„„„„ für Castrop=Rauzel und Umgebung Se. Jochng Kostrader Telung Rauxeler Neueste Nachrichten Bladenhorster Tageblatt Der Stadtanzeiger erscheint wöchentlich 7mal. Wochendezugsprets 50 Pfg. Postbestellpreis 2 RM. monatlich. Erlatzansprüche bei Störungen im Erscheinen infolge höherer Gewalt nicht gestellt werden Drus und Verlag: Geschw. Schmitz in Castrop=Rauxel. Haupischeiftleiter, verantwortlsch io: Anzegenlesle;, Wibela Josef Pru## w Logg, Higrzz 160“ Sat Me. zih# Coastron. Welter in Castrop=Rauxel. DA. VIl. 36 1680. Anzeigenpreis: 1 mm hoch und 23. mm breit 4 anzeigen 1 mm boch u7.17.,77,pes gih. hs, Nachlot den vom W. d. D. W. herausgegebenen Richtlinien. 3. Zi. gili Preisliste Nr. 2. Für Platzwünsche, auch für die durch Fernsprecher aufgegebenen, sowie für undeutlich geschriebene Aufträge wird keine Gewähr übernommen. Schluß der Anzeigen=Annahme 4 Uhr nachm. tags zuvor. Erfüllungsort u. Gerichtsstand Castrop=Rauxel. K Amtliches Veröffentlichungsblau für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Allgemeines Kreisblau für den Nr. 211 Donnerstag, den 6. August 1936 Griechenlands Damm gegen die rote Flut Vorgeschichte und Bedeutung der Parlamentsauflösung und der Verkündung des Kriegsrechts Während sich die Augen aller, die am politischen Weltgeschehen Anteil nehmen, seit Wochen auf Spanien richten, hat man die Ereignisse in anderen Gebieten etwas aus dem Blickfeld verloren. Deshalb wirkte die Nachricht von der Verkündung des Kriegsrechts in Griechenland und der Auflösung des griechischen Parlaments für viele überraschend. Kenner der Dinge und der Lage im neuen Hellas mußten aber schon seit einigen Wochen mit entscheidenden Maßnahmen der Regierung Metaras rechnen. Verschiedene Ursachen rückten diese Entscheidung immer näher. Zunächst war es einmal das auf die Dauer unhaltbare Provisorium, mit dem General Metaxas regieren mußte, seitdem nach dem Tode der führenden Männer der venizelistischen und der antivenizelistischen Parteien eine Lähmung der ganzen parlamentarischen Arbeit eingetreten war und damit die einstige Zusage des Königs. die parlamentarische Demokratie aufrechtzuerhalten, infolge der ganzen Lage der Dinge nicht erfüllt werden konnte. Der ehemalige griechische Generalstabschef war unter solchen Umständen gezwungen, ohne Parteien zu regieren, und dies konnte er nur tun, indem er das Parlament zwar formell bestehen ließ, aber praktisch ausschaltete. Er ließ sich eine parlamentarische Ermächtigung geben, bis Anfang Oktober ohne Parlament zu arbeiten. Wohl muß die Regierung Gesetze einem Parlamentsausschuß vorlegen. der aber selbst keine Entwürfe ausarbeiten darf und auch keine Interpellationen oder gar Mißtrauensvoten in Beratung ziehen kann. Dieses System bewährte sich in den letzten Monaten durchaus, so daß auf der einen Seite die Parteien unzufrieden waren, weil sie wohl nicht mit Unrecht befürchten mußten, daß aus diesem sich bewährenden Provisorium ein Dauerzustand werden könnte, und andererseits auch Metaras vor der Notwendigkeit stand, sich vor dem Ablauf des Provisoriums über die künftige Gestaltung der Dinge schlüssig zu werden. In dieser Lage glaubten die von Moskau geleiteten Kommunisten etwas unternehmen zu können. und so inszenierten sie erst vor wenigen Wochen einen Streik, dessen Auswirkungen zeigten, wie folgenschwer alles das ist, was im Sinne und auf Weisung Moskaus geschieht. Nicht nur ein garnicht abzuschätzender Schaden, den die griechische Volkswirtschaft zu tragen hat war das Ergebnis dieses ersten kommunistischen Streikversuches, sondern in der Endbilanz stehen auch zwölf Tote und rund dreihundert Verwundete." Damals wurde der Streik niedergerungen, aber der Boschewismus suchte die Schlappe wieder gutzumachen und rief nunmehr zum Generalstreik auf. General Metaxas war entschlossen, sofort die entsprechenden Gegenmaßnahmen zu treffen. Er suchte am Dienstag den König auf. von dem er sich anscheinend entsprechende Vollmachten geben ließ. und berief dann einen Ministerrat ein, der zwölf Stunden lang. vom Mittag bis Mitternacht, dauerte. Das Ergebnis war die bekannte Verhängung des Kriegsrechtes und die formelle Auflösung des praktisch ohnedies schon ausgeschalteten Parlamentes. Kombinationen über die weitere Entwicklung der Lage werden jedenfalls erst dann angebracht sein. wenn die Auswirkung der jetzigen Maßnahmen feststeht und die akuten Gefahren beseitigt sein werden. Gendeutsteein und Aelegsrecht Kommunistische Drohung in Griechenland— Auflösung der Kammer dnb. Athen, 5. August. Der Mittwoch um Mitternacht proklamierte Generalstreik hat eine derartige Verschärfung der Lage mit sich gebracht, daß sich die griechische Regierung entschlossen hat, außerordentliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu ergreifen. Die Regierung sieht sich einer ernsten organisierten kommunistischen Bewegung gegenüber, die das Land in blutige Auseinandersetzungen zu ziehen droht. Sie hat sich daher mit voller Zustimmung des Königs entschlossen, das Kriegsrecht zu verhängen. Diese Nachricht ist von der öffentlichen Meinung mit Erleichterung aufgenommen worden. Die griechische Kammer wurde aufgelöst, ohne daß bisher der Zeitpunkt der Neuwahlen festgesetzt wurde. Sämtliche Ministerien werden von Kavallerieabteilungen bewacht, um gegebenenfalls Angriffe der Streikenden im Keime ersticken zu können. Im ganzen Lande herrscht vollständige Ruhe. Keine Verbindung mit Griechenland onb. Sofia, 5. August. Seit den frühen Morgenstunden des Mittwoch sind die Fernsprechverbindungen mit Griechenland, wo der Kriegszustand erklärt wird, unterbrochen. Die Drahtverbindungen mit Saloniki sind zwar nicht gestört, doch wird von den Beamten in Saloniki erklärt, daß sie Gespräche weder annehmen noch weitergeben können. In Saloniki soll es nach Mitteilung dieser Beamten bisher zu keinerlei Ruhestörungen gekommen sein. Im Hafen seien einige Kriegsschiffe eingelaufen, die in ständiger Verbindung mit den Zentralbehörden in Athen sowie mit dem Garnisonkommandanten von Saloniki stehen. In den Straßen von Saloniki seien überall Militärpatrouillen in voller Kriegsuniform zu sehen. Jede Ansammlung von Personen sei streng untersagt. Nachrichten der hiesigen Blätter von der bulgarisch=griechischen Grenzstation Kula besagen, daß der Grenzübergang unterbunden ist. Von den griechischen Grenzoffizieren werde indes versichert, daß es in Griechisch=Mazedonien völlig ruhig sei und daß auch aus dem übrigen Griechenland bisher keinerlei ernstere Zwischenfälle gemeldet worden seien. Erleonisse der Ipanten=Flachlnnge Massenhinrichtungen— Zurschaustellen der Leichen— Scheiterhaufen in kirchen, auf denen Geistliche verbrannt wurden dub. Amsterdam, 5. Aug. Das„Dagblad“ von Große Lachen von Blut bedeckten den Boden. Vordbrahaut veröftenticht einen, Iliczitternden, langsam an diesem Leichenfeld vorüiberzagen, beBericht über das Blutbad von Madrid. In dem Bericht, der durch einen Sonderkurier über Lissabon an das Blatt gelangt ist, heißt es, die Kriminale, deren Mitglieder durch die marxistischen Gewerkschaften ernannt werden, arbeiten Tag und Nacht. Der Berichterstatter, der in unmittelbarer Nähe einer Kaserne wohnt, hört jeden Morgen das Geknatter der Salven der Exekutionskommandos. Die Namen der Hingerichteten werden nicht bekanntgegeben, doch werden die grauenhaft verstümmelten Leichen der Erschossenen zur Schau gestellt, angeblich mit der Absicht, die Bevölkerung einzuschüchtern. In langen Reihen ziehen Hunderte an den Leichenplätzen vorbei. In der Kaserne Nr. 5 der Sturmtruppen hat der Berichterstatter einen solchen grauenhaften Vorbeimarsch selbst miterlebt. An dem Fuße einer hohen Mauer, an der noch deutlich Kugeleinschläge zu sehen waren, lagen die Leichen der Opfer auf einem Haufen. Es waren 42, meist in Offiziersuniform oder im Priesterkleid. Die Leichen der Frauen waren völlig entkleidet. langsam an diesem Leichenfeld vorüberzogen, befanden sich Frauen, Mütter, Schwestern, ja selbst Kinder von Verhafteten, die unter den Toten ihre Angehörigen suchten. Die Wächter, roheste Burschen in offenen Waffenröcken, hatten die Anweisung, auf Wunsch die Leichen den Angehörigen zu zeigen. Mit Fußtritten wurden die entseelten Körper aus dem großen Haufen herausgestoßen. Blut, Gedärme und Hirnmasse der Getöteten spritzten dabei in die Höhe. Es ist vorgekommen, so schreibt der Berichterstatter, daß Angehörige der Opfer nach diesen Vorgängen sich in wilder VerNeue Behauptungen des„Jour“ Ein Kampfgeschwader französischer Flugzeuge auf dem Wege nach Spanien? onb. Paris, 5. August. Im Zusammenhang mit den angeblichen Waffenlieferungen Frankreichs an die Madrider Regierung meldet der„Jour“ die Zusammenstellung eines aus 14 Dewoitine372 bestehenden Kampfgeschwaders, das über Poitiers und Toulouse an die Madrider Regierung geliefert werden solle. Das Blatt gibt diese Meldung vorläufig noch unter Vorbehalt wieder, da die Nachprüfung noch nicht möglich gewesen Die Einzelheiten, die der„Jour“ jedoch schon jetzt zu geben in der Lage ist, sprechen aber für ihre Wahrscheinlichkeit. Danach sollen die Apparate von französischen Berufsfliegern gesteuert werden, die vertraglich für einen Monat verpflichtet worden seien und dafür eine Entschädigung von 50000 Franken erhalten. Die diesbezüglichen Verhandlungen hätten am 29. Juli begonnen und seien am 31. beendet worden. Di Flieger hätten sofort 1000 Franken ausgezahlt erhalten und am Dienstagmorgen vor dem Start weitere 14 000 Franken als Teilzahlung. Außerdem werde ihnen ein Scheck über 35 000 Franken, der auf den 31. August vordatiert sei, ausgehändigt werden. Infolge der Gefahren, denen die Flieger auf kurze Zeit ausgesetzt seien, sei jeder mit 500000 Franken gegen den Tod oder Verletzung versichert. Die Versicherungsprämie belaufe sich auf 38000 Franken. Alle diese Einzelheiten gibt der„Jour“ unter Vorbehalt wieder. Der„Jour“ fügt schließlich hinzu, daß es sich wahrscheinlich um die Dewoitine=Apparate handele, die von einem sofort wieder rückgängig gemachten Kaufvertrag der litauischen Regierung herstammten. Der Verkauf der Apparate an die spanische Regierung sei von einem gewissen La Barda im Auftrage der Madrider Regierung verhandelt worden. Der Kaufvertrag belaufe sich auf 9 Millionen Franken, von denen 4½ Millionen Franken bei Abschluß des Vertrages bezahlt worden seien und weitere 250 000 Franken vor dem Start. zweiflung mit bloßen Fäusten auf die Henker geworfen haben, um gleich darauf den Kugeln der marxistischen Soldateska zum Opfer zu fallen. Kopenhagen. Ein dänischer Ingenieur, der sich als Vertreter der Maschinenfabrik und Schiffswerft von Burmeister und Wains vom 19. bis 30. Juli in Barcelona aufgehalten hat und am Montag über Marseille nach Kopenhagen zurückkehrte, hat einem Vertreter der„Berlingske Tidende“ seine Erlebnisse geschildert. Er habe, so erklärte er, Schrecken erlebt, die seine wildeste Phantasie überstiegen hätten. So habe der Pöbel in den Kirchen aus der Einrichtung große Scheiterhaufen errichtet, was er in zwei Fällen selbst habe beobachten können. Die Geistlichen habe man ins Feuer geworfen und sie lebend verbrennen lassen. Die Nonnen hätten einen noch fürchterlicheren Tod erlitten, doch darüber wolle er nicht sprechen. Leichen seien ausgegraben und mit roten Armbinden versehen auf den Straßen aufgestellt worden. Dabei habe der Sprecher der katalanischen Regierung im Rundfunk alle halbe Stunde verkündet, daß alles in Ordnung und ruhig sei. Keine Regierungsumbildung in Oesterreich Wien. Die amtliche„Wiener Zeitung" und die christlich=soziale„Reichspost“ wenden sich gegen die in letzter Zeit wieder stärker auftauchenden Gerüchte über eine bevorstehende Regierungsumbildung und über einen bevorstehenden Wechsel des Regierungskurses. Diese Gerüchte seien zum Teil auch in die ausländische Presse gedrungen und, wie die„Wiener Zeitung" feststellt, sogar im Prager Rundfunk verbreitet worden. Alle diese Nachrichten, erklären die beiden Blätter, seien Phantasiegebilde. London. Eine Belfaster Körperschaft hat gestern einen Antrag formuliert, durch den die britische Regierung ersucht wird, der Belfaster Bevölkerung Gelegenheit zu geben, an der Durchführung des Verteidigungsprogramms der Regierung teilzunehmen. Zur Begründung wird angeführt, daß die Industrien der Stadt schwer unter der Abtrennung vom internationalen Handel gelitten hätten. Es bestünde daher der Wunsch, daß auch in diesem Bezirk des Vereinigten Königreiches Aufträge untergebracht würden. Aloskaus verorecherische Pomm Englands Befürchtungen zu den spanischen Wirren dub London, 5. Aug. In einem Leitartikel der „Times“ über Spanien heißt es u.., fraglos habe die britische Regierung mit ihrer zustimmenden Antwort an Frankreich Recht gehabt. Italien habe noch nicht geantwortet, und es sei klar, daß auch manche andere Länder wahrscheinlich noch abwarten wollten, bis der Gedanke einer Versicherung der Nichteinmischung allgemein verständlich geworden sei. Es könne für Blum schwierig werden, einer Forderung auf Hilfeleistung für die„hart bedrängte“ Regierung zu widerstehen. Auch die Lissaboner Regierung werde sehr fest sein müssen, nicht in den Wirbel mit hineingezogen zu werden. Es heiße, daß rungsmittel, wenn nicht gar anderes, über die portugiesische Grenze den Nationalisten zukämen. Die portugiesische Regierung sei eine beständige, man könne sagen, wohltätige Diktatur. Wenn sie in den Kampf mit hineingezogen würde, so würde der französische Ministerpräsident Blum veranlaßt sein, auf der anderen Seite zu helfen. Bezugnehmend auf den ersten ausführlichen nicht zensierten Bericht aus Spanien, den die „Times“ Mittwoch zum Abdruck bringt, schreibt der Leitartikler, daß die Grundsätze, für die in Spanien gefochten werden, von Mehrheiten und Minderheiten in jedem anderen europäischen Land begrüßt würden. Die Linke fechte für Ideale, die schon in anderen Ländern gesichert seien, die Rechte für Traditionen, die Jahrhunderte lang in Spanien verehrt würden und die kürzlich bei einer Reihe von europäischen Staaten aufgelebt seien. Europa sei voller Zündstoff und durch einen einzigen Funken könne es im Flammen aufgehen. Der spanische Bürgerkrieg könne sehr leicht ein europäischer werden und das müsse man um jeden Preis verhindern. Der Leitartikler der„Daily Telegraph“ schreibt, das ernsteste und schnellste Bemühen aller gutgläubigen Regierungen müsse es sein, ein Uebergreifen der Flammen von Spanien zu verhindern. Die französische Regierung habe Schritte dazu getan. Die russische Antwort sei durch die Massenversammlungen gegeben worden, bei denen ½ v. H. der Arbeiterlöhne für die spanischen„Genossen" versprochen worden sei. Die Gefahr des Augenblicks sei, daß, während die interessierten europäischen Regierungen die Grundsätze in der Nichteinmischung bestimmen, ihre Handlungen mit ihren Erklärungen nicht übereinstimmen. „Morning=Post“ schreibt in einem Leitartikel, die britische Antwort an Frankreich sei die Auffassung des ganzen britischen Volkes. Die französische Regierung befinde sich in einer sehr schwierigen Lage, denn sie sei durch einen beachtlichen Teil ihrer Anhängerschaft gedrängt, der spanischen Regierung Hilfe zu leisten. Der Leitartikel bringt dann auch unter Erwähnung der sowjetrussischen Geldsammlungen zum Ausdruck, daß die Berichte aus Moskau Grund zur Beunruhigung gäben. In einem kurzen Leitartikel schreibt„Daily Mail“ u.., daß die Moskauer Sammlungen und Unterstützungsaktionen eine Gefahr ersten Ranges für Europa seien. Ueberall frage man sich,„ist das eine offene Herausforderung an Deutschland und Italien?“ SredenatenToles undemenscheil Ein Deutscher erzählt: Vor meinen Augen wurde mein Vater erschossen, mein Bruder erschlagen dub. München, 5. Aug. Unsere deutschen befehlshaber das aufrichtige Bedauern ausgeFlüchtlinge aus Spanien haben in den letzten Tagen und Wochen soviel Grausames erlebt, daß es uns in unserem neuen Deutschland unglaublich erscheint, daß derartige Zustände in einem europäischen Lande überhaupt denkbar sind. In Spanien macht sich unter dem Einfluß bolschewistischer Propaganda ein hemmungsloses Untermenschentum breit. Im großen Wartesaal des Münchener Hauptbahnhofes, in dem den Flüchtlingen der erste festliche Empfang auf deutschem Boden bereitet wird, sitzt ein junger Deutscher und ist kaum fähig, einen Bissen zu essen. Vor wenigen Tagen erschien in später Nachtstunde vor dem Hause seiner Familie in Barcelona ein Trupp bewaffneter Anarchisten. Sie schlugen die Haustür ein, ergriffen seinen 65jährigen Vater, seine Mutter und seinen Bruder. Die Frau wird von den beiden verhafteten Männern getrennt und es gelingt ihr, durch die Herausgabe von Schmuckstücken vorläufig noch ihr Leben zu retten. Sie wird auf einen Lastwagen gestoßen und abtransportiert. Bis heute weiß der überlebende Sohn nicht, ob seine Mutter noch lebt. Die überwältigten beiden Männer werden in den Hof geschleppt, der Vater mit drei Schüssen niedergestreckt, sein achtzehnjähriger Sohn mit Gewehrkolben buchstäblich erschlagen. Der Ueberlebende mußte diese grauenvolle Szene von einer Dachluke aus mitbeobachten. Die Horde plünderte daraufhin das ganze Haus. Zwei Tage mußte sich der junge Deutsche versteckt halten, bis es ihm gelang, an den Hafen zu gelangen, um auf einen deutschen Dampfer zu kommen, der unter dem Schutz des Panzerschiffes Admiral Scheer die Flüchtlinge aufnahm. Das ist ein Fall unter vielen. Kaufleute, Ingenieure, Angestellte werden wahllos niedergemacht. In der Millionenstadt Barcelona wurden sämtliche Kirchen und Klöster geplündert und angezündet, Mumien an den Gittern aufgespießt, die Sarkophage gewaltsam geöffnet und die Gebeine auf die Straße geworfen." Unseren deutschen Volksgenossen, denen es gelungen ist, dieser Hölle zu entkommen, sind dankbar, ihr Leben gerettet zu haben. Sie mußten ihre Wohnungen von heute auf morgen verlassen. Es war ihnen auch nicht möglich, ihre Ersparnisse mitzunehmen, da die Banken meistens seit Wochen geschlossen sind. Vollkommen mittellos kommen täglich ganze Familien in Deutschland an. Dienstag mittag ist wieder ein Flüchtlingszug mit 380 Personen, darunter 210 Frauen und Kinder, in München eingetroffen. Es ist eine Ehrenpflicht des deutschen Volksgenossen, diesen Menschen zu helfen. Auch die kleinste Gabe ist ein Beweis deutscher Schicksalsverbundenheit. sprochen und mitgeteilt, daß dringende Anweisungen zur Vermeidung ähnlicher Vorfälle erteilt seien. Der Kreuzer„Köln“ ist auf dem Wege nach La Coruna, um mit der dortigen deutschen Kolonie Verbindung aufzunehmen. An der Mittelmeerküste Spaniens dauert der Flüchtlingsstrom in starkem Maße weiter an. Das Panzerschiff„Admiral Scheer“ nimmt die Flüchtlinge aus Madrid in Valencia und Alicante auf Hierher ist auch der deutsche Passagierdampfer„Njassa“ beordert worden. Aus Tarragona wurde die gesamte deutsche Kolonie und aus einigen kleineren Hafenorten der Ostküste eine Anzahl Flüchtlinge mit deutschen Dampfern nach Genua abtransportiert. Auf den Balearen hat sich bisher nur eine geringe Anzahl Deutscher zum Heimtransport bereitgefunden. Der deutsche Geschäftsträger wieder in Madrid dnb. Berlin, 5. Aug. Der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat Völckers, der sich ebenso wie die übrigen Mitglieder des Diplomatischen Korps zurzeit des Ausbruchs der Unruhen in San Sebastian befand, hat sich bei der Durchführung der von deutschen Kriegs= und Handelsschiffen unternommenen Hilfsaktion für die durch die hartnäckigen Kämpfe gefährdeten Reichsdeutschen, besonders Frauen und Kinder, große Verdienste erworben. Nachdem die lokalen Behörden, die die Sicherheit der diplomatischen Auslandsvertreter nicht mehr gewährleisten zu können glaubten, die Abreise der fremden Vertreter von San Sebastian erbeten haben, ist Botschaftsrat Völckers unter Ueberwindung besonderer Schwierigkeiten und auf großen Umwegen wieder in Madrid eingetroffen und hat dort die Leitung der Botschaft wieder übernommen. Heute antwortet Italien dnb. Rom, 5. August. Italiens Antwort auf den französischen Vorschlag, sich im spanischen Bürgerkrieg neutral zu verhalten, wird Mitteilung von unterrichteter italienischer Seite voraussichtlich am Donnerstag gegeben. Ueber ihren Inhalt werden noch keine Angaben gemacht, doch glaubt man in politischen Kreisen, daß Italien verschiedene Vorbehalte geltend machen werde. vorpostenampse um Miadrio havas schildert die Lage in Pamplona, Saragossa und Burgos Leistung unserer Kriegsschiffe onb. Berlin, 5. Aug. Die Hilfeleistung der deutschen Seestreitkräfte in den spanischen Gewässern nimmt weiterhin ihren Fortgang. Der Kreuzer„Köln“ und das Torpedoboot„Albatros“ nahmen die Flüchtlinge aus Guetaria an der Nordküste Spaniens an Bord und brachten diese sowie weitere Flüchtlinge aus San Sebastian nach Portugalete, wo sie dem Dampfer „Wesel“ übergeben wurden. Das Torpedoboot„Albatros" bleibt weiter vor Bilbao, während das Torpedoboot„Seeadler“ vor Gijon liegt. Wegen der Verletzung und Tötung deutscher Angehöriger bei der Beschießung dieser Stadt durch aufständische Seestreitkräfte hat die nationale Regierung in Burgos dem deutschen Seeonb. Paris, 5. Aug. Der Sonderberichterstatter der Havas=Agentur gibt am Mittwoch ein anschauliches Bild über die Lage im Nordgebiet der Nationalisten, besonders in Pamplona, Saragossa und Burgos. Alle öffentlichen Einrichtungen seien in Betrieb. Auf den Straßen herrsche reges Leben, und lediglich die zahlreichen Uniformen der faschistischen oder der carlistischen Verbände oder bewaffneter Militärpersonen ließen auf die Ereignisse im Innern des Landes schließen. Allenthalben herrsche freudige Stimmung. Etwa 30000 Mann seien bereits an die verschiedenen Frontabschnitte im Süden, Osten und Westen abgegangen. Die Zahl derer, über die die Verbände im Norden verfügten, übersteige 100000 Mann. Diese befänden sich noch in den Ausbildungslagern. Die Truppen seien lediglich bestrebt, im Augenblick die Stellungen an allen Frontabschnitten zu halten und den Gegner am Vormarsch zu hindern. Man höre überdies, daß man den Vorpostenkämpfen im Norden Madrids oder an anderen Stellen der Front nicht allzu große Wichtigkeit beimessen dürfe. Es handle sich da nur um geringfügige örtliche Verschiebungen. Die große Offensive auf Madrid sei verschoben worden. General Mola sei ein vorsichtiger Mann. Die Verbindung mit den Truppen des Generals Franco im Süden sei noch unvollkommen. Bomben auf Schiffe dnb. London, 5. Aug. Wie berichtet wird, wurde der britische Kraftdampfer Medon(5900 Tonnen) beim Passieren der Meerenge von Gibraltar durch die Bombenabwürfe eines spanischen Regierungsflugzeuges gefährdet. 4 Bomben fielen in unmittelbarer Nähe des Dampfers ins Meer. Sie galten einem=Boot der Militärgruppe, das jedoch ungetroffen entkam. Zwei britische Wasserflugboote, die von Algier nach Gibraltar flogen, wurden von Kriegsschiffen der spanischen Regierung beschossen, weil diese die Flugboote für solche der Militärgruppe hielten. Der Zwischenfall ist jedoch ohne weitere Folgen geblieben. Nach einem Bericht aus Gibraltar mußte dort der regierungstreue Zerstörer Lepanto Zuflucht suchen, nachdem er von vier Flugzeugen der Militärgruppe mit Bomben beworfen war. Eine Bombe hatte das Luftabwehrgeschütz des Zerstörers getroffen, einen Mann getötet und mehrere schwer verwundet. Nachdem der Zerstörer einen Schwerverwundeten im Lazarett in Gibraltar abgegeben hatte, verließ er den Hafen wieder, um der Internierung zu entgehen. helft den Flüchtlingen aus Spanien! Durch den blutigen Bürgerkrieg in Spanien ide von deutschen Volksg sind Tausenve von veutschen Volksgenossen gezwungen, fluchtartig ihr Gastland zu verlassen. 3000 Geutsche sind schon unter dem Mehr als 3000 Erulsche find schon unter dem Schutz unserer Kriegsschiffe auf reichsdeutsche und italienische Dampfer gebracht worden und befinden sich auf dem Wege in die Heimat. Fast täglich laufen in der Hauptstadt der Bewegung Sonderzüge mit Flüchtlingen ein. Das nationalsozialistische Deutschland bereitet diesen unglücklichen Volksgenossen einen herzlichen Empfang. Es gilt, viel unverschuldete Not zu lindern. Der Hilfsausschuß für SpanienDeutsche unter der Leitung von Gauleiter Bohle der Auslandsorganisation der NSDAP. hat die ehrenvolle Aufgabe übernommen, die Flüchtlinge zu betreuen. Es ist noch nicht abzusehen, wieviele Deutsche gezwungen sein werden, das Land zu verlassen, in dem so viele von ihnen schon seit Jahrzehnten im Interesse beider Länder gewirkt haben. Deutsche Volksgenossen! Helft unseren Brüdern in ihrer Not. Spendet für unsere Flüchtlinge aus Spanien! Spenden sind zu richten an den Hilfsausschuß spanien=Deutsche in der Leitung der Ausbanke Cirokonto 2400, Hilfsausschuß für Spanien=Deutsche. Außerdem nehmen sämtliche Sparund Girokassen Zahlungen entgegen. Keine einseitige Festlegung Lord halifax unterbrach seinen Urlaub dnb. London, 5. Aug. Der Lordsiegelbewahrer Lord Halifax, der bekanntlich zur Zeit die Geschäfte des britischen Außenamtes versieht, unterbrach Mittwoch seinen Urlaub und kehrte in das Londoner Ministerium zurück, um sich persönlich vom Stande der Dinge zu überzeugen. Wann er wieder in seinen Urlaub zurückkehren wird, ist zur Zeit noch unbestimmt. Er scheint jedoch zu hoffen, daß es bereits in wenigen Tagen der Fall sein wird. Seine Rückkehr wird in unterrichteten Kreisen vor allem mit der Lage in Spanien und den hiermit zusammenhängenden französischen Vorschlägen auf Abschluß eines Nichteinmischungspaktes begründet. Die französische Regierung hat im Laufe des Mittwoch weitere Mitteilungen über die Schritte, die sie in dieser Frage unternommen hat, nach London gelangen lassen. Im Londoner Außenamt ist man der Ansicht, daß bei gutem Willen aller Beteiligten der Abschluß des geplanten Abkommens keine besonderen Schwierigkeiten bereiten dürfte. Eine bemerkenswerte Entschließung des belgischen Militärausschusses dnb. Brüssel, 5. August. Der aus militärischen Sachverständigen und Parlamentarier bestehende Militärausschuß, der einen Plan für die künftige Gestaltung der belgischen Landesverteidigung ausarbeiten soll, hat nunmehr, nachdem die Hauptberichte über den augenblicklichen Stand der Landesverteidigung im wesentlichen abgeschlossen sind, einen Arbeitsplan aufgestellt. Der Ausschuß hat Dienstag und Mittwoch getagt und hinsichtlich des Einflusses der Außenpolitik auf die Landesverteidigung eine bemerkenswerte Entschließung angenommen. In ihrem wesentlichen Inhalt besagt diese Entschließung, daß die militärische Organisation Belgiens nur das einzige Ziel haben dürfe, Belgien gegen jeden Angriff, von wo er auch kommen möge, zu schützen. Unter Hinweis auf die Notwendigkeit, die geistige Einheit des Landes zu wahren, wird es als unumgänglich erachtet, auch den Anschein zu vermeiden, als ob die militärische Organisation Belgiens ständig gegen bestimmte Staaten gerichtet sei, oder als ob Belgien zu bestimmten Staaten in einseitigen Bindungen stehe. Gegen diese Entschließung hat im Ausschuß nur ein wallonischer Abgeordneter Einspruch erhoben. Die übrigen Mitglieder des Ausschusses mit Einschluß der flämischen Abgeordneten haben der Entschließung zugestimmt. Sechs Monate verboten Tästee Fronzsolbalengeist Ehrengabe für versorgungsberechtigte Frontkämpfer onb. Berlin, 5. August. Am Erinnerungstage des Kriegsbeginns 1914 sind dem Führer durch freiwillige Spenden namhafte Beträge für die Kriegsbeschädigten zur Verfügung gestellt worden. Der Führer hat diese Ehrengabe von sich aus auf eine halbe Million Reichsmark erhöht und angcordnet, daß dieser Betrag für solche versorgungsberechtigte Frontkämpfer verwendet wird, die nach den geltenden Vorschriften die Frontzulage nicht erhalten können und sich in besonders bedürftiger Lage befinden. Zur derung dringender Not in solchen Fällen hat er diere Spende dem Reichs= und Preußischen =beitsminister überwiesen. Die Spende ist zu einem großen Teil eine Gabe der Deutschen Arbeitsfront, der RS.=Volkswohlfahrt und des Reichsbundes der deutschen Beamte. Dieser Beweis wahrer Volksgemeinschaft kann dem Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley, dem Reichswalter des Reichsbundes der deutschen Beamten Neef und dem Hauptamtsleiter Hilgenfeldt sowie allen hinter ihnen stehenden Volksgenossen nicht genug gedankt werden. Sie bezeigen damit nicht nur, wie tief sie sich mit den kriegsbeschädigten Kameraden, die in ihren Reihen stehen, verbunden fühlen, sondern danken damit zugleich dem Führer, der dem deutschen Volk„Ehr' und Wehr“ wiedergegeben hat. Aus der gleichen inneren Verbundenheit heraus hat insbesondere der Preußische Ministerpräsident, Generaloberst Göring, es sich angelegen sein lassen, die Spende durch einen namhaften Betrag zu fördern. Zum Ausdruck unverbrüchlicher Kameradschaft zwischen der alten und der neuen Wehrmacht, beteiligte sich der Reichskriegsminister, Generalfeldmarschall von Blomberg, mit einer wesentlichen Summe an der Spende. Kiel. Im großen Saal des festlich geschmückten Rathauses fand am Mittwochmittag der Empfang einer Abordnung des britischen Kreuzers„Neptune" statt. Zu diesem Empfang waren auch die deutsche Kriegsmarine, an ihrer Spitze der Festungskommandant von Kiel, Kapitän zur See Mewis, und führende Männer der Partei und des öffentlichen Lebens erschienen. Berlin. Der Führer und Reichskanzler empfing heute vormittag den zur Zeit zum Besuch der Olympischen Spiele in Berlin weilenden britischen ständigen Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Sir Robert Vansittart, sowie ferner den früheren britischen Marineminister Lord Monsell.— Außerdem nahm der Führer und Reichskanzler heute die Meldung des Kommandanten des zur Zeit in Hamburg liegenden brasilianischen Schulschiffes„Almirante Saldanha“, Fregattenkapitän Dutra, entgegen. der durch den brasilianischen Botschafter in Berlin, Moniz de Aragao, dem Führer vorgestellt wurde. Danziger Zentrumsorgan wegen ungeheuerlicher Verleumdung der Danziger und der deutschen Regierung verboten dub Danzig, 5. Aug. Das Danziger Zentrums. organ, die„Danziger Volkszeitung“, hat in ihrer gestrigen Ausgabe einen Aufsatz eines katholischen Pfarrers, Dr. Moske, veröffentlicht, der in ungeheuerlicher Weise die deutsche und die Danziger Regierung verleumdet und von der überwiegenden Mehrheit der Danziger Bevölkerung als schwere Herausforderung aufgefaßt werden muß. Besonders bemerkenswert und kennzeichnend ist die hinterhältige Form dieses Aufsatzes. Der Verfasser zitiert äußerst feindliche Angriffe, die ein Dominikanerpater im Jahre 1872 gegen den damaligen Liberalismus niederschrieb. Diese Kennzeichnung ausgerechnet des Liberalismus vor 64 Jahren wird, wie der Aufsatz des Danziger Zentrumsorgans ausdrücklich bestätigt, auf unsere Zeit, also auf den Nationalsozialismus, übertragen. In dem Aufsatz der„Danziger Volkszeitung“ wird der nationalsozialistischen Staatsführung unterstellt, daß sie„von oben herab“ eine verleumderische Hetze gegen die lische Kirche veranlaßt habe. Der Danziger Polizeipräsident hat daher die „Danziger Volkszeitung“ auf Grund der Danziger Ordnungsbestimmungen auf die Dauer von sechs Monaten verboten. In der Verbotsbegründung wird die äußerst hinterhältige und verwerfliche Form des Aufsatzes hervorgehoben. Der Polizeipräsident stellt weiter fest, daß der Aufsatz in dem Blatt eine Verleumdung der Danziger und der deutschen Regierung enthält, er sei geeignet, die Bevölkerung zu verhetzen und die guten und lebenswichtigen Beziehungen der Freien Stadt Danzig zum Deutschen Reich zu beeinträchtigen. Eduard VIIl. geht in Urlaub Im Flugzeug nach Jugoslawien, dann Segelfahrt im Mittelländischen Meer onb. London, 5. August. König Eduard VIII. wird seinen Urlaub voraussichtlich am Samstag antreten. Falls das Wetter es erlaubt, beabsichtigt er, sich im Flugzeug nach Jugoslawien zu begeben und dort in einem nicht näher bezeichneten Hafen an Bord seiner Jacht„Nahlin" zu gehen. Die Jagd hat bekanntlich Fort Portsmouth vor acht Tagen verlassen, um sich über Gibraltar ins Mittelländische und Adriatische Meer zu begeben. Berlin. Unter Führung ihres Missionschefs Dr. Sison erschien am Mittwochvormittag die Olympia=Mannschaft der Philippinen vor dem Ehrenmal und legte einen Lorbeerkranz nieder. Berlin. Der zu den Olympischen Spielen in Berlin weilende Maharadscha von Tripura stattete am Mittwochvormittag dem Führer und Reichskanzler einen Besuch ab.— Alsdann empfing der Führer und Reichskanzler den kanadischen Handelsminister Euler, der sich zu deutsch=kanadischen Handelsvertragsverhandlungen in Berlin aufhält. Berlin. Aus Anlaß der Eröffnung der XI. Olympiade in Berlin hat der Präsident von Peru, General Benavides, dem Führer und Reichskanzler telegraphisch Glückwünsche der peruanischen Regierung und Nation für Deutschland übermittelt, für die der Führer im Namen des deutschen Volkes auf telegraphischem Wege herzlich gedankt hat. Berlin. Der Führer und Reichskanzler hat dem Staatssekretär des Reichs= und Preußischen Ministeriums des Innern Pfundtner aus Anlaß des 55. Geburtstages sein Bild in silbernem Rahmen mit den besten Wünschen übermittelt. Berlin. Eine Ehrenabordnung von Offizieren des bulgarischen Arbeitsdienstes, die augenblicklich aus Anlaß des Freizeit=Kongresses in Deutschland weilt, ehrte am Mittwochvormittag die Gefallenen ihrer deutschen Waffenbrüder beim schweren Völkerringen von 1914 bis 1918. Berlin. Der Führer und Reichskanzler hat auf Vorschlag des Reichs= und Preußischen Ministers des Innern Dr. Frick dem Schöpfer der olympischen Bauten auf dem Reichssportfeld, Architekt Werner March, den Titel Professor verliehen. Berlin. Am 5. August 1936 ist in Berlin im Auswärtigen Amt ein deutsch=litauisches Warenabkommen unterzeichnet worden, das den gesamten Warenverkehr zwischen den beiden Ländern auf der Grundlage der Gegenseitigkeit regelt. Die Zahlungen für den gegenseitigen Warenverkehr werden auf dem Verrechnungswege abgewickelt werden. Nr. 211 Sweites Blatt des„Stadtanzeigers für Castrov=Rauxel und Umgebung“ Donnerstag, den 6. August 1936 Aus Bpal!i, Von den schweren Erlebnissen westfälischer Landsleute in den spanischen Wirren Unter den deutschen Flüchtlingen, die vor einigen Tagen von dem englischen Kreuzer„Verity“ an Bord genommen wurden und auf diese Weise den großen Gefahren der erbitterten Kämpfe entgehen konnten, befanden sich auch drei junge Gelsenkirchenerinnen, nämlich zwei Schwestern Schnurbus und Frl. Eickmann, die in San Sebastian als Erzieherinnen tätig waren. Es ist fesselnd, die auf persönlicher Anschauung und unmittelbarem Erlebnis beruhenden Schilderungen, die Frl. Schnurbus in der„Gelsenkirchener Zta.“ macht, zu lesen. Die starke Erbitterung, mit der in beiden Lagern Spaniens gekämpft wird und so manche erschütternde Einzelheit werden uns damit nahegebracht. Schreckenstage in San Sebastian Seit den Wahlen im vergangenen Februar war Spanien wie ein Pulverfaß Von Kirchen= und Klosterbränden, Verwundeten und Toten berichteten die Zeitungen fast jeden Morgen. Der große Ruck nach links bei der Regierungsbildung war dadurch möglich, daß die rechtsgerichteten Kreise sich bei der Wahl fast ganz der Stimme enthielten und ein Teil von ihnen mit dem Geld über die Grenze nach Frankreich ging. Vor allem wütete der rote Terror im Süden: Sevilla, Granada, Malaga und in Madrid." 1an, hefanhar, Frimssag mit Der Norden Spaniens, besonders Guipuscoa mit der Hauptstadt San Sebastian, war während dieser Zeit fast ganz ruhig. Die Nationalisten, vorwiegend Basken, hielten Kirchen= und Klosterwache und sorgten für Ruhe und Ordnung. Um so wilder und grausamer wütete die rote Garde in den Schreckensragen vom 18. Juli an. Das Paradies am Meeresstrand Der Norden Spaniens, besonders Guipuscoa mit der Hauptstadt San Sebastian, liegt 22 Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Ein Paradies am Meeresstrand! Blaues Meer, dunkle Berge, weiße Häuser. Am Samstag, 18. Juli, flüsterte man sich erregt zu:„Die Truppen in Spanisch=Marokko haben die Regierung gestürzt.“ Fast jeder wünschte einen Umschwung. Seit einigen Wochen stockte der Handel. Ein Streik nach dem andern. Im Hafen lagen die Dampfer für die Hochsee=Fischerei seit Monaten außer Betrieb, die Konstruktionsarbeiter kämpften schon wochenlang erbittert um bessere Löhne. Das Elend. der Hunger waren groß. Diese Gewitterschwüle sollte und mußte sich entladen; alles drängte zur Entscheidung. So schnell und grausam hatte es jedoch niemand erwartet. Auf die Meuterei in Marokko hin hatte Madrid den Befehl an die Verwaltung aller Provinzen gegeben, die organisierten Arbeiter, die frente popular(Volksfront) oder UH.=Union Hermanos Prolitarios zum Schutze der Regierung zu bewaffnen. Die Organisation war sehr gut. In der Nacht von Samstag auf Sonntag fing der rote Terror in fast allen Provinzen an zu wüten. In San Sebastian wurden zunächst nur Schreckschüsse abgegeben, um die Bevölkerung in den Häusern zu halten. Die Straßen wurden verbarrikadiert, niemand durfte das Haus verlassen, alle Fenster mußten fest verschlossen werden. Matratzen schoben wir davor, um das Eindringen der Kugeln zu verhindern. An verschiedenen Hauptpunkten der Stadt wurden die Häuser von Mitgliedern der Volksfront besetzt und nach Waffen untersucht. Die Bewohner mußten in geschütztere Stadtteile fliehen. Einige Faschisten schossen von den Wohnungen auf die Kommunisten und wurden dafür rücksichtslos niedergeknallt, ihre Wohnungen wurden zerstört. Oftmals quälte man sie zu Tode. Von Valladolid. Burgos, Pamplona wurde der Sieg der aufständischen Truppen unter General Mola gemeldet. Warum blieben die Soldaten in San Sebastian in den Kasernen? Weil sie sich nicht einig waren! Der Kommandant war über die Grenze geflüchtet. General Mola sandte drei Flugzeuge. Auf den abgeworfenen Blättern drohte er mit Bombardierung der Stadt, falls die Truppen nicht sofort ausfielen. Auf freiem Feld fiel eine Bombe. Entsetzlicher Schrecken! Bomben waren sicherer Tod. Hinunter in den Keller und dort mit pochendem Herzen auf das Surren der Propeller gewartet. Alle Aerzte und Krankenpfleger wurden an bestimmte Stellen beordert. Große Hotels wurden für Verwundete freigehalten. Auf einem Klubhaus am Kurpark flatterte die rote Fahne mit schwarzem Band.— Für die Toten! Zwischenfall am Mikrophon Da meldete Dienstag um 15 Uhr das Radio, daß zwei Regimenter, ungefähr 2000 Mann, in den Kampf eingreisen würden. Der Ansager, ein glühender Faschist, sah den Kampf schon beendet und rief: „La enidad es tomada por la tropa, viva Espana!““ (Die Stadt ist durch die Truppen genommen, es lebe Spanien!) Ein scharfer Knall, ein leises Röcheln— im Lautsprecher deutlich zu vernehmen— die Kugel eines Kommunisten hatte ihn durchbohrt. Mit„Viva la Frente Popular!“ wurde Tanzmusik durchgegeben. Die beiden Gegner setzen in den Straßen ihre ganze Kraft ein Maschinengewehre knatterten und die Kanonen ließen die Grundmauern der Häuser erzittern. In den ersten Stunden waren die Truppen siegreich. Einige Straßen wurden genommen. Weiße Tücher flatterten als Friedenszeichen. Jubelnd rief die Bevölkerung sich dort zu:„Viva Espana!“ Doch die Kraft der Soldaten wurde zersplittert. Die Volksfront erhielt Verstärkung und Munition und griff von zwei Seiten an. Die Soldaten mußten sich mit ungeheuren Verlusten in ein Hotel und eine Kaserne zurückziehen und verschanzten sich dort. Nacht und Dunkelheit hüllten ihr Schweigen über Ströme von Blut, tote Kämpfer und ächzende Verletzte. Am anderen Morgen begann die Bombardierung der Kasernen und des Hotels Mit einer Erbitterung ohnegleichen wurde gekämpft. Das Bewußtseit— Tod oder Leben— gab allen eine fast unmenschliche Kraft. Zwei Minuten von unserem Hause tobte ein entsetzlicher Kampf. Ich sah einen Offizier der Truppe, wie er mit jedem Schuß einen Gegner niederstreckte. Als er sich nicht mehr wehren konnte, vier aber schon gefallen waren wie geknickte Halme, schoß er sich selbst die Kugel durch den Kopf Der Leichnam mit abgeschnittenem Kopf lag dort drei Stunden. Der Toten waren zu viele, der Sanitätsdienst konnte sie nicht schnell genug fortschaffen. Eine=halbe=Stunde lang pfiffen die Kugeln. „Schlimmer als an der Somme!“ sagte mir ein alter deutscher Frontsoldat. Das Ergebnis waren 28 Tote. eine Unmenge Verletzter und zerschossene Häuser. Viele Kugeln drangen in die Häuser. Die Gattin des dänischen Konsuls fand auf diese tragische Weise den Tod. Die Eroberung des Hotels dauerte länger. Die schwersten Kanonen hatte man aus den Festungen geholt. Die Zahl der Toten und Verwundeten wurde nicht bekannt gegeben. Sanitätsautos sausten unaufhaltsam durch die Straßen. Sie bargen eine traurige Last. An vielen Stellen lagen Tote und Verwundete mehrere Stunden. Nicht einmal bedeckt wurden die entstellten Körper. Zivilbevölkerung durfte sich nicht hinauswagen, sie wäre sofort niedergeschossen worden. Am anderen Tage hörte man die Soldaten im Gefängnis schreien vor Verzweiflung. Hunger und Durst. Einigen war es geglückt, zu entfliehen. In den Bergen erwischte man sie und schnitt ihnen den Kopf ab. In der Stadt wurde es etwas ruhiger. Die Fenster mußten geöffnet werden, die Vorhänge in die Höhe gezogen und während der Nacht brannte in allen Räumen Licht. Geschlafen haben wir in geschützten Fluren und Treppenhäusern. Wer sich in den Räumen ruhig verhielt, war der unmittelbaren Gefahr entronnen.„AHP. und Viva la Frente Popular!“ hallte es durch die Straßen. Halbwüchsige Burschen und schwerbewaffnete junge Mädchen fuhren in gestohlenen Wagen durch die Straßen und zwangen alle, die geballte Faust zu erheben. Mit furchtbarer Grausamkeit verfolgte die Volksfront die Faschisten. Ein Bekannter wurde um fünf Uhr in der Frühe aus dem Bett geholt, an die Wand gestellt und vierzig Schuß durchbohrten im nächsten Moment seinen Körper. Den Ortsgruppenleiter der NS. verhaftete man. Mit der Pistole auf der Brust wollte man ihn zwingen, die Listen der Parteigenossen herauszugeben. Nur durch Verwendung seiner Nachbarn wurde er freigelassen. Wer die Fenster nicht weit öffnete, wurde als Gegner betrachtet. Man holte ihn aus dem Haus, stellte ihn an die Wand, es knallte, aus war das Leben. Man fing auch an, die Geistlichkeit zu erschießen. Auf dem Dach unseres Hauses hatten sich einige Faschisten versteckt. Nie im Leben werde ich die verzerrten Gesichter vergessen. Einer bat mich auf den Knien por la virgen sanctissima“—(„um der hl. Jungfrau willen!“)— ihn in meinem Zimmer zu verstecken. Die Lage war auch für uns Deutsche, da man uns als Faschisten ansieht, sehr ernst Freitagmorgen wurden wir vom deutschen Konsulat benachrichtigt, der englische Kreuzer„Vertity“ sei bereit, die Deutschen unter seinen Schutz zu nehmen. In der größten Hast wurde in eine Handtasche das Nötigste gestopft. Viele konnten nicht einmal das. Ohne Geld und Kleidung eilten sie zum britischen Konsulat Vom Hause bis dorthin standen wir unter dem Schutz der kommunistischen Straßenwache. Von dort ging es in einem Autobus, wieder unter rotem Schutz, zum Hafen. Ein trauriges Bild, das ich nie vergessen werde. Dort lagen die Kreuzer— zwei englische und ein französischer— die uns Rettung bedeuteten hier standen bleich und stumm die Menschen, entkräftet von Schrecken und Hunger. Manche hatten schon seit dem letzten Samstag— schon sieben Tage— nichts Rechtes mehr gegessen. Da waren zwei junge Mütter mit einige Wochen alten Kinderchen. Da lag ein zweijähriges Mädelchen auf dem Boden, es hatte sich in den Schlaf geweint. Es wollte Milch. Stumm blickten alle auf die schöne Stadt. Wie viel Hoffnung war darin zurückgelassen! Sie war uns in der Zeit ein Stück Heimat geworden. Eine Erzieherin weinte um die Kinderchen, der sie betreut hatte. Wir alle hätten so gern das mitgenommen, was uns ans Herz gewachsen war.— Flüchtlinge! Es ging um das nackte Leben. Es waren unter uns 55 Flüchtlingen zwei Frauen, die ihre Gatten in Madrid hatten und mit ihren Kindern fort mußten. der Schöpfung in seiner Gewandung eine ganze Menge hat. Aus allen Taschen fördert er Fahrscheine zutage, nur der eine, der jetzt gültige, will sich nicht finden lassen. Endlich. nachdem der Kontrolleur ihn allein gelassen hatte, vielleicht weil er annahm, den Fahrgast durch seine nahe Anwesenheit noch mehr zu beunruhigen, ist der Fahrschein gesunden. Erleichtert ausatmend reicht der Bedrängte diesen dem Kontrolleur. Mit einem freundlichen Kopfnicken nimmt dieser den Fahrschein entgegen und gibt ihm dem jungen Mann mit einem Lächeln zurück. All diese Aufregung, durch die er sich den Tag schon in der Frühe verdorben hatte, hätte unser junger Freund vermieden, wenn er nicht die alten Fahrscheine mit einer Sorgjalt, die jedem Registrator zur Ehre gereicht hätte, in seinen Taschen aufbewahrt, sondern sie nach Benutzung vernichtet hätte: selbstverständlich nicht durch Wegwersen auf die Straße, sondern. eingedenk der Mahnung, daß die Sauberkeit der Stadt in der Hand eines jeden Bürgers liege, in die eigens für diesen Zweck angebrachten Papierkästen. Flüchtlinge! Um 17.30 Uhr verließ die„Verity“ San Sebastian und nahm Kurs auf Saint=Jean de Luz. Die ganze Mannschaft war auf das freundlichste um uns besorgt, gab uns von allem, was sie hatte. In SaintJean de Luz wurden wir im Hotel Continental untergebracht. Bis dorthin hörten wir den Kanonendonner von San Sebastian. Auch dort sah man die geballte Faust und hörte man„die Internationale“. Auf mehrere telephonische Anrufe hin und her— es waren ungeheure Schwierigkeiten zu überwinden wurden uns von der deutschen Botschaft in Paris 200 000 Francs zur Verfügung gestellt für Verpflegung und Fahrkarten bis Köln Frankfurt oder Stuttgart. Sonntag. 26. Juli, um 20 Uhr, landeten 22 Flüchtlinge in Köln. Nach neun Tagen voller Schrecken kann ich nicht das Gefühl beschreiben, das ich bei dem Gedanken hatte, endlich wieder in Deutschland auf sicherem Boden zu sein. Wer dies alles erlebte, der würdigt die gefestigte Ordnung und Ruhe des nationalsozialistischen Deutschland erst in ihrer ganzen Bedeutung für uns und die übrige Welt. Eine Chrentrone ist das Niler Moder Bramkamp-Ickern 90 Jahre alt Am heutigen Tage kann unsere Mitbürgerin Frau Witwe Isabella Bramkamp, geborene Eilert. Ickerner Straße 78, die Vollendung ihres 90. Lebensjahres begehen. Photo: Archiv des„Stadtanzeiger“. Frau Wwe. Isabella Bramkamp, geb. Eilert, vollendet heute ihr 90. Lebensjahr. Sie wurde am 6. August 1846 in Ickern als einzige Tochter und somit Hoserbin des Landwirts Eilert geboren Im Jahre 1887 verheiratete sie sich mit dem in Oestrich geborenen Landwirt Friedrich Bramkamp, der dann nach dem Tode des Schwiegervaters den Eilertschen Hof in Ickern übernahm und ihn bis zu seinen am 2. Oktober 1906 erfolgten Tode verwaltete. Neun Kinder gingen aus der glücklich und harmonisch verlaufenen Ehe hervor. Sechs davon starben im frühen Alter. Nach dem Todes ihres Mannes bewirtschaftete Frau Isabella Bramkamp den elterlichen Hof allein, bis er von ihrem einen Sohne nach dessen Verbeiratung übernommen wurde Der jetzt von Heinrich Bramkamp bewirtschaftete Hof ist 10.0341 Hektar groß und auf Grund des Reichserbhofgesetzes vom 29. September 1933 unter der lausenden Nummer 55 in die Erbhofrolle des beim Amtsgericht Castrop=Rauxel gebildeten Anerbengerichts als anerkannter Erbhof eingetragen. Auch nach ihrer„Zurückziehung auf das Altenteil“ legte„Moder Bramkamp“, wie sie im Volke allgemein heißt, ihre Hände nicht müßig in den Schoß. Im Gegenteil, sie machte sich auch weiterhin im Haushalte nützlich. Bis in die letzten Jahre hinein waren Kochen und Viehfüttern ihre tägliche Beschäftigung. Gern erzählt die Altersiubilarin aus ihrer Jugend und aus ihrem langen, arbeitsreichen Leben. in dem sie den ganzen industriellen Werdegang des Nordens unserer Stadt mitmachte. Lange Jahrzehnte liest sie täglich die Heimatzeitung, den „Stadtanzeiger für Castrov=Rauxel und Umgebung". so daß wir ihr als einer der treuesten und ältesten Leserinnen an ihrem heutigen Ehrentage doppelt gern von ganzem Herzen Glück und Segen wünschen können. Möge ihr auch weiterhin ein sonniger Lebensabend in Glück und Zufriedenheit beschieden sein! Castrop=Rauxel, den 6. August 1936 Wo ist der Fahrschein? Ein Erlebnis in der Straßenbahn An einer Haltestelle der Straßenbahn steigt der „Kontrolleur“ ein. Er bittet die einzelnen Fahrgäste um ihre Fahrscheine. Unter anderem richtet er diese Bitte auch, wie das seines Amtes ist, an einen jungen Mann. Dieser reicht dem Kontrolleur einen Fahrschein hin. Aber mit einem kurzen Blick auf den Fahrschein gibt der Kontrolleur dem jungen Mann diesen zurück mit dem höflich gemachten Hinweis darauf, daß dieser Fahrschein keine Gültigkeit mehr habe. Der Fahrgast entschuldigt sich mit ebenso höflichen Worten und weist dem Beamten einen anderen Fahrschein vor. Aber auch bei diesem stellt der Kontrolleur fest, daß es ein alter, für diese Fahrt ungültiger Fahrschein ist. Dem jungen Mann wird jetzt sichtlich schwül, sieht er doch schon die Blicke der anderen Fahrgäste auf sich gerichtet. Die Lage. in der er sich befindet und in die er aus eigenem Verschulden gekommen ist, ist ihm höchst veinlich. Es geht ihm der Gedanke durch den Kopf. die im Wagen befindlichen Fahrgäste könnten ihn etwa für einen Menschen halten, der versuche, das Fahrgeld zu schinden. Durch diese Ueberlegung wird er nun ganz aus der Fassung gebracht. Aufgeregt sucht er alle Taschen durch. deren bekanntlich der Herr Regen, Sturm und OlympiaFlaggen! Der Sturm, der in den letzten Tagen wieder über Castrov=Rauxel dahinbrauste, hat seine Macht an manchem, was nicht mehr ganz niet= und nageliest war. ausgelassen. Dachziegel, Zaunlatten, Planken und Baumäste, die aus den Wegen. Straßen. Höfen und Gärten lagen, zeugten von seiner Wucht. Auch die Olymvia=Fahne, die mit Beginn der Olymvischen Sviele in Berlin vor unserem Rathaus vom mittleren der drei dort stehenden Fahnenmaste gehißt wurde, hat bereits zweimal daran glauben müssen. Zweimal hat sie die Macht des Sturmwindes, die sich auf der Höhe dort besonders auswirken kann, schon losgerissen. Jetzt glaubt man sie aber so dauerhaft angebracht zu haben, daß sie allen weiteren Anstürmen trotzen und bis zur Beendigung der Olymvischen Spiele aushalten kann. Uebrigens glauben einige Volksgenossen in Castrov=Rauxel, sich nur bei gutem Wetter an der allgemeinen Beflaggung anläßlich der Olymvischen Spiele beteiligen zu sollen. Wenn es regnet. oder wenn das„Mailüsterl weht", ziehen sie ihre mehr oder minder große und stattliche Fahne ein. So entstehen dann, da gewöhnlich auch noch Nachbarn dem unschönen Beisviel folgen, in der heimischen Via triumphalis häßliche Lücken, die namentlich auch die Fremden, die unsere Stadt besuchen, unangenehm berühren. Also. Fahnen hängen lassen! Trotz Regen und Sturmgebraus tun ja auch, wenn es der Wettergott so will. die Olympiakämpfer, zu deren Ehren wir flaggen, ihre Pflicht. Wer will noch zu den Olympischen Spielen nach Berlin?Für den von der NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude" am 11. und 12. August gestarteten Sonderzug zu den Olymvischen Svielen nach Berlin können noch einige rasch Entschlossene Karten zum Preise von 12.80 RM. erhalten. In diesen Preis sind außer der Hin= und Rückfahrt eine Eintrittskarte zu einer Veranstaltung auf dem Reichssportfeld, zur Deutschland=Ausstellung und ein Mittagessen enthalten. Es können nur noch Anmeldungen berücksichtigt werden, die umgehend an das Kreisamt der NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude". Castrov= Rauxel 1, Viktoriastraße 10, gerichtet werden. Sensation am Rundfunk In diesen Taegn ist der Rundfunk so recht zum wichtigsten Gerät des ganzen Hauses geworden. Man betrachtet ihn fast ehrfürchtig. Denn dieser schöne polierte Kasten, für uns längst der getreue Vermittler aller wichtigen Ereignisse der Welt, läßt uns jetzt unmittelbar die größte Sportveranstaltung der ganzen Welt erleben. Welch Erlebnis war das. als zum ersten Male der ehrene Kampfruf der olymvischen Glocke durch den Aether herüberscholl. Da fühlte es jeder einzelne Deutsche auch im fensten Dörschen des deutschen Vaterlandes: der große Wettkampf der Nationen beginnt— und auch ich darf unmittelbar daran teilnehmen, dank der gewaltigsten technischen Erfindung unseres Jahrhunderts! Seit diesem Augenblick ist, wie gesagt, der Rundjunkapparat Mittelpunkt des ganzen Hauses. Wer irgend die Möglichkeit dazu hat, läßt sich keine einzige Uebertragung der großen Wettkämpfe entgehen und folgt mit atemloser Spannung dem lebendigen Bericht des Rundsunk=Revorters. Da sehen wir sie im Geiste um die Aschenbahn lausen, die besten Sportler aller Länder, sehen sie im Hoch= und Weitsprung, sehen Speere fliegen und folgen hingerissen den Fußball= und Hockeykämpfen. Jeden Tag etwas anderes. Und sogar die Abende sind erfüllt von den großen Erlebnissen, von Festspiel und den Veranstaltunegn auf der Dietrich=Eckart=Bühne. Viele wissen, daß jetzt Gatte. Vater oder Sohn oder Tochter in der Reichshauptstadt all das Große. das Herrliche erleben. Die Angehörigen der deutschen Sportler, sofern sie nicht selbst nach Berlin eilten, um dem Kampf des Sohnes oder der Tochter beizuwohnen, sitzen mit Herzklopsen vor dem Apparat und fühlen, daß sich jetzt Großes entscheidet Und alle anderen, die vielleicht wenigstens ein Familienmitglied nach Berlin entsandten, damit es an den Spielen als Zuschauer teilnehmen könne, wissen. daß für diesen ein eindrucksvolles Erlebnis damit verbunden sein wird, das sie im Leben nicht wieder vergessen. Zugleich aber erfüllt uns die Freude darüber: keiner ist ausgeschlossen. Der Rundsunk umspannt die Welt. Er gibt auch dem Aermsten die Möglichkeit, dabei zu sein und den großen Wettkampf. der die Welt mit Stolz und Freude erfüllt, selbst mitzuerleben. Manchmal, wenn der Apparat schweigt, streichen wir mit der Hand wie ehrfürchtig über ihn hin. über den treuen Freund, der auch den Einsamsten. Fernsten teilnehmen läßt an der großen Gemeinschaft des Volkes, an allem Erleben, das deutsche Menschen erfüllt. Spielt nicht mit Feuer! Bei den jetzigen Wanderungen mehren sich wieder die vieljach durch Unachtsamleit, wie achtloses Wegwersen von noch brennenden Zigarren= oder Zigarettenstummeln sowie glimmender Streichhölzer, hervorgerufenen Waldbrände. Nicht allein, daß hierdurch große Volksvermögenswerte verloren gehen. es macht sich der Brandstifter auch strafbar und er kann zur Ersatzleistung herangezogen werden. Es wird daher dringend davor gewarnt. in Wäldern und in gefährlicher Nähe derselben Feuer anzuzünden oder zu rauchen. Nummernschilder in Ordnung halten! Eine Mahnung an die Kraftfahrer! Eine Ueberprüfung des Verkehrs hat ergeben, daß ein erheblicher Teil der polizeilichen Kennzeichen (Nummernschilder) an den Kraftjahrzeugen sich in einem schlechten Zustande befinden. Es handelt sich hier um verbeulte. verrostete, stark gedunkelte. vergilbte und beschmutzte Kennzeichen. Beschmutzte Kennzeichen sind sofort zu reinigen, und der einwandfreie Zustand dieser Kennzeichen ist fortlausend vom Fahrer zu überprüfen. Wer fährt mit zum Rhein? Die KdF.=Fahrer Castrov=Rauxels freuen sich schon auf die Sonderfahrt der Kreise Castrop=Rauxel. Herne und Wanne=Eickel nach Godesberg und Koblenz. Da ist zunächst der erste Zug. der als Wochenendzug eine zweitägige Fahrt vermittelt, die von Samstag. dem 15. bis Sonntag. dem 16. August. dauert. Die Abfahrt erfolgt etwa in der Zeit von 14 bis 15 Uhr am Samstag, dem 15. August. Je nach dem Belieben und Geldbeutel ergibt diese Fahrt verschiedene Möglichkeiten. Die Fahrt bis Godesberg und zurück kostet mit dem KdF.=Sonder= zug nur.50 Mark, eine billige Gelegenheit für alle Volksgenossen, die in dieser Gegend Verwandte haben. Mit Uebernachtung und Frühstück beträgt der Preis 6 Mark. Wer außerdem noch an der am Sonntag nachmittag startenden Rheinfahrt Godesberg—Koblenz hin und zurück auf einem großen Rheindampfer teilnehmen will und ein Mittagessen an Bord einzunehmen gedenkt, wo bei Musik und Tanz die Fahrzeit durch fröhliche Unterhaltung ausgefüllt ist, muß.60 Mark anlegen. In Koblenz sind übrigens 4 bis 5 Stunden Aufenthalt zur Besichtigung des Deutschen Eck. der Festung Ehrenbreitstein und der vielen anderen Sehenswürdigkeiten dieser schönen historischen Stadt am Rhein. Sie haben Samstag noch keine Zeit? Dann ist die Möglichkeit gegeben, die Fahrt für den gleichen Grundjahrvreis von.50 Mark erst Sonntag früh um 6 Uhr anzutreten. Wer neben der Fahrt bis Godesberg und zurück sich an der vorerwähnten Dampferfahrt beteiligen will, muß statt.50 schon .70 Mark anlegen, hat dafür aber ein eindrucksvolles Erlebnis und bekommt an Bord ein gutes Mittagessen. Die Rückfahrt beider Züge ab Godesberg erfolgt Sonntag gegen 20 bis 21 Uhr. Genaue Fahrzeiten werden bei Abgabe der Fahrkarte angegeben. Der Rhein und das fröhliche Völkchen, das an seinen Ufern wohnt, die reizvollen Bilder der Städte und Burgen, die an uns vorüberziehen. rheinischer Wein und rheinischer Frohsinn versprechen einen Tag voller Sonne und Lebensfreude, den sich niemand entgehen lassen sollte. Alle Fahrtteilnehmer, besonders die Teilnehmer der Wochenendfahrt, für die noch Quartiere besorgt werden müssen. werden gebeten, sich umgehend zu melden und dabei anzugeben an welcher Fahrt und mit welchem Programm sie sich beteiligen wollen. Bestellungen werden gegen sofortige Zahlung entgegengenommen: Geschäftsstelle„Kraft durch Freude", Viktoriastraße 10, Verkehrsverein und Geschäftsstellen der Ortsgruppen der DAF., sowie bei den Betriebswarten der DAF. Castrop-Kauxeler Jugend fährt zur Erholung nach Schlesien Ferien, eine herrliche Zeit für unsere Jugend! Das konnten wir am Montag abend wieder feststellen, als ein Ferientransvort erholungsbedürftiger Kinder durch die NSV. im Rahmen der Kinderlandverschickung nach Schlesien abfuhr. Hier kann man wirklich vom Sozialismus der Tat reden, denn durch die einzig in der Welt dastehende Wohlfahrtsorganisation der NSV. ist es auch unserer ärmeren Jugend ermöglicht, ihre Ferien auf dem Lande, in gesunder Luft und Sonne, zu verbringen. Denken wir doch einmal einige Jahre zurück, da war unsere Stadtiugend. wenn die finanzielle Lage im Elternhaus es nicht gestattete, gezwungen, auch ihre Ferien zwischen dem Häusermeer und Fabrikschloten zu verbringen. Wieviel anders ist es doch heute im Staate Adolf Hitlers, im Staate der Volksgemeinschaft! Durch die Erholungsfreivlatzspende und die Verwandtenkinderverschickung der RSV. ist jedem Stadrkind die Möglichkeit gegeben, in irgend einem schönen Fleckchen unseres deutschen Vaterlandes seine Ferien zu verbringen. Aus unserem Industriekreis Herne—Castrov=Rauxel allein sind bis jetzt schon mehrere tausend Kinder in 20 Transvorten in die verschiedensten Gegenden Deutschlands verschickt worden. und tagtäglich verlassen neue Transvorte unsere Stadt. Achtung! Grundstücksbesitzer! Es liegt Veranlassung vor. darauf hinzuweisen, daß die Grundstücksbesitzer gehalten sind, durch Sturm oder andere Einflüsse gelöste Draht= und Stacheldrahtzäune alsbald wieder sachgemäß besestigen zu lassen. Wenn Vorübergehende durch nicht ordnungsmäßig instandgehaltene Drahtzäune zu Schaden kommen, kann der Grundstücksbesitzer von ihnen haftbar gemacht werden. Bachböschung wird wieder hergestellt Eine häßliche Stelle in unserem Straßenbilde verschwindet jetzt. Im Frühling hatten starke Wassermassen, die nach einem Platzregen das Bachbett durchbrausten, die Zementböschung an der Ecke Schlageter= und Glückauf=Straße unterwaschen, so daß das Hochwasser dicke Betonklötze herausreißen konnte, die seit dem im Bachbette liegen und den Abfluß des Wassers behindern. Wie wir nun von zuständiger Seite erfahren, sind die erforderlichen Arbeiten bereits vergeben, so daß mit der Aufräumung und der Wiederherstellung der beschädigten Ecke, die auf die zahlreichen Spaziergänger, die dort vorüberkommen, einen häßlichen Eindruck machte, in den nächsten Tagen begonnen Heist den Frachtlingen aus Spanien! Die Reichsvressestelle der NSDAP. veröffentlicht folgenden Aufruf: „Durch den blutigen Bürgerkrieg in Spanien sind Tausende von deutschen Volksgenossen gezwungen, fluchtartig ihr Gastland zu verlassen. Mehr als 3000 Deutsche sind schon unter dem Schutz unserer Kriegsschisse auf reichs deutsche und italienische Dampfer gebracht worden und befinden sich auf dem Wege in die Heimat. Fast täglich lausen in der Hauptstadt der Bewegung Sonderzüge mit Flüchtlingen ein. Das nationalsozialistische Deutschland bereitet diesen unglücklichen Volksgenossen einen herzlichen Empfang. Es gilt, viel unverschuldete Not zu lindern. Der Hilfsausschuß für Spaniendeutsche unter der Leitung von Gauleiter Bohle der Auslandsorganisation der NSDAP. hat die ehrenvolle Aufgabe übernommen, die Flüchtlinge zu betreuen. Es ist noch nicht abzusehen, wie viele Deutsche gezwungen sein werden, das Land zu verlassen, in dem so viele von ihnen schon seit Jahrzehnten im Interesse beider Länder gewirkt haben. Deutsche Volksgenossen! Helft unseren Brüdern in ihrer Not! Spendet für unsere Flüchtlinge aus Spanien! Spenden sind zu richten an den Hilfsausschuß für Spaniendeutsche in der Leitung der Auslandsorganisation der NSDAP., Berlin W 35, Tiergartenstraße 4a: Konto: Berliner Stadtbank, Girokonto 2400, Hilfsausschuß für Spaniendeutsche. Außerdem nehmen sämtliche Spar= und Girokassen Zahlungen entgegen.“ In den Dienst der Spendensammlung hat sich auch die Städt. Sparkasse in Castrov=Rauxel gestellt, die jederzeit Spenden entgegennimmt. Auch bei der Geschäftsstelle des„Stadtanzeiger für Castrov=Rauxel und Umgebung“ werden jederzeit Spenden entgegengenommen und an die zuständige Stelle weitergeleitet. Das Kols deredz raft auf! Der 9. August im Zeichen der Wicke, der Blume des zweiten Rotkreuztages Zweiter Sammeltag am 9. August Die Sammlung des Deutschen Roten Kreuzes am 13. und 14. Juni 1936 ist unter außerordentlichen Umständen erfolgt, sammelten doch an diesem Tage nicht weniger als fünf verschiedene Organisationen. Es war dem einzelnen nicht möglich, für jede Organisation zu spenden. Das Sammelergebnis ist daher weit hinter den gehegten Erwartungen zurückgeblieben. Die aufgebrachten Mittel reichen bei weitem nicht aus, um die lebensnotwendigen Aufgaben, die dem Roten Kreuz gestellt sind, zu erfüllen. In Anerkennung der Verdienste, die das Deutsche Rote Kreuz in stiller Arbeit der Volksgemeinschaft im nationalsozialistischen Staat geleistet hat und im Hinblick auf die großen Aufgaben, die es in Zukunft noch zu erfüllen hat, hat der Herr Reichsund Preußische Minister des Innern die Genehmigung zu einer neuen Sammlung am Sonntag. dem 9. August 1936, erteilt. Die Durchführung eines zweiten Sammeltages ist mehr denn je erforderlich. Neue. schwere und ernste Aufgaben harren des Deutschen Roten Kreuzes. Nicht nur. daß es die erste Hilfe bei Unglücksfällen. Katastrophen und dergl. leistet, auch bei den gewaltigen Aufmärschen der Bewegung, bei sportlichen. Volks= und sonstigen Veranstaltungen stehen die Sanitätskolonnen und Samariterinnen in Bereitschaft in uneigennütziger Weise zu helsen. Zu der ursprünglichsten Aufgabe. der Vorbereitung von Sanitätseinrichtungen zur Pflege der Verwundeten und Kranken im Kriegsfalle und der Ausbildung und Bereitstellung des erforderlichen Personals. ist eine neue, wichtige Aufgabe getreten: die Vorbereitung des Sanitätsdienstes im Gas= und Luftschutz. Der Sanitätsmann. die Samariterin, müssen in ständigen Kursen geschult, neue Einrichtungen und Ausrüstungsgegenstände beschafft. die vorhandenen in Ordnung gehalten werden. Alle diese Vorbereitungen, die für die gesamte Nation. für die Volksgemeinschaft, alss auch für Dich getroffen werden. verschlingen gewaltige Mittel. Diese Mittel auszubringen. ist aber Sache des gesamten Volkes. Wenn daher am 9. August an Dich der Ruf ergeht. zu spenden, so denke daran, daß Du mit Deiner Spende nicht nur dem gesamten Volke. Deinen Volksgenossen, sondern auch Dir. Deiner Familie, Deinem Kinde hilfst. Schmücke auch Du Dich am 9. August mit der Wicke. der Blume des Rotkreuztages. Gebe jeder nach seinen Kräiten. Helft helfen! Neuregelung der Jagdverhältnisse Fünf gemeinschaftliche Jagdbezirke gebildet Die seit mehreren Jahren angestrebte Neuregelung der Jagdverhältnisse in unserer Stadt hat, wie der Verwaltungsbericht des Jahres 1934 ausweist, durch die am 24. Juli des Berichtsjahres erfolgte Jagdverpachtung einen zufriedensteenden Abschluß gefunden. Die Bearbeitung der Jagdsachen ist bei der Stadtverwaltung dem Stadtamt 11. Stadtinspektor Hennig, übertragen. In Uebereinkunft mit Kreisjägermeister Fohr=Bochum sind fünf gemeinschaftliche Jagdbezirke neu gebildet worden. Weiter sind den bestehenden Eigen=Jagdbezirken durch Verbesserung der Grenzverhältnisse Flächen zugeschlagen worden. Nach dem Stande vom 1. August 1934 bestehen in Castrov=Rauxel folgende fünf gemeinschaftliche Jagdbezirke: Castrop=Rauxel 1 Nordwest: Pächter Bauer Emil Heiermann: Castrop=Rauxel 2 Nord: Pächter Bauunternehmer Artur Vogt: Castrov=Rauxel 3 Ost: Pächter Dr. med. Isbruch: Castrov=Rauxel 4 Südost: Pächter Bauer Wilhelm Vierhaus=Frohlinde: Castrov=Rauxel 5 West: Pächter Uhrmacher Karl Blankschar. Die Pachtverträge wurden sämtlich, auch hinsichtlich der den Eigenbezirken zugeschlagenen Flächen. auf 9 Jahre 8 Monate abgeschlossen. Die Neuregelung der Jagdverhältnisse machte es erforderlich, daß nicht nur neue Jagdkataster, sondern auch neue Jagdkarten angelegt werden mußten. Die dadurch entstandenen Kosten wurden entsprechend den Größenverhältnissen der einzelnen Bezirke anteilmäßig auf die Bezirke verteilt. kingschießen ehem. deutscher Unteroffiziere Unter starker Beteiligung der benachbatten Kameradschaften sand am vergangenen Sonntagnachmittag in Wattenscheid das Ringschießen ehem. Unteroffizere um die verschiedenen Ehrenvreise und um den Wandervreis des Ringes statt. Es waren vertreten die Kameradschaften Bochum, GelsenkirchenBuer. Herne. Dortmund. Essen=Kray, Essen, Wattenscheid. Castrov=Raurel Schwerte. Bottrop, Recklinghausen. Recklinghausen=Süd und Gladbeck. Geschlossen marschierten die Kameradschaften unter Mitführung der Fahnen zum Schießstand, wo der stellv. Ringführer. Kamerad Frick=Kray, das Schießen mit dem Schuß zu Ehren des Führers eröffnete. Gleich setzte ein lebhafter Kampf ein, der zeigte, daß die ehemaligen Unteroffiziere auch heute noch mit der Wafie umzugehen wissen. Während des Schießene war für die Kameradenfrauen ein Spaziergang veranstaltet worden, der ihnen die Schönheiten Wattenscheids vor Augen führte. Die Preisverteilung erfolgte am Spätabend im Saale Recke. Der Marsch der Jugend zum Reichsparteitag Auch westfälische Hitler=Jungen beim Adolf=Hitler=Marsch Aus allen Gebieten Deutschlands werden in diesem Jahr wieder Hitler=Jungen mit ihren Bannjahnen nach Nürnberg zum Reichsparteitag marschieren. 1600 Mann werden mit 380 Bannfahnen zum Marsch antreten. In Tagesmärschen von 20 bis 25 Klm. wird die Strecke zurückgelegt werden. Sämtliche Marschteilnehmer treifen am 7. September in Fürth ein. Der Weg aller Marscheinheiten beträgt insgesamt 9450 Klm., die in 560 Tagesmärschen zurückgelegt werden. Die Marscheinheit des Gebietes Westfalen hat einen Weg von 509 Klm. in 25 Marschtagen zurückzulegen. An jedem zweiten Tage ist Ruhe und Zeit für Besichtigungen. Sport und Spiele. Zwei Feldschere und ein Arzt übernehmen die sanitäre Betreuung, während ein Koch mit Feldküche und der dazugehörigen Bagage für die Verpflegung zu sorgen hat. Seinen besonderen Sinn erhält der Adolf=Hitler= Marsch durch die versönliche Berührung und durch den Austausch der aus einem fremden Gebiet stammenden Abordnung mit den Gastgebern auf der Durchmarschstrecke. Durch die Einschaltung von Ruhetagen wird neben der Möglichkeit der Erholung vor allem Gelegenheit zu gemeinsamen, mit der örtlichen H3. durchzuführenden Heimabenden gegeben. die das Erlebnis einer sich über das ganze Reich erstreckenden Kameradschaft vermitteln werden. Der Austausch des landschaftlich gebundenen Liedgutes wird besonders dazu beitragen. Auch an Dorfgemeinschaftsabenden werden die Gruppen mitwirken. Die 1600 Hitleriungen werden durch den Adolf=Hitler=Marsch nicht nur selbst ein wertvolles Erlebnis erfahren, werden nicht nur durch all das, was sie kennen lernen, geschult, sondern tragen auch dazu bei, daß der Adolf=Hitler=Marsch den Süden und den Norden des Reiches, die Ostvreußen und die Sachsen und Rheinländer miteinander enger verbinden. Diese Durchauerung Deutschlands soll aber auch ein Leistungsmarsch sein. Jeder Teilnehmer soll nicht nur während des Marsches die Prüfungen für das HJ.=Leistungsabzeichen ablegen, sondern er soll darüber hinaus beweisen, daß er Anstrengungen und Verantwortung auf sich nehmen kann wie der Großteil seiner Kameraden. Er soll verzichten können auf die vielen kleinen Annehmlichkeiten eines bürgerlichen Lebens. Ein jeder hat zu beweisen. daß er Führerqualitäten besitzt, und daß er seinen ihm später anvertrauten Kameraden Vorbild sein kann. Am 7. August wird die Marscheinheit des Gebietes Westsalen von Dortmund abrücken. Im Sammellager in Nürnberg= Fürth werden alle Marscheinheiten am 7. September eingetroffen sein. Hier wird dann eine große. gemeinsame Feierstunde stattfinden. Am anderen Morgen stehen sie vor dem Reichsjugendführer zum Appell angetreten, um anschließend beim Klang aller Nürnberger Glocken als erste Abordnung aus allen deutschen Gauen ihre Symbole in die Stadt der Reichsparteitage zu tragen. Verkehrsunfall 10 Jahre Schützenbezirk Industriegebiet Anwachsen des Schützenwesens in der westfälischen Schützenlandschaft Krieg und Besatzungszeit hatten das Schützenwesen im westfälischen Industriebezirk ganz erheblich zurückgedrängt. Im Jahre 1926 traten in Dortmund erprobte Schützenbrüder zusammen und beschlossen, das Schützenwesen im westfälischen Industriebezirk wieder aufzubauen zu einer Pflegestätte des Schießsvortes und zum Sammelplatz echten Bürgersinnes in einem Schützengau Westfalen=West. Ein Aufruf hatte den Erfolg, daß sich 9 Schützenvereine mit 845 Mitgliedern zu diesem Gau zusammenschlossen, der später als Schützenbeizrk Industriegebiet auch dem Westfälischen Schützenbund angehört. Im Jahre 1927 zählte der Bezirk schon 17 Schützenvereine und im Jahre 1930 35. Einen starken Aufstieg nahm das Schützenwesen im Schützenbezirk Industriegebiet nach der Machtübernahme der nationalsozialistischen Bewegung. die auch dem Schützenwesen eine mehr einheitlichere Organisation brachte. So zählte der Schützenbezirk Industriegebiet im Jahre 1934 78 Schützenvereine und im folgenden Jahre 111. während er im lausenden Jahre bereits 124 Schützenvereine mit 15 486 Schützen und 767 Jungschützen zählt. Der Schützenbezirk Industriegebiet zerfällt in 11 Schützentreise: Dortmund mit 27 Schützenvereinen, Gelsenkirchen(23), Bochum(17), WanneEickel(). Hattingen(). Hamm(16). Herne(), Castrov=Raurel(). Soest=Lippstadt(), Unna(4) und Bottroo mit 9 Schützenvereinen. Die an Mitgliedern stärtsten Schützenkreise sind Dortmund mit 3478 Schützen. Bochum mit 3115. Gelsenkirchen 2171, Hamm 1751 und Wanne mit 1700 Schüten. Am 2. August wurde eine Hausgehilfin im Alter von 15 Jahren auf der Vinckestraße von einem Motorradfahrer angefahren und im Rücken leicht verletzt. Die Fundpolizei meldet: Geldbörse mit Inhalt gesunden! Eigentumsansprüche sind binnen Jahresfrist bei der Stadtpolizeibehörde. Kirchplatz 3. geltend zu machen. 1 Schäferhund zugelaufen! Falls Eigentumsansprüche nicht geltend gemacht werden, findet Versteigerung am Freitag. dem August 1936, vormittags 10 Uhr, im Stadtvolizeibüro. Kirchplatz 3, statt. Oix-Telegramme Die Deutsche Reichspost hat aus Anlaß der diesjährigen Olymvischen Sviele für den inneren deutschen Verkehr und für den Verkehr mit der Freien Stadt Danzig ein besonderes verbilligtes Schmuckblatt=Telegramm(Olx) eingeführt, das in der Zeit vom 20. Juli bis 22. August zum Austausch von Grüßen, Glückwünschen usw. mit Olympiadeteilnehmern und Gästen und auch zu versönlichen Mitteilungen zwischen beliebigen anderen Personen benutzt werden kann. Durch ein solches Telegramm kann man Bekannten. Verwandten oder Freunden ohne große Kosten eine Freude machen. Da die Olympischen Spiele voraussichtlich erst nach Jahrzehnten wieder einmal in Deutschland stattfinden, werden die Olx=Telegramme später ein seltenes Sammelstück sein. Die Gebühr für ein Telegramm dieser Art mit 10 Wörtern beträgt nur 1 RM., während ein anderes Schmuckblatt=Telegramm mit gleicher Wortzahl.50 RM. kostet. Für jedes weitere Wort werden nur 5(sonst 15) Ros. erhoben. Schafft Werkbüchereien! Eine Aufgabe für die Betriebsgemeinschaften Nur in einem kleinen Teil unserer deutschen Betriebe ist es bisher durch Unterstützung und Beihilfe des Betriebsführers oder durch Tatkraft und Opferwillen der Gefolgschaft möglich gewesen, für den Betrieb eine Werkbücherei zu schaffen. Dies ist um so bedauerlicher, weil gerade das gute deutsche Buch Förderer und Mittler echt deutscher Geistesart. geschichtlichen und nationalsozialistischen Gedankengutes ist. Obwohl seit der Machtübernahme die Leserziffern der deutschen Bücher ständig steigen, bleibt dennoch zur Förderung des deutschen Schrifttums eine Menge Arbeit übrig. Stadt=, Volks=, Leih= und Privatbüchereien reichen vielfach noch nicht aus, um dem großen Lese= und Bildungsbedürfnis genügen zu können. Andererseits ist der Gefolgsmann mancher Industriegruppen, vielleicht infolge Kurzarbeit, materiell nicht so gestellt, daß er eine hohe Leihgebühr bezahlen oder gar selbst die notwendigen Bücher erwerben kann. Auch in diesem Falle hat die Gemeinschaftsarbeit zum Wohle des Ganzen einzusetzen. Es soll keinen Betrieb in Deutschland mehr geben, in dem nicht Betriebsführer und Gefolgschaftsmann gemeinsam an die Schaffung einer guten Werkbücherei herangehen. Ist erst einmal der Anfang gemacht, dann wird es eine stete Freude für jeden einzelnen Angehörigen der Betriebsgemeinschaft sein, zu sehen, wie sich durch gemeinsame Arbeit die Bücherei des Werkes immer mehr vergrößert. Manche Betriebsführung wird wohl von sich aus— ohne Belastung der Gefolgschaftsmitglieder— eine Werkbücherei herstellen können. Wo dieser Weg aus wirtschaftlichen Gründen nicht gangbar ist, soll wenigstens— um einen Grundstock zu haben— ein Teil der Bücher vom Werk beschafft werden. Bei Jahresabschlüssen. Betriebsiubiläen oder sonstigen wichtigen betrieblichen Ereignissen wäre das Schenken oder Stiften von Büchern für die Werkbücherei eine dankenswerte Tat des verantwortlichen Betriebsführers. Ist erst einmal die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Schaffung einer Werkbücherei jedem Betriebsangehörigen klar, dann wird sich immer ein Weg zur Förderung dieses ideellen Zieles der Allgemeinund Weiterbildung finden. Durch die Gemeinschaftstat aller Betriebsangehörigen muß sich in den nächsten Jahren erreichen lassen, daß mindestens kein größerer deutscher Betrieb ohne eine gute, reichhaltige Werkbücherei dasteht. Leistung. Kraft und Macht des deutschen Volkes hängen von seinem Können und Wissen ab. und daher wird es eine stete Forderung sein. dieser Erkenntnis durch Einrichtung von Werkbüchereien in den Betrieben Rechnung zu tragen. Wandrer, schone Wald und Flur, Heilig sei dir die Natur Halte Weg und Plätze rein. Laß das Spiel mit Feuer sein Nr. 211 Drittes slatt des„Stadtanzeigers für Castrov=Rauxel und Umgebung“ Donnerstag, den 6. August 1936 ichsparteitag ingen esch werden in dieihren Bannarteitag mar80 Bannfahnen ärschen von 20 kgelegt werden. am 7. SeptemMarscheinheiten 560 Tagesmärrscheinheit des von 509 Klm. i jedem zweiten igungen. Sport 1 Arzt übernehd ein Koch mit Zagage für die er Adolf=Hitler= rung und durch en Gebiet stambern auf der tung von Ruher Erholung vor nit der örtlichen gegeben. die ganze Reich erwerden. 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Der Ehrenbrief der Arbeit der Industrie= und Handelskammer wurde im Monat Juli an folgende Gefolgschaftsmitglieder verliehen: für 45jährige Dienstzeit: Wilhelm Neumann, bei der Firma Wencker u. Berninghaus. Maschinenfabrik u. Eisengießerei. Dortmund. Für 40jährige Dienstzeit: Anton Schröder. Robert Scheevers, bei der Firma August Klönne. Dortmund. Für 35jährige Dienstzeit: Wilhelm Dinstühler, bei der Firma Wencker u. Berninghaus. Maschinenfabrik u. EisenDortmund. Für 25jährige Dienstzeit: Emil Eduard LesFirma August bei der Firma liale Dortmund: Wencer u. BerLünen. Der Weiß von der gießerei. Neuhaus. Gustav Lenuweit sing, Julius Becker, bei der Klönne. Dortmund: Otto Fedler I. Adler jun., Frankfurt a.., Fil Ernst Neumann, bei der Firma ninghaus, Maschinenfabrik u. Eisengießerei. Dortmund: Julius Korth. bei der Firma Schüchtermann u. Kremer=Baum,.=G. für Aufbereitung. Dortmund: Karl Timpe, bei der Firma Hüttenwerke C. Wilh. Kayser u. Co., Niederschöneweide. .=., Werk Lünen=Livve. Tragischer Unglücksfall eines Polizeibeamten Polizei=Hauptwachtmeister Richard Ge neindevolizeiverwaltung Lünen kam auf tragische Weise ums Leben. Beim Reinigen seiner Dienstvistole löste sich ein Schuß. der ihn so unglücklich traf, daß er schwerverletzt wurde und ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Leider war sein Leben nicht mehr zu retten, so daß er am Dienstag, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verstarb. Ein Brand auf der Gaveg Nur geringer Sachschaden Herne. Am Dienstag in den späten Abendstunden wurde die Herner Bevölkerung durch ein eigenartiges lautes Geräusch erschreckt, dem ein langanhaltendes starkes Zischen folgte. Zu gleicher Zeit zeigte sich starke Rauchentwicklung, die auf ein Unglück schließen ließ. Die Stätte dieses Unjalls war die Gevag in Holsterhausen, wohin trotz der späten Abendstunde noch große Menschenmassen strömten. Auch die Feuerwehren aus den umliegenden Revieren sowie die Polizei aus Herne und Wanne=Eickel waren kurze Zeit nach dem Auftreten der Schaden an der Unfallstelle. Der Unfall erwies sich glücklicherweise als geringfügiger, als man zunächst hatte annehmen müssen. In der Ammoniaksynthese war durch Defektwerden eines Rohres ein Brand entstanden. Die ausströmenden Gase verursachten eine hohe Stichslamme. Der Brand konnte jedoch nach kurzer Zeit durch die Werksfeuerwehr gelöscht werden. Die übrigen Wehren und die Polizei brauchten nicht einzugreifen. Personen sind bei dem Unfall nicht zu Schaden gekommen, der Sachschaden ist gering und der Fortgang des Betriebes erlitt seine Störung. Beim Anheizen eines Ofens schwer verbrannt Bochum. Der an der Goystraße im Stadtteil Altenbochum wohnende alte Invalide Bl. wollte in der Waschküche den Ofen anzünden. Dabei kam sein Anzug mit der Flamme in Berührung, und im Nu stand der Mann in hellen Flammen. Auf sein Hilfegeschrei kam zwar Hilfe herbei. Aber er hatte doch. tortzdem man das Feuer mit Säcken und Decken erstickte, so schwere Brandwunden erlitten, daß man ihn in bedenklichem Zustande ins Krankenhaus bringen mußte. koggen vom halm gestohlen Sinsen=Hüls. In der Nacht zum Samstag wurden einem Landwirt aus Sinsen von 48 im Felde aufgestellten Roggenstiegen die Aehren abgeschnitten und gestohlen. Im ganzen sind etwa—7 Zentner Roggenähren entwendet worden. Von den Dieben fehlt bisher noch jede Spur.— In den letzten jünf Tagen wurden einem Landwirt in der Bauerschaft Bockum bei Datteln von den auf dem Felde in Stiegen aufgestellten Roggengarben die Aehren abgeschnitten und gestohlen. Den Dieben sielen etwa 5 Zentner Roggen in die Hände. Tödlicher Sturz von der Kellertreppe Gladbeck. In einem an der Kirchhellener Straße, gelegenen Haus stürzte eine 74jährige Frau die neunstusige Treppe in den Keller hinab, zog sich dadurch einen schweren Schädelbruch zu, und zwei Stunden später verstarb die Frau. Betrügerische Baugenossenschaft Gelsenkirchen. Vor einiger Zeit ist auf der Kaiserstraße in Gelsenkirchen, eine Baugenossenschaft „Eigene Scholle“ gegründet worden. Eine behördliche Genehmigung zu diesem Unternehmen lag nicht vor. Auf Grund einer Anzeige wurde die Krimistalvolizei auf diese Gesellschaft aufmerksam und stahm sie näher unter die Luve. Nach den getroffenen Feststellungen handelt es sich um ein betrügerisches Unternehmen. Fast der gesamte Vorstand der„Eigene Scholle" bestand aus wegen Betruges vorbestraften Leuten. Insbesondere hat der Leiter der Baugenossenschaft erhebliche Vorstrasen auf dem Kerbholz. Das Büro wurde von der Kriminalpolisei gründlich durchsucht und es konnte Beweismatekial für das zweiselhafte Unternehmen beschlagkahmt werden. Der Leiter der Genossenschaft wurde setgenommen und dem Amtsgericht vorgeführt. Dieses hat Haftbesehl gegen ihn erlassen. Auf Grund des Beweismaterials wurde festgestellt, daß sich schon Baulustige gemeldet hatten. Es bedarf lediglich noch der Feststellung, inwieweit diese um ihre eingezahlten Beträge betrogen worden sind. Die volizeilichen Ermittelungen werden noch eifrig fortgesetzt. Etwaige Geschädigte werden gebeten, sich sofort bei der Kriminalvolizei in Gelsenkirchen, Zimmer 59, zu melden. „Westfronk 1936“ am 22. August Essen. Da der ursprünglich vorgesehene Eröffnungstermin der großen Essener Kunstausstellung „Westfront 1936“ mit der olymvischen Siegerehrung in Berlin zusammenfällt und daher zahlreiche führende Persönlichkeiten, die zur Ausstellungseröffnung eingeladen sind, an diesem Tage nicht erscheinen können, hat sich die Ausstellungsleitung entschlossen. die Schau um acht Tage zu verlegen. Die Eröffnung ist nunmehr endgültig auf Sonnabend. llung wird dieser Verschiebuha ensiprechend bis zum 11. Oktober verlängert. Ausgebesserte Uhren kamen ins Pfandhaus Duisburg. Ein ungeheures Durcheinander deckte die Kriminalvolizei auf. als gegen den Oberhausener Emil Jockusch Anzeige wegen Betruges erstattet wurde. Er revarierte Uhren und über Mangel an Arbeit hatte er sich kaum zu beklagen. Doch wenn die revarierten Uhren abgeholt werden sollten. wurde die Kundschaft von Woche zu Woche hingehalten und vertröstet mit dem Bemerken, sie seien zur Beschaffung von Ersatzteilen zur Fabrik geschickt worden. Die treibende Kraft bei diesem Handwerk war die Frau Jockusch, die die Uhren nach der Revaratur ins nächste Pfandhaus brachte und dort versetzt hatte, um mit dem Erlös die Haushaltungsschulden zu bezahlen. Auch in Mülheim und Oberhausen versetzte die Frau die Uhren, deren Gesamtzahl auf mehrere hundert Stück geschätzt wird. Die Große Strafkammer verurteilte die Frau zu 2 Jahren einem Monat Gejängnis: der Ehemann erhielt ein Jahr 6 Monate und außerdem wurde ihm die Berufsausübung auf die Dauer von 3 Jahren verboten. Aus dem Sauerland Todesfahrt eines Ehepaares Die Kurve zu rasch durchfahren Hagen. Auf der Hagener Straße zwischen der Ruhrbrücke bei Westhofen und Kabel in der Nähe des Gutes Lenndorf trug sich ein schwerer Verkehrsunfall zu, bei dem zwei Personen ums Leben kamen. Einem von Garenfeld nach Kabel fahrenden sonenkraftwagen kam aus entgegengesetzter Richtung mit ziemlich hoher Geschwindigkeit ein Motorradfahrer, der von einer Frau auf dem Sozius begleitet wurde, entgegen Der Motorradfahrer hatte eine Rechtskunde durchfahren und kam infolge der hohen Geschwindigkeit von seiner rechten Fahrseite vollständig auf die linke Fahrbahn ab. und zwar so weit. daß er auf den Sommerweg geriet. Der Führer des Kraftwagens, der vorschriftsmäßig rechts fuhr. versuchte seinen Wagen noch weiter nach rechts zu bringen. soweit es die am Straßenrande stehenden Telegraphenmasten und die Straßenböschung zuließen. Der Zusammenprall war jedoch nicht mehr zu verhindern Das Motorrad prallte gegen den Kühler, geriet unter den Kraftwagen und wurde zertrümmert. Die Frau auf dem Soziaussitz wurde zur Seite geschleudert und erlitt einen Schädelbruch, der ihren sofortigen Tod herbeiführte. Dem Motorradfahrer, der auf den Kühler flog. wurden beide Beine gebrochen. Er erlitt ferner schwere innere Verletzungen. Sein Tod trat obwohl die Sanitätsmannschaft Westhofens schnellstens zur Stelle war. eine Stunde nach dem Unfall ein. Jugendpflege. in Herbergen. Altersheimen und Siechenhäusern, im Kamtf gegen sittliche Volksschaden. in Laboratorien und Büchereien usw. Hierdurch wird ohne weiteres klar, wie viele Verwendungsmöglichkeiten für die verschiedensten Begabungen und Anlagen der Schwestern bestehen. Die tätige Mitarbeit der Mutterhäuser am Aufbruch und Umbruch des deutschen Volkes hat darin seinen sichtbaren Ausdruck gesunden, daß sich der Kaiserswerther Verband in den Ständeausbau des Dritten Reiches dadurch eingeschlossen hat, daß er mit seinen sämtlichen Mutterhäusern der„Fachschaft deutscher Schwestern“ beigetreten ist. Mit der im Oktober dieses Jahres bevorstehenden Hundertjahrseier geht die Mutterhausdiakonie mit größter Freudigleit an die alten und neuen Aufgaben, wie sie ihr durch die Lage in der evangelischen Kirche und im deutschen Volke gesetzt werden. Belt MKaltsterkatts Ein Führer des wests. Genossenschaftswesens gestorben Münster. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten im gewerblichen Genossenschaftswesen der Provinz Westfalen und weit darüber hinaus. Bankdirektor August Schlief, ist im Alter von fast 70 Jahren nach einem ungewöhnlich arbeitsreichen Leben einem Herzschlage erlegen. Mehr als dreißig Jahre war Schlief Direktor und Vorstandsmitglied der Westfälischen Genossenschaftsbank und gerade dadurch führend im gewerblichen westf. Genossenschaftswesen und 29 Jahre hindurch Direktor der Volksbank. bis ihn zunehmende Beschwerden des Alters. vor allem ein altes Herzleiden zwang. die Leitung der Volksbank niederzulegen. Schlief war unbedingter Verfechter und Vorkämpfer des Genossenschaftsgedankens und dadurch führend im westfälischen und deutschen gewerblichen Genossenschaftsleben. Als Mann von natürlicher Herzlichkeit und unbedingtem sozialen Empfinden, war er der Berater aller die sich an ihn wandten und der unbedingte Freund des Mittelstandes. Sein Name wird namentlich im westfälischen gewerblichen Genossenschaftswesen unvergeßlich sein. Oberbaurat Wolle Bezirksführer im Deutschen Kriegerbund Münster. Zum Bezirksführer des Deutschen Kriegerbundes(Kyffhäuser), zu dem die Kreisverbände Münster=Stadt und=Land. Beckum, Tecklenburg und Warendorf gehören, wurde Regierungsbaurat Wolle durch Erlaß des Bundesführers des genannten Bundes ernannt; gleichzeitig zum Kreisführer für Münster. Ein Bauer wird vermißl Burgsteinfurt. Der in der Bauerschaft Hollich wohnende Bauer Refigmann verabschiedete sich von seinen Angehörigen, um seinen in Hörstel wohnenden Sohn zu besuchen, ist dort jedoch nicht angekommen und wird seit fünf Tagen vermißt. Man kann es sich nicht anders denken, als daß ihm ein Unglück zugestoßen ist. Aus dem Weser- und Emsland Kreis Rinden fördert Zuckerrübenbau Minden. Die Bestrebungen der Kreisbauernschaft Minden haben dazu geführt, daß das Grundlieferungsrecht auf Zuckerrüben im Kreise Minden auf 60 000 Zentner erhöht wurde, so daß Rüben in diesem Ausmaß schon im kommenden Jahre zum Anbau gelangen. Für viele Betriebe besteht somit die Moglichkeit, die Zuckerrübe mit in die Fruchtfolge aufzunehmen. Bei der Verteilung der mehr anzubauenden Rüben sollen vor allen Dingen solche mittelund kleinbäuerlichen Betriebe berücksichtigt werden. die bisher keine Zuckerrüben anbauten, dann aber auch Betriebe, denen bislang ein zu geringes Grundlieferungsrecht zugestanden war. Für sie soll die Berechtigung so erweitert werden, daß sie in Zukunft eine volle Waggonladung Rüben anbauen können. Von besonderer Bedeutung ist hierbei, daß in diesem Jahre letztmalig die Möglichkeit besteht, ein neues Rübenlieferungs=Kontingent zu erhalten. 200„Pour-le-merike-Unteroffiziere“ trafen sich in Minden Minden. In Minden trafen sich die Kameraden aus Westfalen. Hannover. Hessen und Braunschweig. die im Kriege mit der höchsten Auszeichnung für Unteroffiziere und Mannschaften, dem Goldenen Militärverdienstkreuz, ausgezeichnet wurden. Von den rund tausend noch lebenden Inhabern dieses Pour le merite hatten sich zweihundert in Minden eingefunden. Daß die Bevölkerung gerade an diesem Treffen größten Anteil nahm, war eine Selbstverständlichkeit. Der Oberbefehlshaber des Heeres. Generaloberst Freiherr von Fritsch, und der Kommandierende General des 6. Armeekorps sowie der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Heß. ferner Gauleiter Dr. Meyer. die Adjutanten des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Oberstleutnant Ebeling und Vertreter von hohen Parteistellen hatten der Ordenskameradschaft ihre Grüße übermitteln lassen. Auf dem Kameradschaftsabend sprachen Vertreter der Wehrmacht, der Partei, der Stadt und des Deutschen Offiziersbundes. Als Reichsführer der Ordenskameradschaft antwortete Kam. FischerBerlin. An den Führer und Frontkameraden Adolf Hitler wurde ein Telegramm gesandt, in dem die Kameraden das Gelöbnis steter Gefolgschaftstreue erneuerten. Am Grabe des Pour le merite=Fliegers Wintgens auf dem Ehrenfriedhof in Minden wurden Kränze niedergelegt. Zum Feldgottesdienst auf der Adolf=Hitler=Kampfbahn waren von allen Mindener Truppenteilen Abordnungen aufmarschiert. Die Feier schloß mit einer eindrucksvollen Gefallenenehrung. Von der Transmission ködlich verletzt Büren. Auf dem Zement= und Kalkwerke Burania“ kam der 54jährige Müller Daniel Giese mit dem Rockzipfel der Transmission zu nahe, wurde erfaßt und durch Herumschleudern so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Einc Rodfahrerin stürzte in die Anger Ratirzen. Auf der Brückstraße fuhr eine Radfahrerin die abschüssige Strecke, die zur Anger führt, hinunter. Dabei verlor sie die Gewalt über ihr Rad. verfehlte die Fußgangerbrücke über die Anger und landete mit dem Fahrrad im Wasser. Die Radfahrerin erlitt so erhebliche Verletzungen, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. mil dem Brotmesser gegen den hauswirk Krefeld. Gelegentlich eines häuslichen Streits ging ein Mieter mit einem Brotmesser gegen den Hauswirt vor. Als er den Mann in den Rücken stach. brach das Messer ab. Mit dem abgebrochenen Ende stach der Wütende dann noch mehrmals heftig auf seinen Gegner ein, bis sich dieser zur Wehr setzte und dem Kampf dadurch ein Ende machte, daß er den Angreifer mit der Faust zu Boden schlug. Das Gericht hielt es für ein Glück sowohl für den Angeklagten als auch für den Verletzten, daß das Messer abgebrochen sei. Es erkannte auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und auf sofortige Verhaftung. Ein Düsseldorfer Aufo verunglück! Eine Tote, drei Schwerverletzte Bonn. In dem Vorort Endenich fuhr am Montagvormittag ein Düsseldorfer Kraftwagen infolge des regennassen Pflasters gegen einen Straßenbaum. Eine Frau wurde so schwer verletzt, daß sie bald darauf starb. Die drei übrigen Insassen mußten mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Ein belgischer Kraftwagen verunglückt Andernach. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände kam es auf der Fernverkehrsstraße 9 in Andernach zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein aus der Richtung Kobrenz kommender Personenkraftwagen hatte gerade einen anderen Wagen überholt, als ihm im gleichen Augenblick ein Laitwagen. dem zwei Autos in knappen Abständen folgten, entgegenkam Durch eine scharfe Rechtswendung beim Vorbeifahren an dem Lastwagen geriet der Personenwagen ins Schleudern, streifte das dem Lastwagen folgende Auto. drehte sich um die eigene 100 Zahre Malterhausbiallonie Kaiserswerth das Vorbild für über hun dert Multerhäuser in der ganzen Welt Düsseldorf. Der Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissen=Mutterhäuser hat soeben zur Feier der vor hundert Jahren erfolgten Gründung des Diakonissen=Mutterhauses in Düsseldorf=Kaiserswerth eine kleine, aber bedeutsame Schrift herausgegeben. die neben Grundsätzlichem und Geschichtlichem eine Uebersicht über die Arbeitsgebiete und mehrere fesselnde Einzelbilder aus mannigfachen Arbeitsfeldern darbietet. Nach dem von Lic. Dr. Gerhardt gegebenen Ueberblick über die Gesamtgeschichte der weiblichen Diakone eröffnete Theodor Fliedner in jenem bescheidenen Gartenhäuschen, das man die Wiege der weiblichen Diakone nennen darf, als erstes ein Asyl für entlassene weibliche Gesangene und gründete zwei Jahre später die erste Kleinkinderschule Deutschlands. Dann zog vor nunmehr 100 Jahren Gertrud Reichardt aus Ruhrort als„erste Diakonisse der Neuzeit“ in das als Krankenhaus eingerichtete Stammhaus ein, das heute noch auf dem Kaiserswerther Marktplatz steht. Somit muß das Jahr 1836 als Beginn der eigentlichen Diakonissenarbeit angesehen werden Gleichzeitig schuf Fliedner für die Organisation der Schwesternschaft die maßgebende Form des Mutterhauses. Im Jahre 1861, also ein Vierteljahrhundert nach der Eröffnung des ersten Diakonissenmutterhauses der Welt. schlossen sich auf dem bewährten Boden der Kaiserswerther Grundsätze sämtliche deutschen und außerdeutschen Diakonissen=Mutterhäuser zur Arbeitsgemeinschaft der Kaiserswerther Generalkonferenz zusammen. Als Glied dieser Gesamtkonserenz wurde während des Weltkrieges 1916 der Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissen=Mutterhäuser gegründet, der heute 20 Jahre besteht. Schließlich veranlaßte das große. von Adolf Hitler begonnene Einigungswerk des deutschen Volkes auch die führenden Organisationen der weihlichen Diakonie zu einem weiteren Zusammenschluß. Zu dieser im Oktober 1933 gegründeten „Diakoniegemeinschaft“ gehören heute 69 über ganz Deutschland verstreute Mutterhäuser mit ihren 28000 Schwestern und 3750 Hilfskräften. Unter den rheinischen Mutterhäusern steht die Stammutter Kaiserswerth mit ihren über 2000 Schwestern weitaus an der Spitze. Außerhalb Deutschlands gehören zur Kaiserswerther Generalkonferenz weitere 36 Mutterhäuser mit rund 8000 Schwestern. Wie überraschend verzweigt und vielseitig die Mutterhausdiakonie ist, schildert Pfarter Siebert (Berlin) in einem besonderen Abschnitt. Die auf sast tausend Arbeitsfeldern stehenden Diakonissen betätigen sich nicht nur in Kranfenhäusern, sondern auch in der Gemeindenflege, der Erziehung und Achse und stand schließlich quer über der Straße. Das dem Lastwagen folgende zweite Personenauto. ein belgischer Kraftwagen. rannte nun in voller Fahrt gegen das querstehende Auto. Der Fahrer des Wagens. ein bei einer belgischen Reederei angestellter Holländer. sowie die mitfahrende Ehefrau. ein sechs Monate altes Kind und eine weitere Frau trugen erhebliche Verletzungen davon, daß sie dem Krankenhaus in Andernach zugeführt werden mußten. Die Autostraße ist kein Spazierweg! Leverkusen. Ein der Polizei nicht mehr unbekannter Motorradfahrer aus Opladen wurde angezeigt, weil er den Verteilertreis der Reichsautobahn in verkehrter Richtung befuhr und weder im Besitz eines Führerscheins, einer Zulassungs= oder Steuerkarte war. Sein Motorrad wurde sichergestellt. Gegen den Motorradfahrer wird ein gerichtliches Nachspiel folgen. In der letzten Neujahrsnacht wurde er bereits erstmalig polizeilich gestellt, weil er im angetrunkenen Zustande in Leverkusen in den Straßen herumfuhr. Damals kam er noch mit einem blauen Auge davon, weil er hoch und heilig versicherte. er werde nicht eher wieder fahren, als bis er einen Führerschein habe. Damals wurde ihm lediglich das Motorrad fürs erste polizeilich entzogen. „Olympia=Hochofen 4“ angeblasen Das Feuer mit einer Olympiasackel entzündet Rheinhausen. Eine würdige Feierstunde gab es, wie erst jetzt mitgeteilt wird. am Tage der Eröffnung der Olympischen Spiele für die Belegschaft der Kruppschen Friedrich=Alfred=Hütte in Rheinhausen. Zur feierlichen Anzündung des in anderthalbjähriger Bauzeit fertiggestellten Olympia=Hochofens 4 hatten sich die Direktion und die Gefolgschaft dieser Betriebsstätte an dem Neubau eingefunden. In kurzer Ansprache gab Betriebsdirektor Backelsberg dem Wunsche Ausdruck, daß die Hoffnungen und die Erwartungen, die die Firma Krupp an dieses große technische Bauwerk knüpfe, sich zum Segen der Allgemeinheit erfüllen möchten. Nachdem er allen. die an der Fertigstellung des Ofens mitgeholfen haben. gedankt hatte, brachte ein Arbeiter eine der dreitausend für den Olympischen Staffellauf bereitgestellten Kruppschen Olympiafackeln, um damit den Hochofen anzuzünden, während ein anderer Arbeitskamerad einen Flammenspruch sprach. Zur Erinnerung an diese feierliche Weihe erhielten die an dem Bau beteiligten Arbeiter eine in den Kruppwerken gegossene künstlerisch ausgeführte Plakette. Die Mutler hatte ihn gewarn! Trier. Ein fünfjähriger Junge hatte sich auf der Ruwerstraße von der Hand der Mutter losgerissen und war auf die andere Straßenseite gelaufen. Der Junge kehrte dann, obwohl die Mutter ihn noch warnte, wieder zurück und lief dabei auf der Fahrbahn gegen einen in schneller Fahrt herankommenden Kraftwagen. An den erlittenen Verletzungen ist das Kind wenige Minuten darauf in den Armen der Mutter gestorben.— Ein weiteres schweres Verkehrsunglück trug sich auf der Weberbachstraße zu. Ein Radjahrer wurde hier von einem Auto angefahren und etwa 20 Meter weit mitgeschleift. Der Radfahrer trug sehr schwere Verletzungen davon und mußte dem Krankenhause zugeführt werden. TUT Roman von Martiese Kölling S Copyright by Horn-Verlag— Berlin W 35 „Sie sind überaus gütig, gnädiges Fräulein. Ich bleibe nur zu gern.“ Das Fremdenzimmer war ein schöner Raum mit lichten Kissen auf der großen Couch, eingebauten Schränken und grünen Läden nach der Sonnenseite zu. Das Fenster nach Osten gab den Blick auf den glühenden Himmel frei. Hinter ihm lag die unendliche Weite der Felder unter der zitternden blauen Kuppel des tropischen Himmels. Schon erschienen zwei indianische Diener mit seinem Gepäck. Ihnen folgte ein indianisches Hausmädchen in sauber gestreiftem Waschkleid, einem weißen Häubchen auf dem Scheitel. Wäre nicht die goldbraune Haut gewesen und das schwarze Ebenholzhaar, er hätte glauben können, ein hamburgisches Hausmädchen vor sich zu sehen. Mit einer tiefen Verneigung stellte die Indianerin ein Tablett mit eisgekühltem Mineralwasser, Obstsaft und Whisky vor ihm hin. „Die Senorita hat befohlen, dem Senor nebenan im Badezimmer ein Bad zurechtzumachen,“ sogte sie knicksend,„und dann erwartet die Senorita den gnädigen Hern in einer halben Stunde im Patio". Damit verschwand sie. Wulff sah auf seine Uhr. Eine halbe Stunde, dann würde er dies reizende junge Mädel wiedersehen. Wie schön sie war, wie kindlich in ihrer mädchenhaften Befangenheit. Er wußte gar nicht, daß er fröhlich vor sich hinpfiff, als er nun schnell, um keine Zeit zu verlieren, ins Badezimmer lief. Inzwischen stand Conchita vor dem Spiegel ihres weißen Schlafzimmers. Estrella, ihre mexikanische Zofe, hatte heute keinen leichten Stand. Dies Kleid war ihrer jungen Herrin zu geputzt, jenes zu einfach. Endlich entschied sich Conchita für ein ganz buntgeblümtes Seidenkleidchen, das bis zum Knöchel reichte und nur die Füße frei ließ. Blaue Lederschühchen gehörten dazu. Es war ein französisches„Gedicht“, das ihr der Vater einmal aus Mexiko=City mitgebracht hatte. Unbenutzt hing es bisher im Schrank, denn was sollten französische Modekreationen in der mexikanischen Wildnis? Nun wußte sie plötzlich, wozu all die schönen Dinge da waren. Die Schühchen saßen wie angegossen, und das Kleid schmiegte sich eng um die schlanken Hüften, nach unten in weiter Glocke ausfallend. Doch beim Ueberstreifen riß ein Knöpfchen ab und mußte wieder angenäht werden. Und immer aufs neue sprangen ein paar widerspenstige Härchen aus dem tiefgelegten blonden Wellenscheitel, den Conchita trug. Aufatmend besah sich Conchita endlich im Spiegel. Jetzt war sie fertig. Fast erstaunt musterte sie sich im Spiegel. Hatten ihre Augen immer so geleuchtet? Sah sie immer so aus? War ihr Mund immer so rot? Sie schämte sich vor sich selbst, wie sie sich jetzt in unbewußter Sehnsucht, schön zu sein und zu gefallen, betrachtete. Eilig lief sie in den Patio hinunter. Der Patio war ein mit braunen Kacheln gepflasterter, von schlanken Säulen umgebener Hof. Er besaß ein riesiges Leinendach, das man auseinanderschieben konnte. Seltene blühende Pflan. zen des Urwaldes gediehen in großen Blumenkästen, die zwischen den Säulen standen und wie ein blumiges Band wirkten. Zwanglos verteilte, bequeme Korbmöbel waren überall verteilt, eine große, kissenbelegte Couch stand in einer Ecke. Hier verbrachte die Familie Roland, soweit sie unbeschäftigt war, ihre Freizeit. Nur übergroße Hitze trieb sie ins Haus, denn die Kacheln des Bodens spendeten angenehme Kühle, und das zeltartige Dach konnte— von Zeit zu Zeit gossen— gleichfalls die allzu prallen Sonnenstrahlen abhalten. Wurde es aber an schönen Abendstunden auseinandergeschoben und fielen Mond= und Sternenschimmer hinein, so wurde Conchita nie müde, zu dem leuchtenden Kreuz des Südens emporzuschauen. Dann dachte sie an die Heimat ihrer Eltern, an Deutschland, und malte sich das schöne sanfte Land in den leuchtendsten Farben aus. Dann erstanden vor ihrem Geiste lebendige Bilder, die die Eltern ihr in Wort und Photographie nahegebracht hatten. Sie sah den Rhein silberglän end zwischen Rebenhügeln und träumenden Burgen dahingleiten. Die dunkeln Wälder Thüringens mit ihrem tiefen Schatten, die weite Heide mit ihrem Teppich bienenumsummten Heidekrauts die melancholische Größe der ostpreußischen Küste. Die Städte mit ihrem pulsierenden Leben und ihren Millionen arbeitender Menschen. Alles, was ihr die Eltern erzählt hatten, wurde in ihr lebendig. In diesen Stunden hatte sie auch bisher am verzweifelsten an Peter Ott gedacht. An Friede von Stetten, die sie glaubte, hassen zu müssen. Und wenn sie auch jetzt Sympathie und Mitleid mit Friede empfand, eins hatte sie ihr doch immer noch nicht verzeihen können, daß sie ihr Peter fortgenommen hatte. Denn zu der Weitsheit ihrer Mutter konnte sich Conchita in ihrer temperamentvollen Jugendlichkeit noch immer nicht bekennen. 21. Kapitel Wulff lief in dem Patio schon ungeduldig auf und ab. Er war sehr unzufrieden mit sich. Wie war es nur möglich, daß er den Zweck seiner Reise hierher für eine Welle vollkommen vergessen hatte. Er war doch nicht hier, um sich zu verlieben. Er war hier, um für Friede Hilfe zu suchen. Er schämte sich vor sich selbst. Und doch half es nichts. Er hatte sich verliebt, richtig und ehrlich verliebt in dies prachtvolle junge Mädchenwesen. Reiß dich zusammen, dachte er bei sich selbst, für deine eigenen Angelegenheiten ist jetzt keine Zeit. Du mußt jetzt ganz an Friede denken. Aber merkwürdig, er fühlte, daß die stahlharte Energie, die er auf Friedes Rettung verwenden wollte, sich jetzt im Augenblick eigentlich steigerte. Durch Conchitas Dazwischenkommen war er irgendwie von Friede gelöst, war in seinem Denken an Friede nicht mehr dieser heiße, leidenschaftliche Affekt. Friede rückte ihm ein wenig dorthin, wo sie früher gestanden, als sie seine Kusine war. Der Wunsch in ihm, zu finden, ihr zu helfen, wurde durch die Begegnung Conchitas nicht gemindert. Im Gegenteil! Er konnte jetzt plötzlich das Sachlichnotwendige um so stärker erkennen. Es war ihm, als wäre irgendein Fieber aus seinem Körper gewichen. Als hätte die Malaria=Attacke auch seelisch in ihm etwas hinweggeschwemmt. Er stand innerlich Friede anders, erneut und klarer gegenüber. Das hatte diese kleine Conchita gemacht. Lächelnd sah er ihr entgegen, wie sie jetzt hereinkam. Süß sieht sie aus, dachte er. Süß und so völlig unberührt und kindlich. Dies Kindliche wurde verstärkt dadurch, daß Conchita jetzt krampfhaft versuchte, die erwachsene Dame und Stellvertreterin der Mutter zu spielen. „Nehmen Sie Platz, Her von Legien“, sie wies auf einen der Korbsessel, setzte sich ihm gegenüber. „Sie werden mit mir allein fürlieb nehmen müssen. Meine Eltern sind auf einer Erholungsreise nach Südamerika begriffen. Vater möchte dabei die dortigen Kaffee= und Kakaopflanzungen kennenlernen.“ Nun erschrak Wulff aber doch. Herr Roland auf lange Zeit fort? Das erschwerte die Rettungsaktion für Friede. „Das ist aber böse.“ Conchita erblaßte. Höflich war, das gerade nicht gesagt. Wulff bemerkte die Veränderung in Conchitas sprechendem Gesichtchen. „Sie dürfen mich nicht falsch verstehen, mein gnädiges Fräulein. So glücklich und dankbar ich Ihnen für die Gastfreundschaft bin, so sehr es mich freut, mit Ihnen plaudern zu dürfen, so sehr durchkreuzt es meine Pläne, Ihren lieben Vater nicht anzutreffen. Konsul Walther aus Veracruz gab mir eine Empfehlung an ihn. Ich komme nicht in eigener Sache. Vielmehr in der Angelegenheit einer deutschen jungen Dame, die unter Mordverdacht verschwunden ist.“ „Friede von Stetten?“ „Ja! Sie wissen wohl von dieser mysteriösen Angelegenheit— Herr Konsul Walther riet mir, Ihren Vater um seine Hilfe zu bitten. Er wäre der richtige Mann dafür. Nun muß ich aber allein versuchen, Friede aufzufinden.“ Conchita erblaßte. Was hatte Legien mit Friede von Stetten zu tun? Wie kam er dazu, sich für ihre Rettung einzusetzen? War er etwa auch verliebt in diese ekelhafte Friede? War sie ein Vampyr, daß sie jeden Mann in ihren Bann zwingen vermochte? Erst Peter Ott und dann Wulff von Legien? Mochte sie sich doch mit dem einen zufrieden geben. Diesen hier, diesen, den Wulff von Legien, sollte sie nicht bekommen. Sie konnte doch schließlich nicht zwei Männer heiraten. Sie war eine falsche Schlange. Das war Conchita jetzt im Augenblick klar. Sie würde schon dafür sorgen, daß er nicht in Friedes Netze ging! Kampfbereit hob sie den Kopf: „Sind Sie etwa ein Detektiv, Herr von LeSiep„„„„„ Wulff lachte auf. Der Geoante war wirklich wstisg 6 „Das nun gerade nicht, mein gnädiges Fraulein. Ich bin ein bescheidener rheinischer Werkbesitzer. Friede von Stetten ist meine Kusine. Nun ist es Ihnen wohl klar, daß ich alles daransetzen muß, Friede zu finden?“ — überhaupt eine Abneigung, sich in diesen Fall einzumischen? Auf diesen Gedanken war er gar nicht gekommen, aber jetzt überfiel er ihn schreckhaft. Konsul Walther hatte ja darauf angespielt, man würde vielleicht mit nicht ganz legalen Mitteln die Suchaktion nach Friede und dem wirklichen Täter aufnehmen. Vielleicht würde Roland aus diesem Grunde eine Hilfe ablehnen. Vielleicht war man hier im Hause sogar nicht von Friedes Unschuld überzeugt. Wie konnte man auch? Nur wer Friede wirklich kannte, wußte, wie unmöglich dieser Verdacht war. Alle sicht wich in ihm. Conchita sah in ein sorgenvolles, verzweifeltes Männergesicht. „Sprechen Sie Ihre eigene Meinung aus, gnädiges Fräulein? Oder ist es auch die Meinung Ihres Herrn Vaters, daß er nichts tun könnte in dieser Angelegenheit? Dann freilich will ich ihn gar nicht behelligen. Also scheitere ich schon bei dem ersten Versuch, auf den ich so viel Hoffnung gesetzt.“ Es ist auch meines Vaters Meinung, wollte Conchita trotzig sagen. Aber es ging nicht. Die Männeraugen da vor ihr waren plötzlich traurig geworden. Der ganze Mensch so verändert, sie brachte die Lüge zum zweiten Mal nicht über ihre Lippen. Angst überkam sie. Was hatte sie gesagt? Da saß ein Mensch, der keinen anderen Gedanken hatte, als einen anderen geliebten Menschen zu retten. Und sie wollte nur aus Trotz ihm entgegen sein? Da hatte Conchita sich wieder: ein Mensch schenkt sich oder entzieht sich uns ausschließlich aus eigenem Willen— ein Dritter kann nur Anlaß sein, niemals Ursache— die Worte der Mutter klangen klar und mahnend in ihr Ohr. „Fräulein von Stetten stand Ihnen wohl sehr lahe, Herr von Legien? Ist sie vielleicht Ihre Braut?“ Conchita wußte nicht, wie sie sich mit diesen Worten verriet und noch mehr mit diesen angstvollen, zitternden Fragen in Stimme und Augen. Da riß es Wulff empor. Er griff nach Conchitas kleiner Hand. Ganz hüllenlos war ihre junge Seele vor ihm. Trotz seiner furchtbaren Sorge um Friede schämte er sich nicht des Gefühls, das ihn jetzt heiß übermannte. Fest hielt er die kleine Hand: „Sie irren, Fräulein Conchita. Friede und ich sind zusammen aufgewachsen. Und einmal habe ich die Friede auch sehr geliebt. Aber das ist vorbei. Außerdem, sie wollte nicht meine Frau werden.“ „Wegen Peter Ott?“ Conchita fragte es atemlos. Und nun war es Wulff, der zusammenzuckte. Wie kam Conchita zu dieser Frage. Liebte sie vielleicht Peter Ott? Hatte er ihr jetzt mit seinem Geständnis den Weg zu Peter Ott freigemacht? Wulff biß die Zähne zusammen. Sollte er denn überall scheitern, wo ihn sein starkes Gefühl zu einer Frau zog? Alles, was er bis jetzt mit Frauen erlebt, es war wenig gewesen gegen das, was er einmal für Friede gefühlt, und ein Nichts gegen diese plötzliche Liebe zu dieser kleinen Conchita, zwischen Friede und ihm hätte es immer nur Kampf geben können. Sie hatte einen O ja, nun war Conchita alles klar. Seine Kusine, das war ja noch schlimmer, als wenn Wulff von Legien ein gewisser Detektiv gewesen wäre. Conchita hatte in ihren Jungmädchenbüchern mehr als einmal von dieser Liebe zwischen Vetter und Base gelesen. Es stand fest für sie, daß Wulff von Legien Friede liebte. Und da sollte sie ihm noch helfen, Friede nachzureisen? Genug, daß Peter Ott es nicht in Mexiko ausgehalten hatte vor Sehnsucht nach Friede. Sie dachte nicht daran, einen Mann nach dem anderen selber in Friedes Netze zu liefern. Friede war in Sicherheit. War gerettet. Kein Mensch konnte von ihr verlangen, noch mehr für diese gefährliche Person zu tun. Sekundenlang kämpfte sie mit sich. Aber ihr Trotz gegen Friede war zu stark. Dieser Mann hier sollte nicht wieder wie ein Besessener hinter Friede herjagen. „Ich glaube, mein Vater wird Ihnen nicht viel nützen können, Herr von Legien. Auch er weiß nichts von Ihrer Kusine. Ich glaube nicht, daß irgendeine Suchaktion einen Erfolg hätte. Im übrigen soll Fräulein von Stetten ja ein sicherer und tatkräftiger Mensch sein und sie wird sich schon selber zurechtfinden. Wulff war befremdet. Was war denn in diese kleine Conchita gefahren? Alles Weiche, Sanfte war in ihrem Gesichtchen weg. Wie ein trotziger Knabe sah sie auf einmal aus. Sie hatte etwas gegen Friede. Sprach sie nur aus, wie sie selbst dachte? Oder bestand hier im Hause vielleicht starken Willen wie er selbst. Er konnte keine Frau brauchen, die wie ein Mann auf ihren Kopf bestand. In dieser kleinen Conchita war der beglückendste Zusammenklang von Kind und Das war ein Mensch, den man noch formen konnle nuch dem Idealbilde, das man von einer Frau in sich trug. Hier konnte man der Führende sein. Der Beschützende. Der Gestaltende. Alles, was ein wirklicher Mann in einer Ehe formen und schaffen will, bei diesem blutjungen Mädchenwesen würde es gelingen. Und nun sollte dies alles hier für Peter sein? Aber es half nichts. Er mußte ehrlich sein. „Ja, Fräulein Conchita, Peter Ott. Und bei ihm, meinem besten Freunde, habe ich Ihr Bild gesehen. Jetzt ist mir erst klar, daß Ihr Bild meinen Reisewunsch mitbestimmte. Ich wollte Peter Otts kleine Jugendfreundin kennenlernen. Auf dem Schiff erfuhr ich die Schreckensnachricht, daß meine Kusine unter Mordverdacht stand. Da mußten alle anderen Gefühle schweigen. In Veracruz packte mich die Malaria. Konsul Walther, in dessen Hause man mich gesund pflegte, riet mir, Ihren Herrn Vater für das Schicksal Friedes zu interessieren. Nun bin ich doch zu spät gekommen... aber was haben Sie denn, um Gotteswillen, warum regen Sie sich denn über das Unglück fremder Menschen so schrecklich auf?“ Conchita war in schrankenloses Weinen ausgebrochen. Sie schluchzte wie ein Kind. Sie schämte sich entsetzlich der Dummheit, die sie begangen. Wie hatte sie nur lügen können? Sie begriff sich selbst jetzt nicht mehr. Sie sah ja die Angst und Not in Wulffs Augen. Sie senkte den Kopf sehr tief. „Herr von Legien, verzeihen Sie, ich— ich habe nicht die Wahrheit gesagt. Fräulein von Stetten lebt. Sie ist in Sicherheit. Mein Vater hat sie heimlich an Bord der„Orinoco“ gebracht. Sie ist bereits auf der Reise nach Deutschland. „Gott sei Dank.“ Es kam ganz tief aus Wulffs Herzen. Und nun griff er nach Conchitas zweiter Hand. Ganz fest hielt er sie. Etwas Heißes und Forderndes zugleich schwang in seiner Stimme, zwang Conchita, das gesenkte Köpfchen zu heben und Wulff anzusehen: „Wollen Sie mir nicht sagen, Conch''a, warum Sie vorhin diese kleine Unwahrheit sagten?“ Sie wurde feuerrot. Mit Entzücken sah er, wie diese Röte das ganze Gesicht überflutete wie bei einem kleinen Kinde. Selbst hinter den kleinen Ohren und im Nacken war Glut. „Ich kann nicht, Herr von Legien.“ „Und wenn ich anfange? Sie haben es getan, weil—“ Sie zitterte. „Nun, geht es gar nicht? Weil—“ Das Lachen in seinen Augen vertiefte sich: „Sie sind doch ein tapferes deutsches Mädel, Fräulein Conchita.“ Da nahm Conchita all ihren Mut zusammen: „Weil ich eine dumme, eifersüchtige Gans gewesen bin. Weil ich nämlich einmal Peter Ott geliebt habe, der nur ein Herz für Ihre Kusine hatte, und weil ich nicht wollte, daß es mir diesmal wieder so——“ Sie schwieg. In ihr war eine heiße Scham. Sie wollte die Hände aus den seinen befreien, aber Wulff dachte gar nicht daran, diese Flucht zuzulassen. Mit einem Ruck hatte er Conchita dicht an sich gezogen. Ganz fest hielt er sie, immer fester, bis ihr Köpfchen an seiner Brust lag. „Conchita, Kleines, Süßes, glaubst du nicht, daß ich spüre, warum du wirklich gelogen hast? Weißt du, daß du Peter Ott gar nicht mehr lieb hast, sondern einen ganz anderen? Und daß dieser andere dir schrecklich gut ist, daß Friede in seinem Herzen überhaupt keinen Platz mehr hat? Oder nur als Kusine? Weißt du das, Conchita?“ Er bedeckte ihr Haar, ihr Ohr, ihre Stirn mit leidenschaftlichen Küssen. Conchita hatte die Augen geschlossen. Sie sah Wulff nicht an. Sie fühlte nur seine leidenschaftliche Zärtlichkeit über sich dahingehen wie den Frühlingssturm, wenn er über das weite Land fuhr. Antworten konnte sie nicht. Und Wulff erwartete auch keine Antwort. * Wie im Traum schritt Friede die Gärtnerstraße in Lichterfelde dahin. Die entsetzliche Heimfahrt mit aller Angst und Unsicherheit lag hinter ihr. Sie hate nicht gewagt, sich an Bord des Dampfers zu zeigen. Roland hatte den Kapitän eingeweiht. Man hatte Friedes Namen in der Schiffsliste nur undeutlich geschrieben, daß niemand der Passagiere darauf kommen konnte, wer diese Bewohnerin von Kabine 23b wäre. Friede hatte während der ganzen Ueberfahrt kaum eine Nacht richtig geschlafen. Gingen Schritte an ihrer Kabine vorbei, so fuhr sie zitternd auf. Konnte nicht ein Funktelegramm gekommen sein, das ihre Verhaftung erbat? Roland hatte ihr zwar versichert, daß, solange der Fall noch nicht ganz geklärt wäre, davon keine Rede sein konnte. Aber in ihrer Ueberreizung sah sie überall Gespenster. Der Kapitän und der Schiffsarzt hatten sich rührend um sie gekümmert, aber sie hatte sich wie eine Gefangene in ihrer Kabine gefühlt. Nur abends, wenn alle Passagiere der„Orinoco“ sich zur Ruhe begeben hatten, war sie, in einen dichten Mantel gehüllt, eine Mütze dicht ins Gesicht gezogen, an Deck gekommen. Sie war glücklich, als die qualvolle Reise vorbeigewesen. Nun war sie in Deutschland auf heimischem Boden. Jetzt fühlte sie etwas wie neue Kraft. Von Berlin aus würde sie mit aller Energie den Beweis ihrer Unschuld führen. Wie sie sich auf Telse freute! Und was die für Augen machen würde, wenn sie plötzlich vor ihr stand. Sie hatte ihr ihre Ankunft nicht gemeldet. Nach all dem Schweren, das sie erlebt hatte, sehnte sie sich danach, Telses Glück ganz unmittelbar zu spüren. Es war ja niemand sonst, der in Deutschland wirklich auf sie wartete. Peter Ott? An ihn durfte sie überhaupt nicht mehr denken. Es war genug gewesen, daß auf dem Schiff in der Einsamkeit ihrer Kabine die Sehnsucht nach Peter Ott übermächtig in ihr auflohte. Wie stark er in ihr lebte! Aber sie hatte ja ihr Glück selbst von sich gewesen. Wie gern hätte sie heute wieder alles gut gemacht, was eigenes Verschulden zerbrochen. Doch die Tatsachen standen hart und unerbittlich aufgerichtet. Es gab nur eins für sie: eine neue Lebensaufgabe suchen. Sie besaß ja nichts, was ihrem Dasein einen wirklichen Wert gab. Mit ihrer reiterlichen Laufbahn war es zu Ende. Ihre Berliner Gymnastikschüler aber waren wohl zu anderen Lehrkräften übergegangen. Jetzt trennten sie nur noch wenige Häuser von dem Villengrundstück, das sie mit Telse bewohnte. Wie ein Pferd, das den heimischen Stall wittert, dachte sie bei sich. Noch drei Häuser, noch zwei, noch eins. Da— mit Entsetzen starrte sie auf das Schild, das da an einem Pfahl aus dem herbstlich kahlen Garten zu ihr herüberleuchtete:„Villengrundstück sofort zu verkaufen oder zu vermieten.“ Das Haus schien völlig geräumt zu sein; leere, durch Regen blind gewordene Fensterscheiben sahen traurig auf sie. Friede wankte. Sie hielt sich am Gartenzaun fest. Das war zuviel. Was war geschehen? War Telse gestorben? Hatte das Leben ihr das Letzte genommen? Sie konnte überhaupt nicht mehr denken. Sie bemerkte nicht, daß von der anderen Straßenseite aus ein Briefträger sie schon geraume Zeit beobachtete. Postbote Munter hatte heute seinen freien Tag. Er versorgte für gewöhnlich die Anwohner dieser Straße und kannte die meisten von ihnen auch persönlich. (Fortsetzung folgt.) Amerikanischer Sieg Im Diskus Dor Bann=usu und Vbecweger=Fianen— wiln Schröder Funfter Die größte Dauerprüsung der Olympischen Spiele Curpemier=Adu Sihmpläfirder Eimlands=erste Geleinreumte ar Dpnn-169 und Ohormoser-Ttalion— milli Schräder Es ist nun mal nicht anders in den technischen Uebungen. Lange, viel zu lange für die ungeduldigen Zuschauer, die alle auf einen Sieg„ihres" Landsmannes warten, ziehen sie sich hin. Das Diskuswersen der 11. Olympischen Spiele 1936 machte natürlich keine Ausnahme. Vom Vormittag an waren die Werfer schon in Aktion und endlich standen am Nachmittag die sechs Glücklichen für den Endkampf fest. Es waren der Riese Gordon Dunn aus den Ver. Staaten mit 49,36 Meter, der blonde Italiener Oberweger mit 49,23 Meter, Carpenter=USA mit 48,98 Meter. Sorlie=Norwegen mit 48.77 Met., Syllas=Griechenland mit 47,75 Meter und Schröder=Deutschland. „Schröder erwache!“ Aber es hatte eine Vorgeschichte, ehe Schröder in den Endkampf kam. Er und der Schwede Bergh hatten je 47,22 Meter geworfen. Einer aber konnte nur in die engere Wahl kommen. Schröder hatte bis dahin gar nicht überzeugen können. Bergh und Schröder wurde nun noch je ein„Stichkampswurf“ gestattet. Groß ist die Spannung. Der Schwede wirft— es sind nur 46,19 Meter! Wieviel Meter werden es nun bei Schröder sein? Er muß es schaffen. Sprechchöre tun sich auf„Schröder erwache!“ und„Schröder, nimm den Diskus in die Hand und denk an dein Vaterland!“, so tönt es rhythmisch von den Rängen. Und Schröder wirft. Da iubelt auch das Stadion schon auf. Weit fliegt die Scheibe hinaus— 47.64 Meter werden gemessen und nun ist Schröder in der Entscheidung. Die zwei anderen Deutschen, Hans Fritsch und Gerhard Hillbrecht, waren schon vorher ausgeschieden. Und dann hefteten in der Entscheidung wieder die großartigen amerikanischen Athleten den Sieg an das Sternenbanner. Kenneth Carpenter siegte im zweiten Durchgang mit dem neuen olympischen Rekord von 50,48 Meter vor seinem Landsmann Gordon Dunn, der mit seinem bereits im Vorkampf erzielten Wurf von 49,36 Meter lange die Führung hatte, und dem fabelhaft gebauten Italiener Oberweger mit 49.23 Meter. Und der deutsche Weltrekordmann Willi Schröder besetzte hinter dem Linkshänder Reidar Sorlie aus Norwegen schließlich nur den fünften Rang. Er teilte damit das Schicksal eines Jack Torrance. Schröder warf zum guten Ende immer besser, kam aber über die 48=Meter=Marke nicht hinweg und machte mit 47,93 Meter Schluß. Carpenter aber, der noch vor wenigen Wochen in der USA=Meisterschaft von Dunn zurückgelassen wurde und nicht über die 48 Meter hinwegkam, wuchs in der Entscheidung über sich hinaus, erreichte seine Vorjahrsform und übertraf mit einem Wurf von 50.48 Meter den olympischen Rekord seines Landsmannes Anderson von 49.50 Meter klar. 1. und Olympiasieger Kenneth Carpenter=USA 50.48 Meter(neuer olympischer Rekord!), 2. Gordon Dunn=ASA 49,36 Meter. 3. Giorgio Oberweger= Italien 49,23 Meter. 4. Sorlie=Norwegen 48.77 Meter, 5. Schröder=Deutschland 47,.9, 6. Syllas= Griechenland. Spannende Kämpfe bis zum Morgengrauen Whitlock vor Schwab(Schweiz) im 50-Kllometer-Gehen Kurz vor 18 Uhr traf, mit ungeheurem Jubel empfangen, der erste der 50=Klm.=Geher, der Engländer Harold Whitlock im Olympischen Stadion ein, gefolgt von dem Schweizer Schwab. 50=Klm.=Geher unterwegs 33 Bewerber aus 16 Nationen stellen sich dem deutschen Meisterstarter Franz Miller. Nach den ersten 10 Klm. sind immer noch die Leute vorn, die vorneweg starteten. Prehn=Deutschland führt mit Segerström in 46:47.9. An vierter Stelle folgt bei 20 Klm. der Deutsche Meister Bleiweiß, der sich mehr und mehr verbissen nach vorne kämpft und nur 50 Sekunden hinter Dalinsch zurückliegt, vor Prehn=Deutschland, Loof=Schweden, SegerströmSchweden. Brunn=Norwegen, Laisne=Frankreich, Whitlock=England und Bubenke=Lettland. Sihipinl=Sleger in Fretsineingen Silbermedaille für Ehrl, bronzene für Siebert und herbert Nach den stundenlangen zermürbenden Kämpfen in den zahlreichen Treffen, die jeder Ringer bei der starken Besetzung in seiner Gewichtsklasse auszutragen hatte, graute schon der Mittwoch=Morgen, als endlich die Sieger feststanden. Im Bantamgewicht kam der Ungar Zombori durch entscheidenden Sieg über den Amerikaner Flood in 12:40 Minuten in den Besitz der Goldmedaille. Flood kam auf den zweiten Platz. und Johann Herbert(Deutschland), der in der fünften Runde ausgeschieden war, bekam durch bessere Punktziffer noch die Bronzene Medaille. Im letzten Kampf der Federgewichtsklasse errang der Amerikaner Millard einen:=Punktsieg über Joensson(Schweden). Dadurch kam der Finne K. Pihlajamaeki auf den ersten Rang, während der Amerikaner Zweiter wurde. Im Leichtgewicht sicherte sich Karvati(Ungarn) durch einen:1= Punktsieg über Ehrl=Deutschland die GoldUnsere kapferen Mädel in Front Steuer und Eurrt un Imale Die Zwischenläufe der Frauen über 80 Meter hürden Zwei Zwischenläufe über 80 Meter Hürden für und Taylor=Kanada den dritten Rang. Das ist Frauen und noch sind zwei deutsche Mädel im die Teilnahme am Endlauf. 1. Valla=Italien n, gu# i im Rann dar michtigan gent, 116(neuer glympischer Rekor Rennen! Alles ist im Bann der wichtigen Entscheidung... Es ist kühl geworden und dunkle Wolken fliegen über das Reichssportfeld im frischen Wind. Drunten stehen die Hürden für den ersten schenlauf bereit. Nun ist alles klar für den Start. Auf den Schuß fliegen die sechs Mädel wie Pfeile davon. Unsere Anny Steuer startet schlecht, aber kämpfend holt sie Zoll um Zoll auf und besetzt hinter der in der bestehenden Weltrekord= und neuen olympischen Rekordzeit siegenden Italienerin Trobisonda Valla(11,6!) 11,6(neuer olympischer Rekord), 2. Taylor=Kanada 11,7, 3. Steuer=Deutschland 11,7. Unsere Meisterin Doris Eckert startet im zweiten Zwischenlauf. Mächtig muß sich die Holländerin Braaketer strecken, um ganz knapp vor dem deutschen Mädel in 11.8 zu siegen. Auch Testoni=Italien und Schaller liegen dichtauf. Doris hat den zweiten Platz aber immer sicher und ist damit im Finale, das am Donnerstagnachmittag gelaufen wird. 1. Braaketer=Holland 11,8, 2. Eckert=Deutschland 11,8, 3. Testoni=Italien 11,8. Herrliche 1500=Meler=Läufe Vollcher und Schaumburg im Endtamp Ny und Cunningham im toten Rennen medaille. Im entscheidenden Kampf um den zweiten Platz zeigte sich dann der Deutsche Meister von der besten Seite und besiegte H. Pihlajamaeki in 12:21 Minuten entscheidend. Sieger der Mittelgewichtsklasse wurde der Franzose Poilve durch entscheidenden Sieg über den Amerikaner Voliva, der damit auf den zweiten Platz zurückfiel. Lewis (Amerika) holte sich im Weltergewicht durch einen Sieg über Angst(Schweis) nach 6 Minuten die höchste olymvische Auszeichnung. Auf dem zweiten Platz landete der Schwede Andersson.— Der Deutsche Siebert verlor im Halbschwergewicht gegen den starken Esten Neo glatt mit •0 Punkten, blieb aber doch noch auf dem dritten Platz und errang sich so eine Bronzene Medaille. Sieger dieser Klasse wurde der Schwede Fridell, der den Estländer Neo mit:0 besiegte. Den letzten Kampf im Schwergewicht gewann Palusalu (Estland) mit:0 Punkten gegen Nystroem(Finnland) und wurde dadurch Olympiasieger. Der starke Tscheche Klavuch gelangte damit in den Besitz der Silbermedaille, während Nystroem auf den dritten Platz zurückfiel. Der deutsche Vertreter Paar wurde in der vierten Runde im Freistilringen von dem Franzosen Jourlin mit:0 Punkten besiegt und schied damit aus.— Im Halbschwergewicht sprach das Kampfgericht nach Protest dem Tschechoslowaken Klapuch gegen Gehring(Deutschland) einen:=Sieg zu und so war auch Gehring nicht mehr im Wettbewerb. Der Schlußstand war folgender: Bantamgewicht: 1. Zombori(Ungarn) 4 Fehlpunkte; 2. Flood(USA) 5 Fehlpunkte; 3. Joh. Herbert(Deutschland) 5 Fehlpunkte.„ Federgewicht: 1. K. Pihlajamaeki(Finnland) 1 Fehlpunkt; 2. Millard(USA) 2 Fehlpunkte: 3. Joensson(Schweden) 5 Fehlounkte. Leichtgewicht: 1. Karvati(Ungarn) 3 Fehlpunkte; 2. Wolfgang Ehrl(Deutschland) 4 Fehlpunkte; 3. H. Pihlajamaeki(Finnland) 7 Fehlpkt. Weltergewicht: 1. Lewis(USA) 3 Fehlpunkte; 2. Andersson(Schweden) 4 Fehlpunkte: 3. Schleimer(Kanada) 6 Fehlpunkte. Mittelgewicht: 1. Poilve(Frankreich) 2 Fehlpunkte: 2. Voliva(USA) 7 Fehlpunkte: 3. Kitecci(Türkei) 6 Fehlpunkte(vorh. ausgeschieden). Halbschwergewicht: 1. Fridell(Schweden) 2 Fehlpunkte: 2. Neo(Estland) 5 Fehlpunkte; 3. Erich Siebert(Deutschland) 5 Fehlpunkte. Schwergewicht: 1 Palusalu(Estland) 2 Fehlpunkte: 2. Klapuch(Tschechoslowakei) 4 Fehlpunkte; 3. Nystroem(Finnland) 5 Fehlpunkte. Nach dem Einbiegen auf die Avus und auf den nicht mehr so bergigen Straßen der davor liegenden letzten Kilometer setzen sich die taktisch klug ihr Rennen einteilenden Geher an die Spitze. Gleichmäßig und unablässig rückt der lettische Meistergeher Dalinsch nach vorn, während sich die beiden Deutschen, Bleiweiß und Prehn, an seine Fersen heften. Die lange Gerade der Avus hinunter gibt es einen nicht so offenkundigen, dafür aber in seiner Hartnäckigkeit und Energie um so erbitterten Kampf und die wertvollen Plätze im Vordertreffen. Bei 25 Klm. am Wendepunkt der Strecke. nahe dem Großen Stern im Grunewald, hat sich Dalinsch schon einen Vorsprung von fast einer Minute gegen den bis dahin an der Spitze liegenden Stork gesichert. Auf dem Wege die Teufelseechaussee hinunter bleiben mit 2 Minuten Abstand Whitlock=England, Bleiweiß und Laisne nur durch Sekunden getrennt dicht beisammen. Ihnen auf den Fersen folgt eine größere Gruppe, in die nun auch der Schweizer Meistergeher Artur Schwab vorgestoßen ist und in der sich Prehn ebenfalls ausgezeichnet hält. Bei 30 Klm. lautet der Stand: Dalinsch:37.12 vor Whitlock, Schwab, Bleiweiß Stork und Bubenke=Lettland Prehn hält seinen neunten Platz in dieser Gruppe. Auf der kurzen Strecke zur Avus setzt der Engländer Whitlock zum Angriff auf Dalinsch an und passiert ihn. Das ist die Entscheidung! Als es die Avus wieder hinunter geht. führt Whitlock vor Dalinsch und Schwab. Bleiweiß war Sechster Und wieder wirkt sich noch einmal die lange zermürbende Gerade der Avus aus. Whitlock führt nun in guter Haltung. Und Dalinsch, der starke Lette, kommt nicht mehr mit. Es fehlt ihm die Kraft für die Entscheidung. Die Deutschen Bleiweiß und Prehn liegen immer dicht beisammen, bis beim Anstieg auf den Kaiser=Wilhelm=Turm Prehn die Spitze ziehen lassen muß. Und immer näher rückt die unerhörte Prüfung dem Ende Das Ziel im Stadion winkt Vorne hält Whitlock unentwegt die Führung aber hinter ihm tobt noch ein unsichtbarer und stiller, dafür aber um so verbissener Kampf. Im Olympischen Stadion wird gerade die letzte Hand für den Start des 200=Meter=Finals angelegt, da erscheint der Engländer, mitgenommen zwar von einem unerhörten Kampf über 50 Klm., aber in ausgezeichneter Haltung. Er ist vom Jubel seiner Landsleute umtost und auch alle anderen Schlachtenbummler spenden ihm aus ehrlichem Herzen Beifall, denn sie wissen, wie schwer dem Engländer der Sieg wurde. 1. und Olympiasieger Harold Hector WhitlockEngland:30.41 2. Schwab=Schweiz:32.09.2, 3. Bubenke=Lettland:32,42,2. 4 Stork=Tschechoslo= wakei:34,00,2, 5. Brunn=Norwegen:34,43.2, 6. Bleiweiß=Deutschland:36.48.4. Die kaum noch zu überbietende glanzvolle Besetzung des 1500=Meter=Laufes brachte die Zuschauer bei den insgesamt vier Vorläufen in höchste Stimmung und Begeisterung. Den ersten Vorlauf führte der Schwede Ny an. In der letzten Runde hatte sich eine aus fünf Mann bestehende Spitzengruppe mit Ny, Böttcher, Cunningham, Igloi und Teileri gebildet. Der Schwede wurde von dem Amerikaner Cunningham stark getrieben. Der Deutsche Böttcher heftete sich an die Fersen seiner Gegner und läßt sich taktisch klug mitziehen. Böttcher hat sich dadurch die Teilnahme am Endlauf erkämpft. Ny und Cunningham gingen im toten Rennen in:54,8 durchs Ziel. 2. Vorlauf: 1. Venzke=USA:004; 2. CornesGroßbritannien:00.6; 3. Lovelock=Neuseeland:00, 6. Mehlhose kam nicht mit Unser zweiter Vertreter Mehlhose hielt zusammen mit dem Tschechen Hosek tapfer mit, als jedoch nach 1200 Meter die Entscheidung durch den an die Spitze gehenden Italiener Beccali fiel. kam er auf den siebten Platz. Beccali, hart getrieben von dem Ungarn Szabo, siegte in der guten Zeit von:55.6. Hinter Szabo belegte der Kanadier Edwards den driten Plav. Ltan Gaut shaftes... Im vierten und letzten Lauf schaffte der Franzose Goix mit:54,0 die beste Zeit. In dem Amerikaner San Romani lernte man hier ebenfalls einen großen Klasseläufer kennen. Der Deutsche Schaumburg war stets vorne und qualifizierte sich als Dritter. 1. Goi=Frankreich:54.0; 2. Romani=USA :55.0; 3. Schaumburg=Deutschland:55,2. Der Endlauf über 200 Mleter Hesse Dwens drnte Golomrounte Owens lief 20,7— Dann Robinson und Osendarp Es ist kurz nach 18 Uhr und nun wird die letzte Hand für das 200=Meter=Finale angelegt. Miller steht am Start, am Ziel ist alles klar, Jesse Owens steht vor seinem dritten Olympiasiege. Miller hebi die Startvistole. Es starten von ihnen nach außen: Osendarv, van Beveren, Owens. Robinson. Hänni und Orr. Auf den Schuß ist das Feld wie ein Mann aus den Startgruben. Unheimlich schnell segt Owens dahin. Ausgangs der Kurve ist er schon mit Robinson gleichauf, hinter ihnen der müde wirkende Osendarv. Wie eine Feder fliegt der Neger dem Ziel entgegen. Direkt schwerfällig wirkt Robinson gegen ihn. Und mit der neuen olymvischen Rekordzeit von 20.7 holt sich Jesse Owens seine dritte Goldmedaille vor Robinson und Osendarv. Er ist ein Phänomen! 1. und Olympiasieger Jesse Owens=USA 20.7(neuer olgmpischer Rekord): 2. Robinson=USA 21.1; 3. OsendarvHolland 21.3: 4. Hänni=Schweiz; 5. Orr=Kanada; 6. van Beveren=Holland. Dritte Siegerehrung für Jesse Owene Unter ungeheurem Jubel der 10000 nahm nach dem 200=Meter=Lauf der Präsident des Olympischen Komitees. Dr. Lewald, zum dritten Male die Siegerehrung für das amerikanische Sportwunder Jesse Owens vor. Die zahlreichen amerikanischen Schlachtenbummler nahmen diese dritte Siegerverkündung ihres Landsmannes mit Pfiffen und Zurufen auf. Die Mädchen vom Ehrendienst überreichten Jesse Owens, seinem Landsmann Robinson und dem Holländer Osendarv, der sich zum zweiten Male als schnellster Europäer erwies, die einfachen Lorbeerkränze.— Unter stürmischer Begeisterung ging wieder einmal das Sternenbanner am Siegesmast hoch. Auch die Sieger im Diskuswersen, und zwar die beiden Amerikaner Carpenter und Dunn, sowie der Dritte. Oberweger=Italien, wurden schlicht geebrt und geschmückt. Max Schmeling abgeflogen Vom Berliner Zentralflughafen Tempelhof aus verließ Max Schmeling am Mittwochmittag Berlin, um sich in Amerika auf seinen Vorkampf mit Weitmeister Braddock vorzubereiten. Schmeling gab seiner Zuversicht Ausdruck, den bevorstehenden schweren Boxkampf zu bestehen. Er verließ noch am Mittwoch mit dem Luftschiff„Hindenburg" Frankfurt a. M. und wird bis zum Kampf in Newyork trainieren. Wieder Böen auf der Kieler Jörde Obt. handrick führt weiter Moderner Fünfkampf nach dem Mittwoch Die Fünfkämpfer erledigten am Mittwochvormittag ihren vierten Wettbewerb. Im 300=MeterKraul gelang es dem Deutschen Lemp die beste Zeit des Tages zu schwimmen. Damit konnte er sich von seinem bisher elften Platz auf den sechsten Platz in der Gesamtwertung heraufarbeiten Einen harten Kampf lieferte ihm der Ungar Orban, der nur um acht Zehntelsekunden geschlagen blieb. Der an erster Stelle liegende Oberleutnant Handrick konnte seine führende Position mit einem achten Platz im Schwimmen weiter befestigen. Auch Oberleutnant Thofelt=Schweden und Leutnant Leonard konnten sich mit einem dritten bezw. sechsten Platz hinter dem Deutschen in der Spitzengruppe behaupten. Auch der dritte deutsche Vertreter, der Unteroffizier Bramfeldt, hat sich durch seine gute Leistung im Schwimmen ein gutes Stück nach vorn gebracht, so daß er nun vom 28. Rang auf den 15. Rang vorrückt. In der Mittelgruppe, und zwar vom vierten bis zum 12. Platz, haben sich nur geringfügige Veränderungen ergeben. Richt mehr angetreten sind zu diesem vierten Wettbewerb der Grieche Baltakzis und Hauptmann Baumann Zweiter Lag des Sihmdin=Ergrine Deutschland Vierter bei den Olympia=Jollen Am zweiten Wettfahrstage starteten auf der Kieler Förde wiederum alle 25 Boote in der Olympia=Einheitsjollen=Klasse.— Es wehte ein böiger Wind mit etwa—10 Skm. Der Himmel, der sich anfangs in strahlender Bläue zeigte. verdüsterte sich bald, doch blieb zunächst das Wetter trocken. Böen bis zu 12 Sekm. fegten später über die Innenförde. Zu Beginn der letzten Runde kreuzte sich unser Vertreter Krogmann an das führende Boot heran, fiel aber später wieder auf den vierten Platz zurück. Zum Schluß sicherte sich Polen noch den dritten Platz. Drei Boote passierten die Ziellinie mit der Protestflagge. Sieger wurde das holländische Boot in:23,44 vor England, Polen und Deutschland. Frankreichs Star=Boot als Sieger disqualisiziert Das Rennen der Star=Boot=Klasse brachte am zweiten Tage der Wettfahrt auf der Kieler Förde dem französischen Boot Fada“ einen vielbeachteten Sieg vor„Sunshine“(Schweden), der aber wegen Bosenberührung vom Schiedsgericht nicht anerkannt wurde. Neben Frankreich wurde aus demselben Grunde auch Norwegen und daneben noch Portugal von der zweiten Wettfahrt ausgeschlossen. Das deutsche Boot„Wannsee“(Dr. Bischoff) hatte sich zunächst gut nach vorn gearbeitet, fiel aber vor Beendigung der ersten Kreuzstrecke auf den vorletzten Platz zurück, als es in einer Reihe von sehr starken Regenböen die Fock wegnahm. Dr. Bischof konnte sich dann wieder auf den fünften Platz nach vorn schieben, während das holländische Boot„Bem 2“ den dritten Platz vor Großbritannien einnahm. Durch den Ausschluß von Frankreich, Norwegen und Portugal änderte sich die Punktverteilung. Schweden führte nach den ersten beiden Tagen mit 23 Punkten vor Deutschland mit 21 Punkten, Großbritannien und USA. Norwegens Sieg in der=Meter=.=Klasse In der=Meter=.=Klasse waren die Favoriten des Vortages Schweden und Deutschland am Start recht unglücklich abgekommen und hatten Mühe, den einmal erlittenen Zeitverlust wieder wettzumachen. Wenn es ihnen dennoch gelang, die Fühlung mit der Spitzengruppe aufzunehmen, so war dies ein neuer Beweis für die hohe Kunst der Steuerleute. In der Reihenfolge Norwegen, Großbritannien, Schweiz, Schweden und Deutschland segelten die Boote durchs Ziel. In der Gesamtwertung dieser Klasse führen Schweden und England mit je 21 Punkten vor Deutschland mit 19 Punkten. „Schröder, nimm den Diskus in die Hand und denke an dein Vaterland“ AAkuns tagk Hla nent=Sois Wieder ein Tag des Triumphes für Amerikas Leichtathleten Schröder versagt im Diskuswerfen— Drei olympische Siege der Amerikaner: Stabhochsprung, Diskuswerfen, 200-Meter=Lauf—. Die dritte Goldmedaille für Owens— England gewinnt die erste Goldene Medaille— Unsere hürdenläuferinnen und zwei Deutsche über 1500 Meter im Endkampf Der vierte Tag Der vierte Wettkampftag der Olympischen Spiele 1936 ist angebrochen. Ruhig und gelassen stehen am frühen Morgen zwei Wachposten der Schutzpolizei auf kirchturmhoher Warte auf dem Osttor. Eine graue Wolkendecke jagt über ihnen hin, von einem scharfen Westwind getrieben, der die Fahnen knatternd entfaltet. Durch ein Wolkenloch stiehlt sich hier und da die Sonne und beleuchtet das farbenprächtige Bild. Winzig klein erscheinen die Menschen im weiten Oval des Stadions. Noch haben die Kämpfe nicht begonnen und doch sind schon an die 50.000 Zuschauer versammelt. Die freien Plätze werden immer weniger, denn der Zustrom dauert ununterbrochen an. Es ist ziemlich kühl. Kein Wunder, daß die hellen Sommerkleider von warmen Decken und Wintermänteln verdeckt werden. Regen verursacht eine Pause Müller und Schulz im Stabhoch qualifiziert Im Stabhochsprung war gerade der erste Durchgang bei der Pflichthöhe von.80 Meter in beiden Gruppen durchgeführt, als ein Regenschauer zu einer Unterbrechung führte. Der Wind wehte die ganze Zeit so stark, daß die Latte bis unmittelbar vor dem Ueberspringen festgehalten werden mußte. Den beiden Deutschen Siegfried Schulz und Julius Müller glückte unter dem anschwellenden Beifall des fast vollbesetzten Stadions schon der erste Versuch über die Pflichtmarke. Beide kamen in guter Haltung und viel höher als nötig über die Latte. Schröder und Fritsch auf ersten Anhieb Beim Diskuswerfen qualifizierten sich zwei Deutsche, und zwar unser Weltrekordmann Willi Schröder und Leutnant Hans Fritsch auf den ersten Anhieb, die die geforderten 44 Meter sicher bewältigten. Nicht ganz so glücklich war der Ostpreuße Gerhard Hillbrecht, der bei seinen drei Versuchen etwas kraftlos wirkte und nicht über die 40=Meter=Marke hinauskam und damit ausschied. Sein Schicksal teilte Schwedens große Hoffnung Haral Andersson. Der Nachmittag im Olympia=Stadion Allerdings kann der nordische„Heros“ für sich entschuldigend anführen, daß er durch eine Verletzung an der Wurfhand, die stark bandagiert war, nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Auch der blonde finnische Athlet Kotkas scheiterte; ferner schnitten noch Janausch=Oesterreich, Winter=Frankreich und Madarasz=Ungarn erfolglos ab. Der Grieche Jean Seraidaris, der sich während seiner Studienzeit in Dresden unter Deutschlands Leichtathleten einen Namen zu machen wußte, erschien nicht am Start. And Wirder 100000 un Sonnenschen Wieder vor den Augen des Führers spielen sich auch am Mittwoch die leichtathletischen Ereignisse ab. Erneut erschallten die Heil=Rufe in schier endloser Folge. Und sie zeigten die Freude der Massen über das Erscheinen des Führers an... Noch immer ist die Leichtathletik der große Schlager der 11 Olympischen Spiele 1936. Vielversprechende Entscheidungen stehen auch am Mittwoch im Reichssportfeld an. Und wie schon an den Tagen zuvor ziehen sie wieder die Massen in ihren Bann. Es ist Tag für Tag das gleiche Bild: Zugkraft ohne Ende! Der Wettermacher hat immer im richtigen Augenblick ein Einsehen. Noch am Morgen hingen zugezogene Wolkengardinen über Berlin, aber nun ist es am Nachmittag wie umgewandelt. Ein stetiger Südwest hat die regendrohenden Wolken zu eiliger Flucht veranlaßt und nun liegt wieder strahlender Olympia-Kampfplan für Donnerstag, 6. August Leichtathletik: 10.30 Uhr: 400 Meter, acht Vorläufe Dreisprung, Qualifikation(14 m) Speerwerfen, Qualifikation(60 m) 15.00 Uhr: 110 Meter Hürden, zwei Vorentscheidungsläufe 15.15 Uhr: Speerwerfen, Vorkampf und Entscheidung 400 Meter, vier Zwischenläufe 16.15 Uhr: 1500 Meter, Entscheidung 16.30 Uhr: Dreisprung, Vorkampf und Entscheidung 17.30 Uhr: 80 Meter Hürden, Frauen, Entscheidung 17.45 Uhr: 110 Meter Hürden, Entscheidung (Vorführung Finnland) Siegerzeremonien. Fußball(Vorrunde): 17.30 Uhr: Großbritannien— China(Mommsen=Stadion) 17.30 Uhr: Pern— Finnland(Hertha=BSC.= Platz) Hockey: 16.30 Uhr: Holland— Schweiz(Gruppe C) 18.00 Uhr: Deutschland— Dänemark(Gr. B) Handball: 17.15 Uhr: Deutschland— Ungarn(Gruppe A) (Pol.=Stadion) 17.15 Uhr: Oesterreich— Rumänien(Gr. B) (BSV.=Platz) Fünfkampf: Geländelauf, Entscheidung Moderner .00 Uhr: Fechten: .00 Uhr: 15.00 Uhr: Schießen: .30 Uhr: Florett=Einzelfechten, Vorendrunde Florett=Einzelfechten, Endrunde Schnellfeuerpistolen, Scheibenpistolen 15.00 Uhr: Schnellfeuerpistolen, Entscheidung Scheibenpistolen Polo: 14.00 Uhr: Segeln: 10.30 Uhr: Radfahre: 18.00 Uhr: Deutschland— Ungarn(Wiederholungsspiel) Spiele zwischen Auswahlmannschaften Fortsetzung der Wettfahrten en: =Klm.=Malfahren, Vor= und Ausscheidungsläufe -Klm.=Verfolgungsrennen, Vorl. (Schauvorführungen). Sonnenschein über der Kampfstätte, die erneut von den Massen bis auf den letzten Platz besetzt ist. Gleich zu Beginn der Kämpfe fand sich der Reichssportführer ein und verfolgte die Leistungen mit sichtlichem Interesse. Für die zweite Runde qualifizierten sich die vier Besten jeder Gruppe. hürdenvorläufe der Frauen Eckert und Steuer setzen sich durch In vier Vorläusen wurde das Feld der Bewerberinnen über 80 Meter Hürden gelichtet. Drei deutsche Mädel waren mit dabei und zwei von ihnen setzten sich für die wenig später folgenden zwei Zwischenläufe durch. Es waren Doris Eckert und die niedliche Anny Steuer aus Duisburg. Hilde Le Viseur=Berlin schaffte es im letzten Vorlauf nicht und schied aus. Erster Vorlauf: 1. Testoni=Italien 12,0. 2. Tiffen=England 12.2, 3. Lanitis=Griechenland 12,6. Im zweiten Vorlauf klappt erst der dritte Start. Eckert kommt elegant über die Hindernisse und eilt fast auf gleicher Höhe mit der Engländerin Webb durch das Ziel. 1. Webb=England 11.8, 2. Eckert=Deutschland 12.0, 3. Pickett=USA. 12,4. Auch Anny Steuer nimmt ihre Chancen wahr. Fünf frühere oder jetzige Meisterinnen ihrer Länder sind im dritten Vorlauf am Start. Anny Steuer startet schwer und kommt erst nach der Hälfte des Rennens richtig in Schwung. Sie schafft knapp zurück hinter der in 12 Sekunden siegenden Kanadierin Taylor und der Amerikanerin'Brien den wertvollen dritten Rang. 1. Taylor=Kanada 12.0, 2.-Brien=USA. 12,0, 3 Steuer=Deutschland 12,1. Im vierten Vorlauf kann es Hilde Le Viseur nicht schaffen. Die Charlottenburgerin stoppt an einer Hürde ab, verliert an Fahrt und bleibt im Mittelfelde hängen. 1. Schaller=USA. 11.8, 2. Valla=Italien 11,.9, 3. Braaketer=Holland 12,0. Sechsmal über 110 Meter hürden Einer der reizvollsten leichtathletischen Wettbewerbe, die 110 Meter Hürden, wurde zwischen dem dritten Durchgang der Entscheidung im Diskuswerfen in Angriff genommen. Die sechs Vorläufe hatten es in sich. Nur die beiden Schnellsten in jedem Rennen sicherten sich die Teilnahme an den zwei Zwischenläufen. Und das verlangte großes Können und letzten Einsatz! Den ersten Lauf gewann mit mäßiger Technik der Südafrikaner Lavery sicher. 1. Lavery=Südafrika 15.0; 2.-Connor=Kanada 15.6. Welscher ausgeschieden Im zweiten Lauf steht mit Willi Welscher einer der zwei Deutschen am Start. Er liegt auf der dritten Bahn. springt aber viel zu hoch, kommt nicht über den vierten Platz hinaus und scheidet aus. 1. Pollard=USA 14.7; 2. Thernten=England 15.0. 3. Vorlauf: 1. Pinlay=England 14.7; 2. Murakami=Japan 15.3. 4. Vorlauf: 1. Stalley=USA 15.0; 2. LavenasArgentinien 15.1. Nur Erwin Wegner im Zwischenlauf Nun wird der vorletzte Lauf gestartet. Neben dem berühmten Amerikaner Forest Towns steht unser Erwin Wegner auf der Außenbahn und mit ihm starten noch etliche Klasseleute. Wird Wegner es schaffen? Es bleibt keine lange Zeit zur Ueberlegung, denn schon fegen die Athleten über die Hürden. Towns reißt die zweite Hürde, aber schon auf halbem Wege hat er einen deutlichen Vorsprung. Er ist so sicher, daß er noch den Kopf wendet, um seine Verfolger zu beobachten— und trotzdem siegt er noch in der schnellsten Vorlaufzeit von 14,5. Unser Wegner kämpft verbissen mit dem guten Oesterreicher Leitner und sichert sich den wertvollen zweiten Rang! 1. Towns=USA 145: 2. Erwin Wegner=Deutschland 15.1. 200-Meter-Iinale ohne Reckermann Es ist noch eine Viertelstunde bis zum Start der 200=Meter=Vorentscheidungen. Das Dutzend Bewerber ist aber schon auf der Bahn. Vor allem die drei Amerikaner rüsten sich. Sie legen mit den beiden Kanadiern einige kraftvolle Sprints auf der Gegengeraden hin Nun wird Franz Miller gleich den ersten Lauf starten. Hier liegt auch unser Karl Neckermann im Rennen. Aber er steht vor einer unlösbaren Aufgabe. Da kracht auch schon der Startschuß. Der Deutsche kommt am besten weg. Vor ihm schießt der Amerikaner Packard dahin, hinter ihm fegt Neckermann einher, gefolgt von Humber. Aber der Deutsche kann auf der Außenbahn im Endspurt das Tempo nicht mithalten. Der Sprint ist zu gewaltig für ihn. Robinson ist glänzend gestartet, im letzten Bogen hat er schon alle Vorgaben aufgeholt, und auf den letzten hundert Metern kann ihn keiner mehr halten. Orr(Kanada) und der energische Holländer van Beveren kommen hinter dem siegenden Robinson durch das Ziel und ins Finale. Neckermann schied mit dem fünften Platz aus.— 1. Robinson (USA) 21.:2. Orr(Kanada) 21.3: 3. van Beveren (Holland) 21.5. Ausgeschieden: Packard(USA), Neckermann(Deutschland) und Grimbeek(Südafrika) in dieser Reihenfolge. In der zweiten Vorentscheidung zieht Owens auf der zweiten Bahn unwiderstehlich davon, führt schon nach 100 Meter mit einem Meter vor dem Holländer Osendarv und Hänni, und kerzengerade aufgerichtet, mit prachtvoll sich streckenden Schenkeln läuft er ein Rennen, wie es eben nur ein Owens laufen kann. Freilich ist seine Zeit nicht so schnell wie die von Robinson, der mit seinen 21.1 nun schon zum dritten Male den olympischen Rekord einstellte.— 1. Owens 21.3: 2. Osendarp(Holland) 21.5: 3. Hänni(Schweis) 21.6. Schnappschüsse aus dem Ofumpischen Stadion Der Entscheidungskampf im 100=Meter=Lauf der Frauen In diesem Wettbewerb holte sich die schnellste Frau der Welt, das amerikanische Farmermädel Helen Stephens, die GoldLutz Long medaille. Sie schlug die Siegerin von Los Angeles, die Polin Stella Walasiewicz. Von den drei deutschen Teilnehmerin(Deutschland), der mit.87 Meter nen erkämpfte sich die Dresdenerin Käthe Krauß den dritten Platz. Im Bilde von links: Helen Stephens, dahinter halb verneuen deutschen Rekord sprang und die deckt Stella Walasiewicz, dann Käthe Krauß. Albus(Deutschland(), Rogers=Kanada(5) und gans rechts Marie Dollinger, Silbermedaille holte.(Schirner—.) die den vierten Platz belegte.(Scherl—.) Jesse Owene (USA) sprang mit.06 Meter neuen Weltrekord. Dafür war seine zweite Goldmedaille fällig.(Presse=Bild=Zentrale—.) Brief aus dem Olympischen Dorf Tür den nagen des kankers Wochenlang vor Beginn der Olympischen Spiele beobachtete ich das Training der Sportler aus allen Nationen auf dem Sportplatz des Olympischen Dorfes ebenso wie auf den zahlreichen Plätzen um das Reichssportfeld und machte zum Teil auch selbst mit. Wochenlang sah ich die erstaunlichen Leistungen zuerst der japanischen und dann der amerikanischen Olympiateilnehmer und hörte von den noch größeren Taten, die sie bei früheren Kämpfen zu Hause vollbracht haben. Wer sollte da nicht zu der Ueberzeugung kommen, daß die Olympischen Spiele, und zwar gerade auch die Wettkämpfe in der Leichtathletik, sich vor allem zu einem Konkurrenzkampf zwischen Amerika und Japan gestalten werder? M4.4 Wer hätte geglaubt, daß sich eine Mannschaft an die Spitze schieben würde, von der man im Olymvischen Dorf am wenigsten sah und hörte, obwohl sie uns mehr interessiert als irgendeine andere, die, ohne nach Vorschußlorbeeren zu verlangen, ihr Training abseits vom großen Getümmel durchführte und sich abends still und bescheiden in ihre Häuser am Nordrand des Olympischen Dorfes zurückzog? Wer hätte gedacht, daß unsere tapferen deutschen Olympiakämpfer und=kämpferinnen— und sie meine ich hier— einer erstaunten Welt Leistungen zeigen würden, die die Rekorde der besten ausländischen Sportkanonen zum Wanken brachten? Es waren wohl nicht viele, die diese Erfolge erwartet haben, auch nicht unter unseren deutschen Olympiakämpfern selbst. * Wenn der Führer das Stadion betritt... Gustav Weinkötz ist unser deutscher Meister im Hochsprung. Obwohl er im olympischen Wettkampf nicht die Höhe erreichte, die er bei früheren Wettkämpfen schon übersprungen hat, da er beim Absprung einiges Pech hatte, konnte er sich doch hinter Kothkas=Finnland als zweitbester europäischer Hochspringer placieren. 6262# Ich traf Weinkötz inzwischen schon meyrfach im Haus Vogesen, wo er im ersten Stock zusammen mit den deutschen Leichtathleten wohnt Auf meine Frage, was er zu den Hochsprungwettkämpfen vom letzten Sonntag zu sagen hat, antwortete mir Weinkötz: „Zwar war es vorauszusehen, daß die Amerikaner an der Spitze liegen werden, obwohl ich behaupten möchte, daß wir Deutschen ihnen an Feinheit der Technik und Ausführung der Sprünge überlegen sind. Was diese Schwarzen zu ihren Leistungen befähigt, ist ihre natürliche Veranlagung für Lauf und Sprung und ihre urwüchsige Kraft. Wir hoffen aber, daß auch wir uns durch weitere Verfeinerung der Technik noch verbessern können. Zu den guten Erfolgen meiner deutschen Sportkameraden im Reichssportfeld kann ich Ihnen sagen, daß die Anwesenheit des Führers auf uns alle einen sehr starken Einfluß ausübt. In dem Augenblick, da der Führer das Stadion betritt, erfaßt uns alle das unwillkürliche Gefühl, jetzt mußt du es schaffen, jetzt oder nie. Diese Entschlossenheit und dieser Fanatismus sind es, die verschiedene meiner Kameraden Leistungen vollbringen ließen, die sie sich nie zuvor zugetraut hätten.“ Hein spricht sich aus Als ich unseren deutschen Hammerwerfer Hein, der vor den Augen des Führers eine Goldene Medaille für Deutschland eroberte am Tag nach seinem glänzenden Sieg in seinem Zimmer aufsuchte, fand ich ihn am Tisch beim Durchlesen von Glückwunschtelegrammen, die sich vor ihm hauften. Er ist glücklich und munter, obwohl ihm wie er sagt, die ungeheure Anspannung der Nerven, die jedem Wurf voraufging, stark zusetzte. Hein erzählt mir zuerst etwas aus seiner früheren sportlichen Betätigung. Er war einst gut im Kugelstoßen und hätte auch nicht daran gedacht, diese Sportart aufzügeben, wenn er sich nicht den Film von den Olympischen Spielen in Los Angeles 1932 angesehen hätte. Hier fand er zum ersten Male Gefallen am Hammerwerfen, stellte sich auf diesen Sport um und ist heute mit weitem Vorsprung der beste Hammerwerfer der Welt. Wenn man sich jedoch vergegenwärtigt, daß Hein vor wenigen Tagen im Reichssportfeld seinen bisherigen deutschen Rekord von 1936 gleich um über 2 Meter überbot, so wird man doch neugierig, zu wissen, was unser Olympiasieger Hein selbst zu seiner Leistung sagt: Elek Schacherer Olympiasiegerin im Florett Nach hartem Kampf fiel am Mittwochabend im Kuppelsaal des Reichssportfeldes die Entscheidung im Floretteinzelfechten der Frauen. Die Goldmedaille holte sich die Ungarin Elek Schacherer vor Helen Mayer=Deutschland und der Olympiasiegerin von Los Angeles Ellen Preis=Oesterreich. Die flarken Männer in der Deutschlandhalle Aufrelbender Endkampf im Stabhochsprung der den Hapunern. Niemand hatte es sich träumen lassen, daß der Stabhochsprung sich über vier Stunden hinzog und sogar Scheinwerfer herangezogen werden mußten, um den Kämpfern die weitere Durchführung ihres nervenaufreibenden Kampfes zu ermöglichen. Als sich die Stabhochspringer zum entscheidenden Kampf stellten, erschienen alle 25 Teilnehmer dicht vermummt, um sich gegen die zunehmende Kühle zu schützen. Schon bei 3,60 Meter gab es zwei Ausfälle; dann aber siebte die=MeterGrenze mächtig. Nach einem zwei Stunden langen Kampf schieden auch die beiden deutschen Vertreter Müller und Schulz aus, die dreimal Fahrer dei den Gewisihereen Silber= und Bronzemedaille für Ismayr und Wagner Die Deutschlandhalle hatte Mittwochnachmittag der zweite Versuch ihren großen Tag. Zu den Entscheidungskämpsen Essener Wagy=pezmegeien auft. erreichte erst in Gewichtheben der Mittel= und Schwergewichts= jo, algr. und dann 110 Kigr, um dann den ochenim Gewichthehen der Mittel= und Schmergemichts: klasse hatte sich auch der Führer eingesunden, der gleich nach seinem Eintreffen staunbare Leistungen an der Scheibenstange zu sehen belam. 12000 Zuschauer erwarteten den Führer, der durch seinen Besuch der Arbeit der„schweren Männer“ sein Interesse bekundete. Große Suldigungen empfingen ihn bei seinem Eintreffen.:(Maannten) Der Ueberathlet Khadr El Touni(Aeghpten) wartete gleich mit hervorragenden Leistungen auf. Schon beim zweiten Versuch drückte er 115 Kilo und überstieg seinen eigenen Weltretord. Im Reißen übertraf er seine eigene Welthöchstleistung von 120 Kilo. die beim dritten Versuch erzielte Leistung im Drücken von 117.5 Kilo des Aegypters konnte nicht als Weltrekord notiert werden, da nur zwei von den drei Richtern ihn als gültig bewerteten und für seine Ernennung die Zustimmung von drei Richtern erforderlich ist. Schon nach den ersten beiden Uebungen lagen unsere Deutschen um 17,5 Klgr. zurück. Der Olpmpiasieger von 1932, Ismayr, holte 107,5 Klgr. im Drücken und 102,5 Klgr. im Reißen, da ihm holen konnte, holte beim„##gen auf, erreichte erst 103 Kigr. und vann 110 Klgr., um dann den Scheibenstab auf 1125 Klgr. stellen zu lasser, Gewicht er zur Hochstrecke riß und hierdurch gloßen Beifall erhielt. Im beidarmigen Stoßen kam Touni auf 150 Klgr. und beim dritten Versuch auf 152,5 Klgr. Auch das Gewicht von 155 Klgr. setzte der Aegypter glatt um. Ismayr und Wagner brachten 142,5 Klgr. zur Hochstrecke und hielten damit das übrige Feld der Teilnehmer zurück. Sie erhielten die Silberne und Bronzene Medaille, die ihnen nicht mehr zu nehmen waren. Tounis Gesamtleistung von 387,5 Klgr. bedeutet Welthöchstleistungi im Dreikampf und OlympiaRekord(Drücken 117,5, Reißen 120, Stoßen 150 Kilogramm). Ismayrs Leistung von 352,5 Klgr. (107,5, 102,5, 142,5) brachte ihm die Silberne ein. Wagner erhielt den 3. Platz mit einer Leistung von 352,5 Klgr.(97,5, 112,5, 142,5 Klgr.). Ismayr bekam den 2. Platz wegen seines leichteren Körpergewichtes zugesprochen. Sihnptsufre Zaßbun= Larnler Verntischen Torhüter der nasse Ball ing Oesterreich— Aegypten:1(:0) Das überraschende Ausscheiden der Schweden im Kampf gegen die Japaner hat eine Steigerung des Interesses an den Vorrundenivielen des olymvischen Fußballturnicts bewirkt. Das Mommsen=Stadion als Schauplatz des Svieles Aegypten gegen Oesterreich war mit fast 5000 Zuschauern wesentlich besser besucht als bei der Begegnung Norwegen— Türkei. Das überaus schnelle Sviel sah zunächst die schneidig angreifenden Aegypter etwas im Vorteil. Doch bereits in der 4. Minute konnte der österreichische Mittelstürmer Steinmetz durch Köpfler den ersten Treffer erzielen. Schon nach weiteren zwei Minuten hieß es wiederum durch einen Kopfball des Halbrechten Landon:0 für Oesterreich Die Aegypter bemühten sich nun sehr eifrig, die Deckung der Oesterreicher zu überwinden, wobei sie sehr oft in die Nähe des gegnerischen Tores kamen. Aber das übertriebene Innenspiel der Männer vom Nil verhinderte jeden zählbaren Erfolg. obwohl sich ihnen gute Torgelegenheiten boten. So ging ein Freistoß, den der österreichische Torwart wegen zu langen Haltens verschuldete, knapp neben das Tor, und im Anschluß an die erste Ecke köpfte Mokhtar den Ball knapp über die Latte. Im weiteren Verlauf war keiner Mannschaft ein Erfolg beschieden. und so ging es mit:0 in die Pause. Der kurz vor der Pause einsetzende Regen hielt auch nach dem Wechsel weiter an. Den favorisierten Aegyptern gelang es nicht, den Vorsprung ihres Gegners aufzuholen. In der 67. Minute kamen die Oesterreicher zum dritten Erfolg durch Steinmetz. der bei vorübergehendem Stellungswechsel von linksaußen flankte und hierbei das Glück hatte, daß dem agyolischen Torhuter der nusse Ball ins eigene Gehäuse schlug. Damit war der Kampf entschieden. Bis zum Schluß war die österreichische Mannschaft noch tonangebend und erst fünf Minuten vor Schluß kamen die Aegypter zu ihrem Ehrentor durch Skar. samstag treten nun die Oesterreicher gegen den Sieger aus dem Spiel Peru gegen Finnland an. Polen— Ungarn:0(:0) Den Fußballkampf Polen— Ungarn im Poststadion sahen am Mittwochnachmittag 6000 Zuschauer. Die schußsicheren Polen besiegten Ungarn. das sich nicht durchsetzen konnte, klar. Trotzdem der starke Wind starken Einfluß auf die Torschüsse hatte, ließen sich die kämpferischen Polen nicht beirren und führten schon nach einer knappen Viertelstunde durch den linken Verbinder God mit:0. Zwölf Minuten später machte der rechte Verteidiger der Magyaren einen Fehler und das nutzte God prompt zum:0. Nach dem Wechsel legte sich Ungarn mächtig ins Zeug und die polnische Deckung hatte alle Mühe, um sich im ungarischen Sturm und Drang zu behaupten. Aber was Polens Torwart nicht hielt, das verschoß der unsichere Sturm. Eine Viertelstunde war herum, da prallte bei einem Vorstoß der Ungarn der Halblinke Burczes mit einem Polen zusammen und mußte mit einem Bluterguß im Knie vom Platz getragen werden. Das Spiel wurde nun reichlich herb. Eine Minute vor Schluß faustete Ungarns Torwart den Ball ins Feld zurück. Polens Linksaußen Wodarz erwischte ihn und das war das:0. Es geschah auf dem Reichssportfeld... Maxe auf der Flucht Ohne Borhandschuhe ist er wehrlos Glück muß ein Revorter haben; die gebratenen Tauben bzw.„Enten“ fliegen ihm nicht in den offenen Mund und manchmal entfleucht selbst so ein kleiner Interview=Spatz noch aus der krampfhaft geschlossenen Fauft. g...,.. in Kisen Apropos: Faust. Wie ware es denn in diesen Tagen mit einer kleinen Schmeling=Evisode? Liegt vollständig schief— Olympia sei's Panier... und sonst garnichts..! „Max Schmeling flieht aus dem Reichssportfeld!“ „Tolle Jagd hinter einem Erweltmeister!"— „Im Chevrolet entkommen!“— bitte, ist das garnichts, ist das etwa eine alltägliche Ueberschrift? Lans und schlecht:„ipe gu. uau.fle O. Die schwarze Lokomol##e aus Uen besse Dwens hatte soeben Siegeskranz und Eichenbäumchen in feierlichem Zeremoniell überreicht erhalten— man sieht, es ist Montagnachmittag 17.45 Uhr— als vor dem Portal der Arena der Menschenkordon sich verstärkt. Schupos sichern die dort varkenden Wagen der Reaierungsmitalieder und Reiscgesansieren Augenblick muß der Führer und seiner Begleitung das Stadion verlassen. Aller Augen harren des in den letzten Tagen vertraut gewordenen Schauspiels. 65 Da hastet aus einem Nebenvortar eine hohe Männergestalt in hellem Gabardine und grünem Schlapp. hut über den freien Platz den Ausgängen zu, offe bar bestrebt, schnell davonzukommen. Plötzlich eine überlaute Stimme:„Da läuft ja Maxe...!“ Gucke da. was er lange Beine macht. Aber das nützt ihm nichts, jetzt hetzt die Meute hinter ihm her. Jungmädel und Pimpfe liegen vorneweg im Rennen, si haben ihr Autogramm im Vorbeigehen weg. Programm= und Zeitungsverkäufer stellen sich Maxe in den Weg, sie halten ihm fordernd Papier unter die Nase, wollen seine„Boxerklaue“ schwarz auf weiß baben.„.(n2 is i 6. Nun ja, ein Mare Schmeling ist an Kummer gewöhnt, ein paar Dutzend Autogramme erledigt er immerhin so im Handumdrehen, aber allmählich ballt sich doch das Menschenknäuel lästig und aufdringlich um ihn. Sie halten ihn einfach am Mantelzipfel fest, und wahrhaftig: Maxe gerät in Rage, dieses Völkchen läßt sich nicht so leicht abschütteln. Jetzt macht er einen Satz über die Ligusterhecke und rennt querfeldein auf die Parkplätze zu. aber seine Verfolger bleiben ihm auf den Fersen. Es gibt ein Wettrennen, wie man es zwischen einem Matador und einer autogrammsüchtigen Meute noch nicht gesehen hat. Ein Champion auf der Flucht oder der Fluch der Popularität! Gott sei Dank. vom Fahrdamm her eilen Schupomänner herbei. Sie wollen Maxe unter ihre Fittiche nehmen, diesem Unfug steuern? Mitnichten: sie fassen lediglich in die Uniformtasche, zücken ihr Protokollbuch und halten es blitzschnell dem Exweltmeister unter den Bleistift. Schützet mich vor meinen Freunden! Kreuz und quer durch die ausgedehnten Parkplätze geht die muntere Jagd. immer weiter, immer weiter. Wo steht denn nur Schmelings Wagen? Die Parkwächter haben kein Einsehen, im Gedränge wird eine ihrer schönen Operettenmützen zertrampelt... Was tut es? Es ist ein lustiges Jagen geworden, gepeitscht vom Berliner Mutterwitz.„Maxe, knall ihnen doch eine in de Fresse!".„So uffgeregt biste doch noch nie gewesen".„Obacht. Maxe, se drängen Dir in de Seile!“ Endlich hat das Boxerauge am jenseitigen Ende des Parkes seinen Wagen entdeckt. Nun aber Dampf! Drei Sprünge um ein paar Wagen, ein verzweifelter Spurt, ein Schlag klinkt zu— und ab geht Maxens Chevrolet... —c Keine Angst vor Petrus! )( Berlin, im August 1936. Die Organisation, immer wieder die Organisation! Vierzehn Tage lang Wettspiele, Wettkämpfe in ununterbrochener Hatz, Zehntausende und Hunderttausende von Zuschauern, da gehört schon allerhand dazu, wenn alles wie am Schnürchen laufen soll. Was geschieht etwa, wenn es plötzlich regnet. Findet dann der„Krieg im Saale" statt? Was ein richtiger Organisator ist, der hat an alles gedacht, der ist fast versucht, ein„kleines Erdbeben“ mit in den Kreis seiner Vorbedachte einzubeziehen. Gott, wenn es regnet, das ist nicht weiter gefährlich. Dann werden die„wichtigen Organe“ des Mammuttieres Reichssportfeld einfach in Watte gepackt, soll heißen mit langen Planen belegt. So eine 100=Meter=Bahn zum Beispiel ist ein überaus empfindliches Fleckchen Erde. Auf einer regennassen Bahn läuft kein Owens 10,3 Sekunden heraus. Und schließlich ist man auch dem Publikum gewisse Vorsorglichkeiten schuldig. Schlachtenbummler von 1936 pflegen nicht mit einem Regenschirm aufs Sportfeld zu gehen. Das wirkt„unmilitärisch“. Aber schließlich sind auch die heutigen Schneiderjacken mit„drei Kilo=Watt“ auf den Schultern und die reizenden Tüllgedichte unserer Damenwelt mit einem einzigen„anständigen Regenschauer“ aus der Fassung gebracht. Nun, keine Angst, auch hier ist vorgesorgt Die Oberorganisatoren haben aus Japan so Stücker hunderttausend große Redie Latte rissen. Noch 16 Teilnehmer nahmen die Höhe von 4,05 Meter in Angriff, darunter auch der amerikanische Weltrekordmann William Graber. Vorher mußte wegen eines heftigen Regenschauers— gegen 18 Uhr— eine halbstündige Unterbrechung des Kampfes eintreten. Als die Latte auf 4,25 Meter gelegt wurde, standen nur noch die drei Amerikaner Graber, Sefton und Meadows, ferner die beiden Japaner Oe und Nishida im Wettbewerb, die beim ersten Versuch die Latte überquert hatten. Für die Bewerber war der Kampf nicht nur eine gewaltige Nervenprobe, vielmehr mußte noch ein Kampf gegen die mit dem Einbruch der Dämmerung fühlbar werdende Kälte geführt werden. Im ersten Durchgang bewältigten der Amerikaner Sefton und der Japaner Nishida die gewaltige Höhe. Im zweiten Gang schraubte sich zunächst der zweite Amerikaner Meadows über die Stange. Seinem Beispiel folgte der inoffizielle japanische Weltrekordinhaber Oe, der seinen schmächtigen, aber sehnigen Körper mit letzter Energie über die Latte warf. Erneut wird die Latte um zehn Zentimeter— auf 4,35 Meter— gelegt. Zwei Amerikaner gegen zwei Japaner treten nunmehr in die vierte Stunde des gigantischen Kampfes. Kampf im Scheinwerferlicht Ein phantastisches Bild ist es, als die Scheinwerfer auf dem obersten Mauerring ihre Strahlen auf die Sprunganlage werfen. Nishida und Sefton reißen beim ersten Versuch, ebenso Oe. Ein Jubelschrei bricht aus abertausend Kehlen, als Meadows nach wundervollem Einsatz sich über die enorme Höhe schwingt und mit 4,35 Meter den alten olympischen Rekord von MillerUSA. mit 4,32 Meter von Los Angeles auslöscht. Oe läuft nicht kraftvoll genug an und muß scheitern. Nishida scheint schon drüberweg zu sein, als er im letzten Augenblick beim Einknick doch noch abwirft. Sefton klettert bei seinem zweiten Versuch nicht mehr hoch genug. Lange sammelt sich der Japaner Oe bei seinem letzten Versuch. Drei kleine Schritte, dann ist er in vollster Fahrt, wundervoll stemmt er sich hoch, die Hände stoßen vom obersten Ende der Bambusstange ab, aber die leicht aufliegende Latte wird gestreift und fällt herunter. Nicht besser ergeht es seinem Landsmann Nishida und damit hat der Amerikaner Meadows den olympischen Sieg und die Goldmedaille in einem in der Geschichte der Olympischen Spiele an=Zeitdauer und Dramatik einzigartigen Kampf errungen. Der Olympiasieger Meadows läßt die Latte auf die Weltrekord bedeutende Höhe von 4,45 Meter legen. Gewaltig streckt sich der wundervolle Athlet, aber bei der Drehung im Knick wirft er das Holz mit dem Brustkorb herunter. Beim zweiten Sprung bricht die Latte unter dem Aufprall des Körpers. Inzwischen ist die Nacht hereingebrochen. Nur eine kurze Ruhepause gönnt sich Meadows. Dann springt er zum dritten Male. Aber es glückt ihm nicht, neben dem olympischen Sieg auch noch den Weltrekord zu erobern. Um die Silberne und Bronzene Medaille treten dann bei einer Höhe von 4,35 Meter die Japaner Oe und Nishida mit dem Amerikaner Sefton zum Stichkampf an. Sefton reißt mit einem Bein. Oe macht einen müden Eindruck und Nishida springt unter der Latte mit kraftlosem Sprung durch. Die Höhe wird auf 4,25 Meter herabgesetzt. Noch verfolgen gut 30 000 Zuschauer den Kampf der drei Männer. Sefton scheitert knapp. Das nervenzerreißende, nun schon fast fünf Stunden währende Ringen hat die letzten Reserven aus den Kämpfern herausgeholt. Grenzenloses Pech hat Oe, der hoch über der Latte schwebt, aber beim Fallen doch auf das Holz zurückfällt. Verzweifelt kniet er in der Sprunggrube. Nishida teilt sein Schicksal. Nun geht es über 4,15 Meter. Sefton bezwingt die Höhe nicht. Dann kommt Oe, ein Satz, ein Dehnen des elastischen Körpers, und hinweg ist der kleine Japaner. Nippon hat die Silbermedaille sicher. Auch der zweite Japaner kommt in elegantem Schwung über die Latte. Nishida und Oe verzichten auf die Austragung des Stichkampfes und begnügen sich damit, ihrem Lande die Silberne und Bronzene Medaille erobert zu haben. 1. und Olympiasieger Earle Meadows=USA. 4,35 Meter, 2. und 3. Suco Oe=Japan und Shuhei Nishida=Japan je 4,25 Meter, 4. William Sefton=USA. 4,25 Meter(nach Stechen entschieden), 5. William Graber=USA. 4,15 Meter. Der Führer und Reichskanzler erschien Mittwoch morgen bereits um 9 Uhr mit seiner Begleitung im Olympia=Schwimmstadion und wohnte dem vierten Wettbewerb des Modernen Fünfkampfes, dem 300=Meter=Kraulschwimmen, bei Ferner bemerkte man neben dem Führer noch Generalleutnant von Witzleben und Generalmajor Busch. gentüten bestellt, die für einen Groschen zu erhandeln sind. Und so kann man es denn erleben, daß innerhalb einer halben Stunde das Stadion der Hunderttausend sich aus einer Ansammlung von „Elegants“ in einen traurigen Haufen„Südwester“ oder Helgoländer Fischer verwandelt. Die faconlosen Kapuzen aus undurchlässigem Regenpapier entsprechen zwar keineswegs den sonst gültigen Gesetzen der Jahresmode, darum aber doch dem Gebot einer solchen Regenstunde. Vater und Sohn verunglückt Osterath. Auf der Heimfahrt vom Sauerland verunglückte ein hiesiger Kaufmann mit seinem Sohne in Düsseldorf=Benrath dadurch, daß das Steuer des Personenwagens versagte. Infolgedessen fuhr der Wagen über den Bürgersteig hinweg gegen eine Hauswand. Der Fahrer erlitt gefährliche Beinverletzungen. der 17jährige Sohn schwere Kieserverletzungen, so daß beide dem Benrather Krankenhause zugeführt werden mußten. Zeichen eines frühen herbstes? Aus der Eisel. Die bäuerliche Bevölkerung deutet von jeher bestimmte Erscheinungen, die sich im Leben der Natur zeigen, im Sinne der zukünftigen Witterungsgestaltung. Aus dieser Wetterbeobachtung haben sich im Laufe der Zeit die Bauernregeln ergeben. So wird beispielsweise das frühe oder späte Einsetzen der Herbstwitterung nach dem Verhalten bestimmter Vogelarten beurteilt. Und so haben zwei in den letzten Tagen beobachtete Erscheinungen in der bäuerlichen Bevölkerung hier und da die Meinung aufkommen lassen, daß in diesem Jahr mit einem frühen Herbst zu rechnen sei. In einigen Orten des Hocheifelgebietes wurde beobachtet, wie sich größere Scharen von Schwalben„versammelten“, was man als Zeichen für ihren baldigen Südlandflug ansieht. Eine auffallende Beobachtung konnte in der Gegend von Blankenheim gemacht werden. Auf dem Felde arbeitende Landwirte sahen Schneegänse in ihrer typischen Flugform gen Süden ziehen. Große Feierlichkeiten bei der Xantener Viklorstracht Xanten. Die St.=Viktorstracht ist für die Tantener Gegend das, was für das Paderborner Land die Libori=Feierlichkeiten sind. In diesem Jahre sind die Feierlichkeiten für die Zeit vom 18. August bis zum 19. Oktober angesetzt und werden dadurch eine besondere Note erhalten, daß der Primas von Belgien. Kardinal und Erzbischof van Roey, mit seinem Weihbischof, Bischof Hudal aus Rom, der Bischof von Lüttich und der Abt des Prämonstratenserklosters, Tongerloo, sich zu den Feierlichkeiten angemeldet haben. Auch aus dem niederländisch=flämischen Gebiete wird eine so große Zahl von Pilgern erwartet, daß für diese am 7. September ein besonderes Pontifikalamt angesetzt ist. Aus aller Welt Treue Schulkameraden Ein Wiedersehen nach 30 Jahren London. Vor 30 Jahren wanderte ein gewisser Frederick Franklin aus dem Städtchen Shoreham in Susser nach den Vereinigten Staaten aus. Franklin hatte die Volksschule besucht und daraushin bei einer Firma der Londoner City seine Lehre abgemacht. Dann trieb ihn die Abenteuerlust ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das Amerika um jene Zeit auch wirklich noch war. Der junge Engländer begann die übliche amerikanische Laufbahn über den unvermeidlichen Tellerwäscher hinweg bis zum Präsidenten einer Großbank. Er hatte Mut, Ausdauer und vor allem Glück gehabt. Hin und wieder schickte er einem Schulfreunde. dem inzwischen zum Hauptmann im englischen Heere aufgerückten George Clement, ein vaar Zeilen, war aber im übrigen zu sehr in der Wall Street beschäftigt, um mal wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Der Bankmagnat verfolgte seit Jahrzehnten die Ereignisse in dem Städtchen Shoreham anhand der dort erscheinenden Zeitung, auf die er abonniert war. In diesen Tagen las er nun, daß Oswald Ball. sein alter Schulmeister, nach 40jähriger Dienstzeit aus dem Amte scheide. Diesen Anlaß benutzte der Bankier, um dem alten Lehrer und auch seinem ehemaligen Klassenkameraden eine besondere Freude zu bereiten. Er kabelte seinem Freunde, dem Hauptmann Clement, daß er im August in England eintressen werde. Gleichzeitig solle der Schulkamerad im ersten Gasthof des Städtchens ein Festbankett zu Ehren des alten Lehrers bestellen und dazu auch sämtliche alten Schulfreunde, soweit sie noch lebten oder erreichbar seien, einladen. Der Hauptmann bestellte für den 25. August ein großes Essen und sandte Einladungen an alle Schulkameraden heraus. Er bekam auch schon 15 Zusagen. darunter solche von kleinen Beamten, einem Schiffsheizer und anderen meist zu den ärmeren Schiahren der Bevölkerung gehörenden ehemaligen Mitschülern. Sie alle werden eine recht herzliche Wiedersehensfeier begehen, bei der mit den Kosten, wie der Bankier ausdrücklich befahl, nicht gespart werden soll. Wegen Heirat fristlos entlassen... London. Der merkwürdige Fall eines schottischen Bankangestellten, der gegen den Willen seiner Vorgesetzten heiratete und deshalb fristlos entlassen wurde, wird demnächst im englischen Parlament zur Sprache kommen. Der Bankclerk. ein gewisser W. E. Notman, bezog ein Jahresgehalt von 1900 Mark, als er im Jahre 1934 bei seiner Bank um die Heiratserlaubnis anging. Nach dem Anstellungsvertrag dürfen die Beamten der Commercial Bank of Scotland erst bei einem Jahresgehalt von 2400 Mark die Ehe eingehen, eine Bedingung, die verhindern soll, daß Angestellte wegen unzureichender Bezahlung sich Unterschlagungen oder dergleichen zuschulden kommen lassen. Notman wurde die Ehebewilligung abgeschlagen. Man riet ihm zu warten, bis er befördert würde. Da der junge Mann aber heiraten wollte, trat sein Vater an die Bank heran und verbürgte sich für den Zuschuß, den der Sohn zur Führung seines Haushaltes benötigte. Die Bank lehnte den Vorschlag ab. versetzte aber den Angestellten an eine andere Filiale bei gleichzeitiger Erhöhung seines Gehaltes auf 2200 Mark. Nun beging Notman den für die strengen Auffassungen der Bank unverzeihlichen Fehler, zu heiraten. Vier Tage nachdem die Direktion davon erfuhr. wurde er fristlos entlassen. Jetzt sucht der 29jährige Angestellte über das Unterhaus sein Recht. Kugelsichere Westen sehr gefragt Mit Garantieschein für den Träger London. Die beunruhigende Zunahme der Morde in England und anderen, besonders von innervoli tischen Wirren heimgesuchten Staaten, tritt deutlich hervor aus der Umsatzsteigerung, die eine Londoner Fabrik für kugelsichere Westen zu verzeichnen hat. Täglich werden hier bis zu 100 solcher Westen, das Stück zu 120 Mark, verkauft. In der Hauptsache sind es junge Männer, die sich solche modernen Panzer zulegen. Der Berichterstatter eines großen Londoner Blattes suchte unlängst eine Wafsenhandlung auf und verlangte kugelsichere Westen anzusehen. Er glaubte schon den Verkäufer in einige Verlegenheit gebracht zu haben, als dieser mit der größten Seelenruhe eine Schublade öfinete und den gewünschten Artikel in verschiedenen Ausführungen vorlegte. Es wurde ihm sogar erklärt, daß diese Westen auch nach Maß. besonders für beleibte Figuren angesertigt würden. Sie sind einige Pfund schwer. diese Westen: man zieht sie über den Kopf an wie einen Pullover und erhält obendrein einen Garantieschein, der besagt. daß das Kleidungsstück tatsächlich gegen Revolverund Gewehrkugeln wirksam schütze. Selbst in England besäße eine Reihe hochstehender Persönlichkei ten diese Kugelvanzer. Freilich existierten darüber keine Kundenlisten, denn die Minister und Staatsmänner pflegten die Westen indirekt zu kaufen... „Wer raucht denn da?“ An einem schönen Frühlingstage unternahm Richard Wagner mit einem Freunde einen Spaziergang in der Nähe Bibrichs. Die Tore des herzoglichen Schloßgartens waren geöffnet. und Wagner zeigte Lust, einen Abstecher durch den Park zu machen. Da nirgends ein Schild zu sehen war, daß das Rauchen verboten, dachte keiner von den Freunden daran, die kurz vorher angezündete Zigarre zu löschen. Blaue Wolken vor sich herstoßend. betraten sie den Garten. aber nicht unbemerkt von einer Schildwache, die verdeckt am Tore stand, jetzt plötz lich auf Wagner zulief und ihn anschrie:„Zigarre weg!" Wagner bedeutete dem Mann:„Wenn hier nicht geraucht werden darf. können Sie das anständiger sagen.“——Gehorsam wurden die Zigarren ausgelöscht, aber kaum hatten die Freunde einige hundert Schritte auf den schattigen Wegen zurückgelegt, als sie einen Offizier sahen. der ihnen entgegen kam und in vollem Behagen ganze Rauchwolken in die Luft bließ. Wagner war empört und meinte: „Uns verbietet man das Rauchen. aber die Unifor men kümmern sich nicht um das herzogliche Gebot Stecken wir also unsere Zigarren an und sehen wir. was sich weiter begibt!"— Gesagt, getan. Und dampfend zogen die beiden dem qualmenden Offizier entgegen. Er sah Wagner und seinen Freund finster von Kopf bis zu Fuß an, hielt dann seine Zigarre nach der anderen Seite, daß man sie nicht sehen konnte und schritt vorüber.„Das war ja der Herzog selbst", sagte Wagner—„und vielleicht schämt er sich. in seinem eigenen Park zu rauchen, sonst hätte er die Zigarre nicht versteckt...“ Feitschristenschau Kölnische Illustrierte Zeitung Erste Kämpfe— erster Lorbeer Die XI. Olymvischen Sviele, das größte Sportereignis des Jahres. haben begonnen. Verheißungsvoll für Deutschland war ihr Beginn. Gleich am ersten Tage eroberten sich unsere Sportler zwei Goldmedaillen. Die Bilder dieser Ereignisse werden Sie schon morgen in Händen haben. Die Kölnische Illustrierte Zeitung bringt ausführliche Bildberichte von den Eröffnungsfeierlichkeiten und den ersten Kämpfen.— Wir führen aus dem reichhaltigen Heft weiter folgende Bildaussätze an: Deutsche Volksernte 1936: Bildbericht vom Bürgerkrieg in Spanien: Das Haus der 100 Zwillinge: Farbenfilm— nicht gefärbt: Strandmoden des Auslandes: Das Universalgenie: Otto Lilienthal. Der Innenteil bringt in teressanten Lesestoff: Die Welt gräbt nach Gold: Die Geschichte des Hotels: Der tansere Kovoral von Auen und noch vieles andere mehr. Das Heft ist die geeignete Lektüre für die Reise. Humor Der starke Kaffee „Und nun schnell noch eine gute Tasse Kaffee, lieber Fritz. ehe du wieder ins Büro gehst.“ sagte die teure Gattin. „Aber nicht so stark. Emilie,“ sagte der Mann. „gestern konnte ich im Büro kein Auge zu tun!“ . Folgsamer Patient Chef:„Ich mache schon seit Tagen die Beobach tung, daß Sie angeheitert in den Dienst kommen. Herr Müller. Das geht doch nicht. Wie kommen Sie denn dazu?" „Da kann ich gar nichts dafür.“ erklärt der Buchhalter.„der Arzt hat mir nämlich eine Medizin verschrieben, die ich nicht nüchtern nehmen soll... Untrügliches „Woraus schließen Sie, daß Ihr Mann betrunken war?“ „Erschüttelte den Garderobenständer im Flur und krabbelte dann auf dem Fußboden herum, um nach Aevfeln zu suchen.“ Aber doch „Ich glaube. ihr habt während der ganzen Reise nicht ein einziges Mal an euren einsamen Vater zu Hause gedacht!" „Doch. Papa! Jedesmal. wenn in einem Hotel ein Gast bei Tisch über das Essen schimpfte, sagte Mama:„Genau wie der Papa!“ Statt Karten. Für die vielen Autmerksamkeiten anläßlich unserer goldenen Hochzeit sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichen Dank. Heinrich Borns und Frau Castrop-Rauxel 1, den 5. August 1936. Hand-, Wasser- u. Elektro- WIDFFL Waschmaschinen KiRScI in allen Preislagen in größter Auswahl Ladenhüter vermeidet der Kaufmann, der durch regelmäßiges Inserieren im„Stadtanzeiger“ in deuernder Verbindung mit dem Konsumenten steht Alleinmädchen, 18 bis 20 Jahre, ehrlich, solide, welches schon in bess. Häus. war, für alle Arbeiten, zum 15. 8. gesucht.(Lält. Pers.) Dauerstellung. Zeugnisse, Lohnansprüche u. Lichtbild erbet. unt. Nr. 706 an den Verlag d. Stadtanzeigers.(Sch10 Herrschaftliche Etage, 6 Zimmer mit Bad. im Zentr. der Stadt, zum 1. Oktober 1936 zu vermieten. Schriftl. Angeb. unt. Nr. 700 an den Stadtanz. Sauberes halblagsmädchen für 3 Tage in d. Woche. Montags. Mittwochs u. Freitags, per sofort gesucht. Wo, sagt der Stadtanz.(Mi9 Ein treudiges kreignis bildet die Veranlassung zum Einkaul von Möbel, Textillen usw. Der kluge Geschäftsmann bringt sich daher rechtzeitig durch eine Anzeige im „Stadianzeige“ In emplehlende ErinnerunAlles freut sich bei der Firma Krause über die schönen neuen Briefblätter, die die Druckerei Geschw. Schmitz lieserte. Es geht eben nichts über gute Geschäftsdrucksachen. Briefbogen mit geschmackvollem, sauberem Aufdruck machen bei der Kundschaft doch einen ganz anderen Eindruck! Lassen auch Sie sich mal Vorschläge machen von der Druckerei Geschw. Schmitz, Castrov=Rauxel 1, Münsterstraße 24, Sa.=Ruf 2151. Flotte Arbeit an der Schreibmaschine! Postkarten tippen? Sie kennen es ja auch. Zuerst spannt man die eine Seite der Postkarte ein, beschriftet sie und dann ruck=ruck; die Karte wird wiederausgespannt und ruck=ruck; umgedreht und nochmals neu eingespannt und ausgerichtet, nur um die Adresse 1 schreiberz, un Dieses umstandliche zweimalige Einspannen und Ausspannen in der Maschine ersparen Sie sich bei Verwendung unserer Selbstklebepostkarten mit dem Adreß=Streifen. Sie brauchen hier die Karte nur einmal in die Maschine spannen, können in einem Zug— in einem Gang— die Adresse und den eigentlichen Text schreiben. Sie brauchen nachher nur den Adreß=Streifen an der bezeichneten Stelle umzusalzen... und die Karte ist versandsertig. Bestellen Sie Ihre nächsten Postkarten in dieser praktischen Spezialausführung bei uns Sie steigern mit diesen Karten die Arbeitsleistung an der Schreibmaschine. Druckerei Geschw. Schmitz, Castrop=Rauxel 1. Münsterstr. 24, Ru 2131 Tader-Bruchsdchen liefert Geschw. Schmitz Castrop-Rauxel 1. Münsterstraße