Kurescher zugleich ochenblatt für die Kreise Prilon, Büren, Stadt u. Amt Rüthen. No. Montag, 9. Mai 1853. Erscheint am Montag, Mitwoch u. Sonnabend und kostet in Brilon bei der Expedition 23 Sgr., durch die Post erzegen, portofrei, 27½ Sgr. halbjährlich. 39. Inserate und Bekanntmachungen kosten erstere 6 Pf., letztere 1 Sgr. die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum.— Briefe und Gelder werden franco erbeten. Politisehe Neuigkeiten. Berlin, 2. Mai. Nachdem im Regierungsbezirk Cöslin von Juden mehrfach Ehen geschlossen worden, ohne die in dem Gesetze vom 23. Juli 1847 für diesen Fall erforderlichen Erklärungen vor dem Richter abzugeben, hat die Regierung den unterlassenden Theilen eröffnet, daß ihre nach jüdischem Ritus geschlossene Ehe ohne nachträgliche Abgabe der gerichtlichen Erklärung keine bürgerliche Gültigkeit haben könne. Berlin, 3. Mai. Die Preußische Zeitung macht über die wegen des hier entdeckten Complotts veranlaßten Ermittelungen naus zuverlässiger Quellen einige Mittheilungen. Sie bestätigt die gleich in den ersten Tagen kund gewordenen Entdeckungen von Grauaten 2c, in Berlin, und fügt dann als Neues hinzu, daß später in Rostock nicht nur ebenfalls Granaten 2c. entdeckt worden seien, sondern sich auch Spuren ergeben haben, daß die Theilnehmer des Complotts eben so in Londou bedeutende Bestellungen von Hand-Granaten für Berlin und Rostock gemacht hatten. Auch die Original=Correspondenzen der betreffenden Personen seien so uunmehr herbeigeschafft, und zu Rostock seien zufolge dessen durch Hrn. Staats=Anwalt Nörner Geständnisse erlangt, durch welche das ganze Complott nunmehr klar enthüllt vorliege. — Den Nachrichten, welche neulich die Voss. Ztg. über die von dem Prinzen von Preußen zu den pommer'schen Abgeordneten gethanen Aeußerungen brachte, kann man außer der vollständigen Bestätigung jener Mitheilung, noch Folgendes hinzufügen. Der Abgeordnete zur ersten Kammer, Freiherr v. Senfft=Pilsach, Bruder des Ober=Präsidenten von Pommern, hielt sich für berufen, dem Prinzen die Abgeordneten vorzustellen; Graf Schwerin, der einzige anwesende Kammer=Präsident und als solcher allein zu jenem Amte berufen, ließ Herrn v. Senfft=Pilsach ungestört gewähren. Als aber dieser schon bei dem dritten Namen in Verlegenheit gerieth, trat Graf Schwerin vor und führte die von jenem begonnene Vorstellung zu Ende. Es folgte dann die ihrem Hauptinhalte nach bekannte Rede des Prinzen, deren Inhalt ganz dem Standpuncte des Preuß. Wochenblattes entsprach und die, nach dem Urtheile pommer'scher Abgeordneten, von jenem Standpuncte aus betrachtet, an Klarheit und Bestimmtheit nichts zu wünschen übrig ließ. Der Prinz hob in derselben auch tadelnd hervor, daß in der neusten Städte=Ordnung hinter die liberalen Principien der Städte=Ordnung von 1808 zurückgegangen sei, und erwähnte, wie er sehr wohl wisse, daß in der Rheinprovinz eine besonders durch das Verfahren in Betreff der Gemeinde=Ordnung von 1850 veranlaßte Mißstimmung herrsche. Als der Prinz geendet, unternahm es der Ober=Präsident der Rheinprovinz, in Bezug auf die Gemeinde=Ordnung eine den Aeußerungen Sr. Königl. Hohelt entgegenstehende Ansicht zu begründen, wobei indessen Graf Schwerin dem Herrn v. Kleist=Retzow in aller Kürze entgegentrat und, als dieser die Debatte fortsetzen wollte, darauf aufmerksam machte, daß hier wohl nicht die Gelegenheit zu einer Disputation sei. Auch hat, wie bestimmt versichert wird, der Prinz wenn auch nur kurz, so doch ganz den vorher geäußerten Ansichdem Ober=Präsidenten der Rheinprovinz geantSoruenen Ane Toge nach dieser Audienz wurde in der zweiten ein Antbheit and“; Frage berathen, ob den Gewerbs=Innungen v. Gerlach ducerte a, der Stadträhe einzuräumen sei. Her icher Seien, ala der su daß ihm sene chrislichen Bruderschaften keder seien, alb dir Freimaurer=Orden, der auf Principien beruhe, nicht in Einklang ständen; dies veranlaßte späterhin Herrn G. v. Vincke zu der Bemerkung:„es 1 scheine, als ob das gestrige Evenement bei den Mitgliedern der äußersten Rechten einen tiefen Eindruck hinterlassen haben, worauf denn nach einigem Anderen die zweite Bemerkung folgte:„das von Herrn v. Gerlach über den Freimaurer=Orden gefällte Urtheil müsse, um so mehr verwundern, als ein hohes Mitglied des königlichen Hauses Protector jenes Ordens sei. Berlin, 4. Mai. Der König, bisher der einzige Ritter des goldenen Bließes in Preußen, ist einer der ältesten Ritter dieses hohen Ordens, den Se. Majestät schon seit dem Jahre 1818 besitzt. Die Decoration, welche von nun an die Brust des Prinzen von Preußen schmücken wird, hat der berühmte spanische Feldherr der Feldmarschall Castannos, Duque de Baylen, bis seinem vor kurzer Zeit erfolgten Tode getragen.— Der Minister des Innern hat die Regierungen angewiesen, eine Zusammenstellung der gerichtlich erkannteu oder policeilich angeordneten Landes=Verweisungen und deren Veröffentlichung durch die Amtsblättter periodisch zu veranlassen. Berlin, 5. Mai. Der König der Belgier traf gestern Abends in der Begleitung des Kronprinzen, Herzogs von Brcdant, auf vea potsdamer Bahnhofe viersetbs ein. 6e 10 Potsdam, 2. Mai. Heute besichtigte Se. Maj. der König das erste Garde=Infanterie=Regiment und zog sämmtliche Officiere desselben zur Tafel. Außerdem hatten dazu auch sämmtliche hier wohnende Officiere, welche heute vor vierzig Jahren die Schlacht bei Lützen mitgemacht, und von Berlin aus diejenigen Offieiere Einladungen erhalten, welche diese Schlacht mit Sr. Mai. im ersten Garde= Iusanterie=Regimente mitgefochten. Breslau, 4. Mai. In der nächsten Zeit tritt hier, durch ein letztwillige Verfügung des verstordenen Commercienraths Fränkel begründet, eine Anstalt ins Leben, wie sie seither vielleicht in ganz Deutschland, gewiß in Preußen nicht eristirt, eine Bildungs=Anstalt für Geistliche jüdischer Confession. Das Grundstück ist bereits erworden, und an die Spitze des Instituts, welchem jetzt ohne Zweifel auch andere gläubige Juden ihre weitere Unterstützung gedeihen lassen werden, tritt der D. Heinrich Leo zum Prorecior Köln, 4. Mai. Gestern Morgens wurden von der Pelicei bei dem Bierwirthe Simons im„Kranzen die Abbildungen von Kossuth, R. Blum ue aes asihe ae eangeeneni, aau a aunr Hannover, 4. Mai. Die Stände wurden schon heute auf ihren eigenen Antrag wieder vertagt, nachdem sie die Geschäfte so weit vorbereitet haben, daß alle größeren Vorlagen der Regierung in Ausschüssen geprüft werden Frankfurt, 3. Mai. Dem hiesizen katholischen Stadt= und Dompfarrer geistl. Rath Beda Weber wurde in diesen Tagen das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Weilbach im Nassauischen durch eine Deputation überreicht. 4. Mai. Eine schaudererregende That hat heute abermals die hiesige Einwohnerschaft in große Aufregung versetzt. Heute Morgen nämlich wurde der Auelaufer der Versicherungsgeselschaft„Phönig= in dem Börsenlekale von mehren Stichwunden getovtet gefunden. Aus Kurhessen wird geschrieben, daß der Fabrikant G. Habich aus Veckerhagen, bei dem eine Haussuchung ohne Resultat stattgefunden, woran er fünf Tage lang ohne Verhör in einer Zelle des Amthaufes habe zubringen müssen, am 27. April von zwei Gendarmen begleitet in einer Postchaise n Boe e a. 2. Mass, Cestel abgersührt set. iz Wiagers versastet. ds Mosgens ward der Advoeat Mo. Wien, 27. April. Dem Vernehmen nach wird, nachdem der Fürst von Montenegro seinen Dank für den mächtigen Schutz Oesterreichs Sr. Maj: dem Kaiser abgestattet haben wird, die offizielle Anerkennung der Unabhängigkeit Montenegro's durch die österreichische Regierung erfolgen. Wien, 2. Mai. Das Ansinnen des Kaisers Napoleon wegen Auslieferung der sterblichen Reste des Herzogs von Reichstadt ist hier wirklich entschieden und bestimnt abgelehnt: Nicht politische Bedenken, sondern die Betrachtung, daß der Sohn der Erzherzogin Marie Louise, der Enkel des alten Kaisers Franz nicht aus seinem Grabesschlummer in die prunkvolle Bewegung eines neuen Leichen=Begängnisses gehoben werde, um vielleicht später wieder aus der Gruft von St. Denis in eine andere versetzt zu werden, soll die Motive zu dieser abschlägigen Antwort abgegeben haben. Bern, 2. Mai. Eine Note Würtembergs unterstützt Oesterreichs Begehren, betreffend die Flüchtlinge, und enthält das unerbieten der Mitwirkung zur Verständigung. Paris, 2. Mai. Vor einigen Tagen wurde eine große Trauerweide, die von einem Zweige der auf St. Helena das Grab des Kaisers beschattenden Weide von Hrn. Monneau aufgezogen wurde, nach der Besitzung des Kalfers in Villetreuve 1’Etang gebracht. Paris, 4. Mai. An den Maler Winterhalter ist amtlich die Aufforderung ergangen, die Kaiserin Eugenie zu portraitiren. Früher hat Winterhalter sämmtliche Mitglieder der Familie Orleans gemalt, als sie noch in den Tuilerieett wohnten. Andere Zeiten, andere Gesichter! Patis, 6. Mak. Einem Gerüchte zufolge ist die Kaiserin typhuskrank. Nach Berichten aus Madrid vom 3. Mai ist durch Decrei die beabsichtigte Conversion eines Theiles der Staatsschuld suspendirt worden. Madrid, 29. April.„Die allgemeine Ansicht, daß das jetzige Ministerium nur ein vorübergehendes sei, scheint sich zu bestätigen. Der Finanz= Minister Vermudez de Castvo hat seine Entlassung eingereicht. Die Königin hat sie nicht angenommen: Es ist jedoch ganz sicher, daß die Minister=Krisis fortdauert. Madrib, 30. April. Die Stellung des Ministeriums Lersundy scheint erschüttert. Der Finanzminister Hr. Bermudez de Castro hat heute seine Demission eingereicht, die Königin jedoch dieselbe nicht angenommen: Indeß ist es gewiß, daß die ministerielle Krisis fortwährt. Italien. Der Syndicus von Turin hat eine Bekanntmachung erlassen, worin angekändigt wird, daß der Gemeinderath eine Commission ernannt hat, die eine Liste aller Turiner anfertigen soll, welche in den italienischen Freihzeits=Kämpfen von 1848 und 1849 gefallen sind. Die Namen derselben sollen auf Marmortafeln eingegraben und in dem Stadthause aufgestellt werden. Mailand, 38. Aptil. Auf Ermächtigung des Feldmarschalls Radetzky hat Graf Giulay eine Milderung des Belagerungs=Zustandes eintreten lassen. Hiernach ist das Zusammentreten aller gesetzlichen Vereine wieder gestattet und bleiben di Stadtthore, mit Ausnahme zweier, von 4 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends offen. Die sonst zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit erforderlichen Maßregeln bleiben aufrecht. Mailand, 30. April. Eine große Anzahl Neapolitaner von Bedeutung, u. A. der in das Attentat vom 15. Mai und in den Aufstand in Calabrien verwickelte M. J. Ricciardi, sind von den hohen Special=Criminalhöfen von Neapel zwei Mal zum Tode verurtheilt worden. Diese Verurtheilten haben für ihr Leben nichts zu fürchten, da sie alle flüchtig sind. Die ungeheuren Kosten des Doppelprocesses aber werden sie financiel ganz zu Grunde richten, wenn die Urtheile in ihrer ganzen Strenge in Ausführung gebracht werden. London, 30. April. Die Tause des neugebornen Prinzen wird gegen Ende Juni stattfinden. Der König von Hannoder, die Prinzessin von Preußen, der Fürst von Hohenlohe=Langenburg und die Prinzessin Marie von Cambridge sollen die Taufpathen sein. — 2. Mai. Mad. Beecher Stowe befindet sich gegenwärtig in Schottland. Ihre Reise in Großbritannien ist ein wahrer Triumphzug. Wo die Verfasserin von Onkel Tom's Hütte hinkömmt, wird sie mit Festessen, Meetings und dergleichen Demonstrationen gefeiert. In London werden nunmehr große Vorbereitungen für den Empfang der berühmten Schriftstellerin getroffen. Am 14. Mai wird ihr zu Ehren ein großes Gastmahl in der Freimaurerloge gegeben werden. London, 2. Mai. Unterhaus=Sitzung. Die für dus Schicksal des Budgets entscheidende Debatte über Sir Bulwer Lytton's Amendement wird fortgesetzt.[Dieses Amendement enthält einen Protest gegen die Beibe haltung der Einkommensteuer für weitere sieben Jahre, gegen ihre ungerechte Vertheilung und gegen ihre vorgeschlagene Ausdehnung auf Einkommen unter 150 L.]— Vei der Abstimmung wird das Amendement mit 323 gegen 252 Stimmen verworfen. Majorität für die Regierung 71. Warschau, 28. April. Glaubhafte Personen versichern, der Kaiser werde in der ersten Hälfte könftigen Monats hier ein= und mit dem Könige von Preußen und dem Kaiser von Oesterreich zusammentreffen; einer anderen Version zufolge würde er am 15. Mai sich nach Wien begeben. 30. April. Die in die magyarische Revolution verflochtene Gräfin Blanka Telecki, welche seit drei Jahren im Neugebäude in Haft gesessen, indem ihre Untersuchung sehr complicirter Natur war, ist zu zehnjährigem Arrest verurtheilt worden. Türkei. Eine Correspondenz aus Konstantinopel spricht von einer Verschwörung der alttürkischen Partei gegen das Leben des Sultans und in Folge dessen vorgenommenen Verhaftungen. Konstantinopel, 18. April. Die russisch=türkische Frage verwickelt sich jeden Tag mehr und mehr. Rußland stellt das Verlangen einer Zurücknahme jenes Fermans, welcher den Katholiken die Bewilligung ertheilt, am Grabe der heil. Jungfrau zweimal die Woche zu beten. New=York, 20. Aptil. Der schon seit längerer Zeit schwer erktankte Vice=Präsident der Vereinigten Staaten, Rufus King, ist vorgestern auf seinem Landsitze gestorben. — Aus Mexico sind Nachrichten bis zum 6. u. aus Vera=Ernz bie 12. April. Nach der letzteren war der Empfang Santa Anna's in Vera=Cruz am 1. April nicht kalt, wie es früher hieß, sondern enthustastisch. Am folgenden Tage, 2. April. veröffentlichte er ein Manifest an die Nation, worin er sich berufen erklärt, das Vaterland aus dem Abgrunde der Anarchie und des Aberglaubensn zu heben. Es sei fern von ihm, alte Kränkungen rächen zu wollen. Allen Feinden sei vergeben. Am 6. April reisste Santa Anna nach Mexieo, zu dessen Präsidenten er nun das fünste Mal gewählt ist. Mittheilungen aus den Kreisen. Fürstenberg, 5. Mai.(Personal=Chronik.) Der Kreisrichter Sommerwerck von hier ist an das Kreisgericht zu Hagen setzt. Geschichten aus dem Leben. 1. (Fortsetzung und Schluß.) Amanda. 7. Eine schwere Kopfverletzung war die Folge des unglücklichen Falles gewesen. Der Arzt des Hauses erklärte den Zustand des Kranken für sehr bedenklich. Nachdem die Wunde vom Blut gereinigt und der Verband angelegt war, empfahl er die größte Ruhe und sorgfältigste Pflege des angesehenen Fremden, wenn derselbe gerettet werden sollte. Wem hätte man diesen nun besser anvertrauen können, als der zarten und aufmerksamen Schwester Amanda? Sie ahnte nicht, wie nahe ihr einst der Mann gestanden, welcher ihrer besondern Obhut übergeben wurde. Auch fragten die barmherzigen Frauen nicht nach Stand und Geburt der Leidenden; es galt immer das Leben derselben zu lindern und zu erhalten. In der ersten Aufregung und da das blauunterlaufene Auge, das durch den Verband etwas hervorgetriebene und aufgeschwollene Gesicht die äußere Veränderung des inzwischen vom Jünglinge zum Manne Gereiften nur vermehrten, so erkannte sie denselben nicht gleich wieder. Der Kranke lag im bewußtlosen Schlummer; sieberhafte Zufälle gesellten sich hinzu. Indeß folgte bald größre Ruhe, die Geschwulst nahm ab und das Antlitz wurde klarer. Das Auge der Liebe aber verliert auch unter dem klösterlichen Schleier seine Schärfe nicht, und ihr Gedächtniß, das zwar still vor der Welt sein Geheimniß ängstlich verbirgt, stirbt doch niemals. Adele erkannte die Züge des eher mals so sehr geliebten Mannes; es war kein Zweifel nach Allem, was sie fah und hörte, daß es kein andrer, als Friedrich sein konnte. Sie erschrak heftig, verbarg jedoch ihre innere Erregtheit und zog sich, wie sie bei jeder Gemüthsbewegung zu thun pflegzte, in ihre Zelle zurück, um sich von der Ueberraschung zu sammeln. Nur diese Prüfung, bat sie den Himmel, ihr noch bestehen zu helfen, und das schien ihr eine höhere Fügung, daß sie noch auf solche Weise die Trösterin und Retterin des längst verloren geglaubten Freundes werden mußte. Niemand in ihrer Umgebung wußte ja von ihren reinen Jugendverhältnissen und durfte je davon erfahren, und da es keinen schicklichen Vorwand gab, sich der Pflege des Verunglückten zu entziehen, der doch unter andren Händen nie so treu und sicher hehütet gewesen wäre, so hoffte sie wenigstens und beruhigte sich damit, daß Hüllen sie, die er gewiß nicht an dieser Stätte vermuthete, nicht erkennen würde. So sucht die Liebe selbst nach Täuschungen. Stundenlang betrachtete sie nun den Wiedergefundenen mit unsäglicher Theilnahme; sie war glücklich, für ihn noch wirken zu können, es dünkte ihr eine besondre Gnade des Himmels, und sie verdoppelte ihre Sorgfalt um den Kranken. Alle Träume und Erinnerungen der schönen Zeit stiegen in der Seele des edlen Mädchens auf; sie klagte nicht ihn an, der sie verlassen, sondern die Verhältnisse, die ihn dazu gezwungen, wie sie meinte, und schwelgte selig in dem Genusse zener selbstvergessenen Liebe, die nur an dem einen Gegenstande hängt und froh ist, wenn sie unbelauscht und ungesehen nur in seinem Anschauen sich versenken kann. So ruhete ihr verklärter Blick unverwandt auf dem Geliebten, als hätte sie einen wieder gefundenen Bruder zu bewahren, und sie saß lange, lange an seinem Bette. Der Kranke hatte immer, wie schlafend, vor sich hingelegen, und kaum bemerkt, was um ihn vorging. Plötzlich schlug er das Auge auf. Adele erschrak. „Wo bin ich Pn fragte er verwundert. Sie theilte ihm schonend mit, was ihm begegnet, daß er hier wohl aufgehoben sei und, wenn er nur ruhig bliebe, wie der Arzt dringend verordnet habe, werde er gewiß binnen Kurzem ganz hergestellt sein. Er schien wieder zu schlummern; aber er schloß die Lieder nur, um die wirren Gedanken und Vorstellungen, die seine Seele durchkreuzten, zu ordnen. *nEntschuldigen Sie, ehrwürdiges Fräulein," begann er wieder, = Sie haben so täuschende Aehnlichkeit mit einer Jugendbekanntin von mir, die mir einst sehr, sehr theuer war und es— noch ist, daß ich Sie fest dafür halten möchte, wenn— auch Sie sind so mild und sanft....... „Man findet solche Aehnlichkeiten häufig,“ entgegnete sie ausweichend; aber ihm war die Bewegung des Mädchens, ihr Erröthen nicht entgangen. „Adele,“ rief er, indem er sich im Bette erhob und sie fest anblickte, zAdele, verbirg dich mir nicht länger! denn Du bist es; nein, es ist nicht bloßer Traum: eine Heilige stehst du vor mir. Stumm sah ihn die Erkannte an.„Friedrichs, sagte sie dann ruhig, wlaß uns die Gegenwart nicht durch unnützes Erinnern noch mehr trüben. Seit Du dich von mir wandtest, ich weiß nicht warum, habe ich mit der übrigen Welt abgeschlossen, und hier eine Zuflucht gefunden. Der stolze, ehrsüchtige Mann fühlte sich in diesem Augenblicke so klein, so armselig diesem schwachen Weibe gegenüber. „Daß ich Dich verlassen konnte, Du Brave, ist die größte Missethat, oder nenne es lieber Verirrung. Denn ein unseliger Wahn nach Ruhm und Größe lenkte mich von dem Glücke eines bescheidenen, einfachen Looses ab. Aber noch ist es Zeit zur Umkehr: Dir, der ich die Freude des Jünglings und nun auch mein Leben verdanke, Dir soll es gewidmet sein. Ich habe jetzt Stellung und Vermögen; ich din noch frei: komm mit, komm und werde wieder der schützende Engel meines Daseins! „Wenn ich auch wollte., sagte sie schonend, nes geht nicht mehr. Laß das Alles vergessen sein, und Du wirst an der Hand einer mehr für das Lehen der großen Welt, die Anspruch auf Dich hat, Geschaffenen glualich Werven.: Sie deutete auf ihr Ordenskleid, und machte iyn auf feinen Zustand aufmerksam, der keinerlei Aufregung vertrage.n schweren Verband; sein Kopf brannte. Also nur wieder gesehen, Geliebte, um Dich für immer n, um die Größe meines Verlustes noch giefer zu emPhoshe sih g wäre diese Schickungs. Um Deinetwillen werden: wüc seistich werden, setzt bist Du es durch mich ge, Kunderbarer Wechsel des Lebens! nun auch dem Elende eines veröbeten Herzens überlassen willst, Lindre wenigstens dasselbe, lindre die Quahen dieses Augenblicks, vielleicht meines letzten, durch das Wort der Versöhnung und Vergebung! seufzte er. O.sprichz, nicht so, Freund,— ich habe Dir sa vie gezürnt, nicht eine Minute,— ich habe das Andenken an meine erste und einzige Liebe immer treu bewahrt,—— jetzt— jetzt will ich immer für Dich beten, das ist Alles, was ich noch für Dich thun kann. So wie sie da vor ihm stand die schöne, jugendliche Gestalt mit dem holden anmuthigen Gesichtchen, das aus der einförmigen, schwarzen Kleidung wie milder Mondenschein aus rings verfinstertem Himmek erglänzte, kam sie ihm noch reizender, noch begehrenswerther, noch idealer vor. Er streckte ihr, als wolle er nur die Bekräftigung ihrer Versicherung und eine Stütze für sich, so bittend und reumüthig seine Hand entgegen, daß sie die ihrige reichen mußte. Da lagen die Hände wieder in einander, die einst sich für eine Ewigkeit umschlungen und verlobt hatten, und die Arme, die einst vor Freude und Entzücken hätte laut aufjauchzen mögen, wie die in einer Frühlingsnacht erblühete Blume freudig sich der Sonne zukehrt, hatte jetzt demselben Manne gegenüber, wie er sie voll Liebe anblickte, Kampf und Noth, vor Wehmuth sich aufrecht zu halten. Friedrich preßte ihre Hand fest in die seinige.„Adele-, sagte er feurig,„Adele, Du bist mein, mein Engel, und Du sollst, Du mußt es bleiben.n Noch einmal flackerte die Seele des jungen Mannes auf, wie ein verlöschendes Licht; noch einmal kehrte die Kraft und Begeisterung der Jugend wieder. Er war nun der Liebende, sie die Geliebte. Mit heiligem Ungestüm zog er die halb Wiederstrebende an sich und bedeckte sie mit unzähligen, glühenden Küssen,—— sie ruhete an seiner Brust. Nur ein Moment,— dann riß sie sich gewaltsam aus seinen Armen und eilte fliehend der Thüre zu. „Adele.! rief es ihr nach, so erschütternd, so flehend, als käme der Ruf aus dem Grabe, daß sie sich unwillkührlich umwandte. Der Kranke war bereits auf die Kissen zurückgesunken; die Arme hingen schlaf an ihm herunter, das Haupt war ein wenig geneigt; war starr und kalt: ein Sterbender hatte sie gerufen. Eine starke Congestion nach dem Gehirn, in Folge der Aufregung, hatte seinem Leben schnell ein Ende gemacht. Adele sank in die Kniee und drückte ihr Gesicht in seine kalten Hände. Was sie auch betete, sie lag mit ihm vor Gott. Darauf erhob sie sich gefaßt, und meldete den plötzlichen Tod des Fremden. Sie weinte nicht; sie war ganz ruhig, sie wankte ihre Zelle zurückkehrte. Auch solche Einsamkeit, auch das Kloster kann dem Weibe die Liebe nicht völlig nehmen. Nun wird mein Leben ein Sterben sein., tröstete sie sich, und im Tode beginnt erst mein Leben.“ Sie hatte wahr gesprochen; sie wurde täglich blasser, ein schleichendes Fieber zehrte an ihrem Leben. Wer sie sah, bedauerte dir fanser, schöne Schwester Amanda, die sich für die Menschheit opfre, aber Niemand ahnte, daß sie am gebrochenen Herzen gestorben war, als man sie kaum ein Jahr nach Friedrich's Beerdigung eines Morgens todt auf ihrem Lager fand, eine bleiche Lilie.— Handel und Industrie. Leipzig, 30. April. Die nun gänzlich beendigte Messe hat auch für Kleinhändler ein günstiges Ergebniß geliefert, trotz des unaussprechlich schlechten Wetters, das nur durch wenige günstige Tage unterbrochen wurde. Freilich würde sich das Ergebniß für die Verkäufer bei günstiger Witterung noch weit besser herausgestellt haben; aber gegen die letzten Messen ist die dießmalige als eine gute, auch für den Kleinhandel zu erklären. Besonders großen Absatz fanden auch hier Luxus= und Modeartikel, erzgebirgische Stickereien, voigtländische weiße Waaren, seidene Bänder 2c. Das Eine, worüber die Fabrikanten noch klagten, waren die Preise, welche mit den Preisen der Rohstoffe noch immer in keinem Verhältnisse stehen, und worunter zunächst und am meisten die armen Arbeiter zu leiden haben.— Was die Buchhändlermesse anlangt, so befanden sich ziemlich viel auswärtige Buchhändler hier. Die Zahlungen wurden im Allgemeinen prompt geleistet, doch war der Absatz der Bücher durchschnittlich gering, so daß die Messe keineswegs als eine gute bezeichnet werden kann. Den besten Absatz haben noch die lexikalischen und encyklopädischen Werke, die Klassiker und die wissenschaftlichen Fachschriften, insofern letztere berühmte Namen zu Perfassern haben, gefunden. Redigirt unter Verantwortlichkeit des Verlegers. Verfügung. In der Sache des Herrn Kreissec= retairs Göbel zu Corbach, Klägers, gegen Georg Strube aus Odershausen, Beklagten, Forderung betr. wird dem nach vorgelegter Bescheinigung in unbekannter Ferne abwesenden Verklagten die nachstehende Klage vom 26. April d. J. Beklagter erhielt von mir als Darlehn am 14. Juli 1843 3 Thlr., am 17. Juli 1843 17 Thlr., in Summa 20 Thlr. und bestellte dafür, und für die versprochenen Zinsen und etwaigen Kosten die Nutzungen aus seinem bei Lelbach und Corbach gelegenen Grundstücken. Die Anlage A. docu mentirt dies. Dann erhielt derselbe weiter, unter gleichen Verhältnissen, von mir am 3. December 1844 1 Thlr. Ferner ist mir derselbe aus einer Proceßsache, die ich als Advocat für ihn führte, und die das Rubrum führt: Georg Strube in Odershausen, Kläger gegen Georg Stockhausen in Lelbach, Verklagten, Pachtgeld betr., an Kosten schuldig geworden 8 Thlr. 4 Sgr. 3 Pf., und nehme ich von den baaren Auslagen die mir gesetzlich gebührenden Zinsen in Anspruch. Auch wegen dieser Forderung habe ich durch die bei den angezogenen Acten befindliche Vollmacht Hypothek auf das gesammte Vermögen des Beklagten. Zum Beweise dieser Forderung producire ich die Anlage B. und bitte, die betreffenden Acten zu adjungiren, die Kosten festzustellen und zur Zahlung zu decretiren. Soweit die Anlagen und die zu adjungirenden Acten den Beweis der Thatsachen nicht herstellen sollten, schiebe ich dem Beklagten eventuell überall den Eid zu. Beklagter ist nun in unbekannter Fremde abwesend, wie die Anlage C. darthut, weshald es erforderlich wird, daß er öffentlich geladen werde. lst Einrückung in öffentliche Blätmit dem Hinzufigen mitge vortheithatte Otterte. theilt, daß zur öffentlich mündlichen ches in verschiedenen Verhandlung der Sache Termin auf der kandlunger bortiade ter Weotre.. turg Seimin auf den 28. Juli d. J., Morgens 7 Uhr vorbezielt werde, worin alle AngriffsVertheidigungs= Beweis= und Gegenbeweismittel bei Strafe des Ausschlusses vorzubringen sind. uud gengen vegruntpet hat, beabsichtigt zur weitern schscs s scee einen: dortigen, dazu qualifiteirenden Geschäftsmanne, der dies Geschäft mit dem seinigen zu verbinden Sezianeten Dome tderrazn; oder auch selbst einer peregzucten Dame anzuvertrauen, die zu der einbefähigt, dadurch eine angenehme dürste.— Jag augemessene Eristenz erlangen 4000 Seit 4us8 aus 3 bis 4000 Hefren der besten und neuesten Musikstücke be'sher gaud stets mit Nova unterhalten werden, Alle weitern Verfügungen in dieser situte geignet, Lech= InSache sollen dem Verklagten nur durch unter billigen Bedingungen sehr willkommen sein Anschlag an die Gerichtslade bekannt! Be gemacht werden. Corbach, am 28. April 1853. Fürstl. Waldeck. Kreisgericht, Abth. II. In Vertretung: 327.) 8 F. Verding. Die an dem Gerichts=Gebäude zu Medebach im laufenden Jahre auszuführenden Anlagen, veranschlagt: 1. an Maurer=Arbeiten mit Material zu 479 Thlr. 2. z Schreiner=Arbeiten zu 127. 3. u Anstreicher=Arbeiten„ 132„ 4.## Beschaffung einer Schlaguhr z 106„ sollen am 24 d. Mts. Nachmittags 4 Uhr werden 200 Rthlr. als eteräest Sacreceure di jedoch von den e lg un2-Einnahmen und Pränumerationen, um lost einer unbemittelten, sonst ehrenhaften Person den nöthigen Credit zu eröffnen und die Uebernahme zu ermöglichen, zurückgezahlt werden sollen. Das Nahere wird auf frankirte Anmeldungen. 84. 9 Treoden na9 Verlin, Leizigerstraße Nr. der Einiaung mitgetheilt, und bei de—#ligung dem resp. Interessenten das Spezielle für seinen Ort nur allein anvertraut. 329.) □ 80 gute Erd=Arbeiter finden sofort Arbeit beim schen ein in Ramsbeck. 330.) ittelpreise der Früchte auf den Märkten pr. derl. Scheffel. Unternehmer, welche ihre Qualification spätestens im Termine selbst nachweiiß er öffentlich geladen werde. tion von 25 Procent der betreffenden Da immittelst Herr Advocat Rhode! Anschlagssummen oder eine genügende pothek stehenden Grundstücke verkauft! Brilon, 4. 9 ngmentlich an 1 Drilon, 4. Mai 1853. Der Bau=Inspector 328.) Hassenkamp. hat, namentlich an Beigeordneten Chr. Wille zu Lelbach eine Wiese für 83 Thlr., an Fr. Stede daselbst ein Land für 13 Thlr., an Philipp Illian daselbst ein Land für circa 48 Thlr., wovon dem Beklagten die Hälfte gehört, so ist erforderlich, daß zunächst zu meiner Sicherung Beschlag auf die Kaufgelder gelegt werde. Die Bitte geht nun dahin: 1. Die gedachten, dem Georg Strube Gel d- Cours. Neuethaler.... 1 Thlr. 17 Sgr.— Pi. 5 Fr. Stücke 1„ 10„ 6* Napd'or... 5„ 12„ 6* Preuss. Frdor... 5„ 20"—* Ausl. Pistolen 5„ 16„ 6* Holl. 10 Guldst... 5" 18"—* Zur Warnung für das Puolitum. Alles was hier und in der Umgegend von Andern unt. d. Nam.„Dr. Borchardt“sche Seife“, sowie„Klettenwurzel=Oels, verkauft wird, ist unecht, elleee Spen Geora Strube; da mir von den Erfindern für hief. Kreis die alleinige Niederlage übersetin tragen ist und dieselben für einen Kreis nie mehr als ein Oepöt errichten. und den genannten Käufern mit Ar. Jur Bequemlichkeit, namentlich der Damen, habe ich von diesen Artikeln nur der alage Ffaich Pschen“ T8 gebenru,ii. eupenburg andem autz eine altze 2. Den Bellagen zur Beantwortung bei Fräulein. chwister Ruchenburg Audern auch eine solche versiben dann zur Jallung dr Das oben Gesagte, die Sug,esnat burch dies Blatt versfentüichen. elaunr a. e see an e. en. Soe. ie in hersboen Weanase seuntgzugk Posten, nebs den Ziusen) mund=Gat... e. au gur die nGoldberger'schen Rheumatisund Kosten schulbig zu errennen und mins=Relien= und jül VDr. Suln de Boutemaras Hahnpastau auphelen. weiche ehersals alchf zu hor uui. ben sind. M. Friedländer. Erst Sonne der Post v. halbj Druck und Verlag von N. 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