N. 39 Oipe, Mittwoch den 14. Mai. 1890. Erscheint am Mittwoch und Samstag und kommt bereits Dienstags und Freitags nachmittags zur Ausgabe. Abonnementspreis,„vierteljährlich 1 Mrk. 20 Pf., per Post bezogen 1 Mk. 25 Pf., mit Illustriertem Sonntagsblatt 25 Pf. mehr. Uins blart. Anseiger für bas Verantwortlicher Redakteur: Gottfried Ruegenberg. und speziell für den Kreis Olpe. 0 be. spaltige Petit= Ze oder deren Raum, unter 4 Zeilen 40 Pfg.; Reklamen 25 Pfg. die Zeile. Die Besorgung von Briefen und Annahme von Adressen wird mit 25 Pfg. berechnet. Verlag der Ruegenberg'schen Buchhandlung in Olpe. —88—. Die Stärkung der Heeresmacht und der Weltfriede. Zur großen Freude der deutschen Nation und zum Troste der gesamten Culturwelt hat sich die jüngste Thronrede Kaiser Wilhelms über das Vertrauen in die Erhaltung des Weltfriedens sehr günstig geäußert. Was indessen schon längst allen Sehenden bekannt war, hat der Kaiser auch gleichzeitig klar und schlicht verkündet, daß nämlich der Friede in Europa hauptsächlich dadurch in den letzten Jahren erhalten worden ist, daß Deutschland mit seinen hohen Verbündeten voll und ganz, offen und ehrlich für die Friedenspolitik eintrat. Das Eintreten für die Erhaltung des Friedens hat aber nur einen wirklichen Erfolg, wenn den Worten der Diplomaten ein scharfes, wuchtiges Schwert nötigenfalls zur Seite steht. Würde daher das deutsche Schwert dem Auslande nicht mehr so stark und scharf erscheinen, oder würden, um mit den Worten des Kaisers zu reden, durch die Rüstungen der Nachbarstaaten die Machtverhältnisse verschoben, so daß das politische Gleichgewicht verloren ginge, so würde dadurch auch die Erhaltung des Friedens gefährdet. Die elementare Wahrheit dieses politischen Grundsatzes darf eine Nation niemals außer Acht lassen, wenn sie sich nicht furchtbaren Niederlagen aussetzen will. Vor allen Dingen dürfen sich die Staatslenker aber auch nicht durch zeitweilige friedliche Strömungen, wie gegenwärtig eine solche offenbar in Europa vorherrscht, davon abhalten lassen, ihre Pflicht in Bezug auf die Erhaltung des Friedens und des vaterländischen Besitzes durch die infolge der drohenden Verschiebung der Machtverhältnisse notwendig gewordene Stärkung der Heeresmacht zu thun. Diese politischen und militärischen Erwägungen, welche dahinführten, daß Frantreichs und und Rußlands Heer, zumal was die Ausrüstung und Stärke der Artillerie anbetrifft, dem deutschen Heere schließlich überlegen sein müßten, haben die Forderung, daß die Reichsarmee um 70 Batterien vermehrt und die Grenzbataillone der Infanterie und Grenz=Esca= drons der Kavallerie sämtlich auf den sogenannten hohen Etat gebracht werden sollen, notwendig gemacht. Es sollen demnach künftig 6000 Rekruten mehr eingestellt und die Friedenspräsenz des deutschen Heeres soll im ganzen um 19 000 Mann infolge der Neuformation erhöht werden, sodaß vom 1. Oktober 1890 ab das deutsche Heer im Frieden 486 983 Mann zählen würde. Bei dieser Erhöhung der Friedensstärke muß betont werden, daß dieselbe den französischen Heeresverstärkungen gegenüber nur eine sehr bescheidene ist, denn das neue französische Wehrgesetz führt die allgemeine Wehrpflicht viel rücksichtsloser durch als das deutsche, in Frankreich giebs es abgesehen von vollständlicher Untauchlichlichkeit grundsätzlich keine Befreiung vom Militärdienste mehr, und stellt man in das französische Heer jährlich 220,000 Rekruten ein, während in das deutsche auch nach der geplanten Erhöhung und einschließlich der Ersatzreservisten nicht ganz 200,000 Rekruten jährlich einstellt werden. Die Friedensstärke des französischen Heeres tritt daher vom Jahre 1891 bereits mit 520,548 Mann auf, ist also um rund 52,000 Mann stärker als die des deutschen Heeres. Daraus ergibt sich mit den Jahren für den Kriegsfall eine rechnerische Mehrheit von mehr als einer halben Million französischer Soldaten über das deutsche Heer. Sehr in Betracht kommt auch, daß die französische Artillerie 480 bespannte Vatterien aufzuweisen hat, während die gesamte deutsche bisher nur 364 zählte, also auch nach der Vermehrung um 70 Batterien noch immer die Zahl der französischen erreicht hat. Es geht daraus sehr deutlich hervor, daß die neue deutsche Wehrvorlage nur im Interesse des Vaterlandes und des Weltfriedens nötige Verstärkungen verlangt und daß Deutschland schon jetzt sich mehr auf die Tüchtigkeit als auf die Zahl seiner Truppen verlassen muß, zumal wenn man bedenkt, daß das im Herzen von Europa liegende deutsche Reich sehr leicht in die Lage kommen kann, nach zwei Seiten hin Gegner bekämpfen zu müssen. □ Politische Plaudereien. Mit welchen Gefühlen mag die geknickte Eiche im Sachsenwalde den neuen Reichstag, der am Dienstag eröffnet wurde, begrüßf haben! Wie ganz anders ist derselbe gegen früher, und ich glaube, er könnte sogar„eine Zeit lang in seinem eigenen Fette schmoren," ohne darüber zu Grunde zu gehen. Das Cartell ist zerquetscht, und die Besiegten vom Rosenmontag 1887 haben das Ruder in der Hand. Am 6. Mai rauschte die Melodie durch den deutschen Blätterwald:„Es kann ja nicht immer so bleiben, hier unter dem wechselnden Mond“, und die Klänge des Liedes tönten mir in den Ohren:„Die Welt ist rund und muß sich drehen, was oben ist, muß unten stehen". Das kleine Häuflein der Nationalliberalen, deren 42 Köpfe sich bescheiden in eine Ecke drücken müssen, mag mit Chamisso jammern: Wenn ich Ihn nicht sehe, Glaube ich blind zu sein, Wo ich geh' und stehe, Seh' ich Ihn allein. Aber„Er“ ist nicht mehr da, und das brave Cartell, das sich wie eine Citrone auspressen ließ, ist auch nicht mehr da,— so ändern sich die Zeiten! Manches Bundesrats=Mitglied mag am Dienstag vor sich hingesummt haben: Grad aus der Sitzung nun Komm ich heraus; Reichstag wie wunderlich Siehst Du mir aus. Rechter Hand, linker Hand, Beides verrauscht; Reichstag ich merk' es wohl, Du bist berauscht. Ja, er ist auch berauscht,— von dem Glücke, daß die willenlose Cartellmehrheit an die Wand gedrückt worden ist; daß der deutsche„Völkerfrühling" anbricht und Hödur den bösen Loki erschlagen hat. Aufathmend singt Deutschland: Leise zieht durch mein Gemüt Liebliches Geläute, Und der fromme Mischmasch zieht Du bist des Reichstags Blume So stark, so stolz, so rein; Ich schau' dich an, und Freude Schleicht mir in's Herz hinein. Mir ist, als ob ich die Hände Auf's Haupt Dir legen sollt, Betend, daß Gott Dich erhalte, Du echtes, deutsches Gold. Sein Landsmann Bennigsen aber wird denken: Die Herrlichkeit ist gar zu kurz gewesen, Ich packe mit dem ganzen Krempel ein; Nun lebet wohl, es wär' zu schön gewesen, Behilt' uns Gott, es hat nicht sollen sein. Es hat in der That eine„neue Aera" begonnen, und nach den unfruchtbaren Jahren wird der neue Reichstag seine schöpferische Kraft bethätigen müssen. Daß wir als Militärstaat, und wie die Verhältnisse in Europa einmal liegen, auf eine neue Militärvorlage gefaßt sein mußten, versteht sich eigentlich von selbst; aber die selbständige Mehrheit, die nicht aus janickenden Gummipuppen besteht, wird die Notwendigkeit der Forderungen prüfen, anderseits aber auch nicht versagen, was die Wehrkraft Deutschlands erheischt. Der bewaffnete Friede kostet viel Geld, und wenn wir jährlich neue 18 Millionen zu zahlen haben, so beißen wir lieber in diesen sauern Apfel, als daß wir die Armee gegenüber den begehrlichen Nachbarstaaten geschwächt sehen. So lange der erträumte Völkerfrieden ein frommer Wunsch bleibt, und der wird er wohl immer bleiben, und so lange die stehenden Heere in Europa zum eisernen Rüstzeug gehören, müssen die Völker dem Militär=Moloch opfern; daran läßt sich nun einmal nichts ändern. Aber der Schwerpunkt der Reichstags=Aufgaben liegt auf ganz andern Gebieten, die unser zielbewußter Kaiser auch sehr klar in's Auge gefaßt hat. Wir erfuhren kürzlich, daß die deutsche Reichsregierung bei der Kurie die Entsendung zahlreicherer Missionare nach den deutschen Colonien angeregt habe, und daraufhin richtete der h. Vater ein längeres Schreiben an den Herrn Erzbischof von Köln, in welchem er ihm und allen arbeitenden Klassen und für die Missionierung der Eingeborenen der deutschen Schutzgebiete in Afrika dringend an's Herz legte. Da haben wir wichtigste Programm der Gegenwart und Zukunkt! Für die Wißmann=Expedition wird von unsern Vertretern die Bewilligung einer Forderung von 4½ Millionen verlangt, und wir bringen dieses Opfer gern,— nicht aus politischen Gründen, nicht um eine außereuropäische Colonialpolitik zu unterstützen, sondern weil es sich um die Unterdrückung des Sclavenhandels und der Menschenjagden in Afrika und um die Gewinnung unserer schwarzen Brüder für die christliche Culur und Gesittung handelt. Auf den 15. Mai hat der Cardinal Laoigern ein uftaunisches Conzil nach Karthago beRicht in dies Gebäude! hat der Cardinal Lavigerie ein afrikanisches Aber die Nationalliberalen wollen doch so liebenswürdig sein, rufen; Emin Pascha, der in deutsche Dienste getreten ist, befindet sich die Wahl eines konservativen Reichstags=Präsidenten gut zu heißen, auf dem Marsche nach dem Innern des schwarzen Erteils; die Eiferdamit„die Reichsmaschine nicht ganz erfriere“, und der neue Reichs= süchtelei der Engländer ist verstummt; große Dinge breiten sich in tag eine„anständige Flagge" bekomme. Wie gütig! Ziffernmäßig Afrika vor, große Dinge in cultureller Hinsicht, und da bringen wir würde die Präsidentenstelle dem 107 Köpfe starken Centrum zustehen; gern Opfer, um die Lösung dieser großen Aufgabe anbahnen zu helfen. aber es überläßt aus mancherlei Gründen diesen Ehrenposten einem Die zweite wichtige Aufgabe liegt auf dem sozialen Gebiete, Conservativen, nicht weil, sondern trotzdem die Nalionalliberalen da= und wir zweifeln nicht, daß die aus dem Volke hervorgegangene neue mit einverstanden sind.„Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der Mehrheit des Reichstags mit bestem Willen an die Lösung dieser wollte keine Knechte;" dies Wort ist bezeichnend für die neue Volks=Aufgabe herantreten wird: einerseits müssen die berechtigten Fordevertretung, und die deutschen Katholiken, die den alten Dr. Windt= rungen des Kaisers und der Arbeiter in Bezug auf umfassenden Arhorst wieder an der Spitze der schwarzen Hundertgarde sehen, rufen beiterschutz erfüllt und die christliche Sozialreform gefördert werden; jubelnd aus: anderseits sind aber die revolutionären Elemente zurückzudrängen, Am Christi-Himmelfahrtstage. Nun, liebe Seele! lass das Klagen, Erzitt’re nicht in bangem Wek, Und lass auf sohnellen Schwingen tragen Dich nach des Oelbergs blum'ger Höhl Dort schaust du im Verklärungsglanze, Geschmücket mit dem Siegerkranze Den, der aus seines Vaters Buch Getilget deiner Sünden Fluch! Der deine Leiden hat geendet Am blutgetränkten Kreuzesstamm, Dir Heil und Frieden reich gespendet Als demutsvolles Opferlamm, Der Tod und Höllo hat besiegot, Dem alles nun zu Füssen lieget, Vollbrachte seinen Erdenlauf Und stoigt gekrönt zum Himmol auf! Vorüber ist, was unverschuldet, Getrieben von der Liebe Macht, Dein Heiland hat für dich erduldet Und Gott als Sühne dargebracht! Doch was er leidend dir hinieden, Zum Glück, o Seelel hat beschieden, Zerstört koin Sturm der flücht'gen Zeit, Es bleibet dein in Ewigkeit: D’rum, mag die Welt dich wütend hasson, Ertrage alles in Geduld, Den Segon muss sie dir ja lassen, Don dir verlleh des Heilands Huld; Mit ihm sollst du in Demut handeln, Der Erde Dornenpfade wandeln, Voll Hoffnung richtend stets den Blick Auf das zukünft'ge Siegesglück. Der Oolberg in der Sonnenhelle, Er sei dein Schutz und Zufluchtsort; Denn aus des Glaubens Wunderquelle Schöpfst du des Trostes Gnade dort, Auf dass kein Schmerz dich ie bezwinge Und jene Wahrheit nur durchdringe, Die horrlich dieser grosse Tag Vor aller Welt bezeugen mag: Glückselig, wer den Kampf goführet Und in der Prüfung sich bewährt; Denn eine Krone ihm gebühret, Und Palmen werden ihm beschert Im Reiche, dessen gold'ne Pforte Erschlossen hat nach seinem Worte, Der heute sich als Sieger zeigt Und im Triumph zum Himmel steigt! 13. Engel und Dämon. (Fortsetzung.) seines Herzens und ein gut Teil seiner gesunden Vernunft betrogen habe. Denn sie hielt mehr und mehr dafür, daß es mit ihm nicht ganz richtig im Kopfe sei, und war daher nicht ohne Sorge, er möchte ihr Enchüllungen machen, die für das Ohr eines jungen Mädchens weniger passend sein könnten. Trotzdem beschloß sie, ihn ruhig anzuhören, sich genugsam auf den Einfluß verlassend, den sie auf ihn ausübte, um ihn, wenn es sein mußte, in die gebührenden Schranken zurückzuverweisen. Edmund schien etwas von ihren Empfindungen zu ahnen, denn, indem er sich anschickte, ihr seine Geschichte zu erzählen, begann er mit den Worten: „Besorge nicht, Angelika, daß ich Deine Ohren oder Deine Gefühle durch irgend etwas verletzen könnte, was Deine Unschuld beleidigen müßte. Habe ich auch in meinen Thaten mir Unziemliches zu Schulden kommen lassen, so werden doch meine Lippen darüber nicht in ungeziemenden Worten sich äußern. Ich fürchte sogar, daß sie manches verhehlen oder vertuschen werden, um mich vor Dir nicht in gar zu beschämender und demütigender Weise hinzustellen und Dein P. Saget. Edmund schwieg beschämt. Sein Stolz wagte sich nicht zu regen, wo die Demut in so kindlichem Gewande ihm entgegentrat. Die Tünche der philosophischen Bildung wurde durch dieses lautere Quellwasser, durch diesen einfachen und anspruchslosen Vorwurf wie weggespült, und wie ein Katechismusschüler beim Beichtvater, kam er sich der jungfräulichen Strafpredigerin vor. „Jal ich glaube, Du könntest aus einem Sünder einen Heiligen machen,“ sagte er nachdenklich.„Vor Dir verlieren die Zauberkünste, womit die Wissenschaft die in der Kindheit eingesogene Milch des Glaubens zu vergeistigen sucht, ihre ganze Kraft, wie die Possen der pharaonischen Betrüger von dem Ernste des Moses zu Schanden gemacht wurden. Wahrhaftig, Mädchen! mein Gehirn war von der Wirkung des täglich eingeschlürften Alkohols aus den Fugen geraten, daß ich jemals glauben konnte, die Materie könnte aus sich ein Wesen schaffen, wie Du es bist. Ahl wenn Du Dich nicht selbst ge in gar zu beschämender und demütige schaffen hast, so wird uns doch wohl nichts übrig bleiben, als zu dem Verdammungsurtei in ein milderes umzugestalten. alten Gott zurückzukehren!... Nein, Angelika!— steh mich nicht so ängstlich an, als wolltest Du an meinem Verstande zweifeln— ol ich fühle ja, mehr als einmal habe ich auf dem Punkt gestanden, toll zu werden, und um mich zu betäuben, habe ich immer mehr Gift und narkotische Mittel eingesogen. Aber nun ist es mir, als wenn meine Stirne aus einem eisernen Reif befreit wäre! Ich will keine gottlosen Reden mehr führen... ich will glauben, was Du glaubst: Dein klarer Sinn muß das rechte erkannt haben, und meine Sünden, Dir will ich sie beichten, weil sich seit längerer Zeit zum erstenmale die Hoffnung in mir regt, sie könnten noch Absolution erlangen. O könnte ich, o dürfte ich mich auch der anderen süßen Hoffnung überlassen!“ Er mußte vor Erregung inne halten, doch trotz der namenlosen Qual, die bei der hoffnungslosen Verzichtleistung sein Inners verzehrte, sah er doch glücklicher und zufriedener aus, als er je in den vorhergehenden Tagen und Wochen ausgesehen hatte. Angelika, die an dem aufgeregten Wesen und den sonderbaren Reden ihres Vetters, welche ihr wie exotische Treibhausblumen vorkamen, wenig Gefallen fand, und im tiefsten Herzen einen Vergleich mit dem schlichten, frommen und doch so sinnigen Künstler anstellte, der gewiß nicht zu des Letzteren Nachteil ausfiel, war trotzdem eben so sehr von lebhaftem Interesse als von begreiflicher Neugier getrieben, zu erfahren, was mit Edmund vorgegangen sei und ihn um die Ruhe „Du siehst aus der langen Captatio bensvolentise, wontt ich meine Bekenntnisse einleite, genugsam, welche Ueberwindung es mich kostet, vor Dir als armer Sünder, der auf Deine Liebe und Achtung verzichten muß, und nur Deine Verzeihung erfleht, erscheinen zu müssen. Doch der Anfang muß gemacht werden, wenn der erste Schritt auch noch so schwer wird... so höre denn: „Als ich vor zwei Jahren das Gymnasium und das mütterliche Heim mit der Universität und der unheimlichen, wenn auch größere Freiheit verheißenden Fremde vertauschte, da war es mein ernstlicher Wille, mich fleißig und ausdauernd dem Studium zu widmen, meine Laufbahn rasch zu durchmessen, damit ich um so mein Ziel: reiche Kenntnisse, eine ehrenvolle Stellung, häusliches Glück erreichte, worin neben der Mutter, Dir, liebste Angelika! gewiß die erste Stelle beschieden sein sollte. In dem ersten Doppelsemester meines dortigen Aufenthaltes bin ich meinen Vorsätzen so ziemlich treu geblieben. Was das Studium betrifft, so lag ich ihm ja, wie Du weißt, mit solchem Eifer ob, daß ich befähigt war, das erste der vorgeschriebenen Examina mit Glanz zu bestehen. Du weißt, mit welcher Freude dies meine Mutter erfüllte, und wie sie die sten Luftschlösser in die Zukunft, die leider trügerisch ist wie das Meer, hineinbaute. Du, Angelika, sahst dies alles in Deiner gewohnten, ruhigen Weise an. (Fortsetzung folgt.) welche auf die Zerstörung von Altar, Thron und Gesellschaft hinarbeiten. Daß dies möglich ist, hat der 1. Mii bewiesen, denn der stolz angekündigte„Welt=Feiertag" hat in Deutschland vollständig Firsco gemicht, und die„internationale Kcaftprobe“ war ein Shlag in's Wisser. Die deutsche Arbeiterwelt" hat bewiesen, daß sie noch lange nicht in den Netzen der Sozialdemokratie zappelt, sondern daß die ruhigen und besonnenen Elemente noch die Ueberhand haben. Die sozialistischen Schreier, die in Paris einen Welt=Feiertag decretieren zu können glaubten, die den Köder des achtstündigen Arbeitstages hinwarfen, haben eine moralische Niederlage erlitten,— aber nun gilt es auch, die Mehrheit der deutschen Arbeiter durch gesunde Reformen der Sozialdemokratie zu entziehen, und durch gesetzliche Mittel zu verhüten, daß sie nicht in die Arme der revolutionären Schwätzer getrieben werden. Wenn diese Aufgabe jetzt nicht gelingt, wo der Kaiser begeistert für dieselbe eintritt, und wo er eine für diese wichtige Mission begeisterte Reichstagsmehrheit zur Seite hat, dann wird sie nie gelingen! Wie ein dürrer Ast aus vorsündflutlicher Zeit ragt in die neue Strömung das preußische Abgeordnetenhaus mit seinen— ich will nicht sagen veralteten, aber doch im alten Regime groß gewordenen Ministern hinein. Die Behandlung der Sperrgelder=Vorlage, die noch an der alten kulturkämpferischen Influenza krankt, mutet uns recht sonderbar an, und sie paßt in den frischen, freien Pulsschlag der Gegenwart, wie die Faust auf's Auge. Warum wird denn nicht der Zopf abgeschnitten und der preußische Wahlspruch zur Wahrheit gemacht:„Jedem das Seine!?" Diskretionäres Ecmessen!— Herr v. Goßler sollte einen freieren Flügelschlag wagen. Wenn Bismarck auch die Braunen zusammenzieht und die Stirn in Falten legt,— ein preußischer Minister hat sich bei dem Gutsherra von Friedrichsruh seine Instruktion nicht mehr zu holen. Auch der„Schleier des Geheimnisses“ mit welchem der Kultusminister die Vorverhandlungen mit Rom umhüllte, hat sich in der Sperrgelder=Commission gelüftet, aber von dem Geheimnis blieb nichts übrig. Wir glauben kaum, daß die Vorlage eine für die Katholiken annehmbare Gestalt erhalten wird, denn in den Herzen der alten Aera rostet die alte Liebe nicht, und vielleicht gibt es im preußischen Abgeordnetenhause zu gleicher Zeit ein neues„Maigesetz“, wo der deutsche Reichstag über die alten Zöpfe zur Tagesordnung übergeht. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Berlin. Bei dem am vorigen Freitag stattgefundenen Empfang des neuen Reichstagspräsidiums durch den Kaiser hat sich der Monarch namentlich über die Militärvorlage ausgelassen, deren Wichtigkeit er hervorhob, betonend, daß die in ihr erhobenen Forderungen auf die dringendsten Bedürfnisse beschränkt seien. Der Kaiser schloß seine Ausführungen mit dem Hinweise darauf, daß die Vorlage das Ergebnis langer und wohlerwogener Beratungen der Generale bilde und daß sie lediglich im Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens eingebracht sei. Alsdann unterhielt sich der Kaiser mit den einzelnen Herren in leutseligster Weise und entließ sie schließlich huldvollst. — Der Reichstag hielt am Freitag seine erste eigentliche Arbeitssitzung ab und wurde dieselbe fast gänzlich durch die Generaldebatte über die Vorlage, betr. die Gewerbegerichte, ausgefüllt; Eingangs der Sitzung wurden der Antrag Aner, betr. die Einstellung des gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten Schippel und Kunert eingeleiteten Strafverfahrens während der Sessionsdauer, sowie in erster und zweiter Lesung der Entwurf über die Abänderung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige debattelos angenommen. In der Debatte über die Gewerbegerichte sprachen sich das Centrum durch Abg. Bachem, die Conservativen durch Abg. Klemm, die Elsässer durch Abg. Winterer und die Nationalliberalen durch Abg. Miquel im großen und ganzen zustimmend zur Regierungsvorlage aus. Nur brachte hierbei der Centrumsredner noch verschiedene Wünsche vor, die sich namentlich in der Richtung einer schärferen Betonung des Sühneverfahrens bewegten und nationalliberalerseits befürwortete Abg. Dr. Miquiel ebenfalls eine Rehe Verbesserungen und Ergänzungen des Entwurfs. Eine schärfere Kritik übten indessen an demselben der Sozialdemokrat Tutzauer und der freisinnige Abgeordnete Meyer=Berlin. Ersterer wollte herausfinden, daß die Vorlage zu viel Mißtrauen der Regierung gegen die Arbeiter zeige, was er des Näheren auszuführen suchte, und Abg. Meyer erklärte, daß der Entwurf sehr einschneidenden Abänderungen, die er dann im Speziellen darlegte, unterworfen werden müsse, solle er sich überhaupt als lebensfähig erweisen. Regierungsseitig wies Staatssekretär v. Bötticher die Bemängelungen der beiven letzgenannten Abgeordneten zurück und erklärte im übrigen, daß die Regierung hinsichtlich einer ganzen Reihe von Einzelheiten mit sich reden lassen werde. Die vollkommen sachlich verlaufene Debatte schloß mit Ueberweisung des Entwurfes an eine Commission von 21 Mitgliedern. In der nähsten Sitzung am Montag, stand die erste Beratung des Nachtragsetats als Hauptgegenstand auf der Tagesordnung; Dienstag und ev. Mittwoch soll die erste Beratung der Militärvorlage stattfinden. — Das preußische Herren haus führte am Freitag die Beratung des Etats zu Ende und nahm denselben im Ganzen an. Der weitaus größte Teil der Sitzung war indessen der Beratung des vom Grafen Pfeil beim Cultusetat gestellten Antrages gewidmet, die Regierung um Erwägung von Maßregeln zur Beseitigung der Uebelstände zu ersuchen, welche sich aus der Ueberzahl jüdischer Schüler auf preußischen höheren Lehranstalten dadurch ergeben haben, daß infolge dieser Ueberzahl eine Veränderung des Lehrplanes an jüdischen Sabbathen und Feiertagen hat stattfinden müssen. Graf Pfeil begründete den Antrag durch statistische Belege über die Ueberfüllung der öffentlichen höheren Lehranstalten Preußens mit jüoischen Elementen, durch welchen Mißstand die Möglichkeit einer christlich=nationalen Entwickelung des deutschen Volkes in Frage gestellt werde, und plaidierte schließlich für Errichtung besonderer jüdischer Schulen. Cultusminister v. Goßler zeigte sich in seiner Erwiderung ziemlich reserviert gegenüber dem Antrage Pfeil, er wies darauf hin, daß die jüdischen Schüler lediglich wegen ihrer Confession nicht von den staatlichen Schulanstalten zurückgewiesen werden könnten und legte im weiteren die technischen Schwierigkeiten dar, welche der Durchführung des Planes getrennter Schulen entgegenstehen. Entschieden gegen den Antrag Pfeil und seine Tendenz sprachen sich die beiden Oberbürgermeister Dr. Miquel und Bötticher aus, dagegen verwandten sich für denselben ebenso entschieden die Herrenhausmitglieder v. Kleist=Retzow und Graf v. d. Schulenburg=Beetzendorf von christlich=germanischen Standpunkte aus! Auf denselben stellte sich auch die Mehrheit des Herrenhauses, denn dasselbe genehmigte den Antrag Pfeil gegen die Stimmen einer Anzahl von Herrenhausmitgliedern; unter letzteren befand sich auch Graf Moltke. Angesichts der Erklärungen des Cultusministers ist schwerlich anzunehmen, daß der Antrag eine besondere praktische Wirkung haben werde. — Nach der Fraktionsliste, welche im Bureau des Reichstags ausgegeben ist, stellt sich die Stärke der einzelnen Parteien wie folgt: Deutsch=Conservative 72(einschließlich der drei Hospitanten v. Meyer(Arnswalde), Graf v. Schlieffen=Schlieffenberg und Frhrn. Zorn v. Bulach(Elsaß); Reichspartei 20, Centrum 111 (einschließlich 5 Hospitanten der Deutsch=Hannoveraner), Polen 16, Nationalliberale nur 41(einschließlich des Hospitanten Dr. Petri (Straßburg), Freisinnige 64, Volkspartei 10, Sozial=Demokraten 35, bei keiner Fraktion 28, darunter 10 Elsasser, 5 Antisemiten und die 6 Deutsch=Hannoveraner. — Am Samstag ist dem Reichstage ein Weißbuch zugegangen. Dasselbe ist betitelt: Aufstand in Ostafrika und enthält 14 Aktenstücke. Es sind 12 Berichte des Major Wissmann, welche am 27. Dezember 1889 beginnen(Gefangennahme und Hinrichtung Buschiris) und sich bis zum 7. Mai 1890(Einnahme von Kilwa) erstrecken. Inhaltlich sind die Berichte bereits längst bekannt, — ebenso der Bericht des Korvettenkapitän Valette über die Besetzung von Tanga, Pangani und Dar=es=Salam während der Unternehmungen des kaiserlichen Kommissars gegen Bana=Heri vom 7. April d. J. und ein telegraphischer Erlaß von Wissmann vom 25. Januar d. I. Am 1. Januar depeschirte Major Wissmann an Fürst Bismarck:„Eurer Durchlaucht beehre ich mich gehorsamst zu melden, daß Emin Pascha den lebhaften Wunsch hegt, seine Erfahrungen in deutsche Dienste zu stellen. Er hat mich gebeten, dies zur Kenntnis Eurer Durchlaucht, und, wenn angängig, auch Seiner Majestät zu bringen, dessen Allerhöchster Gnade er sich tief verpflichtet fühlt.“ Am 25. Januar erfolgte darauf die Antwort des Grafen Bismarck:„Die Dienste Emin Paschas sind uns willkommen. Bitte nähere Wünsche desselben mitzuteilen.“— In einer Anmerkung wird mitgeteilt:„Im Februar dieses Jahres ist die kommissarische Uebernahme Emins in den auswärtigen Dienst des Reiches erfolgt.“ Oesterreich=Ungarn. Die sozialpolitischen Debatten im österreichischen Abgeordnetenhause, zu denen die Erörterung verschiedener Etatspositionen führte, sind noch immer nicht abgeschlossen. Auch in der Freitagssitzung kam es zu einer hervorragenden sozialpolitischen Diskussion, die sich beim Etat des Ackerbauministeriums entspann. Minister Graf Falkenhagen verbreitete sich ausführlich über die soziale Frage und wandte sich hauptsächlich gegen die vorgeschlagene politische Organisation der Arbeiter, welche den sozialen Kampf zu einem dauernden gestalten würde; auch von den Arbeiterkammern wollte der Minister nichts wissen. Weiter verteidigte er das Capital gegen die vorgebrachten Augriffe, betonte aber, daß das Capital nicht zum goldenen Kalbe werden dürfe und deshalb sei es auch notwendig, die Religion zu schützen. Der deutschliberale Abgeordnete griff den Minister wegen dessen Auslassungen über das Capital scharf an und als Graf Falkenhayn nicht minder scharf erwiderte, erklärte zwar Plener, die Stelle über das goldene Kalb falsch verstanden zu haben, hielt aber trotzdem seine Angriffe zum Teil aufrecht. — Die Verständigung zwischen den Deutschböhmen und den Altczechen macht erfreuliche Fortschritte, was sich anch in dem zwischen beiden Teilen abgeschlossenen Compromiß für die Delegationswahlen zeigt. Die deutschböhmischen Reichsratsabgeordneten erhalten demzufolge vier Mandate für die Delegationen und sind als Candidaten für dieselben die Abgeordneten Plener, Ruß, Baernreither und Stöhr, mit dem Abgeordneten Siegmund als Ersatzmann, aufgestellt worden. Provinzielles. Olpe, 13. Mai. Der Himmelfahrtstag, diesmal der 15 Mai, fällt stets in den Monat Mai, den Wonnemonat, und ist schon deshalb ein echtes Maienfest. An ihm ist es in unserem ganzen lieben Vaterlande Sitte, hinauszuziehen in das Freie, wo die Natur in schönster Blüte lacht; im Schmelze des azurnen Himmels, im dunklen Rahmen des grünen Waldes prangt das bunte Blumenmeer der Auen. In Wald und Flur ertönt der muntre Sang der Vögelein und das Jubellied des Pfingstwanderers, und der Dichter singt; O Himmelsblau, wie glänzest du Herab mit hellem Scheine, Wie lächelt dir die Erde zu Im Frühlings=Sonnenscheine! Ein Nachklang des heiligen Osterfestes, der 40. Tag nach Ostern, gilt der Tag der Acensio Domini als Vorfeier der lieblichen Pfingsten, da Jesus Christus, der auferstandene Heiland, aufstieg und seinen einnahm zur Rechten des Vaters, um die Pfingstgabe des heiligen Geistes zu spenden. Von besonderer Bedeutung war der Tag für die Propaganda. Christus ließ den Jüngern den Auftrag, in die Welt zu gehen und die Helden zu lehren. So ward das Himmelfahrtsfest zugleich der Tag der Einsetzung jener gewaltigen Geistesmacht, die, auf den ausdrüctklichen Befehl des Heilandes, beruhend auf dem Glauben an ihn, aus ihm ihre beste Kraft nehmend, gewaltig durch die Liebe bis auf den heutigen Tag von jener Stunde an die Welt umgestaltet und zugleich geseguet hat: durch die Mission. Seine Feier läßt sich aber erst seit dem Anfange des 4. Jahrhunderts aus der Kirchengeschichte nachweisen, wo sie in den apostolischen Konstitutionen erwähnt wurden. Der heilige Augustin bezeichnet das Fest als„allgemein bekannt“. Im Mittelalter trieb man dabei in den Kirchen Mummenschauf. So zog man ein geschnitztes Bild Christi feierlich in die m. Planderei. (Nachdruck verboten.) „Frau, stehe auf, wir haben heute Arbeiterfeiertag, und da müssen wir wohl unsere Arbeiten selbst besorgen; rief Franz, seine Gattin weckend.“ Anna erhob sich und kleidete sich hurtig an, denn die beiden ältesten Jungen mußten um acht Uhr zur Schule, aber noch rührte sich niemand im Hause und eine feiertägliche Stille schien alles Leben ertötet zu haben.„Wo ist denn das Dienstmädchen, die Kathi?“ fragte Franz der Gemahl, Seine Frau sah nach, sie schlief noch. Anna zog die Kinder an. Aber sie mußten doch Kaffee haben und zur Zubereitung vor der Schule war es bereits zu spät. In heller Verdrießlichkeit stürzte die Frau durch das Haus, es blieb nichts anderes übrig, als schnell eine Tasse Milch auf dem Petroleum=Ofen fertig zu machen. Doch der Milchmann war noch immer nicht da. Sollte der auch etwa feiern? Der Milchmann kam nicht, es war Arbeiterfeiertag. Das Erstannen Annas wuchs, als auch das Körbchen, welches der Bäckerjunge sonst stets in der Frühe mit frischen Brötchen zu füllen pflegte, noch leer war. Die Bäckergesellen und Lehrlinge hatten sich einmal einen guten Tag gemacht und durchgeschlafen; am allgemeinen Feiertag wollten sie nicht um 3 Uhr aufstehen und backen; das Volk könnte auch einen Tag trockenes Weißbrod essen. Not kennt kein Gebot; eine Tasse Zuckerwasser und ein Schwarzbrot=Butterbrot mußte für heute den Jungen als Morgenimbiß genügen, und sie rollten ohne Sorgen davon. Der Lehrer war in der Schule, er hatte heute keinen Feiertag, sah auch garnicht feierlich gestimmt aus. Hatte er auch wohl nur Schwarzbrot und Zuckerwasser bekommen? Franz trat mit einem gewissen Galgenhumor hinaus in den Hof, um nach dem Rechten zu sehen. Da saß„unser Knecht" Johann auf einer Bank in seinem besten Staate, den Sonntagshut schief auf dem pomadeduftenden, Kopfe, und rauchte eine Cigarre.„Johann, was machst Du denn da, bist Du närrisch geworden?"„Ich feiere, Herr!“„So———? Du feierst? Hast Du denn das Pserd gereinigt und gefüttert, den Stall in Ordnung gemacht?“„Ne Herr, wir feiern heute.“„Da soll Dich doch——!"„Ich dacht, der Herr wär' so gut und thäte heut die Arbeit selbst, ich muß um 11 Uhr in die Versammlung, und heut' nachmittag gibt es einen Zug, ich trag' eine Fahn'.“ Johann ging, sein Herr sah ihm verblüfft nach und dachte, „warte, Junge, ich will dich befeiern.“ Ja, da half es denn nichts. Er zog eine alte Jacke und Hose an und fegte Pferd und Stall und seine gute Anna lachte.„Die Mistgabel kleidet Dich sehr gut, Franz,“ spottete sie,„aber ich bitte dich, komme mir nicht so in's Zimmer, ich möchte mir den Appetit nicht verderben.“ Als er fertig war, legte er den„Knecht" ab und zog den„Herrn" wieder an und ging zum Frühstück— schwarzer Kaffee und Schwarzbrot. Aber die Henne feierte gtücklicherweise nicht, und so hatte seine zarte Gattin eigenhändig ein Ei aus dem Hühnerstalle herausgeholt. Als beide halb in Aerger, halb in Lachen am Kaffeetisch saßen, kam die Kathi in ihrer besten Robe die Treppe hinunter.„Madame, heute ist Arbeiterfeiertag, und da brauchen auch die Mägde nicht zu arbeiten, ich gehe zu einer Freundin.“„Gut, gehen Sie nur, ich werde schon allein fertig. Und Kathi ging. Anna sah ihr mit einem wütenden Blick nach. Franz lachte.„Franz Du lachst, Du lachst noch, wenn ich mich über solche Unverschämtheit schwarz ärgere?“ „Ja, hast Du nicht auch über die Mistgabel gelacht? Ich bin heut' Knecht und Du Magd, Johann ist Herr und Kathi Madam, wir müssen uns in unsere neuen Rollen zu finden wissen. Ich ziehe jetzt mit dem Gaul und dem Pflug auf's Feld und Du gehst hübsch nach dem Markt, reinigst die Zimmer, auch das Schlafzimmer Kathis und besorgst die Küchenarbeit.“ Anna seufzte. Als Franz mittags aus dem Garten zu Tisch kam, war Anna mit allem fertig— früher als Kathi.„Aber auf Fleisch mußt Du heute verzichten, Franz, die Metzgergesellen haben auch am Feiertage teilgenommen und so konnte ich nur alte Wurst bekommen, doch ich verzichtete darauf. So gab es Biersuppe, Kartoffeln mit Kohl und Eiern, und Franz fand, daß es gut war und aß mit den Kindern um die Wette. Gegen 1 Uhr kam auch Johann und Kathi nach Hause.„Wo ist denn unser Essen Madam?"„Ja Leutchen, heut' ist Feiertag und heute wird hier für Diestboten nicht gedeckt, wer feiert, muß auch hungern lernen.“ Da wurde Kathi wild und kündigte ihre„vierzehn Tage".„Können heut' schon gehen, sagte Frau Anna und ließ sie im Hausgang stehen. Johann erklärte, das brauchte er sich nicht gefallen zu lassen, die Welt sei eine andere geworden und die Arbeiter hätten auch einen Willen.“ Schön, sollen sie auch haben, aber gekocht hat die Madam nicht für dich und in vierzehn Tagen sind wir geschiedene Leute.“ Franz ging nach Tisch in den Ort und trat in seine Stammkneipe. Der dicke Thomas rannte selbst mit den Seideln umher und Frau und Töchter halfen die Gäste bedienen.„Mein Brauerbursche feiert und die Zapfjungen sind heute mittag auch davongelaufen,“ schnaubte er wütend;„alles ist ausgeblieben, selbst der Gemüsehändler, und heute mittag gab es nur ein Butterbrot mit Käse zu einem Glase Bier.“ Aber dennoch brauchte er nicht zu schimpfen, denn er machte anscheinend das beste Geschäft dabei. Die Schenkstube war von Arbeitern aller Art überfüllt, alle in Sonntagskleidung und flott zechend. Denen mußte es noch nicht so schlecht gehen! Laut discutierte man über die Ereignisse des Tages, über die Zukunft, die den Arbeitern gehöre, und alle möglichen Dinge. Franz ging bald hinweg, das Bild der Demokratie in der Wirtsstube gefiel ihm nicht; da es doch heute ein verlorener Tag sei, so beschloß er, mit der Eisenbahn in den nächsten Ort zu fahren, um einen alten Freund zu besuchen. Der Weg führte an einem im Bau befindlichen Hause vorüber. Kein Maurer war zu sehen, die Baustelle war leer. Auf einer nahegelegenen Fabrik heirschte Totenstille; kein Schlot rauchte, keine Esse sprühte die Maschinen gingen nicht, und die Feuer waren verlöscht. Und auf dem Comptoir saß der Fabrikherr, und zerbrach sich voll Sorgen den Kopf, wie er wohl dem Verlangen der Leute nach 25 Procent Lohnerhöhung entsprechen könne, ohne sein Geschäft zu ruinieren. Auch der Buchhalter und die Commis waren fleißig beschäftigt, denn sie hatten ja keinen Feiertag. Der Lehrling spielte sogar Portier, der auch nicht zum Dienst gekommen war. Franz trat auf den Perron des Bahnhofs und fand es sehr still. Der Inspektor erklärte, ob heute noch ein Zug komme, wisse er nicht. Maschinisten, Schaffner und Bremser feierten zur Mehrheit, und da müsse eben das Reisen aufhören. Eine alte Frau, die das hörte, wurde sehr erregt und stürmte auf den Inspektor ein.„Um Gotteswillen, Herr Inspektor, das wird dach wohl nicht wahr sein; ich muß zu meinem todkranken Sohne; morgen würde ich ihn vielleicht nicht mehr lebend finden.„Liebe Frau, ich kann Ihnen nicht helfen. Wenn die Arbeiter wollen, muß die Welt stille stehen.“ Die Rangierer hatten die Wagen stehen lassen, die Fuhrleute keine Kohlen abgefahren und die Wagen nicht entladen, und überall herrschte ein wüstes Chaos. Der Zug kam nicht; der Telegraph meldete dessen Ausfall aus Mangel an Bedienungsmannschaft, und Franz ging mit seinen Gedanken beschästigt wieder heim. An der Schenke war es inzwischen lebhafter geworden. Meist grüne Jungen, von denen einige durch einen großen knallroten Schlips ihren politischen Glauben bekannten, schlenkerten umher, und schon schien auch der Alkohol die Geister zu beherrschen. Der Feierzug sollte sich organisieren— aber das Auge des Gesetzes sieht scharf, und jeder Versuch, etwas mit einem Zug zustande zu bringen, mißglückte an der Energie der Polizeibeamten, die auch keinen Feiertag hatten. Auf der Straße herrschte sonst die Ruhe eines englischen Sonntag's, einige vorsichtige Geschäftsleute hatten die Läden geschlossen, vielleicht aus Furcht vor zerbrochenen Fensterscheiben oder gar vor Plünderung. Und noch stand der Kehricht und Abfall in Kisten und Kasten vor jeder Thüre, noch lagen die Staubhäufchen hübsch zusammengekehrt an der Straße und warteten des„Dreckmanns"; doch der Dreckmann kam nicht, er hatte Feiertag. Als Franz nach Hause kam, fand er seine Frau im Garten und die Kathi saß weinend in der Küche.„Kathi, warum weinen Sie?“ Kathi wollte nicht mit der Sprache heraus. Endlich sagte sie, ihr Heinrich sei heut' wohl verrückt geworden; der habe gesagt, sie solle sich nach Hause packen und kochen, daß die Arbeiter nicht wie heut mit hungrigen Magen feiern müßten; übrigens würden die Arbeiter jetzt Herren, und dann könnten sie sich auch eine reiche Fabrikantentochter aussuchen, und nicht eine solche Küchenmamsell. Damit meinte er mich.“ Und Kathi weinte weiter. Am Abend wurden die Gaslaternen nicht angezündet und in den Straßen herrschte Finsternis und Verwirrung. Die Erbitterung über das faule Volk der Leuchte= und Dreckmänner, der Milch= und Gemüsemänner führte zu einer Schlägerei, die blutige Köpfe machte. Auch Johann kam mit eingehauener Nase nach Hause und schlich sich kleinlaut in den Pferdestall. Am andern Morgen fragte Franz: „Nun, Johann, war es schön gestern am Feiertag?" Johann hielt sich die Hand an die Nase und antwortete:„Ach, Herr, kann ich doch noch bei Ihnnen bleiben, ich will auch fleißig arbeiten," und ähnlich bat Kathi ihre Madam, und Knecht und Magd schlossen wieder Frieden mit ihrer Herrschaft. Und wo mag das alles geschehen sein, lieber Leser? O, es war nur ein Bild, wie es kommen würde, wenn alle Glieder der menschlichen Gesellschaft feiern wollten, da würde die Welt bald still stehen, merkt's euch, ihr knallroten Schlipsenträger! Höhe, während man einen Teufel als Popanz anzündete und zur Erde warf. Das geschah zum Zeichen des Sieges Christi über den Satan. Friedrich der Große schaffte die Feier der Himmelfahrt zwar ab, aber die Nachfolger führten das alte Kirchenfest wieder ein. Mögen Katholiken und Protestanten es verschieden feiern, heute ist es überall ein Tag geistiger und innerer Erhebung und leiblicher Erholung. Wenn Himmelfahrt da ist, ist Pfingsten nicht fern, das die Höhe der Sommerfreude darstellt, wie sein Gegenstück, das Weihnachtsfest, die Höhe der Winterfreude, da die Sonne sich wendet. — 13. Mai. Heute vormittag langte ein Remonte=Commando der Bonner Königshusaren, aus 33 Mann bestehend, von Wildbergerhütte kommend, hier an. Dieselben machen den ansehnlichen Marsch nach Zedlin bei Treptow in Pommern. Von hier geht der Marsch nach Elspe, woselbst sie einen Ruhetag haben. —. Die Versetzung des Güterexpedienten Pieper von Siegen nach Finnentrop ist zurückgenommen. — Zum Besuche des 8. deutschen Lehrertages dürften auf Verfügung des Herrn Cultusministers v. Goßler die sämtlichen königlichen Provinzial=Schulkollegien und Regierungen Lehrern ihres Aufsichtskreises für die Dauer der Pfingstwoche, d. h. vom 25. bis 31. Mai d. J., den erforderlichen Urlaub erteilen. —4— Lütringhausen, 10. Mai. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag stürzte die erst vor einem halben Jahre neuerbaute Scheune des Gutbesitzers Rasche hierselbst ein. Es ist ein Glück zu nennen, daß der Unfall sich in der Nacht ereignete, da Tags über meistenteils Leute in derselben oder in unmittelbarer Nähe derselben beschäftigt waren. Welschenennest, 7. Mai. Unsere Gemeinde wird demnächst ein Krankenhaus erhalten. Der kürzlich gestorbene Rentner Hr. Limper hat nämlich zur Errichtung eines solchen 60,000 M., und die Gattin des hochherzigen Gebers 15.000 M. vermacht. Hagen, 10. Mai. Zwei eklatante Fälle aus der Strafsrechtspflege können als wesentlicher Beitrag zu der Förderung der Entschädigung unschuldig Inhaftierter dienen. Der Landwirt D. Sch. aus Garenfeld bei Westhoven hat über 4 Monate Untersuchungshaft gesessen und wurde heute nicht nur freigesprochen, sondern der Strafkammergerichtshof legte auch die Kosten der Verteidigung der Staatskasse auf, was nur in ganz zweifellosen Fällen der Unschuld des Angeklagten zu geschehen pflegt. Gleich darauf wurde der Tagelöhner F. E. Wüster zu Schaumlöffel, der des versuchten Sittlichkeitsverbrechens angeklagt war und ebenfalls 4 Monate in Untersuchung gesessen hatte, auf Antrag des Vertreters der Kgl. Staatsanwaltschäfr freigesprochen. Schwelm, 8 Mai. Zur 300jährigen Jubiläumsfeier der Stadt Schwelm am 14.—16. Juni sollen 3 große Zelte gebaut werden und zwar derart solide aus Brettern und Balken, daß das Publikum selbst beischlechtem Wetter vollständig geschützt sein wird. Das Weinzelt, in welchem auch die Festbälle sowie am Montag das Festbankett stattfinden, wird ca. 3000 Personen bequeme Sitzplätze gewähren. Ein ähnlicher Bau wird das Bierzelt auf dem Schützenfelde werden, während dasjenige auf dem Kriegerfelde nicht ganz so groß wird. Für die Festwirtschaft anden Tagen sind bereits von den hiesigen Wirten 5000 M. geboten. Arusberg, 9. Mai. Die Wahl des Ortes für den westfälischen Juristentag findet am 17. d. M. in Hamm statt. Es werden in erster Linie Arnsberg und Paderborn in Frage kommen, da derselbe an den andern Sitzen der Landgerichte schon getagt hat. Die Mittwoch Abend versammelten Juristen von Arnsberg beschlossen, auf der Vertreterversammlung zu Hamm in Antrag zu bringen, dieses Jahr Arnsberg für die Feier zu wählen. Aus Westfalen, 9. Mai. In der Lüdenscheider, Mendener und Iserlohner Gegend sind schwere Gewitter niedergegangen, die zum Teil erheblichen Schaden, namentlich an der Aussaat, angerichtet haben.— In Hagen verschwindet demnächst eine alte Merkwürdigkeit, nämlich die katholische Schule vor der katholischen Kirche; in dieser Schule wurden in alter Zeit sämmtliche Kinder Hagen's von einem Lehrer unterrichtet. Heute sind über 100 Lehrkräfte in der Stadt thätig. So ändern sich die Zeiten. Münster, 10. Mai. Auf der Strecke Winterswyck=Essen bei Station Rhade entgleiste ein Personenzug. Ein Bremser erlitt einen Armbruch, viele Reisende wurden verletzt, getötet wurde Niemand. Ahlen, 9. Mai. Ein schreckliches Ende fand hier der Arbeiter K. Derselbe war in der Seiler'schen Fabrik damit beschäftigt, eine Maschine zu ölen und geriet der Unglückliche bei dieser Gelegenheit in das Getriebe der Räder, welche ihn im Augenblick an sich rissen und so festklemmten, daß es den sofort zu Hülfe eilenden Kameraden nicht gelang, den Aermsten noch lebend aus der Maschine herauszuziehen. Nur mit großer Mühe konnte die Leiche aus dem Räderwerk losgelöst werden. Deu traurigen Tod des 50 Jahre alten Verunglückten beweinen u. a. 6 unmündige Kinder. Düsseldorf, 3. Mai. Die D. Vztg. erzählt: Ein Fabrikarbeiter, Vater von 11 Kind nu, erbat sich am 1. Mai von seinem Arbeitgeber Urlaub. Befragt, wie er da komme, als alterfahrener Mann feiern zu wollen, antwortete derselbe, daß er seit langer Zeit keinen freien Sonntag gehabt habe, da er jeden Sonn= und Feiertag nach dem Bergerthor müsse, um Schulversäumnisstrafen abzubüßen. Gegen diesen Einwand konnte der Arbeitgeber nichts haben. Berlin, 10. Mai. Der„Reichsanzeiger“ meldet: Gegen die Hagel=Versicherungs=Gesellschaft„Germania“ in Berlin wir wegen vorgekommener Unregelmäßigkeiten das Verfahren behufs Kon zessionsentziehung eingeleitet werden. Es ist wünschenswert, daß die öffentlich bekannt werde, da in der Presse fortwährend Ankündigun, erscheinen, welche die Landwirte zum Beitritte zu der Gesellsch auffordern. Monat=Mai. Der Wonnemond, auch Rosenmonat genannt, ist in der den schen Dichtung reich bedacht. Er ist als 5. Monat im Jahr der Früblingsmonat, der Psingsten=Monat; der Mai macht Alles ne Pflanzen und Tierleben geht der höchsten Entfaltung entgegen, Tag der Sommersonnenwende naht, die alten Frühlingsfeste fielen in für Mai=Kuren und Prophezeiungen in Verbindung: „Herrgottsvogella, flieg', auf, Flieg' mir in den Himmel nauf, Bring' a goldes Schüssela'runter Und a Wickelkindla drunter.“ Maienlust und Maienfreude herrschen: Der Mai ist gekommen— die Bäume schlagen aus— da bleibe, wer Lust hat— mit Sorgen zu Haus!— Nun giebt es Maiblumen, den Spring auf, Conoallaria majalis, neben der Marschall=Niel=Rose, die Lieblingsblume der Kaiserin, in Süddeutschland versteht man unter den Maiblumen die gelbe Blüte des Leontodon taraxzcum(Löwenzahn). Als Pfingstpalme gilt das Birkenlaub, als Pfingstrose die Päonia, auch die Primel ist im Gebirge eine Pfingstblume. Alle diese Frühlingsgaben, die Maikräuter, sind würzig und scharf, so der Waldmeister, Aperula odorata, die Essenz des Maitrankes, der aus Moseloder Rheinwein hergestellt wird. Der Maipilz oder Maischwamm ist der Musseron(Agaricus), Maikräuter sind auch die Melisse, die Pfefferminze, die schwarze Johannisbeere. Auch dem Maiwurm oder Oeltäfer dichtete man früher Heilkräfte an, und im Maizauber spielte er eine Rolle. Als Maifisch galt die Alse. Mit den mystischen Maikräften stehen allerlei Zaubervorschläge den Anfang des Mai. Der 1. Mai, den sich die Arbeiter zum Weltfeiertag auswählen, war der Festtag der Hexen, der Tag der darauffolgenden Walpurgisnacht. Freilich hat der Mai auch die Gefahren der Maifröste und das Uebelste an der Herrschaft der drei gestreugen Herren ist jedenfalls, daß ihnen die Wetterkunde eine Art historischer Berechtigung zugesteht, denn die Maifröste sind, wenn sie eintreten, hart und streng und schädigen das Wachstum empfindlich. Maja war in der griechischen Mythologie die älteste der Töchter des Atlas und der Pleione, die Geliebte des Zeus, der sie mit ihren Schwestern an den Himmel, in das Sternbild der Pejaden versetzte; in der römischen Götterlebre war Maja oder Majestas jdie Göttin der Fruchtbarkeit, welche Gedeihen und Wachs tum gab, die Bona Dea. Fauna oder Ops, welcher am 1. Mai ein Schwein geopfert wurde. Der Maikäfer, der auch an manchen Orten Marienkäfer genannt wird, auch Sonnenküchlein wird in Bezug auch mit der Mythe, gebracht, obwohl oft in unklarer Weise. Man singt: „Maikäfer, fliege! Dein Vater ist im Kriege: Deine Mutter ist in Pommerland; Pommerland ist abgebrannt; Maikäfer, flieg“!“ Läßt sich für diesen Vers wohl eine Erklärung finden? Wie nach dem noch heutzulage geltenden Mythus der Storch als SeelenKühler nasser Mai Giebt guten Wein und viel Heu.— Mamertus, Pankratius, Servatius Bringen Kälte und Verdruß. Mairegen auf die Saaten, Dann regnet's Dukaten. Siehst du im Mai die Kräh' nicht mehr, Kommt reiche Ernte hinterher. Ferner heißt es in den Bauernregeln: Maienthau macht grüne Au; Maienfröste, unnütze Gäste. Kein Reif nach Servaz, Kein Schnee nach Bonifaz. Danket St. Urban dem Herrn, Er bringt dem Getreide den Kern. Pankraz und Urbanitag ohne Regen Versprechen reichen Weinsegen. Endlich beachte man für Feld und Garten: Soweit die Frühjahrsbestellung noch nicht beendet, ist das Versäumte eiligst nachzuholen. Sommerraps und Rübsen wird gesät.— Gesteckt werden Bohnen, Gurken, Kürbis, Mais. Man säe Blätter= oder Grünkohl. Die im vorigen Monate gemachten Pflanzungen sind zu jäten. Der Spargelstich beginnt. Die unnötigen Triebe von den Obstbäumen breche man ab, entferne das Ungeziefer und lüfte bei den jungen bringer angesehen wird, so bei unseren Vorfahren auch der Käfer, Bäumchen die Bänder. Beim Zwergobst beginnt der sog. Sommerbesonders der Marienkäfer. Dieser war vor der Einführung des schnitt, beim Pfirsichspalier sorge man für sachgemäßes Ausbrechen. Christentums in Deutschland der Frouwa heilig, der Göttin der heiteren Lust, und wurde, da Frouwa und Frigga vielfach identisch sind, Friggehönna(Friggahuhn) genannt. Nach der Einführung des Christentums kam er in den Dienst der allerseeligsten Jungfrau Maria und erhielt hiervon seine zahlreichen Namen. So heißt er um Halberstadt Marihöne(Marienhuhn) oder Muttergotteslämmchen, in Leipzig Gotteskühchen, in Dresden Herrgottsschäfchen, in Westfalen Herrgottshühnchen oder Sunnenkieken(Sonnenküchlein), in Schwaben Frauenkühli, in Hessen Herrgottsküchlein. Der Käfer wohnte nach der heidnischen Anschauung bei der Göttin Frigga, welche wiederum mit Frau Holle, der Hüterin der Kinderseelen, indentifiziert wird, und bringt von dort, aus den Wolkenseen, die Kinder. die Kinder dem Marienkäfer, indem sie ihn au, veul Heigesunger aufwärts bis zur Spitze laufen lassen, zu: Für die Jagd: Gestattet ist die Balzjagd auf Auer=, Birk= und Fasanenhahn, auch der Rehbock darf geschossen werden, jedoch ist derselbe noch nicht gut im Wildpret. Gegenüber solchen praktischen Winken aber singt der Dichter: Was hat in schönen Maientagen Nicht alles sich das Herz zu sagen, Wie rührt sich in der jungen Brust Der Liebe Traum, der Jugend Lust! Farbige Seidenstoffe von 95 Pfg. So rufen in Franten bis 12.55 per Met.— glatt, gestreift, karriert und gemustert(ca. 2500 ue dem a:.“ Vtt, versch. Farhen und Dessins)— vers. roben= und stückweise porto= u. zollZeigefinger auf= frei das Fabrik=Depot G. Henneberg(K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 Pf. Porto. Krieger=Verein Oberhundem. Die Wirtschaft für drei nacheinander folgende Feste soll am Sonntag den 18. dss. Mts. beim Herrn Wirt Theod. Auvermann an leistungsfähige Bewerber öffentlich meistbietend vergeben werden, wozu einladet Der Vorstand. Wal=Anbacht d. i. die Verehrung der allerseligsten Himmelskönigin und jungfräulichen Mutter Maria im Maimonat, für Kirche und Haus eingerichtet. Herausgegeben von einem kathol. Priester mit Erlaubnis der geistlichen Obrigkeit. „Ausgabe in gewöhnlichem Druck Pfg., in großem Druck 40 Pfg. Vorrätig in der Ruegenberg'schen Buchhdlg., Olpe. sensationelle Erfindung für Raucher, Rich. Boreks bsseizuen geschülzte Von jetzt ab verkaufe: Ta&a GGATT zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Amhunge schon von 8 Meurn un. Attendorn. Franz Meckel. A Spar=& Darlehnskassen=Verein e. G. m. u. H. Bilanz am 31. Dezember 1889 Aktiva. Passiva. 1) Kassenbestand am 31. Dez. 1889 2) Ausgeliehene Kapitalien 3) Guthaben in bei der Bank 4) lauf. Rechnung bei Mitgliedern 5) Stückzinsen 6) Wert der Mobilien 962149 110015— 11058/40 4220— 2130/34 320— 1) Sparkassen=Einlagen 2) Geschäftsanteile 8) Schulden in laufender Rechnung bei Mitgliedern 4) Reservefonds Ende 1888 5) Reingewinn pro 1889. namef s uueherce 1 Die Sanitätspfelfe braucht nie gereinigt zu werden. No. 14. 100 ctm lang, aus fein polirtem Ahornholz 3 M. Ne. 8. 95 otm lang, aus echtem wohlriech. Weichselholz 5 M. No. 2. 100 otm lang, ebenso, aber m. langem Hornabguß 8 M. Sotz, Lheziste mit breit. Spitze und Aeserve: mugonuck 25 Of. mehr. Wiederverk. Rubalt. Ders. geg. Nachn. od. vorh. Eins. d. Betrags. Alleiniger Fabrikant: I. Fleischmann Nacht., Ruhla(Thür.). 137365 23 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1888 196 Im Jahre 1889 sind zugegangen 8 „„„„ abgegangen 9 Es beträgt also die Mitgliederzahl Ende 1889 195 Elspe, den 12. Mai 1890. Der Vereins=Vorsteher F. Alzer. Der Rendant H. Schneider. 119281 86 1950— 13845— 1716/16 572/21 13736523 Den seit 1880 bei Pfarrern, LehBeamten, Gutsbesitzern 2c. rühml. bekannten Holländ. Tabak lief. nur B, Bookor in Seesen. Schlossfreiheit-(Geld-) Lotterle. Haupt=Nächste Ziehung am 9. Juni d. J. Für neu eintretende Spieler empfehle und versende ich Dritainal=Lose zu vlanmäbigen Preisen Ganze 128 M. Halbe 64 M. Viertel 32 M. Achtel 16 M. Zur Bequemlichkeit meiner werten Kundschaft empfehle ich Anteil=Volllose, giltig für alle Ziehungen dieser Lotterie, auf welche keine Nachzahlungen zu leisten sind und für welche ich im Falle eines Gewinnes in den ersten 4 Klassen, die im Voraus bezahlte Einlage der folgenden Klassen zurückerstatte. Antell=Vollose 1/1 1/8 1/4 1/8 1/16 1/02 1/04 für alle Klassen giltig) M. 200 M. 100 M. 50 M. 25 M. 12.50 M. 6,25 M. 3.50 Zur Erhöhung der Gewinn=Chancen empfehle ich, möglich viele Anteile an verschied. Nummern zu nehmen joee 10/82 10/16 10/8 M. 35 M. 62.50 M. 125 M. 250 M. 500 Jeder Bestellung, welche durch Postanweisung erbitte, sind f. Liste u. Porto 80 Pf. f. jede Klasse belzufügen. August Fuhse, Bankgeschäft Berlin W. eschnggtiche r % M. 500 Holz-Verkauf. Samstag den 17. Mai, vormittags 10 Uhr, werden zu Scheiderwald in der Wohnung der Ww. Quast für die hiesige Kirche zum Verkaufe ausgestellt: 1) Im Distrikt Altenbuchholz 130 Stück Eichen, zu Grubenholz geeignet. 2) Im Distrikt Ellmicke 66 Ar 40jähriger Buchenbestand mit einigen stärkeren Buchen und Fichten, letztere zu Bauholz geeignet. Eine Partie Eichenstangen zum Lohschälen. 4) Fichtenabfall und 230 Ruten zum Hacken und Brennen. Die Verkaufsbedingungen werden im Termin bekannt gegeben, und wird der Waldwärter Althaus zu Schönau auf Wunsch das Holz anweisen. Wenden, den 10. Mai 1890.(679) Der Kirchen=Vorstand. Eegatreiter Tersamatung Donnerstag nachmittags 5 Uhr bei Ww. Hennecke in Meggen. Zweck derselben: Vereinigung mit den Gewerkschaften. Alle Kameraden werden hierzu dringend eingeladen.(684) Ein tüchtiger Blechschneider für Rollscheere gesucht. Altenhundemer Walz=& Hammerwerk. Sohler& Co. Draht zum Einfriedigen ist sofort billigst abzugeben. Näheres bei Platzmeister Kampfschulte in Listernohl. Samstag den 17. Mai halte ich mit einer großen Auswahl Ferker bei Gastwirt Hennecke in Altenhundem. Chr. Wirges. Leinsamen 25 Pfg. per Pfd. wieder in neuer Sendung eingetroffen; alle Sorten Panzbohnen in bester Ware empfiehlt Jos. Feldmann, Olpe. esheste ecee. zu 50 Pfg. cnegenbezgsche Buchdlg., Unentgeltlich vers. Anweisung nach 15jähriger approbierter Heilmethode zur sofortigen radikalen Beseitigung der Teunksucht, mit, auch ohne Vorwissen, zu vollziehen, unter Garantie. Keine Berufsstörung! Adresse: Privatanstalt für Trunksuchtleidende Villa Christina, Post Säckingen Briefen sind 20 Pf. Rückbeizufügen. porto Alle Arten Kautschusstempel liefert zu Fabrikpreisen Ruegenberg'sche Buchhdlg., Olpe. Amtliche Bekanntmachungen. Unter Bezugnahme auf§ 69b der W.=O. wird hierdurch bekannt gemacht, daß das diesjährige Aushebungsgeschäft im Kreise am 28. und 30. Inni und 1. Juli stattfindet. Diejenigen Militärpflichtigen, welche bei demselben sich zu gestellen haben, werden aufgefordert, an demjenigen dieser Tage, welcher aus der behändigenden Vorladung zu ersehen ist, morgens 7½ Uhr vor dem Gartensaale des Gastwirts Emil Zeppenfeld hierselbst zu erscheinen und den. Aufruf zur Gestellung vor der Ober=Ersatz=Commission zu geTolag hasgeno sames Nichterscheinen wird unverzüglich gesetzliche Strafe zur Ge„Während der Aushebung erwarte ich ein auständiges und ruhiges In. Betreff des Reklamations=Verfahrens bleiben die früher mitgeteitten Bestimmungen maßgebend. Es wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Eltern der Reklamierten ohne Rücksicht auf ihr Lebensalter mit Ausnahme der erkrankten und marschunfähigen Personen, sowie die über 14 Lahrs. giten männlichen Angehörige bei Vornahme der Reklamation zugegen Olpe, 5. Mai 1890. Der Landrat Freusberg. Auf Grund des§ 1237 der W.=O. wird hierdurch bekannt gemacht, daß bei dem diesjährigen Zurückstellungs=Verfahren 1) Der Reservist Vitus Kaufmann zu Elben hinter die letzte Jahresklasse der Reserve, 2) der Vizeseldwebel der Landwehr 2. Aufgebotes Karl Löhr zu Meggen hinter die letzte Jahresklasse der Landwehr 2. Aufgebots zurückgestellt worden sind. Olpe, 8. Mai 1890. Der Civil=Vorsitzende der Ersatz=Commission Freusberg, Landrat. Wegen Aufgabe des Hefengeschäfts„„Lehrling, stehen bei mir 2 Hefenpressen, eine Spindel und eine noch neue Filterpresse(Wegelin u. Hübner, Halle a d. Saale) zum Verkauf. Kemper, Dampfkornbrennerei. am Himmelfahrtstage den 15. Mai auf der Villa Witthase. der Schirra'schen Capelle. Es ladet freundlichst ein Carl Gerhardt. Eckenhagen, 8. Juni 1890. Stelliner Pferde=Lotterie. Ziehung am 20. Mai 1890. Lose à 1 M.(11 Lose für 10 Mark) empfiehlt und versendet(auch gegen Briefmarken) Carl Heintze, Bankgeschäft, Berlin W., Unter den Linden 3. Für Porto und Liste sind 30 Pfg. beizufügen. Gewinne: 1 Jagdwagen mit 4 Pferden 1 Landauer mit 2 Pferden 1 Halbwagen mit 2 Pferden 1 Sandschneider mit 2 Pferden 1 Parkwagen mit 2 Ponnys 1 Brongham mit 1 Pferde 1 Herrenphacton mit 1 Pferde 1 Damenphacton mit 1 Pferde 83 Reit= und Wagenpferde 20 complette Reitsättel 30 vollständige Zaumzeuge 50 wollene Pferdedecken 20 Jagdgewehre 87 Gew.: Div. Ledersachen 80 gold. Drei=Kaisermedaillen 4000 silb. Drei=Kaisermedaillen 1000 silb. hippologische Münzen W.& E. Reisslandt, Siegen, Sandstraße. Eisenkonstruktions=Werkstätte. Geländer jeder Art, Grabgitter, Thürfällungen, eiserne Hartenmößel, BeeteEinfassungen. 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Alle Realberechtigten werden aufgefordert, die nicht von selbst auf den Ersteher übergehenden Ansprüche, deren Vorhandensein oder Betrag aus dem Grundbuche zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks nicht hervorging, insbesondere derartige Forderungen von Kapital, Zinsen, wiederkehrenden Hebungen oder Kosten, spätestens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, falls der betreibende Gläubiger widerspricht, dem Gerichte glaubhaft zu machen, widrigenfalls dieselben bei Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt werden und bei Verteilung des Kaufgeldes gegen die berücksichtigten Ansprüche im Range zurücktreten. Diejenigen, welche das Eigentum der Grundstücke beanspruchen, werden aufgefordert, vor Schluß des Versteigerungstermins die Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls nach erfolgtem Zuschlag das Kaufgeld in Bezug aufden Anspruch an die Stelle des Grundstücks tritt. Das Urteil über die Erteilung des Zuschlages wird am 4. Juni 1890 vormittags 8 Uhr an Gerichtsstelle verkündet werden. Förde, den 27. März 1890. Königl. Amtsgericht. Garantiert ächter Medie. Tokayer chemisch untersucht von der Samtätsweingesellschaft Hungaria in Frankfurt a. M. wirkt bei schwächlichen Personen erstaunlich und wird selbst bei Kindern vom zartesten Alter mit größtem Erfolge angewandt. In ½ und 1/ Originalflasche bei: Schmelzer, Megen, Wilh. Hermes, Lenne. Fur Schater höherer Lehranstalten. Pflanzenpressen von poliertem Holz mit Tragriemen und Pflanzenstecher per Stück Mk. 2,75. Bücherträger per Stück Mt. 0,75. Zu haben in der Ruegenberg'schen Buchhdlg., Olpe. General=Kärte von Afrika, nach den neuesten Materialien revidiert und ergänzt von F. Handtke. Preis 1 M. Vorrätig in der Ruegenberg= schen Buchhdlg., Olpe. 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