Altester Anzeiger für das Sauerland Das„S. V.“ erscheint jeden Werktag früh. Dermonatliche Bezugspreis beträgt 1,50 G.=M., die Einzelnummer kostet 10 C.=Pfg. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Störungen durch höhere Gewalt und Ausstand rechtfertigen keine Ersatzansprüche. Geschäftsstellen: Frankfurterstr. Nr. 16 und Bahnhofstr. Nr. 3.— Fernruf 2.— Postscheck=Konto Köln Nr. 10 158. Gegr. 1840. Amtliches Kreisblatt des Kreises Olpe Anzeigenpreise: 1 Millimeter Höhe im Ortsverkehr 8 Goldpfg., f. Auswärtige 10 Goldpfe. Reklamen 40 Goldpfennig: Offertengebühr 25 Goldpfg., umzurechnen nach dem am Tage der Zahlungen gülügen Berliner Dollar=KurZahlbar bei Aufgabe, spätestens 9 Tage nachher, andernfalls Verzugszinsen berechnet werden. Eventuell gewährter Rabatt gilt nur als Kassen=Rabatt. Nr. 108 Ope, Montag, den 25. Augus 1924 84. Jahrg. Die Brutschen Velegierten geven dem Keichstage Rechenschaft. Die Verantwortung der Eatscheidung: Segen oder Fluch.— Um die Hoffnung des besetzten Gebietes Die große Kanzlerrede. V. 0. Z. Berlin, 23. August. Das Haus und die Tribünen sind gut besucht. Am Regierungstisch sitzen Reichskanzler Marz, Reichsaußenminister Dr. Stresemann, Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, die Minister Kanitz und Hamm. Der kommunistische Abg. Dr. Schwarz befindet sich nicht im Saale. Präsident Wallraf eröffnet die Sitzung um 10.20 Uhr mit der Erklärung, der Abg. Dr. Schwarz, den er auf Grund des Artikels 28 der Reichsverfassung kraft des ihm zustehenden Hausrechts ausgeschlossen habe, habe einen schriftlichen Einspruch eingereicht. Der Präsident verliest den bereits bekannten Wortlaut des Einspruches. Er fügt hinzu, der Einspruch stehe zwar nicht auf der Tagesordnung, er bitte aber um das Einverständnis des Hauses, ihn noch auf die Tagesordnung zu setzen, und zwar an zweiter Stelle.(Unruhe bei den Kommunisten.) Reichskanzler Marx: Die Reichsregierung tritt vor Sie hin, um Ihnen das Ergebnis der Londoner Konferenz vorzulegen und Ihre Zustimmung zu den Londoner Beschlüssen sowie zu den zu ihrer Durchführung erforderlichen Gesetzen zu erlangen. Die in London gefaßten Beschlüsse bestimmen, in welcher Weise das Gutachten der Sachverständigen seine Durchführung finden soll. Das Gutachten der Sachverständigen hat die Reichsregierung in ihrer an die Reparationskommission gerichteten Erklärung als geeignete Grundlage für die Lösung der Reparationsfrage angenommen, und die Mehrheit dieses Hauses hat diese Erklärung gebilligt. Daß sich dagegen auch große und ernste Bedenken geltend machten, ist von mir nie verkannt worden, und mit Nachdruck und in voller Offenheit habe ich darum in der Schlußsitzung der Londoner Konferenz vor den versammelten Ministerpräsidenten und Delegierten der Weltmächte dieselben Bedenken unterstrichen und ausgeführt, welch schwere Aufgabe der deutschen Delegation auf der Konferenz erwachsen sei und welche ungeheuere Verantwortung sie habe auf sich nehmen müssen, indem sie einer Regelung der Reparationsfrage im Sinne des Dawesgutachtens zustimmte, wodurch dem deutschen Volke so schwere Opfer auferlegt werden sollen. Unsere heutige Beschlußfassung, welche die Ermächtigung zur Durchführung des Gutachtens, zur endgültigen Annahme jener Lasten und zur Einführung jener in die deutsche Verwaltung, das deutsche Finanz= und Wirtschaftswesen so tief eingreifenden neuen Institute bedeutet, hat somit eine weitergehende Bedeutung als jene Beschlußfassung, welche das Dawesgutachten als Grundlage zur Lösung des Reparationsproblems annahm. Jetzt handelt es sich darum, Gesetzentwürfen zuzustimmen, welche tiefgreifende organisatorische Aenderungen im Deutschen Reiche bedingen, Veränderungen, welche in einem Punkte sogar eine Abwelchung von den Bestimmungen der Reichsverfassung erfordern. Somit gilt es heute, eine größere Verantwortung zu übernehmen, eine schwerere Entscheidung zu treffen, und es ist eine selbstverständliche Forderung, wenn bei einer solchen Entscheidung alle in Frage kommenden Gesichtspunkte rückhaltslos erörtert und klargelegt werden. Der Vertiefung dieser Debatte dient die eingehende Aussprache in den Sitzungen des Auswärtigen Ausschusses dieser Tage, welche weiterhin neben den Verhandlungen des Plenums fortdauern werden. Dort wie hier wird sich die Reichsregierung angelegen sein lassen, das gesamte die Londoner Beschlüsse betreffende Matcrial in eingehender Weise darzulegen und allen Parteien Rede und Antwort zu stehen über das, war die deutsche Delegation in London in schwerer. verantwortungsreicher Arbeit als Ergebnis der dorligen Verhandlungen erzielt hat. Wir rühmen uns nicht eineo Ecfolges, den wir in London errungen hätten. Das Gutachten der Sachverständigen ist für das deutsche Volk in seinem innersten Wesen ebensowenig erfreulich, wie der uns auferlegte Versailler Vertrag. Die Aufgabe der Reichsregierung und die Aufgabe der Delegation in London bestand nur darin, Milderungen dieser Last zu erstreben, Bedingungen und Verhältnisse zu schaffen, um die Durchführung des Gutachtens in einer für die Lebensnotwendigkeiten und die nationale Würde des deutschen Volkes erträglichen Weise zu gewährleisten. Ohne den Ausführungen der Fachminister und der Kritik des Hauses vorgreifen zu wollen, glaube ich, feststellen zu dürfen, daß die deutsche Delegation in London in keinem Falle eine Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Zustand, in mancher Hinsicht aber eine Verbesserung erreicht hat. Als wir nach London kamen, fanden wir die in mehrwöchigen Verhandlungen, zustandegekommene abgeschlossene Arbeit der alltierten Mächte vor. Die euns von dem Vorsitzenden der Konferenz gleich bei unserer Ankunft übergebenen Beschlüsse der Allierten stellten einen mühsam zustandegebrachten Kompromiß dar, aber trotzdem haben wir uns nicht einen Augenblick besonnen, mit aller Entschiedenheit und Offenheit die deutschen Bedenken und Ausstellungen an den gefaßten Beschlüssen vorzubringen. Zum ersten Male seit Beendigung des Krieges haben wir in gleichberechtigter Verhandlung unsere Gegenvorschläge mit den Delegationen der alliierten Mächte besprechen können. Die Einwendungen, die von uns vorgebracht wurden, waren zahlreich und zum Teil in die vorliegenden Beschlüsse tief eingreifend. Ein großer Teil unserer Gegenvorschläge ist von den Alliierten als berechtigt anerkannt und als Aenderungen der gefaßten Beschlüsse angenommen worden. Es ist mir ein Bedürfnis, auch an dieser Stelle die objektive und unparteiische Leitung der Konferenz durch den englischen Ministerpräsidenten anzuerkennen, und ich lege Wert auf die Feststellung, daß der in der Presse erhobene Vorwurf, daß der deutschen Delegation in London ein Ultimatum gestellt oder ein Diktat vorgelegt worden sei, durchaus unbegründet ist. Die Beschlüsse der Londoner Konferenz sind für Deutschland zweifellos eine schwere Belastung Doch sind auch sie nichts anderes als Auswirkungen des verlorenen Krieges. Aber dennoch stellen sie gegen den bisherigen Zustand einen Fortschritt dar und dienen dem uns allen erstrebten Ziel der Wiedererstarkung der deutschen Wirtschaft und der Wiederherstellung der deutschen Freiheit, insbesondere in den besetzten Gebieten. Wie dem ganzen deutschen Volke, so lag auch der deutschen Delegation in London bei allem, was sie tat, vor allem die Sorge am Herzen, deutsches Land von der Besehzung durch fremde Truppen zu befreien. Wir haben durchgesetzt, daß in London über die militärische Räumung der widerrechtlich besetzten Gebiete verhandelt wurde, obwohl vor unserer Abreise auch in diesem Hause noch Zweifel darüber geäußert wurden, ob ein Verhandeln über die Frage in London überhaupt möglich sein würde. Es ist uns nicht gelungen, die sofortige militärische Räumung der nach unserer Ueberzeugung vertragswidrig besetzten Gebiete zu erreichen, eine Rechtsauffassung, die nach wie vor auch von der englischen Regierung geteilt wird. Wenn wir uns trotzdem in dieser Frage mit geringen Zugeständnissen nach hartem Entschluß abgefunden haben, so zwang uns dazu die Erkenntnis, daß wir bei Ablehnung des Zugestandenen eine große Anzahl unserer bedrängten Volksgenossen um ihre Hoffnung auf baldige Befreiung betrogen und darüber hinaus das wirtschaftlich günstigere Ergebnis der Londoner Konferenz überhaupt ernsthaft gefährdet hätten. Ich erachte es als meine Pflicht, dem deutschen Volke meine ehrliche Ueberzeugung, die wohl von allen deutschen Konferenzteilnehmern geteilt wird, in Offenheit auszusprechen, daß auf der Londoner Konferenz zum ersten Male seit Kriegsende wieder ein Geist der Verständigung und der ernsthafte Wille zur friedlichen Regelung der traurigen Kriegshinterlassenschaft lebendig war. Die deutsche Delegation in London war nach langen Erwägungen und nach Ausschöpfung aller ihr zur Verfügung stehenden Mittel einmütig der Ueberzeugung daß eine Ablehnung der französisch=belgischen Zugeständnisse in der Räumungsfrage in absehbarer nicht eine Besserung, sondern eher eine Verschlechterung der Verhältnisse in den besetzten Gebieten verursacht haben würde, und daß zugleich auch die durch das Gutachten und die Londoner Konferenz erstrebte erträgliche Lösung der Reparationsfrage in unabsehbare Ferne gerückt worden wäre. Die Verantwortung dafür haben wir nicht übernehmen können. Wir haben von den Ministerpräsidenten Frankreichs und Belgiens die bedingungslose Zusage daß das Ruhrgebiet spätestens am 15. August 1925 geräumt sein wird. Wir haben weiter vom Minislerpräsidenten Herriot, von dem ich die Ueberzeugung gewonnen habe, daß er den ehrlichen Willen hat, mit Deutschland in ein gulnachbarliches Verhältnis zu gelangen, das Versprechen erhalten, daß die Räumung des Ruhrgebietes viel schneller durchgeführt werden soll, wenn die Verständigung zwischen Deutschland und, Frankreich weiter fortgeschritten sei. Um uns einen Beweis seiner ehrlichen Absicht zu geben, wird der französische Ministerpräsident am Tage nach der Unterzeichnung des Londoner Paktes den Besehl zur Räumung der Zoue Dortmund=Hörde=Lünen geben, die dann gleichzeitig mit der wirtschaftlichen Räumung vollzogen werden wird. In der gleichen Zeit sollen auch alle übrigen nach dem 11. Januar 1923 außerhalb des Ruhrgebieles besehlen Ortschaften und Landstreifen rheinaufwärts und rheinabwärts geräumt werden. Die Räumung Offenburgs und Appenweiers ist über diese Zusage hinaus bereits vollzogen. Wenn die Unterschrift in London geleistet ist und von unserer Seite die Voraussetzungen durch die Annahme der Gesetze gegeben sind, werden rund 900 000 Deutsche sofort von fremder Besahzung frei werden. Wir haben weiter sowohl von Frankreich und Belgien wie auch von England die bindende Zusage, daß die auf Grund des Londoner Ultimalums besehlen Sanktionsgebiete Düsseldorf, Duisburg, Ruhrort spätestens am Tage der Ruhrräumung frei sein werden. Unsere Bemühungen, eine etappenweise Räumung des Ruhrgebietes herbeizuführen, wurden von Herriot nachdrücklichst abgelehnt mit dem Hinweis, darauf, daß bei einer Festlegung von Etappen und Terminen die von ihm ernstlich erstrebte frühere Räumung des ganzen Ruhrgebietes erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht würde. Die Verhandlungen über die Räumung wurden in einem Notenwechsel zwischen der französischen und belgischen Regierung einerseits und der deutschen Regierung anderseits festgelegt und von Ramsay Macdonald in seiner Schlußrede auf der Konferenz ausdrücklich erwähnt, so daß damit auch diese Vereinbarung in die Akten der Konferenz aufgenommen worden ist. Daß die deutsche Regierung die so getroffene Regelung der Räumungsfrage nicht als eine endgültige ansieht, es vielmehr jetzt als ihre ernsteste Aufgabe betrachtet, die von Herriot in Aussicht gestellte schnellere und vollständige Räumung des Ruhrgebietes und der anderen Sanktionsgebiete zu erreichen, ist selbstverständlich, und ich hege die Zuversicht, daß eine befriedigende Regelung der Räumungsfrage und eine Befreiung der Bevölkerung in den widerrechtlich besetzten Gebieten vielleicht bald erzielt werden wird, wenn auf der Grundlage des Sachverständigenberichtes und der Londoner Beschlüsse eine Regelung des Reparationsproblems und damit hoffentlich auch eine Befriedigung Europas eingeleitet ist. Wenn somit auch nur ein erfolgversprechender Anfang erzielt worden ist, so sind wir doch berechtigt, vor allem im Hinblick auf die zahlreichen Sicherungen, welche dasGutachten und die Londoner Abmachungen vorsehen, insbesondere auf den in weitestem Maße zur Geltung gekommenen Schiedsgerichtsgedanken, mit Zuversicht an die Fortführung des Werkes heranzugehen. Indem ich Ihnen das Gesamte zur Annahme empfehle, spreche ich einen Gedanken aus, der bei Ihren Entschließungen eine gebührende Berücksichtigung finden muß, das ist der Gedanke an die ernste Alternative, vor der wir stehen: Was tritt ein bei einer Ablehnung der Londoner Vereinbarungen, welche Folgen haben wir für unser Volk und unsere heimatliche Wirtschaft zu erwarten, wenn die in London erzielte Regelung nicht zur Wirklichkeit wird, sondern der gegenwärtige Zustand auf unbestimmte Dauer fortbesteht? Ich sage bewußt, auf unbestimmte Zeit, denn es kann für denjenigen, der die gegenwärtige Lage der Weltpolitik überschaut, keinem Zweifel unterliegen, daß die Londoner Konferenz eine Chance bot, die so leicht nicht wiederkehren wird. Die über alles Erwarten weitgehende Umstellung der amerikanischen Politik, welche sich aus der großen Reserve der letzten Jahre unter dem Banner des Dawesgutachtens wieder zur aktiven Mitarbeit an dem europäischen Problem entschlossen hat, droht zu scheitern, wenn das Panier dieser neuen Marschrichtung, das Gutachten selber, von einem der Hauptbeteiligten in Europa abgelehnt wird. Lösen wir die in London geknüpften Fäden wieder auf, so ersteht diese Gefahr aufs neue, und die Folgen, insbesondere auf die Haltung Amerikas, von dem wirtschaftlich Europas Schicksal abhängt, sind nicht abzusehen. Auf diese Gefahr hinzuweisen und an alle Parteien dieses Hauses die ernste Mahnung zu richten, sich der Verantworkung der zu lreffenden Entscheidung bewußt zu sein, halte ich für meine höchste vaterländische pflicht. Wer es vor seinem Gewissen und dem deutschen Volke verantworten zu können glaubt, in dieser Stunde der Entscheidung über Deutschlands Schicksal auf Jahre hinaus die Durchführung des Sachverständigenberichtes und der Londoner Vereinbarungen zu verhindern, der hat die ernste heilige Pflicht, in dieser Stunde und an diesem Ort einen anderen Weg zu weisen, der unser Volk aus seiner wirtschaftlichen und finanziellen Rot herausführen kann und uns die Befreiung des besetzten deutschen Landes sichert. Dieser Weg aber muß gleich beschritten werden können und muß kurz sein, sonst wird er Deutschland ins Verderben führen. Denn eine Ablehnung des Londoner Vertrages bedeutet zunächst jedenfalls die Zerstörung all der Hoffnungen, die das deutsche Volk und insbesondere unsere Brüder im besetzten Gebiet hegen. Industrie und Landwirtschaft werden noch mehr als bisher unter der ständig zunehmenden Kreditnot zu leiden haben. Ob bei unserer blutleeren Wirtschaft unsere mühsam bisher gehaltene Währung nicht neuem Verfall entgegentreiben wird, ist eine bange Frage. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit und die allgemeine Not in den breiten Massen des Volkes aber ist eine sichere Folge. Auf den besetzten Gebieten wird der furchtbare milltärische Druck unermindert weiter lasten und die Abschnürung der Bevölkerung wird aufrecht erhallen werden. Hunderte gefangener Deutscher, die für ihr Vaterland sich eingesetzt haben, werden weiter in den Gefängnissen schmachten; vielen Tausenden von Ausgewiesenen wird die Rückkehr in die Heimat wer ter verwehrt bleiben. Eine furchtbare Verantwortung lastet jetzt auf dem Reichstag— seine Entscheidung wird nach meiner innersten Ueberzeugung für Deutschland Segen oder Iluch bedeuten. Das ganze deutsche Volk, die ganze Welt Herriot erhält das Vertrauensvotum der Kammer mit 356 gegen 204 Stimmen. WTB Paris, 24. August.(Drahtb.) Die Kammer beendete die Interpellation über das Londoner Abkommen und sprach der Regierung mit 336 gegen 204 Stimmen das Vertrauen aus he— daer beiche Geliel den unser aller heißesten Wünsche gelten, hat seinen Willen kundgetan. Seine Hoffnung ist erwacht. Sie darf nicht betrogen werden. Die Rede des Reichskanzlers wird wiederholt durch Gelächter und höhnische Zurufe der Kommunisten und einiger Deutschnationaler unterbrochen. Namentlich an der Stelle wo von Deurschlands nationaler Würde und von Deutschlands Souveränität die Rede ist, kamen die Rufe: Zuchthauskanzler. Der Schluß der Rede ruft bei der Mehrheit lebhaften Beifall hervor, auf den von den Kommunisten mit Pfuirufen geantwortet wird. Die Deutschnationalen enthalten sich am Schluß der Rede jeglicher Kundgebung. Finanzminister Dr. Luther zeigte in längeren Ausführungen über die Wirtschaft und die Steuerfragen die unbedingte Notwendigkeit der Annahme. Er kehrte die unmittelbar drohinde Gefahr des Zusammenbruchs der Währung, des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft hervor, falls eine Ablehnung erfolgen sollte. Reichsaußenminister Stresemann ging auf die schweren außenpolitischen Folgen im Falle der Ablehnung und auf Details der Londoner Verhandlungen ein. Dr. Schacht zu den Finanzgesetzen. WTB Berlin, 23. August.(Drahtb.) Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages nahm Reichsbankpräsident Dr. Schacht zu den aus den Londoner Beschlüssen sich ergebenden Finanzgesetzen das Wort. Er führte aus, daß auch nach der Neuregelung die Möglichkeit, auf die alte Deckung von 33eindrittel Prozent herunterzugehen, bestände. Es sei dies lediglich mit der Notensteuer verbunden. Offen bliebe die Frage, was mit den bisher gesammelten Mitteln der Rentenbank aus der Grundbesitzbesteuerung auf Grund des Rentenbankgesetzes würde. Dem Reichstag bliebe es unbenommen, hier eine Regelung zu treffen. In dem Rentenbank=Liquidationsgesetz sei eine für die Gewährung landwirtschaftlicher Kredite notwendige Organisation geschaffen worden. Im weiteren Verlaufe wandte sich Reichsbankpräsident Dr. Schachi auf eine Anfrage des deutschnationalen Abgeordneten entschieden dagegen, daß die Reichsbank in ausländische Hände übergehen werde, und erklärte auf eine Frage des Abgeordneten Schneider,(Deutsche Volksp.), wenn die Londoner Abmachungen nicht zuslande kommen sollten, würde er sich zwar unter allen Umständen bemühen, die Währung als solche zu halten, doch würde es dann mit Krediten sehr übel aussehen. Auch die Rentenbank würde die ihr zugedachte Aufgabe der Kreditgewährung an die Landwirtschaft selbstverständlich nicht aufnehmen können. Es sei außerdem damit zu rechnen, daß in diesem Falle eine Reihe von Krediten, die in lehter Zeit der deutschen Wirtschaft zugegangen sei, vom Auslande wieder zurückgezogen werden wücden. Die Stimme des besetzten Gebiets. Köln, 23. August. Der Verband der Stadt= und Landkreise des besetzten Gebietes hat an den Reichstag folgendes Telegramm gerichtet: Der Verband der Stadt= und Landkreise des besetzten Gebietes bittet den Reichstag dringend, trotz aller Bedenken dem Londoner Abkommen zuzustimmen, damif die völlig zerrüttete Wirtschaft des besetzten Gebietes wieder in Gang kommt und eine geordnete Verwaltung möglich wird. Die Ablehnung würde die Lage des besetzten Gebiets unerträglich gestalten. In Vertretung Oberbürgermeister Johansen. Der wirtschaftsausschuß des besetzten Gebietes für Annahme. Der Vorstand des Wirtschaftsausschusses des besetzten Gebiefs hat an sämtliche Fraktionen des Reichstags ein Telegramm gesandt, in welchem er erklärt, daß er sich trotz schwerer Bedenken angesichts der ungeheuren innen= und außenpolitischen, finanziellen und wirtschaftlichen Gefahren einer Ablehnung und angesichts der Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Verhältnisse im besetzten Gebiet einstimmig und ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit für die Annahme der Londoner Bedingungen ausgesprochen habe. Das Rheinland und das Ruhrgebiet erwarteten daher von ihren ihrer Verantwortung bewußten Volksvertretern ein dieser einmütigen Stellung des besetzten Gebiets entsprechendes Handeln. Die Befreiungsfeier in Offenburg. WTB Berlin, 21. Aug.(Drahtb.) Wie die B8, 8 meldet, fand gestern abend in Offenburg in der städtischen Festhalle eine Befretungsfeler statt, in der der badische Staatspräsident Köhler vor der in ungewöhnlich großen Zahl erschtenen Bevölkerung eine Ansprache hielt. Er überbrachte im Auftrage des Reichskanzlers die Glückwünsche und den Dank des Reiches und gieiczenig die Glückwünsche der badischen Regierung#und des badischen Volkes zur Befreiung von dem 19monatigen Joch der Besatzung. Im Bezirksamt halten sich nachmittags die Staatsbeamten und Bürgermeister der besetzt gewesenen Gemeinden versammelt, an die der Staatspräsident eine herzliche Ansprache richtete, worin er seiner Freude über die Befreiung der Stadt und der umliegenden Ortschaften Ausdruck gab. Das befreite Offenburg an den Ranzler. WTB Berlin, 22. August.(Drahb.) Im Namen der Bürger der befreiten Stadt Offenburg hat deren Bürgermeister Holler folgmdes Telegramm an den Reichskanzler gerichtet: „Die anläßlich der Feier der Räumung Offenburgs in Anwesenheit des badischen Staatspräsidenten zahlreich versammelte Einwohnerschaft Offenburgs entbietet Ihnen ergebensten Gruß, verbindet damit verbindlichsten Dank für die so zahlreichen Bemühungen der Reichsregierung und den Wunsch auf weiteres Gedeihen und Fortschreiten der Verhandlungen zugleich mit dem Gelöbnis, in den kommenden Tagen wichtiger Entscheidungen treu hinter der Reichsregierung zu stehen.“ Die Räumung der drei Sanktionsstädte. Anlage 5 der dem Reichsrat zugegangenen Erläuterung zu der Denkschrift über die Londoner Konferenz wird dann noch ein Memorandum über die Räumung der drei Sanktionsstädte veröffentlicht das bisher nur seinem Inhalt nach bekannt war. Das Memorandum, über das in der Sitzung vom 16. August Uebereinstimmung erzielt wurde, hat folgenden Wortlaut: Herrn Grafen Pererti della Rocca, Direktorium im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten. Memorendum. In der Sitzung, die heute in London zwischen der deutschen, französischen und belgischen Delegation stattgefunden hat, haben der französische und der belgische Herr Ministerpräsident im Namen ihrer Regierungen die Erklärung algegeben, daß diese sich zu ihrem Teile nicht widersetzen werden, daß die im Frühjahr 1921 besetzten rechtsrheinischen Gebiete gleichzeitig mit dem Ruhrgebiel geräumt werden. Eine gleichlautende Ausfertigung dieses Memorandums ist heute dem französischen und dem belgischen Herrn Ministerpräsidenten übergeben worden. London, den 16. August 1924. gez. Marr. Als letztes Schriftstück ist der Brief Macdonalds an den deutschen keichskanzler aufgenommen, worin die britische Regierung zur Räumung des sogenannten Sanktionsgebietes Stellung nimmt Der Brief ist, wie wir schon neulich mitteilten, erst nach Abschluß der Londoner Konferenz der Reichsregierung als Bestätigung mündlicher Verhandlungen zugegangen. Er hat folgenden WortLondon, den 19. August 1924. Exzellenz. Ich habe den mir von Ew. Exzellenz mündlich mitgeteilten Wunsch, daß sich die Britische Regierung Ihrem Ersuchen an die französische und belgische Regierung anschließen möge, wonach die drei Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort zu derselben Zeit wie die von Frankreich und Belgien seit dem 11. Januar 1923 besetzten Gebiete zu räumen sind, sorgfältig geprüft. Die Regierung Seiner Majestät sieht sich außerstande, dem Ersuchen in dieser Form stattzugeben, da dies u. a. bedeuten würde, daß die Regierung seiner Majestät die Ruhrbesetzung anerkennt. Nach ihrer Ansicht sind die Gründe, die der Britischen Regierung seinerzeit die Besetzung jener Städte zu rechtfertigen schienen, längst fortgefallen. Sie tritt deshalb für eine sofortige Räumung ein. Ich benachrichtige hiervon den französischen und belgischen Premierminister. gez. Macdonald. Erleichterungen für das besetzte Gebiet nach Annahme des Londoner paktes. Das Londoner Protokoll bestimmt, daß acht Tage nach der sogenannten ersten Feststellung der Reparationskommission, d. h. von dem Tage an, an dem die Reparationskommission die Feststellung macht, daß die für die Ingangsetzung des Dawes=Planes erforderlichen deutschen Gesetze in der von ihr gebilligten Fassung im Reichsanzeiger erschienen sind und der Generalagent für Reparationszahlungen sein Amt angetragen hat, die Erhebung von Abgaben an der Zollgrenze zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet unterbleiben soll. Es sällt also die Idllgrenze fort. 12 Tage späler, also 20 Tage nach derersten Feststellung, sollen die Hemmungen im Personen=, Güter- und Wagenverkehr zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet fortfallen. Als ein zweites Feststellungsdatum gilt ein Beschluß der Reparationskommission, der innerhalb fünf Wochen nach der ersten Feststellung zu trefsen ist, und der bestätigt, daß die neue Bank errichtet ist, die vorgesehenen Ausführungs= und Ueberwachungsorgane funktionieren und die Uebergabe der Eisenbahn= und Industrieobligationen an die Treuhänder erfolgt ist. Auf die zweite Feststellung hin wird das Eisenbahnnetz des Reiches der im Sachverständigenplan vorgesehenen neuen Gesellschaft übertragen. 14 Tage nach der zweiten Feststellung werden dann die von der Regie betriebenen Strecken für Rechnung der Gesellschaft unter demn Eisenbahnorganisakionskomitee betrieben werden. Die Uebernahme soll innerhalb einer sechswöchigen Frist beendet sein. Die französischen und belgischen Eisenbahner verschwinden mit der Liquidation der Regie Am gleichen Tage soll auch die Wiederherstellung der fiskalischen und wirtschaftlichen Einheit Deutschlands durchgeführt sein, d. h. also, es wird der Zustand wiederhergestellt, der vor dem Einmarsch ins Ruhrgebiet bestand. Für das Ruhrgebiet findet das Rheinlandabkommen Anwendung. In der Uebergangszeit, wahrscheinlich solange, bis die Anleihegelder fließen und zur Bezahlung der Sachlieferungen und der Besatzungskosten usw. verwendet werden können, werden die belgische und der Abzug Millionen Goldmark, die für die Deckung der Erhebungskosten während der Uebergangsperiode bestimmt ist, dem Generalagenten für Reparationszahlungen überwiesen. Deutschland hat seinerseits monatlich ein Zwölftel der ersten Annuität(1000 Millionen) abzuführen. Das wären also monatlich 83 Millionen Goldmark. Aber von dieser Summe sind abzuziehen die von Frankreich und Belgien, dem Generalagenten überwiesenen Summen, ferner die geschätzten monatlichen Erträge aus der 26proz. englischen Abgabe des RecoveryActs, sowie die für die Besatzungsarmeen gelieferten Papiermarkveträge. Der Generalagent hat aus den ihm auf diese Weise zur Verfügung gestellten Mitteln die Sachlieferungen zu bezahlen. Die Micumverkräge fallen somit fort. Die Werke haben die Sachlieferungen nicht mehr aus der eigenen Tasche zu zahlen, sondern erhalten ihre Lieferungen mit gutem Gelde vergütel. Die Liquidation der Regiebahn. Die nach Annahme der mit den Londoner KonTage nach Uebernahme des deutschen Eisenbahnbetriebes durch die neue Reichsbahngesellschaft die jetzt von der Regie betriebenen Strecken für Rechnung der Gesellschaft unter den Eisenbahnorganisationskomitee betriebe: werden.= Die tatsächliche Uebergabe von der Regie auf die Gesellschaft wird unter der Aussicht des Organisationskomitees Schritt für Schritt vorgenommen werden, so schnell, wie dies mit der ordnung: mäßigen Uebergabe vereinbar ist. Diese Uebergabe soll innerhalb einer sechswöchigen Frist beendet sein. RKv und Sachverständigengutachten. Auf dem Verbandstage in Cassel wurde folgende Entschließung einstimmig gefaßt: „Der 44. Verbandstag der KKV stellt sich rückhaltlos hinfer die deutsche Reichsregierung in ihrem Bestreben, durch Uebernahme der aus dem Sachverständigenplan sich ergebenden Verpflichtungen klare Verhältnisse für die deutsche Wirtschaft zu schaffen. Er erwartet, daß die sich hieraus ergebenden Gesetze und Maßnahmen unter gerechter Verteilung der Lasten und möglichster Schonung der schwachen Schultern getroffen werden. Die Kaufmannschaft muß sich darüber klar sein, daß das stark verminderte deutsche Volksvermögen nicht den in der Vorkriegszeit gewohnten Ertrag bringen kann und daß daher eine starke Herabsetzung der Lebenshaltung und eine entsprechende Verminderung des Absatzes auf dem Binnenmarkt unbedingt notwendig ist, wenn über den eigenen Bedarf hinaus Ueberschüsse der Wirtschaft für Erfüllung des Sachverständigenplanes erzielt werden sollen. Ein starker Opfergeist zum Wohle des Vaterlandes ist allenthalben erforderlich." Der kommunistische Plan. Berlin, 23. August. Die kommunistische Fraktionssitzung, stag angehörenden die Notwendigkeit, jetzt ReichsbeOrganisationssetretare aus oem ganzen Reiche anberaumt worden. In der Fraktionssitzung wurde betont, man müsse den Deutschnationalen jeden Ausweg versperren, der es ihnen ermöglichen würde, trotz der öffentlichen Ablehnung des Dawes=Gutachtens die Annahme der Gesetze zuzulassen und damit Reichstagsauflösung und Volksentscheid zu vermeiden. Die kommunistische Fraktion will auch von der Möglichkeit Gebrauch machen, die der bisher niemals angewandte Artikel 72 der Reichsverfassung bietet. Er besagt:„Die Verkündung eines Reichsgesetzes ist um zwei Monate auszusetzen, wenn es ein Drittel des Reichstages verlangt.“ Dieses Drittel wäre sofort da, wenn die Deutschnationalen sich dem Einspruch der Kommunisten und Völkischen anschlössen. Der zweite Satz des Artikels 72 besagt freilich:„Gesetze, die der Reichstag und der Reichsrat für dringlich erklären, kann der Reichspräsident ungeachtet dieses Verlangens verkünden.“ Die Dringlichkeitserklärung wäre aber nur mit den Stimmen der Sozialdemokraten möglich. Und die Kommunisten rechnen damit, daß die SozialReichs zu der Führer diese Einnahmen aber sowie der Reingewinn aus schon alle Vorbereitungen für einen neuen Rei französisch=belgischen Eisenbahnregie werden, nach tagswahlkampf zu treffen. Zu diesem Zwecke ist ug einer monatlichen Pauschalsumme von zweifgeits für die nächste Woche eine Konferenz der lionen Ecldmark, die für die Deckung der Erhe=teits. fu., 6m#cmten Resch ter deutscher Leitung, ihrer Heimat und Familie zurückgegeben. Die Rhein=Ruhrbahnen bilden wirtschaftlich und fivanziell das Herz des Reichsbahnunternehmens. Von den insgesamt 53.000 Kilometern des Reichsbahnnetzes entfallen 12 Prozent, über 6000 Kilometer, auf die Bahnen der besetzten Gebiete, anlaßte die Verh Das altbesetzte im wesentlichen Unksrheiniche Gebiet sitzung durch die Kommumisten umfaßt davon 5000 Kilometer oder 10 Prozent der(itionsparteien, noch gestern al Gesamtlänge. Die Verkehrsdichtigkeit des Rhein= halten um Aenderungen de ein Gesetz, dessen Verkündung ausgesetzt Volksentscheid unterbreitet werden, wenn ein Zwanzigstel der Stimmberechtigten es verlangt. Gegen die kommunistischen Skandalszenen. Berlin, 23. August. Wie die Blätter melden, veramußte die Verhinderung der gestrigen Reichstagsnisten die Vertreter der Koaabend eine Sitzung abzuhalten, um Aenderungen der ReichstagsgeschäftsordRuhrgebietes geht aus der intensiven Ausgestaltung nung vorzubereiten, die eine ruhige Abwicklung der der Betriebsanlagen hervor. Rund 16 Prozent aller Geschäfte des Parlaments gewährleisten sollen. zweigleisigen, rund 32 Prozent aller dreigleisigen, Der Einspruch Dr. Schwarz. rund 22 Prozent aller viergleisigen Strecken entfallen] Die kommunistische Reichstagsfraktion hielt gleichauf die Rhein=Ruhrbahnen. Der Bedeutung der An= falls eine Sitzung ab, in der sie sich mit dem Ausschluß lagen entspricht der Verkehrsumfang des Gebietes, ihres Mitglieds Dr. Schwarz für 20 Reichstagssitzun30 Prozent der im gesamten Reichsbahngebiet benö= gen beschäftigte. Die Fraktion beschloß, schärfsten tigten Güterwagen werden im besetzten Rhein=Ruhr= Protest gegen das Vorgehen des Reichstagspräsidennetz gestellt. Fast die Hälfie der gesamten von der ten einzulegen und sich das Recht, demonstrativ aufReichsbahn beförderten Gütermengen stammen aus zutreten, in keiner Weise beschneiden zu lassen. Der dem Rhein=Ruhrgebiet oder laufen dorthin, 47 Proz. Abgeordnete Dr. Schwarz hat einen Brief an den davon verbleiben im Versand und Empfang im Rhein= Präsidenten gerichtet, in welchem er gegen seinen Ruhrgebiet, 53 Prozent sind Ein= und Ausfuhr des Ausschluß Einspruch erhebt. Die Liquidation der Regiebahn wird sich nach Der republikanische Reichsbund. Annahme der Gutachtengesetze so vollziehen, daß 14° WTB Frankfurt a. M., 21. Aug.(Drahtb.) Der Reichsvorstand des Deutschen republikanischen Reichsbundes beschloß einen Aufruf, worin es u. o. heißt: „Die Ergebnisse der Londoner Konferenz werden so furchlbar hart uns die auferlegten Opfer gewiß auch sind, nach den hinter uns liegenden 10 Jahren eines offenen oder verschleierten Krieges, dem deutschen Volke endlich sein erstes Aufatmen ermöglichen, desenn es zu einer wirtschaftlichen, politischen und geistigen Gesundung so dringend bedarf. Das mühsame Werk der außenpolitischen Vereinigung, der Beginn der Befreiung von Rhein und Ruhr und die Sicherung unserer wirtschaftlichen Währung werden jedoch verloren sein im gleichen Augenblick, in dem die Stetigkeit einer zuverlässigen rein republikanischen Staatspolilik in Deutschland bedroht ist. Das deutsche Volk wird es niemals verstehen, wenn es jetzt, nachdem durch die Londoner Konferenz der Friede Europas und die Freiheit Deutschlands gesichert erscheint, erneut der Herrschaft oder auch der Mitregierung von Purteien überantwortet würde, die ohne Verständnis für die politischen Notwendigkeiten unseres schwergeprüften Volkes zum sicheren Untergang führen würde. Der Amfang der zu räumenden Gebiete. Berliner Blätter haben die Meldung gebracht, daß durch die Räumung der Dortmunder Zone, der Flaschenhälse und der anderen kleineren Bezirke eine Bevölkerung von 700000 Menschen von der Besetzung befreit werde. Diese Zahl ist, wie wir erfahren, nicht richtig. Die am 18. August befreiten badischen Gebiere von Offenburg und Appenweier haben einen Flächeninhalt von 122,77 Quadratkilometer. Das geräumte Gebiet umfaßt die Stadt Offenburg(16 246 Einwohner) und 17 Gemeinden mit insgesamt 33 669 Einwohnern. Von weiteren badischen Gebieten werden geräumt der Hafen und Stadtteile von Mannheim mit einer. Größe von 17,3 Okm. und 13 486 Einwohnern. Außerdem werden von badischen Gebieten noch der Hafen Rheinau und Leopoldshafen geräumt. Von hessischen Gebietsteilen bei Darmstadt werden geräumt: 18 Quadratkilometer mit 3500 Einwohnern. Neben der Eisenbahnwerkstätte und der Wohnkolonie werden geräumt der Waldfriedhof der Stadt Darmstadt sowie die besetztgehaltene wichtige Verbindungsstraße Darmstadt—Griesheim, außerdem eine Geländestrecke südlich davon bei Darmstadt—Eschollbrücken. Das infolge der Londoner Verhandlungen zu räumende preußische Gebiet umfaßt 1432 Okm. mit 825 800 Einwohnern. Im einzelnen wird geräumt: a) Flaschenhals zwischen den Brückenköpfen Mainz und Koblenz: Flächeninhalt 388 Okm. mit 49910 Einwohnern, b) Flaschtenhals zwischen den Brückenköpfen Koblenz und Köln: Flächeninhalt 431 Okm. mit 56 524 Einwohnern, c) Gebietsteile der Kreise Gummersbach, Wipperfürth, Vohwinkel usw.: 230 Okm. mit 39532 Einwohnern, d) Stadtkreis Remscheid mit Kronenberg: 41 Okm. und 84 761 Einwohner, e) Hafenbesetzung Emmerich und Wesel: 1 Okm. und 5691 Einwohner, f) Stadt= und Landkreis Dortmund: 233 Okm. und 481 931 Einwohner, g) Stadt= und Landkreis Hörde: 39 Okm. und 107 431 Einwohner. Insgesamt umfaßt das bereits geräumte und das zunächst zu räumende Gebiet einen Flächeninhalt, der an Größe die preußischen Telle des Saargebiets übertrifft. Die Einwohnerzahl der befreiten Gebiete beträgt rund 900.000. Durch die Abmachungen in London steht die Räumung des Ruhrgebiets und der drei Sanktionsstädte in sicherer Aussicht. Nach dem Friedensvertrag wird ferner die erste(englische) Zone bis zum 10. Januar 1925 zu räumen sein. Danach ergäbe sich folgendes Bild: Insgesamt befinden sich zur Zeit noch rund 11 Millionen Deutsche unter der Fremdherrschaft. Die Bevölkerung des Ruhrgebiets und des Sanktsonsgebiets beträgt rund 4 Millionen. Die erste Zone zählt 2,3 Millionen Menschen. Mit der Räumung des Ruhrgebiets, des Sanktionsgebiets und der ersten Zone wird also mehr als die Hälfte der heute noch unter Besetzung stehenden Bevölkerung von der Besetzung frei werden. Finanzminister Clementel. WTB Paris, 21. August.(Drahtb.) Im Generalrat des Departements Pays de Dore erklärte gestern der Vorsitzende Finanzminister Clementel in einer Rede im Hinblick auf die Londoner Konferenz unter anderm, die Abmachungen über die Räumung des Ruhrgebietes Iwischen Himcer und Erde. 44) Roman von Otte Ludwig. Die Verständigeren lächelten, darüber, konnten sich aber selbst des Dranges nicht erwehren, ihre innerliche Beklemmung in entsprechende Bilder von etwas äußerlich drohend Bevorstehendem zu kleiden Den ganzen Tag hatten sich dunkle Wolken übereinander gebaut von entschiedener Zeichnung und Farbe, als sie der Winterhimmel sonst zu zeigen pflegt. Ihre Schwärze hätte unerträglich grell von dem Schnee abstechen müssen, der Berge und Tal bedeckte und wie ein Zuckerschaum in den blätterlosen Zweigen hing, dämpfte nicht ihr Widerschein den weißen Glanz. Hier und da dehnte sich der feste Umriß der dunklen Wolkenburg in schlappen Busen herab. Diese trugen das Ansehen gewöhnlicher Schneewolken, und ihr trübes Rötlichgrau vermittelte die Bleischwärze der höheren Schicht mit dem schmutzigen Weiß der Erde und seinen schwärzlichen Scheinen Die ganze Masse stand regungslos über der Stadt. Die Schwärze wuchs. Schon zwei Stunden nach Mittag war es Nacht in den Straßen. Die Bewohner der Untergeschosse schlossen die Läden; in den Fenstern der höheren Stockwerke blitzte Licht um Licht auf. Auf den Plätzen der Stadt, wo ein größeres Stück Himmel zu übersehen war, standen Gruppen von Menschen zusammen und sahen bald nach allen Seiten aufwärts, bald sich in die langen, bedenklichen Gesichter. Sie erzählten sich von den Raben, die in großen Zügen bis in die Vorstädte hereingekommen waren, zeigten auf das tiefe, unruhige, stoßende Geflatter der Dohlen um Sankt Georg und Sankt Nikolaus, sprachen von Erdbeben, Bergstürzen, wohl auch vom jüngsten Tage. Die Mutigeren meinten, es sei nur ein starkes Gewitter. Aber auch das schien bedenklich genug. Der Fluß und der sogenannte Feuerteich, dessen Wasser auf unterirdischen Wegen augenblicklich jedem Teile der Stadt zugeleitet werden konnte, waren beide gefroren. Manche hofften, die Gefahr werde vorübergehen. Aber so oft sie hinaufsahen, die dunkle Masse rückte nicht von der Stelle. Zwei Stunden nach Mittag hatte sie schon so gestanden; gegen Mitternacht stand sie noch unverändert so. Nur schwerer, schien es, war sie geworden und hatte sich tiefer herabgesenkt. Wie sollte sie auch rücken? da nicht ein leiser Lufthauch auf den Flüggeln war, Und solche Masse zu zerstreuen und fortzuschieben, hätte es einer Windsbraut bedurft. Es schlug Zwölf vom Sankt Georgenturm. Der letzte Schlag schien nicht verhallen zu können. Aber das tiefe, dröhnende Summen, das so lange anhielt, war nicht mehr der verhallende Glockenton. Denn nun begann es zu wachsen; wie auf tausend Flügeln kam es gerauscht und geschwollen und stieß zornig gegen die Häuser, die es aufhalten wollten, und fuhr pfeisend und schrillend durch jede Oeffnung, die es traf; polterte im Hause umher, bis es eine andere Oeffnung zum Wiederherausfahren fand; riß Läden los und warf sie grimmig zu; quetschte sich stöhnend zwischen nahestehenden Mauern hindurch; pfiff wütend um die Straßenecken; zerlief in tausend Bäche; suchte sich und fuhr klatschend wieder zusammen in einen reißenden Strom; fuhr vor grimmer Lust herab und hinauf; rüttelte an allen Festen; trillte mit wildspielendem Finger die verrosteten Wetterhähne und Fahnen und lachte schrillend in ihr Geächze; blies den Schnee von einem Dach aufs andere, fegte ihn von der Straße, sagte ihn an steile Mauern hinauf, daß er vor Angst in alle Fensterritzen kroch, und wirbelte ganze tanzende Riesentannen aus Schnee geformt vor sich her. Dan man ein Gewitter voraussah, war alles in den Kleidern geblieben. Die Rats= und Bezirks=Gewittemnachtwachen, sowie die Spritzenmannschaften waren schon seit Stunden beisammen. Herr Nettenmair hatte den Sohn nach der Hauptwachtstube im Rathause gesandt, um da seine, des Ratsschieferdeckermeisters Stelle zu vertreten. Die zwei Gesellen saßen bei den Turmwächtern, der eine zu Sankt Georg, der andere zu Sankt Nikolaus. Die übrigen Ratswerkleute unterhielten sich in der Wachtstube, so gut sie konnten. Der Ratsbauherr sah beksimmert auf den brütenden Apollonius. Der fühlte des Freundes Auge auf sich gerichtet und erhob sich, seinen Zustand zu verbergen. In dem Augenblick brauste der Sturmwind von neuem in den Lüften daher. Auf dem Rathausturme schlug es Eins. Der Glockenton wimmerte, in den Fäusten des Sturms, der ihn mit sich fortriß in seine wilde Jagd. Apollonius trat an ein Fenster, wie um zu sehen, was es draußen gebe. Da leckte eine riesige, schwefelblaue Zunge herein, bäumte sich zitternd zweimal an Ofen, Wand und Menschen auf und verschlang sich spurlos in sich selber. Der Sturm brauste fort; aber wie er aus dem letzten Glockenton von Sankt Georg geboren schien, so erhob sich jetzt aus seinem Brausen etwas, das an Gewalt sich so riesig über ihn emporreckte, wie sein Brausen über den Glockenton. Eine unsichtbare Welt schien ihn in den Lüften zu zertrümmern. Der Sturm brauste und pfiff wie mit der Wut des Tigers, daß er nicht vernichten konnte, was er packte; das tiefe, majestätische Rollen, das ihn überdröhnte, war das Gebrüll des Löwen, der den Fuß auf dem Feinde hat, der triumphierende Ausdruck der in der Tat gesättigten Kraft. „Das hat eingeschlagen,“ sagte einer. Apollonius dachte wenn es in den Turm schlüge von Sankt Georg, dort in die Lücke und ich müßte hinauf und es schlüge Zwei und— Er konnte nicht ausdenken. Ein Hilfegeschrei, ein Feuerruf erscholl durch Sturm und Donner.„Es hat eingeschlagen,“ schrie es draußen auf der Straße.„Es hat in den Turm von Sankt Georg geschlagen. Fort nach Sankt Georg! Jo! Hilfel Feuersol Auf Sankt Georg! Jol. Feuerso auf dem Turm von Sankt Georg!“ Hörner bliesen, Trommeln wirbelten darein. Und immer der Sturm und Donner auf Donner. Dann rief es:„Wo ist der Nettenmair? Kann einer helfen, dann ist es der Nettenmair! Jol Feuerso! Auf Sankt Georg! Der Nettenmair! Wo ist der Nettenmair, Jol Feuerso! Auf dem Turm zu Sankt Georg!“ Der Bauherr sah Apollonius erbleichen, seine Gestalt noch tiefer in sich zusammensinken, als seither. „Wo ist der Nettenmair?“, rief es wieder draußen. Da schlug eine dunkle Röte über seine bleichen Wangen und seine schlanke Gestalt richtete sich hoch auf. Er knöpfte sich rasch ein, zog den Riemen seiner Mütze fest unter dem Kinn.„Bleib ich“, sagte er zu dem Bauherrn, indem er sich zum Gehen wandte, „so denkt an meinen Vater, an meines Bruders Weib und seine Kinder.“ Der Bauherr war betroffen. Das „Bleib ich“ des jungen Mannes klang wie:„Ich werde bleiben“. Eine Ahnung kam dem Freunde, hier sei etwas, was mit dem Seelenheil Apogonius zusammenhänge. Aber der Ausdruck seines Gesichtehatte nichts mehr von den Leiden; er war weder ängstlich noch wild. Durch Sorge und Schrecken hindurch fühlte der wackere Mann etwas wie freudige Hoffnung. Es war der alte Apollonius wieder, der vor ihm stand. Das war ganz die ruhige, bescheidene Entschlossenheit wieder, die ihn beim ersten Anblick dem jungen Mann gewonnen hatte.„Wenn er so bliebe!“ dachte der Bauherr. Er hatte nicht Zeit, etwas zu erwidern. Er drückte ihm die Hand. Apollonius empfand alles, was der Händedruck sagen wollte. Wie ein Mitleid zog es über sein Gesicht hin mit dem wackern Alten, wie Mißbilligung, daß er dem braven Alten Schmerz genacht, und ihm noch mehr Schmerz machen wollen. Er sagte mit seinem alten Lächeln: „Auf solche Fälle bin ich immer bereit. Aber es gilt Eile. Auf frohes Wiedersehen!". Der schnellere Apollonius war dem Bauherrn bald aus den Augen. Auf dem ganzen Wege nach Sankt Georg, unter dem Geschrei, den Hörnern und Trommeln, Sturm und Donner, sagte der Bauherr immer vor sich hin:„Entweder sehe ich den braven Jungen nie wieder, oder er ist gesund, wenn ich ihn wiedersehe". Er legte sich nicht Rechenschaft ab, wie er zu dieser Ueberzeugung kam. Hätte er es auch sonst gekonnt, es war nicht Zeit dazu. Seine Pflicht als Ratsbauherr verlangte den ganzen Mann. Der Ruf:„Nettenmair! Wo ist der Nettenmair,“ tönte dem Gerufenen auf seinem Wege nach Sankt Georg entgegen und klang hinter ihm her. Das Vertrauen seiner Mitbürger weckte das Gefühl seines Wertes wieder in ihm auf. Als er, aus der Fremde zurückkehrend, die Heimatsstadt vor sich liegen sah, hatte er sich ihr und ihrem Dienste gelobt. Nun durfte es sich zeigen, wie ernst gemeint sein Gelübde, war. EE(Fortsetzung folgt.) seien ein regelrechter Friedensvertrag insofern, als sie aus freie. Stücken zustandegekommen seien. Man habe es hier mit etwas mehr als mit der Regelung von Reparationen zu tun. Es handle sich eine Kundgebung des einmütigen Willens nationaler Eintracht. Die moralischen Kräfte, die die Alliierten veranlaßt hätten, sich zusammenzuschließen, würden sich. gegen neue Angriffe behilflich sein. Deshalb habe die französische Abordnung die größten Anstrengungen gemacht, um Frankreich auf den Boden des Rechtes zurückzuführen und ihm sein wahres geschichtliches Gesicht wiederzugeben. Aus diesem Grunde habe Herriot in seiner Rede die Ergebnisse der Konferenz mit der Devise der französischen Republik gekennzeichnet: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Erklärungen des Schatzkanzlers Snowden. WTB London, 21. August.(Drahtb.) Schatzkanzler Snowden erklärte gegenüber einem Vertreter des Daily Telegraph im Zusammenhang mit seinem Interview und den daran geknüpften Schlußfolgerungen, er sei lächerlich, auch nur einen Augenblick zu glauben, daß zwischen ihm und dem Premierminister oder überhaupt innerhalb des Kabinetts irgendwelche Reibungen beständen. Seine Ansicht bezüglich des Planes eines Handelsvertrages zwischen Frankreich und Deutschland bedeute nicht, daß er sich in einem Konflikt mit Macdonald befinde. Tatsächlich habe er die Frage bisher weder mit dem Premierminister noch mit sonst irgendeinem Kabinettsmitgliede erörtert. Nach seiner Ueberzeugung könne es darüber überhaupt keinerlei verschiedene Meinung innerhalb des Kabinetts geben. An und für sich hätten zwei Natiomen das volle Recht, miteinander jeden Handelsvertrag abzuschließen, aber in diesem Falle würde die britische Textil= und Eisenindustrie so schwer getroffen werden, daß die britische Regierung genötigt wäre, sich mit der Angelegenheit zu befassen. An den genannten Industrien interessierte Persönlichkeiten hätten bei ihm ernsteste Vorstellung erhoben. Man könne lediglich hoffen, daß Deutschland einem solchen Vertrage nicht zustimmen werde. Snowden führte aus, es sei ein offenes Geheimnis, daß er mit gewissen Bedingungen, die Deutschland anzunehmen gezwungen war, nicht einverstanden gewesen, aber das bedeute keine Spaltung im Kabinett. Der Erfolg des Dawesplanes hänge vollständig von dem Geiste ab, in dem er ausgeführt werde. Die Londoner Ronferenz. Von besonderer Seite wird uns aus Berlin geschrieben: Die deutschen Delegierten der Londoner Konfennnz haben in den letzten Tagen den politischen und parlamentarischen Vertretern eingehende Mitteilungen über ihre Erfahrungn, sowie über ihre Wirksamkeit in London gemacht. Von maßgebenher Seite wird dabei ganz besonderer Wert auf die Feststellung gelegt, daß tatsächlich die Londoner Konferenz die erste war, die diesen Namen verdiente. Es wird allgemein bestätigt, daß wirklich auf dem Boden voller Gleichberechtigung verhandelt worden ist, und daß die Dele=, gierten auch persönlich und amtlich stets als volle Gleichberechtigte behandelt wurden. Schon aus der Tatsache, daß die Verhandlungen 14 Tage dauerten, und daß während dieser Zeit ununterbrochen amtliche und persönliche Beziehungm zwischen allen führenden Persönlichkeiten herrschten, ist besonders hervorzuhe ben. Auch die Verhandlungsformen haben sich in durchaus korrekter Weise, teilweise sogar fteundlich und freundschaftlich abgespielt. Der ruhigen Ueberlegung der deutschen Vertreter stand die Lebhaftigkeit insbesondere der französischen Vertreter, gegenüber, aber immer wurde der Ausgleich gefunden. Durch das Auftreten der deutschen Delegation, insbesondere durch das sofortige Aufwerseen der von dem Konferenzprogramm offiziell ausgeschlossenen Räumungsfrage wurde nicht nur bewirkt, daß die ganzen, in den vorangangenen 14 Tagen zwischen den Alliierten geführten Verhandlungen von neuem angefangen und wieder aufgmommen werden mußten, sondern es kam auch dahin, daß, trotz der gegenteiligen Beschlüsse der Alllierten die Räumungsfrage seller immer mehr in den Mittelpunkt der Verhandlungen rückte. Die Delegierten hatten weiter aber auch bei den Verhandlungen den Eindruck, daß tatsächlich ein neuer Geist obwaltete. Herriot wird als ein Mann von zweifellos sehr hohen Idealln geschildert, der auch alle Kraft daran setzt, um das, was er sich vorstellt, zu erreichen zu suchen, und alle Teilnehmer hatten auch den Eindruck, daß man diesem Mann durchaus Vertrauen schenken könne. Wie enge das gegenseitige Vertrauensverhältnis durch den persönlichn Verkehr sich gestaltet hat, mag auch aus der Tatsache sich ergeben, daß bei der letzten Zusammenkunft zwischen Marx und Herriot, der Reichskanzler dem französischen Ministerpräsidenten sagte, er würde nun von jetzt ab, falls irgendwelche Beschwerden über die Besatzung an ihn herankämen, sofort persönlich an Herriot schreiben, und ihn um Abstellung der Klagen ersuchen. Herriot hat bereitwillig dieses Anerbieten angenommen. Es zeigt sich überhaupt, daß Herriot, ebenso wie Macdonald gar keine Freunde von diplomatischen und bürokratischen Formeln sind, daß sie am liebsten auf allen unnötigen Notenwechsel verzichten und die Dinge in gegenseitigem Einvernehmen zu regeln suchen. Die Arbeit innerhalb der deutschen Delegation hat sich, man muß das sagen, weil verschiedentlich gegenteilige Mitteilungen in der Presse zu lesen waren,— in jeder Epoche der Verhandlungen durchaus harmonisch und einmütig gestaltet. Es hat innerhalb dieser Delegation über die Grundfragen, um die es sich handelte, überhaupt keine Meinungsverschiedenheiten gegeben. Auch alle übrigen, im Verlauf der Konferenz aufgetauchten Mtteilungen von Konflikten zwischen den deutschen und den alltierten Delegierten werden von unseren Londoner Vertretern als absolut in das Reich der Fabel gehörig verwiesen. Im ganzen sind die deut'chen Delegierten demnach von der Aufnahme, die sie in London gefunden haben, von der Art, wie man mit ihnen verhandelte, und von der Bewegungsfreiheit, über die sie verfügten, auch von der Möglichkeit, den deutschen Standpunkt energisch zu vertreten, durchaus befriedigt. Sie legen entscheldendes Gewicht auf die Feststellung, daß in keinem Augenblick der Verhandlungen semals von einem Ultimatum die Rede war. Der in der Räumungsfrage von den englischen und amerikanischen Vertretern bei der deutschen Delegation unternommene Schritt sei nicht als der Versuch eines Druckes anzusehen. Diese Vertreter hätten die deutsche Dele3. Tagung des Sauerländer Heimatbundes. (Eigener Spezialbericht.) Attendorn, 25. Aug. Der Heimalgedanke hat im Sauerlande festen Fuß gefaßt. Einen machtvollen Beweis hierfür bieten die trotz des ungünstigen Wetters glanzvoll verlaufenen zwei ersten Tage der 3. Tagung des Sauerländer Heimatbundes. zu der unsere Stadt schon seit Wochen gerüstet. Attendorn, das über eine alte glänzende Tradition verfügt, in dem so viele Zeichen einer großen Vergangenheit zu findm sind und dessen Burgerschaft trotz eines gesunden modernen Geistes doch alte Heimatsitten und Gebräuche pietätvoll und mit innerer Seele pflegt, dessen Söhne, obwohl sie weit in der Welt herumkommen, doch den Gedanken der Heimat und den Zusammenhang mit der Heimat stets gepflegt haben, hatte würdig alle Vorbereitungen getroffen, um dieser dem Belebung und Vertiefung des Heimalgedankens im ganzen Sauerlande dienenden Tagung des Heimarbundes einen würdigen Rahmen zu geben. Obgleich das Wetter wirklich nicht einladend war und St. Petrus die Wasserengelein recht tüchtig schaffen ließ, waren eine gar stattliche Anzahl Sauerländer aus allen Ständen und Berufskreisen herbeigeeilt, um hier in emisten Beratungen sich auszuserechen, wie der durch den modernen Zeitgeist so bedrohte Heimatgeist, die Liebe zu heimischen Bergen und Wäldern, die Pflege alten vielbewährten sauerländischen Wesens, die gute Tradition der wackeren, prächtigen Vorfahren, wie Heimatsinn und Heimatbegeisterung in dem kernigen Stamm der Sauerländer gepflegt und gefördert werden könne, wie die Treue zu echt heimischem Wesen erweckt und gestärkt werden könne, wie all die herrlichen Kräfte, die im Heimatboden schlummern nutzbar gemacht werden können für das Innenlehen der Einzelnen und damit zur Gesundung der engeren Volksgemeinschaft und darüber hinaus zum Wiederaufbau unseres schwergeprüften Vaterlandes. Die Liebe zur engeren Heimat ist die Voraussetzung zu einer wirklich lief begründeten Vaterlandsliebe, die gerade in den Sturmtagen unserer Zeit uns doppelt not tut. Sie erwächst aber nur aus dem innigen Versenken in die Heimat mit ihren landschaftlichen Reizen und ihrer großen Vergangenheit, in das innerste Wesen der Menschen, die diese Täler und Höhen bevölkern, mit denen uns zahlreiche Bande des Blutes, Leid und Freude. Jahrhunderte alte Tradition sinnreicher heimischer Sitten und Gebräuche verknüpfen. Durch pietvolle Pflege dieser von den Vätern überkommenen Traditionen insbesondere durch die Pflege der heimatlichen Sprache mit ihrer Eigenart wie auch ihres Humors und Witzes wird das Zauberband der Heimat um alle eng geschlungen. Daß dieser alte echte Sauerländer Heimatsinn lehendig ist, wurde in diesen Tagen dadurch bewiesen, daß weither die Sauerländer Söhne zahlreich erschienen waren. Besonders stattlich waren der Klerus und die anderen Akademiker erschienen. Gar viele, welche in dem Wirtschaftsherzen Deutschlands, der Mark und dem Industriebezirk, im Paderborner= und Münsterlande beruflich wirken, waren herbeigeeilt, um zu zeigen, wie eng ihnen die Heimat, die Stätte ihrer Kindheit, aber auch heimisches Wesen am Herzen liegt. Gerade die Teilnahme der Gebildeten war besonders erfreulich. Zeigt sie doch, daß die Bestrebungen u. Ideale des Heimatbundes immer mehr Wurzel schlagen u. Boden gewinnen. Auch„von höchster kirchlicher wie staatlicher Stelle sind die Ziele dieser Bewegung von neuem in diesen Tagen wieder lobend anerkannt. Der Paderborner Diözesanbischof Dr. Kaspar Klein, selbst ein Sohn unserer sauerländischen Berge, war zwar durch dringende geistliche Pflichten am Erscheinen verhindert, aber durch ein sehr herzlich gehaltenes warmes Schreiben zeigte er sein reges Interesse an der Tagung. Generalvikar Domkapitular Professor Rosenberg, ein Olper Kind, brachte durch seine humorvolle, in prachtvollem Olper Platt gehaltene Ansprache, die den tiefsten Kern und das wahre Ziel der Heimatbewegung plastisch herausschälte und die volle kirchliche Billigung sowie die hohe Bedeutung des Heimatbundes kräftig betonte, eine urwüchsige, echt gemütliche Stimmung hervor. Die hohe vaterländische Bedeutung der Heimatbewegung wurde stark hervorgehoben durch die persönliche Teilnahme des Oberpräsidenten, unserer Heimatprovinz, Gronowski, sowie durch die Teilnahme von Vertretern der Arnsberger Regierung sowie der Spitzen der sauerländischen Kreise, von denen wir u. a. Landrat Dr. Freusberg-Olpe bemerkten. Auch der parlamentarische Vertreter des Sauexlandes, Abg. Schmelzer, ein alter Sauerländer von echtem Schrot und Korn, der mit allen Fasern seines ganzen Wesens und Herzens in den heimischen Bergen und Tälernverankert ist, der Sauerländer Charakter Menschen und Berge durch und durch kennt, hatte es sich nicht nehmen lassen, an diesem Hochfest des sauerländischen Heimalgedankens Teil zu nehmen. Der rührige Hauptvorstand und die emsige Ortsgruppe Attendorn hatten für diese Tagung eine Riesenarbeit geleistet, für die ihnen nun ein voller Erfolg beschieden war. Die großen Schwierigkeiten der Beherbergung der auswärtigen Gäste wurde durch die Gastfreundschaft und das Entgegenkommen der Attendorner Bürgerschaft glatt überwunden. Der Verlauf der Tagung. Nach vorangegangenen Besprechungen des Hauptvorstandes mit dem Vorstand der Ortsgruppe Attendort fand am Samstagabend die Begrüßungsversammlung in der Schützenhalle statt. Nach einem schneidigen Marsch der Attendorner Musikkapelle sprach in Verhinderung des Vorsitzenden der Ortsgruppe Attendorn Stadtrentmeister Hüttemann kurze Worte der Begrüßung in sauerländischer Mundart. Stadtverordnetenvorsteher Professor Kalbfleisch entbot den Willkommensgruß in beredten Worten. Die Aufgabe, das Gut der Heimatliebe neu zu gründen, sei gerade in der gegenwärtigen traurigen materiellen Zeit besonders hoch zu werten, ebenso die Pflege des Familiensinns, da rechter Familiensinn das Volk zum Glücke führe. Heimatliebe sei zugleich Vaterlandsliebe, sie helfe das Vaterland wieder emporbringen. Die Stadt Attendorn als Tagungsort zu bestimmen, sei vom Heimalbund gewiß keine schlechte Wahl gewesen. Attendorn habe stets, wie nicht manches Städtchen, große Heimatliebe gezeigt, in letzter Zeit z. B. wieder durch die kostspielige Wiederherstellung der Pfarrkirche und durch die Errichtung des Denkmals für die gefallenen Krieger. Dann wurde Attendorn in Wort und Bild vor Augen geführt. Vikar Schelle verstand es, die wichtigsten Marksteine aus der reichen Geschichte Attendorns Ereignisse und Wendepunkte, Aufstieg und Niedergang in aller Kürze lebendig vorzutragen. Er zeigte, wie Attendorn auch in Zeiten des Zerfalls seine, alten Sitten und Gebräuche bewahrt habe. Er erinnerte z. B. nur an die alte, erhebende Feier des Östertages, die sowohl den Einheimischen wie den Fremden tief ergreift und ihn immer wieder zu Ostern nach Attendorn zurückkehren läßt, an die sogen. Heiligentracht(Feldprozession), an das Festhalten der Attendorner an den Zünften, an den Patronatsfesten, sowie am Trillertanz. Die Stadt Attendorn, umgeben von einem Lindenkranz, von den Bergen in malerischer Pracht und mit den sonstigen Schönheiten der Umgebung, wie der herrlichen Burg Schnellenberg, der schönen Domäne Ewig und dem idyllischen Waldenburg, sei aber so recht dazu angetan, die Einwohner seelisch mit ihr zu verbinden, das Leben des Gemütes und der Seele zu pflegen. Warm warh der Redner für die Erhaltung der dem Verfall nahen, architektonisch, historisch und kunstgeschichtlich wertvollen Burg Schnellenberg. Er schloß seine vorzüglichen Ausführungen, für die ihm reicher Beifall zuteil wurde, mit den Worten des Stadtliedes:„Zum Feste unserer Stadt soll hoch mein Lied erklingen, wer Heimatstolz im Herzen hal, stimm ein mit hellem Singen. Gibt's Städte auch, die mehr genannt, die andern mehr gefallen: ich lieb im deutschen Vaterland mein Attendorn vor allem.“ Feinsinnig interpretierte er die Lichtbilder aus Attendorns Vergangenheit und Gegenwart von Schnellenberg und Ewig. Lebhaftes Interesse erweckten die zahlreichen alten und wertvollen Kunstgegenstände der Pfacrkirche, von denen ein großer Teil in der Kunstausstellung im Gymnasium zu sehen ist. Schon aus diesem Grunde möchten wir jedem den Besuch der gediegenen Ausstellung empfehlen Die Gesangvereine „Mänergesangverein",„Sauerlandia" und„Cäcilia“ trugen je 2 schöne Volkslieder vor, von denen die von der„Cäcilia" vorgetragenen besonders lobend hervorgehoben zu werden verdienen. Gerade im Volksliede kommt der Heimatgedanke so recht urwüchsig zum Ausdruck. Seine Pflege wäre sicher eine kräftige Unterstützung der ganzen Heimalbewegung. Gute Ke zertvorträge der Musikkapelle schufen einen würdigen musikalischen Rahmen dieses harmonisch verlaufmen Abends. Der Vorsitzende des sauerländischen Heimatbundes Dr Schauerte, führte in der Schlußansprache aus, ein Stück Geschichte Attendorns, der ältesten Stadt des Sauerlandes, sei an unserem Auge vorbetgegangen. Attendorn habe seine sauerländische Art bewahrt. Für die gastliche Aufnahme, die die Fremden gefunden, für die gute Vorbereitung der Veranstaltung dankte er der Attendorner Ortsgruppe und sprach den Wunsch für einen erfolgreichen Verlauf dieser so schön begonnenen Tagung zum Nutzen unserer Heimat aus. Sonntagmorgen um 9 Uhr fand in den beiden Pfarrkirchen Festgoktesdienst statt. Die kath. Pfarrkirche war überfüllt, sollte ja die lange sehnsüchtig erwartete Orgel heute ihrer Bestimmung übergeben werden. Als zum erstenmale ihre wuchtigen Akkorde erklangen, schlug das Herz der Attendorner Katholiken höher, andachtsvolle Stimmung erfaßte alle. Die neue Orgel wurde gemeistert von Misikdirektor Montag aus Dortmund. Die Festpredigt hielt Kapuzinerpater Dr. Chrysostomos aus Münster. Seine rhetorisch prachtvollen, inhaltlich tiefen fesselnden und packenden meisterhaften Ausführungen gipfelten darin, der Heimatbund habe sich die Förderung der christlichen Kultur zum obersten Grundsatz gemacht Die Ideale des Heimatbundes seien ohne Anlehnung an die Religion nicht zu verwirklichen. Er solle die Heimat schützen gegen alle infolge der wirtschaftlichen Entwickelung von auswärts eindringenden, die christliche Sitte gefährdenden Einflüsse, denen besonders die Jugend, das kommende Geschlecht ausgesetzt sei. Das Levitenhochamt, welches von Dechant Hillebrandt zelebriert wurde, verschönte der Pfarrkirchenchor durch die sehr gut eingeübten und ebensogut vorgetragenen Gesänge. Der für 10.30 Uhr angesagte Trillerkanz mußte, weil der Gottesdienst erst um 10.45 Uhr zu Ende war, etwas verschoben werden. Der Marktplatz, welcher von Polizei und Feuerwehr abgesperrt war, wurde von einer großen Menschenmasse umsäumt, obgleich viele Attendorner, der Aufforderung des Heimatbundes folgend, diesesmal, wenn auch sehr ungern, nicht erschienen waren. Schon von 9 Uhr ab sammelten sich die Schaulustigen an. Für die geladenen Ehrengäste war vor dem Amtsgerichtsgebäude eine Tribüne aufgestellt. Wir bemerktm u. a. den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Gronowski aus Münster, den Vertreter des Regierungspräsidenten zu Arnsberg, Landrat Dr. FreusbergOlpe usw. Auf den Trillertanz, die bedeutsame Ansprache des Oberpräsidenten Gronowski beim Frühschoppen sowie auf die Veranstaltungen des Sonntagnachmittags die großartige kirchen-musikalische Festandacht vor ausgesetztem Allerheiligsten in der Pfarrkirche, die Festversammlung im Schützenhause, mit ihren mannigfachen, viel Anregung bietenden u. praktische Fingerzeige weisenden Vorträgen, sowie auf die echten, reinen, urwüchsigen sauerländischen Humor bergenden wahre Stürme von Lachsalven entfesselnden Aufführungen der Theaterstücke„Dei nigge Fürster" und„De 5 Koppelschmid“ kommen wir noch ausführlich zurück. gation vielmehr förmlich beschworen, doch wegen der Frage der Räumungsfristen die Konferenz nicht scheitern zu lassen. Man stellte dabei positive Erklärungen Frankreichs, ferner die Garantieerklärung Englands in Aussicht. Und dazu kam, daß auf deutsche Anregung hin Macdonald in seiner offiziellen Schlußansprache auch die Räumungsfrage erwähnte, so daß damit diese Anführungen in das offizielle Protokoll kamen. Obwohl also die Räumungsfrage von dem offiziellen Programm der Konferenz ausgeschaltet war, ist sie auf diese Weise trotzdem zu einem Bestandteil der offiziellen Verhandlungen gemacht worden. Die feierliche Erklärung Macdonalds am Schlusse der Konferenz ist damit auch zu einem Bestandteil des Schlußprotokolls selber gemacht worden, und das, ohne daß von girgend einer Seite Widerspruch dagegen erhoben wurde. Die deutschen Vertreter glauben mit dem, was sie von London mitgebracht haben, vor dem Reichstag, wie überhaupt vor der öffentlichen Kritik in Ehren bestehen zu können. Herriot in der französischen Kammer. WTB Paris, 22. August.(Drahtb.) In der heutigen Nachmittagssitzung der Kammer sprach der sozialistisch=republikanische Parteiangehörige Dutreil. Als er auf die Besetzung des Ruhrgebiets zu sprechen kam und ausführte, daß der Ruhreinbruch zur Erzwingung von Reparationen und nicht wegen der Sicherheitsfrage erfolgt sel, griff Herrlot ein und erklärte, sein Leitgedanke in London sel gewesen, Frankreich auf den Boden des Rechts zu stellen, was gleichbedeutend sei damit, Frankreichs Sicherheit zu verbürgen. Er spreche nicht als Idealist, sondern eingedenk der Lehren des Krieges, die so viele vergessen hätten. General Calles in Berlin. Berlin, 28. August.(Drahtb.) Gestern mittag 1,30 Uhr traf lauf dem Lehrter Bahnhof mnit dem Sonderzug aus Hamburg kommend der Präsident der Vereinigten Staaten von Mexiko, General Calles ein. In seiner Begleitung befanden sich sein Sohn, seine beiden Töchter und seine Schwägerin, sowie sein persönlicher Adjutant. Nach feierlicher Begrüßung durch die deutsche Reichsregierung und die Spitzenbehörden der Stadt Berlin schritt Präsident Calles mit Reichspräsident Ebert unter den Klängen der mexikanischen Nationalhymne die Front der in der Bahnhofshalle aufgestellten Ehrenkompagnie der Reichswehr ab. Hierauf erfolgte durch den Präsidenten die Begrüßung der Erschienenen, insbesondere der mexikanischen Kolonie in Berlin, die sich mit Blumen und Fahnen zahlreich eingefunden hatte. Neben dem Reichspräsidenten sah man beim Empfang Reichskanzler Marx, Reichsaußenminister Dr. Stresemann, Ministerpräsident Braun, Staatssekretär Freiherr v. Maltzahn, Oberbürgermeister Boeß, Polizeipräsident Richter, verschiedene Herren des Auswärtigen Amtes, dann die mexikanischen Gesandten in Berlin Minister Ortis=Rubic und Konsul Ada Lid. Die Beamten der Diplomatie und konsularischen Vertretung Mexikos in Berlin waren ausnahmslos erschienen, um das mexikanische Staatsoberhaupt zu begrüßen. In der Bahnhofshalle und vor dem Bahnhof hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden. Der mexikanische Präsident und seine Begleitung haben im Edenhotel Wohnung genommen. General Calles beim Reichspräsidenten. WTB Berlin, 22. August.(Drahtb.) Im Laufe des Nachmittags stattete Präsident Calles dem Reichspräsidenten einen Besuch ab Am Abend fand zu Ehren des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Mexiko beim Reichspräsidenten ein Essen statt, an dem außer dem Präsidenten Calles, seiner Familie und seiner Begleitung die mexikanischen Gesandten in Berlin, Christiania und Brüssel, ferner der Reichskanzler und die Reichsminister, der Vizepräsident des Reichstags Dr. von Rießer, der preußische Ministerpräsident, der Bürgermeister der Freien und Hansastadt Hamburg, der Oberbürgermeister von Berlin, sowie führende Vertreter des deutschen Wirtschaftslebens, der Kunst und Wissenschaft mit ihren Damen teilnahmen. Während der Tafel hielt Reichspräsident Ebert eine Ansprache, in der er unter anderm ausführte, es sei das erste Mal, daß das Staatsoberhaupt von Mexiko Deutschland besuche als sinnfälligen Ausdruck für die traditionelle, in schwerster Zeit bewährte Jreundschaft der beiden Völker. Der Besuch falle in eine Zeit, in der das deutsche Volk nach schweren Prüfungen in harter Arbeit versuche, sein nationales Leben wiederaufzubauen auf den hohen Prinzipten der Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit für alle Schichten. Zahlreiche Deutsche hätten in Mexiko ihre zweite Heimat gefunden, wo es ihnen gelungen sei, sich die Wertschätzung des mexikanischen Volkes zu erwerben. Deutschland habe in einer Zeit der schwersten Not ungezählte Beweise von Liebe erhalten. Diese Hilfsbereitschaft der weitesten Kreise des mexikanischen Volkes für die Notleidenden in Deutschland sei ein weiteres unzerstörbares Glied der Kette geworden, die über das Weltmeer hinweg die beiden befreundeten Nationen verbinde. Der Reichspräsident schloß:„Wit bringen dem mexikanischen Volke unsere besten Wünsche für eine gesegnete Zukunft dar. Daran reihen sich die Gefühle aufrichtigster Werrschätzung für den Mann, der zurzeit seine Geschicke leitet, und denjenigen, der zu seiner Führung in naher berufen ist. Indem ich Sie, sehr geehrter Herr Präsident, und Ihre Familie nochmals in Deutschland willkommen heiße, erhebe ich mein Glas auf das Wohl des mexikanischen Volkes und seiner erwählten Vertreter, des Herrn Präsidenten Obregon und Eurer Exzellenz.“ Präsident Calles erwiderte darauf in spanischer Sprache u. a., wenn sein Besuch auch keinen offiziellen Charakter habe, so nahm er doch die Ehrungen, die ihm dargebracht wurden an als für sein Volk geltend, und er werde sich nicht nur durch die alten Bande der Freundschaft mit Deutschland verbunden fühlen, sondern auch durch die gemeinsamen demokratischen Prinzipien, die Grundlage seines politischen Lebens Mexiko arbeite ebenso wie Deutschland nach einer langen harten Zeit der Prüfungen, um sein nationales Leben auf der Grundlage der nationalen Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit für alle Volksschichten wiederaufzubauen. General Calles dankte dann dem Reichspräsidenten für das Gedenken an den gegenwärtigen mexikanischen Präsidenten, General Obregon und schloß:„Ich erhebe mein Glas, Herr Präsident, auf das Wohlergehen des deutschen Volkes, auf das persönliche Wohlergehen Eurer Exzellenz und auf das Wohl aller Männer, die innerhalb und außerhalb der Regierung zu dem von Deutschland unternommenen Werke beitragen. Soziales. Die Septembermiete. Wie das Zentralwohnungsamt mitteilt, beträgt auf Grund einer Anordnung des Ministers für Volkswohlfahrt die gesetzliche Miete für September wie im Vormonat 62 Prozent der Friedensmiete. Ortsnachrichten aus dem Kreise Gipe. die Feier des St. Rochusfestes ist für die Bewohner von Olpe aufs engste verknüpft mit dem Schicksal ihrer Stadt. Sie ist ein Stück Geschichte unserer engeren Heimat. Erinnert doch der St. Rochustag den Olper an die schweren Zeiten der hartnäckigen Pestseuche, wie sie im 17. Jahrhundert dreimal und zwar 1614, 1636 und zum letztenmale in den Jahren 1665—66 über unsere Stadt hereinbrachen. Bereits lange vor dem Bau der Rochuskapelle befand sich in der alten Pforrkirche ein Altar, zu Ehren des hl. Rochus erbaut, des Heiligen, der im katholischen Volke als Schutzpatron gegen Pest und ähnliche ansteckende Krankheiten verehrt wird und der an manchen Orten der Pflege der Pestkranken oblag. Unsere Vorfahren setzten ein so festgegründetes Vertrauen in die Macht des Heiligen, daß sie ihm zu Ehren eine Kapelle erbauten und gelobten,„darin zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria forth allen Heiligen und bevorab ihres Patroni des hl. Rochi auf deßelben Festtag jährlich das unblutige Opfer des hochwürdigsten Sakrament des Altars aufopfern laßen,“ wie das Gelübte an einer Stelle sagt. Getreu der nun bereits zweieinhalb Jahrhunderte alten Tradition zog gestern morgen 9.15 Uhr die Prozession mit dem Allerheiligsten aus zur Rochuskapelle. Recht ansehnlich war die Zahl der frommen Waller, unter denen wir auch den Generalvikar unserer Diözese Domkapitular Prof. Rosenberg, einen Sohn unserer Stadt, bemerkten, die dort im Freien auf der Anhöhe unter 100jährigen Linden sich scharten, um andächtig dem Meßopfer beizuwohnen und die Worte ihres Pfarrers zur Seele dringen zu lassen. Liebe, das sei der edle Kern gewesen, den St. Rochus sich zum Lebensinhalt erwählte. Liebe! Welch grundverschiedene Schattierungen läßt dieser Begriff zu! Im Munde der Guten diente dies Wort zur Bezeichnung des Kostbarsten und Höchsten, während der Schlechte damit gemeinen Mißbrauch treibt. Ein Tag aus dem Leben des Heilandes zeigte den andächtig lauschenden Zuhörern, was echt christliche Liebe, was Caritas ist. Nicht das als Naturanlage im Menschen liegende Mitleid mit des Nächsten Not ist das Wertvollste. Liebe in der Tat, Liebe, die Opfer verlangt, wie St. Rochus sie übte, das sei die Liebe in des Wortes edelster und ureigenster Bedeutung. Dann sei sie zur christlichen Tugend erhoben.— Die erbauliche Stunde auf der Anhöhe der Rochliskapelle wurde in keiner Weise beeinträchtigt durch Störungen der Witterung. Auf dem Rückwege der Prozession durch die Kortemicke jedoch fiel ziemlich starker Regen. r. ) Olpe, 23. Aug. Falsche Rentenbankscheine. Seit der Einziehung der meisten Notgeldscheine hat sich ein deutlicher Rückgang der Fälschungen von Papier= geld gezeigt. Die neuen von der Reichsbank ausgegebenen Notentypen machen ebenso wie die Rentenbanknoten wegen ihrer sorgfältigen Druckausführung den Fälschern offenbar erhebliche Schwierigkeiten. Bei den Rentenbanknoten wird sich den Falschmünzern eine Nachahmung im großen auch deshalb nicht verlohnen, weil sie darauf rechnen müssen, daß die Rentenbankscheine eingezogen werden, sobald die Goldnotenbank kommt. Immerhin sind auch von den Rentenbanknoten in verschiedenen Gegenden des Reiches Fälschungen der Scheine zu 1, 5, 10 und vereinzelt auch zu 50 Mark aufgetaucht. Diese Fälschungen echter Scheine sind jedoch abgesehen von der meist mangelhaften Wiedergabe des Unterdruckmusters der echten Scheine bei einiger Aufmerksamkeit schon daran zu erkennen, daß sie entweder dasKreuz=Ring=Wasserzeichen der echten Scheine gar nicht oder nur durch Deckfarbe oder Fettdruck unvollkommen nachgeahmt aufweisen, oder ein anderes Wasserzeichenmuster tragen als die echten Scheine. Hält man die echten Scheine gegen das Licht, so ist das Wasserzeichen (Kreuz=Ring) klar und gleichmäßig gut auf dem ganzen Schein sichtbar. Die bei den echten Rentenbankscheinen von 2 bis 1000 Renten=Mark in das Papier eingebetteten Pflanzenfasern sind bei den Falschscheinen gewöhnlich durch Striche mit Tinte oder Farbe oder durch aufgeklebte Fasern vorgetäuscht, die bei Berührung mit einer Nadel von der Klebmasse glasartig obspringen, während die echten Fasern im Papierstoff haften. Hin und wieder haben die Fälscher auch aufgestreute Fasern mit Seidenpapier, das sich ablösen läßt, überklebt. Wie die Reichsbank so zohlt auch die Deutsche Rentenbank an Personen, welch: durch Hinweise und Fingerzeige die Polizei auf die Spur einer Falschmünzerwerkstatt bringen, Belohnungen, im Betrage bis zu 1000 Goldmark im Einzelfall. Jede. Polizeistation nimmt solche Mitteilungen, die auf Wunsch streng vertraulich behandelt werden, entgegen. :: Olpe, 25. August.(Falsche Dollarnoten.) Das amerikanische Finanzministerium macht darauf aufmerksam, daß in letzter Zeit falsche Dollarnoten der Werte 5 Dollar, 20 Dollar und 50 Dollar aufgetaucht sind. Die Fälschung der Fünfdollarnote wird gekennzeichnet als eine Nate der Federal Reserve Bank Chicago, 3, Buchstabe D, Plattennummer undeutlich, mit dem Bilde von Lincoln und den Unterschriften A. M. Mellon, Secretary of ihe Treasurg und Frank White, Treasurer om the U. S. Bei der Zwanzigdollarnote handelt es sich um eine Note der Federal Reserve Bank in Minnepaolis. Minn., Buchstabe C, Platte Nr. 29 mit dem Bilde von Cleveland und den Unterschriften D. F. Nouston, Secretary of ihe Treasury und John Burk, Treasurer of the U. S. Die falsche Fünfzigdollarnote trägt das Bild des Präsidenten Grant, Serie 1913, Platten Nr. 13 oder 43.- Die Unkerschriften sind von Wouston D. Tehee, Register of the Treasury und John Burk, Treasurer of the U. S. Alle Fälschungen sind anscheinend auf schlecht geätzten Zink= oder Kupferplatten gedruckt und so plump ausgeführt, daß sie ohne Schwierigkeiten als Fälschung erkannt werden können. 00 Olpe, 25. August.(Telegramme nach Polen.) Die polnische Telegraphenverwaltung hat wiederholt wegen unvorschriftsmäßiger Bezeichnung der Bestimmungsanstalten in den nach Polen gerichteten Telegrammen Klage geführt. Sie hat u. a. gedroht, Telegramme, bei denen die Angabe des Bestimmungsortes nicht mit der Bezeichnung im„amtlichen Verzeichnis der für den internationalen Verkehr geöffneten Telegraphenanstalten“ übereinstimmt, zukünftig als unbestellbar zu behandeln Um den Absendern und der deutschen Verwaltung Unannehmlichkeiten zu ersparen, sind die deutschen Telegraphenanstalten angewiesen worden, die vorschriftsmäßige Bezeichnung der Bestimmungsorte in Telegrammen nach Polen entsprechend den internationalen Vorschriften durchzusetzen. Den Absendern wird dringend empfohlen, in Telegrammen nach Polen zukünftig den Bestimmungsort nur in der Schreibweise des genanten amtlichen Verzeichnisses anzugeben. Im Zweifelsfalle geben die Telegraphenanstalten bereitwilligst Auskunft. -0— Attendorn, 25. August. Der Schreiner Damm von hier geriet infolge Ausgleitens mit der linken Hand in die Bohrmaschine. Der Mittelfinger wurde glatt abgeschnitten, während der untere Teil des Zeigefingers erheblich verletzt wurde. Im Krankenhause wurde dem Verunglückten auch dieser Finger abge nommen. Provinzielles Kultivierung großer Heidestrecken im Kreise Bentheim. Münster, 24. August. Eine Fläche von rund 25000 Morgen Heideland, das sich im Kreise Benkheim etwa von Hestrupt bis zur holländischen Grenze erstreckt, und das sich nach dem Urteil maßgebender landwirtschaftlicher Fachkreise für den Anbau von Wintergetreide und Kartoffeln gut eignet, ist im letzten Jahre auf demWege der Enteignung in staatlichen Besitz übergegangen und soll WTB Duisburg, 20. August. Heute morcn fand ein mit Erdarbeiten beschäftigter Arbeiter auf dem Bahngelände ein Holzkistchen, das eine neugeborene Kindesleiche enthielt. Sie war in ein Stück von einem Bettlaken eingewickelt und konnte noch nicht lange ausgesetzt gewesen sein. WTB Duisburg, 20. August. Zwei Offiziere der Besatzungsarmee, die mit einem Motorrade aus der Richtung von Mülheim kamen, erlitten hier einen Unfall. In der Nähe des Gabelplatzes kam das Motorrad infolge der Glätte ins Rutschen und fuhr gegen einen Straßenbahnwagen der Linie 2. Hierdurch erlitt der eine der Offiziere schwere Verletzungen, er wurde mit einem Straßenbahnwagen ins Krankenhaus gebracht. WTB Duisburg, 20. August. Festgenommen wurde hier ein Mädchen, das in einem Geschäft 18 silberne Bestecke gestohlen hatte. Die Diebin war dort als Dienstmädchen beschäftigt. Das Eilber konnte beschlagnahmt und dem Geschädigten wieder zugestellt werdien. WTB Wiesdorf, 20. August. Auf dem Manforter Postamt war seit längerer Zeit beobachtet worden, dienstbar gemacht werden. Mehrere hundert erwerbs= daß Briefsendungen fortgesetzt, und zwar unter MitTrorggg, agzuover, haben bereits wissen fast sämtlicher Angestellten, geöffnet wurden. Dampspflügen urbar gemacht. I muit Hüse von Zu welchem Zwecke die Oeffnung vorgenommen Kulturland sol in Bauerngüter in Größe..; onnte noch nicht festgestelt werden. Das ge60.—70 Morgen aufgeteilt werden. Innerhalß auie an dem Vorgange beteilgle Personal ist ent. Jahre wird dort eine blühende landwirtsches“e(assen und vorläusig vom Dienste untbunden worden. Siedlung erstehen. Bei der Zuteilung der a. cuttihe— Der hier wohnhaft, gewesene Arbeiter Wilhelm Schmitz hat sich vor kurzem, zweifellos in einem Falle Steotung erstehen. Ber dei Hmienung der Gister werim Kreise Bentheim weitere Heideflächen dem gleichen, Zwecke dienstbar zu machen. WXB Marsberg, 24. August. Da die Ausbeutung der Stadtberger Kupfergruben in Niedermarsberg einem von Jahr zu Jahr geringer werdenden Ertrag einbringt, hat sich die Grubenverwaltung gezwungen wurde geborgen. Wiesbaden, 25. August Ende Dezember v. J. während der Separatistenbewegung war in Hochheim a. M. für die Separatisten=Besatzung des dortigen Rathauses die„Löhnung" ausgeblieben, außerdem dem Schlosser Adam Dörr aus Flörsheim, der zu der „Besatzung“ gehörte, die Löhnung gesperrt worden. gesehen, nunmehr auch den letzten bisher noch beschäf= uum zich####“; zuig Tehnnnh veir tigten 30 Arbeitern zu kündigen. Damit kommt der um sich Geld zu verschaffen, hatten mehrere Separaalte Kupferbergbau am 1. September d. Is. endgültig tisten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, Namen zum Erliegen und Unterschriften der Eisenbahnstreikgelder beschlagKöln, 25. August. Zu wüsten Auftrikten war es nahmt, weshalb Strafantrag gestellt wurde. Die hiein der Sitzung der Stadtverordneten gekommen, sige Besatzungsbehörde hatte die Genehmigung zur Als bei der Beratung des Antrages der Verwaltung Aburteilung der Angeklagten erteilt. Das Gericht verüber den Beitritt der Stadtgemeinde Köln zur„Misch= urteilte wegen Betrugs und schwerer Urkundenfälversorgung Köln G. m. b. H“ der Stadtverordnete schung den Kaufmann Friedrich Keim aus Flörsheim Vaterrodt vom Wirtschaftsbund für die freie Bewirt= zu sechs Monaten Gefängnis, wegen Betrugs den schaftung eintrat, erregte er den Widerwillen der ein Schlosser Adam Dörr aus Flörsheim ebenfalls zu ken Als nach einer lebhaften Aussprache, an der sich sechs Monaten, den Buchdrucker Ludwig Blösch und auch die Verwaltung beteiligte, Vaterrodt zum zwei den Schlosser Josef Weilbächer, beide aus Hochheim ten Male das Wort ergreifen wollte, sprangen die zu je fünf Monaten Gefängnis. Owerlack hatte von Kommunisten von ihren Plätzen und verübten einen den beschlagnahmten Geldern 100 Mark erhalten. kosenden Lärm, um Vaterrodt, der noch nicht zu reden WTB Godesberg, 22. August. Nachmittags gegen begonnen hatte, am Sprechen zu verhindern. Sie 2 Uhr wurde auf dem hiesigen Leinfade zwischen Mehbrüllten und drohten mit Gewaltanwendung, wenn lem und Godesberg eine junge Dame von einem Vaterrodt das Rednerpulk nicht verlasse. Besonders nackten Manne bedroht, der hinter einem Baume hergewalttätig benahm sich der einarmige Kommunist vorsprang und nach der Dame mit einer Keule schlug. Thomer, der voller Wut seinen Platz verließ, um den Auf die Hilferufe der Ueberfallenen hin ergriff er die Stadtverordneten Vaterrodt wegzureißen. Ein Stadt= Flucht. Die Dame bat zwei herankommende Radverordneter tritt schützend zwischen beide. Er wird fahrer, die Verfolgung aufzunehmen, was von diesen beiseite geschoben und Thomer rempelte Vaterrodt aber abgelehnt wurde, da sie sich keine Unannehmim nächsten Augenblick an und schlug auf ihn ein. lichkeiten machen wollten. Die Stadtverordneten umringen in lebhafter Bewegung das Rednerpult. Der Lärm war stark und ein allgemeines Handgemenge schien unausbleiblich. Die Druck und Verlag: Verlagsanstalt F. X RuegenTribünen wurden von der städtischen Polizei geräumt. berg, Olpe. Verantwortlich für die Gesamtredaktion Thomer wurde zur Ordnung gerufen und der Be= Dr. phil. Albert Wand in Olpe, für die Berliner schluß über die Vorlage der Verwaltung wurde ver= Redaktion: I. V. Krauß, Berlin=Schöneberg; für den tagt. Reklamen= und Anzeigenteil: Ed Ruegenberg, Olpe Amt Drolshagen. Oeffentliche Mahnung! An die Zahlung der staatl. Grund=Vermögenssteuer nebst dem Gemeindezuschlag, der Hauszinssteuer, Jahnschaftsgelder, Viehabgaben, Kirchensteuer u. a. wird hiermit erinnert. Zahlungen, welche nach dem 31. August erfolgen, sind kostenpflichtig. Drolshagen, den 23. August 1924. Die Amtskasse als Vollstrechkungsbehörde Schlösser, Amtsrentmeister. Selbsthülfe=Verkauf. Dienstag, den 2. September 1924, vormittags 9½ Uhr, werde ich am Güterbahnhof in Grevenbrück einen Waggon Thomasschlackenmehl, ca. 150 Ctr., öffentlich meistbietend für Rechnung dessen, den es angeht, gegen Barzahlung versteigern.(F12742) Meggen, den 18. August 1924. vereidigter Versteigerer. Kaufe laufend Srare 729 aller Dimensionen oder bazu passende Lichtringhausen=Attendorn. 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