Ganertänrischer Aulzilge. zugleich ochenblatt für die Kreise Prilon, Büren, Stadt u. Amt Rüthen. Erscheint am Montag, Mitwoch u. Sonnabend und kostet in Brilon bei der Expedition 23 Sgr., durch die Post bezogen, portofrei, 27½ Sgr. halbjährlich. AO. 40. Sonpavend, 23. April 1853. Inserate und Bekanntmachungen kosten erstere 6 Af., letztere 1 Sar. die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum.— Briefe und Gelder werden franoo erbeten. ### Die Besteuerung der Die preußische zweite Kammer hat eben einem Gesetzentwurf der Regierung ihre Zustimmung ertheilt, welcher folgenden Inhales ist. Vom Jahre 1854 an soll von dem Reinertrage der Eisenbahnen(auch für das Betriebsjahr 1853) eine Steuer, die sich nach der Höhe des Reinertrags abstuft(Progreßivsteuer) erhoben und der Ertrag derselben dahin verwendet werden, daß mittels desselben Stammaktien der Gesellschaften angekauft und die Zinsen und Dividenden zum allmäligen Ankauf der Privateisenbahnen benützt werden.— Diesen Vorschlag wollen wir jetzt kurz ins Auge fassen und uns über das Prinzip jeder Steuer nächstens aussprechen. Wir kämpfen weder, wie es die Kölnische Zeitung thut, gegen das Communistische, das unbewußt darin liegt, wenn man auf Kosten der Aktiengesellschaften die Fahrpreise herabsetzt und die Bahnen besteuert, noch gegen das=Gehässige= einer Progreßivsteuer. Wenn man Alles, sogar die Presse, das geistige Brod der Nation, besteuert, warum soll ein lucratives Unternehmen, wie es der Eisenbahnbetrieb immerhin ist, verschont bleiben? Consequenz in den Grundsätzen— sogar in falschen— ist die Stärke der Regierung. Ganz folgerichtig hat die Kammer dieses Gesetz angenommen, wie sie früher das Gesetz über die Befreiung der Rittergüter von der Grundsteuer zurückwies. Wogegen wir uns aussprechen, das ist der eigentliche Kern des Gesetzes. Der Handelsminister bezweckt nämlich damit die allwälige Verwandelung der Privateisenbahnen in Staatsbahnen, der Privatbeamten in Staatsbeamten. Insofern trägt das Gesetz den Stempel der Centralisation, die wir in dem jüngsten Leitartikel dieses Bl. als bedenklich darstellten. Wir verkennen nicht die gute Absicht der Regierung, wir wissen und haben es erlebt, daß das reisende Publikum sich besser steht bei Staats= als bei Privatbahven, die sich in den Verwaltungsmechanismus noch nicht hineingefunden. Rechtfertigen können wir aber deshalb nicht die Theorie, wonach alle industriellen Unternehmungen in der Hand der Regierung zusammenfließen und die letztere sogar als Geschäftsmann sich betheiligen soll, wie es z. B. bei der Seehandlung der Fall ist. Dadurch erlangt man zwar einen streng büreaukratisch gegliederten Verwaltungsgang, erdrückt aber den freien Aufschwung der Volkswirthschaft und Industrie, deren Pulsschlag nur in ungehemmter und unbevormundeter, auf freie Vereinigung ruhender Thätigkeit der Privaten liegt. Die beiden industriellen Koryphäen unseres Jahrhunderts, England und Nordamerika, die sich in diesem Augenblick fast selbst zu übertreffen scheinen durch jene Unternehmungen, wodurch sie Weltmeere und ferne Länder verbinden, kennen den Begriff einer Staatsindustrie nicht. Die ganze Thätigkeit ihrer Regierungen erstreckt sich auf den Schutz, die Zinsgewähr, die sie den Industriellen angedeihen lassen. Als man in Paris 1848 öffentliche Arbeitshäuser errichtete und die Socialisten und Communisten die Herrschaft des Staatsabsolutismus dadurch zu begründen strebten, daß sie die Leitung der gesammten Arbeit in die Hand der Regierung legen wollten, da ließen sie sich bewußt von demselben Gedanken leiten, der unbewußt in allen Projekten steckt, die, wie das neue Eisenbahngesetz, der Schaffungslust der Privaten einen Riegel vorschieben. Die Umgestaltung der neuern Volkswirthschaft, der Drang nach Association und Entfesselung von allem unnöthigen Beiwerk, die freie Concurrenz, welche, wo sie einmal besteht, durch keinen Staatszwang gehemmt werden kann; der Verkehr der Nationen unter einander, der immer rascher dem Freihandel zueilt; das sind Erscheinungen, die den schroffsten Gegensatz gegen eine polizeiliche Bevormundung der Gewerbsthätigkeit bilden. Der Pascha von Aegypten war lange Zeit der einzige Handelsmann, er verkaufte die Baumwolle und die Folge davon war eine totale Verkümmerung dieses Handelszweigs. In Rußland sind alle Berzwerke bis auf die neueste Zeit in der Hand der Regierung gewesen und haben an Ertrag nicht den 50ten Theil dessen geliefert, was sie anderwärts unter schlechten Constellationen einbringen. In Japan, China u. s. w. war es ebenso, und wollen wir zum Schluß ein recht auffälliges Beispiel, so dürfen wir nur auf die spanischen Quecksilbergruben hinweisen. Politisehe Neuigkeiten. Berkin, 16. Aprsl. Zu Ehren des gestern Ahende hier eingetroffener Kurfürsten von Hessen fand heute große Perade Statt. Die hohen Herrschaf; teu verkehren mit ihrem Gaste auf das Innigste, und Alles zeigt, daß des frührre herzliche Verhältniß zwischen den Höfen von Berlin und Kassel wieder hergestellt ist. Se. Maj. der König wird bald nach der Abreise des Kurfürse ten von Hessen den beabsichtigten Gegenbesuch in Wien abstatten. Berlin, 17. April. Was man in Wien eigentlich will und in den diplomatischen Verhandlungen nicht auszusprechen wagt, das spricht ein der östenreichischen Gesandtschaft in Turin ungewöhnlich nahe stehender Correspondent von Zeit zu Zeit mit llaren, unverschleierten Worten aus: Oesterreich duldet nicht länger das Ministerium Cavour, und da nach Beseitigung desselben durch äußere Einflüsse überhaupt kein liberales Ministerium mehr möglich ist, so könnte nur ein Ministerium der äußersten Rechten an die Stelle des gestürzten treten. Mit einem solchen Ministerium würde dann Graf Buol auch noch ferner in der Confiscations=Angelegenheit unterhandeln. Natürlich müßte ein derartiges Ministerium vor allem Andern die Dreßfreiheit, die Religionsfreie heit und die Civilehe wieder abschaffen. So lange es nicht dahin gekommen st, bleibt Piemont ein Pfahl im Fleische Oesterreichs. Berlin, 18. April. Eine aus speciellem Anlaß von dem Policei=Prösidenten, Herrn v. Hinckeldey, neuerdings an die Zeitungs=Redaktionen erlassene Verfügung bestimmt, daß Decrete des Präsidiums nur dann, wenn sie von dem Herrn Präsideuten oder dessen Stellvertreter gezeichnet den Redactionen zur Veröffentlichung übersandt werden, veröffentlicht werden dürfen. Berlin, 18. April. Die Erste Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung den von der Zweiten Kammer angenommenen Gesetzentwurf, wodurch die Legislatur=Periode der Zweiten Kammer auf sechs Jahre festgesetzt wurde, abgelehnt. Kassel, 15. April. Die hiesige Zeitung bringt in ihrem amtlichen Theile ei ne Verordnung vom 13. April 1858, wegen Aufhebung des Gesetzes vom 29, October 1848 die Religionsfreiheit und die Einsührung derbürgerlichen Ebe betreffend. Kassel, 15. April. Der Minister Hassenpflug erklärte, die Kammer möge die Frage wegen der Tafelgelder der Minister als eine Vertrauens=Frage b### trachten. Die Verhandlung endigte damit, daß die Proposition und der Ausschuß=Antrag verworfen wurde. Hierauf erklärte der Präsident, daß noch eine geheime Sitzung sei. Bei der Abstimmung fiel auf, daß der Präsident drei Mal abstimmen ließ, während dessen Hr. Hassenpflug die Bürgermeister ernstlich fixirte, aber jedes Mal ohne den beabsichtigten Erfolg; nur einige schieuen schwach zu werden, denn die Majaritöt wurde wirklich kleiner. Bremen, 13. April. Die hiesige Schützengilbe ist aufgelöst worden. Nachdem man von Seiten der obersten Polizeibehörde den Vorstand angegangen war, 17 bei der Todtenbundsangelegenheit gravirte und deßhalb noch in Untersuchung befindliche Mitglieder zu excludiren, soll derselbe erwidert haben, daß es nicht in seiner Befugniß stände, Namen von Mitgliedern aus der Gesammtzahl zu deliren, welche noch nicht rechtskräftig und endgültig bestraft, somit noch keines criminellen Verbrechens überwiesen seien. Da diese Erklärung bei der obersten Policeibehörde keinen Anklang fand, beschloß sie die Auflösung der Schützengilde, welche auch schon verfügt und in Kraft getreten ist. Bremen, 14. April. Vorgestern wurde auf Befehl der Polizeidirection durch 4 Polizeicommissäre in Begleitung von 4 Polizeidienern bei Hrn. Johs. Rösing eine sehr genaue Haussuchung gehalten. Belgrad, 6. April. Der frühere santi=russische) Minister Garasanin, der in der Senat treten sollte, konnte den ihm zugedachten Posten nach einer amtlichen Kundmachung nwegen seiner angegriffenen Gesundheite nicht aunehmen. Koppenhagen, 14. April. Der Ministerwechsel wird überall als unvermeidlich angesehen. Rostock, 14. April. Auf heute Nachmittags um 3 Uhr waren die Mitglieder des Vorstandes des hiesigen Krankenpflege=Vereins vor die PoliceiBehörde geladen, wo ihnen eröffnet ward, daß die wegen ihrer demokratischen Richtung bekannten Vorstands=Mitglieder aus dem Vorstande ausscheiden müßten, wenn der Verein darauf rechnen wolle, daß sein Fortbestehen geduldet werde. Rostock, 14. April. Heute Abends um 7¼ Uhr kam mit dem combinirten Personen= und Güterzuge ein Commando Executions=Truppen von Wismar hier an, bestehend aus einer etwa 120 Mann starken Compagnie des dortigen Bataillons. Die Ursache dieser für Rostock sehr neuen Erscheinung liegt in der fortgesetzten Weigerung des Rathes, den Forderungen der Regierung nachzugeben, und speciel in dem vom Rathe gefaßten Beschlusse, den einzelnen von ihm abhängigen Behörden, insbesondere der PoliceiBehörde, die directe Communication mit dem Regierungs=Commissar, Ministerial=Assessor v. Koppelow, zu untersagen und nur noch in corpore mit demselben verhandeln zu wollen. Rostock, 15. April. Die Executions=Truppen sind wieder abgezogen. Der Rath, der nur unter Protest nachgegeben hat, soll der Rostocker Ztg. zufolge jetzt Willens sein, den Rechtsweg gegen den Großherzog zu beschreiten. Haag, 17. April. Der König hat gestern in Amsterdam die von 51,400 Einwohnern(worunter sich auch viele Katholiken befinden) unterzeichnete Adresse gegen die Wiederherstellung der katholischen Bisthümer in Person entgegengenommen und der aus den angesehnsten Personen bestehenden Deputation, welche dieselbe überreichte, geantwortet: w Er sei nicht weniger als die Unterzeichner von dem großen Gewichte des geschehenen Schrittes durchdrungen; in seiner kurzen Regierung habe er bereits manchen traurigen Augenblick erlebt, jedoch stets Trost und Ermuthigung gefunden in der treuen Liebe seines Volkes; der heutige Tag aber— die Deputation möge solches allen ihren Committenten bekannt machen— habe das uralte Band zwischen Niederland und dem Hause Oranien noch fester geknüpft und seinem Herzen noch theurer gemacht.“ Bern, 16. April. Mittels Note vom 11. d. verlangt der österreichische Geschäftsträger vom Bundesrath die förmliche Zusage, daß in den Cantonen Graubünden und Tessin keine italienischen Flüchtlinge mehr aufgenommen werden; die wenigen, welche noch in Tessin sich befinden, sollen fortgewiesen werden. Zu allfälligen Ausnahmen will sich Oesterreich die Zustimmung vorbehalten. Zur Ausführung soll eine Controle eingeführt werden, über deren Modalität die Gesandtschaft Eröffnungen gewärtige. Sodann soll die Bundes=Behörde alle Flüchtlinge aus der Schweiz fortweisen, welche an revolutionären Umtrieben Theil genommen, sobold Oesterreich es verlangt. Werde diesen Begehren entsprochen, aber erst dann, so wolle die k. k. Regierung in Erwägung ziehen, welche Erleichterungen in der Gränzsperre eintreten sollen. Von einer gänzlichen Herstellung des guten Einvernehmens könne aber erst dann die Rede sein, wenn auch in Betreff der ausgewiesenen Capuciner und über die Maßregeln hinsichtlich der Collegien von Polleggio und Accona befriedigende Zusicherungen vorliegen. Der Bundesrath hat noch keinen Beschluß in dieser Sache gefaßzt. Noch ist es nicht an dem, daß Bern die neueste Rolle Konstantinopels übernehmen sollte. Paris, 16. April. Auf dem vorgestrigen sehr glänzenden Balle des Policei=Ministers, dem der Prinz Napoleon und die Prinzessin Mathilde beiwohnten, war die Dienerschaft weiß gepudert. — Der Staatsrath beräth jetzt über ein Gesetz, wonach das unbedingte Verbot der Beerdigung in Kirchen und Capellen wieder aufgehoben werden soll. Namentlich sollen die Erzbischöfe und Bischöfe von Frankreich das Rech! zu einer solchen Beerdigung haben. Paris, 16. April. Im Senate wird gegenwärtig die Angelegenheit des Wittwengehaltes der Kaiserin verhandelt, welcher auf 2 Millionen angesetzt ist. Der Senat dürfte jedoch bald über eine andere weit wichtigere Frage zu entscheiden haben. Der Staatsminister, welcher zugleich Hausminister ist, bereitei nämlich einen Antrag vor, in welchem er für dieses Jahr ein Supplement der Civilliste von 10 Millionen verlangt, da die Installation des Kaisers und die Vermählungsfeierlichkeit von den 25 Millionen der Civilliste bereits 17 Millionen in Anspruch nahmen. Mit 8 Millionen ist es unmöglich den kaiserlichen Haushalt bis Ende dieses Jahres zu bestreiten. Paris, 17. April. Die Nachrichten aus Spanien lauten sehr bedrohlich, Der Staatsstreich, welchen Roncali beabsichtigte, ist im entscheidenden Augenblicke aufgegeben worden. Graf Lersundy ist ein Feind von Roncali, der Lersundy's Freunde, die beiden Conche, in die Verbannung schicken wollte. Wenn die neuen Minister auch absolutistische Tendenzen haben, so sind sie doch, wenigstens für den Augenblick, zu keinem Staatsstreiche geneigt. In den Provinzen soll große Aufregung herrschen. Heute Morgens traf hier ein spanischer Diplomat aus Vordeaux ein. Madrid, 10. April. Man spricht von dem Ausbruche eines Aufstandes in Catalonien und von der Abreise des Generals Prim dahin, der bekanntlich zu den Progessisten gehört. Unter den Legitimisten herrscht ebenfalls große Aufregung; man glaubt, daß dieselben einen Aufstands=Versuch machen werden. Hier hält man allgemein die gegenwärtige Lage für eine sehr kritische. Eine Deputation des Senats, mit dem Marquis de Miraflores an der Spitze. wollte sich zur Königin begeben, um ihr die gefährliche Lage der Dinge aus einander zu setzen und die Ausweisung der Königin Christine aus Spanien zu verlangen. Dieselbe wurde aber nicht vorgelassen. Der Marquis hatte bei dieser Gelegenheit einen Streit mit dem Gemahle der Königin Christinie Es scheint, daß ein Duell, welches entstehen sollte, verhindert worden ist: Madrid; 12. April. Die überall herrschende Aufregung ist sehr groß; alle Geschäfte liegen darnieder, und Jedermann befürchtet das Schlimmste. In Catalonien gährt es; die dortigen Progressisten sind zum Losschlagen bereit. Sie erwarten nur die Befehle ihrer hiesigen Führer, um in Masse aufzustehen. Der Ex=Justiz=Minister, der vorgezogen hat, seine Entlassung ein zureichen, als die Absetzungs=Decrete der Staatsräthe zu unterzeichnen, die gegen die Regierung in der Narvaez'schen Angelegenheit gestimmt haben, ist jetzt einer der beliebtesten Männer von Madrid. Madrid, 13. April. In den Straßen und Kaffeehäusern der Hauptstadt läßt man dem Groll gegen die Königin=Mutter freien Lauf und bezeichnet sie offen als die Ruhestörerin. Mehrere Hundert Personen waren gestern Nachmittags nach Aranjuez gefahren und beabsichtigten, die Königin Christine dort zu beunruhigen. Während der Nacht hörte man mehrfach den Ruf auf den Straßen:„Fuera la Reina madre! Fuera la Muger que tanto mal hn hecho a la Espana!“(Hinaus mit der Königin=Mutter! weg mit der Frau, die Spanien so viel Unheil gebracht!) Die Patrouillen zerstreuten die Ruhestörer; es gelang ihnen aber nicht, auch nur Einen zu verhaften. Madrid, 13. April. Unheil drohende schwere Wolken ziehen sich über uns zusammen und scheinen mit dem Augenblicke sich entladen zu wollen. Statt sich zu legen, ist die Aufregung immer mehr im Zunehmen; daß es noch zu keinem Aufstande gekommen, hat man allein den Truppen zu verdanken, die eine musterhafte Disciplin beobachten. — 15. April. Das neue spanische Ministerium ist, wie die Madrider Zeitung amtlich meldet, folgender Maßen zusammengesetzt: General Lersundy, Minister=Präsident, Kriegs=Minister; Apllon, Minister des Aeußern; Govantes, Justiz=Minister; Bermudez de Castro, Finanz=Minister; Egana, Minister des Innern; Doral, Marine=Minister. London, 16. April. Man behauptet, Kossuth beabsichtige, eine gerichtliche Klage gegen die„Times- anhängig zu machen, weil diese ihn fälschlicher Weise einer ungesetzlichen Handlung beschuldigt habe. London. Parlaments=Verhandlungen vom 15. April. — Unterhaus=Sitzung. Sir I. Walmsley wünscht eine Frage zu stellen in Betreff eines berühmten Flüchtlings, dessen Haus angeblich die Policei betreten und darin einen großen Vorrath von Waffen und Munitionen gefunden habe. Er frage demnach, ob dieses Gerücht wahr sei, und ob die englische Regierung der österreichischen Regierung iegend welche Zusicherungen hinsichtlich dieser Angelegenheit gegeben habe. Lord Palmersion erwidert, Der Re gierung sei berichtet worden, es befinde sich in einem Hause zu Rotherhithe (einem Theile von Ost=London) eine Quantität Waffen und Munition verborgen. In Folge davon habe ein Richter(magistrate) eine Vollmacht zu einer Haussuchung ausgestellt. Eine bedeutende Anzahl von Raketen sei gesunden worden, nicht Raketen von der Art, wie man sie zu Bauxhall(bei den Feuerwerken) brauche(Heiterkeit), sondern Raketen, zu kriegerischen geeignet; außerdem habe man 200 angefüllte Bomben, bedeutende WaffenVorräthe und 500 Pfund Pulver gefunden.(Hört, hört!) Natürlich seien diese Gegenstände mit Beschlag belegt worden, und man werde Schritte zur gerichtlichen Verfolgung der Gesetzes=Uebertreter ergreifen, nicht sowohl, um eine Bestrafung zu erzielen, oder sich der österreichischen Regierung gefällig zu erweisen, sondern um zu verhindern, daß die Gastlichkeit, welche England den politischen Flüchtlingen gewähre, gemißbraucht werde. Walmsley verlangt von dem edlen Lord einfach zu hören, ob es ihm bekannt sei, daß das betreffende Haus seit 6 Jahren zur Anfertigung von Raketen gebraucht worden. Auch nicht ein einziges Loth Pulver habe man dort gefunden, und die in Rede stehende Munition sei der Regierung ein Mal über das andete Mal zum Kauf angeboten worden. Die Raketen seien patentirt, und die Regierung habe längst um ihr Vorhandensein gewußt. Lord Stuart sagt: Er sei von Kossuth zu der Erklärung ermächtigt, daß er(Kossuth) durchaus nichts von der gemachten Entdeckung wisse und in keiner Weise etwas mit der Sache zu thun habe. — Auf eine Denkschrift in Betreff der Unabhängigkeit der Türkei an Lord J. Russell antwortete er folgende Worte: Sie können sich verlassen auf das Gerechtigkeitsgefühl und die Redlichkeit(good kaith), wovon die Hauptstaaten Europa's beseelt sind, und auf das Gewicht des britischen Parlaments, welches stets bereit sein wird, die Rechte und die Unabhängigkeit der Bundesgenossen Ihrer Majestät zu vertheidigen. Italien. Einem Briefe aus Mailand vom 13. April in der turiner Opinione zufolge ist die mailänder Deputation, welche mit einer ihr von dem Grafen Giulay selbst an die Hand gegebenen Adresse nach Wien gegangen war, um eine Milderung des Sequestrations=Decrets zu erwirken, in der österreichischen Hauptstadt auf einen äußerst kalten Empfang gestoßen. Turin, 16. April. Es ist in der officiellen Zeitung ein Memorandum der sardinischen Regierung in Bezug auf die Gütersequestration in der Lombardei erschienen; es wird darin an das besser unterrichtete Bewußtsein des österreichischen Cabinettes appellirt; die sardinische Regierung ruft die guten Dienste(vons offices), d. h. die Vermittlung, der ihr verbündeten Souveräne an. Odessa, 1. April. Heute ist ein Courier von Petersburg hier angekommen mit Depeschen, welche die Einstellung aller Kriegsrüstungen anordnen. Asien. Der Globe hat Privatberichte aus Teberan vom 26. Febr., wonach mit der britischen Gesandtschaft ernste Mißhelligkeiten wegen Herats ausgebrochen waren, so daß ein Bruch befürchtet wurde. Türkei. Herr de ka Cour ist am 6. in Konstantinopel angekommen. Lord Stratford de Redeliffe war am 4. angekommen; am folgenden Tage hatte er seine Landsleute versammelt, um ihnen beruhigende Versicherungen über die Fortdauer des Friedens zu ertheilen und sie aufzufordern, ihren Geschäften ruhig nachzugehen. Fürst Menczikoff beobachtete noch immer eine sehr geheimnißvolle Haltung und ließ in den Rüstungen keine Unterbrechung eintreten. Die französische Flotte befindet sich zu Salamis, die englische noch immer zu Malta. Politische Nachschrift. Haag, 20. April. Sämmtliche Minister sind abgetreten. Als Nachfolger sind bereits ernannt: van Hall für das Auswärtige; Donker Curtius für die Justiz; van Reeuen für das Innere; van Doorn für die Finanzen.[Eine Depesche aus Haag vom Dinstag den 19. April meldet, der Minister des katholischen Cultus habe seine Entlassung genommen und sei durch Hrn. Liahtenvelve ersetzt worden.] m 90512 50 Kopenhagen, 18. April. Die königliche Botschaft in Betreff der Erbfolge ist heute vom Reichstage mit 97 gegen 45 Stimmen angenommen, also wegen mangelnder Dreiviertels=Majorität verworfen worden. April. Das galaczer Dampfschiff hat Nachrichten aus Konstantinopel bis zum 12. April überbracht. Die Aufregung war im Wachsen begriffen und die Bewaffung der türkischen Armee wurde fortgesetzt.— Aus Brussa werden ChristenverfolgungsErcesse gemeldet, wobei Tödtungen vorfielen. Mittheilungen aus den Kreisen. m Von der Diemel, 18. April. Den mancherlei Bestrebungen für Gutes und Schönes in dem Städichen Niedermarsberg reihten sich in neuerer Zeit verschiedene Vereine an, von denen die einen es sich zur Aufgabe gemacht hatten, den Kirchengesang zu heben und die Feier hoher Kirchenfeste zu verherrlichen, die andern mehr in geselliger Weise den Gesang übten. Hat sich auch der kirchliche Gesangverein leider wieder aufgelöset, weil es ihm entweder an tactvoller einheitlicher Leitung fehlte oder der Sinn für diesen Gesang noch nicht so ausgebildet war, um den Zusammenhalt des Vereins zu sichern; so ist doch nicht zu läugnen, daß derselbe seiner Zeit anerkennend wirkte und sich seiner Leistungen Jeder noch gern erinnert. Um so ersreulicher ist es daher, daß sich seit längerer Zeit unter der wackern Leitung des Herrn Lehrers Kaltner, wieder ein Verein, diesmal blos aus Männerstimmen, gebildet hat, den edlen Gesang zu pflegen. Bereits hat dieser Verein bei mehren festlichen Anlässen gute Proben seiner Wirksamkeit abgelegt und die gestern veranstaltete öffentliche Gesangaufführung zeigte wiederum, wie erfreulich derselbe fortschreitet. Möge dieser Verein sich nur halten und in seiner Fortbildung durch keinerlei Mißstände behindern lassen, es wird ihm dann gewiß niemals ein Wohldenkender seine Anerkennung entziehen, und wie gern würde es gesehen werden, wenn der Verein in der über kurz hergestellten neuen Kirche, zumal an hohen Festtagen, seine Chore erschallen ließe.— Der Gesang überhaupt ist ein zu wirksames Beförderungsmittel der Gesittung und Freude, als daß er nicht überall gepflegt zu werden verdiente. Vor allem sollte derselbe in den Elementarschulen uiemals vernachläßigt werden, denn auch in diesen läßt sich, wie die Niedermarsberger Mädchenschule seit der noch kurzen Zeit ihres Bestehens zeigt, schon Gutes hervorbringen, auch würden dieselben solcherweise stets neue Mitglieder für die besondern Gesangvereine heranbilden. Amen! *1* Stadtberge 18. Aprll. Die ganz neue Kunst des Tischrückens hat hier und in der Umgegend noch nicht recht gelingen wollen. Es sind stundenlange Versuche in opferwilliger Geduld angestellt worden, aber Personen rückten nicht und Tische rückten nicht. Ob's wohl an den Personen oder an den Tischen, oder an beiden zugleich gelegen hat? S S Marsberg, 21. April. Also auch die Ueberfüllung eines Ortes mit Schankstätten und das Unheil, welches daraus entspringt, sind Dinge, die— wie der Herr Pfarrer Föhrer zu Giershagen in Nro. 47 des Sauerl. Anz. mit Bezug auf den betr. Artikel in Nro. 38 meint— Niemanden interessiren, als denjenigen, der darüber schreibt. Beruht diese Annahme nicht auf einem Mißverständniß, wie der Verfasser des Artikels gern zugeben will, so möchte sie schier Verwunderung erregen. Denn was das Interesse an der Sache betrifft, so ist es doch bekannt genug, daß sich mit derselben gegenwärtig Regierung und Kammern befassen, zu ihren Gunsten überall(?) gepredigt wird und in aller Welt Vereine wirken, alle einig in der Bekämpfung eines Weltübels. Möge daher der bescheidenen Mitwirkung für die gute Sache der geringe Raum in einem öffentlichen Blatte nicht mißgönnt werden. Will man es einzeln aber dem Verfasser des Artikels— den er deß ungeachtet der Beherzigung betreffenden Ortes empfiehlt— verargen, daß er mit demselben hervorgetreten, so mögen ihn die Worte des Dichters entschuldigen: „Kannst du nicht Allen gefallen, durch deine Thaten und dein Kunstwerk, mach' es Wenigen recht, Vielen gefallen ist schlimm. Lichtenau, 14. April." Gestern Nachmittag hat in dem 1 Stunde von hier entfernten Dorfe Holtheim ein Mädchen ihr 1½ Jahre altes uneheliches Kind umgebracht. Als sie das todte Kind eben unter der Schürze zu einem Brunnen tragen wollte, wahrscheinlich, um es hineinzuwerfen, wurde sie entdeckt und sogleich, festgevommen. Frühere Aeußerungen, die sie in Betreff des Kindes soll gemacht haben, lassen vermuthen, daß die That vorsätzlich und mit Ueberlegung geschehen ist.(L. K.) der am 19. April angesangenen Ziehung der 4. Classe 107: königk. Classen=Lotterie fiel ein Hauptgewinn von 50,000 Thlr. auf Nr. 24,456 nach Halberstadt bei Sußmann; ein Hauptgewinn von 10,000 Thlr. auf Nr. 6888 nach Königsberg i. Pr, bei Fischer; 2 Gewinne von 5000 Thlr. auf25,846 u. 9 41,726; 3 Gewinne zu 2000 Thle, auf Nr. 24.678, 29.671 und 61,92.7 unter Andern nach Crefeld bei Meyer; 40 Gewinne zu 1000 Thlr. auf Nr. 920, 3640, 5492, 6088, 8770, 8869, 12,560), 13,405, 15.327, 16,080, 16.548, 18,663, 19,126, 20,210, 20,595 29,604, 30,680, 30,938 35.431, 38,524, 39,714, 42,805, 48,705, 50 538, 53,797, 57,757, 58,516, 62,297, 65,801, 66,397, 66,657, 69,213, 71,540, 74,031, 75,640, 76,634, 76,982, 82,696, 84,003, und 84,157, unter Andern nach Barmen bei Holzschuher, Köln 3mal bei Reimbold, Düsseldorf bei Spatz, Elberfeld bei Heymer, Neuß bei Kaufmann und nach Siegen bei Hees; 30 Gewinne zu 500 Thlr. auf Nr. 4195, 4610, 5396, 7452, 9216, 18.730, 23,631, 24,185, 24,946, 25,934, 27,199, 28 634, 31,648, 33,305, 37.929, 40,441, 42,321, 44,819, 47,702, 49.757, 53,520, 55,829, 55.878, 58,114, 61,003, 61,162, 64,774, 66,626, 77,632, und 80,117, unter Andern nuch Köln 2mal bei Reimbold und nach Siegen 2mal bei Hees: 60 Gewinne zu 200 Thlr. auf Nr. 1026, 1559, 1645, 2210, 3896, 4100, 4650, 8851, 9578, 16,283, 17,457, 17,769, 19,990, 20,789. 21,831, 23,833, 26,453, 29,442, 30.856, 34,727, 35,912, 36,521, 36,723, 37,559, 41.220, 44.696, 43.060, 44,630, 47.001 47,383, 50. 50,784, 55,796, 55,935, 57,278, 57,663, 58,491, 59.357, 60.173, 63,780, 64,046, 64,565, 64 669, 64,976, 65,217, 65,424, 68,004, 69.597, 83 881, und 84.668. 1694, 7/484, 781143, 78373, Fernere Bestellungen auf den„Anzeiger“ für das begonnene 2te Quartal werden nur noch bis spätestens Ende d. M. berücksichtigt. Rotdohet under Aeronimertichet don Leiggert. Verpachtung. Die Fürstliche Domäne Landau, 1½ Stunde von Arolsen und 7 Stunden von Kassel entfernt und innerhalb der von einer in das Kurhessische führenden Chaussee durchschnittenen Gemarkung der Stadt Landau gelegen, soll vom 25. Juli 1854 ab auf 12 Jahre nach Meistgebot verpachtet werden!“ Außer den nöthigen Gebäuden gehören dazu 9 99 87° Garten, 302 u 81## Land und 78 u 26n Wiesen in Morgen zu 120 Kalenberger Ruthen, nebst Schäferei= und Brennereigerechtigkeit. Zur Verpachtung steht vor unterzeichneter Behörde Termin auf Donnerstag, den 2. Juni d. J., Vormittags 11 Uhr an. Pachtliebhaber, welche sich wegen der erforderlichen Geldmittel und ökonomischen Kentnisse genügend auszuweisen vermögen, werden hiermit eingeladen, darin zu erscheinen, die Pachtbedingungen zu vernehmen und ihre Gebote abzugeben. Die Pachtbedingungen werden übrigens auch von heute an gegen Vergütung der Schreibgebühr abgegeben. Arolsen, 18. April 1853. Fürstl. Waldeckische Regierung, Abth. für Domänen und Forsten. Barnhagen. 281.) Meyer. Vienstage, den 26ten April Ge##igens 10 Uhr, im Gasthause des Herrn Joh. Braun zu Winterberg einfinden wollen. Die Bedingungen liegen in der Expeditionsstube genannter Barrière zur Einsicht bereit. Warburg, den 8ten April 1853. Königl. Haupt=Steuer=Amt. 283.) 282.) Verpachtung. Die Chausseegeld= Einnahme an der Barrière zu Winterberg soll vom 1ten August d. J. ab, anderweit zur Pacht ausgeboten werden, wozu sich PachtInstige am Verkauf. Im Wege der Exekution sollen 1 Ackerwagen und 1 Pferd am 28. April c., Morgens tn u.p 8.# 8 Uhr bei dem Gastwirth Adam Ramroth dahier an den Meistbietenden gegen baare Zahlung verkauft werden, wozu Kaufliebhaber eingeladen werden. Brilon, den 19. April 1853. Anzeige— Empfehlung. Den geehrten Bewohnern des Briloner Kreises hiermit die ergebene in hiesiger Stadt eine Farbwaaren=und Tapetenhandlung errichtet habe. Besonders mache ich noch auf mein vollständig assortirtes Tapetenlager in den geschmackvollsten und neuesten Dessins aufmerksam. Ich bitte um recht zahlreichen Zuspruch und verspreche eine reelle und villige Bedienung. Meschede, 19. April 1853. 284, Joseph Schnier. Gefunden eine Brieftasche. Derjenige, welcher sich als Eigenthümer derselben nachweisen kann, erhält dieselbe, gegen Erstattung der Insertionsgebühren, in der Exped. d. Bl. zurück.: 285.) AVRS. Von den in hiesiger Gegend##41 so sehr beliebt gewordenen IHUe von weächen ich Fel eretr. 1.0 pa „“ Weinge i einigen Monaten nähe an 1000 Schachteln abgesetzt, erhalte ich in diesen Tagen frische Zusendungen und werde dann die von Auswärtigen eingegangenen Bestellungen sofort effektuiren. Brilon, am 22. April 1853. M. Friedländer. Mittelpreife der Früchte auf den Märkten pr. berl. Scheffel. Frucht. Arten. Pader= borg. 16. Apr. Rithz. Lippstadt 18. Apr. Herdecke 18. Apr. Brilon 22. Apr. Weizen Roggen Gerste Hafer Buchweizen Erbsen Bohnen Kartoffeln Heu pr. Cntr, Stroh p. Schock 2 Frucht=, Oel= und Branntwein=Preise Neuß, 19. April. 1853. Weizen Roggen. 1 28— Wintergerste....... 1 13— Sommergerste...... 4 13„— Hafer 26 Erbsen„ 2 45— Rüböl pr. Ohm 282 Pfd., ohne Faß 29 7 6 Branntwein, pr. Ohm à 123 Quart zu 47%(ohne Maklergeld, 14— Gereinigtes Oel 30 7 6 Stroh pr. Schock. 5—— Zur gefälligen Beachtung: batersfeaden Gehähen aud in den bet uns seiden 3.Jau u. L.ersche rtck der Verlangen der Zuseranten ausgenommen.euan Waldeskschen Anzeiger auf beion. Die Exped. des Sauerl. Anz.