Se. Jchng Lohroter Feibung Rauxeler Neueste Nachrichten Bladenhorster Tageblatt Der Stadtanzeiger erscheint wöchentlich 7mal. Wochendezugsprets 50 Psg, Postbestellpreis 2 RM. monatlich Ersatzansprüche können bei Störungen im Erscheinen infolge höherer Gewalt nicht gestell: werden Drus und Verlag: Geschw Schmig in Castrop=Rauxel. Hauptschriftleiter, verantwortlich für den Textteil: Franz Joses Pruns in Castrop=Rauxel. Anzeigenleiter: Wilhelm Welter in Castrop=Rauxel. DA. XI. 35 1757. Sa.=Nr. 2151 Castrov. K anzeigen 1 mm Loch und 72 mm breit 2 Pig. Nachlaß nach den vom W. d. D. W. herausgegebenen Richtlinien. 3. It. gilt Preisliste Nr. 2. Für Platzwünsche, auch für die durch Fernsprecher aufgegebenen, sowie für undeutlich geschriebene Aufträge wird keine Gewahr übernommen Schluß der Anzeigen=Annahme 4 Uhr nachm. tags zuvor. Erfüllungsort u. Gerichtsstand Castrop=Rauxel. Amtliches Veröffentlichungsblau für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Allgemeines Kreisblau für den Stadttreis Castrop=Rauxel. Das Neich i ferr und siden 1935, ein entscheidendes Fahr der deutschen Wehrgeschichte Neujahrsbotschaft des Juhsrers Nationalsozialisten, Nationalsozialistinnen, Parteigenossen! Zum dritten Male feiert das neue Reich den Jahreswechsel. Zum dritten Male wurde uns am Beginn der vergangenen zwölf Monate der bevorstehende Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes prophezeit. Zum dritten Male ist Deutschland unter diesem Regime stärker und gesünder geworden auf allen Gebieten seines nationalen Lebens. Es ist für uns, die wir diese große geschichtliche Wende unseres Volkes gestalten und erleben durften, schwer feststellbar, welchem der drei zurückliegenden Jahre die größere Bedeutung für die Wiederauferstehung des deutschen Volkes zukommt. 1933 eroberten wir die innere Macht. 1934 gelang es uns, sie zu befestigen und zu erweitern durch die Vorarbeiten für die Erringung der äußeren Freiheit. 1935 steht im Zeichen der errungenen Freiheit nach außen und der weiteren Durchsetzung der nationalsozialistischen Idee und ihrer Grundsätze im Innern. Daß es uns neben dieser gewaltigen Arbeit der politischen Wiederherstellung Deutschlands auch gelang, den wirtschaftlichen Aufbau durchzuführen und fortzusetzen, kann uns alle mit besonderem Stolz erfüllen. In derselben Zeit, in der wir mit Recht zufrieden zurückblicken dürfen auf eine wahrhaft gewaltige politische, kulturelle und wirtschaftliche Arbeit des Aufbaues, wird uns von journalistischen Hellsehern soeben wieder der neue Termin für den deutschen Zusammenbruch mitgeteilt. Auch damit können wir zufrieden sein, denn diese Phrasen werden vergehen, aber die Ergebnisse unserer Arbeit werden bleiben. Und das vor uns liegende Jahr 1936 soll und wird ein weiteres Jahr natiönalsozialistischer Entschlossenheit und Tatkraft sein. Je mehr aber die Stärke des Reiches zunimmt und ihren sichtbaren Ausdruck findet in der wiederentstehenden Wehrmacht unseres Volkes, um so mehr werden wir erfüllt sein von der Schwere der Verpflichtung, die uns die neue Waffe auferlegt. Mit dem Blick in die vielen Wirrnisse und Unruhen der anderen Welt ermessen wir erst den Segen des klaren und stabilen Regimes in unserem Staate sowohl als den Segen und Nutzen des dadurch garantierten Friedens. Ein solches Vollwerk der nationalen europäischen Disziplin und Kultur gegen den bolschewistischen Menschheitsfeind zu bleiben, wird auch im kommenden Jahr unser eifervolles Bestreben sein. Dessen Versuch, durch fortgesetzte Revolutionen, blutige Aufstände und Unruhen die Ordnung der Welt zu untergraben und die Völker gegeneinander zu hetzen, werden wir so wie in der Vergangenheit auch in der Zukunft in Deutschland erfolgreich abwehren. Unser höchstes Streben soll es aber auch im kommenden Jahr sein, dem wiedergefundenen nationalen Leben der Ehre und Freiheit den äußeren Frieden zu bewahren. Das heutige Deutsche Reich, sein Weg und seine Zukunft sind unlöslich verbunden mit der Nationalsozialistischen Partei. Sie hat die Umstellung unseres Volkes erreicht, die Energien für den Wiederaufstieg erweckt, die geistige und politische innere Voraussetzung für die Durchführung aller nötigen Maßnahmen und Reformen geschaffen und gegeben. Ich bin mir bewußt, daß, was immer auch Deutschland treffen könnte, die Partei der feste und unzerstörbare Träger des deutschen Lebenswillens sein wird, wie sie dies in den zurückliegenden 15 Jahren war. Eine fanatisch verschworene Gemeinschaft deutscher Männer, deutscher Frauen und deutscher Jugend wird hinter mir stehen wie Bsleutelt. Ein entscheidendes Jahr der deutschen Wehrgeschichte liegt hinter uns. Das Reich ist wieder frei und stark. spreche allen Soldaten und den sonst am Aufbau der Wehrmacht beteiligten meinen Dank und meine Anerkennung für die Leistungen im vergangenen Jahre aus. Die Losung für 1936 heißt: Immer wieder vorwärts für den Frieden, die Ehre und die Kraft der Nation. Berlin, den 31. Dezember 1935. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht: Abolf hiller. n die Wehrmacht! Im Zeichen der allgemeinen Wehrpflicht beginnen wir ein neues Jahr des Ehrendienstes an Volk und Reich. Wir wollen weiter zusammenstehen in Treue, Manneszucht und Hingabe für Deutschland und unseren Obersten Befehlshaber. Berlin, den 31. Dezember 1935. Der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht: von Blomberg. An das Heer! Mit Stolz kann das Heer auf die Arbeit des vergangenen Jahres zurückblicken. Ich weiß, daß Führung und Truppe auch weiterhin ihre Pflicht erfüllen werden. Berlin, den 31. Dezember 1935. Der Oberbefehlshaber des Heeres: Frhr. von Fritsch. An die Kriegsmarine! Die Wehrfreiheit hat die Kriegsmarine vor neue große Aufgaben gestellt. Mit Tatkraft und freudiger Hingabe sind sie im vergangenen Jahre in Angriff genommen worden. Im neuen Jahr werden wir mit gleicher Entschlossenheit ans Werk gehen. Berlin, den 31. Dezember 1935. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine: Raeder. Iin die Luftwaffe! Allen Angehörigen der Luftwaffe spreche ich meine Anerkennung und meinen Dank für die im vergangenen Jahre bewiesene Pflichttreue aus. Ich erwarte, daß sie sich auch im neuen Jahre der Größe der zu bewältigenden Aufgaben bewußt bleiben und übermittle ihnen meine besten Wünsche für eine erfolgreiche Arbeit am gemeinsamen Werk. Ein großes Jahr liegt hinter uns. Deutschland hat seine Wehrhoheit wieder. Die Luftwaffe verdankt ihre Wiedergeburt einzig und allein dem Siege der nationalsozialistischen Idee. Aus dem Glauben an den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht wird sie die Kraft schöpfen, höchste Leistungen auch im kommenden Jahre zu vollbringen. Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe: Hermann Göring. in der Vergangenheit in ihren guten und schlechten Tagen, so auch in der Zukunft! Ich wende mich daher am Beginn des neuen Jahres wie immer an meine alten Mitkämpfer. Ich gedenke ihrer Treue und ihrer Disziplin. Ich gedenke all der Führer in der politischen Organisation der Nationalsozialistischen Partei, der SA, SS, der Hitler=Jugend, des Arbeitsdienstes, des RSKK, der Bauernorganisation, der Arbeitsfront usw., sowie der Führerinnen der Frauenschaften und des BdM. Ich danke ihnen auch in diesem Jahr für die unentwegte Treue und den Gehorsam, den sie mir entgegenbrachten, und die es mir ermöglichten, schwerste politische Entscheidungen im sicheren Bewußtsein des hinter mir stehenden und durch sie geführten Volkes zu treffen. Ich danke all den unzähligen namenlosen Parteigenossen und Anhängern, den braven Männern meiner SA und SS, des Arbeitsdienstes, des RSKK und der gesamten Arbeitsfront für ihre Hingabe an die Bewegung und für ihre gebrachten großen Opfer. Ich danke besonders den Millionen deutscher Bauern, die die Ernährung unseres Volkes auch in diesem Jahr gelingen ließen. Und ich danke endlich allen jenen Bekannten und Unbekannten, die auch als Nichtparteigenossen durch ihre treue Mitarbeit das Deutschland des Dritten Reiches emporführen halfen. Ich danke vor allem den deutschen Frauen. die durch die neugeborenen Kleinen unseren Kampf durch ihre Tapferkeit erst der Zukunft unseres Volkes zugute kommen lassen. Das Jahr 1936 soll uns erfüllt sehen von einem neuen heiligen Eifer, zu arbeiten und einzutreten für unser Volk. Es soll uns alle vereint sehen im Bewußtsein der uns gestellten gemeinsamen Aufgabe. Heute aber wollen wir danken dem Allmächtigen, der unser Werk bisher in seinen Segen genommen hat. Und wir wollen uns vereinen in der demütigen Bitte an ihn, uns auch in Zukunft nicht zu verlassen. Es lebe die nationalsozialistische Bewegung! Es lebe unser einiges deutsches Volk und Reich! Adolf Hitler. Berlin, den 1. Januar 1936. Danksagung und Neujahrswünsche des Führers dnb. Berlin, 1. Jan. Der Führer und Reichskanzler hat auch in diesem Jahre zum Neujahrstage eine Fülle von Glückwünschen deutscher Volksgenossen aus dem Reich und dem Auslande, ebenso von den Freunden Deutschlandsin fremden Ländern und von den Auslandsdeutschen in der ganzen Welt erhalten. Bei der großen Zahl dieser Kundgebungen, die ihm aus allen Bevölkerungskreisen persönlich, schriftlich und telegraphisch in diesen Tagen dargebracht worden sind und die ihn herzlich erfreut haben, ist es ihm zu seinem lebhaften Bedauern nicht möglich, die Glückwünsche im einzelnen zu erwidern. Der Führer und Reichskanzler spricht daher allen, die zur Jahreswende seiner so freundlich gedacht haben, auf diesem Wege seinen herzlichen Dank aus, wobei er gleichzeitig ihre Neujahrswünsche bestens erwidert. Feierliche Flaggenparade bei der Kriegsmarine am Neujahrstage 1936 onb. Kiel, 1. Jan. Die Kriegsmarinestadt Kiel selbst ruhte noch von der Silvesternacht aus, als schon Kommandos und schrille Signale über die Decks der im Kieler Hafen liegenden Schiffe hallten. In Kiel=Wik war alles lebendig. Kommandos ertönten, die Ehrenwache präsentierte auf der Schanz unter dem Drillingsturm das Gewehr, und bei den Klängen des Deutschlandund des Horst=Wessel=Liedes stieg am Heck und auch am Top aller Schiffe erstmalig im neuen Jahre die Reichskriegsflagge langsam empor. Einige flotte Marschweisen beendeten die schlichte und erhebende Feier. Botschaft an die deutsche Jugend Der Reichsjugendführer erließ zur Jahreswende einen Aufruf an die deutsche Jugend, in der er als die wesentlichste Aufgabe für das kommende Jahr die Erziehung zur Kameradschaft als die Voraussetzung für alle tiefere Erkenntnis des Wesens der nationalsozialistischen Idee herausstellte. Bei der Darlegung des Aufgabengebietes heißt es dann weiter: „In ehrfürchtiger Treue grüßen wir am heutigen Tage unseren Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Er hat uns mit einem Vertrauen, das uns stolz und glücklich macht, persönlich die Aufgaben gestellt, die wir im Jahre 1936 zu erfüllen haben. Die wesentlichste unter ihnen besteht in seiner Forderung, daß ausnahmslos jeder Junge und jedes Mädel, dem Beispiel der Hitler=Jugend folgend, schon in frühen Jahren dem Staate und damit der Zukunft unseres Volkes zu dienen habe. Von der Hitler=Jugend wird erwartet, daß sie die außerschulische Erziehung aller deutschen Jugend übernimmt. Die Einzelheiten dieser Aufgabe, die Schaffung einer einheitlichen großen Reichsjugend unter Führung der Hitler=Jugend, werden den Gliederungen der nationalsozialistischen Jugendverbände und der deutschen Oeffentlichkeit zu gegebener Zeit mit: geteilt werden.“ Rampses sus Ein siacnes Beutschlans Rundfunkrede des Reichsministers Dr. Goebbels zum Jahreswechsel 1935/36— Unser Glaube gehört Deutschland dnb. Berlin, 31. Dez. Reichsminister Dr. Goebbels gedachte in seiner Neujahrsansprache zunächst der letzten Kabinettssitzung, in der der Führer der Reichsregierung seinen Dank für die Arbeit im vergangenen Jahre ausgesprochen hatte. Mit Bewegung hätten dabei alle der Mühen und Sorgen, der Freuden und Erfolge dieses wahrhaft historischen Jahres gedacht. Es sei freilich ein eigentümlicher Charakterzug fast aller Menschen, daß sie bei der Gegenwart immer nur das Schwere und Sorgenvolle bemerken, um darüber das Leichtere und Freudigere zu übersehen, während sie bei der Vergangenheit so gerne das Angenehme im Gedächtnis behalten, um das Trübe und Unerfreuliche zu vergessen. Damit würden sie auch oft ungerecht gegen ihre Zeit und gegen sich selbst. „Nur allzu viele Menschen“, so fuhr Dr. Goebbels fort,„gibt es, die sich gerne und fast mit Bosheit über die kleinen Unannehmlichkeiten des Alltags ereifern. Sie geraten dann leicht in die Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten, und möchten am liebsten das Licht überhaupt ausblasen, weil es natürlicherweise auch einen Schatten wirft. Es gibt im menschlichen Leben gar nichts, das nicht seine zwei Seiten hätte. Alles Angenehme hat auch seine unangenehmen Rückwirkungen. Jeder Erfolg kostet Mühe und Einsatz. Das Jahr 1935 werde als das Jahr der deutschen Freiheit in die Geschichte übergehen. den Dank des Führers und der Regierung für den Opfersinn aus, mit dem sie sich im vergangenen Jahr bewährt habe. „Sie ist ihrer großen Aufgabe würdig gewesen. Sie wird auch die kommenden Schwierigkeiten überwinden, wenn sie an der Ueberezugung festhält, daß Hindernisse nicht mit Kopfhängerei, sondern mit Optimismus und Willenskraft gebrochen werden. Neue große Aufgaben warten wieder auf uns. Die Wehrhaftmachung muß gefestigt, die Arbeitsschlacht weitergeführt werden. Jahrelang noch werden die Hämmer klingen beim Bau der Reichsautobahnen. Die organisatorische Neuformung des Reiches findet ihre Fortsetzung; Partei und Staat werden ein einheitliches Ganzes bilden, um den Schutz der Volksgemeinschaft zu sichern. Der Führer, seine Partei und seine Regierung aber vermöchten nichts, wenn das Volk ihnen nicht hilft. Sie können jedoch umso sicherer auf die Mitarbeit des Volkes rechnen, da das Volk jetzt weiß, wozu die Opfer gebracht werden müssen. Seine Hoffnung auf die Zukunft kommt ja am sichersten zum Ausdruck in dem wunderbaren Kindersegen, den ungezählte Mütter auch im vergangenen Jahre wieder der deutschen Nation geschenkt haben. Er ist das Unterpfand der Unsterblichkeit unseres Volkes. So wollen wir denn in dieser festlichen Stunde beim Abschluß des alten Jahres uns alle vereinigen in tiefem Dankgefühl an den Führer, der unsere nationale Hoffnung und unsere völkische Zuversicht ist. Möge das Schicksal ihn uns noch viele Jahre in Gesundheit und voller Schaffenskraft erhalten. Wenn in einigen Stunden die Glocken über dem Reich in Nord und Süd und Ost und West läuten, dann wird sich das ganze deutsche Volk zusammenschließen in heißem und innigem Gebet für ihn und sein Werk. In diesem Gebet werden mitklingen die Millionen Hoffnungen und Wünsche aller guten Deutschen, die fern der Heimat aus fremden Ländern und Erdteilen ihren Gruß an das gemeinsame große Vaterland senden. In dieser Gesinnung fühlen wir uns verbunden mit allen Deutschen. Ich grüße besonders die, denen das Schicksal Not und Sorge bereitet. Sie dürfen überzeugt sein, daß wir keine Kraft und Mühe scheuen, um sie in die Segnungen unseres nationalen Lebens mit einzuschließen. Denn ganz Deutschland soll stark und glücklich werden! Es soll einmal das stolze Land unserer Kinder sein und in ihnen ewig leben! Unsere Hoffnung und unser Glaube gehören ihm. Wir werden auch im kommenden Jahre seine getreuen Diener und mutigen Vorkämpfer sein.“ Aniglieossperee der Aobap „Drei markante Ereignisse haben diesem Jahr ihren Stempel aufgedrückt: der Sieg an der Saar, die Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit und der Abschluß des deutsch=englischen Flottenabkommens. Sie haben Deutschland, das durch den Versailler Vertrag zur ewigen innen= und außenpolitischen Ohnmacht verurteilt werden sollte, wieder in die Reihe der souveränen Staaten hineingerückt. Und das Wunderbare an diesen Vorgängen ist, daß sie nicht etwa, wie vielfach befürchtet wurde, den europäischen Frieden gefährdeten, sondern ihm erst seine eigentliche Festigung und Sicherheit gaben. Denn nur das ohnmächtige und zerrissene Deutschland war eine Gefahr für die Stabilität des europäischen Kräfteausgleichs. Wir sind nun nicht mehr Spielball in den Händen der Weltmächte. Deutschland hat wieder seinen eigenen politischen Willen und ist entschlossen, ihn auch durchzusetzen. Wenn Weihnachten zum ersten Male in großem Umfange die jungen Soldaten unserer neuen Wehrmacht als Urlauber in ihre Heimat zurückkehrten und den Städten und Dörfern des ganzen Reiches damit ein neues Gepräge gaben, so ist dieses alte, liebe Bild, das wir so lange schmerzlich entbehren mußten, für das ganze Volk ein Zeichen dafür gewesen, wieviel sich im Jahre 1935 in Deutschland gewandelt hat. Die Nation ist heute wiedere in der Lage, ihre Ehre und ihren Bestand durch eine Kraft zu beschützen. Dieses große Ziel konnte selbstverständlich nicht ohne ebenso große Opfer erreicht werden. Die Wiedererringung unserer politischen Freiheit ist die Voraussetzung für wirtschaftliche und soziale Erfolge. Sie mußte deshalb auch vordringlich gelöst werden und bedingte eine Reihe von Einschränkungen, Unbequemlichkeiten und Opfern. Es zeugt für den politischen Sinn des deutschen Volkes, daß es diese mit freudiger Entschlossenheit auf sich genommen hat. Noch ist ein großer Teil der Arbeitslosigkeit, die wir als furchtbares Erbe des vergangenen Regimes übernehmen mußten, nicht überwunden. Noch gestattet die Niedrigkeit der Löhne einem großen Teil unseres Volkes nicht, an den materiellen und ideellen Gütern der Nation gleichberechtigt teilzunehmen. Weil wir Rohstoffe für die Arbeitsschlacht und für die Wehrhaftmachung unseres Volkes nötig haben, mußten wir die Einfuhr von Lebensmitteln, vor allem von Fetten und Fleisch, zu einem Teil einschränken. Das bedingte zeitweilige Verknappungen an Butter und Schweinefleisch. Es mußte hier Tag für Tag versucht werden, zu einem gerechten und erträglichen Ausgleich zu kommen. Regierung und Volk haben schon im vergangenen Jahr ihre Sorgen gehabt und werden sie auch im künftigen haben. Entscheidend aber ist, daß wir nach besten Kräften gegen Elend und Mangel ankämpften und nicht untätig zuschauten, wenn sich irgendwo ein Notstand bemerkbar machte.“ Dr. Goebbels erinnerte dann an die Leistungen des Winterhilfswerks und der nationalsozialistischen Gemeinschaft„Kraft durch Freude" und fuhr fort: „Ein wahrhaft sozialistisches Regime leitet und lenkt die Geschicke der deutschen Nation. Es sitzt nicht auf Bajonettspitzen, sondern ruht in der Liebe und im Vertrauen des ganzen Volkes. Unser kostbarster Schatz ist die Anhänglichkeit aller guten Deutschen. Sie gibt uns Kraft und Stärte in dem schweren Werk, dem wir dienen.“ Dabei sei es klar, daß vorerst nur die wichtigsten Aufgaben in Angriff genommen werden konnten. Aber durch das ganze Volk gehe der einheitliche, entschlossene Wille: Wir müssen wieder wie die anderen Großmächte ein Weltvolk werden! Unser nationales Glück liegt in unserer nationalen Kraft. Der Minister sprach dann der ganzen Nation Der Reichsschatzmeister der RSDAP gibt über die bestehende Mitgliedersperre der RSDAP die folgende Bekanntmachung heraus: Aus gegebener Veranlassung wird bezüglich der zur Zeit bestehenden allgemeinen Sperre, hinsichtlich der Aufnahme von Mitgliedern in die RSDAP folgendes bekanntgegeben: Die unter dem 19. April 1933 ergangene Verfügung über eine allgemeine Mitgliedersperre (Verordnungsblatt der Reichsleitung, Folge 45/46 vom 30. 4. 1933) und die hierzu ergangenen Ergänzungsverfügungen bestehen nach wie vor zu Recht. Ausnahmen von dieser allgemeinen Aufnahmesperre bestehen nur insoweit, als sie von dem Unterfertigten im Einvernehmen mit dem Führer verfügt worden sind. Die zur Zeit in Kraft befindlichen Ausnahmen von der allgemeinen Aufnahmesperre sind folgende: 1. Meine Anordnung 25/35 v. 25. 10. 1935 im Verordnungsblatt der Reichsleitung der RSDAP, Folge 108, S. 340, betreffend die Aufnahme von Angehörigen der HitlerJugend und des Bundes Deutscher Mädel in die NSDAP. 2. Meine Anordnung vom 15. 11. 1935 betreffend die Aufnahme von Mitgliedern des aufgelösten Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpferbundes(Stahlhelm) in die RSDAP(Rundschreiben 147 35 an sämtliche Gauschatzmeister der RSDAP). Andere Ausnahmen der allgemeinen Aufnahmesperre als die beiden vorgenannten bestehen nicht. Ich habe bereits in meiner Anordnung vom 3. 7. 1935, betreffend Mitgliederaufnahme (Rundschreiben 77/35 an sämtliche Gauschatzmeister der NSDAP), alle diejenigen Volksgenossen, die bei einer künftigen Lockerung der Mitgliedersperre in erster Linie zu berücksichtigen sind, im einzelnen aufgeführt. onb. Addis Abeba, 31. Dez. Von abessinischer Seite wird gemeldet, daß eine schwedische RoteKreuz=Abteilung auf dem Marsch zur Südfront 30 Kilometer von Dolo entfernt am 30. Dezember morgens von einem italienischen Bombengeschwader angegriffen worden sei. Bei dem Angriff seien 32 Tote zu verzeichnen, darunter neun Schweden. Das schwedische Rote Kreuz bestätigt die Meldung, daß italienische Flieger eine schwedische Sanitätsabteilung in der Provinz Borona mit Bomben belegt hätten. Der Präsident des abessinischen Roten Kreuzes habe drahtlich mitgeteilt, daß auch der Oberarzt der Abteilung, Dr. Hylander, verwundet und in einem Kranken=Flugzeug nach Addis Abeba geschafft worden sei. Die in Stockholm einlaufenden Nachrichten über die Vernichtung der sogenannten Westlichen Station des schwedischen Roten Kreuzes an der abessinischen Nordfront haben in der Oeffentlichkeit größtes Aufsehen und Erbitterung hervorgerufen. Die Abendblätter bringen in auffallender Aufmachung Meldungen über den Bombenangriff der italienischen Flieger auf die genannte Station, wobei 32 Mann, darunter sämtliche neun Schweden, den Tod gefunden haben sollen. Die Blätter veröffentlichen bereits die Namenliste der toten Schweden, obgleich eine amtliche BeIch betone jedoch nachdrücklich, daß bisher eine Lockerung der Aufnahmesperre nach meiner Anordnung vom 3. 7. 1935(Rundschreiben 77/35) nicht verfügt worden ist, und daß auch mit einer Lockerung der Mitgliedersperre für absehbare Zeit nicht gerechnet werden kann. Die verwaltungstechnischen Schwierigkeiten, die einer Lockerung der Mitgliedersperre entgegenstehen, bestehen nach wie vor fort und zwar so lange, als nicht der Umzug der zuständigen Dienststellen der Reichsleitung der RSDAP in das neue Verwaltungsgebäude der RSDAP erfolgen kann. Ferner bemerke ich, daß alle Verfügungen und Anordnungen, betreffend die Mitgliedersperre oder die Aufnahme von Volksgenossen in die RSDAP, ausschließlich von dem Unterfertigten im Einvernehmen mit dem Führer erlassen werden. Ich ersuche alle Volksgenossen, von der Einreichung von Aufnahmegesuchen, so lange nicht eine Lockerung der allgemeinen Mitgliedersperre verfügt ist, Abstand zu nehmen. Sämtliche Anträge auf Aufnahme in die RSDAP nach einer Lockerung der Mitgliedersperre sind ausschließlich an die zuständigen Ortsgruppen oder Stützpunkte der RSDAP zu richten. Die Einreichung von Aufnahmeanträgen unmittelbar bei der Reichsleitung der RSDAP ist zwecklos, verursacht der Reichsleitung eine völlig unproduktive Arbeit und verzögert die Erledigung der Gesuche. Die Volksgenossen, welche Aufschluß über die einschlägigen Bestimmungen der Reichsleitung der RSDAP wünschen, werden gebeten, sich mit den zuständigen Ortsgruppen oder Stützpunkten der RSDAP ins Benehmen zu setzen. Die Ortsgruppen und Stützpunkte sind angewiesen, die notwendigen Auskünfte an die anfragenden Volksgenossen zu erteilen. gez.: Schwarz. München, den 2. Januar 1936. stätigung noch nicht vorliegt. Demnach werden der Tod des Chefarztes der Abordnung des abessinischen Roten Kreuzes, Dr. Hylander, zweier Aerzte, eines Kandidaten der Medizin, eines Pastors, eines Mechanikers und dreier Beamter beklagt. „Nya Daglight Allehanda“ spricht u. a. von einer erschütternden Botschaft, die eine Katastrophe für die schwedische Abteilung des Roten Kreuzes in Abessinien und einen harten Schlag für das ganze schwedische Volk bedeute. Der italienische Bombenangriff sei ein Vergehen gegen das internationale Ehrenrecht, weil er die Waffen gegen Nichtkämpfer richtete. Die Toten würdigt das Blatt als Helden, die sich und dem Lande Ehre eingebracht hätten. „Aftonbladet“ erklärt u., der furchtbare Tod der Schweden entbehre jeglichen Gegenstückes in der Kriegsführung zivilisierter Länder. Venezuelas neuer Präsident dnb. Berlin, 1. Jan. Die Gesandtschaft von Venezuela teilt mit, daß das Parlament außerordentlicher Sitzung am 31. Dezember den General E. Lopez Contreras zum Präsidenten der Republik gewählt hat. Im Lande herrschen vollkommene Ruhe und normale Zustände. Bombenwürfe auf schwedische Kote-Kreuz=Abteilung Ainpbrung in Schweden Abessinische Meldungen berichten von 32 Toten Botschafter Roland Köster 1 dnb. Paris, 31. Dez. Der deutsche Botschafter Roland Köster ist nach kurzem, schwerem Leiden am Dienstag gegen 14 Uhr im amerikanischen Krankenhaus in Paris verschieden. Er war am Montag ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem er seit einigen Tagen unter einer schweren Bronchitis mit hohem Fieber gelitten hatte. Die Vronchitis hat sich in eine Lungenentzündung verwandelt, an deren Folgen der Botschafter gestorben ist. Zum Tode Kösters Telegrammwechsel zwischen dem Führer und dem Präsidenten der französischen Republik dnb. Berlin, 1. Jan. Der Präsident der französischen Republik hat dem Führer und Reichskanzler aus Anlaß des Ablebens unseres Botschafters in Paris folgendes Beileidstelegramm gesandt: „Es ist mir ein Bedürfnis, Ew. Erzellenz die Trauer zum Ausdruck zu bringen, die mir der Tod Ihres verewigten Botschafters in Paris, Herrn Roland Köster, bereitet. Er hatte sich unsere Achtung zu erwerben gewußt, sein Andenken wird unter uns wach bleiben. Albert Lebrun.“ Der Führer hat telegraphisch wie folgt gedankt: „Ew. Exzellenz danke ich aufrichtig für den Ausdruck Ihrer Teilnahme an dem schmerzlichen Verlust, den das Deutsche Reich durch den Tod des Botschafters Roland Köster erlitten hat. Adolf Hitler, Deutscher Reichskanzler.“ Außerdem hat Seine Exzellenz der französische Botschafter in Berlin, Herr Francois Poncet, Mittwochmittag den Führer und Reichskanzler persönlich aufgesucht und ihm, zugleich für die Reichsregierung, das Beileid der französischen Regierung und seine eigene Anteilnahme ausgesprochen. Der französische Ministerpräsident und Außenminister Laval hat anläßlich des Todes des Botschafters Köster folgendes Beileidstelegramm an den Reichsaußenminister gesandt:„Tief bewegt von dem Tode des Herrn Roland Köster bitte ich Ew. Exzellenz, im Namen der Regierung der Republik und in meinem eigenen Namen den Ausdruck tiefster Trauer entgegenzunehmen, die uns infolge des Ablebens des betrauerten Vertreters Deutschlands erfüllt.“ Englisches Großflugzeug ins Meer gestürzt— Zwölf Tote dnb. London, 1. Jan. Am letzten Tage des vergangenen Jahres ist das Großflugzeug„City of Chartum“, das sich auf dem Wege von Athen nach Alexandrien in Aegypten befand, etwa zwei Kilometer vor Alexandrien ins Wasser gestürzt. Bei dem Unglück, dessen Ursache noch ungeklärt ist, kamen zwölf Personen, darunter neun Passagiere, ums Leben. Nur der Führer des Flugzeuges, der sich wie durch ein Wunder etwa fünf Stunden über Wasser halten konnte, wurde von dem Zerstörer„Brillant“ gerettet. Die in Alexandrien stationierten englischen Streitkräfte hatten eine Reihe von Schiffen ausgesandt, um das Meer nach den Verunglückten abzusuchen. Außer dem Zerstörer„Brillant“ hat jedoch keines der Schifse einen der Verunglückten finden können. Man hat daher die Suche aufgegeben. Der gerettete Flugzeugführer war vorläufig noch so erschöpft, daß er nicht in der Lage war, eine Erklärung abzugeben. 4 Kinder und 2 Frauen verbrannt bei einer Weihnachtsfeier auf Island.— Zehn Schwerverletzte dnb Kopenhagen, 1. Jan. Bei einer Weihnachtsfeier im Versammlungshaus des kleinen Ortes Keflavik bei Reykjavik brach am Montagabend ein Brand aus, bei dem vier Kinder und zwei ältere Frauen in den Flammen umkamen. Etwa 20, nach anderen Berichten bis zu 40 Personen, wurden verletzt, davon zehn so schwer, daß ihr Zustand zu ernstem Bedenken Anlaß gibt. Neuer Protest Abessiniens onb Addis Abeba, 1. Jan. Der Kaiser von Abessinien hat am Mittwochvormittag an den Völkerbund ein neues Protesttelegramm gesandt, in dem es u. a. heißt: „Unter Bezugnahme auf unser Protesttelegramm vom 30. Dezember teilen wir mit, daß am 30. Dezember italienische Flieger erneut Truppen der Südarmee mit Bomben belegt und Giftgase verwandt haben. Bei diesem Bombenabwurf wurde die Station des schwedischen Roten Kreuzes und die Sanitätsabteilung, in der sich zahlreiche Kranke und Verwundete befanden, vollständig zerstört. Der Chefarzt Dr. Hylander wurde schwer verletzt. Seit dem Bombenabwurf auf das Hospital von Adua und auf das Hospital von Dessie benutzt Italien ständig Giftgas und behauptet dabei, daß es seine ganze Aktion im Namen der Zivilisation durchführe. Wir erhehen erneut Protest gegen diese Verletzungen der internationalen Rechte durch die italienische Regierung. Haile Selassie.“ Wie hier mitgeteilt wird sollen sich unter den neun Toten der schwedischen Roten=Kreuz=Stati a auch drei Frauen befinden. Nr. 1 Zweites Blatt des Stadtanzeigers ür Castrov= Rauxel und Umgeduna Donnerstag, den 2. Januar 1936 See Geuttendlenerner Sliiubte Sian maß man haben! „ Das it der Titel des neuen Romans, mit Aus dem Leben des„Mannes der Wanderungen“ Theodor Fontane, dessen Geburtstag sich im Jahre 1936 zum 125. Male jährt, stammt bekanntlich aus einer alten Berliner Hugenottensamilie. Aus diesem Anlaß mögen die folgenden munteren Erinnerungen an den Dichter für weite Kreise von Interesse sein. Im Oktober des Jahres 1850 feierte Theodor Fontane. der 1819 in Neuruppin geboren war, in Berlin seine Hochzeit. Die Ehe wurde von Pastor Fournier. einem Geistlichen der Berliner französischen Kolonie, der ein Freund Fontanes war, eingesegnet. Ueber die Hochzeit berichtet Fontane selbst: „Ich habe viele hübsche Hochzeiten mitgemacht, aber keine hübschere als meine eigene. Da wir nur wenig Personen waren, etwa zwanzig, so hatten wir uns auch nur ein ganz kleines Hochzeitslokal ausgesucht... das sich wegen seiner„Sparael= und Kalbskoteletts“, bei dem vormärzlichen Berliner eines großen Ansehens erfreute. Dem Gastmahl voraus ging natürlich die Trauung, die um zwei Uhr in der Fournierschen Kirche, Klosterstraße, festgesetzt war. Alles hatte sich rechtzeitig in der Sakristei versammelt. Nur mein Vater fehlte noch und kam auch wirklich um eine halbe Stunde zu spät. Wir waren, um Fourniers Willen, in einer tödlichen Verlegenheit. Er aber, ein seiner Mann, blieb durchaus ruhig und heiter und sagte nur zu meiner Braut:„Es ist vielleicht von Vorbedeutung — Sie sollen warten lernen.. Dieser Pfarrer blieb bis zu seinem Tode, der 24 Jahre später erfolgte, mit Fontane eng befreundet. Der Dichter kommt gelegentlich auf ihn zu sprechen und erhielt im Jahre 1884, als die Stammbäume der Mitglieder der französischen Kolonie herausgegeben wurden, einen Auszug, der seine Familie betraf. In diesem Auszug war unter anderem angegeben, daß die Großmutter Fontanes eine geborene Deubel war. Der Dichter quittierte das mit folgenden Worten:„Empfangen Sie meinen besten Dank für Ihre freundlichen Zeilen und den angefügten Stammbaum, der mich aufs Höchste interessierte Eine dunkle Sage ging von einer „Schneiderfamilie aus Montpellier“, so daß gießer aus Nimes“ ein Fortschritt, eine Art Nobilitierung ist.— Mein Papa wußte von diesen Dingen nichts. Er hatte als Kind seiner Zeit keinen Sinn für Zurückliegendes. Meine Mutter aber, wenn das Gespräch auf die„Familie“ kam, mokierte sich über die Schneiderabstammung, und nannte mir die drei Frauen meines Großvaters so wie ich angegeben habe: 1. verwitwete Tod oder Todt. 2. Frau Reimann und 3. Frau Werner.— Mein Papa stammt von der ersten Frau, also von der verwitweten Tod. Ich bezweifele aber keinen Augenblick. daß die Ihnen vorliegenden Papiere zehnmal zuverlässiger sind als dieser vage Familienschnack. Es ist mir sehr wahrscheinlich, daß seitens meiner Mutter eine Namensverwechslung vorliegt; Tod oder Deubel. Deubel war richtig, aber sie nahm Tod.“ Fontane wurde dann gebeten, zum 200jährigen Jubiläum der französischen Kolonie im Jahre 1885 einen Prolog zu dichten. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß in dem Prolog einige Namen der eingewanderten Refügies enthalten seien. Fontane fand sich auf folgende Weise damit ab: Und Gottes Segen krönte Der Hugenotten redlich Mühen, daß und glücklich manch Geschlecht dahier erblühte Als eine Zierde unserer neuen Heimat. Sy. Godet. Humbert Mathieu, Bourgignon, Roux, Jordan, Erman, Rousset, Michelet, Sarre, Revir, Reclam. Naude, Cabanis. 'Heureuse Plantier, Charton, Lancizolle— Verschieden all, in Einem aber einigi g Von Herzen treu dem Land, dem Fürstenhause.“ liebte Hose nicht wiederfand und auch von niemand Aufschluß erlangen konnte, wo sie geblieben war, soll allen zu Herzen gegangen sein. Zum Schluß mag noch der 75. Geburtstag des Dichters erwähnt werden, der überall in Berlin festlich begangen wurde. Der sonst so liebenswürdige und freundliche Fontane mußte sich bei dieser Gelegenheit über die Hymnen, die ihm dargebracht wurden, tüchtig ärgern. Und ein wenig boshaft sagt er in einem hinterlassenen Gedicht:„Hundert Briefe sind angekommen— Ich war vor Freude wie benommen— nur etwas verwundert öber die Namen— und über die Plätze, woher sie kamen Ich dachte von Eitelkeit eingesungen: Du bist der Mann der„Wanderungen“. Du bist der Mann der Märk'schen Gedichte, Du bist der Mann der Märk'schen Geschichte, Du bist der Mann des Alten Fritzen, Und derer, die mit ihm bei Tafel sitzen... ... aber die zum Jubeltag kamen, Das waren schon sehr, sehr andere Namen...“ Im letzten Jahrzehnt seines Lebens besuchte Fontane sehr häufig einen Kreis von Personen verschiedener Lebensstellung, die sich regelmäßig in einem alten Berliner Lokal zusammenfanden. Damals Das ist der Titel des neuen Romans, mir dem wir heute unseren neuen Jahrgang— den 62.— beginnen. Wir sind gewiß, daß unseren Lesern diese Münchener Jungmädchengeschichte ebenso gut gefallen wird, wie uns. als wir uns aus der großen Fülle der Romanangebote gerade diesen für den Abdruck zur Einleitung des neuen Jahrganges entschlossen. tan Karliner Lokal zusammenfanden. Damals ar der Dichter unzufrieden, klagte über die Ab= Der Verfasser des Romans, Dr. hub. kausse ahme seiner Schaffenskraft, insofern, als er mit satts, Strtrgge, ist ein Sahn der Raten Erde. Er entstammt nahme seiner Schaffenskraft, insofern, als er mit zwei Plänen, die er seit langem mit sich herumtrage, nicht zustande komme. Der eine betraf den sagenhaften Störtebeker, der andere eine Kulturgeschichte der Familie von Bredow.„Wäre ich nur einige Jahre früher auf die Bredow=Geschichte gekommen“ sagte Fontane mit einer gewissen Wehmut—„so wäre es mir gelungen.“— Wenige Jahre darauf schloß der Dichter die Augen. Er fand sein Grab auf dem Friedhof der Berliner französischen Gemeinde. Zwöls Paar Stiefel und sechs Sommerüberzieher Weder der junge noch der alte Theodor Fontane liebte es, sich besonders elegant zu kleiden; aber er hatte seine Freude daran, seine Garderobenstücke aufzuspeichern. Das gehörte zu seinen Passionen und es machte ihm ein besonderes Vergnügen, einmal nicht weniger als zwölf Paar Stiefel sein eigen nennen zu können. Sein Leibschuhmacher, der eigentlich ein Flickschuster war hatte sie alle für ihn verfertigt, und der Dichter blieb bis zu seinem Lebensende diesem alten Handwerksmeister treu. Seine Besuche bei ihm hat er in einem hinterlassenen Gedicht gefeiert, in dem es unter anderem heißt: denke der Szene die jahraus, jahrab— ich halbjährlich mit meinem Schuhmacher hab— ich zeig ihm dann ein Stiefelpaar— das in Ehren gedienet seit manchem Jahr— und will ihn, während Zigarren glimmen— zu'nem Rüster für den Stiefel bestimmen.— Er aber dreht ihn bloß hin und her und lächelt: Nee, Herr, es lohnt nicht mehr!“ Eine ähnliche Vorliebe hatte der Dichter für Sommermäntel. Nach seinem Tode zählte man allein sechs Stück, die alle zu den verschiedensten Gelegenheiten im Gebrauch waren. Der beste von ihnen, der Galaüberzieher, wurde lediglich als Schaustück über den Arm gehängt und mit dem Seidenfutter nach außen nur bei schönstem Sommerwetter spazieren geführt. Er durfte beileibe nicht angezogen werden. Sehr seltsam gestaltete sich das Begräbnis einer alten Hose, an de: der sparsame Dichter mit besonderer Zärtlichkeit hing. Die treue Gattin hatte kategorisch erklärt, daß sie nicht mehr imstande sei, die wünschenswerte und dringend erforderliche Ausbesserung vorzunehmen. Diese schwierige Arbeit aber von anderen vornehmen zu lassen, ging aus ästhetischen Rücksichten nicht an. Die Hose sollte und mußte verschwinden: aber sie blieb im Kleiderschrank hängen, bis sich Frau und Tochter entschlossen, das unmögliche Kleidungsstück verschwinden zu lassen. Es wurde in einem Palet verschnürt und mit einem Stein beschwert. Dann begab man sich an einem dunklen Abend auf eine Spreebrücke und warf das Paket in die schäumenden Wogen. Der Schmerz des Dichters, als er die ge1936 als heimatliches Gedenkjahr Vor 300 Jahren wülele die Pestilenz in Castrop-Kauxel K dem münsterländischen Wallfahrtsort Telgte und hat nach der Absolvierung des Paulinischen Gymnasiums in Münster u. a. auch an der Hochschule von München deutsche Philologie studiert. Vor ca. 25 Jahren promovierte er mit einer Arbeit über die spanischen Schelmenromane zum Dr. der Philologie, um sich dann ganz schriftstellerischen Arbeiten zu widmen. Dr. Hubert Rausse ist Mitarbeiter vieler angesehener deutscher Zeitschriften, so u. a. der Monatsschriften„Hochland",„Velhagen und Klasings Monatshefte“ u. a. m. Für Castrop=Rauxel hat das bevorstehende neue Jahr eine besondere Bedeutung. Es ist ähnlich wie 1934 für unsere Stadt ein Jahr der Erinnerung. Zwar ist der Anlaß nicht so freudiger Art wie vor 2 Jahren, da wir den 1100. Geburtstag der„Industriestadt im Grünen" feierten. Vor genau 300 Jahren sah es im deutschen Vaterlande traurig aus. Schon 18 Jahre zerriß der blutige Religionskrieg unser Vaterland. Unsere westfälische Heimat hatte unter Brandschatzungen und Kontributionen, unter Durchmärschen und Einquartierungen besonders zu leiden. Zu allem Ungemach kam 1636 noch der „Schwarze Tod“, die Pest. Sie wütete in ganz Westfalen und forderte ungezählte Todesopfer, da es kein sicheres Schutzmittel gegen diesen fürchterlichen„Würgengel“ gab. Das ölgetränkte Hemd, das man auf dem bloßen Leibe trug, bot nur wenig Schutz gegen die schreckliche Epidemie, über die der Chronist von Steinen in seiner„Westphälischen Geschichte“ u. a. schreibt: „Das Jahr 1636 ist für Westfalen ein menschenvertilgendes Jahr gewesen, worin die Pest in unserer Heimat weit und breit die Menschen aufgesucht und verschlungen hat. Die Kirchhöfe wurden zu enge, und die Toten mußten vor den Toren der Stadt begraben werden.“ Zuerst hören wir 1350 vom Auftreten der Pest in unserer westfälischen Heimat. 1420 tauchte sie wieder auf, damals soll Soest durch die Pest rund 6000 Einwohner verloren haben. 1530 büßte Werl durch die Pest 2200 Einwohner ein. Weiter werden an Pestjahren noch 1599 und 1619 genannt. Im letztgenannten Jahre wurde Herdecke an der Ruhr „fast menschenleer“. Aber alle bisherigen Heimsuchungen Westfalens durch die„Pestilenz“ wurden 1636 überboten. Mit ganz Westfalen lag damals auch die Gegend von Castrop=Rauxel unter der Zuchtrute des Schwarzen Todes. Unna starb fast ganz aus. Lippstadt verlor 500 Tote durch die Pest. Stark heimgesucht wurden weiter vor allem Bochum, Westhofen und Minden, wo in jenem Jahre ganze Häuserreihen leer standen, ganze Familien durch den Tod ausgelöscht wurden. Die Erinnerung an dieses traurige Jahr ist in Castrop=Rauxel nie ganz ausgestorben. Sie wird durch die noch alljährlich stattfindenden „Bittgänge“ aufrecht erhalten. Jahrzehnte lang hatten vor dem schlimmen Auftreten der Pest, die, wie die Ueberlieferung erzählt, die Bauernschaft Merklinde ganz aussterben ließ, die Kriegswirren am Mark unserer engeren Heimat gesaugt. Besonders in den Jahren 1598 99. 1605/06. 1614/16. 1622.30, 1632/33 wurde die Grafschaft Mark, zu der unsere Heimatstadt damals gehörte, von kriegerischen Ereignissen betroffen. Ligisten, Kaiserliche, Spanier, Hessen, Holländer und Weise Schweden trieben hier in gleich schlimmer ihr Unwesen. Am 23. Juli 1936 wurde Castrop, Kirche und Pfarrhof nicht ausgenommen, durch die Truppen des Kaiserlichen Generals Alexander von Veelen gebrandschatzt. Im Gefolge der Kriegsheere kamen Hungersnot und Pest nach Castran=Raurel. Schon 1616 wütete erhoben sich von den Sitzen, während gedämpft das Lied vom guten Kameraden erklang. Anschließend gab der Kameradschaftsführer Kenntnis vom Schreiben des Ehrenführers der Im Gefolge der Kriegsheere kamen Hungersnot Kameradschaft, Freiherrn von und zu Knyppuno pen gach Castropestauxel. Schon 1o10 wurele hausen, indem er für die Einladung dankt. be nach Castrop=Rauxel. Schon 1616 wurete hausen, indem er für die Einladung dankt, bedie Pest. Aber weit schlimmer trat sie 1636/37 auf. dauert, nicht kommen zu können und dem Fest den „Das ganze Kirchspiel und Gericht Castrop wurde besten Verlauf wünscht. von einer pestartigen Krankheit, gemeiniglich der Nach dem gemeinsan „schwarze Tod“ genannt, von den Ueberlebenden dem Ausdruck mit sucht.“ Hunderte fielen der Seuche zum Opfe Entwicklung unserer Gegend wurde dadurch Jahrhunderte zurückgeworfen, zumal die Truppendurchzüge das Land grausam ver ließen zurch um Reigen, von acht jungen Mädchen getanzt, und ein vielen Klavierstück„Weihnachtsphantasien“ folgten. Frieverarmen drich Bierögel bereitete mit seinem Gedichtverarmen vortrag auf 5: Kürger an das Erscheinen von Nikolaus und Ruprecht In ihrer schweren Rot gelobten die Bürger am x“ deun gucgz a ig tach.= zargphischer Antön 16. August 1637, am Fest des hl. Rochus, des vor, die denn auch bald nach telegraphischer AnkünNothelfers gegen die Best di= Abhaltung ver digung den Saal betraten. Fröhliche Lieder der Verwartungsvollen Kinder begrüßten sie. Maria Schweder hieß den Besuch mit ihrem Gedichte „Gott grüß dich hl. Nikolaus“ noch besonders willkommen. Bei seinem Rundgang durch den Saal fand der Hl. Mann hier etwas zu loben, dort mußte Knecht Ruprechts Rute in Tätigkeit treten. Dann aber folgte die Bescherung, die alle Kinderhände mit einer großen Gabentüte füllte. 16. August 1637, am Fest des hl. Rochus. deRothelfers gegen die Pest, die Abhaltung, von „Pestprozessionen“, die noch alljährlich in Ober—, die noch alljährlich castrop, Dorf Rauxel und Frohlinde zu den dort stehenden„Pestkreuzen“ abgehalten werden, und zwar in Obercastrop am., in Frohlinde am 2. und in Rauxel am 3. Sonntag nach Mariä Himmelfahrt( 15. August). Nach dem im Wortlaut noch vorhandenen und von Karl Schröder in seinen„Beiträgen zur Geschichte der Stadt Castron“ teilmeise mitgeteilten Wortlaute Aitter dei breittlenden Wenstlachtsbaunt Weihnachtsfeier der ehe maligen Kavalleristen der Stadt Castrop“ teilweise mitgeteilten„Wortlaute#. Als nach der Verabschiedung des„hohen der Stiftungsurkunden war mit den Bittgängen die Kerzen am Weihnachtsbaum grannten, wurde ####(sch'“: Auligforung nar Grat Flaisch und musikalisch untermalt das große wiysterium der hl. Nacht, die sich vor 1935 Jahren über Bethlehems Fluren senkte, zum Vortrag gebracht. Der Kameradschaftsführer erinnerte anschließend an die Pflicht der Dankbarkeit, angesichts der reichen Gabenfülle auch der Kyffhäuser=Waisenhäuser zu gedenken. Die mit der„Pelzmütze" abgehaltene Sammlung ergab für die 5 Reichswaisenhäuser des Kyffhäuserbundes die schöne Summe von 15.22 RM. Kamerad Bohm brachte mit 2 NSKK.=Kameraden ein schönes Soldatenstück zur Aufführung, das zeigte, wie Kameradschaft sein soll und wie nicht. In seiner Schlußansprache nach dem Ausmarsch der Fahnen dankte der Kameradschaftsführer allen Kameraden und allen Kindern, die zur Verschönerung des Festes beitrugen. Sein besonderer Dank galt dem Propagandawart Otto Hoese, der sich besonders um die Ausgestaltung der Feier verdient machte. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache erinnerte der Kameradschaftsführer an die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht durch den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler Mit einem dreifachen Sieg=Heil auf Führer und Vaterland und den beiden Nationalliedern klang die in allen Teilen schön und erhebend verlaufene Feier aus. Zum Abschluß wurde noch mitgeteilt, daß die Kassenprüfung durch die Kameraden Mews. Hethey und Oberhake am 5. Januar erfolgt, während die Jahreshauptversammlung. in der wichtige Mitteilungen gemacht werden sollen, am 12. Januar stattfindet. der Stiftungsurkunden war ursprünglich die Anlieferung von Brot, Fleisch und Geld verbunden. Sie kamen aber mit der Zeit ins Stocken und hörten um 1860 ganz auf, wahrscheinlich weil keine Ortsarmen mehr vorhanden waren oder für diese in anderer Weise gesorgt wurde. Die zu den bestehenden Abgaben verpflichteten Eingesessenen in den drei Ortschaften haben sich später in der Mehrzahl durch Zahlung des 25fachen Betrages abgelöst. Die Zinsen der Ablösungsgelder wurden von der Kirchengemeinde St. Lamberti in anderer Weise, jedoch im Sinne der Stiftungen verwandt. Das Kath. Krankenhaus, das im Jahre 1868 gegründet wurde, hält ebenfalls dadurch, daß es dem Patron der Pestkranken, St. Rochus, gewidmet wurde, die Erinnerung an die traurige Zeit wach, die unsere Heimat vor nunmehr 300 Jahren durchmachen mußte. Wenn wir heute an der Schwelle des Jahres 1936 auf jene Röte unserer Vorfahren den Blick zurückwenden, so möge das für all die Kleinmütigen unter uns eine Lehre sein und ihnen zu erwägen geben: Was sind heute die kleinen Einschränkungen und untergeordneten Unbequemlichkeiten gegen das grauenhafte Erleben unserer Heimat vor 300 Jahren! Wie gering müssen sie uns erscheinen, und wie wenig Grund haben wir, zaghaft an der Schwelle des neuen Jahres zu stehen! Ueber die schön verlaufene Weihnachtsfeier der Kameradschaft ehem. Kavalleristen Castrop=Rauxel, über die wir bereits in der letzten Montagsausgabe kurz berichteten, erhalten wir noch nachstehende ausführlichere Schilderungen eines Festteilnehmers: Wie stets hatte die Einladung zur Weihnachtsseier bei den Kameradschaftsmitgliedern und deren Angehörigen freudigen Widerhall gefunden. So kam es, daß der Saal des Kameradschaftsheimes Haller bis auf den letzten Platz gefüllt war, als flotte Militärmärsche den Auftakt der Feier bildeten. Unter den Klängen des Hohenfriedberger Marsches wurden die Fahnen in den Saal überführt, wo sie von allen Anwesenden in der üblichen Weise geehrt und begrüßt wurden. Kameradschaftsführer Hauptmann a. D. Lange hieß dann alle Anwesenden herzlich willkommen. Er dankte allen für das Interesse, das sie dadurch dem Leben der Kameradschaft entgegenbrachten und wies dann darauf hin, daß man bewußt erst nach dem Weihnachtsfeste zu dieser Veranstaltung geladen habe, um der Familienfeier nichts vorweg zu nehmen. Redner erinnerte dann die Kameraden an die verschiedenen im Weltkriege in Feldgrau verlebten Weihnachtstage. Er führte sie im Geist auf Patrouillenritt im Osten, in die Schlammgräben Flanderns, in die Hölle vor Verdun, an die Somme. Hier gönnte der Engländer den Deutschen 1917 keine Weihnachtsruhe. Er drang im Sturm in den deutschen Graben ein und mußte in blutigem Gegenangriff, wieder hinausgetrieben werden. Dabei blieb ein schwerverwundeter Engländer im Drahtverhau liegen. Die Deutschen bargen ihn unter Lebensgefahr. Aber der Engländer war nicht mehr zu retten. Unter dem brennenden Weihnachtsbaum verhauchte er sein Leben„Christmeas“(Weihnachten) war sein letztes Wort. Und als er dieses aussprach, streckte er dem ihm zunächststehenden Soldaten die Friedenshand hin. Weiter schilderte Redner die Nachkriegsweihnachten, die im uneinigen, von Parteien zerrissenen, geknechteten Deutschland keine rechte Feststimmung aufkommen lassen wollten. Anders wurde es erst, so fuhr er fort, als der Herrgott dem deutschen Volke im unbekannten Gefreiten des Weltkrieges. Adolf Hitler, den Retter und Führer sandte. der die Kameradschaft des Schützengrabens zur Volksgemeinschaft erweiterte und ausbaute. Nur so konnte Deutschland aus dem Sumpf des Bolschewismus, in den es zu versinken drohte, gerissen und gerettet werden. In Dankbarkeit erinnerte Redner dann an die Millionen Gefallenen des Weltkrieges und die 400 der nationalsozialistischen Bewegung. Zu, ihren Ehren und zum Andenken an die Todesopfer des großen Eisenbahnunglücks auf der Saalebrücke wurde Castrov=Rauxel, 2. Januar 1936 Im neuen Jahr! Es ist gar nicht so einfach über die Schwelle des neuen Jahres zu kommen. Gewiß das letzte Blatt löst sich so leicht vom Kalender wie das dürre Blatt des Herbstes vom Ast. Aber damit ist es nicht getan! Auch mit dem Aufhängen des neuen Kalenders nicht! O nein!— Da sind zunächst dic Glückwünsche. Wenn man das Objekt derselben ist, läßt man es sich noch gefallen aber als ihr Subjekt empfindet man doch die Schreiberei nach den ersten Dutzeno Karten und Briesen als eine fast volizeiwidrige Inanspruchnahme der letzten Stunden des scheidenden Jahres. Es gibt ja auch Zeitgenossen, denen so etwas Freude macht. Sie verzapsen ein viertelhundertmal und öfter ihr„schönes Prösterlein zum Jahreswechsel“ und ziehen sich dann gar vielfach noch, ohne wirklich Prösterlein gemacht zu haben, am Silvesterabend um 9 Uhr die Zipfelmütze über die philisternationalsozialistischen Bewegung. Zu ihren abend um 9 Uhr die Zivielmütze über die mhilisteren und zum Andenken an die Tadesovier des haften Ohren. Weil das Sandmännlein nicht sosort ten Eisenbahnunglücks auf der Saalebrücke kommt, machen sie vorerst noch Jahresbilanz ihres den die Fahnen gesenkt, und die Festteilnehmer' trödelhaften Lebens und, weil diese recht langweilig und eintönig ausfällt, schlasen sie schließlich darüber ein. Auf dem Nachttischchen tickt ihre Uhr und kommt sich gar vor wie ein Trommler, nach dessen Schlägen aufs gespannte Kalbsell das müde alte Jahr abhumpelt und das forsche neue Jahr im Paradeschritt von der Welt Besitz ergreisen soll. Andere Zeitgenossen werden vom Abschiedsschmerz krank. Nicht gemeingefährlich aber immerhin, sie meinen es der Welt schuldig zu sein, daß sie mit ihren Talenten wuchern. Sie reimen„Schmerz“ auf „Herz" und„greises Jahr“ auf„blondes Haar". Das ganze nächste Jahr sind sie dann dem Schriftleiter ihres Leib= und Magenblattes„spinnefeind". weil er„das in Schmerzen unter dem Kusse der lusen geborene Gedicht“, dem Papierkorb anvertraute und den Poeten so davor bewahrte, daß die Oeffentlichkeit ihn gerade wegen dieser„mit Herzblut geschriebenen Ode an das neue Jahr" für weniger vernünftig hält als früher. Zum Glück sind diese beiden Arten von Zeitgenossen in Castrov=Rauxel nicht allzu häufig anzutreffen. Es ist das wahrscheinlich dem kräftig pulsierenden Leben in der„Industriestadt im Grünen“. zu danken. Wie dem auch sei, die Leutchen, die das Leben frisch und jorsch beim Schopf nehmen und voll gesunden Optimismus und fern aller nörgelnden Meckerei die Feste feiern, wie sie fallen, sind bestimmt lieber und netter als jene anderen, die in den Filzpantoffeln des Philisters einherschleichen oder meinen, auf jede Zeiterscheinung, sei es nun der Jahreswechsel, das Frühjahr, die letzte Rose oder der Himmel weiß, was sonst alles ihr„lyrisches Gemüt" befruchten kann, einen wenigstens zwölf Strophen(zu 20 verschlungenen Reimen!) langen Lobgesang singen zu müssen. Erdennah, mit Blut und Boden verwachsen, sind die echten Lebenskünstler auch bei der SilvesterBowle liebe Zechgenossen. Ihnen geht bei aller Süffigkeit des edlen Traubenbluts, bei allem Glockengeläute, allem Sirenengeheul. allem Feuerwerksgeknalle der Sinn der Mitternachtsstunde vom 31. Dezember auf den 1. Januar nicht verloren. Im Klingen der anstoßenden Gläser wechselt ihnen der Ernst der Scheidestunde zur Freude der Begrüßung. Sinnig schauen sie, wenn es wirklich„fünf Minuten vor Zwölf“ ist, auf den Gang der Uhrzeiger: „Nur noch vier Minuten!"—„Drei!“—„Was so eine Minute lang ist, wenn man darauf achtet!"— „Zwei Minuten noch!“—„In allem mag Wilhelm Busch recht haben, aber daß die Zeit im Sauseschritt eilen soll, das gehört denn doch ins Reich der Märchen. Es war einmal...“—„Eine Minute! Die letzte Minute des alten Jahres!" Der Freundeskreis erhebt sich, die frisch gefüllten Gläser in der Hand, den Blick unverwandt auf den Chronometer— Ein letzter Ruck!— Der Gong holt aus— zwölf dumpfe Schläge— Prosit Neujahr! Die Jahrtausende alten Sterne künden in unsere kurze Zeit von Ewigkeiten, und von den Türmen läuten feierlich die alten Glocken. auf den Zechen singen die Sirenen das Lied der Arbeit... Raketen steigen leuchtend in den dunklen Himmel... Und hinter Klang und Leuchten schwebt die Ferne. aus der das Schicksal all unsere Zukunft baut. Unbeeinflußt von unseren Wünschen(nicht aber auch von unserem Wollen!) bringt uns das neue Jahr an Gaben, was in seinem Schoße ruht. Wirken wir alle zu unserem Teile dahin, daß sich unser Hoffen erfüllt, daß wir, wenn auch seine Uhr abgelaufen ist, gerne an das Schaltjahr 1936 zurückdenken! Silberjubiläum bei der Stadtverwaltung Stadtoberinspektor Johannes Schöttler kann heute auf eine 25jährige ununterbrochene Tätigkeit im Dienste der Stadt Castrov und vom 1. 4. 1926 ab der Stadt Castrov=Rauxel zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden ihm von der Stadtverwaltung Dank und Anerkennung für seine in treuer und, gewissenhafter Pflichterfüllung geleisteten Dienste ausgesprochen. Der Jubilar ist am 30. Jan. 1881 in Endorj. Kreis Arnsberg geboren und seit dem 18. Februar 1914 mit Maria Jolk verbeiratet. Nach Besuch der Volksschule in Endorj, der Gymnasien in Arnsberg und Brilon trat er nach Erlangung der Reise für Unterprima 1905 als Verwaltungseleve bei der Amtsverwaltung Wettringen ein. Später war er als Verwaltungsgehilfe bei den Aemtern Ochtruv und Sundern beschäftigt bis er am 1. Januar 1911 als solcher von der Stadtverwaltung Castrov eingestellt wurde. 1913 erfolgte seine beamtete Anstellung als Verwaltungsassistent; im Laufe der Jahre rückte er zum Stadtoberinspektor Unsere Fastizocholden um Fahreswechser Unser Oberlandesgerichtsbezirk(hamm) stehl bei den 26 deutschen Oberlandesgerichten an zweiter Stelle Nachdem am 1. April des Vorjahres bekantlich die Preußische Justizbehörde in die Reichsjustizbehörde übergegangen ist, erschien zum Jahreswechsel erstmalig der„Kalender für Reichsjustizbeamte für 1936“. Ihm entnehmen wir folgende allgemein interessierende Angaben: Im Deutschen Reich gibt es 2208 Justizbehörden, und zwar: ein Reichsgericht und eine Reichsanwaltschaft in Leipzig. ein Reichspatentamt in Berlin, ein Landeserbhofgericht in Celle, 26 Oberlandesgerichte und 26 Staatsanwaltschaften bei den Oberlandesgerichten, 154 Landgerichte(einschl. Landesarbeitsgerichte). 1661 Amtsgerichte, 154 Staatsanwaltschaften bei den Landgerichten und 120 Amtsanwaltschaften. Das größte Oberlandesgericht ist das Oberlandesgericht in Berlin, genannt Kammergericht, mit 6970000 Gerichtseingesessenen, das kleinste das Oberlandesgericht Oldenburg mit 467000 Gerichtseingesessenen. Das zweitgrößte ist das Oberlandesgericht Hamm mit 5 857794 Gerichtseingesessenen(nach dem Stande vom 1. September 1935). Zum Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm gehören 9 Landgerichte(Arnsberg, Bochum, Bielefeld, Essen. Dortmund, Hagen, Münster, Paderborn und Siegen), 5 Landesarbeitsgerichte(in Bielefeld. Dortmund, Essen, Hagen und Münster), 108 Amtsgerichte, 9 hauptamtliche und 12 nebenamtliche Arbeitsgerichte; ferner— verbunden mit den meisten Amtsgerichten— 99 Anerbengerichte, 9 Erbgesundheitsgerichte(verbunden mit den 9 Landgerichten). 23 Entschuldungsämter, 9 Kammern für delssachen(je eine in Bielefeld. Bochum, Hagen, Münster, Siegen, je zwei in Dortmund und Essen), 20 Schöffengerichte(in Arnsberg, Bielefeld, Bochum, Bottrop, Coesfeld, Dorsten, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Gelsenkirchen=Buer, Gladbeck, Hagen, Hamm, Herne, Minden, Münster, Paderborn, Recklinghausen, Siegen und Witten). Beim Landgericht Dortmund ist die Justizpressestelle.— Beim Oberlandesgericht in Hamm sind außer einem Präsidenten und einem Vizepräsidenten 9 Senatspräsidenten und 52 Ober= landesgerichtsräte tätig. Der Landgerichtsbezirk Dortmund zählte nach dem Stande vom 1. September 1935 837 672 Gerichtseingesessene. Ihm unterstehen 7 Amtsgerichte, 2 Schöffengerichte (in Dortmund und Hamm), zwei hauptamtliche Arbeitsgerichte(in Dortmund und Hamm) und ein Entschuldungsamt(in Unna). Außer dem Präsidenten gehören zum Landgericht Dortmund 14 Landgerichtsdirektoren und 27 Landgerichtsräte Das Amtsgericht Castrop=Rauxel zählt 58372 Gerichtseingesessene, ihm gehören drei Amtsgerichtsräte an, das Amtsgericht Dortmund zählt 470 654 Gerichtseingesessene, ihm gehören außer dem Amtsgerichtsdirektor 30 Amtsgerichtsräte an, das Amtsgericht Dortmund=Hörde hat 70221 Gerichtseingesessene. 4 Amtsgerichtsräte, das Amtsgericht Hamm 98600 Gerichtseingesessene, 7 Amtsgerichtsräte, das Amtsgericht Kamen 43.660 Gerichtsein= gesessene, 2 Amtsgerichtsräte, das Amtsgericht Lünen 45617 Gerichtseingesessene, 3 Amtsgerichtsräte. das Amtsgericht Unna 50 548 Gerichtsein= gesessene, 3 Amtsgerichtsräte. Dem Arbeitsgericht Dortmund gehören 3 Amtsgerichtstäte, dem Arbeitsgericht Hamm ein Arbeitsgerichtsrat an. Die„National-Sozialistische Kriegsopferversorgung e..“ sammelt für die firmsten der Dolksgenossen. Sie bekräftigt damit das alte soldatische Lebensgesetz: „Einer für Alle und Alle für Einen!" auf. Dem Jubilar der sich in allen Bevölkerungskreisen besonderen Ansehens und bei seinen Vorgesetzten und Mitarbeitern der größten Wertschätzung erfreut, auch unsererseits die herzlichsten Glückwünsche! Sein Amt niedergelegt Der von der Industrie= und Handeskammer zu Dortmund beeidigte und öffentlich bestellte Probenehmer für Kali=, Misch= und andere Düngesalze, August Mohr, früher wohnhaft in Castrov= Rauxel jetzt in Dortmund=Hörde, hat sein Amt niedergelegt. Die Bestallung ist erloschen. Fahrplanänderung der Straßenbahnen Ab 2 Januar 1936 Ab 2. Januar 1936 wird der Fahrplan der Linie A (Bochum—Castrop=Rauxel) derart geändert, daß die Wagen werktags bis Betriebsschluß zwischen Bochum und Gerthe alle 20 Minuten verkehren. Ab 22 Uhr verkehrt die Linie A zwischen Gerthe und Castrop=Rauxel nur noch alle 40 Minuten. Vom gleichen Tage ab verkehrt die Linie Z aus Richtung Lütgendortmund—Harpen nur noch bis Bochum Hbf., und zwar wieder wie früher über Rathaus bzw. Bongardtstraße. Es ist den Fahrgästen dadurch Gelegenheit geboten, von der Castroper Straße aus künftig alle 10 Minuten in das Stadtinnere zu gelangen. Ab 21.30 Uhr pendeln die Wagen der Linie B im Anschluß an die Linie A zwischen Abzweig Harpen und Harpen bzw. Lütgendortmund. Dies bedeutet für Harpen insofern eine Verbesserung, daß man künftig auch in den späten Abendstunden alle 20 Minuten nach Harpen gelangen kann. Die Strecke von Bochum über Wiemelhausen nach Stiepel—Welper wird von der Linie B in Zukunft getrennt und erhält die Linienbezeichnungen 5, 15, 25. Die Linie 5 verkehrt alle 30 Minuten zwischen Bochum=Nord und Stiepel Frische und die Linie 15 alle 30 Minuten zwischen Bochum=Nord und Welper. Diese beiden Linien ergänzen sich zwischen Bochum und Stiepel Gemeindehaus zu einem 15=MinutenVerkehr. Dieser 15=Minuten=Verkehr ermöglicht es. die Fahrtzeit zwischen Stievel und Bochum wesentlich zu verkürzen, so daß der 15=Min.=Verkehr dem heutigen 10=Minuten=Verkehr gegenüber einen bedeutenden Vorteil hat. Die Linie 25 verkehrt zu den Hauptverkehrszeiten morgens, mittags und abends an Werktagen zwischen Bochum Rosenstraße und Wiemelhausen Marktstraße über Südhellweg—Wiemelhauser Straße und stellt so zwischen Bochum und Wiemelhausen einen 7½=Minuten=Verkehr her. Die Autobuslinien Bochum—Querenburg und Bochum—Blankenstein erhalten dadurch einen besseren Verkehr, daß in den Nachmittagsstunden zwischen Bochum und Marktstraße ein regelmäßiger 15=Minuten=Verkehr eingerichtet wird. Im übrigen sind die Abfahrtszeiten zur besseren Herstellung der Anschlüsse in Stiepel um einige Minuten verschoben worden, wobei auf den Berufsverkehr größte Rücksicht genommen ist. Die Linie 8(Hattingen—Blankenstein) ist zur Herstellung besserer Anschlüsse um 2 Minuten in ihren Abfahrtszeiten verändert worden. Kauft die offizielle Olympianadel Das Organisations=Komitee für die 11. Olympiade in Berlin 1936 hat im Auftrage des Reichsund Preußischen Ministeriums des Innern eine offizielle Olympia=Werbenadel herausgegeben. Die Nadel, die zum Preise von 1 RM. in Castrop= Rauxel im Städt. Verkehrsamt, Wittener Straße, erhältlich ist, stellt das Wahrzeichen der Olympischen Spiele, die fünf Ringe, dar, die die fünf Erdteile symbolisieren und mit ihren Farben blau, gelb, schwarz, grün und rot die Farben der Fahnen aller Nationen der Welt umschließen. Zur Unterscheidung gegenüber ähnlichen Nadeln, für die von anderer Seite unrechtmäßig geworben wird, trägt die offizielle Olympia=Nadel den Stempel„ges. gesch.“. Bei dem Kauf einer Nadel ist hierauf zu achten, da nur der Erlös aus dem Vertrieb dieser Nadeln einem Fonds zufließt, der zur Finanzierung der Olympischen Spiele dient. Aus der Jahresbilanz der Si.=Elisabeth-Gemeinde In der St.=Elisabeth=Gemeinde Obercastrop waren im Jahre 1935 zu verzeichnen: 96(82) Taufen, 55630 (49800) Kommunionen, 25(47) Trauungen, 30(38) Beerdigungen, 2(2) Austritte, 2(6) Konvertiten, 1(8) Rücktritte Die Zahl der Erstkommunikanten belief sich auf 81(74). Die in Klammern angegebenen Ziffern beziehen sich auf das Vorjahr. Kaminbrand Am Nachmittag des Silvestertages war auf der Dammstraße ein Kaminbrand ausgebrochen. Doch gelang es der Feuerwehr das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und größeren Schaden zu verhindern. W Kammermusikabend des Enzen-Quartetis Den Auftakt für das Musikleben im neuen Jahr bildet der von der NS.=Kulturgemeinde am 9. Januar 1936 im Saale des Wichernhauses Castrov=Rauxel 1(Beginn 20.15 Uhr) als Veranstaltung für den Südbezirk stattfindende Kammermusikabend. Unter Mitwirkung des ganz vorzüglich eingespielten Streichquartetts des Konzertmeisters am Dortmunder Stadttheater, Herrn F. Enzen und des dem hiesigen Publikum wohlbekannten Tenors Herrn L. Matern, Düsseldorf. wird an diesem Abend eine erlesene Vortragsfolge bester klassischer Musik geboten werden. Herr Enzen, der mit seiner Quartettvereinigung, die eine der besten Westdeutschlands ist, den instrumentalen Teil des Abends übernommen hat, spielt ein Streichquartett von Mozart(=Moll), das erste Quartett von Beethoven(=Dur. Ov. 18.1) und den herrlichen„nachgelassenen Quarteitsatz" in =Moll von Schubert. Dazwischen wird Herr Matern. von Frl. M. Winkel, Castrop=Rauxel 1. begleitet. Lieder und Arien aus der Bachzeit singen (Ch. Bach. Görner, Graun und Telemann). sowie zwei Liedet unseres unvergänglichen Liedersängers Franz Schubert zu Gehör bringen. Der Vortrag der alten Arien wird durch Verwendung des Streichquartetts bzw. von zwei Violinen und Klavier eine dem Stil dieser, in der Art höfischer Hausmusik gehaltener Lieder entsprechende und darum besonders schöne und eigenartige Begleitung erhalten. Die Mitwirkenden und das hervorragend ausgewählte Programm versprechen für jeden, auch den musikalisch nicht geschulten Hörer einen künstlerischen Genuß, wie er seit Jahren. vielleicht seit dem letzten Auftreten des Wendling=Quartetts in Castrop=Rauxel. anno 1926, hier nicht mehr geboten worden ist. Es ist daher zu wünschen, daß recht zahlreiche Freunde der holden Frau Musika und solche, die es noch werden wollen, diese am Eingang des neuen Jahres stehende, festliche Veranstaltung der NS.=Kulturgemeinde besuchen! Schon heute sei darauf verwiesen, daß für die Schüler der hiesigen Schulen und Musiklehrer für diesen Abend verbilligte Eintrittskarten(.30 RM.) an der Abendkasse bereit gehalten werden.—e. hanns Kirchhelles Erfolg in Göttingen Ueber ein Weibnachtskonzert unter Leitung des aus Castrov=Rauxel stammenden Hanns Kirchhelle in Göttingen schreibt Gustav Adolf Trumpfj unter der Ueberschrift:„Hanns Kirchhelle als Dirigent. Organist und Komponist“ in den „Göttinger Nachrichten“: Die Akademische Orchester=Vereinigung hat gerade für die Weihnachtsmusiken immer glückhafte und schöne Programme gehabt und ihrer Hörergemeinde stets wertvollste Kunst vermittelt. In diesem Jahre traten zum ersten Male zu der älteren Musik Werke von vier zeitgenössischen Komvonisten. Das ist und bleibt das Verdienst des neuen Dirigenten der AOV., Kirchhelle. Wir dürfen diese Tatsache programmatisch für die Arbeit des Dirigenten für die AOV. nehmen. Damit ist endlich in Göttingen seit langer Zeit wieder moderne Musik mehr in den Vordergrund gerückt. Werke des ausgehenden Barock waren die Eck. pfeiler des ersten Teils, zwei schlichte Pastorellen Gregor I. Werners und das Concerto vastorale von Johann Christoph Pez. Werners Pastorellen. beide im Aufbau sehr ähnlich und nicht mit gehaltvoller Tiefe überladen(an Stelle der zweiten hätte man die Hirtenkantate spielen sollen) waren etwas zu groß aufgesaßt; das großzügige, sehr robuste Streichen der Geiger vergröberte den Chrakter dieser stillen Musik zu sehr. Sehr schön dagegen das prachtvolle Werk von Pez. Der barocke Ausbau, die Gliederung. vor allem in der großen Passacaglia, war samos herausgearbeitet, dynamisch sein und sorgfältig abgewogen. Hier gab der große. volle Strich der Violinen glanzvollen und wirksamen Kontrast zu den ruhigeren Flöten, die, dem Werk entsvrechend. stitvoll, fast blockilötenhaft und im allgemeinen sehr llug geblasen wurden. Leonhard Schröters(1532—1601)„neue Weihnachtsliedlein", das vierstimmige„Hört zu und seid getrost sehr“ und das fünfstimmige„Lobi Gott. ihr Christen alle gleich", erhielten einen merkwürdig runden,„romantischen“, Verschmelzungsklang, der bei dem recht langsamen Tempo des ersten Satzes die Stimmführung nur wenig erkennen ließ Offensichtlich standen die modernen Werke dem Dirigenten musikalisch viel näher. Das erwies sich sogleich an Pepvings„Vom Himmel hoch" und Distlers„Singet frisch und wohlgemut". die Hanns Kirchhelle höchst eindrucksvoll wiedergab. Daß der Dirigent die beiden herrlichen Kompositionen hier herausbrachte. dafür gebührt ihm unser aller Dank. Daß es gerade Werke von Pepving und Distler waren die beide als Chorkomponisten unserer Zeit größte Bedeutung haben, freute uns besonders. Der Organist Kirchhelle spielte zwischen den beiden 1934 entstandenen Komvositionen die Toccata von Heinrich Kaminski über„Wie schön leuchtet uns der Morgenstern“ von 1923. Mit Distler verbindet Kaminski das Hinneigen zum Mystischen; aber hier ist es die eines süddeutschen Altkatholiken. dort die eines Protestanten, der in die große Lübecker Orgeltradition eingetreten ist. Kirchhelle arbeitete den romantisch=mystischen Charakter der Toccata sein heraus, spielte sie mit großer Virtuosität, mit einer Registrierung, die allerdengs dem Klangwillen der Marienorgel ziemlich entgegensteht. Der Komponist Kirchhelle spielte am Schluß eine eigene Passacaglia. Ein großes. weitzügiges, zwilchen=Moll und=Dur schwankendes Thema erfährt in vielen Variationen wirkungsvoll und mit schwerem Können volyphone und harmonische Steigerung. Der Schüler von Heinrich Lemacher(Köln) siehr in der Orgel ein großes volltöniges Instrument. Farb= und Klangmöglichkeiten, wie sie das Orchester besitzt. Es könnte darum diese Passacaglia ebenso gu; für Orchester geschrieben sein, weil das tyvisch Orgelhafte in Thematik und Komvosiitionsweise und vor allem in der Art der Wiedergabe(das wurde auch bei Kaminski deutlich), nicht angest rebt ist. Wir begrüßen das bewußte Eintreten der AOV. für alte und neue Musik mit großem Dank und freuen uns daß Hanns Kirchhelle die Arbeit von Ludwig Dietz mit solch schöner Hingabe fortführt Das wird der AOV. zu den alten Freunden noch viele neu erwerben. Zur Geschichte des Staatsbergbaues in Westfalen Bo Vor 10 Jahren. am 1. Januar 1926, übernahm die Bergwerks=Aktiengesellschaft Recklinghausen(Bergag) den staatlichen Bergwerksbesitz bei Recklinghausen. Das war ein Vorgang mit bemerkenswerter Vorgeschichte. In demselben Zwischenreich, das seine sozialistisch=marxistische Wirtschaftspolitik unter der Fahne„Sozialisierung des Bergbaus“ eröffnet hatte, war auf Grund der finanziellen Schwierigkeiten, die im Gefolge der französischen Besetzung des Ruhrbezirks und der Inflation für den Staatsbergbau entstanden waren. die Erkenntnis emvorgewachsen, daß gewerbliche Großbetriebe weit beweglicher seien, wenn sie sich der privatwirtschaftlichen Formen bedienten, als wenn sie direkt einer staatlichen Bürokratie unterstellt wären. Unter dem Druck dieser Erkenntnis war bereits das Gesetz betreffend Uebertragung der Verwaltung und Ausbeutung des staatlichen Bergwerksbesitzes an eine Aktiengesellschaft vom 9. 10. 23 entstanden, au; Grund dessen die Preußag am 1 Januar 1924, vor nun 12 Jahren, ihren Betrieb ausgenommen hatte. Aus hier nicht zu erörternden Grürden konnten die Staatsbergwerke in Reckling= hausen und die Hibernia damals nicht in die Preußag eingebracht werden. Da sich aber deutlich zeigte daf die Hibernia als Aktiengesellschaft wesentlich leichter die finanziellen Schwierigkeiten überwinden konnte als Recklinghausen wurde am 6. Oktober 1925 die Bergwerks=Aktiengesellschaft Recklinghausen gegründet, womit als letztes aller preußisch=staatlichen Werke auch die Bergwerke in Recklinghausen die privatwirtschaftliche Gesellschaftsform annahmen. ausgenommen natürlich das Saarrevier, in dem man erst jetzt nach der Rückkehr ins Reich, den gleichen Weg zu gehen im Begriff steht. Die Recklinghauser Gesellschaft wurde von vornherein durch Personalunion mit der Hibernia verbunden und hat sich unter Führung des Oberbergrats von Velsen hervorragend entwickelt, bis sie bekanntlich im abgelausenen Jahre völlig mit Hibernia verschmolzen wurde. Ein kühner Versuch Bc. Vor 50 Jahren, am 1. Januar 1886, eröffnete eine Ruhrkohlenhandelsgesellschaft in Porto Grande auf der Kapverdischen Insel St. Vincent den Betrieb eines Bunkerkohlenlagers. Das war ein kühner Versuch des Westfälischen Kohlen=Ausfuhr=Vereins, der am 14. Avril 1877 in Bochum gegründet worden war zum Zwecke der Ausfuhr westfälischer Steinkohlen und von Koks nach deutschen und außerdeutschen Seeplätzen. Dieser Verein, der bis 1894 bestanden hat und in dem auch Emil Kirdorfs weitschauender Blick sich auswirkte, ist als einer der vielen Vorläufer des Kohlensyndikats anzusehen. Er war ein Kind der Kohlenabsatznot, die zur Zeit seiner Gründung schwer auf dem westdeutschen Wirtschaftsleben lastete. Mancherlei Erfolge konnten verbucht werden; neue Absatzgebiete an Nord= und Ostsee, sowie in Rußland sind durch den Westfälischen Kohlen=AusfuhrVerein der Ruhrkohle erschlossen, auch Frachterleich= terungen und andere Verkehrsverbesserungen erreicht worden. Weitergreisende Pläne aber die Errichtung von Kohlendevots in Gibraltar. Malta. Brindisi. Port Said. Aden. Colombo und Singavore, scheiterten an der Kostenfrage, die durch Delegierte an Ort und Stelle studiert wurde. Nur in Porto Grande, wo die nach Südamerika und Westafrika fahrenden Dampfer ihre Kohlen einnahmen, wurde jener Versuch durch eine eigens dafür gebildete Kommanditgesellschaft gemacht. Die auf ihn gesetzten Hoffnungen gingen nicht in Erfüllung. Die Kundschaft blieb auf den Norddeutschen Lloyd und die deutsche Kriegsmarine beschränkt während die gesamte sonstige Schiffahrt den mit äußerst billigen Preisen konkurrierenden englischen Firmen in Porto Grande treu blieb. 1886 wurde der Versuch als zu kostspielig eingestellt. Der Ausfuhrverein wurde in der gleichen Zeit entschädigt durch Herstellung einer erfolgreichen Verbindung nach Soerabaya in Holl. Indien, wohin für den Betrieb der Eisenbahnen Ruhrkohle geliefert wurde. Raslun des Jusbultsatees Ungarner verloren hoch in Dresden In einem weiteren Spiel auf ihrer Deutschlandreise stellten sich am ersten Tage im neuen Jahre die Berufsspieler von Boskai Budapest dem Dresdener SC. zum Freundschaftskampf. Die Gäste machten keinen sehr guten Eindruck und wurden vor 5000 Zuschauern von den Dresdener Rotjacken mit:1(:1) unerwartet hoch geschlagen. In technischer Beziehung boten die Ungarn wohl vortreffliche Leistungen, aber der berühmte Innensturm konnte sich gegen die blendende Abwehr der Dresdener nicht durchsetzen. Die Läufer machten viele taktische Schnitzer und die Verteidiger brachten sich durch ihre Abseitsfalle selbst mehrmals in größte Verlegenheit. Der wirklich zuverlässige Torhüter Varga mußte sein ganzes nicht unbeträchtliches Können aufbieten, um die Niederlage nicht noch höher ausfallen zu lassen. Zwar übernahm Bocskai schon in der 5. Minute durch Takacs die Führung, dann aber wurde die Dresdener Stürmer mit ihren Steilvorlagen vor dem ungarischen Tor sehr gefährlich. Der Angriffsführer Schön sorgte für den Ausgleich und der Halbrechte Schornstein brachte noch vor der Pause die Gastgeber mit:1 in Front. Nach dem Wechsel hatte Schon noch mit zwei Torschüssen Erfolg und Schornstein schloß die Kette mit einem wunderschönen Kopfballtor ab. Hertha schlug Eimsbüttel:1 Brandenburgs Fußballmeister Hertha BSC. eröffnete das neue Jahr mit einem Freundschaftskampf gegen den Nordmarkmeister Eimsbüttel. Die Berliner konnten vor 6000 Zuschauern mit:1 (:0) einen schönen Erfolg erzielen, der durch die gleichgute Leistung aller Mannschaftsteile als verdient anzusehen ist. Im allgemeinen hatten die Hamburger mehr vom Kampf, aber die Stürmer vermochten die sich ihnen bietenden Gelegenheiten vor dem gegnerischen Tor nicht auszunutzen. Arminia Bielefeld— 5B. höntrop:4 Am Neujahrstage hatte der SV. Höntrop seine Besuchskarte bei der Arminia in Bielefeld abgegeben. Beide Einheiten standen in stärkster Besetzung und nur die erste Hälfte konnten die Bielefelder dem Gast ein gleichwertiges Spiel liefern, obschon hier die Höntroper in technischer Beziehung weit besser gefallen konnten. Recht gut begannen die Bielefelder den Kampf und schon nach acht Minuten führten sie durch ihren Halblinken. Timpert blieb es vorbehalten, vier Minuten später schon zum Ausgleich einzusenden. Noch einmal verjaffte der Mittelstürmer der Arminen seinen Farben die:=Führung, aber in kurzen Abständen fielen zwei weitere Treffer für die Gäste, die beide von Timpert erzielt wurden Kurz vor dem Wechsel hatten die Gastgeber nochmals Gelegenheit, zum Ausgleich zu kommen. Der verhängte Handelfer wurde von Hogenkamp, der diesmal Mittelläufer spielte, zwar plaziert geschossen, doch Stein im Höntroper Tor hielt den Ball. Nach der Pause gehörte das Spiel den Gästen, die nun das Heft jederzeit in der Hand hatten. Ihre Ueberlegenheit kam allerdings nur mit einem Tor, das nach viertelstündigem Spiel aus einem Gedränge heraus resultierte, zum Ausdruck. Weitere Erfolge ließen die Bielefelder, die ihre Hintermannschaft nun verstärkten, bis zum Schluß nicht mehr zu. Frankfurt Offenbach— Kassel:0 Vor etwa 2000 Zuschauern kam in Offenbach ein Fußballspiel zwischen einer Frankfurt=Offenbacher Kombination gegen die Stadtelf von Kassel zum Austrag, das von der weitaus besser spielenden Mainischen Vertretung hoch mit•6 gewonnen wurde. Kassel kam mit einer recht schwachen Elf, die durch Umstellungen noch geschwächt wurde. Da die Läuferreihe zudem nur defensiv spielte, kam der Sturm nie zur Geltung, so daß es noch nicht einmal zum Ehrentor reichte. Im Gegensatz dazu die Frankfurt=Offenbacher Mannschaft, die recht gut zusammenspielte und keinen schwachen Punkt aufwies. Zu erwähnen wäre noch, daß Staab (Fechenheim 03) und Simon(Kickers Offenbach) je drei Tore schossen. Stuttgarter Kickers— 1. JC. Nürn•2 Die Stuttgarter Kickers wollten ihren Anhängern am Neujahrstage einen besonderen sportlichen Genuß bescheren und hatten zu diesem Zweck den 1. FC. Nürnberg zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Der Deutsche Pokalmeister, der mit Ausnahme des linken Läufers Oehm, für den Luber spielte, mit kompletter Mannschaft erschien, gewann das Spiel zwar verdient mit:0, allerdings. vermißte man den gewohnten kämpferischen Einsatz. In technischer Beziehung hatten die Gäste den Stuttgartern einiges voraus, alles in allem aber war das Spiel doch recht lahm. In der 10. Minute fiel für Nürnberg durch Eiberger nach einem Fehler des Stuttgarter Läufers Ruf der Führungstreffer. Trotzdem die Platzherren sich nun besser zusammenfanden und die Nürnberger zurückdrängten, blieb es bis zum Wechsel bei der knappen:=Führung der Nürnberger. Die zweite Halbzeit verlief im großen und ganzen ausgeglichen. Mittelstürmer Friedel stellte in der 27. Minute mit einem zweiten Treffer den Sieg sicher. Jedenfalls hatten sich die 12000 Zuschauer von dem Spiel der Nürnberger mehr versprochen. über Tennis-Borussia Eine schwere Abfuhr holte sich Tennis=Borussia Berlin, die am Mittwoch vor 5000 Zuschauern beim Sachsenmeister Polizei Chemnitz zu Gast war und berg mit:1(:1) geschlagen die Heimreise antreten mußte. Es war immerhin ein Wagnis, mit vier Ersatzspielern für Kauer, Schmitt, Kästner und Fricke den Kampf gegen die spielstarken Ordnungshüter aufzunehmen. Bis zur Pause zeigten die „Veilchen“ noch ein gefährliches Zuspiel, aber dem Angriff fehlte es an der nötigen Durchschlagskraft. Minerva Berlin in Halle besiegt Nicht sehr glücklich war auch die Vorstellung der Berliner Minerva am Neujahrstage an der Saale. Die zur Kreisklasse zählende Elf von Favorit Halle konnte über Brandenburgs Gauligavertreter mit :2(:1) die Oberhand behalten. Minerva trat zwar mit drei Ersatzleuten, darunter auch für Elshorn, an, doch verstärkte erstmals der frühere Herthastürmer Prominski die blau=gelben Reihen. Prominski schoß auch beide Gegentore der Minerva. Technisch boten die Reichshauptstädter vor 2000 Zuschauern die besseren Leistungen, aber der ehrgeizige Gegner zeigte sich weitaus kampffreudiger. Internationales Eröffnungsspringen auf der Großen Olympiaschanze Das Internationale Eröffnungsspringen auf der Großen Olympiaschanze am Neujahrstage wurde in jeder Hinsicht ein großer Erfolg. Der weitaus beste Mann des Tages war Birger Rund, der Olympiasieger von 1932. Er sprang hier besser als wir ihn je zuvor gesehen haben. 72, 82 und 78 Meter weit waren seine Sprünge. Er begeisterte die Zuschauer mit seiner wunderbaren Skiführung und dem eleganten schmalspurigen Aufsprung. Die Oesterreicher verfügten in dem 17jährigen Jungmann Bradel=Mühlbach über ihren besten Mann, doch stürzte er beim zweiten Sprung. Bei den Schweizern fiel vor allem die start betonte Knickhaltung auf. Nach Rund und Toni Bader war der Schweizer Marcel Raymond der erfolgreichste Springer an der Schanze. Der Amerikaner Durrance zeigte Schwächen in der Absprungtechnik; er kam über den 18. Platz nicht hinaus. Von den Deutschen sprang Haselberger=Traunstein mit 63 und zweimal 77 Meter ausgezeichnet. Günther Meergans erregte durch seine saubere Vorlage und dem schmalspurigen Aufsprung Aufsehen. Der Thüringer Hans Marr kam durch einen Sturz bei 71 Meter um seinen Erfolg, stand dann aber 80 und 74 Meter. Auch Alfred Stoll gehorte zu der großen Zahl von Teilnehmern, die nicht alle drei Sprünge sicher hinlegten. Nach 66 und 73 Meter stürzte er im letzten Durchgang an der 80=MeterMarke. Ueberlegenes Können zeigte Loisl=Kratza mit 76, 72 und 75 Meter. Hans Ostler. Oskar Weisheit und Toni Eisgruber scheiterten jeweils bei einem ihrer Sprünge. Bei den Jungmannen bewies der 16jährige Partenkirchener Hans Karg erneut, daß er ein großer Könner zu werden verspricht Günther Adolph=Schreiberhau und Kraus=Johann= Die Rufgaben der De Der Führerstab der Deutschen Turnerschaft veröffentlicht einen von Carl Steding, Viktor yka, Kurt Münch, Dr. Wilhelm Becker und Henni Warninghoff unterzeichneten Aufruf zum neuen Jahre, in dem es, nach einem Rückblick auf die letzten Jahre, heißt: „Das Jahr 1936 stellt neue, noch größere und wichtigere Aufgaben, als wir sie bisher zu meistern hatten. Mit dem Jahreswechsel erfolgt die volle Eingliederung der gesamten fachlichen Arbeit der DT. in den Reichsbund. Somit wird die Arbeit, die bisher von unseren Fachwarten in der DT. geleistet wurde, von ihnen in den einzelnen Fachämtern durchgeführt. Wir sind fest überzeugt, daß Ihr Fachwarte aus der inneren Verpflichtung heraus, die Ihr als deutsche Turner in Euch tragt und die Euch immer wieder auf das weiter gesteckte Arbeitsfeld im Rahmen des ganzen Volkes hinlenkt. Eure Arbeitskraft und Fachkenntnisse dem größeren Arbeitsfelde, dem Reichsbunde für Leibesübungen, freudig zur Verfügung stellt. Es harren Euer im Reichsbund neue Arbeitsgebiete, die auf eine fleißige und opferwillige Beackerung durch fachkundige Hände warten. Euch Fachwarte der DT., der Gaue und der Kreise für die jahrelange treue, gewissenhafte und selbstlose Arbeit in diesen entscheidungsvollen Tagen zu danken, ist uns ein besonderes Herzensbedurfnis. 1936 wird für uns Turner in doppeltem Sinne ein Jahr der Bewährung sein. Die Olympischen Spiele sollen uns bereitfinden in dem Gedanken, dem Rufe des Führers zu folgen und für das Ansehen des Vaterlandes vor aller Welt einzutreten und die letzten Kräfte einzusetzen. Im Zeichen der errungenen Einheit auf dem Gebiete der Leibesübungen wollen wir als zuverlässige Gefolgschaft des Reichssportführers uns im alten turnerischen Sinne dafür einsetzen, daß der feste Grund geschaffen werde zu dem nationalsozialistischen turnerischen Reichsbund.“ georgenstadt, die ebenfalls zu unseren besten Jungmannen gehören stürzten. Mit dem Ergebnis dürfen wir zufrieden sein. An das Können von Birger Rund reichte natürlich kein anderer Teilnehmer heran. Den zweiten Platz belegte Toni Bader, gefolgt von Marcel Raymond (Schweiz) und dem besten Oesterreicher Marischer. dann aber folgte wieder eine Reihe von deutschen Springern: Loisl=Kratza, Max Meinel, Karl Dietl und Josef Kimpfberger. Jungmann=Sieger wurde der Oesterreicher Rudolf Rieger vor unserem Klöpfer und Karg. Die Nationalmannschaft in Dortmund Am 5. Januar wird in der Dortmunder Westfalenhalle die Nationalmannschaft der Bahnfahrer des Fachamtes Radsport geschlossen an den Start gehen. In einem Fliegerkampf und anderen Prüfungen werden folgende Fahrer starten: MerkensKöln. Arndt=Krefeld, Klöckner=Köln, Jung=Dresden, Bartels=Berlin, Mertens=Dortmund, IhbeLeipzig, Karsch=Leipzig, Wiemer=Berlin, KrehnBerlin, Horn=Köln. Lorenz=Chemnitz, RiemannHannover, Walther=Ludwigshafen, Hasselberg=Bochum, Rosenlöcher=Dresden und Hoffmann=Kleinschinheim. * In Kopenhagen gewannen Stieler=Pedersen ein 50=Kilometer=Mannschaftsfahren für Amateure mit zwei Runden Vorsprung in:03,02 Stunden. Jacobsen=Magnussen wurden Zweite. Spenglerpokal-Eishockeyturnier Am Dienstag wurde in Davos das Endspiel um den Spengler=Pokal ausgetragen. Den Schlußkampf bestritten die Mailänder„Schwarzroten Teufel“ und der HC. Davos, die Meistermannschaften von Italien und der Schweiz. Die Mailänder konnten im ersten Drittel in Führung gehen, doch im zweiten Abschnitt glichen die Eidgenossen nicht nur Leadfiiiche Schwlmer=Bnat, Die amtliche Rekordliste des Jachamtes Schwimmen Der deutsche Schwimmsport ist im vorolympi= Kraul 1000 Meter: 16:15,7 Gerda Stegemann(1. schen Jahre sehr erfolgreich gewesen. Es wurden] Magdeburger DSC.) 1935 nicht weniger als 35 neue Rekorde herausgeschwommen, 16 von den Männern, 19 von den Frauen. Die amtliche Liste des Fachamtes Schwimmen hat am 31. Dezember 1935 folgendes Aussehen: Männer: Kraul 100 Meter::58*) Helmuth Fischer(BSV. Bremen) Kraul 200 Meter::14,7*) Hermann Heibel(BSV. Bremen) :36,2 Raymond Deiters :55,6 :19,2 Raymond Deiters Raymond Deiters 10:50,4 Hans Freese(BSV. 13:38,8 Hans Freese(BSV. 20:39,0 Hans Freese(BSV. Kraul 300 Meter: (Sparta Köln) Kraul 400 Meter: (Sparta Köln) Kraul 500 Meter: (Sparta Köln) Kraul 800 Meter: Bremen) Kraul 1000 Meter: Bremen) Kraul 1500 Meter: Bremen) Brust 100 Meter::12,5 Joachim Balke(Westfalia Dortmund) Brust 200 Meter::42,4 Erwin Sietas(Hamburg 79) Brust 400 Meter::00,1 Paul Schwarz(Göppingen 04) Brust 500 Meter::33,1 Paul Schwarz(Göppingen 04) Rücken 100 Meter::08,4 Ernst Küppers(Bremen 85) Rücken 200 Meter::34 Hans Schwarz(Wünsdorf) Rücken 400 Meter::30 Kurt Gerstenberg(Magdeburg 96) Frauen: Kraul 100 Meter::08.*) Gisela Arendt(Nixe Charlottenburg) Kraul 200 Meter::38,8“) Ruth Halbsguth(Nixe Charlottenburg) Kraul 300 Meter::13,5°) Ruth Halbsguth(Nixe Charlottenburg) Kraul 400 Meter::45,3*) Ruth Halbsguth(Nixe Charlottenburg) Kraul 500 Meter::17,0°) Ruth Halbsguth(Nixe Charlottenburg) Kraul 800 Meter: 13:00,2 Gerda Stegemann(1. Magdeburger DSC.) Kraul 1500 Meter: 25:11,2 Gerda Stegemann(1. Magdeburger DSC.) Brust 100 Meter::24,5 Hanni Hölzner(Plauen) Brust 200 Meter::00,8 Marta Genenger(Neptun Krefeld) Brust 400 Meter::28,3 Marta Genenger(Neptun Krefeld) Brust 500 Meter::17,5 Marta Genenger(Neptun Krefeld) Rücken 100 Meter::20,4 Gisela Arendt(Nixe Charlottenburg) Rücken 200 Meter::01,4 Christel Rupke(Ohligs) Rücken 400 Meter::25,4 Christel Rupke(Ohligs) Staffelrekorde Männer: Kraul 4mal 50 Meter::48*) Bremischer SV. Kraul 10mal 50 Meter::41,2 Magdeburger SC. 96 Kraul 3mal 100 Meter::00,1*) Bremischer SV. Kraul 4mal 100 Meter::03,4*) Bremischer SV. Kraul 10mal 100 Meter: 10:32.*) Bremischer SV. Kraul 3mal 200 Meter::54,5*) Bremischer SV. Kraul 4mal 200 Meter::16,4*) Bremischer SV. Kraul 10mal 200 Meter: 24:02.*) Bremischer SV. Kraul 50, 100, 200, 100, 50 Meter::13,1*) Bremischer SV. Kraul 100, 200, 400, 200, 100 Meter: 11:49,3*) Bremischer SV. Brust 3mal 100 Meter::52,7 Hellas Magdeburg Brust 4mal 100 Meter::11,0 Hellas Magdeburg Brust 10mal 100 Meter: 13:17.5 Hellas Magdeburg Brust 4mal 200 Meter: 11:47,6 1. Frankfurter SC. Lagen 3mal 100 Meter::32,2 Magdeburg 96 Lagen 100, 200, 100 Meter::02,8 Gladbeck 1913 Frauen: Kraul 3mal 100 Meter::45,8 Nixe Charlottenburg Kraul 4mal 100 Meter::01,1 Nixe Charlottenburg Kraul 6mal 100 Meter::39.6 Nixe Charlottenburg Kraul 100, 200, 400, 200, 100 Meter: 14:11,8 Nixe Charlottenburg Brust 3mal 200 Meter: 10:01,8 Nixe Charlottenburg Lagen 100, 200, 100 Meter::52,5 Nixe Charlottenburg. Die mit*) bezeichneten Staffelrekorde wurden in Salzwasser aufgestellt. Ein Teil der in den Allgemeinen Wettkampfbestimmungen vorgesehenen Staffelrekorde konnte nicht aufgeführt werden, da diese Bestleistungen nicht unter amtlicher Kontrolle aufgestellt wurden. Anordnung des Reichssportführers Die Pressestelle des Reichssportführers teilt mit: Für die Zeit des Ueberganges in den Zustand der Einheit der deutschen Leibesübungen war die Betreuung besonderer Beauftragter für die Umerziehung der Masse der Geführten notwendig. Die Zeit des Ueberganges ist beendet und die Zeit der Bewährung hat begonnen. Die Führung der Sportgaue steht! Deshalb hat der Reichssportführer sämtliche Kreisvertrauensmänner seiner Beauftragten zum 1. 1. 1936 von ihren Pflichten entbunden und ihnen für ihre freudige Mitarbeit gedankt. Gleichzeitig dient diese Maßnahme der Vereinfachung der Verwaltung und der Befreiung der Vereine von Verwaltungslasten, die im Verlause der Einrichtung des DRfL. in den Einzelheiten des Betriebes immer weiter fortschreiten wird. aus, sondern kämpften sich durch ein zweites Tor sogar nach vorn. Im Schlußdrittel gelang es den Italienern, die sehr aufmerksame Verteidigung, der Schweizer zu durchbrechen und mit einem weiteren Treffer den Gleichstand herbeizuführen. Beim Endstand von:2(:0,:2,.0) hätte in einer verlängerten Spielzeit der Sieger ermittelt werden müssen, die Davoser verzichteten jedoch auf die Entscheidung und traten den Sieg freiwillig an ihre italienischen Sportfreunde ab. Die Mailänder haben damit zum zweitenmal hintereinander sich in die Siegerliste der Turniere um den Spenglerpokal eingeschrieben. Dreistundenrennen in Basel Die Baseler Winterbahn war am Silvesterabend Schauplatz eines Drei=Stunden=Mannschaftsrennens, an dem auch verschiedene deutsche Fahrer teilnahmen. Der mit dem Schweizer Straßenfahrer Erne gepaarte Funda gab zunächst den Ton an. Später jedoch schritten die Belgier Buysse=Billiet stark nach vorn und sicherten sich mit zwei Runden Vorsprung den Sieg. Schön kam mit dem Schweizer Bühler auf den vierten Platz und Altenburger kam mit Dinkelkamp infolge eines Sturzes um seine Aussichten. Das Ergebnis: 1. Buysse=Billiet 46 Punkte, 124,320 Kilometer; zwei Runden zurück 2. Funda=Erne 15 Punkte; drei Runden zurück 3. Vromen=Slaats 38 Punkte; vier Runden zurück 4. Schön=Bühler 44 Punkte; 5. Loncke=Gilgen 14 Punkte; fünf Runden zurück 6. Lemoine=Dayen 20 Punkte. Olympialehrgang verschoben Da die Schwimmhalle im Berliner Sportforum noch nicht ganz fertiggestellt ist, muß der für den 11. und 12. Januar geplante Olympia=Lehrgang der Schwimmer verschoben werden. * Westfälische Nachwuchsschwimmer aus Bochum, Witten, Dortmund, Gladbeck und Erkenschwick fahren am 2. Januar nach Bremen, wo sie auf eine Vertretung des Bremischen Schwimmverbandes treffen werden. Jedem Verein eine Jugendmannschaft Der Gaufachamtsleiter für Handball im Gau XI (Mittelrhein), Grod, hat einen Neujahrsgruß an seine Handballspieler herausgegeben, der weitere Beachtung verdient. Darin heißt es u..: „Im Jahre der Olympischen Spiele muß unsere Aufgabe unter dem Gedanken der Sorge für unsere Jugend stehen: Jedem Verein eine Jugendmannschaft! Dies gibt dem Verein die sichere Gewähr des Bestandes, aber auch der Leistungssteigerung. Mit der Leistungssteigerung kommen die Zuschauer, hiermit die Verwirklichung des Wunsches aller Handballer: Handballspiel— das Nationalspiel der Deutschen. Mit frohem Mut und eisernem Willen hinein in das Jahr 1936. Allen Vereinsführern, Spielmannschaften, Zuschauern. Schiedsrichtern und Mitarbeitern wünsche ich die Erfüllung ihrer Ziele im Jahre 1936. Schönrath— Baerlund in Berlin. Der interessante Schwergewichtskampf zwischen dem Krefelder Hans Schönrath und dem schlagstarken Finnen Gunnar Baerlund, der für Anfang Dezember in Köln geplant war, wird nun in Berlin ausgetragen. Der Kampf wird entweder im Spichernring oder im Sportpalast steigen. Die„Inder“ in Hannover. Die indischen HockeyStudenten trugen in Hannover gegen den HC. ihr zweites Spiel aus. Wie in Hamburg erzielten sie ein:2. Bei der Pause lagen die Hannoveraner noch:1 in Führung. Die Gäste zeigten diesmal technisch besseres Können, waren aber im Schußkreis zu weich. r i U M a z s M a r t R a b e n Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz in München Münchener Jungmadchenroman von Hub. Rausse, Münchener Jungmädchenroman von Hub. Rausse 1. Thea schreibt ein Stellengesuch und Peter hilft dabei Verlag(Bühnenvertrieb) sucht für sofort tüchtige, diktatsichere Stenotypistin 20—25 Jahre, Einheitskurzschrift, mindestens 160 Silben Schreibgeschwindigkeit Bedingung. Angebote mit Lebenslauf, Lichtbild, Zeugnisabschriften, Gehaltsansprüchen u. CT. 60247 an die Expedition der Münchener Zeitung. An einem späten Septembertag— es war ein heller, hoher, sonniger September— stand dieses Stellenangebot in der Zeitung. Die Zeitung kommt erst um die Mittagsstunde. Und so traf es sich, daß Thea Haller, die gegen 11 Uhr ihre Wohnung verließ, um sich im Kunstverein die ausgestellten Aquarelle anzusehen und bei dieser Gelegenheit für ihre eigenen Malversuche Neues zu lernen, daß Thea Haller im Treppenhaus auf die Frau Rosine Uebelacker stieß, die gewohnheitsmäßig seufzend zum dritten Stock die noch unverminderte Last ihrer Zeitungen emportragen wollte. „Bleibens unten, Frau Uebelacker“, rief sie durch das Treppenhaus,„ich nehme Ihnen die Zeitung ab und geh damit spazieren.“ Sie sprang leichtfüßig und schlankbeinig die Treppen herab und nahm das sauber gefaltete Blatt, das ihr die Frau mit freundlichem Lächeln reichte, dankend in Empfang. „Was machen die Kinder?“ Sie plauderten ein wenig und beide lobten den schönen Herbst und die warme Sonne, die den Großen und den Kleinen gleichermaßen willkommen war. Und als Thea ging, sah ihr die Alte wohlgefällig nach: „Ein sauberes Mädel und so gar nicht stolz! Aber sie hats wohl auch nicht leicht mit der jungen Mama und dem alten Herrn—.“ Ein wenig seufzend über die dummen Wirrsale des Daseins wandte sie sich wieder ihrem Pack mit Zeitungen zu. Das war nun mal so töricht eingerichtet,— Gott mochte wissen, warum. Thea ging, die Zeitung unterm Arm, auf das Siegestor zu und bog dann in die Ludwigstraße ein, deren Sonnenseite von bummelnden Menschen überflutet war. „Herrgott, ist das schön“, dachte Thea und flog mit ihren braunen Augen zu den Türmen der Ludwigskirche und weiter zur Feldherrnhalle voraus.„Wie die Menschen Sonne sammeln, als wenn im kalten Winter die Erinnerung sie wärmen könnte!" Sie dehnte sich unter der dünnen Seide ihres einfachen Kleides und spürte die wohlige Wärme auf ihrer Haut mit Genuß. Dann holte sie aus ihrer Tasche ein Paar selbstgefertigte Stulphandschuhe und stieg mit schmalen Händen stolz hinein, „So!“ sagte sie und warf ihrem Spiegelbild in dem Schaukasten eines Photographen einen zufriedenen Blick zu. Das billige Kleid war ja nicht die neueste Mode, aber das Weiß des breiten Gürtels, des kleinen feschen Lederhutes und der Handschuhe mit ihren kleidsamen Stulpen gab doch dem Gesamtbild etwas Gepflegtes und Besonderes. Und auf ihre Figur war Thea immer stolz gewesen und mit Recht stolz gewesen, seit sie mit sechs ehn Jahren das Normalmaß gut gewachsener Weiblichkeit bereits erreicht hatte. Aus dem hohen schlanken Backfisch war ein großes, schönes und selbstbewußtes Mädchen geworden. Viele grüßten. Thea dankte mit lachenden Augen. Und viele sahen ihr nach. Wie sie mit ihren langen festen Schritten über den Platz zum Tor des Hofgartens ging, trug ihre Jugend einen frischen Hauch von Frühling in den langsam sich herbstlich färbenden Garten. Gelbe Blätter schaukelten durch die stille sonnige Luft müde zu Besen. „Thea!" Ein Kreis junger Studenten und Studentinnen saß en einem der Tische vor weißen Gläsern.„Wer ist das?“ fracte jemand.„Die Haller vom S..! Beste im Speerwurf!“ Thea hob die Achseln und schüttelte lachend den schmalen Kopf. Und dann fiel ihr die Zeitung ein, sie hob sie hoch, wie eine Entschuldigung und Ausrede,— schwenkte sie grüßend durch die Luft und wandte sich dann ab, um tiefer in den Garten hineinzugehen. „Eine Bank“, dachte sie.„Ich muß doch in die Zeitung sehen.“ Die Bilder waren ihr mit einmal gleichgültig geworden. Die liefen nicht weg. Bilder konnte man im Winter auch noch ansehen. Aber die Sonne zwischen dem Grün und Gold der Blätter—! Es war nicht eine Bank frei. Dahinten ein einzelner alter Herr. Thea grüßte, setzte sich, entfaltete ihre Zeitung, einen kurzen gleichgültigen Blick auf die Ueberschriften der ersten Seite und begann dann die Zeitung von rückwärts her aufzublättern. Sie studierte den Anzeigenteil: Männlich, weiblich, freie Stellen. Gott, wie oft hatte sie schon in allen möglichen Zeitungen gesucht und gesucht. Und immer umsonst. Fast zwei Jahre ging das nun schon so. Und wieviel vergebliche Schreibereien und wieviel vergebliche Laufereien— ihre Blicke gingen suchend die Seiten hinauf und hinab und hinauf.... Da—! Thea las: Verlag(Bühnenvertrieb), sucht für sofort tüchtige, diktatsichere Stenotypistin, 20—25 Jahre... Es verschlug ihr den Atem. Das war doch für sie. Es stimmte alles genau: Sie wurde bald zwanzig, tüchtig, sicher. 160 Silben— aber leicht! Und sofort— großartig! Da mußte sie gleich Peter fragen! Gott, lieber, lieber Gott, steh mir diesmal bei, daß es was wird. Thea legte die Zeitung zusammen, langsam und sorgfältig und so, daß die Annonce griffbereit oben zur Hand ist. Sie ist äußerlich wieder ganz ruhig. Da macht es plötzlich in die herbstliche Stille und das Pochen ihres Herzens—„bums!“ Eine grüne stachelige Frucht klatscht auf den Boden und eine dicke, runde, braune, glänzende Kastanie rollt im Sonnenschein Thea vor die Füße. „Sind Sie erschrocken?" Der alte Herr schaut ihr mit vergnügter Miene mitten ins Gesicht. Sie bückt sich und hält die blanke Frucht lachend ihm entgegen. „Stecken Sie sie ein!“ sagt der alte Herr.„Sie bringt Ihnen Glück, sicher!“ „Glauben Sie?“ sagt Thea. Mit ihren haselnußbraunen Augen blitzt sie ihn an.„Glück kann ich nämlich brauchen!" „Diesmal haben Sie's bestimmt!“ Sie läßt die braune, blanke, blitzende Kastanie langsam in ihre Tasche gleiten und zieht energisch den Reißverschluß zu. „So! Ich danke recht herzlich und Grüß Gott, und hoffentlich haben Sie recht!“ Sie nickt ihm fröhlich zu und der alte Herr schaut ihr gern und aufmerksam nach, wie sie schlank und schnell in Richtung der Theatinertürme zwischen den Bäumen verschwindet. Thea aber denkt nur das eine: ich muß den Peter treffen, den Peter! Peter ist Theas Freund. Er ist Student, ein gutes Jahr älter als die Thea und mit seinen „Ein Meier achtzig“ zum Freund und Schützer wohlgeschaffen. Daß er entfernt verwandt ist und daß Thea ihn auf eine solche Art und Weise bei einer gemeinsamen Tante vor einigen Jahren erst richtig kennengelernt hat, das pflegt sie ihren Freundinnen gern zu unterschlagen. Wo mag der Peter heute sein? Thea besitzt zwar einen sogenannten Stundenplan von ihm— Arbeitsnachweis spottet er selber—, aber an den pflegt sich Peter nicht sklavisch zu binden. Er schwärmt noch für die akademische Freiheit. Wie Thea aus dem Schatten der Arkaden in die Helligkeit des Odeonsplatzes tritt. überfällt sie die heiße Mittagssonne von der Feldherrnhalle her mit einer solchen Kraft, daß sie wie geblendet die Augen schließt. „Halloh, Thea!“ „O. Peter!“ sagt sie und ist ganz glücklich, ihn zu haben. Das ist schon ein sehr gutes Zeichen, daß ihr erster Wunsch so schnell und unerwartet in Erfüllung geht. Sie blinzelt ihn an und hat dabei so warme und verliebte und glückliche Augen, daß es dem Peter ganz heiß über den Rücken läuft. So mag er sie gern, diese klaren hellbraunen Augen, wenn sie so froh und dankbar in die seinen sehen. Ein Schwarm heller Tauben schwingt sich im Rundflug über den Platz und läßt sich in der heißen Sonne zu ihren Füßen nieder. „Du, Thea, die halten uns sicher für ein Brautpaar oder gar für Hochzeitsreisende.“ Sie schaut ihn an und lacht. „Das wäre das Dümmste noch lange nicht!“ Sie kauft bei dem Stand nebenan für einige Pfennige Taubenfutter und streut es den stolzierenden Tieren vor die pickenden Schnäbel. „Komm, Peter!“ „Wohin““ „Zu Dir!“ Sie nimmt seinen Arm und hängt sich bei ihm ein und marschiert mit ihm quer über den weiten, sonnenhellen Platz. Links dunkeln die schattigen Bögen der Feldherrnhalle, im grellen Sonnenlicht liegt die Front der Theatinerkirche und hebt die barocke Pracht ihrer grünen Kuppeln ins Blaue des Himmels. Von der Theatinerstraße führt durch den Kuhbogen die Salvatorstraße ab. Dort bewohnt bei einer gemeinsamen alten Tante, hoch im dritten Stock, der Peter ein kleines Zimmer. Hier ist alles bescheiden und alt und klein wie die verhutzelte Tante. Nur eins ist fürstlich: die Aussicht. Und wegen dieser Aussicht wohnt hier bei der Tante der Peter. Der Blick geht über Lindenbäume, über das spitze, rote Dach der gotischen Salvatorkirche mitten auf die machtvolle Kuppel der Theatinerkirche, die sich da vor den Fenstern hoch und breit macht in ihrer fremdartigen, majestätischen Schönheit. Peter ist stolz auf diese Aussicht. Heute wird das Grün der Kuppel hinter dem roten Giebeldach besonders schön im Blau des Himmels leuchten. Sie sind beide ein wenig außer Atem, als sie oben ankommen. Die Fenster stehen weit auf und geben den Blick nach Osten frei. Thea schaut hinaus. Hoch und weit wölbt sich, der blaue Himmel über dem Tun und Treiben der Menschen da unten. Jede Höhe gibt Weite. Wie kühl es von unten emporsteigt, wie warm es von oben herandrängt! Sie atmet beglückt die kühlwarme Luft. Da schiebt Peter von rückwärts seine Arme um sie und zieht sie an seine Brust. Sie lehnt sich an ihn und lauscht dem Schlag seines Herzens. Und sie schließt für einen Augenblick die Lider, um ganz allein zu sein mit sich und dem Traum von Glück. „Wie schön!“ möchte sie gern sagen, macht sich aber gleich wieder los und wirft die kupfern drängende Haarsträhne mit einem Ruck in den Nacken. „Du mußt vernünftig sein, Peter! Wenn die Tante uns hörte! Darum bin ich nicht die drei Treppen heraufgeklettert! Und auch nicht deiner Aussicht wegen, so schön sie ist. Du mußt mir helfen, Peter!“ Er steht ein wenig betroffen und beschämt und muß sich erst wieder fangen. Hefen, Thaa!“. Wie soll er ihr denn helfen können? Der gute Peter hat selber nichts und kennt sich in seinem eigenen Leben und Lernen noch nicht richtig aus. Er weiß zwar eine ganze Menge und hat viel Buchweisheit im Kopf, aber er spürt es selber allzu oft, daß Thea in der Beherrschung des täglichen Lebens ihm eigentlich über und die Gescheitere ist. Aber er holt seinen ganzen Männerstolz hervor und sagt mit gelassener Würde: „Na, Thea, wo fehlts denn?“ Da hält ihm Thea die Zeitung vor Augen und tippt mit spitzem Finger auf die Annonce. „Da lies! Das ist die Stelle für mich!“ Sie schaut sich nach Peters Schreibmaschine um. Sie ist geladen mit Energie. „Wir müssen sofort die Bewerbung schreiben, Lebenslauf usw. Die Stelle muß ich bekommen, unbedingt. Die ist für mich wie geschaffen. Und ich bekomme sie auch. Das spüre ich ganz deutlich. Aber du mußt mir helfen.— Was ist übrigens ein Bühnenvertrieb?“ Sie schießt ihre Frage nur so heraus! Also deshalb war die Thea mitgekommen und zu seiner schönen Aussicht heraufgestiegen. Nun, daß es nicht seinetwegen allein geschehen war, das wußte er ja. So eingebildet war der Peter gar nicht. Er hatte offensichtlich ein Mordsglück gehabt: die Annonce, die lockende Zukunft, die goldene Sonne dazu, die Aussicht, na, und ein bissel schon auch er selber. „Also, was hältst du von dem Angebot und was ist eigentlich ein Bühnenvertrieb?“ „Ganz im Ernst?“ versuchte er noch einmal zu scherzen. „Todernst, Peter!“ Also dem Peter gefällt die Anzeige auch. Das ist mal wirklich etwas Richtiges. Und daß Thea den gesuchten Bedingungen entspricht, weiß er nur zu genau. Sie hat ihm schon mal das Kolleg eines Professors nachgeschrieben, dessen Sprechgeschwindigkeit alle Rekorde schlägt und hat ihm dann am Abend die saubere Maschinenschrift überreicht. Und das war auch inhaltlich keine leichte##e gewesen! Ueberhaupt im Kopf fehlte es der Thea ja nicht: tüchtig und diktatsicher war sie also bestimmt. „Ein Bühnenvertrieb? Das ist eine Abteilung eines Verlages. Es gibt verschiedene Verlage, z. B. für Romane, für gute Romane und für schlechte Romane, Verlage für— sagen wir medizinische Werke, für Zeitschriften, für Lexika usw. Was ein Verleger ist, weißt du ja? Ein Buch verlegen, das heißt...“ „Ja, ja, schon gut. Mutter verlegt auch immer ihre Bücher und kann sie dann nicht wiederfinden. Aber daß das ein anderes Verlegen ist..“ „Schön, und du bist offensichtlich um eine Antwort nicht verlegen. Das ist nun das dritte„verlegen“. Aber ein Verlag, der verlegt nicht nur Bücher, sondern vertreibt sie auch. Ein Bühnenvertrieb ist also wohl ein Verlag, der dramatische Literatur, zu deutsch also Theaterstücke herstellt oder vielmehr druckt, denn herstellen tut sie ja eigentlich der Dichter— der also die Theaterstücke der Dramendichter an die verschiedenen Bühnen, d. h. an die Theaterdirektoren und Dramaturgen verschickt oder vertreibt. Und daher also der Name Bühnenvertrieb.“ „Ich bin im Bilde“, sagt Thea.„Ich finde, daß ich mich für eine solche Stelle vorzüglich eigne.“ Sie sah ihn fragend an. „Mag sein, jedenfalls besser als für die Sparkasse seligen Angedenkens.“ Thea schnitt ein saueres Gesicht. Sie saß schon an der kleinen Schreibmaschine. „Aber nun diktier mir mal eine schmissige Bewerbung. Etwas Besonderes, weißt du! Etwas, das auffällt und besticht, so daß der maßgebende Mann im Verlag sofort sagt: Die nehmen wir! Die und keine andere!“ Sie sah ihn fordernd an. „Das ist nicht so einfach, Kind!“ sagte er wohlwollend.„Ich denke das beste ist: ganz sachlich und ganz korrekt. Und dann ein paar gute Bilder.“ „Ja“, sagt Thea, selbst überzeugt und begeistert,„das als Speerwerferin im Sportanzug!“ „Das ist ein fabelhaft gutes Bild, Thea! Ob's aber in diesem Fall das Richtige ist? Vielleicht hat dein künftiger Chef einen langen, grauen Vollbart und schwärmt für Sport nur in Form von Kegelspiel und Skat.“ „Pfui, ein Verleger, ein Bühnenvertrieber!" „Man kann nicht wissen. Jedenfalls ist eine blendende Sportfigur zwar eine sehr erfreuliche Sache, aber nicht unbedingt Vorbedingung für eine tüchtige und diktatsichere Stenotypistin. Es gibt von dir so viele gute Aufnahmen, ich würde etwas Bürgerliches wählen. Aber das später. Zunächst einmal das eigentliche Bewerbungsschreiben.“ Peter ging in dem kleinen Zimmer vor beiden Fenstern auf und ab. Thea saß wartend vor der Maschine und sah ihm zu. Es machte ihr Spaß, ihn denken zu sehen. Daß sie ihn nicht stören durfte, das wußte sie. „Wir machen gar keine Anrede. Sehr geehrter Herr— das ist doch reichlich blaß und abgegriffen. Vielleicht ist es ein würdiger Alter mit sechzig Jahren, vielleicht ein Don Juan mit dreißig, in beiden Fällen ist„sehr geehrt" unangebracht und unpassend. Uebrigens, wenn es ein Don Juan sein sollte, dann schlage ich ihm eigenhändig die Knochen entzwei. Merk dir das!“ Thea lächelte dankbar und hingebend. „Ja, Peter. Also keine Ueberschrift?“ „Unterbrich mich nicht immer! Ich habe gesagt: keine Anrede, von Ueberschrift war nicht die Rede. Also Ueberschrift: Bewerbung. Die Unterzeichnete bewirbt sich um die in der heutigen Nummer— nein, das versteht sich von selbst, in der gestrigen stand ja nichts und die morgige ist noch nicht heraus— also: bewirbt sich um die ausgeschriebene Stelle als Stenotypistin. Nein, das ist auch noch überflüssig. Wahrscheinlich bekommt der arme Mann hundert Bewerbungen und alle berufen sich auf die ausgeschriebene Stelle. Das ist für deinen kommenden Chef völlig uninteressant. Also noch einmal: Bewerbung. Die Unterzeichnete bewirbt sich als Stenotypistin. Ich werde demnächst zwanzig Jahre, bin diktatsicher, schreibe seit sechs Jahren Einheitskurzschrift(200 Silben). Ich lege bei: 1. selbstgeschriebenen Lebenslauf(6 Klassen Realschule, 2 Jahre Dienst in der Sparkasse, 1 Jahr Handelsschule), 2. Zeugnisabschriften(2 Schulzeugnisse, 1 Dienstzeugnis), 3. zwei Lichtbilder. Als Gehalt erbitte ich hundert Mark monatlich. Zu persönlicher Vorstellung, zu mündlichen Verhandlungen und weiteren Auskünften stehe ich jederzeit zur Verfügung. München, Datum, Unterschrift.“ Thea hämmerte in die Maschine und war fast gleichzeitig mit ihm fertig. Sie las das Ganze nochmals durch. „Schön— das ist knapp, klar, sachlich. Das mit den Zeugnissen stimmt nicht ganz. Im übrigen aber bin ich ganz erstaunt und geschmeichelt zugleich, daß du in meinem Lebenslauf so ausgezeichnet Bescheid weißt.“ Sie nahm den Bogen aus der Maschine. „Dank dir Peter!" Er bekam einen Kuß auf die Backe. „Zu wenig!“ sagte Peter.„Mund!“ „Frech!“ sagte Thea, aber er bekam, was er verlangte. „Und jetzt noch die beiden Bilder!“ „Also, zunächst würde ich das offizielle letzte Bild nehmen. Das vom Photographen: Kopfbild.“ „Aber das gefällt mir gar nicht!“ „Mir auch nicht besonders. Die Leute verlangen das aber. Eine Stenotypistin soll einen Kopf haben, wenn er auch nicht gerade klassisch ist.“ Er nahm das Bild von seinem Schreibtisch, sah es an und wurde ernst dabei. „Als Ganzes vielleicht ein bißchen gemacht. Aber das können die heutigen Photographen ja nicht anders. Die Augen jedenfalls sind hübsch: schelmisch und doch treu.“ Er sah sie an, als vergliche er das Bild mit dem Original. Sie nahm es ihm aus der Hand. „Treue wird der Chef ja nicht in erster Linie verlangen. Der fordert Tüchtigkeit.“ „Dafür ist das zweite Bild da. Ich würde eine Privataufnahme nehmen. Natürlich ein Ganzbild. Damit deine Figur und dein ganzer Kerl auch in die Wagschale fällt.“ Er nahm sie in seine Arme, drückte sie an sich und sah ihr froh in die Augen. „Ich habe ja eine ganze Menge Bilder von dir. Weißt du, Thea, welches mir am besten gefällt?“ „Ja?“ Er suchte in seiner Brieftasche. „Ich trage das Bild immer bei mir. Da ist es! Weißt du noch?“ Es war eine Aufnahme aus dem Englischen Garten. Thea stand vor einem Hintergrund dunkler Buchen in einem hellen Frühlingskleid und sah unter einem breitrandigen Hut lachend in den hohen Himmel. Weiße Wolken und ein wehender Wind! Es war ein sehr lebendiges, ganz ungezwungenes, aber die ganze frische Natürlichkeit und frohe Schönheit dieses Menschenkindes offenbarendes Bild. (Fortsetzung folgt) Ein amerikanischer Abenteurer Der Jonderuug in todr sal Woher stammten Scoktys Millionen?— Ein ungelöstes Problem Kein Land ist wohl so reich an sonderbaren Existenzen, an Männern, die auf die seltsamste Weise ein Vermögen erwarben und es ebenso wieder verloren, wie die Vereinigten Staaten. Nur in Amerika kann man darauf rechnen, ein Original wie„Todestal=Scotty“ zu treffen, eine der merkwürdigsten Gestalten, welche die Neue Welt kennt. Im südöstlichen Kalifornien wohnt dieser Mann, der eigentlich Walter Scott heißt, zwischen den kahlen Felsen des Todestales, dieser schrecklichen, von einer Salzkruste überzogenen Wüste, des heißesten und wasserärmsten Teiles der Union. Unzählige Menschen haben in diesem Tal einen elenden Tod gefunden. Von hier aus nun unternahm„Todestal=Scotty“ nun seinerzeit jene Aufsehen erregende Fahrt quer durch die Vereinigten Staaten, die Veranlassung gab, daß sein Name in Riesenlettern auf den Vorderseiten aller amerikanischen Zeitungen erschien; als der Name eines Mannes, der mit Gold und Banknoten geradezu um sich warf. „Woher hat der Mann das viele Geld?“ fragte begreiflicherweise ganz Amerika. Scotty aber blieb die Antwort schuldig, so daß die Frage heute noch unbeantwortet ist. In Covington im Staate Kentucky hatte Walter Scott Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts das Licht der Welt erblickt. Er war sechs Jahre alt, als seine Eltern nach Nevada übersiedelten, wo der Junge das Wüstenleben kennen lernte. Zwölfjährig sah er zum ersten Male das Todestal, da er als Viehtreiber eine große Rinderherde durch dies wasserlose Gebiet zu führen hatte. Ein Zufall macht Scott, der ein ausgezeichneter Reiter und nie fehlender Schütze geworden war, mit dem berühmten Buffalo Bill bekannt, den er auf einer Weltreise begleitete. Nach Amerika zurückgekehrt, führte sein erster Weg ihn in das Todestal. Die Wüste lockte, und Jahre hindurch hörte niemand etwas von Walter Scott. Dann erschien plötzlich auf dem Bahnhof von Barstow in Nevada eine braungebrannte Gestalt, die einen Sonderzug nach Los Angeles bestellte. Ein Packen Banknoten überwand die Bedenken des Bahnhofsvorstehers, und„Todestal=Scotty“ — denn er war es— erhielt seinen Wunsch erfüllt. In Los Angeles mietete er im vornehmsten Hotel ein ganzes Stockwerk und begann dann wie ein Verrückter das Geld mit vollen Händen auszugeben. Er verteilte Trinkgelder von 50 Dollar und mehr und führte ein Leben, wie man es selbst in der lebenslustigen südkalifornischen Großstadt nicht kannte. Bis er eines Tages wieder zum Bahnhof fuhr und einen Sonderzug über Santa Fé nach Chikago verlangte. Ausdrückliche Bedingung Scotts war dabei, daß die ganze, Tausende von Kilometern lange Strecke frei gemacht werden müsse, damit er,„TodestalScotty“, ohne auch nur eine Minute unnötigen Aufenthalts reisen könne. Die schnellste Lokomotive und der schönste Pullman=Wagen wurden alsbald bereitgestellt, und Scotty fuhr ab. Um sicher zu gehen, daß man auch mit größtmöglicher Schnelligkeit fuhr, hielt sich der sonderbare Reisende nur selten in seinem Wagen auf; meistens saß er neben dem Maschinisten auf der Lokomotive, wo er für noch schnellere Fahrt Prämien aussetzte. So kam es, daß der Zug streckenweise mit 170 Stundenkilometer dahinsauste. Das war damals eine unerhörte Geschwindigkeit. Einmal im Osten der Vexeinigten Staaten angekommen, trieb Scott es nur noch toller. In einem Vierspänner fuhr er durch die Straßen und warf Goldstücke unter die begierig herbeieilende Menge. Zwischen den Knien hatte er einen ansehnlichen Behälter voll dieser begehrenswerten Münzen stehen, und er wollte sich krank lachen, als er die Menschen in unentwirrbaren Haufen übereinanderstürzen sah. Als man Scott um eine Erklärung für seine unerklärliche Verschwendung bat, meinte er lächelnd: „Wieso Verschwendung? Im Todestal besitze ich eine unerschöpfliche Goldgrube.“ Dahinten in Nevada schüttelten indessen die alten erfahrenen Goldgräber die Köpfe. Eine Goldgrube? Lächerlich! Scotty konnte ja nicht mal mit einem Schiebkarren umgehen, und der sollte Gold zu graben verstehen? Kam gar nicht in Frage. Ein Chemiker erklärte indessen gleichwohl, daß Scott ihm Goldproben zur Prüfung vorgelegt habe; er war indessen auch der einzige, der ungemünztes Gald in den. Händen des Abenteurers gesehen hatte. Natürlich gab es zahlreiche Goldlüsterne, die Scott folgten, um seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen, aber jener erwies sich schlauer als sie alle. Denn Scott kannte sein Todestal auf das genaueste und verschwand, wenn die Verfolger ihm lästig wurden, als habe die Erde ihn verschlungen. Die Goldlüsternen erlitten einen elenden Dursttod. Seit mehr als drei Jahrzehnten haust Walter Scott nun schon im Todestal. Er hat sich dort ein maurisches Schloß bauen lassen, dessen einzelne Teile durch unterirdische Gänge untereinander verbunden sind. Alle Baustoffe mußten mit Pferd und Wagen über 160 Kilometer weit mühsam an den Fuß der„Begräbnisberge“ herangeschafft werden. Betonwände von einem Meter Dicke schließen die Wüstenhitze aus, jeder erdenkliche Luxus befindet sich in dem Schloß, unter anderem ein unterirdisches Schwimmbecken und eine Orgel im Werte von 50 000 Dollar. Es sind erst wenige Jahre her, seit Scott seinen Landsleuten die größte Sensation seines Lebens verschaffte. In den Zeitungen erschien eine Erklärung von ihm, wonach er sein ganzes Vermögen verloren habe. Die Goldgrube mit ihren unerschöpflichen Schätzen hätte nur in seiner Einbildung bestanden, das Schloß mit allem Zubehör gehöre seinem Teilhaber Johnson, dem Inhaber einer großen Versicherungsgesellschaft. Er selbst habe keinen Cent mehr. Wieder erschien der Name Scott in Riesenlettern in den Zeitungen. Ganz Amerika war in höchster Aufregung, als ein neuer Schlag folgte.„Todestal-„Scotty“ gab eine neue Erklärung heraus, wonach die erste nicht zutreffe. Mit der Goldmine sei alles in bester Ordnung. Johnson betätige sich im übrigen nur als Bankier, was dieser als richtig bestätigen mußte. So zerbricht man sich drüben noch immer den Kopf über die Herkunft von Scotts Millionen, deren Besitzer inzwischen wieder sein maurisches Schloß im Todestale in Nevada bezogen hat und sich wahrscheinlich über die Dummheit der Menschen ins Fäustchen lacht. Von H. Ernst Uhde Wie fungen Beuisch Seusinauer Den folgenden Beitrag schickte uns ein junger Deutschbrasilianer, einer von den 800 000 Deutschen, die heute brasilianische Staatsbürger sind. Er ist bezeichnend und vorbildlich für das Ringen der auslandsdeutschen Jugend und gibt auch einem Reichsdeutschen manches zu denken. Denn es liegt an jedem einzelnen von uns, daß der leidenschaftliche Glaube dieser Jugend an die Zukunft des Reiches nicht enttauscht wird. .. und dann zog mein Vater in den Weltkrieg.. „Dein Vater?“ „Nun ja, warum nicht?“ „Dein Vater ist doch bereits in Brasilien geboren!“ „Aber er hat doch auch die reichsdeutsche Staatsangehörigkeit. Und der Mobilmachungsbefehl von 1914....“ Was heißt Mobilmachungsbefehl! Er war hier in Brasilien,— da konnte ihn keiner zwingen.“ Ich staunte. Zwingen? Herr Hahn aber fuhr fort, indem er lachte: „Das kann ich überhaupt nicht verstehen: Freiwillig in den Krieg ziehen,— nee, dazu wäre mir meine Haut doch zu schade.“ Herr Hahn war ein eben ins Land gekommener Junglehrer, ein„Deutschländer", wie wir sagen, und sollte mir 1927 Privatstunden in Französisch geben. „Merkwürdig,“ dachte ich,„bisher hatte ich es doch immer für ganz richtig gefunden, daß mein Vater 1914 mit in den Krieg gezogen war, war deshalb sogar stolz auf ihn. Und nun meinte Herr Hahn, ihm wäre dazu seine Haut zu schade. Merkwürdig?— Aber Herr Hahn mußte es ja wissen; denn er war vor kurzem erst aus Deutschland gekommen, aus Berlin, wie er sagte. Dort stamme er her, gehöre auch dort der SPD an. Ob ich davon schon einmal etwas gehört hätte? Ich verneinte. Mir genügte es, daß er aus Deutschland war. Ueberhaupt Deutschland!“ Jedesmal, wenn ich das Wort hörte, wurde mir ganz feierlich zu Mute, wie wenn ich in einer Kirche säße. Dabei wußte ich nicht einmal genau, wo Deutschland in Europa lag! Muß das ein schönes Land sein! Die Menschen, glaub' ich, sind dort viel besser als hier. Und Vater sagt: Auf den Straßen spricht man dort nur Deutsch, kein Wort Portugiesisch. Und Neger soll es auch nicht geben. Wenn ich doch einmal dahin könnte!„Wenn„du groß bist!“ hatte die Mutter gesagt und war mir dabei leise über das Haar gefahren. „Wenn— ich— groß— bin!“ Und ich freute mich selig auf diese Zeit. Und nun war ich in Deutschland. Habe das Land meines Vaters gesehen. Lernte es lieben, wie ich es seit meiner frühesten Kindheit liebte. Und doch war es ganz anders, als ich es mir gedacht hatte. Ich habe noch eben die Kommunisten erlebt, Weihnachten 1932, als von Moskau die Parole ausgegeben war, Heiligabend zu stören. Mit geladenen Teschings hatte ich bei meinem Onkel im Pfarrhaus die Nacht über gewacht. Dann war der 30. Januar 1933 gekommen. Deutschland war ein anderes geworden. Hatte in seinem großen Führer sich und seine Ehre wiedergefunden. Und ich war stolz damals, Blut von diesem Volk zu sein, Fleisch von seinem Fleisch. Dann war ich heimgefahren, heim nach Brasilien. Ich hätte noch länger in Deutschland bleiben können, wollte aber nicht nicht weil es mir dort nicht gefiel, sondern ich dachte an unsere 800 000 bis 900000 Deutschbrasilianer. Dachte an die Aufgabe, die jedem drüben harrt, der an unserm Aufbau mithelfen will. Was ich nun tue?— Ich arbeite. Im Geschäft, wo ich Angestellter bin. Abends aber und Sonntags suche ich mir unsere deutschen Jungen und Mädel zusammen, sage ihnen, was unsere Aufgabe ist, daß wir treue brasilianische Staatsbürger sind und Brasilien, unser Heimatland, liebhaben wollen, daß wir daneben aber nie vergessen dürfen, daß wir Deutsche sind mit deutschem Blut und mit unserer deutschen Muttersprache. Die Lusos, wie wir die brasilianischen Staatsbürger portugiesischer Herkunft nennen, die sich als die Herren des Landes aufspielen, werfen uns immer vor, wir seien illoyal und liebten eigentlich Brasilien nicht. Wollten nur deshalb unsere Art und Sprache erhalten, weil wir den Süden von Brasilien zu einer reichsdeutschen Kolonie machen wollten, ähnlich wie DeutschOstafrika. Es ist wirklich kein Zufall, daß noch in jedem Krieg, noch in jeder Revolution, die Brasilien durchmachen mußte, sich Brasildeutsche freiwillig zu den Fahnen scharten und Brasiliens Schicksal zu dem ihren machten. Und kann man schließlich mehr für sein Heimatland tun, als bereit zu sein, dafür zu sterben? Dieses Gefühl der schicksalhaften Verbundenheit mit dem Lande unserer Geburt ist nicht zufällig bei uns, sondern hat sich im Laufe der 100 Jahre, die wir in Brasilien sind, in dem schweren Kampf um die brasilianische Erde ganz natürlich gebildet. Trotzdem ist es nicht leicht, den Leuten hier klar zu machen, weswegen wir eigentlich unser deutsches Volkstum pflegen wollen. Nicht weil wir uns damit groß tun wollen, wie es der Engländer tut, sondern wir wollen ganz einfach deutsch bleiben, weil wir, solange es überhaupt ein deutsches Volk gibt, zu diesem Volk hinzugehört haben. Außerdem aber wollen wir unsere Art und Sprache uns bewahren, weil wir überzeugt sind, daß wir nur dann all unsere Fähigkeiten in den Dienst unserer brasilianischen Heimat stellen können, wenn wir unserm innersten Wesen, das uns der Herrgott gab, treu bleiben. Tun wir das nicht, vermischen wir uns mit dem Neger und sprechen zu Hause nicht mehr die Sprache, in der uns einst unsere Mutter das Beten lehrte, dann werden wir nie und nimmer weiterhin das Große für Brasilien leisten können, um dessentwillen der Luso selbst uns in den Himmel hebt. Wir sind dann einfach gebrochene Menschen. Unser Erbgut, das Jahrtausende hindurch deutsch gewesen ist, ist durch das fremde Blut mit einemmal zerrüttet, aus dem Gleichgewicht gebracht und damit für immer seiner Vorzüge beraubt. Und Brasilien, dem unser Mühen allein gelten sollte, ist nichts geholfen! Unsere Parole kann deshalb hier nur lauten: Treuunsermbrasilianischen Staat, treu aber auch unserem ererbten deutschen Volkstum! Von Hans Ritter Brandverhütung ist wichtig In der letzten Zeit sind viele Brände dadurch entstanden, daß die Feuerungsanlagen mangelhaft waren. Die Bauordnung enthält für den Bau von Feuerungsanlagen bestimmte Vorschriften, die unbedingt beachtet werden müssen. Feuerstätten in Gebäuden müssen in allen Teilen aus unverbrennbaren Baustoffen hergestellt werden. Der Holzfußboden muß durch feuerbeständigen Belag, z. B. Eisenbleche oder Betonsockel, geschützt sein. Eiserne Feuerstätten und Rauchrohre müssen mindestens 15 Zentimeter von vervutztem oder sonst feuerhemmend umkleidetem Holzwerk entfernt sein. Die Entfernung von freiem Holzwerk muß bei eisernen Feuerstätten 50 Zentimeter, bei Feuerstätten 50 Zentimeter, bei Feuerstätten aus Stein und Kacheln 25 Zentimeter betragen. In Rauchrohren von Heizöfen und an den Oefen selbst dürfen keine Absverrvorrichtungen angebracht werden. die das Entweichen der Gase in den Schornstein vollständig verhindern. Werden Rauchrohre nicht geradlinig geführt, müssen sie an den Brechpunkten mit Reinigungsöffnungen und Verschlußvorrichtungen versehen sein. Balken und Dachhölzer müssen von den Außenseiten der Schornsteine mindestens 5 Zentimeter entfernt bleiben. Die Reinigungsöffnungen der Schornsteine sind mit feuerhemmenden und rauchdichten Verschlußvorrichtungen zu versehen. Die Oeffnungen dürfen nicht in Räumen liegen, in denen leicht entzündbare Gegenstände, wie Heu, Stroh usw., gelagert oder bearbeitet werden. Für Gasfeuerungsanlagen, auch für die Heizung von Kraftwagenräumen, bestehen besondere Sicherungsvorschriften. Junge Erungs Erlebnisse mit kleinen Menschenaffen Von Paul Eipper Jüngst hat der Hallenser Zoo aus dem Sumatranischen Urwald einen jungen Orang erhalten, Sairu, den vergnügten Affenknaben. Der beobachtende Tierfreund ist immer von neuem erstaunt, wie„menschenähnlich“,— oder sagen wir besser— wie kindlich überzeugend und für uns Menschen verstehbar das Mienenspiel dieses Tieres ist. Sairu hat seinen Milchbrei aus der großen Aluminiumschüssel getrunken, die letzte Neige weggeschleckt, so daß Kinn und Backenbart ihr gutes Teil mitbekamen; nun ist er satt. Man sieht es seinem Gesicht eindeutig an, und wenn man genauer blickt, wird man in seinen Augen noch etwas Menschenähnliches entdecken, die Neugier und die Verdauungsmüdigkeit. Wie ganz anders prägt sich„Eigensinn“ auf diesem Antlitz aus! Eigensinn, gemischt mit Zorn, überlagert von Angst und Futterneid. Sairu möchte nämlich noch eine dritte Banane; der Pfleger gibt sie ihm nicht, und wie jedes Menschenkind fängt der kleine Orang zu weinen an, steigert sich ins Schreien, reißt den Mund immer weiter auf und plärrt zuletzt ganz jämmerlich. Kindlicher Zorn verraucht sehr schnell; schon ist das Gleichgewicht wieder hergestellt; irgend etwas, eine Fliege an der Holzwand fesselt die Aufmerksamkeit. Oder nein!— etwas ganz Neues, ein Brummer, eine dick bepelzte Hummel. Nun setzt sich der Orangsohn still auf seine dazu geschaffene Körperfläche, kreuzt die Beine und schaut nach oben, auf das Ding, das sich dort bewegt. Die Lippen sind vor Staunen fest zusammengepreßt; weit werden die Augen aufgerissen; der Blick hängt fasziniert am lockenden Objekt. So staunt ein Menschenkind ins Licht der brennenden Kerze; so hat mein Sohn zum erstenmal eine Taube„verschlungen“, die draußen am Balkongeländer ausruhte und ihre Federn glättete. Aber alle jungen Tiere, auch die Menschenaffen, haben— volkstümlich ausgedrückt— Eisenbahngehirne; sie befassen sich immer nur mit einer Sache, verlassen sie sofort und gänzlich uninteressiert, sobald etwas Neues auf der Bildfläche erscheint. In diesem Fall kommt der Wärter, der vertraute und geliebte Spielkamerad des Orangs. Er will Sairus Gesicht mit einem Tuch säubern und reicht dem Tier die Hand. Folgsam steht Sairu auf; nun können wir deutlich sehen, daß die roten Menschenaffen Sumatras keine Bodentiere sind. Höchst unbeholfen steht der Orang auf seinen viel zu kurzen Beinen; es ist schwer für ihn, in dieser aufgerichteten Haltung das Gleichgewicht nicht zu verlieren, man muß mit den langen Armen, den Händen tüchtig hin und her pendeln. Und dann tut das junge Baumgeschöpf das ihm einzig Gemäße: es klettert an des Menschen Beinen hoch, recht flink mit drei Klimmzügen, macht eine Ruhepause und hängt sich an des Wärters Rocktasche, in der gewiß irgendeine Leckerei verborgen ist. Das Naseputzen hat noch Zeit; hoch kommt man auf alle Fälle, denn die vier Gliedmaßen sind ausgesprochene Kletterhaken. Wenn Sairu endgültig satt geworden ist, vollgestopft und genudelt, dann streckt er die Zunge lang heraus, zieht sie schnell zurück, um das bewegliche Ding schmatzend wieder nach vorn zu schleudern; ein Gesellschaftsspiel, das ich an jungen Vertretern des homo sapiens mehrere Male auch erblickte. Ihnen steht dann ebenso keck und lustig ein schütterer Haarschopf hoch vom runden Schädel. Am menschenähnlichsten finde ich die Schlafhaltung eines jungen Orangs: die Arme auf der Brust verschränkt, oder die eine Hand unter das Ohr gelegt, ruht das Tierkind im weichen Heubett; meist erbettelt es sich zuvor von seinem Pfleger ein Tuch oder eine Decke, womit es sorgsam den Körper einwickelt, um während des Schlummers die Hülle mit den Beinen wegzustrampeln. * Ich glaube nicht, daß junge Menschenaffen an Heimweh leiden, wenn sie in unseren Tiergärten seelisch richtig behandelt werden, das heißt, tagsüber Ablenkung haben und einen Menschen, der sich dauernd um sie kümmert, auf ihre körperlichen und Gemütsregungen liebevoll eingeht. In solch einem Fall ersetzt der Mensch durchaus die Affenmutter, wobei allerdings die Ernährung in einer mehr mittelbaren Form vor sich geht. Aber wenn man das Glück hat, Orangmutter und Kind in einer deutschen Tierstation zu pflegen, dann ergibt sich begreiflicherweise noch ein größerer Beobachtungskreis. Im Berliner Zoo wurde die Ehe zwischen dem Backenwülster=Orang Adam und der zierlichen Cleo mit dem roten Lockenzwerglein Aseko beschenkt. Vater und Mutter teilen sich in der Erziehung ihres Sohnes, wobei Adam nichts zu tun braucht, als wachsam zu sein, Gefahren abzuwehren, die sowieso in Berlin nicht kommen. Aber zuweilen tritt der Orangriese ganz behutsam zu seiner Frau heran, lüftet die Decke und besieht sich sein Kind. Während der ersten Wochen hängt solch ein Orangsäugling, mit allen Vieren festgehakt, dauernd an der Brust der Mutter. Später begibt er sich auf Entdeckungsreisen, verläßt aber nie den Körper der Alten. Bis dann Cleo es für richtig hält, von sich aus die ersten Schritte zur Selbständigkeit ihres Kindes zu unternehmen. Ich habe Folgendes beobachtet: Die Orangmutter saß ganz still hoch oben auf dem letzten Querbrett des Geheges, während der Kleine fortdauernd von ihrer Schulter zum Schädeldach hinaufkletterte und im Ueberschlag wieder an die Brust herunter kam. Plötzlich schälte Cleos rechte Hand behutsam, aber unnachgiebig das Kind von ihrem Pelz, streckte den langen Arm in die Luft, so daß sich wohl oder übel der kleine Aseko an das Schwingtau klammern mußte, das eben an dieser Stelle hing. Kaum hatten die Zehen des Kindes zugepackt, ließ die Mutter los. Der Sohn schrie jämmerlich. Umsonst. Cleo blickte zwar aufmerksam, aber tatenlos seinem Gezappel zu. Und dann stieg sie bedächtig ein Stockwerk tiefer auf die nächste Galerie, streckte wieder ihre Hand aus und wartete geduldig, bis ihr Kind begriffen hatte, daß es ganz allein am Seil herunterklettern müsse, um über Mutters Hand wieder an die Brust zu kommen. Während der nächsten Viertelstunde hörte ich Aseko schrill und schrecklich kreischen; aber— o Wunder— die erste selbständige Reise seines Lebens hat er tatsächlich gekonnt— und doppelt innig legte die Orangfrau Cleo ihren nun schon lebenstüchtig gewordenen Sprößling an die nährende Brust. * KONST · LESEIT-VVISSLI! Erloschene Filmsterne Was wurde aus den Filmlieblit Von Haus Wir schreiben das vierzigste Jahr des Films. Vor nunmehr genau vier Jahrzehnten wurde in kleinen, winkligen Laboratorien der „Kinematograph“, eines der größten Wunderwerke unserer an technischen Sensationen so reich gesegneten Zeit, geboren. Vom Jahre 1895, dem Zeitpunkt seiner Entstehung an, bis etwa um das Jahr 1909 hieß er„Bioskop“ oder auch„Biograph“, erst viel später bildete man aus dem Ursprungswort das noch heute geläufige„Kino". An die ersten Zeiten des Kinos, an seine Flegeljahre und die Jahre seiner ersten sprunghaften Entwicklung von der Jahrmarktattraktion zur anerkannten Weltmacht werden sich heute nur noch die wenigsten erinnern. Unverrückbar aber stehen gewiß noch die ersten Nachweltkriegsjahre in aller Erinnerung; die Jahre 1919, 1920 und 1921, in denen der stumme Film seine erste Blütezeit erlebte. Damals erschienen noch heute weltbekannte Namen von Schauspielern aller Nationen auf der flimmernden Leinwand; Namen, mit denen unvergeßliche Kinoerlebnisse verknüpft sind. Wissen Sie noch, wer Gunnar Tolnaes war? Hätten Sie diese Frage vor acht Jahren an irgendeinen Filmfreund gerichtet, er hätte Ihnen mitleidlos ins Gesicht gelacht: „Gunnar Tolnaes? Na, hören Sie—— ich werde doch wohl den größten Filmhelden aller Zeiten kennen! Den Traum aller Mädchen, die Sehnsucht aller Frauen, den Abgott aller Männer!“— So vergeht der Ruhm der Welt. Gunnar Tolnaes, einst und vor noch gar nicht so schrecklich langer Zeit der meistbeschäftigte der damals modernen nordischen Filmhelden, ist heute ein nur noch selten auftretender Bühnenschauspieler in Stockholm. Wer erinnert sich an Bruno Kastner? An ihm ging das Leben mit raschem Schritt vorüber, als die Tonfilmtechnik kam. Sie wollte von dem liebenswürdigen Künstler, dem die Gabe verständlichen Sprechens leider versagt blieb, nichts wissen. Er nahm sich auf einer Bühnentournee im Jahre 1931 in einem deutschen Kleinstadthotel verärgert und bemitleidet das Leben. Grete Reinwald ist schon vor sechs Jahren von der Filmleinwand abgetreten und hat sich in das Privatleben einer bürgerlichen Ehefrau mit drei reizenden Kindern zurückgezogen. Lya Mara lebt als alternde Frau eines vielbeschäftigten Regisseurs in London. Max Landa, der unvergessene Detektiv Joe Debbs, Held aus tausend und einem spannenden Kriminalfilm seligen Angedenkens, ging, von seinen Freunden in bitterster Not verlassen, 1933 in Veldes(Jugoslawien) freiwillig in den Tod. Die einst vielgeliebte Marthe Novelly ist vollständig verschollen; Hella Moja wurde Filmautorin und hat eine reichsdeutsche Filmproduktions= firma gegründet, der sie als künstlerische Direktorin vorsteht. Die liebenswürdige Evi Eva hat einen braven Mann gefunden und auf die weitere Filmkarriere verzichtet; Ernst Hoffmann ist als ganz junger Mensch einem Nierenleiden zum Opfer gefallen, das er sich im Weltkriege zugezogen. Die anderen? Wer erinnert sich noch an Bernd Aldor, den„schönen Mann“ der Filmwelt vor zwanzig und fünfzehn Jahren? Er ging mit einer Wanderbühne nach dem Balkan und ist seitdem vollkommen verschwunden. Der meisterliche Detektivdarsteller aus den Filmjahren 1915 bis 1919, Ernst Reicher, ging nach Italien und wurde hier— Kolonialwarenhändler. Die schöne Hanni Weiße hat ingen von vor zehn Uahren? Taußig spät, sehr spät, den Anschluß an den Tonfilm gefunden. Sie trat jüngst in einer kleinen Rolle in dem Tonfilm„Die Heilige und ihr Narr“ auf. Erkannt hat sie fast niemand von denen, die sie einst liebten. Charles Willy Kayser? Auch er ist von Zeit zu Zeit wieder in einem Tonfilm zu sehen— aber es sind nicht mehr die großen, erschütternden Liebhaberrollen, die er jetzt spielt. Man hat ihn, der das gleiche Schicksal wie tausend andere erlitt, mangels einer besseren Beschäftigungsmöglichkeit in den Hintergrund zur Komparserie gedrängt. Auch Harry Liedtke, der wohl meistverehrte Filmschauspieler aller Zeiten, ist von Zeit zu Zeit im Tonfilm zu sehen. Der unwiderstehliche Liebhaber u. Held aller Frauenherzen begnügt sich heute mit größeren Väterrollen, die er übrigens noch mit genau der gleichen Meisterschaft spielt, die wir einst in seiner Jugend an ihm schätzen lernten. Viele der Lieblinge vergangener Filmzeiten sind gestorben. Da ist der prächtige Heldendarsteller Ferdinand Bonn, der erst vor wenigen Jahren für immer von der Filmleinwand abtreten mußte. Da ist der bedeutende Komiker Max Adalbert, den keiner, der ihn jemals spielen sah, vergessen wird. Da sind Max Maximilian, Julius Falkenstein, Robert Garrison, Albert Paulig und hundert andere, die nur noch auf meist schmucklosen Grabsteinen mit ihrem Namen verzeichnet sind. Da sind auch Dorrit Weixler, Lilian Hall=Davis, Lya de Putti, Ilse Korseck und Dutzende andere schöne Frauen.... In einem Wiener Theater schwingt allabendlich am Büfett ein breitschultriger, hochgewachsener Mann heiße Würstchen aus einem großen Kessel. Erkennen Sie den amerikanischen Filmhelden Eddie Polo....? Würden Sie in der charmanten, noch immer nicht„älteren“ Dame am Fenstertisch eines großen Wiener Kaffeehauses die einst bedeutende Carmen Cartellieri erkennen? Und halten Sie für möglich, daß die hochblonde, überschlanke Frau, die allabendlich an der Theke eines kleinen Pariser Bierlokals sitzt, einst die märchenhaften Toiletten der bildschönen Imogen Robertson trug? Sie war es. Aber sie hat es ebensowenig vergessen wie alle die vielen Hunderte, die der Film in die schwindelnden Höhen des Weltruhms emporgerissen hat, um sie wieder urplötzlich in die Tiefen des Vergessens hinabfallen zu lassen. Musik und Moral Von Professor Dr. W. Heinitz=Hamburg Kann Musik moralisch oder unmoralisch wirken? Die Beantwortung dieser Frage entscheidet zugleich die Stellung, die der Musik, von der Volksmusik über die Gebrauchsmusik bis in die Kunstmusik hinein, im heutigen Staate zukommt. Wir denken hierbei natürlich nicht an die mehr oder weniger seichten Texte, womit sich manche Tanz= und Gebrauchsmusik in die Ohren zu schmuggeln versucht. Wir denken auch nicht an so manchen hohlwangigen Opern= oder Operettenstoff, dessen geistige Lücken mit süßlichem Musikleim überkleistert werden. Es geht vielmehr um die unmittelbare Wirkung von Melodie, Klang und Rhythmus auf den hörbereiten Menschen. Solche Wirkungen wurden in der Forschungsabteilung für Vergleichende Musikwissenschaft am Phonetischen Laboratorium der Universität Hamburg mit ganz bestimmten und neuartigen Methoden untersucht. Diese Methoden geben zugleich einen tiefen Einblick in die musikalische Begabung eines Menschen überhaupt. Durch sie wurden auch die sogenannten Testprüfungen überholt, die sich bestenfalls auf die Oberfläche der Beanlagung anwenden ließen. Die Ergebnisse haben in klarer Weise gezeigt, daß jedes wirklich organisch gewachsene und nicht nur aus Tönen„zusammengebastelte“ Musikstück ein getreues Spiegelbild von dem Willen, von der Geistigkeit und von der körperlich=seelischen Beschaffenheit seines Urhebers darstellt. Musik ist letzten Endes nichts anderes als„zu Tönen geformte Bewegung“. Wie sich der Mensch bewegt, so sind seine Werke. Wie er sich bewegt, so denkt er und spricht er. Wie er sich bewegt, so singt er auch. Alles, was auf diese Weise in ein Musikstück hinein gelangt, wirkt sich ferner bei seiner Wiedergabe auf die Hörer aus. Die Komposition eines willensschwachen, kränklichen, undisziplinierten und körperlich verweichlichten Menschen wird den Nacherlebenden mit unwiderstehbarer Suggestion zu einer ähnlichen körperlich=seelischen Haltung zwingen. Darin liegt die Gefahr der Musik, wie sie von vielen Schriftstellern schon zur Blüte des griechischen oder des alten chinesischen Reiches behauptet worden ist. Darin liegt aber auch die Quelle ihrer ethischen Kraft. Durch ein Musikstück von bestimmtem Charakter kann man in der Tat die Menschen, namentlich die Jugend, edler und besser machen. Kunstwerk des Monats Januar Im Deutschen Museum in Berlin wird im Januar 1936 diese Arbeit eines Vorarlberger Meisters um 1500—1510 gezeigt. Der unbekannte Meister schuf in dieser Johannes=Statue. die aus einer Kreuzigungsgruppe stammt. statt eines trauernden Johannes einen kühnen Bekenner. einen Glaubensstarken voll Geist und Zuversicht. (Scherl..) Wenn wir nicht wollen, daß die Musik nur ästhetischen Unterhaltungszwecken dient, dann gehört es sicherlich zu den vordringlichsten Jugenderziehungsproblemen, diejenige Musik zu finden und zu pflegen, die über ihre nur sinnliche Wirkung hinaus zu einem sittlichen Ziel führt. Daß eine solche Auslese möglich ist, kann die Vergleichende Musikwissenschaft heute mit den einfachsten Mitteln auch dem musikalischen Laien beweisen. Bücher für den Feierabend Wanderbüchereien der Reichsschrifttumsstelle für die Reichsautobahnlager Von Erich Langenbucher, Pressereferent der Reichsschrifttumsstelle Das Erkennen der Tatsache, daß das deutsche politische und dichterische Buch nicht nur eine Angelegenheit einer dünnen Oberschicht ist, ist ein wesentliches Verdienst des Nationalsozialismus. Er hat zum ersten Mal das Verlangen des ganzen Volkes nach guten Büchern gesehen, nicht aus irgend einem literarischen Interesse heraus, sondern aus der Tatsache, daß an einem Werk, das aus dem Volk kommt, wieder das ganze Volk teilhaben soll, daß das Buch nicht eine Sache ist für Kritiker, literarische Klubs und„bessere Kreise“, sondern daß es in den breiten Volksschichten eine Aufgabe zu erfüllen hat, hineinzuführen in das Erlebnis des Landes und seiner Menschen, in eine seither fremde Welt, daß das Buch die Aufgabe hat, am Abend, nach der Tagesarbeit am Schraubstock oder an der Maschine, Erholung zu bringen und stille Stunden zu schenken, die über den Tag hinaus die Kraft geben für das Werk der Hände. Das war auch der Sinn der diesjährigen Buchwoche und das wird immer das Ziel sein, dessen Erreichung Pflicht all derer die in der Weitergabe des Buches ihren Beruf haben. Aus diesen Gründen heraus hat Reichsschrifttumsstelle bei dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda ihrem Wettbewerb Die Lagerbüchetei Wege gesucht, die das Buch in die Lager des Arbeitsdienstes führen sollen, diese Ueberlegung liegt auch der Stiftung der Reichsschrifttumsstelle zu Grunde: Wanderbüchereien zusammenzustellen für die einsam gelegenen Reichsautobahnlager und sie den dort untergebrachten Arbeitskameraden für ihren Gebrauch zu schenken. Ein Teil dieser Lager besitzt bereits Büchereien, ausgestattet mit gutem deutschem Schriftgut, und das materielle Opfer, das zum Erwerb dieser Büchereien notwendig war, hat in vielen schönen Feierabendstunden seine Früchte getragen und wird auch immer noch weiterhin wirksam sein. Doch ist noch eine Anzahl von Lagern da, die fern von allen Städten und Dörfern liegen und zu denen das Buch noch nicht hingefunden hat; hier soll die Stiftung von über 1000 Büchern eine Hilfe sein. Interessieren dürften in diesem Zusammenhang die Auswahlgesichtspunkte, die die Zusammenstellung(besorgt von Ref. E. Diehl) bestimmt haben, deshalb darüber einige Worte. Hineingenommen sind wesentliche politische Werke, in denen der Nationalsozialismus Ausdruck gefunden hat: so neben„Mein Kampf“ Rosenbergs„Der Mythus des 20. Jahrhunderts“,„Sozialistische Auslese“. Bücher zur Rassenfrage und Bücher über Arbeiter= und Bauerntum, u. a. m. Daß speziell theoretische Werke nicht aufgenommen sind, ist einleuchtend, dagegen haben Erlebnisberichte vom Werden unserer Zeit Eingang gefunden:„Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei“,„Mit Hitler in die Macht",„Sturm 138“,„Weltgeschichte an der Saar“,„Heimkehr",„Rufer des Reichs". Das sind Bücher, die einen lebendigen Eindruck vermitteln, die echt und wahr sind und die sich nicht in Abstraktionen verlieren. Weiter sind die Bücher des Krieges und der Nachkriegszeit berücksichtigt, und zwar diejenigen, die die Gemeinschaft und Kameradschaft aufleben lassen, oder in deren Mittelpunkt eine überragende Führerpersönlichkeit steht:„Gruppe Rosemüller",„Pioniere“,„Glaube an Deutschland",„Adler von Lille",„Durchbruch anno achtzehn",„Sieben vor Verdun",„Zug nach Sibirien",„Bunker 17“,„Kameraden an der Memel".„Volk im Feuer",„Parteigenosse Schmiedecke", „Heimkehr ins Reich",„Die rauhe Rotte“, als das einzige Buch, das von den Reichsautobahnen selbst erzählt. Dazu kommen gute Abenteuer=Bücher, die ohne Verkitschung und ohne Lüge ein Erlebnis darstellen:„Auf Schienen, Schiffen, Pneus",„Weiter mit 20 PS“, „An Lagerfeuern",„Flieger für die Heimat", „Drei auf der Flucht",„Unter Eskimos“, „Front in Fels und Eis“,„Seeteufel“,„Weltumseglung" usw. Es sind auch rein dichterische Werke nicht vergessen mit besonderer Berücksichtigung der Landschaft, des Grenz= und Auslandsdeutschtums, weil gerade hier Menschen aller Landschaften zusammenkommen und weil das Erlebnis der Landschaft durch Arbeit und Lagerleben besonders stark ist. Einige Autoren seien genannt: Löns, Bauer, Barthel, Johst, Raschke, Pleyer, Meschendörfer, Frenssen, Blunck, Grimm, Griese, Andresen, Boie, Kutzleb, Koeppen, C. F. Meyer, Storm, Grabenhorst, Keller. Dazu kommt bestes Unterhaltungsschrifttum, als „kräftige Tageskost“, wie sie Reichsminister Dr. Goebbels in seiner Weimarer Rede forderte, Bücher von Menschen und Tieren, von Wald und Feld, Bücher vom Meer und von den Bergen, es fehlen auch nicht Atlas und Lexikon. Wenn nun diese Büchereien hinausgehen, so wird jeder etwas finden, jeder wird einen bestimmten Wunsch erfüllt sehen. Die Männer, die tagsüber arbeiten, werden abends das Buch zu sich sprechen lassen, sie werden darin Deutschland erleben. Das Buch aber ist der tiefste Sinn dieser Stiftung. „Rasgeisent und doch „unnsreleistungsfahtg 1 Gefahren für den Facharbeiter nachwuchs RSK. Während die Nachwuchssorgen der deutschen Wirtschaft bereits Schlagwortcharakter annehmen, scheint über die Mittel der Gefahrenbekämpfung nicht allgemein Uebereinstimmung zu herrschen. Der Grundsatz, daß für die Förderung des Facharbeiterachwuchses eben alle Hebel in Bewegung zu setzen, sämtliche Möglichkeiten zu ergreifen sind, macht offenbar auch zuweilen vor der Sozialpolitik halt, wenngleich die Verbindung und gegenseitige Abhängigkeit von Arbeitseinsatz, Berufsertüchtigung und Sozialpolitik nicht geleugnet wird. Ein klassisches Beispiel dieser Bedingtheit ist der Reichsberufswettkampf. Er stellt— eine Demonstration des Nachwuchses!— den Willen zur Wertarbeit an den Anfang des beruflichen Schaffens; mit seinen Ergebnissen umreißt er zugleich die Bedingungen der Arbeitsleistung, unter denen die berufliche Lenkung des einzelnen entsprechend seiner Anlagen ebenso wie die sozialpolitischen Verhältnisse des Lehrbetriebes nicht an letzter Stelle zu finden sind. Wenn der Berufswettkampf auf der anderen Seite mit erstaunlichen Leistungender Ungelernten überrascht und damit die ungenutzten Möglichkeiten einer Mehrung und Wertsteigerung der nationalen Arbeit andeutet, sollte die Notwendigkeit und Richtung eines sozialpolitischen Einsatzes für die Förderung des Nachwuchses eindeutig festgelegt sein. Um so mehr muß es verwundern, wenn zu den erfreulichen Bemühungen um ein Berufsausbildungs= und ein Arbeitszeitgesetz für Kinder und Jugendliche solche Kommentare von neueren Verordnungen treten, die völlig gegenteiligen Bestrebungen das Wort reden. Einer Vielzahl dieser Ausdeutungen ist die 14. Durchführungsverordnung zum Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit unterworfen gewesen. Diese Verordnung, die am 19. Oktober 1935 in Kraft trat, gestattet dem Treuhänder der Arbeit unter anderem, innerhalb seines Bezirks durch schriftliche Anordnung für einzelne Betriebe oder Betriebsabteilungen oder für bestimmte Gefolgschaftsmitglieder die Geltung aller oder einzelner Bestimmungen einer Tarifordnung auszuschließen, wenn es ihm aus wirtschaftlichen oder sozialen Gründen dringend geboten erscheint; die Anordnung kann auch mit Rückwirkung erfolgen. Diese Neuregelung, so heißt es in einer Verlautbarung des Reichsarbeitsministers, sucht entsprechend dem Grundgedanken des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit den in einer überbetrieblichen Regelung der Arbeitsbedingungen liegenden Gefahren der Schematisierung und Erstarrung zu begegnen und gibt dem Treuhänder der Arbeit die Möglichkeit, ohne langwieriges Verfahren den wirtschaftlichen und sozialen Erfordernissen Rechnung zu tragen. Es ist kein Zweifel, daß die 14. Durchführungsverordnung, von der wir an dieser Stelle nur eine Teilvorschrift behandeln, auf ein allgemeines wirtschaftliches und soziales Bedürfnis zurückgeht, da man sonst schwerlich zu dieser entscheidenden Auflockerung der Tarife geschritten wäre. Ein amtlicher Kommentar, der den Anwendungsbereich der Ermächtigung gültig abstecken würde, ist der Oeffentlichkeit nicht bekannt geworden. Mit um so größerer Vorsicht sind alle übrigen Verlautbarungen aufzunehmen, soweit sie insbesondere den Personenkreis berühren, der von der Verordnung betroffen werden könnte. Denn hier liegen die Schwierigkeiten und Gefahren. Die Anwendung der Vorschriften über die Herausnahme eines Betriebes aus einer Tarifordnung wird in Betracht kommen, wenn ein an sich lebensfähiger Betrieb, etwa wegen Auftragsmangels, vor dem Zusammenbruch steht und die Gefolgschaft bestrebt ist, ihre Arbeitsplätze durch gemeinsame Opfer zu erhalten. Es wird sich also immer um Ausnahmefälle handeln, zumal die Tarifordnung in jedem Fall Mindestarbeitsbedingungen enthält, also auch die schwächsten Betriebe berücksichtigt. Wie aber steht es mit der Herausnahme einzelner Gefolgschaftsangehöriger? Diese Möglichkeit war bisher nur gegeben, wenn die Tarifordnung oder der als Tarifordnung weitergehende Tarifvertrag ausdrücklich Vorbehalte, z. B. für Minderleistungsfähige, enthielt. Zu diesen„Minderleistungsklauseln“ aber hat die bekannte Stuttgarter Arbeitsrecht=Kartei kürzlich eine Stellung veröffentlicht, in der es heißt:„Minderleistungsklauseln sollten mit dem Sinn und Wesen von Tarifordnungen unvereinbar sein.“ Und weiter die an dieser Stelle besonders bemerkenswerte Erklärung: „Soweit Jugendliche noch als minderleistungsfähige Gefolgschaftsmitglieder betrachtet werden, bleibt es dem Berufsausbildungsgesetz vorbehalten, für alle Lehrlinge und jugendliche Arbeiter einheitlich das Ausbildungsverhältnis festzulegen und damit einer Form der Erziehungsbeihilfe gegenüber dem Leistungslohn den Vorzug zu geben.“ Dieser Stellungnahme dürfe zuzustimmen sein, da sie vor allem dem richtigen Grundsatz folgt, daß Jugendliche, die sich noch in der Berufsausbildung befinden, überhaupt nicht von Tarifregelungen erfaßt werden sollten. In dieser Frage scheint auch Einigkeit zu herrschen. Unverständlicherweise aber will man in der tariflichen Stellung ausgelernter Lehrlinge Herausnahme einzelner Gefolgschaftsangehöriger aus der Tarifordnung geeignete Beispiele zu finden, führt naturgemäß zu dem Begriff der Minderleistungsfähigkeit, und von dem schwerbeschädigten oder älteren Beschäftigten ist nur ein kleiner Schritt zu dem ausgelernten Lehrling, den es vor frühzeitiger Entlassung zu schützen gelte. Diese Ansicht wird insbesondere von der Zeitschrift„Deutsches Arbeitsrecht"(Heft 12, Dezember 1935) vertreten, die „ermäßigte tarifliche Mindestbedingungen“ gegenüber angemessenen eigenen Ersatzregelungen der Betriebsführer in Erwägung zieht. Die Gefahren einer solchen Auslegung sind ohne weiteres ersichtlich. Es sind im übrigen die gleichen, die bei der Diskussion um den„Lehrlingsfortbildungsvertrag“ derart den Ausschlag gaben, daß die Arbeitsgerichte in ständiger Rechtsprechung übereinstimmend die Ansicht vertraten, daß dieses Gebilde, das aus denselben Gründen der Minderleistungsfähigkeit und des Entlassungsschutzes eine Vergütung rechtfertigen sollte, die zwischen der Erziehungsbeihilfe des Lehrlings und dem Facharbeiterlohn bzw. dem Angestelltengehalt liegt,„in jedem Falle eine unzulässige Umgehung der Tarifregelung darstellt und daher unwirksam ist“(AG. Königsberg, 12. Juli 1935). Wie noch die jüngsten Versuche, für den Lehrlingsfortbildungsvertrag, ein Produkt von Notzeiten, ein praktisches Bedürfnis zu rekonstruieren, auf der ganzen Linie fehlschlugen, so lassen sich auch die Erwägungen, die ähnliche Bedürfnisse jener Sondervorschriften der 14. Durchführungsverordnung zugrunde legen wollen, nicht aufrechterhalten. Denn einerseits wird der Rückgang der Arbeitslosigkeit anerkannt, womit der besondere Entlassungsschutz seine Bedeutung verliert, und zum anderen ist nicht ersichtlich, warum Gefolgschaftsangehörige, die ihre Gehilfen= oder Gesellenprüfung zur Zufriedenheit bestanden haben, zu untertariflichem Entgelt arbeiten sollen. Bedeutet doch das Bestehen dieser Prüfungen, daß der Jugendliche in der Lage ist, eine selbständige, vollwertige Berufsleistung zu vollbringen und daher den üblichen Tariflohn zu beanspruchen hat. An dieser Logik ist der Lehrlingsfortbildungsvertrag gescheitert, sie wurde nicht entkräftet durch die Begründung von Minderleistungsklauseln in Tarifordnungen, soweit sie auf ausgelernte Lehrlinge Anwendung finden sollten, von ihr werden auch die Entscheidungen des Treuhänders der Arbeit über Anträge, ausgelernte Lehrlinge aus der Tarifgeltung herauszunehmen und für sie eigene Ersatzregelungen zu schaffen, ausschlaggebend bestimmt sein. Wohlgemerkt, es handelt sich hier keineswegs um eine billige Fürsorge für Jugendliche, etwa um das Bestreben, lediglich dem einzelnen auf Kosten des Betriebes eine wirtschaftliche Besserstellung zu ermöglichen. Was auf dem Gebiet der Sozialpolitik geschieht und entschieden wird, darf sich nur aus staatspolitischen Notwendigkeiten rechtfertigen. Wenn die berufstätige Jugend Deutschlands unter Führung der nationalsozialistischen Jugendbewegung und der Deutschen Arbeitsfront im Reichsberufswettkampf Jahr für Jahr den Weg zur Wertarbeit und zur beruflichen Höchstleistung geschlossen marschiert, wenn sie unermüdlich Sturm läuft gegen das Ueberhand nehmen des ungelernten Arbeiters, der keine innere Beziehung zu seiner Alltagsarbeit besitzt und damit vor der Gefahr steht, dem Volk und Staat zu entfremden, wenn der nationalsozialistische Staat, parallel zu den Bestrebungen der Jugend, ein Gesetz über die Berufserziehung Jugendlicher vorbereitet, das der zukünftigen Ausbildung von Facharbeitern die bestmögliche Grundlage geben soll, dann wären solche Anordnungen schlechterdings unmöglich, die zu dem schon vorhandenen Unterschied zwischen den Entgeltbeträgen eines Lehrlings und jugendlichen Arbeiters durch untertarifliche Entlohnung von Ausgelernten ein weiteres Hindernis für die Berufsergreifung und Eingehung eines ordentlichen Lebensverhältnisses hinzufügt. Allein die Möglichkeit solcher Tarifausnahmen— in einer Zeit wachsender Wirtschaftsgesundung!— ist dem Kampf des Staates und der Wirtschaft um einen zahlen= und leistungsmäßig geeigneten Nachwuchs, pfychologisch gesehen, außerordentlich abträglich. Es empfiehlt sich daher auch bei unverbindlichen Kommentaren eine größere Bedachtsamkeit und Zurückhaltung. Denn das letzte Wort sprechen nicht die Kommentatoren, sondern die Treuhänder der Arbeit, die allein die Belange des Staates wahrzunehmen haben. Aunpf gegen Hertssenhenl Gegen die Werks- und Kasinovereine als trennende Schranken Ndz. Berlin, 30. Dez. Der von einem gesunden Instinkt zeugenden Geschlossenheit der Volksgenossen in den Betrieben steht heute noch vielfach eine gewisse Zerrissenheit innerhalb der Volksgenossen in den Verwaltungen der großen Betriebe gegenüber. Mit diesen Hemmungen setzt sich der amtliche Informationsdienst der DAF. auseinander. Da schieden sich die Arbeiter der Stirn in untere, mitttere, höhere, leitende, selbständige und weiß der Himmel noch für welche Angestellte. Kaufmännische und technische, Betriebs= und Verwaltungsangestellte richteten lächerliche Schranken zwischen sich auf, für die der Arbeiter der Faust nur ein geringschätziges Lächeln und saftige und treffende Glossen übrig habe. Die Definition„Angestellte" bedeute ihnen noch nicht genug, sie wollten doch„Beamte“ sein. Und hoch über all diesem Gewimmel throne oft noch der Akademiker, der kaum seine Mitarbeiter der Stirn, geschweige denn die der Faust kenne. Da existrierten noch gewisse Ueberbleibsel aus einer längst vergangenen und nie wiederkehrenden, kapitalistischen Epoche. Das seien jene Werks= und Kasinovereine der meisten größeren Betriebe, in denen alles andere, nur keine Volksgemeinschaft propagiert und gefördert wurde. Da erfolge eine strenge Absonderung. Diese Vereine hätten ihre eigenen Einrichtungen, wie Baugenossenschaftn, geschlossene gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen, Kranken= und Unterstützungskassen usw. Sie kennten nur Damen und Herren, die Begriff Arbeitskamerad oder gar Volksgenosse seien ihnen ein Greuel. Die Zeit scheine für sie mit dem 30. Januar 1933 stehen geblieben zu sein. Sowohl konfessionelle Arbeitervereine wie auch Werks= und Kasino=Vereine mit ihren zahlreichen lächerlichen Abzweigungen behaupteten von sich, daß sie ja nur religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Zwecken dienten. Nun, das sei den ersteren durch die Deutsche Arbeitsfront längst widerlegt worden, und den letzten glaube man es nicht immer. Die erdrückende Mehrheit des arbeitenden Deutschlands von heute würde es mit ehrlicher Freude begrüßen, wenn sich die längst nicht mehr zeitgemäßen Vereine selber den Garaus machen und wenigstens eine anständige Beerdigung ihrer Leiche veranstalten würden, bei der es wahrhaftig keine Trauer gäbe. Denn das nationalsozialistische Deutschland, die Deutsche Arbeitsfront, habe die konfessionellen Arbeitervereine nicht ausgeschaltet, um andere, nicht minder überflüssige und der Gemeinschaftsidee schädliche Gebild weiter im Trüben fischen zu lassen. Mldeschan der Gesandhen Von Mussolini ernannt— Chinin konnenweise— Das schwimmende Kühlbad Der italienische„Gesundheitsmarschall", Professor Aldo Castellani, machte kürzlich interessante Angaben über das italienische Sanitätswesen auf dem ostafrikanischen Kriegsschauplatz. Professor Castellani übernahm auf Befehl Mussolinis die Leitung des italienischen Sanitätsdienstes und hat sich inzwischen nach Ostafrika eingeschifft. Wie der bekannte Arzt und Gelehrte berichtet, sind alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Jeder italienische Soldat wird zunächst einmal gegen Cholera geimpft. Bisher hat sich unter den Truppen auch noch kein einziger Fall von Cholera ereignet. Auch gegen die Malariagefahr ist Vorsorge getroffen worden. Die Soldaten erhalten regelmäßig eine bestimmte Dosis von Chinin, das übrigens in ganzen Tonnen nach Abessinien geschafft worden ist. Neben einer Unmenge von Heilmitteln der verschiedensten Art sind auch Sera gegen Schlangengift und Starrkrampf in großer Zahl vorhanden. Die Gefahr, von Schlangen gebissen zu werden, ist in Abessinien bekanntlich außerordentlich groß. Auch die Skorpione und andere gefährliche Insekten bilden eine große Plage. Hunderte von Feldspitälern und Laboratorien In Eritrea besitzen die Italiener Hunderte von ein Problem entdecken. Das Bestreben, für die Feldspitälern und Laboratorien, wo den Verwundeten und Kranken die beste Behandlung zuteil wird. Rund 18000 Spitalbetten sind vorhanden, eine Zahl, die aller Voraussicht nach das erforderliche Maß bei weitem übersteigt. Diese gewaltigen Spitalbauten sollen in erster Linie einen moralischen Rückhalt für die italienischen Truppen bilden, die wissen sollen, daß man auf ihre Gesundheit in jeder Weise bedacht ist. Außer diesen aufs modernste und hygienischste eingerichteten Sanitätsstationen gibt es noch acht Spitalschiffe. Die„California“, eines dieser Schiffe, liegt im Hafen von Massaua, dem„Glutofen der Welt“, wie diese eritreische Hafenstadt auch heißt, weil sie das heißeste, feuchteste und ungesundeste Klima der Erde besitzt. Im Innern eines solchen Spitalschiffes befindet sich eine Kühlhalle, in der alle von Sonnenstich oder Hitzschlag befallenen Soldaten Aufnahme finden. Wie sich bereits wiederholt gezeigt hat, bewährt sich diese Einrichtung ganz vorzüglich. Zahlreiche Militärs konnten schon nach sehr kurzer Zeit wieder frisch und gesund entlassen werden. Wie man aus diesen Angaben des von Mussolini ernannten„Marschalls der Gesundheit“ entnehmen kann, hat die Heimat alles getan, um das Los der kämpfenden Truppen in Afrika soweit wie möglich zu erleichtern. Aus städtischen Erwerbslosen werden bodenständige Besitzer ndz. Berlin, 30. Dez. Die ersten in sozialer Hinsicht besonders bemerkenswerten Ergebnisse der deutschen Siedlungspolitik werden in Kürze zutage treten. Aus städtischen Erwerbslosen werden bodenständige Besitzer werden. Für eine Anzahl von im ersten Bauabschnitt mit Reichsmitteln geförderten Kleinsiedlerstellen läuft nämlich in Kürze die dreijährige Bewährungsfrist ab. Damit steht die Uebertragung dieser Stellen auf die Siedler zu Eigentum oder Erbbaurecht bevor. Es handelt sich bei diesen Siedlungen um die sogenannte alte Stadtrandsiedlung, von der seinerzeit fast durchweg Erwerbslose erfaßt wurden. Da die Siedlerstellen nur unbedingt geeigneten Familien übertragen werden dürfen, haben sich die Träger Aufklärung darüber zu verschaffen, wie die Siedler ihre Verpflichtungen erfüllten und ob Bedenken gegen ihre siedlerische und sonstige Eignung vorliegen. Der Reichsarbeitsminister hat vorgesehen, daß in besonderen Fällen zur Vermeidung von Härten die Bewährungsfrist um ein Jahr verlängert werden kann. Bei der Uebertragung ins Eigentum oder Erbbaurecht werden die Belange der Volksgemeinschaft durch Schutzvorschriften gegen Mißbrauch gewahrt werden. Das lebendige Bekenntnis der Kirche Eine Jahresbotschaft des Vorsitzenden des Reichskirchenausschusses dnb. Berlin, 31. Dez. Zum Jahreswechsel nimmt der Vorsitzende des Reichskirchenausschusses, Generalsuperintendent D. Zoellner, in der Wochenschrift„Das evangelische Deutschland" das Wort: Der Reichskirchenausschuß, so beginnt D. Zoellner, wünscht Heil unserem Führer und allen, die von ihm zur Regierung unseres Volkes berufen sind, nicht zuletzt dem uns bestellten Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten. Vor allem aber grüßen wir unsere teure evangelische Kirche! Für das ihr fehlende Kirchenregiment sind wir als Treuhänder berufen. D. Zoellner sagt dann, daß das Bewußtsein von der Gabe des Bekenntnisses wieder wach und lebendig geworden sei. Es gehe jetzt darum, jede Ueberhebung und Rechthaberei auszuschließen und miteinander sich zum lebendigen Wachstum zu verhelfen. Diese Gemeinschaft allein sei das Ziel. Am Schluß seines Grußwortes kommt D. Zoellner auf die Arbeit der Kirchenausschüsse zu sprechen und knüpft hieran die Bitte: Prüft den, Weg, den wir gehen! Und wenn ihr keinen besseren wißt, dann kritisiert nicht bloß! Helft vielmehr mit durch Gebet und Fürbitte, auch für uns! Vom 15. Jebruar bis 1. März 1936 Internationale Automobil= und Motorradausstellung Berlin 1936 dub. Berlin, 31. Dez. Die Große Berliner Internationale Motorrad=Ausstellung 1936 findet in der Zeit vom 15. Februar bis 1. März 1936 in sämtlichen Ausstellungshallen am Kaiserdamm statt. Wie der Reichsverband der Automobilindustrie e.., Berlin, der Veranstalter der Ausstellung, mitteilt, sind die Anmeldungen der Aussteller so zahlreich eingelaufen, daß der Bau einer weiteren Halle erforderlich wurde. Die Ausstellung wird wiederum einen umfassenden Ueberblick über die im letzten Jahre erzielten Fortschritte auf allen Gebieten des deutschen Kraftfahrzeugbaues geben. Da am 29. Januar 1886 dem deutschen Erfinder Gottlieb Daimler das erste Patent auf einen Kraftwagen erteilt wurde, kann die diesjährige Ausstellung auch als eine Jubiläumsausstellung angesehen werden. Aus diesem Grunde wird in einer besonderen Ehrenhalle die Entwicklung des Kraftwagens von 1886 bis 1936 an zahlreichen geschichtlichen Fahrzeugen, Kraftfahrzeugteilen und Bildern zur Darstellung gebracht werden. Die Ausstellungsleitung hat beschlossen, die Ausstellungszeit von vornherein auf 16 Tage zu bemessen, da sie annimmt, daß auf Grund der schon jetzt vorliegenden vielen Anfragen die vorjährige Besucherrekordziffer von 880 000 weit überschritten wird. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft gewährt wiederum den auswärtigen Besuchern der Ausstellung weitest gehende Fahrpreisermäßigungen. Auch ist der Einsatz von zahlreichen Sonderzügen von vielen Orten des Deutschen Reiches sichergestellt. Wenn Kinder mit Streichhölzern spielen Commern. Zwei Kinder im Alter von sechs Jahren hatten sich eine Schachtel Streichhölzer zu verschaffen gewußt und begaben sich auf den Speicher, wo sie mit den Streichhölzern spielten. Plötzlich gerieten hier lagernde Tapeten in Brand. Die Kinder nahmen sofort Reißaus, aber machten aus Angst vor Strafe den Eltern keine Mitteilung von dem Brande. So wurde das Feuer erst bemerkt, als es schon ziemlich weit um sich gegriffen hatte. Die Feuerwehr mußte alarmiert werden. Durch ihr tatkräftiges Eingreifen gelang es, das Haus vor der vollständigen Zerstörung zu bewahren. Immerhin ist der angerichtete Schaden recht erheblich. * „ 4 4 9% mitgeteillt von der Städtischen Ootfsbücherei Castrop-Kauret. Wöchentlich zwei Bücher für vierteijährlich 50 Reichepfennig Erwin Guido Kolbenheyer führt uns in seinen Werken weltanschauliche Krisen der Vergangenheit vor. Durch seine meisterliche Art der Menschen= und Umweltgestaltung werden vergangene Jahrbunderte wieder lebendig. In„Amor Dei“ steigt vor unserem geistigen Auge das reiche Holland des 17. Jahrhunderts mit seinen grachtdurchzogenen Städten und malerischen Winkeln emvor. In dieser Welt lebt der Philosoph Spinoza. verfolgt von Not und Armut, die ihn aber nicht von seinem unermüdlichen Forschen nach der Wahrheit abhalten können. Die Geschichte vom„Meister Joachim Pausewang“ spielt in einer kampferfüllten Zeit, in der Enge des alten Breslau. Starke. lebenskräftige Menschen treten auf. Und wir erleben die„gotterfüllte“ Mystik Jakob Böhmes. Drei große Bände umfassen das Schicksal des großen Arztes und Naturforschers Theophrastus Bombastus Paracelsus von Hohenheim, das zugleich auch ein deutsches Schicksal ist. In unermüdlicher Forscherarbeit und genialen Gedankentaten läuft dieses faustische Leben ab in einer Zeit der Glaubenskämpfe in Deutschland. Verkannt und nichtgeachtet ist es ein stolzes Ringen des zu eigener Verantwortung freigewordenen Menschen. Ein Sinnbild der deutschen Seele! In den Gegenwartsromanen, so in„Mont salvasch".„Das Lächeln der Penaten“.„Revs. die Persönlichkeit" und auch in den Dramen„Die Brücke". „Jagt ihn— ein Mensch".„Das Gesetz in Dir". betrachtet Kolbenheyer die Nöte und Wirrnisse der Zeit und sucht leidenschaftlich und veranwortungsbewußt neue Gesetze für die Gemeinschaft zu erkämpfen. Die städtische Lesehalle besitzt folgende Werke des Dichters:„Meister Joachim Pausewang". „Die Kindheit des Paracelsus".„Das Gestirn des Paracelsus".„Das dritte Reich des Paracelsus", „Das Lächeln der Penaten“. Radsport Juleressante Fliegerrennen in der Westfalenhalle in Dortmund Die deutsche Nationalmannschaft der Bahn Der Deutsche Radfahrer=Verband, der mit den Vorarbeiten zu den Olympischen Spielen 1936 bereits vor vier Jahren begonnen und die besten Bahnfahrer aus dem Reiche zu einer Nationalmannschaft vereinigt hat. schaffte hierdurch einen Stamm guter Bahnfahrer, der in internationalen Wettbewerben den Beweis erbrachte, daß der beschrittene Weg der richtige ist. Zwei Weltmeister. Richter und Merkens, sind aus der Nationalmannschaft hervorgegangen, und alle bestrittenen Länderkämpfe konnte die deutsche Mannschaft bisher siegreich beenden. Um nun die Kräfte der Fahrer der Nationalmannschaft im Winter nicht verzetteln zu lassen und da uns auch nur noch Monate von dem großen Ereignis der Olymvischen Spiele in Berlin trennen. ist den Fahrern Gelegenheit gegeben. sich auch den Winter über durch Sonderveranstaltungen auf allen Winterbahnen in Deutschland in Form zu halten. An der Spitze der deutschen Bahnfahrer steht der Kölner Merkens. der neben einer großen Anzahl Siege auf allen deutschen Bahnen im verflossenen Sommer nicht nur die deutsche und die englische Reisterschaft siegreich verteidigte, sondern in London auch zum dritten Male endgültiger Sieger im Palmer Pokal blieb und alle Erfolge des Sommers mit dem Siege in der Weltmeisterschaft krönte. Merkens am nächsten kamen im Laufe der Saison Hasselberg. Lorenz. Ihbe und seine Landsleute Klöckner und Horn. die auch hauptsächlich bei den Auslandsstarts die deutschen Farben siegreich vertraten Nachstehende 17 Fahrer werden in einem Hauptfahren, und einem Zweisitzerrennen ihre Sprinterveranlagung am 5. Januar in der Dortmunder Westfalenhalle unter Beweis zu stellen haben: Merkens(Köln). Arndt(Kreseld). Klöckner (Köln). Jung(Dresden). Bartels(Berlin). Mertens(Dortmund), Ihbe und Karsch(Leipzig), Wiemer und Krehn(Berlin). Horn(Köln). Lorenz (Chemnitz). Riemann(Hannover). Walther(Ludwigshafen), Hasselberg(Bochum), Rosenlöcher (Dresden) und Hoffmann(Klein=Schinheim). geradlinige Augenbrauen, schmalen Mund. abstehende Ohren und abgearbeitete Hände. Zuletzt ist er mit einem Herrenfahrrad gesehen worden. Steuerkalender für den Monat Januar 1936 (Ausschneiden!) 6. Januar: Anmeldung und Zahlung der Lohnsteuer für die Zeit vom 16. bis 31. Dezember 1935 oder für den Monat Dezember bzw. für das 4. Vierteljahr 1935(für Kleinbetriebe mit nicht mehr als 5 Arbeitnehmern) an die Finanzkassen. 10. Januar: Umsatzsteuer=Voranmeldung und=Vorauszahlung für den Monat Dezember für Monatszahler und für das 4. Vierteljahr 1935 für Vierteljahrszahler. Zahlung an die Finanzkassen. Abführung des Steuerabzuges von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften für das 4. Vierteljaht 1935 an die Finanzkassen. Fälligkeit der ersten Rate der auf der Steuerkarte angeforderten Bürgersteuer für 1936. Zahlung an die städt. Steuerkasse. Einreichung der Getränkenachweisung und Zahlung der Getränkesteuer für Dezember an die städt. Steuerkasse. 15. Januar: Zahlung der Tilgungsraten für Ehestandsdarlehen an die Finanzkassen. Staatl. Grundvermögensteuer. Staatszuschlag. Gemeindezuschlag zur staatl. Grundvermögensteuer. Hauszinssteuer, städt. Entwässerungs=, Abortanschluß=, Straßenreinigungs= und Müllabfuhrgebühren für Januar. Zahlung an die städt. Steuerkasse. Zahlung der Gewerbelohnsummensteuer für Dezembei 1935 an die städt. Steuerkasse. Zahlung des Schulgeldes für Januar an die städt. Steuerkasse. 20. Januar: Zahlung der Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 15. Januar 1936 an die Finanzkassen. wenn mehr als 200 RM 25. Januar: Beiträge zum Reichsnährstand für das Rechnungsjahr 1935. Zahlung des 2. Jahresteilbetrages an die Finanzkassen Zahlung der Gemeindebiersteuer für November 1935 unter gleichzeitiger Abgabe der Anzeige an die städt. Steuerkasse. 31. Januar: Einsendung der Lohnzettel für Arbeitnehmer mit über 8400 RM. Arbeitslohn durch die Arbeitgeber an die Finanzkassen ohne besondere Aufforderung. Wenn die Steuern bis zum Ablauf des Fälligkeitstermins, spätestens jedoch bis zum Tage der öffentlichen Mahnung nicht gezahit werden, dann ist ein einmaliger Säumniszuschlag von 2 v. H. zu entrichten. Hande! Rütgers=Werke AG. in Berlin Durch den Ergänzungsprospekt zu dem Prospekt vom September 1934 über die Wiederzulassung von 23. Mill. RM. alten Inhaberaktien sind nunmehr auch die.8 Mill. RM. neuen Inhaberaktien, die aus der Umwandlung von Namensaktien verrühren und sich zum größten Teil im Eigentum von Banken befinden, zum Handel auf der Berliner Börse zugelassen worden. Die gesamten Umsätze im Jahre 1934 betrugen 86.70 Mill. RM., wovon aus eigene und Pachtbetriebe einschließlich Vedag Vereinigte Dachvappen=Fabriken AG., Berlin, 56.2 Mill RM entfallen, während sich der dem Beteiligungsverhältnis entsprechende Anteil der Rütgers=Werke an den Umsätzen der Konzerngesellschaften ausschließlich Bedag auf 30,5 Mill. RM. stellte. Im Jahr: 1935 haben sich die Umsätze der Menge und dem Gesamtwert nach in leicht steigender Richtung bewegt. Kheittisch Westfaltsch. Zilouiiliegeotei Ab 1. 1. 1936 neue Bergpolizeiordnung Die neue Bergpolizeiverordnung für die Steinkohlenbergwerke im Oberbergamtsbezirk Dortmund vom 1. Mai 1935 ist am 1. Januar 1936 in Kraft getreten. Sie trat an die Stelle der Bergpolizeiverordnung für die Steinkohlenbergwerke vom 1. Januar 1911 und ihrer verschiedenen Nachträge. Die neue Bergpolizeiverordnung unterscheidet sich von der vom 1. Januar 1911 äußerlich durch einen herabgesetzten Umfang, inhaltlich sind gegenüber der alten Verordnung große Unterschiede vorhanden, welche die Entwicklung der Bergtechnik seit dem Kriege kennzeichnen. Der Oberbergamtsbezirk Dortmund, für den die neue Bergpolizeiordnung Geltung hat, umfaßt die Provinz Westfalen, also die Gaue Westfalen=Nord und Westfalen=Süd mit Ausnahme des Siegerländer Bezirks, der als Erzbezirk zum Oberbergamt Bonn gehört. Außerdem kommt noch der Gau Essen=Niederrhein hinzu. Dieser Oberbergamtsbezirk ist unterteilt in 21 Bergreviere. Von diesen aus erfolgt die Ueberwachung der Zechen in bergpolizeilicher Hinsicht. Was ist im Januar in Dortmund los? Veranstaltungskalender des städt. Verkehrsund Wirtschaftsamtes (Vortragsreihe der Hochschule für Politik in der Hochschule für Lehrerbildung.) 8. Januar: 20—22 Uhr: Innenpolitik Deutschlands von 1871—1914— Bismarck und die Verjallsveriode Wilhelms II.(Dozent Dr. Hohlfeld. Dortmund). 14. Januar: Erblichkeitsgesetze und Weltanschauung (Gauamtsleiter Dr. Jeß. Dortmund). 15. Januar: Staatslehren der Gegenwart(Pros. Dr. Bäcker, Dortmund). 21. Januar: Erblichkeitsgesetze und Weltanschauung(Gauamtsleiter Dr. Jeß. Dortmd.) 22. Januar: Innenpolitik Deutschlands von 1871 bis 1914— Bismarck und die Verfallsperiode Wilhelms II.(Dozent Dr. Hohlfeld. Dortmund). 28. Januar: Erblichkeitsgesetze und Weltanschauung (Gauamtsleiter Dr. Jeß. Dortmund). 29. Januar: Staatslehren der Gegenwart(Prof. Dr. Bäcker, Dortmund). (Fortdauer der Ausstellung: Handzeichnungen alter Meister aus dem Staedelschen Kunstinstitut Frankfurt a. M(Wiedergaben) im Lesesaal der Stadtund Landesbibliothek.) 4. Januar: 20 Uhr: Weihnachtsoratorium von J. S. Bach, aufgeführt vom Bachverein unter Leitung von Gerard Bunk in der Reinoldikirche. 5. Januar: Amateur=Radrennen in der Westfalenhalle. 6. Januar: Sinfonie=Konzert im Stadttheater. 8. Januar: Ballett Rudolf v. Laban im Goldsaal der Westsalenhalle. 10. Januar: Konzert des Philharmonischen Vereins im Festsaal des Alten Rathauses, 11. Januar: 20 Uhr: Dichter=Leseabend im Festsaal des Alten Rathauses. Der Präsident der Reichsschrifttumskammer. Hans Friedr. Blunck, liest aus eigenen Werken. 12 Januar: 11.30 Uhr im Kunst= und Gewerbemuseum am Ostwall:„Die nordische Bronzezeit". Vortrag mit Lichtbildern und Vorführung von Originalen(Dr. Albrecht). 12. Januar: Handball=Turnier, veranstaltet von der Fachschaft Handball im Reichsbund für Leibesübungen in der Westfalenhalle. 18. Januar:„Die Nacht“,=Stunden=Mannschaftsrennen in der Westsalenhalle. 19. Januar: Erster Westfälischer Kulturtag. Verkündung des Westfälischen Literaturvreises im Vortragssaal der Stadt= und Landesbibliothek und im Festsaal des Alten Rathauses. 20. Januar: Kammerkonzert im Festsaal des Alten Rathauses. 23. Januar: Vortragsabend von Prof Rehberg im Festsaal des Alten Rathauses. 24. Januar: Gauleiter Kube spricht in einer Großkundgebung des Amtes für Beamte im Fredenbaum. 26. Januar: 11.30 Uhr im Kunst= und Gewerbemuseum am Ostwall:„Deutsche Bildnisse der Dürerzeit". Vortrag mit Lichtbildern und Vorführung von Originalen (Dr. Fritz). 29. Januar: 16.30 Uhr im Kunst= und Gewerbemuseum am Ostwall:„Altgermanische Kulturdenkmäler". Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Albrecht. Das endgüllige Programm der Westfälischen kulturtagung in Dortmund Dortmund. Für die auf Sonntag, den 19. Januar. in der alten Hansestadt Dortmund anberaumte Westfälische Kulturtagung ist das bereits von einem Teil der Presse veröffentlichte Programm in wesentlichen Punkten abgeändert worden, liegt jedoch jetzt endgültig fest. Danach wird die Tagung. mit der die Verkündigung des ersten westfälischen Literaturpreises verbunden wird, sich wie folgt abwickeln: Die vormittags 10.30 Uhr im Saale der Stadt= und Landesbibliothek Dortmund beginnende Arbeitstagung wird mit einer Ansprache des Landeshauptmanns Kolbow eröffnet. Dann folgen Vorträge von Landesrat Dr. Kühl über das Thema„Der Sinn der langschaftlichen Kulturpflege in Westjalen". Staatsarchivdirektor Dr. Meyer über„Aufbau und neue Zielsetzung der Landesgeschichtsforschung" und des Geschäftsführerss des Westfälischen Heimatbundes. Studienrat Dr. Schulte(Ahlen). über„Die westfälische Heimatbewegung. Zugleich mit dieser Tagung wird in der Stadt= und Landesbibliothek eine Ausstellung zum Schrifttum Westfalens anberaumt. Fstr Nachmittags.30 Uhr ist eine Sonderführung durch das im allgemeinen viel zu wenig beachtete, ungewöhnlich sehenswerte Dortmunder Kunst= und Gewerbemuseum geplant. Nnachmittags 5 Uhr wird im Sestsaale des Alten Rathauses ein Festakt abgehalten und durch eine Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Banike eingeleitet. Dann behandelt der Direktor der Stadt= und Landesbibliothek Dortmund. Dr. Schulz. in einem Vortrage das Thema„Vom deutschen Geist in der westfälischen Dichtung". Es ist gleichsam die Einleitung zu der dann folgenden Verkündigung des Namens des Trägers des ersten westfälischen Literaturvreises Der mit diesem Preise ausgezeichnete Dichter wird dann anschließend aus eigenen Werken vorlesen Die Tagung schließt abends mit einer Festvorstellung im Stadttheatei, wobei bemerkenswerterweise als deutsche Uraufführung das Drama des Detmolders Christian Grabbe„Herzog Theodor von Gothland" geboten werden wird. Junger Bergmann wird vermißt Herten. Seit dem 23. Dezember wird in Langenbochum der 32jährige Bergmann Hans Johann vermißt, der dort in dem Hause Lyckstraße 13 wohnte. Johann. der in der letzten Zeit an Schwermut gelitten hat, ist etwa.65 Meter groß und schmächtig. hat dunkelblondes. in der Mitte gescheiteltes Haar. niedrige, zurückweichende Stirn. braune Augen. Zu haben: In der Geschäftsstelle und bei den Boten des„Stadtanzeiger für Castrop-Rauzel und Umgebung“. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden beim Tode meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir allen, besonders dem Krieger- und Landwehrverein Castrop und dem HacketeuerVerein unseren innigsten Dank. Wilwe Karl Bongartz und Kinder. Herne-Börnig, im Januar 1936. Auch Sie müssen sparen! Darum solort den neuen Juno-DauerbrandSparherd für jede Kohle von Kirsch Castrop, Münsterstr. 21 Zum Stellenwechsel Den Hausfrauen, die gutes Hausversonal suchen. den Stellenlosen. die einen geeigneten Wirkungskreis ersehnen, und allen denen. die aus irgendeinem Grunde ihre Stelle wechseln oder sich verbessern möchten, sei geraten sich an unsere Geschäftsstelle Castrop=Rauxel 1, Münsterstr. 24 zu wenden. Diese vermittelt Personal=Anzeigen zu Originalvreisen. also ohne Spesenzuschlag, für das bekannte Dahern (über ganz Deutschland u. angrenz. Gebiete verbreitet.) Das Publikum hat nur nötig. die StellenAnzeigen für den Versonalanzeiger des Dazeim bei uns abzugeben und die Gebühren (kein Aufschlag) zu entrichten. Die Exzedition erfolgt prompt und vertraulich Sabtanzeiger für Castrop=Rauxel und Amgebung Miet-Verträge stets vorrätig Druckerei Geschw. 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