9 Gahrheit— Gerechtigkeit— Gemeinwohl..= * Amtliches Organ für Sodingen, Holthausen und Börnig 'e Volkszettung erscheint wöchent4mal, Montags, Mittwochs Freitags und Samstags. Abonnementspreis beträgt viertelintlich, s ei ins Haus gebracht oder durch die Post bezogen(ohne Bestellgeld) .""- Mark.20„.... ee(Perdauden mit„Castroper Zeitung“, antliches Orgen für de Stadt Sasktrop und die Nenter Raurkl und Nengebe) mit der Gratis=Zugab:: „Universal=Chronik“ Anzeigen, welche am Erscheinungstag, bis spätestens 7 Uhr morgens einzusenden sind, werden mit 10 Pfg die 1 spaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei größeren Anzeigen und mehrmaliger Aufnahme wird entsprechender Rabatt. bewilligt.— Reklame 30 Pfg. Telephon, Amt Castrop, Nro. 68. die Anzeigen der, Volkszeitung“ finden kostenfr. Aufnahme in der, Castroper Zeitung“ sewie in den,„ Neuest. Nachrichten“ für Rauxel, Habinghorst, Graf Schwerin, Merklinde, Bövinghausen, Frohlinde usir ∆ 187. freitag, den 27. November 1905. Hreirag, den 27. Uoveinber. S Snatond und Postend in BähelahtenDie Londouer Blätter vom 17. d. Mts. brachten zwei Depeschen aus Indien, die von einer britisch=indischen Expedition nach Tibet und von dem Antritt der seit langem geplanten Reise Lord Curzons, des indischen Statthalters, nach dem persischen Meerbusen berichten. Trotz der weitreichenden Pläne, die diese Nachrichten enthüllen, haben sie niemand überrascht. Der Kampf um Mittel= und Ostasien entbrennt auf der ganzen Linie, da Rußland allem Anschein nach in der ostasiatischen Politik auf unvorhergesehene Schwierigkeiten gestoßen ist. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben sich Javan und England definitiv angeschlossen, und China, ermutigt durch diese neue Lage, zeigt Kampflust. Die Verlegenheit Rußlands in Ostasien soll nun von England in Mittelasten ausgenutzt werden. Es handelt sich um Tibet und um Südpersien. Tibet, der Buddhistische Kirchenstaat, ist sowohl für Rußland wie für England ein begehrenswertes Gebiet, und zwar aus folgenden Gründen: Lhassa, die tibetanische Hauptstadt, ist die Residen; des Dalai Loma, des buddhistischen Papstes. Wer diesen beherescht, beherrscht die Buddhisten, also 40 Prozent der Bevölkerung Asiens, besonders aber Indien, die Mongolei, Tibet, Ceylon, und gewinnt neuen Einfluß bei den Buddhisten Ostasieas. Dann ist Tibet durch seine geographische Lage und schwierige Bodengestaltung eine wichtige strategische Position für Indien. Während des südafrikanischen Krieges hat Rußland einen gewissen Einfluß in Lhassa gewonnen, man sprach sogar von einem rssisch=tibetanischen Vertrag. Wie es sich jetzt herausstellt, existiert tatsächlich zwischen dem Zaren und Dalai Lama ein Einvernehmen, das gegen England gerichtet ist. Die indische Regieruug beeilt sich deshalb, eine Expedition nach Lhassa aus urüsten, die aus 300 Sikhs und einem Maximgeschütz besteht. Ihr Führer ist Oberst Younghusband, der Mitkelasten sehr gut kennt. Die tibetanische Regierung will mit der indischen Expedition nicht verhandeln, sondern bereitet sich auf einen Krieg vor und hat bereits Munition und Gewehre unter die waffenfähige Bevölkerung verteilen lassen. Auf diesen Empfang war der englische Oberst nicht gefaßt. Er errichtete deshalb in Chambo Schong im Süden von Tibet ein befestigtes Lager zum Schutze der Expedition und fuhr dann nach Simla zurück, um mit Lord Curzon die Lage zu besprechen. Das Ergebnis der Konferenz ist Krieg gegen Tibet. Es werden bereits an der tibetanischen Grenze Truppen konzentciert. Der Aufmarsch gegen Lhassa soll in wenigen Wochen beginnen. Es ist wahrscheinlich, daß die Tibetauer von Rußland unterstützt werden. Der Zug gegen Lhassa wir) wohl kein Spaziergang sein, denn auch das Gelände ist ungemein schwierig und fast unbekannt, da Tibet bis jetzt den Fremden verschlossen war. Gleichzeitig mit diesen Vorgängen unternahm Lord Curzon seine Reise nach dem persischen Meerbusen, um auch in Südpersien den englischen Einfluß zu besestigen und dem russischen Vormarsch gegen Indien entgegenzuwirken. — Das gestern über das Befinden des Kaisers ausgegebenes Bulletin lautet: Die Operationswunde an der linken Stimmlippe ist seit dem 19. November vernarbt. Der Kaiser bedarf noch einige Zeit der Stimmschonung, bis die Narbe hinreichende Festigkeit gewonnen hat. Der Kaiser gebraucht jetzt eine Massagekur des Kehlkopfes, verbunden mit Stimmübung n. Voraussichtlich wird innerhalb einiger Wochen die Stimme wieder völlig gebrauchsfähig werden. — Der Kaiser wird nach zuverlässigsten Informationen des„Berliner Börsen.Curier“ keine Reise nach dem Süden unternehmen. Seine Wiederherstellung hat sich etwas verzögert, weil er sich beim Sprechen nicht genug Schonung auferlegt hat. — Der Präsident des Landeskonsistoriums, Wirkl. Oberkonsistorialrat Voigts, ist zum Präsidenten des Evangl. Oberkirchenrats ernannt worden. — Der Reichstag ist zum 3. Dezember einberufen. — Das Reichsgesetz über gewerbliche Kinderbeschäftigung tritt bekanntlich am 1. Januar in Kraft und wird noch durch eingehende Ministerial=Ausführungsbestimmungen für Preußen eingehend erläutert werben. Diese Ausführungsbestimmungen sind bisher noch nicht erlassen; doch ist ihre Veröffentlichung in den nächsten Tagen zu erwarten. Sie werden für verschiedene Gewerbe von einschneidender Bedeutung sein. — Der engere Zusammenschluß der kathol. Frauenwelt ist in Köln beschlossen worden. Als Zweck wird angegeben, die auf verschiedenen Gebieten sich bewegende Vereinstätigkeit der katholischen deutschen Frauen zu planvollem Zusammenwirken zu verbinden. — Handelsminister Möller hielt bei der Einweihung des neuen Bergamts=Gebäudes in Bonn eine Versammlung ab. Der Bergbau habe von jeher in seinen Knappschaftskessen mustergültige Einrichtungen zum Wohle der Arbeiter besessen. Jene Kassen seien der Ausgangspunkt für einen Teil der sozialpolitischen Gesetze Deutschlands. wie die Krankenversicherung usw. geworden. Wenn auch das Oberbergamt nicht mehr so energisch in die Privat= betriebe eingreifen könne wie früher, so habe es doch noch große Aufgaben zu erfüllen. Der Minister wies dann auf oie verschiedenen Reviere hin: Siegerland, Saarbrücken und Aachen und fügte hinzu: Es scheine, als ob sich am Piederrhein ein neues, großes Revier erschließe, wo die Zeche„Rheinpreußen“, schon gewaltige Anschlusse gemacht habe und größere noch zu erwarten seien. — Die angebliche Flucht der Prinzessin Alice von Schönburg=Waldenburg bildet gegenwärtig das Gesprächstema in Dresden. Eine Korrespondenz der„Leipz. N. Nachr.“ aus der sächsischen Hauptstadt weiß hierzu folgendes zu berichten. Die Prinzessin Alice vou Schönburg=Waldeaburg, geb. Prinzessin Bourbon, Tochter des spanischen Thronprätendenten Don Carlos, seit einigen Jahren mit dem Prinzen Friedrich von Schönburg=Wal denburg vermät lt, Mutter eines Sohnes, hat ihren Gemahl verlassen, und zwar zusammen mit einem italienischen Kutscher Namens Emilio. Die Schwester der Prinzessin, Eloira von Bourbon, ist bekanntlich vor einigen Jahren mit einem italienischen Maler entflohen und lebt jetzt mit diesem in Mailand. Inwieweit diese Gerüchte tatsächliche Grundlage haben, bleibt abzuwarten. Vorläufig sind sie mit Vorsicht aufzunehmen, besonders da die Prinzessin schon drei Monate von Dresden abwesend ist. — Ueber die nächsliche Stichwahl im Wahlkreise Teltow=Charlottenbucg bringt der„Vorwärts" solgende Schilderung:„Die letzten Stunden der Wahlhandlung verliefen ohne erregten Zvischenfall, die Fidelitas war in ihre Rechte getreten und der Landrat hatte sich in sein unvermeidliches Geschick ergeben. Armes Opfer des Dreiklassenwahlsystem, das 21 Stunden hindurch auf seinem Platze ausharren mußte! Denn eine Pause trat mährend der ganzen Zeit nicht ein. Unsere Genossen gaben, wie gemeldet, ungültige Stimmen ab. Unerschöpflich waren sie in der Erforschung ihrer Kandidaten. Eugen Richter und seine Spar=Agnes, Lubasch und Wertheim, Dippoldt und Hüssener, der olle ehrliche Seemann und Graf Kanitz, alle erhielten sie eine Anzahl von Stimmen. Sein besonderes Entgegenkommen bewies ein Genosse dadurch, daß er an erster Stelle Frau Landrätin v. Stubenranch, an zweiter Herrn Landrat v. Stubenrauch wählte. Das Wahlsystem verfiel dem verdienten Fluch der Lächerlichkeit.“ — Die Taktik der Sozialdemokraten führte etwa schließlich dazu, daß den Liberalen die Aussichten auf Gewinnung der Mandate schwanken und der Kreis in die Hände der Kanservativen fiel. — Die Entwicklung der Parteien im Abgeordnetenhause. Die Entwicklung der Parteien seit 30 Jahren veranschaulicht folgende Tabelle: 1873 1879 1882 1886 1889 1893 1898 1903. — Im Plenum der Berliner Handelskammer wurde mitgeteilt, daß die preußische Regierung nicht beabsichtige, eine Vorlage, betr. die Erhebung von Abgaben auf den natürlichen Wasserstraßen einzubringen. Da gleichwohl nicht ausgeschlossen ist, daß die Angelegenheit in den Parlamenten zur Verhandlung gelangen wird, beschloß die Kammer, in eine weitere Prüfung der Frage einzutreten und insbesondere die Einwirkung zu untersuchen, welche die allgemeine Einführung von Schifffahrtsabgaben besonders auf die Interessen des Berliner! Wirtschaftsgebietes ausüben würde. — Die Novelle zum Berggesetz hat in dem vom Knappschaftsverein handelnden Teil folgenden Wortlaut: § 74. Der Bergwerksbesitzer hat die zur Leitung und Beaufsichtigung des Betriebes angenommenen Personen, wie Betriebsleiter, Steiger“ technische Aufseher u. s. w. der Bergbehörde nebst Angabe des einem jeden zu übertragenden Geschäftsteiles namhaft zu machen. § 76. Eine jede der Persouen, die die Leitung oder die Beaufsichtigung des Betriebes übernommen haben, sind innerhalb des ihr übertragenen Geschäftsteiles für Innehaltung der Betriebspläne sowie für die Besolgung aller im Gesetz enthaltenen oder auf Grund desselben ergangenen Vorschriften und Anordnungen verantwortlich. Der Bergwerksbesitzer oder sein gesetzlicher Vertreter und die von ihm mit der Verwaltung des Bergwerkseigentums oder Besitzes beauftragten und die der Bergbehörde nicht namhaft gemachten Personen, die den in§ 74 bezeichneten Personen vorgesetzt sind, sind neben den bezeichneten Personen verantwortlich: 1. Insoweit ihre eigenen Anordnungen in dem Betriebe eingegriffen haben oder insoweit durch den anderen von ihnen erteilten Anordnungen eine Einwirkung auf den Betrieb Die Holzrechtler. Sensations=Roman aus dem Fichtelgebirge von G. Schätzler=Perasini. 11)(Nachdruck verboten.) Der eingestürzte Triumphbogen wurde wieder aufgerichket und als einer der Männer meinte, man könnte dieses Einstürzen als ein böses Vorzeichen beachten, lachten ihn die andern gründlich aus. Heute rief ihnen ja sogar der strahlende Himmel zu, daß es von nun an anders in Fuchsberg werden, daß der alte Streit und Hader mit dem heutigen lachenden Sountag ein Ende fände. Ein paar Menschen, welche keine frohe Miene zeigten, waren vorläufig noch nirgends zu erblicken. Anton Waldner hatte das Schloß noch nicht verlassen. Katharina Burger und Lechner befanden sich ebenfalls noch daheim, Johannes Breitmeier aber, der gestern vom Gutsförster entlassene Fuchsberger, hatte im Morgengrauen dem Dorfe bereits den Rücken zugekehrt. Auf einem niederen Hügel, von wo aus er das ganze Dorf mit seinen meist armseligen Häusern überblicken konnte, blieb der Mann noch einige Minuten stehen. Dort zwischen den paar Bäumchen, die er selber einst pflanzte auf deren geringen Obstertrag er sich monatelang mit seinem Weibe freute, lag das kleine Häuschen, das ihm ehemals gehörte. Gehalten hatte er die armselige Heimat, so lange es nur ging und als sein Weib dann starb vor Entkräftung, als ihn die Lasten erdrückten, die auf Anstiften des Gutsförsters den Fuchsbergern aufgebürdet wurden, da mußte man ihn fast gewaltsam aus dem Häuschen entfernen. Er wollte es lange nicht glauben, daß nicht ein Dachziegel mehr sein gehörte, daß er sich irgendwo als Tagelöhner eine Kammer suchen müsse. Schon zwei Jahre waren darüber hingerauscht; aber noch heute tobte der Schmerz um die kleine, verlorene Heimat in der Brust des einfachen Mannes, heute um somehr, da er für immer gehen mutzte. Ein erster Sonnenstrahl war über den Forst gefallen. Fr E traf den kleinen Kirchhof, in dessen Erde Johannes Breitmeier's Weib, seine Lisel, ruhte. „Da unten ist's am besten für uns,“ murmelte er mit bebender Stimme,„da haben wir dasselbe Recht, wie sie; Bauer oder Gutsherr, wenn sie die Erdschollen decken, ist aller Unterschied aufgehoben!“ Eine schwere Träne rollte über das wetterharte Gesicht des Mannes. Die Augen taten ihm weh— vielleicht von dem Fliwmern des vergoldeten Grabkreuzes, das der Höchstbauer seiner Seligen hatte setzen lassen. Johannes Breitmeier hatte sich umgewendet, nicht aber ohne vorher die Faust nach dem Schlosse gereckt zu haben. Rüstig schritt er in den Morgen hinein. Er hatte keinen Blick für das Erwachen des Tages ringsum, sah nicht die blühenden Blumen am Wege, wie sie, von leichtem Frühwind getroffen, die Köpfchen schüttelten, wie die Tautropfen gleich funkelnden Diamanten an den langen Gräsern herunterrannen. Sein Blick haftete auf dem grauen, staubigen Weg und in seiner Brust wohnten I dumpfe Verzweiflung und tiefste Erbitterung. In den Tonrörenfabriken der Umgegend oder in einem Steinbruche wollte er Arbeit suchen. Nach Fuchsberg aber hoffte er nicht mehr zu kommen. Die Fuchsberger hatten teilweise ihre Häuser bekränzt, sogar ein paar Fahnen konnte man erblicken. Auch die Kirche zeigte Tannenschmuck über'm Eingang, war doch anzunehmen, daß der neue Herr dieselbe mit dem Besuche beehren werde. Der gnädige Herr sollte in einem Wagen von der entfernten Bahnstation abgeholt werden. In seiner Begleitung befanden sich wahrscheinlich einige ihm befreundete Persönlichkeiten. Der Empfang fand im Dorfe statt. Bereits zog die Fuchsberger Musikkapalle in den Gassen umher, auch der Pfarrer war bereits eingetroffen und besprach sich mit dem Bürgermeister über die kommende Zeit. Auch er, der getreulich zu seinen Fuchsbergern hielt, mit ihnen litt, hoffte gleich den anderen auf bessere Tage. Endlich war die Zeit gekommen, wo der Bahnzug aus der Residenz die Station erreicht haben mußte. Die Musik marschierte zum Dorf hinaus, dem erwarteten Wagen entgegen. Unterdessen hatte sich fast das ganze übrige Dorf im Festgewande auf dem freien Platze vor der Kirche versammelt. Man konnte im Vordergrunde den Pfarrer und Bürgermeister, dann den Gemeinderat bemerken, zur Seite standen mehrere weißgekleideteMädchen, darunter als erste die Tochter des Lechners. Endlich verkündete ein lauter Böllerschuß das Herannahen der Wagen. Unmittelbar darauf fingen die Glocken an zu läuten, und aus der Ferne drangen die Töne der Fuchsberger Blechmusik herüber. Eine allgemeine Unruhe hatte sich nun mit einem Schlage der versammelten Menge bemächtigt. Der Pfarrer hatte die größte Mühe, wenigstens einigermaßen Ordnung zu schaffen. Bereits zeigre sich der erste Wagen, in welchen Herr v. Hartstein saß mit einer Dame und einem Herrn. Er ließ das Gefährt langsam im Schritt fahren. Die Musik zog voraus. Dem Wagen des gnädigen Herrn folgte ein zweiter, offen wie der erste. In demselben saßen die mit dem neuen Herrn befreuudeten Herrschaften des benachbarten Schlosses in W... Langsam näherten sich die beiden Wagen. Mit sichtlichem Interesse betrachteten Herr von Hartstein die versammelten Bauern, deren künftiges Wohl und Wehe von heute ab in seinen Händen lag. Er war weit entfernt, noch so zu denken wie einst vor mehr als fünfzehn Jahren, da er hier einige Zeit weilte, seine Ansichten hatten sich vielfach geändert, aber in diesem Augenblick, als er mit etwas blassem Gesicht über die zahlreiche Versammlung blickte, nahm er sich noch einmal vor, diesen bedrückten Leuten so weit es nur möglich entgegenzukommen. Der Gemeindeschreiber hielt eine kurze Rede. Herr von Hartstein hatte sich im Wagen erhoben. Was der servile Mensch sprach, hörte er kaum, er schien unter all den Leuten ein bestimmtes Gesicht zu suchen. Aber er fand es nicht. Lechner oder dessen Tochter hatte er noch gar nicht gesehen. Der Bauer hielt sich mit voller Absicht zurück und hatte es auch so einzurichten gewußt, daß Marie vorläusig dem neuen Gutsherrn noch unsichtbar blieb. Herr von Hartstein wurde aus seinem Sinnen plötzlich auf etwas unangenehme Weise geweckt. Der Amtsschreiber hatte seine Rede beendet und schloß mit einem heiseren Hoch auf den nenen Schloßherrn. in das die Bauern begeistert einfielen, ebenso die Fuchsberger Musik, welche einen„Tusch“ blies. I(Fortsetzung folgt.) notwendig verbunden war. 2. Insoweit sie die ihnen unterstellten Betriebsleiter, Steiger, Aufseher u. s. w. gehindert haben, den ihnen nach dem Gesetz oder nach den auf Grund desselben ergangenen Vorschriften und Anordnungen obwaltenden Verpflichtungen nachzukommen. 3. Wenn die Haudlung mit ihrem Vorwissen begangen ist oder 4. wenn sie bei der nach den Verhältnissen möglichen eigenen Bewachung des Betriebes oder bei der Auswahl oder Beaussichtigung der im§74 bezeichneten Personen es an der erforderlichen Sorgfalt haben fehlen lassen. Dem Entwurf siad Erläuterungen beigegeben, welche die Einschränkungen der Verantwortlichkeit näher darlegen. Ausland. Frankreich. Der Kammerausschuß für Trennung von Staat und Kirche beschloß folgende Fassung des b. treffenden Gesetzes:„Die Republik beschützt, bezahlt, unterstützt keinerlei Kultus, weder mittelbar noch unmittelbar, unter welcher Form es auch sein mag. Sie anerkennt keine Kultusdiener. Sie gewährt unentgeltlich keinerlei Räumlichkeiten für Ausübung des Kultus oder Wohnung ihrer Diener.“ Die erste Republik hatte bekanntlich alles Kirchen= und Klostergut ohne weiteres zum Staatseigentum gemacht, mußte aber die Gotteshäuser und noch anderes sehr bald wieder zum gottesdienstlichen Gebrauch herausgeben. Mit der Fassung des Artikels ist offenbar beabsichtigt, sämtliche Gotteshäuser und Pfarrhäuser der Kirche zu entziehen. Italien. Bischof Anzer, der am 23. d. Mis. vom Papst in Audienz empfangen wurde, ist nach einem Telegraum der K. V. aus Rom vorgestern nachmittag infolge eines Gehirnschlages plötzlich gestorben. Der preußische Gesandte, Freiyerr v. Rotenhan, war beim Tode gegenwärtig.— Bischof v. Anzer, ein geborener Bayer, staud bekanntlich an der Spitze der katholischen Missionen in der chinesischen Provinz Schantung, zu der auch das deutsche Pachtgebiet gehört. Johann Baptist von Anzer, geb. 16. Mai 1851 zu Weinried in der bayrischen Oberpfalz, ausgebildet auf dem Lyzeum in Regensburs, trat 1875 in das vom Generalsuperior der Missionsgesellschaft des göttlichen Wortes, Arnold Janssen, in Steyl begrürdete Missionshaus ein, wurde 1876 in Utrecht zum Priester geweiht und ging 1879 nach China, wo er des Seminar in Hongkong leitete. 1882 wurde er vom Bischof Cosi zum Generaloikar von Süd=Schantung ernannt, wo er in kurzer Zeit mehrere große christliche Niederlassungen mit Kirchen, Schulen, Seminaren und Waisenhäusern gründete. 1885 wurde Süd=Schangtung selbständiges apostolisches Vikariat und A. ward 1886 in Steyl zum Titularbischof von Telepte und apostolischen Vikar geweiht.., der schon wiederholt Gewalttätigkeiten seitens der Chinesen ausgesetzt gewesen war, wohnte in Yentschofu und zwar seit 1890 unter dem Schutze des Deutschen Reiches..i der Besetzung Kiautschaus durch das Deutsche Reich war Anzers Rat mit maßgebend; er erklärte sie als unerläßlich für das Gedeihen und den Fortbestand der chinesischen Mission. Rußland. Im Befinden der Kaiserin ist eine Verschlechterung eingetreten, doch scheinen keinerlei Besorgnisse dadurch wachgerufen zu sein. Man meldet aus Petersburg vom Dienstag: Das heute in Skierniewice ausgegebene Bulletin über das Befinden der Kaiserin besagt: Die Temperatur bei der Kaiserin betrug gestern abend 37,4, der Puls 72; heute morgen war die Temperatur 37, Puls 72. Die Nachtruhe war durch starke Schmerzen gestört. Es macht sich ein Hervortreten des Trommelfells bemerkbar; das Innenohr ist entzündet. England. Die Königinnen Alexandra und Helena hatten in großer Lebensgefahr geschwebt. Be der Jagd in Windsor, zu welcher sie eingeladen waren, sauste ihnen eine Kugel aus der Büchse Königs Viktor Emanuel dicht an den Ohren vorbei.— Der Korrespondent des„Daily Mail“ aus Cherbourg will melden können, am Samstag sei ein Versuch unternommen worden, den Zug, in welchem der König und die Königin von Italien reisten, zum Entgleisen zu bringen.(?) Ein Bahnbeamter habe wenige Minuten bevor der Zug die betr. Stelle passierte, auf den Schienen 5 große Steine gefunden; die Untersuchung habe zur Verhaftung eines Kolonialsoldaten geführt, der die Stelle abzupatrouillieren hatte. Juanschikai erklärte dem Kaiser seine Bereitwilligkeit, gegen die Russen in der Mandschurei zu Felde zu ziehen; General Mah wollte mit 12000 Mann in Schanhaiwan einrücken.(Die Russen werden sich um die Drohungen der feigen Chinesen wenig kümmern.) Lokales und Provinzielles. Castrop, den 27. November 1903. Das Verhängen der Schaufenster. In kaufmannischen Kreisen aller Geschäftszweige bemüht man sich schon seit Jahren, eine Milderung oder völlige Aufhebung der Bestimmungen über das Verhängen der Schaufenster an den Sonn= und Feiertagen herbeiführen. Fast alle Handelskammera und Interessenten=Verbände der Kaufmannschaft haben schon gegen diese Verordnungen protestiert, leider vergebens. Wie die preußischen maßgebenden Behörden über diese Frage denken, geht aus folgender am 10. November 1903 ergangenen Antwort des Oberpräsidenten von Westfalen hervor, die der„Konfeltionär“ veröffentlicht:„Wenn ich auch das Gewicht der dortseits für die Beseitigung der Vorschrift über das Verhängen der Schaufenster angeführten Gründe nicht verkenne, so darf auf der anderen Seite nicht außer Betracht gelassen werden, daß weite Kreise der Bevölkerung an der Aufhebung diesen Bestimmungen Anstoß nehmen würden. Unter diesen Umständen und da in mehreren anderen Provinzen der Monarchie gleiche und zum Teil sogar noch schärfere Vorschriften in Geltung sind, sehe ich mich jedensalls zur Zeit nicht in der Lage, dem Antrage des Vorüandes stattzugeben. In Vertretung: Viebahn.“ * Eine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung fällte der Bezirksausschuß zu Osnobrück. Er erklärte, daß das durch Orchestrions 2c. hervorgerufene Geräusch geeignet sei, die Gesundheit der Anwohner zu schädigen. Demgemäß erfolgte eine Verschärfung der pollzeilichen Bestimmungen. VI* Der Allgem. Knappschaftsverein hat über die Nationalität seiner Mitglieder, über ihr Lebensalter und den Personenstand im Oberbergamtsbezirk Dortmund Erhebungen angestellt, die folgende Statistik ergaben. Die Zahl der Bergleute betrug im Vorjahr 247,707; 233,365 waren Reichsdeutsche, aus den östlichen Provinzen stammten 87,575, aus dem Auslande waren 14,341. Oesterreich= Ungarn stellte 8640 Mann, Holland 2663, Italien 2109, Russen 541, Belgier 162, sonstige Ausländer 226. Jugendliche Arbeiter unter 15 Jahren waren 3904, unter 16 Jahren, 4608 vorhanden. Bis 20 Jahre alt waren 37,288, bis 25 4261, bis 30 50532, bis 35 36,742, bis 40 29,019, bis 45 19,991, bis 50 11,995, bis 55 6971, bis 60 3033, bis 65 1029, bis 70 298, über 70 Jahre 45. Von den Bergleuten waren 06,480 ledig, 148,474 verheiratet, 2266 verwitwet, 187 geschieden. * Im Stadtparlament war gestern eine recht erregte St mmung vorherrschend. 10 Punkte der.=O. wurden glatt erledigt. Bei Punkt.:„Beschlußfassung über die Giltigkeit der Stadtverordnetenwahlen“ gerieten die Herren Stadtoäter in Meinungsverschiedenheiten und es gab ziemlich erhebliche Debatten. Veranlassung zu dem Disput gab ein von dem Stadtverordneten Herrn Lechterberg vorgebrachter Protest gegen die Wahl der 3. Abt. In dem Protest wird die liberale Partei beschuldigt, durch Verabreichung farbiger Stimmzettel, sowie dadurch, daß sie die Zechenbeamten in unmittelbarer Nähe des Wahltisches aufpostiert hätte, die Wähler, insbesondere die abhängigen Bergleute, stark beeinflußt hätte. An der erregten Debatte beteiligten sich die Stadträte Auweiler, Cohen, Koch, Vellener und Wintgen; die beiden letzteren bestritten ganz entschieden die von dem Protestler vorgebrachten Beschuldigungen, bezw. die ihrer Partei an die Rockschöße gehängten Pflichtverletzungen. Nach vielen Hin und Herreden wurde darüber abgestimmt, ob dem Protest beizupflichten sei oder nicht. 11 Stadtverordnete schlossen sich dem Protest an, 10 waren dagegen. Wird der erhobene Protest nun auch höheren Orts als berechtigt anerkannt, dann haben wir bald das„Vergnügen“ einer Neuwahl von 3 Stadtoerordneten der 3. Ahteilung. Dessen sind wir indessen sicher: das Bild bleibt dasselbe, wie es jetzt ist, wenn nicht die den Ausschlag gebenden Polen sich eines andern besinnen. Deutscher Flotten=Verein. Kinematographische Volführungen des Deutschen Flotten=Vereins. Nachdem uns heute von der hiesigen Ortsgruppe des Deutschen Flottenvereins, die mit Unterstützung des hiesigen Marinevereins sich in voller Vorbereitung für die heute im Kaisersaal des Herrn Meibert hierselbst stattfindenden kinematographischen Vorführungen befindet, das Programm zugegangen ist, glauben wir, unseren Lesern nur dringend empfehlen zu sollen, daß sie sich diese Gelegenheit, sich eine lebendige Anschauung von unserer Kriegs= und Handelsflotte zu verschaffen, nicht entgehen lassen. Das Programm zerfällt in dre. Teile, deren erster„Die Kriegsflotten der Welt" uns in 9 Bildern mit den typischen modernsten Vertretern der Hauptseemächte bekannt macht. Selbstverständlich befinden sich alle Schiffe Sarlg Feund gleiten an dem Auge des Beschauers wie in der Wittlichtent vorüber. Im zweiten Teil verspricht uns der Kinematograph„Eine Reise in 20 Minuten von Bremerhaven nach New=York“ auf dem prächtigen Schnelldampfer Kronprinz Wilhelm" des Norddeutschen Lloyd. Die 10 Bilder, die dieser Programmteil umfaßt, dürften in der Tat eine Attraktion ersten Ranges bilden. Im dritten Teil endlich wird uns der Kinematograph mitten hinein in die Manöver und Uebungen unserer Kriegsflotte führen; wir nennen nur einige Titel der hier zur Vorführung gelangenden Vild.: wie: Bootsaussetzen und Segelexerzieren auf dem Schulschif„Stein",„Exerzieren am 8,8 cm Schnellfeuergeschütz",„Schießübungen nach der Scheibe und Einholen derselben durch ein Torpedoboot auf hoher See“ „Torpedoboote durchbrechen die Linie der Schlachtschiffe". Bootspfeifen, Torpedopfeisen, Sirenen und Kanonenschüsse werden das ihrige dazu beitragen, um uns in die volle Illusion zu versetzen, als befänden wir uns selbst auf hoher See, um uns das eigenartige Schauspiel einer übenden und schießenden Kriegsflotte auzusehen. Schließlich sei noch verraten, daß der Kinematograph einige höchst interessante humoristische Bilder mit sich bringt, die ihren vollen Lacherfolg noch nie verfehlt haben. Der Eintrittspreis ist ein sehr mäßiger. Er beträgt für die Mitglieder des Deutschen Flotten=Vereins auf dem 1. Platz 50 Pfg., auf dem 2. Platz 30 Pfg., für Nichtmitglieder auf dem 1. Platz 75 Pfg. 2. Platz 50 Vfg., Gallerie 30 Pfg. Der Schulvorstand der evang. Gemeinde hat beschlossen, an der Schule zu Habinghorst zu Ostern 1904 eine dritte Lehrkraft, eine Lehrerin, anzustellen. Ein in der Schule in Castrop leerstehendes Klassenzimmer soll Leiner Klasse in Obercastrop überwiesen werden. * Nachklänge zur Reichstagswahl. Im Juli d. Is. war auf den Zechen„Graf Schwerin" und „Erin“ mehreren Bergarbeitern gekündigt worden. Diese Kündigung sollte mit der Leitung der Bergarbeiter Oganisation im Zusammenhange stehen und erfolgt sein, weil die Arbeiter der Organisation angehörten und Leiter der Zahlstellen waren. In Nr. 30 der Bergarbeiterzeitung erschien ein Artikel, wodurch sich der Betriebsführer der Zeche„Schwerin“, Bunge, und der Betriebsführer der Zeche„Erin“, Berninghoff, und mehrere andere Beamte beider Zechen beleidigt fühlten. Auf Grund der Paragraphen 158, 186 und 200 des Sti.=.=B. stellten die Beamten gegen den verantwortlichen Redakteur Leimpeter aus Wiemelhausen, Strafantrag wegen öffentlicher, durch die Presse begangener Beleidigung. In dem Artikel hieß es u..:„Bergtrabanten, Bonzen des Geldsacks, Zollknechte des Kapitals usw.“ Bezüglich der Zeche„Erin“ giebt Angeklagter selbst zu, falsch berichtet worden zu sein. Aber auch bezüglich der Jeche„Schwerin“ ergab die Beweisaufnahme, daß die Kündigung der Arbeiter mit der Leitung der Organisation absolut nichts zu tun gehabt und der Betriebsführer gar nicht an die Zahlstelle gedacht hat. In der Sitzung der Bochumer Strafkammer am 23. d. Mts. brachte der Vertreter der Anklagebehörde, Herr Staatsanwalt Dr. Zeppenfeld, gegen den Angeklagten 6 Wochen Gefängnis in Antrag, jedoch erachtete der.= richtshof 150 Mark Geldbuße als angemessene Sühne, worauf denn auch erkannt wurde. Den Beleidigten wurde die Befugnis zugesprochen, den Urteile=Tenor auf Kosten des Angeklagten durch die Deutsche Bergarbeiter=Zeitung zu veröffentlichen. * In der letzten Monats=Versammlung des Gesangvereins„Teutonia“=Graf=Schwerin beschloß derselbe, zu Pfingsten 1904 einen nationalen Gesang=Wettstreit zu veranstalten. Da bedeutende Geld= und Ehrerpreise ausgesetzt sind, werden sich hoffentlich viele fremde Sänger einfinden. # Merklinde. Zum Besten des Baues der kath. Kirche in Merklinde wird am Sonntag, den 19. ds. Mis. im Saale des Herrn Theod. Gülker ein WohltätigkeitsKonzert stattfinden, veranstaltet vom hiesigen KirchenbauKomité unter gütiger Mitwirkung des Dortmunder Diletanter:Orchesters(Dirigent Herr Musikdirektor Gaßmann) in Statte von 22 Mann. Ebenso trägt zur Verschönerung des Konzertes die Mitwirkung des rühmlichst bekannten Laugs'schen Doppel=Quartets aus Dortmund(Dirigent Herr Franz Dolle) bei. Beide Vereine haben schon häufigec ihr Können in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt. Wir können den Besuch dieses Konzerts nur angelegentlichst empfehlen und sind überzeugt, daß jeder Besucher voll befriedigt an den Abend zurückdenken wird. Das Konzert beginnt nachmittags um 4 Uhr und ist das Programm ein sehr reichhaltiges und ausgewähltes. * Merklinde. Ein Unfall auf Zeche„Zollern“ Schacht II ereignete sich kurz vor Beendigung der Nachtschicht dadurch, daß die Förderschale mit 6 gefüllten Kohlenwagen von oben plötzlich in die Tiefe stürzte, dabei die Fahrteinrichtung zerstörend. Die Bergleute hatten von Schacht I bei Kirchlinde die Ausfahrt zu bewerkstelligen. Voraussichtlich ist in wenigen Tagen der Schacht wieder fahrbar, so daß die Geubenarbeit wieder voll aufgenommen werden kann Wäre der Unfall kurze Zeit später bei der Leuteförderung eingetreten, dann wäre jedenfalls ein großes Unglück die Folge gewesen. * Bövinghausen. In der letzten Sitzung des hiesigen Gemeinderats wurde beschlossen, die Dorfstraße nach dem vom Amisbaumeister Köster ausgearbeiteten Plane und Kostenanschlage, der als Schlußsumme 21000 Ml. nennt, ausbauen zu lassen. Für Grunderwerb sind außerdem 10 Mark für die Quadratrute zu zahlen. Das in den neueo Straßenzug fallende Villissche Haus soll auf Abbruch zum Preise von 2850 Mark angekauft werden. * Holthausen. Der Bergman D. fiel so unglücklich auf einen Stein, daß er bewußtlos liegen blieb. Er liegt schwer darnieder. * Holthausen. In der Nacht von Montag auf Dienstag wurden die Bewohner des Amtes Sodingen durch das Brandsignal der Zeche Mont=Cenis aus dem Schlafe ausgeschreckt. Es war gegen 4½ Uhr. Rot leuchtete dr Himmel und es machte draußen den Eindruck, als gleite das Abendlicht über bereiste Winterfelder. Mit rasender Eile sauste der Wind um die Häuser und das unheimliche Heulen neben der Ankündigung eines Brandes brachten manches Herz in Aufregung. Auf unerklärliche Weise hatte sich in der Schreinerei des neuen Schachtes das Feuer entzündet. Von da wurde es durch den treibenden „West“ in einen Lagerraum gedrängt, der mit den vielen dort lagernden Brettern reiche Nahrung dem entfesselten Elemente bot. Wie das Gebläse eines Hochofens so sauste der Wind in den bis zur Weißglühhitze gesteigerten Brand. Ein Glück, daß der brennende Bau das Ostende des Schachtgebäudes war, sodaß der Wind, der von Westen kam, das Feuer abhielt. Die freiwillige Feuerwehr„MonlCenis“ war im Nu zur Stelle und es gelang ihr, noch Sonnenaufgang die Schreinerei zu löschen. Der vor Sonnenaufgang die Schreinerei zu Brandschaden soll ein sehr bedeutender sein. Man sagt, daß für 35000 Mk. verbrannt seien. * Langendreer. Beim unberechtigten Ueberschreiten der Gleise wurde der auf Zeche„Vollmond" beschäftigte Schmied Goebel zwischen die Puffer zweier Güterwagen gedrückt und derart ve letzt, daß der Tod sofort eintrat. * Die Stadt Gelsenkirchen zählt nach der diesjährigen Personenstandsaufnahme 138048 Einwohner gegen 133868 im Vorjahre. * Während des Gewitters am Samstag schlug der Blitz in eine Windmühle in Borken. Der Müller wurde durch die herabfallenden Flügel der Mühle so schwer getroffen, daß sein Tod sofort eintrat. Ein Opfer des Sturmes wurde auch der Arbeiter Jakob Neu. Infolge des Unwetters überhörte er das Herannahen eines Güterzuges, von dem er zermalmt wurde. * Vor einigen Tagen hatte am Hauptbahnhof in Essen ein Handelsmann aus Bornheim, der an der Verlobung seiner dort weilenden Tochter teilnehmen wollte, das Unglück, mit einer Hand zwischen zwei dem außergewöhnlich schweren Türriegel zu geraten und sich eine erhebliche Verletzung zuzuziehen. Jedenfalls hat der Mann auf die Wunde nicht genügende Obacht gegeben, denn bald stellte sich Blutvergiftung ein und nun ist er unter gräßlichen Schmerzen gestorben. * Bei Neuß sind nachts mehrmals Versuche gemacht worden, Eisenbahnzüge zum Entgleiseu zu bringen. Ein Unglück wurde verhütet. Von den Tätern fehlt jede Spur. * Wegen Brandstiftung wurde der Buchbinder Silbermann in Barmen verhaftet. Silbermann hatte Bettwerk in seinem Zimmer aufgehäuft und dieses angezündet. Gegenüber wohnende Nachbarn bemerkten die Manipulationen des Brandstifters und benachrichtigten die Polizei. Diese nahm den Täter fest, während das Feuer in kurzer Zeit gelöscht wurde. * In Jülich starb infolge Schlaganfalls der Verleger des Kreis=Jülicher Korrespondenz= und Wochenblattes, Fischer, der einzige Bruder des Kardiuals Fischer. *.=Gladbach. Ein junger Mann wollte am Postschalter einen größeren Betrag einzahlen, als plötzlich ein Mann sich stber ihn beugte und mit raschem Griffe drei Hundertmarkscheine von dem Schalterfenster fortnahm. Der Räuber, der ein gezücktes Messer in der Hand hatte, suchte zu entfliehen, die sich ihm Entgegenstellenden bedrohte er mit dem Messer. In der allgemeinen Aufregung gelang es dem Verwegenen, ins Freie zu entkommen; ein Beamter eilte ihm nach und ergeiff ihn nach einigen Minuten und übergab ihn dem herbeieilenden Polizeibeamten. Das Papiergeld wurde vorgefunden; der Täter ist ein Gelegenheitsarbeiter. * Köln. Das Obermedizinalkollegium hat nunmehr endgültig den wegen Mord, Raub, Einbruch 2c. in Untersuchungshaft sitzenden sogenannten„bergischen Kneißl Wilhelm Lauff) für irisingig erklärt, so daß die Verhandlungen gegen ihn nicht eröffnet werden können. e G e g e n e i n e n R e c h t s a n w a l t i n K ö l n i s t d a s U n t e suchungsverfahren wegen Unterschlagung in zahlreichen Fällen * Auf einer abgelegenen Straße in Köln beobachtete ein Apotheker eine Frau, die einem Straßenbahnwagen entstiegen war und nachdem sie sich scheu umgesehen, den Inhalt eines Korbes hinter einem Bretterzaun ausschüttete. Sie lief dann schnell wieder zur Straßenbahn=Strecke und bestieg einen nach Köln zurückfahrenden Wagen. Der Apotheker begab sich an die Stelle, wo die Frau den Korb entleert hatte, und fund dort die Reste einer scheinbar verbrannten Kindesleiche. Die sofort benachrichtigt Kriminalpolizei nahm die Untersuchung auf, konnte aber noch nichts ermitteln.„ 24.,I, schenkte * Düren. Der Fabrikant Benno Scholdel sch. seiner Firma 60000 Mark zur Gründung einer Waisenund Witwenkasse für Meister und Arbeiter. * Moinz. Das„Mainzer Journal“ erläßt eine Bekanntmachung des Domkapitels, wonach die Bischofswahl am 30. Novemter stattfindet. Die Kandidatenliste, die eist am verflossenen Mittwoch abgegangen war, befindet sich wieder in den Händen des Domkapitels. * Osnabrück. Als die Geschwister Schihling Mohle, ein zwölfjähriges Mädchen und ein vierjähriger Knabe, beim Bahnübergange bei Osterholz Scharmbeck nach dem Passieren eines Güterzuges trotz der heruntergelassenen Schranke über das Geleise schritten, wurden sie von einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Schnellzug überfahren und vollständig zermalmt. Beide waren sofort tot. Stadtverordneten-Versammlung vom 21. November. Vorsitzender: Herr Bürgermeister Wynen. Anwesend sind 19 Stadtverorduete. Als Schöffen fungieren die Herren Schnettelker und Brüggemann. Vor Eingang in den Punkt 1: Beschlußnahme betr. die Erstattung des Berichtes über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten, bemerkt Herr Bürgermeister Wynen, daß in Dortmunder Zeitungen vor zirka 14 Tagen die Stadt rechnungen veröffentlicht waren, welche bei verschiedenen Positionen falsche Summen enthielten. Die Bekanntgabe derselben sei ohne sein Wissen geschehen und habe er den betr. Beamten zur Rede gestellt. Er schlägt betr. dieses Punktes vor, da das Gesetz eine Bekanntmachung durch Druck nicht vorschreibt, solche erst nach 3 Jahren zu veröffentlichen, welcher Vorschlag auf keinen Wider spruch stößt. Die Verpachtung von städtischen Grundstücken an Wirt Köhler (45 Mk.), Valentin(21 Mk.), Dunker(6 Mk.), wie bisher, Schulte Becker 21.50 Mk. statt wie früher 13.50 Mk. findet ebenfalls einstimmige Unerkennung. Der Hauungs= und Kulturplan des Stadtwaldes, welcher für Verbesserungen 2c. eine Aufbringung von 170 Mk. fordert, findet Annahme. Der Taxwert des zu schlagenden Holzes ist auf 1830 Mk. geschätzt. Hiervon gehen die Kosten des Schlagens in der Höhe von 264.— Mk. ab, so daß auf einen Ueberschuß von 1566 Mk. gerechnet wird. Es wird Kenntnis genommen von den Dankschreiben der Arbeiterkolonieen Maria Veen und Wilhelmsdorff für die ihnen übersandte Unterstützung. Ferner wird Kenntnis genommen von der erfolgten Einbürgerung der bisher holländischen Staatsangehörigen Krotwart. Der Ziegenzuchtverein, welcher in der letzten Zeit eine äußerst große Rührigkeit an den Tag legt, bittet um Gewährung einer Unterstützung. Der Verein ist in kurzer Zeit auf die stattliche Anzahl von 120 Mitgliedern gestiegen, und ist Herr Bürgermeister Wynen für eine einmalige Unterstützung in der Höhe von 50 Mk. Herr Steinkühler meint, daß, wenn dem Ziegenzucht=Verein eine Unterstützung gewährt würde, andere Vereine, wie z. B. der Geflügelzuchtverein, ebenfalls mit derartigen Wünschen herantreten könnten. Die Herren Esser, Thomas und Cohen betrachten den Verein als sehr gemeinnützige Sache und sind für die Unterstützung, welche nach längerer Debatte in der Höhe von 50 Mk. gewährt wird. Der Vorstand der Verwaltung der hiesigen städtischen Sparkasse ist für die Zeitdauer von 3 Jahren, ebenso 3 Stellvertreter zu wählen. Der Vorstand besteht aus 3 Mitgliedern. Herr Velleuer schlägt vor, den Vorstand, welcher bis jetzt aus den Herren Brüggemann und Werth besteht, so zu belassen und für das durch den Tod ausgeschiedene Vorstandsmitglied Bauer Herrn Thomas zu bestimmen: Abg. Lechtenberg wünscht die Wahl durch Abstimmung mit Stimmzetteln, welcher Antrag von Abg. Auweiler unterstützt wird. Es wird über diesen Antrag abgestimmt und die Wahl durch Stimmzettel beschlossen. Als Vorstandsmitglieder wurden neu gewählt die Herren Brüggemann, Werth und SchmidtKöllmann. Als Stellvertreter die Herren Fritz Grote, Karl Rhöder und Max Weinberg. Ebenfalls auf die Dauer von 3 Jahren war eine Kommission, bestehend aus einem Vorsitzenden und 3 Mitgliedern, zur Prüfung der Sparkassendokumente zu wählen. Als Vorsitzender wird Herr Braukhoff, als Mitglieder die Herren Vierhaus, Thiel und Schulte=Becker gewählt. Bei Punkt 9: Beschlußfassung über die Gültigkeit der Stadtverordnetenwahlen,§ 27 der Städteordnung und§ 10 des Zuständigkeitsgesetzes, wird die Erbitterung der gegenseitigen Redner eine derartige, wie es noch bei keiner Stadtverordneten=Versammlung der Fall war. Nach Verlesung dieses Punktes durch den Vorsitzenden erhebt sich der Stadtrat Lechtenberg, um im Namen der Zentrumspartei die Wahl der 3. Abteilung zu beanstanden, nmit der Motivierung, die Arbeiter seien von seiten gewisser Beamten, welche durch farbige Stimmzettel die Kontrolle noch verschärften, in ihrer freien Wahl behindert worden. Er bittet, über die Beanstandung abstimmen zu lassen und solche zu Protokoll zu nehmen. Stadtv. Wintgen entgegnet, daß dieses Mal von seiten der Liberalen dasselbe geschehen sei, als bei der vorigen Wahl seitens des Zentrums und könne von einer Beeinflussung keine Rede sein. Stadtv. Auweiler im Sinne der Beanstandung und bittet Herrn Wintgen, erklären, wie er das Kaufen von Stimmen seitens des Zentrums vorigen Wahl beyaupten könne. Herr Wintgen entgegnet: „Ich habe es gehört.“ Stadtv. Thomas führt aus, von seiten des Zentrums sei während der Wahl extra ein Mann aus Dortmund zur Kontrolle beordert worden. Stadtv. Esser wirft dem Zentrum vor, es in der Wahl=Agitation nicht anders gemacht zu haben als die liderale Partei dieses mal. Stadtv. Cohn „peicht sich für die Beanstandung aus. Stadtv. Koch führt aus, daß es bei den jetzigen gehässigen Zuständen im Stadtv.=Kollegium nicht bleiben könne, da dies auf keinen Fall zur Förderung der öffentlichen Interessen beitragen könne und ist sehr für ein gegenseitiges Verständnis. Stadtv. Wintgen: Nicht unsere, sondern die Zentrumspartei ist schuld, daß im Stadtparlament keine Einigkeit zu stande kommt. Stetig werden beim Zentrum im voraus die Beschlüsse besprochen, was' bei unserer Partei nicht der Fall ist. Daß beim Zentrum nicht der Wille da ist, sich mit uns zu einigen, beweist schon der Fall„Kreisausschuß". Stadtv. Zelleuer macht hauptsächlich Herrn Cohen und Herrn Auweiler als Führer der Zentrumspartei für die Uneinigkeit im Stadtparlament venantwortlich und macht den beiden Herren den Vorwurf, geäußert zu haben:„Wir vertreten die Interessen der Stadt.“ Stadtv. Auweiler„Ich verwahre mich auf jeden Fall, eine deraatigen Aeußerung inbezug auf meine Person getan zu haben, habe ich dieselbe getan, so kann damit nur gemeint sein, daß ich die Interessen der Stadt so vertrete, als ich es als Stadtverordneter für meine Pflicht halte. Ich nehme an, daß Herr Velleuer die Aeußerung als in falscher Auffassung gemacht hat. Stadtv. Cohen verwahrt sich ebenfalls gegen den ihm seitens des Herrn Vellener gemachten Vorwurf. Er habe, wenn er eine derartige Aeußerung gemacht haben sollte, damit nur sagen wollen, daß er es für seine Pflicht halte, die allgemeinen städtischen Interessen zu vertreten und ersucht den Herrn Velleuer, ihm nach zuweisen, daß er dies in einem Falle nicht getan hätte. Stadtv. Velleuer:„Das wollte ich auch nicht mit meiner Aeuße rung sagen. Stadtverordneter Auweiler weist nun nochmals darauf hin, daß nach seinem Erachten eine tatsächliche Wahl beeinflussung bei den diesjährigen Stadtratswahlen stattgefunden hat und bittet, über den Antrag Lechtenberg abzustimmen. Herr Bürgermeister Wynen hält einen Einspruch gegen die Wahl für ziemlich aunsichtslos. Es erfolgt nun Abstimmung und wird die Wahl der 3. Abteilung mit 11 gegen 10 Stimmen für ungültig erklärt. Die zu Protokoll genommene Motivierung des Protestes lautet: Die Wahl wird beanüandet, weil seitens gewisser Beamten eine Beeinflussung der Wähler stattfand und zur Ausübung einer Kontrolle farbige Stimmzettel verwendet wurden. Es entsteht nun eine erregte Auseinandersetzung zwischen den Stadtv. Wintgen und Auweiler, welche durch die Bitte des Herrn Bürgermeisters, nicht persönlich zu werden, sich nicht weiter fortspinnt. Die Wahlen der 2. und 1. Abteilung wurden als rechtsgültig anerkannt. Es liegt von seiten des Eisenbahnfiskus der Antrag auf Ausstellung eines Reverses wegen Einmündung der Verbindungsßraße in die Kriegerdenkmalstraße vor. Derselbe wird ausgestellt mit dem Zusatz: Die Straße wird städtischerseits übernommen unter vorher zu bestimmenden Bedingungen. Die Feier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers findet wie vorjährig im Saale des Herrn Busch hier statt. In der geheimen Sitzung wurde über den Ankauf des Mühlenteiches verhandelt. Das Projekt wurde der sehr hohen Kosten wegen abgelehnt. Ebenso wurde die Durchlegung der Kaiser Friedrichstraße zum Marktplatz abgelehnt. Sodann wurde noch die desinitive Anstellung einiger städtischer Beamten genehmigt. Nachri * Zwanzigtausend Zeitung sartikel. Man schreibt uns aus der Schweiz: König Peter von Serbien hatte den Wunsch, alles, was über ihn bei seiner Thronbesteigung und über die ihr vorangegangenen Ereignisse in der Presse erschienen war, zu sammeln. Er betraute damit das Schweizer Zeitungsausschnittbureau„Argus“ in Genf und dieses stellt das Resultat seiner Arbeit soeben in der Buchhandlung Eggimann in Genf aus. Etwa 20000 Artikel sind in fünf starken Bänden vereinigt. Wenn Peter I. König bieibt, bis er diese Artikel alle gelesen hat, wird seine Regierungszeit ziemlich lange dauern. *(Intolerant.) Lehmann(in der Zeitung lesend, zu seiner Frau):„Nu hör' mal, Alte, hier steht, daß een Iraf immer sieben Zacken in die Kione hat, und mir willste et veribeln, wenn ick alle Sonnabend eenen eenzijen mit nach Hause bringe. *(Fortschritt.) Arzt(zum Rekonvaleszenten):„Nin, Herr Günter, waren Sie heute spozieren, wie geht's mit den Beinen?“— Heri:„Gut, gut, lieber Herr Doktor, bin wieder drei Wirtshäuser weiter gekommen wie gestern.“ * Verdeutschungs=Vorschlag für„Automobil“:„Ueberfahrer.“ *(Im Feuerbestattungs=Verein.)„Trotz allem, meine Herren, was uns seitens Preußens in den Weg gelegt wird, gebe ich die Hoffnung nich: auf, daß ich es noch erlebe, in einem preußischen Krematorinm verbrannt zu werden. *(Anerkennung.) Gauner(der von seinem Rechteanwalt brillant verteidigt wird): Sakra, der als Kompagnon, dös gäb' a Firmo! *(Zwei Meinungen.) Hausherr:„Sie kommen schon wieder zu spät! Ich meine, wenn man den Zins nicht pünktlich zahlen kann, so sollte man keine so große Wohnung nehmen!“— Mieter:„Und ich meine, wenn man nicht ein paar Tage auf den Zins warten kann, so sollte man kein so großes Haus kaufen. *(Der entrüstete Oakel.) Eine heitere Szene ereignete sich in einer schlesischen Stadt. Einem Kaufmann war ein strammer Junge geboren, was der glückliche Vater seinem Bruder mitteilte mit den Worten:„Heute ist bei mir ein Junge eingetroffen, der sich für Deinen Neffen ausgiebt.“ Sofort antwortete dieser:„Du weißt, daß ich keinen Neffen habe. Glaube dem Betrüger nicht, wirf ihn hinaus oder laß ihn verhaften.“ Erst ein zweiter Brief mußte den„Onkel“ aufklären. *(Unbeabsichtigt.) Pfarrer:„Nun, Stoffelbauer, welche Wirkung hat denn meine heutige Predigt über die große Hitze im Fegefeuer auf Euch gemacht?— Bauer: „Hochwürden Herr Pfarrer, an sakrischen Durst hab'i drauf gekriegt.“ *(Abgeblitzt.)„Ich wäre selig, den Saum Ihres Gewandes küssen zu dürfen.“—„Ach, gehen Sie, ich mag saumselige Menschen nicht leiden.“ *(Kathede.blüte.) Professor der Philosophie:„Der Geiz ist die Wurzel und die Frau die Quadratwurzel alles Uebels.“ völkerung hatte den Freispruch sicher erwartet. Das„Berl. Tabl.“ meldet: Ein Nachspiel. Staatsanwalt Müller ist nach einer uns ##gegangenen Meldung nach Elberfeld versetzt worden. Staatsanwalt Müller hat neben dem Ersten Staatsanwalt Steinbrecht die Anklage im Kwilecki=Prozeß vertreten.— Ein„sicheres" Versteck hatte sich ein von der Berliner Polizei seit drei Jahren wegen Betrugs usw. gesuchter Kunstschlosser erwählt. Die Polizei war oft in seiner Wohnung, aber der Gesuchte wurde nie gefunden. Dieser Tage nun sah ein Kriminalkommissar, daß die Hinterwand der Speisekammer einen helleren Anstrich hatte, doch war, so berichtet das„Kl. Journal“, nicht recht daran zu denken, daß hier noch ein Versteck sein sollte, da die Wand mit einem Regal, das schwere Töpfe mit eingemachtem Obst enthielt, abgestellt war. Als man aber an einem anscheinend ganz bedeutungslosen Stifte zog, öffnete sich eine Tür, hinter der der lange Gesuchte stand.— Von der Pike auf. Vor einigen Tagen ist in Braunsbeig der Oberst z. D. Liederwald gestorben. Wegen hervorragender Tapferkeit beim Sturm auf die Düppler Schanzen erhielt er als Sergeant das Militär=Ehrenzeichen 1. Klasse und wurde zum Offizier befördert. Im 53. Regiment machte er den Feldzug der Main=Armee 1866 mit und zeichnete sich bei Kissingen aus. Später war er Bezirksadjutant in Gräfrath, kam dann in das Infanterie=Regiment Nr. 28 und erwarb sich im Kriege 1870/71 bei Bapaume das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Nach dem Frieden war er eine zeitlang Regimentsadjutant in Aachen und wurde später Hauptmann im 4. Grenadier=Regiment. Seine militärische Laufbahn beschloß er als Bezirkskommandeur in Braunsberg; 1895 erhielt er am Jahrestag von Bapaume den Charakter als Oberst.— Ostende Ein Fischerboot traf auf offener See die englische Bark„Stanley“, die dem Sinken uahe war. Das Boot nahm 3 Mann der Besatzung auf. Bevor es weitere Personen retten konnte, sank die„Stanley“ und mit ihr 15 Mann der Besatzung.— Der Schullehrer der Ortschaft Erneptem fand Montag Morgen seine drei Kinder im Alter von 4, 3 und 2 Jahre in ihrem Schlafzimmer erstickt. Der Rauch einer Petroleumlampe hatte die Katastrophe verursacht.— Landau. Der Bauernhofbesitzer Koplin in Görlsdorf hat seinen 88jährigen Vater ermordet. Der Täter ist verhaftet.— Aus Südhannover. Der am Samstag wütende Sturm hat in Peine großen Schaden angerichtet. Auf dem Eisenwalzwerk stürzte ein Schornstein ein, wodurch 5 Personen verletzt wurden, eine davon tötlich. Auch der Turm der katholischen Kirche ist eingestürzt.— Kaiserslautern. Im Orte Alsenborn wurde ein seit dem 11. November vermißtes 11jähriges Mädchen auf einem Speicher in einer Kiste tot gefunden. Ein Verbrechen ist unwahrscheinlich.— In Aschaffenburg starb an den Folgen einer bei einer Säbelmensur erhaltenen Verwundung der Studierende der forstlichen Hochschule Königsdorfer. Am vorletzten Freitag fand die Mensur statt. Der Gegner Lorenz, ebenfalls Studierender der forstlichen Hochschule, hat sich nach Bekanntwerden des Todes Königsdorfers sofort der Staatsanwaltschaft gestellt.— Wien. Das„Grazer Tageblatt" meldete aus Ardining(Obersteiermark), daß gegen den dortigen Fabrikanten Zanardelli ein Bombenattentat verübt worden ist. indem eine Kiste mit Dynamit zur Explosion gebracht wurde, 12 Personen wurden dadurch getötet, 8 schwer verletzt. Man glaubt, daß hier ein Racheakt seitens entlassener Arbeiter vorliegt.— Konstantinopel. Ein ungeheurer Brand hat, wie der „Frtf. Ztg.“ gemeldet wird, den größten Teil der im Aufblühen befindlichen kleinasiatischen Stadt Eskischehir, eines etwa 200 Klm. von Konstantinopel entfernten Knotenpunktes der Anatolischen Bahn, zerstört. 3 Bazare mit 1313 Buden, 11 Karawansereien und 2 Moscheen wurden durch das Feuer, das 40 Stunden wütete, vernichtet.— Petersburg Durch starkes Unwetter ist das Wasser in der Newa und in den Kanälen sehr bedeutend gestiegen und überschwemmt die Straßen. In vielen Straßen können Wagen wegen des hohen Wasserstandes nicht mehr fahren. In einigen Straßen benutzten die Bewohner Boote und Flöße.— Los Angeles. Von dem Hamburger Schiff Octavia, das von Antwerpen kommt und eine Meile von hier vor Anker liegt, wurde der erste Offizier sterbend an Land gebracht. Der Segelmacher ist in Fesseln gelegt, da er des Mordes verdächtig ist. Nach dem Logbuch sind auf der Fahrt drei Matrosen in die See versenkt worden. Soweit man ersehen kann, handelt es sich um eine Tragödie auf hoher See.— New=York. In einer Steingrube zu Connelehill in Pennsylvanien wurden durch eine Dynamitexplosion 15 Arbeiter getötet und 4 schwer verletzt.— Bei dem Brande des Arbeiterschuppens in Lilly wurden im ganzen 35 ztalienische Arbeiter getötet und 32 schwer verletzt. Standesamtsnachrichten des Amtes Bankau. vom 15. bis 21. November. Geburten. Ein Sohn: Bergm. Jos. Kupczyk, Horsthausen. Bergm. M. Mazurkiewicz, Horsthausen. Bergm. Alb. Damitz, Horsthausen. Eine Tochter: Tagesarb. Herm. Thulke, Horsthausen. Bergm. Joh. Szezesniak, Horsthausen, Kesselw. Aug. Roth, Horsthausen. Bergm. Joh. Wlazik, Horsthausen. Bergm. Talaszka, Horsthausen. Bergm. Joh. Küch, Horsthausen. Bergm. Heinr. Droste, Horsthaufen. Aufgebote. Bergm. A. G. Heiselmeier und Karol. Umierski, beide Horsthausen. Heiraten. Bergm. Fr. Kreggemeier und Groda Wichermann, beide Horsthausen. Sterbefälle. Andreas Zybala, 11 Mon. Stanislawa Malinowski, Horsthausen, 3 Tg. Felix Mazurkiewicz, Horsthausen, 1 Std. Aus aller Welt. Der Schlußakt des Kwilecki=Prozess's Bei der Schlußverhandlung des Kwilecki=Prozesses am Mittwoch wurden sämtliche 5 Angeklagte freigesprochen.— Schon am Vormittage umlagerte eine ungeheure Menschenmenge den Justizpalast. Die Polizei hatte umfassende Abspercungsmaßregeln getroffen, um den Wagenverkehr aufrecht zu erhalten. Nachmittags schwoll die Menge ungeheuer an, die Korridore des Gerichtsgebäudes waren überfüllt. Die Angeklagten standen eine Viertelstunde vor der Urteilsverkündung gleichfalls auf dem Korridor, sie sahen heiter. und fiegesgewiß aus. Bei der Urteilsverkündung bricht das Publikum in laute Hurrahrufe aus. Die Angeklagten werden umringt und herzlich beglückwünscht. Viele vornehme Polen, die gleichfalls anwesend sind, küßten der Gräfin die Hände. Die Freigesprochenen bahnten sich mühevoll einen Weg durch den Korridor und begaben sich über die Hintertreppen nach dem auf dem Hofe haltenden Wagen. Auf der Straße wurden die Freigesprochenen unausgesetzt von den Hurrahrufen der Menge begrüßt. Die Urteilsfällung erfolgte um 6½ Uhr. Das Urteil wurde abends in den Straßen Berlins durch Extrablätter verbreitet und ruft allseitig lebhafte Befriedigung hervor. Die BeWetterbericht. Wetter am 27.: Vorwiegend trockenes, ziemlich heiteres Wetter. Landwirte! Freisen anBei dem Einkauf des jetzt zu billigen gebotenen Thomasmehls vergeht wicht. daß dieses nur zur vollen Wirkung gelangt, wenn es zusammen mit Kalisalzen angesrendet wird. Nach den Aussprüchen aller wissenschaftlu#en Autoritäten bestimmt der Pflanzennährstoff die Hohe der Ernten, welcher im Boden in geringster Menge“vorhanden ist. Unterlaßt also nicht, Kali in Form### oder Ralidüngesalz 40“ auszustreuen, da sonst das für die übrige Düngung verausgabte Geld keinen Gewinn bringt, sondern weggeworfen ist. Als einfach„unersetzli wird Kathreiners Mal kaffee zeichnet. Diesem Urteile muß=Jeder der die vielen Vorzüge„#### Ersaf threiners Malzkaffee###ächlich in ihn hoch über alle lichen Echeugni sich von seiner#ommlichkeit,#on und seiner„Pilligkeit dusch et Be Rebaktion, Druck und Verlag vor vielen Hausfrauen beunbedingt beistimmen, 1g kennt, die Kavereinigt und die stellen, Jeder, der ohlgeschmack axis überrich Schmitz, Castrop. Bekanntnachung. In der am nigen Tage gewesenen Ge# rordneten=Ersatz mahl von## rg=Sodingen ist von der#### der Gutsbeüher#########lle=Alsiede ge# W a y l v e f a h r e n k a n n #Woten Beschwerde bei berg= Sodingen erhoben worden. Sodiagen, den 25. November 1903. Der Amtmann: Wiethoff. 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Das Konkursverfahren Handelsgesellschaft Mengeder Co. zu Mengede wird da eine den Kosten des Ve nicht vorhanden ist, auch ein zur 1,2 bezeichneten Massekosten ausre vorgeschossen ist. Castrop, ben 23. Oktober 1903. — Königliches fl. 9 u. dur,.rsthladtes..•5“ Da oie Z u der Hausschlantungen herannaht, mache ich hierdurch auf den§ 2 des Fleischbeschaugesetzes vom 8. Juni 1900 besonders aufmerksam. Derselbe lautet: Bei Schlachttieren, deren Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt des Besitze s verwandt werden soll, da f. sosera sie keine Meikmale einer die Genußtauglickkeit des Fleisches ausschkleßerden Erkrankung eigen, die Untersuchug vor der Schlachtung und, sofern sich solche Merk#se auch bei der Schlach ung nicht ergeben, auch dee Untersuthung nache Schlachtung unterble ben. Eine gewerbsmäßige Vipendung Fleisch,.i welchem auf Grund des Absatz 1 die Unt######chun unterbleibt, ist verboten.* Als eigener Haushalt im Sinne des Absatz 1 ist der Haushalt der Kasernen, K ankenhäuser, Erziehung=anst Gen, Spe=seanstalten, Gesangenanstalt n, Armeohäuser oder ähnlichen Anstalten, sowie der Haushalt der Schlächter, Fleischhändler, Gast=, Schenk= und Spessewirte nicht anzusehen, Uebertretungen dieses§ zrehen eine Geldstrafe bis 150 Mk. oder eine entsprechende Haftstrefe nach sich. Der Tichinenschau ist nach wie vor jedes geschlachtete Schwein unterworfen. Die Gebühr hierfür ist von 1 Mark au. 75 Pfg. ermäßigt worden. Sodinge:, den 23 November 1903. Die Polizei=Verwaltung: Wiethoff. Ha.-Aalssach idumerstragse Nr. 87 b. empfiehlt seine hochfeine theits=Tanzchen. F OI. len käheres Oi 94% stets frisch in der Preislage von wäscht wollene Sachen, Entfernt die Saüce, Oel und Sebe u#p#.Sür#P- Rige Und alles gPi##er Zer. 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