„„—„ D für Castrop=Rauzel und Umgebung 62. Jahrg. Castroper Zeitung 55 Bsar Voibesteloreie 2 RR. monatlich, Erlasansorüche können anzeigen 1 wmn doch und 72 mm breit 25 Hig. Nachla Kauxeler Neueste Nachrichten Harpscheistleiter, Gekartpotlich Wie den Tertell: Fien; zusgegebenen, s. Bladenhorster Tageblatt Velter in Cakro=Kauzel. DA. Tll. 3 1738, Sa. Re. 2151 Caktrog, nachm tage zuvor Erfülungoort u. Gerichtstand Castrop=Kauzel. Amtliches Veröffentlichungsblau für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Allgemeines Kreisblau für den Stadttreis Castrop=Raurel. Vorkraßp der Bewegung Die Bedeutung des As.-Studentenbundes Am 25. und 26. Januar 1936 begeht der NSD.= Studentenbund in der Hauptstadt der Bewegung in München die Feier seines zehnjährigen Bestehens. Vor zehn Jahren gab der Führer dem Pg. Tempel, den Auftrag, die nationalsozialistischen Studentengruppen an den einzelnen Hochschulen zusammenzujassen zu einer großen zentral geleiteten Organisation: dem NSD.=Studentenbund. Am 26. Januar 1926 veröfentlichte im Auftrage des Führers der Parteigenosse Tempel einen Aufruf. er begann: „Seit hundert Jahren schlaft ihr. Bürgerlicher Wohlstand schläsert euch ein. Jenes Bedürfnis nach „Ruhe und Ordnung“ vererbte sich vom Vater auf den Sohn und den Enkel mit dem Ergebnis, daß der Akademiker es versäumte, sich rechtzeitig zu erheben und sich an die Spitze vaterlandsliebender „Proletarier“ zu setzen, die ihr Sklavenlos abschütteln wollten.“ Er fuhr weiter fort: „Solange ihr nicht in euch selber aufräumt, mit den Hunderten von„bürgerlichen“ Vorurteilen, mit dem vertrockneten Geist der„civis academici“, solange werdet ihrs erleben müssen, daß die Geschichte des kommenden Dritten Reiches ohne euch, ja gegen euch gemacht wird.“ Auf diesen Aufruf hin hatten sich bis zum Ende des Jahres 1926 bereits über 20 Gruppen gebildet und über 500 Mitglieder kämpften in den Reihen des NSD.=Studentenbundes für die Idee Adolf Hitlers. Der Kampf, den die Bewegung im großen führte, wurde vom NSD.=Studentenbund an den Universitäten mit gleicher Inbrunst und mit gleicher Schärse geführt. An Gegnern sehlte es nicht. Von rechts bis links waren sie alle vertreten: die Kommunisten, das Zentrum, die Deutsche Volksvartei und die Deutschnationalen, alle standen als Gegner gegen die Handvoll Nationalsozialisten auf. Aber gegen die Kraft der Idee waren sie machtlos. 1926 nahm der Studentenbund den Kampf in den studentischen Parlamenten auf und schon 1929 gab es deutsche Hochschulen, die absolute Mehrheiten für den Nationalsozialismus ausweisen konnten. Dietrich Eckart mußte einmal in seiner Zeitschrift„Auf gut Deutsch“ schreiben,„daß es nicht wahr sei. daß die NSDAP. nur aus Studenten bestände.“ Der Kampf des Studentenbundes und sein Sieg schon lange vor der Machtergreifung zeigte jedoch, daß die nationalsozialistischen Studenten nicht die schlechtesten waren, und daß sie sich würdig zeigten jener Worte des Führers, die er 1927 auf einer Führertagung des Studentenbundes in Leipzig sprach und in denen es hieß„Der NSDStB. habe nicht nur eine Organisation zur Vorbereitung nationalsozialistischer Weltanschauung auf der Hochschule zu sein, sondern darüber hinaus die Führerschule der nationalsozialistischen Bewegung.“ Es ist dies eine große, ungeheuer große Aufgabe, deren Erfüllung den Einsatz des ganzen Menschen verlangte. Was Wunder, wenn da nationalsozialistische Studenten nicht immer in den Hörsälen systemtreuer Professoren zu finden waren, sondern daß sie auf der Straße den Kampfumden deutschen Menschen mit ihren Kameraden in den Reihen der SA., der SS durchsochten. Die gefallenen Studenten wie Horst Wessel Arel Schaffeld, Brano. Reinhare heiligen diesen Kampf, und ihr Leben, das sie gaben, war für jeden ihrer Kamejaden der Ansporn, selbst das Leben einzusetzen, um allem Widerstand und allem Terror zum Trotz den Sieg zu erringen. 1928 wurde Baldur von Schirach, der heutige Reichsjugendführer, mit der Führung des Studentenbundes beauftragt, nachdem Pg. Tempel aus beruflichen Gründen nicht mehr in der Lage war. Unter Baldur von Schirach wurden die großen politischen Hochschulerfolge errungen, und 1931 stand zum ersten Male die gesamte Deutsche Studentenschaft unter nationalsozialistischer Führung. Pg. Walter Lienau wurde nach dem Deutschen Studententag in Graz Vorsitzender der Deutschen Studentenschaft und später Pg. Gerhard Krüger sein Nachfolger. 1932 wurde Baldur von Schirach zum Reichsjugendführer der RSDAP. ernannt, und er berief nunmehr als Führer des Studentenbundes den bisherigen Kreisführer 10 des RSD.=Studentenbundes, den Pg. Gerhard Ruehle. Ebenfalls durch andere Aufgaben zu sehr in Anspruch genommen, übergab dieser mit dem Beginn der Machtergreifung die Führung an Dr. Staebel, und nun wollte es das Schicksal, daß in dem Augenblick, wo der Studentenbund die Früchte seines Kampfes hätte ernten sollen. er dazu nicht in der Lage war, sondern seine ganzen Kräfte aufwenden mußte, innere organisatorische Schwierigkeiten zu überwinden. Der Zustrom koniunkturlüsterner Neulinge blähte ihn zu einer großen Massenorganisation auf. die zu unbeweglich wurde, um im letzten Anlauf den Sieg zu erringen. Die Partei jedoch, gewillt, den Studentenbund durch diese Erscheinungen nicht zugrunde gehen zu lassen, organisierte ihn neu, und unter der Führung von Pg. Derichsweiler wurde zunächst daran gegangen, eine gründliche Siebung des Mitgliederbestandes vorzunehmen, um dann mit den besten! Freiwilligen, die dann den Studentenbund ausmachten, die großen Aufgaben, die ihm gestellt wurden, zu erfüllen. Die politische Erziehung der gesamten Deutschen Studentenschaft wurde ihm übertragen, und in systematischer und zäher Arbeit wurde an diese Arbeit herangegangen. In kurzer Zeit werden Zehntausende von deutschen Studenten durch die Schulungslager des Studentenbundes gegangen sein, werden dort die nationalsozialistische Grundhaltung für ihren späteren Beruf erhalten haben. Die Frage der Korvorationen, die im Verlause des letzten Jahres diese Erziehungsarbeit zu stören drohte, wurde dadurch beseitigt, daß die Führung der Gemeinschaft studentischer Verbände die zum letzten Male versucht hat. das deutsche Korvorationsstudententum in eine einheitliche Linie zu bringen, um es den Erziehungsaufgaben der Partei nutzbar zu machen, einsah, daß dies unmöglich war und die GStV. auflöste Daraufhin lösten sich der Großteil der studentischen Verbände auf und große Organisationen wie die Deutsche Burschenschaft überführten ihren Mitgliederbestand in die Reihen des NS.=Studentenbundes. Damit ist die ruhige Entwicklung an der deutschen Hochschule gesichert, der Totalitätsanspruch. den die Partei und damit ihre Gliederung— der Studentenhund# beanspruchen muß, hat sich durchgesetzt. Der Studentenbund steht nunmehr allein verantwortlich und allein maßgeblich an der deutschen Hochschule, die Aufgaben erfüllend. die Partei und Staat gaben. Die zehn Jahre des Kampfes berechtigen ihn jetzt seine Feier zu begehen, schlicht wie der Kampf war. Ein Kameradschaftsabend wird die alten Kämpfer des Studentenbundes vereinigen, alte Bekanntschaften werden neu aufgefrischt und so manches Kampferlebnis wird in Erzählungen und in Gedanken seine Auferstehung feiern. Baldur von Schirach wird erzählen von der Arbeit aus den Jahren des Kampfes und Pg. Derichsweiler wird einen Aufriß geben über den Kampf des letzten Jahres und wird hinweisen auf die neuen Ziele und Aufgaben des Studentenbundes der kommenden Zeit. In einer Morgenseier wird die„Heldische Feier“ von Gerhard Schumann, eines alten Kameraden des Studentenbundes, zur Aufführung gelangen und der Stellvertreter des Führers. Rudolf Heß, übergibt den Abordnungen der Gaue die Fahne des Studentenbundes, die vom Führer selbst entworfen wurde. Dieser Akt der Weihe wird in seiner Feierlichkeit für den Studentenbund die Verpflichtung sein„zu kämpfen bis zum letzten, die Fahne des Führers hochzuhalten und voranzutragen zum Siege" In einer Großkundgebung wird der Studentenbund seine Größe und Stärke demonstrieren und wenn die vielen Tausende das Rund des Zirkus Krone füllen, wird damit der Beweis erbracht sein, daß der deutsche Student heute kein Stand mehr ist, sondern daß er in der Front der Arbeiter der Stirn und der Faust steht, daß er ein Glied des Volkes ist. und sich dessen bewußt, bereit ist, alles einzusetzen für sein Volk. Erweiterung der kommunistischen Internationale gegangen, die die Verteidigung der Sowjetunion„vor jedem Anschlag kapitalistischer Mächte" zu ihrem Hauptprogrammpunkt gemacht habe. Nicht umsonst habe Stalin auf dem Parteikongreß im Jahre 1935 die Mahnung ausgesprochen. „der Sache der proletarischen Internationale treu bis zum Ende zu bleiben“. * Damit wird deutlich und klar zugegeben und herausgestellt, was bei anderen Gelegenheiten von den Sowiets immer bestritten wurde: die Identität zwischen Sowjetregierung und Komintern. Franrreich wird auf die Prode gestent Dimitroffs Kampfbefehl Im Frühjahr dieses Jahres wird Frankreich seine Volksvertretung in großen Wahlen erneuern müssen. Bereits die letzten Ergebnisse von Provinzialwahlen haben den Vorstoß einer roten Einheitsfront der herrschenden Schicht französischer Politiker und dem reichen Bürgertum von Paris als akute Gefahr vor Augen geführt Der Kampibefehl, welchen der Generalsekretär der Komintern. Dimitroff. an die französischen Kommunisten aus Anlaß ihrer Landestagung gerichtet hat, zeigt erneut, daß die innerpolitische Entwicklung Frankreichs im Zeichen wachsenden kommunistischen Vordringens steht. Die bolschewistischen Drahtzieher sind, und der Kampfbefehl Dimitroffs beweist es. unter keinen Umständen geneigt, ihre innerpolitische Agitation mit Rücksicht auf den bevorstehenden endgültigen Abschluß des Bündnisses Moskau— Paris abzuschwächen. . Je näher die französischen Frühjahrswahlen rücken, je stärker also die Parolen der roten Volksfront in die Ohren des französischen„Citoyen“ dringen. desto mehr wird die politische Schicht von Paris. nach deren Willen Frankreich regiert wird. vor die veinliche Gewissensfrage gestellt: aus Furcht vor Deutschland und zur Aufrechterhaltung ihrer Hegemoniestellung in Eurova weiter mit Moskau zu vaktieren— oder, um die rote Laus aus dem Pelz der Marianne zu schütteln, größeren Abstand von Moskau zu halten. „Pährend dem französischen Bürger so viel von Sicherheit und Kollektivität berichtet wird und er sich in dem stolzen Bewußtsein befindet, daß die ganze Welt gegen Deutschland„gesichert“ ist, beginnt sich im eigenen Lande immer stärker die größte Gefahr für die Sichetheit des französischen Bürgers zu entwickeln. In der Außenpolitik kämpft man gegen einen in Wirklichkeit nicht vorhandenen Gegner und um dieser unbegreiflichen Jdcologie willen vermag man das Gespenst nicht zu bekämpfen, das in der rauhen französischen Wirklichkeit darangeht, das Gefüge und die Sicherheit des Staates an einen Abgrund zu führen. starken Widersprüche und Gegensätze von französischer Außen= und Innenpolitik werden bei den kommenden Wahlen ohne Zweisel noch sichtbarer werden. Vielleicht treten sie sogar in einem solchen Maß in Erscheinung, daß sie das herrschende politische System aus einer krampshaften Idcologie lösen und zu einer nüchternen Beurteilung der wirklichen französischen Unsicherheitssaktoren zwingen. des indischen Gebietes von der kommunistischen Zersetzungslehre nicht ersaßt worden sind. Die bolschewistischen Agenten arbeiten auch in der Hauptsache dem in den Großstädten und hier wieder in den Indu= so ist das ein Vorgang. strievierteln. Denn dort, wo soziale und wirtschaft= Oc liche Nöte vorherrschen, fühlen sie sich in ihrem Element. Aus dem englisch=indischen Bericht geht aber auch hervor, daß sie sich nicht überall auf die reine Provaganda beschränken, sondern Banden zusammenstellen. Raubüberfälle durchführen und auch vor Mordanschlägen nicht zurückschrecken. Verkauf der Albertina? In Wien verhandelt der bekannte englische Kunsthändler Duveen mit der Fideikommißverwaltung des Erzherzogs Friedrich über den Ankauf der graphischen Sammlung der Albertina in Wien. die zu den hervorragendsten Sammlungen deutscher Handzeichnungen zählt. Wenn sich auch die österreichische Regierung beeilt hat. zunächst die umlausenden Gerüchte zu dementieren, so ist man doch in Kunsthandelskreisen von diesem Dementi wenig überzeugt, um so mehr als auch das Museum in Boston sich als Auftraggeber bekannt und auch Angaben über den gebotenen Preis veröfsentlicht hat. Im Iwesentlichen scheinen heute nur noch die Verhandlungen darauf hinauszulaufen, ob es sich um einen direkten Verkauf oder nur um eine zeitweilige Verpfändung handelt. Hierzu bemerkt die„Weltkunst": Wenn man jetzt aus österreichischen Pressestimmen vernimmt, daß Klöster wie Admont, das eine herrliche Sammlung gotischer Tafelmalerei beherbergt, wie Klosterneuburg, das u. a. den herrlichen Verduber Altar sein eigen nennt, oder das Kremsmünster im Besitze des weltberühmten Tassilo=Kelches aus wirtschaftlicher Bedrängnis heraus offen mit dem Gedanken des Verkaufs der Kunstschätze spielen. ist das ein Vorgang. der die gesamte deutsche eisentlichkeit beschäftigt. Denn es ist kaum anzunehmen, daß Deutschland in der Lage ist diese Kostbarkeiten seines nationalen Erbes wie im Falle der Münchener Chronik für sich und damit das deutsche Volk vor der Abwanderung in die Fremde oder nach Uebersee zu retten, wohin bereits als bisher bedeutendstes Stück vor zwei Jahren das tendstes Stück vor zwei Jahren das Eremplar der Das Rot=Front=System ist also auch in altetzen deutschen Bibel aus dem Kloster St. Paul Indien im Aufbau begrissen. Im Regierungsbericht im Lavanthal in Kärnten gewandert ist. wird zwar mit Genugtuung verzeichnet, daß die Bevölkerung den Terrorismus ablehnt, aber wer die Bolschewisten kennt, weiß, daß sie sich nicht im geringsten darum kümmern, was die Bürger Indiens sagen. Die Bolschewisten werden vielmehr ihre Terrortrupps verstärken, um sich gleichzeitig auf indischem Boden eine Garde zu schaften, die, wenn sie kräftig genug ist, als Vorhut der roten Armee, der Truppe der Weltrevolution, auftreten soll. Sowjetregierung und Kominlern Die Sowjetvresse feierte am Dienstag den 12. Todestag Lenins. Die„Prawda" begrüßte in diesem Zusammenhang Stalin als den„Fahnenträger des Leninismus und Führer der Proletarier der ganzen Welt". An anderer Stelle des Blattes us Stalin gehalten hal:te ein Jeuana und eine Kartenstize wird betont, daß Stalin gehalten vave, was vissen für Briefmarkensammler, für 0i er in seiner Gedächtnisrede auf Lenin im Jahre 1924 mahl auch in arsrtau gr apxpier, für di rd betont, daß Stalin gehalten vave, was er in seiner Gedächtnisrede auf Lenin im Jahre 1924 versprochen habe. Er habe seinerzeit die Losung ausgegeben:„Wir werden unser Leben nicht schonen, das Bündnis der Werktätigen in aller Welt und die kommunistische Internationale zu befestigen und zu erweitern. gung der Im gleichen Schritt mit der Befestisowietunion sei die Festigung und swünscht. Eine Darwin-Galapagos-Marke Zum hundertsten Geburtstag der Landung Darwins auf den Galapagos=Inseln, die in den letzten Jahren Schauplatz grotesker Tragödien gewesen und durch bekannter geworden sind als durch Darwins Expedition, beabsichtigt die Regierung von Ecuador, Briefmarken mit dem Bildnis des englischen Naturforschers herauszugeben. Darwin war im September 1835 aui der Insel gelandet und hatte dort Beobachtungen angestellt, aus denen sich später seine berühmten Theorien über die Abstammung der Arten entwickelten. „Der. Satz der Jubiläumsmarken zeigt außer dem Lild Barwins eine Ansicht der Insel, eine Galavago (Riesenschildkröte). eine Darstellung des Columbus, ein Iguana und eine Kartenstizze— lauter Leckerin für Briefmarkensammler, für die die Marken wohl auch in erster Linie bestimmt sind. Genau wie Costarica, mit seinen kürzlich erschienenen Marken von der mit Romantik umgebenen Kokosinsel, will Ecuador aber auch durch die Darwinmarken deutlich machen, daß es seine Souveränität über die Galapagosinseln nicht in Zweifel gezogen zu sehen kol-Front in Indien Indien, das Land schroffster sozialer Gegensätze, wird seit Jahr und Tag instematisch durch die kommunistische Internationale bearbeitet, um es für den roten Umsturz reif zu machen. Wenn die Oeisentlichkeit über die bolschewistischen Umtriebe auf indischem Boden nicht allzu viel hört, so liegt das eben daran, daß man sich mit Indien nur in bescheidenem Umsange beschäftigen kann, weil Europa mit eigenen Sorgen in reichstem Maße gesegnet ist. Sehr aufschlußreich ist dafür ein Bericht der britisch=indischen Regierung über ihren Kampf gegen den Bolschewismus. Daß man sich überhaupt genötigt gesehen hat, sich in einem Rechenschaftsbericht mit dem Abwehrkampf zu beschäftigen, beweist bereits, wie ernst die kommunestische Frage für Indien geworden ist, wenn auch noch weite Teile Kbessiliische verlegsloittschäft Waffen und Proviani Ende Dezember schätzte die italienische Presse das für die Abessinier in den letzten zwei Monaten eingetroffene Kriegsmaterial auf weit über 100 000 Gewehre, etwa 500 Maschinengewehre, 500 Lastkraftwagen, 10 Kampfwagen und 7 Flugzeuge. Die Londoner Presse meldete das Eintressen von 400 Gewehren, 15 Millionen Patronen. 36 Flakgeschützen und anderem Kriegsmaterial in Berbera. Was auf den anderen Wegen in das Land kam, ist unbekannt. Während im Jahre 1934 sich die gesamte Wassenund Munitionseinfuhr Abessiniens über Dschibuti nur auf 3000 Gewehre, 60 Maschinengewehre und 48 000 Patronen belief, ist es seit Kriegsbeginn vornehmlich aus englischen und tschechoslowatischen sowie belgischen Wassenjabriken außerordentlich verstärkt worden. Die Abessinier sind, gemessen an dem abgeschlossenen Charakter des Landes. verhältnismäßig gut mit modernen Waffen ausgerüstet. worüber die italienischen Blätter geradezu verblüfft waren. Wenn z B. unmittelbar in der Nähe von Dolo abessinische Maschinengewehrnester sich besanven. die bei der Offensive des Generais Grazioni zunächst von den Italienern bewältigt werden mußten. und bei Makalle und Aksum im Norden die Abessinier sehr schnell die Gewohnheiten der modernen sino Das abessinische Hochland mit Kriegsführung annahmen, dann zeugt das doch von einer Anpassungsfähigkeit, die die Italiener in diesem Maße nicht erwartet hatten. Hinzu kommt. die Verproviantierung der abessinischen Heeresmassen eine verhältnismäßig sehr leichte Aufgabe für die äthiovische Heeresleitung ist. Den italienischen Truppen müssen alle Lebensmittel nachgefahren werden, sogar Wasser. Der Italiener lebt hauptsächlich aus der Büchse, von Konserven. Der abessinische Krieger ist weit bedürfnisloser. Hinzu kommt, daß zumeist seine Frau mit in den Krieg zieht, die die spärliche Bekleidung wäscht und für den notwendigen Proviant sorgt. Abessinien hat keine zentralisierte Verpflegungsobteilung für das Heer. Das ist in diesen Kämpfen ein gewaltiger Vorteil für die Abessinier. Der Krieger lebt hauptsächlich von „Derkosch" und„Shinba", also von getrocknetem Brot und trockenen Kuherbsen. Das Schlachtvieh wird roh gegessen— daher ist die Wurmkrankheit in Abessinien außerordentlich verbreitet— oder das Fleisch wird in dünnen Streisen getrocknet und beliebig lange aufbewahrt. Weiter kommt hinzu, daß die durchtrainierten Körper der abessinischen Krieger auf die geologische Struktur des Landes eingerichtet seinem Wechsel von Wüste und reißenden Gebirgsströmen, von Steppe und Urwald, hat die abessinischen Krieger daran gewöhnt alle Strapazen mit Leichtigkeit zu ertragen und vor allem mit sehr wenig Wasser auszukommen. Bekannt sind, da das Land nur ganz wenige Telegraphenlinien aufweist, und das Felsengebirge keine Wege hat. die Leistungen der abessinischen Schnelläufer, die der Nachrichtenübermittlung von der Front dienen. Sie legen mit der primitivsten Nahrung am Tage bis zu 100 km zurück, wobei allerdings die Entfernungen nicht nach Meilen oder Kilometer. sondern nach Tagereisen berechnet werden Zeit spielt in Abessinien keine Rolle. Während die Italiener mit europäischen Vorstellungen arbeiten, verläßt sich der abessinische Krieger auf die unzugängliche Natur seines Landes. auf die Ausnutzung aller gegebenen Verteidigungsmöglichkeiten und auf jene Unabhängigkeit von der Verpflegung. die ihm eine größere Beweglichkeit als den italienischen Truppen gestattet. Abessinien so und so... Der Londoner„Daily Telegraph“ läßt sich aus Genf ein vikantes Histörchen melden. Dort soll nämlich in der Bücherei des Völkerbundes der Band der großen„Enzyklovpedia Italiana“(etwa dem deutschen Brockhaus entsprechend), der den Artikel über Abessinien enthält und der deshalb gerade jetzt natürlich viel benützt wurde, vor einiger Zeit spurlos verschwunden sein. Auf sehr energische Forschungen hin fand er sich eines Tages wieder ein und wurde mit einer Kette an seinem Platz befestigt. Inzwischen will man aber in Genf erfahren haben. daß von italienischer Seite aus ganz in der Stille dieser Band nach Möglichkeit überall aufgekauft und ausführliche Artikel über Abefsinien— auf Italienisch„Etiovia"— soll nämlich ganz und gar nicht mit den von der heutigen #oessinien=Politik Italiens aufgestellten Grundsätzen und Behauptungen übereinstimmen. Und das muß natürlich gerade, wenn Divlomaten sich orientieren jür die jetzige römische Regierung ziemlich Man kann sich die Freude der Engländer über dies frischgebackene Histörchen vorstellen Es regnet Menschen... Kriegsvorbereitungen der Weltrevolution Wie die Prager Presse“ meldet, veranstaltete das Kriegsministerium der Tschechoslowakei in Prag vor geladenen Gästen eine Filmvorführung über die Manöver der Roten Armee Sowjetrußlands. Das Blatt erklärt begeistert, daß man aus dem aufschlußch Fxilm zu erstenmal in die Technik und Auslustung der größten Armee der Welt, die mit den neuesten Flugzeugen. Tanks und Panzerwagen ausgerüstet sei. Einblick erhalte. Die„Prager Presse“ setzt dann ihre Beschreibung der Sowjetarmee, die sie Kriegswaffe der Weltrevolution bezeichnet. begeiert wie folgt fort: „Ganz eigenartig ist die neue Verwendung der Flugwaffe. Es wurde bereits seinerzeit über den Fallschirmabsprung von ganzen Sowjettruppenabteilungen samt Maschinengewehren und kleinen Geschützen im Rücken der feindlichen Froni berichtet. Hier sahen wir ihn im Bild, das technisch durchaus gelungen und unvergleichlich ist Der ganze Himmel ist voll von Hunderten(es soll der Absorung von 700„Praschütisten“ gewesen sein) irmen und immer wieder neue entfalten sich saum Sir Eide, a... i den langInn zur. e. Uber nicht nur besonders ausgebildete Solbaten werden im Feindesland ausgesetzt, mit ihnen zugleich die Bestandteile von Maschinengewehren und kleinen Geschützen. Sofort nach dem Lange entledigen sich die Fallschirmsoringer mit einem Erin des Fallschirmes und stürzen hin zu den niedergleitenden Maschinengewehr= und Geschützteilen. packen sie rasch aus, setzen sie zusammen und sind binnen weniger Minuten bereits kampfbereit. Zugleich fliegen neue gigantische Flugzeuge heran, wie Riesenraubvögel halten sie in ihren eisernen Krallen unter ihrem Rumpf rasche Tanks. Panzerautos. Caminos, ja sogar komplette Geschütze. die sofort nach der Landung zur Erde gelassen werden und von den„herbeistürzenden Besatzungen der kolossalen Flugzeuge, die aus den Kabinen herausgekrabbelt waren. gleichfalls im Nu kampfbereit gemacht werden. Und schon setzt sich die stattliche Ueberfalltruppe in volle Bewegung. im schnellen Tempo mit Panzerautos. Schnelltanks und Caminos in den Rücken des Feindes vorstoßend.“ Scziehang zun Sirohsac! Die Würde der Frau im Dritten Reich Wir entnehmen dem„Schwarzen Korvs“ vom 16. Januar 1936 folgende Ausführungen: „Neulich lasen wir in einem Aussatz über Mädchenarbeitsdienstlager folgende Sätze, die uns zum Nachdenken anregten: „Das Lager darf eine gewisse Einsachheit im außeren Aufbau nie überschreiten, gerade das Madchen muß im Arbeitsdienst spartanisch erzogen werden: zur Gewohnheit an den Strohsack. morgenkaltes Aufstehen, an einfache Waschverhältnisse, an Verzicht auf alle Schönheitspflege, an einfache, möglichst gleiche Kleidung...“ Gewiß. Der Frauenarbeitsdienst ist Dienst am Volk. Ein neues Geschlecht wird in ihm herangezogen: Deutsche Frauen. die sich ihrer Aufgaben bewußt sind, und keine„Vamps“ oder„besseren Töchter“. Und niemand bestreitet, daß die Erziehung der morgenkaltes Aufstehen"? Geht es nicht auch ohne #ie, Morgenkälte? Und was die„einjachen waschveroalinisse" anbelangt, so kann man unter ihnen einen Zuber verstehen oder die ländliche Wasservumpe. Wir wissen nicht, ob der Verfasser verheiratet ist oder nicht. Das ist schließlich seine Privatsache. Aber wer für das Leben schreibt, darf nicht von einem„harten“ Geschlecht am Schreibtisch träumen und von den alten Sparbekanntlich aus wohlüberlegten Gründen zwischen Erziehung von Männern und Frauen wohl zu unterscheiden wußten. Wir wollen deutsche Frauen und keine Rauhbeine als Weggefährten haben. Es gibt kein Weib, das„auf alle Schönkeitspflege" verzichtet, unter der man noch lange nicht die ekelhafte Maskenfabrikation verstehen muß. wie sie am Kurfürstendamm gepflogen wird. 40 Jahre olympische Wettkämpfe ziehen vor den geistigen Augen der Leser unserer neuen Artikelserie folgt nach§ 25 der Dienstanweisung für die Musterung und Ausbebung(RGBl. I/35 Nr. 56 S. 702) durch das Wehrbezirkskommando anläßlich der Musterung. Wenn der Wehrpflichtige des Geburtsjahrganges 1916 von dieser in Paragraph 16 des Wehrgesetzes vom 21. 5. 1935 vorgesehenen Ausnahme keinen Gebrauch machen will, kann er sich bei einem Truppenteil seines zuständigen Rekrutierungsbezirks zum freiwilligen Eintritt für den 1. 10. 1936 melden. Meldeschluß hierfür ist der 31. 1. 1936: Einstellungsgesuche, die bis zu diesem Tage nicht beim Annahmetruppenteil eingegangen sind, dürfen nicht mehr berücksichtigt werden. Welche Truppenteile für den einzelnen Wehrpflichtigen in Betracht kommen. kann beim zuständigen Wehrbezirkskommando erfragt werden. Vertrauen zu Deutschland Die Londoner Zeitung„Daily Mail“ berichtet, daß der englische Industrielle Mr M. H. Pickles. einigen Tagen zum Präsidenten des Britischen Wollverbandes in Bradford gewählt wurde. Wischrucg gateg d deu den Industriellen zum ausdruck gewrucht hat. Nach Meldung des erklärte er. es ist befriedigend, daß Deutschland seine Versprechungen, die den Austauschschwierigkeiten im vergangenen Jahr folgten, hinsichtlich der Begleichung der Schulden gehalten hat. Unser innigster Wunsch ist es, daß sich die Verhältnisse günstig entwickeln mögen und uns in die Lage versetzen, unsere normalen Handelsbezichungen mit Deutschland wiederaufzunehmen. GE.* E S vorüber, mit deren Abdruck wir morgen beginnen. Jeden wird dieser Tatsachenbericht von H. Timmermann bestimmt interessieren; besonders natürlich wird jeder Sportfreund die Schilderungen der Kampfphasen aller Sportarten rege verfolgen Scharfe Granale als Lampenfuß Der unbegreifliche Leichtsinn eines Landarbeiters bei Biörneborg in Finnland hat eine surchtbare Explosion herbeigeführt. der er selbst und seine beiden Kinder zum Opfer gefallen sind. Als der Arbeiter Koivusalo vor einigen Jahren seine Militärdienstzeit abgeleistet hatte, brachte er eine ungebrauchte Granate mit. die er als Fuß für seine Petroleumlampe benutzte. Seine Frau hatte ihn oft auf das Gefährliche dieser Verwendungsart für eine Granate aufmerksam gemacht. Jetzt wollte er die Sprengladung entfernen, aber gerade dabei geschah das Unglück. Seine im Hofe arbeitende Frau wurde durch den Krach einer Explosion nach der Küche gerusen. Hier sah sie zwischen den zerstörten Möbelstücken die blutüberströmten Leichen ihres Mannes und der beiden Kinder von drei und fünf Jahren. Menschen zur Einfachheit und Schlichtheit sie lebensjähiger macht, kräftiger gegen etwaige Schicksalsschläge als jene, die in einem Luxus aufwachsen und es als„Heklassiert" empfinden, wenn jemand keinen Kraftwagen besitzt. Jedoch„spartanische Erziehung"? Blutsuppe zum Fruystück? Und daß dieser Ausdruck nicht symbolisch gemeint ist, beweist uns die anzuerziehende„Gewohnheit an den Strobsack". Dieses Ding ist gewiß ein praktisches Möbel, und es soll auch weiter in den Frauendienstlagern bleiben, denn so unhandlich er ist, verwischt er in der liebenswürdigsten Art etwaige Ueberreste von Klassendünkel. der bekanntlich nirgends besser wächst als auf Eiderdaunen. Deshalb braucht man sich den Strohsack aber nicht anzugewöhnen, denn die Mädchen aus den Arbeitsdienstlagern von heute sind die Frauen der Männer von morgen in Deutschland. Unser Heim soll schließlich nicht in zwei vorschriftsmäßigen Spinden und einem zweistöckigen Bett bestehen, das sich mit seinen blaugewürfelten Ueberzügen bemüht, jene anheimelnde Wärme um sich zu verbreiten, die wir nun einmal in unseren— und wenn noch so engen— vier Mauern nicht missen wollen. Wir wollen Frauen und keine Gardefüsiliere vom„alten Schlage“. Sogar in einigen Unteroffizierschulen gibt es schon Seegrasmatratzen, und wir wollen doch keine gedienten Reichswehrsoldaten sehen, die stöhnend die ganze Nacht kein Auge schließen, weil der Strohsack zu hart gestopft ist, der dem Weive zur lieben Gewohnheit wurde. Was nun mal zuviel ist, ist zuviel. Auch wir rechnen es zu den Tugenden der Frau, wenn sie Frühaussteherin ist. Aber gewöhnen„an frühes. annehmbare Frau wollen wir noch kennen ternen, die aus hygienischen Gründen auf etwas Puder verzichtet, wenn das Näschen glänzt:. und wer dies kategorisch verlangt, müßte folgerichtig mit ge änst Zwoten sagen:... erst bis dein schen Smeg. vi“ Speck, erfüllt du deinen deuttreißhungeng oiche arden UeberWehrpflicht und Reifeprüfung In einem Schreibben des Generalkommandos des 7..=K. wird u. a. ausgeführt: In der Regel haben die Wehrvflichtigen des Geburtsjahrganges 1916 nach RGBl. I/35 Nr. 129 S. 1361 in der Zeit vom 1. 10. 1936 bis 31. 3. 1937 bzw. vom 1. 4. 1937 bis 30. 9. 1937 Reichsarbeitsdienst und vom 1. 10. 1937 an aktiven Wehrdienst zu keisten. Das würde für einen Wehrpflichtigen. der im Jahre 1936 seine Reiseprüfung macht, bedeuten, nach 2½ Jahren mit dem Hochschulkönnte. Einer solchen, vom wissenschaftlichen und finanziellen Standpunkt aus gleich zu bewertenden Härte vermag der Wehrpflichtige zu begegnen, indem er sich entweder für die Dauer seines Hochschulstudiums vom aktiven Heeresdienst zurückstellen läßt oder freiwillig in das Heer eintritt. Will der Wehrpflichtige sich zurückneuen lassen, so muß er tunlichst bereits bei der Anmeldung zur Anlegung des Wehrstammblatts seinen aus Zurückstellung bei der polizeilichen Meldebeyorde seines Wohnsitzes oder dauernden Aufenthaltes stellen. Die Zurückstellung selbst erEin internationales Dorf in Bulgarien „„Novi Dni“ zufolge hat das 11 Klm. von der Stadt Sumen in Ostbulgarien liegende Dorf Carew Brod. früher Endsche, national die bunteste Bevölkerung im ganzen Lande. Die Gesamtzahl der Einwohner des bereits 860 Jahre alten Dorfes beträgt 2500 und teilt sich unter 11 Nationen: Bulgaren. Türken. Tataren. Armenier, Russen, Tschechen. Polen. Ungarn. Deutsche. Albanesen und Holländer. In dem Dorf, das einen sehr orientalischen Eindruck macht, befinver sich eine bulgarische Bürgerschule. je eine deutsche und eine türkische Volksschule, eine katholische und eine orthodoxe Kirche. eine Moschee. ein katholisches Frauenkloster, zwei Theatersäle und ein großer Lesesaal. Die Einwohner sind Landwirte und landwirtschaftliche Arbeiter. Dieses Dorf ist ein besonders eindruckvolles Beispiel für die Nationalitätenverzahnung in Südosteurova. Nicht mit dem westlich französischen Nationalstaatsgedanken, sondern nur mit dem vom Nationalsozialismus verkündeten und verwirklichten Gedanken der Achtung eines jeden Volkstums sind diese Spannungen zu Deutscher Humor macht Schule! Das gordene LachenEin Weg von Witkelm Busch zu Renen Focd— Von De. I. Freuta# Es ist nicht allgemein bekannt, daß Wilhelm Busch in seiner Jugend ernstlich daran dachte, die„brotlose Kunst“ des Malens an den Nagel zu hängen und in Amerika— Bienenzüchter zu werden. Hätte er seine Absicht ausgeführt, würde der amerikanische Journalismus zweifellos heute um eine seiner beliebtesten Zeitungssparten ärmer sein: die humoristische Serie. Als im Jahre 1859 die Fliegenden Blätter mit den ersten Zeichnungen des damals noch völlig unbekannten Meisters erschienen, ahnte er wohl selbst nicht, daß seine Verskarikaturen mit ihrem treffsicheren, sonveränen Witz später der Welt zum oft nachgeahmten und nie ganz erreichten Vorbild dienen sollten. In einer Zeit, da Prinz Karneval lustig sein Narrenszepter über alle fünf Erdteile zu schwingen beginnt, ist es angebracht, an den unvergleichlichen Siegeszug einer satirischen Idee zu erinnern, die, dem Kopf des heiteren Weisen von Wiedensahl entsprungen, heute eine weltumspannende Macht darstellt. Im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten pflegt man mit der Statistik vieles, wenn nicht gar alles zu beweisen, was einigermaßen handelsfähig ist. Und so hat man denn an Hand eines riesigen Zahlenmaterials den Nachweis geführt, daß in den Vereinigten Staaten 68 v. H. aller Männer und 71 v. H. aller Frauen, die heute überhaupt Zeitungen lesen, im Textteil vornehmlich die humoristischen Zeitungsserien beachten, während die„sonstigen Neuigkeiten" an Artikeln und Berichten verschiedenster Art nur bei 47 v. H. beziehungsweise 36 v. H. der Zeitungsleser die gebührende Würdigung finden. Nun mag es verständlich erscheinen, daß der Humor eines Wilhelm Busch und die originelle Art seiner Dosierung gerade in den stammverwandten angelsächsischen und skandinavischen Ländern treffliche Pflege und Nachahmung fand, denn Busch war Niedersachse, und Satire wie Humor erhielten seit altersher gerade auf niedersächsischem Boden eine eigentümliche, man ist versucht zu sagen: weltgültige Gestaltung. Dieser niedersächsische Humor war nicht der schlechteste deutsche„Ausfuhrartikel“, nicht die unwichtigste heimatliche Beigabe zahlloser deutscher Auswanderer und Kolonisten, die im vorigen Jahrhundert die beschwerliche Reise über den Großen Teich antraten. Busch griff, sozusagen ein ahnungsloser Vorläufer von Fox' tönender Wochenschau, Seine Majestät den Philister just in einer Zeit an, da das Philistertum sich anschickte— die Welt zu erobern. Ein Welt=, Zeit= und Gesellschaftssatiriker kam als Zipfelmichel und lehrte den Biedermann die Mores. Und je grober er sie zauste, desto schallender lachte der Philister Chor. Denn:„Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er es beim Kragen hätte.“ Eine gesunde Philosophie befähigte ihn,„in der Gehirnkammer Mäuse zu fangen“ und diese dann tanzen zu lassen. Mit karnevalistischem Uebermut, versteht sich. Und solche Glumpia 1936 Seid uns gegrüßt, Gäste auf deutschem Feld! Heimat und fremdes Land, In Stolz ermannt, Ziehet Ihr ein, Kampfspiel mit kühnem Wagen Ritterlich auszutragen. Nehmt aus dem edlen Streite Mit euren Ehrenkränzen Heiligen Wunsch ins Weite: Eures feurigen Strebens Treulich leuchtendes Zeichen Bleibe: verbrüderten Lebens Sonnige Welt zu erreichen! Streiter auf deutschem Feld, Ritterlich kämpfender Held, Seid uns gegrüßt! Max Bittrich Der Vater' ... Unter! Eine heitere Schulgeschichte /Von A. Neß Er war der Humorist unter den Lehrern unseres kleinen Gymnasiums. Durch seine launigen Einfälle und treffenden Antworten verschaffte er seinen Kollegen manche heitere Stunde. Seine meisterhaft erzählten Schnurren hatten Stadtberühmtheit erlangt, und davon, daß sein Humor auch seinen Vorgesetzten gegenüber stets siegreich das Feld behauptete, gäbe es manches lustige Stückchen zu erzählen. Kaum jemand in der Stadt nannte ihn bei seinem richtigen Namen, bei allen hieß er„der Vater“. Nur diejenigen, die Näheres von der lustigen Begebenheit wußten, der er diesen Ehrennamen verdankte, sagten„der Vater bin ich". Und zu diesen Wissenden gehörten vor allem wir rund dreißig ehemaligen Quintaner, die die Geschichte miterlebt hatten, in der der Oberlehrer., sein Sohn Wolfgang— ebenfalls Quintaner— und der Schulinspektor die Hauptrollen spielten. So war es gewesen: Eines Tages erschien unangemeldet der Herr Schulinspektor in dem Klassenzimmer, in dem unser Oberlehrer T. sich verzweifelt bemühte, uns etwas von den Geheimnissen des Doppelbruchs beizubringen. Zu seinem Entsetzen mußte der hohe Herr nun sehen, wie der Lehrer gerade dabei war, einem seiner Schüler die schwierige Kunst des Bruchrechnens in einer Weise beizubringen, die näch den Verfügungen der Schulbehörde gar nicht, oder doch nur bei ganz groben Verstößen gegen die Schulordnung erlaubt war. Die Gegenwart seines Vorgesetzten schien für den schlagkräftigen Erzieher nicht von Bedeutung zu sein. Ruhig prügelte er weiter. Und als wollte er noch seine Mißachtung der Vorschriften besonders eindeutig zum Ausdruck bringen, beauftragte er zum Schluß den heulenden Jungen:„So, und jetzt schere dich nach Hause und vergiß ja nicht, deiner Mutter zu erzählen, wie es dir ergangen ist!“ Winter in einer deutschen Stadt(Gasse in Fleißen)(Scherl— M. Kapriolen reizen in aller Welt zur Nachahmung! Denn im Frohsinn tanzen alle guten Geister.. Es dauerte freilich, bis Max und Moritz, deren Bubenstreiche in alle Kultursprachen übersetzt wurden, einigermaßen lange Zeit, bis sie ebenbürtige Nachahmer fanden. Erst im November 1894 erschien in einer Sonntagsausgabe der New Yorker„World“ die erste humoristische Serie, und zwar gleich in farbigen Zeichnungen. Geschildert wurden die Bubenstreiche eines Jungen, der in einem gelben Nachthemd auftrat und sofort von den Lesern den Spitznamen„der gelbe Boy" erhielt. Der Bengel war von vornherein„rotzvolkstümlich“, um einen Yankee=Ausdruck zu gebrauchen. Mit seinem Lausbubengesicht, seinen abstehenden Ohren und seiner zerrissenen Flegeljacke schien er der geborene kleine Revolutionär wider philiströse Sittsamkeit. Es hagelte Beschwerden ehrenwerter Leser bei der„World"=Redaktion, und so kam es, daß zum Jahrhundertwechsel die Hand des Karikaturisten den gelben Boy in Buster Brown, einen kleinen, wohlfrisierten Tausendsassa, verwandelte, dem ob seiner liebenswürdigen Schandtaten nicht nur die Herzen der Kinder, sondern auch die ihrer Gouvernanten und Erzieher zuflogen. Browns geistiger Vater, der Zeichner Outcault, verdiente ein riesiges Vermögen mit diesen Serien. Stärker dem deutschen Vorbild nachgezeichnet waren die sogenannten„KatzenjammerFlegel“ von Rudolph Dirks, die 1897 das Licht der Welt erblickten. Sie führten sogar ein dämonisches Doppelleben, als ihr Vater, der zu einer Konkurrenzzeitung gegangen war, sie dort in einer neuen Serie„Der Kaptain und die Dreikäsehochs“ lustig nebeneinander erscheinen ließ. Diese fanden sogar den Weg nach Europa zurück und erschienen in kandinavischen Blättern als„Knold und Tot“ Noch heute bringen nahezu zweitausend amerikanische und skandinavische Blätter wöchen:lich diese naiven Flegelstreich=Serien, bei denen Mar und Moritz lachend Pate standen. Am volkstümlichsten wurde in Amerika die bunte Serie von der„Kleinen elternlosen Annie". Als der Zeichner einmal— vielleicht versehentlich— die Kleine ohne ihren ständigen Begleiter, einen Hund mit treuherzigen Augen und Schlappohren, in einer Sonntagsausgabe erscheinen ließ, wurde die Redaktion mit Vorwürfen erboster Leser bombardiert. Kein Geringerer als Henry Ford telegraphierte persönlich:„Tun Sie bitte alles, was in Ihrer Macht steht, damit Annie Sandy(den Hund) findet. Stop. Das liegt uns allen sehr am Herzen. Stop.“ Hier sprach eine junge Nation durch den Mund eines Automobilkönigs. Da ließ sich der legitime Vater der elternlosen Annie nicht lange bitten und zeichnete in seiner nächsten Serie die rührende Geschichte, wie Annie ihren Sandy wiederfand. Wie Wilhelm Busch in späteren Jahren dazu überging, statt der Kinder Erwachsene für erwachsene Leser zu zeichnen, so folgten ihm auch hier seine Nachahmer im Ausland. Seit dem Jahre 1912 überwachen Millionen von Amerikanern allwöchentlich den moralischen Lebenswandel der Familie Gyldenspjaet in der bunten Zeitungsserie, und bald ein Vierteljahrhundert trotzt der Ehemann standhaft allen Besserungsversuchen der holden Gattin, die ihm den guten Ton in allen Daseinslagen beizubringen sich bemüht. In Skandinavien erzielten Storm Petersen mit der Serie„Lurifax", Elov Persson mit„Kronblom und Augu“ und„Prinz Pilfinger und Tjavs“ ungeahnte Heiterkeitserfolge, die sich bereits über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Max und Moritz sind nicht totzukriegen! „Wollt ihr Rackers denn ewig leben?" Dieses bärbeißige Wort des Großen Friedrich an seine Soldaten könnte man den beiden AllotriaBuben entgegenschleudern. Sie wechseln Namen, Sprache und Kleider, nehmen die nationalen Eigentümlichkeiten jedes Landes mit der Zeit an, dennoch bleiben sie, was sie von Geburt an waren: unverbesserliche Flegel, deren Narrenstreiche die Welt belustigen. Eine schnelllehige, ganz unsentimentale Welt, die lieber lacht als weint. Und daß diese Racker einem deutschen Dichterhirn entsprangen, zeugt von der Allgemeingültigkeit und Weltweite unseres Humors. Da aber nahm der Herr Schulinspektor Veranlassung, einzuschreiten. Mit etwas erhobener Stimme machte er dem Herrn Kollegen klar, daß er kein Recht habe, einen Schüler in dieser Weise zu erziehen, und daß er es als eine unerhörte Mißachtung der vorgesetzten Behörde ansehen müsse, daß er die handgreifliche Maßregelung in seiner dee Schulinspektors, Gegenwart vorgenommen habe. Doch diese ganze Strafvredigt schien auf den Oberlehrer T. keinen Eindruck zu machen. Mit listig zwinkernden Augen betrachtete er den sich ereifernden Vorgesetzten, dessen Gesicht eine blaurote Färbung angenommen hatte. Ob sonst noch etwas zu dem Fall zu sagen sei, wollte er wissen. Der Herr Schulinspektor schnappte nach Luft. Dann donnerte er los. Ob sich denn der Herr Kollege gar nicht überlegt habe, welche Folgen ein solches Verhalten im Amt haben könne? „Was zum Beispiel soll geschehen, so frage ich Sie, wenn die Mutter des Jungen bei mir erscheint, und sich mit gutem Recht beschwer:?“ „Hinauswerfen, Herr Schulinspektor, einfach hinauswerfen, möglichst schnell!“ lautete die gemütvolle Antwort. „Hinauswerfen?" Dem Herrn Schulinspektor wollte es die Sprache verschlagen. „Hinauswerfen, sawohl!“ Der hohe Herr führte noch einmal alle die Gründe an, die ihm den Fall besonders schwerwiegend erscheinen ließen. „Ich bitte Sie, um alles in der Welt. Und wenn dann der Vater kommt und verlangt von mir Rechenschaft über die Behandlung seines Sohnes?“ Dem tüchtigen Erzieher blitzte der Schalk aus den Augen:„Der Vater? Herr Schulinspektor, der kommt nicht. Der Vater ist viel zu vernünftig, als daß er sich wegen dieser paar Hiebe aufregen sollte. Er weiß, was seinem Sohn gehört. Der Vater nämlich— bin ich!“ Wir haben nicht gehört, daß dieser Vorfall noch irgendwelche Folgen gehabt hat, wie sie der Herr Schulinspektor bei seinem Abgange angedroht hatte. Aber seit diesem Tage führte unser Oberlehrer T. den Beinamen. Vater“. * Kristin taust aus der Reihe Die Gesckickte eines Gallettmäckels— Von Maré Stahl Der Ballettmeister in Trainingshose und quergestreiftem Sweater, der ihm das Ansehen eines Ringkämpfers von anno dazumal gab, stieß seinen Stock in regelmäßigen Abständen auf den Boden und rief:„Eins, zwei — eins, zwei— links, rechts— links, rechts! Immer vorwärts, immer weiter— eins. zwei—.“— eins, macht— so— klatsch!— das war rade stereotyp lächelten, denn ihre Gefühlsskala9* war im allgemeinen von geringem Ausmaß. Opeichwörter aus Jurkestan Der, Regisenr. klopfte ab und rief:„Ach bitte, die Vorletzte dort— wie heißen Sie?“ „Kristin“, sagte sie scheu und seufzte mn sich hinein. Jetzt ging es wieder losl Die anderen ächegen in schadenfroher Erwartung zu „Ach bitte, treten Sie doch mal vor. Tanzen Sie doch mal allein.“ Kristin gehorchte. Ein schlechter Mensch ermüdet seinen Gefährten. * Eine Eiche beugen, heißt sie brechen. Wenn die Aufgabe schwer ist, befällt den Schüler Schlaf. Der Regisseur rief dem ed es wurde eine andere Sechzig Mädchenbeine steppten in diesem Rhythmus hin und her, vor und zurück. Die Lühne lag im grauen Zwielicht des Vormittags und sah verstaubt und unfreundlich aus wehr ab“ gut!" in seiner Kabine ließ die Strahlen des Scheinwerfers über die Bühne g Pisez, Die grellen Kreise huschten über die Orchest, oeporchte. 96 1a.„Die noch ungeschminkt in dem grelen geuester etwas iu und richt grunbleich aussahen. Einige hoben ge dieiodie Sespielt. niert den Arm vor das Gesicht. Kristin sah zu„Nach dieser Melodie, bitte, irgend etwas, Der eczein blieb aitent. vss Site wolen“ rmit, wie das Licht einer kalten Bintersonne. Sie Sie lauschon gaesss Gesicht rötte sch. .55 etege zns ungeundich aus, danzte dreit in den Legel des Scheinwersers, einem s v..9 der: Ault 97. Die 103 Es war kalt, vom Schnirboden zog es schreckt, der Lichtkreis zuckte. ziterte, wich aber nicht selben dernen Jukt. Ihre Glieder bekamen ein lich herunter und die Lüren, die zu Garbero, von der Stell, uu; vuerie, wich aver nicht stbtändiges Leben, ihre Hände und Füße e at aus ueueeen aen. aa..i an.d verursachten jedesmal, wenn sie geöffnet wurden, einen solchen Zugwind, daß sich die Falten des schweren Plüschvorhangs ballonhaft aufblähten. „Auch noch!“ knurrte der Regisseur.„So epgtier en Hie 50h“ rief er nach oben und Schnupfen bekommen würde und schrie, zwi. ktopfie wieder mit dem Stock auf die Erde, schen seinem Taktieren, man solle, zum Don= also nochmals— links, rechts— eins, zwei— verpetter, die Lüren schließen Aber nienand schrig durch die Mittel“ Inmer noch haftete Beid. Sie waren misgäntig. gorte darauf und er war noch ärgerlicher ale sihen Freisz, ungeben, der sgonst pur abende de wird. Sie häten ul der Helden“ ie Keschte Ganre enatg, an. Cute u. Sianr ab auns Ant Giertancen Bagseiage Feden d. ug, I. t in Sini: ganz genau jede ihrer Bewegungen, nicht ganz so exakt, aber so viel gelöster, so viel ernster, so weit mehr versunken. Der Regisseur mußte, ob er wollte oder nicht, die Gestalt Kristins nöher ins Auge fassen. Er sah sie zuerst abwesend an. Dann wurde er aufmerksam. Sie lächelte nicht, das fiel ihm zuerst auf. Sie war aber auch nicht etwa böse oder geärgert, wie sonst die MädDer Ballettmeister fürchtete, daß er einen Schnupfen bekommen würde und schrie, zwisonst. Als Vorletzte tanzte Kristin. Sie hatte den rechten Arm der Drittvorletzten auf die Schulter gelegt und hielt die linke Hand im Präsentiergriff. Jedes der Mädchen hatte dieselbe Haltung und sie bildeten eine lebende Kette von Gliedern, die am Abend in voller Beleuchtung als innige und zärtliche Verbundenheit der ganzen Truppe gewertet werden aber erst probte und da das Vorschrift war, etwa böse oder geäraert, wie sonst di: mnit Laurte, jede so grimmis und gereizt aussehen, chen auszusehen pflegten, wenn sie nicht geKristin war mindestens so unzufrieden, wie die übrigen neunundzwanzig, aber sie ließ ihrem Groll weder in Blicken noch in Worten freien Lauf, das unterschied sie von den anderen(Sig blickte starr und eenkamegt nar sich von der Stesla ziterre, wich aber nicht„##ständiges Leben, ihre. Hände und Füßist denn lass vief der S vesanen wie beselle Aesen sich iu regen und 3ch kann den Apderct der Resiseur. zu latern, ihr überschlanker Körper bog und der Veleuchter berete pargt nicht drehen;, rief fgand sich rankengleich, es wor, als ob eine ie s#er herad,„etwas an der Geschichte seitgewurzelte Blume sich plöslich aus dem ist kaputt.“ schweren Erdreich löste und vom Winde getragen dahinschwebte. Es war zum Staunen, was diese Kristin Mädchen wollten erst geringschätzig lächeln, aber dann packte sie bleicher Neid. Sie waren mißgunstig wie eine Hühnerschar, unter der nlätzlich ein enfg Ein ausgesprochenes Wort kann man nicht verschlucken. * Sitze schief und sprich gerade. Die Zunge ist schwächer als der Säbel. * Der Töpfer trinkt Wasser aus einem Scherben. uus einem Sche * Wer einmal sein Wort hielt, wird es tausendmal halten. * Wer kein Haus hat, weiß auch nichts von Trauer. Das Volk ist reich, das Land hat. * Sobald das feindliche Heer zu. sich entfernt, dem Pfau die # ausgerupft, aber trotzdem wäre nichts oaran zu ändern gewesen, daß diese Kristin eben ein Pfau war. Der Regisseur, sonst so karg an Gunstbeweisen, geruhte sogar andeutungsweise in die Hände zu klatschen und Bravo zu rufen, als Kristin wieder in die Reihe zurücktrat. Auf einmal tauchte der in einem dicken Schal vermummte Ballettmeister auf. Sein Kopf ruhte auf der Wollunterlage wie auf einer Tortenplatte. Die Angst vor einem letzWer ein Weib hat, wird mit ihm streiten; wer zwei hat— Hungers sterben. veren. Sie blickte starr und unbewegt vor sich hin, obwohl es ihr sehr unangenehm war, den rechten Arm auf die Schulter Jeannettes legen zu müssen, die in dem vollen Gefühl der Schönheit ihrer neunzehn Jahre den üppigen Mund über dem brutalen Kinn zu einem Lächeln geöffnet hielt und dem Ballettmeister beziehungsvolle Blicke zuwarf. Plötzlich unterbrach sich der Ballettmeister, warf seinen Stock polternd auf die Erde, fuhr sich mit beiden Händen ins Haar und schrie: „Das ist, ja entsetzlich, das ist ja wahrhaftig furchtbar! Kristin, Sie tanzen schon wieder aus der Reihe. Das ist ja nicht zu ertragen!“ Er stöhnte, wischte sich den Schweiß von der Stirn und ließ sich auf ein Versatzstück sinken. „Treten Sie vor, Kristin“, seufzte er. Kristin trat vor. Sie war sehr bleich geworden, sie blickte den Ballettmeister starr an und sagte kein Wort. „Also, da Sie immer eine Ausnahmestellung haben wollen, Kristin“, sagte der Ballettmeister und belächelte seine Schlagfertigkeit,„so tanzen Sie einmal allein vor.“ Er kommandierte:„Links, rechts— eins, zwei — na also, geht ja großartig, ich begreife nicht, wieso sie es in der Reihe nicht ebenso können.“ Der Kragen des Plarrers Der Lenzgeiger Christl war ein harthölzerner Schwabe. Wie ein richtiges Brchenschknorrig und wetterfest, Kerl und immer gut aufgelegt. In der Kirche wollte er wieder mit seinem Gott im Himmel Zwiesprache halten. Ganz vorne kniete er, ganz nahe am Altar. Wenn er schon in die Kirche ging, dann wollte er wirklich mit Leib und Seele bei der Sache und auch recht nahe dem Himmelsvater sein. Da läutete die Glocke. Der Meßner kam aus der Sakristei, hinter ihm der Pfarrer im Chorrock, über dem die bunte Stola hing. Die war nun ein bißchen in Unordnung geraten. Ueber dem Hals hatte sie sich verschränkt. „Vor seinem Herrgott soll man schon auch ordentlich angezogen sein“, meinte der Lenzgeiger Christl,„auch der Herr Pfarrer.“ Hoch wie dem sagen, daß etwas nicht in ten Umschmeißen seiner ganzen Nummer hatte ihn nicht im Bett gelassen. „Wir haben eine neue Solotänzerin, Herr Braumüller", sagte der Regisseur,„ein wahres Juwel, ich wundere mich, daß Sie es bisher noch nicht bemerkt haben. Die Vorletzte in der Reihe." „Doch nicht Kristin?!“ ächzte der Ballettmeister. Er sah zu ihr hinüber. Sie stand noch immer im Scheinwerferlicht, sie war ganz und gar verändert, ihre Augen funkelten onges Buchenshzeit, de der Pharter um seingen Hale hater.„Ganz erchr, sagte der Reaseur, rainiehieß man das? Würde schon recht werden. ren Sie gleich mit ihr, ich werde sie im nächWährend der Pfarrer vor dem Altar kniete und Gebete vorlas, wollte der Meßner wieder in die Sakristei zurückkehren. Das war die günstige Gelegenheit. Der Meßner sollte es dem Pfarrer sagen. „Meßner“, sagte der Lenzgeiger Christl da ganz laut, daß es alle in seiner näheren Umgebung hören konnten,„sei so gut und dreh' dem Pfarrer den Kragen um!" Der Christl hatte den Mund noch nicht ganz zugemacht, da brach ringsum ein Gelächter über die mißzuverstehende Aufforderung aus und mit der Andacht und der Frömmigkeit war es für diesen Tag nichts mehr. G. S. ren Sie gleich mit ihr, ich werde sie im nächsten Programm sofort ganz groß herausstellen.“ Der Scheinwerfer, der noch immer wie eine magische Sonne auf Kristin ruhte, begann plötzlich zu zittern, schwankte ein paarmal und huschte dann über die Reihe der Girls hin. Der Apparat war wieder in Ordnung. Der Beleuchter schaltete aus. Der Schein flog wie ein braver Hund, der seine Schuldigkeit getan hat, in den Reflektor zurück. Wenn auch äußerlich der Strahlenschein um Kristin erloschen war, so ging sie doch wie unter einer Glocke von Glanz und Pracht an dem vernichteten Herrn Braumüller vorbei und an den vor Aerger verstummten Mädchen zum letztenmal in die Girlgarderobe, Zuischen zuei JannenErzählung von Udo Wolter „Ich kann so schlecht mit andern zusammen tanzen“, murmelte Kristin. Die Mädchen lachten auf, der Ballettmeister warf die Hände zum Himmel empor, als ob er die Blicke einer rächenden Gottheit auf Kristin herabrufen wollte.„Nicht mit andern —“, schrie er in einem theatralischen Flüsterton,„ja, um Gottes willen, warum sind Sie denn ausgerechnet in eine Girltruppe eingetreten?“ Kristin konnte darauf nichts antworten, der Ballettmeister hatte eben recht. Sie hätte ja sagen können:„Weil ich mein Brot verdienen muß." Aber das war ihr zu dumm, weil es ja klar auf der Hand lag. Es blieb dabei, daß zwischen Jeannette und Kristin ein unverhältnismäßig großer Zwischenraum war, der Herrn Braumüller zur Sszzmeislung, brachte. Kristin blieb eine Unmoglichkeit, sie tanzte viel zu eigenwillig, zu bewegt, ihr Gesicht war nicht in das vorgeschriebene Lächeln zu bringen und ihre Beine nicht zu der vorschriftsmäßigen, maschinenmäßigen Exaktheit. Drei Tage vor der Premiere geschah, was der Ballettmeister gefürchtet hatte: Er wurde von dem Zug wirklich krank. Er fieberte, mußte ins Bett und die Girlherde war ohne Leitung. Der Regisseur musterte resigniert die Girls, die wie auf eine Schnur gereiht angetreten waren. Erstens schwärmte er sowieso nicht für diese Tanzgattung und dann hatte er wirklich keine Zeit, um noch zuguterletzt ein Schock widerspenstiger Mädchenbeine zu drillen. Aber er mußte wohl, ihm war schon alles gleich, alles ging schief und überhaupt war das ganze Leben zum— nun, aus Anstand wollte er nichts weiter sagen. Er klopfte also ergeben mit dem Feldherrnstab des Ballettmeisters auf den staubigen Boden und die sechzig Mädchenbeine setzten sich ruckartig in Bewegung. Der Regisseur war viel höflicher als Herr Braumüller.„Meine Damen“, sagte er,„Sie müssen die Absätze auf die Erde knallen, wie die Soldaten, es muß klingen, als ob eine ganze Front„Ge„Verdimmich...!" Biermann steckt die Hände wieder in die Taschen seiner Fahrerjoppe und sieht dem Schlußlicht des hinter einer Kurve verschwindenden Wagens nach. Was zu viel ist, ist zu viel. Das ist nun schon der Dritte, der ihm da entwischt. Natürlich eine Frau am Steuer, so viel hat er noch gesehen. Melancholisch horcht er den Flüchen nach, die er in diese dunkle Mauer zu beiden Seiten der engen Landstraße, die am Tage guten, schweren Kiefernwald darstellt, hineingeschickt hat. Brummig nimmt er seine Wanderung wieder auf. Die Weiber! Natürlich immer die Weiber. Da fährt er extra in die Stadt, um diese Person abzuholen, läuft nutzlos den ganzen Zug ab, wartet dann noch vor dem Bahnhof, und dann bleibt ihm zehn Kilometer hinter der Stadt auf der Rückfahrt der Wagen liegen. Bleibt liegen und ist mit Not und Mühe nur noch in eine Winterscheune zu kriegen, wo man ihn morgen abholen wird. Und das gute zwanzig Kilometer vor Thierenberg und ohne jeden Zuganschluß für den Abend. Mißmutig stampft er voran. Ein schöner Geburtstag wird das für die Schwester sein! Die Freundin nicht gekommen und er noch immer auf Tippelei durch die kalte dunkle Landschaft. Der Grog wird warten und die Karpfen... Verdimmich... Er schlägt die Joppe am Halse hoch, haut die Hände noch tiefer in die Taschen. Zwei Stunden hat er noch zu schaffen, kein angenehmes Wandern bei dem klirrenden Frost. Er spürt das Papier in der Tasche, das Telegramm...„eintreffe um fünf uhr stop barbara“... Und da hetzt der Trottel los, um diese Barbara schon einige Stunden früher auf das Gut zu bringen, ein wenig junges Leben in die Bude zu schaffen. Weiß der Teufel, wen die Ursula alles während seiner Abwesenheit kennengelernt hat. Nach drei Jahren Auslandsdienst hat man schon wieder Appetit auf ein wenig süßes Geschnatter und eine hübsche Fratze. Hübsch soll sie sein und einundzwanzig Jahre. Und dafür, daß sie nicht gekommen ist, stolpert man hier durch die Nacht. Daß man immer wieder auf die Weiber hereinfällt...! Er pfeift schwach vor sich hin, marschiert voran. Kaum anzunehmen, daß jetzt noch ein Wagen hier herunterkommen wird. Er hat den Auslauf der Kurve erreicht, hebt ein wenig den Kopf. Da sieht er unweit vor sich den Wagen, der ihm vorhin durch die Lappen gegangen ist. Die Scheinwerfer der kleinen Limousine blenden hell durch das Dunkel. Panne also! Im Schein der Lichtkegel sieht er die Fahrerin, schmale, schlanke Gestalt in eng anliegendem Mantel, die am Motor herumbastelt. Die Autobrille hat er noch immer in der Tasche. Schnell schiebt er sie über die Mütze, marschiert lässig weiter. Im Licht der Scheinwerfer, schon halb an dem Wagen vorüber, wendet er den Kopf, so daß die Brille und auch die Lederjoppe deutlich sichtbar wird. Richtig! Ein Aufruf hält ihn zurück. Langsam macht er kehrt. Das Mädchen steht jetzt hell im Lichtkegel, er kann sie genau betrachten. Wenige Schritte voneinander entfernt, stehen sie sich gegenüber. „Man hat sich also wieder eingeholt“, sagt er und grinst. Sie streicht sich das Haar zurück, sieht ihn groß an.„Denken Sie, ich halte vor jedem, der mir da mitten im Walde zuwinkt. Groß genug, um sich zu fürchten, sind Sie ja...“ Er spürt ein blödes Gefühl in der Brust, denn wie sie das sagt, ist das durchaus kein Vorwurf. Stumm sieht er sich den Motor an. Kleinigkeit natürlich, in zehn Minuten ist der Schaden repariert. Er läßt sich das Handwerkszeug geben. Manchmal sieht er kurz hoch zu dem Mädchen, das ihm mit der Anschlußlampe leuchtet. Sie zündet sich eine Zigarette an.„Wenn nicht gekommen wären“, sagt sie dankbar. „Wenn man mich mitgenommen hätte...“ brummt er zurück, aber es ist ihm nicht so ernst damit.„Ist eine einsame Gegend hier. Hätten vielleicht die ganze Nacht hier liegen können.“ „Fürchterlich“, sagt sie. Er packt das Werkzeug zurück.„Ueberhaupt noch so spät unterwegs...“ Er blinzelt zu ihr hinauf, sie hält ihm die Lampe gerade vor das Gesicht.„Man wird sehnsüchtig auf Sie warten.“ „Vielleicht", sagt sie.„So eilig habe ich es übrigens nicht.“ Sie bietet ihm eine Zigarette an, ihr helles Lachen verläuft sich im Dunkel. „Sind Sie verheiratet?“ „Eh? Nein...“, sagt er verblüfft.„Gott sei Dank noch immer nicht.“ „Sehen Sie“, sagt sie befriedigt.„Und mir will man das antun. Irgendein Entlaufener, den man wieder in der Heimat halten soll..“ Sie bricht ab, verstaut die Lampe wieder im Wagen. „Ach, du liebe Güte...“, sagt er. Ihm bleibt fast der Atem weg. Er schluckt hastig jede weitere Bemerkung hinunter, er hat das kleine Monogramm an der Wagentür bemerkt: Barbara Torsten! Hatte Ursula nicht schon erwähnt, daß die andere sich seit langer Zeit einen Wagen zulegen wollte? Sie haben das Telegramm auf den=Zug gedeutet, jetzt wird die Geschichte natürlich klar. Wahrscheinlich sollte Ursula mit der Neuerwerbung überrascht werden. Diese Weiber, diese Weiber... Er schließt den Werkzeugkasten. Eine Mordsfrau, seine Ursula. Will ihn an die Freundin verkuppeln, um ihn auf dem Gut zu halten. Als ob er überhaupt noch einmal aus dem Lande gegangen wäre. Ein wenig abwesend begibt er sich nach vorn. Die helle, ein wenig burschikose Stimme seiner Begleiterin ruft ihn wieder in die Wirklichkeit zurück. „Wenn Sie jetzt fahren wollen... Ich bin ohnehin schon müde von der langen Fahrt.“ Sie sieht auch wirklich angegriffen aus. Erfüllt von einer schwachen Zärtlichkeit setzt er sich an das Steuer, läßt den Wagen anspringen. Es gibt viel zu überlegen auf dieser schweigsamen Fahrt. Irgendein Unbekannter, ein Entlaufener fährt ein Mädchen auf sein Gut. Wird Augen machen, die Puppe, wenn er sie auf Thierenberg einfährt. Gar kein so schlechter Gedanke von dem Schwesterlein, das mit der Kuppelei... Darum die viele Post in der letzten Zeit... Hinterhältig sind die Frauen! Er muß lange nachdenken, Jochen Biermann, um je einen Augenblick zu finden, in dem er so vergnügt gewesen, wie in dieser, von seltsam schwingender Heiterkeit erfüllten Stunde, in der er zum erstenmal dem unbekannten Mädchen Barbara begegnet.. Auns H. Kunimn von Hieiten. Der Husarengeneral Friedrichs des Großen Zu seinem 150. Todestag am 27. fanuar 1936 Ziethen aus dem Busch Der berühmte Reitergeneral bei Katholisch-Hennersdorf. Nach einem Gemälde von W. Schuch im Kunstverlag Scherl Am 24. Mai 1699 wurde Ziethen auf Gut Wustrow bei Neuruppin geboren. Schon früh zeigte sich in ihm die Neigung, Soldat zu werden. Mit 14 Jahren trat er in preußische Dienste. Aber da er klein von Person war und eine Stimme besaß, die nicht recht zum Kommandieren geeignet schien, wurde er lange Jahre beim Avancement übergangen. Er nahm darum seine Entlassung, bis der König nach wiederholten Meldungen ihn wieDer alte Ziethen Nach einem zeitgen. Stich von Chodowiecki der in seinen Dienst nahm. Ziethen kam zur Leichten Reiterei und wurde später den neugebildeten Husarenregimentern zugeteilt. Hart war der Kampf, bis man seine militärischen Fähigkeiten erkannte, hart der Kampf auch, den er durchzufechten hatte gegen manchen seiner Vorgesetzten, der ihm nicht wohlwollte. Ziethen stand die Unantastbarkeit seiner Ehre über allem. Weil er seine Ehre verteidigt hatte, wurde er zweimal aus dem preußischen Heer entfernt. Verleumderische Umtriebe hatten ihn bei seinem Vorgesetzten in ein falsches Licht gebracht. Hart waren jedesmal die Wartejahre für den entlassenen Offizier. Aber Ziethen war einer von denjenigen, der gerade in den dunklen Stunden die Wirklichkeit seines Gottvertrauens zeigte. Einmal schrieb er in solchen Wartejahren, in denen es schien, als würde er nie mehr in der preußischen Armee unterkommen:„Ich weiß nur eins: Stillesein und in mich gehen, im Herzen nach den Gründen forschend, warum Gott mich so hart züchtigt.“ Und sein Gottvertrauen wurde nicht enttäuscht. Auch diesmal rief ihn der König wieder in die Armee zurück. Im ersten und zweiten schlesischen Krieg hatte er Gelegenheit, den König von seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Jetzt avancierte er schnell. Er stand auf dem Höhepunkt seines Glanzes und seines Ruhmes. In der Zeit zwischen dem zweiten und dritten schlesischen Kriege trübte sich das Verhältnis zwischen Friedrich dem Großen und seinem General sehr. Allerlei Zwischenträgereien mögenschuld. daran gewesen sein. Kaum zeigten sich jedoch die ersten Wolken des hereinbrechenden großen Völkerringens, da rief Friedrich seinen alten General wieder an seine Seite. Im siebenjährigen Kriege ist es dann mehr als einmal gewesen, der den Sieg an die preußischen Fahnen heftete. Bei Kolin deckte er den Rückzug, bei Hochkirch, wo Friedrichs Sache vollkommen vernichtet schien, wandte er das Schwerste vom preußischen Heere ab, bei Torgau, wo Friedrich bereits alle Hoffnung auf Sieg aufgegeben hatte, kämpfte er mit seinen Reitern solange, bis auch diesmal der Sieg sich auf Preußens Seite senkte. Dafür umarmte ihn der König, als er ihm die Nachricht von der gewonnenen Schlacht überbrachte, auf dem offenen Marktplatz. Als dann die ganze Not des Krieges über Friedrich zusammenzubrechen drohte, als im Lager zu Bunzelwitz es so schien, als sei alles verloren und Friedrich mehr als einmal erklärte, er könne nun wohl die Tage zählen, an denen er noch König von Preußen sei, da war es Ziethen, der dem König immer wieder Mut machte.„Es wird schon noch alles gut gehen“, sagte er.„Eure Majestät müssen nur denken an die wunderbare Wendung bei Roßbach und Leuthen, bei Liegnitz und Torgau.“ Aber der König schüttelte das Haupt.„Damals hatten wir noch eine andere Armee“, sagte er. Doch Ziethen wollte nicht in die Trostlosigkeit des Königs mit einstimmen, so daß dieser endlich fragte:„Hat Er sich vielleicht einen neuen Verbündeten angeschafft?"„Das nicht, Majestät", war Ziethens Antwort,„nur den alten dort oben.“ „Der tut keine Wunder mehr“, entgegnete resigniert Friedrich.„Das brauchts auch nicht", warf Ziethen darauf ein,„aber er hilft uns schon heraus.“ Und er behielt recht. Rußland schloß mit Preußen Frieden. Das war Friedrichs Rettung. Als er nach dieser Kunde Ziethen begegnete, rief er ihm zu:„Er hat doch recht gehabt! Er hat doch recht gehabt!“ Dann kam der Friede. Jetzt trat keine Entfremdung mehr zwischen den beiden ein. Am Weihnachtstage des Jahres 1785 begegneten sich König und General zum letztenmal. Ziethen war zur Beglückwünschung nach Berlin gekommen. Man merkte es dem König an, wie er sich über das Erscheinen seines alten Getreuen freute. Er ließ alle anderen stehen und eilte auf Ziethen zu.„Wie gehts?“ fragte er und Ziethen antwortete, daß er zufrieden sei, daß nur das Laufen allerlei Beschwerden mache.„Schnell einen Stuhl“ rief der König und zwang den widerstrebenden General, sich niederzusetzen, während der König stand. Einige Wochen später verschied Joachim Hans von Ziethen, betrauert von seinem König und von Preußens Volk. Ziethens letzter Besuch bei Friedrich dem Großen Nach einem zeitgenössischen Stich von Chodowiecki Bachses ohns Beamleeschwarze Ein Besuch in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde Gegen 35000 Blinde gibt es in Deutschland, von denen übrigens nur ein kleiner Teil blind zur Welt gekommen ist. Die übrigen verloren ihr Augenlicht entweder im Kriege oder durch Unglücksfall bei der Arbeit. Ihre zentrale und größte deutsche Bücherei mit etwa 26000 Bänden befindet sich in Leipzig. Die Blindenschrift, beruhend auf dem Gedanken der sechs in ihrer Stellung zueinander varierenden Punkte, ist ein in seiner Art vollkommenes, von dem Franzosen Louis Braille erfundenes System, bei dem Verbesserungen nicht angestrebt werden und auch nicht vorstellbar sind. Sie ist international eingeführt und das Leipziger Institut verleiht nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern nach fast allen Ländern der Welt. Leihgebühren werden nicht erhoben, begünstigt wird die Verschickung durch die erfreuliche Niedrigkeit des Posttarifs für Blindenschriften. Gelegentlich haben Erfindungen von sich reden gemacht, die der Blindenlektüre einen völlig neuen Charakter geben wollten, beispielsweise ist die Idee eines tönenden Buches, eines Buches auf Grammophonplatten, aufgetaucht, aber sie kann kaum ernst genommen werden. Die Blindenschrift hat sich bewährt. In wenigen Wochen ist sie erlernt, und der geübte Blinde liest kaum viel langsamer als der Sehende. Regale um Regale voll von den umfänglichen Büchern stehen in der Blindenbibliothek, enthaltend alle Disziplinen von Literatur, wenn natürlich auch nicht in der Vollständigkeit, wie sie dem Normalen zur Verfügung steht. Einer Tageszeitung allerdings muß der Blinde entraten, aber immerhin gibt es zahlreiche regelmäßig erscheinende Schriften, unter ihnen auch solche, die wöchentlich herauskommen. Selbst der Kleine Brockhaus ist in Karteiform vorhanden. Die Inanspruchnahme der Bücherei zeigt eine stetig aufwärts weisende Linie. Im letzten Berichtsjahr zum Beispiel wurden über 114000 Bände ausgeliehen. Im Vordergrund stehen die Zeitschriften, es folgen die schöne Literatur, Musikalien, Schulbücher und Nachschlagewerke. Die Bibliothek ist sowohl eine Ausleihe= wie Präsenzbücherei. Täglich sitzen Blinde im Lesesaal und fahren mit raschen Fingern über die Seiten mit den leicht aus ihnen hervortretenden Pünkichen hinweg. Der blind Geborene weiß von der Welt des Lichtes nichts und kann sich keine Vorstellung machen von dem, was er entbehrt, der blind Gewordene, der den Wert der Augen gekannt hat, ist ihm gegenüber der Bedauernswertere. Aber die Bücherei begnügt sich nicht damit, den Blinden Lesestoff zu geben: sie ist bemüht, ihm auch sonstige Hilfsmittel zu verschaffen, die seiner geistigen Bildung oder seinem Unterhaltungsbedürfnis dienen. Eine Dame, Fräulein Toni Mahler, leitet die mechanische Werkstatt, in der immer neue und häufig überraschend geistvoll konstruierte Spezialapparate hergestellt werden. Da gibt es einen Transporteur, einen geometrischen Kasten, eine Schmiege, eine Briefwaage, mit deren Hilfe der Blinde ohne fremde Hilfe ganz wie der Sehende die entsprechenden Arbeiten ausführen kann. Auch dafür ist gesorgt, daß vorhandene Fähigkeiten zu musikalischem Schaffen ausgenutzt und Kompositionseinfälle in Notenschrift festgehalten werden können. Besonders verblüffend ist eine„elektrische Landkarte". Größere Orte sind mit einer Metallkuppe versehen, Flüsse bestehen aus Draht. Der Blinde berührt nun Ort oder Fluß mit einem elektrischen Kontakt und fährt mit seinem zweiten Kontakt gleichzeitig an einem aus metallenen Oeffnungen bestehenden und neben der Karte befindlichen Register entlang. Im gegebenen Augenblick ertönt ein Klingelzeichen. Der Blinde tastet die an die Oeffnung sich anschließende Blindenschrift ab und erfährt nun, welche Stadt oder welchen Fluß er mit dem ersten Kontakt berührt. Den Fluß kann er in seinem ganzen Lauf verfolgen. Verstummt das Klingelzeichen, so ist er an seiner Quelle oder seiner Mündung angelangt. Auch Blindenschreibmaschinen verfertigt die Werkstatt, die vielfach ins Ausland ausgeführt werden. Ihre Bedienung ist übrigens, da nur sechs Tasten vorhanden sind, weit einfacher als die der normalen Maschinen. Für die Mußestunden der Blinden werden Schach- und Kartenspiele angefertigt, für blinde Kinder sind verschiedene Arten von Gesellschaftsspielen bestimmt. Immer ist bei der Konstruktion dieser Spiele darauf Rücksicht genommen, daß Blinde nicht nur untereinander, sondern auch mit Sehenden gesellig sein wollen. Wie groß die Vorliebe der Blinden für das königliche Schachspiel ist, in dem sie zuweilen Außerordentliches leisten, geht daraus hervor, daß unter den periodischen Zeitschriften sich auch eine Schachzeitschrift befindet. Eine andere Zeitschrift bringt, bei dem starken Interesse, das Blinde naturgemäß dem sie in besonders hohem Maße mit der Welt verbindenden Rundfunk entgegenbringen, das Wochenprogramm der deutschen Sender. Fleißig gearbeitet wird täglich in der Blindendruckerei, und hier darf die Leipziger Druckerei für sich in Anspruch nehmen, die einzige in der Welt zu sein, die das sich außerordentlich bewährende und genial einfache sogenannte plattenlose Verfahren anwendet, das bei Besuchen immer wieder die Bewunderung der Drucker=Fachleute erweckt und die Herstellung von Blindenschriften ganz wesentlich verbilligt und beschleunigt. Leiterin und Begründerin der Zentralbücherei ist Frau Lomnitz=Klamroth, eine Dame, die aufgeht in ihrer Arbeit und kein anderes Lebensziel kennt als dies, ein mühselig aufgerichtetes Kulturwerk zu erhalten und auszubauen. Die Welt der Sinne ist dem Blinden an einer ihrer entscheidenden Stellen versperrt; um so aufgetaner ist er der Welt des Geistes. Es ist eine unleugbare Tatsache, daß das Bildungsniveau der Blinden verhältnismäßig sehr hoch ist, blinde Schulkinder zum Beispiel sind in vielen Fällen Klassenerste. Vermittler der geistigen Welt aber sind die Blindenbücher, deren Qualität nicht hoch genug und deren Zahl nicht groß genug sein kann. H. V. Frauenwelt und Heim Kampf dem FamilienschnupfenDer Winter ist eine harte Zeit für Mütter. Gewiß, wir alle leiden unter der unfreundlichen Jahreszeit. Die Mütter aber tun es doppelt und dreifach. Im kinderreichen Haushalt hört der Schnupfen oft nicht auf. Es kommt hinzu, daß die Kinder, die im Sommer den ganzen Tag im Freien herumspielen, zur Winterszeit in der Stube sitzen müssen und als hilflose und unvernünftige Geschöpfe sich oft nur sehr widerwillig auf dieses Käfigleben umstellen lassen. Es ist nicht übertrieben, wenn man die Ursachen zahlreicher Erkältungen auf die Untätigkeit des winterlichen Kinderdaseins zurückführt. Ein Lebewesen, das an Bewegung in freier Luft gewöhnt ist, muß sich erkälten, wenn es plötzlich zum Stillsitzen gezwungen wird und wenn der belebende Einfluß von Sonne, Licht und Luft auf die Haut und den Gesamtorganismus ausbleiben. Wer diese Nachteile des Winters kennt, dem sind hiermit aber auch schon große Hilfen in die Hand gegeben. Die Lehre von den Vitaminen ist dank der Aufklärung des Laien über gegenwärtige medizinische Probleme heute fast zum Allgemeingut geworden. Wir wissen, daß der Körper für seinen Aufbau diese„Lebensstoffe“ braucht, die man gewissermaßen als aufgespeicherte Sonnenenergie bezeichnen kann. Die Vitamine, die in zahlreichen frischen Nahrungsmitteln enthalten sind, die vor allem aber auch durch die Bestrahlung des Lichtes und besonders durch den ultravioletten Anteil der Sonnenstrahlen entstehen, fehlen in unserem Klima während der Winterzeit, oder sie sind jedenfalls oft nicht in ausreichendem Maße für unseren Organismus verfügbar. Ein Kind braucht diese Vitamine in besonderem Maße, weil sich alle seine Organe noch in der Entwicklung und im Aufbau befinden. Die Vitaminlehre und ihre praktischen Anwendungen haben uns fast völlig von der verhängnisvollen Kinderplage der Rachitis oder englischen Krankheit befreit, die in vergangenen Zeiten den Körper und die Gesundheit so vieler Kinder zerstört hat. Die Sorge der Mutter in der sonnenarmen Zeit muß daher auf drei Punkte gerichtet sein: Das Kind muß Bewegung haben, es muß Licht haben und muß zweckmäßig ernährt werden. Bewegung läßt sich mit einiger Ausdauer und pädagogischem Geschick auch in der engsten Stube durchführen. Die Eltern müssen hier mit gutem Beispiel vorangehen. Sie müssen sich mit ihren Kindern an täglichen gymnastischen Uebungen beteiligen, die so selbstverständlich wie das Zähneputzen werden müssen. Denn auch verschnupfte Eltern sind in der winterlichen Wohnung eine höchst unerwünschte Erscheinung, und wenn erst ein Familienmitglied erkältet ist, so entsteht leicht ein Kreislauf des Schnupfens ohne Ende den ganzen Winter hindurch. Aber auch Praktische Winke Wenn die Möbeltüren klemmen Man schreibt es vielfach der feuchten Witterung zu, wenn Schranktüren und andere Türen klemmen und sich nur mit Mühe öffnen lassen. Alle Versuche, den Fehler zu beheben, nutzen oft selbst bei Anwendung von Fett und Seife sehr wenig. Manche Hausfrauen schneiden in diesem Falle sogar einige Späne an den klemmenden Türen ab, ohne das erwünschte Ziel zu erreichen. In den meisten Fällen liegt der Grund auch ganz woanders. Das Möbelstück steht schief, es hat sich auf einer Seite gesackt. Der Rahmen der Tür ist nicht mehr senkrecht, und die Tür muß klemmen. Wenn man nun ein kleines Holzbrettchen unter die gesenkte Seite schiebt, hat man sofort den gewünschten Erfolg zu verzeichnen. * Wenn Zimmerblumen schief wachsen Es ist jedem Blumenliebhaber bekannt, daß die Blumen an der von der Sonne belichteten Seite rascher wachsen, als an der, die dem Zimmer, also dem Schatten, zugekehrt ist. Man hilft sich sehr einfach durch häufiges Drehen. Trotzdem geschieht es, daß manche Blumen schief wachsen, weil man dies Drehen nicht regelmäßig vornimmt. Da nun manchen Blumen das öftere Berühren schädlich ist, empfiehlt es sich, die Blumen lieber unberührt stehen zu lassen und rückwärts der Blumen einen Spiegel anzubringen. Fallen nun die Sonnenstrahlen ins Fenster, so werden sie von dem Spiegel zurückgeworfen und die Blumen werden auch von hinten belichtet. geSchulpause Mitteln der modernen Technik und Wissenschaft bis zu einem gewissen Grade ausgleichen, selbst wenn wir uns den Luxus einer Winterfrische nicht leisten können. Die künstliche Höhensonne gibt die Möglichkeit, selbst wenn die Sonne tagelang nicht scheinen will, in genau dosierbarer Menge uns die ultravioletten vitaminerzeugenden Strahlen zuzuführen, nach denen unser Körper hungert. Auch die Ernährung läßt sich im Winter vitaminreich gestalten. Es gibt immer Obstsorten, die reich genug an Vitaminen sind, um den Mangel an frischem Gemüse zu ersetzen. Unlängst ist sogar nachgewiesen worden, daß im Kohl, selbst im gekochten Kohl, ein ziemlich großer Vitamingehalt vorhanden ist. Wer diese einfachen Regeln beachtet, der wird seine Familie ohne allzu viel Schnupfen(Lindner—.) Zweckmäßige Haarpflege Zur zweckmäßigen Pflege des Haares hört eine gründliche Kopf= und Haarwäse die regelmäßig alle acht Tage vorgenommen werden sollte. Nach der Kopfwäsche wende man stets ein Haarwasser an. Leidet man an Kopfschuppen, so sind speziell glyzerinoder eiweißhaltige Kopfwässer empfehlenswert. Ist das Haar fettarm, so wende man Klettenwurzelöl, Arnika=Haaröl oder ein fetthaltiges Haarwasser an. Hat man über Haarausfall oder mangelhaften Haarwuchs zu klagen, so benutze man Franzbranntwein, BayRum, Brennesselspiritus, Birkenwasser, Eiskopfwasser und ähnliches. 800 Jahre Fingerhut Ein treuer Freund der Frau seiert sein Jubiläum Eine Abt##sin verrät sein Ater Fingerhüte aus Silber u. Gold] Won CMarl. GBurckhardi Snde, den sanzen. Minter hindurch. Aber auch zwischenfälle durch den Winter bringen. die als aug dem Putse u... Vortebus fehtenve Sonnenlicht können wir mit den K. L.(,“ aue aus vem Deutschen in eine Art seltilmmmmmmmmmmm emmm amer Weltiprage übersetzt waren, in der wir zweifellos eine Vorgängerin des Esperanto Jubiläen und Gedenktage werden in großer Zahl begangen,— warum also sollte man nicht davon reden, daß ein so treuer Freund der Frau, wie es der Fingerhut ist, sein achthundertjähriges Jubiläum feiert? Vielleicht ist der Fingerhut sogar noch älter, auf jeden Fall aber trifft man das Wort Fingerhut in einem Lexikon, das die berühmte Aebtissin Hildegard von Bingen in einem Kloster in Rupertsberge bei Bingen vor 800 Jahren ausarbeitete. Das Lexikon enthielt 900 Worte, die aue aus dem Deutschen in eine Art seltMModisches für den Wintersport" Die„zünftige“ Garderobe für den weißen Sport hat sich auch in diesem Winter wenig verändert; denn was im Sport einmal als praktisch erprobt ist, kann die Mode nicht so schnell ändern. Trotzdem gibt es noch genügend kleine und größere Neuerungen, die wir ruhig mitmachen können und die auch den So sportlichen Ansprüchen genügen und zugleich kleidsam sind. Sehr oft sieht man in dieser Wintersportsaison weiße Skianzüge aus wasserabstoßendem Hirtenloden, zu denen handgestrickte karierte Pullover, Söckchen und Handschuhe ganz allerliebst aussehen. Der kurze Spencer wird hier auf die Knöpfe des Beinkleides festgeknöpft und erhält so einen guten Sitz. Eine kecke Filzkappe, seitlich zusammengefaltet, ergänzt diese helle lichte Skikleidung. Einen hervorragenden Kontrast zu der weißen Schneefläche bildet immer das schwarze Skitrikot und, wenn uns dies zu ernsthaft erscheint, wirkt eine Bluse in gelb, rot oder blau außerordentlich belebend. Diese mehrteiligen Zusammenstellungen in abweichenden Farben sind daher auch sehr beliebt. So trägt man zum Beispiel zur schwarzen Hose eine helle knappsitzende Gürteljacke mit Taschen und seitlichem Knopfverschluß. Wem aber die blanke Eisfläche noch größere sportliche Freude bereitet, wird ein Eiskostüm in grünem Samt oder Wollstoff wählen. Zu weiten, nicht zu langen Rock trägt man ein knappes, pelzbesetztes Jacket und dazu vielleicht eine zweizipflige Pelzmütze, die dieses beinahe klassische Bild vervollkommnet. (Zeichnung: Rückgauer, Scherl—.) eine Vorgängerin des Esperanto zu, ehen haben. Der Fingerhut wurde in dieser Weltsprache als„Sprakziriskanz" bezeichnet. Auch in Liedern und Dichtungen wird der Fingerhut um die gleiche Zeit erwähnt, und später, um 1530, gab es in Nürnberg eine besondere Handwerkerzunft, die man die„Fingerhuter" nannte, und schon aus dem Jahre 1382 gibt es eine alte Zeichnung, die einen „Fingerhuter" darstellt, wie er im Begriff ist, mittels eines großen Bohrers Vertiefungen in den Fingerhut zu bohren. Ende des 17. Jahrhunderts scheint die fabrikmäßige Herstellung von Fingerhüten begonnen zu haben, die von Bernd von der Becke ins Leben gerufen wurde. Nach einer Beschreibung des Cornelius van Wetering aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts war die Fingerhutherstellung damals noch eine sehr verwickelte und umständliche Sache, und der kleine Fingerhut mußte durch neun Hände gehen, ehe er endlich fertig wurde. Zuerst wurde aus Erde ein kleiner Hut gemacht, so groß, wie der Fingerhut sein sollte, worauf dieser Hut in eine Form getan wurde, um gegossen zu werden. Ein dritter Mann drehte ein Rad, das wiederum von einem Pferde gezogen wurde. Hierdurch sollte der Boden gleichmäßig gemacht werden. Ein Vierter bediente einen Hohlmeißel, mit dem er all die kleinen Vertiefungen machte, worauf der Fünfte, der Sechste und der Siebente mit dem Abschleifen des äußeren Randes oder Ringes und der Außen= und Innenseiten des Fingerhuts beschäftigt waren. Dem Neunten schließlich wurde die Polier= und Verzierungsarbeit überlassen. Heute ist die Herstellung eines Fingerhutes eine wesentlich einfachere Sache. Aber seine heutige Form hat der Fingerhut schon seit seinem ersten Auftreten gehabt. Die Fingerhüte, die man in alten Gräbern in Südrußzland, Frankreich und Italien gefunden hat, sind in der Form genau die gleichen wie die heutigen. Dagegen scheint doch ein grundlegender Unterschied zu bestehen: während heutzutage und seit langem die Frau ihren Zeigefinger durch den Fingerhut schützt, trug sie ihn damals auf dem Daumen. Man kann sich schwer vorstellen, wie das Nähen auf diese Weise vor sich gegangen ist. Die meisten Fingerhüte werden heute aus unedlen Metallen hergestellt und haben einen Wert von wenigen Pfennigen. Demzufolge werden sie auch nicht besonders in Ehren gehalten— sie werden sehr häufig verlegt oder verloren, und eine Frau verbraucht in ihrem Leben eine ganze Batterie von Fingerhüten. Früher war das anders. Damals war der Fingerhut, entsprechend der Mühe und Arbeit, die auf seine Verfertigung verwendet wurde, kostbar und wertvoll. Viele Fingerhüte bestanden aus Silber, andere sogar aus Gold. Auch Fingerhüte aus Elfenbein waren nichts Seltenes. Zu manchen Zeiten bestanden sie auch aus zwei Stücken, so daß nämlich ein Boden aus einem Stein eingesetzt war. Die Kostbarkeit dieses Steines bestimmte sich nach den Möglichkeiten des Käufers oder Bestellers. Manche schöne Frau trug an ihrem Finger einen goldenen Fingerhut, dessen Boden aus einem echten Rubin oder Saphir bestand. Daß man so einen Fingerhut zärtlich hütete, war selbstverständlich. Zu jenen Zeiten war der Fingerhut ein beliebtes Geschenk, und mancher Jüngling konnte sich keine schönere Gabe für seine Angebetete denken als einen Fingerhut,— er sah in ihm ein Symbol: die zarten Finger seiner Angebeteten gegen die Nadelstiche des Lebens zu schützen, war die Aufgabe des kleinen Fingerhutes, war die Aufgabe des liebenden Mannes. Heirat ins Glaue Es ist nicht ganz leicht zu begreifen, daß ein Mann oder eine Frau sich dazu entschließen kann, sich mit einer Person zu verheiraten, die er nicht kennt und noch nie gesehen hat. Dennoch ereignen sich solche Eheschließungen in Menge. Männer, die von Uebersee kommen, wollen sich oft aus der Heimat eine Frau mitnehmen, also sorgen sie meist durch eine Anzeige vor, so daß sie bei der Ankunft unter etlichen Frauen die Wahl haben, die bereit sind, ihr Schicksal zu teilen. Es kommt sogar nicht selten vor, daß eine Frau sich entschließt, in die Fremde zu gehen und sich dort einem Manne antrauen zu lassen, von dem sie nichts weiter gesehen hat als eine Photographie. Aber es ist keineswegs sicher, daß diese ganz ins Blaue hinein geschlossenen Ehen den größten Prozentsatz der Fälle ausmachen, in denen das Eheband durch gerichtliches Urteil wieder getrennt wird. Im Gegenteil zeigt sich, daß oft die schnell geschlossenen Ehen die allerglücklichsten sind. 7 Westsallen und Ahselnandee um Jeins Runp, um Ji. ademn In der Dämmerung des Herbstabends marschieren die Truppen halb schlafend, halb wach auf St. Quentin zu. Trotz der hergegebenen Tornister geht es nur langsam vorwärts. Man erkennt kaum eine Uniform. Jede Pause auf dem Marsch wird benutzt, um sich auf der Straße, im Staub, Dreck, Rübenfeld oder sonstwo hinzulegen. Endlich gegen Mitternacht wurde in einem stillen Dorf Ortsbiwak bezogen. Bis dicht vor den Stadtmauern von St. Quentin hatten sich die Goslarer Jäger herangemacht. Während einer Stunde Rast läßt der Divisionskommandeur Generalleutnant von Süßkind die Division um Mitternacht an sich vorbeimarschieren. Im Östen droht schon die Sonne aufzusteigen, als das letzte Regiment, die 15er aus der Lippegegend, im strammen Schritt vorbeiziehen. Mitten in diese Marschkolonne schieben sich die Bagagen der Kavallerie und für die Fußtruppen wirkt das dauernde Halten ermüdend. In der Dunkelheit prallt ein Mann auf den anderen. Auch hier wird jede Minute wahrGesamnen und selbst auf dem harten Pflaster sinken die Musketiere sofort in einen tiefen Schlaf, bis ein Kommandoruf sie wieder aufrüttelt. Das gleiche trifft bei den Pferden zu, die immer wieder anziehen müssen, um schon nach einigen Meter wieder stehen zu bleiben. Die Fahrer schlafen im Sattel ein. Gegen 4 Uhr morgens war die Division in den Dörfern östlich der Somme aufgeteilt. Der Kommandant wurde abgefangen Die Gardekavalleriedivisionen waren den flüchtenden Engländern auf den Fersen gewesen, aber ihr Bemühen, sie einzuholen, war leider erfolglos geblieben. In dem Abschnitt bereitete sich alles für die am nächsten Tag beginnende Schlacht vor. Die Gardekürassiere sollten auf der Straße von St. Quentin nach St. Simon die französischen Bagagen abschneiden. Hier gelang es dem Gardeleutnant von Strachwitz, den französischen Stadtkommandanten, der über den Aufmarsch der Deutschen nicht unterrichtet war und eine Ausfahrt im Auto machte, auf offener Straße gefangen zu nehmen. Als von Urvillers die Meldung kam, daß dort englische Truppen zur Stellung gingen, ritten die Gardedragoner auf den Hügel zu, saßen ab und entwickelten ein Schützenfeuer. Als ihnen scharfes Feuer entgegenschlug, war aufgesessen, und es wurde eine Dragonerattacke geritten. Mittlerweile hatten die Gardeulanen das Dorf Urvillers genommen. Als feindliche Mannschaften die Hände hochhoben zum Zeichen, daß sie sich ergeben wollten, ging der Leutnant Berlepsch auf diese zu. Im gleichen Augenblick sprang ein Franzose hinter einer Hafergarbe hervor und erschoß den deutschen Leutnant. Jedoch war es nur eine Sekunde, der Gardehauptmann von Kretschmann entriß einem Gardejäger das Gewehr und schoß den Mörder sofort nieder. Der Befehl zum Angriff Die Flieger waren in ihrer Erkundungstätgkeit lahmgelegt, da das Wetter zu schlecht war. Noch sah der Deutsche Generalstab die Lage nicht ganz klar, weil der Rückzug des Feindes noch nicht abgeschlossen war. Trotz der Nähe der Deutschen konnte der Franzose seinen Aufmarsch durchführen. Auch die feindlichen Truppen waren sehr ermüdet und in den letzten Kampftagen hart mitgenommen worden. Hatte doch ein afrikanisches Armeekorps, das mit Westfalen und Rheinländern den Kampf aufgenommen hatte, nicht weniger als 5000 Tote zu beklagen. „Auf Posten nichts Uleues“ Bei der 19. Reservedivision war die Nacht ohne etwas Neues und Besonderes verlaufen. Am Morgen meldete der letzte und am weitesten vorgeschobene Posten„Auf Posten nichts Neues“, was natürlich erschien, da der Feind aus dieser Richtung nicht zu erwarten war. Dem Feind kam bei seinem Aufmarsch sehr zustatten, daß der dichte Nebel sich selbst am Tage hielt. Am Morgen sind sämtliche Truppen zum Weitermarsch bereit, und man ahnt nichts Arges. Zwar waren feindliche Reiter mit ihren Lanzen zwischen Troßleuten der 78er gefahren, aber schnell wieder verschwunden. Man legte diesem Vorgang weiter keine Beachtung bei. Am Südausgang des Dorfes Mesnil hält zu Pferde der Kommandeur der 78er und überwacht das Einfädeln seiner Bataillone. In der Ferne sieht er schwache Umrisse von Reitern an einer Baumreihe, die er aber für deutsche Soldaten hält. Er wird trotzdem nicht stutzig, als von der Höhe einige Schüsse fallen. Jetzt wechseln die Eindrücke. Das Feuer schwillt an und in den Marsch= kolonnen brechen deutsche Soldaten unter Aufschreien zusammen. Alles ruft: Feind! Ueberfall! Es droht eine Panik zu werden. Nervenstarke Männer springen hinzu und reißen aufbäumende Pferde auseinander. Bevor aber die Panik ausbrechen kann, fahren scharfe Kommandos der Offiziere dazwischen. Jeder Offizier, die Gefahr erkennend, handelt selbständig. Die Führer haben die Mannschaften in den Händen und haben so schon halb gewonnen. Kaum waren Minuten vorbei, als auch schon alles ausschwärmte und zum Angriff ansetzte. Der Bataillonsführer Brachwirtz ruft einem Hauptmann zu:„In Gottes Namen vorwärts" und eilt mit gezogener Pistole und Degen an der Spitze über den Acker dem Feind entgegen. Doch schon nach einigen Schritten bricht er zusammen. Eine Kugel hat ihn getroffen. Bald war der Feind zurückgeschlagen, und nach dem Sammeln ging der Marsch weiter. Die Krisis der Schlacht war herangereift Das kleine Gehöft Cornet wurde zum Brennpunkt der Schlacht. In der Januarschlacht 1871 sah es das siegreiche Vorgehen der Deutschen und 1914 beschritt es die französische Reservedivision mit nicht geringen Hoffnungen. Fünf deutsche Kompagnien lagen hier einer feindlichen Uebermacht von fünf Bataillonen gegenüber. Den Deutschen stand nur eine Batterie Artillerie zur Seite und es sah trübe aus bei diesem Kräfteverhältnis. Aber der Kölner Fußartillerie war der Vorgang nicht verborgen geblieben. Das war ein Ziel für die schweren Haubitzen, und den Kanonieren lachte das Herz im Leibe bei dem Anblick. Hier konnte gefunkt werden. Es sollte eine Kampfhandlung von dramatischer Spannung werden. Kurz vor dem Dorf liegen die Haubitzenbatterien der Westfalensöhne, und als aus dem Dorf die Franzosen in großen Scharen herausbrechen, in die deutsche Stellung hinein, da hieß es:„Ganze Batterie Feuer!“,— und ein Eisenhagel schlägt ins Dorf ein. Eine Salve nach der andern. Von der Höhe funkten die Gardeschützen zielsicher, und am Eingang türmen sich die gefallenen Franzosen auf. Die ersten eilen wieder ins Dorf zurück, jedoch zu spät. Immer wieder quillen neue Massen hervor und stoßen mit den zurückflutenden zusammen. Es entsteht ein riesiger Menschenknäuel, der ein gutes Ziel der Artillerie ist. Es gab auch drüben unter den Franzosen genug beherzte Führer, die es Acht Wochen Soldat Das erste Scharfschießen auf dem Schießstand ist für jeden Rekruten ein Erlebnis. Die ersten drei Schuß werden am„Anschußtisch“ abgegeben, und der Schießfeldwebel achtet genau auf das Einrichten des Gewehrs, dann heißt es:„Augen auf. Finger lang, ruhig absetzen!“(Scherl—.) Gesckeieleten aus dem Eleleben der Zweege Von Hanna Lieske Der kleinste Vater der Welt lebt in den Vereinigten Staaten. Juan de la Cruz ist 54 Jahre alt, aber nur 60 Zentimeter groß. Er lebt mit seiner unverheirateten Schwester zusammen, die nur wenig kleiner ist als er. Seine Tochter, die von einer normalen Mutter geboren wurde, war bei der Geburt nicht viel kleiner als ihr Vater. Mit sechs Monaten war sie schon um 2½ Zentimeter größer. Die meisten Kinder von Zwergen wachsen ihren Eltern über den Kopf, noch ehe sie zehn Jahre alt sind. Mit sieben Jahren können sie meist schon über ihre Eltern hinwegsehen. Ein Zwergenpaar hat einen so stattlichen Sohn, daß er der beste Spieler einer amerikanischen Fußballmannschaft ist. Viele Zwerge heiraten nicht, weil sie fürchten, daß ihre Kinder später Abscheu und Verachtung gegen ihre Eltern empfinden, sonst aber fühlen die Zwerge Liebe, Haß, Eifersucht, Freundschaft genau wie andere Menschen, und die Wissenschaft ist sich längst darüber klar, daß nur das falsche Funktionieren einer das Wachstum bestimmenden Drüse diese Ausnahmeerscheinungen hervorruft. Im großen ganzen heiraten etwa 22 Prozent aller Zwerge; von diesen ehelichen 56 Prozent wieder Zwerge, die übrigen aber Männer oder Frauen, die oft doppelt oder dreimal so groß sind wie sie selber. Von den Zwergenehen, einerlei, ob sie zwischen Zwergen geschlossen wurden oder ob der eine Teil normal groß ist, sind 59 Prozent kinderlos. An sich kommen aber mehr Kinder auf die Ehen zwischen Zwergen und normal gewachsenen Menschen, denn von den ausgesprochenen Zwergenehen sind nur 11 Prozent mit Kindern gesegnet. Ein Liliputaner, der etwa 1 Meter groß war, heiratete eine schottische Riesin, die genau zweimal so groß war wie er. Sie machten zusammen Gastspielreisen. Bei einer Vorführung in London aber verliebte sich die Riesin in einen spanischen Riesen, und es kam zu erbitterten Szenen zwischen dem ungleichen Ehepaar. Eines Tages nahm die Frau Arsenik, und der verzweifelte Ehemann schluckte den vorhandenen Rest. Aber das Leben beider konnte gerettet werden. Auch zwischen den beiden rheinischen Liliputanern, Ebert und Zink, kam es zu Zusammenstößen aus Liebe; beide verliebten sich in Newyork in die im dortigen Viktoria=Theater; auftretende Elsie Law, die nicht größer war als ein fünfjähriges Mädchen. Schließlich beschlossen die beiden Liliputaner, um die Angebetete zu kämpfen, und bei diesem Boxkampf wurde Ebert schließlich niedergeschlagen. Elsie hatte dem Kampf zugesehen, und als nun der Sieger sie an sich ziehen wollte, schlug sie ihm ins Gesicht, eilte zu dem noch bewußtlosen: Ebert, küßte und pflegte ihn und ließ sich wenige Tage später mit ihm trauen. Ein argentinischer Zwerg, der eine französische Zwergin heiratete, war wild vor Eifersucht auf seine Frau, die sehr viele Anbeter hatte. Eines Abends kam sie nicht nach Hause. Vincent Alvaro, ihr Gatte, wartete die ganze Nacht auf sie. Als sie endlich gegen Morgengrauen kam und ihn nur verächtlich auslachte, mißhandelte er sie gröblich. Als auf ihr Hilfegeschrei Leute sich dem Zimmer näherten, sprang er selber aus dem Fenster und starb. Eine Liliputanerin verließ ihren ersten Mann, weil er sie grausam behandelt hatte, und heiratete darauf einen Mann von normaler Größe. Aber auch von diesem ließ sie sich scheiden, weil er sie mißhandelte. Schließlich ging sie eine dritte Ehe ein, diesmal wieder mit einem Liliputaner. Aus dem Familien= leben dieser beiden wird eine drollige Geschichte erzählt. Als der Mann eines Tages von einer längeren Reise nach Hause kam, fand er nur seine beiden kleinen Töchter und ein ihm noch unbekanntes Hausmädchen vor. Dieses begrüßte ihn erstaunt.„Ich wußte gar nicht", sagte sie,„daß die Kinder noch einen kleinen Bruder haben.“ Und ehe der Hausherr abwehren konnte, steckte sie ihn ins Bett und behandelte ihn ganz wie einen kleinen Jungen. Vielleicht wird es eines Tages gelingen, auch dieses Leiden des verringerten Wachstums, denn nichts anderes als ein Leiden ist es, zu heilen, so daß auch diese Menschen nicht mehr abseits vom normalen Schicksal zu stehen brauchen. verstanden, immer wieder die Truppen zu sammeln. Jetzt fegte auch die französische Artillerie dazwischen. Hoch zu Pferde sitzen die französischen Offiziere und weisen ihren Truppen Richtung und Ziel, um die Vorwärtsbewegung in Fluß zu halten. Ihre Artillerie sorgte für freie Bahn. Sie fand aber in den verstreuten deutschen Linien nicht so ein gutes Ziel, wie die westfälischen Haubitzen es beim Feinde gefunden hatten. Der Abstand zwischen den Deutschen und dem Feinde wurde immer kürzer. Bangen Auges sehen die Offiziere den Feind näher kommen. Die finger am Abzugbügel des Gewehrs halten die Infanteristen, und die Fäuste hart um die Griffe der Maschinengewehre geklemmt. Immer kürzer wird die Entfernung. Plötzlich ertönt das„En avant“ um die Ohren der Deutschen. Mit gezogenem Säbel eilen die französischen Offiziere ihrer Truppe voraus. Da tacken die deutschen Maschinengewehre aus beiden Flanken und singen ihr mörderisches Lied. Die Reihen der Franzosen lichten sich, aber schließen sich immer wieder. Die Gewehre der Infanteristen werden heiß. Heldenmut dort, Heldenmut hier. Die Franzosen kommen näher. Immer noch„En avant“ und immer noch das ruhige und zielsichere Schießen der Deutschen. Sterben hier, sterben dort. Es fallen drüben zehn, zwanzig und mehr. Dann ist es geschehen. Wenige Meter vor der deutschen Linie bricht der Angriff zusammen. Deutsche Feuerdisziplin hat über den gallischen Elan gesiegt. überfall auf das Generalkommando Gemäß einem Befehl sollten sich die Gardeschützen in den Besitz des Dorfes Urvillers setzen in der Vermutung, daß das Dorf frei vom Feinde sei. Tatsächlich schlug den Gardisten auch kein Feuer entgegen. Auf der Straße zum Dorfe wurde die Garde von der Autostaffel des Generalkommandos überholt. Nachdem diese Staffel hinter den ersten Häusern verschwunden war, wurde heftiges Gewehrfeuer hörbar. Auf die Schüsse hin wurde ein Zug Gardisten entsandt, der feststellen mußte, daß die Wagenkolonne des Generals von einem feindlichen Nachzüglerzug überfallen worden war, wobei der General und vier Offiziere verwundet wurden. Bei der nun vorgenommenen Säuberung des Dorfes konnten noch 50 Gefangene gemacht werden. französischer Zusammenbruch bei Ribemont Generaloberst von Bülow hatte den Fingerzeig gegeben, wenn alles vollendet werden sollte, mußte die Artillerie vorgelegt werden. Es wurde eine Notwendigkeit, die feindliche Stellung noch vor dem Abend zu nehmen. Die Artillerie war vorgeworfen worden, und die Infanterie erhielt die Meldungen für den Angriff. Eine Batterie, die den Feind sieht, macht kurzen Prozeß und fährt auf freiem auf. Wie ein Hagel prasseln die Gewehrkugeln um die Ohren der Kanoniere. Der Hauptmann kommandiert:„Schrappnell, Brennzünder, Feuer!“, aber durch Schrappnells ist der Franzose in seinen Gräben unverwundbar. Daher heißt es bald Granatfeuer. Unterdessen hatte die Infanterie schon versucht, den Sieg an ihre Fahnen zu heften. Aber bei den Maschinengewehrtruppen machte sich ein Mangel an Munition bemerkbar. Der Feind schickt immer neue Reserven und feuert ununterbrochen. Hier kann nur der germanische Kampfeseifer und Siegeswille entscheiden. Es war für die Franzosen ein Gebot der Selbsterhaltung, ihre Stellungen bis zum Eintritt der Dunkelheit zu behaupten. Die Lage sah hoffnungslos am diesseitigen deutschen Flügel aus. Von der Höhe schossen die Franzosen sehr gut und trefflich. Plötzlich erschien der Generalstabsoffizier Oberst von Wolff und mit erhobenem blanken Säbel ruft er den Schützen zu:„Mir nach! Wir müssen die Höhe in unseren Besitz bekommen!“ Zu seinem Adjutanten sagte er:„ Auf der Höhe werden wir uns als Sieger wiedersehn!“ Es ging im Sturm gegen die feindlichen Stellungen, und die am Boden liegenden Verwundeten riefen strahlenden Auges bei dem Anblick des schneidigen preußischen Angriffs immer wieder:„Hurral Hurra!" Das Schießen der Franzosen wird unruhiger und ziellos. Die deutschen Bajonette kommen näher und von links schmettern die Signalhörner der Westfalen das alte herrliche Preußensignal „zum Avancieren“ durch den Kampflärm. Die Stellung ist genommen. Die Turkos flüchten in einen Hohlweg. Die Kanoniere drehen ihre Kanonen etwas zur Seite und funken mit. Auch von der anderen Seite gibt es Maschinengewehrfeuer in das flüchtende Menschenknäuel. Diese großen Verluste ertragen selbst die Afrikaner nicht. Ihre letzte Widerstandskraft ist gebrochen. Entsetzen packt die schwarzen und braunen Soldaten der Franzosen. Waffen und Ausrüstungsstücke werfen sie fort. Die Musketiere aus dem Rheinland schoben ihre letzten Patronen in die Gewehre und schossen die wie Katzen an den steilen Abhängen hinaufkletternden Turkos einzeln ab. Singend erstiegen die Musketiere die Höhe, die vor wenigen Minuten noch den Tod in die deutschen Reihen gespien hatte. Roman von Gerhard Ritter Urheber-Rechtsschuts: Drei Quellen-Verlag. Königsbrück(Bes. Dresden) „Ueber allen diesen Erwägungen, die ihn wähder morgendlichen Rückfahrt nach T. durch den Kopf gegangen sind, ist er sich wieder einmal seines grauenhaften und furchtbaren Schicksals mit quälender Deutlichkeit bewußt geworden. In einem aber, das muß er sich selbst gestehen, hat sich seine Situation in den letzten Tagen entscheimehr shei.“ Jeht hat d0 veniostens nicht mehr auein. Beg. hat er einen Verbündeten. geiner Jaeu der ihn liebt und der ihn in alles das nicht verlggehegrick. Jehzt kann er über Hela i. dis Feat waig ist und guält, mit Heuu sprechen. Jetzt muß er mit ihr darüber Und zwar gleich gründlich Hat sie nicht ein Recht auf sein Vertrauen3! Mindestens doch wöhl so viel wie der alte Crewer. Warum hatte er eigentlich den alten Mann zum Mitwisser an Greis dann helsen?„Sie müssen sich in die vielleicht verrücktit Ueber die dunklen, ungetlärten Zusammenhänge seiner Vergangenheit wollte Tee— tee— Taa— taa—, Tee— tee— Taa— taa—, tutet es hinter, schmettert es neben und signalisiert es vor ihm. ihm vorbeigebraast. u.. Teurenwagen ist an : D a r i n d e r S e n a t o r, s e i n C h e f. Wie lange noch? denkt Stettner. „Zeim Durchfahren des Toreinganges zur Fa## sieht er ganz hinten, auf der langen Werkstraße bei den Verwaltungsgebäuden, den Wagen bereits zum Parkplatz einbiegen. gesetzt, stell Stettner fest. 0 shon abAls er selbst bald darauf mit Hellas kleinem Wagen am Parkplatz angelangt ist und neben der Senator vor shm. Pölich ihm vollonmen überraschend. Während er mit etwas Mühe seinen schweren und großen Körper auswindet beobacht seines kleinen Wagens herdiese Anstrengungen. 1— Geors schmunzelnd Renaratunge. Auto immer noch in der „Warum leiben Sie Feik, chelnder Jovialität. Limousine: genn nicht eine meiner . darzen aus? Die Dinger stehen doch untätig eiche„„grage,'nen Morgen übrigens!“. Dabei Kreundt: Stettner mit, festem Druck die Hand. Fleundlich, aber auch ein wenig spöttisch, wie es dirertor altn Art ist, blickt er seinen Betriebs. henseizende kleing, Kutsche, dieses ErsatzwägelSie. Mehr. Har. schen zu niedlich für Aumarte hr ein Damenwagen, was?“ Ohne eine kart:„Iaässemarten sährt er freundlich lächelnd „isen übrigens nächstens wieder mal zusammenrommen, lieber Stettner. Habe Ihnen einen kleinen Vorschlag zu machen.“ Verfügung“ ventor, stehe ganz zu Ihrer nicht so. Damit wender.. i ader 80r „Können selbstverständlich auch jederzeit meiVort zu sagenl. haben. Brauchen nur leren Verwaltungsgehäuben. t. □∆ 535 trefen erzählt. Hellanen gseho der 3usammenheug, Hella, Hela Jel— er nach keinem.— mit schnellen Schritten eilt seinem Büro. Er muß die Geliebte jetzt unbedingt noch einmal sprechen, muß ihre Stimme hören.— Unterwegs, auf dem Korridor, haur ihm schon das Klingeln des Telephons in seinem Zimmer entgegen. Er reißt die Tür auf, sicht stropit mmt den Hörer ab, sein Ge—„Hella ränlein in zerr gofgus molige, schwarzhaarige schen Fabrik onzentrale der BurgerVerbindung mit der..... sie die herstellen muß.— Diese namischen Oitrektor“ aber nach reichlich zwanzig Minuten die Verbinfrei st, kann sch die kleine, Hanielhgarne nicht mehr beherrschen. Sie muß einmal hören, nimmt sie den Hörer ans Ohr und lauscht mit her“=heiden Direktoren= vertraulichen Gespräch . ess gotürlichl— Barum denn nichts“ hört sie die Stimme der Prinzipalin.—„Nein, heute kannst du mich nicht abholen— ein halb vier Uhr wie immer. Ganz recht!“—„Nein, es nicht, Liebling.“—„Warum nicht?“—„Ich habe noch ein paar kleine Besorgungen zu machen.“ „Ob du nicht dabei sein kannst?“—„Ach, du könntest schon. Aber ich fände es doch netter, wenn du nicht dabei wärst— wie bitte?— Geheimnisse?— vielleicht! Aber jedenfalls recht nette.— Ob du sie kennenlernen darfst?—“ Lachen vorn audhf Zört, die Lauscherin nur ein ## weiblichen Teil der beiden Gesprächspariner. Dann beantwortete das Fräulein Direksice Sochher Pste.— Ganz rucht. 3. Hier legt das Fräulein in der Burgerschen Telephonzentrale rasch den Hörer zurück, denn Selgant find Sie st nicht übernäßig beinruhigt etwpos kann Sein baschnshnshent Dhester den Pene Ri ch gleichtals ein lisch gleichsaus ein Schaltbrett angebracht, von Leiesgstesheng heren den Srnadern gäbe er viel darum, wenn ein solches Schaltbrett Mitelchen bedienen würde. scher zeichen, Herpös ia“ knart das Telephonzur Hand.. sespannt nimmt er den Hörer den Apparat= Hann Augenblick da“, rust er in eilt zum Büro des Bruders. August Georg nimmt sich kaum Zeit, Hans Jürder anderen den Hörer ans Ohr haltend u kann sich nur wundern. erodberie Aldgast Genrgen“ ordentliche Mahregein deren genate Alspidaren Veralgemeinerungen, schenken wirst.: zlegung du dir wieder einmal „Worauf du dich verlassen kannst!“ Sofort Ferssage es st witlich ohne sedes Interese resignierende Handbewegung Hans Jürihm Hans Zürgen etwas nacheuft. ein eifersüchtiger Ehemann, der die Pribenommen“, meint dieser. schlecht“, entgegnet August Georg—— und läßt endgültig das Zimmer. un0 der eisk ashase sc lach iremn Reiter unsch, Peisce ein Peiherseteseshe ben. Din den Sreien Pochnboserlästes werdai sie sch be i wegen in die Bahnhoftr eue e i eim ein falig um. Dabei siefsie n0c einmal unauf. des Senators gerade wieder 0 d Auden eggse. Seite vor dem Schaufenster eines Lachend begrüßt sie ihn: Crewer, was tun Sie denn hier? Das ist doch kein Anblick für alte Herren!" „Liebe Hella“, erwidert ihr der Sanitätsrat, sehen.: Burch Helag vn oichen Riedlichkeiten sie seinen etwas des ironisches Lächeln, mit dem sie seinen erwas fragwürdigen Greisenwitz quittiert, keineswegs beeindruckt, fährt er in vorseit meulich abendso arum haben Sie denn hören lasn, liebe Helagrigt wieder von sich Schuldbeladen steht Hella vor ihm. Sie weiß gar nichts zu ihrer Entschuldigung zu sagen. Si er SaPäiersch vergesen. ——.— so schrecklich vielu ie kocend. lächelnd der Sanitätsrat. „Hatte ich auch!“ „Ich weiß, ich weiß, Hellalein.“ Outel Fremergann. die wich eigentlich so, „Ich examiniere Sie gar nicht, liebes Kind. Ich bin nur ein bißchen in Sorge um Sie.“ Auf Heuas verwunderten und fragenden Blick fährt er in wesentlich ernsterem Tone als bisher fort: sen doch, wie sehr ich Sie schätze, liebes Hellakind, aber“, und sehr betont und fast lich, güberlegen Sie sich bitte recht genau die Entschlusse, die Sie vermutlich in der nächsten Zchitigen.=Be3u8 auf Ihre Zukunft zu Gella bergus. un a Crewer meint, wiederholt sie:„Jawohl, Sie spinsis mwie Sie auch neulich gesponnen haben, als Sofort unterbricht Crewer: „Nein, das habe ich leider nicht.— Freilich, darin mögen Sie recht haben, liebes Kind: Ihre Privatangelegenheiten haben mich gar nichts anZenug zu tun. D aber 0 dut mit sch selbst Liebes Kind, hätten Sie den Mann in der VerSschege in), Biten Sie den Ramn in der Ver. füssung gesehen, wie ich ihn gesehen habe, so Worte als sich fihr Peinlich noch viel stärkere lischen Zustandes gefunden haben. sene e“ „Ja, meinen Sie denn——“, beainrt Hella langsam beunruhigt. „Eine Frage nur noch, liebes Kind“ fällt ihr Crewer wieder ins Wort.„Wissen Sie denn bener Stimme, so weit es die Oeffentlichkeit der eschce ch ceicr ce eliece Wr gs Heriotza einen Rienand zu.— August Stetner heißter sclefendes Geräusch neben sich. Auf der Straße Druch der Premssen Auto gestoppt.“ sehorchend, das Moraviussche me vom Steuersitz. e ont des Senators StimBihsche eie hele seinen Aen, um In zu ühen. stert er ihp uut er ab.=Schon wieder gutl“ flü. Nach wenigen vorstellenden Vorten sehsge eisge icherskant haibe und dos ar ch eeri der ssetenten Bick Crewecz, begegret ken versunten, daß sie fast in iu in Gebanwäre„wenn ich sie nicht rechtzeitig angerufen Hellas Dankesworte aber wehrt er ab mit der en, ehente für hn Dden alerschonsen 9. Wenn er doch nur nicht so viel red.a damit ich käme. Aber Moravius tut ihe Port techt neit finde“ antvoriete Hele. kleine Frau, denkt er. Machst mir furchtbar viel Spaß, wenn du so ins Zeug gehst. Laut entgegnen Eindrug Jhnen einen so nüchter. Hella, die über sein spöttisches Gesicht verärgert ist, erwidert mit betonter Ironie: für nüchtern halte ich Sie nicht, Herr Senator. Eher für einen verkappten Romanver ssbf, Saa ttwort ist Moravius doch etwas halten, das gate e niemals für möglich gehalten, buß man in ihm einen Romantiker sehen konnte. Der Blick, mit dem er Hella ansieht, ist denn auch reichlich verwundert. Mit sichtlicher Shrr Zieie arte. Senators „Wenn Sie sich neulich selbst gesehen hätten, Herr Senator, wie Sie nächtlicherweise in gleitung einer.=Th.=.=Hoffmann=Figur im Stadtpart lustwandelten, würden Sie meine Ansicht für gar nicht so ausgefallen halten.“ „Zu„Hellas großer Enttäuschung machen aber ihte Worte nur einen sehr geringen Eindruck schen Sächssen.. it seinem überlegen=spöttia Wersch gnet er: „Jeder„Mensch, hat so seine Leidenschaften. Daran läßr sich nichts ändern. Ich gehe nachts miutlsich probzirazi Sie Snädigste tun, vermüllich provuttivere Dinge um solche Zeit. Aber das ist schließlich eine Frage des Alters. Vergessen Sie auch nicht: Eines schickt sich nicht für Frecher Kerl, denkt Hella. Kleine Frau, meint der Senator. Laut fährt er fort: „Und was haben Sie mir noch auf meinen Brs zu entwortens.. neinen Senatar ge d ich Ihnen lieber schreiben, Herr che Fäutzs Ihnen denn so schwer, sich zu entEntscheidung liegt nicht bei mir allein.“ .. meint Moravius.„Dann bitte ich Sie, gnaoiges Fräulein, die Stelle, deren evenherzsichutimmung da so wichtig zu sein scheint, wird die Stelle freuen."“.0 dente doch, 68 Maere das ein, sch u erahschseben. gsg de vergeugt sich und küßt ihr die Hand. „.(o, dann auf Wiedersehen, gnädiges Fräu„Möglicherweise, Herr Senator.“ hat, verabschiedet sich gleichtalls von Hela, da er Blatz zu nehmen seinem Wagen „Nicht böse sein“, sagt er. Ihnen, lieber Oniel Crewer.= Hela, sich danke deiz galsh mit ihrem„Peter“ trefen vil ist se und Erlchten, ben Gehörten Hella nennt Stettner übrigens„Peter"; ales eriebt mb ge, Vetgahe Keute mitcg, nich ausgerechnet von Moravius gerettet. Dann die seltsame Aussprache mit Crewer und schließlich Senator. —. Bas wird er bloß sagen, wenn sie ihm den Und wie wird er die Ohren spitzen, u eslean Mier=- Liebing, ite dos abernedensäch, Serken, elssenche Von weiten seht se au der stehen.— Wie schmutzig und aussieht, denkt sie.— Jetzt fangt. Powverde zu regnen.— Sie will sch beil uch an zu. werden. Es snd sa nur nochein u uidt uet scher. Je näher sie. ais Seschse eael e in bande. er. sunzel im Ladenkenster hat sch Orrg. der Gas— S r r e i g e n t e r h a t s i c h d e r F l i e von Jahren angesammelt.9007 (Fortsetzung folgt Reuue 8 Numur Kuten= Der vergessene Spickrterstock Skizze von Fritz H. Chelius Professor Dr. Leberecht Hühnerbein war eine Kavazität in seinem Fache, und selbst seine erbittertsten Gegner konnten nicht abstreiten, daß er eine Autorität auf dem Gebiete der Entomologie darstellte. Aber eins hatte er mit weit weniger berühmten Kollegen gemeinsam: die unglaubliche Vergeßlichkeit. Alles, was nicht nietund nagelfest war, kam bei ihm in Gefahr, vergessen zu werden, und man kann es nur als eine weise Vorsichtsmaßregel der Natur betrachten. daß Hühnerbeins Kovf nicht abnehmbar war. sonst wäre er wohl schwerlich eines Tages diesem Schicksal entgangen. Als er vor einigen Tagen nach seinem Kolleg nach Hause zurückkehrte, durchzuckte ihn plötzlich. als er im Begriff war, die Trevve zu seiner Wohnung emporzusteigen, der Gedanke: Donnerwetter, du hast doch heute morgen deinen guten Spazierstock mitgenommen? Und jetzt hast du ihn nicht mehr? Also mußte er ihn wieder einmal, wie schon so vieles vorher, irgendwo liegen= oder stehengelassen haben. Ein unangenehmes Gefühl beschlich ihn. Fragen mochte er nicht, denn seine Frau, die sonst ein herzensgutes Geschöpf war, hatte bei solchen Gelegenheiten immer gleich so spitze, anzügliche Randbemerkungen bei der Hand. die er nicht leiden konnte, und außerdem handelte es sich hier noch um ein ihm sehr wertvolles Geschenk ehemaliger Kommilitonen, die ihm diesen Malagastock mit der Elfenbeinkrücke gelegentlich seines dreißigjährigen Dienstiubiläums überreicht hatten Da seine Frau dies wußte konnte er sich auf eine umso, gepfeffertere Gardinenprediat gefaßt machen, wenn sie etmas davon erfuhr. Also beschloß er bei sich, nichts von dem Verlust verlauten zu lassen, sondern gleich nach Tisch noch einmal den Weg zu machen, den er am Vormittag gegangen war. Ja. mo war er doch gegangen? Zunächst zum Briefkasten, non dort zur Anotheke, non dort zu seinem Buchhändler: dann hatte er sich bei seinem Schuster erkundigt, ob seine Stiefel schon gesohlt seien. und dann war er direkt zur Universität gegangen und von dort nach Hause. Also an einem dieser Punkte seines so selten abmechslungsreichen Tagesprogramms würde er ihn schon habe stehen lassen. Seine Frau mar nicht wenig erstannt, als er sich nach dem Mittagessen nicht in sein Arheitszimmer begab, um einen Mittagsschlaf zu halten. sondern dringende Geschäfte vorschsitzte fortging. Mütterlich besorgt riet sie ihm sich ja nicht zu überanstrengen, sondern die Anderen auch etmas arbeiten zu lassen Sie ahnte ja nicht, die Gute, daß er sich auf die Jagd nach dem nergessenen Snazierstock machte, nach dem er schon in der Garderobe vergeblich Ausschau gehalten hatte Als er am Briefkasten vorbeigina. in den er am Morgen seine Nost geworfen hatte stellte er mit einem Blick fest daß der Stock dort nicht mehr stand. Das hätte ihn selbst gewundert. menn er ihn dort noch gefunden hätte, denn man las so viel von unehrlichen Monschen, und einen so schönen Snazierstock hätten die sicher als eine Gottesaabe angesehenund mitgehen heiben Als er in die Apothefe kam. hatte er das Glück, von dem gleichen Pronisor bedient zu werden, dem er auch jetzt sein Anliegen nortrug. „Ach“. antwortete der Provisor.„haben der Herr Professor ihn vielleicht dort auf den Tisch gelogt?“ Ein Haffnungsstrahl zuckte in ihm auf„Dort auf den Tisch? Ich weiß nicht. es könnte sein... Ja. ich werde ihn wohl da hingelegt haben!" Schneewittchen im Winter (Zeichnung: Sturzkopf: Scherl—.) „Es tut mir furchtbar leid“, sagte der Provisor mit einem leichten Lächeln,„aber ein Spazierstock wurde heute morgen hier nicht gefunden.“ Enttäuscht zog Hühnerbein weiter. Wenn nur das verdammte Lächeln nicht gewesen wäre! Er konnte sich von dem Verdacht nicht freimachen. daß der Provisor den Stock an sich genommen hatte und nur nichts sagen wollte. Nicht besser erging es ihm in der Buchhandlung, obgleich er fest glaubte, sich erinnern zu können, daß er den Stock dort auf das Lesevult gelegt habe, als er heute morgen in den Dissertationen herumstöberte. Der Chef. der ihn versönlich bediente, konnte sich aber nicht im geringsten an einen Stock erinnern, denn bei ihm kämen an jedem Tage so viele Menschen in den Laden. daß es reiner Zufall sei, wenn einem da solche Aeußerlichkeiten auffielen. Er geleitete Hühnerbein sehr höflich bis zur Ladentür, und mit dem Wunsche:„Bitte. beehren Sie mich bald wieder!“ entließ er den Enttäuschten. „Wenn er nur diese vermaledeiten Worte nicht gesagt hätte!“ sinnierte Hühnerbein.„Jetzt bin ich der Ueberzeugung, der Kerl hat den Stock und hofft, beim nächsten Male noch ein paar Handschuhe oder so etwas dazu zu bekommen!“ Aber als vorsichtiger Mann ging er doch noch zu dem Schuster, dem er die gleiche Frage stellte. ob er heute früh nicht seinen Stock habe stehen lassen. Der Schuhmachermeister konnte sich natürlich, wie er erwartet hatte, ebensowenig besinnen, und als Hühnerbein sich bestimmt zu erinnern glaubte, daß er ihn hier im Laden habe stehen lassen, wurde der Meister grob und fuhr ihn barsch an ob er denn glaube, daß er seinen Kunden die Stöcke stehle? Sein Geschäft werfe genug ab, daß er sich selbst ein Dutzend solcher Dinger leisten könne. Im übrigen, wenn er gar glaube, hier bestohlen zu werden, möge er gefälligst irgendwoanders arbeiten lassen, an ihm sei sowieso nichts zu verdienen, denn von den Schuhsohlen, die so ein Stubengelehrter alle Jubeljahre einmal ablaufe, könne weder er, noch seine Familie satt werden. So war denn Hühnerbein ziemlich bedeppert weitergezogen und zur Universität gegangen. wo er sich gleich den Pedell kommen ließ. Auch diesem legte er die verhängnisvolle Frage nach dem Stock vor. die ebenso prompt verneint wurde, wie bei den drei vorigen Stellen. „Ja. was wollen Sie denn. Herr Professor". hatte der alte Klütjemeier gesaat.„Ihr Zimmer ist doch abgeschlossen, da haben Sie und ich einen Schlüssel. Und an einem Spazierstock vergreife ich mich schon garnicht, denn ich nehme niemals nicht einen mit. Ja, wenn's eine Maß Bier oder eine Zigarre gewesen wäre! Im übrigen bin ich Staatsbeamter. und wenn Sie mich im Verdacht haben, dann können Sie ja eine Eingabe an die vorgesetzte Behörde machen. Ich bin kein Kindermädchen nicht, das auf die Sachen der Herren aufzupassen hat!“ Und wütend hatte Klütjemeier die Tür hinter sich zugeworfen. Nachdenklich setzte Hühnerbein seinen Weg nach Hause fort. Auf so viele Schlechtigkeit der Menschen war er nicht gefaßt gewesen. Wer war nun eigentlich der Dieb. der ihm seinen schönen Spazierstock entrissen hatte? Wenn so etwas möglich war, könnte man ja niemandem mehr trauen. Entmutigt, zerknirscht und schuldbewußt kam er schließlich zu Hause an. Seiner Frau entging diese Niedergeschlagenheit keineswegs, und mit einigen geschickten Fragen hatte sie bald herausbekommen wo ihren Alten der Schuh drückte. Hühnerbein verschlug es fast den Atem, daß die sicher erwartete Standvauke ausblieb. Lachend stand seine Frau nach seiner Beichte auf und ging ins Schlafzimmer nach dem Kleiderschrank wo sie— den verlorengeglaubten Svazierstock holte und ihn feierlich Hühnerbein übergab. „Lieber Leberecht". sagte sie,„ich gebe allmählich doch die Hoffnung auf, dich an Ordnung gewöhnen zu können. Ich habe dir heute morgen den alten Regenschirm mitgegeben, weil es so trübe war. Kaum warst du weg. da brachte ihn Minna zurück, weil du ihn drunten im Hausflur hattest stehen lassen, als du dir wahrscheinlich deine Zigarre angezündet hast. Sei nur froh. daß der Regen ausgeblieben ist!" Hühnerbein ging sinnend in sein Studierzimmer. innerlich froh. daß der Stock wieder da war. Aber es gab doch noch Dinge auf der Welt. die über sein Fassungsvermögen gingen. Allerlei AnekdotenMißgeburten „Furchtbar viel Mißgeburten gibt es in England“, behauptet Knick in einer Gesellschaft. Man starrt ihn ungläubig an. „Na ja doch, jedes weibliche Kind ist doch dort eine geborene Miß.“ Knick wurde prompt an die frische Luft gesetzt. * Bestrafter Hochmut In der guten alten Zeit unterhielt man sich auf einem der sogenannten„ästhetischen Tees" auch über die Unterschiede der Klassen und der Stände. Eine stockadelige Dame erklärte des großen und breiten, man müsse den Bürgerstand gewissermaßen mit dem irdenen Geschirr. den Adel aber als das feine Porzellan vergleichen. Stumm hörte die bedienende Zofe zu. Schließlich hatte man genug geredet. Und die Kinder des adeligen Hauses sollten wie üblich der Gesellschaft vorgestellt und herumgereicht werden. Die Zofe bekam einen entsorechenden Auftrag. Sie öffnete die Tür zum nehenan gelegenen Kinderzimmer und rief der Betreuerin der Kinder mit lauter Stimme zu: „Irdenes Geschirr. bringen Sie das kleine Parzellan herein!“ Der Gesellschaft verging das Lachen. * Höflichkeit Am Hofe des Sonnenkönigs beaegnete eine bochgestellte Dame einer jungen, weit unter ihr in der Rangliste stehenden Adeligen. Huldnollst nickte sie ihr zu „Ich habe heute Nacht von Euch geträumk. Martoste“, sagte sie hochmütig. Die andere vollführte einen tiefen Hofknix. Melche Ehre! Eigentlich wäre es doch meine Pflicht und Schuldigkeit gewesen, von Euer Liebden zu träumen...“ * Der Mann des Jahrhunderts Zur Zeit Navoleons I. verliehte sich ein mackerer Oberst in Paris in eine-fünfzigjährige Dame. Gleichzeitig aber machte er. noch sehr unentschlassen, auch einer anderen Fünfziajährigen den Hof. Darauf bekam er den gleichen Beinamen wie der Kaiser. Man nannte ihn— den Mann des Jahrhunderts. * Redensart Man unterhielt sich über die Menschen und das Glück. „Wie glücklich könnten die Menschen sein". seufzte ein gedankenloser Pessimist vor sich hin. „wenn es weder Frauen noch Männer gäbe.“ * Und dann... „Ich möchte nur wissen, warum alle Lustsviele mit einer Heirat enden". fragte ein übelgelaunter Zeitgenosse einen anderen. „Weil mit der Heirat das Trauersviel beginnt“, entgegnete der. Schachaufgabe von W. Frhr. von Holzhausen Matt in 3 Zügen Silbenrätsel a— au— bak— bel— bro— de— dek — di— di— do— e— e— e— ei— ein — en— ex— fen— gel— gen— gir— glas— gow— gut— ha— hal— i—1— in— ker— kow— la— lan— le— le— li— li— lob— mi— ne— ne— ne— ner— no— non— 0— ta— ta— ta— ter— tu — vi. Aus vorstehenden 52 Silben sind 19 Wörter zu bilden, deren Anfangs= und Endbuchstaben. beide von oben nach unten gelesen. ein Wort aus dem Chinesischen ergeben. Bedeutung der einzelnen Wörter: Rätselbaum Die stark umrandeten Felder enthalten den jeweils gemeinschaftlichen Anfangs= bzw. Endbuch. staben der senkrechten und waagerechten Wör ter: sie ergeben ferner im Zusammenhang von oben nach unten gelesen einen Mädchennamen Die Wörter bedeuten: Senkrecht: 1. Wort: Spielkarte: 2. Wort: Rätselart: 3. Wort: Ehrengruß: 4. Wort: männliches Tier.— Waagerecht: 1. Reihe: Anfang bis Mitte: Flächenmaß: Mitte bis Ende: ägyptischer Sonnengott: Anfang bis Ende: Papagei. 2. Reihe: Anfang bis Mitte: lat.: Kunst: Mitte bis Ende: Senior abgekürzt: Anfang bis Ende: Element. 3. Reihe: Anfang bis Mitte: lat.: vor: Mitte bis Ende: Hast; Anfang bis Ende: banktechnischer Ausdruck. 4. Reihe: Anfang bis Mitte: stenographisches Zeichen: Mitte bis Ende: Laubbaum: Anfang bis Ende: altdeutscher Mädchenname. Kreuzwort=Silbenrätsel Waagerecht: 1. weiblicher Vorname. 3. spanische Provinz und Stadt: 5. Titelheld bei Shakespeare; 7. Fluß in Frankreich: 9. afrikanicher Storch: 11. Geldumlauf: 12. Körverteil: 13. Stadt an der Elbe: 16. Feuerwerkskörver, 18. eiblicher Vorname: 20. Kanonengestell: 21 Heiliger.— Senkrecht: 1. Sonnendach: 2. römischer Kaiser: 3. Papstname; 4. Hererostamm: i. weiblicher Vorname; 7. Vorbild: 8. weiblicher Vorname: 9. Weinsorte: 10. Fleischklößchen; 14 Ostgotenkönig: 15. männlicher Vorname: 17. Hornstoff: 18. Häuslerwohnung: 19. geschmolzenes Gestein der Feuerberge. Auflösung aus voriger Nummer Frhr. v. Holzhausen. Matt in drei Zügen. Weiß: Kh2. To2, Th1(); Schwarz: Kb7, La7(). 1. Tg2—g5(droht Kg2- nebst matt) K57—56 2. Tg5—g3. und was Schwarz jetzt auch immer spielen mag. im nächsten Zuge folgt das Matt durch einen Königsabzug, entweder Kb2—92 oder gegebenenfalls Khexa1 matt. Doppel=Silbenrätsel 1. Volumen, 2. Taschentuch. 3. Irland 4. Trabrennen, 5. Thalia. 6. Oberhof. 7. Nurmi. 8. Grobian. 9. Buße, 10 Menzel. 11. Flaschenzug. 12. Bauer. 13. Wolkenbruch. 14. Tannenberg. 15. Ihna. 16. Fahrenheit, 17. Irrsinn, 18. Eigentum.— Menschen irren. aber nur große Menschen erkennen ihren Irrtum. Kreuzworträtsel a) 1 Metall. 5 Ober. 6 Filet. 7 Omsk. 10 Ruvie. 12 Sou. 14 Ems. 15 Nab. 17 Inn. 19 Taine, 21 Ebro. 22 Amsel. 23 Blut 24 Elvira;— b) 1 Mole. 2 Ebers. 3 Tet. 4 Lampe. 6 Flinte. 8 Sims. 9 Kessel. 10 Run, 11 Raab. 13 Oie. 16 Birne, 18 Namur. 20 Asta. 22 Ali. Dopvelvuramide Demos. Odem. Dom. Do. D. OD. Ode. Oder. Order. Nichts für Prolekarier... Das neue Luxushotel in Moskau— Ganz amerikanisch i3 e dent tci„ Poskaus ist jetzt Anfang Januar #es Lu##shotel eröffnet worden. Dieser Prachtoau mit 16 Stockwerken. der die Ausmaße eines amerikanischen Wolkenkratzers hat, ist nach den Plänen der Architekten Saweleff, Stapran und Tschustef erbaut worden. Die Vorderfront dieses Terssauegy Zurushotels geht auf die Marim=Gorkistehen dagegen aus valiertem rgten Granit. stehen dagegen aus poliertem koten Grünkk. Der äußeren Pracht entspricht der Luxus in der Inneneinrichtung des Hotels. Es ist alles Erdenkichfeil bür den eise eceit und Annehmlichkeit für ven ausenthalt der Gäste in diesem Luxushotel geschaffen worden. Ein riesiger Spiegellagl, dient als Speiseraum. Unmittelbar an diesen roßen die Spielzimmer, die Lese= und Unterhaltungsräume, sowie die Bibliothek mit großer AusBet. soherten in allen Sprachen der Welt. Die haus baiß..u.d ochen, wie in einem KaufEinrichtung gatt oben, bald nach unten. Auch die Finrichtung der Zimmer ist ganz im amerikanischen Sinne modern gehalten. Zu jedem Zimmer gehört ein eigenes Luxusbad, sowie ein besonderer Toilettenraum Die Preise für diese Zimmer sind entsprechend Für ein ganz einfaches Zimmer im höchpro Tag 15 bis 50 Rabel nach rückwärts werden Die Zimmer nach pgrng kgsten natisefich wevden Die bunte Seite nuch vorne rosten naturlich noch welentlich, gehr, der Preis schwankt hier zwischen 70 und 110 Ruder pro Tag, was soviel wie 30 bis 50 Mark bedeutet. Pro Tag, bitte schön! Für die Proletarier im roten Paradies dürft kaum Hestimmi sein.u Lurnshotel woh Rockefeller hinter Stacheldraht Der amerikanische Milliardär John D. Rocke feller, der jetzt 96 Jahre alt ist, hat Ende des ver gangenen Jahres beschlossen, sich vom öffentliche vollkammen zurückzuziehen und so zu leben heit erreichen kann. dundert Jahren mit Sicher leht der Greis auf seinem Wintersitz„Tt sichert in se ringsum durch Stacheldraht ge nete Postu taßensen Eingangspunkten bewaf' #te Posten steuen, die jeden Eindringling abweh # Es ist praktisch unmöglich, zu dem reichster Manne Amerikas vorzudringen. Der alte John D. lebt genau nach der Vorschrift seiner Aerzte. Sie haben ihm jede körperliche Anstrengung und jede Bewegung, die ihn ermüden könnte, verboten. Auch sein geliebtes Golf hat er aufgeben müssen. Außerdem ist ihm die Teilnahme an Festrichkeiten verboten, da sie ihn zu sehr ermüden und anstrengen. Während man ihn früher jeden Tag in Decken gehüllt in seinem Auto auf einer Spazierfahrt sehen konnte, ist auch dieser tägliche kurze Ausflug aufgegeben worden. Statt dessen kann John D. in dem weiten Park seiner Besitzung spazieren gehen. Die Aerzte haben ihm eine genaue Diät vorgeschrieben, die streng eingehalten wird. Sie bestimmt auch den Sauerstoffgehalt des Schlafzimmers und die Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit, die durch kostspielige Apparate geregelt werDer alte Herr ist noch sehr beweglich und geistig regsam. Er läßt sich täglich die Zeitungen vorlesen und unterhält sich mit seinen Familienangehörigen über alle Tagesereignisse. Er hofft zuversichtlich, die hundert Jahre zu erreichen, und das wäre neben dem Rekord, der reichste Mann der Welt zu sein, der zweite seines gesegneten Lebens. Vor dem Shwurgericht in 2; Peieh eenen den Kuabeannieder Sreien Seefeld, der unter der Anklage des Mordes in zwölf Fall Vre gegen den 6öjährigen Adolf brechser an, Kindern stebt. Auf unserem Bilde siecht man rechtee aud foertgelebter Sitlichteitsver unts oas Spwurgericht während der Verbandlung. vintergrund den Angeklagten und 6 Heldemat=enler=Mänter Verzweifelter kampf mit dem Fla mmentod, um das Kind zu bergen In Seibick von basdestater Srsheuseoseung ergen Ein Geisviel von heibenhäfter Selbstaufdpserung hat dieser Tage eine junge Frau in dem kleinen änischen Ort Esbjörg gegeben. Trotz schwerer Veretzungen hielt sie den Flammen eines großen onge um ibr Kind retten zu können. Und ut mit dem Frau liest zwar Tode ringend im Krankenhaus, aber e hat das Bewußtsein, dem Knochenmann in letzter zuuts ein sicheres Oofer entrissen zu haben. Tau, die mit ihrem Mann und ihrem Kind. inem Saugling, ein eigenes kleines Haus bewohnt, ar an Vermittag einkaufen gegangen und hatte „#ind allein in der Wohnung zurückgelassen. amegn deimwege sab sie schon weitem, wie helle zine grabggu dem Dach ihres Hauses schlugen. esamme: Menschenmenge hatte sich bereits anbesummelt und versuchte nach besten Kräften, den Brand zu löschen, aber die Flammen fraßen gierig Szschnerfuche fanden so reichlich Rabrung, daß alle Mahnung.:. blieben. Das Kind in der glaubte man verloren geben zu müssen. Die junge Mutter jedoch zögerte nicht eine Sekunde. Ohne auch nur ein Wort zu verlieren, drang sie in das Haus ein. Die Flammen schlugen ihr ins Gesicht, setzten ihre Haare, ihre Kleider in Brand. In dem dicken Qualm mußte sie die Augen schließen und sich die schon glühenden Treppen hinauftapfen. Von draußen konnte man beobachten, wie Gisratine ter niedersank, sich wieder cllicklicher ic immer weiter vorwärtsarbeitete. ##herweise war, das Schlafzimmer des Säugeind nech von dem Feuer verschont geblieben. Das aber noch zpar von dem Rauch bewußtlos, lebte 11. Die Mutter riß es aus seinen Kissen, eitte uns Fenster, wartete dort solange, bis unten Sehe rat binah ran dann Seume#ut: So wie sie fiel, blieb sie in tiefer Dynmachr liegen. Sie bot einen wahrhaft bedauernswerten Anblick. Ihre Hände waren fast verkohlt. ihre Haare abgesengt und von ihren Kleidern trug sie nur noch wenige Fetzen. Die Aerzte verkennen die Lebensgefahr, in der sich die junge Frau befindet, nicht, hoffen aber, sie doch durchbringen zu können. Das gerettete Kind beindet sich wieder auf dem Wege der Genesung. Siren um Baml Banll Woher stammt die Bezeichnung?— Anklagen und Dementis Zoginn dor militärisch Seit Beginn der milnarischen Kampfhandlungen in Ostafrika machen die Italiener den Abessiniern den Vorwurf, daß von diesen auch DumLum=Geschosse, verwendet würden. Die Verwenbung vieser Geschosse, die infolge ihrer besonderen technischen Zurichtung bekanntlich arge Verstümmelungen hervorrufen, ist durch eine internationale Vereinbarung vom 29. Juli 1899 verboten. Die Dum=Dum=Geschosse, die die Abessinier angeblich verwenden, sollen nach italienischer Angabe sogar englischen Ursprungs sein. Selbstverstandlich leugnen sowohl die Engländer als auch die Abessinier; jene, Dum-Dum=Geschosse geOben dasa haben, diese, solche zu verwenden. Aber der Streit um Dum=Dum will nicht nur nicht verstummen, sondern hat gerade in der letzten Zeit eine weitere Verschärfung erfahren, und zwar auf Grund einer Eingabe, die Italien beim Völkerbund gemacht hat. Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß ein bicher Streit um Dum=Dum=Geschosse die Gemüter erhitzt. In jedem Krieg, der in den letzten Jahrzehnten ausbrach, haben sich die Gegner gegenseitig zum Vorwurf gemacht, solche besonders lebensgefährlichen Geschosse zu verwenden. Auch uns Deutschen ist im Weltkrieg von der Gegenseite dieser schwere Vorwurf gemacht worden, aber alle diese Anschuldigungen haben sich als eitle Lüge erwiesen. Die Dum=Dum=Geschosse sind nebenbei bemerkt eine englische Erfindung. Daher stammt auch der Name. Diese Geschosse wurden zum ersten Male in der englischen Munitionsfabrik Dum=Dum, einem Vorort von Kalkutta, hergestellt. Die Engländer haben sich dieser Munition bedient, weil sie in ihren Kämpfen mit den wilden Bergstämmen im Norden Indiens eine besonders wirksame Waffe brauchten, um so mehr, als sie meist doch gezwungen waren, an Zahl weit unterlegen, standzuhalten. Worin die Eigenart dieses Geschosses besteht, dürfte im allgemeinen bekannt sein. Sie beruht darauf, daß der Stahlmantel an der Spitze des Geschosses offen ist und infolgedessen der Bleikern des Geschosses, wenn er in den Körper eindringt, eine weit größere Wunde reißt. Es werden häufig die Zellgewebe in einem solchen Umfang zerstört, daß für den von einem Dum=Dum=Geschoß Getroffenen keine Chance mehr besteht, auch wenn nschih, als solcher zunächst nicht einmal iebensgeführlich gewesen ist. Dum-Dum=Kugeln sind im übrigen nur auf kurze Entfernungen wirlich wirksan. Was an diesen gegenseitigen Anschuldigungen, die auch jetzt im italienisch=abessinischen Konflikt prompt wieder aufgetaucht sind, wahr ist, kann nur eine gründliche Untersuchung feststellen. Selbst wenn sich die Richtigkeit dieser Anschuldigungen erweisen würde, wäre übrigens den betreffenden Heeresleitungen noch nicht einmal die alleinige Schuld aufzubürden, denn an sich kann von jedem Soldaten jedem normalen Geschoß auf eigene Faust durch Abfeilen der Spitze des Stahlmantels Form und Wirkung eines DumDum=Geschosses verliehen werden. verkaufs vor dem Geschäft auf seinem Stuhl niedergelassen. Jetzt aber habe er es glücklich erwischt und werde nun endlich Ruhe haben. Diese nette Geschichte, die sich in dem kleinen Terzogenbusch abgespielt hat, hat noch eine Schlußpointe. Drei Tage später nämlich erschien die Frau wieder, um das Kleid, für das ihr Gatte so große Opfer gebracht hatte und das ein einmaliges Modell war, in ein anderes Kleid gehärte und ach geherte und noch vorhanden war. maochen dann; eden einer Frau niemals recht Krankenauto als Hochzeitskutsche „Künstler kommen oft auf die merkwürdigsten Ideen, um sich bei der breiten Oeffentlichkeit immer wieder ins Gedächtnis zu bringen. Warum soll beshalb die Filmschauspielerin Käte von Nagy eine Neulich feierte sie ihre Hochzeit Paris krauen, gie...— aue dalb von ber die##: Aues verlief programmgemäß. Als über die Trauung vorbei war, fuhr zur großen Verwunderung der Zuschauer ein— Krankenauto vor Kirchentreppe vor und Braut und Bräutigam Liegen in diese merkwürdige Hochzeitskutsche ein. Schneu wurde die Tür geschlossen und das KrankenGettentlicmit unbekanntem Ziel davon.— In der Bessenllichkeit ist man nun der Ansicht, daß Käte von Nagy diesen Trick gewählt hat, um vor den Pressephotographen Ruhe zu haben, die in Paris auf sie warteten. Eins steht aber fest: nämlich, daß bszihren„Willen durchgesetzt hat und eine Bombenn den Pariser Zeitungen erhielt, die mehr wert ist, als sie die Bildaufnahmen sämtlicher Pariser Pressephotographen gewesen wären. Ein Löwe auf Wallfahrt Er badete im heiligen Fluß Ganges Die Pilgerfahrten der frommen Inder nach dem Ganges, dem heiligen Fluß, haben wieder begonnen. Ueber eine Million Wallfahrer sind bereits in Allahabad eingetroffen, um an dem höchsten indischen Nationalfest teilzunehmen. Altem Brauch gemäß stürzen sich die Gläubigen in die eiskalten Fluten des Stromes, um alsdann, von ihren Sünden gereinigt, in den Tempel zu treten. Großes Aufsehen erregte dabei ein indischer Kaufmann aus Bombay, der in Begleitung eines Löwen erschien. Zunächst stoben die frommen Pilger beim Anblick dieses Raubtieres nach allen Seiten auseinander, aber sie beruhigten sich dann, als sie wahrnahmen, daß dieser wallfahrende Löwe offensichtlich vollkommen gezähmt war. Sein Besitzer soll ihn sogar mit ins Bad in den Fluten des heiligen Ganges genommen haben. Auch während der Andacht im Tempel wich der König der Tiere nicht von der Seite seines Herrn. Eine ungezogene Eule Im Garten des Verkehrsministeriums in London soll sich neuerdings eine Eule angesiedelt haben, die als ein wahrer Ausdund an Ungezogenheit zu betrachten ist. Gerade zu der Zeit, da nach den Verordnungen eben dieses Ministeriums nachts Ruhe zu herrschen hat— selbst die Autofahrer dürfen um diese Stunde nicht mehr hupen — fängt diese Eule mit ihrem Geschrei an. Da Eulengeschrei auch nicht gerade zu den harmonischten Geräuschen der Welt gehört, kann man begreifen, daß die Leute rabiat werden, und daß die Londoner Polizei inzwischen eine fieberhafte Jagd nach diesem nächtlichen Ruhestörer eröffnet hat. Aver bisher ist es noch nicht gelungen, diese ungezogene Eule zu erwischen. Hier wird König Georg V. beigesetzt. Die Beisetzung König Georgs V. findet am Dienstag der kommenden Woche in der St.=GeorgsKapelle in Windsor statt, die unser Bild zeigt. In der Gruft ruhen bereits die Eltern König Georgs. sein älterer als Kronprinz verstorbener Bruder, der Herzog von Clarence. Ferner stehen dort auch die Särge Heinrichs VI., Heinrichs VIII. Georgs IV. und Williams IV.(Scherl—.) Ein liebevoller Ehemann Er wartete eine ganze Nacht im Freien auf den Ausverkauf In der kleinen holländischen Stadt Herzogenbusch sahen vor einigen Tagen Arbeiter und Angestellte, die morgens zu ihrer Arbeitsstätte gingen, vor der Auslage eines großen Damenkonfektionsgeschäftes einen Mann mittlerer Jahre, der auf einem kleinen Stühlchen saß, einen Koffer mit Eßwaren neben sich stehen hatte und, gegen die grimmige Kälte in Decken gehüllt, auf die Eröffnung des Geschäftes wartete. Als die Geschäftsangestellten kamen, waren auch sie über den sonderbaren Anblick, den der komische Mann bot, erstaunt. Er aber packte sein Stühlchen zusammen, betrat das Geschäftshaus und kaufte als erster Kunde an diesem Tage ein sehr schönes und billiges Kleid. Der Inhaber des Mobelhausee war inzwischen auf den Kunden aufmerksam gemacht worden und ließ sich in ein Gespräch mit ihm ein. Da erzählte der Mann die Geschichte seines Geschäft portas 7u e vorgestern an diesem Geschäft vorveigekommen und habe unausgesetzt von dem Kleide geschwärmt. Er habe einfach über nichts anderes mehr sprechen können als über dieses Kleidungsstück, und schließlich sei es ihm zuviel geworden. Er habe in die Tasche gegriffen und seiner Frau das Geld dazu gegeben. Sie aber sei immer noch nicht zufrieden gewesen, denn sie habe befürchtet, daß ihr eine andere Käuferin zuvor kommen könnte. Eine ganze Nacht habe sie ihm ihre Befürchtungen geklagt, habe ihm gesagt, daß sie todunglücklich wäre, wenn sie das Kleid nicht bekäme. Um endlich schlafen zu können, habe er sich bereit erklärt, es ihr unter allen Umständen zu besorgen, und um sein Wort zu halten, habe er sich bereits am Abend vor dem Beginn des AusEurovas bester Eisläufer im Berliner Svortvalast Im Berliner Sportvalast, wo am Wochenende die Eurovameisterschaften im Eiskunstlauf zur Durchfuhrung kommen, treffen täglich neue Teilnehmer ein, um mit dem letzten Training zu beginnen. Bild zeigt Weltmeister Karl Schäfer und die junge Hedi Stenuf, die besten Vertreter der WieneSchule.(Scherl—.) Unterschriften großer Deutscher Im Raum für Archiv und Statistik des Heimatmuseums ist auch der Graphologie Aufmerksamkeit gewidmet worden. Das Stadtarchiv hat aus seinen Beständen 4 Urkunden ausgelegt, die eigenhändige Unterschriften großer Deutscher tragen und zwar die Unterschrift von Staatsmännern, die von außerordentlicher Bedeutung für das Deutsche Reich und das Deutsche Volk sind und gewesen sind. Es sind Namenszüge, die wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen hat, aber eben nicht im Original. Die erste Urkunde zeigt den Namenszug Friedrichs des Großen auf einer Urkunde vom 13. Juni 1782. Das Schriftstück betrifft die Aufteilung des Castroper Holzes. Friedrich der Große erteilt darin der märkischen Kriegs= und Domänenkammer in Hamm die Bestätigung der von dieser durchgeführten Gemeinheitsteilung. Das zweite Stück ist der Dank des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler für die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes der Stadt Castrop=Rauxel, datiert vom 17. Juni 1933. Der charakteristische Namenszug. den heute jedes Kind kennt, liegt hier in der eigenhändigen Schrift des Führers vor. Groß und wuchtig ist der Namenszug des verewigten Reichspräsidenten. Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Auch er dankt in dem vorliegenden Schreiben vom 11. 4. 1933 der Stadt für die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Einen Staatsmann des vergangenen Jahrhunderts betrifft die vierte Urkunde. Es ist ein eigenhändiges Schreiben des Freiherrn vom und zum Stein. Geschrieben auf Schloß Kappenberg am 5. 9. 1821 an den Referendar Illair in Berlin. Dieses Schriftstück ist besonders wertvoll, da Freiherr vom Stein es nicht nur unterschrieben, sondern vom ersten bis zum letzten Wort einschließlich der Adresse selbst geschrieben hat. Um sich beim Beschauen der Namenszüge auch sofort die Persönlichkeit des Unterschreibenden besser vergegenwärtigen zu können, sind kleine Kupfertiefdruck=Bilder den Briefen in dem Ausstellungskasten beigelegt. To Ge Erstes Kammerkonzert in Castrop-Kauxe! Unter Leitung von Musikdirektor Max Spindler gelangt heute abend um 8 Uhr im Wichernhaussaal der Altstadt das erste Kammerkonzert in Castrop= Rauxel zur Ausführung. Ueber Programm, Mitwirkende und Werke haben wir an dieser Stelle ja wohl genügend gesprochen, so daß wir uns nicht in Wiederholungen zu ergehen brauchen. Mit Rücksicht auf das auswärtige Städt. Orchester Gelsenkirchen ist es unbedingt Pflicht eines jeden Konzertbesuchers, seinen Platz um 8 Uhr eingenommen zu haben, damit unliebsame Verzögerungen nicht Zeit und Stimmung beeinträchtigen. Auch weisen wir nochmals darauf hin, daß um 5 Uhr an derselben Stelle das diesjährige erste Jugendkonzert stattfindet. Auch hier spielt das Gelsenkirchener Orchester ebenfalls unter Leitung unseres Städt. Musildirektors Max Spindler. Lichtbildervortrag im Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft Am Mittwoch, dem 22. d.., hielt der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft seinen ersten diesjährigen Arbeitsnachmittag im Kasino der Klöckner=Werke ab. Im Mittelpunkt stand ein Lichtbildervortrag des Herrn Schmitz(Dortmund) über Deutsch=Ostafrika." Der Redner, der lange Jahre vor dem Kriege als Farmer in Ostafrika tätig war und als Offizier den heldenmütigen Kampf unserer Schutztruppe unter General von LettowVorbeck mitgemacht hat, wußte in äußerst anschaulicher und packender Weise vom Leben des deutschen Pflanzers im Usambara=Gebiet zu erzählen, vom Kafseebau in Wilhelmstal am Kilimandscharo, vom Verhältnis des weißen Mannes zu den Eingeborenen, wie diese mit seltener Treue ihrem„Banna" (Herrn) dienen— und wie auch heute noch in unseren Kolonien die Sehnsucht der Schwarzen dahin geht, wieder unter einem deutschen Herrn dienen zu dürfen. Darum— so führte der Redner aus— endlich einmal Schluß mit der Lüge im Versailler Vertrag, daß Deutschland nicht fähig sei. zu kolonisieren! Jeder trete an seinem Platze dafür ein, daß der koloniale Gedanke immer mehr Volksgenossen ergreift und daß er wach bleibe im deutschen Volke bis die Kolonien wieder unser sind! Nach dem Vortrag, der mit ungeteilter Aufmerksamkeit und mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde, dankte die Leiterin der Abteilung dem Redder recht herzlich für die genußreichen Stunden und chloß die Versammlung mit einem dreifachen SiegHeil auf den Führer. Kaufmännische Schulen der Industrie- und handelskammer zu Bochum Fachliche Leistungsfähigkeit und charakterliche Zuverlässigkeit sind schon heute entscheidend für den Zugang zu den verantwortlichen kaufmännisch=wirtschaftlichen Berufen. Eine gründliche sachwissenschaftliche und allgemeinbildende Vorbereitung ist außer der praktischen Lehre schon im Hinblick auf die zukünftige pflichtmäßige Kaufmannsgehilfenprüjung unerläßlich. In den einzelnen Abteilungen der Kaufmännischen Schulen wird von erprobten. praktisch und akademisch vorgebildeten Lehrkräften sorgfältige Berufsbildungsarbeit geleistet. 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