier den Pfad hinab. Corsignac hatte die Spitze genommen. Yvonne folgte ihm. Dann kam Marion und dicht hinter ihr Chester Lynne. Je weiter der enge Weg in die Tiefe führte, um so gefährlicher wurde er. Wasserstaub bedeckte das Gestein und machte es schlüpfrig unter dem tastenden Fuß. Allzu schlüpfrig——. So war es weiter kein Wunder, daß Marion ausglitt. Ein änglicher Schrei kam über ihre Lippen. Hilflos griffen ihre Arme nach den Seiten und versuchten vergebens, an der glatten Felswand einen Halt zu finden. Dann jedoch fühlte sie, wie sich starke Hände um ihren Körper legten. Im letzten Augenblick war Chester Lynne hinzugesprungen und hielt die Taumelnde fest umklammert. Einen Herzschlag lang preßte er sie an sich, spürte die Wärme ihres Körpers durch das dünne Seidenkleid, atmete den Duft ihres blonden Haares.— Dann gab er sie schon wieder frei. Ihre Blicke begegneten sich. Etwas wie Angst lag in Marions Augen. „Holla, Kind,— was machst du denn da für Dummheiten?" Das war alles, was Paul de Corsignac sagte, der diesen Zwischenfall bemerkt hatte. Ein wenig später waren sie in dem Grunde der Kluft angelangt. Ein wildromantisches Bild bot sich ihren Augen. Zwischen engen Felsklüften hervor schoß ein Wasserfall, dessen Tosen eine Unterhaltung nur unter größtem Stimmenaufwand möglich machte. Das kristallklare Bild seines Laufes verlor sich hinter der nächsten Felsbiegung der Schlucht. „Wundervoll—“, sagte Marion, die gebannt vor diesem Schauspiel stand. Chester Lynne nickte schweigend, während Yvonne sich aufatmend an Corsignac wandte: „Gott sei Dank,— endlich kühlere Luft nach dieser Hitze oben auf der Landstraße! Und müde bin ich von dieser Kletterei—.“ Corsignac zuckte die Achseln.„Schade!— Und ich dachte, daß wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Schlucht machen würden!" Dann fiel sein Blick auf Lynne und Marion.„Sagen Sie, Mister Lynne, würden Sie vielleicht meine Gattin durch die Schlucht begleiten? Sie ist zum erstenmal hier, und sicherlich liegt ihr daran, die ganze Schönheit dieses Naturschauspiels kennenzulernen. Ich werde inzwischen hierbleiben und Fräulein Rimini Gesellschaft leisten.“ Mister Lynne sah Corsignac befremdet an. „Aber gerne—— wenn Ihre Frau Gemahlin mit meiner Begleitung vorliebneymen will—“. Und fragend blickte er zu Marion hinüber. Corsignac nahm die Entscheidung vorweg. „Selbstverständlich wird meine Gattin sich freuen! Und ich— nicht wahr, Sie begreifen? Einer muß doch schließlich bei Fräulein Rimini bleiben!“ Chester Lynne schien nicht gerade angenehm berührt. Gewiß, das Zusammensein mit Marion war für ihn eine unverhoffte Freude, aber unter diesen ganz sonderbaren Umständen—— irgendetwas schien da in der Ehe Corsignacs nicht so ganz zu stimmen. Nur zögernd trat er neben Marion und bot ihr seinen Arm, den sie dankend nahm. Dann gingen sie nach kurzem Abschied von den beiden Zurückbleibenden den Weg entlang, der sich jetzt so weit verbreitert hatte, daß sie nebeneinander bleiben konnten. Yvonne blickte hinter ihnen drein, bis sie hinter der nächsten Felsnase verschwunden waren, dann wandte sie sich mit einem spöttischen Auflachen an Paul:„Na, dein Amerikaner scheint nicht recht Feuer fangen zu wollen!“ Corsignac zuckte die Achseln.„Meinst du? Ich glaube, das Gegenteil festgestellt zu haben. Aber im Grunde genommen ist die ganze Angelegenheit höchst zwecklos. So viel habe ich schon herausgebracht, daß sich Lynne gewissenhaft an die Vorschriften seiner Auftraggeber hält. Immerhin— man kann niemals wissen. Jedenfalls bedeutet diese Frau den letzten Trumpf in meinem Spiel. Allerdings— wenn sie versagt——“ „Du fürchtest, daß sie dir einen Strich durch die Rechnung machen könnte?“ fragte Yvonne interessiert zurück. „Das glaube ich kaum! Schließlich habe ich sie zu fest in der Hand. Und immer wieder kann ich feststellen, daß ihr Gewissen nicht ganz rein ist. Hast du nicht heute beim Frühstück bemerkt, wie energisch sie einen Ausflug nach Monte Carlo ablehnte? Sicherlich hat sie dort die eine oder andere unangenehme Begegnung zu fürchten.— Jedenfalls kann ich mir ihre Weigerung nur so erklären.“ „Paul—!“ Mit einemmal stand Yvonne ganz dicht vor ihm. Ihre Augen waren forschend auf sein Gesicht gerichtet. Ein unruhiges Zucken spielte um ihre Mundwinkel.„Paul— mir scheint, daß du dich etwas zu sehr für diese Abenteuerin interessierst, mein Lieber!“ Unwillig schüttelte Corsignac den Kopf.„Ich in Marion verliebt?— Unsinn, Yvonne!— Ich brauche sie ganz einfach für meine Pläne— das ist alles!“ „Hänat denn von diesem Geschäft mit Lynne so viel für dich ab?“ „Viel?— Alles hängt davon für mich ab—“. Eine leichte Wolke stand auf seiner Stirn, aber sie verschwand sogleich wieder. Langsam zog er Yvonne näher zu sich heran.„Jetzt wollen wir uns nicht weiter über die Geschäfte den Kopf zerbrechen, mein Kind! Ich bin froh, endlich einmal einen Augenblick lang mit dir allein sein zu können—“. Ihr roter Mund lachte ihm entgegen. Ganz dicht preßte er sie an sich.—— Chestre Lynne, der in diesem Augenblick um die Felsnase bog, blieb überrascht stehen. Er war zurückgekommen, um von Corsignac eine Zigarette zu erbitten. Auf diesen Anblick war er allerdings nicht gefaßt gewesen. Hastig machte er kehrt und ging einige hundert Meter wetter, wo Marion auf einer Bank saß und auf ihn wartete. Lächelnd blickte sie ihm entgegen:„Und Ihre Zigarette?“ Er machte eine verlegen abwehrende Handbewegung:„Oh— ich habe es mir überlegt, ich werde auch ohne Zigarette auskommen!— Aber wenn wir jetzt unseren Spaziergang fortsetzen wollen—“ Marion hatte sich bereits erhoben. Schweigend schritten sie nebeneinander her auf dem Wege, der sich an dem kristallklaren Wasserlauf entlangzog. Ungewisses Dämmerlicht erfüllte die Schlucht. Nur hin und wieder drang durch eine Felsplatte ein Sonnenstrahl auf ihren Grund und verfing sich in dem feinen Wasserdunst. Immer wilder und großartiger wurde die Felsszenerie ringsum. In den phantastischsten Formen strebten die Felsen dem Lichte zu.— Rauschende Wasserfälle belebten das starre Bild. Hier und dort ein kümmerlich vegetierender Baum, der seine Wurzeln in Gesteinsspalten geschlagen hatte.—— Dann plötzlich blieb Marion stehen. Hinter einer letzten Biegung des Weges öffnete sich der Blick auf die Wolfsschlucht, eine von herabgestürzten Felsblöcken halb erfüllte Bergkluft.— Brausend und schäumend bahnte sich das Wasser seinen Weg durch das Steingewirr, um dann den Blicken des Beschauers für immer zu entschwinden. Sie waren am Ende des Weges angelangt. Die ganze Zeit über hatte Chester Lynne kaum auf die wechselvolle Umgebung geachtet. Seine Gedanken waren mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Ein Zufall war es, der ihn hatte bemerken lassen, wie wenig genau es Paul de Corsignae mit der ehelichen Treue nahm,— und dann noch eine Frau wie diese Yvonne Rimini———. Aber durfte er denn zu Marion von dem sprechen, was er bemerkt hatte? Das war es, worüber er sich den Kopf zerbrach. Ein grenzenloses Mitleid für die Frau an seiner Seite war in ihm aufgestiegen,— nicht nur Mitleid—— Corsignac war ein Schuft,— das war alles, worüber er sich jetzt klar war. Er betrog eine Frau, die es wahrhaftig anders verdient hatte,— eine Frau wie Marion—. „Marion!“ Ganz leise sprach er ihren Namen vor sich hin, so leise, daß das Tosen des Wassers seine Stimme übertönte. Und dann erschrak er, als er plötzlich begriff, was diese Frau ihm bedeutete— schon seit dem ersten Augenblick, da er ihr begegnet war. Das—— das durfte doch nicht sein! Sie war die Frau eines anderen, und wenn dieser andere sie auch nicht verdiente. „So nachdenklich, Mister Lynne?“ klang da in diesem Augenblick ihre Stimme an sein Ohr. Bestürzt blickte er sie an und sah das Lächeln in ihren Zügen.„Verzeihen Sie, gnädige Frau!“ Wenn er nur hätte sprechen dürfen, ihr sagen, was ihm das Herz beschwerte.„Ich bin gewiß ein schlechter Gesellschafter— Abwehrend schüttelte sie den Kopf.„Oh, ich kann es verstehen, wenn Sie jetzt nicht viele Worte machen,— und ich bin Ihnen sogar dankbar dafür! Was man jetzt auch sagen würde— es wäre doch wie eine Entheiligung dieser herrlichen Natur, nicht wahr?“ „Ja, gewiß—“, gab er zögernd zu und trat unwillkürlich einen Schritt näher zu ihr hin. Vielleicht sah Marion den sonderbaren Glanz in seinen Augen— vielleicht war es auch die kühle Feuchtigkeit hier unten, die sie leicht erzittern ließ. Langsam wandte sie sich ab. „Wir wollen jetzt zurückgehen, Mister Lynne!“ Und er wagte nicht, ihr zu widersprechen. 15. Kapitel Die Sonne stand bereits schräg im Westen, als die vier die Rückfahrt nach Nizza antraten. Nach dem Verlassen der Wolfsschlucht waren sie in dem Gasthaus eingekehrt und hatten ein einfaches Essen eingenommen, für das Yvonne nichts weiter als ein verwöhntes Naserümpfen gehabt hatte. Dann hatten sie sich auf die Wolfsspitze begeben, von der sie einen herrlichen Rundblick über das Gebiet der französischen Alpen genossen hatten. Und nun jagte der rote Wagen wieder den Weg zurück, den er am Vormittag gekommen war. Ein wenig erschöpft von dem Ausflug lehnten die beiden Frauen im Fond. Yvonne konnte hin und wieder ein müdes Gähnen hinter der vorgehaltenen, ringgeschmückten Rechten nicht unterdrücken. Marion blickte vor sich hin in den herniedersinkenden Abend, dessen rötliches Dämmerlicht die Bergkonturen zu verschwommenen Fabelgestalten verwischte. Irgendwo im ungewissen wanderten ihre Gedanken. Nur von Zeit zu Zeit schweiften ihre Augen hinüber zu dem kleinen Spiegel am Rande der vorderen Windschutzscheibe. Sie wußte, daß sie dann jedesmal den nachdenklichen Blicken Chester Lynnes begegnete. Paul de Corsignac war der redseligste von allen. Ohne seine Aufmerksamkeit vom Steuer und von dem vielfach gewundenen Weg abzulenken, plauderte er zu Lynne über tausend Nichtigkeiten und schien kaum darauf zu achten, daß er nur selten und dann noch recht einsilbige Antworten erhielt. Mit unverminderter Geschwindigkeit durchjagte der rote Wagen die Ortschaften, die am Wege lagen, nahm im schärfsten Tempo die verschlungenen Kurven.— „Ja, man muß seinen Wagen schon in der Gewalt haben!“ lachte Corsignac triumphierend.— „Wissen Sie, mir ist erst ganz wohl, wenn der Kilometerzeiger so in der Gegend von hundert steht!“ „Mir scheint, Sie sind ein Hasardeur!“ erwiderte Chester Lynne sonderbar ernst.„Sie lieben es wohl, alles auf eine Karte zu setzen?“ Der andere nickte.„Warum soll ich das leugnen! Diese goldene Regel hat für mich als Geschäftsmann bisher noch immer den Erfolg mit sich gebracht— den Erfolg und das Glück!“ „Glück—“, Lynne wiegte den schmalen Kopf. „Ja, ein Mann wie Sie muß ja auch glücklich sein. Erfolg in den Geschäften— und dann eine Frau wie Ihre Gattin sein eigen nennen zu dürfen— (Fortsetzung folgt.) Am 13. Tag der Ofumpischen Spiete.. ** Die Triumphfahrt der deutschen Ruderer in Grünau Unerhörte Siegesserie in Grünau— In sieben Rennen fünf Goldmedaillen, eine silberne und eine Bronzemedaille— Die Goldmedaille im handballTurnier errungen— Holländische und amerikanische Siege im Schwimmstadion— Die Silbermedaille in der Amal-100-Meter-Frauenstaffel gewonnen Grünau ganz groß Die Grünauer Ruderregatta während der Olympischen Spiele endete mit einem beispiellosen Erfolg der deutschen Vertreter. Sieben Rennen gefahren— und fünf goldene, eine silberne und eine bronzene Medaille. Auf der Ehrentribüne verfolgte der Führer mit großem Interesse die Kämpfe. Unter den Ehrengästen bermerkte man Ministerpräsident Göring, Generalfeldmarschall von Blomberg, die Reichsminister, Dr. Goebbels, Dr. Frick und Darré, Staatssekretär Pfundtner, den außerordentlichen Botschafter von Papen, die Mitglieder des Internationalen Organisationskomitees, an der Spitze Baillet=Latour, das deutsche Olympische Komitee, geführt von Exzellenz Lewald, Reichssportführer von Tschammer und Osten und viele ausländische Gäste. Während der Pause empfing der Führer die erfolgreichen deutschen Ruderer der ersten vier Wettbewerbe. In ihrer schmucken weißen Kleidung standen die deutschen Ruderer glückstrahlend vor Adolf Hitler, der ihnen zu ihren Erfolgen gratulierte. Immer wieder brausten die Heilrufe auf und nicht enden wollender Beifall überschüttete die deutschen Olympiasieger. * In Anwesenheit des Führers kam es im Vierer mit Steuermann zu einem mitreißenden Kampf, der Deutschland mit Maier, Volle, Gaber, Söllner und Bauer die goldene Medaille einbrachte. Die Schweizer Mannschaft sicherte sich die silberne und die von Frankreich die bronzene Medaille. Holland, Ungarn und Dänemark folgten auf den nächsten Plätzen. Auch der Kampf im„Zweier ohne“ brachte der deutschen Mannschaft einen herrlichen Sieg und damit eine neue Goldmedaille. Gewinner der silbernen wurde Dänemark und der bronzenen Medaille Argentinien. Die deutsche Mannschaft bestand aus Eichhorn und Strauß. Die deutsche Siegesserie riß nicht ab. Die dritte Goldmedaille im Rudern holte sich SchäferDeutschland im Einer, was zum ersten Male in der Geschichte der Olympischen Spiele geschah. Schäfer gewann klar vor Hasenöhrl=Oesterreich und Barrow=USA. Das Unerhörte wurde Wirklichkeit. Eine Goldmedaille nach der anderen errangen unsere tapferen Ruderer. Gustmann=Adamski(Arendt am Steuer) wollten den anderen erfolgreichen Kameraden nicht nachstehen und brachten auch dieses Rennen sicher vor Italien und Frankreich zum Siege. In den beiden letzten Rennen, Doppelzweier und Achter, mußte die deutsche Vertretung auf die Goldmedaille verzichten. Sieger im Doppelzweier wurde Großbritannien vor Deutschland, Polen, Frankreich, USA und Australien. Dagegen holte sich im Achter USA vor Italien und Deutschland die Goldmedaille. Die deutschen Ruderer erlebten den größten Triumph. Wieder ging die deutsche Flagge am Siegesmast hoch. Das Rennen im Vierer ohne Steuermann brachte der deutschen Vertretung Eckstein, Rom, Karl und Menne die Goldmedaille nach hartem Kampf gegen England und der Schneiz.— Die Sieger der ersten Rennen wurden vom Führer empfangen, der sie zu den herrlichen Erfolgen beglückwünschte. Auch im olympischen Schwimmstadion gab es Hochbetrieb. Die amerikanischen Schwimmer konnten am Freitag die erste Entscheidung dieses Tages, das 100=Rückenschwimmen, zu einem überlegenen Sieg gestalten und die goldene und silberne Medaille durch Kiefer und van de Weghe erringen. Jokawa=Japan belegte den dritten Platz. In der 4mal=100= Meter=Frauenkraulstaffel sicherte sich Holland vor der deutschen Vertretung die goldene Medaille. Die bronzene errang Amerika vor Ungarn, Kanada, England und Dänemark. Im Spiel um de ndritten und vierten Platz im Wasserballturnier schlug Belgien Frankreich mit :1. * In dem Entscheidungsspiel der Schlußrunde des Olympischen Handballturniers schlug Deutschland am Freitagnachmittag im Olympiastadion die österreichische Ländermannschaft nach einem von beiden Seiten mit äußerstem Kräfteeinsatz durchgeführten Kampf mit 10:6 Toren und errang damit die Goldene Medaille, während Oesterreich mit der Silbernen vorliebnehmen mußte. In dem Kampf um den dritten Platz hatte vorher die Schweiz die ungarische Mannschaft mit 10:5 Toren geschlagen und sich damit die Bronzene Medaille gesichert. Der Freitag im Wieder Ragnhild hveger Zwischenläufe zum 400 Meter Kraul der Frauen In verhältnismäßig schlechter Zeit von:40.3 gewann die vielseitige Holländerin Rie Mastenbroek den ersten Zwischenlauf zum 400=Meter=Kraul= schwimmen. Wie immer in ihren Vor= und Zwischenläufen ließ sich das„Meisie“ auf der ersten Hälfte der Strecke führen, um dann mit ihren kraftvollen Armzügen im Spurt das ganze Feld hinter sich zu lassen. Sie siegte in:40.3 vor Wingard :42.2 und vor Frederiksen(:42.).— Tini Wagner schlug als Vierte mit der Zeit von:45.9 vor Schramek=Tschechoslowakei(:46) und MoriakaJapan:49.1. Kaum aufzuhalten war die junge Dänin Ragnhild Hveger, die, trotz Anweisung sich zu schonen, sofort die Führung übernahm. Ohne sich voll auszugeben, siegte die Dänin in:33,7 mit fast 12 Meter Vorsprung vor Coutinho=Brasilien(:42.), KoiimaJapan:43.5, Petty=USA 5·45.9. In die Entscheidung am Samstag kommen die drei Ersten eines jeden Zwischenlaufes und die schnellste Vierte. Da in beiden Läufen die Vierten Wagner und Petty je:45,9 schwammen, gelangen beide in den Endlauf, so daß also diesmal acht Schwimmerinnen starten. Das Turmspringen der Männer began Wieder gehörten die Schwimmer und Springer zu den Frühausstehern. Nach dem Schwimmprogramm war nämlich um 9 Uhr Freitag morgen schon das Turmspringen, und zwar die Pflichtübungen, angesetzt. Die 26 Springer waren in zwei Gruppen eingeteilt. Der Himmel war von einer dunklen Wolkenwand verdeckt, und das sonst so farbenprächtige Schwimmstadion wirkte grau in grau, als der Schwede Oelander als„Startnummer 1“ die erste Gruppe mit dem Kopfsprung vorwärts aus dem Stand gestreckt vom 10=Meter=Turm den siebten Tag der Schwimmolympiade einleitete. Die Zuschauerränge füllten sich bei dem etwas kühlen Wetter nur langsam, doch waren um 10 Uhr wieder 15 000 Menschen versammelt. Wie fruchtbar sich die Arbeit der Trainer Hans Kefer=München und Dutch=Schmith an den deutschen Springern ausgewirkt hat, zeigte sich beim „Schul“=Springen. Erhardt Weiß der junge deutsche Meister, erwies sich in der Gruppe 1 den beiden Amerikanern Alonzo Root und Frau Kurtz jederzeit gewachsen, ja, durch seine mutige Art des Springens erhielt er bei dem gewiß überaus kritischen Sprunggericht für jeden seiner Pflichtsprünge die höchste Wertung seiner Gruppe. Siegfried Viebahn, der deutsche Studentenweltmeister, wirkte durch seinen prächtigen Athletenkörper ganz ausgezeichnet. Es liegt ihm aber nicht, so sehr in „Eleganz“ zu machen. Der deutsche Europameister Hormann Stork=Frankfurt am Main hatte in der Gruppe 2 gegen den langen, blonden, kräftig gebauten Amerikaner Marshall=Wayne, gegen Leikert=Tschechoslowakei und Shibahara sowie Koyanagi(beide Japan) einen überaus schweren Stand. Seine große Sicherheit, vor allem aber die solide Art seiner Sprungausführung gaben ihm auch einen guten Platz, und der Deutsche geht mit hoffnungsvollen Aussichten in die Kür, die am Samstagvormittag einen weiteren Höhepunkt der olympischen Schwimmwettbewerbe bringen wird. In ganz vorzüglicher Form sprang der deutsche Meister Erhardt Weiß=Dresden. Schon nach seinem ersten Sprung im Kopfsprung vorwärts aus dem Stand gestreckt, führte er mit.36 Punkten vor Root=USA.(7,92), Viebahn=Deutschland und Masters=Australien, die mit 7,70 Punkten gleichgewertet wurden. Auch im zweiten Durchgang, Kopfsprung vorwärts mit Anlauf, gefiel der überaus sicher springende Dresdener mit 9,24 Punkten am besten. Endlosen Beifall gab es, als der Deutsche Meister im dritten Durchgang für seinen fast kürmäßig durchgeführten Salto rückwärts aus dem Stand mit 13,86 erneut am besten bewertet wurde. Im deutschen Lager, sowie bei den Trainern Kefer und Smith herrschte gute Zuversicht. Weiß war tatsächlich in einer kaum noch zu steigernden Form. Als er schließlich für seinen hoch angesetzten in der Durchführung eleganten fast spritzerlosen Auerbach=Kopfsprung aus dem Stand vom Sprunggericht 14,63 Punkte erhielt, war ihm der Gruppensieg sicher. Siegfried Viebahn zeigte einen kaum schlechteren Auerbach=Kopfsprung, der mit 14,25 Punkten belohnt wurde. In der zweiten Gruppe lag die Führung nur zwischen Wayne=USA., Europameister StorkDeutschland und Shibahara=Japan. Marshall Wayne, der„Liebling“ des Sprunggerichts, hatte einen nicht allzu überzeugenden Start. Seine beiden ersten Sprünge zeigten zu viel und zu wenig Schwung, trotzdem wurden sie beide überraschend gut gewertet. Die Vollendung der Sprungkunst aber offenbarte der Amerikaner im letzten Durchgang. Sein Auerbach=Kopfsprung aus dem Stand war geradezu klassisch im Ansatz. Ausführung und Eintguchtechnik., 15.08 Punkte, also die höchste Punktzahl des Tages war der gerechte Lohn. Hermann Stork, dem die elegante Sprungart der Amerikaner von Natur aus gut liegt, ging nur auf Sicherheit. Seine vier Sprünge lagen über dem Durchschnitt, sie waren überzeugend in der Durchführung, so daß er den zweiten Platz bereits nach dem zweiten Durchgang so gut wie sicher hatte. Das eine steht fest, seit der Eurovameisterschaft in Magdeburg hat sich der Frankfurter stark verbessert. Von den übrigen elf Springern dieser Gruppe gefiel erneut der javanische Meister Shibahara am besten. Wenn man bedenkt, daß die Javaner bis vor einem Jahr nur in Tokio über einen Zehnmeterturm verfügten, muß man über das Können und die große Sicherheit von Shibahara und Kovanagi erstaunt sein. Nach den Pflichtsprüngen liegen— beide Grupven gewertet— an der Spitze: Wayna=USA 46.65, Weiß=Deutschland 46.09. Stork=Deutschland 44.53. Rott=USA 44.03, Shibahara=Japan 43.49, KurtzUSA 41.78, Viebahn=Deutschland 41.39, MästersAustralien 39.55 Punkte. Harte Kämpfe über 200 Meter Brust Balre und Sielas un Endrump Tief hängen Wolken, kühles Wetter und ein heftiger Regen boten Freitag nachmittag nicht das sonst gewohnte schöne Bild. Trotzdem fanden sich schon eine halbe Stunde vor Beginn des Nachmittagsprogramms auf den Rängen und Tribünen über 10000 Menschen ein. Als mit einer kleinen Verspätung um 15.15 Uhr der erste Zwischenlauf zum 200=Meter=Brustschwimmen der Männer gestartet wurde, waren bestimmt 15000 Zuschauer anwesend. Koike=Japan vor Joachim Balke Im ersten Zwischenlauf legte der Dortmunder Joachim Balke die ersten 50 Meter im Schmetterlingsstil zurück. Er lag auch bei der Wende knapp in Front. Aber schon auf der zweiten Bahn ging der Japaner Koike vorbei. Hart kämpften Balke und Ito um den zweiten Platz. Kopf an Kopf lagen sie, aber der Dortmunder Entscheidung über 100 Meter Rücken schaffte schließlich doch den zweiten Platz in :45,4, während für Ito:45,5 gestoppt wurden. Hamuro— Higgins— Sietas Ueberaus stark besetzt war der zweite Zwischenlauf. Hier gab es auch einen erbitterten Kampf zwischen USA., Japan und Deutschland. Den besten Start hatte der Japaner Hamuro, der erst bei 23 Meter aus dem Wasser auftauchte und einen knappen Vorsprung vor Higgins und Spence hatte. Er siegte in:43,5 vor HigginsUSA.:44,3. Der deutsche Sietas schwamm nicht aus und gab sich mit dem dritten Platz (:44,8) zufrieden. Der Gladbecker Heina kam in diesem schnellen Rennen nicht recht mit, immerhin ist seine Zeit von:47,3 noch gut. In die Entscheidung am Sonnabend kommen die drei Ersten eines jedes Zwischenlaufes und der beste Vierte: Ilfefonzo=Philippinen. Riefer kum, schwum und fiegte Der dritte amerikanische Einzelsieg und Olympia-Bestzeit Immer noch regnete es in Strömen, als der deutsche Starter Gaedicke sich für den Endlauf des 100=Meter=Rückenschwimmens fertig machte, und die 15000 Zuschauer ruhig ausharrten, um diese erste Entscheidung mitzuerleben. „———chtung!“ Schuß.— Und schon war der Start vorbei. Bereits bei 15 Meter lag der Amerikaner Adolf Kiefer ½ Meter vor dem übrigen Feld. Kiefer, der stilistisch nicht zu übertreffen ist, zog, die Arme gewinkelt und falch über das Wasser schwimmend, dem übrigen Feld davon. Gegen das hemmungslose Gleiten Kiefers war kein Kraut gewachsen. Er war der Favorit, der einfach nicht geschlagen werden konnte und ohne Nerven sein RenDie Sihmpin=Elrue kauter Das Programm für die Olympische Schlußfeier Die Schlußfeier der XI. Olympischen Spiele wird in dem gleichen festlichen Rahmen gehalten, wie der Eröffnungstag. Um 19.30 Uhr leiten die„Olympia=Fanfaren“ von Paul Winter die Feier ein. Unter den Klängen des Möllendorfer Parademarsches erfolgt der Einmarsch der Nationen mit den Fahnen. Darauf hält der Präsident der JOK., Graf de Baillet=Latour, die Schlußansprache. Gleichzeitig erscheinen auf der Anzeigetafel die Worte Coubertins: „Möge die Olympische Flamme leuchten durch alle Geschlechter zum Wohle einer immer höher strebenden, mutigeren und reineren Menschheit.“ Das„Opferlied“ von Beethoven, ausgeführt vom Olympischen Sinfonieorchester und dem Reichsverband der gemischten Chöre Deutschlands leitet zur Niederholung der Olympischen Flagge über. Mädchen bekränzen die Fahnen der Nationen und befestigen daran das Olympische Erinnerungszeichen. Der„Fahnenabschied“ von Höffner erklingt vom Chor und Orchester und unter Salutschüssen einer Artillerieabteilung wird die Olympische Flagge eingeholt. Nach einer Minute stillen Gedenkens läutet die Olympische Glocke. Auf ein Fanfarensignal wird die Olympische Flagge in die Obhut der Stadt Berlin gegeben. Es sprechen der Bürgermeister von Los Angeles, der Präsident des JOK. und der Staatskommissar der Stadt Berlin. Zum Abschluß spielt das Olympische Sinfonieorchester den„Olympia=Ausklang“ von Höffner. An der Anzeigetafel erscheinen die Ländernamen Deutschland, Griechenland und Japan als Träger der 11., 1. und 12. Olympischen Spiele. Zugleich gehen an den Siegermasten die Fahnen dieser Länder hoch und eine Stimme ertönt:„Ich rufe die Jugend der Welt nach Tokio“. Ein Chorgesang, der in gemeinsamen Gesang übergeht, schließt sich an. Während der letzten Strophe läutet die Olympia=Glocke zum Einholen der Fahnen aller Nationen. nen machte. Bei 50 Meter wendete er in genau 31 Sekunden klar vor den fast auf gleicher Höhe liegenden Jokawa, Van de Weghe und Drysdale. Für das Auge kaum erkennbar schneller werdend, strebte Kiefer dem Ziele zu. In der neuen olympischen Rekordzeit von:05.9 holte er den dritten amerikanischen Einzelsieg. Klar zurück folgte an zweiter Stelle sein Landsmann Van de Weghe in:07.7 und Jokawa (Japan):08.4 und Drysdale(USA):09.4; Doshida:09.7: Kojima(Javan):10.4 und Oliver (Australien):10.7. Es war ein eigenartiger Olympiasieg, eigenartig die zahlreich ausgebreiteten Regenschirme, und eigenarti das Wenden und Gleiten des amerikanischen „Wunderschwimmers“ Adolf Kiefer. Das war eine Entscheidung, die man in dieser Ueberlegenheit gegen Weltklasse nicht alle Tage erleben wird. Zweikampf: Japan— Einen scharfen Zweikampf lieferten sich im ersten Zwischenlauf zum 1500=Meter=Kraulschwimmen der Japaner Terada und der Amerikaner Flanagan. Erst bei 1120 Meter machte sich der kleine Javaner Terada frei. Flanagan hatte seinen zweiten Platz sicher und ließ es gar nicht auf einen Kampf mit dem schnellen, erstaunlich kurz schwimmenden Japaner ankommen. In 19:48.6 schlug Terada mit rund 12 Meter Vorsprung vor Flanagan, 19:49.4, und dem taktisch klug schwimmenden Briten Leivers (20:10.9) an. Die beiden Deutschen Freese und Przywara lagen auf dem 5. und 6. Platz(20:57.6 bezw. 20:35). heinz Arendt schwamm Rekord „ Im zweiten Zwischenlauf stellte der Amerikaner Jack Medica seine große Klasse unter Beweis. Vom Start bis zum Ziel gab es ein wundervolles Rennen, in dem der 19jährige Berliner Heinz Arendt einen neuen deutschen Rekord von 19:56,1 aufstellte. schnellster Vierter qualifizierte er sich auch noch für den Endlauf. Sieger wurde der amerikanische Weltrekordschwimmer Jack Medica in 19:42.8 vor Isbiharada 19:53.9 und Uto=Japan 19:55.1. In die Entscheidung am Samstag kommen jeweil## die drei Ersten aus den beiden Zwischenläufen und Heinz Arendt als bester Vierter. Grünaus größter Cag Aaderer nampsen um den Sihmspischen=Törorer Glanzvoller deutscher Siegestag in Grünau— Sieben Rennen— sieben Medaillen In Anwesenheit des Führers Olympische Kämpfe der Ruderer in Grünau — die Mühe und Arbeit langer Jahre findet nun ihre Erfüllung und den Lohn! Tausende und abertausende fleißige Hände rührten sich, damit zur Stunde alles bereit sei und nun ist es soweit. Der größte Tag für Grünau ist gekommen. Es ist der 13. Kampftag der XI. Olympischen Spiele in Berlin und der Wassersport der Welt blickt nach Grünau. Sieben Kämpfe um den olympischen Lorbeer im Rudern nehmen das Interesse gefangen und lassen es nicht mehr los. Heiß wird der Kampf um die Medaillen in Gold, Silber und Bronze sein, aber er wird eingehen in das Buch der Geschichte der XI. Olympischen Spiele. Und mit ihm die Namen derer, die als Kämpfer und Sieger zur Ehre ihres Vaterlandes stritten... Schade nur, daß nach dem herrlichen Sonnenschein der Vortage sich schwarze Wolkengardinen vor die Sonne schoben und noch am Vormittag schwere Regenschauer auf den Langen See herniederprasselten. Aber die Laune des Wettermachers kann nicht gegen die frohe Feststimmung längs der Ufer an. Niemand läßt sich beeindrucken. Ein leichter Wind hat sich aufgetan, er treibt die Wolken und kräuselt das Wasser aus der Nordwestecke, aber er wird die Bahn nicht groß beeinflussen. Schwer und feucht klatschen die bunten Fahnentücher aus aller Herren Länder an den Masten. Aber drüben von der Bismarckwarte herab leuchtet selbst durch den schweren Regendunst die Flamme des olympischen Feuers auf die Kampfbahn— ein Gruß vom sonnenüberstrahlten heiligen Hain Olympia... Noch mitten im mitreißenden Endkampf der Vierer mit Steuermann stellte sich auch der Führer auf der Ehrentribüne ein. Mit den Heilrufen und der Freude über sein Kommen mischte sich der Ausbruch des Siegesjubels über den herrlichen Erfolg unseres Vierers. hält sie bis 500 Meter, die anderen Boote liegen noch ziemlich dicht zusammen. Dann aber warten die Mannheimer mit einem Zwischenspurt auf, der sich„gewaschen“ hat! Mit Energie ziehen sie an den Dänen vorbei und nun sind die Deutschen an der Spitze. Bei 1000 Meter sind Eichhorn=Strauß schon klar vor Argentinien, Dänemark, Ungarn und den hier schon geschlagenen Booten von Polen und der Schweiz. Da, was ist das? Der deutsche Zweier versteuert sich! Aber es geht gut. Trotzdem, er muß sich vorsehen, um nicht eingeholt zu werden. Argentinien hat sich mit einem kräftigen Zwischenspurt auf die zweite Stelle vorgearbeitet, doch 200 Meter vor dem Ziel ist die Lage geklärt. Deutschlands Zweier rudert ruhig und sicher, kraftvoll sind die Züge und bei 1800 Meter liegt er schon mit einer Länge vor. Noch 100 Meter bis ins Ziel und nun setzt Deutschland zum Endspurt an. Die Dänen kommen nicht mehr mit und fallen noch weiter zurück. Argentiniens Schlagmann hatte vor dem Ziele beinahe„gekrebst“ und sich dadurch die Silberne Medaille verscherzt. So holte sich Dänemark den zweiten Rang. Zweier ohne Steuermann: 1. und Olympiasieger Deutschland(W. Eichhorn, H. Strauß):16.4; 2. Dänemark:19.2; 3. Argentinien:23,0; 4. Ungarn:25,7; 5. Schweiz :33,0; 6. Polen:41,9. Srutscher Eirg zu Austart Die Bronzene für die Schweiz Ungarn 10:5(:2) besiegt Den Schlußkämpfen des Olympischen Handballturniers hätte besseres Wetter beschieden sein können. Heftige Regenschauer prasselten aus den grauen Wolken, aber ungeachtet dessen ließen die begeisterten Zuschauer sich nicht abschrecken. Bei Beginn des Kampfes Ungarn— Schweiz um den 3. Platz waren doch rund 70000 Zuschauer zugegen. Zur Pause:2 für die Schweiz In der ersten Spielhälfte erkämpfte sich die Schweiz bei leichter technischer Ueberlegenheit einen sicheren Vorsprung, der nach dem Wechsel noch vergrößert werden konnte. Die Ungarn kamen zum Schluß noch etwas auf, konnten aber den Sieg der Schweizer nicht mehr gefährden. Obwohl die Ungarn durch Salgo in Führung gingen, stellte sich bald eine Ueberlegenheit der Schweizer heraus. Sie verstanden es, sich auf dem glatten Boden besser durchzusetzen, während die Ungarn sich zu sehr auf Alleingänge und enges Zwischenspiel verlegten. Es gelang den Schweizer Stürmern immer wieder, sich von der ungarischen Hintermannschaft freizulaufen und so freie Schußstellung zu erlangen. Der Halbzeitstand war:2 für die Schweiz. Noch sechs Tore nach dem Wechsel Nach Wiederbeginn versuchte Ungarn mit größerem Eifer, den Anschluß an die Schweiz zu erreichen. Die Stürmer kamen gut durch, liefen sich aber im Schußkreis immer wieder fest. Kurz vor Schluß verletzte sich der Schweizer Torwart Gysi, so daß Ungarn zwei Tore aufholen konnte. Die Schweiz errang mit ihrem Sieg über Ungarn den dritten Platz im Gesamtergebnis und damit die Bronzene Medaille. Deutschland— Schweiz— Frankreich im„Vierer mit“ Es ist schon nicht mehr Erwartung zu nennen— die Massen fiebern förmlich. In allen Sprachen schwirren die Meinungen hinein in die schier unerträgliche Spannung vor dem Start der ersten Entscheidung. Hart werden die Kämpfe werden— allen Möglichkeiten ist Tür und Tor offen, denn nur noch die Elite der Welt liegt im Wettstreit. Aber ruhig und zuversichtlich sind die Deutschen. Sie wissen, was unsere Jungen in den schweren Ausscheidungen der Tage zuvor leisteten und das gibt ihnen Vertrauen und Zuversicht. Sie haben eine bestechende Form bewiesen und Deutschlands Ruderer werden in den Finals keine Zweifel an ihrer Klasse aufkommen lassen.. Und gleich werden wir Klarheit haben. In strömendem Regen machen sich die„Vierer mit" zum ersten Rennen fertig. Behutsam tragen sie ihre Boote zu Wasser und dann geht es hinunter zum Start. In langen, kräftigen Zügen.. Pünktlich um 14.30 Uhr erklingt das Kommando des Starters. Fein kommen die sechs Boote vom Start, die Schweiz vorneweg, Deutschland, Frankreich, Holland, Ungarn und Dänemark. Sofort zieht sich das Feld etwas auseinander. Bei 500 Meter schon liegt das Ende nur noch zwischen unserem Vierer und den Eidgenossen. Verbissen spurtet die die Mannheimer Näher und näher Schweiz an der Spitze, aber lassen und lassen nicht locker. rückt Deutschland den Eidgenossen, die sich verzweifelt wehren, doch bei 1000 Meter ist der Abstand kaum noch wahrzunehmen. Und bei 1200 Meter ist der Angriff geglückt— der deutsche Vierer ist an der Schweiz vorbei. Die Zehntausende an den Ufern kennen sich nicht mehr. Der Beifall und die rhythmische Anfeuerung ist nicht zu beschreiben. Bei 1400 Meter spurten die Deutschen wieder los und bei 1550 Meter liegen sie schon eine Länge vor. 1800 Meter und zwei Längen! Und nun ein mitreißendes Finish. Der deutsche Vierer hat noch allerlei zuzusetzen und siegt klar, wiederholt den Olympiasieg von Los Angeles, den der Berliner Ruder=Club schaffte. Ganz klar zurück folgt die Schweiz. Drei Längen hinter ihr tobt der Kampf um die Bronzemedaille zwischen Frankreich, Holland und Ungarn. Die Dänen sind aussichtslos hinten. Nun schafft es noch Frankreich— eine prächtige Energieleistung. Vierer mit Steuermann: 1. und Olympiasieger Deutschland(Maier, Volle, Gaber. Söllner und Bauer am Steuer):16,2; 2. Schweiz :24,3; 3. Frankreich:33,3; 4. Holland•34,7; 5. Ungarn:35,6; 6. Dänemark:40,4. Und Schäfer holt im Einer auch die Goldene Zwei Rennen sind nun zu Ende— und zweimal erklangen die deutschen Lieder. Sie kündeten den deutschen Sieg! Und nun ist es schon wieder ein deutscher Ruderer, der sich mit dem Lorbeer des olympischen Sieges schmückt. Die Begeisterung kennt keine Grenzen mehr. Zum erstenmal in der Geschichte der Olympischen Spiele hat ein deutscher Skuller eine Goldmedaille für sein Vaterland erkämpft. Vom Start weg setzt sich unser Schäfer nach bewährter Taktik sofort an die Spitze, hinter ihm Hasenöhrl=Oesterreich und der Kanadier Campbell, dicht gefolgt von Barrow=USA., Rufli=Schweiz und Giorgio=Argentinien. Mit kraftvollem Schlag behält der Deutsche seine Führung, während hinter ihm schon der Kampf um den zweiten Rang entbrennt. Und bei 1000 Meter hat„Gummi“ schon eine Länge zwischen sich und seine Verfolger gelegt. Mit vorbildlicher Wasserarbeit zieht der Dresdener davon und als der Oesterreicher Hasenöhrl bei 1500 Meter zu einem energischen Angriff ansetzt, legt Schäfer eben noch einige Schläge zu und wehrt den verbissenen Ansturm sicher ab. Und im Spurt ist er nun ebenso überlegen wie zuvor sich bereits Deutschlands Boote gezeigt hatten. Schäfer siegt klar mit eineinhalb Längen und am Ufer kennt man sich nicht mehr vor Freude... Einer: 1. und Olympiasieger Gustav SchäferDeutschland:21,5; 2. Hasenöhrl=Oesterreich:25,8; 3. Barrow=USA.:28; 4. Campbell=Kanada:35; 5. Rufli=Schweiz:38,9; 6. Eiorgio=Argentinien :57,5. Goldincouns auch in„Vierer ohle Unaufhaltsamer deutscher Siegeszug Und unaufhaltsam ist der deutsche Siegeszug. Drei. vier, und jetzt sind es schon fünf Goldmedaillen für uns. Auch der schwere Vierer ohne Steuermann ist den Deutschen nicht zu nehmen! Eckstein. Rom. Karl und Menne. die vier stämmigen Jungen aus Würzburg, wollen nicht zurückstehen. Und in einem unerhörten Finish schaffen sie den Olympiasieg. Ueberlegen wir kurz, was das heißt! Viermal hat Großbritannien auf den olymvischen Ruderregatten in dieser Bootsklasse den ersten Rang geholt, viermal flatterte der Union Jack stolz am Siegesmast— aber in Berlin 1936 zerbrach eine Tradition! Deutschlands Vierer schlug in Großbritanniens Vorherrschaft eine Bresche und das mit einer Sicherheit, die verblüffte... Unerträglich ist die Spannung vor dem Start. Wird unser Boot den fünften Olymviasieg schaffen? Und ehe noch lange Zeit zum Grübeln bleibt, da ist das Feld auch schon auf und davon. Ruhig und beherrscht tauchen die Riemen ins Wasser, selbstsicher hat der Würzburger Vierer vom Start weg die Spitze und läßt sich auch durch den verbissenen Spurt der Engländer nicht beirren. Immer haben die Deutschen noch das zuzulegen, was Großbritannien von ihnen fordert. Prachtvoll liegt das Würzburger Boot„Deutschland“ auf dem Wasser. Nichts erschüttert seine Stellung. Herrlich ist die Steuerkunst der vier Männer im deutschen Boot, schnurgerade der Kurs. Und nun tobt der Endspurt. Bei 1800 Meter ist Großbritannien bis auf eine halbe Länge aufgelaufen. und nun will es Englands sieggewohnter Vierer zwingen. Aber es reicht nicht; es ist nicht zu machen. Nun zeigt sich erst, was die vier Franlen noch zuzusetzen haben. Menne faßt kraftvoll in die Riemen, reißt seine Kameraden mit, eine Länge und schließlich eineinhalb Längen sind es und nun ist das deutsche Boot durch das Ziel. In einer Zeit. die mit:01.8 einfach großartig ist. Heiß ist der Kampf zwischen der Schweiz und Italien um die Bronzemedaille. Die Eidgenossen haben mehr Kraft und schaffen den dritten Rang. Vierer ohne Steuermann: 1. und Olymviasieger Deutschland(Eckstein, Rom, Karl und Menne):01.8; 2. England:06.5; 3. Schweiz :10,6; 4. Italien:12.4; 5. Oesterreich:20,5; 6. Dänemark:26.3. Deutschlands Ruderer beim Führer In der Pause empfing der Führer die siegreichen deutschen Ruderer aus den ersten vier Rennen. Mit glückstrahlenden Gesichtern standen die Jungen in ihrer schmucken weißen Kleidung vor dem Führer, der ihnen zu den herrlichen Erfolgen herzlich gratulierte. Immer wieder brausten die Heil=Rufe auf und nicht enden wollender Beifall überschüttete die deutschen Olympiasieger. Altser Achter hilter deu und Gratten Und Eunn in Zweier Imtt Gustmann=Adamski Olympia=Sieger vor Italien und Frankreich Wirklich: Deutschlands Wassersportgemeinde weiß vor stolzer Freude nicht mehr ein und aus. Es ist unerhört: eben ist auch im Zweier mit Steuermann das deutsche Boot als Olympiasieger durch das Ziel. Haben wir je einmal eine solche Kette herrlicher deutscher Siege gesehen? Nie und nimmer, so weit die Erinnerung auch zurückreicht. Es ist kaum noch zu fassen... Startkommando und ab geht es. GustmannAdamski mit dem kleinen Arendt am Steuer tragen die deutschen Hoffnungen. Tosend ist die Anfeuerung für die Berliner Friesen. Die Italiener sind vor den Deutschen weg, aber bei 1000 Meter schon haben wir Klarheit: nur zwischen Italien und Deutschland wird das Ende liegen. Weit abgeschlagen sind die anderen Nationen zurück. In einem prächtigen Zwischenspurt greifen die Deutschen die Italiener an und nach der 1000=Meter=Marke haben sie es auch geschafft— eine halbe Länge trennt sie. Unter tosendem Jubel vergrößern die Friesen den Vorsprung und bei 1100 Meter liegt schon Wasser zwischen den Booten. Verzweifelt versuchen aber noch die Italiener, zu den Führenden aufzuschließen, immer wieder legen sie Zwischenspurts ein. Aber es nutzt alles nichts. Bei 1500 Meter ist die Entscheidung so gut wie gefallen. Deutschland führt mit eineinhalb Längen. Und als vor den Tribünen unter dem Jubel der Abertausende die deutschen Jungen zum Spurt ansetzen und in prachtvollem Taktschlag die schwarz=weiß=roten Blätter kraftvoll ins Wasser setzen und herausreißen, da wird der Vorsprung immer größer und im Ziel sind es schließlich drei glatte Längen. Unter den Augen des Führers hat Deutschland den vierten Olympiasieg in Grünau erkämpft. Italien verteidigt im Kampf um die Silbermedaille erfolgreich seine Position gegen Frankreich. Zweier mit Steuermann: 1. und Olympiasieger Deutschland(Gustmann=Adamski Arendt am Steuer):36,9; 2. Italien:49.7; 3. Frankreich:54; 4. Dänemark:55,8; 5. Schweiz:10,9; 6. Jugoslawien:19/4.— Mannheim auch im„Zweier ohne“ Vor Dänemark und Argentinien Mit einer großartigen und kaum erwarteten Fortsetzung der von den Mannheimern eingeleiteten Siegesserie klingt auch das Finale im Zweier ohne Steuermann aus. Unser Meisterpaar Eichhorn=Strauß vom Mannheimer RV. setzt sich vom Start weg mit Dänemark und Argentinien gleich an die Spitze— und so ist auch wenig später das Ende. Dänemark hat dicht nach dem Start eine seichte Führung vor Deutschland und Argentinien und Mit dem klassischen Achterrennen klingt der größte Tag von Grünau aus. Wir täuschen uns nicht: der Achter aus den Staaten wird es schaffen. Wir haben ihn in den Vorrennen gegen das deutsche Boot kämpfen sehen, wir wissen, was in ihm steckt. Aber eine Medaille ist uns sicher. Dafür war die Form der Leute des„Wiking“ Berlin zu groß, zu bestechend. Seit 1920 hat sich USA auf allen Olympia=Regatten den Achter geholt, und das wollen wir nicht vergessen. Und da auch 1900 die Staaten sich in die Siegerliste eintrugen, stand das amerikanische Boot vor seinem sechsten Siege. Aber dem einzigen bei den Spielen von 1936. Und das ließ allerlei Einsatz erwarten... Die Boote sind vom Start. Es führt England vor der Schweiz und Deutschland. USA hält sich noch zurück. 1000 Meter und Italien führt vor unserem Achter, den Eidgenossen und Ungarn. Aber da schießt außen der Achter der Staaten vor. Wie eine Maschine arbeiten die acht Körper, wundervoll ist der Gleichtakt. USA rückt auf, kommt bedrohlich näher. Und drüben auf den Ufern feuern die 20000 wie ein Mann den deutschen Wiking=Achter an. Aber, aber— USA hält nun seine Zeit für gekommen. Prachtvoll und packend ist der Kampf. Außen liegen die Amerikaner, neben ihnen England, ganz innen unser Achter und daneben leuchtet das Blau der Italiener, das Grün der Magyaren und das blendende Weiß der Eidgenossen. Die Achter arbeiten im Gleichtakt wie Maschinen. Wie Pfeile schießen sie durch das Wasser. Hinter ihnen rauscht die FlotDie erste Geidene für Englune Silbermedaille für Kaidel-Pirsch im Doppelzweier Nun steht das vorletzte Rennen eines herrlichen Regatta=Tages, eines Tages, wie wir ihn noch nie schauten, vor dem Start. Es ist der Dopvelzweier. Kaidel Pirsch sitzen im deutschen Boot. Sie haben treffliche Aussichten. Aber neben ihnen liegt ein Doppelzweier, auf den alle achten: Großbritannien. Ruhig, echt englisch gelassen, sitzt da Beresford. Wir kennen ihn. Es ist der alte Routinier, der schon so manchen Strauß um olymvischen Lorbeer focht. Fünf Olympiaregatten, und fünfmal war Beresford dabei. Er kennt sich aus, er ist abgeklärt. Und seine Ruhe überträgt sich auch auf den jungen Southwood — sie können sich aufeinander verlassen... Und nun sind die Boote unterwegs. Es sieht nicht rosig aus für die Engländer. 600 Meter. Deutschland führt— 800 Meter, noch immer führt Deutschland — und bei 1000 Meter liegt der Doppelzweier Großbritanniens hinter Kaidel Pirsch mit einer Länge zurück! Aber nun setzt ein toller Spurt der Briten Pirsch):26.2; 3. ein. Unerhört ist die Kraft, die das Boot vorwärts= 5. USA:44,8; treibt. Immer noch wird die Schlagzabl erhöht und bei 1200 Meter hat Deutschland seinen Vorsprung verloren. Verbissen tobt der Kampf Bord an Bord. Aber Kaidel Pirsch werden es kaum halten können. Bei 1500 Meter ist der Vorsprung der Engländer noch kaum merkbar, aber nun spielen sie alle ihre Energie und Ruderkunst aus. Unerhört ist der Endspurt der Briten, da kommen auch Kaidel und Pirsch nicht mehr mit. Da, dicht vor dem Ziel, droht ein Zusammenstoß! Aber es geht gut. Schnell sind die Boote wieder ausgerichtet, und dann fliegt England förmlich über die Ziellinie. Großbritannien siegt in :20.8. und das war Englands erster Sieg in Grünau. Aber die beispiellose Erfolgsserie der Deutschen wird auch dadurch nicht unterbrochen, denn mit letzter Kraft und in einem verbissenen Endspurt holen sich Kaidel Pirsch die Silberne Medaille. Doppelzweier: 1. Großbritannien(Beresford Southwood):20.8: 2. Deutschland(Kaidel] Pizua..2: 3. Polen:36.2; 4. Frankreich:42,3: 6. Australien:45.1. tille der Begleitboote einher. Auf ihnen und am Afer ist alles erfaßt vom Finish. Und nun ist bei 1800 Meter der Achter der USA an der Reihe. Nun zeigt sich, was in ihm steckt. Ein Endspurt, gegen den einfach nichts zu machen ist. Deutschland spurtet innen wie im Vorrennen drei. vier Schläge zu kurz und so gewinnt nun auch Italien Raum. Aber da ist der deutsche Schlagmann Schmidt an der Reihe— prachtvoll arbeiten die„Wikinger“ und Italien hat den Kampf gegen unseren Achter noch lange nicht gewonnen! USA ist nicht mehr zu holen, aber hart tobt zwischen den Südländern und unserem Achter der Kampf. Auf gleicher Höhe schießen sie durch das Ziel, und erst das Zielgericht kann feststellen, daß Italien mit vier Zehntelsekunden vor dem deutschen Achter siegte. Wie scharf das Rennen war, das spricht die Zeit der USA aus... Achter: 1. und Olympiasieger USA(Morris. Day Adams, White, Mc Millin. Hunt, Rantz, Hume, Mosch am Steuer):25,4; 2. Italien(del Bimbo, Barsotti, Crossi, Bartolini. Scheccacci, Secchi, Quaglierini. Garzelli. Milani am Steuer):26; 3. Deutschland(Rieck, Radach, Kuschke, Kaufmann. Völs, Loeckle. Hannemann, Schmidt, Mahlow am Steuer):26.4; 4. England:30,1; 5. Ungarn :30.6: 6. Schweiz:35,8. Sieben Rennen und sieben Medail len für Deutschland— fünf in Gold, eine in Silber und eine in Bronze! Fürwahr, ein Ende im olympischen Wettkampf der Ruderer, von dem sich keiner träumen ließ. Der Tag von Grünau wird in die Geschichte des Sports eingehen und niemand wird ihn je vergessen. holland Fünfter im Wasserball Vor Oesterreich, Schweden und England Die Entscheidung um den fünften Rang im Wasserballturnier ist gefallen. Hollands Sieben besiegte am Freitagvormittag nach einem schönen und erfteulich fairen Spiel Schweden mit:3 (:2) und besetzte damit in der Gruppe B, die den fünften bis achtzehnten Platz ausspielt, die Spitze. Die zwei Nationen spielten in stärkster Besetzung. Die Kombination der Niederländer war reiser und sie verstanden sich auch besser als die Schweden und so siegten sie zwar knapp, aber durchaus verdient. Im zweiten Wasserballspiel des Freitagvormittags machten England und Oesterreich dem Schiedsrichter seine Aufgabe bestimmt nicht leicht. Es war eine sehr harte Note im Spiel und immer wieder mußten Spieler aus dem Wasser. Nach dem Wechsel erzwang Oesterreich den Ausgleich auf:2 Trotzdem nachher nur noch vier Oesterreicher fünf Engländern gegenüberstanden, warfen die Spieler von der Donau durch Plonner das:2. Aber noch kurz vor Schluß zog England gleich. Olympisches Handballkurnier Teatschiund erringt eie Geidene in Hans dan Prächtiger Endkampf gegen Oesterreich— Ergebnis 10:6(:3) Vier Jahre hat es gewährt, bis Deutschland und Oesterreich im Endspiel des ersten Olympischen Handballturniers am Freitag im Stadion wieder in einem Länderkampf zusammentrafen. Trotz des andauernden Regens und des schweren und schlüpfrigen Bodens entwickelte sich ein rassiger Kampf, der die mit Schirmen und Regenmänteln bewaffneten 90 000 Zuschauer in dauernd steigernde Begeisterung hielt. Unbedingt war die Begegnung zwischen den spieltechnisch reifsten Mannschaften von Deutschland und Oesterreich der Höhepunkt des Turniers. Oesterreich mußte trotz tapferster Gegenwehr eine:10=Niederlage hinnehmen und sich mit der Silbermedaille zufrieden geben. Zu dem von beiden Seiten mit äußerstem Kräfteeinsatz durchgeführten Spiel stellten sich die Einheiten in folgender Aufstellung: Deutschland: Bandholz Körvers Dascher Fromm Klingler Perwein Kiefler Wohlrab Bartl Knautz Brinkmann Keiter Berthold Theilig Hermannn Schuberth Schmalzer Volak Juracka Licha Tauscher Schnabel Oesterreich: Deutschland führt zur Pause:3 Für die mit ungeheurem Tempo spielenden Mannschaften scheint es keine Glätte des Bodens zu geben. Deutschland war von Anfang an etwas überlegen, aber die österreichische Hintermannschaft deckte so genau, daß der deutsche Sturm Mühe hatte, sich freizuspielen. Vielfach wurden die deutschen Stürmer auch gerissen, und es wurde sogar ein 13=Meter=Wurf gegen Oesterreich verhängt. Den scharfen Wurf Klinglers, des erfolgreichsten deutschen Torschützen, hielt jedoch der ausgezeichnete österreichische Torwart. Oesterreich verteidigte zeitweise mit der ganzen Mannschaft und beschränkte sich im Angriff auf einzelne Durchbrüche, doch Oesterreichs Stürmer waren läuferisch so vorzüglich, daß sie immer äußerst gefährlich waren. So gelang es ihnen immer wieder, Anschluß an die führenden Deutschen zu bekommen. Sie holten den Führungstreffer Deutschlands durch Theilig mit einem Strafwurf auf, kamen von:1 auf•2 heran, als Körvers einen Schuß Kieflers selbst ins Tor lenkte und sie waren kurz vor der Pause erneut auf:3 heran. Die deutsche Hintermannschaft stellte sich vorzüglich, hatte aber große Mühe mit einer genauen Deckung. Der deutsche Sturm stieß bei der österreichischen Deckung auf so starken Widerstand, daß er bis zur Pause nicht das gewohnte flüssige Spiel zeigen konnte, obwohl er in stärkster Aufstellung spielte. Er erreichte Strafwürfe auf Strafwürfe, aber Klingler und Theilig verschossen zu viel. Die Torschützen bis zur Pause waren für Deutschland: Theilig(), Klingler und Mittelläufer Brinkmann(je), für Oesterreich: Kiefler (2) und Schuberth(). Und zum Schluß 10:6 In der zweiten Spielhälfte verstärkten sich die Regenschauer zu einem Dauerguß. Immer glatter wurden Ball und Platz, das wirkte sich selbst bei technisch so hervorragenden Mannschaften schließlich doch aus. Wenn man eine Steigerung der technischen und taktischen Feinheiten erwartet hatte, so wurde man enttäuscht. Wohl kämpften beide Mannschaften bis zum Letzten um den Sieg, aber die große Form der Vorrundenspiele erreichten sie nicht mehr. Deutschland vergrößerte den Halbzeitvorsprung durch einen Prachtschuß Klinglers und einen Strafwurf Theiligs auf:3 und brachten die österreichische Mannschaft etwas aus dem Konzept. Auch weiterhin drängte Deutschland stark und setzte sogar die Läufer im Angriffsspiel ein. Bald aber hatten sich die Oesterreicher wieder gefunden. Drei Strafwürfe wurden verwandelt und Deutschlands Sieg stand beim:6 noch einmal in Frage. In einem prächtigen Endspurt vergrößerten unsere Vertreter jedoch den Vorsprung auf 10:6. Beide Mannschaften verlegten sich gegen Schluß des Spieles auf Alleingänge, in denen besonders Klingler Erfolg hatte. Der Endsieg Deutschlands ist besonders durch das flüssigere Zusammenspiel und die bessere Durchschlagskraft des Angriffs eingetriten, und ist auch verdient. Er wäre sicher noch höher ausgefallen, wenn nicht Oesterreichs Torhüter Schnabel so glänzend gehalten hätte. Das Hockey-Endspiel verlegt Indien— Deutschland erst am Sonnabendvormittag Das internationale Kampfgericht hat beschlossen, das Endspiel des Olympischen Hockey=Turniers, das für Freitagabend angesetzt war, auf Sonnabend 11 Uhr zu verlegen. Die Maßnahme erfolgte, um den Mannschaften von Deutschland und Indien für ihren wichtigen Kampf die Austragung unter besseren Platzverhältnissen zu ermöglichen. Durch den strömenden Regen am Freitagnachmittag war der Rasen des Hockeystadions glatt und voll Wasser gezogen, so daß Feinheiten, wie es gerade das Hockeyspiel aufweist, zum Nachteil der beiden Gegner verlorengehen. Ehrung deutscher Olympiasieger Gustmann zum Leutnant befördert Unseren Sportlern, die im Kampf gegen die Besten der Welt Olympiasiege errangen, wurden von allen Seiten zahlreiche Ehrungen zuteil. Gerhard Gustmann, der mit Herbert Adamski zusammen den Sieg im Zweier mit Steuermann erkämpfte, wurde nach seinem Erfolg zusammen mit den anderen Ruderern vom Führer empfangen und zum Leutnant befördert. Gustmann stand im Regiment General Göring, wo er als Oberjäger Dienst tat. Reichsstatthalter Mutschmann hat dem EinerSieger Gustav Schäfer telegraphisch die herzlichen Glückwünsche ausgesprochen und ihn unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum Verwaltungssekretär ernannt. Der Berliner Emil Schöpflin, der in der deutschen Mannschaft im 100=Kilometer=Straßenrennen startete, ist als Anerkennung für seine Leistung vom Hilfsarbeiter zum Betriebsassistenten der Reichspost befördert worden. Großer Tag beim Olympischen Wasserball-Turnier Seutschlans= Angurn F. K7.) Zu Beginn des Kampfes um die Entscheidung im Olympischen Wasserballturnier herrschte selbst bei dem starken Regen im Schwimmstadion eine Kampfstimmung, wie man sie bisher bei den Olymvischen Schwimmwettkämpfen noch nicht erlebt hat. Die Schlachtrufe beider Nationen:„Bull=Bull, Heija“ und„Ra=Ra=Ra, Germania!“ wurden vor dem Kampf eifrig geprobt. Auf der Ehrentribüne war Reichsminister Dr. Goebbels mit zahlreichen hohen Vertretern von Partei und Staat erschienen. Der Reichssportführer von Tschammer und Osten gab als Führer der deutschen Olympiakämpfer selbst den Takt für die Schlachtrufe an, unterstützt von den alten Aktiven„Ete“ Rademacher und Herbert Heinrichs. Das Schwimmstadion hatte sich kurz vor Beginn des Kampfes in einen wahren Herenkessel, anders kann man diese Stimmung nicht bezeichnen, verwandelt. Die Erinnerung flog zurück nach Amsterdam, wo bekanntlich die deutsche Mannschaft im Endspiel die kaum glaubliche Leistung vollbrachte und die als unschlagbar geltenden Ungarn in der Verlängerung besiegte. Beide Mannschaften traten in stärkster Aufstellung an. Für Deutschland spielten: Klingenburg; Baier, Dr. Schürger; Gunst, Hauser, Schneider und Schulze. Die ungarischen Farben vertraten: Brody; Hazai, Homannai: Halassy; Boszi, Nemets und Brandy. Als Schiedsrichter amtierte DelbotFrankreich. :1 durch Brandy und Schneider Auch als der Schiedsrichter den Kampf anpfiff, hat sich die Erregung auf den Rängen noch nicht gelegt. Jeder Vorstoß der Deutschen wird mit unbeschreiblichem Getöse begleitet, jeder Torwurf Nemets oder Brandys löst bei den Ungarn größten Jubel aus. Das Spiel ist in den ersten Minuten vollkommen offen. Beide Hintermannschaften dekken derart sorgfältig und gerissen, daß es kaum einem der sechs Stürmer möglich ist, zum Schuß zu kommen. Eine glänzende Chance erarbeitet sich Schneider, an den Hazai wie eine Klette klebt, aber sein harter Schuß prallt von der Querlatte zurück. Auf der anderen Seite zeigt Baier, daß er in den letzten Monaten an Härte und Spielerfahrung gewonnen hat. Nemets, der verbissen um den Ball kämpft, kommt kaum zum Schuß. Ist es aber einmal soweit, dann erweist sich Klingenburg als unschlagbar. Gerade hat Schulze einen harten Schuß auf das ungarische Tor losgelassen, als Brody den Ball zu Halassy spielt. Schneider reagiert einen Augenblick zu spät, Halassy ist eine Körperlänge vor, spielt zu dem schußgewaltigen Großartige 4mal=100-Meker=Kraulstaffel der Frauen Hellune=Deir, Seutschiund Ender Zweimal olympische Bestleistung Im Olympia=Stadion hat man in den letzten Tagen manchen spannenden und dramatischen Kampf gesehen, aber die 4X100=Meter=Kraul=Staffel der Frauen überbot wohl alles bisher Dagewesene. Immer noch regnete es in Strömen, immer noch wurde das Wasser vom frischen Westwind getrieben, und die Zuschauer harrten unter den Regenschirmen aus. um der deutschen Staffel den nötigen Rückhalt zu geben. Vom Start gab es ein überaus hartes Rennen zwischen Deutschland und Holland. Ruth Halbsguth startet als Erste mit Rawls(USA) und Selbach (Holland). Nach einem großen Rennen schlug Halbsguth mit:10.4 vor Rawls und Selbach an. Mit einem Meter Vorsprung ging Maria Lohmar, hart verfolgt von der Holländerin Wagner davon. Bei 50 Meter schien es so, als ob die Holländerin die Führung hätte, aber mit einem erbitterten Endspurt holte die kleine Lohmar alles wieder auf. und in:09.4 schlug sie vor der Holländerin an. Inge Schmitz ging vor Willie den Ouden ins Wasser, und unter endlosem Jubel der Zuschauer setzten diese beiden den Kampf fort. Das tapfer kämpfende 13jährige Mädel behauptete sich gegen die Weltrekordlerin, aber nach 50 Meter kam sie nicht mehr ganz mit. Zum ersten Male lag jetzt Holland vor Deutschland an der Wechselmarke. Beide Staffeln setzten nun ihre schnellsten Schwimmerinnen ein: Rie Mastenbroek für Holland, Gisela Arendt für Deutschland. Diese beiden Schwimmerinnen entschieden also über Sieg und Niederlage. Trotzdem die Holländerin mit einem Meter im Vorsprung lag, arbeitete sich Gisela Arendt heran,„Rie“ war der Sieg aber nicht mehr zu nehmen. Der Zweikampf dauerte bis zehn Meter vor dem Ziel, dann aber setzte Mastenbroek noch einmal zum Endspurt an und siegte in der neuen olymvischen Rekordzeit von:36, aber auch die deutsche Staffel blieb mit:36.8 ebenfalls unter dem alten olympischen Rekord, der von USA mit:38 gehalten wurde. USA folgte an dritter Stelle in:40.2 vor Ungarn und Kanada, die in totem Rennen in:48 anschlugen. An sechster Stelle folgte England vor Dänemark. Die Bronzemedaille für Belgien Frankreich mit:1(:0) geschlagen Im Spiel um den dritten Platz im Olympischen Wasserballturnier schlug Belgien Frankreich mit :1(:0) und sicherte sich damit die Bronzene Medaille. Das einzige Tor vor der Pause warf der Belgier Casteyns, der auch nach dem Wechsel den Vorsprung der Belgier auf:0 vergrößern konnte Den dritten Treffer für Belgien erzielte Issele, während es dem Franzosen Vandecasteele vergönnt war, den Ehrentreffer für seine Mannschaft zu erzielen. In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel äußerst hart, so daß der Schiedsrichter sich gezwungen sah, zeitweise drei Belgier und zwei Franzosen kaltzustellen.— Brandy, der aus der Luft, überraschend für Klingenburg, die Ungarn mit:0 in Führung bringt. Aber die Deutschen sind keineswegs deprimiert, sondern überraschen den Weltmeister durch um so stärkeren Widerstand Endlos ist der Jubel und die Begeisterung, als es Schneider trotz stärkster Behinderung durch Hazai auf Vorlage von Gunst gelingt, im Bombenwurf den Ausgleich zu erzielen. Wenig später ist Pause. Spannender Endspurt Der Kampf wird härter Es ist einfach ein wundervolles Bild, wie die 20 000 Zuschauer im Regen aushalten, dabei aber durch löwenartigen Kampfgeist beider Mannschaften überhaupt nicht zur Ruhe kommen. Immer noch ist der Kampf vollkommen offen, auf beiden Seiten bildet sich kaum eine klare Torchance. Als der junge Hannoveraner Baier auch nur für den Bruchteil einer Sekunde den gefährlichsten ungarischen Stürmer Nemets aus dem Auge läßt, ist es schon passiert, und unhaltbar für Klingenburg saust der Ball über seinen Kopf ins Netz. Wieder hat Ungarn die Führung an sich gerissen, wieder sind die Deutschen jedoch in ihrem Kampfgeist ungebrochen. Die Ungarn erkennen die Gefahr und spielen mit übertriebener Härte. Nemets und Baier müssen aus dem Wasser, auch Hazai muß wegen eines Regelverstoßes an Schneider aus dem Spielfeld. Delbot erkennt Schneider, der sicherste deutsche Torschütze, wirft vollkommen ruhig in die linke obere Torecke zum:2 ein. Die Sieger der Medaillen 108 von den 129 Wetbewerben sind entschieden: 29 in der Leichtathletik, 14 im Ringen, je 3 im Kanufahren und Turnen, 11 im Schwimmen, je 6 im Radfahren und Fechten, 5 im Gewichtheben, 4 im Segeln, 7 im Rudern, 3 im Schießen, 2 im Reiten, das Handballspiel, sowie im Modernen Fünfkampf und Polo. Die„Medaillen=Tabelle“ hat nunmehr folgendes Aussehen: Gold Aegypten Argentinien Australien Belgien Dänemark Estland Finnland Frankreich Großbritannien Holland Italien Japan Jugoslawien Kanada Lettland Mexiko Neuseeland Norwegen Oesterreich Philippinen Polen Schweden Schweiz Tschechoslawakei Türkei Ungarn USA. Deutschland 1 6 1 3 1 7 22 27 Silber 1 1 1 1 6 6 7 3 7 4 1 Bronze 9 5 1 16 21 1 1 1 3 6 6 2 6 5 6 5 1 1 1 3 10 28 Der Ausgleich ist erzielt Zum Siegtor aber soll es nicht mehr reichen. da Delbot Halassy und Schneider aus dem Wasser weist. Die Ungarn finden sich mit 6 Spielern besser zurecht, während der deutschen Mannschatf dek Torschütze genommen wurde. Auch zwei Lattenschüsse der Magyaren können an dem Ergebnis nichts mehr ändern. Es bleibt beim Unentschieden von:2. Die Lage noch ungeklärt Deutschland hat das bessere Torverhältnis Die erwartete Entscheidung um die Goldmedaille im Wasserball ist also noch nicht gefallen. In der nach dem Punktsystem ausgetragenen Endrunde haben Ungarn und Deutschland jeweils drei Punkte. Recht günstig wirkt sich für Deutschland jetzt der im ersten Spiel des Turniers errungene:=Sieg gegen Frankreich aus, wonach wir mit 10:3 gegen:3 im Vergleich mit Ungarn das bessere Torverhältnis haben. Ausschlaggebend werden die beiden letzten Kämpfe der Endrunde sein, in denen Ungarn auf Frankreich und Deutschland auf Belgien trifft. Wenn Deutschland und Ungarn ihre Spiele gewinnen, dann entscheidet das bessere Torverhältnis. UsA. siegt im Basketball Durch einen 19:=Sieg über Kanada erkämpfte sich USA die Goldemedaille im Basketball. Die Bronzemedaille errang Mexiko. Und die Börer sirgen Wener Kaiser, Murach, Vogt und Runge im Finale Alle Achtung vor unseren Amateurboxern! 1928 sahen wir sie in Amsterdam zum ersten Male im olympischen Kampf— Ernst Pistullas Silber=Medaille war die große Krönung. 1932 in Los Angeles entführten Ziglarski, Schleinkofer und Erich Campe drei Silbermedaillen, und 1936 in Berlin sind uns schon drei Medaillen in Silber sicher, ehe noch der Gong zum ersten Kampf der Schlußrunde erklungen ist. Drei deutsche Amateure ebneten sich bereits am Freitagnachmittag den Weg ins Finale. 8000 in der Deutschlandhalle waren auch am vorletzten Tage der großen Fights der Meister im Banne der Kämpfe. Und schon im ersten der Nachmittagskämpfe wurde es ein deutscher Sieg. Im Fliegengewicht hatte sich der kleine Kaiser aus Gladbeck mit dem Argentinier Carlomagno. dem Sieger über Nakano(Japan) und Paßmore(Südafrika), in der Vorschlußrunde auseinanderzusetzen. Wie ei nBerserker legte der Westfale los, baute sich vor dem Südamerikaner mit verbissener Energie auf und überschüttete ihn mit seinen beidhändigen Haken. Carlomagno versuchte immer wieder, den Deutschen wirkungsvoll zu kontern. aber er hatte damit kein Glück. Erst in der Schlußrunde gewann er etwas Raum. aber da war es schon viel zu spät. Kaisers Punktsieg war klar. Michel Murach aus Gelsenkirchen, unser Weltergewichtler, hatte auch mit dem Franzosen Tritz allerlei Arbeit.„Michel“ wurde wirklich in keiner Runde etwas geschenkt. Die Siege des Franzosen über Costanzo(Uruguay), Grieb(Schweiz) und Castro(Philippinen) kamen wirklich nicht von ungefähr Das bewies der Pariser in seinem Kampf gegen Murach deutlich. Es war eine ziemlich offene Sache und nur der härtere Punch und die reifere Technik des Westfalen entschieden den Kampf. Aber in einer mitreißenden letzten Runde. in der Murach immer wieder am Mann war und das Letzte gab. holte sich der Deutsche den verdienten Sieg. Groß in Fahrt war im Halbschwergewicht Richard Vogt aus Hamburg. Risiglione aus Argentinien hatte wirklich nichts zu lachen. Wir kannten unseren guten Vogt nicht wieder. Da sahen wir einen Techniker, groß und stark und mit einem Nerv. der faszinierend wirkte. Immer wieder stach er die Linke wie ein Florett und im Nahkampf verrichtete der rechte Aufwärtshaken des Deutschen gründliche Arbeit. Vogts Punktsieg war klar und hoch. Paarungen der Schlußrunde Fliegengewicht: Kaiser(Deutschland)— Matta(Italien).— Bantamgewicht: Sergo (Italien)— Wilson(USA).— Leichtgewicht: Harangi(Ungarn)— Stepulov(Estland).— Federgewicht: Casanovas(Argentinien)— Catteral(Südafrika).— Weltergewicht: Murach(Deutschland).— Suvio(Finnland).— Mittelgewicht: Despeaux(Frankreich)— Tiller(Norwegen).— Schwergewicht: Runge (Deutschland) kommt kampflos in die Endrunde, da sein Gegner Nagy(Ungarn) nicht antrat.— Halbschwergewicht: Vogt(Deutschland)— Michelot(Frankreich). Olympia-Kampfbahn für Samstag, 15. August SAri(14. Tag) Schwimmen: 10.00: Turmspringen(Kür), Entscheidung: Wasserballrunde um den 5. bis 8. Platz. 12.30: Großbritannien— Oesterreich. 15.00: Vorführung der drei Sieger im Turmspringen. 15.30: 200 Meter Brust, Entscheidung. 15.50: 400 Meter Kraul, Frauen, Entscheidung. 16.10: 1500 Meter Kraul, Entscheidung. 16.45: Vorführung der drei Siegerinnen im Turmspringen. 17.15: Wasserball=Endrunde: Ungarn—Frankreich 17.55: Wasserball=Endrunde: Deutschland gegen Belgien. Fußball: 16.00: Endspiel: Oesterreich— Italien(Olymviastadion). Reiten: .00: Geländeritt zur Vielseitigkeiteprüfung. Fechten: 15.00—20.00: Säbel=Einzelsechten. Entscheidung. Boren: 20.30: Entscheidungen in allen Gewichtsklassen. Für Sonntag, 16. August (Schlußtag) Reiten: 10.00: Jagdspringen Entscheidung. 14.00: Jagdspringen(Preis der Nationen). Entscheidung. 17.00: Schaureiten der Sieger der Großen Olym# ziade=Dressur(letzte Siegerzeremonien). 18.00: Offizielle Schlußfeier. Schwimmen: 20.00: Wektkämpfe der Sieger und Siegerinnen in den olymvischen Wettbewerben mit Erdteil=Staffeln(Nicht=Olympische Veranstaltung). zur Vielseitigkeitoprüsung. Aas Westorutschrattt Verleumder schwer bestraft Dortmund. Anfang 1935 setzten in Dortmund versteckte Angrisse gegen die Kreisleitung der NSDAP., besonders aber gegen den damaligen Kreisleiter Flach ein, als deren Urheber ein bisheriger Angestellter der Städtischen Sparkasse, der 36jährige Wilhelm Backs, ermittelt wurde, der behauptete, zu Unrecht entlassen worden zu sein, und nun glaubte, für sein Recht kämpfen zu müssen. Backs. der 1932 zur Partei gekommen war. später aber ausgeschlossen wurde, bediente sich dabei der verwerflichsten Mittel und schreckte auch vor schwersten Verleumdungen nicht zurück. Ganz besonders richteten sich seine Angrisse gegen den Gauinspektor. der sich schließlich veranlaßt sah. Anklage vor dem Sondergericht zu erheben. Gleichzeitig war auch der 53jährige Julius Kalthoff angeklagt, der mit Backs zusammengearbeitet und dabei führende Persönlichkeiten in der unglaublichsten Weise verleumdet hatte. Die Verhandlung. die unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Eckardt durchgeführt wurde, nahm drei Tage in Anspruch, da ein umfangreicher Schriftwechsel verlesen werden mußte und auch zahlreiche Zeugen zu vernehmen waren. Am zweiten Verhandlungstage gab der Angeklagte Backs auf Grund des Ergebnisses der Beweisaufnahme eine Erklärung des Inhalts ab, daß seinen Anschuldigungen gegen Gauinspektor Flach der Boden entzogen sei und daß er bedauere. die Beleidigungen ausgesprochen zu haben. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die unlauteren Motive. aus denen heraus die Angeklagten gehandelt hätten, gegen Backs drei Jahre Gefängnis und gegen Kalthoff ein Jahr drei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte gegen Backs auf eine Gesamtstrafe von 2 Jahren Gejängnis wegen Verbrechens gegen den§ 3 und§ 1 des Heimtückegesetzes in vier Fällen und Vergehens gegen die §§ 185. 186 und 187 des Strafgesetzbuches und gegen Kalthoff auf 10 Monate Gefängnis wegen Vergehens gegen§ 1 des Heimtückegesetzes in zwei Fällen. Beiden Angeklagten soll die erlittene Untersuchungshaft und Schutzhaft auf die Strafen angerechnet werden. Die Sprengpatrone in der hosentasche Dortmund. Der 22jährige Bergmann Roman Makzalek, der auf der Zeche„Victoria" beschäftigt gewesen war. fand im Januar bei Aufräumungsarbeiten eine nicht abgeschossene Sprengvatrone, die er zunächst in seinen Arbeitsanzug steckte, um sie später abzuliefern. Das vergaß er aber und nahm die Patrone mitsamt dem Anzug mit nach Hause. so daß sich also die gefährliche Patrone in seiner Wohnung befand. Als er sie in seinem Arbeitsanzug wiederfand, gab er sie immer noch nicht ab, obwohl er genau wußte, daß eine solche Patrone sehr gefährlich werden kann. Er hat sie sogar seiner Frau gezeigt, mit der er in Scheidung lebt und ihr sogar gedroht, daß er sie in den Ofen wersen würde, damit die ganze Bude in die Luft gehe. Wahrscheinlich wollte er seine Frau hierdurch ängstigen. Einige Tage später wurde er plötzlich zum Militär eingezogen, und vergaß die Patrone abzugeben. Seine Frau bekam Angst und brachte die Patrone zu ihrer Mutter, der Vater erfuhr davon und besorgte die Patrone zur Zeche zurück. So kam es, daß Makzalek wegen Sprengstoifvergehens vor dem Schöfsengericht stand. Seine Arbeitsstelle hatte er wegen dieses Vorkommnisses schon verloren. Der Staatsanwalt beantragte gemäß§ 9 des Sprengstoffgesetzes eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten. Diese strenge Strafe beruht darauf, daß der Besitz solcher Patronen mit großer Gefahr verbunden ist. Wie leicht hätte durch diesen Leichtsinn des jungen Mannes ein Unglück entstehen können. Das Gericht schloß sich dem Antrage des Staatsanwaltes an und erkannte auf die Mindeststrafe von 3 Monaten Gefänenis. Miele-, Faller- u. a. Fahrräder' Kirsch Gauleiter Emil Stürtz nahm Abschied Sein vorläufiger Nachfolger, Parteigenosse Bracht, stellte sich vor Bochum. Am Mittwoch mittag nahm Gauleiter Emil Stürtz offiziell Abschied von unserem Gau. Zu diesem Zweck hatten sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Gauleitung im Sitzungszimmer des Gaugebäudes in Bochum versammelt. Mit dem Gauleiter erschien gleichzeitig sein vorläufig vom Stellvertreter des Führers eingesetzter Nachfolger. Parteigenosse Bracht, um sich seinem neuen Wirkungskreise vorzustellen. Es war herzlicher Dank, den Parteigenosse Stürtz allen für die geleistete Arbeit aussprach, womit er die ebenso herzliche Bitte verband, seinem Nachfolger bei der kommenden Arbeit in alter Treue und Bereitschaft zur Seite zu stehen. Damit übertrug er das Kommando an den Parteigenossen Bracht der ausführte, er wisse, welche Arbeit auf ihn warte und hofse, daß im gegenseitigen Vertrauen und in gemeinsamer Zusammenarbeit die zu bewältigenden Aufgaben ihre Erfüllung fänden, damit der gute Name des Gaues Westfalen=Süd, den er sich in der Bewegung errungen habe, für alle Zeiten erhalten bleibe. Jeder möge den guten Willen mitbringen, gemeinsam die Dinge anzufassen und im Sinne des Führers seine Pflicht zu tun, dann sei das Gelingen der Arbeit von vornherein sichergestellt. Gauleiter Stürtz verabschie dete sich dann von jedem einzelnen seiner Mitarbeiter. Mutter eines China-Missionars ködlich verunglückt Bochum. Die an der Wittener Straße wohnende 63jährige Witwe Rüther in Altenbochum hatte den Besuch ihres als Missionar in China wirkenden Sohnes erhalten und wollte mit diesem und einigen Verwandten zum Friedhofe gehen. Beim Ueberschreiten des Fahrdammes wurde Frau Rüther von einer Atembeklemmung befallen und mußte einen Augenblick stehen bleiben. In dieser kurzen Zeit aber suhr ein Auto so dicht an ihr vorbei, daß die Frau von dem Türdrücker ersaßt und auf die Straße geworsen wurde. Mit schweren Kopf=, Bein= und inneren Verletzungen mußte man die Frau ins Augusta=Krankenhaus bringen, wo die Bedauerns. werte kurze Zeit später starb. Autodiebe durch einen Verkehrsunfall entlärbt Gelsenkirchen=Buer. Am Mittwoch morgen gegen .30 Uhr ereignete sich an der Ecke Arnholt= und Poststraße ein Verkehrsunsall. Hier stießen zwei Personenkraftwagen in voller Fahrt zusammen, so daß sie vollständig zertrümmert wurden und abgeschleppt werden mußten. Wie durch ein Wunder kamen die an dem Unfall Beteiligten mit dem Schrecken davon. Der Fahrer eines Personenkraftwagens wurde durch den Anprall von seinem Sitz durch die Windschutzscheibe geschleudert und kam unter seinen eigenen Wagen zu liegen. Der Schreck war ihm derart in die Glieder gefahren, daß er wie gelähmt und an scheinend schwer verletzt in das Elisabethkrankenhaus mit dem Krankenwagen geschafft werden mußte. Hier hatte er sich aber bald wieder erholt und konnte wieder entlassen werden. Er hat sich bei dem un freiwilligen Fluge durch die Windschutzscheibe nur unbedeutende Hautabschürfungen zugezogen. Der Fahrer des anderen Wagens erlitt dagegen Verletz ungen am Kopf und einen Bluterguß am linken Knie. Sein Mitfahrer kam mit dem Schrecken da von. Dieser Unfall sollte aber für den verletzten Fahrer und seinen Mitfahrer, die beide aus Osna brück stammen, in krimineller Hinsicht weitere Folgen haben. Da der Fahrer des Osnabrücker Wagens stark angetrunken war, wurde von ihm eine Blutprobe entnommen. Im weiteren Verlauf der Unter. suchung und der Vernehmung stellte es sich heraus. daß dieser nicht einmal im Besitze eines Führerscheines und der Zulassungsvapiere war. Die Kriminal. volizei sah sich nunmehr die beiden Osnabrücker etwas näher an. stellte dabei fest, daß der Wagen. den die beiden fuhren, gestohlen war. Im Verlaufe der Vernehmungen gaben sie den Diebstahl zu. Als Nach 20 Zahten zuruck Das Kolonialkämpfer-Eigen tum eines Münsteraners Münster. Vor kurzem erhielt ein Münsteraner. der vor dem Kriege in Tanga(Deutsch=Ostafrika) tätig gewesen und bei Kriegsausbruch unter Lettow=Vorbeck gekämpft hat. verwundet wurde und in Gefangenschaft geriet, aus der er dann nach Münster zurückkehrte, eine überraschende Mitteilung aus Tanga: dort war eine ihm gehörige Kiste mit Kleidungsstücken. Büchern und sonstigen Erinnerungsgegenständen 20 Jahre, nachdem sie dort im Hause eines goanesischen Kaufmannes bis zur Rückkehr der Deutschen in Verwahr gegeben worden war, ohne nähere Erkennungszeichen als sein Eigentum festgestellt und obendrein seine münsterische Anschrift ermittelt worden. Merkwürdige Zufälle hatten dabei mitgespielt, und die Geschichte dieser Zufälle, wie der Kiste überhaupt, ist wert, mitgeteilt zu werden. Der Münsteraner hatte, wie seine mit ihm in der Nähe Tangas bei der Truppe dienenden deutschen Landsleute es hatten tun müssen. Mitte 1916. als Lettow=Vorbeck mit seiner Hauptmacht vor der Umklammerung durch das britische Expeditionskorps den Norden der Kolonie und auch die Bahnlinie Tanga—Kilimandscharo aufgab, um in den Süden zu ziehn, alle überflüssigen Lasten. Trophäen, Bücher, bürgerliche Kleidungsstücke und dergleichen, soweit sie nicht mitgenommen werden konnten, in Kisten verpackt und bei einigen in Tanga ansässigen indischen und goanesischen Kaufleuten bis zur Rückkehr untergestellt. Der Münsteraner aber kehrte nicht zurück, wie viele seiner Kameraden. und die Kiste wartete vergeblich auf ihren Eigentümer. Seither sind 20 lange Jahre vergangen. und in Ostafrika regieren andere Herren. Aber unter den Eingeborenen wie unter den fremden Händlern und Kaufleu ten lebte die Erinnerung an die Deutschen in treuer Anhänglichkeit fort, und treulich wurde auch die Kiste mit der Habe des Münsteraners gehütet und bewahrt. Vor ein vaar Jahren kamen nun auch einige junge Münsteraner in unsere ehemalige ost afrikanische Kolonie nach Tanga. Und als man sie vor einiger Zeit bat. die untergestellten Kisten nach Anhaltspunkten zur Feststellung des Eigentümers zu untersuchen, fanden sie auch die geschilderte Kiste. Wem mochte sie nur gehören? Merkwürdig. die Leinenkragen in der Kiste tragen den Firmenstempel eines münsterischen Wäschegeschäftes. Ein kurzer Brieswechsel mit der Heimatstadt brachte schnell Klarheit und die Anschrift des münsterischen Eigentümers dieses längst vergessenen„Strandgutes“ aus dem Kolonialkrieg, und vor kurzem wurde ihm das ins Haus gebracht, was er an versönlich wertvollen Erinnerungsstücken sich erbeten hatte. während die anderen Sachen, wie Bücher. dem Deutschtum und einer deutschen Schule in Ostafrika zum Geschenk gemacht wurden. in ihrem Besitze eine Zulassungsbescheinigung für einen Fordwagen gesunden wurde.sie fuhren nämlich einen DKW.=Wagen, erklärten sie, daß sie am 2. August ursprünglich einen Fordwagen in Osnabrück gestohlen haben und mit diesem bis zum 6. August herumgefahren seien. Am 6. August kamen sie nach Rinteln, haben den gestohlenen Fordwagen in Rinteln stehen lassen, entwendeten einen DKW. Wagen und machten mit diesem Spritzfahrten in dem Gebiete zwischen Oenabrück. Essen. Hannover und Buer. In Buer hat sie nun das Schicksal ereilt. Bei den Autodieben wurde noch eine Menge winziger Dietriche und Autoschlüssel gesunden. Gefragt. gaben sie auch zu, planmäßig Kraftwagen gestohlen zu haben. In dem Unfallwagen fand man noch einen Kanister mit Oel und einen Kanister mit Benzin sowie einen braunen Handloffer. Diese bei den Kanister und auch den Betriebsstoff für ihre zehntägige Fahrt mit dem gestohlenen Kraftwagen haben sie bei verschiedenen Tankstellen gestohlen. Insgesamt haben sie sich etwa 150—200 Liter Brennstoff durch Einbrüche an vier Tankstellen zwischen Münster und Gelsenkirchen=Buer verschafft. Bei den Autodieben handelt es sich um einen 23jährigen und einen 19jährigen Burschen aus Osnabrück. die beide dringend im Verdacht stehen. noch weitere Straf taten begangen zu haben und dieserhalb von der Kriminalvolizei in Osnabrück gesucht werden. Der ältere der beiden Männer ist bereits wegen Dieb stahls vorbestraft. Sie wurden dem Amtsgericht vorgeführt, das Haftbefehl gegen sie erlassen hat. Die Leitner-Altrappe vor der neuen Aufstellung Münster. Zur Großen Prozession wurde die große Attrapve zur Prüfung der Wiederaufstellung des Lettners nach ihrer zweiten Aufstellung an der Achtermannschen Pieta wieder aus dem Dome ent sernt. Sie soll jedoch, wie wir hören, demnächst vor dem Nordausgange des westlichen Querschiffes wieder aufgebaut werden. um auch hier einen Eindruck vom Lettner zu geben. Zeitschriftenschau Münchner Illustrierte Presse Eine Erinnerung an die Olymvischen Spiele stellt die neueste Nummer der„Münchner Illustrierten Presse“ Nr. 33 dar. Durch alle Sportarten und alle Weltrekorde führen uns diese Bilder. Sie zeigen uns die handelnden Personen und sie führen uns die Besucher aller Nationen vor Augen in ihren ver schiedenen Temveramenten und charakteristischen Moden. Alle sind sie Gäste Deutschlands auf dem Olymvischen Svielfeld und bringen für einige Wochen ein buntes Völkergemisch nach Berlin, wie es die Welt bisher kaum gesehen hat. 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