Altester Anzeiger für das Sauerland Das„S. V.“ erscheint jeden Werktag früh und kofte monatlich a) durch die Post und unsere Boten 1,75 G.=M. zuzügl. Bestellgeld; d) in unserer Geschäftsstelle abgeholt 1,75 G.=M. Einzelpreis 10 G.=Pf. Bestellungen nehmen alle —„sowie jeder Briefträger entgegen Störungen durch höhere Gewalt und ausstand rechtfertigen keine Ersatzarsprüche.:: Geschäftsstellen Frankfurterstr. 16 und Bahnhofstr. 3.— Fernruf 2. Postscheckkonto Köln 10 158 TTT Kreisblatt des Kreises Olpe Anzeigenpreife: 1 Millimeter Höhe in der 35 Millimeter breiten Spalte im Ortsverkehr 8 Goldpfennige, auswärtige Anzeigen 10 Goldpfennige;; Reklamen 1 Millimeter Höhe in der 75 Milltmeter breiten Text=Spalte, 40 Goldpfennige. Auslandsanzeigen: Valutaaufschlag. Bei Auskunft und Offerten=Annahme und Weiterbeförderung entsprechende Zuschläge. Anzeigen=Rechnungen sind innerhalb andernfalle Zinszuchläge in Höbe der Bankziusen Keichspurteitag des Ventrums. Zukunftsaufgaben der Zentrumspartei. Rede des Reichskanzlers Dr. Marx. 2. Innere Staatspolitik. Die äußere Grundlage des deutschen Staatswesens und der Staatsordnung ist die Weimarer Verfassung, die wir als rechtmäßig und im Gewissen verpflichtend anerkennen. Die inneren Voraussetzungen für das Gedeihen des deutschen Staatswesens hängen gewiß entscheidend von der Entwicklung unserer Außenpolitik ab. Es ist aber ohne Zweifel, daß auch im eigenen Volke die inneren Voraussetzungen für die Staatsordnung noch nicht genügend entwickelt sind. Dazu ist ein Gemeinschaftswille notwendig den man nicht machen kann, sondern der sich von innen her entwickeln muß. Mit der Weimarer Verfassung wollten wir die äußeren Voraussetzungen für die Verwirklichung dieses Gemeinschaftswillens schaffen: So fassen wir den Sinn der Demokratie auf, die die Weimarer Verfassung konstituiert hat. Wir wollen nicht die Vorherrschaft eines Teiles des Volkes, nicht die Vorherrschaft einer Kräftegruppe, sondern das Miteinanderherrschen aller gesunden Kräfte des Volkes. Mit vollem Recht hat der Parteivorstand in seiner Entschließung vom 31. August d. Is. in Hannover gesagt: „Das Ziel der Deutschen Zentrumspartei bleibt! Neues in der We nach wie vor die Schaffung einer wahren Volks= größer die Not ist. gemeinschaft, in der alle nationalen, sozialen und Zerrissenheit aufs kulturellen Kräfte des deutschen Volkes zur sozialen E rum nicht unsittlich, falls es sich um den Willen zur Zusammenarbeit handelt. Es kann auch nicht die Idee des Christentums, des Katholizismus sein, sich abzuschließen gegenüber den anderen Weltanschauungsgruppen; es liegt vielmehr gerade in der Idee des Christentums, des Katholizismus, gegenüber allen Wirrungen irdischer Unvollkommenheit Kräfte zusammenzuführen, die an sich auseinanderstreben. So bekennen wir uns in voller Verantwortung vor unserem Gewissen und vor unserem Herrgott zu der Idee der Arbeitsgemeinschaft im politischen Leben als einer politischen Notwendigkeit angesichts der Zerrissenheit des deutschen Volkes, weil wir so unserem Volke und Vaterlande am besten glauben, dienen zu können. „Wir dürfen nicht grundsätzlich das politische Zusammengehen mit Rechtsgerichteten verweigern, wofern diese nur vorbehaltlich die Verfassung als rechtsverbindlich ansehen. Wir verwerfen aber ebenso wenig grundsätzlich ein Zusammengehen mit der sozialdemokratischen Partei, da es lediglich gemeinsames Erstreben politischer Ziele ohne irgend welches Aufgeben weltanschaulicher Grundsätze bedeutet." Die Schwierigkeiten der inneren Gemeinschaft unseres Volkes liegen auch in der sozialen Struktur Deutschlands. Soziale Verschiedenheiten sind nichts Neues in dei zvelt; sie wirken umso schärfer, je Im deutschen Volke ist die soziale schärfste zugespitzt. Die einzelnen fruchtbaren Auswirkung gelonger g. u. u eiten Sruppen vepzuten können. sammengefaßt, die geschlossen oder in Untergruppen Das sind wahrhaft goldene Worte. Das ist die aufgeteilt, im schärfsten Machtkampfe mit einander Turstellung einer idenen Demokratie so wie die den ringen. Die sozialen Machtkämpfe werden in unZencherwagennb läitzer gaute, Zentrunsgedanken ent, serer irdischen Unvolkommenheit wohl nie besetigt der Lage und befähigt werden können, nur eine seelische Neuordnung der den, dengkratschen Gedanken möglichst volkom: Menschen könnte hier Wandel schaffen; dessen ist sich Serede d# Scmm zu verwirklichen, dann ist es auch die in der sozialen Frage nur am Aeußeren argerabe die Hemrumspartei. Ist dem aber so, dann beitende Politik bewußt. Ihre Aufgabe ist es, die Sien zu ihm betennen de Machtämpfe in ihrer Ea tommt mir ott vor als halte mon a. Schärfe abguschwächen. Die Poltt ist verpflichtet, Es tommt nir Ist vor, uis halle man das Be= die materielle Lage des Volkes bessern zu helfen, dakenntnis zur Demokratie für gleichbedeutend mit dem bei jedem Stande seine eigene Aufgabe zu belassen. zur Republik. Das ist keineswegs der Fall. Die Die sozialen Gruppen legen sich vielfach— zu Nutz Zentrumspartei hat seit je ihre Ehre darin gesehen, oder Unnutz, das will ich nicht entscheiden— das GeVerfassungspartei genannt zu werden und zu sein. wand einer Weltanschauung um, um umso stärker ihDeshalb bekennen wir uns zur Weimarer Verfassung ren Machtwillen betätigen zu können. So greifen und verwerfen jeglichen ungesetzlichen, insbesondere soziale und weltanschauliche Kräftegruppen in unsichtgewaltsamen Versuch zur Aenderung derselben. Wir barer Gliederung ineinander über. Die sozialen erkennen deshalb die Republik, als, die verfassungs Gruppen spannen auch die Parteien für ihre Zwecke müßig begründete und geschugte Smatsform an. an. So erklärt sich der Wesenscharakter mancher Wir verlangen von jedem Zentrumsanhänger, daß er deutschen Parlei, die weltanschaulichen Fanatismüs sich auf den Boden der Verfassung stellt. Damit aber und soziales Machtstreben in sich vereinigt. wollen und dürfen wir nicht einen Gewissensdruck Die Politik hat auch die sozialen Gliederungen zuausüben. Wenn jemand die Monarchie als die sammenzuführen, weil nur so das Nebeneinanderleben halh und dag(Rageneinandarstrehen der einze.. bessere Staatsform erachtet, so darf er doch deshalb nicht als geringerer Zentrumsmann geachtet werden. Die innere Einstellung muß dem Gewissen, des einzelnen überlassen werden. Unbeschadet derselben ist er aber auch im Gewissen verpflichtet, die Verfassung als rechtlich bindend anzuerkennen. Unser großer Führer Windthorst soll auch in dieser Beziehung für uns Vorbild sein! Die vielfachen Angriffe gegen den Bestand unserer Verfassung lassen es aber auch als Pflicht des Zentrumsanhängers erscheinen, sich freudig und stark zur Verfassung zu bekennen und wo es angeht, auf ihre Vorteile und Vorzüge gerade im Sinne unserer Grundsätze hinzuweisen. Die demokratische Idee der Volksgemeinschaft stößt leider auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten infolge der inneren Struktur des deutschen Volkes. Bei der Verwirklichung des hohen und idealen Zieles der Schaffung der großen Volksgemeinschaft anläßlich der letzten Regierungsbildung haben wir diese Schwierigkeiten wieder bis ins einzelne kennen gelernt. Und doch liegt in dem Streben nach der großen Volksgemeinschaft im wahren Sinne des Wortes die große Aufgabe und das große Ziel der Deutschen Zentrumspartei klar ausgedrückt. Echten Zentrumsgeist verriet der jüngst unternommene Versuch, die Parteien von Scheidemann bis Hergt in einer Ragierungsgemeinschaft zusammenzufassen. Am kleinen Geist der Parteien ist der Gedanke gescheitert. Wo liegen die Schwierigkeiten? Zu tiefst in der Verschiedenartigkeit der Weltanschauungen nicht nur der Konfessionen, zu denen unser Volk sich bekennt Hier ist die Kluft am größten, weil es im Weltanschaulichen keine Kompromisse gibt. In den Weltanschauungsgruppen hat die deutsche Politik als mit etwas Gegebenem zu rechnen. Und doch, diese verschiedenartigen Weltanschauungen wirken und leben in einem Volke, in einem Staate, sie werden getragen von Deutschen, von Menschen, die einer Art und einer Kultur sind.— Es ist daher eine innere Notwendigkeit, daß diese weltanschaulich verschiedenen Menschen sich im Polttischen zusammenfinden und zusammenwirken. Die Parteien sind Träger und das Gegenemänverstreben der einzeinen sozialen Gruppen zu einem Füreinanderleben und Miteinanderstreben geführt werden kann. Nur so ist deutsche Staatsordnung, nur so ist deutsche Politik überhaupt möglich. Die Zentrumspartei hat in ihrer Zusammensetzung aus allen Schichten des Volkes die Kraft zum sozialen Miteinander in ihrer ruhmreichen Geschichte stets entfaltet. Sie wird diese Tradition weilerführen. Sie wird insbesondere nach wie vor bestrebt sein gerade den sozial bedrohten Schichten wieder das Gefühl menschlicher und nationaler Wertschätzung zu geben, sie wird bestrebt sein, all den unglücklichen Millionen deutscher Volksgenossen, die in einer unglücklichen Entwicklung unseres Volkslebens Heimat und Vaterland verloren haben, Heimat und Vaterland wiederzugeben. Ueber der weltanschaulichen und sozialen Gliederung, die allzu leicht auseinander führt, steht der natürliche Wille der deutschen Nation ein Volk zu sein, ein deutsches Volk zu sein, eine Schicksalsgemeinschaft, eine Volksgemeinschaft zu werden. Dieser natürliche Wille lebt kräftig im deutschen Volke, sonst würde es nach vier Jahren Krieg und sechs Jahren ärgster Bedrückung als Volk nicht mehr bestehen. Diesen natürlichen Willen des Volkes beeinträchtigen scheinbar Strebungen, die aus dem landmannschaftlichen Heer fließen. Der Süddeutsche hat einen anderen Charakter als der Noddeutsche, der Westdeutsche einen anderen als der Ostdeutsche. Die Verschiedenartigkeit der Stammescharaktere wird noch verstärkt durch die wirtschaftliche Entwicklung die den einzelnen Gegenden unseres Vaterlandes teils den Charakter als Agrarvolk, teils als Industrievolk gegeben hat. In der Zentrumspartei haben sich diese Stammesverschiedenheiten so stark gezeigt, daß sie zur Absplitterung der Bayerischen Volkspartei geführt haben Die Einordnung der Verschiedenheiten deutschen Stammeslebens, ist äußerlich gesehen eine Verfassungsfrage. Die Weimarer Verfassung hat die Aufgabe zu lösen versucht. Eine Verfassung legt jedoch nur die äußere Form des Staatslebens und damit auch nur die äußere Form des Zusammenwirkens der einzelnen Stämme im deutschen Staatswesen fest. Von Zentralismus und Föderalismus nicht zu Schlagworten werden zu lassen, um die ein Parteihader sich aus toben kann. Bismarck hatte mit den gleichen Dingen zu kämpfen. Er konstituierte eine Vormachtstellung Preußens und gewährte den übrigen Bundesstaaten größere und kleinere Reservatrechte. Bismarck hat die Frage machtpolitisch gelöst. Wir suchen sie gesinnungspolitisch zu lösen. Das Wie ist der Entwicklung vorbehalten. Das Ziel ist klar: Ein einiges Deutschland mit dem fernen Ziel eines Großdeutschland in Stärke nach außen und in Geschlossenheit nach innen muß gewahrt bleiben. Dieses Ziel ist nur in natürlicher Gliederung, in einem demokratischen Deutschland zu erreichen. Schwarz=Rot=Gold ist nicht Verkehrung und Verkennung von Schwarz=Weiß=Rot, sondern das Symbol für das politische Streben, das das gesamte deutsche Volk in natürlicher Gliederung ohne Vormachtstellung eines einzelnen Teiles zu einem nach außen machtvollen und im Innern gesicherten und gefestigten deutschen Reiche zusammenfassen will. Die deutsche Republik von heute ist uns noch nicht Vollendung. Die Erhaltung Preußens, das in der nationalen Bedrückung sich als ein starker Bestandteil deutscher Einheit bewährt hat, wird dabei von ganz besonderer Bedeutung sein. Wir sehen in Preußen ja mehr als Ostelbien, wir sehen in Preußen neben dem preußisch konservativen und leider Gottes vielfach reaktionären Kräften des Ostens die volkslebendigen, fortschrittlichen Kräfte des Westens. Der natürliche Wille der deutschen Nation, Volk zu sein, wird ferner gestört durch Auffassungen, die durch bestimmte Gefühle und durch eine bestimmte einseitig erlebte Tradition erklärt werden. Ich brauche nur einige dieser Auffassungen in Schlagworten wiederzugeben:„Nur unter einer Monarchie kann sich ein nationales Deutschland bilden";„jeder Erfüllungspolitiker ist ein Vaterlandsverräter";„jeder Sozialdemokrat ist ein unnationaler Volksgenosse";„der Katholik ist bis auf rühmliche Ausnahmen ein Staatsbürger zweiter Klasse"; „jeder Jude gehört nach Palästina". Diese Reihe ließe sich ellenlang vergrößern, die Gefühle, die in diesen Auffassungen liegen, schwingen tausendfach mit im politischen Leben des deutschen Volkes. Sie erschweren die notwendige Schaffung eines Gemeinschaftswillens im deutschen Volke, sie verhindern das Werden einer Volksgemeinschaft. Hüten wir uns vor Verallgemeinerungen; seien wir auch dann Realpolitiker, daß wir die Menschen und Gruppen sehen, wie sie sind, und nicht durch die Brille überkommener und oftmals künstlich gemachter Doktrin, die mit dem Leben nichts mehr zu tun hat. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß sich gerade im Zentrum die Politik der mittleren Linie verkörpert, die die allein mögliche nach der ganzen historisch gewordenen Zusammensetzung unseres Volkes ist; daß im Zentrum seit je wahre Toleranz, sozialer Ausgleich, ein harmonischer Ausklang streng konservativer Richtung und wahrhaft liberalen Freiheits= und Gerechtigkeitssinnes in die Erscheinung getreten sind. Ich habe die Verschiedenartigkeiten deutschen Volkslebens und deutschen Volksstrebens systematisch vorzuführen versucht, herausgehoben aus einseitiger parteipolitischer Betrachtung, um in voller Deutlichkeit all die Schwierigkeiten klar zu machen, mit denen die deutsche Politik sich abzumühen hat. Nur wer all die Schwierigkeiten kennt und würdigt nur wer sie fühlt und zu meistern versucht, kann deutsche Politik verstehen, kann deutsche Politik in die rechten Bahnen lenken. Der Zentrumspolitiker hat all diese Schwierigkeiten in den letzten Jahren auf das tiefste gefühlt und hat sie zu meistern versucht, unvollkommen gewiß, weil auch wir schwache Menschen sind, aber doch mit dem Streben nach Vollkommenheit. Auch innerhalb der Partei sind alle diese verschiedenartigen Elemente vorhanden. Solange die Zentrumspartei besteht, haben wir versucht, die Verschiedenheiten nicht zu beseitigen, aber sie so zu ordnen, daß sie ein starkes Aktivum für das deutsche Volks= und Staatsleben geworden sind. Die Zentrumspartei ist wahrhaftig die Volksgemeinschaft im kleinen. Darin ruht die Kraft unserer Politik. Aber neben uns und um uns herum stehen Millionen, die unausgeglichen bleiben; auch diese müssen wir bei der Wahl der Richtung unserer Politik im Auge behalten und berücksichtigen. Werden wir auch in Zukunft die Partei der Volksgemeinschaft bleiben, haben all unsere Mitglieder den ernsten Willen die Volksgemeinschaft im kleinen zu verwirklichen? Das ist eine ernste Frage, die wir uns bei der Heerschau unserer Partei auf dem Reichspartettage stellen müssen. Sie verlangt offene und aufrichtige Antwort. Die Antwort liegt bei Ihnen, die Sie die beauftragten Vertreter unserer gesamten Parteimitglieder sind. Wir haben auch in der Partei kleine Teile, die in dem Beteinander aller Strebungen eine innere Schwäche sehen und darum klareEntscheidung wünschen. In Schlagworten drückt man es so aus: rechts herum oder links herum; mit dem Besitz oder mit dem Nichtbesitz; mit dem Liberalismus oder mit dem Sozialismus; mit den Konservativen oder mit den Fortschrittlichen; mit dem Föderalismus oder mit dem Centralismus; mit der Monarchie oder mit der Republik; mit„Schwarz=Weiß=Rot“ oder„SchwarzRot=Gold"; mit der Diktatur oder mit dem Parlamentarismus. Wer nicht das ganze deutsche Volk in all seinem Leben sieht der kann sich für den einen Weg entscheiden, der kann partei= und interessenpolitische Macht über das Wohl des ganzen Volkes stellen. Wer verantwortliche Staatspolitik treiben will, kann nur den Weg wählen, der unter Berücksichtigung aller Vorgänge im Volke der Volksgemeinschaft am meisten nützt. Das ist der wahrhaft nationale Weg, ein Weg zugleich nüchterner Vernunft und politischer Moral. Solange Deutschland am. Boden liegt und nur unter Zusammenfassung aller Kräfte sein materielles und nationales Dasein fristen kann, werden wir diesen Weg gehen müssen; das ist der Weg der nächsten Jahrzehnte. Wir wollen einen stacken Staat, dessen Macht, dessen Hoheit nicht nur auf äußerer Macht, sondern vor allem auf innerer Stärke beruht. Auf diesem Wege gehen wir in langsamer Entwicklung. Stürmer und Dränger mögen und sollen uns immer wieder antreiben, unseren Schritt zu beschleunigen; diesen Stürmern und Drängern werden sich immer wieder bedächtige Menschen hemmend entgegenstellen und sie vor Uebereilung bewahren. Ich glaube an eine langsame, aber darum desto stärkere Festigung unseres inneren Volks= und Staatslebens. Alle, die mit mir diesen Glauben haben, mögen den langsamen Weg mit mir gehen. (Fortsetzung folgt.) ,. S r g r o n i s s e i n E n g l a n d. Stärkung der Konservativen, Schwächung der Liberalen; Zuversicht der Arbeiterpartei. oder besser auswirkende Organe der verschiedenen innen gesehen ist die Frage nicht nur eine VerfasWeltanschauungen. Der äußere Ausdruck des Zu= sungsfrage, sondern eine Frage des Gemeinschaftssammenwirkens der einzelnen Parteien sind die ver= lebens im Staate, wobei die einzelnen Glieder in ihschiedenen Koalttionen, die wir in der deutschen Poli= rer Verschiedenartigkeit in Selbstverwaltung, aber tit wirksam gesehen haben, Koalttionen als Arbeits= auch in Selbstverantwortung für das Ganze zusamBindung der Welenschanungen, sonden de uede nenwirten mihsen. Nur dany, wenn wir Biesz der Vemstlgung vaterchgtuse, Freun de woden Dinge in ihren duberen und ineren Zusammenhön.„#discher aufgaben in, praktt= gen sehen, können wir sie zum besten unseres Vaterscher Zusammenarben vienen. Koalitionen sino vur landes lösen. Wir sind entschlossen, die Begriffe WTB London, 29. Okt. 11 Uhr abends.(Radio). Die ersten fünf bekannt gewordenen Wahlergebnisse brachten den Konservativen 5 Gewinne und zwar 3 Sitze in Halford, 1 Sitz in Wakefield, 1 in Manchester. vo3 London, 29. Okt. 11.45 Uhr abends. (Radio). Die ersten Wahlergebnisse bringen den Konservativen Gewinn in industriellen Wahlkreisen. Bisher haben die Konservativen acht Sitze gewonnen und zwar davon vier von der Arbeiterpartei und vier von den Liberalen.— Henderson, der gegenwärtige Minifter des Innern, ist in Burnely gewählt.— Bis 11.30 m. e. Zeit stehen 12 Wahlergebnisse fest und zwar wurden zehn Konservative und 2 Arbeiterparteiler gewählt. BDZ London, 30. Okt. 12 Uhr nachts.(Radio.) Wie der englische Funkdienst meldet, zeigen die bei den Hauptquartieren der einzelnen Parteien eingegangenen Berichte, daß der heutige Wahlkampf ungewöhnlich stark ist. Das Hauptmerkmal ist, daß sich die Frauen in einer noch nie dagewesenen Zahl an der Wahl beteiligen.— Trotz der Erbitterung, mit der der Kampf geführt wird, ist die Ordnung im allgemeinen wenig gestört worden. Die konservative Partei zeigt große Zuversicht. Sie nimmt als sicher an, daß ihr eine klare Masorität über die anderen Parteien zufallen wird, d. h., daß sie von den 650 parlamentarischen Sitzen mindestens 308 Sttze erlangen wird, gegenüber 258 Sitze bei den letzten Wahlen. In konservativen Kreisen wird erklärt, daß der Strom der Wähler so stark wie nie zuvor sel. Tausende von Wählern schreiten zur Wahlurne, die nicht nur im letzten Jahre ihre Stimme nicht abgaben, sondern sich nie die Mühe gemacht hätten, zur Wahl zu gehen. Die Konservativen rechnen auf den Sieg. Der Stnowjew=Zwischenfall und das Wohnungsproblem sind in ihrem Programm nicht enthalten, da sie durch das Wohnungsproblem bei den letzten Wahlen ihre Niederlage erlitten haben. Man baut darauf, daß die Wähler ihre Enttäuschung über die Tätigkeit der Regierung hinsichtlich der Arbeitslosigkeit und des Wohnungsproblems bekunden werden. Im Hauptquartier der Arbeiterpartei erwartet man andererseits, daß die Partei trotz des Sinowjewbriefes und der von den anderen Parteten an der Tätigkeit der Regierung im Innern geübten Kritik doch noch Gewinn erzielen wird. Es herrscht die Auffassung, daß die Arbeiter der Arbeiterregierung auch weiterhin ihre Unterstützung zu teil werden lassen, die sie in den Stand setzen würde, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wie zur Lösung der Wohnungsfrage durchzuführen, wozu die Regierung bisher nicht genügend Zeit gehabt habe. Im Hauptquartier der Arbeiterpartet wird die Erwartung ausgesprochen, daß die Partei nicht nur auf ihrem bisherigen Stande verbleibt, sondern einige Sitze gewinnen wird. Bezüglich der Gewinne glaubt man, daß sie zwischen 15 und 35 Sitzen schwanken und er die Arbeiterpartet im neuen Unterhause auf 213—233 Sitze bringen wird. Im Hauptquartier der Liberalen scheint man auf eine Bessorung der parlamentarischen Stellung nicht zu rechnen. Es besteht die Ansicht, daß eher die Konservativen als die Liberalen von den Verlusten der Arbeiterparte Vorteil erlangen werden. Die Lidern doch he etze len rechnen mit einigen Verlusten an Sitzen, hofft man, im großen und ganzen auf der alten Höt zu bleiben. B93 London, 30. Okt.(Radio.) Der Stand der rieten nach den bis 12 Uhr nachts m. e. Zeit festgestellten Wahlergebnissen ist folgender: Konservative 35, Arbeiterpartei 16, Liberale 7 Sitze, Unabhängige 1 Sitz Die Konservativen gewannen 9 Sverloren 1 Sitz, die Arbeiterparteien gewannen verloren 5 Sitze, die Liberalen gewannen 1 Sitz verloren 6 Sitze.— Es ist ein starker Stimmenzuwachs für die Konsewwaliven zu verzeichnen. Zu den Wahlen. Juteressante Wahlergebnisse in Hamburg. Die Beteiligung an den Bürgerschaftswahlen (ähnlich unsern Landtagswahlen) betrug etwa 65 Prozent.— Ein Vergleich mit den Wahlen am 4. Mai ist interessant. Die Stimmenzahl der Völkischen sank von 38000 auf 14000, die der Kommunisten von 114000 auf 78000, die Deutschnationalen erlitte eine Einbuße von 20 Prozent, die Demokraten von 11 Prozent; Sozialisten, Deutsche Volkspartei und Zentrum erzielten die gleiche Stimmenzahl wie am 4. Mai. Der deutschnationale Wahlaufruf. Berlin, 29. Okt. Die Deutschnationalen veröffentlichen nunmehr ihren offiziellen Wahlaufruf, in dem es heißt: daß sie für Schwarz=Weiß=Rot kämpfen und daß in diesem Kampfe die Parole lautet: „Christlich, völkisch und national.“ Die beste Staalsform für daß deutsche Volk sei die konstitutionelle Erbmonarchie. Ueber die Staatsform solle zu gegebener Zeit auf gesetzlichem Wege das Volk selbst entscheiden. Als nächstes Ziel wird erstrebt, die Wiederherstellung eines gesunden Förderaltsmus und Beseitigung der Alleinherrschaft des Parlaments. Ueber die Dawesgesetze wurde in dem Wahlaufruf gesagt, die Dawesgesetze sind jetzt ein bindendes Recht und ihre Ausführung bedinge die Notwendigkeit eine: Milderung unserer Lasten. Wir verlangen eine wachsame und mannhafte Vertretung der deutschen Standpunkte, damit Reich und Volk nicht in wirtschaftliches Elend versinken. Der Aufruf verlangt weiter die Bekämpfung der jüdischen Vorherrschaft und vor allem den Kampf gegen die marxistische Sozialdemokratie und sprach sich zum Schluß gegen die Zersplitterung der nationalen Lage aus. WTB Koblenz, 29. Okt.(Drahtb.) Der Kreie vorstand der sozialdemokralischen Partei für den Reichswahlkreis Koblenz—Trier hat beschlossen, die bisherigen Kandidatensitze beizubehalten, an deren Spitze Kirschmann=Köln steht. Handelsvertrags=Verhandlungen. Protesttelegramm des Präsidenten des Industrie= und Handelstages gegen die Versuche der Weinbauern, das deutsch=spanische Haudelsabkommen zu Fall zu bringen. WTB Berlin, 28. Okt. Der Präsident des Industrie= und Handelstages richtete an das Auswärtige Amt, an das Reichswirtschaftsministerium und an den Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft folgendes Telegramm: Der Industrie= und Handelstag erhebt schärfsten Einspruch gegen die Versuche der Weinbauern, das neue deutsch=spanische Handelsabkommen zu Fall zu bringen. Das Interesse von Industrie, Handel und Schiffahrt, namentlich auch des besetzten Gebietes und die deutsche Gesamtwirtschaft erfordern die baldige Ratifikation. Der deutsche Industrie= und Handelstag erwartet daß die Reichsregierung an dem Vertrage, der für bestimmte Industriezweige eine Lebensnotwendigkeit bedeutet, unbedingt festhält und damft unabsehbare Schädigungen unseres Auslandsabsatzes verhindert, dessen Ausdehnung nach der Annahme der Londoner Vereinbarungen eine unabwendbare Notwendigkeit ist. WTB Paris, 29. Okt.(Drahtb.) Heute wurde ein französisch=polnisches Handelsabkommen abgefaßt. Dieses Abkommen gesteht dem französischen Wein, den Seidewaren und einer Reihe weiterer Warengattungen, die Frankreich bis jetzt in den Polen zugesprochenen deutschen und österreichischen Gebieten eingebracht hat, eine Vorzugsstellung zu. Polen seinerseits erhält die Versicherung, daß die ehemaligen deutschen und österreichischen Provinzen so behandelt werden, daß sie nicht schlechter bei den Handelsbeziehung mit Frankreich stehen, als wenn sie noch zu Deutschland oder Oesterreich gehörten. WTB Berlin, 29. Okt.(Drahtb.) Das Reichskabinett befaßte sich in seiner heutigen Sitzung mit den Beschwerden der Weinbauinteressenten über den deutsch=spanischen Handelsvertrag. Bei aller Würdigung der Notlage der deutschen Winzer verharrte das Kabinett aus allgemein politischen Gründen auf seinem Standpunkte, daß der deutsch=spanische Handelsvertrag, der von den beteiligten Regierungen bekanni angenommen ist den gesetzgebenden Körperschaften zur Ratifizierung vorgelegt werden müsse. Von Rhein und Ruhr. Um die Verteilung der deutschen Reparationszahlungen. WTB Paris, 27. Okt. Die vorbereitende Konferenz der alliierten und amerikanischen Finanzsachverständigen für die auf der Londoner Konferenz beschlossene Zusammenkunft der alltterten Finanzmänner zur Regelung der Fragen, die sich auf die Verteilung der deutschen Reparationszahlungen beziehen, ist heute vormittag in Abwesenheit des Finanzministers Clementel durch den französischen Sachverständigen Aron und den Generalsekretär der französischen Delegation bei der Reparationskommission eröffnet worden. Im Verlaufe der heutigen Sitzung haben die Delegierten ihr Arbeitsprogramm für diese Woche festgesetzt. Die alltierten Finanzminister werden an der Konferenz erst teilnehmen, nachdem durch die Sachverständigen die verschiedenen auf der Tagesordnung stehenden Fragen geklärt worden sind. Das erste Problem, das die Sachverständigen prüfen werden, betrifft die Verteilung der Reparationszahlungen, die Deutschland im Jahre 1922 geleistet hat. Notwendigkeit für eine positive Agrarpolitik sei. In einer Entschließung wurde der Notwendigkeit einer Wiedereinführung der Schutzzölle für die Landwirt= schaft Ausdruck gegeben. Deutsch=litanische Verhandlungen über das Memelgebiet. WTB Berlin, 27. Okt. Im Auswärtigen Amt wurden heute die Verhandlungen zwischen Deutschland und Litauen zur Regelung der sich aus dem Uebergang der Staatshoheit über das Memelland auf Litauen ergebenden Fragen eröffnet. Ministerialdirektor Schubert begrüßte im Namen des Reichs außenministers die erschienenen litauischen Vertreter, worauf der hiesige litauische Gesandte antwortete. Es wurde sodann zur Bildung einer Reihe von Unterkommissionen zur Erörterung der verschiedenen Gelegenheiten(Optantenfrage, Sanktionsangelegenheiten, Versorgung der Militärrentenempfänger usw., Eisenbahnfragen, Schiffverkehr, Fischereiangelegenheiten usw.) geschritten. Die Kommissionen nehmen ihre Arbeiten bereits morgen wieder auf. An der Spitze der litauischen Delegation steht der hiesige litanische Gesandte, Herr Sidzikankas. Der Delegation gehören ferner an Leiter des litauischen Obersten Gerichts, Zalkaukas, und Landdirektor Borchert. Dazu treten die Sachverständigen, u. a. der Direktor der litauischen Eisenbahnen, Sabalianskas und Ingenieure. Vom Völkerbund. Kleine politische Nachrichten. Die Landwirtschaft Bayerns für Sicherung der Lebensbedingungen. WTB München, 28. Okt. Die in München abgehaltene Herbsttagung der Landwirtschaft für Bayern befaßte sich in der Hauptsache mit der Frage der„Sicherung der Lebensbedingungen für die Landwirtschaft". Landwirtschaftsminister Fehr berührte kurz die Kreditfrage, die Steuerfrage und die Schutzzollvorlage und drückte den Wunsch aus, es möge die Erkenntnis Gemeingut des deutschen Volkes werden, daß nur in einer gesunden Landwirtschaft die ErDie ständige Mandatskommission des Völkerbundes prüfte heute das englische PalästinaMandat. WTB Genf, 28. Okt. Die ständige Mandatskommission des Völkerbundsrates prüfte heute in nichtöffentlicher Sitzung in Gegenwart des englischen Oberkommissars für Palästina Sir Herbert Samuel die Durchführung des am 24. September 1923 in Kraft getretenen englischen Palästina=Mandats. Sir Samuel hielt einen ausführlichen Vortrag über den früheren Verwaltungsstatus und die spätere Verfassung Palästinas, wobei er auf die Schwierigkeiten einging, die sich bei den Wahlen des gesetzgebenden Rates ergaben, der sich aus 8 Beamten, zwei Juden und zwei Arabern zusammensetzen sollte, an dem sich aber die Araber nicht beteiligten, sodaß schließlich ein ausschließlich aus Beamten zusammengesetzter Rat eingesetzt werden mußte und die Verwaltung der religlösen muselmannischen Einrichtungen einen besonderen muselmannischen Rat übergeben wurde. Zu den Ausgaben des Haushalts des Unterrichtswesens Samter deren Nachrichten der hebräischen Sprache mächtig. Die englische Regierung suche, so führte Sir Samuel weiter aus, die Zahl der Einwanderer mit den Bedürfnissen im Einklang zu bringen und habe daher angesichts der wachsenden Arbeitslosigkeit im letzten Jahre die Einwanderung zum Stillstand gebracht. Zur Frage des Haushalts für Palästina erklärte Sir Samuel endlich, die Regierung von England werde das Land nicht subventionieren, da es selbst für seine Ausgaben aufkommen muß. Es erfolgte darauf die Beratung über den Mandatsbericht über Palästina. Die Kommission äußerte hierbei den Wunsch, daß ihr im nächsten Jahre ein besonderer Bericht über das Transjordangebiet zugestellt werde. Die Debatte wird morgen fortgesetzt. neuerung der gesamten Wirtschaft in Deutschland vor und der Landwirtschaft machte Sir Samuel Mitteiich gehen kann. Deu, Hauptteil der Tagung bildete lungen über die Gründung der in dem Mandat vorS55corsd Dr: Riklar vom gesehenen jüdischen Heimstätten und über die jüdische Gerdmirschesrgsniczistertum über„Zolschutz und Eikwanderung, die vor allem aus Polen, Rumänien Lanowirischaft. Jusammenfassenu, ging die Mei= und Südrußland erfolgte. Hierbei handelte es sich nung des Redners dahin, daß die Landwirtschaft in= um junge Leute, von denen viele die Hochschule besen zu tömen und daß der Jolschuz Landbirschaft au. ten gu konnen und duß der Zonschat eine unbedingte wandten. Alle diese jungen Leute seien entgegen anAufwertung und Sparkassen. Die Aufwertung gehört zu den umstrittensten Wirtschaftsfragen der Gegen wart. Es ist daher zu begrüßen, daß die Sparkassen, die altbewährten Verwalter des Vermögens der breiten Volkskreise, auf ihrer großen Tagung in Stuttgart Ende August dieses Jahres den Anspruch der„Friedens“sparer unbedingt anerkannt und die Aufwertungspflicht der Gläubiger in den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit eindeutig bejaht haben. Diese klare Haltung der Sparkassen in der Aufwertungsfrage ist-von der gesamten öffentlichen Meinung und, was besonders wichtig ist, auch in Sparerkreisen unumwunden gutgeheißen worden. Die Sparkassen haben durch dieses bewußte Eintreten für ihre geschädigten Kunden das alte sprichwörtliche Vertrauen zum großen Teile wiedergewonnen. Es wird ihnen restlos zufallen, wenn sich erst überall in der Bevölkerung die Erkenntnis durchgesetzt haben wird, daß die Sparkassen völlig schuldlos an der Entwertung der Sparguthaben sind, weil sie ja durch gesetzliche Bestimmungen gezwungen waren, ihr Vermögen ausnahmslos in festverzinslichen, der Vernichtung am schärfsten ausgesetzten Werten anzulegen. Das gemeinsame Bestreben von Sparern und Sparkassen um gerechte Aufwertung schlägt die Brücke zwischen Einlegern und Kassen, und schafft, unterstützt durch Wertbeständigkeit und günstige Verzinsung der Guthaben, die Grundlage für die neue Ansammlung des Sparkapitals bei den Sparkassen. Ausland. Die Aufnahme der Rede Macdonalds in Cardiff in der englischen Presse. WTB London, 28. Okt. Macdonalds Rede in Kardiff über die Sinowjewangelegenheit, die heute am letzten Tage des Wahlkampfes in den Blättern den größten Platz einnimmt, rief in der antisozialistischen Presse einen Sturm der Entrüstung gegen den Premierminister hervor. Times schreibt, Macdonald beging eine Handlung, die nach den bestehenden Regeln des britischen öffentlichen Lebens vollkommen unverzeihlich ist. Er, das verantwortliche Haupt eines großen Volkes, versuche, sich in seinn schweren Lage zu decken indem er Andeutungen gemacht habe, daß seine Beamten ohne seine Befugnisse gehandelt hätten. Als Staatssekretär des Aeußern habe er eine sehr wichtige Note, die in seinem Namen an eine auswärtige Macht gesondt worden sei dessavonier: Daily Expreß betont, Macdonald habe durch seine Handlung bewiesen, daß er unfähig sei, die Pflichten seines hohen Amtes zu erfüllen und die Verantwortlichkeit dafür zu übernehmen. Macdonald fügte seiner Partei am Vorabend der Wahl einen schweren Schlag zu. Er sei für die Nation eine noch größere Bedrohung als die rote Gefahr selbst. Westminster Gazette betont, die besondere Niederträchtigkeit, mit der Macdonald versucht, aus seiner schwierigen Lage herauszukommen und die Verantwortung für den ganzen Fall dem Foreign Office aufzubürden. Litwinoff protestiert. WTB Moskau, 27. Okt. Litwinoff richtete an Rekowski folgendes Telegramm: Indem die Räteregierung auf dem Boden ihrer wiederholten Erklärungen verbleibt, wonach sie für Schritte der kommunistischen Internationale keine Verantwortung trägt, und indem sie einstweilen den Ton und die formelle Seite der britischen Note außer acht läßt, ist die Räteregierung in der Lage und beeilt sich, in kategorischer Form zu erklären, daß der angebliche Brief der kommunistischen Internationale, welcher zur Grundlage der erwähnten britischen Note diente, die festgestellt wurde, eine unverantwortliche Fälschung darstellt und eine Verschlechterung der zwischen der Sowjetunion und Großbritannien sich günstig gestaltenden Verhältnisse und eine Schädigung des englisch=russischen Vertrags bezweckte. Angesichts der Verwendung dieser Fälschung in dem offiziellen Dokument besteht die Räteregierung darauf daß sie eine entsprechende Genugtuung erhalte und daß die an der Fälschung irgendwie beteiligten offiziellen oder privaten Personen, zur Verantwortung gezogen werden. Um jedwede Zweifel an dem Fälschungscharakter des erwähnten Dokuments zu beseitigen und angesichts der ernsthaften Folgen, die die Fälschung für die beiden Staaten nach sich hätte ziehen lönnen, fordert die Räteregierung kategorisch und eindringlich die Feststellung der Tatsache, daß der sogenannte Brief der kommunistischen Internationale eine Fälschung sei, von einem unbefangenen Schiedsgericht entschieden wird. Die de jure=Anerkennung Sowjetrußlands. WTB Paris, 28. Okt. Es wird offiziell bekannt gegeben, daß die Entscheidung der französischen Regierung bezüglich der de jure=Anerkennung der Sowjetregierung jedenfalls heute zur Kenntnis der Regierung in Moskau gebracht wird. Das erste Ergebnis dieser Anerkennung sei die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen, und es sei wahrscheinlich, daß Jean Herbette die französische Regierung in Moskau vertreten werde. Der Sowjetvertreter in Reiseerlebnisse. Von Schulrat Dr. Sondermann. Die Jugend guckte neugierig durch die vergitterten Fenster in die Klosterräume. Ein kleiner Friedhof vor dem Kloster mit schönen Denkmälern aus weißem Marmor, mannsgroßen breiten Schwertern vergleichbar, mit der Spitze in die Erde gesteckt, erzeugte eine ernste Einstimmung. Unser Führer wechselte einige Worte mit dem Türhüter, und wir wurden höflich mit türkischem Verbeugungs= und Handgruß empfangen und durch die zwar erstaunt, schauende aber keineswegs aufdringliche Menge in einen schlichten Warteraum zur Rechten geführt. In der Mitte stand ein einfacher runder Tisch mit Trinkwasserflasche, von der Mitte der Decke hing ein Zarmiger Kandelaber herab, den gelblich getünchten Wänden eingerahmte Sprüche in türkischer Schrift. Ein Bild stellte einen unserem Fischreiher ähnlichen Vogel am Wasser stehend dar. Die Umrisse des schlichten, farbigen Vogelbildes waren wie mir der Führer zuflüsterte, geheimnisvolle Schriftzeichen die einen Grundsatz der mohammedanischen Religion enthielten. Ringsum, den Wänden entlang standen Bänke mit Polstern, über die eine weiße Stickerei gelegt war. Etwa 8 oder 10 türkische Priester und Gläubige saßen bei unserem Eintritt bereits auf den Bänken und begrüßten uns mit dem türkischen Gruß. Sofort wurde in kleinen Tassen jedem von uns durch einen Klosterangehörigen Kaffee gereicht, eine Artigkeit, die wir mit Anbietung von Cigaretten, erwiderten. Gegen einviertelvors Uhr erhoben sich, offenbar auf ein uns entgangenes Zeichen, alle Anwesenden und gingen hinaus. Wir wurden quer über einen Flur in einen schräg gegenüberliegenden, großen, lichten, viereckigen Ram geleitet, den Gebets= und Tanzraum. Der gedielte Fußboden war glatt und gescheuert. In der Mitte ein durch ein weißgestrichenes, niedriges Holzgitter abgegrenztes, großes Viereck, hinter dem die Gläubigen andächtig mit entblößten Füßen niederknieten. Auch uns wurden außerhalb des Gitters gleich links vom Eingang 4 Sitzplätze angeboten, so daß unser Blick auf die gegenüberliegende Wand und auf die in ihr eingebaute Gebetsnische fiel. Darin saß mit verschränkten Armen der Oberpriester, ein kaum 30jähriger dunkeläugiger Mann, in einen schwarzen Mantel gehüllt, auf dem Haupte einen hohen, gelben, zuckerhutähnlichen Fez mit abgestumpfter Spitze. Um seinen Fez war offenbar als Abzeichen seiner Würde, ein schwarz=violetter Reif geschlungen, der hinten eine herabhängende Quaste trug. Links an der Wand neben ihm saß ein alter Priester. Dann folgten an der linken Längsseite innerhalb der Holzschranke 8 Priester in knieend=sitzender Haltung alle in schwarzen Mänteln und hohem gelben Fez, die Hände flach auf die Knie gelegt. Rechts vom Oberpriester, also uns zur linken, ein weitmaschig vergitterter Nebenraum, in welchem 5 mil Tächern bedeckte, große Särge erkennbar wurden. In dreiviertel der Höhe des Gebetssaales an der linken u. rechten Längswand Gallerien, auf denen barfüßige Gläubige hockten; grade über uns die Bühne(Orgelbühne) mit einem 5köpfigen. Mönchschor und einem Vorsänger. Voll Spannung erwarten wir das gewiß für die Westeuropäer seltene Schauspiel. Der Oberpriester verneigt sich gen Osten zum Bodenkuß. Alle Priester und Gläubigen tun desgleichen. Damit hat die Feier begonnen. Der Vorbeter auf der Bühne stimmt ein Lied an mit feltsamem, wehmütig klingendem Tonfall. Der Führer flüstert mir zu, es sei altpersische Poesie, halb alt, halb neutestamentlichen Inhaltes: Ein vertrauliches beruhigendes Gespräch Gottvaters mit der zaghaften Jungfrau Maria über die heilige Frucht ihres Leibes, den zukünftigen, großen Propheten Christus. Dann sanfte Musik von Flöte und Oboe begleitet von dumpfem, schwachem Trommelschlag auf der Empore. Ab und zu Verneigung und Bodenkuß aller Priester nach dem Vorbilde des Oberpriesters. Nach Schluß des etwa 15 Minuten dauernden Chorgesanges, erhebt sich der Oberpriester und tritt von uns aus gesehen, links neben die Gebetsnische. Gleichzeitig erhebt sich der alte 1. Priester und tritt rechts neben die Gebetsnische. Auf diesem Stande links und rechts der Nische verneigen sich beide tief und ehrfurchtsvoll voreinander. Der Oberpriester macht nun ohne der heiligen Nische den Rücken zuzuwenden, halbkehrt und um schreitet mit ruhigem, schlürfendem Schottischschritt nach links herum den Tanzraum. Sofort rückt der 1. Priester auf den Stand des Oberpriesters links der Nische der folgende Mönch tritt rechts der Nische beide verneigen sich voreinander und der 1. Priester folgt tanzend dem Oberpriester nach. Dieselbe Ceremonie wiederholt sich, bis alle 10 Priester tanzend das Geviert des Raumes umschreiten. Bei der Nische angekommen, nehmen Oberpriester und sein Adjutant ihre ursprünglichen Plätze ein während die 8 Mönche rasch das schwarze Obergewand hinter sich auf den Holzzaun werfen. Nun stehen sie plötzlich da in einer Reihe— in blendend weißen Mänteln, die Lenden umgürtet mit breiter rot gestreifter Schärpe, barfüßig und zum eigentlichen Tanze bereit. Beim Beginn der Musik schreitet der erste Tänzer zur Gebetsnische, verneigt sich tief vor dem Oberpriester und beginnt mit weit ausgestreckten Armen sich walzermäßig in gemessen raschem Tempo, grade stehend sich um sich selbst zu drehen, daß der weiße lange Mantel weite reifrockähnliche Form annimmt die nackten Füße bis über die Knöchel zum Vorschein kommen und die behenden Tanzschritte erkennbar werden. Rasch tanzt er der Mitte zu, wo er wie eine um ihre eigene Achse sich drehende, weiße Statue mit ausgestreckten balanzierenden Armen von jetzt ab dauernd seinen Stand annimmt. Die linke Hand ist die Handfläche nach innen gekehrt fast rechtwinklig nach oben gebogen die der rechten Hand nach unten. Sofort folgt der 2. Priester, aber er tanzt rings um den Raum; ihm rücken in kleinem Abstand der 3., 4., 5., 6., 7te, und die Priester tanzend nach. So drehen sich 8 weiße Gestalten in wehenden Gewändern in kerzengerader Haltung spindelförmig in flottem Tempo nach dem Takte einer seltsamen Musik um ihre eigene Achse den Kopf mit hohem Hute leicht zur Seite geneigt, das demütig blickende Auge in schwärmerisches, seliges Schauen verloren. Die reine, weiße Farbe, die Grazie der Bewegung, die Andacht in der Haltung des Hauptes, das Flehende der Arme und Hände veranschaulichen in der Tat den Tanz einer in Seligkeit verzückten anbetenden Engelschar. Das muß auch in der Seele des gläubigen Zuschauers die Stimmung anbetender Ehrfurcht auslösen, je länger der stumme Tanz dauert, je tiefer das Auge des selig trunkenen Tänzers sich schließt. Mit dreimaliger, kaum eine Minute langer Unterbrechung, während welcher der Oberpriester jedes Mal aus der Gebetsnische bis in die Mitte des Saales in schleifenden, ruhigen Tanzschritten vor= und zurück tritt, sich mit dem Antlitz nach Osten verneigt und ein stilles Gebet spricht, dauert der Rundtanz der Mönche eine halbe Stunde. Die letzten Minuten tanzt der Oberpriester und sein Begleiter den Rundtanz mit von der Nische bis zur Mitte des Saales. Dann verneigen sich nach seinem Beispiel alle voll Andacht gegen Osten vor Allay— die Ceremonie ist zu Ende. Die Gläubigen verließen den ihnen heiligen Raum, bekleideten auf der Türschwelle ihre Füße und gingen in Andacht nach Hause. Auch wir schritten in ernster Muselmannes beim Gottesdienst kann manchen ChriMuselmannes beim Gottesdienst kam manchen Christen beschämen. Ein Volk mit reichem, religiösem Sinne ist noch lange nicht verbraucht. Ein halbstündiger Rundtanz wird sicher sinnverwirrend auf den des Tanzes, Ungewöhnten wirken bei diesen Gewohnheitstänzen habe ich Anzeichen der Ekstafe oder auch nur Schwindelanfälle nicht bemerkt. So ruhig, wie sie die Uebung begannen nahm jeder nachher seinen Platz wieder ein. Für uns stand im Warteraum wiederum der Kaffee bereit. In ein kleines Buch, das uns der Oberpriester zum Einzeichnen unserer Namen vorlegte, schrieb jemand unserer kleinen Gesellschaft den Spruch: Seinen Gott verehren und die Mitmenschen lieben, ist das Zeichen echter Religlösttät. Beim Abschied sagte ein alter Priester:„Wo wie mit Deutschen zusammentreffen, fühlen wir uns hetmisch.“ Wir ließen ihn und alle Anwesenden durch unseren Führer der gleichen Gesinnung versichern und unseres besten Dankes für die gastliche Aufnahme versichern. Um ein Vorurteil ärmer verließen wir mit einem„Gottbefohlen“ die armen, gottesfürchtigen Menschen am Berge Pagos. Paris werde jedenfalls Kakowski sein. Nachdem dies geschehen sei, würden Verhandlungen zwischen beiden Regierungen eingeleitet werden, um alle Fragen zu regeln, die sich auf die Schulden Rußlands und das konfiszierte Eigentum der französischen Staatsbürger in Rußland beziehen. Eine englische Stimme zur militärischen Unterstützung Polens durch Frankreich. WTB London, 28. Okt. Der Pariser Berichterstatter des Manchester Guardians schreibt, der lange Besuch des polnischen Kriegsministers in Frankreich habe die Bedeutung, daß Polen zu einer Flottenmacht gebracht und von Frankreich mit einer Flotte von modernen U—Booten versehen werden soll. Der neue polnische Hafen„Gedingen“ an der Danziger Bucht, dessen riesenhaften Bauten im Gange scien, soll zu einer starken Flottenbasis ausgebaut werden und zwar zu der stärksten, über die Polen in Kriegszeiten verfügen wird. Strategisch sei dies von unverkennbarer Bedeutung und könne als Ausdehnung der französischen Flottenmacht auf die Ostsee ausgelegt werden. Zur Begründung dieser Maßnahme werde Polens exponierte Stellung zwischen Deutschland und Rußland angeführt. Ferner soll diese Maßnahme eine Vereinigung der deutschen und russischen Flotte verhindern. Es sei klar, daß die vor einigen Tagen in der französischen Presse veröffentlichten falschen Berichte über gewisse Flottenmanö= per zwischen der deutschen und der russischen Flotte in der Ostsee Propagandazwecken gedient hätten. Man muß sich fragen, wie diese Entwicklung im Einklang gebracht werden kann mit der Begeisterung, die namentlich in Polen und Frankreich für das Genfer Abrüstungsprotokoll herrschte. Wiederaufnahme der Feindseligkeiten in China. WTB London, 28. Okt. Nach einer Reutermeldung aus Peking haben die Truppen Tschangsolins, die gegen Wu Pei Fu kämpfen, auf die Eisenbahn e von Schanhaikwan Geschützfeuer eröffnet. Die schwere Artillerie der Tidili=Armee hat das Feuer erwidert. Peking erneut bedroht. WTB Paris, 28. Okt. Newyork Herald meldet aus Tientsin der amerikanische Kreuzer Hiron habe gestern 900 Matrosen in Taku gelandet, die sofort nach Peking in Marsch gesetzt wurden, um die amerikanischen Bürger und das amerikanische Eigentum zu schützen, da ein neuer Schlag Peking bedrohe, infolge der Verteidigungsvorbereitungen des Marschalls Wu Pei Fu und des Generals Feng Fu Hsiang des Führers der Volksarmee. General Feug Fu Hsiang und seine Verbündeten haben sich gestern versammelt und Tuan Chi Jui zum Kommandierenden gewählt. Dr. Wang, der zum provisorischen Premier= minister und Minister für Auswärtige Angelegenheiten ernannt worden sei, sei hinsichtlich der Bildung einer neuen Regierung noch nicht entschlossen, obschon er bereit sei, Minister für Auswärtige Angelegenheiten zu werden. Ein internationaler Zug habe Peking gestern mit Ausländern verlassen, die nach Amerika und England zurückkehren wollen. In Peling] herrsche noch Ruhe trotz der Verteidigungsvorbereitungen. schlagen wird.. Dies ist auch das Bestreben vieler Milglieder und Ortsvereinsvorstände des D. W. V. wie aus deren Zuschrift an den deutschen Werkmei ster=Bund hervorgeht. Das ehrliche Bestreben dieser Kollegen ist beachtenswert, findet aber im D. W. V. keine Berücksichtigung, denn in Düsseldorf wird„regiert“, wie Aufhäuser von Berlin im Sinne der sozialistischen Parteiziele diktiert. Dies ergibt sich schon aus der Tatsache, daß der bisherige Verhandsvorsitzende Leonhardt abgesägl u. an dessen Stelle Buschmann, der Lieblingsschüler Aufhäusers, gesetzt wurde. Wer als Führer des D. W. V. gegen das Glaubensbe kenntnis des Marxismus verstößt, wird von der Verbandsleitung, welcher Klassenkampf und Marxismus wichtiger sind als der Werkmeisterbund, gemaßregelt, wie der Fall Kubach beweist. Diese Maßregelung ist sehr lehrreich, denn Kubach war einer der rührigsten und angesehensten Führer des Verbandes; er mußte aber gehen, weil er den Mut aufbrachte, die Wahrheit zu schreiben und auch zu sagen, wodurch er den Marxisten unangenehm wurde. Daraus ergibt sich, daß die Führer des D. W. V. dem sozialtstischen Klassenkampf, sowie dem Marxismus zu dieneu haben und nur derjenige als vollwertiges Mitglied gilt, welcher zur Partei von Siegfried Aufhäuser(V. S. P. D.) gehört. Die nichtsozialistisch gesinnten Werkmeister müssen es deshalb ablehnen, dem D. W. V. noch länger anzugehören und in einer Organisation Beiträge zu zahlen wo sie als Mitglieder 2. Klasse behandelt und die für ihren Stand und das deutsche Volk kämpfenden Führer gemaßregelt werden. So hat die Würzburger Tagung klärend gewirkt. Der Werkmeister=Verband bekennt sich zur sozialistischinternationalen Grundlage des Afabundes, ihm steht der Deutsche Werkmeister=Bund auf christlich=nationaler Geundlage im Gesamtverband deutscher Angestellten, merkschaften gegenüber. Die Tagung des Werkmeisterbundes in Münster war vom einheitlichen Geiste durchdrungen. Der Werkmeisterbund hat seit Gründung durch sein Bekenntnis zum Programm Stegerwalds, ausgebaut auf christlichznationalen Grundsätzen, eine gefestigte Grundlage und konnte deshalb die ganze Tagung der Behandlung dek praktischen Fragen widmen während den D. W. V. in Würzburg der Streit über grundsätzliche Fragen, fast einen vollen Tag beschäftigte. Die Münstersche Tagung hat bewiesen, daß der Deutsche WerkmeisterBund in den 5 Jahren seines Bestehens, in harter gewerkschaftlicher Arbeit, allen Feinden und Neidern dem sozialistischen Lager zum Trotz, eine Bewegung aufgebaut hat, die dem gesamten Werkmeisterstande nur von Nutzen ist. Das Samenkorn das vor Jahren einige wenige, aber mutige, Überzeug. Sport. Schüler=Turnwettkämpfe. r Förde-Grevenbrück, 28. Okt. Die durch ministerielle Verfügung angeregten Turnwettkämpfe fanden für die Schüler der oberen vier Jahrgänge sämtlicher Schulen des Amtes Bilstein am vergangenen Freitag auf dem früheren Sportplatze in Förde statt. In frischer Morgenluft bei 6 Grad rückten gegen 9 Uhr aus den Tälern der Lenne, des Veischede= und des Elspebaches die jungen Turner mit munterem Gesang heran. Man sah's ihnen an, es ging zum Kampfe um den schlichten Kranz, so frisch und so fröhlich glänzten ihre Augen. Beim Laufen, Springen, Werfen und bei den Freiübungen sollten sich die Kräfte messen. Erstaunlich waren die Leistungen der kleinen Jahnsjünger; sie übertrafen die gestellten Erwartungen und fanden bei den Kampfrichtern, Turnlehrern und Gästen, den zahlreich erschienenen Vertretern der Amts=, Gemeinde= und Schulbehörde verdiente Anerkennung und aufrichtigen Beifall. Ueber Mittag hinaus dauerte der Wettkampf, bis gegen 2 Uhr die letzte Riege zum großen Saale des Schutzenzeltes marschierte, das der Schützenverein Förde in liebenswürdiger Weise freigegeben hatte., Dort wurde dann nach einer angemessenen Ruhe= und Erfrischungspause die vorgeschriebene Freiübung schulenweise vorgeführt und für die Verleihung des Bannerpreises gewartet. Die Bekanntgabe der kleinen Sieger und gleichzeitige Verteilung der schlichten Kränze ergab, daß von 291 teilnehmenden Turnern 250 die für die Erringung eines Kranzes erforderliche Punktzahl erreicht hatten. Eine namentliche Aufführung würde hier zu weit führen. Herr Schulrat Braun S##pt sprach seine Genogtuung über das Zustandekommen des so schön verlaufenen Turntages dankte den erschienenen Gästen für ihr durch ihre Teilnahme gezeigtes Interesse, beglückwünschte die jungen Sieger und bat Herrn Amtmann Graefenstein=Bilstein, das seitens des Amtes Bilstein gestiftete Banner, das als Wanderpreis gedacht ist, zu überreichen. Herr Amtmann Graefenstein hob die großartigen Leistungen der einzelnen Schulen hervor uhd betonte, daß ein solcher Turnbetrieb der Volksgemeinschaft und unserem lieben Vaterlande nur dienen könne; zugleich sprach er die Bitte aus, doch auch ferner die Turnsache hochzuhalten. Mit anerkennenden und aneifernden Worten überreichte er, dann den Wander—Bannerpreis, der der ev. Schule Altenhundem—Meggen zugefallen war, die mit einer Schüler—Durchschnittsleistung einschl. Klassenleistung von 110 Punkten Sieger wurde. Dann folgten Megrzeugungs=gen 103, ev. Schule Grevenbrück 97, Maumke 95, treue Männer in Essen gelegt haben, hat gar balo Oberelspe 92, Elspe 90; ev. Schule Finnentrop 89; weiteren Nährboden gefunden und so ist der Essener Sporke 89; Theten 88; Bilstein 87, Halberbracht 84, Bund heute durch seine 497 Ortsgruppen über das Förde 84, Kirchveischede 83, Bonzel 78 und Welschenganze deutsche Reich verbreitet. Diese Tatsache muß ennest mit 64 Punkten.— Im Schlußwort beglückallen christlich und national gesinnten Werkmeistern wünschte Herr Schulrat Braun mit warmen Worten Veranlassung geben, Bekennermut aufzubringen und ihrer Ueberzeugung gemäß sich dem deutschen Werkmeisterbunde anzuschließen, da der Werkmeisterverband die Organisation der sozialistischen Klassenkämpfer und Marxisten, für aufrechte und denkende Werkmeister nicht mehr in Frage kommt. Zwei Werkmeistertagungen und ihre Auswirnung. Der Deutsche Werkmeisterbund, Sitz Essen, hielt im September in Münster seinen 2. Bundestag ab. Derselbe war verbunden mit einem christl.=nationalen Werkmeistertag, welcher sich zu einer gewaltigen Kundgebung für die Ziele des Deutschen WerkmeisterBundes auswirkte. Ende Juli tagte der Deutsche Werkmeister=Verband, Sitz Düsseldorf in Würzburg. Der Verlauf beider Tagungen wurde nicht nur von den Werkmeistern, sondern auch von der Oeffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt und das Ergebni mit Spannung erwartet. Von der Würzburgertagung des D. W. V. erhofften Tausende seiner Mitglieder, welche von Klassenkampf und Marxismus und damit von der einsettigen sozialistischen Einstellung des Werkmeister=Verbandes nichts wissen wotllen, den Austritt des D. W. V. aus dem roten Afabund. Der Verband sollte wieder zu den alten Idealen zurückgeführt werden. Für diese Bestrebungen kämpfte auch der Geschäftsführer Kubach, Leipzig, des D. W. V., welcher infolge seiner praktischen Erfahrungen als Geschäftsstellenleiter, den Glauben an das sozialistische Programm vor mehreren Jahren verloren hatte. Auf der Würzburgertagung wurde nun Kubach wegen seiner nichtsozialistischen Einstellung und wegen seiner Broschüre„Weniger Klassenkampf— mehr Bildungsarbeit“, das Wort entzugen und derselbe als Mitglied des Verbandes von der weiteren Teilnahme ausgeschlossen. Bemerkenswert ist hier, daß das Nichtmitglied, der sozialistische Reichstagsabgeordnete Aufhäuser nach der sechostündigen Debatte das Schlußwort erhielt. Der Radikalinsk Aufhäuser benutzte diese Gelegenheit, um die Wankelmütigen zu überreden und hat damit den Deutschon Werkmelster=Verband wohl endgültig ins sozialistische Fahrwasser gesteuert. Die Einheitlichkeit der Werkmeisterorganisation wurde dadurch zerschlagen, denn die parteipolitische und reltgiöse Neutralität, an welche nur diejenigen glauben, die nicht alle werden, steht bei den sozialistischen Gewerkschaften und damit auch beim D. W. V. nur noch auf dem Papier. Der Deutsche Werkmeister=Verband ist somit eine Rekrutenschule der Sozialdemokratie geworden, was der Afabund schon längst ist. De nichtsozialistisch gesinnten Mitglieder, des Werkmeister=Verbandes kehren nun demselben den Rücken und treten zum Deutschen Werkmeister=Bund über, welcher die bisherige Mitgliedschaft im D. W. V. voll anrechnet. Auch der Geschäftsstellenleiter Kubach hat am 15. September seinen Uebertritt zum Deutschen Werkmeister=Bund vollzogen. Mit demselben sind in Leipzig allein über 200 langjährige Mitglieder des D. W. V. zum D. W. B. übergetreten, darunter auch der bisherige Ehrenvorsitzende Kollege Jost von Leipzig 1, welcher 27. Jahre dem D. W. V. angehörte. Lotzterer hat auch auf dem Bundestag des D. W. B. in Münster seinen Uebertritt geschildert und am Schluß der Tagung seiner Freude Ausdruck gegeben, daß auf der ganzen Tagung des D. W. V. kein Wort gegen den D. W. V gefallen sei, im Gegensatz zu der Tagung der D. W. V. in Würzburg, wo dem Deutschen Werkmeister=Bund schärfster Kampf angesagt wurde Trotz dieser Kampfansage ist der Essener Bund sederzeit bereit, dem D. W. V. die Hand, zu bieten, wenn von Düsseldorf eine andere Richtung eingeOrtsnachrichten aus dem Kreise Olpe. * Olpe, 30. Okt. Es ist eine alte christliche Sitte, die Gräber unserer Verstorbenen mit Blumen und Kränzen zu schmücken. Unchristlich und unsittlich ist es aber, wenn man das Grün zu den Kränzen in fremden Gartenanlagen holt und dabei Bäume und Sträucher in vandalischer Weise zurichtet. Eine solche Handlungsweise ist um so unverständlicher, weil man sich hier in Olpe das Grün auf redliche Weise verschaffen kann. Der Bürgermeister hat bisher noch immer Forstbeamte beauftragt, den Bürgern Stellen im Walde anzuweisen, wo Tannengrün usw. geholt werden kann. )* Olpe, 29. Okt. Die gestern abend abgehaltene Sitzung des Ortsausschusses der Zentrumsparlei war recht gut besucht. Der Vorsitzende, Sem.=Oberlehrer Pake, gab einen Rückblick auf die Zentrumspolitik des letzten Reichstages und beleuchtete die Vorgänge, welche zur Reichstagsauflösung geführt haben.— Die vom Vorsitzenden vorgeschlagenen Mittel zur Vorbereitung der kommenden Wahlen wurden ausgiebig besprochen und allgemein als wohlgeeignet anerkannt.— Der Kassenführer. Oberpostsekretär Paul, bat dringend, die in den nächsten Tagen zum Einsammeln der Beiträge vorsprechenden Vertrauensleute der Partei mit wohlwollendem Herzen und„offener Hand" zu empfangen.— Es ist, wie der Vorsitzende ausführte, eine religiöse, soziale und nationale Pflicht, der Zentrumswählerschaft, die Politik der Partei mit allen Kräften zu fördern und auch finanziell zu stärken. !! Olpe, 30. Okt. Die westfälischen Sparkassen im September. Auch im September sind die Spareinlagen in Westfalen stark gestiegen und zwar um 5 Millionen Mark; sie betragen jetzt 49,5 Millionen Mark. Im Scheck= und Kontokorrentverkehr war der Umsatz wieder ein sehr lebhafter. Die Guthaben betrugen Ende September 51,2 Millionen Mark, so daß also die gesamten Einlagen bei den westfälischen Sparkassen zur Zeit. 100 Millionen überschritten haben. Durch die inzwischen abgehaltene Werbewoche der westfältschen Sparkassen ist das Interesse und das Verständ nis für das Sparkassenwesen in weiten Kreisen gewecke und gefördert worden. Die guten Folgen werden sich später zeigen. 0=0 Helden, 30. Okober. Dienetagmittag, gerade alg man sich zum Essen an den Tisch gesetzt hatte erscholl Feuerruf durch unseren Orl. Das Wohrhaue des Gutsvesiyze.e Joseel, S### er hierlein Gang in heiten Flamm: Das Jeuer, das vermutlich von Schurim Soeicler des Hauses angelegt wo die Siegerschule und all die kleinen Kämpfer und spornte sie an, so wacker weiter zu arbeiten, damit beim Wettkampf im nächsten Jahre die edle Turnsache noch mehr gepflegt und gefördert sei. Der Gesang des Deutschlandliedes gab den Abschluß des schönen Tages der Turnwettkämpfe ein Förde.— Dann ginge wieder heim, froh und munter, stramm in Schritt, begleitet vom heiteren Marschgesang. Möge allen das Erlebte Ansporn sein, auch künftig der edlen Jahnssache treu zu bleiben und sie stützen und pflegen, jeder an seinem Platze! Provinzielles. Dortmund, 28. Okt. Vorstandssitzung des deutschen und preußischen Städtetages in Dortmund. Die nächste Vorstandssitzung des deutschen und preußischen Städtetages soll am 14. und 15. November in Dortmund als Zeichen der Anteilnahme an der Räumung Dortmunds von den Besatzungstruppen stattfinden. WTB Dortmund, 28. Okt. Arbeitsstreckung. Wegen Wagenmangels mußten auf den Schachtanlagen 1=2 und 3=4 der Zeche„Minister Achenbach“ in Brambauer in der vergangenen Woche drei verkürzte Schichten verfahren werden. WTB Gladbeck, 28. Oktober. Bergmannstod. nahmen zur Senkung des PreisniveonAuf der Zeche Ahrenberg bei Gladbeck wurden nach über Porke einer Meldung der Blätter drei Bergleute durch herubfallendes Gestein verschüttet. Während zwei der Verschütteten schwer verletzt wurden konnte der 3 nur kenhand auf dem Wpeicher des Hauses ungelegt wo. den ist, fand an den dort aufgestapelten Heuvorräten reichlichste Nahrung. Eine erfolgreiche Bekämpfung des Feuers war gänzlich ausgeschlossen. Die größten Wassermassen konnten ein Nachglühen des brennenden Heues nicht verhindern, und so war ein Durchdringen des Feuers auf die unteren Stockwerke trotz des mehr als fußdicken Lehmbelegs nicht zu verhindern. Infolgedessen brannte das Haus bis auf den Grund nieder. Dank des tatkräftigen Eingreifens unserer jungen Feuerwehr konnten Vieh und Mobiliar zum größten Teil gerettet und ein Ueberspringen des Feuers auf die nebenliegende Fruchtscheune verhütet werden. :: Atteydorn, 30. Okt. Der Schwindler Heinze, der wie wir s. Z. berichteten, als angeblicher Agent der Westf. Provinzial=Feuer=Sozietät für diese betrügerischer Weise Gelder einzog und diese für sich verbrauchte wurde vom hiesigen Schöffengericht zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. noch als Leiche geborgen werden. Auf dem Braunkohlenschacht bei Elsing wurden nach einer Blättermeldung zwei Bergleute durch hereinbrechendes Gestein verschüttet. Beide konnten nur als Leichen geborgen werden. WTB Bonn, 28. Okt. Erhängt aufgefunden. In dem benachbarten Röttgen wurde im Kattenforst ein etwa 45jähriger Mann erhängt aufgefunden. Eine Identifizierung des Toten war bisher nicht möglich. WTB M.-Gladbach, 28. Okt. Interessante Funde bei Ausgrabungen. In den letzten Tagen machte man bei Fortsetzung der Ausgrabungen im benachbay ten Korschenbroich wieder interessante Funde. Man legte weitere Gebäudefundamente und einen mit Heizanlage versehenen Innenraum frei. Ferner fand man verzierte Ziegel, gut erhaltene Teile von Pfeilern und eine große Menge von Heizplatten. Auch diese Funde sind römischen Ursprungs. WTB Bacharach, 27. Okt. Schadenfeuer. Ein Schadenfeuer äscherte in dem beachbarten Oberdiebach zwei nebeneinanderliegende Hausanwesen in kurzer Zeit ein. Das Feuer griff derartig schnell um sich; daß eine Familie kaum das nackte Leben retten konnte und mit Hilfe einer Leiter aus dem brennenden Gebäude geholt werden mußte, da das Feuer den Ausgang bereits versperrt hatte. Das Mobiliar und die aufgespeicherten Futtervorräte sind teilweise mitverbrannt. Die Entstehungsursache des Feuers ist unbekannt. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. WTB Hermeskeil, 28. Okt. Der erste Schnee. Auch auf den Höhen des Hunsrück ist jetzt der erste Schnee gefallen. Der Erbeskopf hatte über Nacht vollständig sein weißes Winterkleid angelegt. angelegt. WTB Breslau, 28. Okt. Blutige Zusammenflöße. Blättermeldungen zufolge fand Sonntag in Brockau einem Vororte Dresdens, die Einweihung eines Gedenksteines für die im Weltkriege Gefallenen statt. Außer den Hinterbliebenen hatten sich auch etwa 300 Stahlhelmleute zu der Feier eingefunden. Nach der offiziellen Feier kam es zwischen Stahlhelmleuten und Angehörigen des Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold zu blutigen Zusammenstößen, wobei es über 20 Verletzte gab, darunter mehrere ziemlich schwer. Die Gegner schlugen mit Latten, die sie von einem an der Straße befindlichen Zaune abrissen, aufeinander los. Abgelehnte Lohnforderungen. WTB Solingen, 28. Okt. Die gestrigen Verhandlungen über neue Lohnforderungen der Arbeiter in der Metallindustrie des oberen Kreises Solingen sind ohne Ergebnisse verlaufen. Der Arbeitgeberverband erklärte, daß bei der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage eine Erhöhung der Löhne nicht in Frage kommen könne, während die Gewerkschaftsführer auf ihren Forderungen bestehen blieben. Sie werden sofort den Schlichtungsausschuß anrufen, der vielleicht schon am Freitag dieser Woche zusammentreten wird. WTB Berlin, 28. Okt.(Drahtb.) Gestern nachmittag fanden lt. Berliner Tageblatt zwischen der Direktion der Reichsbahngesellschaft und den Gewerkschaften Verhandlungen über die Lohnforderungen statt. Die Lohnforderungen wurden abgelehnt, da die Reichsbahngesellschaft wegen ihrer ungeheueren figanziellen Belastungen nicht im Stande sei, ihren Ausgabeetat durch Lohnerhöhungen zu vergrößern. WTB Berlin, 29. Okt.(Drahtb.) Die gestern bei der deutschen Reichspost geführten Lohnverhandlungen wurden nach Blättermeldungen einstweilen ergebnislos abgebrochen. Die Verwaltung der Reichspost lehnte eine allgemeine Lohnerhöhung ab, erklärte sich jedoch bereit, in einzelnen Orten neben den Tariflöhnen die gezahlten Ortszulagen zu erhöhen, verlangte aber dafür eine Kürzung dieser Zulage in anderen Orten. Am 4. 11. 24 ds. Is. soll erneut verhandelt werden. WTB Berlin, 29. Okt.(Drahtb.) Die Organisntionsvertreter der Reichsbeamten und Angestellten der Reichsverwaltung wurden am Mittwoch erneut im Reichsfinanzministerium wegen einer Erhöhung ihrer Bezüge vorstellig. Es wurde ihnen eröffnet, daß seit der letzten Besprechung keine Aenderung eintrat, die es dem Reichsfinanzministerium ermögichte eine andere Haltung gegenüber den treibenden Forderungen einzunehmen. Verbindlichkeitserklärung zweier Schiedssprüche für die Metallindustrie Nordwest. Dortmund, 27. Okt. Die beiden Schiedssprüche vom 10. und 16. für die Arbeiter betreffend die Lohn= und Arbeiterstreitigkeiten in der Metallindustrie Nordwest sind vom Reichsarbeitsminister Dr. Brauns für verbindlich erklärt worden. Eine Konferenz zur unterstützenden und produktiven Erwerbslosenfürsorge. WTB Berlin, 28. Okt. In Dresden ist nach einer Meldung des Tageblattes auf Einladung des Reichsarbeilsministers eine Konferenz der deutschen Länder zusammengetreten, die sich mit der Frage der unterstützenden und produktiven Erwerbslosenfürsorge beschäftigt. Eine neue Preissenkungsaktion der Reichsregierung beabsichtigt. Die Tatsache, daß trotz der letzten Preissenkungsmaßnahmen der Reichsregierung die Preise für viele Gescheag, wie Lebensmittel, gestiegen sind, hat die Reichblegierung veranlaßt, erneut zur Lage Stellung zu nehmen. In maßgebenden Kreisen macht man darauf aufmerksam, daß die letzte Aktion sich ja noch nicht habe auswirken können. Durch die jetzige Forderung der Gewerkschaften auf 15prozentige Lohnerhöhung wird insofern eine kritische Lage geschaffen, als sich auch schon die Rückwirkung auf die Beamten geltend macht. Die Regierung sieht dieser Bewegung mit großer Sorge entgegen, nicht nur weil offenbar Kräfte am Werke sind, um diese Dinge für den Parteikampf auszunutzen, sondern vor allem deshalb, weil die Gefahr besteht, daß wir wieder in einen neuen Kreislauf hineinkommen, der uns trotz aller Anstrengungen zur Aufrechterhaltung der Währung schließlich doch wieder an den Weg der Inflation drängen müßte. Die Reichsregierung berät daher über neue Maßhinen zur Senkung des Preisniveaus, aber auch über Vorkehrungen zur Kontrolle des Preisstandes auf Grund der Herabsetzung der Umsatzsteuer und dergleichen. Die Regierung glaubt, daß diese Schritte von stärkerer Wirkung sein werden, als die bisher unternommenen. Internationaler Kabelanschluß. WTB Berlin, 27. Okt. Den Bemühungen der Diskontogesellschaft ist es gelungen, die Western Union Telegrapy Company zu verenlassen den Anschluß ihres für den transatlantischen Verkehr bestimmten Kabels Newyork=Azoren an das Azoren Emden Kabel der Deutschatlantischen Telegraphengesellschaft anzubieten. Diese Offerte ist von Seiten der letzteren angenommen worden. Sie ist dadurch in den Stand gesetzt, auf dem Kabel Emden—Azoren den gesamten Verkehr zu vereinigen, den die im atlantischen Kabelverkehr beherrschenden amerikanischen Kabelgesellschaften übermitteln oder dort zu empfangen haben. WTB Berlin, 27. Okt.(Drahtb.) Das Berliner Tageblatt meldel aus Newyork, daß die Golddiskontbank ihren Kredit von 25 Millionen Dollar, der am 15. 12. 23 auf die Dauer eines Jahres mit der internationalen Acceptancebank in Newyork als Führerin ihres großen Bankkonsortiums abgeschlossen worden ist, zum 15. 12. 25 kündigt. Man sieht hierin einen neuen Beweis für die erfolgreiche Durchführung des Dawesplanes, für die Stabilisierung der Verhältnisse in Deutschland. Von der Golddiskontbank wird dem genannten Blatte die Nachricht bestätigt. WTB Essen, 27. Okt. Nach vorläufigen Berechnungen wurden in der Woche vom 12. bis 18. Okt. im gesamten Ruhrgebiet(ohne die von der Regie betriebenen 3 Zechen und 10 Kokereien) in 6 Arbeitstagen 2022 749 1 Kohle gesördert(auf das besetzte Gebiet entfallen davon 1854 525 t) gegen 2048844 (1 885 880) t in der vorhergehenden Woche bei ebenfalls 6 Arbeitstagen. Die Kokserzeugung stellte sich in der Berichtszeit in 7 Tagen(in den Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) auf 405 683 t( besetztes Gebiet 369991) gegen 407 997(372 621) t in der vorhergehenden Woche. Die arbeitstägliche Kohlenförderung(ohne die besetzten Betriebe) betrug in der Woche vom 12. bis 18. Okt. im gesamten Ruhrgebiet 337125 t(gegen 341 474 t in der Woche vorher und 368 681 t im Durchschnitt des ganzen Jahres 1913), die tägliche Kokserzeugung stellte sich auf 57 955 (58 285 bezw. 62718 t). Im besetzten Gebiet ergab sich eine arbeitstägliche Kohlenförderung von 309 088 t(314 305 bezw. 348586 t) und eine tägliche Kokserzeugung von 53 856 t(53 232 bezw. 58 338 t). Reichsbankausweis vom 15. Oktober 1924. WTB Berlin, 25. Okt. Der Ausweis der Reich:bank vom 15. Oktober ist der erste, nach dem am 11 Oktober erfolgten Inkrafttreten des neuen Bankgesetzes vom 30. August ds. Is. Er zeigt nach dem im Paragraph 36 des Bankgesetzes vorgeschriebenen Schema die Aktiven und Passiven der Bank einheitlich auf Reichsmark(RM) umgestellt wobei die Billionenmark und die Rentenmark einer Reichsmark gleichgesetzt wurden. Gemäß Bekanntmachung des Reichsbankdirektoriums vom 15. Oktober ist das Grundkapital von 180 Millionen Mark auf 90 Millionen Reichsmark zusammengelegt. Die beschlossene noch nicht durchgeführte Kapitalerhöhung um 210 Millionen Reichsmark wird in gleicher Höhe sowohl unter Passiven wie unter Aktiven ausgewiesen. Die Umrechnung des Goldbestandes in Reichsmark ist nach den gesetzlichen Bestimmungen vorgenommen, d. h. das Pfund Feingold ist mit 1392 Reichsmark bewertet und die alten 10- und 20=Markstücke sind 10 und 20 Reichsmark gleichgesetzt. Er wird mit 613,6 Millionen Reichsmark ausgewiesen, nachdem ihm in der Berichtswoche 18,9 Millionen Reichsmark zugeflossen sind. Daneben sind als„deckungsfähige Devisen“ gemäß Paragraph 28 des Bankgesetzes aus dem Devisenbestande 205,5 Millionen Reichsmark ausgesondert. Die für die Notenausgabe als Golddeckung in Betracht kommende Summe beläuft sich also zusammen auf 818,2 Millionen Reichsmark. Die übrigen Bestände an ausländischen Wechseln und Devisen sind wie bisher in den Wechselbeständen und den sonstigen Aktiven„enthalten". Der Wechselbestand hat gegenüber der Vorwoche eine Verminderung um 22,3 Millionen Reichsmark auf 2153,9 Millionen Reichsmark erfahren, während sich die Lombardanlage unbedeutend um 1,1 Millionen Reichsmark auf 15,9 Millionen Reichsmark erhöhte. Andererseits fand gleichzeitig eine Zunahme der rediskontierten Wechsel um 54,5 Millionen Reichsmark auf 256,2 Millionen Reichsmark statt. In papiernen Zahlungsmitteln flossen an Reichsbanknoten 122,3 Millionen Reichsmark zurück, sodaß der Notenumlauf mit 1396,7 Millionen Reichsmark erscheint. Die effektive Golddeckung der Noten beträgt 43,9 Prozent, die durch Gold und deckungsfähige Devisen 58,6 Prozent. Der Bestand der Reichsbank an Rentenbankscheinen, die nach dem neuen Ausweisschema nicht besonders auszuweisen sind, sondern unter den„sonstigen Aktiven“ verbucht werden hat sich auf 289,8 Millionen Reichsmark erhöht. Die fremden Gelder der Reichsbank sind um 135,2 Millionen Reichsmark auf 828,5 Millionen Reichsmark gestiegen. Die neuen Aktien. Durch das Reichsjustizministerium ist soeben die 5. Verordnung zur Durchführung der Goldbilanz=Bestimmungen erlassen worden. In dieser Verordnung werden hauptsächlich die Vorschriften über die Stük kelung der Aktien die stärkste Aufmerksamkeit beanspruchen. Grundsätzlich soll eine Aktie auf 100 Goldmark gestellt sein. Sofern das nicht der Fall ist, muß nach der Umstellung eine Aktie auf das Mehrfache von Hundert Goldmark lauten. Wenn der auf die Aktien entfallende Betrag hundert Goldmark oder das Mehrfache ausmacht, dann können neue Aktien für 100 Goldmark, sowohl wie die darüber hinausgehenden Spitzenbeträge, wie an Stelle der Hundert=Mark=Aktien selber, auch Aktien von 20 und 50 Goldmark ausgegeben werden. In solchem Falle können die Aktien auch auf das Mehrfache dieser kleinen Beträge lauten, und es ist auch gestattet, den Gesamtkapitalbetrag in solchen kleinen Aktien anzulegen. Beträge, die nicht aufgehen, sind in Reserve zu, stellen. Im ganzen müssen also die Aktien auf den Betrag von 20, 50 oder 100 Goldmark oder das Mehrfache dieser Beträge lauten. Aktien indessen, die nicht auf ein Mehrfaches von 100 Goldmark lauten, dürfen den Betrag von 250 Goldmark nicht übersteigen. Diese Bestimmungen sind schon lange sehnsüchtig erwartet worden. Ihr Fehlen ist zur Veranlassung genommen werden, die Regierung zu ersuchen, die Fristen für die Fertigstellung der Goldbilanzen noch hinauszuschieben. Das dürfte nun jetzt, nachdem über alle Fragen Klarheit geschaffen ist, nicht mehr in Frage kommen. Handels=Luftschiffslinien. WTB Paris, 27. Okt. Journal Industriel meldet aus Madrid, eine internationale Kommission studiere die Frage der Errichtung von Handelsluftschifflinien. Die Kommission bestätigt das Projekt Eckeners für die Herstellung einer Verbindung zwischen Sevilla und Buenos Aires. Es wird erwartet, daß die Kommission vor Ende des Jahres zu einem endgültigen Ergebnis kommen wird. Sie wird die Vorschläge dann der Regierung unterbreiten. Auch mit Spanisch=Marokko wird eine Verbindung durch Z.=Luftschiffe geplant. Kölner Produktenpreise. WTB Köln, 28. Okt.(Drahtb.) Weizen, inländisch 19—19,50. Roggen, inländisch 19,75—20,25. Hafer, inländisch 16—19. Hafer, norddeutscher 22,25— 24,50. Hafer, ausländischer 19,50—24. Sommergerste 23,50—25. Grober Mais 22—22,50. Kleiner Mais 23—23,50 Roggenmehl 34—36. Weizenmehl 34 bis 36,50. Weizenkleie 12,25—13,75. Zuckerschnitzel 16 bis 16,50. Wiesenheu(lose) 8,50—10. Wiesenheu (gepreßt) 10,00—11,00. Kleeheu 11,00—13,00. Roggenstroh 2,90—3,40. Haferstroh 2,20—2,50. Rohmelasse 8.75. Berliner Getreidebörse. WTB Berlin, 29. Okt. Amtliche Produktennotierungen in Goldmark. Weizen: für 1000 Kg. in M. ab Stationen. Märkischer 20,70—21,10(abgeschwächt). Roggen: Märkischer 20,20—20,89(abgeschwächt). Gerste: Sommergerste 23.—25.60. Wintergerste 20,00—21,50 Futtergerste ruhig. Hafer: Märkischer 17,50—18,50(ruhig). Weizenmehl für 100 Kg. brutto einschl. Sack in M. frei Berlin Feinste Marken über Notiz bezahlt. 29—32. still. Roggenmehl für 100 Kg. brutto einschließl. Sack in M. frei Berlin 28,50—31,50 still. Weizenkleie 12,50—12,80 ruhig. Roggenkleie 12,50—12,80 ruhig. WTB Berlin, 29. Okt. Die bevorstehende Nummer 22 des Reichsarbeitsblattes, das seit 1. Oktober vier Mal monatlich erscheint, bringt im amtlichen Teil u. a. Verordnungen, Bescheide usw. über Wanderarbeiter, Notstandsarbeiten, Wohnungs= und Siedlungswesen und Bekanntmachungen aus Tarifverträgen. Abgedruckt sind ferner Teil 1 und 2 des englischen Entwurfs eines Fabrikgesetzes. Im nichtamtlichen Teil wird über den Arbeitsmarkt im September nach den statistischen Erhebungen berichtet. Ferner gelangt außer einem Aufsatz von Direktor Ordemann(Münster) die Rede Brentanos auf dem internationalen Kongreß für Sozialpolitik in Prag nach dem Wortlaut des Mannstripts zum Abdruck. Druck und Verlag: Verlagsanstalt F. X. Ruegenberg, Olpe. Verantwortlich für die Gesamtcedaktion: P. Hüttemann, Olpe; für den lokalen und provinziellen Teil, Feuilleton und Vermischtes: A. Rademacher=Olpe; für die Berliner Redaktion: J. B. Krauß, Berlin=Schöneberg; für den Reklamen= und Anzeigenteil: Ed. Ruegenberg, Olpe. Am Samstag, dem 1. November (Allerheiligen) bleibt unser Geschäft B h*•sen K. Holterhoff Sohnk In unser Handelsregister ist am 18. 9. 1924 Abt. B. Nr. 16 bei der Firma Grevenbrücker Dampfziegelei und Lüttmann& Co. Gesellschaft m. beschränkter Haftung in Grevenbrück eingetragen: Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 8. August 1924 ist der Gesellschaftsvertrag bezüglich Stammkapital und Geschäftsanteile geändert. Das Stammkapital ist auf 37.500 Goldmark umgestellt. Amtsgericht Förde. Bin Freitag morgen von 9 Uhr ab mit einer Ladung #se und in Grevenbrück zu folgenden billigen Preisen: Prachtvolle Aepfel 10 Pfd. von 1,50 an, frische Feigen a 40 Pfg., süße Weintrauben a Pfd. 60 Pfg., dicken schweren Blumenkohl 2 Stck. 1,50 Notkohl la. a Stck. 40—50 Pfg., dicke frische Eier 10 Stck. 1,70, Delikate Birnen 5 Pfd. 80 Pfg., Salat a Stck. 20 Pfg., schöne trockene Zwiebeln 10 Pfd. 1,20, 100 Pfd. 10.50. Th. Gräwe, Plettenberg. Bekanntmachung. Am Freitag, dem 31. 10., vormittags 11 Uhr, werden im hiesigen Güterbahnhof 2 Waggon(ca. 28700 kg) Kartosseln waggonweise meistbietend gegen Barzahlung verkauft. (113577) Güterstelle. Rche Prachtvolle weiße Astern für Gräberschmuck Erika, Alpenveilchen und Priemeln in verschiedenen Farben. Kränze u. Blumen. Herm. Degenhard Olpe i. W. Teleson 137 „ 0 Strubes Diakopf 1. avsaat, in den ersten Tagen eintreffend. Tiuantin B zum Beizen gegen Weizensteinbrand. Schulte& Helleckes, Grevenbrück. a. gelbsteischige Inbustkiekartoffeln (Saatkartoffeln), bwie Kunkelruben liefert ab Lager zu mäßigen Preisen. 2 Waggon Industriekartoffeln geschlossen abzugeben. Jos. Hammerschmidt Wwe., Grevenbrück i. Westf. Teleson 81. VVVVVVFV Haben Sie etwas zu färben oder zu reinigen, dann bringen Sie selbiges zu Gebrüder Clemens Olpe, Martinstraße 18. Verkaufe heute letzte Ladung. u. Rotkohl Wilh. Schleifer, Nachf. Olpe. Heute eintreffend: la. frischen Schellfisch, ferner Blumenkohl, Rosenkohl, Spinat, Wirsing, Endiviensalat, frische Eier Stück 19 Pfg., la. Käse und Obst. Jos. Feldmann, Olpe. Städtisches Schauspielhaus, Hagen i. W. Donnerstag, den 30. Oktober, 7,30—10,30,„Liselott von der Pfalz“, Lustspiel von Presber und Stein. Freitag, den 31. Oktober, 7,30—10,30„Der liebe Augustin“, Operette von Leo Fall. Samstag, den 1. November, 7,30—10,30,„Aida“ Große Oper von Verdi. Sonntag, den 2. Nevember, 7,30—10,30,„Der Evangelimann“, Oper von Wilhelm Kinzel. Nachdem an der Börse die Mehlpreise etwas gesunken sind gelten ab heute folgende Brotpreise: 3 Pfd. Schwarzbrot 55 Pfg. 3 Pfo. Graubrot b3 Pfg. Semmel=Weißbrot 65 Pfg. 1 Pso. Zwieback 1,00 Mk. Die Bäcker der Aemter Bilstein und Kirchhundem. Anschläger und Schwarzblechklempner für leichte Blecharbeiten und Blechwaren(Akkordarbeit) zum sofortigen Eintritt gesucht. Bremerhütte, Netphen. für die leure Kernseile, weil Goldperie so viel Seifenschnilzel enthält, daß Sie keine Seilenzusätze mehr brauchen. Fordern Sie ausdrücklich M-S SIISSmsi. Freitag früh habe ich eine Auswahl hochtragender und frischmelker Ruhe zum Verkauf stehen W. Schoppmann, Li ge b. Marienheide. Schwere in 8 Tagen kalbende zu verkaufen. Johann Kühr, Rhode. RindviehVersicherungsverein Olpe. Donnerstag, den 30 Okt. nachmittags 2 Uhr im Schlachthaus Verkauf von Rindfleisch (Nur an Vereinsmitglieder.) Landwirte beizt euer Saatgut mit Aspalun oder Lilanlin um höhere Ernteerträge zu erhalten. 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