für Castrop=Rauzel und Umgebung Anzeigenpreis: 1 mm hoch und 22 mm breit 4 Pfg. Textanzeigen 1 mm hoch und 72 mm breit 25 Pfg. Nachlaß nach den vom W. d. D. W. herausgegebenen Richtlinien. 3. 3t. gilt Preisliste Nr. 2. Für Platzwünsche, auch für die durch Fernsprecher aufgegebenen, sowie für undeutlich geschriebene Aufträge wird keine Gewähr übernommen. Schluß der Anzeigen=Annahme 4 Uhr nachm. tags zuvor. Erfüllungsort u. Gerichtsstand Castrop=Rauxel. Der Stadtanzeiger erscheint wöchentlich 7mal. Wochendezugsprets 50 Pfg. Postbestellpreis 2 RM. monatlich. Ersatzansprüche können bei Störungen im Erscheinen infolge höherer Gewalt nicht gestellt werden Drus und Verlag: Geschw. Schmitz in Castrop=Rauxel. Hauptschriftleiter, verantwortlich für den Textteil: Franz Josef Pruos in Castrop=Rauxel. Anzeigenleiter: Wilhelm Welter in Castrop=Rauxel. DA. III. 36 1760. Sa.=Nr. 2151 Castrop. Bladenhorster Tageblatt Amtliches Veröffentlichungsblau für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Allgemeines Kreisblat für den Stadtkreis Castrov=Rauxel. Nr. 95 Sonntag, den 5. April 1936 Der Weg zur Ider Von Hans Neuhaus Die heute durch den Impuls der nationalsozialistischen Idee entstehenden Werke haben— das ist immer wieder klar herausgestellt worden— säkuläre Bedeutung, das heißt, daß man nicht für heute und morgen zu gründen und aufzubauen gedenkt, sondern daß Werke erstehen sollen, die für die Ewigkeit Bestand haben. Sie sollen ewige Künder einer Zeit sein, die sich mutig aus der Gegenwart in die Zukunft hob. Diese Kühnheit der Gedanken und des Willens. geboren aus dem unerschütterlichen Glauben an die Reinheit, Wahrhaftigkeit und Ewigkeit der Idee, aus der Hingabe an das Ueberversönliche, an die Ideen vom ewigen Sein des Volkes, ist klarste nationalsozialistische Wesensart. Es ist die Lebenshaltung. die durch den Blick in die Zukunft die gestaltende Kraft für die Gegenwart erhält. Abkehrend von der Ueberschätzung des Persönlichen schafft es über das Individuelle, ja über Generationen hinaus an einem Werk, das, weil es über die Zeit und ihre Menschen hinausgeht, den Keim des Ewigen in sich trägt. Es ist der Stil, der die Folge nationalsozialistischer Gesinnung ist und der, man kann es sicher feststellen, bereits begonnen hat aus der Vereinzelung herauszugehen und tiefer und tiefer in die Gründe des Volksgeistes zu dringen. Dieser neue deutsche Lebensstil ist, wo er ungesälscht und ohne Beiwerk erscheint, von wunderbarer Klarheit und Einfachheit, obwohl er alles andere als einfältig und primitiv ist. Er braucht keine langwierige Entwicklung mehr durchzumachen; seine Zeit ist reif. er ist da, nur müssen, um ihn wirksam werden zu lassen, die deutschen Menschen sich nach dieser Haltung hin entwickeln. Nur wenigen ist es vergönnt, hineingeboren zu werden. die meisten müssen hineinwachsen. Das bedeutet. daß sie an ihrem Wesen und an ihrer Haltung sorgfältig zu arbeiten haben, daß sie Anstrengungen machen müssen, um mit sich und dieser Forderung eine Lebensharmonie zu bilden, um zur nationalsozialistischen Lebenshaltung zu gelangen. Der hartnäckigste Gegner nationalsozialistischer Gesinnung ist der Ichgedanke, eine Vorstellung. die fast jeden Menschen befällt und ihn zur Ueberbewertung seiner eigenen Persönlichkeit treibt. Täglich fordert die Idee der Gemeinschaft von dem einzelnen schwerste Prüfung und Opfer. Es ist wohl ein dauerndes Kämpfen des Ichgedankens mit der zum Ganzen hinstrebenden Idee des Gemeinschaftlichen. Der Mensch ist als einzelner eine einzige Unvollkommenheit, ein Splitter nur, mag er sich auch gern der glänzenden Täuschung hingeben, als einzelner ein Ganzes. und zwar ein Freies und Unabhängiges zu sein. Darum strebt er, ohne sich überprüft zu haben, erst auch zum einzelnen.— Warum und zu welchem Zweck: um sich zu finden. Dieses erste Suchen nach seiner Form. bald fällt es ihm auf. ist ein Irren. Jedoch. auf diesem Irrwege wird ihm die Erkenntnis zuteil, daß ihm sein bisheriges Streben als einzelner zum einzelnen nicht die Harmonie, den Gleichklang seines Innern mit der äußeren Welt brachte. Trotz mancher Erfahrungen und Erkenntnisse, die er schöpfte, blieb er leer und unerfüllt. Jetzt aber kommt ihm stark das Erkennen, daß das erstrebte Ziel nicht durch die Hinkehr zum einzelnen gewonnen werden kann, sondern daß es in der Verbindung mit dem Ganzen sich vollendet. Plötzlich steht dieses Ziel klar und erhaben vor ihm. Der einzige und letzte Inhalt des Lebens, eben sich als einzelner dem Ganzen einzuordnen, verklärt sich ihm, dem Suchenden. in wunderbarer, nahezu göttlicher Offenbarung. Das ist der innere Weg zum Nationalsozialismus. an dessen Anfang die Ichsucht stand und an dessen Ende die Erkenntnis der völkischen Gemeinschaft steht. Die Idee, so hat es sich gezeigt, ist nicht einfach da. Sie ist ein zu edles Gewächs, als daß man sie ohne weiteres finden könnte. Sie muß durch Streben verdient werden. Sie muß umkämpft, erkämpft und immer wieder aufs neue vertreten werden. Dieser ewige Einsatz für die Idee wird dann zum Lebensziel, zu einer Lebenshaltung, die in steter Bewegung ewig neue Forderungen an den deutschen Menschen stellt. Die Geschichte des deutschen Volkes zeigt, daß diese Stileinheit als Lebenshaltung des ganzen Volkes noch nie da war. sowie auch das deutsche Volk noch nie ein in sich geschlossenes, einheitliches, seiner selbst bewußtes Ganzes gewesen ist. Der deutsche Mensch. diese Verkörperung eines volksgemeinschaftlichen Lebensgefühls.— oft hal man diesen sehnsüchtigen Ruf zu einem billigen Schlagwort herabgewürdigt. — war erst in wenigen deutschen Männern Gestalt geworden. Die Masse der Deutschen blieb von dieser Sehnsucht lange unberührt. Der Deutsche war in dieser Form nie ein deutscher Mensch, das heißt, eine völkische Bewußtheit. Es gab bis zur Erhebung des Nationalsozialismus als deutsche Weltanschauung nur Stände und Klassen, daraus sich das entsprechende Lebensgefühl entwickelte. Ein Teil glaubte in sich erfüllt zu sein, das war die Schicht, die „lebte und leben ließ". Sie war geistig und seelisch satt und kannte keine Sehnsucht über das Ich hinaus. Der andere Teil, es waren immer die jeweils niedrigen sozialen Schichten des Volkes. war stets von einer grenzenlosen Sehnsucht beseelt, die anfänglich stets rein und überpersönlich nach der Erfüllung eines Gemeinschaftsgedankens hinzielte. Später jedoch wurde das Streben jener Bevölkerungsschichten auch von der Ichsucht ersaßt und von den Gedanken der Gemeinschaft innerhalb einer Klasse und nicht eines Volkes abgegrenzt. Auch diese Bewegungen. von denen man glauben konnte, daß sie den Keim der Volksgemeinschaft in sich trügen, gingen den falschen Weg und erstickten schließlich im Klassenhaß. Je bewußter ein Volk wird, um so härter sind die Anforderungen, die es sich selbst stellt. Es ist der Drang in die Pflicht: zu tun, was nicht für den einzelnen gilt, vielmehr für eine Idee, die die Gesamtheit der Rasse, der Geschichte und des heimatlichen Bodens umschließt. Die Sehnsucht nach dem Volke ist es, die die Arbeit des Alltags. die oft mühevollen Forderungen der täglichen Pflicht mit dem weiten Blick in die Zukunft der Nation verklärt. Von wenigen Männern getragen, hat diese Sehnsucht aus dem Einzelnen in das Ganze begonnen, das deutsche Volk zu erfüllen, auf daß es zum Volke werde. Was wird aus diesem Sehnen und Streben anderes geboren, als die Freiheit,— jene Freiheit, die nicht die Schrankenlosigkeit des einzelnen oder einer sozialen Klasse fordert. Sie ist nicht in den Lehren der französischen Revolution, weder im Liberalismus noch im Marxismus beschlossen. Nein, Noch klingt in den Herzen des ganzen deutschen Volkes die Begeisterung, die das gewaltige Bekenntnis der Nation zu ihrem Führer in allen Gauen, Städten und Dörsern wachgerufen hat. In diesem Augenblick ruft die nationalsozialistische Volkswohlfahrt auf. die mit dem Stimmzettel von neuem bekundete Treue zu Adolf Hitler und seinem Werk von neuem durch die opferbereite Tat unter Beweis zu stellen. Am 5. April werden 15 000 000 bunte Schmetterlinge über ganz Deutschland flattern, um allen Volksgenossen den Frühling zu künden, die Zeit des schenkenden Lebens. Die Schmetterlinge kommen zu uns als Künder und Werber für die Ausgaben der NSV., die sich das Ziel gesetzt hat, überall dort einzugreisen, wo Menschen der Hilfe der Volksgemeinschaft bedürfen, um wieder zu voller Lebens= und Schaffenskraft zu gelangen. Ein ungeheuer großes Arbeitsfeld tut sich auf. ein Arbeitsfeld, dessen Größe keiner von denen nicht ahnt, der dem einer NSP=ammelbüchse geopferten Groschen nachtrauert. Im Mittelpunkt allen die wirkliche und allenthalben gerechte Freiheit, die den Menschen über sich und seine Unzulänglichkeit erhebt, kommt aus der Erkenntnis, daß ich als einzelner nichts bin, als Glied der völkischen Gemeinschaft aber alles vollbringen kann. Unsere Freiheit. die wir meinen, ist nicht auf der Straße zu finden, wir erringen sie im Kampfe mit uns selbst und den Hemmungen der Ichsucht. Der Nationalsozialist ist frei als Persönlichkeit wenn er streng und gerecht gegen sich selbst die Anforderungen der Idee im täglichen Leben erfüllt. Die Idee ist die Sonne, die uns erhellt und uns zu solchen sittlichen Leistungen befähigt, denn aus diesem Kampfe zwischen den Neigungen des Ich und den Forderungen der Idee wird der Mensch geboren, auf den die deutsche Nation seit Jahrhunderten wartet, der Mann. dem es ernst und heilig ist um Deutschland, der sich für ewig und trotz allem zu der unsterblichen Seele seines Volkes bekennt und dessen Lebenshaltung einmalig ist,— der deutsche Mensch. Dieser braucht sich nie mehr zu fragen: ist es recht und ist es deutsch, was ich tue? Er kann nicht anders als deutsch sein und deutsch handeln. Ob Staatsmann, Künstler, Gelehrter. Kaufmann, Arbeiter, Soldat und Bauer, eine gemeinsame Linie ist ihnen eigen,— der deutsche Stil. Ihr Schaffen, ihr Werk, alles ist klar und schön, weil ihre Gedanken aus echtem Grunde kommen. Ihre Werke werden für Ewigkeiten Bedeutung haben, weil sich ihr Geist weiter fortpflanzen wird von Geschlecht zu Geschlecht, von Jahrhundert zu Jahrhundert. Dann wird das Werk des Führers, dieses größten und reinsten deutschen Menschen für alle Zeit gesichert sein. Schaffens steht die Sorge für die Gesundung der deutschen Familie.„Gesundes Volk durch gesunde Mütter und Kinder“ lautet die Parole. Die Maßnahmen für den Schutz von Mutter und Kinder nehmen in den Absichten für die bevorstehende Sommerarbeit den breitesten Raum ein. Freilich werden diese Vorhaben nur dann verwirklicht werden können. wenn das ganze deutsche Volk in geschlossener Opfergemeinschaft für sie eintritt. Und weil unser Volk in seiner übergroßen Mehrheit die Notwendigkeit der Hilfsmaßnahmen der NSV. versteht, werden auch in diesem Jahre alle sich in die Menge der Opfernden einreihen. wenn Zeitung und Plakat. Rundsunk und die Mitglieder der NSV. als Sammler zur Beteiligung aufrufen. Alle werden mithelfen, die Arbeiter der Stirn und der Faust; insbesondere auch diejenigen, die der Not noch nicht in ihre ernsten Augen zu schauen brauchten. Die bunten Schmetterlinge, die am 5. April d. J. verkauft werden, nachdem am 4. April bereits eine Listensammlung in den Betrieben, Haushalten usw. vorangeht, finden darum auch gewiß reißenden Absatz. Ein jeder weiß, wofür er die 20 Psennige opfert. Schacht über Kirdorf Geheimrat Emil Kirdorf tritt in diesen Tagen in sein 90. Lebensjahr ein. Wir möchten aus diesem Anlaß auf ein Werk hinweisen, das in den nächsten Tagen erscheinen wird: Walter Bacmeister„Emil Kirdorf. der Mann. sein Werk".(Walter Bacmeisters Nationalverlag. Essen). Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat dem Buch ein Geleitwort gewidmet. das von allgemeiner Bedeutung ist. Mit Genehmigung des Verlages geben wir wieder. was Dr. Schacht über das Wirken Emil Kirdorfs zu sagen hat. 2 In vorgerücktem Alter erst bin ich zu Emil Kirdorf in persönliche Beziehungen getreten. Aber durch meine ganzen Lern= und Wanderjahre hat die Gestalt dieses Mannes schon ihre Bedeutung für mich gehabt. Er war in der Wirtschaft der bezeichnendste Vertreter einer Lebensführung, die in Zeiten revolutionärer Massenpolitik nur zu oft in ihrer Bedeutung übersehen wird, nämlich Träger einer schöpferischen. willensstarken, vorwärtsdrängenden und das Gewonnene erhaltenden Kraft. Nur Männer solchen Schlages sind es, die die Welt vorwärtsführen. Keine Masse gerät in Bewegung. wenn nicht Führer dieser Art entstehen. Unsere jetzige politische Zeit ist ein schlagender Beweis hierfür. Wirtschaftsführer werden niemals vopulär. Wer wirtschaftet, wer ein Geschäft hat, wer Waren herstellt, die er verkaufen möchte, trägt merkwürdigerweise den Stempel der Gewinnsucht und des Egoismus an der Stirn. Der Politiker, der von den Gewinnen der Wirtschaft lebt, gilt als Idealist. Aus diesem merkwürdigen äußeren Gegensatz erklärt es sich, daß Emil Kirdorf zeitlebens zwischen der Freude an dem wirtschaftlich Erreichten und dem Zweisel am politisch Gestalteten gelitten hat. Was er durch seine Arbeit erreichte, half in stärkstem Maße die wirtschaftliche Grundlage schaffen, auf der ein Volk seine politische Macht aufbauen kann und muß. Er konnte dies nur schaffen, wenn er sich ganz diesem Werke hingab. Er wußte, daß er mit seinem Werk der Politik diente, und konnte doch nicht gestaltenden Einfluß auf diese Politik gewinnen. Was er aber an politischen Fehlern und Irrtümern um sich herum in seinem Vaterlande sah, mußte ihm immer wieder die bange Frage vorlegen: Wird das, was du hier wirtschaftlich schaffst, überhaupt verstanden und wird es politisch ausgewertet? Emil Kirdorf haben die politischen Enttäuschungen der Kriegs= und Nachkriegszeit schwerer getroffen als manchen Jüngeren, denn zur wirtschaftlichen Grundlage politischer Erfolgsmöglichkeit hat er mehr beigetragen als irgendeiner seiner Zeit. Wer dieses Buch liest. möge nicht nur aus ihm Bewunderung und Verehrung für die Persönlichkeit schöpfen, die nun einmal höchstes Glück der Erdenkinder ist, er möge sich auch bewußt werden des Zusammenhanges zwischen der einzelnen Persönlichkeit und dem Volksganzen. Denn das Volksganze lebt erst durch seine jührenden Persönlichkeiten. Und er möge lernen aus diesem Buch, daß zur Politik die Beherrschung aller Lebensvorgänge eines Volkes gehört und daß unter ihnen die Wirtschaftskraft nicht die geringste ist. Vor seinen Augen steht nicht nur das bunte Leuchten der reizvollen Schmuckstücke; er sieht in dem Leuchten all die dankbaren Blicke verhärmter Mütter, die nun gesunden werden, er denkt an die glücklichen Wochen, in denen sie Sorge und Gram vergessen. Kinder werden aus licht= und freudlosen Räumen hinauseilen und in Sonnenglanz und frischer Luft baden. An das Ohr des Opferbereiten schlägt der Jubel von tausend Kinderstimmen. die in Krippen und Kindergärten umhegt und betreut werden. Junge Mütter, die in stiller Hoffnung auf ihre glückliche Stunde harren, finden Rat und Hilfe und schenken unserem Volk ein gesundes Geschlecht. Es ist hier nicht der Platz für eine lange. trockene Statistik. Nur angedeutet sei die Arbeit der Hilfsstellen für Mutter und Kind. Im Jahre 1935 wurden 571 455 werdende Mütter. Wöchnerinnen und ledige Mütter betreut. In Kindertagesstätten fanden 520 935 Kinder Unterkunft. Seit der Machtübernahme wurden insgesamt 106 016 Mütetr zur Erholung verschickt und die Gesamtleistungen des Hilfswerkes„Mutter und Kind“. betrugen 44965 284 RM. Einige wenige Zahlen, und doch welch eine Sprache reden sie! Dabei betreifen sie nur einen ganz kleinen Ausschnitt aus dem weitverzweigten Arbeitsfeld nationalsozialistischer Wohlfahrtsarbeit. Man kann wohl hofsen, daß die Sprache dieser Zahlen jeden Volksgenossen bestimmen wird, sich einen oder besser noch mehrere der bunten Schmetterlinge am 5. April„einzufangen“. 18 Minionen=Ichmetlernnge niegen Die nsv. ziehl gegen die Rot zu Felde der volksgesundheit Tarch dente sArrllse).. Reichsstrassensammlung der N. S. V. Das kommende Berufserziehungsgesetz Ausrottung der Lehrlingszüchterei Die Heranbildung unseres Nachwuchses zu leistungsfähigen Arbeitskräften ist eine der wichtigsten Erfordernisse der nächsten Zukunft. Ein bedeutsamer Schritt auf diesem Wege wird das kommende Berufserziehungsgesetz sein. Das Hauptstück dieses Gesetzes wird sich mit der Neubildung des Lehrlingswesens befassen. Wie„Die Deutsche Volkswirtschaft“ hierzu ausführt, gibt es trotz deutlicher Besserung seit dem Jahre 1933— leider immer noch Lehrherren, die sich ihre Lehrlinge nicht halten um an deren Erziehung mitzuwirken. sondern weil sie eben nur die Arbeitskraft des Lehrlings vorteilhaft im Betrieb verwerten wollen. Diese Einstellung eines Lehrherrn ist natürlich grundfalsch und hat im nationalsozialistischen Staat keinen Raum mehr. Der Lehrling soll nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, die für den laufenden Betrieb am bequemsten und rentabelsten sind, sondern vielmehr mit den die Ausbildung am besten fördernden Arbeiten. Was mit dem neuen Gesetz unbedingt erreicht werden muß, ist eine völlige Ausrottung der Lehrlingszüchterei und eine beträchtliche Hebung des Durchschnittes unserer Lehrlingsausbildung. Wie„Die Deutsche Volkswirtschaft“ schreibt, werden durch das Gesetz unmittelbar die Normen und Grundsätze festgelegt. die für alle Lebensverhältnisse verbindlich sind. Dahin gehören namentlich allgemeine Pflichten und Rechte des Lehrherrn und des Lehrlings, Grundsätze über den Lehrbetrieb, die mit der Berufserziehung eng zusammenhängenden sozialpolitischen Bestimmungen. Sicherung für die Erreichung des Lehrzweckes usw. Gerade letzteres ist äußerst wichtig, denn schuld an der bisherigen mangelhaften Bekämpfung der Lehrlingszüchterei waren nicht etwa die Ueberwachungsbehörden, sondern die unzulänglichen Rechtshandhaben dieser Stellen. Die Berufslehre muß sowohl strafrechtlich als auch zivilrechtlich unter stärkeren Schutz gestellt werden. Lehrlingszüchterei bedeutet Raubbau an der Jugend und bedingt daher eine harte Strafe. Ebenso muß der Lehrherr für mangelhafte Ausbildung des Prüflings zur Rechenschaft gezogen werden können. Notwendig ist natürlich, daß außer der Einzelregelung zwischen Lehrherrn und Lehrling noch eine überbetriebliche Lenkung der Berufserziehung vorgenommen wird. Hierfür kann nur die Dutsche Arbeitsfront zuständig sein, die ja zum Treuhänder der Berufserziehung eingesetzt ist. Die Berufserziehung des Jungarbeiters wird genau so wie die des Lehrlings in das neue Gesetz einbezogen. Auch für den Jungarbeiter muß künftig die Berufserziehung im Vordergrunde stehen. Befindet sich doch der Jungarbeiter ebenfalls in einem Ausbildungsverhältnis, das sich vom Lehrlingsverhältnis lediglich der Grade nach, nicht aber dem Grunde nach unterscheidet. Wie hieß Arminius? Daß wir heute deutsch sprechen und deutsch fühlen. deutsch denken und deutsch handeln, das verdanken wir dem Werk jenes Cheruskerfürsten, dessen deutschen Namen wir nicht kennen. Ohne seine Großtat wären wir romanisiert, wie es die Spanier und Franzosen heute sind. Er selber wurde seiner politischen und militärischen Verdienste wegen von Kaiser Tiberius mit der römischen Ritterwürde bedacht und in das Geschlecht der Arminier unter dem Namen Gaius Julius Arminius ausgenommen. Das Dunkel. das über seinem deutschen Namen liegt, wird sich kaum aufhellen. Manche meinen, er habe im Zuge der zumeist mit Sig=gebildeten Namen seiner Sivve, Sigfried geheißen und sei das Urbild der deutschen Sagengestalt: andere vermuten, er habe nach dem germanischen Licht= und Schwertgott Irmin den Namen Ermino getragen und habe im Anklang hieran sich seinen römischen Ritternamen ausgesucht. Auf keinen Fall aber hat er Hermann geheißen: diesen wesentlich jüngeren Namen hat ihm erst Klopstock verliehen. Auch Thusneldas Name ist uns. wie Hans Heyck in einem farbig bebilderten Beitrag des Märzheftes von Velhagen u. Klasings Monatsheften schreibt, nur in verstümmelter Form überliefert worden. Sie hieß in Wahrheit Thursinhilt. Bantsch Schiesteil Eigenartige„Irrtümer“ in der englischen Oeffentlichkeit über Deutschland London. Das meiste Unglück auf dieser Welt beruht auf Mißverständnissen oder auf Unkenntnis. Die böse Absicht marschiert erst an zweiter Stelle.— Sollte dies nur ein schwaches Trostwort sein, das der Enttäuschte für sich gepräg: hat, oder fällt der böse Wille doch schwerer ins Gewicht? Wie dem auch sei. in Zeiten der internationalen Krise wirkt sich die völlige Unbeschwertheit durch Wissen und Kenntnisse besonders verheerend aus. Gar mancher betritt da die Plattform der Oeffentlichkeit oder greift leichtfertig zur mitteilsamen Feder, ohne auch nur die Anjangsgründe einer besseren Mittelschulbildung für seine löbliche Absicht mitzubringen, einen Beitrag zu liefern für die Lösung brennender Tagesfragen. Jedermann wird sich noch des traurigen Jahres 1919 erinnern. Damals brachten die sogenannten Friedensverträge nicht nur eine Menge Irrtümer mit sich, sie waren ja auch auf dem Irrtum ausgebaut. Man entsinnt sich in diesem Zusammenhang eines Mißgriffes, den sich Lloyd George geleistet hat. Lloyd George forderte im Jahre 1919 die Entsendung von Gebirgstruppen nach Oberschlesien. weil er annahm, daß das Wörtchen„ober“ auf eine gebirgige Landschaft schließen lasse. Inzwischen hat der greise britische Staatsmann nicht nur diesen Irrtum eingesehen, sondern auch die grundlegenden Fehler, die auf der sogenannten Friedenskonferenz von Versailles begangen worden sind. Im politischen Leben Englands betätigen sich auch heute noch Leute, denen ähnliche Irrtümer unterlausen wie damals Lloyd George mit seinen Gebirgstruppen. Die Anhäusung dieser Irrtümer muß aber einmal Anlaß geben zu einer grundsätzlichen Feststellung: Hier ist nicht nur Unwissenheit am Werke, sondern auch politisch interessierende Kräfte. durch die die Unkenntnis in ihrer verderblichen Auswirkung verstärkt wird. und Böswilligkeit maßt es sich an. Einfluß auf die Gestaltung der Dinge und die Geschicke eines Landes auszuüben, das es in keiner Weise kennt. Das Folgende ist nur eine kleine Blütenlese von einem einzigen Tage, sie könnte mit jedem neuen Tage beliebig erweitert werden. Am Montag sprach in Bootle das Mitglied des englischen Kronrates. der Unterhausabgeordnete Clynes. ehemaliger Innenminister des Britischen Weltreiches. Er sagte:„Der Weltkrieg würde wahrscheinlich nicht so schnell gekommen sein, wenn nicht Deutschland die Niederlage hätte auslöschen wollen. die ihm die Franzosen im Jahre 1870 zugefügt haben.“— Kommentar überflüssig. Der„Daily Telegraph“, der als ein der jetzigen englischen Regierung nahestehendes Blatt gilt. bringt in seiner Ausgabe vom 30. März eine Zuschrift. in der von Deutschlands größtem militärischem(!) Schriftsteller, dem General(!) von Freytagh=Loringhoven. die Rede ist. Der Redaktion dieses Blattes, die sonst alles wissen will. ist dieser veinliche Mißgriff ebenso unterlaufen wie sie an anderer Stelle eines Pariser Berichtes kühn behauptet, daß unter denjenigen Gebieten, die Deutschland eines Tages einstecken möchte, sich auch Dänisch= Schlesien befinde. Dieser Tatbestand erinnert an eine von einer großen Londoner Wochenschrift vor einiger Zeit verösefntlichten Karte Deutschlands. in der Oberschlesien als Teil der Provinz Pommern angegeben wurde. Ein aufmerksames Studium der englischen Blätter. aber auch der Reden mancher englischer Politiker ermöglicht fast täglich die Feststellung derartiger „Irrtümer". Sollten diese bedauerlichen Mißgriffe nur auf der völligen Unbeschwertheit durch grundlegende geographische Kenntnisse beruhen? Ein=Soldal har das Wört General Lawrence über die künftige Polilik Großbritanniens—„England sollte draußen halten.. Zeiten einer internationalen Krisis gut sein würde. Sie enthüllt den Weg. auf dem Uebertreibung aus einem winzigen Wahrheitskern eine ungeheuerliche Fälschung zustande bringt.“ Die folgenden Kriegsnachrichten fanden sich der Reihe nach in führenden europäischen Zeitungen: „Kölnische Zeitung": Als der Fall Antwervens bekannt wurde, läuteten die Kirchenglocken.(Gemeint ist in Deutschland.) „Le Matin“(Paris): Nach der„Kölnischen Zeitung“ wurde die Geistlichkeit in Antwerven gezwungen. die Kirchenglocken zu läuten, als die Festung eingenommen war. „The Times“(London): Der„Matin" erfährt aus Köln, daß belgische Priester, die sich nach der Einnahme von Antwerven weigerten, die Kirchenglocken zu läuten, ihres Amtes entsetzt wurden. „Corriere della Sera“(Mailand): Wie die „Times“ über Paris erfahren, wurden die unglücklichen belgischen Priester, die sich nach der Einnahme von Antwerven weigerten, die Glocken zu läuten, zu Zwangsarbeit verurteilt. „Le Matin“(Paris): Laut einer Nachricht des „Corriere della Sera" aus Köln via London bestätigt sich, daß jene belgischen Priester, die sich nach der Einnahme von Antwerven heroisch weigerten. die Glocken zu läuten, von den barbarischen Eroberern als lebende Klövel mit den Köpfen nach unten an die Glocken gehängt wurden. Der kantenisch miounische Militärbündnis, Wirtschaftsabkommen und kulturelle Annäherung Der Duce unumschränkter herr der Adria Rom. Italiens systematische Durchdringung Albaniens wurde durch den Abschluß des neuen italienisch=albanischen Vertrages in ein entscheidendes Stadium gelenkt. Das Abkommen wurde im albanischen Parlament Gegenstand heitiger Angrifse. wurde aber schließlich mit Mehrheit angenommen. In italienischen Kreisen erblickt man im Abschluß dieses Vertrages einen geschickten Gegenzug zu den Anstrengungen des Balkanbundes, der Albaniens Außenpolitik zu beeinflussen versuchte. Im Falle eines Krieges mit einer Mittelmeermacht wird Mussolini nunmehr in der Lage sein, mit Hilfe Albaniens die Adria gegen England und Jugoslawien in wenigen Stunden zu schließen. König Zogu von Albanien hatte die Wahl. sich einem der Staaten des Balkanbundes oder Italien anzuschließen. Die kriegerischen Erfolge des Duce auf den Schlachtfeldern Aethioviens und die wachsende Unzufriedenheit unter den eigenen Untertanen dürften für seine Entscheidung zugunsten Italiens in allererster Linie mitbestimmend gewesen sein. Ein italienischer Generalstabschef für Albanien Die Finanzlage des Königreichs hatte sich in letzter Zeit so verschlechtert, daß eine Auslandsanleihe dringend geboten erschien. Aus diesem Grunde war für Zogu die finanzielle Unterstützung einer der Hauptsaktoren für seine Anlehnung an Rom: keines der dem Balkanbunde angehörenden Länder hätte ihm mit einer Anleihe aus seinen Schwierigkeiten heraushelfen können. Die militärischen Abmachungen umsassen die Rückkehr italienischer Offiziere in das albanische Heer und eine Aufrüstung in kleinerem Umjange. serner die Ernennung eines italienischen Generals. der gleichzeitig als militärischer Berater König Zogus die Befugnisse seines Generalstabschefs erhalten soll. Schließlich soll der Berg Baraborn an der Valona vorgelagerten Bucht, der die italienische Insel Saseno beherrscht, stark mit Befestigungen versehen werden, und endlich sei noch die autonomische(italienische) Verwaltung der Hafenjestung Durazzo erwähnt. die Albanien gegen die Gewährung einer Anleihe zur Verbesserung des Hasens zusagen mußte. Oel für Italien Für König Zogu sind in erster Linie die wirtschaftlichen Vorteile des Vertrages von Interesse. Die Schaffung einer Agrarbank unter italienischer Kontrolle ist vorgesehen, ferner die Organisation des Tabakmonovols unter der Leitung italienischer Fachleute. wogegen Italien sich die Erweiterung seiner Oelkonzessionen zur Bedingung gemacht hat. Die rein finanzielle Seite bezieht sich auf 2 Anleihen. Albanien erhält von Italien eine sofortige Anleihe von 500000 Mark und eine weitere Anleihe von insgesamt 6600000. die sich auf 5 Jahre zu je ein Fünftel dieser Summe verteilt. Mit diesen Geldern dürfte König Zogu zunächst seine dringendsten Verpflichtungen decken können. Hand in Hand mit den militärischen und wirtschaftlichen Abmachungen gehen die Pläne zur„kulturellen Durchdringung" Albaniens. Die italienischen Schulen, die im Jahre 1933 geschlossen wurden. werden sofort wieder eröffnet. Gleichzeitig enthalten diese Vertragsklauseln besondere Maßnahmen für Kindererziehung und Jugendwohlfahrt im allgemeinen. Mit dem Tebensreiter auf dem Srandesamt Wie ein Kundfunkansager zu seiner Frau kam London. General Sir Herbert Lawrence, Abkömmling einer alten englischen Soldatenfamilie, der die Nation eine Reihe hervorragender Heerführer verdankt, nimmt in einer angesehenen Londoner Tageszeitung zur politischen Lage Stellung. Der allgemein hochgeachtete Offizier, der als Präsident der Riesenkonzerne Vickers Ltd. und Vickers=Armstrong Ltd. einer der maßgeblichsten Wirtschaftsführer des Landes ist. tritt mit aller Offenheit für Englands Distanzierung in allen kontinentalen Fragen ein. Ein Kämpfer vieler Schlachten Die Worte des Generals verdienen umso größere Beachtung, als er selbst ein alter Militär ist, der den Krieg mit all seinen Einzelheiten aus eigenem Erlebnis kennt. Wie schon erwähnt, ist Sir Herbert Lawrence Sprößling eines alten Offiziersgeschlechts. Sein Vater kämpfte in Indien während der SepoyKriege und wurde später durch die Ernennung zum Vizekönig ausgezeichnet. Sein Onkel. Sir Henry, war jener berühmte Feldherr, der die Stadt Lucknow während der indischen Rebellion mit äußerster Tapferkeit verteidigte. Sir Herbert selbst focht in einer ganzen Reihe von Feldzügen als aktiver Offizier. In jungen Jahren holte er sich im südafrikanischen Kriege und in Aegypten die ersten Lorbeeren. Im Weltkriege stand er beim englischen Expeditionskorps auf Gallipoli und kämpfte nach der Räumung der Dardanellen an der Westfront. Im letzten Kriegsjahre war er Generalstabschef der englischen Armeen in Frankreich. Durch seine hervorragenden Leistungen wurde er mit den höchsten Orden Englands. Frankreichs. Japans. Rumäniens, Amerikas, Serbiens und Belgiens dekoriert. „Keep out Zwei seiner Söhne fielen auf den Schlachtfeldern Flanderns als Offiziere der Goldstream=Garde. General Lawrences Ansicht über die seitens Großbritanniens einzuschlagende künftige Außenpolitik kommt also aus dem Munde eines Mannes, der die Schrekken des Krieges am eigenen Leibe verspürt hat. Man fragte den Heerführer:„Glauben Sie, daß wir uns künftighin allen Streitigkeiten Europas fernhalten sollen? Wenn ja, soll diese Distanzierung in wohlwollender und wachsamer Weise erfolgen?" General Lawrence erwiderte:„Ich glaube, daß unsere Zukunft mit der Zukunft Europas unlöslich verbunden ist. Aber wir selbst sollten darüber zu entscheiden haben, ob wir in die Streitigkeiten anderer Staaten einzugreifen haben.“ „Bedeutet das eine künftige Isolierung Großbritanniens im Falle europäischer Differenzen?" lautete die Gegenfrage.„Jawohl“, meinte der General. „Ausgenommen natürlich sind solche Fälle, in denen britische Interessen direkt berührt werden.. Dieser vernünftige Standpunkt des Mannes, der ein Kapital von über 400 Millionen Mark kontrol= liert und mehr als 40000 Arbeiter in seinen Werken beschäftigt, deckt sich haargenau mit dem Inhalt der bei englischen Zeitungsredaktionen in großer Zahl einlaufenden spontanen Zuschriften aller reise.„Keep out!“(Haltet euch fern) ist die Parole der englischen Oeffentlichkeit. Kein Mensch wünscht, daß das britische Volk abermals für Frankreich die Kastanien aus dem Feuer holt oder Verpflichtungen eingeht, die es eines Tages in einen europäischen Krieg verwickeln würden. Wie Greuelmärchen entstanden Ein außerordentlich schlagendes Beispiel, wie im Weltkriege aus ursprünglich garz richtigen Meldungen durch das Hin= und Herwersen in der führenden Presse der feindlichen Länder Greuelnachrichten entstanden und lawinenartig anwuchsen, wird von der Engländerin Florence Boeckel in einem Buch„The Power of the Preß sor Peace and War“ angeführt. „Hier ist eine kleine Geschichte" bemerkt dazu eine englische Zeitschrift, die dieses Beispiel ausgreift, „an die sich zu erinnern für jeden von uns in allen London. Die Geschichte begann Mitte November 1932 mit folgender Zeitungsnotiz unter der Rubrik „Unglücksfälle und Verbrechen“": Vom Tode errettet. Gestern abend gegen 6 Uhr hörten die Passanten des belebten„Strand" im kalten Nebel plötzlich einen lauten Aufschrei. Im selben Augenblick schlug ein menschlicher Körver auf das Straßenpflaster, dicht vor dem Hotel Savoy. Man stürzte auf das Opfer zu Aber schon hatte ein Herr die junge Frau, die um Haaresbreite von einem Autobus überfahren worden wäre, im letzten Moment unter Einsatz seines Lebens zurückgerissen und damit gerettet. Man brachte die Dame zur nächstgelegenen Rettungsstation, wo man sie untersuchte und sie sich rasch von dem Schrecken erholte. Verletzungen hatte die junge Frau nicht davongetragen.“ Das Inkognito des Lebensretters Die Zeitung verschwieg, daß der Lebensretter kein anderer war als Cecil Law. einer der beliebtesten Ansager des britischen Rundfunks. Cecil Law selbst, der sich ohnehin vor seiner großen Popularität kaum retten konnte, verbat sich ausdrücklich die Namensnennung und verweigerte auch der Geretteten. einer auffallend hübschen jungen Frau mit brünettem Haar und schlanker Figur beharrlich jede Auskunft über seine Person. Nachdem Law mit der jungen Frau noch eine halbe Stunde in einem Teeraum bei angeregtem Geplauder verweilt hatte, trennte sich das Paar. Cecil Law wehrte ab. als Winifred Greenwood— so stellte sich die vom Tode Errettete vor—. ihn weiterhin mit unaufhörlichen Dankesworten überschüttete. Er erklärte ihr nur, daß er weiter nichts als seine Menschenpflicht getan habe. verabschiedete sich und verschwand um die nächste Straßenecke. nachdem er Miß Greenwood wohlbehalten vor ihrer Haustüre abgesetzt hatte. Soweit ist die Geschichte einer jener an sich belang= Anzeigenteil losen Vorfälle, wie sie in einer Riesenstadt wie London an der Tagesordnung sind. Ein unerwartetes Wiedersehen Jahre vergingen. Anfang 1936 sticht in Southampton der deutsche Ozcandampfet„Westernland“ nach Neuyork in See. Unter den Passagieren befindet sich auch jene Miß Winifred Greenwood aus London, die jenseits des großen Teiches Verwandte besuchen will. Es ist ihr entgangen, daß auch ein jüngerer Herr in Reisedreß in Southampton eingestiegen ist. Neuyork ist sein Ziel. Am zweiten Tage der Seereise ereignet sich die große Ueberraschung. Der Steward ruft zum„Diner". Winifred Greenwood nimmt an der Tasel Platz. Ihr gegenüber sitzt ein Herr im tadellosen Abendanzug. Alsbald stellt er sich vor. Sehr geschickt weiß er eine Unterhaltung zu beginnen, die sogar für Winifred nicht eines gewissen Reizes entbehrt. Irgendetwas Unbestimmtes und och Bekanntes an dem Gegenüber fesselt sie. Auch ihr Gesprächspartner wird nachdenklich. Er bleibt sich nicht lange im Unklaren. Unerwartet fallen Worte, die auf ein Erlebnis im Novembernebel 1932 Bezug haben... Cecil Law sitzt Winifred Greenwood gegenüber, jener jungen Frau, der er das Leben rettete. Ich bitte um Ihre Hand, Madame.. Es folgten fröhliche Stunden an Bord. Der Londoner Rundsunkansager erfuhr, daß Winifred Greenwood inzwischen verheiratet, ihr Gatte aber vor einem Jahre gestorben war. Cecil Law findet Gefallen an der jungen hübschen Witwe: er findet Winifred noch anziehender als vor drei Jahren. Den Passagieren der„Westernland“ entgeht es nicht daß sich hier zwischen dem Paar ein reger Bordflirt entwickelt. Es wurde sogar mehr als ein Flirt. Zwei Tage nach dem unverhofften Wiedersehen glaubt der Ansager nicht länger ohne Winifred leben zu können. Er geht um ihre Hand an: sie sagt„ja“. Nun rasch zum deutschen Kapitän, der die Trauung vollziehen soll Aber der wetterharte Seebär. der für derlei Wünsche das größte Verständnis hat und keinen Augenblick an den zarten Regungen in Cecil Laws Brust zweifelt, bedauert: die„Westernland“ befindet sich bereits in amerikanischen Gewässern, und die Hoheitsgrenze der USA. muß unter allen Umständen respektiert werden. denn so will es das internationale Seefahrtsabkommen. Winifred Greenwood und Cecil Law finden sich mit dem Unvermeidlichen ab. Zwar hätte eine Trauung an Bord einen ungewöhnlichen Reiz gehabt. aber man muß sich nun bis Neuyork gedulden. Am nächsten Tage findet die Trauung in irgendeinem der zahlreichen Neuyorker Standesämter statt. Diesmal aber ging die Weltvresse darüber nicht so stillschweigend hinweg, wie über den Vorfall am Londoner Strand im November 1932 Cecil Laws romantischer„Non=Ston=Flirt“ an Bord wurde von den Neuyorker Abendblättern bereits in aller Ausführlichkeit geschildert, denn der berühmte Londoner Ansager ist auch dort kein Unbekannter. Beim Verlassen des Standesamtes empfing Winifred den ersten eheligen Kuß, eine Szene, die auf bildtelegraphischem Wege der englischen Presse übermittelt wurde. So endete die Amerikafahrt der jungen Engländerin, die, wie es heißt, sich dem Film verschreiben wollte, um eines Tages eine Berühmtheit zu werden. Nun hat Cecil Law ihrem Schicksal zum zweiten Male eine Wendung gegeben. Bis Ostern erhält jeder im festen Arbeitsverhältnis stehende bei Kirsch alles ohne Anzahlung: Kohlenherde. Sparbrenner ab 104.- RM. Gasherde mit besten Sparbrennern und Backölen ab 56.- RM. Hand-Waschmaschinen mit Garantie ab 32.50 RM. Wassermotor-Waschmaschinen mit Garantie ab 53.- RM. Elektro-Waschmaschinen m. Garant. ab 110.- RM. Fahrräder, Spitzenlabrikate ab 32.- RM. Kinderwagen„„ eb 35.- RM. Nähmaschinen, Marke Anker ab 198.- RM. Tatel- und Katleeservices in allen Preislagen Beleuchtungskronen„„„ Bis 18 Monate Ziell Lieferung frei Haus Annehme von EheStendsderiehen und Kinderbeihilte Süneing in der Kreinen Aaar Von Else Rabe Man zieht den Vorhang zur Seite und ist geblendet von der weiß=silbrigen Luft vor dem Fenster. Da ist noch die Morgenkühle, der dünne Nebel der Frühlingsnacht. Aber die Sonne, die sich noch irgendwo verborgen hält, sie durchbohrt mit ihren unvergleichlich spitzen Strahlen jedes Atom, sie löst Nebel und Morgenkühle. Stille Stunde im ersten Frühlingssonnenschein unter den uralten Bäumen des Parkes von Saussonci. (Scher!—.) „Und da haben Sie kein Wasser?" „Doch, aber man muß lange und umständlich fahren, bis man hinkommt, und dann hat man so wenig Zeit.“ „Ja, die Zeit,“ sagte er, als verstünde er etwas davon. Und er wendet sich wieder seinen Booten zu, an. denen er vom Morgen bis zum Abend bastelt und pinselt und putzt. Grüne Streifen malt er, Boot für Boot, an die Flanken, und rote Lehnen für die Bänke. Ich lasse mir einen Liegestuhl geben und stelle ihn auf die Bohlen. So schwebe ich, in eine Decke gehüllt, wiederum gleichsam über dem Wasser und will schlafen. Auf meine Augenlider drückt die Weite und Helle des besonnten Himmels, die Stille summt, leise gluckst das Wasser unter den Bohlen. Wie ich erwache, ist die Sonne ein gewaltiges Stück am Himmel herabgeglitten. „Dus war aber mal ein Frühlingstag“, sagte der Bootsverleiher träumerisch vor sich hin. Ich reiche ihm die Hand zum Abschied. Er Schloß Sanssonci, die Perle des Dreußentums Hier starb Friedrich der Große vor 150 Jahren am 17. August 1786 Das Gedächtnis des großen Königs wird an diesem Tage im ganzen Reiche gefeiert werden. Das Städtchen führt seine Straßen und Gassen auf und ab, auf steil hinkletterndem Asphalt, holprigen Katzenköpfen und über Treppen zuweilen, von uraltem, verrostetem Geländer gesäumt. Am Schloßberg sind die winzigen Hütten dicht übereinander gebaut. Ich steige gemächlich den Serpentinenweg hinauf und bin unverhofft rasch auf der Plattform und vor den Toren des Schlosses. Dieses Schloß! Es ist tausend Jahre alt, auf seinem Bergfried hat Till Eulenspiegel, der Schalk, als Turmwächter manchen Streich gespielt. Er stieß laut in sein Horn; das Kriegsvolk warf die Becher um, oder fiel aus wohligem Schnarchen in derbe Flüche ob der Störung und sammelte sich auf dem Hofe, um dem Feind entgegenzuziehen. Aber es war kein Feind in Sicht, kein Staubwölkchen am Horizont. He, Turmwächter, was treibt er da, was hat er zu blasen? Ach, man habe ihn über den festlichen Gelagen im Bergfried da oben vergessen und ihm seit Tagen weder Speis' noch Trank geschickt. Da habe er sich nur in Erinnerung bringen wollen.... Spätere Geschlechter bauten Terrassen mit vielen Säulen auf einem überhängenden Zipfel des Berges. Und man blickt von hier oben dem lieblichen Fluß fast bis auf den Grund. Das alte Schloß mit den hohen Türmen beherrscht die ganze Stadt. Wo man auch gerade steht, ob diesseits oder jenseits des Flusses, ob in der Ober= oder in der Unterstadt, urplötzlich ragt das Schloß wie in den Himmel gebettet, gigantisch am Horizont auf. Es ist gar nicht so mächtig, wie es scheint. Nur die Häuser der Stadt sind so niedrig und alt. Auf dem Nachhausewege treffe ich ein altes Mütterchen, mit einem großen Packen Reisig auf dem Rücken. In ihren Händen hat sie einen Strauß ergrünender Zweige und Weidenruten, auf denen dichgedrängt winzige, zartgraue Kätzchen hocken. Und weil wir ganz allein auf dem Wege sind, weil außerdem die Frühlingssonne ihre mittagliche Höhe erklomm und mich auf eigene Art durch und durch erwärmt, sage ich:„Ei, das ist ja der leibhaftige Frühling!“ „Ja“, erwidert sie, bleibt stehen und sieht mir mit ihren treuheuzigen Augen mitten ins Gesicht.„Ja, meine Schwiegertochter hat sie so gern, und da habe ich ihr schon ein paarmal ein Päckchen mitgebracht.“ Nachdem ich schon manchen Schritt von ihr entfernt bin, dreht sie sich mit ihrer schweren Last auf dem Rücken um und ruft mich an.„Drinnen im Busch!“ ruft sie. Sie dachte nachträglich daran, daß ich auch danach Verlangen tragen könnte! Nach dem Essen, da die Sonne ihre Strahlen wie aus einem riesigen Füllhorn auf den Fluß fallen läßt, gehe ich zum Boo'splatz. Ich lasse mir einen Kahn geben und schlage meine Ruder mit großer Wucht in das gleißende Wasser. Schon bin ich mitten im Fluß und eine gute Strecke vom Bootshaus entfernt Ich spüre es auch bereits an den Händen. Auf einer Bank am Ufer sitzen ein paar Renschen. Ich kann sie der Sonne wegen ncht erkennen, aber ich höre ihr Gelächter. Lachen sie über mich? Weil ich nach dem flotten Anfang schon ein wenig einhalte, das linke Ruder nachziehe?„Ich habe einen gunzen Winter lang nicht gerudert,“ gebe ich ihnen in Gedanken zur Antwort,„es ist das zweite Mal in diesem Jahre, versucht es nur selbst, ob ihr es besser könnt!“ Aber vielleicht haben sie gar nicht über mich gelacht, und ich streite mich an diesem Wundertag ganz unsinniger Weise mit Menschen herum, die mich nichts angehen. Trotzdem kann ich nicht umhin, auf dem Rückweg, da ich im Boot liegend mich treiben lasse, einmal über den Rand hinweg einen kleinen Blick auf die Bank zu werfen. Es sind zwei Männer und ein Mädchen. Sie spielen mit einem Hund, rufen ihn und schicken ihn fort. Ich bin eine Stunde auf dem Wasser gewesen, und sie sitzen immer noch auf der Bank. Ich liefere mein Boot ab und will bezahlen. Der Mann verlangt zu wenig von mir. Warum das? Ich sehe ihn fragend an. Ich hätte neulich das erste Boot in diesem Frühling herausgebracht, erwidert er, und deshalb könne ich jetzt immer billiger rudern. „Ach,“ sagte ich,„wie schade, daß ich morgen abreise, das sollte man ausnutzen.“ „Sie sind aus der Großstadt?“ Die Aufe Siedkerskizze von Rutk Stoem Vom Dorf schlug die Uhr neun. Die Sonne stand wolkenlos über den grünen Aeckern, am fernen Horizont zeichneten die großen Wälder ihre Konturen gegen den blaßblauen Himmel. Der Nachtregen dampfte aus Feldern und Wiesen, es roch nach frischer Erde. Ganz in Licht war die kleine Siedlung auf der Höhe getaucht. Weiß war das Haus, weiß waren die Ställe und Scheunen getüncht, und die Balken dazwischen leuchteten im satten Braun. Ueber der Eingangstür stand die Jahreszahl 1933 in Stein gehauen. Junge Birken davor wehten im ersten Grün, und der Rasen war frisch gesät. An dem einen geöffneten Fenster stand ein junges Weib. Es schaute hinaus in die Landschaft, unbeweglich und feierlich. Die glatten, dunkelblonden Haare waren in der Mitte gescheitelt und im Nacken in einem schweren Knoten gebändigt. Sonne und Wind hatten Gesicht und Hände gebräunt. Draußen fuhr ein Wagen vor. Der Siedler Hermann Wecker saß auf dem Bock, knallte mit der buntbebänderten Peitsche und rief etwas ins Haus. Die Frau am Fenster schrak zusammen. Sie griff nach dem seidenen Kopftuch, band es eng unters Kinn und legte den schwarzen Umhang um die Schultern. Im Flur roch es nach Braten und Kuchen. „Ja, auch das gehört zu dem seltenen Festtag, wie die Sonne da draußen!“ sagte die alte Wehmutter aus dem Dorf und legte den Täufling in die Arme der jungen Mutter. Dann half sie ihr in den Wagen. Das Pferd zog an. „Vor'm Jahr sah alles anders aus, Elisabeth,“ sagte einmal Hermann Wecker und deutete mit der Peitsche ringsum auf die Felder. Elisabeth nickte lächelnd, und das Pferd trabte weiter. Man hörte nur das Rollen der Räder, den Hufschlag der Stute und das Knirschen im neuen Leder. Rechts und links vom Weg stiegen Lerchen jubilierend auf. „Alles ist für dich festlich heute," flüsterte Elisabeth und neigte sich über das Kind. Ja, vor einem Jahr sah vieles anders aus, und vor zwei, drei Jahren, eingeschlossen in dunklen Stadtmauern, da schien alles um sie verschüttet und hoffnungslos zu sein. Jetzt aber war das wirkliche Leben um sie. Man hatte ihnen Land zugewiesen, und aus eigener Kraft hatten sie dem Boden Stück für Stück Fruchtbarkeit abgerungen. Elisabeth schaute rückwärts, oben leuchtete der kleine weiße Hof, eine schwache Rauchfahne stieg aus dem Schornstein des Hauses in die Höhe, und die Pappeln vor der Einfahrt standen wie grüne Kerzen gegen den hellen Himmel. Das ist nun unser Eigentum, und es wird einst des Kindes sein, wenn es würdig ist, dem vorzustehen, dachte Elisabeth. Und sie schaute wieder nach vorn, auf die breite Gestalt ihres Mannes auf dem Bock— was für eine Kraft liegt in seinem Rücken, und wie gebeugt schien er in der Stadt. Aber da fuhren sie ins Dorf ein. Die Glokken läuteten, die Kinder standen mit Fähnchen und Blumen am Weg. Elisabeth schaute nickend nach allen Seiten. In der Kirche war die Gemeinde versammelt, alle Siedler aus der Umgebung waren zur Taufe erschienen. Mit braunen Gesichtern und blanken Augen saßen sie steif in ihrer dunklen Sonntagstracht auf den alten Kirchenstühlen. Die Orgel dröhnte durch den maiengeschmückten Raum, und die Schuljugend sang mit heller Stimme einen Choral. Elisabeth war weich gestimmt, ihre festen Hände zitterten, und sie schaute zu dem Mann an ihrer Seite. Hermann Wecker saß gerade neben ihr, seine knochigen Hände ruhten breit im Schoß und als die Gemeinde ein Lied begann, sang er laut mit. Die Frau zu seiner Rechten blieb in sich gekehrt über die Gnade, das Leben weiter tragen zu dürfen. Elisabeth senkte ihr Haupt, und Tränen rannen still auf das Kind. wünscht mir viele schöne Frühlingstage in der großen Stadt. Als ich mich umdrehen will, trifft mich ein heller Schein. Ich blicke auf: über das Ufergesträuch blickt der große gelbe Vollmond und lacht. Rin seeten, Wehsehusten TeuischenAhein i „Morhen scheint Wieder die Jonnle.. Zeitgemäße Kheinland=Erinnerungen eines Nordländers Mitgeteilt von Hans Hillebrand Wieder sind die Augen der ganzen Welt auf das Rheinland gerichtet. Ausländische Zeitungen entsenden ihre Berichterstatter dorthin, um in Wort und Bild ihren Lesern frische Eindrücke vom rheinischen Menschen und seiner sagenumwobenen, rebengesegneten Heimat zu vermitteln. Sie alle, die aus der Fremde herbeieilen, nimmt der Rhein gefangen. Sie erliegen seinem unvergänglichen Zauber. Mag mancher dieser schreibgewandten Fremden vom„Furor Teutonicus“ faseln, der angeblich mit dem Tage der Wiederbesetzung der alten Rheingarnisonen fröhliche Auferstehung feierte, mögen sie mit ängstlichen Mienen von Umzügen und Aufmärschen wehrfähiger deutscher Jugend im historischen Stromgebiet berichten, eins müssen sie alle rückhaltlos anerkennen: den echten, herzlichen Frohsinn und die prächtige Gastfreundschaft der Rheinländer jedermann, auch dem Ausländer gegenüber. Dünn gesät unter den Fremden, die Beruf, Reiselust oder Sensationsgier ins Rheinland verweisen, erscheinen allerdings jene, die gekommen sind, um Zeugnis abzulegen von ihrer Liebe und Bewunderung für dieses mit Glücksgütern mancherlei Art gesegnete Stück deutscher Erde und seine Bewohner. Ein Däne namens Verner Forchhammer hat kürzlich in seiner Vaterstadt Kopenhagen einige seiner rheinisch=westfälischen Erinnerungen veröffentlicht, die es verdienen, auch in Deutschland bekannt zu werden. Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot. Dieser Nordländer mit dem urdeutsch klingenden Familiennamen ist ein glühender Bewunderer rheinischer Lebensart, rheinischen Volkstums. Es sind schon einige Jahrzehnte her, seit der damals just flügge gewordene Forchhammer seinen ersten Flug in die weite Welt unternahm. Er hatte seine Lehrzeit beendet, wollte gleich nach Uebersee. Aber der Vater bestand darauf, daß sein Junge zunächst deutsche Gründlichkeit als Volontär einer Solinger Messerschleiferei erlernen sollte. Und so erlebte der junge Däne das erste Mal die Fremde in Deutschland. Die Reise ging über Gjedser, Warnemünde, Lübeck nich Hamburg. Der Nordländer wunderte sich einigermaßen, daß hier die Menschen und ihre Städte nicht viel anders ausschausen als in seiner Heimat. Auch Niedersachsen schien ihm irgendwie verwandt und blutsmäßig nahegerückt. Dann aber kam der Westen. Kamen rauchende Schlote, rotglühende Hochöfen, die gespenstisch den Nachthimmel erhellten. Kam das rheinisch=westfälische Industrierevier... Kliiring=kliiring=kliiring! raste der Schnellzug über die Schwellen. In Dortmund erlebte Forchhammer die Romantik harter deutscher Werkmannsarbeit. Als der Zug endlich in Solingen einlief, wußte der Däne bereits, welches Leben ihn erwartete. Stolz auf seine mühsam erworbenen deutschen Sprachkenntnisse stellte sich Forchhammer dem Fabrikherrn vor. Der gab ihm herzlich eine gewaltige Männerpranke, sprach ein paar Begrüßungsworte. Der junge Mann verstand nichts. Stammelte Fragen. Der Alte lachte dröhnend. Meinte, er spräche nur dies Platt als deutsche Muttersprache. Nun, Forchhammer lernte mit der Zeit auch das Solinger Platt. Es imponierte ihm, daß der Industriegewaltige ihn, den bescheidenen jungen Volontär, höchstpersönlich zu einer Flasche Rheinwein einlud. Daß der alte Prokurist des Hauses wie ein Vater ihn betreute, für Unterkommen und anständige Verpflegung sorgte. Daß die Arbeitskameraden— junge, lebenslustige Deutsche— ihm brüderlich=zutraulich entgegenkamen, als wäre er ihnen allen ein vertrauter Tischgesell. In Solingen, Regierungsbezirk Düsseldorf, lernte der junge Däne bereits die sprichwörtliche rheinische Gastfreundschaft kennen. Sie war hier schon seit erdenklichen Zeiten zu Hause. * Einige Jahre später fuhr Forchhammer an einem Frühlingstage mit der Elektrischen von Köln nach Bonn. Er wollte von dort aus weiter mit einem Dampfer stromaufwärts. Gen Süden— nach Italien. Die Zeit drängte. Den Weg zur Schiffsbrücke kannte er nicht. Er fragte einen Bahnarbeiter. Der stellte sofort sein Mittagsbrot beiseite, fuhr sich mit dem Handrücken über den Schnurrbart und ging ohne viel Federlesens mit ihm, um ihn zum Kai zu bringen. Da half kein Hinweis, daß die Suppe auf der Arbeitsstelle kalt werde. Der Arbeiter erwies sich als geborener Fremdenführer. Er hatte rheinischen Mutterwitz, hatte helle Augen im Kopf und wußte genug von den Händeln der großen Welt. Er zeigte Forchhammer die Universität, wo einst der Kaiser Der Rhein, Deutschlands Strom. nicht Deutschlands Grenze Das Rheintal bei Eltville— Blick auf den„Burgfried“ und die Burg Craß studierte, erzählte von Beethoven, von den Musensöhnen, wußte allerlei von der napoleonischen Zeit zum besten zu geben. Und war dabei ein schlichter Mann des rheinischen Volkes. Kein Studierter. Er nahm beim Abschied am Kai kein Trinkgeld, nicht einmal ein Glas Bier oder Wein, Madonna inmitten der Weinberge Im Hintergrund Eltville, die Stadt des Weines und der Rosen Nach dem Willen des Führers, nach dem Willen des deutschen Volkes. das sich am 29. März in einer Einmütigkeit, wie sie in der jahrtausend alten Geschichte des deutschen Volkes einzigartig ist, hinter seinen Führer gestellt hat, stehen Deutschlands junge Söhne im grauen Waffenrock wieder an den alten historischen Stätten des Rheins. bereit, den Frieden zu sichern und das Vaterland zu schützen.— Unser Bild zeigt: Posten am Ehrenbreitstein. Riesengroß aber brach dann doch die Not herein Forchhammer litt sie mit. Es tat ihm unsagbar leid, diese stolzen, frohen Menschen am Leben verzweifelt zu sehen. Schwarze Truppen strömten unter der Trikolore ins Rheinland. Es folgte die Besetzung des Ruhrgebietes. Das Maß war voll. Da verlernten die Rheinländer ihr heiteres Lachen. Ballten in ohnmächtigem Zorn die Fäuste in den Taschen. Forchhammer sah die blaugrauen Poilus einrücken. Sie kamen feldmarschmäßig in ein friedliches, von Truppen völlig entblößtes Land. Mit Tanks, schwerer Artillerie, Kaval= lerie— lange Kolonnen stahlhelmbewehrter Burschen. Nein, munter sahen die Franzosen gewiß nicht aus. Schämten sie sich ihrer gar zu billig gewonnenen„victoire?“ Dem Dänen schien es so. In den rheinischen Städten schmetterten französische Clairons. Die Deutschen verhielten sich unheimlich ruhig. Ihre Läden blieben geschlossen. Die Poilus fühlten sich unbehaglich. Das waren ja tote Städte, in die sie kamen. Forchhammer kann diese Tage nie vergessen. Auch den alten, eisgrauen Major nicht, der im Kriege ein Bataillon an der Westfront führte. Als die Franzosen in die Heimat des Offiziers einrückten, knurrte der Alte:„Wir sagten einst: Gott strafe England! Das ist vergessen. Aber dies hier werden wir den Franzosen nie vergessen. Wir werden sie hinausschmeißen, und wenn wir eines Tages wie die Werwölfe mit Knüppeln oder bloßen Händen auf sie losgehen müßten!“ An diese Worte eines rheinischen Majors mußte Forchhammer denken, als Adolf Hitlers Soldaten unter dem Jubel der ganzen Bevölkerung wieder in die alten Garnisonen einzogen. Und er verstand die explosionsartige Begeisterung der Rheinländer, die seit 1918 keinen Feldgrauen mehr in ihren Mauern gesehen... Du stehst im lag... Du stehst im Tag... Und fühlst die Stunden rinnen Und hörst im Innern Deines Herzens Schlag.— Und weißt: Jetzt darfst du leben Eine Spanne Zeit... Doch wie viel Lust Und wie viel Leid Dir wird geschehn... Bis du wirst gehen Ins Meer der Ewigkeit— Das weißt du nicht... Du stehst nur stumm im Tag Und fühlst die Stunden rinnen Und hörst im Innern Deines Herzens Schlag. Matthäus Spotel das ihm Forchhammer anbot. Er lächelte nur und zeigte auf den Dampfer:„Hat mich gefreut. Herr, Sie hier'rumführen zu können. Gleich fährt Ihr Dampfer Wünsche gute Reise!“ Damit tippte er gelassen an seine Schirmmütze und ging seines Weges. Ein freundlicher Dickschädel, einer von den vielen, wie sie zu Hunderten im Rheinland herumlaufen. Rheinaufwärts ging die Fahrt. Hochsommerhitze lastete auf dem Deck des schmucken Dampfers. Eine Bordkapelle spielte die muntere Weise vom rheinischen Mädchen und rheinischen Wein. Junge strahlende Menschen saßen, festlich gekleidet, in Gruppen beeinander und genossen ihr Leben. Golden glänzte spritziger Wein in den Pokalen. Unmerklich lockerte er allen die Funge. Starke Liebe zur Heimat verströmte in leichtbeschwingten Melodien. Hier sang ein Volk, das singen muß, seiner Seligkeit bewußt. Und zwischen den jungen Menschen stand ein Däne und wunderte sich, wie schön deutsche Lieder aus jungen deutschen Kehlen klingen. Gewiß, es kamen auch trübe Tage. Auf Regen folgte Sonnenschein Aber Vater Rhein und seine Bewohner blieben sich im Urteil des Nordländers gleich. Gleich liebenswert und Freundschaft weckend. Und grollte Petrus einmal gehörig vom Himmel herab, jagten schwarze Wolken über den Strom, so daß er seine Wasser zornig gegen die Ufer warf. Die Rheinländer behielten ihre unverwüstliche Laune.„Es geht schon. Morgen scheint wieder die Sonne.“ Und am nächst.n Tage schien — Dunnerkiel!— tatsächlich die Sonne vom wolkenlosen rheinischen Himmel! OiO TOMGIDUPPO Z Naulanteiger fartamrop-Kauferund Eingebung Neue Folge der Heimatblätter tür Castrop- RauxeI und Umgebung Stautsrechtiiche Verrachtungen zar Bildung der Mitteistadt Eastrop=Rauzer.. geworden. Breite festgebaute Straßen mit langen Häuserreihen sind an die Stelle von schmalen Feldwegen gerreten, hohe Schornsteine und Fördertürme umsäumen den Herizont, und Straßenbahnen und Autobuslinien vermitteln den sehr lebhaft gewordenen Verkehr nach allen Himmelsrichtungen Man kann deshalb zwar nicht sagen, eine Stadt ist entstanden; denn das, was man in einer deutschen Stadt vor allem gewohnt ist zu finden, Geschichte, eigenes kulturelles Leben, einen mittslalterlichen Stadtkern, sind in Castrov=Raurel als Gesamtbild nicht da. Aber diese Dinge hatten auch die alten Städte nicht von Anjung an. In Castrov=Rauxel sind dagegen zwei andere Momente vorhanden, die das Werden einer neuen Stadt verkünden: eine zusammengehörige Bevölkerung und ein zusammengehöriges Gebiet. Das dritte Notwendige zur Bildung einer Gebietskörverschaft konnte nur durch Gesetz geschaffen werden, nämlich die zu gebietende einheitliche Gewalt. Das Gesetz hat sich dieser Notweadigkeit nicht verschlossen, es hat dem Gebiet und der Bevölkerung die einheitliche Gewalt gegeben und damit eine neue Stadt gegründet. Es kann keinen Grund geben, sich gegen eine derartige Zusammengemeindung zu sträuben. Industrie und Wirtschaft, Handel und Gewerbe waren mit der Bevölkerung so ineinander verwachsen, daß eine Trennung nur noch die Hoheitsverwaltung, das Gesetz, machte. Die Ueberleitungskommission Am 1. April 1926 trat Castrov=Rauxel ins Leben. Sämtliche Gemeindevertretungen waren mit dem 31. Märs 1926 abgetreten. Die Amtszeit der Ehrenbeamten, also auch die der unbesoldeten Magistratsmitglieder der Stadt Castrov, war bereits gemäß S 44 des Umgemeindungsgesetzes mit dem Inkrafttreten des betrefsenden Abschnittes des Gesetzes, am 2. März 1926, beendet. Die unbesoldeten Magistratsmitglieder der Stadt Castrov wurden vom Regierungspräsidenten nach dem gleichen obengenannten Gesetz bis zum 31. Märs 1926 zu Kommissaren für den alten Stadtbezirk Castrov bestellt und übten bis dahin die gleichen Funktionen aus wie bisher. Gleichzeitig hatte der Regierungspräsident gemäß der Ausführungsanweisung zum Umgemeindungsgesetz den Landrat des Landkreises Dortmund zum Kommissar und zum kommissarischen Polizeiverwalter für die neugebildete Stadt Castrov=Rauxel und die in Betracht kommenden Behördenleiter, das waren der Bürgermeister von Castrov und die Amtmänner von Rauxel. Bladenhorst und Mengede, zu Mitgliedern der nach den genannten Bestimmungen zu bildenden Kommission, deren Vorsitzender der Kommissar war, bestellt. Die Kommission nannte sich Ueberleitungskommission, ihr Vorsitzender Regierungskommissar, die Mitglieder zeichneten als „Der Regierungskommissar, J..“.. Ob es glücklich war, den Landrat des Landkreises, dessen Arbeitsseld 9 Landgemeinden entzogen wurden, zum Regierungskommissar und einen bei diesem Kreise angestellten jungen Regierungsassessor zu seinem Stellvertreter zu ernennen, darüber läßt sich streiten: denn es muß bedacht werden, daß der Kreis als solcher kein Aufsichtsrecht über die innere Stadtverwaltung hat. Nach der Ausführungsanweisung zum Umgemeindungsgesetz hatten zwar der Regierungskommissar und die Ueberleitungskommission bis zur Neuwahl der Gemeindeorgane deren Funktionen wahrzunehmen, doch sollte ihre Verwaltung vor allem darin bestehen, Vorarbeiten zu leisten für die Aufstellung des neuen Haushaltsplanes, für die Vornahme der Neuwahl der Vertretungskörverschaften, die Beschlußfassung über das neue Ortsrecht und die Neuregelung des Polizeirechtes und für die Regulierung des Beamten= und Angestelltenkörvers. Kommissar und Kommissionen haben sich denn auch vor allem mit diesen Aufgaben besaßt und sich im übrigen bemüht, in den sonstigen Arbeiten den neuen Körverschaften nicht allzu viel vorzugreisen. Die Wahrnehmung der Geschäfte des Stadtausschusses, an dessen Stelle ja in der kreisangehörigen Stadt der Magistrat tritt, ließen sie zum Beispiel ganz fallen. Nachdem die Ueberleitungskommission die Stadtverordnetenversammlung hatte wählen lassen, trat sie die der Stadtverordnetenversammlung zustehenden Kompetenzen an diese ab, und sie beendete ihre Tätigkeit schließlich ganz, als auch der Magistrat gewählt war. Ein staatsrechtlich sehr interessantes Gebilde, das die Geschicke der neuen Stadt von ihrer Gründung bis zur Bildung der städtischen Körverschaften leitete, hatte damit den Schauplatz verlassen. Das schnelle Ableben dieses=Männer=Kollegiums ist eigentlich zu bedauern. Die Ueberleitungskommission hat so gearbeitet, daß an ihm mit Ausnahme derer, die vielleicht gerade ein versönliches Interesse versochten, niemand Anstoß genommen haben wird. Das mag seinen Grund auch darin haben, daß ihre ganze Arbeit von vornherein nur auf einen kurzen Zeitraum beschränkt war und daher alle nicht sojort notwendigen und alle schwerwiegenden Beschlüsse zurückgestellt werden konnten. Eine solche Kommission hätte aber gans gewiß auch diese Beschlüsse zustande gebracht, ohne das Wohl der Stadt und ihrer Bewohner zu gejährden. In der jetzigen Stadt beschließen ja im Grunde genommen in den weitaus meisten Fällen und vor allem bei schwierigen Sachen auch nicht 42 Stadtverordnete, sondern jast immer 4 Parteien so. wie es der führende Kopf der einzelnen Partei will. Im Magistrat wird es nicht viel anders sein. Schließlich müßten es ja auch wirklich sonderbare Verwaltungen sein, deren Oberhäupter nicht imstande sind, die Beschlüsse von den Körverschaften so fassen zu lassen, wie sie gebraucht werden. Bei einer Beschlußfassung darf es eben nicht auf die Menge der Abstimmenden ankommen, sondern es muß der gesunde Menschenverstand maßgebend sein, den sich die einzelnen Führer des Volkes noch bewahrt haben. Aber wir leben im Zeitalter der Demokratie. Das Volk glaubt, eine auf möglichst breiter Grundlage gebildete Vertretung schafse bessere Lebensbedingungen. Das Volk will seine Vertretung haben. Es hat sie bekommen. Die Auserwählten machen von ihrem Rechte mitzureden, des öfteren in der Weise Gebrauch, daß sie vor allem bei Abstimmungen aus einer gewissen Geistesabwesenheit aufgestört werden müssen. Das kann ihnen nicht übelgenommen werden, denn es ist ganz unmöglich, daß sie in jede Materie so eindringen, wie es zu ihrer Beurteilung notwendig wäre. Sie sind letzten Endes gezwungen, das, was ihnen vorgetragen wird, als wahr hinzunehmen. Und das ist manchmal langweilig. (Fortsetzung folgt.) Mitteiniteriche Murtgemeinde Von Karl Schwerter Nachstehende Arbeit ist die staatsrechtliche Prüsungsarbeit eines hiesigen Schülers der Westfälischen Verwaltungsschule in Dortmund aus dem Januar 1927. Sie zeigt den umständlichen Werdegang des Eingemeindungsgesetzes, Zustände, mit denen der Nationalsozialismus gründlich Schluß gemacht hat. Sie führt in einige Probleme ein, zu denen zu sagen ist, daß den Wünschen des Verfassers auch erst durch den Nationalsozialismus Erfüllung gegeben wurde. Damals hat er sich wegen der recht offenen Sprache, deren er sich bediente und die vollkommen undemokratische Tendenzen vertrat, die Zensur verdorben. Zum letzten Abschnitt ist zu sagen, daß Castrop= Rauxel erst am 1. Avril 1928 kreisfrei, also selbständiger Stadtkreis, wurde. Das Zustandekommen des Gesetzes „Zu einer Stadtgemeinde Castrov=Rauxel im Landkreise Dortmund werden vereinigt:.,.,., usw.“. Das ist die Geburtssurkunde der Stadt Castrov=Rauxel, die das Preußische Staatsministerium mit dem Datum des 26. Februar 1926 versehen am 1. Märs 1926 veröffentlichte. Der Landtag hatte das Gesetz beschlossen Es war nicht so einsach gewesen, hin und her hatte der Kampf getobt zwischen den Anhängern eines großen Gesamtgebildes und denen, die aus den 10 Gemeinden zwei neue Gebietskörverschaften bilden wollten. Schon seit 1902, das ist seit der Aufteilung des Amtes Castrov in zwei Aemter und eine Stadt. machten sich Bestrebungen nach Grenzberichtigungen und Umgemeindungen bemerkbar. Seit 1920 wurden von den in Betracht kommenden Gemeinden nach und nach Beschlüsse gefaßt und Verträge geschlossen, die die Eingemeindung nach der Stadt Castrov zum Ziele hatten. Auch die Stadt Castrov und der Kreistag des Landkreises Dortmund saßten entsprechende Beschlüsse. 1923 kam die Ruhrbesetzung und mit ihr das Zurückstellen aller Eingemeindungswünsche hier in der Provinz sowohl als auch in Berlin beim Ministerium. Mittlerweile waren in die einzelnen Gemeindevarlamente neue Männer und neue Ansichten eingezogen. Die ehemals gefaßten Eingemeindungsbeschlüsse und Verträge wurden zum großen Teil wieder aufgehoben. Im Sommer 1925, nachdem die Franzosen den hiesigen Bezirk in etwa geräumt hatten, griff das Innenministerium die Angelegenheit erneut auf. Damit kam auch hier die Sache wieder ins Rollen, und die Gemeinden jaßten neue Beschlüsse. Neun von ihnen wollten nach Castrov, eine wollte nicht Noch bevor das Staatsministerium den Gesetzentwurf dem Staatsrat gemäß Artikel 40 der Preußischen Verfassung zur autachtlichen Aeußerung übersandt hatte, flatterten Denkschriften und Flugblätter auf die Tische der maßgebenden Persönlichkeiten: denn der Provinzialausschuß, von der Staatsregierung zur Abgabe eines Gutachtens über das Eingemeindungsproblem aufgesordert, hatte der Regierung die Bildung von zwei Gebietsteilen, einer vergrößerten Stadt Castrov und eines vergrößerten Amtes Rauxel, vorgeschlagen. Für die Verfechter eines einheitlichen neuen Gebietes galt es, das Zustandekommen eines solchen Gesetzes zu verhindern, oder doch wenigstens von Anfang an als Zwischenlösung hinzustellen. Ihre Arbeit wurde noch intensiver und iystematischer, als unterm 28. Oktober 1925 das Staatsministerium dem Staatsrat einen Gesetzentwurf zuleitete, der ebenfalls anstatt eines großen Gebildes zwei getrennte Gebietskörverschaften vorsah. Der Staatsrat konnte sich über die Frage, ob große Gesamtgebilde oder kleinere Einzelgebilde hier im Westen geschaffen werden müßten, nicht recht einigen: denn am 10. November beschloß der Gemeindeausschuß des Staatsrates, die vorgesehene neue Stadt Castrop und das neue Amt Rauxel zu einer Gemeinde zu vereinigen, und am nächsten Tage hob das Plenum des Staatsrates diesen Beschluß wieder auf. Staatsministerium und Staatsrat waren sich also letzten Endes einig. Die Gesetzesvorlage konnte so, wie sie war, dem Landtage zugeleitet werden, ohne daß eine abweichende Stellungnahme des Staatsrates noch hinzugedruckt werden mußte. Der Ausschuß des Landtages für Gemeindeangelegenheiten beschloß am 21. Januar 1926 die Schafjung des großen Projektes. Am 9. Februar endlich verabschiedete der Landtag das Gesetz, er stellte sich auf die Seite seines Gemeindeausschusses und schuf somit die Mittelstadt Castrov=Rauxel. Die Versechter großer Gedanken hatten also gesiegt. Die Ansichten über die Frage, ob große Gesamtgebilde oder kleine Einzelgebilde dem Lande und seinen Bewohnern zu Nutz und Frommen gereichen, müssen sich doch wohl in den letzten Jahrzehnten mit der Entwicklung der Industrie und Wirtschaft im hiesigen Bezirk zugunsten der großen Gebilde geändert haben Noch 1814 gab es eine Bürgermeisterei Castrov mit einem Flächeninhalt von 88110, Hektar Aus der Bürgermeisterei wurden einige Aemter, aus dem Amte Castrov wieder einige Acmier und eine Stadt Castrov, die nur noch 905 Hektar Flächeninhalt aufwies. Es mag sein, daß man damls die Stadt nicht so groß schaffen wollte, weil das Gebiet der Bürgermeisterei nur aus kleineren Ansicdlungen ohne verkehrstechnischen Zusammenhang bestand. Es wird mehr eine Ancinanderreihung von Grünflächen mit einigen Kirchdörfern und Bauernhösen gewesen sein. Jetzt ist es anders Bauern. Kötter und Leute ohne eigene Scholle. Auf märkischen Einzelhöfen saß ein Achtung gebietender Stamm freier Bauern. Ihr Pflugland überstieg nicht den Bedarf der eigenen Familie. In der Gesamtheit aber, in Sipve und Nachbarschaft, verfügten sie über weite Gebiete, die in ältester Zeit zwischen den Siedlungen unbebaut liegen blieben und von privateigenem Kulturland durchsetzt oder umsäumt waren. Das war die altgermanische Flurgemeinschaft,, in der jeder holzen, roden, weiden, jagen und sischen durfte. Später erforderte das gesteigerte Wachstum der Bevölkerung eine Schonung des gemeinsamen Grundvermögens. Es kam in die Verwaltung der Markgenossenschaft, einer rein wirtschaftlichen Körverschaft mit eigener Verfassung. Uneingeschränkte Nutzungen galten nicht mehr. Das Nießbrauchsrecht des Einzelnen richtete sich nach der Größe des Hofes und seinem wirtschaftlichen Bedürfnis. In der Weniger Mark, die mit 2000 Morgen Gemeinheitsgrund das Kirchdorf Wengern östlich bis südwestlich umfaßte, gab es 58 berechtigte Bauern. Sie waren die„gemeinen Erben“. Im Gegensatz zu den Köttern wurden sie auch Meistberechtigte genannt. Ihre gewöhnlichen Rechte bestanden in freier Holznutzung. Viehweide und Mast. Als eigentliche Verwalter der gemeinsamen Liegenschaft und Rechtsweiser beim Markgericht regelten sie durch Holzrichter und Geschworene das Maß der Einzelrechte und die Rodung. Persönlich eigene Wälder, Weiden und Wiesen waren nur in beschränktem Umsange vorhanden. Der normale Bedarf an Holz und Viehsutter konnte nur vom Gemeingute aus befriedigt werden. Die Genossenschaft setzte an die Stelle des ursprünglich freien Hiebes eine sparsame und haushälterische Holzentnahme. Die Kuhhude blieb ingerhalb des Markgebietes frei und durchgehend. Die Zahl der zur Mast zugelassenen Schweine richtete sich nach der Menge der Eicheln und Bucheckerg. Volle Mast gab es durchschnittlich alle acht Jahre Dann durste jeder Bauer so viele Borstenträger in die Mark eintreiben als sein Hof gestattete. Das Weistum als Grundgerüst des gesamten Markrechts bestimmte: „Ick Arndt Howarde, in der tydt ein Holtrichter der Wenger marck, stelle an dy Hartleff tho Elling= haußen, dattu wysest den gemeinen erven oer recht. Doe karde sick den vurb. Hartleff umb und beriet sick met den gemeinen erven, und quam weder int gerichte und wyste den vor der recht, wat ein ytlich erve hedde van schwynen ov veren trögen vor sunte Margreten, sollen sey dryven ov veren gewohnlichen scharkamp und laten dey scharen den seven geschwornen schernen.“ Einige Bauern verfügten noch über Erbgeschworenen:, Schuldschweins= und Hosesrechte. Die Geschworenen hatten die Mark zu verwahren. Dadurch, daß ihr Amt sich mit den Höfen forterbte, unterschieden sich die Erbgeschworenen von den aus Zeit gewählten Gemeingeschworenen. Der Erbgeschworene genoß jährlich eine Schweinsmast besonders. Schuldschweins= und Hosesrechte gestatteten, daß die als Erbzins an Adelige abzuliefernden Schweine und Ferkel frei in die Mark eingetrieben wurden. Rodungen hat die Markgemeinde nur in mäßigem Umsange betrieben, weil sie dem Grundsatz, daß das große Naturvermögen zusammengehalten werden müßte, widersprachen Nur dann wurde gerodet. wenn die Gewinnung neuen Ackerlandes für bereits ansässige Bauern nicht zu umgehen war, oder wenn es sich um die Ausscheidung von Sondereigentum handelte, wie es die Ansiedlung von Köttern mit sich brachte. Wahrscheinlich wurden die ersten Kotten zu einer Zeit errichtet, als die Markgenossenschaft schon einige Jahrhunderte bestand. Ihre Anlage war eine Folge der Bevölkerungszunahme und der dadurch notwendig gewordenen stärkeren Ausnutzung des Rodens. Die Kötter hatten ein Erbrecht an Haus. Garten und etwos Pflugland. Darum hießen sie Erbkötter. Weitere Anteile am genossenschaftlichen Gemeingute hatten sie zunächst nicht. Aus Vergünstigungen, die man ihnen gewährte, bildete sich schließlich ein Gewohnheitsrecht. Man hat sie dann als Markgenossen minderen Rechts anerkannt und ihre Nutzungen in das Weistum ausgenommen. Es berichtet: „Ock wyste deyselve Hartleiff vor recht den kottern. „dat sey mogen dryven ein schwyn, und wat „sey vor sunte Margreten selveß gewoed hebben, „dat sollen sey bringen ov den gewonliken „scharkamp und laten dat scharen. Und fort wyste „den vurb. Hartleyss den kottern oer recht in „dißer vurb. marcken, tho hawn erlen. „backen(Birken?) und tovorn sellpsfallen „holt, und et wer sake, dat sey wat behofften to „tymmern, dann sollen sey gam to den gemeinen „erven und gewen en to kennen, wat sey oen „dan wysen, dat sollen dey kotter hawen, und „anders nicht.“ Als 1772 die Weniger Mark aufgeteilt wurde, waren 46 Erbkötter in ihr berechtigt. Die Bestimmungen des Weistums konnten als Unterlage für das Maß ihres künftigen Eigentums nicht genügen. Die Daseinsmöglichkeit dieser Kleinhöfner hing davon ab, daß sie hinreichend Ackerland. Weide und Wald als Freibesitz bekamen. Das war auch die Meinung König Friedrichs II., der als Inhaber der obersten Forstgerichtsbarkeit und höchster Erbe der Mark ihre Austeilung besohlen hatte. Er wollte, „daß auf die Erhaltung dieser geringen Königlichen Untertanen ganz besonders zu sehen sei“. In langwierigen Verhandlungen mit den Meißbeerbten wurde erreicht, daß bei der Teilung das Kottrecht 2¾mal so hoch bewertet wurde, als ein Recht der Bauern, die je nach der Größe und dem wirtschaftlichen Bedürfnis ihrer Höse über 8 bis 32 gewöhnliche Rechte verjügten. Weit ungünstiger als die Erbkötter standen die seit dem 16. Jahrhundert in geringer Zahl vorhandenen Markkötter Ihnen jehtte das Merkmal der Erbkötter: sie hatten kein Erbrecht. Zu ihren Wohnhäusern gehörte nur wenig Land, das zwar von der Genossenschaft gepachtet war, zu weiteren Marknutzungen aber nicht berechtigte. Sie waren durchweg Tagelöhner, die durch Arbeit bei den Bauern oder als Holzhauer und Knechte der Markgemeinde ein leidliches Auskommen hatten. In die Reihe der Nichtberechtigten gehörten auch die Einwohner, die auf Bauernhösen als Mieter im„Backs“ wohnten. Gleich den Markkötter genossen sie kleine Vergünstigungen aus der Mark. Dafür waron sie Mitträger aller vorfallenden Gemeinheitslasten. zahlten ihre Markensteuer und halsen beim Pilanzen von Eichen= und Buchenhestern. Bei der Markenteilung baten sie um Berücksichtigung ihrer Notlage. Sie könnten nicht ein einziges Jahr ohne den geringen, für sie aber unentbehrlichen„Markenfreiheitsnutzen" bestehen. Ihr Bitten war umsonst. Nach erfolgter Gemeinheitsteilung gelang einigen dieser besitzlosen Familien ein bescheidener Ausstieg. Sie errichteten auf ehemaligem Markengrunde Erbpachtkotten. Grund und Boden überließen ihnen die Bauern, die durch die Austeilung einen erheblichen Zuwachs an lastenfreiem Besitz erhalten hatten. gegen eine geringe Entschädigung. So vererbpachtete im Jahr 1803 Johann Heinrich Peters zu Albringhausen einen ihm bei der Teilung der Weniger Mark zugefallenen Buschgrund an Henrich Kasper Kiekuth. Er durfte roden und ein Haus bauen, mußte an Erbpacht jährlich zahlen 14 Reichstaler Frankfurter Kurs, in der Erntezeit zwei Mähtage bei Peters arbeiten und jedes Jahr Weihnachten einen Weizenplatz von 15 Stübern liefern.— Auch die Erbpachtkotten, die keine Beziehungen zur Markgemeinde mehr gehabt haben, sind heute freies Eigentum ihrer Besitzer. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden mit Rentenbankhilfe die Jahresleistungen an Bauern abgelöst. Leider haben diejenigen, die es anging. vor vollzogener Gemeinheitsteilung nicht über die wirtschaftliche, soziale und volkstümliche Bedeutung der Markgenossenschaft nachgedacht. Für Bauern und Erbkötter war der künftige Alleinbesitz so verlockend, daß sie mit keinem Wort auf den Rückhalt hinwiesen, den sie selbst und ihre Vorjahren Jahrhunderte hindurch an ihr gehabt hatten. Ernsthafte Einsprüche kamen nur von den Nichtberechtigten. Ihre Sorgen wurden gegenstandslos, als die zunehmende Entwicklung von Bergbau und Industrie ihnen Arbeit und Brot brachte. Viele blieben Generationen hindurch bis heute landverbunden und seßhaft auf heimatlicher Scholle, sei es in„Bäcksen“, der Bauern oder in Heimstätten neuerer Zeit. Sie sind heute noch, was sie immer waren: Gleich Bauern und Erbköttern ein Achtung gebietender Stamm tüchtiger und wertvoller Volksgenossen. . D e r P a l m s o n n t a g, d e r a n d e n s e i e r l i c h e n E i n z u g Jesu in Jerusalem erinnert, gab früher in manchen Orten Westfalens Anlaß zu den Eselsfesten, an denen jeder teilzunehmen hatte. Da wurde eine auf Rollen lausende Eselsfigur auf die eine Pupve gesetzt war, durch die Kirche auf den Kirchhoi geführt Dann Jog die„Eselsprozession" durch die Stadt oder das Dorf. während das umherstehende Volk das rer glorige sang. Innen waren die Palmesel hohl und mit gefärbten Ottereiern gefüllt, die nachher als geweihte Eier verkauft oder verschenkt wurden. Diese Umzüge sind heidnischen Ursprungs und erinnern an die Zeit. da man die von der Hausirau sorgsam gesammelten Wintereier als Sinnbild des verborgen keimenden Lebens als Siegespreis verteilte, dem aus dem Kampfe mit dem grimmen Winter= und Reifriesen siegreich heimkehrenden Lenz zu Ehren. Wer ein Gesicht macht wie ein Palmesei, hat nach altem Wort die Klugheit mit Lösseln gegessen, aber es sind Schaumlössel gewesen, durch die vorher alles durchläuft. Abraham a Santa Clara(Ulrich Megerle) meint:„Die Rechtlichkeit und der Palmesel kommen jährlich nur einmal aus Licht“. Sonst heißt es wohl:„Ei ist ein Bagant(Stromer) wie der Palmesel, der sich im Jahre nur einmal sehen läßzt“„Mit dem Palmesel ein Privilegium halten“ sagte man wohl von einem Menschen, der sich nur selten in der Kirche sehen läßt. Gun, ein Mongokenschimmer Reisebeief aus der Cobi on Josepk Velter Zwei Tage, nachdem wir Ulan Bator Choto, die einstmals„heilige Stadt“ Urga, auf dem Karawanenweg nach den Boroktschibergen verlassen hatten, wo wir auf Dieren=Antilopen uud Kulane jagen wollten, stießen wir kurz hinter den Filzjurten des Urtuns Dolon auf einen einzelnen Reiter, der uns im Sattel seines Schimmels erwartete wohl um auf dem eintönigen und durch seine Banditengefahr berüchtigten Wege nach dem Süden Gesellschaft und Schutz zu genießen.... Der Reiter war ein etwa dreißigjähriger Mongole mit einem ungewöhnlich klugen und entschlossenen Gesicht, in dem ein Paar dunkle, bewegliche Augen leuchteten. Im Gürtel steckte eine schwere Pistole, anscheinend amerikanischen Ursprunges Jetzt, da wr uns dem Unbekannten genähert hatten, machte er uns weit weniger den Eindruck, als ob er schutzbedürftig sei. Er begrüßte uns mit einem selbstbewußten Lächeln, wandte aber schnell den Blick von meinem Gefährten Imquill und mir ab und musterte mit sichtlicher Teilnahme unsere Pferde. „Herrliche Tiere, Ihr Edelgeborenen!“ meinte er dann, nicht im geringsten bemüht, seine Begeisterung zu dämpfen.„Sind sie nicht verkäuflich?" Nein, wir dachten nicht daran, die Pferde herzugeben. In Kalgan hatten wir sie gekauft, hochgezüchtete Renner, die mit Turkmenenblut gekreuzt waren. Sie hatten uns schon durch die östliche Gobi getragen, harte, ausdauernde Tiere, in deren Sattel wir uns vor allen Verfolgungen sicher fühlen durften. Welche Greuelgeschichten hatten uns nicht Imquills Landsleute von der British American Tobacco in Kalgan von den schweifenden Näuberbanden erzählt, die unter ihrem brutalen Führer Tugun=Sere das ganze Land verheeren sollten. Unsere braven Turkmenen aber waren mit uns durch alle Fährnisse gegangen. Nur ein einzigesmal schien es uns, als ob wir verfolgt würden; da legten wir einen verschärften Jagdgalopp ein, und die Verfolger blieben mit ihren kleinen, struppigen Mongolenpferdchen hoffnungslos zurück, ohne daß unsere Tiere auch nur warm unter dem Sattel geworden wären. Nein, diese Pferde, von deren Ausdauer und Schnelligkeit unser Leben abhängen konnte, waren um keinen Preis verkäuflich. Der Mongole schwieg enttäuscht und wandte sein Pferdchen, trabte neben uns her. Wohin denn die Reise gehe, erkundigte er sich eine Weile später Imquills Augen streiften mich mit einem schnellen, huschenden Blick.„Nicht weit“, gab er dann Bescheid.„Wir wollten in der Gegend von Naran auf Kulane jagen. Die gibt es dort wohl?“ „Gewiß, gewiß“, beeilte sich der Fremde zu antworten.„Gerade Naran ist ein sehr guter Platz.“ Ich weiß nicht, was es war, das mich an dieser allzu geflissentlichen Zustimmung störte; jedenfalls hatte ich plötzlich den Eindruck, als liege dem Mongolen daran, uns nur ja in Naran festzuhalten. Ob es überhaupt Kulane dort gab? Ueberzeugt war ich nicht. Rings um uns dehnte sich wie ein wellig bewegtes Meer der graugelbe Sand, der rote Kies der Gobi, eine seit Jahrtausenden schon erstorbene Welt, in der nur noch der schneidend kalte Ostwind lebendig war. Braune Charmyksträucher und Dyrisugräser sproßten hier und dort. Das Gudschir, das ausgeschwitzte Salz der Wüste, glitzerte. Fern erhoben zur Rechten ein paar Kugelakazien ihre kümmerlichen Kronen. Wieder warf Imquill mir einen kurzen Blick zu. Er schob die Augenbrauen ein wenig hoch.„Ich denke, wir legen einen Galopp ein, meinte er scheinbar gleichmütig. Ich stimmte zu. Wir gaben den Pferden die Sporen. Wochenlang hatten sie in Ulan Bator gefaulenzt. Jetzt schossen sie mit einem grunzenden Wonnelaut davon. Mochte der Mongole nur sehen, was alles in diesen Rennern steckte und wo er mit seinem Schimmelchen blieb. Die Muskeln und Sehnen unserer Tiece spielten, ihre Hufe pochten in rasendem Takt. Die Straße flog unter uns hinweg. Was aber war das? Neben uns blitzte es immer noch weiß=silbern, kleine Hufe wirbelten, eine schneeige Mähne flog. Mit weitgeöffneten, rosafarbigen Nüstern stob des Mongolen Schimmel dahin. Nicht um eine Nasenlänge blieb er zurück. Sein schlanker Leib zog sich blitzschnell zusammen, schnellte wie von einer ungeheuren Stahlfeder getrieben nach vorn. In seinem Holzsattel saß der Reiter gleichmütigen Gesichts. Nachlässig nur schienen seine Hände die Zügel zu halten. Wir verstärkten die Hilfen. Weiter, schnelEin WiedersehenSkizze von Harry Schütt Die Begegnung erfolgte ganz plötzlich und unerwartet. Nissen hatte seine Einkäufe beendet und ging mit dem langsam schlendernden Schritt der Menschen, die Zeit haben, durch die Verkaufsstände im Erdgeschoß des Kaufhauses. Als er am Kurzwarenlager vorüberkam, erblickte er Kate Rothecker. Sie stand, den Kopf mit dem kurzverschnittenen blonden Haar über den Verkaufstisch gebeugt, und strich mit ihren Händen irgendetwas aus Seide glatt. Er stellte mit Erstaunen fest, daß ihn der gefürchtete Augenblick, vor dem er zehn Jahre gezittert, der ihn in unzähligen qualvollen Träumen beunruhigt hatte, fast nicht erregte. Sein Herz schlug nicht schneller als gewöhnlich. Er wurde weder rot noch blaß. Er chreckte nur ein wenig zusammen und hatte jenes peinliche, beschämende Gefühl eines Schuldners, der mit leeren Händen unerwartet vor seinen Gläubiger gestellt wird; ein böswilliger Schuldner, der am Tage des Zahlungstermins feige die Flucht ergriff und hinterher brieflich sein Verhalten durch allerlei tönende Worte zu beschönigen versuchte.. Wie schön sie geworden ist, dachte er und weidete sich an dem Anblick ihres Gesichts, das reifer, wissender geworden und doch noch immer den Zauber des Keuschen, Unberührten ausstrahlte, der ihn einst so entzückt hatte. Das waren die alten, treuherzig blickenden Augen, die seinetwegen so viel geweint, die etwas eigenwillig nach oben strebende kleine Stupsnase, ihre feinen weichen Hände, weiß und durchsichtig. Sie sind noch weißer Indianergeschichten- unverfälscht Von Thomas Gerard Nacherzählungen indianischer Anekdoten sind die folgenden Geschichtchen, die so köstlich das Urteil des Roten Mannes über den Weißen wiedergeben.— Westlich von Puerto Sastre, im tiefsten Urwald des Chaco, begegnete der Forscher den Tumerehas etwa dreihundert Familien, dem letzten Rest eines stolzen Indianervolkes. das weder den Paraguayern noch den Bolivianern zugerechnet werden will. Epidemien wüten unter den Tumerehas, bald wird nur die Sage von diesen Naturkindern berichten... Unter der Stachelpalme fand ein Weißer vier Papageienfedeen. Er steckte die rote in sein Kopfhaar, die grüne in den Mund, die blaue und die gelbe trug er zwischen den Fingern der linken und rechten Hand. Als er so vor„Oieta“, den Häuptling, trat, sagte dieser:„Jetzt zerquetsche noch den Samen des Uruku=Strauches und färbe dein Gesicht rot, dann bist du ein Indlaner wie wir!“ Da ließ der Weiße die Federn sinken, wahrscheinlich, weil er sich fürchtete, wie alle Tumerehas in Zeiten der Not, auch Schlangen essen zu müssen! „Was ist des?“ fragte der Weiße „Eine Flöte!“ „Woraus schnitzt ihr sie?“ „Aus der Frau!“ Der Weiße schüttelte den Kopf, er wußte nicht, daß man mit den Tönen aus dem Unterarmknochen der verstorbenen Mutter„Woboro“, den Waldgeist im Jaguarfell, vertreiben muß! Zu einem Weißen, dessen Wohlstand den Tumerehas kein Geheimnis war, kam Sauna: „Kann ich dir aus deinen Felvern helfen, Bohnenstauden zu pflanzen?“ „Ja!“ Nach einem Monat gab es keinen Lohn. Nach zwei Monaten gab es keinen Lohn! Nach drei Monaten gab es keinen Lohn! Sauna murrte nicht; er lief schnellfüßig wie der Hirich bis an den Wald zurück in das Lager seiner Brüder. Sauna sprach:„Der Weiße, dem ich diente, ist so arm wie wir. Nur weil er so dumm war, mir es nicht zu sagen, bin ich heimlich fortgegangen!“ Ein Weißer sagte zu einem Tumereha:„Gib mir kein Gürteltier zu essen!“ Da brachte der Tumereha die Eidechse. „Sie schmeckt nicht!“ „Willst du Algarrobo?"(Johannesbrotfrucht). „Nein!“ Da nahm der Tumereha die Schwertkeule und schlug einen Hirsch „Du mußt ihn erst bruten!“ „Es geht nicht ohne Feuer!“ „Das weiß ich!“ Da lachte der Tumereha, weil der Weiße wußte, daß ohne Feuer kein Hirsch gebraten werden kann! * „Schenke mir dein Farbrohr!(deinen Tintenstift)“, sagte der Tumereha zu dem Weißen. „Was willst du damit?“ „Das Gesicht schmücken!" „Es wird dich sehr brennen!“ Der Tumereha spuckte vor Zorn nur kräftig aus, weil der Weiße keine Ahnung hatte, daß Farbe wie heiße Asche auf dem Körper brennen muß, wenn sie den Krieger am Anapösöfest(Maskenfest der Männer, um die Frauen zu erschrecken) schmücken soll! * Ein Weißer hatte sich im Urwald verirrt und schrie um Hilfe. Gleich kamen drei Tumerehas des Pfad entlang. „Habt ihr meine Rufe vernommen?“ „Nein!“ „Wie konntet ihr mich denn finden?" Da schwiegen die Tumerehas so lange, bis der Erschöpfte sich ein wenig erholt hatte. Dann sagten sie:„Es ist der Kuhgeruch, der euch Weiße verrät!“ „Gibt es bei euch Weißen hinter dem grosen Wasser den Mond?“ „Ja!“ „Warum kommt ihr dann zu uns?“ „Weil wir euch sehen möchten!“ „Aber der Mond sieht uns! Wenn wir st.: ben wollen, sprechen wir nur mit ihm!“ geworden, fand er, und fühlte nicht, daß er einen unmöglichen Begriff konstruierte. Nissen starrte die einstige Geliebte so fest an, daß seine Augen schmerzten und den normalen Maßstab für Entfernungen, Menschen und Dinge im Raum verloren. Kate Rotheckers Gesicht büßte allmählich die dreidimensionale Körperhaftigkeit ein und schien wie eine Scheibe in weiter Ferne frei im Raum zu schweben. Als er mit einer Handbewegung den Schleier vor seinen Augen zerwischte, sah sie auf und erkannte ihn. In ihr Gesicht trat der erschreckte, hilflose Ausdruck eines Kindes, das zwischen Weinen und Lachen schwebt. Ihr Mund öffnete sich, als wenn er schreien wollte. Nissen drehte sich feige herum und floh zum zweitenmal. Er fühlte, wie ihre Blicke ihm folgten. Der Fußboden schien auf seine Fußsohlen eine saugende Wirkung auszuüben, seine Füße wurden schwer, bleiern. Sein Gang bekam das Schwerfällig=Tapsende eines Paßgängers. Er gelangte mühsam zum Fahrstuhl, wischte sich den Schweiß von der Stirn und betrat aufatmend die zweite Etage. Er begab sich in den Erfrischungsraum, bestellte eine Tasse Kaffee und trank ihn in Gedanken ohne Milch und Zucker. Er versuchte Ordnung zu bringen in das Chaos seiner Empfindungen und verstrickte sich immer mehr in ein Dickicht von Gefühlen, aus dem er keinen Ausweg fand. Er fühlte einen bitteren Geschmack auf der Zunge und versuchte vergebens zu ergründen, ob die Bitterkeit vom Kaffee herrührte oder von der Erkenntnis seiner Unfähigkeit, irgendwie an Kate Rothecker seine Schuld zu bezahlen. Wenn ich reich wäre, dachte er, und empfand nur dunkel das Beschämende, das in dem Gedanken lag, Kate Rothecker Geld zu geben. Geld, schmutziges Geld für ihre zu allen Opfern bereite, treue Liebe. Kate Rothecker brauchte kein Geld. Kate Rothecker stand fest mit beiden Füßen im Leben. Das neunzehnjährige, unerfahrene und vertrauensselige Mädchen, das ihn vor zehn Jahren mit der rührend scheuen, ehrfürchtigen Liebe, die ihre erste war, beglückt hatte, existierte nicht mehr; die da unten stand, war ein durch die Bitternisse des Lebens gereiftes und geläutertes Weib, das wahrscheinlich keinen Werte mehr legte auf die Einlösung des Eheversprechens durch den Elektromonteur Werner Nissen, dessen Charakter sie erkannt hatte. Ganz plötzlich empfand er das Bedürfnis, sich irgendwie vor ihr zu demütigen, ihr Genugtuung in irgendeiner Form zu geben, zu erfahren, wie es ihr ergangen. Vielleicht war sie längst glücklich verheiratet. Nissen stieg die Treppen hinunter und näherte sich dem Verkaufsstand Kate Rotheckers. In einem Augenblick, da sie unbeschäftigt war, trat er zu ihr. Er versuchte, den alten, herzlichen Ton früherer Tage in seine Stimme zu legen, als er fragte:„Wie geht es dir, Kate? Bist du verheiratet? Bist du glücklich?“ Das Gesicht Kate Rotheckers, das er in allen Gefühlsphasen gesehen, in Freud und Leid, in Lust und Schmerz, nahm einen Ausdruck an, den er darin nicht kannte, den des Stolzes, und der Mund, der ihm einst zärtliche Koseworte zugeflüstert, verzog sich zu einer kalten, herben, unpersönlichen Höflichkeit.„Ich bin nicht verpflichtet, über mein Privatleben und meine Gefühle Auskunft zu geben. Bitte, womit kann ich Ihnen dienen?“ „Danke!“ sagte Rissen, lüftete den Hut und ging. „Welche winzig kleine Rache für all den Gram und das Leid“, dachte Kate Rothecker und löste die nervös ineinander verkrampften Hände. „Was haben Sie, Kate?“ fragte die Kolleain.„Wer war dieser Mann?“ Kate Rotheckers Augen blinzelten vor sich uf den Tisch, auf dem noch eben Nissens dand geruht hatte, die Hand, an deren Rinafinger sie den Ehering gesehen. „Ein Halunke“, sagte sie mit einer erkünstelten ruhigen Stimme, die über den Aufruhr in ihrem Innern hinwegtäuschen sollte. ler noch griffen unsere Renner aus. Mit nachsichtig überlegenem Lächeln blickte ich jetzt wieder nach dem Mongolen. Aber zum Teufel er blieb ja immer noch nicht zurück. In unfaßlich rasendem Wirbel trommelten die Hufe seines Schimmels die Erde, weitgeöffnet waren die rosa Rüstern, ruhig und gleichmäßig aber ging der Atem des Pferdes. Da parierte Imquill seinen Braunen durch, brach fassungslos vor Staunen das Rennen ab. „Menschenkind, du reitest das beste Pferd der Mongolei!“ rief er hingerissen dem Mongolen zu. „Es ist, wie du sagst, Edelgeborener“, nickte der Unbekannte gelassen. Jetzt erst sahen wir uns den Schimmel richtig an. Vorher hatten wir ihn gar nicht beachtet. Wahrhaftig, ein herrlicheres gebautes Tier hatte ich noch nicht gesehen. Welch tiefe Brust, welche Schultern! Muskeln und Sehnen die Beine, glasklar, ohne Fehl, mit eisenharten Hufen. Vollendet die Kruppe. Und welch kluge Augen, wie lebendig das Spiel der kleinen Ohren! Der Hengst bebte förmlich vor Leben und Feuer. „Nur ein Pferd gab es“, hob der Mongole wieder zu sprechen an,„ein einziges, das mit diesem Schimmel zu vergleichen war. Vier Jahre lang wurde es von keinem anderen Pferd geschlagen. Es war mein Hengst Gun. Das einzige Pferd, das ihn besiegte, ist dieser Schimmel, der Sohn Guns.“ Ich sah, daß Imquill bei diesen Worten auffuhr, etwas hervorstoßen wollte, plötzlich aber entspannten sich seine Mienen wieder.„Nun, was ist aus Gun geworden?“ fragte er und lächelte ein wenig angestrengt. „Ich habe ihn nach dem Rennen erschossen“, gab der Mongole zurück, und in seinen dunklen Augen war ein hartes, ja grausames Licht. „Erschossen?!“ „Gewiß“, bemerkte der Fremde gleichmütig. „Ich konnte den Kummer Guns darüber nicht mit ansehen, daß er das Rennen verloren hatte. Er wäre auch nie wieder in Form gekommen, die Niederlage hatte ihm das Herz gebrochen.“— Schweigend ritten wir weiter. Als wir wenige Stunden später die Jurten des Dschir. galanty=Urtuns erreichten, verabschiedete sich der Unbekannte von uns. Er habe hier zu tun, werde hier übernachten. Wir ritten nach kurzer Rast weiter. „Weißt du, wer dieser Fremde war?“ erkundigte sich Imquill, kaum daß der Urtun hinter uns lag. Er blickte mit einem sonderbaren Ausdruck unruhig zu mir hinüber. „Nun, ich will es dir gleich sagen, du errätst es doch nicht: Es war Tugun=Sere, der Herr der Banditen!" Ich fuhr auf.„Wie kommst du auf einen solchen Gedanken?“ Und nun erzählte Imquill mir, daß er sich varher schon beinahe verraten hätte.„Die Geschichte Guns nämlich kannte ich schon von Kalgan her. In der British American Tobacco=Co hatten meine Freunde sie mir erzählt, als ich vor ihnen die Unbesiegbarkeit unserer Pferde pries. Du weißt, wie inständig sie uns vor Tugun=Sere und seinen Banden warnten. Da war es, daß sie mir erklärten, ein Pferd gebe es, das unsere Renner schlage, das sei der Sohn Guns, den sein Herr, eben Tugun=Sere, nach dem Rennen erschossen habe...“ So wie an diesem Tage galoppierten unsere Pferde nie wieder. Ob Tugun=Sere uns indes folgte, ich weiß es nicht. Wir hörten nie wieder von ihm. Die Dseren=Antilopen und Kulane am Rande der Boroktschiberge allerdings, auf die zu jagen wir ausgezogen waren, leben heute noch. Neues LebenIch hab mein Herz zurückgeschenkt Dem Himmel und der weiten Welt! Nun bin ich neu erwacht und atme Selig eingeschlossen in dem heil'gen Fließen, Das leise zwischen Tag und Abend webt Und in den Nächten hin zum Morgen lebt. Das in der Winde wildem Jauchzen weint, Das in der Sonne goldnem Lichte scheint, Das in der Nimmerruhe jeden Baches singt, Das aus dem Lachen jedes Kindes klingt, Das irgendwann aus Gottes Fernen kam Und ohne Ende ist— und schwer und wunder. sam. Und Baum und Bach sind meine Brüder. Die ganze weite, lichte Wunderwelt Ist Schwester mir— und ist wie ich Aus ewigem Geheimnis irgendwo geboren Und ohne Selbst dem Göttlichen verloren. Das jeden Atemzuges erster Anfang ist. Paula Stber v. Groote 0— Der erste Schritt Die Mütter werden sich bemühen, die Kräfte in ihrem Kinde zu wecken, die lebensbejahend 8.. und wertvoll sind. Die Schule hilft ihnen ins Teven dabei, und das Bestreben, daß Lehrer und Eltern Hand in Hand arbeiten, ist zu begrüDas Kind muß Selbstvertrauen haben ßen. In gegenseitiger Unterstützung werden Tühlung zwischen Tehrer und Eltern sie zu der richtigen Beurteilung des Kindes Ein sanderer Auzug Von Oise Lensch kommen. Die Mütter sollen daher keine GeS4 a a legenheit, die ihnen die Schule zur FühlungGanze Scharen von Knaben und Mädchen nahme mit den Lehrern bietet, vorübergehen stehen bereit, in die Schulen einzutreten. Für lassen. Sie sollen sich auch möglichst selber die Mutter ist dieser Tag von ebenso großer ein Urteil über die Klassengefährten ihres Bedeutung wie für die kleinen Schulanwär: Kindes bilden, indem sie diese kennenzulernen ter, denn während sie bisher den allergrößten versuchen. Sie sollen ihrem Kinde die MögEinfluß auf das Kind hatte, werden jetzt neue lichkeit geben, auch zu Hause mit den KlassenEindrücke von außen kommen, und sie wird freunden zu spielen. vielleicht ein wenig das Gefühl haben, als Was den Anzug betrifft, so soll, das Kind würde ihr das Kind weggenommen. Aber als zweckmäßig und nett angezogen sein. Ein vernünftige Frau wird sie über diese Emp= Kind herauszuputzen, so daß es auffällt, ist findungen hingegkonmen und sch im Gegen; unangebragsu Sensaie dob jg3. teil freuen, daß ihr Kind nun so weit herangewachsen ist, daß es beginnen kann, zu lerunangebracht. Sondern es soll immer als Glied einer Gemeinschaft wirken, und wenn gewachsen ist, daßges beginnen kann, zu er man in dem kleinen Knaben oder Mädchen nen und„seinen Mann zu stehen". Glücklich einen Ehrgeiz wecken soll, so ist es der, stets sind die Kinder, die bei ihrer Mutter Ver= der unverbrüchlich gute und verläßliche Kamerad seiner Schulgenossen zu werden. Wer und Sorgen finden, die die Schulzeit an sich darauf einstellt, der wird selber im Leben heranträgt,— und es sind in den Augen niemals verlassen sein. Freundschaften wollen gepflegt sein! Die liebste Beschäftigung unseres Jüngsten Vom Wert der(Mlilch Nahrhaftestes Getränk in verschiedener Form— Milch in der Schönheitspflege Milch, gute Zähne! Viel sind die Kinder, die bei ihrer Mutter Verständnis und Teilnahme für alle kleinen Freuden sie heranträgt, des Kindes ja sicherlich keine„kleinen“ Freuden und Sorgen! Die ersten Freundschaften werden geschlossen,— die meisten Kinder verständigen sich untereinander beneidenswert rasch,— und erst im Kreise der Gleichaltrigen wird die Mutter ihr eigenes Kind ganz richtig kennen lernen. Besonders, wenn es keine Geschwister hat und nur unter Erwachsenen aufwuchs. Die Lage eines solchen Einkindes ist auf jeden Fall schwieriger als die jedes sie die Kinderschuhe abgestreift haben, nicht sonders anregend schmeckt ein Glas warme anderen Kinndes, weil man im Geschwitzer; mehr gern Milch trinken. Vielleicht, weil sie Milch, das man mit einem Eigelb verquirlt. kreise man Glüalich das Rind, das die gute Mitte zwischen Schüchternheit und Großmäuligkeit innehält! Hier kann die Mutter sicherlich dazu beitragen, diese gute Mitte zu finden. Allzu schüchtern zu sein, ist für das Leben vollkom= zeit erleben wird. In London sind zahlreiche Kinder, sondern fast aller Menschen gehören. men falsch. Das Kind muß durch Erziehung Läden eröffnet worden, die man sehr ge Ein ebenfalls empfehlenswertes Getränk für gewöhnt werden, daß es sich selber et. TrigZyall eingerichtet hat und in denen das Kinder ist, die Milch mit einem Eigelb zu verPublikum darüber belehrt wird, wieviele wohl- quirlen und etwas Schokolade dazu zu tun. schmeckende Getränke sich aus kalter oder hei(Scherl—.) Vielfach findet man, daß Menschen, sobald Milch nicht zum Kochen kommen lassen. Betrinken, bis in ihr hohes Alter gute Zähne behalten zebenso ist das Haar der regelmäßigen Milchtrinker auffallend schön, da durch die Milch dem Körper die Stoffe zugeführt werden, die er zur Bildung von Zahn und Haar braucht. Aus diesem Grunde ist Milch auch ein besonders wichtiges Getränk für die werdende Mutter. H. R. anderen Kinndes,„weil man im Geschwister, mehr gern Milch trinken. Vielleicht, weil sie Milch, das man mit einem Eigelb verquirlt, treise gaz selbstverständlich lernt, welchen von allzu viel bekommen haben; sie nehmen meist worauf man etwas Sherry oder Kognak und Wie stellt man Juckerguß her? Glötlich das Kind. dos die aute Di, zwi. se zm ührsee ade dalfe Milch=Zeland, Zen Pisch haben, beiommt man meit hoin. Tiele Torten und Gebäcke bekomnen das daran geunhe, zingg# schmaakvou eingerichter hat und in denen das was zutraut, nur dann wird es eines Tages Publikum darüber belehrt wird, wieviele wohldas Leben meistern können.— Auf der anderen Seite ist ein sehr rechthaberisches, tyrannisches als übergroße muß beizeiten mit es sich bei seinen Schulkameraden nicht Hstas,# unnötig unbeliebt macht. beitende ist. Dickmilch in jeder Form ist für den Orgaguten Guß. Gebäck bestreirührt und so dick sein, daß man Ringe damit bilden kann, die nicht sofort wieder verlaufen. Man rührt den Puderzucker am besten statt mit Wasser mit Zitronensaft an, dann wird er glänzend. Will man aber einen Rumguß herstellen, so nimmt man zum Anrühren des Puderzuckers Wasser und schmeckt die Masse dann Rum ab. Schokoladenguß gerät am wenn man Ueberzugschokolade im Wasserbade auflöst und ihr einen Eßlöffel Wir wissen von der schönen Königin KleoDie Schulzeit kann für das Kind etwas Es wird als praktisch bezeichnet, an Stelle patra, daß sie in Milch badete, und diesem aufgelöstes Kokosfett zusetzt. Man trägt den ehr Köstliches sein wenn die Lehrer die kind= einer umfangreichen Mahlzeit in der Mitte Hwittel mird gin großer Lei ihrer Schönheit Schokoladenguß dann in der gewünschten würde für * ünsere Begriffe zu kostspielig sein, wohl aber Gladlicherweise sind gerabe die Lehrrichnm„ 154 un tann man die Grsichtshaut mit Milch behanden Grundklassen meist selber ganz frische, unserer Weiterarbeit nicht stört. deln. Am besten ist es, einen dicken Brei aus unverbrauchte, junge Menschen, die mit der Im Zusammenhang mit der Milch ist auf Hafermehl und Milch anzurühren und diesehr kostliches sein, wenn vie Lehreg die tinde einnt umunh###; ggggerz n e:.— Mittel wird ein großer Leil ihrer liche Natur verstehen und ihm die Dinge, die des Arbeitstages ein Milchgetränk einzufüh zugeschrieben. So ein Milchbad w es lernen soll, auf richtige Weise nahebringen, ren, das den gleichen Nährwert hat wie unsere Begriffe zu kostspielig sein, w Glücklicherweise sind gerade die Lehrkräfte in schwer verdauliche Nahrung, uns aber in kang man die Gesichtshaut mit MilDicke auf. Kleine(Winke Wenn man Fleisch durch die Hackmaschine nötigen Lust und Liebe an ihre Aufgabe her= den Wert der Hefe hinzuweisen. Gerade jetzt sen dem Gesicht aufzulegen. Man wird sich gehen läßt, soll man vorher und hinterher angehen, und könnte es eine schönere Auf= im Frühling sollte man täglich etwas frische nach Entfernung dieser„Maske“, die so lange immer etwas hartes Brot durchdrehen; das gabe geben, als die ersten tastenden Schritte Hefe genießen. Man löse diese frische Hefe in darauf bleiben muß, bis sie getrocknet ist, er= reinigt und trocknet die Maschine.— Wenn des Kindes in das Land des Wissens zu be; heißer Milch auf und kann seinem Körper frischt und verjüngt fühlen. Ruß auf einen Leppich fällt, so bestreut man obachten, zu leiten und zu unterstützen? Viel kaum etwas Besseres zuführen als dieses Ge= Im Sommer, wenn man sein Gesicht etwas den Fleck dick mit Salz. Man kann ihn dann Geduld ist bisweilen nötig, besonders bei den tränk.— Bei Erkältungen hilft nichts so gut zu unvorsichtig der Sonne ausgesetzt hat, soll sauber abbürsten, ohne daß der Ruß irgendKindern, die nicht mit so guter Auffassungs= wie heiße Milch, die man mit Honig mischt, man es mit dicker saurer Sahne betupfen, eine Spur hinterläßt.— Wenn man Sahne gabe ausgestattet sind wie der Durchschnitt, Wer etwas besonders Kräftiges zu sich neh: Wenige Mittel kühlen so gut und wirken so stzlzgt sg gelingt das aft schneller, wenn man aber gerade bei diesen muß durch Zzspruch men will, ohne Zeit für eine umfangreiche heilend. Ueberhaupt ist es nicht untlug, das sczutz; so gelingt das oft schneller, wenn man von Seiten der Lehrer, aber auch der Eltern, Mahlzeit zu haben, löst Fleischextrakt in Gesicht täglich mit dicker saurer Sahne zu be ein Eiweiß zu der Sahne gibt. Auch ein paar immer wieder dafür gesorgt werden, daß der Milch auf, was ausgezeichnet schmeckt. streichen,— das stellt sich billiger als gute Tropfen Glyzerin beschleunigen das Steifkleine 2180=Schuge nicht. Ein wenig Selbst. Ein anderes Getränk mischt man aus Schönheitscremes und ist in seiner Wirkung werden. Will man die Schlagsahne für Süßvertrauen ist schon nötig, wenn man es zu einem Glas heißer Milch und einem Teelöffel mindestens ebenso gut, wenn nicht besser. speisen verwenden, so setzt man ihr etwas Daran sollen alle jun Suppenwürze, worauf man das Getränk mit Auch die Zahnärzte vertreten den Stand= Puderzucker zu, der ebenfalls das Schlagen gen Mütter denken! Es genügt nicht, daß einem Eigelb verquirlt. Man darf nur die punkt, daß Menschen, die regelmäßig Milch erleichtert. man das Kind lieb hat, so wie es ist,— weiche„#.....#. Mutter hätte das nicht?—, aber sie muß daran denken, daß aus dem Knirps von heute der Mann von morgen wird. An unser Volk werden viele und schöne Worte des Vertrauens und der Liebe gerichtet,— wir, das Volk, können diese Worte den Männern, die sie zu uns sprechen, nicht besser danken, als indem wir uns selber erziehen und an uns arbeiten mit allem Ernst, dessen wir fähig sind. Das seinem Kampf im Vordergrund steht. Kein Werkzeug, keine Waffe war zu jener Zeit ohne die Heranziehung der Bronze denkbar! Die beliebte Gürtelschnalle— Hat die Bronze eine Zukunft? Baumaxt wie Streitaxt, die Lanzenspitze Von Charlotte Ullrich Frauenschmuck vor 3000 Jahren Kunstwerke aus Bronze. mal schwierig genug sein, an unseren Kindern ist unsere liche Aufgabe. Diese Kinder sollen Auch der Schild ist Bronzearbeit und weist zumeist in reicher Ziselierung prachtvollen Eine fast zauberische Anziehungskraft hat Hohen Wert legte man in jener Frühzeit tügtterzschen Schmuck auf. Arbeiten an uns Erwachsenen mag manch= es, so schreibt ein moderner Forscher, den der Frauenmode der Gürtelschnalle bei. Das Hat die Bronze noch eine Zukunft?— so Arbeit Anfängen menschlicher Kultur=Entwicklung Bedürfnis nach schlichtem wohlanstehendem fragt man sich unwillkürlich, steht man den isere große, herr= nachzuspüren. Früher glaubten wir, diese Schmuck ließ bald aus der Gürtelschnalle die jahrtausende alten Erzeugnissen germanisollen eines Ta. Anfänge ausschließlich in Aegypten, Babylon Abschluß=Platte des Gürtels werden. Bewun= schen Kunsthanzgerße gegenicher,#### Eine fast zauberische Anziehungskraft hat sache vor allem besticht, daß hier ein Rohstoff ges so sein, wie der Führer, der den starken oder China suchen zu müssen. Heute wissen dernd stehen wir vor der unnachahmlichen zur Verarbeitung gelangte, der unverwüstEntwicklungsträften im deutschen Volte und wir, daß bedentsame Entwicklungslinien Zisziegenng, wie sie Meister 5gz, Handwerks lich ist, dem die Zeit, dem ein 30 Jahrbunzu geben wußten. Unter den Schaustücken, die derte langer Schlaf unter der E II. hagrüßenswerte Tet mis as hozeichna; das Museum für Deutsche Volkskunde auf. gnzuhaben vermochte. Wieviele Frauen würAls begrüßenswerte Tat muß es bezeichnet weist, befindet sich auch die größte je gefun den ge# werden, daß im Museum für Deutsche Volks. dene Gürtelplatte; sie hat die Größe eines kunde in Berlin, dem jüngsten Museum der regelrechten Tellers. Ihr Alter beträgt mehr Reichshauptstadt, in einem erlesenen An= dreseinhalb Jahrtausende. schauungsmaterial der Beweis für die hohe Wie die Funde zeigen, gab es weiterhin brauch ihren Dienst tun könnten. Die UnKultur des frühgermanischen Kunsthandwerks Pronze=Knöpfe, Haar= und Halsschmuck aus verwüstlichkeit und lange Lebensdauer des erbracht wurde. Die aus verschleggrgn, Junz, Bronze, ferner die sogenannten Fibeln. Wir Werkstoffes, die großen und stätten zusammengetragenen Bronzefunde wurden heute zu den Fibeln eyer Agraffen, bringen dem Beschauer überraschende Ein: Spangen oder große Sicherheitsnadeln sagen. gern eine der bronzenen Gürtelplatten anlegen, wie man sie vor kurzem erst in Baumsärgen der holsteinischen Erde entdeckt hat, und die auch heute noch im täglichen Gebringen dem Beschauer überraschende Eindrücke über die einzigartigen Fertigkeiten, die— vor drei oder vier Jahrtausenden Ptagor, geeizet dir sogenannten, Fiyeln. Wir muzulschleiten der Forme erischen In eher Vgraffen, Moglichkeiten der Formgebung— auch unsere Zeit kennt auf dem Gebiet des Kunstdie Urahnen unserer heutigen Kupferschmiede Dutzendware antreffen, scheute der Kupferhandwerks den großen Wert der Bronze. Der Besuch des Museums für Deutsche Volkskunde zeigt noch Entwicklungslinien auf, schmied und Kunsthandwerker jener Zeit auch die weit, weit zurückreichen, deren innere Während wir indessen heute Sicherheitsnadeln und Spangen meist als nüchterne aufzuweisen hatten. Die Bronze bildete einstmals ein häufig bei diesem einfachen Gebrauchsgegenstand Kraft aber auch heute noch lebendig ist. Die Sie wurden versetzt anzutreffender Bestandteil der Frauenklei dung. Frauen und Mädchen trugen den schnur=Rock. In dichtem Nebeneinander lie en von der Gürtellinie schnurartige Gewebus, die in ihrem Ende dann durch Bronze isen gezogen wurden Ein doppelter Zwevar damit erfüllt: die Bronzehülsen dienten zur Verzierung der Schnur=Röcke, dann aber auch dazu, das primitive Kleidungsstück halt(Scher!—.) barer und widerstandsfähiger zu machen. sicht die Mühe sorgsamer künstlerischer Ausjestaltung. Interessant sind die bronzenen Frauenolche. die unsere Ahnfrauen trugen. Zum Kunst, auch mit einfachen Mitteln eine in ihrer Schlichtheit erhabene Gesamtwirkung zu erreichen, das Bestreben, schon in dem zur Verarbeitung herangezogenen Werkstoff Geseil sind es recht zierliche Stücke; einzelne diegenes, ja Unvergängliches zu geben und sieser Dolche erreichen aber die Größe eines Seitengewehrs, wie es zur Bewaffnung des der Wille zu einer ausdrucksvollen Form—, es sind Grundsätze kunsthandwerklichen Schafnodernen Soldaten gehört. Damit ist ein fens, geboren in unvordenklicher Zeit, im Verwendungsgebiet der Bronze berührt, bei deutschen Kunsthandwerk lebendig bis auf dem der Mann in seiner Tagesarheit und den heutigen Tag. 8000 Sullser Orrgtuu Ar de0 Weit. Eine Wanderung durch das größte Bergbaumuseum der Welt Mitten im Herzen des Gebietes, wo das Lied der Arbeit in den höchsten und tiefsten Tönen erklingt, im Ruhrgebiet, da liegt dieses Museum. Bochum hat den Sitz der größten Bergschule mit anschließendem geologischen Museum und dem bergbaugeschichtlichen Museum. Unser Besuch in diesem Museum soll keine Fachsimpelei sein; dieses Museum hat jedem viel zu sagen. Es führt uns vor Augen, daß der Bergbau, ob sein Gebiet Kohle, Erz, Stein oder Kali ist, schon 3000 Jahre alt ist. Dieses Museum ist erst einige Jahre alt, die aber genügten, ihm einen Weltruf zu verschaffen, und wenn man hört, daß Männer der Wirtschaft und Wissenschaft der ganzen Welt ihren Namen in das Gästebuch eingetragen haben, so ermißt man seine Bedeutung. Aus allen Staaten der Welt kommen diese ausländischen Besucher, die namhafte Führer von Bergwerkskonzernen, Maschinenfabriken, Leiter von Bergakademien usw. sind, um hier den Werdegang des Bergbaues von der Primitivität bis zur heutigen vollendeten technischen Reife zu studieren. Trotzdem es nur ein Fachmuseum ist, fesselt es den Laien, da es ihm einen Einblick in die Dinge vermittelt, die er nur vom Hörensagen her kennt. Viele von uns und ganz besonders diejenigen, die nicht im Lande der Kohle wohnen, haben schon öfter den stillen Wunsch geäußert, einmal mit den Ruhrknappen in die Tiefe der Erde fahren zu können. Leider bleibt ihnen der Wunsch wohl versagt, aber im Bergmannsmuseum erleben sie den Bergbau so, wie er ist, fast wirklichkeitsnah, denn die Leitung des Museums, die in den Händen von Fachwissenschaftlern liegt, trachtet danach, die Bergmannsarbeit jedem so zu zeigen, in Licht= und Schattenseiten, wie sie ist. In sieben großen Hallen ist dieses Museum untergebracht, und wer ihm einen Besuch abstattet, wird von freundlichen Bergbeamten in der schmucken alten Bergmannstracht empfangen, die seine Führer sind. In jedes kleinste Geheimnis weiht man ihn mit verständlichen Worten ein. Es ist eine Fülle von Anschauungsmaterial vorhanden aus zahlreichen Staaten, die in mühseliger Arbeit zusammengetragen worden ist und neben reinen technischen und künstlerischen Dingen sehen wir Stücke, die Geschichte machten. Unsere Wanderung beginnt in der Halle, die der Sprengarbeit gewidmet ist. Angefangen von dem Fäustel und Meißel, mit dem der Bergmann das erste Sprengloch trieb, bis zur kompliziertesten Bohrmaschine zeigt uns diese Abteilung den Weg. Hinzu kommen noch die Arten von Sprengstoffen und die verschiedenen Möglichkeiten des Sprengens in Stein, Erz oder Kohle. In den Anfangszeiten des Bergbaues wurden Sprengpulver und die Halmzündung benutzt. Der mit feinem Pulver gefüllte Strohhalm wurde durch den Rückstoß der Gase durch den Zündkanal auf die Schwarzpulverladung gestoßen. Die Strohhalme mußten die Bergleute zu Hause anfertigen und mit zum Pütt bringen. Es war eine mühselige Arbeit dieser primitiven Sprengung, die erst aufhörte, als Alfred Nobel seine Sprengstoffe erfand. Wir sehen die erste reibungselektrische Zündmaschine, die ihre Elektrizität durch Reibung einer Hartgummischeibe mit einem Katzenfell hervorrief, und die verschiedenen Systeme von modernen schlagwettersicheren Zündmaschinen, die absolut sicher arbeiten. Die Abteilung Grubengeleucht umfaßt die geschichtliche Entwicklung des bergmännischen Geleuchtes vom 3000 Jahre alten Kienspan aus dem Hallstädter Salzbergbau, bis zum modernen Schlagwetteranzeiger. 600 Grubenlampen aus zahlreichen Staaten vermitteln uns ein Bild, welchen Weg die Beleuchtung in der Tiefe der Erde genommen hat. Wir sehen römische Tonlampen aus dem 3. Jahrhundert, vom Bergmann selbst gefertigte Tonlampen, die mit Tier= und Pflanzenfett gespeist wurden, aus allen Gauen Deutschlands. Es folgen die ältesten Metallampen, die Harzer und die Westfälische Froschlampe, wie sie unsere Großväter noch gebrauchten, bis zur neuzeitlichen schlagwettersicheren elektrischen Lampe. Inmitten dieser 600 Lampen steht eine scheinbar alte Lampe. An dieser müssen wir schon etwas länger verweilen. Die Glaskuppel und die Birne sind zertrümmert. Durch einen tragischen Zufall führte diese Lampe zu dem bekannten Schlagwetterunglück auf der Zeche Mont=Cenis in Herne. Es ist dieses der einzige Fall, in dem eine elektrische Sicherheitslampe zu einem Grubenunglück führte. An den Bohrmaschinen stehen lebensgroße Figuren in naturgetreuer Arbeitskleidung und zeigen uns, wie der Bergmann die Schußlöcher in das Gestein bohrt. Wir gewinnen den EinVor der Kohle 2. die, durch ein Kohlenflös führt. Der schwarze Streifen ist Kohle. Wenn das Gebirge schen sich erst zusammen,eiseen Schienen nicht, sondern die dazwischen liegenden Hölser auetin der Nacht mit ihrer weißen Glut den Himmel erhellt, und die Hochöfenanlagen mit ihren eisenschmelzendem Feuer. Bilder, die wir schon einmal gesehen haben, wenn wir mit dem Zuge in der Nacht von Duisburg nach Dortmund fuhren. In der nächsten Halle empfängt uns eine riesige Modellschau alter, längst abgebrochener Schachtanlagen und Modelle neuzeitlicher Betriebe. Wahre Schmuckkästen sind es, die das Auge des Beschauers fesseln. Nicht überladen So sah die Förderungseinrichtung im Jahre 1786 auf der Zeche„Trappe“ in Silschede(Westf.) aus druck, daß die deutsche Technik hier an führender Stelle marschiert. Große Modelle von Schüttelrutschen=Betriebe zeigen uns den Abbau von Kohle. Eine gewisse Erholung von der anstrengenden Vertiefung in geschichtliche und technische Einzelheiten bietet dem Besucher die Abteilung„Kunst". Der Kunstmaler Hermann Kätelhön stellt sich uns mit einer Reihe von Radierungen und Gemälden vor, deren Motive er dem Ruhrbergbau und dem Kumpeldasein entnommen hat. Er zeigt uns neben Köpfen bekannter Ruhrindustrieller und Wirtschaftsführer, die mit der Geschichte des deutschen Wirtschaftslebens auf immer verbunden sein werden, in wirkungsvoller und eindringlicher Sprache, das Charakteristische der Knappenarbeit und den Bergmann selbst. Eisenharte, aber doch gutmütige Gesichter, muskulöse Körper und nie ermüdende Arbeitskraft, so zeichnet einer der besten Kenner des Ruhrkumpels den Bergmann. Hinzu kommen noch die Bilder des Antlitzes des Ruhrgebietes, einer Kokerei, die Der erste Grubenwagen Förderwagen aus dem alten siebenbürgischen Goldbergbau, wie ihn die Römer vor 2000 Jahren kannten. (3 Bilder: Bergbaumuseum.) sind sie aufgestellt. Wo uns der äußere Einblick noch nicht viel sagt, da zeigt uns ein Modell den Querschnitt. Die gegenwärtige rein technische Seite der Schächte vermitteln uns weitère Modelle. Die bieten aber dem Laien weniger, sondern dienen dem Bergbauinteressenten. Was würde der Bergbau ohne Wasserpumpen sein? Eine Frage, die schon seit Bestehen des Bergbaues unzählige Erfinder beschäftigt hat. Die Zeche würde ersaufen. Schon die Römer haben im siebenbürgischen Goldbergbau Wasserschöpfräder benutzt. Im Mittelalter hat man das Wasser mit Ledereimer aus dem Stollen geschöpft. Sogenannte„Wasserknechte" standen in einer Schlange von dem Stollenende bis zum Tage hinauf und beförderten die Wassereimer hinauf. Diese Wasserhaltung war durchaus teuer, da eine große Zahl Arbeiter nur mit Wasserschöpfen beschäftigt werden mußte. Im Jahre 1544 gelang es dem Kunstmeister Lasser trotz des Widerstandes der Wasserheber, ein Kehrrad zu bauen, mit dessen Hilfe das Wasser in Holzrohren an Eisenketten hochgezogen, zutage gefördert wurde. Solche Wasserzieh= u. Bewetterungsvorrichtung sehen wir an einer Nachbildung, die sich vom Original kaum unterscheiden dürfte. Den weiteren Weg, den die Wasserhaltung genommen hat, erleben wir an Plungerstücken aus dem Harz und den ersten maschinellen Pumpanlagen. Wie man heute die Tausende von Kubikmeter Wasser in der Schicht aus einem Pütt holt, veranschaulicht eine andere große Pumpanlage. Diese Pumpe kann auf Wunsch des Besuchers in Betrieb gesetzt werden, wie auch eine ganze Reihe anderer Maschinen, die wir auf unserer Wanderung noch kennen lernen werden. Schon den Steinzeitmenschen, die aus den Ablagerungen der Kreidezeit ihr Material für Feuersteinwerkzeuge hervorholten, machte die Förderung, das heißt das Heraufbringen des gewonnenen Materials, Schwierigkeiten. Während heute an starken Seilen die schweren eisernen Förderkörbe 600 bis 1000 Meter in die Erde sausen, machten es die Steinzeitmenschen anders. Sie ließen aus Baumrinde und Tierfellen gearbeitete Stricke herunter, an denen Taschen aus Tierfell hingen. Die spätere Entwicklung brachte die einfache Haspelförderung, wie wir noch heute auf dem Lande unser Wasser mit einer Kurbel und einer Holzrolle aus dem Brunnen ziehen. Im 15. Jahrhundert erfand man dann eine Tretradförderung, wie wir sie in einem naturgetreuen Modell sehen. Die Bedienung geschah durch zwei Mann, die das Tretrad in Bewegung setzten und damit durch Uebersetzung eines hölzernen Getriebes einen Kübel im Schacht auf und niederzogen. Dann gab es noch eine Göpelförderung mit Pferden, die wir gleichfalls an naturgetreuen Abbildungen sehen. An großen hölzernen Schlepptonnen erkennen wir, daß der Bergmannsberuf schon immer sehr schwierig war. Diese mit Kufen versehenen Schlepptonnen dienten zur Förderung in den sogenanten tonnlägigen Schächten, die schräg waren. Eine große Fläche nimmt die im Jahre 1840 von Harkort gebaute Fördermaschine ein, die die erste ihrer Art war. Man bringt ihr allgemein eine Bewunderung entgegen; sie hat zum großen Teil dazu beigetragen, daß das Ruhrgebiet, überhaupt der gesamte Kohlentiefbau, in Schwung kam. Das Modell in natürlicher Größe steht betriebsfertig, und wenn der Beamte die Preßluft in die Maschine läßt, dann faucht und dröhnt es in der großen Halle. Signalanlagen, Telefonapparate, elektrische Glocken, die den Förderungsbetrieb und der Verständigung vom Tage in der Grube dienen, geben dem Bergmann die Gewißheit, daß man unermüdlich tätig ist, einen Großteil der Unfälle zu vermindern. Im Rahmen der Streckenförderung ziehen an uns über 2000 Jahre vorbei. Ein klobiger Förderwagen aus Holz mit dicken Holzrädern, der auf Holzschienen lief, stammt aus dem siebenbürgischen Goldbergbau, wie ihn die Römer hatten. Es kommt weiter ein schon etwas verbesserter ungarischer Hund, der ohne Schienen gefahren wurde, und ein sehr primitiver Wagen aus dem alten westfälischen Bergbau. Eine große Nachbildung eines Mansfelder Flözes gibt uns einen Einblick in die harte und gefahrvolle Arbeit der Kumpels. In dem 40 cm starken Kupferschieferflöz liegt der junge Schlepper auf dem Bauch und zieht mit seinem Fuß, an dem durch einen breiten Gurt ein Kohlenwagen befestigt ist, der immerhin ein Gewicht von drei Zentner hat, diesen kriechend weiter. Ueber ihm und unter ihm das Gebirge. Man ist erschüttert von der Tätigkeit dieser Arbeiter, und dankt den Erfindern und der Technik, daß so etwas heute durch die neuzeitlichen Fördermethoden abgelöst worden ist. War dieses alles Vergangenheit, so erleben wir in der zweiten Abteilung der Halle maschinelle Gegenwart. Große elektrische Grubenlokomotiven und solche, die mit Benzin und Preßluft angetrieben werden, sehen wir. Maschinen in Originalgröße aus dem Grubenbetrieb ausrangiert. Die Benzin= und die elektrische Maschine werden langsam verdrängt durch die Preßluftmaschine, da diese keine Entzündung von schlagenden Wettern hervorrufen kann. Steigen wir tiefer hinab, dann sehen wir ein Bergwerk. Man glaubt in einer Grube zu sein. Alles ist so geschaffen und angelegt worden, damit der Besucher ungewollt sich mitten in den Bergbau versetzt fühlt. An zahlreichen Strecken sehen wir die verschiedenen Arten des Ausbaues mit Holz und Eisen. Wir beobachten die Art und das Einfallen der Gebirgsschichten und die schweren Eisen= und mächtigen Holzstempel, die die Riesenlast tragen. Gewaltig sind die Eindrücke, die jeden befangen und die uns eine Achtung vor dem Beruf des Bergmanns abringen. Wir haben in den Stunden, die wir in diesem Museum weilten, viel von dem Kampf des Bergmanns mit den Naturgewalten kennengelernt. Reude 8 dumür Kiiten Kern STeana und Tein Rau Rumoreske von Jutta Willing Mein Freund ist ein famoser Mensch. Sozusagen der geborene Freund! Er wird einen nie im Dreck sitzen lassen, wenn er einem unter die Arme greifen kann, davon bin ich überzeugt... Mein Freund ist übrigens Junggeselle. Und das ist schade, denn er besitzt Eigenschaften, die ihn zum Ehemann geradezu vorbestimmen. Er besitzt Ausdauer. Zuverlässigkeit, kurz, all jene Tugenden, die man unter dem Sammelbegriff Treue zusammenfaßt. Hat er sich für etwas entschieden, so bleibt er auch bei der Stange. Liebt er. so weicht und wankt er nicht... Wie schön wäre es, wenn er diese seltenen Charakterzüge dort verwerten würde, wo sie vor allem am Platz sind. nämlich in der Ehe. Wie oft stelle ich ihm vor, daß sich Dutzende von Mädchen jüngeren oder auch reiferen Alters glücklich preisen würden, ihn zum Mann zu bekommen, aber auf dem betreffenden Ohr hört er nicht. Nun. eigentlich wollte ich ja nicht von den Mädchen reden, die mein Freund nicht haben will. sondern von dem Rad, das er bat... Also dieses Rad! Es ist ein Vebikel, so alt wie Methusalem. doch mein Freund liebt es. Es war seinerzeit ein vorzügliches Rad. Der Vater meines Freundes soll es gekauft haben, als Räder noch eine ziemlich neue Erfindung waren, dann lernte der Bruder meines Freundes darauf fahren. und zuletzt bekam es mein Freund. Noch heute, wenn es in Revaratur kommt, pflegt der Mechaniker zu sagen: „Aber ein gutes Rad haben Sie da. Herr Doktor. das ist sein Geld, das es gekostet hat, wert.“ Nun wäre dieses Gutachten an sich sehr erfreulich, wenn das Rad nur nicht fortgesetzt neues Geld kosten würde. Denn natürlich kostet jede Revaratur Geld. Darum eben lobt es der Mechaniker: bezieht er doch von meinem Freund und dessen Rad ein recht nettes Monatseinkommen. Ich rede meinem Freund wiederholt zu, das alte Ding zu kassieren. Erfolglos. Das kommt von seiner Treue und daher, daß er stets bei der Stange bleibt— und wäre es auch nur eine verbogene Radstange. Als sich unser Gespräch wieder einmal auf diesem Gebiet bewegte und ich meinen Freund schon fast mürbe gemacht hatte, warf er plötzlich die Frage auf. was denn, wenn er sich wirklich ein neues kaufte, mit dem alten Rad geschehen solle? „Das gibst du als Anzahlung oder schenkst es einem armen Teufel, der froh darum ist", war meine Antwort. So gebefreudig mein Freund sonst ist— ehemalige Studienkollegen vumpen ihn immer mit Erfolg an—. das ging ihm gegen den Strich. Der Gedanke, daß sein geliebtes altes Rad in fremde Hände kommen sollte, schien ihm wie eine Kirchenschändung: der Ankauf eines neuen unterblieb Mein Freund hatte jedoch Pech: Er kaufte sich vor einiger Zeit ein Los und gewann. Gewann ausgerechnet ein tadelloses Herrenfahrrad. Ich gratulierte ihm. Er machte eine sauersüße Miene. „Nun wirst du dein altes Rad doch endlich mal verschenken", sagte ich. Er zog ein Gesicht, als hätte ihm wer zugemutet, sich den kleinen Finger abzuhacken. Er schwieg übrigens, und ich hörte von dem alten Rad nichts mehr, vermied auch, danach zu fragen, aus Sorge, ich könnte an eine kaum verharschte Wunde rühren. Seit kurzem hat sich mein Freund in der unbenutzten Vorratskammer seiner Wohnung ein Provisorium von Dunkelkammer eingerichtet. Er sagt, es sei interessanter. Photos selbst zu entwikkeln, als sie außer Haus zu geben. Ich suchte ihn bei dieser Arbeit auf und kam hinter die wahre Ursache dieser neuesten Leidenschaft. Die Dunkelkammer ist nämlich gleichzeitig der Aufbewahrungsraum für sein altes Rad. So oft ihn die Lust anwandelt, es wieder einmal heimlich zu besehen, macht er sich in der Dunkelkammer zu schaffen. Eigenlich rührend, so viel Treue! Aber gestern ist was Besonderes vorgefallen. Mein Freund besuchte mich. In ekwas ramvoniertem Zustand— und ich erfuhr, daß er soeben einen Verkehrsunfall gehabt habe. Das heißt ihm selbst war zum Glück nichts geschehen, dafür aber hatte sein Rad, sein funkelnagelneues, eben erst gewonnenes Rad dran glauben müssen. Vollkommen kaputt, erzählte er. Vorn sei ein Lastwagen drübergegangen und hinten eine elektrische Straßenbahn. Also unheilbar! Außerdem wurde mein Freund aufgeschrieben und wird wahrscheinlich Strafe zahlen müssen, denn wie er sagt, war er an der Sache selber schuld... Dabei erzählt er das alles mit dem freudestrahlendsten Gesicht von der Welt.„Stell dir nur vor“, schließt er seine Schilderung,„was für ein Schwein ich da gehabt habe.“ Meine Miene dürfte ein einziges Fragezeichen gewesen sein:„Wieso? Du meinst wohl. weil du mit heiler Haut davongekommen bist. Ja allerdings“ „Aber nein doch!“ Er ist förmlich erbost, daß ich so schwer von Begriff bin.„Natürlich, weil mein neues Rad kaputt gegangen ist. Da kann ich doch mit gutem Gewissen wieder auf dem alten fahren!" Berentssmus=Roensserost Von Peter Omm Serenissimus hat in seinem Walde Rehe gesehen. Mit seinem Jagdhüter sprach er über Nutzen und Schaden des Wildes. betonte den Sinn der Jagd. während der Jagdhüter darauf hinwies, wie trefflich solche Braten wären. „Und die Haut. Sie vergessen die Haut, das ist doch das wichtigste!" betonte Serenissimus. „Durchlaucht— ich verstehe nicht ganz, die Haut wichtig...?“ „Aber, aber, mein Bester, die Haut hält doch das ganze Tier zusammen!“ * Einen Sommer verbrachte Serenissimus in einem Nordseebad. Auf einem seiner morgendlichen Spaziergänge bemerkte er einen Mann, der neben einem mit großen Holzkübeln beladenen Leiterwagen stand und das Meerwasser mit Hilfe eines Eimers in die Bütten goß. Wozu er das mache, begehrte Serenissimus zu wissen. Und der biedere Arbeitsmann, ein Fischer, erklärte, er bringe Meerwasser in ein Hotel, das den Gästen warme Bäder von Meerwasser verabfolge. Serenissimus begriff das, dankte für die Auskunft und ging weiter. Viele Stunden später, als er an der Stelle vorbei kam, wo der Fischer gearbeitet hatte, war Ebbe; das Meer war weit zurückgegangen. Sprachlos blieb Serenissimus stehen. und erst nach geraumer Weile konnte er seine Verwunderung in Worte fassen:„Alles Wasser weg—. was muß der fleißige Mann verdient haben!" * Eines Morgens stieß Serenissimus im„Residenzboten“ auf dieses Inserat:„Kuh, die jeden Tag kalben kann, zu verkaufen!" Durchlaucht läutete die Glocke. Kindermann— Adjutant. Sekretär. Berater und Hausmarschall in einer Person— tritt ein, ließ sich das Inserat zeigen und nahm diesen Befehl entgegen:„Die Kuh wird sofort gekauft. Kindermann. Eine Kuh. die jeden Tag kalben kann— da werden die Bauern vor Neid platzen, wenn ich ein so kluges Tier im Stalle habe. Aber, Kindermann, erkundigen Sie sich genau, ob die Kuh auch Sonntags kalbt!“ * Serenissimus hat einen berühmten Forschungsreisenden bei sich zu Gaste, der nach der abendlichen Tafel von seinen Abenteuern berichtet. „Das Wichtigste meiner ganzen Reise war die Ausgrabung der Gebeine einer alten Frau, die vielleicht aus der Tertiärzeit stammt.“ „Haben denn solche Dinge überhaupt einen Wert, Herr Professor?" „Gewiß. Durchlaucht, die von mir gefundenen Gebeine kann ich an jedes größere Museum verkaufen. Das Skelett ist rund eine halbe Million wert!“ „Was, eine halbe Million? Schade, daß die arme Frau das nicht mehr erlebt hat!" * In einer Zeitung liest Serenissimus:„Heute verunglückte Herr N. N. aus., indem er in den Kessel der Gießbachfälle stürzte. Das ist bereits der 4. Unfall an dieser Stelle in diesem Jahre". Da fing Serenissimus an zu toben:„Das ist ja unglaublich! Das sind doch furchtbare Zustände! Warum nehmen die Leute denn die Kessel nicht endlich weg?“ Die beiden KälstenMan schrieb das Jahr 1826, als sich die folgende Geschichte in England zutrug: Dem englischen Unterhaus lag eine Unzahl von Gesetzen zur Durchberatung vor, darunter auch eines, das ein bestimmtes Vergehen unter schwere Strafe stellte. Fünfzig Pfund Sterling waren für den Uebeltäter als empfindliche Buße vorgesehen. In zwei Lesungen hatte das Unterhaus seine Zustimmung gegeben, in der dritten aber schlug ein Abgeordneter vor, in dem Entwurf die Worte„einer Strafe von fünfzig Pfund unterworfen" durch„einer Strafe von siebenjähriger Devortation unterworfen" zu ersetzen. Die vorgeschlagene Verschärfung der Strafe fand die Billigung des Unterhauses. In der Eile hatte man jedoch vergessen, sich mit dem weiteren Wortlaut des Gesetzes zu beschäftigen. Und so las man denn nach der Veröffentlichung des Gesetzes folgende immerhin ungewöhnliche Bestimmung. die lange Zeit viel belacht wurde: „... einer Strafe von siebenjähriger Devortation unterworfen, wovon die eine Hälfte dem König, die andere dem Angeber zufallen soll!“ Neß. SCHACHE Schachaufgabe F. M. Godager und T. Field 1. Ehz. Erw. im Turnier d. Brit. Chess. Feder“, 1934/35 Füllrätsel I. Mathematischer Ausdruck, 2. Reinigungsmittel, 3. Mundstück, 4 Kirchengesang. 5. Raubvogel, 6. Stadt an der Ruhr, 7 Behälter, 8. Dichtung von Goethe. 9 Preisverzeichnis, 10. germanische Göttin, 11. kleines Boot. 12 deutsche Hafenstadt. 13. kaufmännischer, Ausdruck, 14. geologische Formation(ch= 1 Buchstabe). beiden Wörtern in jeder Reihe gemeinsamen Buchstaben nennen von oben nach unten gelesen einen deutschen Dichter Kreuzworträtsel 7 8 Die Wörter sind so einzusetzen, daß in jeder waagerechten Reihe zwei Wörter entstehen, wobei der Endbuchstabe des ersten Wortes der Anfangsbuchstabe des zweiten Wortes ist. Die den an links nach rechts: 1. Regierungsbezirk und Stadt der Rheinprovinz. 3. Figur der Nibelungensage. 5. Stadt in der Schweiz, 7. Bodeusenkung. 9. Tierunterkunft, 12. Fisch, 15. Haushaltungsgerät. 18. Meeresbucht, 19. russisches Gewicht. 20. geometrischer Begriff, 22. Nebenfluß der Havel, 24. Verzeichnis, 26. weibliche Bibelgestalt 27, Atmungsorgan der Fische, 28. Gesellschaftsklasse, 30. Zeitspanne. Von oben nach unten: 1. Pflanzenschößling, 2. Nagetier, 3. Stadt an der Saale, 4. Strom in Nordwestafrika, 6. Segelstange, 8. franz. Opernkomponist, 9. Teil der Pflanze, 10. Teil des Kopfes, 11. Geschwulst, 13 Zeitabschnitt, 16. Fluß in der Steiermark, 20. Wohnung hoher türkisch. Staatsbeamter. 21. Blume, 22. Teil des Baumes, 23. Erlaß, Verordnung, 25. Gewässer. Diagonalen:—14 Trinkgefäß,—17 gute Laune, Stimmung, 12—2 Verkaufsstätte, 15—4 Soolbad in der Provinz Sachsen, 20—29 Meeresungeheuer, 22—31 Volksstamm. 28—21 lautes Geräusch, 30—23 Feigling. Bilderrätsel Der Bauer und seine Fabriken. Vor Jahren erschien zu den Eramen der jungen Landwirtschaftslehrer ein Geheimrat aus Berlin, der— wie die meisten Eraminatoren — ein Steckenpferd ritt. Er meinte nämlich, man müsse, weil man in einem Zeitalter der Industrie lebe, auch der Landjugend zeigen, daß Bauernarbeit und Industrie gar nicht so weit voneinander entfernt seien. Eines Tages erschien dieser Herr zu der Abschlußprüfung in einem Landwirtschaftslehrer= Seminar. Einer der jungen Lehrer besprach mit seinen Schülern den Kartoffelanbau. Sehr bald griff der Geheimrat ein und erklärte den Schülern:„Wenn ihr einmal auf eurem Kartoffelfeld arbeitet, dann müßt ihr daran denken, daß das eigentlich gar kein Kartoffelfeld ist, sondern darüber hinaus eine natürliche Stärkefabrik.“ Und ausführlich entwickelte er dann die Bedeutung dieser Fabrik und die Aufgabe der darin beschäftigten Arbeiter. In einer zweiten Lektion wurde über den Raps gesprochen. „Halt!“ rief plötzlich der Geheimrat.„Das Rapsfeld ist nicht nur ein Rapsfeld, sondern eine natürliche Oelfabrik.“ Weitgebend verbreitete er sich wiederum über das Wesen dieser ländlichen Fabrik... So ging es weiter. und bald war aus sämtlichen Aeckern und Wiesen eine Fülle von industriellen Unternehmungen geworden. Aber als der Herr Geheimrat im Konferenzzimmer mit dem Direktor des Seminars über die Zeugnisse der Prüflinge sprach, fing sein Ohr ein kritisches Wort auf, das aus dem Nebenraum drang, wo sich die Prüflinge befanden. „Meine Herren!“ sagte da einer,„Sie glauben vielleicht, der Herr. der uns eben prüfte, war ein Geheimrat und Staatskommissar! Da sind Sie sehr im Irrtum— das war nichts anderes als eine natürliche Blechfabrik!" g. f. Ohne Nackose Gurke geht zum Zahnarzt. Einen Zahn ziehen. „Mit oder ohne Betäubung?“ fragt der Arzt. „Kostenpunkt?“ „Mit Narkose zehn Mark, ohne Narkose drei Mark.“ „Mit Narkose", seufzt Gurke und setzt sich in den Stuhl. Der Arzt nimmt seine Spritze und rammt sie Gurke dreimal zwischen die Zähne. Dann führt er Gurke ins Wartezimmer zurück. „Bleiben Sie hier fünf Minuten sitzen, bis die Narkose wirkt.“ Gurke wartet. Als der Arzt zurückkommt, ist Gurke verschwunden. Der Arzt wundert sich. Vergißt den Fall. Am Abend trifft er verschiedene Berufskollegen. Plötzlich hört er einen Zahnarzt sagen: „Heute ist mir der seltsame Fall unterlaufen. daß sich ein Patient einen Zahn ohne Narkose ziehen ließ.“.9 „Wissen Sie vielleicht, wie er hieß?“ fragte unser Arzt. Der Kollege nickte: „Gewiß. Gurke hieß er.“ Rumsteak mit Brot Biber trägt einen Matratzenbart. Bibers Bart ist prächtig. Und lang bis zum Bauch. Biber ißt Rumsteak. Biber schneidet und schneidet. „Entsetzlich zäh!“ „Was?“ „Das Rumsteak!" Der Kellner lächelt:„Das ist nicht das Rumsteak, Herr! Aber Sie haben ja Ihren Bart darauf liegen!“ Mosaikrätiel Richtig geordnet und entsprechend abgeteilt Auflösung aus voriger Rummer Schachaufgabe von Dr. G. Dobbe 1 Da1—h1! Sh4—g2 oder Sh4—f3(); 2. Lh5—g6 Zugzwang..... Sh4—f5; 2. g4X/5 ()..... Sh4—06(); 2. LXg6..... Khs 2. Lh5—s7! Eine variantenreiche oder 57(); Miniature. Geographisches Silbenrätsel 1. Trarbach, 2. Udine, 3. Gemmi. 4. Erfurt, 5. Neidenburg, 6. Duero, 7. Ilse, 8. Staßfurt, 9. Douaumont, 10. Eberswalde, 11. Ratibor, 12. Finnmark, 13. Rimini, 14. Essen, 15. Island. —„Tugend ist der Freiheit Goetterkind.“ Kreuzworträtsel a) 1 Ewald, 4 Bar. 7 Rad, 8 Eboli, 10 Kaub. 12 Adel, 13 Garage, 16 Erg. 18 Bizeps. 20 Flut. 22 Rose, 24 Eider, 25 Neh. 26 Lee. 27 Miene: — b) 1 Erk. 2 Waage, 3 Adua, 4 Bode, 5 Ale. 6 Rille, 9 Bagger, 11 Breite, 14 Arz. 15 Tafel. 17 Essen, 18 Bude, 19 Pore, 21 Lie. 23 Ehe. Kreuzworträtsel mit magischem Diamanten Magischer Diamant: 1. A. 2. Ara. 3. Areal. 4. Aar. 5. L. Kreuzworträtsel: Waagerecht: 6. Paß. 9. Nest. 12. Vor, 13. Eta. 14. Aal. 16. Reede. 18. Halle. 20. Nu. 21. SA., 22. Jda. 24 Tee. 26. Amt. 28. aus. 30. Ra. 32. St., 33. Bluse, 36 Islam. 38. Eos. 39. Rad. 40. Alt. 41. Stil, 49 Oase.— Senkrecht: 6. Poe, 7. Arcna. 8 See, C. vab 10 Salat, 11. Tal. 12.Brei. 15. Lese. 17. du. 19 Se 23. Dom. 25. Emu. 26. Albe, 27. Trust. 28 Atlas. 29. Samt. 31. As. 32 SS., 34. Los. 35. Erl. 36. Ido, 37. Ale. PUc TJuriwse Sarto Roman von Kurt Martin Urheberrechtaschuts durch Verlag Neues Leben, Bayr. Gmain 18 Der Kassierer sah ihn feindselig an. „Ich weiß garnicht, was Sie von mir wollen. Wenn Sie Zweifel in die Richtigkeit meiner Worte setzen—“ Bert Ibenstein sprach, zu Mauroy gewandt, weiter. „Ich habe etwas eigenmächtig gehandelt; aber ich denke, Sie sind mir deshalb nicht böse. Bevor ich Sie vorhin zu der Vernehmung dann in dem Bankhause abholte, hatte ich mir erlaubt, der Wohnung Herrn Tullins einen Besuch abzustatten.“ Jean Mauroy sah überrascht drein. „Sie waren—?“ And Henri Tullin schrie außer sich. „Das ist eine Infamie! Ich werde mich bei dem Herrn Polizeipräfekten beschweren! Dieser Mann will mich womöglich irgendwie verdächtigen!“ Bert Ibenstein reichte dem Kommissar ein Briefblatt. „Dies fand ich in Herrn Tullins Wohnung, allerdings nicht auf dem Tisch oder in einem Kasten, sondern im Ofen, wo es scheinbar nicht Feuer fing und fatalerweise liegen blieb.“ Henri Tullin raffte nach dem Blatt. „Geben Sie her! Das ist mein Eigentum. Sie haben kein Recht—“ Aber Mauroy war jetzt neugierig geworden. Er befahl: „Setzen Sie sich, Herr Tullin, und sprechen Sie nicht so laut!“ Halblaut las er: „Nehmen Sie die Kontoumschreibungen jetzt vor! Beobachten Sie, wie Didiere bei Erhal des nächsten Drohbriefes sich verhält.“— Mehr stand nicht auf dem Blatt. Es zeigte auch keine Unterschrift. Bert Ibenstein lächelte Henri Tullin vertraulich zu. „Sie vergaßen vorhin, auf diese Dinge zu sprechen zu kommen, nicht wahr? Aber das is bei einem Mann gleich Ihnen begreiflich. Sie haben zu viel zu denken, und da vergaßen Sie solche Nebensächlichkeit.“ Henri Tullin erklärte hastig: „Was ich vorhin sagte, ist vollkommen richtig. Ich habe nichts mit dieser Mitteilung zu tun. Ich weiß auch nicht, wie sie in den Ofen gekommen ist. Vielleicht haben Sie das Blatt selbst erst hineingeworfen!“ Er musterte Bert Ibenstein mit Augen, die Haß kündeten. Aber Mauroy erklärte scharf: „Es verhält sich bestimmt so, wie Herr Ibenstein sagt! Sie werden uns jetzt verraten, von wem Sie diese Nachricht erhielten, Herr Tullin!" „Aber ich weiß ja garnichts davon!“ Bert Ibenstein schüttelte bedauernd den Kopf. „Wie vergeßlich Sie doch sind, Herr Tullin!— Und dabei fand ich auch den Briefumschlag von diesem Schreiben in Ihrem Ofen, zerrissen freilich; aber das macht nichts, ich baute alles wieder sorgsam zusammen.“ Er reichte Mauroy das Kuvert. „Bitte, sehen Sie sich das einmal an! Es ist bei diesem Format und der Anordnung der Adresse noch das auffällig, daß beides mit jenen Briefumschlägen übereinstimmt, die Miß Lydia Blackwood in letzter Zeit erhielt, und worin ihr seltsame Todesfälle vorausgemeldet wurden. Das Schreiben an Herrn Tullin ist gleichfalls in London zur Post gegeben.— Ich weiß jetzt auch endlich, woher eigentlich jene Briefumschläge stammen: Aus der Schweiz!— Ja, Herr Tullin, ich denke, Sie sagen uns nun ganz offen, was dies Schreiben da zu bedeuten hat.— Sie wußten also, daß Aristide Didieres Leben bedroht war!“ Henri Tullin lachte schrill auf: „Wußte ich das? Was Sie nicht alles behaupten! Es ist aber garnicht wahr! Ich weiß von garnichts!“ „So, so! Aber das wissen Sie, daß in den Büchern des Bankhauses Didiere ein Konto läuft auf den Namen Unwey! Sie wissen auch, daß das Bankhaus Didiere ein Konto für John Blackwood führte, und daß sehr große Umschreibungen von dem Konto Blackwood auf das Konto Unwey vorgenommen wurden!“ Henri Tullin zögerte mit der Antwort. „Ja— das weiß ich.“ „Das müssen Sie freilich wissen; denn Sie führten ja diese Konten! Ihre Handschrift nahm ja die Abschreibungen und Zuschreibungen vor. Damit steht aber fest, daß Sie auch diesen Unwey kannten, daß gleichzeitig auch Aristide Didiere den Mann gekannt haben muß.— Sagen Sie, wie sieht dieser Unwey aus?“ „Ich weiß das nicht! Ich habe diesen Herrn nie gesehen!“ „So, so! Und wie ist seine Adresse? Wo wohnt er?“ „Auch das ist mir nicht bekannt. Herr Didiere verkehrte immer persönlich mit dem Herrn.“ „Und Sie sahen Unwey nie?“ „Niemals!" „Und doch findet sich in den Geschäftsbüchern von Ihrer Hand ein Vermerk?—„An Unwey bar ausgezahlt.“— Haben Sie das vergessen, Herr Tullin?“ „Ich sagte schon, daß Herr Didiere diese Auszahlungen selbst an Herrn Unwey vornahm.“ „Sehr seltsam!“ Bert Ibenstein betrachtete Henri Tullin prüfend. „Sagen Sie, wann war eigentlich George Skenow das letzte Mal hier?" Als der Kassierer diesen Namen hörte, zuckte er betroffen zusammen, kaum merklich freilich; aber es war weder Bert Ibenstein noch Jean Mauroy entgangen. „Skenow?— Wer soll das nun wieder sein?“ „Skenow ist ein guter Bekannter von Ihnen, Herr Tullin.“ „Narrheit! Ich habe den Namen nie gehört.“ „Aber geschrieben haben Sie ihm?“ „Niemals!“ „Passen Sie auf, ich zeige Ihnen sein Bild. Da, das ist George Skenow. Sehen Sie sich den Mann genau an!“ Bert Ibenstein reichte Henri Tullin ein Photo. Der warf einen raschen Blick darauf, dann behauptete er: „Dieser Mann ist mir niemals begegnet.“ „Na so etwas! Sie sollten doch einmal wegen Ihrer Gedächtnisschwäche einen Arzt konsultieren. Da besitzt ja nun Ihre Wirtsfrau ein weit besseres Erinnerungsvermögen. Ich sprach vorhin mit ihr, als ich mich ein wenig in Ihrer Wohnung umsah, und da erfuhr ich, daß George Skenow erst vor drei Tagen bei Ihnen war. Ja, schauen Sie mich nur nicht so ungläubig an! Ich weiß nämlich auch das: Damals, als George Skenow während seines Urlaubs angeblich in Schottland weilte, hielt er sich in Paris auf, zum mindesten eine Woche lang. Was hat er denn da mit Ihnen verhandelt?“ „Das ist alles ein Irrtum! Ich weiß überhaupt nicht, wer dieser Mann ist.“ „Das will ich Ihnen sagen: Er ist ein Feind John Blackwoods gewesen. Er ist——. Aber wozu das! Sie wissen es doch besser als ich!“ Bert Ibenstein nickte Jean Mauroy zu. „Ich denke, mein kleiner Besuch heute morgen n der Wohnung Herrn Tullins hat dem Gang der Untersuchung doch ein wenig genützt, Herr Kommissar. Ich würde Ihnen raten, Herrn Tullin vorläufig in Haft zu nehmen.“ Henri Tullin taumelte zurück. In seinen Augen stand jähe Angst. „Was sagen Sie?— Sind Sie verrückt? Was habe ich denn getan? Ich erhebe Einspruch gegen jedwede Verdächtigung, ich—“ Jean Mauroy war dicht auf den Kassierer zugetreten, und dann hielt er Henri Tullins beide Hände so unerwartet in den seinen, daß er im Augenblick der Ueberraschung garnicht an Abwehr dachte. Metall klirrte und Jean Mauroy sagte: „Sie sind verhaftet, Henri Tullin. Sie stehen dringend im Verdacht, um die Ermordung Aristide Didieres zu wissen, Beihilfe bei diesem Verbrechen geleistet zu haben und Bankgelder auf betrügerische Weise verschoben zu haben.“ Es nützte dem Kassierer nichts, daß er nun einen Tobsuchtsanfall bekam, daß er in seiner Wut aufschrie und den beiden Männern schlimmste Rache schwor für das Unrecht, das sie ihm nach seiner Behauptung zufügten. Jean Mauroy rief telephonisch ein Auto der Polizeidirektion herbei und ließ Henri Tullin durch zwei Kriminalbeamte in das Untersuchungsgefängnis abtransportieren. Dann widmete er sich gemeinsam mit Bert Ibenstein noch einmal der Durchsuchung von Aristide Didieres Privatkontor. Sie kamen zu keinem Erfolg. Sie fanden nichts, das irgendwie Licht in das Dunkel zu bringen vermochte. Auch das Personal wußte nichts anzugeben, was ihnen weitergeholfen hätte. Mauroy verschloß die Geschäftsbücher mit den Konten Unwey und John Blackwood wieder sorgfältig im Tresor, dessen Schlüssel er an sich nahm. „Man muß die gesamten Geschäftsvorgänge hier während der letzten Wochen und Monate einmal ganz gründlich nachprüfen.“ Bert Ibenstein stand sinnend am Fenster. „Ja, das ist sehr nötig! Wir haben nun zunächst anstelle eines Dreiecks ein Viereck, und dies bilden die Namen Blackwood, Boghetto, Didiere und Unwey. Dieser Unwey kannte sowohl Boghetto als auch Blackwood und Didiere. Es ist noch festzustellen, ob Didiere auch zu Boghetto Verbindungen unterhielt; höchstwahrscheinlich war dies der Fall.— Ein besonderes Problem ist dann die Verbindung George Skenow und Henri Tullin, ein weiteres Problem die Tätigkeit Gilbert Rawsons und Dr. Oppermanns.— Ja, und noch etwas!“ Aber dieses„Noch“ verriet Bert Ibenstein auch Jean Mauroy nicht. Sie fuhren dann gemeinsam nach der Privatwohnung Didieres in der Rue de la Vinette. Bis auf die Wirtschaftsräume war die Wohnung polizeilich versiegelt worden. Emile Mernier, der Diener Didieres, begrüßte die beiden Herren. Mauroy gab ihm einen Wink, ihnen in das Herrenzimmer zu folgen. Er sagte streng: „Ich richte jetzt nochmals Fragen an Sie, und Sie werden mir alles sagen, was Sie wissen!" Der Diener sah ihn ernst an. „Ich wüßte nicht, was ich verheimlichen sollte, Herr Kommissar. Wenn man länger denn zehn Jahre im Dienste eines Herrn steht, hat man wohl selbst das größte Interesse daran, die Ermordung seines Herrn baldmöglichst aufgeklärt zu sehen.“ „Sie sagten aus, Aristide Didiere sei in letzter Zeit öfters sellsam aufgeregt gewesen?“ „So ist es, Herr Kommissar. Herr Didiere zeigte während der letzten Wochen manchmal eine ganz eigentümliche Unruhe.“ „Sie wollen den Grund dieser Unruhe nicht kennen?“ „Ich konnte mir sein Verhalten nur dahin erklären, daß er wohl geschäftliche Sorgen hatte. Nachdem Herr Didiere nun freilich eines so seltsamen Todes starb, könnte man sein Verhalten während der letzten Zeit auch dahin deuten, daß er von irgendwelchen Feinden bedroht wurde.“ „Aber Sie wissen nichts davon?“ „Nein.“ „Herr Didiere hat Ihnen gegenüber nie über die Ursache seiner Unruhe gesprochen?" „Niemals.“ „Wie war das mit seinen Postsachen? Bekam er die Briefe hierher, oder gingen alle Sendungen an die Bankadresse?“ „Herr Didiere bekam sehr viele Zuschriften auch hierher.“ „Auch vom Auslande?“ „Allerdings! Ich sah englische und italienische Briefmarken, auch spanische. So genau kann ich das nicht sagen.“ „Wann zeigte sich Herr Didiere besonders erregt? Wenn er Briefe öffnete?“ „Das kann ich nicht beurteilen.“ „Sprach Herr Didiere Ihnen gegenüber über seinen ersten Kassierer, Herrn Henri Tullin?“ „Er unterhielt sich mit mir nie über geschäftliche Angelegenheiten.“ „War gestern oder heute früh Herrn Didieres Braut hier?“ „Fräulein Vevrin rief telephonisch an, ob ich etwas Neues über die schwebende Untersuchung wüßte, ob die Wohnung hier immer noch verschlossen sei.“ „Warum verschlossen? Wollte Fräulein Vevrin hierherkommen, wenn die Wohnung seitens der Polizei freigegeben wurde?" „Das weiß ich nicht. Ich wüßte auch nicht, wie ich mich verhalten sollte, wenn dem so wäre.“ „Was sagte Fräulein Vevrin sonst noch am Telephon?" „Nicht viel! Sie war offenbar sehr erregt und klagte über—“ „Nun, worüber denn?“ „Ueber die langsame Arbeit der Polizei. Sie wünscht, daß der Mörder möglichst rasch gefunden werde.“ „Ach so! Ja, und wie ist das: Empfing Herr Didiere oft Besuche hier im Hause?“ „Nicht oft. Nur zu kleinen Festlichkeiten lud er hin und wieder einige Freunde und Freundinnen ein.“ „Geschäftliche Besuche empfing er hier nicht?“ „Nein.“ „War einmal ein Mr. Blackwood aus London hier im Hause?“ „Der Name ist mir ganz unbekannt.“ „Oder ein Professor Beghetto?“ „Auch diesen Namen hörte ich nie.“ „Und wie ist es mit einem Herrn Unwey?“ „Unwey?— Nein, dieser Name ist mir ebenfalls nie zu Ohren gekommen.“ Jean Mauroys Stimme drohte. „Ich empfehle Ihnen dringend, die Wahrheit zu sagen! Alles, was Sie jetzt verschweigen, kann zu Ihrem Nachteil gedeutet werden. Ich habe gerade vorhin in der Mordsache Didiere eine Verhaftung vorgenommen!“ Aber Emile Mernier versicherte mit ruhigem Ernst: „Ich sage die reine Wahrheit, Herr Kommissar. Aber da Sie mich nach Namen fragen,— nach fremdländischen Namen, fällt mir ein, daß Herr Didiere doch einmal zwei Herren mitbrachte. Vor vielleicht zwei Monaten mag das gewesen sein. Aber ich denke, es handelt sich da nicht um geschäftliche Angelegenheiten, sondern um den Besuch zweier Freunde Herrn Didieres, die sich auf der Durchreise hier aufhielten.— Diese Herren führten ausländische Namen.“ „Wie hießen sie?“ „Der eine, ein großer starker Herr mit rotblondem Haar, wurde von Herrn Didiere mit „Senor Lopez“ angesprochen, der andere, ein schlanker Herr mit völlig ergrautem, eigentlich weißem Haar, mit Dr. van Morten.“ „Lopez?— Van Morten?“ Jean Mauroy sah nachdenklich Bert Ibenstein an. :„ R o t b l o n d e H a a r e—? A b e r L o p e z?— D a s ist doch offenbar ein Spanier gewesen! Allerdings rotblondes Haar—? Und Dr. van Morten scheint ein Holländer zu sein.“ Bert Ibenstein nickte. „Wenn die Namen der Herren stimmen,— ja!“ Er wandte sich an den Diener. „Wie lange weilten die Herren hier im Haus?“ „Drei oder vier Stunden. Herr Didiere hatte für sich und seine beiden Gäste ein ausgesucht gutes Diner bestellt. Die drei Herren schienen sich sehr gut zu unterhalten.“ „Sie gingen doch immer ab und zu hinein?" „Während des Diners, ja; später, nach dem Essen, hatte ich nichts mehr im Zimmer zu tun.“ „Worüber sprachen die Herren? Sie müssen doch einiges gehört haben.“ „Die Unterhaltung wurde anfangs englisch geführt und ich kann nicht englisch. Ich weiß also nicht, worüber sich die Herren unterhielten.“ „Klang ihre Unterhaltung so, daß anzunehmen war, sie standen in gutem Einvernehmen miteinander?“ „Gewiß! Sie lachten auch öfters.“ Bert Ibenstein suchte Jean Mauroys Augen. „Ob dieser Besuch für uns eine Bedeutung hat?“ Aber dann bat der Diener: „Entschuldigen Sie, Herr Kommissar! Sie nannten vorhin Namen. Wenn ich mich recht erinnere, erwähnten die Herren einmal einen Namen, der mit einem der von Ihnen vorhin aufgezählten Aehnlichkeit haben dürfte.“ „Boghetto?“ „Nein, es war ein englisch klingender Name.“ „Blackwood?“ „Auch dieser war es nicht; aber Sie sprachen noch einen dritten Namen aus.“ „Unwey?“ „Ja!— Das muß er gewesen sein. Dieser Name,— oder wenigstens ein sehr ähnlich klingender wurde von den Herren wiederholt erwähnt.“ Bert Ibenstein zog die Brauen hoch. „Ja, nun möchte man wissen: War es wirklich dieser Name, oder war es ein ähnlicher. Das ist eine wichtige Frage!“ Er sah sich suchend in dem Zimmer um. „Aber vielleicht gibt uns irgendetwas hier Antwort auf diese Frage.“ Jean Mauroy winkte dem Diener. „Gehen Sie! Halten Sie sich draußen bereit. Vielleicht habe ich noch weitere Fragen an Sie zu richten.“ Als sie miteinander allein waren, sagte Bert Ibenstein: „Wenn ich Ihnen also ein wenig zur Hand gehen darf—“ „Aber bitte! Vielleicht haben Sie mehr Glück als ich! Im Grunde habe ich ja hier schon alles durchsucht. Aber versuchen wir es immerhin noch einmal!“ Sehr sorgsam gingen sie daran, Didieres Zimmer noch einmal abzusuchen. Bert Ibenstein schenkte vor allem der Bibliothek Didieres Interesse. Er las die Namen der Werke, schritt an den Bücherreihen hin und her. Dann rief er Jean Mauroy herbei. „Man sieht, daß Didiere eine Junggesellenwirtschaft führte. Sein Diener Mernier mag ein ganz brauchbarer und vor allem treuer Bursche sein, aber die rechte Art des Säuberns ist ihm nicht eigen. Wenn Sie die Bücherreihen da abgehen, finden Sie überall eine Staubschicht; aber gerade dieser Staub verrät uns etwas Besonderes: Aristide Didiere besaß zwar eine reichhaltige Büchersammlung, doch hat er sehr wenig in den Büchern gelesen. Zeitmangel oder Interesselosigkeit!— Wenn Sie aber das zweite Fach in Augenschein nehmen, finden Sie, daß hier bei einigen Büchern die Staubkante vorn auf dem Brett fehlt. Diese Bücher wurden also kürzlich herausgenommen und gelesen. Sie passen aber auch garnicht zu den links und rechts von ihnen stehenden Werken. Das da hüben und drüben sind Romane, und zwar älterer Autoren, die paar Bände hier aber sind wissenschaftliche Werke. Lesen Sie die Rückentitel!“ Und Jean Mauroy las! Das Horoskop und der Lebenslauf des Menschen.— Bestimmen die Sterne die Dauer unseres Lebens?— Saturn und Mars, ihre Bedeutung für das Schicksal der Menschen. „Komisch! Das macht den Eindruck, als ob Didiere sich mit Sternkunde und ähnlichen Dingen beschäftigte.“ Bert Ibenstein zog eines dieser Bücher aus der Reihe und schlug es auf. „Da sehen Sie! Dies Buch ist erst voriges Jahr erschienen! Didieres Interesse für solche Werke ist also erst in neuester Zeit erwacht!— Aha, hier finden sich auch Blätter mit Aufzeichnungen in Didieres Handschrift. Da ein Satz: „Ist mein Tod wirklich beschlossen?“ Jean Mauroy nickte. „Es ist mir das ganz klar: Didiere bekam Drohbriefe, es wurde ihm der Tod in Aussicht gestellt,— ganz so, wie Sie annehmen! Und das von Ihnen in Tullins Wohnung gefundene Briefblatt bestätigt das!— Scheinbar wollte Didiere anfangs den Drohungen keine Beachtung schenken, er ward dann aber doch ängstlich, zweifelte, ob es sich um bloße Erpressungen handelte. Da kam er auf den Gedanken, sich mit Sterndeutungen zu beschäftigen, und scheinbar ist es ja dann so gekommen, daß die Sterne ihm ein schlimmes Ende verhießen.“ Er griff nun gleichfalls nach einem dieser Bände und blätterte darin. Und dann hielt er zwei Briefumschläge in den Händen. „Noch etwas! Briefe aus England, oder vielmehr die Umschläge von Briefen!“ Bert Ibenstein beugte sich rasch vor. „Das ist ja wieder das uns bereits bekannte Format! Und die gleiche Anordnung der Adresse!— Didiere bekam offenbar von der gleichen Seite Zuschriften, die auch John Blackwood und seine Tochter mit Briefen bedachte.“ Sie suchten nach weiterem Material, und plötzlich hielt Bert Ibenstein noch etwas in den Händen. Es war eins der großen hellblauen Kuverts, wie sie solche auf Didieres Schreibtisch gefunden hatten, mit Didieres Monogramm versehen, von Didiere für seine Privatkorrespondenz angeschafft. (Fortsetzung folgt.) Die Geheimnisse der Telcgruphenstunge Was macht der Specht in der Leitung?— Künstliche Aderverkalkung im walde— Die Stange als Wetterprophet Trotz der ständig fortschreitenden Verkabelung der Telegraphenleitungen stehen noch rund fünf Millionen Telegraphenstangen im deutschen Reichsgebiet. Rank und schlank erheben sie sich an den Straßen und Wegen, haarscharf und schnurgerade schneiden ihre Drähte die Luft entzwei. Sie gleichen den Kieselsteinen, die Däumling im Märchen auf die Straße warf, um den Weg wiederzufinden; ihre unendlichen Notenlinien führen sicher in das Kulturleben zurück. Mit jubelndem Hurra warfen einst unsere Afrikaner ihre Hüte und Mützen in die Luft, als sie nach langem Leiden und Streiten im Sandfeld die ersten Telegraphenstangen erblickten. Sie wußten, die Stangenreihen zeigten den Weg nach Windhuk. Die stolze Kiefer, die vor Jahren als grünes Naturkind im Wipfelrauschen des Waldes ihre Krone wiegte, ist bei der Post nicht zum gemeinen Pfahl geworden. Sie gilt noch etwas in der Kulturwelt, sie lebt aufs neue, als der Stimmträger des Drahtes, in dem rastlos das wache Leben der Welt summt. Brausende Telegraphendrähte— Sphärenmusik des Jahrhunderts! Was da in den Drähten und Stangen singt und tönt, das ist das ewige Lied des Lebens... Leider sind die Telegraphenstangen seit jeher rechte Sorgenkinder des Staates gewesen. Denn die Nadelhölzer, die uns die Stangen liefern, haben die fatale Neigung, in Fäulnis überzugehen, sobald das pflanzliche Leben in ihnen aufhört. Kaum ist eine Stange gesetzt, so machen Feuchtigkeit, Temperatur, Luft, Erdsalze gemein same Sache mit den Insekten, Würmern und Bakterien; ihren vereinten Kräften kann eine gesunde Stange schon nach einem Jahre erliegen — Die Telegraphenstangen stehen zu einen Fünftel ihrer Länge in der Erde. Die erste An. griffsstelle der Fäulnis liegt immer an den Punkte, wo die Stange aus der Erde tritt, we also das Holz durch das Erdreich dauernd feuch gehalten wird und dabei der Luft ausgesetzt ist Das Ankohlen der Stangen führte als Gegen mittel so wenig zum Ziele wie das Brühen Dämpfen und Kochen in großen Kesseln. Leben im Walde schon wurden die Bäume für den späteren Staatsdienst vorbereitet, indem man sie durch Verharzung in eine Art Aderverkalkung versetzte; ja, während noch ihre Kronen im Winde rauschten, gaben die Menschen ihnen den Gifttrank; sie mischten den aufsteigenden Lebenssäften flüssiges Kupfervitriol bei. Bis man schließlich herausbekam, daß die Saftbestandteile des Holzes selbst den Keim des Verderbens in sich tragen. Wie die alten Doktoren die„materia peccans“, den sündigen Stoff, durch Erbrechen und Durchfall aus dem menschlichen Körper trieben, so mußte nun auch der Saft aus dem Holz entfernt und dieses mit fäulnishindernden Flüssigkeiten getränkt werden. Dazu gehört in erster Linie Kupfervitriol. Technisch ist das Zubereitungsverfahren ziemlich einfach. Die frisch gefällte Kiefer wird in der Tränkungsanstalt unter Dampf= und Wasserdruck gesetzt, worauf das flüssige Vitriol am Stammende eindringt und den Holzsaft vor sich hertreibt. Er tritt dann am Kopfende der Stange aus, zuerst tropfenweise wie Tränen, darauf fließend, schon im Vitriol vermischt in grünlicher Färbung, ein Zeichen, daß die Lösung die Stange vollständig durchdrungen hat. Während dieser Gewaltkur, die 9 bis 13 Tage dauert, hat die Kiefer ihre pflanzliche Seele ausgehaucht und ist mit Hilfe von Kupfervitriol, Zinkchlorid, Quecksilber, Teeröl und ähnlichen Giftstoffen zu einem reinen Kunsterzeugnis geworden. Die künstliche Zurichtung sichert ihr in der Regel eine staatliche Dienstzeit von durchschnittlich 20 Jahren. Tönende Telegraphenstangen— geheimnisvolles Lied der Ferne! Was hat es mit dieser Telegraphenmusik eigentlich auf sich? Unsere Kleinen vermeinen dem akustischen Beiwerk des Telegraphierens zu lauschen, wenn sie ihre watschlige Ohren an die Holzstangen drücken. Unheimlich klingt das Summen den Naturvölkern, denn es verrät ihnen, daß böse Geister in den Stangen wohnen. Während darum die Besonnenen zur Versöhnung zürnender Götter beruhigende Fetische an die Stangen heften, machen beispielsweise die sonst so draufgängerischen Matable einen großen Bogen um sie. Der kluge Menelik von Abessinien ließ die Telegraphenleitungen durch Priester heiligsprechen, um sie gegen die Angriffe seiner Untertanen zu schützen. Auch die niedere Kreatur wird durch das Tönen der Telegraphenstangen in ihrem Normalverhalten merkwürdig beeinflußt. Meister hält die Stangenmusik für das Schwärmen eines Bienenstocks und ruht nicht eher, bis die Stange am Boden liegt. Einer gleichen Täuschung soll auch der sonst so gescheite Specht unterliegen, indem er die Geräusche mit dem Summen von Insekten verwechselt. Der kleine Waldzimmermann ist ein ganz gefährlicher Telegraphenfresser. Er greift alle Stangen an, einerlei, ob sie im Rohzustande oder mit Kupfervitriol, chlorid oder Quecksilbersublimat zubereitet sind; selbst kreosotierte Stangen erwecken nicht seinen Abscheu. Er folgt den neugebauten TelegraphenKidnapper, Räuber und Banditen, laßt es euch licht einfallen, künftig in den Filmkolonien von Hollywood und Beverly Hills eurem verbrecherischen Handwerk nachzugehen, ihr werdet plötzlich eine Meute berittener Männlein und Weiblein hinter euch haben, die furchterweckend ihre Lanzen schütteln und blutdürstig ihre Säbel schwingen. Sie werden nicht ruhen, bis sie euch zur Strecke gebracht und den Hütern des Gesetzes ausgeliefert haben. Fürchtet euch vor der Kavallerie der Filmstars. Sie wird ein Ende machen mit dem Terror der Kidnapper und der Atelier= banditen. Soldatspielen ist augenblicklich Mode in der Filmstadt und da man über das nötige Geld verfügt, kann man sich Uniform, Waffen und ein feuriges Streitroß zulegen und der berittenen Hilfspolizei von Hollywood beitreten. Es ist ganz gleich ob man männlichen oder weiblichen Geschlechts ist, Voraussetzung ist nur, daß man bereit ist, sein Leben im Kampf gegen die Gaunerwelt in die Schanze zu schlagen. Es muß ja nicht immer gleich alles ganz ernst genommen werden. Man kann ja auch Verbrecherverfolgungen in Szene setzen, bei denen jeder Mensch von vornherein weiß, daß die Hilfspolizisten mit den gesuchten Verbrechern niemals in Berührung kommen werden. Aber es gibt doch herrliche dramatische Reklamebilder, wenn die fünfhundert Filmstars mit Gesichtern, die Todesverachtung ausdrücken, hinter dem bösen Feind herjagen. O ja, man weiß sich schon die Zeit zu vertreiben. Ob man die Verbrecher endgültig vertreiben wird, ist linien und bürgert sich mit ihnen in Gegenden ein, wo er vorher nicht heimisch war. Der Vogel hackt auf der Nahrungssuche so große Löcher gegen die Stangenachse, daß die Stangen eigentlich nur noch gewohnheitsmäßig zusammengehalten, beim ersten Sturm aber umorechen. Wir selber, die verstandbegabten Menschen, sind uns durchaus nicht einig in der Beurteilung der Telegraphenmusik. Landläufiger Glaube ist, daß die Töne durch Einwirkung des Windes auf die Drähte zustande kämen und in den Holzstangen ihren Resonanzboden fänden. Aber der Wind allein kann nicht als Tonerreger angesehen werden, denn die Stangen tönen auch bei Windstille, während bei heftigem Wind oft kein Laut vernehmbar ist. Allerdings bedeutet Windstille noch nicht vollkommene Luftruhe. Andererseits fehlt es nicht an Erklärungsversuchen, das Summen der Drähte auf Temperaturveränderungen, Luftdruck oder auf seismische Ursachen zurückzuführen. Der Landmann sagt:„Die Telegraphenstangen heulen, es gibt ander Wetter.“ So glaubt denn auch ein Fachmann, Eydam, das Brummen zeigt mit Sicherheit schlechtes Wetter an. Laska sieht ebenfalls in dem Tönen ein Vorzeichen für das Herannahen eines Tiefdruckgebietes. Bock schließt dagegen bei starkem, gleichmäßigem Tönen auf gutes, bei unreinem, wechselndem Tönen auf schlechtes Wetter. Andere Forscher, wie Liese und Greipel, verneinen überhaupt einen Zusammenhang mit dem Wetter. Was die Tonfärbung betrifft, so kann man sich überzeugen, daß zu gleicher Zeit die verschiedenen Stangen eine verschiedene Tonhöhe haben, die eine singt den Sarastro, die andere die Pamina. Ja, wer hätte wohl gedacht, daß die Telegraphenstangen so voller Geheimnisse wären! Geheimnisvoll für die meisten ist auch die Biographie, die jede Stange auf den Leib geschrieben trägt. Der Kundige entnimmt daraus, wem die Stange gehört(TV. Telegraphenverwaltung), mit welchem Gift sie getränkt ist(.= Kupfernatürlich eine andere Frage. Auch wenn jetzt rings um Hollywood eine„Todeslinie“ gezogen worden ist, innerhalb der es jeder Gesetzesübertreter mit der Kavallerie der Filmstars zu tun bekommt. Kommandant der reitenden Hilfspolizei ist nun nicht etwa Douglas Fairbanks oder ein Schauspieler vom Schlage des verstorbenen Tom Mix, — nein, die Anerkennung eines Einzelnen als Vorgesetzten, das ließ die gegenseitige Rivalität nicht zu, das hätte doch eine Zurücksetzung aller anderen und eine ungerechtfertigte Sonderreklame für den Auserwählten bedeutet. Kommandant ist vielmehr ein Sportlehrer bei dem die Filmstars Reitunterricht nahmen, ehe sie auf den Einfall kamen, sich als Soldaten oder auch Amazonen zu verkleiden, und sich sogar, wenn auch nicht sehr weitgehende amtliche Befugnisse zuerkennen zu lassen. Dieser Sportlehrer heißt Victor MacLaglen, ist allgemein sehr beliebt und kann vor allem reiten wie der Teufel. Mehrmals in der Woche alarmiert er seine männlichen und weiblichen Soldaten, um sie nach allen Regeln der Kunst einzuexerzieren. Er ist vorsichtig genug, beim Exerzieren nicht gar zu viel zu verlangen, denn sonst könnte ja den schönen Frauen und den Männern, die so gerne Männer sein wollen, der Spaß an der Sache vergehen. Gönnen wir den Herrschaften von Hollywood ruhig ihr Vergnügen. Aber sie mögen uns gefälligst mit Wochenschauaufnahmen von ihrer hilfspolizeilichen Tätigkeit verschonen. Die Kudanerie der Annsiaes hollywood bildete eine eigene reitende Schutzpolizei Das Flugzeug als Sämann Wie kalifornische Reisfelder bestellt werden sollen Die Großfarmer von Kalifornien haben sich ausgerechnet, daß sie bei der Größe ihrer erhebliche Summen sparen, wenn sie zur Aussaat ein Flugzeug benutzen Das Flugzeug kann auch die riesigsten Flächen innerhalb weniger Minuten ganz gleichmäßig mit Saatkörnern bedecken und so den Aufwand von kostspieligen Maschinen und Motoren einsparen. Vor allem sollen sich die Reisfelder mit dem Flugzeug vorzüglich besäen lassen. Selbstverständlich müssen die Flugzeuge mit einer Spezialeinrichtung zum gleichmäßigen Ausströmen der Samenkörner verehen werden. Aber diese Einrichtung kostet kaum mehr als eine normale Sämaschine. Im übrigen brauchen nur noch die Felder, über die das Flugzeug als Sämann in niedriger Höhe hinwegfliegen soll, durch kleine Fähnchen deutlich kenntlich gemacht zu werden. vitriol, 8= Zinkchlorid, Er-— Teeröl). Darunter folgen Altersnachweise. Im Frühjahr, wenn die Schwalben wiederkommen, ziehen die Telegraphenbaukolonnen die Stangenreihen entlang, prüfen und mustern. Dann bekommt manch pensionsberechtigter alter Knabe seinen Todesstreich; er hat seine Zeit ehrenvoll an der Landstraße abgedient. .. Ernst Niemann Paris im ¾ Takt Der Fasching setzt auch in Paris langsam ein. Die Veranstaltungen in den großen Hotels werden immer zahlreicher und sind merkwürdigerweise gut besucht, obgleich die politischen Umstände. und die allgemeinen sozialen und finanziellen Verhältnisse im ganzen Lande gegenwärtig keineswegs herzerfreulich sind, so daß die Pessimisten für dieses Jahr eine schlechte Karnevalssaison vorausgesagt haben. Schon jetzt kann man feststellen, daß der Wiener Walzer inzwischen nicht nur seinen Einzug in Paris gehalten hat, sondern tatsächlich im Begriff steht. das ganze Land im Sturm zu erobern. Nicht wenig dazu beigetragen hat das Fest. das kürzlich im Palais der Prinzessin Faucignn=Lucinge in Paris stattgefunden hat. Dieser Ball. an dem alles teilnahm, was in der Pariser Gesellschaft Rang und Namen aufzuweisen hat— auch die Herzöge de Maille und de Broglie waren anwesend — stand restlos im Zeichen des Walzers. Dem eigentlichen Ball. der als Kostümfest aufgezogen war, ging eine Art Revue voraus. die die Geschichte des Walzers im Laufe der Jahrzehnte zum Gegenstand hatte. Man konnte viele der blendend schönen Damen und vornehmen Herren der Pariser Gesellschaft in Alt=Wiener=Trachten bewundern. die sich unentwegt. Stunde für Stunde im Dreivierteltakt über das Parkett bewegten. Auch wer nicht an dieser Nevue teilnahm, war in altväterlicher Tracht erschienen, wobei vor allem die originellen Frackanzüge der Herren, ganz im Stil der Boheme zur Zeit des guten Murger gehalten, berechtigtes Aufsehen erregten. All das wirkte so frisch und so nett, daß die Begeisterung bis in die frühen Morgenstunden hinein anhielt. Am besten hat übrigens ein Walzer von Lebar, der„Ungarische Walzer". gefallen, der von den beiden Tänzern. einer Madame Mirabaud mit dem jungen Baron Hamelin, getanzt wurde: die beiden mußten ihn immer und immer wieder von neuem vorführen, und das Publikum raste vor Beifall. Das reizende Paar— er übrigens in der reichverschnürten, schmucken Uniform eines HonvedHusaren— erhielt natürlich den ersten Preis. Diese Walzernacht im Palais der Prinzessin Faucigny wird in Paris wohl lange unvergessen bleiben. Sie hat dem Walzer die französische Hauptstadt erobert, und nun wird wohl die Zeit nicht mehr allzu fern sein, wo nicht nur Paris. sondern ganz Frankreich sich im Dreivierteltakt wiegt. Es Frrein Inanoui, fagl der Herlng Ultra-Schallwellen enthüllen das Fischparadies— Echolote für die hochseeFischerei— Enträtselung der Tiefe Eine der umständlichsten Arbeiten an Bord von Schiffen war bis vor nicht langer Zeit das Loten. Mit Senkblei und Leine mußte in Gewässern, deren Meeresboden nicht in allen Einzelheiten bekannt war, die Wassertiefe bestimmt werden. Man kann sich vorstellen, wie langwierig diese Art von Messung war. Die Statistik über die Schiffsverluste in den letzten Jahren rechnet mehr als 50 Prozent des Abganges an Schiffen auf das Verlustkonto durch Stranden oder ähnliche Unfälle. Das Echolot In Schiffahrtskreisen war schon seit langem der Wunsch vorhanden, das Lot durch einen Apparat abzulösen, der es gestattet, die Meerestiefen unter dem Kiel eines Schiffes schnell und mit hinreichender Genauigkeit zu bestimmen. Und es hat auch nicht an Köpfen gefehlt, die sich mit dieser Aufgabe befaßten. Unter den verschiedensten Methoden zur Meerestiefen=Bestimmung ist die Echomessung die vorherrschende. Das Verfahren ist eine Schallmessung. Man bestimmt die Laufzeit einer Schallwelle bis zu einer reflektierenden Wand und wieder zurück. Kennt man die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalles in dem betreffenden Stoff. also in praktischen Fällen Luft und Wasser, so kann man ohne weiteres die Entfernung der Schallquelle von der reflektierenden Wand bestimmen. Apparate, die auf dieser Grundlage aufgebaut sind, nennt man Echolote. Sie sind schon sehr gut durchentwickelt, und das Luftschiff„Graf Zeppelin“ bedient sich beispielsweise eines solche Echolotes zur Höhenbestimmung. Ultra=Schallwellen gebündelt gesandt Was in der Luft möglich ist, kann auch im Wasser durchgeführt werden. Bei der Schiffahrt kommt es jedoch darauf an, ein möglichst genaues Bild des unterm Kiel des Schiffes vorhandenen Meeresbodens zu erhalten. Würde man in dem Falle die vorhin genannte Echomethode anwenden, so würde man nur ein sehr ungenaues Bild erhalten, weil die Schallwellen sich im Wasser ebenso wie in der Luft kugelförmig ausbreiten und die gemessenen Zeiten einen Summenwert verschiedenster Laufzeiten darstellen. Verwendet man dagegen UltraSchallwellen, d h. Schallwellen mit so hoher Schwingungszahl, daß wir sie mit unseren Ohren nicht mehr wahrnehmen können, so kann man das Echoverfahren ganz erheblich verfeinern. Die Ultra=Schallwellen lassen sich nämlich sehr scharf gebündelt aussenden so daß sie auch nur eine verhältnismäßig kleine Fläche des Meeresbodens treffen. Die gemessene Laufzeit ist jetzt kein Summenwert mehr, sondern läßt eine verhältnismäßig sehr genaue Bestimmung der Entfernung des Schiffskiels vom Meeresboden zu. Das neue Radiolot Die Deutsche Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H.(Debeg) hat ein Radiolot entwickelt, das sich bereits in vielen Fällen ganz ausgezeichnet bewährt hat. Dieses Radiolot erzeugt mit Hilfe eines Löschfunkensenders hochfrequente elektrische Schwingungen, die einem im Schiffsboden eingebauten Kristall, der zwischen zwei Platten eingespannt ist, zugeführt werden Der Kristall formt die elektrischen Schwingungen in entsprechende mechanische Schwingungen um, die sich dann im Wasser scharf gebündelt fortpflanzen Es werden in jeder Sekunde zehn Schallzüge abgegeben und in den Pausen die vom Meeresboden reflektierenden Schallzüge vom gleichen Kristall wieder ausgenommen. Der Kristall formt die vom Meeresboden kommenden Schallwellen in elektrische Spannungen um, die nach einer entsprechenden Verstärkung einem Meßgerät zugeleitet werden, das so geeicht ist, daß es die unmittelbare Lotung angibt. Das Meßgerät besteht in der Hauptsache aus einer kreisrunden Skala von 27 Zentimeter Durchmesser, hinter der eine Anzeige=Glimmlamve entsprechend der Zahl der abgestrahlten Schallzüge, zehn Umdrehungen in der Sekunde ausführt. Die Lampe spricht auf die Spannungen an, die vom Kristall über den Verstärker ihr zugeführt werden. Bei zehn Umdrehungen in der Sekunde empfindet das Auge die ankommenden Impulse als eine leuchtende Marke, die sich entsprechend den Laufzeiten der Schallwellen im Wasser auf der Skala verschiebt. Das Meßgerät ist mit größtmöglicher Genauigkeit ausgestattet. Es sind zwei umschaltbare Meßbereiche vorhanden, ein kleiner, der die Meerestiefen bis 65 Meter und ein großer Bereich, der die Meerestiefen von 50—450 Meter erfaßt. Vollkommen einwandfreie Messungen können schon von 1,5 Meter Tiefe an vorgenommen werden. Gerade diese große Meßgenauigkeit in Verbindung mit der scharfen Bündelung der UltraSchallwellen gestattet es, den Meeresboden abzutasten und die Form seiner Oberfläche mit Hilfe des Lichtzeigers genau zu bestimmen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß man sogar gesunkene Schiffe, Felsen oder sonstige Unebenheiten des Meeresbodens genau wahrnehmen kann. Enthüllung der Meerestiese Aber noch andere erstaunliche und für die Schifffahrt sehr wichtige Feststellungen kann man mit dem Radiolot machen. Die Echolotung gibt gleichzeitig an. ob unter dem Kiel des Schiffes sandiger oder felsiger Grund. ob Ton. Schlick oder Steine vorhanden sind. Je nach der Festigkeit des Meeresbodens erhält man oft mehrfache Echos, die von der Skalenlampe natürlich, alle angezeigt werden. Die verschiedenen Leuchtzeichen, die man am Meßgerät erhält, konnten mit Hilfe von Meereskarten ausgewertet werden, so daß man heute imstande ist. die Echozeichen genau zu deuten. Für die HochseeFischerei hat gerade diese Eigenschaft des Radiolotes an Bedeutung gewonnen. Bekanntlich sind die ergiebigsten Fischgründe in den Weltmeeren an Bänken zu suchen. Da entwickeln sich die den Fischen zur Nahrung dienenden Kleintiere am besten. Am Hang solcher Bänke„stehen“ die Fischschwärme. wie es in der Seemannssprache heißt. Das Auffinden solcher Stellen war früher von dem Zufall abhängig, ob ergiebige Fangplätze ausgemacht werden konnten. Radiolot findet Fischschwärme Als das von der Debeg entwickelte Radiolot auch bei den Fischereiflotten erprobt wurde, machte man die überraschende Feststellung, daß man sich von den Zufällen, die bei Fischfangfahrten bis dahin als Schicksalsfügung galten, so gut wie freimachen konnte. Mit Hilfe des Radiolots war es zunächst einmal möglich. die Hänge an den Fangstellen schnell aufzusuchen. Darüber hinaus zeigte aber auch das Radiolot an. ob Fischschwärme vorhanden waren oder nicht. Stehen nämlich die Fische in dichten Schwärmen, so bilden sie für die Schallwellen eine reflektierende Wand. Ein Teil der vom Schiff ausgesendeten Ultra=Schallwellen werden sich also bis zum Meeresboden fortpflanzen und von dort wieder zurückkehren. Ein anderer Teil wird an den Fischleibern reflektiert werden. Für solche Fälle gibt die Lamve des Meßgerätes ganz bestimmte Leuchtzeichen an. die der Seemann sehr wohl zu deuten weiß. Welche umwälzende wirtschaftliche Bedeutung das Radiolot für die Hochseefischerei, den Fischmarkt und darüber hinaus für die Ernährung eines Volkes gewinnen kann, braucht wohl kaum noch näher erörtert zu werden. * Und noch für einen anderen Zweck kann das Radiolot Verwendung finden. der für die Schifffahrt von großem Wert ist, für die Navigation. Es ist mit Hilfe des Radiolots gelungen, ohne Sicht den Kurs eines Schiffes zu bestimmen. Das geschah so. daß mit Hilfe des Radiolots die Meerestiefe unter dem Kiel des Schiffes gemessen wurde. An Hand einer genauen Seekarte. in der die Meerestiefen und die Beschaffenheit des Bodens angegeben waren. konnte mit großer Genauigkeit die Position des Schiffes dauernd überwacht werden. Stadttreis Sustrop=Kaußet Castrov=Rauxel, 5. April 1936 Osterverkehr der Post Osterpakete und Ostergrüße Östergaben und Österwünsche, die man mit der Post übersendet, sollen pünktlich zum Fest eintreffen. Die Post hat alle Vorkehrungen getroffen, sie bittet die Versender um verständnisvolle Mitarbeit. Pakete, Postgüter und Päckchen wie die brieflichen Östergrüße sollte niemand erst in allerletzter Stunde einliefern. Bei dem Reiseverkehr vor dem Feste sind immerhin Verspätungen und Anschlußverfehlungen möglich; verspätetes Eintreffen der Sendungen beeinträchtigt aber leicht die Festfreude bei den Empfängern. Die Paketsendungen müssen gut verpackt und verschnürt, die Aufschriften haltbar angebracht werden; obenauf in jede Sendung lege man ein Doppel der Aufschrift, damit die Östergaben auch ihr Ziel erreichen, wenn die äußere Aufschrift verloren geht. Für Päckchen, die mit den Paketsendungen befördert werden, darf man nicht schwache Pappschachteln verwenden, die leicht eingedrückt werden. Die Anschrift des Empfängers und des Absenders sollen auf den Paket= wie auf den Briefsendungen vollständig und recht deutlich angegeben werden. heute für 10 Pfennig zum Heimatmuseum, Terrarium und Notgeldscheinen Unser Heimatmuseum, das durch die Aufstellung des Terrariums eine sehenswerte Bereicherung erfahren hat, ist zusammen mit der 2. Sonderschau, der Notgeld=Ausstellung, am heutigen Sonntag zum Preise von nur 10 Pfg. von 10 bis 13 Uhr zu besichtigen. In den Preis einbegriffen ist außerdem noch die interessante, neue, von Günther Karkoska geschaffene Bildkarte, die in der Mitte den==Notgeldschein der Stadt Castrop und daneben Notgeld der Stadt Eckartsberga mit dem Bilde Friedrichs des Großen und der Unterschrift„Ich bin der erste Diener des Staates“ zeigt. Mit der kommissarischen Leitung der Augusta-Schule beauftragt Der Lehrer Paul Erichreinke von der kath. Kaiserschule im Stadtteil Habinghorst wurde mit der kommissarischen Leitung der Augustaschule im Stadtteil Obercastrop beauftragt. Erichreinke ist ein geborener Castrop=Rauxeler. Er wurde in der Altstadt am 2. Oktober 1890 geboren. Der Vorbereitung für den Lehrerberuf oblag er an der Präparandenanstalt und dem Lehrerseminar zu Werl. Hier bestand er 1911 auch die erste Lehrerprüfung. Den ersten Lehrauftrag erhielt er am 1. 4. 1911 an der kath. Volksschule in DortmundNette. Von dort wurde er am 1. April 1913 nach Habinghorst versetzt, wo er bis jetzt als vorbildlicher Erzieher der Jugend seine Berufspflichten erfüllte. heute„Kosmarein vom Böhmerwald“. Wir werden gebeten, noch einmal auf den heute 19,30 Uhr im Kasinosaal der Zeche„Graf Schwerin“ (Bökenkamp) stattfindenden„KdF.“=Abend hinzuweisen, bei dem die überall mit so großem Beifall aufgenommene Singspiel=Operette„Rosmarein vom Böhmerwald" zur Aufführung gelangt. Bei einem Eintrittspreis von nur 60 Pfg. wird jeder Besucher bestimmt einen angenehmen und unterhaltsamen Abend verleben. Ein erbbiologisches Schauspiel „Schwiegersöhne“ von Alexander Paul gelangt hier am Dienstag zur Aufführung Am 7. 4 36 führt die Theatergruppe des Reichsausschusses für Volksgesundheitsdienst beim Reichsund Preußischen Ministerium des Innern auf Veranlassung der Landesstelle Westfalen=Süd des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Provaganda das in den Großstädten wie Hamburg und Dortmund mit beispiellosem Erfolge gespielte erbbiologische Schauspiel„Schwiegersöhne" von Alexander Paul in Castrov=Rauxel im Saale Felling. Ickern, Adolf=Hitler=Str. 157, auf.— Dieses Werk schildert in einer einfach und klar gezeichneten Fabel. welches Unglück eine Einstellung. die nichts von den Erkenntnissen der Vererbungslehre wissen will. über eine Familie bringen kann. Es handelt sich um ein provagandistisches Lehrstück, das seiner thematischen Handlung nach voll und ganz zu bejahen ist. Der Besuch dieses wertvollen Stückes ist dringend zu empfehlen. Küchenzeltel für die Woche vom.—13. April 1936(Osterwoche) Mitgeteilt vom Deutschen Frauenwerk, Gau Westfalen=Süd, Abtlg. Volkswirtschaft—Hauswirtschaft Montag: Schweinebratenreste, Blumenkohl und Kartoffeln. Dienstag: Fischfrikassee. Salat und Kartoffeln. Mittwoch: Pfefierpotthast, Stampfkartoffeln und Rote=Beetensalat. Donnerstag: Spinat mit Ei und Kartoffeln. Freitag: Kräutersuppe. Stockfischrollen und Kartoffelsalat, Rhabarberkompott. Samstag: Erbsensuppe. Sonntag(1. Feiertag): Ochsenschwanzsupve. Lammbraten, Mirabellenkompott, Kartoffeln. Schokoladenflammeri und Vanilletunke. Montag(2. Feiertag): Weinsuppe. Reste vom Lammbraten, Büchsengemüse und Kartoffeln. TuttiFrutti. Tag des deutschen Rudersportes in Castrop-Kauxel Der Ruderverein Rauxel bittet alle Volksgenossen, sich am Sonntagmorgen auf der Wartburginsel an der Feier und dem Gemeinschaftsempjang der Feier in Hamburg anläßlich des 100. Jahres des deutschen Rudersportes zu beteiligen. Die Veranstaltung beginnt um 10.45 Uhr mit der feierlichen Flaggenhissung. Um 11.25 Uhr starten alle Boote zum gemeinsamen Dauerrudern aller Ruderer Deutschlands Auf einen Startschuß des Reichssportführers setzen sich die Boote in Bewegung. Ein gemeinsames Eintovfessen zum Besten des Winterhilfswerkes beschließt die Veranstaltung. Die Jungarbeiterkundgebung mit Baldur von Schirach fällt aus Dortmund. Auf Grund der vom Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda angeordneten Versammlungsruhe muß die für Sonntag, den 5. April vorgesehene Jungarbeiterkundgebung auf der Kokereianlage des Dortmund=Hörder Hüttenvereins, Werk Hörde, auf der der Reichsjugendführer Baldur von Schirach sprechen sollte, ausfallen. Die Ausstellung„Schaffende Jugend“ wird am Sonntag im„Haus der Kunst“, Königswall, eröffnet. Drei schwere Raubüberfälle aufgeklärt Bielefeld. Wie wir ausführlich berichteten, wurde in der vorigen Woche auf die Menkhauser Mühle in Oerlinghausen bei Bielefeld von einer schwer bewaffneten Bande ein seit langem vorbereiteter Raubüberfall verübt, den aber die Polizei schon bald durch die Verhaftung der vierkönfigen Bande aufklären konnte. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben ergeben, daß die Bande auch noch andere Raubüberfälle in Ostwestfalen und den angrenzenden Gebieten verübt hat. So konnte sie der Täterschaft bei dem schweren Raubüberfall auf die Eheleute Möller in Diebrock(Kreis Herford) und auch bei dem am Weihnachtsabend des letzten Jahres verübten schweren Raubüberfall auf den Bauern Sundermeier in Schwarzenmoor überführt werden. In allen Fällen haben die Verbrecher nach langem Plan und mit Wassengewalt gehandelt. Die Ermittlungen, die im übrigen auch zur Verhaftung von noch zwei weiteren mit der Bande in Verbindung stehenden Personen führte, werden fortgeführt. Tunnel unter der Weser Minden. Die Reichsautobahnstrecke Köln—Berlin kreuzt zwischen Minden und Bad Oeynhausen bei Vennebeck die Weser. Nachdem man zunächst die Absicht hatte. die Autobahn in einer Brücke auf Richtung Bückeburg—Hannover vorstoßen zu lassen, hat man jetzt beschlossen, die Weser zu untertunneln. Diese gigantische Untertunnelung wird ein Meisterstück deutscher Technik werden und gibt zahlreichen Arbeitern aus dem Gebiet an der Porta Westfalica Arbeit und Brot. Maschmaschinen Für Hand-und Wasser-Antrieb Fringmaschinen m dicken Gummiwalzen in allen Preislagen. In dauerhafter Aus führung zu kaufen bei W. Kaller Castrop-Rauxel 1 Marktstraße 20. ∆ Preiswerle Küchen natur lackiert 145.-195.-un. elfenb. lackiert leicht beschädigt 90* 160 cm 119.“ echt Kirschb. 170 cm 325.echt Nuhbaum 170 cm 345.sämtl. Küchen sind kpl. m. 2 Schränken Möbelhaus Niewels Dortmund Westenhellweg 138 am Körnerplatz Sonntag geöftnet. Tages- und Abendunterricht in Stenographie Maschinenschreiben Buchführung Deutsch. Rechnen Schönschreiben Lackschrift usw. Einiritt jederzeit Bönning Privat-Hande lslehrer und gebrüfter Kurzschrittlehrer Bochumer Straße 7 Sonntag ist unser Geschäft von 14—18 Uhr geöffnet. Von Kirsch’ne Miele sagte Tante, die was von Waschmaschinen kannte Münsterstraße 21 Ausstellungsraum Münsterstraße 16 Zaruck Augenarzt Vr. Meyer-Riemsloh Sprechstunden: —12 Uhr 15—17 Uhr Pianos, Flügel. neu— gebr., zur Miete. Gr. Auswahl. Zahlungserleichtrg Pianohaus Marks, Bochum. Kais.=Wilhlmstt Makulaturpapier stets zu haben im Stadtanzeiger Nerven Jausch. u. Vergünstig. Nuren Canzjährige Kurzeit TahTade Opel, Vicloria, Phönix, usw. W. Verneven Castrop-Rauxel 1 Marktstr. 16, Ruf 2410 Anzahlung 15.— RM. Wochenrate.— RM. Täder Gracfachen liefert schnellstens Druckerei Geschw. Schmitz im brieflichen Verkehr mit Ihren Geschäftsfreunden und Kunden sind gut gestaltete und sauber gedruckte Briefblätter. Ein Briefblatt, das einen übersichtlich angeordneten Firmenkopf trägt, sauber gedruckt und aus gutem Papier ist, macht beim Empfänger stets einen sympathischen Eindruck auf Ihr Unternehmen. Wir raten darum zu einer guten Ausstattung Ihrer Briefblätter. Beauftragen Sie uns. Wir sind die Drucker schöner Geschäftspapiere. Druckerei Geschw. Schmitz Castrop=Rauxel 1, Münsterstraße 24.— Sammelruf 2151.