Biin PAlt. 1s.e. P 9 dr Casoptkäutel und ungesung 62. Jahra, Castroper Zeitung s#„Stodtenziger#rschein wöchentlich kmal. Wochendezugsprete Anzeigenprete: 1 mm hoch und 22 mm breit 4 Pfg. TertCE.Bahig. Castlopel=Helung 50 Pfg. Postbestellpreis 2 RM. monatlich. Ersatzansprüche können anzeigen 1 mmn hoch und 72 mm breit 25 Pfg. Nachlaß nach Paurolor Pagaste Nachrichton versn“ Prue und Peiag.; Wdteier Seval uicht gestell veni von M. d. 9. U. derauzegebenen Richzlusen. 3. 31 gi Ruuxerei Neueste Nuchriahsten Zaupischeisleiter, gerantsnorsbe P. Sdmis#. Latorzeuzel, Preisliste Nr. 2. Für Plazwünsche, auch für die durch Fernsorcher Hi#t mtem S.#7 4. Josel Kruge in Fartov=ho zu;: Pre n1 gusgegshengg.„lowie für ungeztish, elhriehen„Aulirsge wird Blagennorner Fagehlatt### Carzag=Rauzel„Inzeigenleizr:, Withelm keine Gewähr übernommen Schluß der Anzeigen=Annahme 4 Uhr Liabenhorflel Tagevlalt Welter in Castrop=Rauxel. DA. V. 36 1767. Sa.=Nr. 2151 Castrop. nachm. tags zuvor. Erfüllungsort u. Gerichtsstand Castrop=Rauxel. Amtliches Veröffentlichungsblau für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Allgemeines Kreisblau für den Stadtkreis Castrov=Raurel. Nr. 178 Samstag, den 4. Juli Hotschuterrf in Wennnne Zehnjährige Wiederkehr des ersten Reichsparteitages in Anwesenheit des Führers und Reichskanzlers Feierlicher Staatsempfang im Schloß zu Weimar— Weimar im Festschmuck dnb. Weimar, 3. Juli. Am Freitag begann in Weimar das große Schauspiel abzurollen, das in den nächsten drei Tagen die Blicke Deutschlands und der Welt nach der thüringischen Gauhauptstadt lenken wird. Unter den ersten Gästen der Zehnjahresfeier, die Freitag eintrafen, war der Führer des RSKK, Korpsführer Hühnlein. Mit klingendem Spiel zog die Leibstandarte des Führers ein, und im Laufe des Tages folgten SS=Ehrenstürme aus allen Teilen des Reiches. Der ehemalige thüringische Volksbildungs= und Innenminister, Gauleiter Wächtler, rückte an der Spitze der Abordnungen des Gaues Ostmark, den er jetzt führt, in die Stadt ein. Die Bevölkerung brachte ihm ganz besonders herzliche Ovationen dar. Vor dem Hotel „Elefant“ auf dem Marktplatz, wo der Führer bei seinen Besuchen in Weimar stets Quartier zu nehmen pflegt, hatte sich eine erwartungsfrohe Menge angesammelt, um die Ankunft des Führers zu erwarten. Alle Zugangsstraßen zum Bahnhof und der Bahnhofsvorplatz, die im festlichen Flaggenschmuck prangen, sind dicht besetzt mit einer großen Menschenmenge. Der Führer eingetroffen Am Freitag um 15.20 Uhr traf der Führer in Weimar ein. Zur Begrüßung hatten sich eingefunden Reichsstatthalter Sauckel, Ministerpräsident Marschler und Staatssekretär Ortlepp als Vertreter der thüringischen Regierung, Korpsführer Hühnlein, SA=Obergruppenführer Staatsrat Günther, RSKK=Gruppenführer Ponndorf, SS=Brigadeführer Staatsrat Hennicke, SS=Brigadeführer Graf Pflomm. Die auf dem Bahnhof anwesenden Weimarer und auswärtigen Gäste begrüßten den Führer mit stürmischen Heilrufen. In seiner Begleitung befanden sich Stabschef Lutze, Reichsminister Dr. Goebbels, Obergruppenführer Brückner, Reichspressechef Dr. Dietrich und Brigadeführer Schaub. Als der Führer auf den Bahnhofsplatz heraustrat, begrüßten ihn die Tausende, die sich hinter den Absperrketten drängten, mit jubelnder Begeisterung. Der Führer schritt die angetretenen Ehrenformationen des Heeres und der Luftwaffe ab und fuhr alsdann durch das dichte Spalier der Bevölkerung. Vor dem Hotel„Elefant“ spielte der Musikzug des 3. SS=Sturmbanns Sachsen den Präsentiermarsch. Auch hier wieder jubelten die begeisterten Weimarer dem Führer zu. Siauisempfung inn Jusloß Der Gruß des Führers an seine Alte Garde Mit einem feierlichen Staatsempfang der Spitzen der Partei und der Behörden im Schloß zu Weimar wurden am Freitagnachmittag die offiziellen Veranstaltungen anläßlich der 10jährigen Wiederkehr des ersten Reichsparteitages nach Neugründung der RSDAP festlich eingeleitet. Der Führer und Reichskanzler entbot in Anwesenheit des Führerkorps der nationalsozialistischen Bewegung der gastgebenden Stadt Weimar und dem Gau Thüringen seinen Gruß und gab seiner Freude Ausdruck, die Kameraden des Reichsparteitages vor 10 Jahren an dieser Stätte wiedersehen zu können. Der große Festsaal des Weimarer Schlosses war durch lange, von der Empore herabhängende rote Samttücher und schlichten Blumenschmuck zu einer würdigen Empfangsstätte ausgestattet worden. Wenige Minuten vor 17 Uhr verließ der Führer das Hotel„Elefant“ am Marktplatz und begab sich zu Fuß in das nahegelegene Schloß. Wieder umbrandete ihn auf diesem kurzen Weg der Jubel der Weimarer und der Gäste von nah und fern, die dem Führer dankbar für sein Kommen waren. Zu beiden Seiten des Weges bildeten Ehrenabordnungen der SS, der SA und des REKK Spalier. Auf der letzten Strecke aber standen die mehr als 4000 Teilnehmer des ersten Reichsparteitages. Unbeschreiblich fast war ihre stürmische Begeisterung. Auf dem Schloßhof schritt der Führer die Front der Ehrenformationen der nationalsozialistischen Gliederungen ab und begrüßte die Standarten der SA und SS aus ganz Deutschland, die dort Aufstellung genommen hatten. Der Führer schritt nun durch ein Spalier Bundes deutscher Mädel die mit Samt ausgeschlagene Schloßtreppe zum Festsaal empor. er den Saal betrat, erhoben sich die Männer des Führerkorps der RSDAP und grüßten ihn mit dem deutschen Gruß. Neben dem Führer nahmen in der ersten Reihe Reichsminister Rudolf Heß, Reichsstatthalter Gauleiter Saucke! und Ministerpräsident Marschler Platz. Die weihevollen Klänge der fünften Sinfonie von Ludwig van Beethoven, gespielt von der Weimarischen Staatskapelle des Deutschen Nationaltheaters, leiteten den feierlichen Staatsempfang ein. Dann richtete Reichsstatthalter und Gauleiter Fritz Saucke! an den Führer und Reichskanzler das Wort. Er führte u. a. aus: Ueberglücklich in grenzenloser Dankbarkeit und Liebe begrüße ich Sie, mein Führer und Ihre hervorragenden Mitarbeiter und Mitkämpfer im Namen aller Volksgenossen und Volksgenossinnen im Gau Thüringen. Tief ergriffen danke ich aber auch der allmächtigen und gütigen Vorsehung, die Ihren unvergleichlichen Kampf um Deutschlands Ehre und Freiheit so wundervoll segnete. Kaum vermögen wir die Größe unserer Zeit und ihr einzigartiges geschichtliches Werden zu begreifen. Unser Land und unsere Nation sind im Zeichen des Hakenkreuzes und unter dem Symbol der von Ihnen, mein Führer, verkündeten nationalsozialistischen Weltanschauung in neuer Kraft und Herrlichkeit auferstanden. Deshalb grüße ich auch in dieser Stunde die alten, kampferprobten und sieggewohnten Standarten der Bewegung und deren Führer. Mit Ihnen heiße ich die vielen Tausende Ihrer im schwersten Ringen erprobten Parteigenossen und Parteigenossinnen der alten Garde sowie der Teilnehmer am Parteitag 1926 herzlich willkommen. Dieser Gau hieß einst das„rote Thüringen". Es war damals der Wille der marxistischen Volkszerstörer, dieses Herz Deutschlands zu einem Bollwerk des Klassenkampfes, ja sogar des bolschewistischen Zersetzungswahns zu machen. In der ganzen schweren Kampfzeit sind sich aber die Thüringer Nationalsozialisten treu geblieben. Sie kannten immer nur eine Parole Adolf Hitler; sie hatten nur eine Sorge die Bewegung; sie kannten nur ein Glück dem Führer zu dienen. Standhaftigkeit und Treue bewiesen sie auch in der Zeit, als sich das Grauen des Elends, die Verzweiflung der Arbeitslosigkeit und damit die Qual von Hunger und Kälte des langen Waldwinters ins unermeßliche steigerten. Diese Standhaftigkeit bewährte sich auch, als im Jahre 1931 Marxisten und bürgerliche Parlamentarier unseren hier in Thüringen allverehrten ersten nationalsozialistischen Minister in Deutschland, Dr. Frick, in verräterischer Weise stürzten und glaubten, dem Nationalsozialismus so einen vernichtenden Schlag versetzt zu haben. Die Rechnung war falsch. Sie selbst, mein Führer, haben damals in grandiosen und gewaltigen Massenkundgebungen unsere Volksgenossen auf den Marktplätzen in Gera, Meiningen und Weimar zu neuem Kampfeswillen befähigt, so daß schon nach einem Jahr die Macht total in Thüringen übernommen werden konnte. Was aber, mein Führer, wäre trotz all der Erfolge aus Deutschland geworden, wenn Sie nicht am 30. Januar 1933 die Macht in Deutschland ergriffen hätten? Sauckel führte sodann einige Beispiele der trostlosen Lage des deutschen Volkes im Jahre 1932 an, und fuhr u. a. fort: Ein herrliches Wunder ist geschehen, Deutschland in neuer Gesundheit und zu neuem, starkem Leben und Schaffen auferstanden. Jetzt wird jene damalige Zeit des unerbittlichen Kampfes und größten Opferns der Bewegung neu in uns lebendig und zwingt ganz Deutschland wieder in ihren Bann. Wie vermöchten Worte des Dankes und der Versicherungen der Treue das auszudrücken, was Ihre alte Garde, Ihre Mitkämpfer und Ihr Volk empfinden, und wie wir alle an Ihnen hängen, Ihnen vertrauen und nur den einzigen Wunsch haben, daß die Vorsehung Sie gesund erhalten und schützen möge, um Deutschlands willen. Stadde un Beatschians Ministerpräsident Marschler erklärte in seiner Rede beim Staatsempfang am Freitagnachmittag: „Die thüringische Staatsregierung weiß sich mit der weimarischen und gesamten thüringischen Bevölkerung in dem Gefühl des Glücks und der Dankbarkeit einig, Sie, mein Führer, aus Anlaß der Zehnjahresfeier des Reichsparteitages Weimar in den Mauern dieser altehrwürdigen Stadt begrüßen zu dürfen. Sie haben damals mit der prophetischen Sicherheit Ihres Blickes den„Tag von Weimar“ als die Stunde der Wiedergeburt und des Wiederaufstiegs der Bewegung bezeichnet. In diesem feierlichen Augenblick, der die Führerschaft der Partei und des Reiches in diesem traditionsreichen Saal zu einem Auftakt versammelt, drängt es mich, Ihnen, mein Führer, vor allem anderen für den Glauben zu danken, den Sie uns damals zu Beginn des Wiederaufstiegs der Bewegung kraft Ihrer Persönlichkeit in die Herzen pflanzten. Dieser Glaube an Deutschland, der immer identisch war mit dem Glauben an den Führer, und dazu Ihr Vertrauen auf unsere und unseres Volkes Kraft, haben uns überhaupt erst die Fähigkeit zu kämpfen und zu siegen gegeben. Wir bitten Sie, es uns nicht als Unbescheidenheit auszulegen, wenn wir als Gau Thüringen auf jene ersten Tage mit Stolz zurückblicken und mit einem Gefühl der Genugtuung zurückdenken an die einzelnen Etappen unserer Entwicklung in Thüringen und der Niederringung all der feindlichen Parteien, die einmal im Jahre 1919 gerade hier in Weimar versucht hatten, ein Schandmal deutscher Ehrlosigkeit aufzurichten. Angefeuert durch Ihren unbändigen Willen ist es uns in kürzester Zeit gelungen die einst vergiftete Atmosphäre von Weimar zu reinigen und Weimar zu einem Hort neuen deutschen Kulturwillens und zu einer Zelle nationalen Widerstandes und Freiheitswillens zu gestalten. Darum gedenken wir auch mit Stolz und Dankbarkeit der Zeit des Ministeriums Frick in Thüringen, die wir Ihrer besonderen Anteilnahme an der Entwicklung gerade dieses Gaues verdanken. Wie wir uns vor 10 Jahren bemüht haben, uns die Ehre des ersten Reichsparteitages durch unausgesetzte Bemühungen auch noch nachträglich zu verdienen, so sind wir auch nach der Aera Frick unablässig und fanatisch am Wert gewesen, das damalige Notstandsgebiet Thüringen möglichst schnell unter dem einheitlichen Willen einer rein nationalsozialistischen Regierung zu bringen. Wiederum mit Ihrer einzigartigen Hilfe, mein Führer, ist uns im Sommer 1932 dieser Schritt Dolitischer Querschnitt der wöuse Spannungen über Kontinente und Meere Wenn man die Bedeutung der Ereignisse in der vergangenen Woche richtig erfassen will, dann darf man nicht die einzelnen Vorgänge in Genf, London oder anderen Städten an sich betrachten, sondern man muß sich dabei der großen Zusammenhänge bewußt werden. Das Kräftespiel, das man jetzt in Genf verfolgen kann, ist nur ein Teil der Auswirkungen des großen politischen Kraftfeldes, das Kontinente und Meere überzieht. Wenn in Genf über Sanktionen und über Abessinien gesprochen wird, so steht damit das große Problem der umstrittenen kollektiven Sicherheit und die Zukunft der Völkerbundsidee zur Debatte. Besonders deutlich kam dies zum Ausdruck, als nach den großen Reden Leon Blums Edens und des Negus in der Völkerbundsversammlung die Vertreter der südamerikanischen Mächte, der englischen Dominions und der kleineren und sogenannten neutralen Staaten Europas sprachen. Ihre Worte waren Mahnungen für die Zukunft. wobei sie von einem Pessimismus getragen waren, der bisher in Genf überhaupt noch nie festgestellt werden konnte. Für sie hatte das gefährliche Genfer Experiment anläßlich des italienisch=abessinischen Konfliktes ja eine besondere Bedeutung. Es lieferte den Beweis, daß sich so wie jetzt auch in der Zukunft kein Staat wird auf die Hilfe des Völkerbundes verlassen können. So brachte die Genfer Tagung in dieser Woche nicht nur das Ende der Sanktionen. sondern auch das viel bedeutsamere Ende gewisser Illusionen, vor denen Einsichtige und Kluge schon seit langer Zeit gewarnt haben In diesen Tagen fragte man sich überall in der Welt, auf allen Kontinenten und in allen Länderun, wie sich nun in der Zukunft die internationale Zusammenarbeit gestalten wird, nachdem ihre bisherige Form so effensichtlich Schiffbruch erlitten hatte. Die Auswirkungen, die heute ein um einen bestimmten Punkt auf der Erde entstandener Konflikt auf weite und große Räume und über Kontinente haben kann, zeigte sich übrigens auch bei den letzten Erörterungen über das Schicksal der Dardanellenkonferenz, deren Ausgang nach der russischen Forderung nach einer Vorzugsbehandlung sehr fragwürdig geworden ist. Ist es nicht bezeichnend. daß ausgerechnet Japan, das von den Dardanellen so ungeheuer weit weg liegt, gegen die russische Forderung Widerspruch erhoben hat? Auch hier also zeigt sich ein örtlich gebundenes Problem als ein Teil des gesamten Kraftfeldes der Weltpoliik, aus dem sich heute keine Detailfrage trennen und herauslösen läßt. Noch einen dritten interessanten und wichtigen Beweis für diese Tatsache brachte die vergangene Woche: die Auswirkungen der Unruhen in Palästina auf die gesamte mohammedanische Welt einerseits und damit auch auf die wichtigsten Teile des englischen Imperiums andererseits. Nicht mehr bei den Araberführern in Palästina scheint die Enscheidung über die nächsten Ereignisse zu liegen, sondern beim Emir und bei den Scheiks in Transjordanien, dem derzeitigen Zentralpunkt der panislamitischen Bewegung. Ueber Kontinente und Meere erstrecken sich so die Spannungen und immer weiter führen alle Bewegungen, die irgendwo auf der Welt durch einen Konflikt oder irgendein anderes politisches Ereignis ausgelöst werden. gelungen und nun erleben wir die glückliche Stunde, daß Sie uns durch Ihre Gegenwart eine höchste, wenn auch eigentlich unverdiente Anerkennung zollen. Denn wir haben nichts anderes als unsere Schuldigkeit dem Allmächtigen gegenüber getan, der Sie mein Führer, befähigt hat, Ihre Sendung an Deutschland zu erfüllen. Wie die Weltgeschichte nicht nur in den Büchern der großen Historiker, sondern auch in satirischen Werken zu allen Zeiten dargestellt worden ist, so werden wohl auch kommende Satiriker an den erbärmlichen Versuchen kleiner Alltagserscheinungen nicht vorübergehen können, die einst im Jahre 1919, dann vor 10 Jahren, nach dem Reichsparteitag Weimar 1926 und endlich wieder nach der Aera Frick bemüht waren, den Begriff „Weimar“, gründlich umzufälschen und den Vormarsch des neuen Deutschlands zu verhindern. Wir haben diese Versuche, glaube ich, durch Ihr einzigartiges Vorbild angespornt, durch fleißige Arbeit zunichte gemacht Und wir geloben Ihnen in dieser Stunde. diesem Grundsatz treu Ierr.e andEhre Der Führer in Weimar„Ohne diese Ehre und ohne diese Freiheit kann es keinen Frieden geben. Das mag die Welt zur Kenntnis nehmen Beim feierlichen Staatsempfang im Schloß anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Reichsparteitages in Weimar hielt der Führer folgende Ansprache;. S 2 Jiaher api. „Mein lieber Gauleiter Sauckel, nieder Ministerpräsident Marschler! Ich danke Ihnen für Ihre Begrüßung. Sie wissen am besten, wie tief ich bewegt bin, in diesen Tagen in den Mauern der alten Stadt verweilen zu können. Es ist für uns alle ein wunderbares Wiedersehen, ein Wiedersehen mit unseren Kampfgenossen, mit den meisten derjenigen, die damals mit in Weimar einmarschiert sind. Manche leben nicht mehr; andere sind unterdes grau und viele auch schon weiß geworden. Allein eins ist gleich geblieben: die Erinnerung und der fanatische Entschluß, die Prinzipien und die Grundsätze, die uns damals beherrschten, für alle Zukunft aufrechtzuerhalten! Dieser Entschluß, den alten Grundsätzen uns auch jetzt, da wir durch ein wundersames Schicksal die Macht in Deutschland besitzen, erst recht zu verschreiben, um sie auf diejenigen zu übertragen, die nach uns kommen werden. Zehn Jahre Geschichte sind nicht immer gleich zu werten. Die zehn Jahre, die hinter uns liegen, sind, glaube ich, wirklich weltbewegend gewesen. Erst die Nachwelt wird wohl einmal ganz ermessen können, welches Fundament in diesen zehn Jahren gelegt worden ist. Damals, im Jahre 1926, unternahmen wir einen Angriff auf diese Stadt, einen Angriff auf dieses Land und damit einen Angriff auf Deutschland. Heute, kaum zehn Jahre später, befinden wir uns schon in der Vollendung des Sieges. Der Glaube, der damals wenige Hunderttausende erfüllte, ist heute zum Glauben des ganzen deutschen Volkes geworden! Dieser Erfolg wurde uns nicht geschenkt, denn diese zehn Jahre sind Jahre unzähliger Kämpfe und unzähliger Opfer gewesen. Was wissen alle diejenigen, die erst nach dem Siege auf unsere Bewegung aufmerksam wurden, was wissen sie von dem, was diese Jahre vorher an Opfern und an Kämpfen gefordert hatten? Wieviel Sorge wir tragen mußten, wieviel Glaube notwendig war, um aus dieser kleinen Bewegung am Ende die beherrschende Macht in Deutschland zu entwickeln? Was wissen sie davon, wieviel an Gehorchen nur zu oft gegen alle Regungen des Gefühls, ja sogar gegen die Vernunft zu gehen schien? Wie oft mußten wir in diesen zehn Jahren unsere jungen Kämpfer ermahnen, niemals die Nerven zu verlieren, niemals unklug zu handeln, sondern immer, bauend auf die Zukunft, die Zeit reifen zu lassen! Mögen die Jungen von heute aus dieser Zeit des Verzichts und des Gehorsams lernen für sich und die deutsche Zukunft. Alles konnte nur erreicht werden durch die grenzenlose Treue und Anhänglichkeit meiner Mitkämpfer. Dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle und an diesem Tage heute besonders danken. Ihnen mein lieber Gauleiter, der Sie— ich weiß es,— einer meiner Treuesten sind; Ihnen, meine Parteigenossen in der Regierung: Ihnen allen, die Sie hierher gekommen sind aus dem übrigen Deutschland als Führer der einzelnen Organisationen; und nicht zum letzten allen den unzähligen unbekannten und auch namenlosen kleinen Parteigenossen, die in den Jahren, in denen die Verführung von der anderen Seite so groß und die Wahrscheinlichkeit des Sieges so klein war, standhaft geblieben sind. Ich möchte ihnen danken, daß sie in diesen Jahren so treu und anständig zur Bewegung gehalten haben, daß sie ihr nicht zu bleiben! Und nun noch einmal, recht herzlich willkommen in Thüringen!" Darauf trat der Führer und Reichskanzler an das Rednerpult. Er dankte dem Gauleiter Sauckel und dem Ministerpräsidenten Marschler und bezeichnete es als ein Glück, die Tage dieses wundervollen Wiedersehens erleben zu dürfen. Besonders freue er sich darüber, mit den alten Kampfgenossen zusammenzusein, die damals vor 10 Jahren in Weimar aufmarschierten. Der letzte Satz der fünften Sinfonie von Beethoven verhallte. Der Führer erhob sich und schritt grüßend durch die Reihen seiner Mitarbeiter nach dem Schloßhof, wo ihm wiederum ebenso wie auf dem Wege nach seinem Quartier die Bevölkerung zujubelte. Luftsperrgebiet über Weimar dnb. Berlin, 3. Juli. Anläßlich der Zehnjahresfeier des ersten Reichsparteitages in Weimar wird zur Vermeidung von Störungen der Veranstaltungen der Luftraum über Weimar in einem Umkreis von 10 Kilometer Durchmesser mit dem Mittelpunkt Marktplatz Weimar für die Zeit vom 3. Juli, 12 Uhr, bis 6. Juli 1936, 6 Uhr, als Luftsperrgebiet erklärt. Zuwiderhandelnde werden nach dem Luftverkehrsgesetz bestraft, soweit nicht nach anderen Strafgesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist. Ausnahmen kann das Luftamt Weimar zulassen. den Rücken kehrten, wenn es manchmal so zu sein schien, als werde unser Werk doch nicht gelingen, sondern daß sie sich erst dann recht fanatisch zu mir bekannten und sich fanatisch vor mich stellten. Wohin wären wir gekommen, wenn sich diese Anhänglichkeit nur in den Zeiten des Erfolges gezeigt haben würde? Das, was unsere Bewegung so groß werden ließ, war nicht die Treue und Anhänglichkeit nach Siegen und Erfolgen, sondern die Treue gerade nach unseren Niederlagen. Wenn es uns schlecht ging, wenn sich alles Glück von uns abzuwenden schien, dann sind diese Hunderttausende kleiner Menschen erst recht hinter die Bewegung und— ich darf wohl sagen— vor meine Person getreten. Nur deshalb konnten wir zusammen diesen einzigartigen Kampf der deutschen Geschichte durchkämpfen und erfolgreich bestehen. Und so wie wir dank dieser Tugenden unser großes Ziel der Erringung der Macht in Deutschland erreicht haben und nun seit 3½ Jahren erfolgreich mit dieser Macht für Deutschland arbeiten können, so werden wir, wenn wir uns zu den gleichen Grundsätzen auch in der Zukunft bekennen, auch stets den Weg nach vorwärts finden. Möge die deutsche Nation nun vergessen, daß die Härte eines Volkes nicht dann erprobt wird, wenn die Führung sichtbare Erfolge aufzuweisen hat, sondern in Stunden scheinbarer Mißerfolge. Solange eine Führung vom Glück begegnet ist, kann sich jeder Schwächking zu ihr bekennen. Erst in den Stunden, in denen das Glück sich abzuwenden scheint, dann zeigen sich die wirklich wertvollen Menschen. Dann erst wird die Treue mit gewogen! Möge in der Zukunft das deutsche Volk sich diese Tugenden bewahren! Es wird mit diesen alten Prinzipien den Grundsätzen unserer Bewegung, in eine große Zukunft hineinmarschieren! Ich kann an diesem Tage neben dem Dank nur die eine Bitte an den Allmächtigen aussprechen: Daß er unser Volk segnen möge in unserer Bewegung. Denn das ist meine heiligste Ueberzeugung: Solange die nationalsozialistische Bewegung fest und stark in Deutschland steht, solange wird Deutschland stark und fest sein. Wenn jemals diese Bewegung sinken sollte, dann wird auch Deutschland wieder sinken. Zehn Jahre Kampf liegen hinter uns. Die Vorsehung hat es uns ermöglicht, unserem Volke neben den Erfolgen auf dem Gebiete der Arbeit vor allem den Frieden zu bewahren. Ich glaube, wir können auch an diesem Tage an diese Vorsehung keinen anderen Wunsch richten, als den, auch in Zukunft diesen Frieden unserem Volke zu schenken. Vor diesem Frieden aber wollen wir stets schreiben das Wort: Ehre, und unter diesem Frieden wollen wir stets verstehen den Begriff: Freiheit! Wir wollen überzeugt sein, daß ohne diese Ehre und ohne diese Freiheit es auch keinen Frieden geben kann. Das weiß unser Volk, und das mag auch die Welt zur Kenntnis nehmen. Ich glaube, daß diese Klarheit am ehesten geeignet sein wird, falsche Vorstellungen, falsche Hoffnungen oder falsche Auffassungen zu beseitigen und damit einem wirklichen Frieden zu nutzen. So danke ich Ihnen noch einmal, mein lieber Gauleiter und mein lieber Ministerpräsident, für Ihre Begrüßung. Ich habe den Wunsch, daß diese Tage für alle Parteigenossen, die sie zum zweiten oder auch zum ersten Male erleben, Tage der Besinnung sein mögen, der Besinnung auf die Größe des Schicksals, dem wir dienen!" Aufruf des Reichsministers Dr. Goebbels Berlin. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda erläßt folgenden Aufruf: Nach dem Willen des Führers hat Deutschland für die Olympischen Spiele 1936 Vorbereitungen wie kaum ein anderes Land zuvor getroffen. Die Hunderttausende ausländischer Gäste sollen würdig empfangen werden und ein besonders glänzendes Beispiel deutscher Gastfreundschaft erleben. Ich bin gewiß, daß jeder Deutsche seine Ehre darin setzen wird, den ausländischen Besuchern, die alle unter dem Schutze des Deutschen Reiches stehen, zuvorkommend gegenüberzutreten und, wenn sie einer Hilfe bedürfen, ihnen mit Rat und Tat Beistand zu leisten. Berlin, im Juli 1936. gez. Dr. Goebbels. Walisch nach Gerslandigung Eine Stellungnahme Degrelles dub. Brüssel, 3. Juli. Unter der Ueberschrift „Rex und Deutschland“ veröffentlicht der Führer der Rex=Bewegung, Leon Degrelle, am Freitagnachmittag in seinem Organ„Le pavs réel“ eine Stellungnahme. Degrelle erklärt, genau so wie die Rex=Bewegung im Innern des Landes den Frieden herbeiwünsche, genau so wolle sie für Belgien den Frieden mit allen Nachbarn. Das französisch=deutsche Duell sei nur die Folge von gegenseitigen Mißverständnissen, und die Belgier müßten dazu beitragen, diese Mißverständnisse auszumerzen. Die Rex=Bewegung wolle nicht mehr, daß Belgien in die Kämpfe der anderen dadurch hineingezogen werde, daß es des einen oder anderen Partei ergreife. Belgien müsse völlig unabhängig und neutral sein. Das schließe selbstverständlich nicht eine starke Wehrmacht aus, die dazu da sei, jeden militärischen Einfall, woher er auch komme, zu verhindern. Degrelle bricht weiter eine Lanze für die moralische Befriedung in Europa. Er hält sie für um so notwendiger, als der Bolschewismus immer drohender werde. Frankreich werde morgen vielleicht einer roten Diktatur anheimfallen und dann den Versuch einer„Kolonisierung" Belgiens unternehmen. Während aber die bolschewistische Revolution von der französischen Seite her drohe, gebe es eine Mauer des Unverständnisses nach der anderen(deutschen) Seite hin. Es sei an der Zeit, frei und ohne Vorbehalt alle Nachbarn, Deutschland mit einbegriffen, in Betracht zu ziehen. Varbanekenkonsereit um Ronlag Englisch=sowjetrussische Einigung— Neuer englischer Entwurf „Letzter Appell“ Vorolympische Sendung des Rundfunks am 5. Juli dub Berlin, 3. Juli. Der Deutsche Rundfunk veranstaltet im Rahmen seiner vorolympischen Sendung am 5. Juli in der Zeit von 12 bis 12.30 Uhr einen„Letzten Appell“. Diese Sendung wird eingeleitet durch die bekannte Olympia=Fanfare und den Klang der Olympia=Glocke. Exzellenz Lewald, der Präsident des Deutschen Olympischen Komitees, meldet der Welt den Abschluß der Vorbereitungen, die für die Durchführung der Olympischen Spiele in Berlin getroffen werden mußten. Anschließend berichten die Präsidenten der übrigen nationalen olympischen Komitees in ihrer und in deutscher Sprache über die Anzahl ihrer Olympiakämpfer und deren Ankunft in Berlin. Diese Sendung wird auf die einzelnen ausländischen Rundfunksender weitergeleitet, so daß zu gleicher Zeit der„Letzte Appell“ in aller Welt widerklingt. Der Deutsche Rundfunk wird bereits hier Gelegenheit haben, seine technisch organisatorische Leistungsfähigkeit im Dienste der olympischen Sendungen unter Beweis zu stellen. „150 Jahre Soldatentum und Kyffhauserdund dnb. Kassel, 3. Juli. Auf der Karlswiese fand am Donnerstagabend für die Kasseler Bevölkerung die öffentliche Hauptprobe des Freilichtspiels„150 Jahre Soldatentum und Kyfshäuserbund" statt, das am kommenden Sonntagabend für die von auswärts kommenden Landesverbände des Kyffhäuserbundes zur Aufführung gelangen wird. Ueber 30000 Zuschauer füllten die großen Tribünen. Das Festspiel vermittelt in farbenprächtiger Bildfolge einen Ueberblick über die Geschichte des Reichskriegerbundes vom Entstehen der ersten Kameradschaft im Jahre 1780 bis auf den heutigen Tag. Tief ergreifend war das Bild, das die Rückkehr unserer Feldgrauen aus dem Getümmel der Materialschlacht in die Heimat zeigt. Als die Musik dann„Ich hatt' einen Kameraden“ spielte, erhoben sich die 30 000 spontan von ihren Plätzen, um die Gefallenen zu ehren. In einem erhebenden Schlußbild sah man dann die Soldaten des Alten Fritz, die Soldaten des Weltkrieges, die braunen Bataillone Adolf Hitlers und die im Kyffhäuserbund vereinigten alten Krieger gemeinsam aufmarschieren. 4000 Mitwirkende, 2000 Sänger und 120 Musiker waren zu diesem großen Festspiel aufgeboten. dnb. Genf, 3. Juli. Freitag nachmittag fand zwischen Paul=Boncour, Eden, Litwinow, Titulescu und Rüschtü Aras eine eingehende Aussprache zur Vorbereitung der Wiederaufnahme der Meerengen=Konferenz statt. Es verlautet, daß zwischen Rußland und England eine weitgehende Verständigung zustande gekommen sei und man behauptet, daß man sich über die Durchfahrt der Kriegsschiffe geeinigt habe. Paul=Boncour und Rüschtü Aras werden morgen nach Montreux fahren, um dort der letzten Sitzung des technischen Ausschusses beizuwohnen. Die Verhandlungen der Vollkonferenz werden am Montag wieder ausgenommen. In der heutigen Sitzung des technischen Ausschusses hat die englische Abordnung angekündigt, daß sie einen Abkommensentwurf vorlegen würde, der ein Kompromiß der englischen Wünsche mit dem türkischen Entwurf darstellen werde. Dieser englische Entwurf wird wahrscheinlich morgen vormittag dem technischen Ausschuß vorgelegt werden. Tchotte KaftungeunF. Schatzkanzler Chamberlain kündigt Jehlbetrag infolge der erhöhten Rüstungsausgaben an dnb. London, 3. Juli. Das Unterhaus behandelte am Freitag in dritter Lesung die Haushaltsvoranschläge für 1936=37. Die Aussprache wurde für die Opposition von dem Abgeordneten Pethick Lawrence abgeschlossen, der darauf hinwies, daß die Höhe der Ausgaben zum ersten Male seit den Kriegsjahren die Summe von 800 Millionen Pfund erreicht habe. Wenn die Ausgaben für die Rüstungen weiter stiegen, so würden 800 Millionen wohl bald zu wenig sein. Von der auswärtigen Politik, die die Regierung führe, werde auch die künftige Gestaltung des Haushalts abhängen. Schatzkanzler Neville Chamberlain erklärte, die Erhöhung der Steuern sei deshalb erfolgt, weil das Rüstungsprogramm, das lebenswichtig und dringlich sei, dies erforderlich mache. Es müsse innerhalb eines einzigen Jahres durchgeführt werden und müsse in einem gewissen Verhältnis zu dem stehen, was andere Länder tun. Chamberlain erklärte dann,— und diese Erklärung erregte beträchtliches Aufsehen— daß er einen Fehlbetrag im Haushalt für das nächste Jahr erwarte. Seit der Haushaltserklärung sei es so gut wie sicher geworden, daß der Haushalt einen Fehlbetrag aufweisen werde und es sei nur die Frage, wie hoch dieser Fehlbetrag sich stellen werde. Auf eine Zwischenfrage des Abgeordneten Lawrence, ob dies heiße, daß in Kürze Ergänzungshaushalte zu erwarten seien, bestätigte Chamberlain das ausdrücklich. England stehe, si schloß er, vor einer Zeit, in der es große Summen ausgeben werde, um das Land zu sichern und es in die Lage zu verletzen, seine Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund zu erfüllen. Er sei allerdings nicht der Ansicht, daß die Vermehrung der Ausgaben für die Rüstungen sich ununterbrochen fortsetzen werde. England habe jedoch aufzuholen und müsse während einer kurzen Zeit ungewöhnliche, ja fabelhafte(phänomenale) Summen ausgeben. Sobald aber der für notwendig gehaltene Standard erreicht sei, würden genügend Gelder zur Verfügung bleiben, um auf wirtschaftlichem Gebiet erfolgreich fortzuschreiten. Er glaube, daß England finanzkräftig genug sei, in den kommenden Jahren die erforderlichen Gelder aufzubringen. Der Haushalt wurde sodann in dritter Lesung ohne weitere Abstimmung angenommen. Danksagung des Kommandeurs der Leibstandarte dub. Berlin, 3. Juli. Für die aus allen Teilen des Reiches anläßlich des schweren Autounfalles in überaus großer Zahl eingetroffenen Beileidskundgebungen spreche ich auf diesem Wege für das Zeigen der Teilnahme am Tode der vier SS=Kameraden als Kommandeur der Leibstandarte SS Adolf Hitler meinen herzlichsten Dank aus. Sepp Dietrich, ES.Obergruppenführer. Der Jahrer des Führers dnb. Berlin, 3. Juli. Nach dem Hinscheiden des SS=Brigadeführers Schreck wurde der SSSturmbannführer Erich Kempka, der bisher der zweite Fahrer des Führers war, an diesen verantwortungsreichen Posten berufen. Erich Kempka ist das siebente von zehn Kindern einer Bergmannsfamilie in Alstaden. Wegen Doppelmordes zum Tode verurteilt Saarbrücken. Das Schwurgericht verurteilte am Donnerstagabend die 26jährige Auguste Koehl aus Pflugscheid bei Nürnberg wegen Mordes in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung zum Tode und erkannte der Angeklagten die Ehrenrechte auf Lebensseit ab..—9— Vor der Rückgliederung des Saarlandes. am 1. Februar 1935, hatte die Angeklagte ihre Mansardenwohnung in Brand gesteckt, um sich ihrer beiden unehelichen Kinder, die sie vorher durch Einflößen von Malagawein eingeschläfert hatte, zu entledigen. Bald nach dem Ausbruch des Brandes erstickten beide Kinder durch Einatmen von Orydgasen. Die Leichen konnten nur in stark verstümmeltem Zustande geborgen werden. In der Verhandlung leugnete die Angeklagte die Tat, obwohl sie im Ermittlungsverfahren voll geständig war. Rettungswerk eines Deutschen in Tampico Mexiko=Stadt. Wie das Tamvicoer Blatt„Mundo“ berichtet, hat der Deutsche Werner Barke innerhalb von acht Tagen drei Menschen vom Tode gerettet. Die drei Personen waren beim Baden am Strande in Tampico in starke Brandung geraten und drohten zu ertrinken. Nr. 178 Iweites Blatt des„Etadtanzeigers für Castrov=Rauzel und Umgebung“ Samstag, den 4. Juli 1936 Aus der Geschichte der„schatterei Die ältesten Schützenvereine- Schützenfeste im Mittelalter Zum Schützen= und Volksfest im Stadtteil Frohlinde Am heutigen Samstag beginnt in Frohlinde das dreitägige große Schützen= und Volksfest, dem seit Wochen so viel Beratungen und Vorbereitungen galten, daß man schon jetzt sagen darf: Es wird wieder alles„wie aus der Büchse geschossen", junktionieren! Wenn die Frohlinder Schützengilde auch noch keine lange Geschichte aufzuweisen hat, so besitzt sie doch schon ihre„Tradition“, die in bester deutscher Schützenüberlieferung wurzelt. Deshalb ist denn auch gerade in Frohlinde das Schützenfest zu einem wahren Volksgemeinschafte fest geworden. an dem alle Volksgenossen gern innigsten und freudigsten Anteil nehmen. Das Schützenwesen mit Preisschießen. Vogelschießen und Schützenfest ist ein tyvisch deutsches Volksgut. Seine Anfänge gehen weit ins Mittelalter zurück. Die älteste Schützengilde ist die der„Karlsschützen“ in Aachen die 799 gegründet sein soll und im Jahre 1899 ihr 1100jähriges Bestehen feiern konnte. Wie reich das Schützenwesen bereits im 14. Jahrhundert ausgebildet war. beweist, daß es in Venlo im Jahre 1384 vier verschiedene Schützenvereine gab: alte. junge. allerjüngste und mittelste. Im Lande der Ruhr wissen wir, daß die älteste erhaltene Schützenordnung die von Dortmund ist und aus dem Jahre 1378 stammt. Die SebastiansSchützengilde Haltingen stammt aus dem Jahre 1403. Die Bochumer Maischützen haben in diesem Jahre ihr 548. Jahresfest gefeiert. Die älteste Castrov=Rauxeler Schützennachweisung geht bis in das Jahr 1638 zurück. Sie betrifft den Castrover Schützenverein. Diese Zahl findet sich auf einem alten Fahnennagel auf der Schützenfahne von 1885. Die gleiche Jahreszahl trägt auch die bekanntlich in Clostern befindliche alte Castrover Schützenfahne. Bemerkenswert erscheint, daß auch ein altes Bronzesiegel der Stadtverwaltung die Inschrift„Freiheit Castrop 1638“ aufweist. Castrop=Rauxel wird daher im kommenden Jahre im Zeichen 300jährigen Schützenlebens stehen können. Für das kommende Jahr sind daher auch schon große Schützenfeste des Obercastrover Bür: ger=Schützenvereins für den Süden und des Bataillons Ickern der Schützengilde Castrop= Rauxel=Nord festgelegt worden. In diesem Jahre aber feiert nach der Hochkonjunktur in Schützenjesten die wir im Vorjahre erlebten (Altstadt Castrov=Rauxel=Nord und Btln. RauxelBahnhof der Nördlichen Schützen) die Schützengilde Frohlinde„konkurrenzlos". Sie begeht damit ihr viertes Schützenfest. Das letzte wurde vom 25. bis 27. August 1934 geseiert. Es ist noch in bestem Andenken bei allen Festteilnehmern. Vom vorletzten Schützenfest in Frohlinde, das Mitte Juli 1933 abgehalten wurde, bringen wir hier zur Auffrischung der Erinnerungen ein Bild vom damaligen„Hofstaat". Die Entstehung der Schützengilden oder Bruderschaften hängt ursächlich zusammen mit der mittelalterlichen Wehrverfassung der Städte, die der Bürgerschaft die Selbstverteidigung auferlegte. Die Wehrnflicht der wassenfähigen Bürger rief das Bedürfnis hervor. sich im Waffenhandwerk zu üben. Die Hochblüte hatte das Schützenwesen im 14. und 15. Jahrhundert. Neben den kirchlichen Festen war das Schützenfest eines der bedeutsamsten. Hier stellte sich der Schütze der Oeffentlichkeit vor, ob er in seinem Handwerk etwas zu leisten vermochte. Zugleich waren die Schützenfeste das bürgerliche Gegenstück zu den Turnieren der adeligen Ritter. Geschossen wurde beim Schützenfest schon immer auf den Vogel draußen vor der Stadt. Wer beim Schießen siegte, wurde König und damit waren besondere Vorteile verbunden. In vielen Städten war der Schützenkönig das ganze Jahr hindurch von allen bürgerlichen Lasten und Abgaben befreit. Anderswo erhielt er ein Geldgeschenk als Ausgleich für die mit seiner Würde verbundenen Ausgaben wie Bierspenden, Festessen usw. In Neuß am Rhein hatte der Schützenkönig das Recht, für sein Vieh ein ansehnliches Stück Land, das heute noch„Königsmorgen“ heißt, als Weide zu benutzen. Schützenköniginnen kannte man damals noch nicht. Sie kamen erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Der schlechteste Schütze wurde vom Pritschenmeister mit ein paar Stockschlägen bestraft. Mit dem 7. Jahrhundert erblaßte der Wehrcharakter der Schützen immer mehr. An dessen Stelle trat die Geselligkeit, die sich bis heute erhalten hat. Doch ist gerade in den letzten Jahren auch der Wehrhaftigkeitsgedanke im deutschen Schützenleben wieder erfreulich stark in den Vordergrund getreten. * Es dürfte nicht von ungefähr sein, daß auch im Mittelalter auf lebende oder tote Hähne und Lauben geschossen wurde. Noch bis in die jüngste Zeit ist in der Mark Brandenburg auf lebende Tauben bei Schützenfesten, die hoch an der Stange angebunden waren, geschossen worden. In anderen Gegenden Deutschlands wurde das Schießen auf den Vogel von der Geistlichkeit verboten, weil man darin eine Verhöhnung des Hl. Geistes erblicken wollte. Dieser Meinung traten die deutschen Schützen entschieden entgegen und schließlich setzten sich die Schützen durch. Bekannter als der Hahn oder die Taube ist aber der Papagei als Schützenvogel. Im ganzen Mittelalter wird vom Schützenfest als vom Papageien= schießen gesprochen, und der Vogel in den Schützenketten wurde kurzweg Papagei genannt. Dieses buntgefiederte Tier ist aber nicht vor dem 11. Jahrhundert im Abendland bekannt gewesen. Es waren die Kreuzzüge die dieses Tier und die Kenntnis davon verbreitet haben. Der Papagei war ja auch der alles wissende, sprechende Vogel zahlreicher morgenländischer Märchen. Seine schillernde Buntheit dürfte als Symbol der Farbenschönheit des Frühlings mitbestimmend gewesen sein, ihn zum Schützenvogel zu machen. Der Adler als Schützenvogel ist erst im 17. Jahrhundert in Gebrauch gekommen. Daß man sich ihm zuwandte, dürfte damlt Zusammenhängen, daß der Adler der deutsche Wappenvogel war. Heute ist er durchgängig der Vogel der deutschen Schützenfeste geworden. Auch die Frohlinder Schützengilde schießt wie alle übrigen Castrop=Rauxeler Schützenvereine die Königswürde durch Abschießen des Adlers von der Stange aus. Das Königsschießen beginnt am heutigen Samstagnachmittag nach der Parade vor dem alten Königsvaar. Man hofft, dem Vogel mit rund 500 Schuß den Garaus machen zu können. Dazu auch von dieser Stelle ein kräftiges„Gut Schuß!" und„Horrido!“. Bild: Archiv des„Stadtanzeiger“. Der Hofstaat vom Froh linder Schützenfest 1933 Die Wemwerorwöche 1330 in Eustrop=Kauxer Als Patenstädte wurden Conz. Sie fersheim und Grünstadt zugeteilt lus den offiziellen Richtlinien Der Patenstadtorganisationsausschuß tagte Die erste deutsche Weinwerbewoche, die im Oktober 1935 stattfand, gestaltete sich zu einem großen Erfolge und damit zu einer großzügigen Werbung für den deutschen Wein als Volksgetränk. Auch unsere Heimatstadt Castrop=Rauxel hat obschon selbst Notstandsgebiet— zu ihrem Teile zu diesem Erfolg mit beigetragen. Man glaubte damals allerdings mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der eigenen Bevölkerung von der Uebernahme einer „Patenschaft" Abstand nehmen zu sollen, um nicht bei der Weinvatenschaft Hoffnungen zu erwecken, die sich nicht erfüllen ließen. Nachdem aber die im vorigen Jahre anläßlich der Weinwerbewoche in Castrov=Rauxel aufgezogenen Veranstaltungen einen zusätzlichen Weinverbrauch von rund 7000 Flaschen ergab und andererseits auch das Fehlen von Patenweinetiketten zu gewissen Mißständen führen konnte, so hat man sich in diesem Jahre auch in Castrov=Rauxel zur Uebernahme einer Weinpatenschaft entschlossen. Oberbürgermeister Dr. Anton hat sich, wie Magistratsrat Abée am gestrigen Morgen in einer im Sitzungssaale des Rathauses abgehaltenen 1. Besprechung des Patenstadtorganisationsalschusse mitteilte, an die mit der Vergebung der Patenschaften beauftragte Hauptvereinigung der deutschen Weinbau= und Gartenbauwirtschaft gewandt, zwecks Zuteilung der gewünschten Patenschaft. Von dieser zuständigen Stelle ist denn inzwischen auch die Zuteilung der Weinbauorte Conz(am Einfluß der Saar in die Mosel), Siesersheim (im Rheingau, unweit Bingen) und Grünstadt (in der Pfalz) erfolgt. Während es im vorigen Jahre nur Moselwein gab, werden in diesem Jahre auch die Freunde eines guten Rheinweintropfens auf ihre Kosten kommen. Die Auswahl der Castrov=Rauxel zugeteilten Orte kann nur recht glücklich und gut genannt werden denn sie erfreuen sich mit ihren„Lagen“ in besonders gesegneten Weinbaugebieten in Kennerkreisen hoher Wertschätzung. Das wird ja übrigens auch noch die„Weinprobe“ ergeben, die durch fachkundige Mitglieder des auch diesmal in Castrov=Rauxel nach den amtlichen Richtlinien gebildeten Ausschusses vorzunehmen ist. Den Richtlinien entsprechend gehören dem Patenstadtorganisationsausschusse an Vertreter der Stadtverwaltung, der Kreisleitung der RSOAP., der DAß., der RSG.„Kraft durch Freude“, der Ortsbauernschaft, der RS.=Frauenschaft. der Fachgruppen Einzelhandel. Weinhandel und des Wirte= und Gaststättengewerbes sowie der Presse. Magistratsrat Abée hieß die Vertreter im Namen des Oberbürgermeisters herzlich willkommen, um dann die Richtlinien des Reichsorganisationsausschusses des Festes der deutschen Traube und des deutschen Weines, das in der Zeit vom 19. bis 27. September in ganz Deutschland geseiert werden soll, bekannt zu geben. Diese nationale Gemeinschaftswerbung wird in großem Rahmen und unter Beteiligung aller Volkskreise einheitlich im ganzen Reich unter Führung des Reichsnährstandes gestaltet. Es ist nicht Sinn und Zweck der geplanten Veranstaltung, eine Werbung für den vermehrten Alkoholverbrauch einzuleiten, sondern es handelt sich darum, den Gedanken. daß Wein ein Volksgetränk ist. Allgemeingut werden zu lassen und dadurch mitzuhelfen, daß die Rekordernte des Weinjahres 1935 abgesetzt und den Winzern geholsen wird Ob das Edelerzeugnis des deutschen Weinbaues als Taseltraube, als Süßmost, als Wein oder als Schaumwein verzehrt wird, ist nicht das Entscheidende, wohl aber, daß sich jeder deutsche Volksgenosse der Bedeutung der vom Weinbau lebenden Volksschichten und der im Weinbau ruhenden Werte bewußt und auch bereit ist, zu helfen. Das ist der Sinn der nationalen Gemeingeschaitswerbung„Fest der deutschen Traube und des deutschen Weines 1936“. In Anbetracht der Wichtigkeit und der Bedeutung dieser Werbung werden Partei und Staat die Durchführung weitgehend fördern. Genau wie im vergangenen Jahre haben auch diesesmal der Deutsche Gemeindetag. die Deutsche Arbeitsfront. die NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude". Weinverteiler, das Gaststätten= und Beherbeigungsgewerbe sowie der Einzelhandel ihre Beteiligung zugesagt. Es ist Pflicht eines jeden, sich auch in diesem Jahre voll für den Absatz der Erzeugnisse des deutschen Weinbaues einzusetzen. Die Erfolge des letzten Jahres zeigen, daß diese Forderung überall begriffen und unterstützt worden ist. Der Notstand der Winzer, der im Vorjahre zum Aufziehen der großzügigen Hilfs= und Werbeaktion führte, besteht noch weiterhin. Daher muß das Fest der deutschen Traube und des deutschen Weines 1936 mit gleichem Eiser und gleicher Anteilnahme durchgeführt werden. Von der volkswirtschaftlichen Bedeutung diese: nationalen Werkes der deutschen Volkscemeinschaft zeugen folgende Angaben: Der deutsche Weinbau ernährt 600 0100, Volksgenossen, wenn man die Hilfsindustrien(Küfereien Flaschenfabriken, Düngemittelindustrien usw.) hinzurechnet, sogar rund 1 Million. Ihnen gilt es zu helsen, zumal es sich bei den Weinbaugebieten durchweg um Notstandsgebiete handelt, die seit Jahren schwer unter der Ungunst der Verhältnisse zu leiden haben. Aus diesem Grunde ergeht schon heute namens des Castrov=Rauxeler Organisationsausschusses an alle Vereine und Organisationen der Stadt. die sich im Vorjahre in anerkennenswerter Weise in den Dienst der guten Sache stellten, die Bitte, auch diesmal wieder mitzuwirten und in der Zeit der Weinwoche(19. bis 27. September) Veranstaltungen aufzuziehen, die dem Weingenuß förderlich sind. Die betrefsenden Vereinigungen wollen sich ehesten: mit den in Frage kommenden Wirten in Verbindung setzen, damit diese sich baldigst um die Bereitstellung der erforderlichen Mengen von Patenwein bemühen können. Grundsätzlich darf bei derartigen Veranstaltungen nur der für Castrop=Rauxel zuständige Patenwein mit dem offiziellen Patenweinflaschenschild zum Ausschank gelangen Da stärkste Kontrolle ausgeübt wird, ist Mißbrauch ausgeschlossen. Wie im Vorjahre, wollen die Vereinigungen auch der Stadtverwaltung zwecks Aufnahme in den Weinehrenkalender Mitteilung machen. Als Patenweine kommen bestimmungsgemäß nur gute und gesundentwickelte Weine der Jahrgänge 1934 und 1935 in Frage. Die Ueberwachung der Anlieferung seitens der Weinbaugebiete ist Sache der Ortsbauernschaften, die dem Reichsausschuß garantieren müssen daß nur solche Qualitäten als Patenwein versandt werden. die wirklich geeignet sind, für den Weingenuß zu werben. Der Bezug und die Verteilung des Patenweines in Castrov=Rauxel erfolgt durch den zuständigen örtlichen Weinhandel unter der vorschriftsmäßigen Kontrolle des Ausschusses. Die Zulassung der Verteiler geschieht durch die Landesbauernschaft in Unna=Königsborn. Für die Zulassung ist eine Ges#hr von 10 RM. zu entrichten, von der.50 RM. an den Reichsausschuß abgeführt werden, während.50 RM. dem Ortsausschuß verbleiben. Wirte und Kleinhändler, die durch den Vertrieb des Patenweines sich in dieses wichtige nationale Werk einschalten wollen, müssen baldigst, spätestens bis zum 15. August, an die Stadtverwaltung ein entsprechendes Gesuch richten. Formblätter, die für diese Anträge zu benutzen sind. können bei den hiesigene Verwaltungsstellen und im Rathause abgeholt werden. Die Zulassung kostet 1 RM., von der 75 Pfg. an den Reichsausschuß abgeführt werden, während 25 Pfg. in die Unkostenkasse des Ortsausschusses fließen. Der Weinpreis für offen ausgeschenkte Weine wird nach ½0 Litern berechnet, da nicht allen Wirten Weingläser in gleicher Größe zur Verfügung stehen. Die Richtlinien schreiben vor. daß der Preis für ½0 Liter sich je nach der Qualität zwischen.25 und.45 RM. bewegen darf. Die Preisfestsetzung ist Sache des örtlichen Ausschusses. dem dafür die erforderlichen Rechnungen. Schlußscheine usw. zur Verfügung zu stellen sind. Zur Durchführung der erforderlichen Vorarbeiten wurden in der gestrigen Sitzung ein Werbungsausschuß und ein Patenweinabsatzausschuß gebildet. Hoffentlich findet, so schloß Magistratsrat Abée am Freitagmorgen die erste Sitzung des Patenstadtorganisationsausschusses, der Aufruf für die Weinwerbewoche 1936 das gleiche gute Echo bei der hiesigen Bevölkerung wie im Vorjahre, damit unseren Patenstädten entsprechende Hilfe geleistet werden kann. beatschem Wörk und Jung! Der deutsche Liedertag in Castrop=Rauxel Allüberall in deutschen Landen erklang vergangenen Sonntag von den Vereinen des Deutschen Sängerbundes das deutsche Lied auf öffentlichen Plätzen jeder Stadt und jeden Dorses. In Westjalen mußte der Liedertag wegen des am 28. Juni abgehaltenen Gausängertages bekanntlich auf Sonntag. den 5. Juli. verlegt werden. So wird denn auch Castrov=Rauxel am morgigen Sonntag im Zeichen des Deutschen Liedes stehen. Die Chorgemeinschaft Liederhalle=Harmonie singt im Stadtgarten. Das Konzert wird in den Abendstunden ab 19.30 Uhr veranstaltet. Unter der Stabführung des langjährigen Chorleiters der Liederhalle, Franz Peitz, werden von der Chorgemeinschaft folgende Lieder dargeboten: 1. O Schutzgeist alles Schönen von Mozart, 2. Trostlied von Julius Otto. 3. Wo gen Himmel Eichen ragen.... von Hans Heinrichs, 4. Der Schweitzer von Friedr. Silcher, 5. Auf der Lüneburger Heide von Adolf Kirchl. 6. Untreue von Friedr. Silcher, 6. Im schönsten Wiesengrunde von Steinholz Worz, 8. Tanzliedchen von Franciscus Nagler. 9. Tanzlied von Friedr. Sichler, 10. O wie herbe ist das Scheiden von Fr. Silcher, 11. Schön ist die Jugend von Gustav Wohlgemuth: 12. Heil'ge Nacht von Ludw. v Beethoven. Die Chorgemeinschaft Concordia=Eintracht Obercastrov singt am gleichen Tage, um.30 Uhr beginnend. ebenfalls im Stadtgarten. Jean Nattermann wird mit seiner Sängerschar auch einen bunten Strauß von Volksliedern und volkstümlichen Chorwerken zu Gehör bringen. Die Chorgemeinschaft wird folgende Lieder singen: 1. Das Lied. 2. Das Lieben bringt groß Freud'. 3. Sanctus. 4. Am Brunnen vor dem Tore. 5. Morgen muß ich fort von hier. 6. In der Ferne. 7. Frisch gesungen, 8. Das Wandern ist des Müllers Lust. 9. In stiller Nacht. 10. Gut Nacht. Der Männergesangverein„Teutonia“ Schwerin singt unter der Chorleitung Gotthardts an verschiedenen Stellen des Ortsteils Schwerin. Das öffentliche Konzert beginnt schon morgens 6 Uhr. Das Programm besteht fast ausschließlich aus Volksliedern und Volksliedbearbeitungen. Die„Teutonia“ singt: 1. Auf der Wacht von Karl Kern, 2. Abschied von Adoli Kirchl. 3 Abendglöckchen von Fr. Leiendecker, 4. Brüderchen. komm. tanz mit mir von Hans Ulrich. 5. Der Jägerknecht von Otto Jochum. 6. Der Lindenbaum von Friedr. Silcher, 7. Der Würselbecher von I. Pauli. 8. Husarenliebe von Harry Latzler. 9. Ich hört“ ein Sichelein rauschen von Karl Mehlhoff, 10. Lipve=Detmold von Adolf Prümers. 11. Schelmerei von Harry Latzler, 12. Horch, was kommt von draußen rein von Franz Wildt. Allen Einwohnern kann der Besuch der unentgeltlichen Konzerte in freier Gottesnatur nur bestens empfohlen werden. Custdop=Küudel Castrov=Rauxel, den 4. Juli 1936. Nicht so verschwenderisch sein Wir sind doch nicht verschwenderisch, wird vielleicht manche Hausfrau etwas empört einwersen. Im großen gewiß nicht, denn jede Hausfrau rechnet genau mit dem Wirtschaftsgeld und sorgt dafür, daß unnötige Ausgaben unterbleiben. Aber im kleinen unterlaufen ihr doch kleine Unbedachtsamkeiten, die Geld kosten und, was vielleicht noch wichtiger ist. Nahrungsmittel vernichten. Auch in einem an sich gut geleiteten Haushalt kommt es im Sommer vor, daß Milch sauer und Butter ranzig wird. Wurst und Marmelade schimmeln. Konserven treiben und manches Obst verdirbt, weil es nicht rechtzeitig gegessen Aus der Siegerliste der Wettkämpfe Volt 53. und Bös. Einzelsieger des Unter bannes 3 Castrop=Rauxel wird. Meist läßt sich das mit ein wenig mehr Sorgfalt und Ueberlegung abstellen. Es gilt, geeignete Aufbewahrungsmöglichkeiten zu schaffen und die Vorräte an leicht verderblichen Lebensmitteln gering zu halten oder zumindestens ständig zu überprüsen. Muß die Hausfrau für verdorbene Lebensmittel neue kausen, belastet es nicht nur ihre Kasse. sondern sie verbraucht damit auch auf Kosten anderer Hausfrauen doppelte Mengen, die dem Gesamtvorrat des Volkes entzogen werden. Und noch ein anderes. Auch die sparsame Hausfrau wird im Sommer, wenn Obst und Gemüse billig und reichlich zu haben sind. plötzlich etwas großzügig. Es kommt ihr dann nicht so darauf an, wenn die Abfälle beim Verputzen etwas größer sind. Statt aber nun Salatblätter. Mohrrübenschalen. nicht verwendbare Kohlrabiblätter und ähnliches jemanden als Viehfutter zur Verjügung zu stellen, wandern sie in den Mülleimer. Da sollte sich die Hausfrau den Landhaushalt zum Vorbild nehmen, wo auch der kleinste Abfall in der Küche als Viehfutter verwandt wird. Wenn man sich etwas umsieht, findet man immer Stellen, die Gemüseabfälle u. ä. gern abnehmen. Durch Verwendung dieser Abfälle können wir eine Menge Futter sparen. Erfassung militärisch ausgebildeter Wehrpflichtiger älterer Jahrgänge Der Polizeipräsident in Bochum teilt im Anschluß an die bereits in der Presse veröffentlichten Bestimmungen über die Meldepflicht für gediente ältere Jahrgänge mit: Zwecks Erfassung der militärisch ausgebildeten Wehrpflichtigen älterer Jahrgänge haben sich 1. die Offiziere und Beamten aller Gattungen. die dem aktiven oder Beurlaubtenstande des früheren Heeres, der Schutztruppe. der Kaiserlichen Marine und der Reichswehr(Reichsheer oder Marine) angehört haben. 2. alle seit dem 1. Januar 1921 aus der Wehrmacht oder Landespolizei ausgeschiedenen Deckoffiziere. Unteroffiziere und Mannschaften sowie alle Männer. die durch eine von der Wehrmacht oder Landespolizei veranlaßte kurzfristige Ausbildung militärisch geschult sind, und zwar sofern sie einem älteren. Geburtsjahrgang als 1913 angehören. bei den für sie zuständigen Polizeirevieren zu melden. Die Meldung hat bis zum 20. Juli 1936 während der Dienststunden von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr. unter Vorlage der Familien= und Militärvapiere zu erfolgen. Wer seiner Meldepflicht nicht oder nicht pünktlich nachkommt, hat schwere Strafen zu erwarten. Frauen, Schönheit, Gesundheit! Es ist festgestellt worden, daß man heute in allen Kreisen unserer Frauenwelt dem Frauenturnen schon viel freundlicher gegenübersteht als vor wenigen Jahren. Leider gibt es heute aber gerade in Castrov=Rauxel noch ungezählte Frauen, die sich der Turnerei gegenüber vollkommen gleichgültig verhalten oder sie als nutzlose Spielerei betrachten und darum diese auch grundsätzlich verwerfen. Unterhält man sich mal mit dem zarten Geschlecht über die gerade heute so wichtige Angelegenheit„Leibesübungen der Frau", so bekommt man fast immer zur Antwort: „Was, ich soll abends noch zum Turnen gehen. wo ich den ganzen Tag über schon mehr als genug Bewegung im Haushalt hatte?" Bitte. nicht vorurteilen, sehen sie sich unsere fröhlichen Turnstunden einmal genauer an oder machen Sie ungebunden einige Uebungsabende mit! Sie werden erstaunt sein, bald einsehen zu müssen und durch einen leichten Muskelkater nach den ersten Uebungsstunden zu merken, daß die Körverbewegungen in der Turnstunde mit denen im Haushalt überhaupt nicht zu vergleichen sind. Keine Frau ist zu alt, zu dick oder zu steif zum Turnen. Durch geregelte und vernünftige Körverschulung bekommen Sie einen gesunden, gestählten Körver, der die Fähigkeit besitzt, den Anjorderungen, die das Leben an Euch Frauen stellt, gerecht zu werden. Die Körverschule macht das dicke, träge Blut wieder flüssig und lebendig. Rheuma und Krampfadern werden so langsam, aber sicher vertrieben. Der Körver atmet Licht und Luft ein, die Sorgen fallen ab, beim Turnen und Sviel sind Heiterkeit und Frohsinn vorherrschen. Welche Frau möchte nicht jung und schön bleiben? Turnerei gibt Kraft, Anmut und Schönheit, eine wundervolle Harmonie zwischen Körper, Seele und Geist. Sie brauchen keine teuren Mittel mehr anzuwenden und sich qualvoller und gesundheitschädigender Hungerkuren zu unterziehen, um die gewünschte schlanke Linie zu bekommen oder zu bewahren! Das alles schenkt Euch die Turnerei umsonst! Ihr deutschen Frauen dürft nicht mehr fernstehen, unsere Arbeit gilt unserem deutschen Volke, unserer deutschen Heimat! Das Wort Nationalsozialismus wird in den Turnstunden in herrlicher Form in die Tat umgesetzt. Wie alle Sorgen, so fallen mit den Kleidern alle gesellschaftlichen Schranken, soziale Gegenstände werden überbrückt, auf dem Turnboden bilden wir einen geschlossenen Kreis treuer Kameradschaft. Wir verfolgen ein gemeinschaftliches Ziel wie es der Führer wünscht. Gesunde Frauen, gesundes Volk, durch Leibesübungen! Darum liebe Frauen und Mädel. die ihr fernsteht in Castrop und Rauxel, befreit Euch allen törichten Vorurteilen und kommt zum lichen, deutschen Frauenturnen im Reichsbund Leibesübungen(Fachamt). Die Turnstunden, die vom Turnerbund Raurel in der Bismarckschule an der AdolfHitler=Straße nach dem im Anzeigenteil der vorliegenden Ausgabe des„Stadtanzeiger“ veröffentlichten Stundenplan abgehalten werden, erwarten euch! Zur Ausstellung„Deutschland“ Sonderfahrt des Gaues Westsalen=Süd Der Gau Westsalen=Süd veranstaltet am 18. Juli 1936 eine Sonderfahrt nach Berlin und ruft alle Volksgenossen zur Teilnahme hieran auf. Der Sonderzug wird in Bochum eingesetzt und erfolgt die Abjahrt am Samstag vormittag um.28 Uhr. Die Rückfahrt ab Berlin ist für den 19. Juli. abends 23.49 Uhr vorgesehen. Der Fahrpreis beträgt für die Hin= und Rückjahrt RM. 11,80. In diesem weir und miterngerechnet: Bei den am Sonntag. den 28. Juni 1936 stattgejundenen Wettkämpfen der HJ. und des B0M. gingen folgende Igg. bzw. BDM.=Mädel des Unterbannes 11I/259 Castrop=Rauxel als Sieger hervor: Gefolgschaft 11,259 Aweresch. Fritz 241 Punkte. Clairmont, Wilh. 230 .. Kors. Alex 202.. Vogelsang. Johann 202.. Schmidt, Reinhold 201.. Wozniak. Bernh. 200., Stöckmann, Joh. 200., Fink. Franz 188.. Sbroschek. Walter 187., Schelfke, Wilhelm 182 P. Gefolgschaft 12/259 Herget, Walter 249 Punkte. Baumert, Hermann 239., Niendieck Herbert 234.. Blasius. Karl 222., Ignatowitz. Waldemar 214.. Wahl, Alfred 213.. Striebeck. A. 210 P Klein. Albert 208.. Skripak. Edmund 204., Börgerhoff. Wilhelm 203 Punkte. Wohlfahrt, Gustav 203., Löwe. Bernhard 201., Niegeling. W. 199.. Köster. Hugo 197., Schröder. Rudolf 197.. Heinrichs, Robert 196., Hermann. Werner 196., Gruhl. Arthur 193., Götte. Fritz 192., Leithold. Rolj 187., Günzel, Franz 184 P Gudenau. Hans 181., Lücke. Heinrich 180., Görg. Hubert 180 P. Gefolgschaft 13/259 Bartkowiak. Paul 262 Punkte, Birnat, Walter 239 Punkte. Olzog. Karl=Heinz 228 P Kriewet. Hubert 228.. Grabacz. Franz 215., Scholz, Heinz 208., Eusterhues. Bernhard 202.. Krause. Reinhold 202 Punkte. Gerlach. Alfred 201 P. Eloo. Heinz 201., Knauer. Norbert 201.. Keinhörster, Willy 195., Wolkewitz. Friedhelm 195.. Witter. Leo 189., Stolze. Herbert 189.. Buschmann, Bruno 189.. Hartwig. Joachim 184.. Pletz. Karl 184.. Höltmann. Heinz 184., Denneborg. Alfred 182., Grundau, Walter 180 P. Gefolgschaft 14/259 Knoop. Karl 291 Punkte. Claas. Willi 241., Hoffmann, Walter 239., Hasenau, Walter 237., Die Sonderausgabe„Die deutsche Gemeinde". schritt"(Doppelnummer 24,25 am 27. Juni 1936 Berlin herausgegeben wurde, brachte neben einer führungen: Castrop=Rauxel. die Industriestadt im Grünen Eine etwas eigenartige Stellung in den Städten des Deutschen Reiches nimmt Castrop=Rauxel ein. Mitten im Ruhrgebiet gelegen ist Castrop=Rauxel eine Industriestadt, in der jährlich an die 4 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert, rund 1½ Millionen Tonnen Koks erzeugt und Riesenmengen von Düngesalzen. Naphtalin, Antrazen. Benzolen. Karbolsäure. Pech. Oelen. Benzin und sonstigen. Produkten hergestellt werden. 76 Prozent der gesamten Einwohnerschaft verdienen ihren Lebensunterhalt durch die Großindustrie als unmittelbare Angehörige der Industrie. Durch diese außerordentlich hohe Industriearbeiterzahl steht Castrov=Rauxel im ganzen Deutschen Reich mit seiner Handarbeiterbevölkerung an dritthöchster Stelle. Trotzdem ist Castrop=Rauxel kein„Industriepütt": denn trotz der überragenden Stellung der Großindustrie beherbergt die Stadt noch 56 bäuerliche a) Der Besuch der Reichsausstellung„ einschl. aller Führungen. b) Besichtigung des Reichssportfeldes Kampfplätzen. c) Benutzung bis Rei Ausstellung. Als weitere Vergünstigung wird den Fahrtteilnehmern für die Zubringerstrecken im Umkreis von 100 Klm. als Fahroreis 1 Pfg. vro Kilometer berechnet. Bestellungen für den Ortsgruppen der NSDAP. sowie gandaleitung entgegen, die auch erteilen. Zum Sommerfest der NSV. Zum großen Sommerfest der NSV., das heute abend im Strickmannschen Saale in Herne stattfindet, fahren die angekündigten Autobusse um 18.30 und 19.30 Uhr ab Bülowplatz Habinghorst, Bahnhof Rauxel und Altstadtmarkt. Ueber 500 Landheifer reisen ab In diesen Tagen werden aus dem Arbeitsamtsbezirk Herne=Castrov=Rauxel etwa 500 Erwerbslose aufs Land vermittelt. Ihr Aufenthalt dauert nur bis Ende des Herbstes, da sie lediglich als Erntearbeiter eingestellt werden. Der größte Teil der 500 Landhelfer kommt nach Brandenburg. Der erste Transport in Stärke von 200 Mann ist bereits abgereist. Neuer Jungvolkführerkursus In der Gebietsführerschule 11 der HJ. in Castrop= Rauxel hat ein neuer Jungvolkführerkursus begonnen, an dem diesmal 42 Jungvolkführer aus dem Bereich des Oberbanns Bochum. und zwar aus den Städten Bochum, Wattscheid und Wanne=Eickel, teilnehmen. Castrop=Rauxels Schlachthof im Monat Juni 1936 Hüsken. Günther 231.. Rett. Bernhard 225.. Cicilfki. Eduard 220., Weber, Paul 219.. Abenhardt. Willi 218.. Thiele. Wolf 209., Hetbleck. Otto 205., Kahl. Werner 200 P. Scheiber. Franz 199.. Fahnenschmidt. Heinrich 195., Karweg, Fricdolin 188.. Kapzinski. Max 182 P. Sonderformationen, Baungefolgschaften Langguth. Werner 258., Sommer. Karl=Heinz 250 P. Ritt. Erwin 238.. Fieseler. Karl 230., Brielewski, Edmund 225.. Gruel. Willi 224., Anton. Eberhard 221.. Vietor. Alfred 217 P. Schmale. Fritz 212.. Bell. Lothar 209., Engelhard. Justus 208.. Bell. Günther 207., Bremkamp. Rolf 207., Leitner. Willi 204.. Zeuge. Emil 200.. Heyden. Friedel 198.. Grimpe. Karl 194., Reinke. Kurt 194.. Dombrowsti. Max 187., Deichmüller. Hans 186.. Marek. Alfred 185 P. Schnecke, Ewald 184., Mückenburg. Ewald 184 Punkte. Mädelgruppe 8/259 Schmidt. Margret 245 Punkte. Beckmann. Paula 239., Fuhrmann, Erna 230., Michaletz. Ilse 228., Großmann, Luise 220.. Schneider. Martha 216.. Speckmeier. Marianne 213.. Jann, Elfriede 207., Wegener. Erna 206., Sitorra, Viktoria 205., Pohl. Liselotte 198.. Krater. Anneliese 193., Jankowski. Hilde 193.. Wember. Paula 191., Knauer. Irmgard 190.. Krause. Irene 190., Hopkamp. Luise 188 P Hoffmann, Erna 186 Punkte, Villis Anna 185.. Pingel. Elisabeth 180.. Psziuk. Ursula 180., Kieswetter, Anneliese 180 Punkte. Mit einer besonderen Leistung wartete der Igg. Knoov, welcher mit 291 Punkten als Sieger hervorging. auf. Knoov erreichte im Weitsprung.12 Meter. 100=Meter=Lauf 12,1 Sek., Keulenweitwurf über 60 Meter. L. K. die von der Zeitschrift„Wirtschaft und Fortanläßlich des Internationalen Gemeindetages in Gesamtansicht von Castrop=Raurel nachstehende AusErbhöse. Das ist eine Zahl von Erbhösen, die von keiner anderen Industriestadt im Verhältnis zu ihrer Größe erreicht wird. Castrov=Rauxel führt daher mit Recht den Namen„Industriestadt im Grünen“. Von den rund 4500 Hektar Gesamtfläche der Stadt sind übrigens über 70 Prozent Grünfläche. Gern werden die Erholungsanlagen der Stadt. die Waldungen und öffentlichen Anlagen, auch von den Bewohnern der umliegenden Städte aufgesucht. Roch eine Besonderdeit weist Castrov=Rauxel auf. Es ist der Reiterbrunnen auf dem Altstadtmarkt. Die frühere Stadt Castrop war weiterhin bekannt und berühmt durch ihre Pferderennen, die in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Auftrieb durch englische Sportsleute erfuhren, im übrigen aber die ältesten in ganz Rheinland und Westfalen waren. Nach dem Kriege lebten sie leider durch die veränderten Verhältnisse nicht mehr auf. Eine bleibende sichtbare Erinnerung hat jedoch die Stadt in dem besagten Reiterbrunnen geschaffen. der heute noch das einzigste dem Rennsport in Deutschland gewidmete Denkmal ist. Die Mütterberatungsstunden der Fürsorgestelle Erin im 2. Halbjahr 1936 Im 2. Halbjahr 1936 werden an folgenden Tagen von 14.30 bis 16 Uhr Mütterberatungsstunden in der Fürsorgestelle der Zeche„Erin" abgehalten: ., 21. Juli.., 18. August.., 15., 29. September. 13., 27. Oktober, 10. 24. November.., 22. Dezember. Nachwuchs unserer Schwäne Das Schwanenpaar auf dem Teich am Castrover Holz hat Familienzuwachs in Gestalt von zwei jungen Schwänen bekommen, die sich bereits mit den Alten recht munter auf dem nassen Element tummeln und die Lieblinge der großen und kleinen Besucher der dortigen Spazierwege geworden sind. Was ist Hausfriedensbruch Die§§ 123. 124 und 342 StGB. enthalten die Strafbestimmungen, die für das Delikt des„Hausfriedensbruches“ in Frage kommen. Welches sind nun die tyvischen Falle des Hausfriedensbruches? Beispiel: Jemand dringt in die Wohnung eines anderen ein, vielleicht in der Absicht, ihn zur Rede zu stellen, wobei es vielfach dann noch zu Beleidigungen kommt, und er verläßt nicht auf einmalige Aufforderung des anderen die Räume. dann liegt ein Verstoß gegen§ 123 StGB. vor, der mit Privatklage verfolgt werden kann. Voraussetzung ist, daß vorher ein Sühneversuch bei dem zuständigen Schiedsmann stattgefunden hat. Gegenstand des Hausfriedensbruchs sind nicht nur die Wohn= oder Geschäftsräume, sondern jedes befriedete Besitztum. 3. B. Räume oder Grundstücke, die vom Eigentümer gegen den beliebigen Zutritt dritter Personen durch Zäune. Drähte oder auf andere Weise gesperrt sind. werden immer darunter fallen. Nun gibt es aber eine ganze Anzahl von Personen. die ein Recht dazu haben, ungebeten in die Wohnung eines anderen zu gehen. So zum Beispiel der Polizist. der mit einem Haussuchungsbefehl sich die Wohnung näher ansehen will. Hier versagt die Strafbestimmung, die ja nur bei widerrechtlichem Eindringen oder Aufenthalt anzuwenden ist. Dasselbe gilt für den Aufenthalt des Gerichtsvollziehers in der Wohnung, im Geschäft oder auf dem Grundstück eines anderen, wenn man auch den Besuch dieses Beamten nicht gern sieht. Weiter aber ist oft der Hauswirt oder Hausverwalter auf Grund eines Satzes im Mietvertrag berechtigt. die Wohnung eines Mieters zu betreten. Hierbei muß aber bemerkt werden, daß auch ein Hauswirt, dem durch Mietvertrag das Betreten der Wohnung gestattet ist, widerrechtlich handeln kann. Betritt er die Wohnung eines Mieters gegen dessen Willen, dann wird die Widerrechtlichkeit nur ausgeschlossen. wenn ihm eine besondere Besugnis zur Seite steht, die stärker sein muß, als das Recht des Mieters. Als Beispiel: Wenn der Hauswirt oder ein Beauftragter von ihm. z. B. der Verwalter. die Wohnung eines Mieters betritt, um sich über den Zustand der Mietsache zu unterrichten oder Schäden abzustellen, so handelt er nicht widerrechtlich, wohl aber, wenn er den Mieter nur mahnen will und dann der Aufforderung. die Wohnung zu verlassen, nicht Folge leistet. Hierbei kann sich der Hauswirt oder der Verwalter nicht darauf berusen, daß ihm der Zutritt zur Wohnung vertraglich zugesichert sei: denn diese Erlaubnis hat der Mieter in dem Augenblick widerrufen. als er zum Verlassen der Wohnung aufforderte. Ob sich hierbei der Mieter des Vertragsbruchs schuldig gemacht hat. ist eine zivilrechtliche Frage. die für die Frage des Hausfriedensbruchs unberücksichtigt bleiben muß. Abschließend sei noch bemerkt, daß der Tatbestand des Hausfriedensbruchs schon erfüllt ist, wenn jemand gegen den vermuteten Willen des Berechtigten oder Eigentümers in dessen Wohnung oder Besitztum eindringt oder darin verweilt. Zu prüfen ist also immer. ob ein berechtigtes Verweilen in der Wohnung usw. eines anderen vorlag. oder ob der Aufenthalt in der Wohnung, in den Geschäftsräumen oder auf dem Grundstück als widerrechtlich anzusehen war. In letzterem Falle würde „Hausfriedensbruch“ vorliegen, der strafrechtlich verfolgt werden kann. Theater. Konzerte, Vorträge Stadttheater Bochum Samstag. 4. Juli. 20 Uhr:„Der blaue Heinrich“. Musikalischer Schwank von Schwartz=Langbach. Sonntag. 5. Juli. 18 Uhr:„Faust I“ Tragödie von I. W. von Gocthe.— Montag: Geschlossen.— Dienstag. 7. Juli. 18.30 Uhr: Schüler=Zyklus, 5. Veranstaltung:„Prinz Friedrich von Homburg".— Mittwoch. 8. Juli. 20 Uhr:„Sviel an Bord". Lustspiel von Arel Ivers.— Donnerstag. 9. Juli. 17.30 Uhr: Geschloss. Schüler=Vorstellung:„Wilhelm Tell". Freitag. 10. Juli. 17.30 Uhr: Volksvorstellung für die Jugend:„Wilhelm Tell".— Samstag. 11. Juli. 20 Uhr: Zum letzten Male:„Der blaue Heinrich“. Sonntag. 12. Juli. 18 Uhr:„Faust II“. von J. W. von Goethe.— Montag: Geschlossen. „Deutschland“ mit seinen der=Bahn ab Ankunftsbahnhof sichssportfeld und von dort für die Fahrt zur Sonderzug nehmen sämtliche die Kreispropaweitere Auskunft wertig wurden beanstandet und der Freibank überwiesen: 2 Rinder, 2 Kälber, 1 Schwein. Der Besuch der Städt. Badeanstalt In der vergangenen Woche badeten insgesamt 6152 Besucher. Die Besucherzahl stieg damit bis einschließlich 27. Juni auf 18 225. Rekordbesuch hatten die Zeiten der Familienbäder Sonntag, den 21. 6. und Mittwoch, den 24.., mit 1836 bzw. 1686 Badenden. Betriebsstörung auf der Zeche„Erin“ Durch noch nicht aufgeklärte Ursache zerrissen am gestrigen Tage auf der Zeche„Erin“ Schacht 1 im Förderturm etwa 180 Meter Spurlatten, so daß die Mittagschicht nicht anfahren konnte. Die Wiederherstellungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen. Sie werden beschleunigt durchgeführt, um die unliebsame Betriebsstörung möglichst schnell zu beheben. städtischen 73 Rinder, Ziegen, zuAls untauglich für den wurden beschlagnahmt und ver206 Lungen, 17 Lebern, 12 Mä16 sonstige Organe. Als minderEuropameisterin Liesel Bach nimmt mit ihrer„Tigerschwalbe“ Flugtag am Sonntag teil. am Dortmunder Juni 1936 wurden im geschlachtet und untersucht: 785 Schweine. 8 Schafe, 2 Schlachttiere. Im Monat Schlachthof 114 Kälber. sammen 982 menschlichen Genuß nichtet: 1 Schwein gen und Därme. noch von fröhfür Man ten von=Gastrop=Kauger! gebeit birPoptor mos Oferoo was der Vonnlag delngt Wenn auch die Karte der sportlichen Ereignisse im In= und Ausland an diesem Wochenende— abgesehen von Wimbledon und Henley=Regatta— ohne Krone blieb, so steht doch eine Fülle durchschnittlicher Sportfeste zur Erledigung. Im Hockey ragen zwei Länderspiele aus dem Programm heraus. Die Schweiz trifft auf Afghanistans Auswahl in Bern und Oesterreich und die Tschechoslowakei stehen sich in Wien gegenüber. Die Leichtathletik sieht nach den Gaumeisterschaften keine besonderen Sportfeste vor. In Arheiligen gelangt ein„Nationales“ und in Corbach ein Gaukampf Westfalen— Nordhessen zur Durchführung. Neue Rekorde werden dagegen wieder aus USA. zu erwarten sein, wo in Princetown die Spitzenklasse Nordamerikas zusammentrifft. Im Tennis gehen die inoffiziellen Weltmeisterschaften in Wimbledon zu Ende. Deutschlands Vertretung schnitt bisher recht erfolgreich ab, wenn auch für die Endkämpfe nur im Männerdoppel und vor allem im Männereinzel durch v. Cramm=Henkel bzw. Gottfried v. Cramm Hoffnungen auf einen Erfolg bestehen.— In Berlin gehen die Wehrmacht=Meisterschaften zu Ende und in Köln beginnt ein internationales Turnier, das eine recht nette Besetzung aufweist. Die Tennislehrer ermitteln in Paris ihre internationalen Meister. Recht lebhaft ist wieder die Ausbeute der Ruderer und Kanuten. Die Hamburger Hauptregatta steht im Zeichen der 100=Jahr=Feier des Alster=Clubs und des Norddeutschen Regatta=Vereins. Die Elite unserer Ruderer und auch Aktive aus Oesterreich nehmen an den Kämpfen teil. Nebenher finden noch Regatten in Limburg und Magdeburg statt. In Leifmeritz gehen auch in diesem Jahre wieder deutsche Ruderer an den Start, dagegen wird Henley diesmal keine deutsche Beteiligung aufweisen. Stark ist das Interesse derjenigen Nationen, die auch an den olympischen Wettkämpfen in Berlin beteiligt sind. U. a. haben USA., Japan und die Schweiz für Henley gemeldet.— Die Kanuten treffen sich wieder einmal auf dem Baldeneysee bei Essen, wo sie ihre KurzstreckenMeisterschaften von Westdeutschland entscheiden. Im Rahmen der Titelkämpfe steigt auch ein Länderkampf Westdeutschland— Holland. KurzstreckenRegatten finden ferner noch in Hannover und Magdeburg statt. Nur gering ist die Ausbeute bei den Schwerathleten Lediglich die Ringer warten mit einem Städte=Rückkampf Dortmund— Köln auf, der diesmal im Lande der Roten Erde entschieden wird. Der Motorsport bringt als Höhepunkt den Großen Preis von Europa für Motorräder in Hohenstein=Ernstthal. Der Führer stiftete hierfür einen Ehrenpreis. Unsere Elite mit DKW., NSU. und BMW. trifft einmal mehr auf das ausländische Spitzenmaterial, das Engländer, Schweden und Italiener bilden. Das nebenher laufende Hohensyburg=Bergrennen erfuhr eine glänzende Besetzung und auch der Große Marne=Preis bei Reims weist ein gutes Meldeergebnis auf. Der Radsport sieht in Nürnberg eine Bomden Steher=Veranstaltung vor, die in einem Länderkampf Deutschland— Frankreich gipfelt. Ferner kommt unsere Olympia=Kernmannschaft der Amateure an den Start. Außerdem werden BahnRennen in Frankfurt a.., Paris(Berufsflieger) und Amsterdam entschieden. Hieran schließen sich die zahlreichen kleineren Veranstaltungen im Reich. Auf der Landstraße herrscht ziemliche Ruhe. Lediglich in den einzelnen Bezirken stehen die Meisterschaften im Einerstreckenfahren zur Entscheidung. Der Turf sieht Galopprennen in Karlshorst, Halle, Hoppegarten, Breslau und Dortmund vor. Schwedens Derby wird in Malmö entschieden. Der Turniersport bringt zwei größere internationale Veranstaltungen in Düsseldorf und Luzern und ein kleineres in Bochum. Sonst noch seien die Niederrhein=Gaumeisterschaften im Säbelfechten in Essen und der OlympiaAppell im Welt=Rundfunk durch Exz. Lewald am Sonntagvormittag erwähnt. 2o neue Saungavereine=Leintten Wer steigt zur Gauliga auf? Etwas zurückgedrängt. im Schatten der großen Meisterschafts=Endkämpfe, spielen alljährlich nach Abschluß der Punktekämpfe die Klassen= und Grupvenmeister um den Aufstieg in die nächsthöhere Klasse. Das begehrteste Ziel aller Vereine ist es natürlich, sich einen Platz in der Gauliga zu erkämpfen. Aus der immerhin recht großen Zahl der Bezirksklassenmeister können aber nur zwei aufsteigen, und so bedarf es schon einer großen Kampfkraft und eines erheblichen Stehvermögens, wenn sich eine Mannschaft die Gauliga erspielen will. Und etwas Glück gehört dazu! Wie scharf dieser Wettstreit ist, geht schon aus der Tatsache hervor, daß z. B. im Gau Bayern so bekannte Mannschaften wie Jahn Regensburg mit dem Nationalhüter Jakob und die Lehner=Elf Schwaben Augsburg scheiterten. Auch konnten sich nicht alle Mannschaften den „neuen Platz“ in so überlegenem Stile erkämpfen wie etwa Union Böckingen in Württemberg. Die Union verlor nur einen Punkt. Dafür waren aber Ueherraschungen an der Tagesordnung, wie in Südwest, wo der SV Wiesbaden nach dem ersten Durchgang nahezu sicher war, jetzt aber nach der Spielpause noch einen Punkt aus zwei Spielen erobern muß, um aufzusteigen. Oder in Westfalen. Hier war Preußen Bochum unbestritten und führte auch lange Zeit. Im Endspurt aber war es vorbei Hinter Rotthausen wird sich mit größter Wahrscheinlichkeit Borussia Dortmund am Sonntag den Aufstieg erkämpfen, da aus dem Heimspiel gegen den Tabellenletzten Recklinghausen 13 nur ein Punkt benötigt wird. Abgesehen von Ostvreußen. wo eine andere Spieleinteilung gilt, stehen von den dreißig Aufstiegsvereinen bereits 28 fest. Eine ganze Reihe von Entscheidungen fiel dabei erst am vergangenen Sonntag. Die neuen Gauligisten sind: Pommern: MTV Pommerensdorf, MSV Makkensen Neustettin. Olympia-Offiziere im Sattel Brandenburg: Bewag Berlin. Union Oberschöneweide,, Schlesien: Hertha Breslau. Reichsbahn SV Gleiwitz. Sachsen: SV Riesa. Tura Leipzig. Mitte: Thüringen Weida. Merseburg 99 Nordmark: FC St. Pauli Hamburg. Rothen. burgsorter FK Hamburg. Niedersachsen: SC 05 Göttingen, Wilhelmsburg 09. Westfalen: SV Rotthausen, Borussia Dortmund oder Preußen Bochum. Niederrhein: TSV Duisburg 99, SSV Elberfeld. Mittelrhein: SV Beuel 06. Sv. Vag. Andernach. Nordhessen.: Sv. Vag. Kassel=Niederzwehren, SV Kowa Wachenbuchen. Südwest: Sportfreunde Saarbrücken. SV Wiesbaden oder Ludwigshafen 04. Baden: FV Rastatt 04. Sv. Vag. Sandhofen. Württemberg: Union Böckingen. SV Göppingen. Bavern: BfB Coburg. BfB Ingolstadt=Ringsee. * Aus dieser Liste geht hervor, daß sich zehn Vereine wieder die Zugehörigkeit zur ersten Klasse erkämpft haben, die dieser bereits einmal nach der Neuordnung im Fußballsport angehört haben. Es sind dies: Union Oberschöneweide. Hertha Breslau. Merseburg 99. SC 05 Göttingen. Sportfreunde Saarbrücken.(SV Wiesbaden). TSV Duisburg 99, Union Böckingen und SV Göppingen. Dazu finden wir aber viele bekannte„alte“ Namen, die schon verschiedentlich eine Rolle im deutschen Fußballsport spielten. Dor größen=tarimerlagen in Basseldor, Sieben Nationen am Stark— Glänzendes Meldeergebuis Auf Düsseldorfs neuerstandener Turnier=Anlage auf der Ballonwiese am Fuße des Grafenbergs wickelt der Reit= und Fahr=Verein Stadt Düsseldorf nach einjähriger Unterbrechung wieder ein Groß=Turnier ab, dem dank seiner großartigen internationalen Besetzung und Bedeutung hinsichtlich der Olympischen Reiter=Wettkämpfe ganz besonders starkes Interesse zukommt. Die Turnierleitung hat diesmal den größten Wert auf die Besetzung der einzelnen Prüfungen gelegt. Er darf mit seiner Auswahl zufrieden sein. Nur das Beste vom Besten wurde zugelassen und rund 650 Meldungen entgegengenommen. Wie stets auf internationalen Turnieren stehen auch in Düsseldorf die schweren Spring=Konkurrenzen im Vordergrund. Ihnen gilt das Hauptinteresse des Publikums, das sich an diesem Wochenende sehr zahlreich einfinden sollte. Die Besetzung übertrifft einfach alle Erwartungen. Nicht nur das beste Pferde= und Reitermaterial unserer erfolgreichen Hannoverschen Kavallerieschule wird sich am Start einfinden. Darüber hinaus nehmen die OlympiaOffiziere aus Javan, Ungarn und Rumänien teil. die schon seit einiger Zeit anwesend sind und sich mit dem Parcours vertraut machen. Damit ist jedoch die Internationalität des Turniers noch nicht erschöpft. Aus Holland, der Schweis und sogar aus Südamerika werden noch Rei###d Pferde in die Ereignisse eingreifen, also eine Besetzung, wie sie zuvor keines der hiesigen Veranstaltung aufweisen konnte. Die Kavallerieschule Hannover stützt sich u. a. auf die Rittmeister Momm, Hasse und Brandt, die Oblt. Schlickum und Brinkmann, die sämtlich zur deutschen Olympia=Kerntruppe zöhlen. Nächst diesen liegen unsere Hoffnungen bei Frau Beutschiands Sihmpilliaener Werden Lentikkeit „ährend schon die ersten Olympiateilnehmer aus Uebersee im Olympischen Dorf eingetroffen sind, ist Deutschland in der glücklichen Lage. noch den Monat Juli für seine Ausscheidungskämpfe zur Verfügung zu haben. Als eines der ersten Fachämter werden die Turner in Hamburg ihre Schulungsarbeit beenden. Von rund 300 Turnern und etwa 65 TurnerinFsfae i12 je 18 übrig geblieben, die nun um den Grund d. Olympiamannschaft kämpfen. Auf nen Lausr in den Lehrgängen, bei den verschiedeTanderkämpfen und dem Prüfungsturnen in Heidelberg und Greiz gezeigten Leistungen sind folgende Turner zugelassen: Becker=Neustadt, Freykreuznach. Friedrich=München, Kleine=Bad Sandrock=Immigrath, SchmelcherSchwarzmann=Wünsdorf, Stadel=Kontanz„Steffens=Bremen, Volz=Schwabach, WinterFrankfurt a. M. und Stangl=München. hesteßt 21#mpische Gerätewettkampf der Männer zmei greis einem Zwölfkampf mit 10 Geräte= und Jede Nation stellt acht Turner, sdoch wird für die Feststellung in der Länderwertung nur die Punktzahl der sechs Besten jeder Nazionalmannschaft in Anrechnung gebracht. Aus den Ergebnissen im Mannschaftskampf wird der beste Zwölfkämpfer ermittelt und außerdem gibt es eine Einzelwertung an jedem Gerät. Auch die Turnerinnen haben, geführt von Reichsfrauenturnwart Loges, eine lange und harte Schule hinter sich. Allerdings fehlt ihnen die internationale Wettkampferfahrung im Gegensatz zu den Männern. Aber das geht schließlich allen anderen ebenso, denn ein regelrechter Olympiawettkampf in dieser Form wird in Berlin zum erstenmal ausgetragen. Es handelt sich hier um einen Mannschaftskampf, der nicht zuletzt vom guten Gelingen der Gemeinschaftsübungen abhängt. Deswegen wird auch die Rangfolge in Hamburg bei der Mannschaftsausstellung nicht ausschlaggebend sein, sondern auch die Sicherheit und die Anpassungsfähigkeit bei der Gruppenarbeit mit berücksichtigt werden. Der Wettkampf der Turnerinnen besteht aus einer gymnastischen Gemeinübung, aus Gleichgewichtsübungen auf einem Schwebebalken, Barrenübungen. Springen am Querpferd ohne Pauschen und Gemeinübungen mit Handgeräten. Zu den Ausscheidungskämpfen der Frauen treten an: Miele Schowalter=Ludwigshafen Erna BürgerEberswalde, Käte Schnemann=Hamburg, Friedel Iby=Nürnberg, Julie Schmitt=München. Emmi Hollfelder=Dortmund. Marga Fischer=Leipzig, Paula Pöhlsen=Hamburg, Gertrud Meyer=Hannover, Anita Bärwirth=Kiel, Isolde Frölian=Dresden und Hanni Högel=Wiesbaden. v. Opel. die mit ihren bekannten Springpferden zur Stelle ist. Hinzu kommen noch die besten westdeutschen Turniervferde sowie Stall Georgen mit seinem aufstrebenden Reiter SS=Obersturmführer Temme. Javans Reitermannschaft, die sich den Düsseldorfern vorstellt, setzt sich zusammen aus Baron Nishi, Rittm. Matsui, den Oberleutnants Inanami und Iwahasi. Baron Nishi wird auch seinen Olympiasieger von Los Angeles. Uranus. in den Kampf führen. Rumäniens Vertretung wird sehr zu beachten sein. Der Aufstieg in den beiden letzten Jahren ist unverkennbar. Vor allem ist Rittm. Kirculescu ein erprobter Turnierreiter. Avostol, Maxim, Tudoran. Tzovescu. Rang und Zahei sind die weiOffiziere. Sie brachten nicht weniger als 20 Pferde mit. Die ungarische Olymvia=ReiterGaumeisterschaften der Schwimmer Samstag und Sonntag werden die GauMeisterschaften fortgesetzt, da einige Gaue wegen Terminschwierigkeiten ihre Meisterschaften vorverlegt haben. Der Gau Niederrhein versammelt seine Elite in Leverkusen=Wiesdorf. Von rund 30 Vereinen wurden über 200 Meldungen abgeaeben. Zahlenmäßig läßt die Besetzung manchen Wunsch offen, dagegen sind alle Schwimmer und Schwimmerinnen von Ruf vertreten. Im Rahmen dieser Titelkämpfe kommen auch einige Ausscheidungskämpfe für die Zusammenstellung der Olympiamannschaft zum Austrag. Trude Wollschläger (Duisburg) wird gegen die Europameisterin Martha Genenger(Krefeld), die sich bereits in Hochform befindet, einen Ausscheidungskampf über 200 Meter Brust bestreiten. Die Duisburgerin hat sich inzwischen so weit verbessert, daß sie sich einen Platz in der deutschen Mannschaft verschaffen wird. Gegen die Meisterin Christel Rupke(Ohligs) tritt die Düsseldorferin Anni Stolte über 100 Meter Rücken an. Auch dieser Kampf ist mit ausschlaggebend für die Nominierung der Rückenschwimmerinnen für die Olympiade. Aber auch die übrigen Wettbewerbe, sowohl die der Männer als auch der Frauen, werden an Spannung keinen Wunsch offen lassen, zumal sich alle aussichtsreichen Wettkämpfer am Start einfinden werden. In Brühl bei Bonn tragen die Schwimmer und Schwimmerinnen des Mittelrheingaues ihre Meisterschaften aus. Diese Titelkämpfe erhalten eine besondere Bedeutung, zumal die Aachener Schwimmer zum erstenmal startberechtigt sind. Leider lassen die Leistungen insbesondere der Kölner Schwimmer manchen Wunsch offen, so daß die Aachener wohl den Löwenanteil an Erfolgen einheimsen werden. Gespannt ist man auf das 200Meter=Brustschwimmen der Männer. Von Ohligschläger(Trier) erwartet man eine gute Zeit, denn auch er steht noch in den Olympia=Ausscheidungen. Kaum anders sieht es bei der Bonner Kraulerin Leni Lohmar aus, die für die Frauen=Länderstaffel in Frage kommen kann, vorausgesetzt, daß sie noch eine Kleinigkeit schneller wird. Auf die Ergebnisse ist man sehr gespannt, weil man von den neu hinzugekommenen Aachener Schwimmern besondere Leistungen erwartet. Weitere Gau=Meisterschaften werden ausgetragen: Pommern in Köslin, Brandenburg in Beeskow. Sachsen in Planitz, Mitte in Magdeburg, Niedersachsen in Hildesheim. Südwest in Bad Dürkheim(Pfalz), Baden in Ebersbach, Württemberg in Ulm und Bayern in Hof. mannschaft wird von Oberstlt. Binder angeführt. Die der Mannschaft angehörenden Oberleutnants van Barcza. Fodor und Rittmeister v. Platthy sind in Deutschland keine Unbekannten mehr. Sie werden unseren Offizieren in den einzelnen Prüfungen den Erfolg nicht leicht machen und hier einen Teil ihres Könnens verraten, das hinsichtlich der Berliner Olympia=Wettbewerbe sicherlich weiteren Aufschluß gibt. Ebenso glänzend sind aber auch die umrahmenden Material=Prüfungen besetzt. Auch für eine Schaunummer, die ohne Zweifel großen Anklang finden wird, ist gesorgt. Die Don= und Kuban=Kosaken. die mit großem Erfolg von Turnier zu Turnier reisen, werden auf ihren deutschen Warmblutpferden ihre waghalsigen Kunststücke vorführen. um denEhscenpreis des Juisters Großer Motorrad-Preis von Europa in Hohenstein-Ernstthal schen Maschinen. 21 deutsche Fahrer, z— Müller, Mansfeld. Steigbach,(#.). 81 Auf dem Sachsenring bei Hobenstein=Ernstthal wird der 12. Große Motorrad=Preis von Eurova am Sonntag ausgefahren. Die ONS veranstaltet zum zweiten Male das 1925 vom internationalen Motorverband geschaffene Rennen auf dieser.6 Kilometer langen Rennstrecke, die bereits zur ersten Durchführung in Deutschland im Vorjahre umgebaut wurde und sich diesmal mit noch verbesserter Straßenlage darbieten wird. Zu den Wettbewerben, die in vier Klassen durchgeführt werden, haben 117 Fahrer von Rang, darunter 48 Deutsche, ihre Meldungen abgegeben. Dem schnellsten Fahrer des Tages winkt ein Ehrenpreis des Führers und Reichskanzlers, während außer den Geldpreisen von inssamt 9450 RM noch goldene, silberne und bronzene Medaillen an die einzelnen Klassensieger verteilt werden. Die Goldmedaille wird allerdings nur dann vergeben, wenn der Sieger des Wettbewerbes seiner Klasse schneller als der Sieger der nächstniedrigeren Klasse war. Zehn Maschinen starten in der Klasse nicht über 175 ccm(30 Runden gleich 258 Kilometer). Der einzige deutsche Fahrer ist Walfried Winkler, der auf einer kleinen DKW startet. In der Klasse bis 250 ccm(35 Runden gleich 301 Kilometer) ist das deutsche Aufgebot weit stärker. Die Auto=Union tritt mit Geiß. Klönfer, Kluge. Winkler und Häußler an. schnellen DKW=Maschinen werden ein Höchstmaß an Leistung erreichen müssen, wenn sie gegen die starken ausländischen Maschinen, die u. a. von den Engländern Manders. Mellors und Tyrell Smith gefahren werden, bestehen wollen. Für die 350=ccm=Klasse(40 Runden gleich 344 Kilometer) liegen 38 Meldungen vor. NSl wird mit Fleischmann. Soenius und Steinbach vertreten sein. Diese Mannschaft hat englische Exzelsior=, Velocette= und Norton=Maschinen zu schlagen, die von Mellors, Guthrie. Rowley und Sandri gesteuert werden. Auch die schwedische Husquarna wird nicht fehlen. Hier geht also ein Klassefeld an den Start. Der Kampf der Halbliter=Maschinen, von denen ebenfalls 38 über 344 Kilometer gehen werden, verspricht neben dem deutschen Großkampf zwischen den Marken DKW— NSU— BMW auch noch eine harte Auseinandersetzung mit schnellen ausländiunter ihnen Müller, Mansfeld. Steinbach,(..), Fleischmann. Soenius(NSl). Gall. Ley(BMW) werden auf 17 Ausländer treffen, die auf so schnellen Fabrikaten wie Norton. Guzzi. Husquarna und Bianca sitzen werden. Guthrie, Tenni. Sunngvist, Tumagalli sind die bekanntesten Fahrer. 14 Nationen sind vertreten. Neben 48 Deutschen starten 14 Engländer, je zehn Belgier und Italiener, neun Oesterreicher, je sechs Schweizer und Tschechen, je vier Schweden und Spanier, zwei Franzosen und je ein Finnländer, Holländer, Irländer und Däne. Kheinsegelwoche wie noch nie Die Rheinsegelwoche 1936 wird in diesem Jahre eine Rekordbeteiligung aufweisen. Zu den vier Regatten, die am 4. und 5. Juli auf der Rheinstrecke Brohl—Düsseldorf ausgetragen werden. liegen 103 Meldungen vor. Allein 65 Düsseldorfer Boote befinden sich im Wettbewerb und die Zahl übertrifft um ein Boot noch die Gesamtzahl der Regatta 1935, zu der 64 Anmeldungen vorlagen. Das größte Reunungsergebnis weisen die beiden Regatten des 5. Juli von Köln=Rodenkirchen nach Hitdorf und Hitdorf nach Düsseldorf auf; an diesen Fahrten wollen sich 80 Boote in den verschiedenen Klassen beteiligen. Unter den zahlreichen Herausforderungspreisen befindet sich auch erstmalig ein Herausforderungspreis für die neue OlympiaJollen=Klasse, den die Stadt Düsseldorf gestiftet Die vier Regattastrecken lauten: 4. Juli Brohl— Bonn, etwa 18 Seemeilen, nachmittags Bonn— Rodenkirchen, etwa 17,5 Seemeilen; 5. Juli Rodenkirchen—Hitdorf, etwa 13 Seemeilen, nachmittags Hitdorf—Düsseldorf, etwa 22 Scemeilen. Voraussagen über den Verlauf der einzelnen Rennen sind bei der großen Zahl der teilnehmenden Boote sehr schwer. In der 30=am=Binnen=Kiel=Klasse wird schon seit 1927 um den Preis der Stadt Duisburg sshängen. indverchältnissen Ein lustiger Roman von Hans G. Waltershausen Copyright by Verlag Neues Leben, Bayrisch Gmain 70 Der Baron lächelte; Tante Bienchen fand, daß er entzückend lächelte. „Ich kehre des Abends zuweilen hier ein, erläuterte der Baron seine Wahl dieser bürgerlichen Gaststätte,„man sitzt angenehm, nicht andauernd Bekannte begrüßen, wird aufmerksam bedient und hat seine Ruhe, das schätze ich mehr als den leeren Glanz.“ Die Tante sah die Kluft kleiner werden, weshalb sie nach Kräften die Ansicht des Barons unterstützte. Sie tat sogar ein Aeußerstes und beteuerte, daß sie die Stadt bei jeder Gelegenheit fliehe, kürzlich habe sie wieder ein entzückendes Picknick im Walde gehalten. Der Baron begeisterte sich sofort daran. „Nichts schöner als das“, sagte er,„ach, was habe ich schon für herrliche Picknicks mitgemacht. Damals, mit der verwitweten Gräfin Westhausen im Allgäu, ein Picknick, das zehn Stunden dauerte, herrlich!“ Und nun erzählte er von Picknicks mit hohen und höchsten Herrschaften, auf hohen und höchsten Bergen, mit hoher und höchster Begeisterung. Die Tante, eislöffelnd, hatte inzwischen Gelegenheit, sich ihr Gegenüber in Ruhe betrachten zu können. Das Gesicht des Barons war ein bißchen gelblich und ein bißchen zerknittert, kein schönes Gesicht, aber das Gesicht eines Barons. Seine Augen waren grau, man durfte nicht an Terzius' blaue, klare Augen denken, wenn man in diese blickte. Aber es war ein Monokel hineingezwängt, und das war doch etwas ganz anderes, als Terzius' treuinniger, blauer Blick, der nur auf Backfische Eindruck machte. Und der Baron trug eine blaue Krawatte mit einem großen Brillanten, sicher ein wertvolles Familienerbstück, und ein rosa Seidenhemd, und einen hellbraunen Rock zu weiten, grauen Hosen, die faltig über schwefelgelbe Schuhe fielen. Jetzt hatte er den Hut abgenommen und neben sich auf den Stuhl gelegt, woselbst sich bereits ein paar weiße Glacéhandschuhe mit roten Raupen und ein Stock mit silbernem Knauf befanden. Auf dem Kopfe bemerkte man ferner eine Anzahl blöndlich=grauer Haare, die sorgfältig und geschickt von allen Seiten nach oben und hinten gekämmt waren, um vorzutäuschen, was nicht mehr da war, oder um zu verdecken, was schon vorhanden war. Und dann umschwebte ihn ein Duft, ein ganz undetinierbarer, höchst männlicher Geruch, eine Mischung von Eau de Cologne, Nikotin und Kaugummi; denn daß er ein leidenschaftlicher Raucher war, bewiesen die gelben Spitzen seiner Fingernägel. Auch jetzt hatte der Baron ein schwersilbernes Zigarettenetui— sicher ein wertvolles Familienerbstück— neben sich liegen, aus dem er eine Zigarette nach der anderen nahm, um eine an der anderen anzuzünden, und so oft er den Rauch einer frischen Zigarette genießerisch hinauspaffte, bekam sein Erzählungsfluß neuen Anstoß. Das Eis war längst ausgelöffelt, das Glas des Barons zu wiederholten Malen frisch gefüllt worden, die Schale war voll von Asche und Zigarettenresten, und der Baron erzählte immer noch, immer noch von Picknicks. Die Tante, die vor lauter Aufregung, um rechtzeitig zum Rendezvous zu kommen, gar nicht zu Nacht gegessen hatte, bekam Hunger bei den Erzählungen von gutem Essen und appetitlichen Arrangements: diese aristokratischen Leute schienen für ein Picknick mehr auszugehin als eine Familie für einen Wochenspeisezettel; für den Augenblick freilich wäre die Tante mit einem ganz gewöhnlichen Käsebrot zufrieden gewesen. Aber lieber wäre sie ohnmächtig zusammengesunken, als daß sie etwas über den Zustand des Magens hätte verlauten lassen. M 4. Es war sehr interessant, aber für den Augenblick kein Trost, daß ihr der Baron gestand, in der Umgegend ein reizend gelegenes Restaurant entdeckt zu haben, in dem man vorzüglich speise, feinschmeckerisch, entzückend arrangiert. Und es wäre ihr nicht darauf angekommen, sofort mit ihm dorthin zu fahren, aber der Baron schlug diesen Punkt für einen der nächsten Abend vor, falls es der Gnädigsten angenehm sei, in seiner Gesellschaft dort zu speisen. „Aber natürlich!“ hauchte die Gnädige, sie wußte nicht, ob aus Schwäche oder aus Begeisterung, solchen Glückes auf Erden teilhaftig zu werden. Aber sie fand die Antwort doch ein wenig kärglich, weshalb sie noch ein Kompliment anhängte:„Ich freue mich darauf, aber nicht nur darauf, mit Ihnen zu speisen, sondern Ihren überaus interessanten Erzählungen lauschen zu können.“ Der Baron verbeugte sich lächelnd.„Und wann!“ fragte er.„##### „Ja“, machte die Tante,„das wird sich danach richten, wann unsere Wagen fertig sind.“ „Ganz richtig. Und ich fürchte, daß meine bedeutend schlimmere Reparatur nicht so rasch zu deheben ist, vielleicht geht es bei Ihnen rascher, zumal Sie den Wagen schon— wie ich annehme— seit einigen Tagen in Behandlung gegeden, haben.“ „Gewiß“, kog die Tante,„ich hoffe, daß er bald fertig sein wird. Es wäre sehr hübsch, wenn wir mit meinem Wagen fahren könnten, aber Bestimmtes weiß ich auch nicht. Könnte ich Ihnen nicht schreiben, Baron?“ „Hm,“ machte Maholy=Bagoty,„das wäre wohl das Einfachste, aber freilich auch umständlicher. Bis man sich dann endlich auf einen Tag einigt; jeder Tag ist leider auch nicht passend, da ich in letzter Zeit verschiedene Einladungen angenommen habe.“ Er zog nachdenklich an seiner Zigarette. Die Tante wollte um nichts das Vergnügen, mit dem Baron zu Nacht zu speisen, preisgeben. Der Wagen war da, aber sie konnte noch nicht fahren, es handelte sich nur darum, ihn an einen bestimmten Platz zu bringen, wo ihn dann der Baron übernehmen würde. Es stand für sie fest, daß ein so leidenschaftlicher Sportsmann wie der Baron sich nicht von einer Dame spazierenfahren lassen, sondern selbst fahren würde. Ob man Terzius darum bitten würde? Er war in der letzten Stunde so reizend zu ihr gewesen, er würde ihr auch das nicht abschlagen. „Ah“, machte die Tante und tat so, als wäre ihr plötzlich ein Einfall gekommen.„Sagen wir, wenn es Ihnen angenehm ist, nächsten Samstag. Machen wir Treffpunkt und Zeit sicher aus; ist der Wagen bis dahin nicht fertig, kommen wir trotzdem zusammen und können uns ja schließlich durch einen kleinen Spaziergang entschädigen.“ Der Baron nahm sein Monokel aus dem Auge. Das tat er immer, wenn er einmal nachzudenken pflegte; er schien auch der Meinung zu sein, daß man zum Denken kein Monokel braucht. Er zog außerdem die Unterlippe ein wenig ein, sah streng zur Seite, stäubte nachdenklich seine Zigarette ab und machte langgezogen„Tjaah“. Der Tante erschienen alle diese Vorbereitungen bedenklich, sicher war ihr Vorschlag für ein bürgerliches Fräulein zu kühn. Aber sie wußte nicht, was ein Mann, wie der Baron, alles zu bedenken hatte. Als er endlich sprach, hörte sie, wie er, mehr im Selbstgespräch, so vielerlei zu erwägen hatte. „Samstag“, murmelte er,„Samstag abend — hm— heute ist Mittwoch— morgen Tee bei Gräfin Worotschin, am Abend Oper, nach der Oper Besprechung mit Generaldirektor Muff. Am Freitag zu Mittag beim Oberbürgermeister— am Abend— hm— Samstag vormittag Aufsichtsratssitzung— gemeinsames Mittagessen des Aufsichtsrats— kann vier Uhr werden, bis man fertig ist— na ja, aber dann kann ich ja jederzeit gehen. Ja, gut, dieser Abendausflug, oder je nach Vorhandensein des Wagens Abendspaziergang, ist mir nach der anstrengenden Sitzung ganz angenehm— gut, abgemacht. Und wenn nicht im eigenen Wagen, dann lieber zu Fuß. Leute wie wir, können doch unmöglich in einer Mietskutsche fahren, nicht wahr, Gnädigste?“ „Unmöglich“, sagt Tante Bienchen voller Inbrunst; sie war froh, daß ihr Vorschlag so gnädig ausgenommen worden war. Aber die Kluft hatte sich schon wieder erweitert. Was sie da alles gehört hatte: Tee bei einer Gräfin, Mittagessen beim Oberbürgermeister, Aufsichtsratssitzung—. Wie klein, wie elend kam man sich da vor! Und mit diesem Manne würde sie im Wagen fahren, zu Nacht speisen, vielleicht— o Gott, welche Vermessenheit, so etwas überhaupt zu denken!— einmal in sein idyllisches Landhaus am Chiemsee eingeladen werden. Plötzlich sah sie die Hand des Barons durch die Luft fahren. Diese Bewegung meldete das Vorhandensein eines Einfalls. Das Denken war erledigt, das Monokel kehrte ins Auge zurück, eine neue Zigarette glimmt auf, mit ihrem ersten Zug sagte der Baron:„Sagen wir ganz einfach: am Samstag um sechs Uhr hier in desem kleinen Restaurant. Gnädigste werden sehen, daß der Ausgang direkt nach der Allee führt, die Allee mündet auf die Chaussee, die wir dann weiterfahren. Einverstanden?“ „Ausgezeichnet“, rief die Tante. Sie lobte nicht nur den Vorschlag des Barons, sondern fand es ausgezeichnet, daß sie auf diese Weise durch Terzius den Wagen herführen lassen konnte, ohne daß der Baron merkte, daß ein anderer gefahren hatte. Sie würde nämlich ganz einfach schon um halb sechs Uhr hier vorfahren. Famos! Die Tante lebte trotz Hungers wieder auf, strahlte, bekam wieder einmal rote Flecken und freute sich auf den Samstag,.... Ga. Der Baron winkte den Kellner heran, zahlte, ließ sich Hut, Handschuhe und Stock reichen und verließ mit der Dame den Garten nach der anderen Seite, um der Autofreundin die Anfahrt zu zeigen. Der Vorschlag, die Allee entlang bis zum Bismarckplatz zu gehen, wurde angenommen, die Tour noch einmal während des Weges besprochen. wobei sich der Baron noch einmal zur Marter der Tante auf das Thema Picknicke verirrte, und endlich verabschiedete sich der Baron, um noch in seinem Klub eine Partie Bridge zu spielen. Die Tante errötete, als sie den Baron Maholy=Bagoty vor sich stehen sah, den Hut in der Hand, den Kopf über ihre Hand geneigt, die Hacken zusammenschlagend und dann, mit letzter Neigung des aristokratischen Kopfes sich entfernen sah. Ganz versunken stand sie noch und schaute dem Manne aus einer anderen Welt nach, und es erschien ihr wie ein Traum, was sie heute erlebt. Dann aber ging sie im Sturmschritt über den Platz, um endlich irgend etwas Eßbares zu sich zu nehmen. In ein Lokal zu gehen und warten zu müssen, erschien ihr zu umständlich, ein Schnellrestaurant war ihr plötzlich zu gewöhnlich, wenn das der Baron dort sehen würde! Sie wußte nicht, was sie tun sollte, und doch war es nötig, etwas zu tun. Plötzlich sagte jemand,„Grüß Gott, Fräulein Marschall“ zu ihr.„Grüß Gott“, sagte in der ganzen Stadt nur ein Mensch, und das war ihr Chef. Herr Molfenter aus Ulm. Richtig, er war es mit seinem Besuch, der alten Tante, die mit dem Dialekt, den kein Mensch verstehen konnte, die mit„dene geschmacke Hemmeter“. Aber natürlich grüßte sie freundlich zurück, und Herr Molfenter fragte rasch, ob im Geschäft alles gut gegangen sei, während seiner Abwesenheit. Die Direktrice hatte das alles schon wieder vergessen, es lag nach dem unerhörten Erlebnis mit dem Baron wie eine lächerliche Bagatelle weit, weit hinter ihr. Deshalb sagte sie fröhlich:„Aber natürlich, Herr Molfenter, Sie wissen ja, bei mir muß es gehen, ob es will oder nicht.“ Die Tante aus Ulm hörte solche Worte gern. Dös ischt a Stramme, dachte sie für sich, die ischt recht fürs Geschäft. Auch Herr Molfenter hörte das gern, und er fühlte sich deshalb zu einer Anerkennung verpflichtet.„Haben Sie nicht Lust, mit uns zu Nacht zu essen?“ fragte er.„Wir kommen gerade von der Bahn, wir haben einen Ausflug gemacht und haben jetzt Hunger, kommen Sie doch mit, wenn Sie nichts anderes vorhaben.“ Fräulein Marschall hörte das ganz besonders gern. Natürlich machte sie einige Einwände, aber die Tante aus Ulm erklärte kurzerhand:„Kommetse nur!“ Und lächelnd willigte sie ein. „Haben Sie großen Hunger?“ fragte Herr Molfenter, als sie endlich am Tisch saßen. Da lachte die Tante und sagte:„Ja“. Es war ihr erstes wahres Wort an diesem Abend. 13. Das Telephon läutete: „Hier, Frau Steiner.“ O Gott, dachte Fritz,„das durfte nicht kommen, aber man mußte domit rechnen. Also denn los:„Hier, Fritz Mendel. Guten Tag, gnädige Frau!“ „Herr Mendel? Ach so— ja— „Verzeihen Sie, gnädige Frau, daß ich— ich wollte— ich sollte— eigentlich wollte ich Fräulein Lilly sprechen—“ „Das habe ich mir gleich gedacht.“ „Aher hitte, nein, ich wollte Sie nur fragen, wann ich—“ „— o, da möchte ich Sie gleich darauf aufmerksam machen, Herr Mendel, daß meine Tochter momentan einen Kurs mitmacht und deshalb nur ganz wenig freie Zeit sie natürlich ihren Eltern widmet.“ „So meinte ich es nicht, gnädige Frau; ich wollte Sie fragen, wann ich mich bei Ihnen entschuldigen könnte.“ „Entschuldigen?“ „Ja, ich wollte das persönlich tun, nicht am Telephon, aber wenn Sie mir jetzt einen Augenblick Geduld schenken wollen...“ „Ja, aber ich wüßte nicht.“ „Eine Aufklärung ist notwendig. Sie machten mir am Samstag das Vergnügen, Sie ein wenig spazierenfahren zu dürfen. Ich kam direkt von einem Ausflug, den ich mit meiner Schwester und meiner Tante unternommen hatte. Meine Schwester hatte nämlich den Picknickfimmel, weshalb sie alles mögliche Eßbare mit in den Wald nahm. Leider hat sie dann vergessen, die Picknick=Sachen aus dem Wagen zu nehmen, und ich habe mich nicht überzeugt, daß der Wagen ordnungsgemäß aussteht. Sie können sich vorstellen, wie entsetzt ich war, als ich daheim die unangenehme Ueberraschung entdeckte. Es war eine Zumutung, Sie und Ihr Fräulein Tochter in einen solchen Wagen zu bitten; Sie dürfen mir glauben, daß es mir äußerst peinlich war und noch ist, wenigstens solange, als Sie mir nicht sagen, daß Sie es verzeihlich finden.“ „Hm—“ machte Frau Steiner. Sie wußte nicht recht, ob sie jetzt entgegenkommend oder abweisend sein sollte. Sie wäre gern abweisend gewesen, aber da man Besuch erwartete, hätte man mit Fritz und seinem Wagen ein bißchen glänzen können; es sieht immer gut aus, wenn man von Leuten umgeben ist, die ein Auto haben und jederzeit gern dereit sind, einen damit zu fahren. Ein kleines Entgegenkommen würde jedenfalle nichts schaden, und Frau Steiner zeigte sich in diesem„kleinen Entgegenkommen“ sehr diplomatisch. „Ach“, gab sie um einiges sanfter zurück, „meinetwegen brauchen Sie sich deshalb keine Gedanken zu machen. Herr Mendel, ich habe mir schon gedacht, daß sich die Sache so ähnlich verhalten wird. Ich habe ganz einfach die Sachen beiseite geschoben und mich dann gesetzt, es sitzt sich ja so wunderschön in ihrem Wagen. Aber Lilly war begreiflicherweise etwas verdutzt, weniger freilich über die Unordnung im Wagen, die ich ihr ja einigermaßen aufklären konnte, als vielmehr darüber, daß Sie uns bei Tormeier gar nicht beachteten. Sie saßen da mit einigen Damen und einem Herrn, vielleicht ihrem Herrn Bruder. Na, kurz und gut, am besten, Sie sprechen selbst mit Lilly, sie wird nicht unerbittlich sein. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf. Herr Mendel, dann laden Sie sie bald wieder einmal zu einer Fahrt ein, das wird sie am leichtesten besänftigen, nicht wahr?“ Donnerwetter, dachte Fritz, was ist denn in die Alte gefahren? Dieser Ton? Sie lächelte ja gerade durchs Telephon, und lachte sie nicht ein bißchen? So ein bißchen versöhnend? Das macht nur das Auto! Fabelhaft! Das hatte ich jetzt gar nicht erwartet. Also beeilte er sich zu sagen:„Ja, das werde ich tun, gnädige Frau, das ist ein guter Rat. Und ich freue mich, daß Sie mir deshalb nichts nachtragen, und ich hoffe, daß Sie mir recht bald das Vergnügen machen werden, wieder einmal mit mir zu fahren, diesmal aber in einem tadellosen Wagen.“ „Oh, ich freue mich schon darauf! Möchten Sie Lilly gleich sprechen?“ Ich weiß nicht, was da los ist, dachte Fritz. Sie freut sich darauf und fragt von selbst, ob ich Lilly sprechen möchte? Das ist wohl noch nicht dagewesen! „Aber gern, wenn sie daheim ist“, gab er zurück. „Nur müssen Sie sich einen Augenblick gedulden, sie ist in ihrem Zimmer, kam es gütig zurück, und dann herrschte für eine Weile Schweigen. Indessen stürmte Frau Steiner zu Lilly und überfiel sie mit den Worten:„Herr Mendel lädt uns zu einer Autotour ein. Sage, daß du gern am Samstagnachmittag fahren würdest, da können wir dann Tante Toni und Elfi mitnehmen.“ Lilly sah ihre Mutter groß an. Sie wunderte sich über vielerlei, aber das zu äußern war jetzt keine Zeit. Nur einen Gedanken ließ sie laut werden:„Ja, aber wir gehen doch gar nicht alle in den Wagen?“ Das hatte Frau Steiner auch schon berechnet. Kurzerhand erklärte sie:„Du kannst noch genug Auto fahren, die Hauptsache ist, daß wir unserem Besuch etwas bieten können. Du kommst mit Papa in der Straßenbahn nach." „Nett“, dachte Lilly, überlegte aber, daß es besser sei, der Mutter nachzugeben und Fritz gegenüber ebenso nachgiebig zu sein, obgleich ihr die Damengesellschaft, in der sie ihn bei Tormeier gesehen, noch immer Gedanken machte. „Schnell, geh zum Telephon“, drängte die Mutter, und Lilly trippelte den Gang entlang, nahm den Hörer in die Hand und sagte: „Hier Lilly Steiner.“ Fritz holte erst einmal tief Atem. Er wußte nicht, wie er beginnen sollte. Mußte er noch einmal die ganze Geschichte erzählen, die eigentlich nicht die richtige Geschichte war? Lilly sollte doch die volle Wahrheit erfahren, aber das ging nicht durchs Telephon. Also sagte er:„Ich habe Ihnen so viel zu sagen, was ich am Telephon nicht sagen kann. Aber es ist mir wenigstens gelungen, Ihre Frau Mutter zu versöhnen. Glauben Sie, daß es mir gelingen wird, auch Sie zu versöhnen?“ Lilly fühlte sich schwach werden. Das war eine raffinierte Einleitung, da konnte man ja gar nicht nein sagen, und außerdem mußte man, da die Mutter hinter ihr stand, freundlich zu ihm sein; wegen des dummen Besuches, den man kostenlos im Auto herumfahren wollte. Deshalb gab sie ein etwas tonloses, neutrales:„Warum nicht?“ Was für Fritz ein Hoffnungsschimmer, für die Mutter eine diplomatische Antwort auf die Frage nach der Autoeinladung bedeutete. Ermuntert fuhr Fritz fort:„Um Ihnen sagen zu können, was ich zu sagen habe, müßte ich Sie einmal allein sprechen; wäre das möglich?“ Was sollte Lilly darauf sagen? Mit der Mutter im Rücken? Verzweiselte Situation! Wieder hörte Fritz ein tonlos gesagtes, neutrales Wort:„Gewiß!“ Das war nicht ja und nicht nein, aber besser als gar nichts. Fritz nahm das„sa“ als gegeben und detaillierte seinen Antrag: es Ihnen morgen, am Freitag, abend recht? Ich komme um sechs aus dem Geschäft, sagen wir also um viertel sieben Uhr im Kaffee Munz, einverstanden?"(Fortsetzung folgt. Traditions=Ecke Die„Pour=le=merite=Unteroffiziere treisen sich Die höchste Auszeichnung für den Unteroffizier des Weltkrieges ist das preußische goldene Militärverdiensttreuz, der Pour=le=mérite des deutschen Unteroffiziers. Im 13=Millionen=Heer des Weltkrieges wurde dieser Orden 1754 mal verliehen. In der Stadt Minden findet in der Zeit vom 1. bis August ein Treisen der Träger dieses hohen Ordens statt. an dem die Kameraden aus Hannover. Braunschweig. Hessen und Westfalen teilnehmen. Es werden rund 200 Ordensträger erscheinen. Auch die Offizierskameraden mit dem höchsten Kriegsorden aus dem genannten Gebiet wurden zu dieser Tagung eingeladen. Die Tagung. die von hohem militärischen Geist erfüllt ist, wird nicht nur in der alten Soldatenstadt Minden. sondern auch außerhalb der ehemaligen Festungswälle Widerhall finden. Radio=Rundschau Sendungen des Reichssenders Köln, die man hören muß! Sonntag, den 5. Juli: Von den Veranstaltungen des Sonntags sei vordringlich hingewiesen auf die Sendung um 11 Uhr: „Ehret die Arbeit deutscher Winzer!", ein Preislied auf den Wein. Musikfreunde bleiben dann am Lautsprecher und hören von Leipzig die Kantate von Johann Sebastian Bach„Herr. gehe nicht ins Gericht". Um 12 Uhr bringt der Deutschlandsender als Reichssendung die Weltringsendung„Eine Botschaft des olymvischen Komitees an Deutschland zur 11. Olympiade“— Der Reichssender Köln ist schon seit vielen Jahren ein Verehrer der Kunst Felix Timmermanns. Aus Anlaß des 50. Geburtstages des flämischen Dichters hören wir um 18.30 Uhr einen Glückwunsch und eine persönliche Lesung des Dichters aus seinen Werken. Die westdeutsche Funkauslese von 20 bis 22 Uhr sieht wieder eine große Anzahl von Volkskünstlern vor dem Mikrophon. die zur Freude und Unterhaltung aller spielen und singen. Montag, den 6. Juli: Die Forderung, deutsche Hausmusik zu unterstützen. erfüllt der Reichssender Köln heute um 19 Uhr mit der Sendung„Deutsche Hausmusik". Auf der gleichen Ebene liegen die Werke von Franz Schubert. die innerhalb des„Schatzkästleins“ ab 22 Uhr zu hören sind. Dienstag, den 7. Juli: In die Welt des Nordens versetzt uns um 16 Uhr die Sendung„Mitternachtssonne über dem Norden die Zeit der hellen Nächte". Es folgt dann ein Schallplattenkonzert„Von Over zu Over“. Ein bäuerliches Sviel aus Westfalen„Jösken un de Himmelsreis“ wird alle Freunde der westfälischen Sprache um 21 Uhr in Begeisterung versetzen. Mittwoch, den 8. Juli: Nach Felix Timmermanns bringt der Reichssender Köln in dieser Woche heute um 18.30 Uhr einen zweiten Dichter zu Gehör: Hermann Burte, den Hebbel=Preisträger 1936. Als Reichssendung„Stunde der jungen Nation“ hören wir um 20.15 Uhr„Das musikalische Opfer". Leichte Unterhaltung bietet die Sendung„Da wo die sieben Berge“. ein Sommerabend am Rhein. Weitringsendung? Die Dlympia=Glocke läutet Im Rahmen der vielen Sendungen, die der deutsche Rundsunk als vorbereitende Sendungen für die Olympischen Spiele in Berlin durchführt, findet am 5. Juli von 12.00 bis 12.30 Uhr eine Sendung unter dem Titel„Olymvischer Appell“ statt. Diese Sendung soll als erste Weltsendung zeigen, wie der Rundfunk die Bande zwischen den Völkern eng und enger knünft, um schließlich bei den Olymvischen Spielen selbst allen Völkern der Welt in den ihnen eigenen Sprachen das Miterleben der Olymvischen Spiele zu ermöglichen. Eingeleitet wird die Sendung durch die olymvische Fansare und das Läuten der Olympiaglocke. Dann wird der Präsident des deutschen olymvischen Komitees. Exzellenz Lewald, eine Botschaft an die Welt richten und der Welt mitteilen, daß im Geiste der olympischen Idee Deutschland die Olymvischen Spiele durchzuführen beabsichtigt und Ddie„hierfür notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen vat. Exzellenz Lewald wird dann an alle Völker die Aufforderung richten. nach Berlin zu kommen und ihm jetzt durch den Rundsunk noch einmal den Tag der Ankunft sowie die Beteiligung an den verschiedenen Sportdisziplinen anzugeben. Sofort nach dieser etwa vierminutigen Ansprache werden dann die einzelnen Länder ihre Meldung, die in der jeweiligen Nationalsprache gehalten sein wird. abgeben. Die Donnerstag, den 9. Juli: Hier ist hervorzuheben ein Gespräch über das Thema:„Das schwache und das starke Geschlecht". Diese Variante auf ein altes Thema werden sich nur wenige Hörer entgehen lassen. Die so beliebt gewordene Sendung„Das Schatzkästlein" um 22 Uhr enthält u. a. drei Geisterballaden von Karl Loewe. Freitag, den 10. Juli: Drei Sendungen empfehlen wir besonders:„Der Erzähler“ mit sechs bunten Plaudereien um 16 Uhr, um 18 Uhr das große Unterhaltungskonzert und um 20,10 Uhr die beliebte Hörfolge„Soldaten— Kameraden". Samstag, den 11. Juli: Zum Feierabend hören wir die„45 besinnlichen Minuten“, die diesmal aus Bielefeld mit einer musikalischen Feier aus der Altstädter Nicolaikirche übertragen werden Der Abend wird beherrscht von der Volkssenderaktion. Zwei Stunden lang sendet Volk für Volk, von 20.10 bis 22 Uhr. Kirchlicher Anzeiger Sonntag, den 5. Juli 1936 Katholische Gottesdienstordnung St.=Lambeetus=Pfarrre(Altstadt) Sonntag 6 Uhr erste hl. Messe mit Predigt:.30 Uhr zweite hl. Messe mit Predigt und gem. ht. Kommunion aller Männer; 9 Uhr Kindermesse mit Predigt und hl. Kommunion der Kinder des 4. Schuljahres: 10 Uhr Hochamt mit Predigt: 11.15 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt;.30 Uhr Christenlehre und Andacht, nachher Taufen; 8 Uhr Abendandacht. Kapelle des St.=Rochus=Hospitalo Sonntag.30 Uhr hl. Messe mit Predigt:.15 Uhr hl. Messe mit Predigt. In der Woche.30 Uhr hl. Messe. St.=Elisabeth=Pfsarevikarie(Obercastrop) 7 Uhr erste hl. Messe:.30 Uhr zweite hl. Messe mit gem. hl Kommunion: 10.30 Uhr Hochamt mit Predigt,.30 Uhr Andacht. St.=Franziskus=Gemeinde Schwerin .30 Uhr Frühmesse mit gem. hl. Kommunion des Dihmpischer Appen Sendung eines jeden Landes dauert eine Minute 30 Sekunden, so daß die Sendung. in der mehr als 18 Länder ihre Botschaft abgeben, eine sehr eindrucksvolle und weltumspannende Darbietung zu sein verspricht Die Meldungen der einzelnen Länder werden zum größten Teil von den jeweiligen Präsidenten der nationalen olymvischen Komitees durchgegeben werden, so z. B. von Finnland durch Oberstleutnant Lebalahti, von Polen durch Colonek Glabisz, von Schweden durch Prinz Gustav Adolf. . Folgende Länder sind im einzelnen an der Sendung beteiligt: Argentinien. Dänemark. England. Finnland. Frankreich, Holland. Island. Italien, Japan, Jugoslawien, Norwegen. Polen. Schweden, Schweiz, Ungarn Uruguay, UStl., Deutschland. Meldungen weiterer Länder stehen noch aus. Da auch überseeische Länder an dieser Sendung beteiligt sind. überträgt außer allen deutschen Reichssendern auch der deutsche Kurzwellensender diese Weltsendung, so daß nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Uebersee der Sendung gefolgt werden kann. Nachdem alle Länder ihre Meldung abgegeben haben werden, wird dann als Abschluß der Generalsekretär der deutschen olympischen Komitees. Dr. Diem, sprechen Die Olymviaglocke und die Fansare werden den Abschluß bilden. In 30 Minuten eine Weltsendung für die Welt. von der Welt an die Welt. 4. Schuljahres und der Männer:.30 Uhr Hochamt; .30 Uhr Andacht Aus den Vereinen Kolvingsfamilie. Mittwoch, den 8. Juli. abends 8 Uhr Zusammenkunft im Vereinssaal. Jungfrauenverein. Dienstag. den 7. Juli. abends 8 Uhr. Zusammenkunft und Handarbeit im Vereinssaal. Kirchenchor Cäcilia. Donnerstag, den 9. Juli. abends.30 Uhr, ist Thorprobe im Vereinssaal. Borromäusverein. Die Bücherausgabe in der Pfarrbücherei ist Sonntag. den 5. Juli. vormittags von 19.30—12 Uhr. Der Kirchensteuer=Hebetermin ist Sonntag, den Juli. vormittags von 10.30 12 Uhr. Pfarrvikarie„Zu den hl. Schutzengeln“(Frohlinde) .30 Uhr Frühmesse mit gem. hl. Kommunion;.30 Uhr Hochamt;.30 Uhr Andacht Herz=Jesu=Pfarre(Bahnhof Rauxel) 7 Uhr Frühmesse mit gem. hl. Kommunion;.30 Uhr Hochamt; .30 Uhr Andacht. St.=Joseph=Pfarre(Habinghorst) Uhr erste hl. Messe;.30 Uhr zweite hl. Messe mit Predigt:.45 Uhr Hochamt;.30 Uhr Andacht. St.=Autonius=Pfarre(Ickern) .30 Uhr hl Messe;.45 Uhr Frühmesse mit Predigt und gem. hl. Kommunion:.45 Uhr hl. Messe mit voln. Gesang; 10 Uhr Hochamt mit Predigt,.30 Uhr Andacht. „St. Marien“(Merklinde) .30 Uhr Frühmesse: 10 Uhr Hochamt; 230 Uhr Andacht. Kirchlinde..30 Uhr hl. Messe: 8 Uhr h1 Messe mit Predigt; 10 Uhr Hochamt: 2 Uhr Andacht. Marten. 7 Uhr Frühgottesdienst.30 Uhr zweite hl. Messe; 10.30 Uhr Hochamt;.30 Uhr Andacht. Evangelische Goltesdienst-Ordnung Castrop. Sonntag.30 Uhr Frühgottesdienst. Pastor Nelle; .30 Uhr Hauptgottesdienst. Vikar Rohlfing; 11 Uhr Kindergotte: dienst: 11.15 Uhr Gottesdienst Schwerin. Pastor Nelle; 2 Uhr Kindergottesdienst Schwerin.— Sonntag.30 Uhr Blautreuzverein. Montag 8 Uhr Kirchenchor; 8 Uhr Bibelstunde in der Schule zu Frohlinde. Dienstag Frauenhilfe 2 Ausflug. Abfahrt 12 Uhr bei Goldschmieding. Mittwoch 8 Uhr Bibelbesprechung im Wichernhaus. Donnerstag 3 Uhr Frauenhilfe 1 Castrop: 8 Uhr Vorbereitung zum Kindergottesdienst. Freitag Frauenhilfe Schwerin Ausflug. Abfahrt.45 Uhr bei der Zeche; 5 Uhr und 8 Uhr Gemeindejugend=Bibelstunde; 8 Uhr Bibelstunde. Bladenhorst. Sonntag 10 Uhr Gottesdienst. Pastor Fritsch; 11 Uhr Kindergottesdienst. Habinghorst. Sonntag.30 Uhr Gottesdienst, Pastor Obermeier; 11 Uhr Kindergottesdienst: 12 Uhr Tausen und Trauungen in der Kirche— Dienstag 20 Uhr Jugendbtbelstunde im GustanAdolf=Haus. Freitag 20 Uhr Vorbereitung des Helferkreises. Ickern. Sonntag.30 Uhr Gottesdienst. Pastor Becker 11 Uhr Kindergottesdienst und Taufen— Donnerstag 8 Uhr Bibelstunde. Bövinghausen. 6onntag 10 Uhr Gottesdienst; 11.15 Uhr Kindergottesdienst; 12 Uhr Taufen. Mittwoch 20.15 Uhr Gemeindebibelstunde. Bodelschwingh. Sonntag 10 Uhr Gottesdienst mit Vorbereitung und Feier des hl. Abendmahles, Pastor Brink: 11.30 Uhr Kindergottsdienst Marten. Sonntag 930 Uhr Gottesdienst: 10.45 Uhr Kindergottesdienst Dienstag Frauenhilf 1; 8 Uhr Kirchenchor. Mittwoch 8 Uhr Gemeindebibelstunde. Donnerstag Frauenhilfe 2; .15 Uhr Bibelabend der Jungmädchen. Lütgendortmund Samstag. 4. Juli. 20.15 Uhr, Wochenendgottesdienst. Pastor Dienemann. Sonntag Frühgottesdienst fällt aus:.30 Uhr Hauptgottesdienst Pastor Hagena, Kirchlinde; 11 Uhr Kindergottesdienst Sonstige religiöse Veranstaltungen Christliche Versammlung, Viktoriastraße Sonntag.30 Uhr Sonntagsschule: 4 Uhr Verkündigung deWortes Gottes. Mit woch—8 Uhr Gebetsstunde:—9 Uhr Wortbetrachtung. Kirchl. Gemeinschaft und Jugendbund für Entsch. Christentum, Castrop=Rauxel 1(Korsirmandensaal, Biesenkampstraße) Sonntag 16 Uhr Evangelisationsvortrag, 17.15 Uhr Jugendbundstunde Donnerstag 20 Uhr Bibelbesorechung und Gebetsstunde. Gemeinde gläubig getaufter Christen(Baptisten), Castrop=Rauxel 1 Bahnhofstraße 33(Baracke) Versammlungen Sonntag.30 Uhr Bibelstunde. Sonntag 11 Uhr Sonntagsschule. Sonntag 16 Uhr Heile erkündung. Donnerstag 20 Uhr Bibel= und Gebetsstunde. Neuapostolische Gemeinde Castrop=Rauxel 1, Herner Straße 16 (Hinterhaus) Sonntag morgen 9 Uhr. Sonnlag nachmittag 4 Uhr Mittwoch abend 7 Uhr.— Kinderunterricht Sonntag 2 Uhr Sonntagsschule. Mittwoch nachmittag 5 Uhr Konfirmanden= und Katechumenen=Unterrichtsstund: Freie evgl. Gemeinde Castrop=Rauxel 1. Schubertstraße 33 Sonntag vormittag.30 Uhr Bibelbesprechstunde: 11 Uhr Kindergottesdienst; nachmittags 4 Uhr Evangeliumsverkündigung. Mittwoch abend 8 Uhr Bibel= und Gebetsstunde. Freie evgl. Gemeinde Castrop=Rauxel 4, Friedhofstraße 11 Sonntag vormittag.30 Uhr Bibelbesprechstunde. 11 Uhr Kindergottesdienst. 16 Uhr Predigt. Donnerstag abend.30 Uhr Bibel= und Gebeesstunde. Castrop=R. 3, Adolf=Hitler=Straße 53(Eing. Heurichenbg. Straße) Sonntug morgen 9 Uhr Sonntag nachmittag 1 Uhr Mittwoch abend 7 Uhr. Kindergottesdienst Sonntag nachmittag 2 Uhr Dortmund=Bövinghausen. Sonntag morgen 9 Uhr Gottesdienst..30—.30 Uhr Sonntagsschule. 3 Uhr Gottesdienst. Mittwoch 7 Uhr Gottesdienk. Der Arme Paul ist bestraft mit seiner Pauline. So eine häßliche Frau wie Pauline gibt es nicht gleich wieder. Aber was will Paul machen? Er hat sie nun einmal! Und da sagt dann noch einer zu ihm: „Sie können lachen. Paul.“ 6 „Ja! So eine Frau zu haben!" Paul brummt böse: „Sie sind wohl verrückt, was?“ „Ich möchte sofort, auf der Stelle Ihre Frau haben!“ Der andere seufzt: „Sie würden nicht fragen, wenn Sie einmal meine Frau gesehen hätten!“ Schwerarbeiter Einer wollte auch verbilligte Margarine. Der Beamte bedauerte: „Diese Margarine ist nur für Schwerarbeiter.“ „Ich bin auch Schwerarbeiter.“ „Sie?“ „Ja. Haben Sie eine Ahnung, wie schwer es mir fällt, zu arbeiten?“ Gastros=Rauxeis Kultar= u. Maslkpfiege 18337 30 Ein Gang durch die Spielzeit mit kritischem Ohr und Auge Glanzvolle Höhepunkte— Vielheachtete Westdeutsche Erstaufführungen— Castrop=Rauxels kulturelles Eigenleben, sein Echo im Blätterwalde und in der Fachkritik— Ein großer Erfolg der NSKG.— Exemplum cultur ae et structurae 6. Fortsetzung und Schluß. Einen sehr breiten Raum in unserem Kulturleben nahm das Theaterwesen ein. Schon Schiller sagte: So gewiß sichtbare Darstellung mächtiger wirkt als toter Buchstabe, so gewiß wirkt die Schaubühne tiefer und dauernder als Moral und Gesetz." Wohl tein Volk der Erde hat seine Theater so ernst und leidenschaftlich umkämpft, wie das deutsche Volk. Diese zutiefst deutsche Einstellung hat mit der Arbeit der NSKG. noch eine wesentliche Erweiterung erfahren: denn es soll und will an der großen Arbeit mithelfen, ein deutsches Gemeinschaftsgefühl aufzurichten. Es will in seinem Ringen um die geistigen Cüter der Nation dadurch beispielhaft mitwirken, daß es die große klassische und zeitgenössische Dichtung zu unserer neuen Zeit in gleichnishafte Beziehung bringt. Der freudige Gleichschritt unserer Zeit findet seinen heiteren. spielerischen und lebensbejahenden Ausdruck in dem einen großen Ziel, zu dem wir uns alle freudig bekennen, zum deutschen Kulturtheater In dieser Richtung lag auch das von der RSKG. getragene Bemühen unseres Theaterwesens, durch Preisgestaltung nach nationalsozialistischen Grundsätzen den Gastspielen des Westsälischen Landestheaters die Masse der Bewohner im breitesten Umsange wieder zurückzugewinnen. Und es zeigte sich auch bei uns, daß in der Tat jegliches Theaterspielen für uns alle wieder zur Sache des Herzens geworden ist. Weltanschaulich geeinigt steht es vor uns. Aber nicht nur in der Gesinnung, auch in seinen künstlerischen Voraussetzungen und Grundlagen ist es auf dem Wege. sich von den Kunstbeariisen jener versinkenden Welt, die wir die Geistige nannten, loszulösen. Künstlerisch ist es auf dem verheißungsvollen Marsche zu neuen Wegen und Zielen, die einstmals der Hochherzigkeit und der geistigen Kühnheit der nationalsozialistischen, weltanschaulichen Zielsetzung entsprechen wird. Dem hochgesinnten Wollen und Streben der uns betreuenden Westf. Landesbühne, der Theaterkultur unserer um ihre Vollwerdung ringenden Nation spielerischen Ausdruck zu verleihen, entsprach in allem ihre wirklich künstlerisch gestaltende Tat in einer zeit= und vollsnahen Spielplangestaltung. Und der Erfolg zeigte sich ganz offensichtlich in den stetig wachsenden Besuchszissern. So boten im Rahmen der NSKG. die Gastspiele folgende Werke:„Der Revisor“, Komödie von Gogol.„Der Prinz von Homburg“ von Heinr. Kleist.„Der Widerspenstigen Zähmung" von Shateweare,„Die Heimkehr des Matthias Bruck“ von Siegmund Graf.„Kabale und Liebe“ von Schiller. Außerdem gab es noch zu sehen und zu hören„Zu spät", erbbiologisches Schauspiel von Müller=Manger und Telsan und„Schwiegersöhne", erbbiologisches Schauspiel von Alex. Paul. Das Marionettentheater Kastner bespielte mit je zwei Aufführungen den Nord= und Südkern mit„Hoppentinte!". An Jugendvorstellungen sind zu erwähnen:„Prinz von Homburg".„Der Widerspenstigen Zähmung",„Kabale und Liebe".„Schnecwittchen“ und„Puppenliesel“, und das Marionettentheater Kastner. Die NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude" überraschte uns mit zwei Operetten„Rosmarin vom Böhmerwald" von Sander. Musik von Jehring und „Vetter aus Dingsda“ von Künnecke. Die Laienspielscharen, die Jahrzehnte hindurch unserem ganzen Theaterleben den Stempel aufgedrückt haben(wir werden es uns angelegen sein lassen, später einmal im Zusammenhang diese für die örtliche Kulturgeschichte nicht uninteressante Zeit einer eingehenden Würdigung zu unterziehen), waren in der Berichtszeit wieder zu mancherlei Gelegenheiten recht rührige. Wie tief verwurzelt ihre Arbeit im hiesigen Kulturboden ist, bewiesen die stets ausverkauften Häuser, die teilweise sogar, genau wie in den Jahrzehnten ihrer Glanzzeiten, eine zweioder dreimalige Wiederholung erforderlich werden ließen. Mit geringen Ausnahmen zeugte auch hier die gebotene Auswahl von Verantwortungsbewußtsein gegenüber den grundlegenden Erfordernissen laienspielmäßiger Betätigung. Soweit wir informiert wurden, handelt es sich um folgende Stücke:„Weihnachtsfestspiel“ von Fritz Weege.„Weihnachtsspiel“. von Franz Herweg„Die drei alten Schachteln". „Um Judas Lohn“.„Anno 1627. ein Bauernspiel in 7 Bildern“ von Bruno Novak.„Grenzmark“. ein Spiel von Freiheit und Treue.„1000 Jahre Deutschland“ ein chorisches Spiel,„Mutterliebe".„Schneewittchen“ von Zuschneid.„Puppenliesel" von Zuschneid.„Volk in Not“ historisches Schauspiel in 3 Akten von Hubert Schmitz,„Bauerndrama Düwels“ von Heinrich Sohnrey. Am weitaus schwierigsten gestaltete sich die Beobachtung der im Stadtgebiet ansässigen Filmtheater mit ihren wöchentlichen Spielplanänderungen. Hier das eine oder andere wirklich Gute herauszustellen, muß leider an der Unvollständigkeit des von uns gesammelten Materials scheitern, das auch nicht im Entferntesten Rückschlüsse auf den Stand der örtlichen Darbietungen filmischer Kunst zuläst. So müssen wir uns leider auf die Registrierung der Ereignisse beschränken, in denen Spitzenfilme von der Bewegung und ihren Untergliederungen dem Filmpublikum gezeigt wurden. So machten in der vergangenen Zeit die Runde durch unsere Theater:„Königin Luise".„Der alte und der junge König".„Friesennot",„Der Reiter von Deutsch=Ostafrika".„Olympia=Lichtbilder=Werbeabend".„Des jungen Dessauers große Liebe“.„Die Donau vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer“. „Flieger auf dem Reichsparteitag 1935“,„Mutter und Kind, ein Spiel von Mutterliebe",„Douaumont", der Schwedenfilm„Broderson und Mendel". „Im gleichen Schrit: und Tritt".„Hans Westmar". „Volk in Gejahr“ usw. Auch unser erst unlängst eröffnetes Heimatmuseum darf in diesem Zusammenhang nicht sehlen, wies es doch immer wieder durch gut gesichtete, interessante Ausstellungen auf sich und seine dem heimatlichen Raume aufs engste verknünfte Arbeit hin. „Notgeldsonderschau".„Alte Castrover Bilder=Sonderschau".„Olympia=Sonderschau".„Aus fremden Ländern", waren die vielbewunderten und reichen Besuch findenden Veranstaltungen desselben. Daneben sand viele Beachtung die Ausstellung des Oberlyzeums anläßlich seines 50jährigen Bestehens. Die Modellwanderschau der Luftsport=Landesgrunpe Westfalen und die alljährlich stattfindenden kleineren Weihnachtsausstellungen vervollständigten auch hier das Bild. Gedenken wir zum Schluß noch der beiden Vortragsabenke der NSKG., in denen Max Grühl über„Abessinien im Umbruch der Weltpolitik“ und Pros. Dr. Grimm über„Hitlers deutsche Sendung" sprach, und vergessen wir nicht die zahlreichen Schulungsabende. Versammlungen und Kundgebungen der Portei und ihrer Gliederungen zu erwähnen, in denen Führer und Männer des Dritten Reiches sprachen, so rundet sich das hier gegebene Bild der Kunst= und Kulturbewegung im Jahre 1935/36 zur so weit wie möglich angestrebten Vollständigkeit ab. Schon die bloße Aufzählung der Namen zeigt, daß hier grundlegende Volksaufklärung im besten Sinne geleistet wurde: Staatsrat. Gauleiter und Oberpräsident von Oberschlesien Josef Wagner, Stellv. Gauleiter Pa Stürtz, Staatsrat Börger. Gauwalter der DAx und Leiter der Arbeitskammer Westsalen und Livoe und M. d.., Pa. Ernst Stein. Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter u. M. d. ., Pg. Karwahne Organisationsleiter Pg. Hein Diehl. Pa Oberbürgermeister Reister, Herne. Pg. Oberbürgermeister Vetter=Hagen. Treuhänder der Arbeit Pg. Hahn, Pg. Land. M. d.., Pg. Köhler, Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik in der Reichsleitung der RSDAP., Pg. Oberfeldmeister Müller, M. d.., Reichsredner. Gaubeauftragter Pg. Volkenborn, NSV.= Gauamtsleitung. Pg. Schulrat Hoffmann, SA.= Obertruppführer Pg. Wiethoß. Pg. Sturmbannführer Nagelmann, Pg. Sturmbannführer Plötz. Schulungsleiter Pg. Hönnich. Pg. Hüsing. Bochum. Pg. Gruber, Bochum. Pg. Proj. Dr. Becker. Pa Landgräber, Pg. Bromm, Pg. Dr. Jeß. Pg Pros. Dr. Grimm, Pg. Prof. Dr. Werdermann, Pg. Pros. Dr. J. K. Mayr, Pg. Bütow. Pg. Becker, Proj. Max Grühl Gauschulungsleiterin Pan. Frau Becker, Bischof Hossenfelder, Kameradschaftsführer Kunst, Kreisfrauenwalterin Frl. Schäfer, Kreisjachgrunvenwalterin Frl. Arnst, Pg. Dr. Eichholz. Gebietsführer der HJ. Langanke, Bannführer Nagel. Unterbannführer Adolf Schach usw. Hierher gehören auch die im verlaufenen Abschnitt sehr zahlreichen und stets gut besuchten Evangelisations wochen der Evgl. Kirchen u. der kirchlichen Vereine und die umfangreichen religiösen Vortragsreihen der kath. Kirchen sowie der vielen am Orte ansässigen Sekten. Das Ganze. ein getreues Abbild unendlicher Regsamkeit und ein Beweis für das Ringen um weltanschauliche, religiöse, sittliche und geistige Erneuerung unseres Volkes, wie es gewaltiger noch keine Zeit vor uns je gesehen hat. Wahrlich Paul de Lagarde hatte Recht. wenn er einst prophetisch sagte:„Wer aber der Zeit nicht etwae bietet, das über die Zeit hinausragt und hinausführt, was eben darum vielleicht der Zeit unbequem ist, der hat seinen Lohn dahin.“ Wir sind am Ende unserer Jahresbetrachtung und sahen, daß nur das gestützt und gefördert wurde, was innerlich gesund und im deutschen Sinne wertvoll war. Denn das, was wir erstreben, ist eine Kunst= u. Kulturpflege die uns aus den Niedrigkeiten erhebt. nicht aber hinabzieht. Nur im Geiste völliger Hingabe und Selbstentäußerung wird diese Aufgabe restlos zu lösen sein. Unserem Grundsatze:„Magnus amiens pax. masor amica veritas“ folgend, hielten wir diese sondernde Rückschau und gewannen die frohe und stolze Zuversicht, daß auch in der kommende Spielzeit 1936 37 Castrop=Raurel auf kulturellem Gebiet seinen Mann stehen wird: Getreu dem Worte unseree Führers aus seiner großen Kulturrede auf dem Parteitag der Freiheit 1935 in Nürnberg:„Keine Zeit kann sich herausnehmen. von der Verpflichtung der Kunstpflege entbunden zu sein. Sie würde im anderen Falle die Fähigkeit des Kunstverstehens und Kunsterlebens verlieren: denn dies ist wichtig zu verstehen. Die großen Kulturleistungen der Menschheit waren zu allen Zeiten die Höchstleistungen des Gemeinschaftslebens." Castrov=Rauxel 1, 1. Juli 1936. Dietrich Haardt, KUNST UND LEBEN Felix Timmermans (Zu seinem 50. Geburtstag am 5. Juli 1936) Von Gerda Wachsmuth) Zu einer Zeit, da die deutsche Dichtung sich mehr und mehr von den Bindungen des AllLandschaft und ihres kosmischen Gesetzes. Das Korn wird gesät, reift und wird geschnitten, täglichen und Augenblicklichen befreit, um sich Empfängnis, Geburt und Tod runden sich jenem Unfaßbar=Eewigen und Unbegrenzten zum ewigen Kreis, die Wiederkehr von Freud rungsweise Timmermans, und Leid gleicht dem unaufhörlichen Wechsel von Tag und Nacht. Aber alle diese Dinge. sind nichts, das aus sich selbst heraus deutbar zuzuwenden, das in den gültigen Werten der Landschaft, des Mythos und des Volkes beschlossen ist, gewinnt der Name des flämischen Dichters germanischen Geblütes, Felix wäre, sondern sie erhalten ihre endliche BeTimmermans, eine erhöhte, weil unter dem Blickpunkt der Wesensverwandtschaft erscheinende Bedeutung. * Felix Timmermans, der heute Fünfzigjährige, gehört zu den tragenden Kräften der verhältnismäßig noch jungen, auf wenig mehr mans Bekenntnis. stimmung und Gültigkeit in jenem höheren Gottesglauben, der waltend und ordnend über erscheint, wächst über die Begrenzung des Augenblicklichen hinaus in das AllgemeinGültige, da jedes Schicksal in der ruhevollen Einheit des Gottesgesetzes mündet und Antwort gibt auf die Frage nach dem oft verschleierten Sinn dieses Lebens, das da doch nicht mehr ist als die Notwendigkeit,„kindlich zu glauben und demütig fortzuschreiten zu jenem Licht, das am Ende steht". Ist die dichterische Darstellung solcher inneren Lebenssphäre die eine Seite der Aeußeso findet sich die nicht minder starke und die ergänzende seines Wesens in der Hingabe an die naturhafte, vielfältig=bunte Form des sprachlichen Ausdruckes. Timmermans Sprache ist die der Farben und der sinnlichen Anschauung. Vielleicht erden kosmischen Gesetzen steht.„Die Natur ist schöpft sich gerade in dieser Tatsache sein fläschön, aber durch den Glauben betrachtet misches Bauernerbe am tiefsten und echtesten. ist sie noch schöner, dann erkennt man erst ihre Tiefen..“ Dieser Ausspruch ist Timmerals ein Jahrhundert zurückschauenden flämischen Dichterbewegung. Als Hüter der sprachlichen und geistigen Hinterlassenschaft eines Theodor van Rijswijk, eines Guido Gezelle und Stijn Streuvels ist er Erbe und Wegbereiter zugleich: das Schicksal und die Zukunft der flämischen Literatur ruht heute zum nicht geringen Teil in seinen Händen und in seiner Entscheidung. Wer die Ursprünge der flämischen Literatur als einer anfänglich rein nationalen Sprachbewegung erkennt, wird die Tatsache, daß ihr Wesen eine Heimatdichtung darstellt, als Symbol und Bestimmung ansehen. Auch Timmermans hat sich dieser Ueberlieferung, die einem gläubigen Bekenntnis zur heimatlichen Erde gleichkommt, nicht entzogen. Er, der schon als Knabe die„Dinge und Menschen als Teile eines Ganzen, der Landschaft und der Ferne“ erkannte, empfängt die Kräfte seiner Dichtung aus dem mütterlichen Schoß der flämischen Erde. Ihre üppige Heiterkeit, die fruchtbare Weite der Wiesen und Aecker, die tragenden Weinstücke und die prunkende Fülle der Ernte— alle diese Dinge zeichnen das Profil des Timmermansschen Werkes und leihen ihm vielfach jenen sinnlichen, überfließenden Ausdruck, der an das LeuchtendPrunkvolle und die Derbheit der Breughelschen Bauernszenen gemahnt. Diese sinnenhafte, oft in Ueberschwang und barockes Lebensgefühl weisende Daseinsbejahung erhält— hier zeigt sich der Ursprung des Timmermansschen Wesens aus germanischer Abstammung— ihre Ergänzung in gedanklicher Tiefe und der Breite der inneren Anschauung. Die Vereinigung des flämisch=bäuerischen mit dem germanischgeistigen Element bildet sowohl für das eine als auch für das andere Grenze und Bindung, sie erlaubt dem Dichter aber zugleich den endgültigen Zusamenschluß seiner geistigen Möglichkeiten. Die durch solche Synthese geschaffene Einheit des Erdnahen und des Geistigen, des Sinnlichen und des Gedanklichen, schafft die innere Sphäre der Timmermansschen Dichtung. Er, der das Dingliche liebt, der keinen größeren Vorwurf kennt als den,„am Leben vorbeizugehen", verbindet den Realismus der Materie mit der Mystik ihrer inneren Idee. Zwar vollzieht sich das Leben— vielfach in der Form und der Farbe seiner Erscheinungen— innerhalb der breiten Gesten der Aus dem Kreis und der Ordnung solcher Weltschau sind die Gestalten der Timmermansschen Dichtung gewachsen. Sie leben ein beEr, der in dem biographischen Roman„Pieter Brueghel“ von sich bekennt, daß ihm das „Sehen ein Genuß“ sei, übersetzt diese ungebrochene Kraft des Schauens in seine dichterische Sprache. Mit wenigen Linien, jenen herben und formenkargen Holzschnitten vergleichscheidenes kleines Leben, äußerlich geformt von bar, die seine Bücher schmücken, entwirft er der Landschaft, umgrenzt von dem Wechsel der Jahreszeiten. Es sind auch keine großen Taten, die diese Menschen vollbringen: Sie säen ein plastisches Bild des„rosigen Birnbaumes“, des„leuchtenden Hahnes". Menschen und Dinge werden hier lebendig und gewinund ernten, sie zeugen und gebären Kinder, nen eine scharf umrissene Gestalt. Derb, kräfsie lieben und blühen auf in dieser Liebe oder gehen an ihr zu Grunde wie jene Nichte des tig und gewaltätig, zart und keusch sind diese Farben, Ueberfließendes und Gebändigtes, „Pfarrers vom blühenden Weinberge". Aber Kraft und Zartheit sind der Ausdruck der dieses Tun, so eng und so gebunden es auch strömenden und ewigen Kraft des Lebens. Besuch im Lenbach-Haus Von Erich Klaila Am 6. Juli dieses Jahres feiert Mün. Die Aufseher unten in der Halle haben unchen den 100. Geburtstag Franz Len= aufdringliche Gesichter. Sie stören nicht, sie bachs. lassen einen ganz allein sein. Sie nehmen Draußen brütet sommerliche Hitze, in dem einem den Presseausweis nicht aus der Hand, Hause an der Luisenstraße aber ist es sehr sie nicken nur stumm. Und eine höfliche Handstill, sehr kühl; wie überall dort, wo viel Mar= bewegung fordert auf, weist und sagt: Bitte.. mor verwendet wurde. Dann ist man allein. In einem sehr großen, Die Dorfkirche Linolschnitt von I. Buggle.(Wagenborg—.) Zwei Welten Einzelmensch und Gemeinschaftsgeist Von Dr. Fr. A. Kerrl Zwei Welten, zwei Gefühlswelten wollen wir miteinander vergleichen, die— allerdings in weit auseinanderliegenden Zeiten— im selben Volk, in derselben Rasse, nämlich der unseren, lebendig gewesen sind... Unsere germanischen Vorfahren lebten und webten in der Gemeinschaft, zunächst in der Sippen= und weiterhin in der Stammund Volksgemeinschaft.„Der auf sich selbst gestellte Mensch war eine fast unmögliche Erscheinung“, sagt de Vries. Wie das religiöse Empfinden ein Gemeinschaftsempfinden war, wie der einzelne sich durchströmt fühlte von dem Lebensgeist, der Lebensmacht(der fylgja) der Sippe, die ihrerseits wieder wurzelte im Lebensgeist der Volksgemeinschaft, so auch im gesellschaftlichen im Rechtsleben, im politischen Leben: die(kleine oder größere) Gemeinschaft war das Lebengebende, Lebensichernde, der Einzelne der Leben und Lebenssicherheit Empfangende. Wer aus dem Sippenverbande oder gar der Volksgemeinschaft ausgestoßen, ein Aechter, ein„Waldgänger“ war, der lebte als Friedloser, der nirgends Ruhe fand, irgends„daheim" war, also eigentlich schon lebendig tot schien, selbst wenn seine Tat ihm nicht die Ehre genommen hatte. Und wie der Gemeinschaftsgedanke auch über das Leben hinaus lebendig blieb, wie man auch die Gestorbenen der Sippe im Helgafell, im heiligen Hügel, vereint sich dachte, so hatte der friedlos Gestorbene auch jenseits des Todes keinen Frieden; er wurde nicht im Helgafell aufgenommen. So suchte er als.„Wiedergänger“ immer wieder die Gemeinschaft der Lebenden, weil das Grauen vor der Vereinsamung ihn trieb, ihn zwang, dort wieder zu weilen, wo er sein Leben einstens empfing, zum Ursprung seines Seins. Er war gleichsam ein„Wanderer zwischen zwei Welten“ Der Herzog der Friesen, Radbod, hatte sich entschlossen, das Christentum anzunehmen. Er stand schon mit einem Fuß im Taufbecken (damals taufte man noch durch wirkliches Untertauchen), da fragte er den Missionar Willibrord, wo denn seine(Radbods) Ahnen, die doch ohne Taufe verstorben seien, sich befänden?„Da sie nicht die Taufe empfangen haben“, antwortete Willibrord,„sind sie der Verdammnis verfallen und befinden sich in der Hölle.“ Zornig sprang Radbod vom Taufbecken zurück und rief:„So will ich lieber mit meinen Gesippten in der Hölle sein als mit Fremden im Himmel weilen",— warf sich aufs Roß und sprengte davon. So undenkbar war es ihm, auch nach dem Tode, einsam, ungesippt dazustehen, ausgeschlossen aus der blutsmäßig bedingten Gemeinschaft... Im Laufe der Geschichte aber lockerten sich die Bindungen an die Gemeinschaft. So lebendig sie noch in den altdeutschen Städten mit ihren Gilden, in den ritterlichen Orden gewesen waren,— so wichen sie dann doch mehr und mehr dem aus der Antike mit ihrer Persönlichkeitskultur geborenen, durch die westliche, romanische(italienische und besonders französische) Uebermittlung auch in Deutschland eindringenden Individualismus. Und so entstand, was entstehen mußte: auf dem Gebiete der Religion anstatt gemeinsamer, aus Ahnenerbe überkommener religiöser Anschauung und Empfindung religiöse Spaltung in Konfessionen, Sekten, Bekenntnisgemeinschaften, auf dem Gebiet der menschlichen Tätigkeit rücksichtsloses Streben des einzelnen auf Kosten des anderen, auf gesellschaftlichem Gebiet Klassen= und Kastengeist, — auf politischem Gebiet gab es anstatt einer auf blutsmäßiger Grundlage beruhender Volksgemeinschaft Staaten, in denen oft buntzusammengewürfelte Volksteile zwangsmäßig vereint waren, und deren„Volk“ dann auch zerfiel in mehr und mehr Pacteien, die sich schließlich auf Leben und Tod bekämpften und so den letzten Rest von Gemeinschaftsgefühl erschlugen. Zwei Welten— die altgermanische und die liberalistische! Wie verschieden voneinander, durch eine Kluft getrennt, die niemals zu überbrücken möglich schien. Und doch ist es geschehen! Der Nationalsozialismus hat die Volksgemeinschaft nicht nur wiederhergestellt, sondern geradezu neugeschaffen. In dieser Volksgemeinschaft gibt es keine„autonome Persönlichkeit" mehr. Jeder Volksgenosse ist in religiöser, sittlicher, beruflicher, gesellschaftlicher und kultureller Beziehung Glied der Volksgemeinschaft im altgermanischen Sinne. Das heißt, er sein Denken und Fühlen auf jedem Gebiet im tiefsten Grunde bestimmt fühlen durch den Erbstrom, der in seiner Volksgemeinschaft lebendig ist, er soll als Persönlichkeit nicht eigenmächtig sein wollen, sondern die Gesetze seines Handelns im tiefsten Grunde empfangen von seiner Gemeinschaft: das heißt von diesem rassisch bedingten Erbstrom, der von der Volksgemeinschaft her durch Sippe und Familie zu ihm dringt und sich in seinem ganzen Sein offenbart. Und da offenbart sich uns auch zuletzt das Geheimnis, warum es jenen Mächten nicht gelang, den Volksgemeinschaftsgedanken oder besser das Volksgemeinschaftsempfinden gänzlich zu ertöten, und warum es dem Nationalsozialismus gelang, dieses Empfinden wieder zu einem gemeinsamen Erleben zu wecken: weil es dem Liberalismus nicht gelungen war, die deutsche Familie zu zerstören. Sie ist die Pforte, durch die der Geist der Volksgemeinschaft ins Leben tritt, sie ist die lebendige Verbindung des einzelnen mit der Volksgemeinschaft, in ihr ruhen daher alle die Werte verborgen und geborgen, aus ihrem Schoße entspringen immer wieder diese rassischen Werte, die das Wesen der Volksgemeinschaft ausmachen, und darum ist sie ein völkisches Heiligtum, das jedem Volksgenossen heilig sein muß und dessen Heiligkeit und Unverletzbarkeit zu schützen der nationalsozialistische Staat sich mit Recht angelegen sein läßt. Das Kunstwerk des Monats Juli Im Deutschen Museum in Berlin befindet sich diese Holzstatue eines Münchener Meisters um 1520. Der Heilige Georg, eine modisch elegante Darstellung des Drachentöters.(Scherl—.) sehr kostbar gebauten Hause. Die Räume sind zu groß, um Zimmer zu sein. Sie sind zu klein, um Saal genannt zu werden. Die Fenster lassen viel Sonne ins. Haus. Gut, daß jenes düstere Schimmern fehlt, das aus Häusern so leicht ein Museum macht. Freilich geht in diesem hellen Lichte auch viel verloren. Es lüftet die Räume zu sehr, verweht manches Gewesene... An den Wänden hängen Bilder. Aber sie sind zu sehr ins Licht gerückt, ein wenig zu sehr nur zum Anschauen da, diese gutgemalten Bilder. Deshalb war man dann nur in einer Bildergalerie. Es war sehr schön. Man hat sehr viel gesehen, was man wissen muß. * Dann aber ist da, nur durch eine Treppe getrennt, ein Flur, es tun sich Räume auf, in denen man es noch spürt, daß hier einmal ein Mensch gelebt hat. Zwar muß man sich erst an die viele Seide, an den Samt und an das Halbdunkel gewöhnen. Alles prunkt im ersten Augenblick zu sehr und verwirrt. Man bekommt den Eindruck von Räumen, in denen sich am Abend eine erlesene Gesellschaft einfindet. Am Tage sind nur die Diener da und die Putzfrau.. Eine seltsame Fcierlichkeit lastet in allen Zimmern. Lauscht man in das Halbdunkel hinein, dann hört man geistreiche Konversation. Dann fragt eben jemand eine sehr schöne Frau, ob sie gestern in der Fidelioaufführung im Nationaltheater war. Die schöne Frau bejaht es und lächelt... Man vermag erst nicht die stillen, selbstverständlichen Gespräche zu hören. Vielleicht sagte hier einmal ein Mensch, während er am hohen Fenster stand, daß schönes Wetter sei. Und er fragte, ob die Zeitung schon da wäre.. Erst muß man sich an diese Räume gewöhnen. Man geht im ersten Augenblick zu sehr darin unter. Wir müssen unsere Eigenwilligkeit aufgeben und dürfen die Räume nicht mit unseren Augen sehen wollen. Sondern müssen sie zusammen das Haus jenes Mannes bleiben lassen, für den es erbaut wurde. Für den Maler Franz Lenbach. Dann finden wir uns auch in diesem Hause zurecht. Es wollen dann unsere Augen die Bilder an den Wänden nicht mehr gleichsam mitnehmen; hinaus in den hellen, den sonnenheißen Tag. Da hängt das Bild einer sehr jungen, sehr schönen Frau. Erst ist es wirklich nur ein Bild und hängt sehr weit von uns weg. Plötzlich aber beginnt die schöne und junge Frau zu lächeln. Und sie atmet auch nickt kaum merklich und sieht uns an. Feine, seidendünne Fäden spinnen sich zwischen uns und ihr... * Die Frau geht mit uns in die kleine Grotte, die sich da plötzlich zwischen zwei Räumen auftut. Schweigend schauen wir in das Wasserbecken, betrachten umständlich und liebevoll, wie Menschen der Biedermelerzeit, den moosigen Grund. Und es ist schön, daß sich die Goldfische kaum rühren, die Zeit so wundervoll stehengeblieben ist. Nebenan spielen sie ein Menuett. Und ein leises Lachen verirrt sich bis in die Grotte. Und jetzt hört man nebenan auch Lenbach sprechen.... Da rührt jemand leise an meinem Arm. Ich erschrecke und begreife nicht, daß neben mir ein Mensch in einer dunkelblauen Uniform stehen kann. „Sie müssen jetzt gehen!“ sagt er leise.„Das Haus wird geschlossen...“ Kein Geld für den Negus dnb. London, 3. Juli. Die abessinische Abordnung in Genf hat dem Vertreter von Reuter amtlich mitgeteilt, die Möglichkeit, daß der Negus nach Abessinien zurückkehren werde, sei niemals auch nur erwogen worden. Haile Selassie werde bis zum Ende der Völkerbundsversammlung in Genf bleiben. Seine weiteren Pläne seien noch nicht bekannt. Nach einer anderen Genfer Meldung ist man in Völkerbundskreisen der Ansicht, daß die Gewährung einer Völkerbundsanleihe an den Negus nicht in Frage komme. Berln isi in Erwurtung Bildfunk und Fernseher un. Fast vier Wochen sind es chen Beginn des größten SportSchwere Bluttaten in Madrid und Barcelona onb Madrid, 2. Juli. In Madrid und Barcelona wurden wieder mehrere Attentate verübt. In der katalanischen Hauptstadt wurde der Direktor einer Strumpffabrik, als er in einem Kraftwagen das Fabrikgebäude verließ, von einem zweiten mit vier Unbekannten besetzten Wagen überholt und durch mehrere aus Maschinenpistolen abgegebene Kugeln getötet. Min vermutet, daß die Täter Anarcho=Syndikalisten sind die mit der Werksleitung Streit hatten und von dieser verlangten, daß alle dem Anarcho=Syndikalistischen Gewerkschaftsverband nicht angeschlossenen Arbeiter entlassen würden. In Madrid wurde der Angestellte einer Brotbäckerei, der der sozialdemotratischen Gewerkschaft UGT angehörte, beim Verlassen seiner Wohnung von Unbekannten durch zwei Schüsse niedergestreckt. Ferner explodierten Donnerstag mittag in einem im Bau befindlichen mehrstöckigen Haus zwei Bomben, die beträchtlichen Sachschaden anrichteten. Zwei Fußgänger wurden durch herabfallende Glassplitter verletzt. Auf einer Landstraße kurz vor Madrid wurde ein Mann in schwerverletztem Zustand aufgefunden. Er war von Unbekannten überfallen und erschossen worden. Flugzeugunfall in Thorn Ein Toter, ein Schwerverletzter dnb. Thorn, 3. Juli. In Thorn ereignete sich am Donnerstag ein Flugzeugunfall. Auf ein Militärflugzeug, das sich über der Weichsel befand, stieß von oben herab ein zweites Militärflugzeug. Die untere Maschine stürzte ab. Dabei fand ein Unteroffizier den Tod; ein zweiter Flieger wurde in schwerverletztem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Das Flugzeug, das diesen Absturz verursachte, konnte leicht beschädigt landen. Bergsteiger tödlich verunglückt dnb. München, 3. Juli. Von St. Anton(Vorarlberg) aus hatten zwei Bergsteiger, Kattner und Rudolf Weidner aus Mährisch=Ostrau, eine Tour auf den Patteriol unternommen. Nach Aufenthalt in der Konstanzer Hütte hatten sie auch den Gipfel erreicht. Beim Abstieg stürzte der 37 Jahre alte Weidner, der nicht angeseilt war, etwa 50 Meter ab. Eine sofort entsandte Reltungskolonne konnte die Leiche erst am nächsten Tage bergen. dub Berlin, 3. Juli. noch bis zum feierlich festes aller Zeiten, der 11. Olympischen Spiele 1936. Im Olympischen Dorf sind bereits die ersten Olympiakämpfer eingezogen, und seit dem 1. Juli steht die Olympiastadt, das Reichssportfeld, das mehr als 600000 Teilnehmer und Zuschauer auf seinen zahlreichen Anlagen unterbringen kann, zur Besichtigung frei. Deutschland hat seine olympischen Kampfstätten, die nach der uneingeschränkten Meinung aller Besucher auf der Welt ihresgleichen nicht haben, fertiggestellt. Was jetzt noch zu geschehen hat, sind in der Hauptsache Verschönerungsund Einrichtungsarbeiten in den Innenräumen. Draußen aber leuchtet alles in dem hellen Weiß der Aufbauten und frischem Grün der Anlagen, und an den Rändern der Straßen und Plätze. blühen leuchtende Sommerblumen. Die in= und ausländische Presse, die am Freitagnachmittag durch das Reichssportfeld geführt wurde, interessierte sich vornehmlich für die von der Deutschen Reichspost geschaffenen Einrichtungen für den Nachrichtenverkehr. Denn ihr fällt ja die Aufgabe zu, der ganzen Welt die Ergebnisse der 11. Olympischen Spiele in Wort und Bild zu vermitteln. Der Olympia=Referent des Reichspostministeriums, Ministerialrat Schroeder, gab einen ausführlichen Ueberblick über die Einrichtungen, die selbst den hochgestellten Anforderungen genügen werden. Es sind insgesamt nicht weniger als 13 Wanderpostämter, davon vier auf dem Reichssportfeld, vorgesehen, die 90 getrennte Schalter für Post=, Telegraphie= und Fernsprechstellen, sieben Bildtelegraphensender, 22 Fernschreiber, 215 Fernsprecher und Wertzeichengeber, Stempelstellen und dergl. erhalten. Daneben sind fahrbare Postämter eingerichtet. Sonderbetriebsstellen befinden sich auf den Nebensportplätzen und anderweitig, überall dort, wo olympische Wettbewerbe durchgeführt werden Für die Segelwettkämpfe in Kiel werden ein Pressepostamt und drei Sonderpostämter für den allgemeinen Verkehr eingerichtet. Im Olympia=Stadion in Grünau und im Pressehauptquartier im Schiller=Theater werden besondere Pressepostämter eingerichtet, außerdem sind auf den Pressetribünen des Reichssportfeldes rd. 130 Sitzplätze mit direktem Anschluß versehen. Bei den Pressestellen sind zugleich auch die Annahmestellen für die Bildtelegraphie. Die großen Nachrichtenbüros haben eigene Fernschreib= und Fernsprechanschlüsse zur Verfügung. Das gesamte Fernamt Berlin mit seinen rd. 1200 Fernsprechdoppelleitungen nach dem In= und Auslande wird ganz auf den Olympia=Verkehr eingestellt. Nach Möglichkeit soll der Anmelder seine gewünschte Verbindung innerhalb Deutschlands und des europäischen Auslandes mit dem Hörer am Ohr abwarten können. In echt olympischem Geist haben die Nachbarländer Niederlande, Belgien und die Schweiz zusätzliche Leitungen für den Durchgang nach England, Oesterreich und dem Süden zur Verfügung gestellt. Für Ueberseeverbindungen ist die Zahl der Kurzwellensender erheblich vermehrt. Im Reichssportfeld sind bis zu 18 Rundfunkübertragungen allein an das europäische Ausland gleichzeitig möglich gemacht. Daneben nehmen alle deutschen Sender den Verlauf für ihre Hörer auf. Zur Bewältigung des gesamten Nachrichtenverkehrs hat die Reichspost zusätzlich rd. 4000 Plätze bereitgestellt. Die Reichspost plant auch ihre Fernseheinrichtungen von den Olympischen Wettkämpfen einzusetzen. Die Zahl der Fernsehstellen wird auf 25 erhöht. Die Führung durch das gesamte Reichssportfeld hatte der Leiter der Pressestelle des OrganisationsKomitees, Dr. Krause, übernommen, der bekanntgab, daß in der Ehrenhalle unter dem Glockenturm, der sogenannten Langemarck=Halle, auch ein Schrein mit Erde aus Langemarck, jener Stätte, an der im Weltkrieg die deutsche Jugend unter dem Gesang des Deutschlandliedes in den Tod zog, Aufstellung finden werde. Die Namen der olympischen Sieger, die an den Innenseiten des Marathon=Turmes eingemeißelt werden sollen, werden zunächst mit Bleibuchstaben angebracht. Jupans Kiistelen Aingeirossen. dub. Berlin, 3. Juli. Nach der australischen und der argentinischen ist heute vormittag als dritte geschlossene Mannschaft die japanische Abordnung für die Olymvischen Spiele in Stärke von 150 Kopfen in der Reichshauptstadt eingetroffen. Ihnen wurde ein festlicher Empfang zuteil. Auf dem mit Flaggen und Girlanden geschmückten Bahnhof Friedrichstraße waren von deutscher Seite erschienen der Präsident des Olympischen Organisationskomitees Exzellenz Lewald. mehrere Mitglieder des Komitees mit Dr. Ritter von Halt an der Spitze, Hauptmann Fürstner vom Olympischen Dorf und der Ehrendienstoffizier für die japanische Mannschaft. Kapitänleutnant Bell. Auch sah man den Präsidenten der Deutsch=Japanischen Gesellschaft, von japanischer Seite war neben vielen Mitgliedern der Kolonie der japanische Botschafter Musuacoje zugegen. Exzellenz Lewald sprach in seinen Grußworten angesichts der hervorragenden Leistungen der Japaner bei den letzten Olympischen Spielen die Erwartung aus. daß auch diesmal sehr oft die japanische Flagge am Siegesmast hochgehen möge. Er schloß mit einem Hoch auf die Mannschaft, auf Javan und seinen Herrscher. Dann erfüllten die choralähnlichen Klänge der japanischen Nationalhymne die Halle. Darauf ging es durch ein Svalier der Olympischen Ehrendienstjugend zu den Omnibussen der Wehrmacht, die die Kämpfer und Kämpferinnen aus dem Fernen Osten unter herzlichen Willkommensrufen der Berliner zum Rathaus brachten. Staatskommissar Dr. Lippert hieß die Mannschaft im Namen Berlins willkommen. Als Erinnerungsgabe übergab er dem Mannschaftsführer wie auch dem japanischen Botschafter die Olympia=Medaille der Stadt Berlin. Jedes Mitglied der Abordnung bekam ferner wie schon die anderen Olympia=Gäste als Erinnerungsgabe ein Buch über Berlin mit. Der japanische Mannschaftsführer dankte herzlich.„Mit Begeisterung“, so betonte er.„erfüllt uns die Tatsache, daß die Deutschen unter Leitung des großen Mannes, der mit solcher Tatkraft die Führung seiner Nation in die Hand genommen hat, zielbewußt am Wiederaufbau ihres Reiches arbeiten. Diesem großen Führer und mit ihm dem gesamten Deutschland sprechen wir unsere Hochachtung. unsere tiefste Verehrung und unsere besten Wünsche für eine glückliche Zukunft aus!“ Anschließend begaben sich die japanischen Gäste zu ihren Trainingsstätten. von Cramm unterlag Perry wieder Wimbledonsieger— v. Cramm durch Autounfall verletzt In weniger als 35 Minuten war das Endsviel im Männereinzel zwischen Fred Perry und Gottfried von Cramm beendet. Perry siegte:1,:1.:0. Zum Schluß gab es nichtendenwollenden Beifall für den sich nach einem Autounfall verletzt und stark verstört doch noch zum Kampfe stellenden deutschen Meister. Unser Meisterspieler Gottfried von Cramm hat in Wimbledon kein Glück. Nachdem er vor zwei Jahren bereits als aussichtsreichster Anwärter gestartet, plötzlich eine Halsentzündung erlitt und gegen den Südafrikaner Kirby frühzeitig einging, nachdem er im Vorjahr in der Schlußrunde gegen Perry indisponiert war und sicher mit:2,:4,:4 geschlagen wurde, ereilte ihn diesmal erneut ein Mißgeschick. Der schöne Siegeszug von der ersten Runde bis zum Finale ließ ihn mit den gleichen Aussichten antreten, wie sie Fred Perry geltend machen konnte. Es kam aber nicht einmal zum Kampf. denn von Cramm erlitt auf der Fahrt nach Wimbledon einen Autounfall, wurde am Knie und am Oberschenkel des rechten Beines verletzt und war natürlich nicht imstande, gegen Perry auch nur den geringsten Widerstand zu leisten. Er mußte sich in die Rolle eines Statisten fügen und glatt mit :1.:1.:0 geschlagen bekennen. Auf der Hinfahrt nach Wimbledon fuhr an einer Straßenkreuzung ein Personenwagen in voller Fahrt auf das Auto des Deutschen. Die ausgezeichnete Fahrkunst. vor allem aber die Geistesgegenwart von Cramms verhinderte durch plötzliches starkes Bremsen um Haaresbreite einen schweren Zusammenstoß. Von Cramm erlitt einen leichten Muskelriß am Oberschenkel und eine schmerzende Knieverletzung. während seine Frau einen Nervenschock davontrug. Außerlich vollkommen gefaßt, setzte von Cramm mit einem anderen Wagen die Fahrt fort und konnte sich daher nur mit geringer Verspätung Perry zum Kampfe stellen. Er tat sein Bestes, war aber nur im ersten Spiel des erstens Satzes ein ebenbürtiger Gegner, das erst nach neunmaligem Einstand an den Engländer fiel. Perry. in bester körverlicher Verfassung, machte schnell seine Spiele, was ihm umso leichter fiel, als von Cramm nur noch die Bälle erreichte, die nicht zum Laufen zwangen. Perry wußte nichts von der Verletzung des Deutschen und von seinem tapferen Durchhalten zu sagen. denn sein Ausspruch lautete:„Ich war in der Form meines Lebens.“(!!) Von Cramm außer Gefecht Seine Mitwirkung in Agram fraglich Dr. Kleinschroth erklärte den Londoner Pressevertretern, es sei leider damit zu rechnen, daß Gottfried von Cramm in Agram nicht mit von der Partie sein kann. Der Deutsche Meister verläßt London am Samstagvormittag und ist am Sonntag in Berin. Hier wird es sich dann entscheiden, ob er in Agram eingesetzt werden kann oder nicht. Angenommen. Cramm werde in Agram nicht spielen, so werden Kai Lund und Werner Menzel für die Einzelspiele eingesetzt. Lund wird auf jeden Fall zusammen mit Henkel das Doppel bestreiten. Bis zum Interzonenfinale glaubt er, daß von Cramm wiederhergestellt sein wird. Innstand in Gen Jortsetzung der Völkerbundsaussprache— Die„schwierigen“ abessinischen Antrage dnb. Genf, 3. Juli. Die Völkerbundsversammlung setzte Freitag vormittag die allgemeine Aussprache über die Aufhebung der Sanktionen und die damit mittelbar zusammenhängende Frage der Völkerbundsreform unter allgemeiner Teilnahmslosigkeit fort. Gleichzeitig gingen hinter den Kulissen die Bemühungen zur förmlichen Beilegung des Sanktionsstreites weiter. Man beabsichtigt, das gleiche Verfahren einzuschlagen, das seinerzeit für die Verhängung der Sanktionen angewendet worden war. Danach dürfte die Völkerbundsversammlung eine Entschließung fassen, in der sie sich für die Aufhebung der Sanktionen ausspricht. Diese Entschließung dürfte dann dem sogenannten Koordinations=Ausschuß zugeleitet werden, der unter Bezugnahme auf die Haltung der Völkerbundsversammlung sich dahingehend aussprechen wird, daß die von ihm seinerzeit empfohlenen Maßnahmen durch die Entwicklung gegenstandslos geworden seien. Die Bemühungen zur Beilegung des Sanktionsstreites sind erheblich durch die abessinischen Entschließungsentwürfe vom Donnerstagabend gestört worden. Die Versammlung beschloß, ihr Büro zu beauftragen, eine allgemeine Entschließung auszuarbeiten, die den in der Aussprache zum Ausdruck gekommenen Auffassungen Rechnung tragen soll. Von den beiden Entschliekungsentwürfen des Negus, die nach Auffassung der Völkerbundskreise die Versammlung vor sehr heikle Fragen gestellt haben, wird als besonders schwierig der Antrag angesehen, die in Afrika durch Italien geschaffenen Tatsachen nicht anzuerkennen. Sollte die abessinische Abordnung auf diesem Antrag und auf einer Abstimmung bestehen, so würde die Versammlung zweifellos in eine schwierige Lage kommen. Bis jetzt wollten die leitenden Völkerbundskreise die Frage der Nichtanerkennung vorläufig offen lassen. In der Versammlung bestehen nämlich bei den lateinamerikanischen Ländern starke Tendenzen für die Nichtanerkennung. „Instrument des Friedens“ dub. Genf, 3. Juli. Die Völkerbundsversammlung hat am Freitagnachmittag die große politische Aussprache über die Sanktionspolitik und die Reform des Völkerbundes abgeschlossen. Es kamen hauptsächlich Vertreter kleinerer und außereuropäischer Staaten zu Wort. Eine bedeutsame Rede hielt der norwegische Außenminister Koth. Er betonte, daß die folgerichtige Anwendung des Artikels 16 zum Kriege führe. Der Völkerbund müsse ein Instrument des Friedens sein und für die Aufrechterhaltung des Friedens sorgen. Deshalb sei es zunächst notwendig, daß der Völkerbundspakt in seiner Gesamtheit beachtet werde und namentlich alle Bestimmungen, die die Aufrechterhaltung des internationalen Friedens betreffen. Die größte Kriegsgefahr sei im Augenblick der Rüstungswettlauf. Selbstmordversuch eines tschechischen Bildberichterstatters dnb. Genf, 3. Juli. Zu einem aufsehenerregenden Zwischenfall kam es am Freitag in der Völkerbundsversammlung. Während die Rede des spanischen Außenministers übersetzt wurde, ertönte plötzlich von den unteren Tribünen her ein Schuß und man sah, wie ein Mann umfiel. Der Versammlung bemächtigte sich große Erregung. Der Präsident fragte sofort nach einem Arzt. Es wurde dann festgestellt, daß ein tschechischer Bildberichterstatter versucht hatte, durch Erschießen Selbstmord zu begehen. Saaldiener und Polizei bemühten sich sofort um den Verletzten und sorgten für seine Ueberführung in ein Krankenhaus. Nach den bei ihm vorgefundenen Ausweispapieren handelt es sich um einen Tschechen Lux Stefan. Die Versammlung nahm nach wenigen Minuten ihren Fortgang. Präsident van Zeeland gab eine Erklärung ab, daß der Vorfall nichts mit den Verhandlungen der Versammlung zu tun habe und daß die Debatte fortgesetzt werde. Prozeß gegen die Franziskanerbrüder Zuchthausstrafe gegen Bruder Forkas dub., Koblenz, 3. Juli. Am Freitag standen in dem Sittlichkeitsprozeß gegen die Franziskanerbrüder der 30jährige Bruder Forkas und der 62jährige Bruder Emilianus vor Gericht. Bruder Forkas entstammt einer Beamtenfamilie von neun Kindern. Er erlernte den Gärtnerberuf. arbeitete einige Jahre in verschiedenen Betrieben, wurde in Berlin arbeitslos und kam dann schließlich in das Kloster nach Waldbreitbach durch Vermittlung eines Bekannten. Der Angeklagte hat sich mit den Brüdern Emeran und Alexander eingelassen und sich an zwei schwachsinnigen Anstaltspfleglingen vergangen. Zwei Pfleglinge geben als Zeugen ruhig und sachlich eine Reihe von Brüdern an. die mit ihnen Unzucht getrieben haben, darunter besonders Bruder Forkas. Als der Angeklagte darauf vom Vorsitzenden gefragt wird. ob es nicht ganz entsetzlich sei, mit solchen armen Menschen derartige Schweinereien getrieben zu haben, weiß der Angeklagte nur zu erwidern, daß damals die Pfleglinge geistig mehr auf der Höhe gewesen seien. Die weitere Vernehmung des Angeklagten ergab, daß er 1934 in eine Niederlassung nach Südafrika kam. Ende des Jahres zurückkehrte und dann im August 1935 freiwillig aus der Ordensgenossenschaft ausgetreten sei. Der Staatsanwalt beantragte schließlich gegen Bruder Forkas zwei Jahre sechs Monate Zuchthaus. Das Gericht schloß sich diesem Antrage an und verurteilte den Angeklagten wegen fortgesetzter Verbrechen gegen§ 174 Abs. 1 und 175 St. G. B. zu der genannten Strafe sowie drei Jahren Ehrverlust. In der Urteilsbegründung heißt es. der Angeklagte habe sich nach seinem ersten Fall mit einem Ordensbruder in keiner Weise zusammengenommen. sondern sich kurz danach an einem Pflegling vergriffen. Im gleichen Monat. in dem er die ewigen Gelübde ablegte, habe er sich an einem anderen Pflegling vergangen. Milderungsgründe seien nicht angebracht. Der zweite Angeklagte, Bruder Emilianus. stammt aus Westfalen, wo er 1874 geboren wurde. Er erlernte nach seiner Schulentlassung das Schmiedehandwerk. war dann 16 Jahre lang in Hannover als herrschaftlicher Diener tätig. Der Angeklagte sagt. er sei immer ein frommer Mann gewesen und im Jahre 1912 aus religiösen Gründen in das Kloster gegangen. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, mit Anstaltszöglingen in der Niederlassung in Linz widernatürliche Unzucht getrieben zu haben. Bruder Emilianus bestritt jedoch sämtliche ihm zur Last gelegten Straftaten. Die Aussagen der Anstaltszöglinge stehen dem jedoch gegenüber, die im einzelnen eine Reihe von Vorgängen, die den Angeklagten belasten, schildern. Das Gericht verurteilte den Angeklagten unter Freispruch in den übrigen Fällen wegen widernatürlicher Unzucht zu einem Jahr Gefängnis. Vier Monate der Untersuchungshaft wurden auf die strafe angerechnet. Das Gericht war, so heißt es in der Urteilsbegründung, überzeugt, daß der Angeklagte nicht die volle Wahrheit gesagt habe und daß er sich in mehreren Fällen strafbar gemacht habe. Es betont aber sein Bestreben, nur solche Angeklagte zu verurteilen. bei denen der einwandfreie Schuldbeweis erbracht ist. Auf Grund der Beweisaufnahme mußte der Angeklagte in zwei Fällen mangels Beweises freigesprochen werden. Ueberschwemmungen und Dürreschäden in Newyork, Juli. Die Ueberschwemmungen in Süd=Texas haben sich durch den Dauerregen noch auf weitere Gebiete ausgedehnt und weitere Striche überflutet. Bisher wurden 23 Leichen geborgen. Zahlreiche Personen werden noch vermißt. Verschiedene kleine Orte, unter ihnen Leßville, wurden von der Außenwelt abgeschnitten und zum Teil zerstört. In einigen Straßen stand das Wasser zehn Fuß tief. Der Flurschaden wird bereits auf über 3 Millionen Dollar geschätzt. Während es in Süd=Texas Ueberschwemmungen gibt, werden vom Nordwesten Dürreschäden gemeldet. Der Ackerbauminister Wallace ordnete den Ankauf von etwa einer Million Stück Vieh an, das infolge der Dürre in den Prärien kein Futter mehr finden kann. Das Vieh soll geschlachtet und das Fleisch an die Arbeitslosen verteilt werden. Infolge der Ernteschäden der von der Dürre besonders betroffenen Staaten, namentlich Nordsüddakota, Jowa und Montana, wurden etwa 100000 Farmerfamilien mittellos. Die von der Bundesregierung errichteten Nothilfestellen beschleunigen die Maßnahmen zur Unterstützung der Opfer und die Arbeitsbeschaffung für etwa 50000 Notstandsarbeite er. der Schaden an der Ernte wird auf etwa 250 Millionen Dollar geschätzt. Ein Wirbelsturm suchte den Distrikt Archbald in Louisiana heim. Eine Person wurde getötet und mehrere verletzt, darunter drei schwer. Kassel. Die auf einer Deutschlandreise befindlichen britischen Frontkämpfer trafen. von Berlin kommend. am Freitagnachmittag auf dem Kuffbäuser ein und kamen dort mit deutschen Frontkämpfern und Vertretern der deutschen Presse zusammen: die sich gleich ihnen auf dem Wege nach Kassel zur Teilnahme am Reichskriegertag befanden. Paris. Die Kammer hat die Wahl des in Ajaccio auf Korsika gewählten Abgeordneten Chiappe, Präsident des Pariser Stadtrates und früher Pariser Polizeipräsident, mit 282 gegen 193 Stimmen für ungültig erklärt. Kleid aus gestreiftem, kunstse: denem Mattkrepp, sportl form mit aufgeseizten Taschen, mo derne dunkle und helle 9 75 Forben 840 15• Geberdine-Montel, gute rein. wollene Qualität, innen herren mäßig verarbeitet, Rücken mit breiter Falte in ver- 2050 schiedenen Farben RN 50. Kleid aus bedrucktem kunstseid. Mon. krepp. kleidsame Jobotform, 1050 dreiviertellange Armel„RM 12 · Kompletmantel aus kunstseidenem Flomengo, mit kurzem Flugel-„9o armel, leichter Kleidermantel 5• Kleidouskunstseid. Georgelte, einforbig in sich kariert, mit halbem Armel, neue Früh- 2 275 jahrsferb. 45 Komplet aus kunstseiden Demenmantel aus gutem Flomisol, Kleid mit ½2 Armel, Rips-Diegonal, Jabot mit Mantel ohne Armel, vorteil- gesteppter Taltb inde, auf hafte Form für vollschlenke kunstseidenem Serge geFiguren, moderne Hurs füttert, SpezialGarben—— Bfl 49 e weiten— an 29·3 BORTMUND Sonnlag, den 5. Juli 1936, nachmillags 14.30 Uhr Es wirken mit: Kunstflugkeite und Jagdstaftel des Horst-Wessel-Geschwaders Liesel Bach, Europameisterin Willy Stör, Deutscher Kunstflugmeister Irma Brumann, Deutschlands jüngste Fallschirmpilotin, sowie drei weitere Fallschirmpiloten. Von 10—13½ Uhr Besichligung des Fliegerhorstes des Horst-Wessel-Geschwaders Ein Großflugtag von ganz besonderer Bedeutung! Sonderzug- Straßenbahnverbindung zum Flughaten— Volkstüml. Eintritispreise— Vorverk, durch Kraft durch Freude. Namens der trauernden Hinterbliebenen Heinrich Söldner. Castrov=Rauxel 4 den 3. Juli 1936 Die Beerdigung findet statt am Sonntag. dem 5. Bark 1000, Nachnitlags.00 Uhr, vom Trauer. hause Malterscheidtstraße 8. aus. Geld Geld! Geld! Kriegführen, sondern auch für den Kampf ums Dasein. Aber das Geld, das Sie für das Inserieren im„Stadtanzeiger“ anlegen, bringt hundertfältige Frucht. Es vermehrt die Kund. schaft und steigert den Umsatz. 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Hiermit gebe ich die traurige Nachricht, daß am 2. d. M. der Herr nach seinem unerforschlichen Ratschlusse meine innigstgeliebte, treue Frad Rohan Svibner geb. Hermanns nach langer Krankheit im 81. Lebensjahre und nach einer 43jährigen glücklichen Ehe zu sich in die dem Volke Gottes verheißene Ruhe genommen hat. Kumens der kauernden Hinkerbllebenen! Pellll, Setonel. Gaftrrob=Kauzer 4, den 9. Culi 1990. Die Beerdigung findet statt am Sonntag. dem 5. Juli 1936 nachmittags.30 Uhr. vom Trauerhause, Mätlerscheibistraße 8. aus. HERNE/ KAISER-WILHELM-STRASSE 15 Annahme Großtankstelle Soika. Castrop-R. 1, Münsterstraße Von Kirsch’ne Miele sagte Tante, die was von Waschmaschinen kannte Münsterstraße 21 Ausstellungsraum Münsterstraße 16 Jurnerbund Rauxel Uebungsabende: Bismarckschule, Castrop-Rauxel 3, Adolf-Hitler-Straße Frauenabteilung und Frauenschaft Mittwochs 20—22 Uhr Mädel über 16 jahre: Donnerstags 20— 22 Uhr Männer: Dienstags und Freitags 20—22 Uhr Schwimm- und Tennisabteilung: täglich Anmeldung: teleionisch Nr. 2541 Miet-Verträge stets vorrätig Druckerei Geschw. Schmitz Schöne Hamburgerin „ mild aromatisch Jederzeit Geblichfel Ino-Club wordopikont Schirin gallmondigssurzig sowie weitere Stondard-Marken 4 Can ERMUZT Narlentslepenl K T FilIale in Castrop: Wittener Straße 3 * gegenüber Haus Lueg