Altester Anzeiger für das Sauerland Das„S. B.“ erscheint jeden Werktag früh und koste monatlich a) durch die Post und unsere Boten 1.90 G.=M. einschl. Bestellgeld b) in unserer Geschäftsstelle abgeholt 1.50 G.=M. Einzelpreis 10 G.=Pse Bestellungen nehmen alle Postanstalten sowie jeder Briefträger entgegen Störungen durch höhere Gewalt und Ausstand rechtfertigen keine Ersatzarsprüche.:: Geschäftsstellen Frankfurterstr. 16 und Bahnhofstr. 3.— Fernruf 2. Postscheckkonto Köln 10 158 Gegr. 1840 Amtliches Kreisblatt des Kreises Olpe Anzeigenpreise: 1 Millimeter Höhe in der 35 Millimeier breiten Spalte im Ortsverkehr 8 Goldpfennige, auswärtige Anzeigen 10 Goldpfennige;; Reklamen 1 Millimeter Höhe in der 75 Millimeter breiten Text=Spalte, 40, Goldpfennige. Auslandsanzeigen: Valutaaufschlag. Bei Auskunft und Offerten=Annahme und Weiterbeförderung entsprechende Zuschläge. Anzeigen=Rechnungen sind innerhalb 8 Tagen zahlbar, andernfalls Zinszuschläge in Höhe der Bankzinsen Nr. 244 Olve. Donnerstag, den 16 Oktober 1924 84 Jahra Gtäcklicher Abschluß der Beppelinfahrt. In Berlin noch Z. R. III WTB Budapest, 14. Okt. Testi Maclo bespricht in einem Leitartikel die Bedeutung des Ozeanfluges des Zeppelins und schreibt: Es sei ein grandtöses Schauspiel, das sich der ganzen Welt bietet, zu sehen, wie dank des Fleißes eines niedergetretenen Volkes dieses herrliche Luftschiff sich in der Luft erhebt, u. wohin es fliegt, überall verkündet das Knattern seiner Motore lauter als hundert Versailler Verträge, daß Deutschland lebt und es weder mit dem Schwert noch mit dem„Frieden“ getötet werden kann. Wir entbieten ihm unsere Segenswünsche und den Ausdruck unserer Bewunderung. Der glückliche Abschluß der Zeppelinfahrt. WTB Washingion, 15. Okt. In einer weiteren Meldung des amerikanischen Kapitän Steel vom späten Nachmittag gestern heißt es: Z. R. 3 setzte seine Fahrt während der Nacht mit vier Maschinen und einer Geschwindigkeit von 57 Knoten fort. Das Luftschiff wird durch südwestliche Winde aufgehalten. Mit Rücksicht auf die ungünstigen Wetterverhältnisse und die Berichte über besseres Wetter nordwärts, wurde um 8 Uhr der Kurs geändert. Der Dampfer Präsident Harding bot uns in der letzten Nacht durch Funkspruch seine Hilfe an. Wir dankten dem Kreuzer. Wir brauchen jedoch keine Hilfe, da wir noch für 56 Stunden Brennstoff haben, d. h. die Hälfte des mitgeführten Vorrats. WTB Newyork, 15. Okt.(Funkspruch.) In Lake Hurst traf um 5 Uhr vormittags m. e. Z. ein Funkspruch vom Z. R. 3 ein des Inhalts, das Luftschiff gedenke Lake Hurst am Mittwochvormittag amerikanischer Zeit zu erreichen. An Bord ist alles wohl. WTB Newyork, 15. Okt. Z. R. 3 ist um 5.25 Uhr vormittags deutscher Zeit am südlichsten Punkt von Westschottland angelangt. Weiterreise: Newyork, Baltimore, Washington, Lake Hurst. WTB Newyork, 15. Okt.(Durch Funkspruch.) 6 Uhr morgens hörte man über Seal=Island Motorgeräusche vom Z. R. 3, konnte ihn aber wegen der Dunkelheit nicht erkennen. Das Luftschiff befindet sich 600 Meilen von Newyork. WTB Newyork, 15. Okt.(Funkspruch.) Um 9 Uhr vormittags m. e. Z. befindet sich Z. R. 3 70 Meilen östlich von Boston. WTB Newyork, 15. Okt. Um 10 Uhr 20 Min. m. e. Z befand sich Z. R. 3 über Boston. WTB Newyork, 15. Okt.(Drahtb.) Z. R. 3 überflog den Mittelpunkt der Stadt Boston bei niedriger Fahrt. Das Rauschen der Maschinen des Luftschiffes brachte Hunderte von Menschen auf die Straßen. Die Lichter aus den Gondeln waren deutlich zu sehen. WTB Newyork, 15. Okt.(Funkspruch.) Z. R. 3 überflog um 10.45 Uhr m. e. Z. Providence Rhode Island und um 11.40 Uhr New=London in der Flugrichtung südwest. WTB Newyork, 15. Okt.(Funkspruch.) Z. R. 3 wird um 1 Uhr m. e. Z. über Newyork erwartet. Man aimmt an, daß die Landung in Lake Hurst zwischen 8 und 4 Uhr m. e. Z.(das ist zwischen 9 und 10 Uhr vormittags amerikanischer Zeit) stattfinden wird. WTB Newyork, 15. Okt.(Funkspruch.) Z. R. 3 hat um 1,29 Uhr m. e. Z. Newyork erreicht. WTB Newyork, 15. Okt.(Funkspruch.) Z. R. 3 nahm seinen Weg in niedrigem Fluge über den Mittelpunkt von Newyork. Er überflog den Hundsonfluß. Er wurde von Fabriken und den am Hafen liegenden Schiffen mit schrillenden Sirenen begrüßt. Eine zahllose Menschenmenge auf Straßen und Dächern brach in begeisterte Begrüßungskundgebung aus und schwenkte die Hüte, als das Luftschiff, begleitet von mehreren Flugzeugen, glitzernd in der Sonne über sie hinweg fuhr. WTB Newyork, 15. Okt.(Funkspruch.) Z. R. 3 ist 2.55 m. e. Z. von Newyork nach Lake Hurst weiter geflogen. WXB Newyork, 15. Okt.(Funkspruth.) 5. R. 3 ist um 3 Uhr 11 Min. glatt gelandet. Die Lage in Berlin. )* Olpe, 15. Okt. Wenn man in dem Wirrwar der„Fraktionsent= schließungen“ und der„Presseerörterungen“ den klaren Ueberblick nicht verlieren will, muß man sich immer wieder die politische Linie des Reichskanzlers und der (ununterbrochen) aktiv in der Regierung tätigen Zentrumspartei und ihrer Koalitionsfreunde vor Augen führen. Und diese Linie läßt sich kurz folgendermaßen kennzeichnen. 1. Die Außenpolitik muß aus der Sphäre der Diktatur heraus auf den Weg der Verhandlungen!— Um dieses Ziel zu erreichen, muß im Auslande Vertrauen zu dem ehrlichen Willen der deutschen Regierung erweckt werden. Wer sachlich urteilt, muß zu dem Ergebnis kommen, daß das Kabinett Marx in dieser Beziehung unzweiselhafte Erfolge aufzuweisen hat: Londoner Verhandlungen: Genf: Befreiungsmaßnahmen im besetzten Gebiet; Wirtschaftsverhandlungen; Anleihe u. a. Wer dennoch zweifelnd die Schultern zuckt, den verweisen wir auf die Tatsache, daß die bis dahin unentwegte keine Einigung.— Ende de Oppositionspartei der Deutschnationalen die erforderlichen Stimmen zur Annahme der„Londoner Gesetze" abkommandierte. Wenn man sich sodann erinnert, daß wir den Weltkrieg verloren haben, daß selbst die Siegerstaaten an den Folgen des Krieges schwer zu tragen haben, dann dürfte es klar werden, daß uns niemand, auch nicht durch noch so großes Kriegsgeschrei und noch so kräftiges„Neinsagen“ von der Tragung schwerster Kriegslasten befreien kann. An der Lösung dieser Frage kommt weder ein Bürgerblock noch ein Rechsblock vorbei!— 2. Reichskanzler Marx, der die grundlegende Bedeutung der Kriegslastenfrage von Anfang an erkannte, hat sich dementsprechend von vornherein bemüht, zu ihrer Regelung alle positiven Parlamentarier heranzuziehen. Als die Gesetze angenommen waren, forderte er öffentlich zur Bildung der parlamentarischen„Volksgemeinschaft“ auf, um bei der Beratung der Lastenverteilung Vertreter aller Volkskreise am Tische zu haben. Dieses Ziel war zweifellos vernünftig und deshalb auch durchführbar. Wenn man seine Erreichung verhindert hat unter dem Hinweis darauf, daß die Einbeziehung der Sozialisten in die Regierung vom christlichen Standpunkte aus nicht zu billigen sei, so sind solche Einwände politisch nicht ernst zu nehmen. Siei dienen nur dazu, um die wahren Gründe eines solchen Verhaltens zu verdecken.— Der Reichskanzler, das Zentrum und die Demokraten ließen sich tatsächlich vom Grundsatze der Gerechtigkeit leiten, wenn sie unter Beibehaltung des erfolgreichen außenpolitischen Kurses eine„Volksgemeinschaft" zur Regelung der Volksbelastung anstrebten. Die„Volksgemeinschaft" konnte dieses Problem mindestens so glücklich lösen, wie ein Bürgerblock oder Rechtsblock es zu tun vermag. Aber diesen Erfolg scheint man dem Zentrumskanzler nicht zu gönnen. Er hatte sowieso schon zu viel erreicht. Wir lassen nun die einzelnen Berichte über die heutigen Sitzungen folgen. WTB Berlin, 15. Okt. Im Reichstag trat heute vormittag der Vorstand der Zentrumsfraktion zu einer Sitzung zusammen, woran auch der Reichskanzler Dr. Marx teilnahm. Aus der Besprechung, die zwischen den Vertretern des Zentrums und der Demokraten stattfand, ergab sich, wie verlautet, daß der gestrige Zentrumsbeschluß eine Aenderung in der Haltung der demokratischen Fraktion nicht mehr herbeiführen wird. Die demokratische Fraktion sei vielmehr nach wie vor der Meinung, daß die Bildung des Bürgerblocks schwere innen= und außenpolitische Gefahren in sich berge und daß eine Beteiligung daran für sie unmöglich sei. Das Zentrum wird zu der neuen Situation in einer am Nachmittag stattfindenden Sitzung Stellung nehmen. Nachmittags finden ferner Sitzungen der Demokraten, der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei statt. odz. Berlin, 15. Okt. Gegen 12 Uhr empfing der Reichskanzler Dr. Marx nacheinander die Vertreter der Regierungsparteien und zwar zunächst von der Deutschen Volkspartei die Abgeordneten Dr. Scholz und Dr. Curtius, von dem Zentrum die Abgeordneten Fehrenbach, von Guerard und Becker=Arnsberg und schließlich die Demokraten Koch, Erkelenz und Haas. Diese Konferenz war nur von kurzer Dauer und hatte nur informatorischen Charakter. Nach Schluß dieser Besprechungen, fand eine Kabinettssitzung statt. Die Entscheidung liegt jetzt bei den Demokraten, die ihre Fraktionssitzung auf eine halbe Stunde früher, also auf 2.30 Uhr, angesetzt haben. BDZ. Berlin, 15. Okt.(Radio.) Die Kabinettsbesprechung im Reichstag dauerte von 12 bis 3 Uhr nachmittags. Die innerpolitische Lage wurde eingehend erörtert. Beschlüsse wurden jedoch noch nicht gefaßt, da die Haltung der Demokraten und des Zentrums noch nicht endgültig geklärt wurde. Für 4 Uhr nachmittags sind die Reichsminister wieder eingeladen worden. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfte die Entscheidung des Zentrums vorliegen, die wiederum von der Fraktionsberatung der Demokraten wesentlich beeinflußt werden wird. Die demokratische Fraktionssitzung beginnt um 2.30 Uhr und die des Zentrums um 3 Uhr. WTV Berlin, 15. Okt.(Drahtb.) Diedemokratische Fraktion faßte heute mit übergroßer Mehrheit folgende Entschließung: Die demokratische Fraktion hält daran fest, daß die gegenwärtige Krise ohne Not heraufbeschworen ist und daß schwerwiegende Gründe der Außenpolttik die Beibehaltung der jetzigen Regierung erfordern. Die Regierung hat die Pflicht, sich vom Reichstag die Zustimmung für die Forführung der bisherigen Außenpolitik geben zu lassen. Sie darf erst dann abtreten, falls wider Erwarten der Reichstag sie dazu zwinge. Entsprechend ihrer bisherigen Beschlüsse vermag die Fraktion eine einseitige Erweiterung der Regierung nach rechts nicht mit ihrer Verantwortung zu decken. Wa B Berlin, 15. Okt. In den Mittagstunden tagte wie den Blättern mitgeteilt wird, ein Ministerrat. Um 5.80 Uhr empfängt der Reichskanzler die Vertreter der Mittelparteten. er Regiebahnverwaltung am Berlin, 16. Okt.(Drahtb.) Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, trat die Zentrumspartei des Reichstages um 6,30 Uhr abends zusammen, ging aber nach kurzer Zeit wieder auseinander, ohne einen Beschluß zu fassen. Sie wird ihre Beratungen Donnestag vormittags wieder aufnehmen. Da die Zentrumsfraktion zu keiner Beschlußsassung gekommen war, wurde die auf 7 Uhr festgesetzte Besprechung des Reichskanzlers mit den Parteiführern auf Donnerstag vormittags 11 Uhr vertagt. In der Fraktionssitzung der Deutschnationalen kam zum Ausdruck, daß die Fraktion keine Veranlassung habe, ihre Haltung zu ändern. Sie muß abwarten, welche Entschließungen die anderen Fraktionen fassen. dem preußischen Landtage. Beratung des Forstetats am 10. Oktober. Abg. Schmelzer(Zentr.): Meine Damen und Herren, der Voranschlag des diesjährigen Forstetats schließt mit einem Einnahmeüberschuß von rund 142 853 000 Mark ab. Nachdem am 1. Oktober das Forstwirtschaftsjahr zu Ende gegangen ist, könnte uns vielleicht die Forstverwaltung schon Aufschluß geben, ob tatsächlich schon diese Summe erreicht, oder vielleicht überschritten sei. In dieser Beziehung sind die Beratungen unseres Forstetats eigentlich nur von akademischem Wert. Im Hauptausschuß hat uns der Herr Minister Kenntnis davon gegeben, wie groß der Schaden ist, den die preußische Forstverwaltung in dem besetzten Gebiet erlitten hat. 140000 Hektar waren beschlagnahmt, und die Franzosen haben hieraus im letzten Jahre ca. 1 500 000 Festmeter Holz eingeschlagen im Werte von 28 Millionen Mark und außerdem noch Nebennutzungen im Werte von 6 Millionen Mark. Das sind sehr bedauerliche Ausfälle für unser Staatsvermögen. Ich möchte von dieser Stelle aus sagen, daß wir in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten mehr des Schutzes gegen Frankreich bedürften, als Frankreich einer Sicherheit gegen uns bedarf. Denn vor 100 Jahren haben die Franzosen dieselbe Waldverwüstung im Rheinlande vorgenommen. Es sind heute noch Schläge da, die im Andenken daran Franzosenholz heißen. Heute müssen wir wiederum die Flächen aufforsten, die die Franzosen abgeschlagen haben. Infolge der Annahmedes Londoner Paktes ist die Rückkehr unserer Staatsbeamten in die Wege geleitet worden. Es gibt eine Reihe von Beamten, die aus diesen oder jenen Gründen nicht gern auf ihre Stellen zurückkehren wollen. Wir haben im Hauptausschuß einen entsprechenden Antrag eingebracht, der auch angenommen worden ist, daß, wenn der Rückkehr Schwierigketten entegenstehen, diese Beamten auch Stellen im unbesetzten Gebiet erhalten sollen. Ich hoffe, daß die Staatsforstverwaltung danach handelt. Wir danken allen Beamten, die während der Besetzung die Interessen des deutschen Volkes und des deutschen Vaterlandes unter schwierigen Umständen hochgehalten haben.(Bravo im Zentrum.) Wir danken auch den vertriebenen und jetzt zurückkehrenden Beamten für alle Mühseligkeiten, die sie im Interesse des Vaterlandes auf sich genommen haben. Meine Damen und Herren, die Einnahmen der Staatsforstverwaltung durch größere Einschläge zu erhöhen, ist wohl nicht möglich, nachdem weite Gebiete durch Beschlagnahme, durch Forleulenfraß usw. sehr gelitten haben. Aber vielleicht ist es doch noch möglich, auf einem anderen Gebiete etwas zu sparen. Wir haben allerdings einen Antrag angenommen, daß mit dem Abban Schluß gemacht werden solle. Wir können insbesondere keinen Aufsichtsbeamten mehr entbehren, zumal die Klagen über Holzdiebstähle nicht verstummen wollen. Aber ich komme noch einmal auf meine früherenVorschläge zurück, im Wege einer Verwaltungsresorm vielleicht Ersparnisse zu erzielen, die von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind, nämlich größere Forstbezirke zu bilden, Forstbezirke von 10 bis 12 Oberförsterelen, mit anderen größeren Forstbezirken zusammenzulegen. In solchen ist eine größere Auswahl geeigneter Beamten, die einzelne Referate, sagen wir: Holzverkaufsreferate oder Forsteinrichtungsreferate etc übernehmen können. Meine Damen und Herren, die Forsteinrichtungsanstalten kosten uns eine halbe Million, und wenn sie übrig gemacht werden könnten, so wäre das eine wettere, nicht geringe Ersparnis. Das Ziel der Wirtschaft soll die Erzeugung möglichst großer, hochwertiger Holzmassen in tunlichst kurzer Zeit mit möglichst geringem Aufwande sein. Es soll also der großmöglichste Reinertrag aus dem Walde herausgeholt werden. Die Behauptung, daß die Forsteinrichtungsanstalten die Sache billiger machen, kann man nicht ganz widerspruchslos hinnehmen. Denn die Forsteinrichtungs= anstalten gebrauchen bei den betreffenden Forstdirektionsbezirken doch auch die einheimichen Beamten als Hilfskräfte, abgesehen von großen Reisespesen, die nötig sind. Es ist sehr erfreulich, daß der Ausschußz eine Bestimmung aus der kleinen Verwaltungsreform vom 14. 5. 24 beseitigt hat, daß dieForstabteilungen bei den 16. November. Regierungen beseitigt werden sollen. Ich kann mir garnicht denken, wie die Regierung überhaupt einen Entwurf einer Verwaltungsreform einreichen konnte, worin die Beseitigung der Forstabteilungen bei den Regierungen gesordert wurde. Die Regierungspräsidenten haben doch gewöhnlich keine forstfachliche Vorbildung, und darum können wir nicht dem zustimmen, daß ihnen allein die Verwaltung dieses so wichtigen Staatsvermögens in die Hände gelegt wird. Wir wollen es wenigstens so behalten, wie es bisher gewesen ist, daß die Forstabteilungen in kollegialer Verfassung bei den Regierungen darüber bestimmen. Besser wäre es schon, die Forstabteilungen noch selbständiger zu machen und sie nur dem Minister zu unterstellen; das würde den Wünschen der höheren Forstbeamten in der Provinz wohl am meisten entsprechen. Völlig abwegig und überflüssig ist es, wenn den Forstabteilungen neben dem Oberförster noch ein Verwaltungsjurist als Regierungsdirektor beigegeben wird. Die Oberforstmeister haben sowohl eine Verwaltungstechnische wie juristisch=volkswirtschaftliche Vorbildung genossen, sie stehen als Oberförster viele Jahre im praktischen Leben, und ich wüßte nicht, was dieser Verwaltungsjurist als Regierungsdirektor, den man den Oberforstmeistern noch auf die Nase setzen will, Gutes aus den Forsten noch herausholen sollte. Es schreibt mir darüber ein Forstrat: „Daß den Regierungsforstbeamten bisher die selbständige Führung der Geschäfte offiziell versagt geblieben ist, wird von allen immer mehr als beschämend und unerträglich empfunden, es lähmt die Arbeitsfreude zum Schaden des Dienstes und führt unausbeiblich zu unfruchtbaren Reibungen mit den Verwaltungsjuristen, die an der überkommenen Vorrangsteuung festhalten und an der Regierungsdirektorstelle ein persönliches Interesse haben. Es will uns scheinen, als wenn diese Art der Verwaltungsreform für die Forstverwaltung nicht die cegebene wäre. Diese Bestrebungen, die Forstverwaltung ihrer Selbständigkeit zu berauben, liegen meines Erachtens in derselben Linie, wie die Bestrebungen, die in dem Entwurf des Forstkulturgesetzes zu Tage treten, wo der Privatwald unter die Anssicht der Landeskulturämter gestellt wird. Sämtliche Waldbesitzerverbände und Waldbauvereine haben sich in den letzten Jahren andauernd gegen diese Bestimmung gewandt, und es ist mir nicht bekannt, daß sich das Landwirtschaftsministerium auch zu dieser Ansicht aufgeschwungen hätte. Wir wollen, wenn eine staatliche Aufsicht schon eingerichtet werden soll, diese nur in zweiter Instanz gelten lassen, und in erster Instanz uns von den gewählten Förstern und Oberförstern beraten lassen. Man hört nicht mehr soviel von der dringlichen Notwendigkeit des Forstkulturgesetzes nachdem sich herausgestellt hat, daß der Staat selbst so handelt wie ein Privatmann. Wenn er in der Klemme sitzt— der Wald ist nun einmal die Sparkasse des Bauern und auch des Staates—, und wenn der Staat in finanztellen Nöten ist, macht er ebensogut einen starken Eingriff in das Holzkapttal wie der Privatmann. Ein Forstkulturgesetz könnte ganz einfach dahin lauten daß jeder, der einen Kahlschlag macht, verpflichtet ist, nach gewisser Zeit wieder aufzuforsten, damit die Fläche nicht nutzlos liegt, das ist des Pudels Kern, daß der gesamte Grundbesitz Deutschlands Erträgnisse einbringt, die er hervorbringen kann. Auf dieser einfachen Formel könnten wir einem Forstkulturgesetz sehr schnell zustimmen, aber nicht einem Gesetz, das ist einstimmiger Beschluß meiner Fraktion, das unseren Beamtenapparat vermehrt, dessen Wirkungen die Allgemeinheit doch schließlich erst in 50 bis 00 Jahren zu verspüren bekommt. Solchen Luxus können wir uns in unserer heutigen, finanziell bedrängten Lage nicht leisten. Die Privatwaldbesitzer ist ebenso zu hoch steuerlich belastet, wie der Besitzer landwirtschaftlich benutzter Grundstücke. Es ist leider Tatsache, daß bei den Finanzämtern sehr selten Leute sind, die beurteilen können, was ein Wald an Reinertrag abwirft. Es wäre eine dankbare Aufgabe der Forstämter, bei den Regierungen in ihrem Bezirk einmal festzustellen, was eigentlich als Reinertrag pro Hektar in dieser oder jener Bodenklasse Wald zu gelten hat. Wir können diese steuerliche Belastung nicht mehr lang ertragen. Es ist auch zugesagt, daß die jetzige Einschätzung nur für dieses Jahr gelten soul. Wir erhoffen bei der nächsten Einschätzung für 1025 eine gerechte Beurteilung des Reinertrages unserer Wälder. Im Hauptausschuß hat der sogenannte Maulkorberlaß vom 29. 2. 1924 eine große Rolle gespielt. Ich werde mir mit Erlaubnis des Herrn Präsidenten gestatten, einige Absätze darans vorzulesen, damit Sie sich ein Urteil darüber bilden können. Es heißt z. B. in Absatz 1: Es erscheint nicht angängig und mit der Beamtendisziplin nicht vereinbar, wenn in der Oessentlichkeit eine Kritik dienstlicher Maßnahmen über den Rahmen sachlicher und wissenschaftlicher Erörterung hinausgeht und in mehr oder weniger polemtscher Art erfolgt. Damit könnte man im allgemeinen einverstanden sein, daß dann aber auch die Beantwortung solcher Schriftsätze seitens der Forstverwaltung nicht in mehr oder weniger polemischer Art erfolgen darf. Anders verhält es sich mit dem letzten Absatz 4: Auch bei Verfolgung persönlicher und privatwirtschaftlicher Wünsche und Beschwerden haben Beamte vielfach in den letzten Jahren Beziehungen zu Abgeordneten gesucht, bevor sie ihre Beschwerden usw. in der vorgeschriebenen Weise zum Vortrag gebracht haben. Ich vermag dieses Verfahren nicht zu billigen. Es sollte doch jedem Staatsbürger freigestellt sein, sich in seinen Angelegenheiten, wenn es ihm gut dünkt, auch an Abgeordnete zu wenden. Wir als Abgeordnete verlangen jedenfalls das Recht, uns auch bei den Beamten und auch denen der Forstverwaltung jederzeit erkundigen zu können. In dem Forstdirektionsbezirk Frankfurt a. d. Oder soll ein Erlaß existieren, der jedem Fürster gebietet, wenn er sich an einen Abgeordneten wenden will, erst die Erlaubnis des Oberforstmeisters einzuholen.(Hört, hört!) Ein solcher Erlaß ginge zu weit. Ich bitte die Staatsforstverwaltung, bei dem Oberforstmeister der dortigen Reglerung darauf hinzuwirken, daß er den Erlaß zurückzieht, vorausgesetzt, daß die Mitteilung auf Wahrheit beruht; ich konnte diese Auskunft nicht erst prüfen. Ein sehr wichtiges Kapitel ist in diesem Jahre, wie das Holz verwertet wird, was durch Forleulenfraß vernichtet ist. Durch den großen Einschlag in den östlichen Bezirken hat sich der Holzeinschlag jetzt nach dem Osten verschoben. Es werden in den östlichen Forstbezirken einschließlich Magdeburg nach dem Erlaß des Ministers vom 18. September 5800000 Festmeter gehanen und in den westlich von Magdeburg gelegenen Bezirken nur 2 270000 Festmeter. Der Gesamteinschlag beläuft sich auf 8 630 000 Festmeter. In den Hauptverbrauchsgebieten Arnsberg, Düsseldorf, Köln, in der Nähe des rheintsch=westfältschen Industriegebiets werden nur 105 000 Festmeter geschlagen. Was hat das für eine volkswirtschaftliche Bedeutung? Daß wir unsere Hauptverbrauchsgebiete aus dem Osten versorgen und die hohen Frachten für das Holz tragen müssen. Das bedingt weiter für die Staatsforstverwaltung, daß im Osten das Holz zu billigeren Preisen abgegeben werden muß. Die Reichsbahnverwaltung hat sich bereit gefunden, die Frachten auf Holz um 30 bis 32 Prozent zu vermindern. Die Frachten waren aber in diesem Jahre bedeutend höher, als im Frieden. Bei Entfernungen von 300 bis 500 Kilometek erreichten sie oft den Wert des Holzes, das verfrachtet wurde, während man in Friedenszeiten mit 5 bis 10 Prozent des Wertes des Holzes als Fracht oder vielleicht auch mit 20 bis 25 Prozent rechnen mußte, wenn es sich um ganz minderwertiges Holz handelte. Im letzten Jahre erreichten die Frachten oft 100 bis 150 Prozent des Holzwertes Dadurch ist die Einfuhr aus der Tschechoslowaket nur begünstigt worden. Und deshalb ließen unsere Waldbesitzer häufig ihr Holz unverkäuflich im Walde liegen, besonders wenn es sich um Gruben= od. Papierholz handelte. Das war ein so unwirtschafliches Verfahren der Reichsbahnverwaltung, volkswirtschaftlicher Unsinn, das man nicht scharf genug verurteilen kann. Wenn heute die Forstverwaltung andauernd bemüht bleibt, für dieses Eulenfraßholz Staffeltarife zu erringen, möchte ich ihr dazu guten Erfolg wünschen VVolkswirschaftlich unertragbar ist es, wenn dieses Holz zu den jetzt geltenden Frachten nach dem Westen gehen soll. Unsere Reichsbahn, auch wenn sie jetzt als Reichsbahngesellschaft und Aktiengesellschaft sich präsentiert, soll doch nach den Bestimmungen des Dawes=Vertrages den volkswirtschaftlichen Ersordernissen in Deutschland Rechnung tragen. Das muß sie besonders bei dieser Kalamttät, die In diesem Jahre über unseren Holzbestand hereingebrochen ist. Nebenbei möchte ich daran erinnern, wie wichtig es ist, daß Preutzen einen Vertreter im Vorstand der Reichobahnverwaltung hat.Wir haben vorgestern abend im Verkehrsausschuß darüber debattiert, und das Hohe Haus wiro ich mit dieser Zein nchen den nächnten r##rchen be chäftigen, lever## näche Vorstar der Reichsbahnverwaltung im Novembei erfolgt. Preußen muß unbedingt einen Mann in den Vorstand haben, der die preußischen Interessen in der gehörigen Form zu vertreten weiß. Dazu ist das Gebiet Prei ßens viel zu groß, als daß nicht ein besonderer Man des Vertrauens unserer Regierung in den Vorstand der Reichsbahnverwaltung kommt.(Sehr richtig! i Zentrum.) Der Vorschlag des Herrn Kollegen Brandenburg, zur Verwertung des Holzes eine Holzvertriebsgesellschaft unter staatlicher Regie zu bilden, scheint mir zu weit zu gehen. Um sich mit dem Handel abzugeber dazu ist der Beamtenapparat viel zu schwerfälltg.(Zuruf links)— Nein, der Holzhandel hat seine Berechtigung, und das Holz würde durch eine Holzvertriebsgesellschaft staatlicher Art nur noch mehr verteuer (Sehr richtig! im Zentrum.) Die Verbilligung des Holzes für den Verbrauche# setzt vor allen Dingen gute Zahlungsbedingunger für den Holzkäufer voraus, und die Stundungsbedingungen, die die Staatsforstverwaltung in dem Erlaß vom 18. September herausgegeben hat, kommen diesel Verlangen auch in etwa entgegen. Aber meines Erachtens hat die Staatsforstverwaltung viel zu langan der Forderung von 36 Prozent Zinsen für di stundeten Beträge festgehalten.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ich möchte aber die Vergünstigung, die die großen Holzkäufer in bezug auf die Stundung von Geldbeträgen genießen— es wird hier zwischen denjenigen unterschieden, die Holz im Betrage von 300 oder 500 M. und mehr kaufen— auch den Handwerkern zugewende wissen, soweit sie Holz für ihren Handwerksbetrieb nötig haben, wenn sie auch nicht gleich für 300 oder 500 kaufen. Kulante Zahlungsbedingungen werden der taatsforstverwaltung höhere Grundpreise einbringen und das Holz für den Verbraucher nicht verteuern. Die Stundungsbedingungen im vorigen Jahre zu kritisieren, hatten wir ein gutes Recht. Wir haben von dieser Stelle aus die Verluste der Staatsforstverwaltung besprochen, die sie durch eine zu lange Stundungsdauer erlitten hat. Als wir alle unter der Geldentwertung litten, war es notwendig, sich ihr möglichst schnell anzupassen, und man konne nicht erst von Monat zu Monat, sondern mußte schließlich von Woche zu Woche und als die Geldentwertung rasend fortschritt, beinahe von Tag zu Tag andere Zahlungsbedingungen festsetzen. Unzweifelhaft hat damals die Staatsforstverwaltung zu lange an ihren ursprünglichen Stundungsbedingungen festgehalten; heute aber, wo wir stabtle Verhältnisse haben, muß die Stundung zu kulanten Bedingungen erfolgen und der Anlaus dazu ist ja in dem Erlaß vom 18. September gemacht. Die höheren Grundpreise werden die geringeren Zinsen wieder ausgleichen. Die mit drei Monaten Laufzeit gegebenen Wechsel müssen eventuell prolongiert werden. Es ist zu empfehlen, sechsmonatige Laufzeit für die Wechsel zu gewähren; denn die Verwertung des Holzes kann nur innerhalb von drei bis sechs Monaten geschehen. In dieser Branche ist eben nun einmal ein langsamer Umschlag gegeben. In den letzten Jahren sind viele große Privatwaldungen abgeholzt bezw. kahlgeschlagen worden, die heute noch der Aufsorstung harren. Da fehlt es vielfach an Geld; die Leute haben infolge der Inslation alles verloren, und heute können sie die Kosten der Aufforstung nicht mehr aufbringen. Da ließe sich vielleicht überlegen, ob man nicht in den nächstjährigen Haushalt einen Betrag einstellt, aus dem man an Genossenschaften oder solche Kreise, die sich zu Aussorstungsgnossenschaften zusammenschließen wollen, wie früher Staatsbeihilfen glbt, um so die abgeholzten Flachen wieder ertragfähig zu machen. Die Staatsforstverwaltung hat ja die Frage der Dienstauswandsentschädigungen jetzt im allgemeinen zur Zufriedenheit der Beamten geregelt. Trotzdem kommen immer noch Klagen, daß die Berechnung der Gespanntage zu hoch wäre, daß die Kosten für die Gespanntage, die sie für das Wirtschaftsland bezahlen müssen, zu hoch seien. Ich möchte die Staateforstverwaltung bitten, doch in dieser Beziehung nun nicht kleinlich zu sein und den Oberförstern und Förstern Glauben zu schenken, wenn sie sagen: ich habe nur so und so viele Tage die Gespanne nötig gehabt, nicht soviel Tage, wie die Forstverwaltung herausrechnet. Das ist eine kleinliche Sache, die den Bamten die Arbeitsfreydigkeit nimmt. Jeder größere Geschäftsmann gibt doch Vertrauensspesen, und die Staatsforstverwaltung könnte den Oberförstern und Förstern hier wirklich größeres Vertrauen schenken. Früher wurde den Oberförstern erlaubt, Reparaturen an den Gebäuden bis zum Betrage von 500 Mark selbst zu bestimme Heute ist dieser Betrag auf 300 Mark reduziert, einer Zeit, in der doch die Reparaturen und die Instandsetzungsarbetten wesentlich mehr kosten und infolge der langjährigen Unterlassung von Reparatu# größere Instandsetzungsarbeiten nötig sind. Sollen denn nun immer noch erst Reisespesen verausgabt werden, damit nachgeprüft werden kann, ob eine Reparatur im Betrage von 300 oder 500 Mark nötig ist. Ich meine, man könne den Oberförstern wieder zubilligen, daß sie bis zu einem Betrage von 500 Mar selber darüber bestimmen dürfen.(Sehr richtig! im entrum.) Die Oberförsterdienstanweisung vom Jahre 1868 hat in der langen Rethe von Jahren sehr viele Abänderungen und Zusätze erfahren. Die Oberförster wünschen, daß nun endlich einmal diese Aenderungen redaktionell zusammengestellt werden, damit sie wissen, was in Geltung ist. Dieser Arbeit könnte sich wohl einmal die Zentralforstverwaltung unterziehen. Was die Personalpolitik angeht, so müssen wir immer noch darauf hinweisen, daß auch bei der Forstverwaltung Parität walten muß. Besonders hinsichtlich der Einstellung der jungen Studenten in die Akade mien, damit auch der Nachwuchs paritätisch heranwächst. Wir möchten von dieser Stelle aus auch betonen, daß wir für die Wald= und Forstarbetter die Siedlung ind denWohnungsbau mehr befördert wissen wollen. Im Hauptausschuß ist ein Antrag angenommen worden, und zwar unter B. Nr. 12 der Drucks. 8000, der schaffung von gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften der Waldarbeiter wünscht, ferner Hergabe von iedlungsland an diese Genossenschaften, Hergabe des rsorderlichen Bauholzes zum Selbstwerbungssatze, Be schaffung von Hypotheken aus den Erträgnissen der Mietzinssteuer. Auf diesem Gebiete muß unbedingt vorangeschritten werden. Wir werden diesem Antrag gern zustimmen und hossen, daß die Staatsforstverwaltung danach handelt. Die Staatsforstverwaltung muß aber auch Siedlungsland an Bewohner der gebirgigen Teile hergeben, wo anderes Land nicht zu haben ist. Da komme ich wieder auf die alte Klage zu#ück, die ich für meinen engeren Kreis vorbringen muß, daß wir von der Staatsforstverwaltung nicht einmal das Oedland bekommen können, das die Leute zum Weiden des Viehes gern kultivieund zum Tell auch kultiviert haben. Man stellt ch auf den Standunkt: wir wollen nur verpachten, und die Bauern sagen: wenn wir soviel Geld hineinstecken, dann wollen wir das Land auch käuflich erwerben. Es handelt sich um Land, daß die Staatsforstverwaltung den Bauern früher zu einem sehr geringen Preis abauft hat. Jetzt, wo man in der Lage ist, es zurückkaufen, hat sich die Forstverwaltung ganz ablehnend rhalten, was mir durchaus nicht gefallen will. In einer Gemeinde ist eine elektrische Lichtleitung richtet, und die Grundbesitzer haben auf das Jagdgeld rzichtet. Der Antrag, der an die Staatsforstverwalug gestellt worden ist, ihrerseits auf das Jagdgeld verzichten, hat keinen Erfolg gehabt. Das sind Kleikeiten, für die sich die Staatsforstverwaltung in den Gebieten, wo sie Grundbesitz hat, beliebter machen könnie. Im großen und ganzen war die Aussprache im Hauptausschuß nicht so stürmisch und ungemütlich, wie in früheren Jahren. Das ist auch zurückzuführen auf die jetzigen stabilen Verhältnisse. Hossen wir, daß wir wettere Fortschritte im nächsten Jahre zu verzeichnen haben, und daß die vorgebrachten Klagen im nächsten Jahre in der gehörigen Form bereinigt werden. (Bravo! den Präsidenten Leinert seines Prästdentenamtes zu entheben und das Staatsministerium aufzufordern, dem Vertrage Leinerts mit der Stadt Hannover die Genehmigung zu versagen, weil der Verdacht bestehe, daß an dem Zustandekommen des Vertrages Regierungsstellen beteiligt seien. In dem Antrage wird darauf hingewiesen, daß die Mehrhett des bürgerlichen Vorstandskollegiums der Sadt Hannover beschlossen hatte, den Oberbürgermeister Leinert seines Amtes zu entheben. Leinert habe unter Voranstellung seiner privaten Interessen sich bereit erklärt, zurückzutreten, wenn ihm vertraglich lebenslänglich sein Gehalt neben Reliktenversorgung zugesichert würde. Da sich auf Aufforderung des Vizepräsidenten Dr. Porsch niemand zur Begründung des Antrages meldet, wird die Aussprache unter großer Heiterkeit des Hauses beschlossen. Hierauf beantragt Abg. Obuch(K.) mit der Beralung zu warten, bis der Begründer des Antrages zur Stelle sei. Unter allgemeiner Heiterkeit des Hauses wird dieser Antrag abgelehnt, nachdem Vizepräsident Dr. Porsch nochmals darauf hingewiesen hatte, daß die Besprechung bereits beschlossen sei. Auch der Antrag=selbst verfällt hierauf gegen die Stimmen der Kommunisten der Ablehnung.(Als Rednerin für die Begründung des Antrages war die Abg. Frau Rost Wolfsstein vorgesehen.) Bei der 2. Beratung des Forsthaushaltes rhebt Abg. Mende(So.) Beschwerde über den zu billigen Verkauf von geschlagenem Holz an die Holzhändler. Der Redner rügt, daß das zunächst angekündigte Forstschutzgesetz noch immer nicht vorgelegt sei. Abg. Streßer(DN.): Wir müssen der jetzigen Methode der Holzverteilungen im Bereich der Staatsforstverwaltung auf das entschiedenste widersprechen. Abg. Jacobi=Raffauf(Z.) wendet sich gegen die lebertreibung der Siedlungspolitik im Bereich der Forstverwaltung. Im Rhein= und Ruhrgebiet könnte ine solche Politik leicht zur Entsiedlung von Hunderttausenden führen. Abg. Stollberg Graf zu Wernigerode(DBP.): Hoffentlich wird die vom Ausschuß befürwortete schlichtungskommission gut arbeiten. Aber auch die rwaltung dürfte nicht theorisieren, sondern müßte such praktisch ihren guten Willen beweisen. Abg. Dr. von Winterseld(DN.) vermißt die Zusage des Ministers in der Frage der Ueberlassung von Wald und Wiesen etc. an kleinere Landwirte. Die eutschnationalen sprächen dem Minister das schärfste ißtrauen aus. Wirtschaftsminister Dr. Wendorff betont, er habe inen direkten Vergleich zwischen den KreditanfordeB23 Berlin, 15. Okt.(Radio.) 319. Sitzung nachmittags 1 Uhr. Vizepräsident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung um 1.20 Uhr. Zunächst steht zur Beratung der Antrag der Kommunisten, 1 ark. 95 Pfg. kostet nach folgendem Rezept ein selbstgebackener Manche Hausfrau weiß vielleicht garnicht, ein wie billiges, nahrhaftes und wohlschmeckendes Nahrungsmittel sie damit auf den Tisch bringen kann. 250 g. Margarine a Pid. 0.60 500 g Zucker 6 Eier a 0,12 500 g. Weizenmehl 1 Päckchen Dr. Oetker's Vanillin=Zucker 1 Pächchen Dr. Oetker,s„Backin“ 3 Eßlöffel voll Kakao 1 kleine Tasse Milch oder Rahm Zubereitung. dieses mit dem Die Butter rühre zu Sahne, gib Zucker, Eigelb, Vanillin=Zucker, Mehl Backin gemischt, Milch daran und zuletzt den Schnee der 6 Eiweiß.— Teile die Masse, menge unter die eine Hälste den Katao, fülle den Teig abwechselnd in die gefettete Form und backe den Kuchen 1 bis 1½ Stunden. Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher in den Geschäften, wenn vergriffen, durch Postkarto gratis und sranko von Dr. A. Oeiker, Näh imitleltabrik, Bieleleld. Henner wird's schon schaffen. 20) Ein heiterer Roman von Friede Birkner. „Das nicht— nur einige Griffe sind mir bekannt. Und davon habe ich heute meinem Bruder einen gezeigt.“ „Verstehen Sie die Sache?“ fragte Henner Klaus Olf. „Einiges! Ich bin auch durchaus nicht fest in dieser Sache.“ „Wollen mir mal unsere Wissenschaft austauschen?“ „Bin dabei! Hier?" „Warum nicht? Das wird die Damen auch interessieren. Ich nehme es wenigstens an, meine Damen.“ „Wenn sich niemand wehe tut, interessiert mich,“ sagte Helga, und Ines fügte lächelnd hinzu: „Ich stelle nur die eine Bedingung, daß weder der Teetisch umgeworfen wird noch Blut fließt.“ „Für ersteres wird gesorgt, nicht wahr, Herr Doktor,“ sagte Henner,„wir gehen hinunter auf den Rasen. Georg ist Schiedsrichter. Die Szene wird zum Tribunal!“ Die drei Herren gingen die Stufen hinunter. Henner sah sich suchend um und rief dann laut: „Eisib!“ Der Bambuse kam eilig aus dem Geräusch gelaufen, Klein=Elschen auf dem Arm. „Herr?“ „Eisib, trag' Klein=Elschen hinauf zu den Damen und komme dann mir mein Jakett halten. Der Bambuse gehorchte. Georg sah Henner verwundert an. „Aber, Henner, das hätte doch auch Joseph tun können! Und wozu erst diese Geschichten mit deinem Jakett?“ Henner antwortete nicht auf diese Frage. „Also, Herr Doktor— das Spiel kann beginnen!“ Henner zog sein Jakett aus, gab es Eisib und flüsterte ihm dabei zu:„Achte auf seine Schulter!" Das schöne Auge des Bambusen leuchtete verständig auf. „Bitte fangen Sie an, Herr Doktor!“ „Erst ein ganz einfacher Griff.— Sehen Sie— so— da liegen Sie!" Klaus hatte mit zwei leichten Griffen und Drehungen Henner zu Boden geworfen, der sich lachend wieder erhob. „Fein! Und jetzt komme ich mit meiner Wissenschaft an die Reihe. Also— mache still und froh, mal so und so— sagt Busch— und plautz, Herr Doktor Olf küßte voll Inbrunst Mutter Erde! Bitte, nichts für ungut, Herr Doktor, jetzt kommen Sie wieder an die Reihe. Manus manum lavat!“ Gemacht ungeschickt versuchte Henner, sich jetzt den neuen Griffen Klaus 5lfs zu entziehen. Wie nach Halt suchend, faßte er##laus Olf unter den Arm und krallte seine Figur in das leichte, bastseidene Hemd. Als ihn Klaus Olf doh zu Falle brachte, ließ er das Hemd nicht los und riß es von der Schulter herab in Fetzen. Eisib hatte jede Bewegung Klaus Olfs beobachtet, sprang jetzt wie ein Tiger auf die Kämpfenden zu und starrte auf Klaus Olfs entblößte Schulter: da war deutlich ein langer Leberfleck zu sehen. Unter vielen Entschuldigungen erhob sich Henner. „Donnerwetter, Herr Doktor, das ist mir unangenehm! Verzeihen Sie! Ist denn der Schaden zu reparieren? Lassen Sie mich nachsehen.“ Er trat hinter Klaus, der seine Entschuldigungen gleichgültig abwehrte, und sah ebenso konsterniert wie Eisib auf den Leberfleck. „Junge, was ha st du denn da angerichtet? Rechnen Sie es der überschüssigen Kraft meines Bruders zugute, Herr Doktor,“ sagte Georg, dem die Sache sichtlich peinlich war. „Aber ich bitte Sie— machen wir doch kein Drama aus einem zerrissenen Hemd! Eisib, laufe hinüber und hole mir ein Jakett, damit ich mich wieder vor den Damen sehen lassen kann! Kerl— was siehst du mich so an!— Laufe— du hast zu springen, wenn ich befehle!" Eisib raffte sich mühsam zusammen. Das glänzende Schwarz seiner Gesichtshaut hatte etwas Bleigraues, bei Negern immer ein Zeichen tiefer Gemütsbewegung. Die großen Augen des Bambusen lagen mit heißem Forschen auf dem Gesicht Klaus Olfs, den der Blick sichtlich verwirrte. Henner fühlte sehr gut, was in Eisib vorging, und er kam ihm zu Hilfe, indem er die Aufmerksamkeit Klaus Olfs auf sich zog. „Ich gläube, Herr Doktor, Sie haben sich schon für das zerrissene Hemd gerächt, mein Daumen ist entschieden etwas malade.“ „Das sollte mir leid tun, Herr Altmann!“ „Nichts bereuen, Herr Doktor! Jedenfalls muß ich entschieden als der Besiegte an den Teetisch zurück, in dem Bewußtsein, daß ich von Ihnen noch manchen Griff lernen kann.“ „Wo haben Sie denn diese Griffe gelernt, Herr Doktor?“ fragte Georg. „Von einem Japaner. Das Wo? tut wohl nichts zur Sache,“ antwortete Klaus Olf in seiner unangenehmen, hochfahrenden Art.„Da kommt ja Eisib wieder, nun können wir zu den Damen zurückgehen. Nachdem er sich von Eisib das Jakett hatte anziehen lassen, ging er schnell nach der Terrasse zu, ohne sich viel um die beiden Brüder zu kümmern. Henner rief hastig: „Ich komme gleich nach, will nur noch mit Eisib nach dem Tennisplatz gehen und sehen, ob alles in Ordnung ist!“. Georg folgte Klaus Olf, und Henner ging, von Eisib gefolgt, um das Haus herum. Als sie außer Sehweite der andern waren, blieb Henner stehen und sah den Bambusen an und sagte ruhig: „Eisib?“ „Eisib?“ „Ja, Herr?“ „Du hast dich geirrt, Eisib!“ „Nein, Herr!“ „Eisib?“ „Es ist doch so, Herr!“ „Aber, Eisib, wir haben uns doch eben alle beide Überzeugt! Der Leberfleck ist noch da!" „Das wohl, Herr! Aber mein Mißtrauen auch,“ sagte der Bambuse stoisch und hartnäckig. „Und was nun, Eisib? Henner sagte es leise und erregt. „Ich spüre ihm nach wie ein Hund!“ „Du bst also noch immer überzeugt, daß— 10— „Daß er nicht der Herr ist! Ja, und dabei bleibe ich auch! Nichts kann mir mein Mißtrauen nehmen. „Aber worauf baust du es denn jetzt noch auf, Eisib?“ Der Bambuse zuckte die mächtigen Schultern und sah Henner ruhig an. „Ich weiß nicht, Herr! Aber es ist eben da und läßt mich nicht mehr los. Eines Tages ist es dann so weit!“ „Eisib, ich bin wirklich ratlos.“ „Herr! Ich wache! Jetzt noch mehr!" „Aber jedenfalls tiefstes Schweigen gegen jedermann! Um Frau Helgas willen! Und nun bringe das Netz in Ordnung, ich gehe jetzt wieder zurück.“— In Henner sah es durchaus nicht so ruhig aus, als er sich dem Bambusen gegenüber den Anschein gab. Eine wilde, phantastische Hoffnung, die seinem über alles geliebten Bruder das Glück gebracht hätte, war dahin. Er hatte jetzt kein Vertrauen mehr zu dem unwillkürlichen Mißtrauen des Bambusen. Alles war wieder wie vorher.— Aussichtslos für die Liebe und das Glück seines Bruders! Und für Frau Helga bedeutete es nun wieder ein langes Leben ohne Liebe und Frauenseligkeit. „Verfluchte Wirtschaft!" Mit diesem Ausbruch schloß er seinen unerfreulichen Gedankengang u. stieß wültend einen leichten Korbsessel zur Seite, der ihm im Wege stand. „Das ist weder dem Sessel noch Ihrem Stiefelkappen dienlich. Henner fuhr mit dem Kopf hoch und sah sich um, woher die Stimme kam, und entdeckte Mady auf einer Bank zwischen Fliederbüschen. „Ach, siehe dal Fräulein vortrefflich! Sie sind wohl nie wütend?“ „Wenigstens nie, wenn ich helle Schuhe trage, denn die Füße müssen ja immer zuerst die Regungen der Wut den Mitmenschen ankündigen.“ „Schau' schau'! Man ist ja geistreich!“ „Im ständigen Umgange mit gewissen mangelhaft begabten sungen Herren rafft sich schließlich und endlich der trägste Geist zusammen. (Fortsetzung folgt.) rungen und der Landwirtschaft vorgeschlagen, sondern nur allgemein auf Inslationsverluste aller Institute hingewiesen. Den DN. glaube er ihr Mitztrauen gegen seine Politik, sie brauchten daher nicht nach wetteren Begründungen zu suchen. Abg. Schellrup(K.) wirft dem Minister Wald= und Holzverschiebungen vor, und wird daher zur Ordnung gerufen. Nach kurzen Ausführungen des Abg. Schmelzer(#.) des Oberlandeosorstmeisters von der Busche und des Abg. Dahmer(D. wird die allgemeine Aussprache beendigt. Nach dem Schluß legen die Kommunisten in ihrer Geschäftsordnungsdebatte Verwahrung gegen die Behandlung des Falles Leinerts durch das Haus ein. Mit Ausnahme der Kommunisten hätten sich alle Parleten an der Korruption beteiligt. Darauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag 12 Uhr.— Polizeikostengesetz, Abstimmungen zum Haushalt für Volkswohlfahrt. Schluß 5,50 Uhr. Von Rhein und Kuhr. WTB Düsseldorf, 14. Okt.(Drahtb.) Nach einer an die deutsche Abordnung in Düsseldorf gemachten Mitteilung der Besatzungsbehörde steht nunmehr endgültig fest, daß die militärische Räumung der Zone Dortmund-Hörde mit dem Ablauf des 22. 10. 24 beendet sein wird. Mit dem gleichen Zeitraum wird der von den Franzosen zu Beginn der Ruhraktion besetzte sogenannte Gürtel um den Brückenkopf Köln, der das Gebiet von Vohwinkel—Remscheid—Wipper= fürth—Ründeroth umfaßt, von den Franzosen geräumt. WTB Dortmund, 14. Okt.(Drahtb.) Nach neuerdings eingegangenen Mitteilungen des Generals Marty verschiebt sich der Abzug der Truppen um 2 Tage, sodaß die Dortmunder Zone nicht am 20., sondern erst im Laufe des 22. Oktober von den französischen Truppen geräumt wird. WTB Bochum, 14. Okt.(Drahtb.) Nach einer Mitteilung der Besatzungsbehörde ist das Gebäude der Polizeidirektion an der Hattingerstraße zum 13. 10. für die Besatzungstruppen beschlagnahmt worden. Dieses Gebäude soll zur Aufnahme des Kriegsgerichtes des Militärpolizeigerichtes des Zentral=Zivilbüros sowie der Wohnungskommission und der Genieabteilung, welche von Dortmund nach hier verlegt wird, dienen. WTB Essen, 14. Okt. Wie die Industrie= und Handelskammer zu Essen mitteilt, ist durch die deutsche Abordnung zur Durchführung der Londoner Vereinbarungen, Abteilung Düsseldorf, unzweidentig festgestellt worden, daß sowohl die belgischen als auch die französischen Truppen die Anweisungen erhalten haben, keine Statistiken oder technische Auskünfte mehr über Bergwerke oder industrielle Anlagen einzufordern. Ebenso sind die Kontrollbesuche von Angestellten der Micum bei einer Reihe von Werken nicht auf Grund militärischer Ermächtigungen oder Anweisungen, sondern lediglich auf Grund des Micumabkommens vorzunehmen, weil dieses Abkommen noch bis zum 21. Oktober in Kraft ist. Theoretisch bleibt die Berechtigung zu solchen Micumbesuchen bestehen, praktisch wird die Frage wohl nicht mehr werden, weil die Micum ihre sämtlichen Außenstellen im Ruhrgebiet eingezogen hat. WTV Düsseldorf, 14. Okt. Die Besatzungsbehörde verbot im Brückenkopf Düsseldorf und im besetzten Ruhrgebiet die Monatsschrift„Deutsche Welt" bis zum 31. Dezember 1924. Die Schrift wird vom Verein für das Deutschtum im Auslande herausgegeben. WTB Berlin, 14. Okt. Nach Mitteilungen, die der Presse zugegangen sind, befinden sich noch 8 Ober schlesier in den rheinischen Gefängnissen, welche nicht unter das Londoner Abkommen fallen. In Frankreich befindet sich kein Oberschlesier. Begnadigungsmaßnahmen, welche deutscherseits bereits eingeleitet wurden, bedürfen aber der Zustimmung der alltiierten Mächte, die gefordert, aber noch nicht erlangt wurde: Berlin, 15. Okt.(Privatmeldung.) Den Blättern zufolge haben gestern die französischen Truppen den Eisenbahnknatenpunkt Westhofen, über den die Linlen Frankfurt—Hamburg, Hamburg—Köln und Leipzig—Köln gehen, geräumt, nachdem die französischen Zollbeamten bereits vor einigen Tagen zurückgezogen worden waren. Die Bevölkerung veranstaltete große Freudenkundgebungen. Berlin, 15. Okt. Das Tageblatt meldet aus Köln, daß General Degoutte gestern nachmittag nach Paris abgereist sei und damit der Wechsel im Oberkommando der französischen Rheinarmee offiziell vollzogen worden ist. Der Nachfolger Degouttes soll in etwa 2—3 Wochen in Mainz eintreffen. WTB Paris, 15. Okt. Intransigeant berichtet, die französisch-belgische Eisenbahnregie werde, wie nunmehr feststeht, am 16. November, 12 Uhr mittags, ihr Ende erreichen. Das französisch=belgische Personal werde im Laufé dieses Tages seine Arbeiten einstellen. Was die 4800 Hilfsarbeiter(4000 französische und 800 belgische) anbetreffe, so sei vorgesehen, daß sie eine Entschädigung in Höhe eines Monatsgehalts erhalten. Die französisch=belgischen Eisenbahnbeamten würden nach dem Uebergang der Eisenbahn in die Verwaltung der deutschen Eisenbahngesellschaft in die Heimat zurückkehren und wieder in ihre ehemaligen Stellungen eintreten. Kleine politische Nachrichten. WTU Berlin, 14. Okt. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, haben die Bauernbundführer, der preußische Abgeordnete Westermann und das Mitglied des Reichswirtschaftsrates Schmidhale sowie der Abg. Harter aus Ostpreußen, die bieher Mitglieder der Deutschen demokratischen Partei waren, ihren Austritt aus der Partei erklärt und sich der Deutschen Volkspartei angeschlossen. Berlin, 14. Okt.(Privatmeldung.) Nach einer Meldung der Vossischen Zeitung hat das badische Ministerium auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik die Organisation der Nationalsozialistischen Freiheitspartei, die als Nachfolgerin der in Baden verbotenen Nationalistischen Arbeiterpartei anzusehen sei, verboten und jede Betätigung verboten. WTB Berlin, 14. Okt. Die Note der ungarischen Regierung über die Auslieferung von Schulz=Förster ist, wie den Blättern mitgeleilt wird, hier eingetroffen. Die Auslieferung wird mit der Begründung abgelehnt, daß es sich um eine politische Straftat handelt. Es wird darin auf die Stellungnahme der deutschen Regierung zur Frage der Auslieferung der TiszaMörder Bezug genommen. Die Antwort der deutschen Regierung ist in Vorbereitung. WTB Berlin, 14. Sept. Für die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen fanden heute Vorbesprechungen statt, wobei deutscherseits die Bereitwilligkeit zum Abschluß eines einfachen, beiderseitigen Meistbegünstgungsabkommens für einige Monate erklärt wurde. Die Verhandlungen sollen in Warschau kurz eingeleitet und dann sachlich in Berlin etwa von Anfang November an geführt werden. Eine endgültige Stellungnahme der politischen Regierung liegt noch nicht vor. WTB Budapest, 14. Okt.(Ungarisches Korpsbüro.) Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, beschloß die Regierung die Landesverweisung des steckbrieflich verfolgten Schulz-Förster. WTB Newyork, 14. Okt.(Funkspruch.) Wie von zuverlässiger Seite mitgetellt wird, ist die deutsche Anleihe um mehr als 500 Millionen Dollar überzeichnet worden. WTB London, 14. Okt. Reuter berichtet aus Shanghai, daß mehrere tausend führerlose Soldaten der Tschekiangarmee von der Front kommend, in der Chinesenstadt Shanghai angekommen sind. Die Kiangsukräfte haben Lungtua eingenommen. Vertretertag der christlichen Gewerkschaft. (Fortsetzung) Die Rede Imbuschs wurde in manchen Teilen sast nach jedem Satz durch Instimmungskundgebungen unterbrachen. Am Schluß sand er lebhaften Beifall. In der wetteren Diskussion sprachen der Landtagsabgeordnete Steaer, ebenfalls ein Führer der Vergarheiter. im Sinne Imbuschs, Fahrenbach, ein Textilarheiter, überwiegend im gleichen Sinne, während Wieher, der alte Führer der christlichen Metallarbetter. sich auf die Sette Stegerwalds stellte und einen mit nekem Relsal ausgenammenen Avvell zur Einigkeit an die Versammlung richtete. Diese Mahnung wieder #alte ebenfalls mit starker Wirlung, der Abg. imesbe#3 der fachlich mehr auf em Standpun:: Imbuschs steht Reichsarbeitsminister Brauns niderte Ambusch, dag man ellerdings, wena men aben stehe, in die Gefahr komme, die Dinge unten nicht mehr zu sehen; man könne aber auch umgekehrt sagen, daß man von unten die Dinae oben nicht immer richtig sehe. Der Minister rechtfertigt dann seine Haltung in der Arbeitszeitfrage. Er wiederholt seine Ankündianna, daß er die Ratistrierung des Washingtoner Arbeitszettabkommens für Deutschland, Frankreich, England, und Belgien erhofft.(Stürmischer Beifall.) Steaerwald erklärt gegenüber Imbusch, daß er keineswegs die Gewerkschaften auf die Koalition zwischen Zentrum und Deutschnationalen festlegen wolle. Er habe lediglich referierend einmal zeigen wollen, welche politischen und geistigen Strömungen auf unsere Bewegung einwirken, und wie die Leitung des Verbandes diese Dinge ansieht. Daß das alles nicht Sache der Gewerkschaften sei, glaube auch er. Für die Gewerkschaften könnten natürlich bloß die Beschlüsse und Aktionen der Gewerkschaften bindend sein.(Nach dem ganzen Aufbau und Inhalt der Rede Stegerwalds von heute morgen kam diese nachträgliche Erklärung einigermaßen überraschend.) Reichstagsabgeordneter Joos, der als letzter Redner sprach, ist gegenüber den vielfach beliebten Feststellungen, wie viel wir in den letzten 25 Jahren erreicht haben, einigermaßen sleptisch. Fragen wir einmal den einzelnen Arbetter, wie er sich nach diesen Erfolgen von 25 Jahren fühlt, so stellt sich heraus, er fühlt sich nicht befriedigt. Eo ist eine tiese Unzufriedenheit in der Arbeiterschaft. Gewiß, der einzelne Arbetter kann heute Minister und Reichspräsident werden, aber die Masse der Arbetter wird davon garnicht berührt, sie sagt uns: in unserem Leben hat sich nichts geändert. Ich mute Stegerwald nicht zu, daß er seine Ziele, durch die er die Lage der Arbeiterschaft reformieren will, ausalbt, aber er macht Umwege, und er mag sehen, daß diese Umwege keine Holzwege sind. Die Tatsache, baß wirAngehörige so vieler Parteien unter uns haben, zwingt uns, etwas zur Einigung Deutschlands zu tun. Wir wollen Volksgemeinschaft, aber zu ihr muß das ganze Volk gehören, auch die Sozialdemokratie, deren Entwickelungsmöglichkeiten wir nicht übersehen dürfen. Er schließt unter starkem Beifall mit Bemerkungen über das Führerproblem, die wohl nicht ohne Spitze waren. Führung, so rief er aus, soll nicht Herrschaft sein, sondern Zusammenfassung der Kräfte, die dem gleichen Ziele zustreben. Diese Führung wünschen wir, ihr wollen wir uns alle willig unterordnen. Die Versammlung nimmt dann einstimmg eine Reihe von Resolutionen an, in denen zu zahlreichen Einzelfragen Stellung genommen wird. Hierauf wurde die Tagung geschlossen. Ortsnachrichten aus dem Kreise Olpe. 00 Olpe, 16. Okt. Schlechte Rebhühnerjagd. Aus allen Gegenden Deutschlands kommen Nachrichten, daß die Rebhuhnjagd diesen Herbst auch die geringsten Erwartungen zuschanden werden läßt Reviere, die in früheren Jahren zahlreiche starke Völker beherbergten, sind von Hühnern nahezu entblößt. Selten trifft der Jäger einmal ein Volk an; und die wenigen Hühner, die vor die Flinte kommen, sind schwächlich und zurückgeblieben. Die wochenlang andauernden Regenfälle haben den Rebhuhngelegen und den wenigen ausgeschlüpften Junghühnern großen Schaden zugefügt. —0 Olpe, 16. Okt Beim Nachlösen von Fahrkarten wurde bisher nur dann kein Zuschlag erhoben, wenn der Reisende entweder im Besitze eines roten Nachlösezettels war oder eine Strecke gegen seinen Willen(z. B. bei Verschlafen) oder auch in Unkenntnis(Ein= und Umsteigen in einen unrichtigen Zug) zurückgelegt hatte. Diese Vorschriften sind nun dahin gemildert worden, daß auch in folgenden Fällen lediglich der einfache Fahrpreis nachzuzahlen ist: 1. Wenn der Reisende nachweislich wegen Schalterandranges keine Fahrkarte mehr bekommen konnte, 2. wenn er beim Antritt der Reise keine durchgehende Fahrkarte bis zur Bestimmungsstation erhalten hat und infolge Zugverspätung oder zu kurzer Uebergangszeit am Schalter für die Reststrecke trotz Versuches keine Fahrkarte lösen konnte. 00 Attendorn, 16. Okt. Um der starken Verkehrsenswickelung Rechnung zu tragen, werden am hiesigen Bahnhofsgebäude augenblicklich bauliche Aenderung gen vorgenommen, um die geplante Herrichtung eines zweiten Fahrkartenschalters zu ermöglichen. Das reisende Publikum wird diese notwendige Verbesserung dankbar begrüßen, da die Abfertigung an dem einen Fahrkartenschalter bei dem Andrang an den Mittagszügen viel zu lange dauert. In der Durchgangssperre üben jetzt auch zwei Beamte die Fahrkartenkontrolle aus. 1 Eispe, 16. Okt. Der hiesige Männergesangverein„Eintracht“ kann im nächsten Jahre auf sein 25jähriges Bestehen zurückblicker. In der kürzlich stattgefundenen Generalversammlung hat der Verein beschlossen, im August 1925 diesen Tag festlich zu begehen, und zwar durch ein Gesangfest mit Wertungssingen. Es sollen zu diesem Feste alle Vereine des Kreises Olve sowie nächster Umgebung eingeladen werden. Einladungen und Bedingungen werden den Vereine rechtzeitig zugesandt. Provinzielles. * Hagen, 15, Okt. Der französische General Verraux beabsichtigt, im Auftrage der Friedensgesellschaft eine Vortragsreise durch Westdeutschland zu unternehmen, die am 15. Oktober mit einem Vortrage in der hiesigen Stadthalle beginnen soll. Der Aufsichtsrat der Stadthalle A.=G. hat nunmehr gestern abend beschlossen, den Stadthallensaal zwar für die betreffende Versammlung zur Verfügung zu stellen, jedoch nur unter der Bedingung, daß weder der französische General noch ein anderer Angehöriger der Feindbundstaaten als Redner auftritt. Einladung zu der Herbsttagung der wests. Windthorstbunde in Meschede, am 18. und 19. Oktober 1924. Programm der Tagung: Samstag, den 18. Oktober: Nachmittags: Treffen der ankommenden Vereine im kath. Gesellenhaus. 8 Uhr abends: Begrüßung und Vorbesprechung. Sonntag, den 10. Oktober: 10 Uhr vorm.: Offizielle Vertretertagung mit folgender Tagesordnung: 1. Ergänzungswahlen, 2. Geschäftsbericht der Provinzialleitung, 3. Berichterstattung der Gauvorsitzenden, 4. Unsere Winterarbeit, 5. Wie gewinnen wir die Landjugend für die Windthorstbunde? 1.30 Uhr: Gemeinschaftliches Mittagessen. 4 Uhr: Oeffentliche Kundgebung. Es reden: Hochw. Herr Pater Friedr. Muckermann S. J., Fräulein Reichstagsabgeordnete Teusch, Reichsgeschäftsführer der deutschen Windthorstbunde Dr. Krone, Berlin. N. B. Anmeldungen sind zu richten an Herrn Josef Kleffner, Meschede, Markt 7. Alles Nähere bringen unsere Tageszeitungen. Der Provinzialvorstand: Dr. Friedrich Willeke. * Essen, 15. Okt. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern früh zwischen Essen=Hauptbahnhof und Essen=West. Eine Leerlokomotive, die sich auf der Fahrt von Mülheim=Heißen nach Essen befand, fuhr infolge dichten Nebels in eine Gruppe von Arbeitern. Fünf von ihnen wurden auf der Stelle getötet, ein sechster erlag im Krankenhause seinen Verletzungen. Eine weitere Anzahl von Arbettern wurde schwer verletzt. WTB Essen, 14. Okt. Über die unterschiedlichen Preise der Milch im westlichen Industriegebiet erfahren wir folgendes: In Bochum, Essen und Duisburg, wo das Milchmonopol einer sogenannteu Gemeinnützigen Milchversorgungsgesellschaft betrieben wird, kostet das Liter Vollmilch 38 Pfennige In Mülheim, das seit diesem Frühjahr die freie Milchwirtschaft wieder eingeführt hat, kostet das Liter Vollmilch 32 Pfennige d. h. das Liter Milch der sogenannten Gemeinnützigen Milchversorgungsgesellschaft ist um 6 Pfennige teurer. Den kinderreichen Familien ist es daher nicht möglich, ihren Kindern das so notwendige Nahrungsmittel zu kaufen. WTB Velbert, 14. Okt. Der Arbeitgeberverband für die hiesige Industrie hat den für verbindlich erklärten Schiedsspruch, durch den den Arbeitern Ferien zugesichert werden, abgelehnt und hat, um die Frage der I Gewährung von Ferien durch das ordentliche Gericht entscheiden zu lassen, gegen die einzelnen Belegschaften der Werke seiner Mitglieder im Zivilprozeß Klage angestrengt, um in dieser Frage eine grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen. * Barmen, 15. Okt. Auf der Strecke zwischen Elberfeld=Mirke und Barmen=Loh wurde durch die Aufmerksamkeit eines Lokomotivführers ein schwerer Zusammenstoß verhindert. Auf dem Bahnhof Loh hielt vor dem Signalmast ein Güterzug, während das Signal selbst auf Halt stand. Von Mirke passierte ein anderer Güterzug in voller Fahrt die Strecke. Im nächsten Augenblick wäre der Zusammenstoß erfolgt, wenn nicht der Lokomotivführer des letzten Zuges diesen zum Halten gebracht hätte. * Wald, 15. Okt. Ein größeres Schadenseuer hat in dem Gebäude des Landwirts Thome die Getreldeund Futtervorräte vernichtet. Der Schaden ist zum größten Teil durch Versicherung gedeckt. * Düsseldorf, 15. Okt. Zu dem Gemäldediebstahl erfährt die Kölnische Zeitung, daß der Direktor der Kunsthalle, Hackenbroich, gestern abend verhaftet und in das Untersuchungsgesängnis eingeliefert worben ist. Durch die übereilte Freitassung der verhafteren Düsseldorfer ist einem der Täter bedauerlicherweise die Möglichkeit geboten worden, das Wette zu suchen. * M.=Gladbach, 15. Okt. Die Leiche eines 20jährigen Mädchens wurde gestern aus dem Bahngleise in Beeck bei Rheindahlen aufgefunden. Untersuchung ist eingeleitet, ob es sich um einen Unglücksfall, Selbstmord oder Verbrechen handelt. * Rheydt, 15. Okt. Widersetzliche Ruhestörer. Vier Burschen hatten in der Nacht zum 21. September einen Poltzeibeamten, dei sie zur Ruhe aufforderte, überfallen, zu Boden geworfen und schwer mißhandelt. In der gröpten Not gelang es dem Beamten, einige Schüsse abzufeuern, durch die er einen der Angreiser einmal traf, aber auch um Hilfe herbeirief. Der Haupträdelsführer namens Groß wurde jetzt vom Schöfsengericht zu fünf Monaten, der noch im Krankenhaus liegende, durch zwei Schüsse verletzte Bomberg zu 4, u. die beiden anderen, namens Herrmann und Groß, zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt. * Volklingen, 15. Okt. Am Samstag abend wurde der auf der Völklinger Hütte beschäftigte Friedrich Geist, wohnhaft Völklingen, Gatterstraße 22, auf dem Nachhausewege in der Nähe seiner Wohnung von Streifposten übersallen und auf das brutalste mißhandelt. An den Folgen der erlittenen Verletzungen ist nun gestern der Ueberfallene gestorben. Die Täter sind entkommen. Keiseerleonisse. Schulrat Dr. Sondermann. (Fortsetzung) Von Malaga bis Ressina. In einem südlich nach dem Meere offenen Halbkreise von hohen, grauweißen Bergen liegt das alte Malaga, nach den Worten der maurischen Eroberer „das Paradies der Welt". Der hohe Gibralfaro schiebt seinen Fuß bis hart in den alten, östl: Stadtteil und beherrscht das gesamte Stadtbild. Auf seiner unteren Einsattelung trägt er die Ruinen der etwa im 9. Jahrhundert erbauten Maurenburg Abzaba. Von ihr aus laufen zwei lange parallele Mauern als Schutzmauern des Burgzuganges den Gibralfaro hinauf bis zum Gipfel, der die alte, gegen 1200 von den Mauren erbaute Beste trägt, die weit über das Meer schaut bis hinüber zu den„Säulen des Herkules“ in Afrika. Den Blick des Ankömmlings im Hafen nimmt sofort die machtige kalksteinfarbige Kathedrale gefangen, die gegen 1530 anstelle einer viel älteren Kirche errichtet, aber heute noch unvollendet ist. Nur in der Umgebung der etwa 110000 Einwohner zählenden Stadt lagerten dunkelgrüne Flecken in der Mulde und an den untern Bergwänden. Wetter hinauf sucht das Auge vergebens in den hochragenden, grauweißen Hängen nach Wald und grünen Matten. Heißer, blanker Sonnenschein brütet im Sommer monatelang ununterbrochen über der Küstenlandschaft; auch in diesem Jahre hatte es, wie ich wiederholt auf Befragen erfuhr, seit AnfangApril bis auf den heutigen Tag nicht einen Tropfen geregnet. Der die Stadt durchziehende Fluß, der Guadalmedina, etwa 3—4 mal so breit wie die Bigge, war verschwunden und nur mehr in seinem Laufe an einem trockenen, von Brücken überspannten Bette voll gelbgrauem Sande und Geröll erkennbar, das er von dem steinigen Gebirge herabgewälzt hatte. Dafür zeigte sich in dem bebauten Gelände höchste Fruchtbarkeit und paradiesischer Pflanzenwuchs. In den Anlagen und in den parkähnlichen Straßen 6Reihen mächtiger Palmen und blaue oder rote Blumenbeete. In der großen Markthalle mit einem wunderbar schönen Tore aus maurischer Zeit, lagen seltene, uns zum Teil zunächst unvekannte Früchte: faustdicke, apfelähnische, gelbe Quitten, kindskopfgroße, glühend rote Granatäpfel, cttronengroße Cactusfeigen, dann schwere rötliche Trauben mit walnußgroßen Beeren, dicke, grüne Melonen, weißgrüne Oliven, dann Körbe voll des uns aus den Kindertagen bekannten„Johannisbrotes", Citronen, Bananen, Apfelsinen, alles Früchte aus den benachbarten Gärten und Anlagen, die selbst Zuckerrohr und Baumwolle hervorbringen. Daneben besonders große Lager von Fischen, aus denen der fast menschlange Tümmler, fälschlich auch Delphin genannt, die Aufmerksamkeit an sich zog. Für 2 Besetas(etwa 1 Mark) kaufte man einen 10 Pfundskorb voll dicker, süßer Trauben. Nur war größte Vorsicht beim Bezahlen und Geldwechseln geboten; auch schien es ratsam, die Geldtasche gut zu verstecken vor den umherlungernden, einen immer anbettelnden schwarzäugigen Gesellen und Kindern. Butter gib es nicht. Alles wird in Oel gebacken. Dagegen ltsicher frische Ziegenmilch. Denn die buntgekleideten Bauern hatten ihre Ziegenherden, 12—20 Stück g iber langgehörnter Tiere in die Stadt getrieben. Canz friedlich standen oder lagerten die Tiere allenthal en an ruhigen Stellen, selbst um die Kathedrale und ließen sich melken. Die Hausfrauen gaben dem Melker ihre Töpfe und erhielten sie gefüllt, zurück. An Trank und Speise stellt das Volk überhaupt höchst geringe Anforderungen. Da saßen zu Mittag Vater, Mutter und Kinder der unteren Volksschicht auf der Schwelle des Hauses, oder in dem nach der Straße offenen Wohnraum, kauten an einem Semmelstück, bissen in eine Banane, aßen auch wohl einen gebratenen Fisch und tranken aus seltsam geformtem Tonkruge billigen guten Wein. Das Brotgetreide wird größtenteils eingeführt. Fischfang, Anbau vonWeinen und Südfrüchten, Handel, Gewerbe, dann kleinere Essenzen=, Zucker= und Baumwollfabriken, sogar eine(für Malaga ein seltener Anblick) mit 2 Schloten arbeitende Eisenfabrik bieten Erwerbsquellen und Verdienstmöglichkeiten, Der Bewohner Malagas und der Andalusier überhaupt ist kein echter Spanier. Dem aufmerksamen Beobachter muß auch bei kurzem Aufenthalt die Verschiedenheit der Volkstypen, die einem in den Straßen, insbesondere in der Vorstadt, begegnen, auffallen. Allzuhäufig sah ich Gestalten, vor allem Gesichter, die sehr an afrikanische, orientalische Formen erinnern, hier und da auch Menschen echt deutschen Schlages mit blondem Haare und bläulichem Auge, auch begegneten mir ein älterer und zwei junge Männer von hohem, starkem Wuchs, rötlichem Haar und blauem gutmütigen Auge— bestimmt germanischer Herkunft. Dazwischen freilich viele spanische Typen, mittelgroße, hübsche Gestalten mit schwarzem Haar und dunklem, großem Feuerauge. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß nach der phönizisch, römisch, byzantinischen Zeit der echt germanische Volksstamm der Westgoten sich um 500 n. Chr.über die spanische Halbinsel verbreitete und dort Jahrhunderte lang, insbesondere im Süden sich hielt, bis er von den über Afrika und Gibraltar vordringenden Mauren unterworfen wurde die nun fast 800 Jahre herrschten und erst im 15. Jahrhundert den aus dem Norden siegreich heranrückenden Spaniern Platz machen mußten. So erklärt sich in Andalusten die germanisch=maurische Unterschicht der Bevölkerung mit afritanisch, spanischem Einschlag. Der Andalusier ist strenge in seinen Sitten. Damen der guten Gesellschaft waren auf der Straße kaum zu sehen, wohl sah ich welche in der Kathedrale beim Gottesdienst, der übrigens schlecht besucht war. Wie es hieß, lernen sich in diesen Gesellschaftsschichten die Brautleute vor der Hochzeit kaum kennen. Die Fenster des unteren Stockwerkes fast aller Häuser waren stark vergittert und es soll für den„fensterndeln" jungen Mann eine besondere Vergünstigung sein, wenn ihm die Dame seines Herzens hinter der leichten Gardine und durch die Gitter hindurch einige Plauderworte gönnt. (Fortsetzung folgt.) WTB Köln, 14. Okt. Der Hauptwochenmarkt war heute wieder reichlich beschickt. Nachdem die auswärtigen Aufkäufer ihren Bedarf gedeckt, war das Geschäft wie abgestorben. Beamte der Wucherpolizei waren emsig tätig, dafür zu sorgen, daß die Waren mit Preisschildern versehen wurden. Da wurden Preise notiert, die man gern haben möchte, die aber später herabgesetzt werden mußten, wenn man die Ware los werden wollte. Um 6 Uhr wurden gefordert für Spinat 10—15, Rosenkohl 25—30, Möhren 4, Feldsalat 15—20, weiße Rüben 6, Zwiebeln 6, Grünkohl 18 Pfg. das Pfund, Rübstiel 5 bis 6 Pfg. das Bund, Weißkohl 2,80, Wirsing 5 bis 5,50 Mark der Zentner. Kartoffeln 5 bis 5,30, Nieren 7,50 Mk. der Zentner. Obst war wieder in Massen zu haben. Etwas spärlicher waren Pflaumen, die heute 20 Pfennig im Großhandel kosteten. An den Fischständen war fast keine Ware. Rheinfische waren überhaupt nicht am Markt. Dagegen war der Geflügelmarkt sehr gut bestellt. Es kosteten: Geschlachtete Gänse und Enten 2 Mark, geschlachtete Hühner 1,30 bis 1.40, Hähne 1,50 bis 1,70 das Pfund. lebende Fasanen 6,50, Gänse 10, Enten 4—5, Tauben 1; Krammetsvöhel 0.50 Mark das Stück. Hasen mit Fell 1,20 bis 1.40 Mark das Pfund. Landbutter 2 bis 2,40, Süßrahmbutter bis 2.45 das Pfund. Kisteneier 13 bis 18 Pfennig, Landeier 19 bis 22 Pfg. das Stück. Prächtige Herbstblumen zierten den Blumenmarkt. WTB Berlin, 14. Okt. Der Orientexpreß wird ab 4. Novemher wieder nach Süddeutschland fahren, und zwar Dienstags, Donnerstags und Sonnabends ab Paris, in der Gegenrichtung Dienstags, Freitags und Sonntags ab Bukarest. Berliner Getreidebörse. WTB Berlin, 15. Okt. Amtliche Notierungen in G.=M. Die Preise gelten bei Getreide für 1000 Kg. ab Stationen, bei Mühlenprodukten für 100 Kg. einschl. Sack frei Berlin. Weizen. Märkischer 229—237(fest). Roggen. Märkischer 230—237(fest). Gerste. Sommergerste 240—270, Wintergerste 215 bis 230(fest). Hafer. Märkischer 187—194, Pommerscher 177 bis 185(fest). Weizenmehl 32—35,5(fest). Roggenmehl 31,5—35,5(fest). Weizenkleie 13,8(behauptet). Roggenkleie 13(behauptet). WTB Berlin, 15. Okt.(Produktenmarktbericht.) Nachdem schon während des gestrigen Nachmittags im freien Verkehr die Preisnotierungen wegen hoher amerikanischer Preise scharf angezogen hatten, hielten sich im heutigen Verkehr die höheren Preise aufrecht, und die Haltung war auch weiterhin als fest zu bezeichnen. Für amerikanischen Roggen bestand, namentlich für Dezemberlieferung, starke Nachfrage. Allmählich vermehrte sich das Angebot darin, sodaß aus erster. Hand einige Umsätze stattfanden. Später wurden die Offerten aus zweiter Hand etwas größer, mit der Wirkung, daß die Geschäftslage unsicher wurde. Immerhin aber hielten sich die Preise noch merklich über dem gestrigen Stand. Die Verkaufsneigung vom Inlande war gering. Das Mehlgeschäft war sehr ruhig und bot weder für Roggen noch für Weizen Anregung. Ausländische Offerten in Weizen führten wegen der billigen zweithändigen Forderungen wenig zum Geschäft. Hafer war besonders aus schneller Verladung gefragt. Gerste und Futterartikel hatten wiederum ruhiges Geschäft. WTB Berlin, 15. Okt. Nach der Uebersicht über die Geldbewegung bei der Reichshauptkasse vom 1. bis 10. Oktober betrug die Summe der Einzahlungen 146 335 633, die Summe der Auszahlungen 195000004 Goldmark. Im Stande der Rentenmarkschuld(aus der Begebung von Rentenmarkschatz= wechseln) war für den gleichen Zeitraum eine Zunahme von 23990000 Goldmark zu verzeichnen. WTB Essen, 13. Okt. Nach vorläufigen Berechnungen wurden in der Woche vom 28. September bis 4. Oktober im gesamten Ruhrgebiet(ohne die von der Regie betriebenen 3 Zechen und 10 Kokereien) in 6 Arbeitstagen 1 985 606 Tonnen Kohle gefördert(auf das besetzte Gebiet entfallen davon 1 830 565 Tonnen, gegen 2 023 548(1 860 787) Tonnen in der vorher gegangenen Woche bei ebenfalls 6 Arbeitstagen. Die Kokserzeugung stellte sich in der Betriebszeit in 7 Tagen(in den Kokereien wird auch Sonntags gearbettet) auf 406 768 Tonnen(besetztes Gebiet 371 576) gegen 396 130(362 259) Tonnen in der vorhergehenden Woche. Die arbeitstägliche Kohlenförderung, immer ohne die besetzten Gebiete, betrug in der Woche vom 28. September bis 4. Oktober im gesamten Ruhrgebiet 330 934 Tonnen igegen 337258 Tonnen in der Woche vorher und 368 681 Tonnen im Durchschnitt des ganzen Jahres 1913), die arbeitstägliche Kokserzeugung stellte sich auf 58 109 Tonnen(56 590 bezw. 62718 Tonnen). Im besetzten Gebei ergab sich eine arbeitstägliche Kohlenförderung von 305 094 Tonnen(310 123 bezw. 348 586 Tonnen) und eine tägliche Kokserzeugung von 53.082 Tonnen(51 751 bezw. 58 388 Tonnen). und der hier eingetroffenen Gesellschaft wurde in diesen Tagen die Leipziger Lustverkehrsgesellschaft gegründet. Für die sofortige Aufnahme des Luftverkehrs sind zwei moderne Verkehrslimusinen, Typ Fokker, S. 3 mit 240 PS. mit Siddeley=Time=Motoren erworben worden. Die Wiederaufnahme des mitteldeutschen Luftverkehrs dürfte den Verkehr zur Leipziger Frühjahrsmesse wesentlich erleichtern. Vermischtes. WTB Leipzig, 14. Okt.(Drahtb.) Unter Mitwirkung des Messeamtes für die Mustermesse in Leipzig Briefkasten. H. u. W. 110. Olpe. Wir haben nicht die Absicht, uns in die Angelegenheit einzumischen. Am besten wenden Sie sich an die in Frage kommende Behörde selbst. Druck und Verlag: Verlagsanstalt F. X. Ruegenberg, Olpe. Verantwortlich für die Gesamtredaktion: Hüttemann, Olpe; für den lokalen und provinziellen Teil, Feuilleton und Vermischtes: A. Rademacher=Olpe; für die Berliner Redaktion: J. B. Krauß, Berlin=Schöneberg; für den Reklamen= und Anzeigenteil: Ed. Ruegenberg, Olpe. Geschäftliches. Im Butterland Holland wird bekanntlich auch viel Margarine konsumiert; man hat dort Qualitäten in den Handel gebracht, die von seinster Butter kaum zu unterscheiden sind und sich deshalb die Gunst der Bevölkerung im Sturm erobert haben. Neuerdings wird eine solche Margarine auch in Deutschland unter der Marke„Schwan im Blauband“ hergestellt, welche durch ihre vorzügliche Beschaffenheit tatsächlich überrascht. Ein Versuch kann deshalb nur dringend empfohlen werden. Nur das Beste sowohl in Schokoladen wie auch in Pralinen erhalten Sie in meiner neu eingerichteten Confitüren=Abtlg. Das beweisen Ihnen die Namen: Stollwerk Caillet, Tell, Frankonia, Kant und viele andere mehr. 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