Ne. 91. Oipe, Mittwoch den 14. November. 1888. Erscheint am Mittwoch und Samstag und kommt bereits Dienstags und Freitags nachmittags zur Ausgabe. Abonne= mentspreis vierteljährlich 1 Mk. 20 Pf., per Post bezogen 1 Mk. 25 Pf., mit Illustriertem Sonntagsblatt 25 Pf. mehr. Anzeiger für das Sauerland und speziell für den Kreis Olpe. Anzeige 10 Pfg. für die einspaltige Petit=Zeile oder deren Raum, unter 4 Zeilen 40 Pfg.; Reklamen 25 Pfg. die Zeile. Die Besorgung von Briefer: und Annahme von Adressen wird mit 25 Pfg. berechnet. Verantwortlicher Redakteur: Gottfried Ruegenberg. Verlag der Ruegenberg'schen Buchhandlung in Olpe. Unsere Marine. Die für die Entwickelung und Stärkung der maritimen Wehrkraft des deutschen Reiches so bedeutungsvolle Frage der Reorganisation seiner Marine steht nach längerer und reiflicher Erörterung durch die hierbei beteiligten Kreise vor ihrer Lösung. Es sind für die bevorstehende Reichstagssession Vorlagen zu erwarten, welche bestimmt sind, eine ganz neue Eutwickelungsperiode in der vaterländischen Marine zu eröffnen, und die sowohl wichtige Veränderungen in der obersten Leitung und Verwaltung unseres Flottenwesens, als auch einschneidende Umänderungen und Neuanschaffungen im Flottenmaterial betreffen. In ersterer Beziehung ist nunmehr als seststehend zu betrachten, daß eine Trennung von Commando und Verwaltung in der Marine erfolgen und daß für die Personalangelegenheiten im kaiserlichen Militärkabinet eine besondere, der Flotte gewidmete Abteilung gebildet werden wird, um auch nach dieser Richtung dem Zusammenwirken der Flotte mit der Armee Rechnung zu tragen. Indem das Obercommando über die Flotte künftig von deren Verwaltung getrennt wird, erhält jenes eine freiere und selbständigere Bewegung, während anderseits sich nun auch die Verwaltung mit voller Kraft den von ihr zu lösenden speziellen Aufgaben widmen kann und somit wird sich die Trennung sicherlich nur als eine zur Kräftigung und Festigung unseres gesamten Marinewesens beitragende Maßregel erweisen. Die einschlägigen Personalfragen sollen bereits entschieden sein und führt jedenfalls Vize=Admiral Graf von Mouts das Obercom= mando über die Flotte vorläufig weiter. Nicht minder wichtig sind auch die zu erwartenden Veränderungen im schwimmenden Flottenmaterial und es heißt, daß der dem Reichstag vorzulegende Marine=Nachtragsetat Forderungen im Gesamtbetrage von ca. 100 Millionen Mark enthält, die sich hauptsächlich auf den Neubau von Schlachten= und Kreuzerschiffen beziehen. Das Bedürfnis, für die älteren Schiffe der deutschen Schlachtenflotte Ersatz zu schaffen, da dieselben den neuesten Anforderungen im Seekriegswesen nicht mehr genügen sollen, hat sich angeblich längst fühlbar gemacht, und es heißt, daß die Kreuzer= und Kanonenbootflotille einer Vermehrung bedürfe, wenn Deutschland mit den anderen Seemächten gleichen Schritt halten wolle und es werden sich daher die zu gewärtigenden Vorschläge der Reichsregierung nach beiden Richtungen hin bewegen. Es sind allerdings wiederum ganz beträchtliche Anforderungen, welche hiermit an die Opferwilligkeit des deutschen Volkes herantreten, aber sie werden wohl erfüllt werden müssen, wenn die deutsche Kriegsmarine sich auf ihrer Höhe behaupten und derjenigen der anderen großen Mächte nicht nachstehen soll und wir dürfen nur nicht vergessen, daß im Laufe der letzten zehn Jahre namentlich Frankreich, Italien und Rußland ganz gewaltige Anstrengungen zur Hebung ihrer Flottenmacht gemacht und hierbei die weitgehendsten finanziellen Opfer nicht gescheut haben. Wenn wir auch nicht daran denken können, nun mit einem Male eine so furchtbare Flotte zu schaffen, wie sie Frankreich zur Verfügung steht oder es auch nur Italien im Baue kolossaler und kostspieliger Panzerungetüme nachzuthun, so muß das zu Lande so mächtige deutsche Reich doch wenigstens eine Flotte besitzen, die nicht nur allen technischen Fortschritten entspricht, welche die neueste Zeit auf maritimem Gebiete gezeitigt hat, sondern die auch stark genug ist, um in einem künftigen Kriege sich nicht immer in der Defensive halten zu müssen. Wenn nun diese bevorstehenden neuen Aufgaben für unsere Marine auch sehr groß erscheinen, so kann doch anderseits gesagt werden, daß nach der Reorganisation derselben voraussichtlich wieder eine längere Ruhezeit(?) für die Marine eintreten wird und daß somit ihre Etatsausprüiche alsdann wieder eine wesentliche Ermäßigung er= rat Fuchs aus Danzig, hat erfahren, daß man mit solcher Gesinnung fahren werden. Für jetzt handelt es sich um Maßnahmen zur kräf= iu rat Fuchs aus Danzig hat erfahren, daß man mit solcher Gesinr fahren werden. Für jetzt haudelt es sich um Maßznahmen zur krä, iu Kiel nicht Bürgermeister werden kann. Zahlreiche Soziareemotunn tigen Weiterentwickelung der Seekriegsmacht Deutschlands und von der atmen in den Gefängnissen von Hamburg, Leipzig, Elberfeld, DüsselEinsicht des Reichstages steht zu erwarten, daß er diese Reformen dorf 2c. Untersuchungsluft, und nicht blos Dr. Mackenzie, reiflich in Ueberlegung ziehen wird. auch ein Rabiner in Oppeln hat erfahren, daß es sehr bedenklich ist, reiflich in Ueberlegung ziehen □ Politische Plaudereien. Wir leben in einer bösen Zeit, denn es vergeht kein Tag ohne Confiscationen, Verhaftungen, Haussuchungen, politische Prozesse und Nichtbestätigungen. Wen es nach politischem Martyrium gelüstet, der kann dies sehr billig haben; aber es scheint mir doch klüger zu auch ein Rabiner in Oppeln hat erfahren, daß es sehr bedenklich Broschüren zu schreiben. Es weht ein schneidiger Novemberwind über die deutschen Stoppelfelder, und ich fürchte, daß er die zarten freisinnigen Pflanzen, zwischen denen ohnehin der Wahlsturm arg gewütet hat, knicken kann. Der„Reichsanzeiger“ hat den Fortschrittlern, die sich vielleicht etwas allzusehr an Kaiser Friedrich klammerten, ganz klaren Wein eingeschenkt, und wir wollen an der kaiserlichen Auffassung der Lage, die vielleicht auf einseitiger Berichterstattung beder kann dies sehr billig haben;. e, ruhr und an seinem Befehle keine Kritik üben; wenn aber der Anzeisein, jedes Wort auf die Goldwage zu legen, zumat man gegen ern., ger des Reiches auch die gultramontane“ Presse in das Beheißen Backofen doch nicht gappen kan. Mit 100 Gramm Klug, reich seiner Auslassungen zieht, so müssen wir ganz entschieden dageheit kommt man im volitischen Hexenkessel, wo die verschiedenartigsten veich(ete:,—.. gich bözwilligen Entsteln hen kemmt man im polklischen Gizemesser, wo die verschiedenartigsten ne ne ne ee guz gen protesteren, daß die Centrumsprese#/8. ewuger., Extselung weiter als wit einem K'so Faisarlichen Worte — Centrumspresse sich Stoffe durcheinander gehraut werden, v. gasserlicher Wonte schuldig gemacht habe. Die tatholischen Zeitungen Grobheit und Schroffheit, und so mag auch der König Milau von haben lediglich die schamlosen Urteile und Bemerkungen zurückzewiesen, Serbien gedacht haben, denn als dieser schlaue Fürst gewahrte, daß welche Monate hindurch die Cartelspresse sich gegen die hohen Eltern die sehr eigenmächtige Scheidung von seiner zarten Lebensgefährtin dag Kaisers erlaubte und die das monarchische Gefühl auf's tiefste Natalie böses Blut im Lande absetzte, und seine Krone auf dem verletzen mußten. Bei all diesen Vorzängen, die so peinlich waren, Spiele stand, da legte er das rauhe Despoten=Gewand ab, wurde daß wir nur mit Schmerz und Entrüstung an dieselben zurückdenken Zuckerbäcker, schlug süße Sahne und versprach seinem Volke eine freie zönnen, haben wir uns der größten Zurückhaltung befleißizt und Verfassung. Natürlich wandte sich das Blatt mit einem Schlage zu stets betont, die Person des Monachen und überhaupt die kaiserliche seinen Gunsten; das ganze Volt jubelt, und Milan ist so populät Familie dürften in die politische Diseussion nicht gezogen werden. wie nur je. Offenbar ist er viel schlauer, als die zanklustigen Par= Was haben aber die Herren v. Benda, Graf Douglas, die„Köln. teiführer in Serbien, und möglicherweise kann der König es noch zu B., die„Dresdener Nachichten und andere gethan? Freisinnig einem tüchtigen Diplomaten bringen. Ebenso klug wie zeitgemäß wärr Hder ultramontan ist keiner dieser Männer und Blätter, aber das änes, wenn der Zar das Beispiel des kleinen Balkanfürsten nachahmen dert nichts an der Thatsache, daß die Mannen des Hrn. Richter wolte, denn nichts wäre besser im Staude, den Nihzilismus lahm zu jede Hoffnung fahren lassen können. Wir wissen ganz genau, wie legen, als eine Verfassung, auf welche das russische Volt seit Jahr= der Wind weht; Kaiser Friedrich ist todt, und alle Erörterungen zehnten vergebens hofft. Der Zertrümmerung des kaiserlichen Hof= konnen ihn nicht wieder in's Leben zurickrufen; am besten wäre es, zuges bei Vorki soll zwar keine böswillige Absicht zu Grunde liegen, den ganzen Tagebuch=Streit, dieses traurigste Capitel im traurigen und es hat sogar eine faule Eisenbahn=Schwelle die Runde durch die Jahre 1888, zu begraben, aber die Haussuchung auf dem Gute des Blätter gemacht; aber es mehren sich in sehr bedenklicher Weise die Freiherrn v. Roggenbach, welcher Friedrich dem Edlen enge befreundet Stimmen, welche von einem nihilistischen Attentate sprechen. Gehener gewesen, läßt auf das Gegenteil schließen. Wir wollen das Komist es in Rußland auf keinen Fall, und es wäre wunderbar, wie auf ziende in Ruhe abwarten; soviel steht aber schon fest, daß das Jahr freier Strecke bei keineswegs übermäßiger Fahrgeschwindigkeit eine 1888 für die deutsche Politik ein bedeutungsvolles war, und daß Entgleisung stattfinden sollte, zumal seitens der Behörden alles ge= Manches anders sich gestaltet hätte, wenn die menschlichen Wahrscheinschehen war, um für die Sicherheit der hohen Reisenden zu sorgen, lichkeits=Rechnungen vom Schicksal nicht über den Haufen gestoßen Es wäre ja nicht das erste Eisenbahn=Attentat der vor keinem Ver= worden wären. den Trhmnmerhansen des Hofzanges das Gensehte eigene Sache, wie dies u d Peltit ist es überhautt terst des athzittemus auf, deun es wicher eunu, ,geläigneten erfahen hat. Es wäc so schön genesen, wenn diese Winpel auf Hortesehens zu geben. Wir feuen us aufüichig über die Auso, beon,=Gonserpgalthen in der nächten suf Jahren nicht nese verliche Errettung Alexanders III., denn er war bis jetzt der beste Wall es den Conservativen in ven nachten fünf Jahren nicht mehr vergegen die zahlreichen pauslavistischen Kriegsfanatiker in Rußland, aber gönnt gewesen wäre, mit dem Centrum eine Mehrbeit zu der 29. Oktober ist wieder eine neue Mahnung für den Zaren, den bilden,— aber es hat nicht sollen sein. Die Möglichkeit der Absolutismus der Zeitströmung zu opfern und seinem gewaltigen anti=liberalen Mehrheitsbildung ist bestehen geblieben, und der n Reiche eine Verfassung zu geben. Sie kostet so viel nicht ein= tionalliberale Raubzug hat glücklicherweise das Hauptziel nicht mal, aber wenn es nicht geschieht, kann es über kurz oder lang dem erreicht. Die conservativen und freisinnigen Leichen, die au Kaiser das Leben kosten. Schlachtfelde zurückgeblieben, sind teils den Nationalliberalen, reils Ich bin jedoch von meinem Thema etwas abgekommen, denn den Freiconservativen zu gut gekommen; aber die Drehbrett=Partei ich sprach einleitend von den Maßregeln, welche in Deutschland vermochte doch nicht so viel zu räubern, daß sie sagen kann: ich bin gegen politische Unvorsichtigkeit ergriffen werden. Die Gefühle der der Herr der Situation! Wenn dies der Fall wäre, dann sollte Berliner Stadtväter, die übrigens noch lange nicht alle freisinnig an= man einmal den Jubel und Tamtam hören! Selbst##oend würde gehaucht stnd, sollen nicht sehr rosig sein, und der freisinnige Landes= der Sieger dann im Handumdrehen das ganze Volk„beglügken" und 22) Auf geheimnisvollen Pfaden. „Mir selber, Onkelchen,“ lachte sie lustig,„die Sonne brennt so furchtbar,“ „Die Tante ist schon weit voraus, Du toller Waghals!— Nun wirst Du nicht herunter kommen können.“ „Ich werde die Miß herunterholen,“ sagte der Yankee,„paßt gut nach Amerika, werde beneidet werden,— goddam!" Er prallte erschreckt zurück, als Emma, welche sein Vorhaben geahnt zu haben schien, wie ein Federball herabgeflogen kam.„Da bin ich, du furchtsamer Onkel!" lachte sie, seinen Arm ergreifend, „nun laß uns im Sturmschritt der Tante nacheilen, damit wir ihr die gute Laune nicht verderben.— Wollen Sie nicht lieber zurückbleiben, um Ihren Atem zu sparen, Mr. Ralf?“ „Ich werde Atem genug haben, Miß Emma," versetzte dieser gleichmütig,„er soll mir nicht ausgehen, wenn Sie auch noch so schnell rennen, denn mir entlaufen Sie ganz gewiß nicht.“ Emma zuckte die Achseln, ließ den Arm des Onkels los und flog wie ein Pfeil auf dem schmalen Waldpfade dahin. Als sie bei einer schmalen Krümmung des Weges aufatmend sich umwandte, stieß sie einen leichten Schrei aus, da sie Mr. Ralf vor sich stehen sah.„Wie haben Sie mich erschreckt mein Herr!" stammelte sie, von einer tötlichen Angst erfaßt. „Sie entlaufen mir, nicht, Miß Emma!“ sagte er mit einen Blick, der ihr Blut gerinnen machte, denn eine wilde Leidenschaft, die unheimlich mit seiner gewöhnlichen Blasiertheit kontrastierte, glühte in seinen Augen und ließ sie von einer unbestimmten, Furcht erbeben. Doch, faßte sie sich ebenso rasch und sagte ruhig:„Was wünschen Sie denn eigentlich von mir, mein Herr?“ „Das Versprechen mich zu heiraten," versetzte er, sie unbemerkt an, den Rand des hier beginnenden Abhanges hindrängend. „Sie sind wahnsinnig oder ein wunderlicher Lustigmacher," rief Emma überlaut, um den langsam nachfolgenden Onkel aufmerksam zu machen,„lassen Sie mich in Ruhe, ich bin es müde, das Stichblatt Ihrer Scherze zu sein.“ „Ich scherze nicht, Miß Emma, bis auch kein Lustigmacher, sondern ein Gentleman—“ „Der Wehrlose im Walde überfällt,“ unterbrach ihn Emma zornig,„bedenken sie es wohl, Mr. Ralf, daß Sie sich nicht in Amerika, sondern in Deutschland besinden, wo solche Anträge als schwere Beleidigung gelten.“ „O, eine amerikantsche Lady würde den Beleidiger niederschießen," bemerkte Mr. Ralf mit einem häßlichen Lachen,„aber sich nicht beleidigt fühlen durch den Heirats=Antrag eines Gentlemans, Also zum letzten Male, ich liebe Sie,— wollen Sie mich heiraten?" und erst wieder aufatmete, als der Aktuarius mit Frau Röschen sicht„Nein,— ich liebe Sie nicht und will Sie nicht heiraten,— bar wurde.„Wir sind schon über eine Viertelstunde am Ziel!" rief ist das klar genug, mein Herr?" Letztere mit einer koketten Verneigung gegen den Amerikaner,„wollen „Ja,— aber noch nicht das letzte Wort, Miß Emma!—“ Sie dort mich hinaufführen, Mr. Ralf! Die Aussicht ist himmlisch!“ Er umfaßte sie plötzlich mit Riesenkraft und hielt sie lachend] Dieser nickte und reichte ihr den Arm mit einer unnachahmden Abhang. Soll ich Sie da hinabwerfen, Miß Emma?" lichen Nachlässigkeit, welche Emma mit stiller Aufmerksamkeit beobachtete. über gen angung, Sen aun Eeur en gunrsen, gung anmna du, tlichen Nacläsigkeit, welche Euma mit siler Lufmersaonkeit bgobachtel Das junge Mädchen verlor keinen Augenblick ihre Geistesgegen„Leisten Sie den beiden Gesellschaft, Freund Spengler!" rannte wart.„Sie scheinen im Hinabwerfen von Menschen geübt zu sein, der Aktuarius dem verblüfften Gottlieb zu,„sorgen Sie dafür, daß Mr. Ralf!“ sagte sie, ihn fest anblickend. der Amerikaner eine Weile oben bleibt!— Ich habe Wichtiges mit Er wechselte leis die Farbe, seine Augen nahmen einen er= ihrer Nichte zu verhandeln.“ schreckend drohenden Ausdruck an und sekundenlang schien er entschlos=„Aber, Herr Ak—“ sen zu sein, die Drohung wahr zu machen. Dann setzte er sie mit„Wollen Sie den Burschen zum Neffen haben spöttischem Lächeln nieder.„Sie gefallen mir immer mehr, sind„Beileibe nicht, Emma, Kind, Du wirst doch nicht—!“ eine echte Lady, und werden in Amerika die Königin spielen—“„Na, dann rasch hinauf,„halten Sie ihn oben fest, nur fünf „In der Republik?“ rief Emma spottend. Minuten, Freund Spengler!" Tos, Miß, dort sind Schönheit und Geistesgegenwart allein Gottlieb keuchte hinauf.„ berechtigt, die Königskrone zu tragen, und mit meinem Golde ver„Ich habe Ihnen etwas vom Doktor ramvrecht zu sagen, eint, werden Sie alle besiegen.— Nehmen Sie sich in acht, Miß Fräulein Herming!" begann Schulze rasch und leise,„er wünscht *„ dringend, daß Sie diesen Mr. Ralf einige Tage hier im Gebirge Emma,— ich lasse mir keinen Korb geben.“ Das junge Mädchen erblickte in diesem Augenblick den Onkel Gottlieb, der eiligst herankeuchte.„Böses Kind!“ drohte er mit dem Stock,„mich ganz allein zu lassen.“ „Soll nicht wieder geschehen, Onkelchen,“ rief sie, erleichtert aufatmend und sich an seinen Arm hängend, Mr. Ralf hat mich recht possierlich unterhalten.“ „0 ves, Sir!“ nickte dieser gleichgiltig weiter schreitend, „Miß Emma hat viel Kourage und das Zeug zu einer echten Lady. Onkel Gottlieb schüttelte etwas unmutig den Kopf und warf dem vorübergehenden Amerikaner einen nichts weniger als freundlichen Blick nach, während Emma seine leisen Fragen nur mit einem Achselzucken beantwortete.„Kommt davon“, brummte er halblaut, „wenn man solchen hergelaufenen Fremden, der sich für einen reichen Amerikaner ausgiebt, in seinen Kreis aufnimmt. Ich traue dem Kerl nicht über den Weg; sieht mir ganz danach aus, daß er imstande wäre, einen Menschen hinterrücks da hinabzustürzen—“ Emma drückte des Onkels Arm und blickte ihn, wie von einem Gedanken erschreckt, starr an.„Na Emmachen, hab ich nicht recht?“ „Still, Onkel, daß er's nicht hört", flüsterte sie erregt,„er könnte Dich auf der Stelle niederschießen.“ „Ja so, der Kerl trägt einen geladenen Sechslänfer in der Tasche, es ist polizeiwidrig und ganz himmelschreiend.“ Onkel Gottlieb hielt sich nun schweigend, indem er fortwährend jede Bewegung des vor ihm gehenden Amerikaners beobachtete durch Ihre Anziehungskraft festhalten. an# Emma trat überrascht zurück.„Bin ich denn in eine Gesellschaft von Tollhäuslern geraten?“ fragte sie, ihren Zorn mühsam niederkämpfend. Der Aktuarius ergriff ihre Hand, welche sie ihm heftig entzog. „Sagen Sie Ihrem Doktor, daß er sich einen anderen Magnet zur Zähmung dieses Wildes besorgen möge“, rief sie, ihm verächtlich den Rücken wendend,„was hab' ich denn verbrochen, um hier so unausgesetzt beleidigt und verhöhnt zu werden?" setzte sie ein Aufschluchzen unterdrückend, leiser hinzu. Bestes Fräulein, hören Sie mich nur ruhig an," bat Schulze erschreckt,„der Doktor—“ „Schweigen Sie von diesem Herrn, ich mag nichts davon hören und will meinen Onkel bitten, morgen frühzeitig mit mir aufzubrechen, um aus dieser unheimlichen Gegend fortzukommen.“ „Das dürfen Sie nicht, Fräulein Herming!" sprach der Aktuar mit einer Art verzweifelter Entschlossenheit,„Sie müssen hier bleiben, müssen uns beistehen, einen Verbrechen zu entlarven.“ „Hilf Himmel! nun wird der Aktuarius auch von der Tollheit angesteckt," unterbrach Emma ihn halb lachend, halb entsetzte— „Gott sei Dank, dort kommt der Onkel, er soll flugs mit mir ins Hotel zurückkehren.“ „Ich hätte Sie doch für verständiger und einsichtsvoller gehalten, mein Fräulein!“ sagte Schulze, sie ernst anblickend,„erraten Preußen in ein Paradies verwandeln. Da die Wähler aber den kühnen nationalliberalen Eroberern die Flügel geschnitten und die Hände gebunden haben, so müssen wir auf dieses„Glück" noch verzichten und abwarten, ob der Regierung bei den einzelnen Fragen eine nationalliberal=conservative oder eine conservativ=clerikale Mehrheit genehm ist. In dem durcheinanderwirbelnden Chaos hat einzig und allein das Centrum seine Stellung und seinen Besitzstand behauptet. Der feste Turm hat weder gewackelt noch geschwankt, aber das nicht allein, auch die Beteiligung der Centrumswähler war eine stärkere, denn sie hatten die ungewöhnliche Bedeutung der diesmaligen Wahl erkannt und gewürdigt. In der Rheinprovinz und Westfalen ist nicht blos in den Landbezirken rabenschwarz gewählt worden, sondern auch in den großen Städten(wie Köln und Crefeld) hat der Liberalismus solche Nasenstüber erhalten, daß er wohl für alle Zeiten genug haben wird. Alle Anstrengungen der Gegner haben nichts gefruchtet, denn das katholische Volk ist so politisch reif und geschult, daß es sich mit der Phrase, der Culturkampf sei zu Ende, die Schule solle ganz unter die Botmäßigkeit der Geistlichen gestellt werden 2c., nicht auf den Leim locken ließ. Von dem„Ende des Culturkampfes“ sind wir noch ziem lich weit entfernt, denn die Anzeigepflicht ist unter der noch nicht erfüllten Bedingung der weitern Revision der Maigesetze vom hl. Vater gestattet worden; die Rückkehr der Ordensleute ist noch ein frommer Wunsch, und sehr zutreffend hat der päpstliche Stuhl die kirchenpolitischen Milderungen nur,„als Zugang zum Frieden" bezeichnet. Es wäre gut, wenn mit dem ganzen alten Wuste aufgeräumt würde, denn Niemand, einige Fanatiker ausgenommen, will von dem Culturkampfe mehr recht etwas wissen; am wenigsten Fürst Bismarck, den die„Norddeutsche" dieser Tage sogar gegen die Beschuldigung in Schutz nehmen mußte, er habe bei dem Moabiter Klostersturm eine katholikenfeindliche Haltung eingenommen. Nun, wir wollen keine alten Erbsen aufwärmen und auch nicht mehr die Frage erörtern, wer den Kampf ins Leben gerufen und getragen hat, denn wir haben ja alle die traurigen Zeiten mit erlebt und kennen den Beginn und Verlauf des Kampfes zur Genüge; erfreulich ist es, daß Niemand der Vater des ruhmlosen Kampfes sein will, und mit etwas loyaler Gesinnung kann man sich ja einbilden, er sei vom Himmel auf Preußen und Deutschland herabgeschneit... Wo die Culturpauker sich noch einigermaßen fühlen, da ziehen sie andere Saiten auf, denn in Baden herrscht ungeheurer Jubel unter den fanatischen Drei=Punkte=Brüdern, daß die Dechanten, welche von dem Großherzog die Errichtung von Klöstern im Musterstaate erbitten wollten, keine Audienz erhielten. Und wie treiben es die Kirchenfeinde in Italien, wo die Regierung ihnen freies Spiel läßt! Dies hat zur Genüge wiederum die Mentana=Feier am Sonntag bewiesen, welche sich als eine Kundgebung gegen das Papsttum und das Garantie=Gesetz gestaltete, denn die radikalen Redner bezeichneten den Vatikan als den„Herd einer internationalen Verschwörung gegen das Vaterland" und verlangten die Aufhebung des ohnehin papierenen Garantie=Gesetzes. Wahrlich, der Papst hat volle Ursache, wenn er gegen dieses Treiben protestiert, den Mächten seine unwürdige Lage schildert und immer wieder betont, Rom sei sein unveräußerliches Eigentum, welches er nie aufgeben und stets zurück fordern werde. Der weisheitsvolle Liberalismus in Deutschland meint, der Papst thäte besser, wenn er, anstatt die Aktensäle der Mächte mit Einspruchsnoten zu füllen, sich mit der Regierung Italiens in's Einvernehmen setzte, um die Seeschlange der römischen Frage zu beseitigen. Es ist dies einfach lächerlich, denn wenn Jemand in mein Eigentum eindringt, mich aus demselben hinauswirft und erklärt, das Haus gehöre ihm, weil er stark genug sei, sich darin zu behaupten, dann wüßte ich nicht, was ich mit einem solchen Menschen noch zu verhandeln hätte. Bei gewöhnlichen Diebstählen und Raubanfällen schreiten die Gerichte mit dem Strafgesetzbuche ein,— aber in der Politik ist das was anderes. Ob die Völker bald klug werden? Sie haben fast alle ohne Ausnahme die Erfahrung gemacht, daß überall da, wo der moderne Liberalismus aus Ruder kommt, eine rücksichtslose Minderheit die Mehrheit knechtet; daß die Staatssinanzen zurückgehen, Schulden auf Schulden sich häufen, und daß der kleine Mann, der Arbeiter, Bauer und Handwerker mit Phrasen gefüttert und von den liberalen Philistern und Capitalisten übers Ohr gehauen wird. Ist der Liberalismus abgewirtschaftet, und es kommt ein konservatives Regiment ans Ruder, dann geht nach Heilung der Wunden und Schäden alles allmählich wieder in die Höhe; das Deficit wird kleiner, die Erbitterung im Lande läßt nach, und auch der sog. kleine Mann kommt zu seinem Rechte und auf einen grünen Zweig. Das haben wir in Belgien erlebt, wo das katholische Ministerium die von den Logen brüdern geschlagenen Wunden geheilt hat. Zum Schlusse möchte ich noch des famosen Boulanger gedenken, der gleich dem König Milan dem Grundsatze zu huldigen scheint, daß Klugheit in der Politik die Hauptsache sei. Der Mann versteht es, die Pariser durch allerhand Manöver gu gewinnen; auf Banketten verliest er große Reden, in denen Frankreich eine paradiesische Zukunft prophezeit wird; in den Theatern erscheint er mit großem Pomp und wird wie ein Fürst bejubelt, und bei der Hochzeit seiner Tochter hat er einen wahren Triumphzug auf dem Wege zur Kirche gefeiert. So führt dieser„kluge Schauspieler" selbst die superklugen Franzosen an der Nase herum, indem er sich nach„berühmten Mustern" richtet. Adresse des preußischen Episkopats an Kaiser Wilhelm II. und Antwort Sr. Majestät. den 29. August Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Die seit der Thronbesteigung Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät zum ersten Male wiederum zu Fulda versammelten Erzbischöfe und Bischöfe der Monarchie können es sich nicht versagen, an den Stufen des Thrones den Ausdruck ihrer Gefühle und Gesinnungen niederzulegen, mit welchen sie die ernsten Prüfungen und folgenschweren Wandlungen begleitet haben, die des Herrn unerforschlicher Ratschluß in dem laufenden Jahre über das königliche Haus verhängt hat. Zwei Mal standen wir mit unsern Diöcesanen binnen wenigen Monaten an dem Sarge hochgefeierter Herrscher, nicht minder der Ruhmesthaten des einen in dankbarer Verehrung gedenkend, wie die heldenmütige Geduld des andern in liebevoller Teilnahme bewundernd. Wir sahen dann des Reiches Scepter, als es den müden Händen des von einer heimtückischen Krankheit dahingerafften teuren Vaters entglitt, in den festen und sichern Händen Euer kaiserlichen und königlichen Majestät, und schauen nun vertrauensvoll auf den neuen Herrscher, mit heißen Wünschen und Gebeten wie mit den Gesinnungen aufrichtigster Anhänglichkeit und Unterthanentreue Allerhöchstdesselben ernste Aufgaben für des Reiches und des Landes Wohlfahrt begleitend. Geruhen Euer Kaiserliche und Königliche Majestät, diese unsere gemeinsame Huldigung, die ihren höchsten Wert und ihre sicherste Bürgschaft in den Tiefen des Glaubens und des Gewissens hat, mit landesväterlichem Wohlwollen entgegenzunehmen. Gott wolle Seinen Schutz und Seine Gnade über die lange Reihe von Jahren ausbreiten, welche, wie nach menschlichem Ermessen, so nach den innigsten Wünschen aller treuen Landeskinder die begonnene Herrscher=Laufbahn Euer kaiserlichen und königlichen Majestät noch zu erfüllen hat. Die Gewähr einer glücklichen Zukunft des Vaterlandes erblicken wir in den wiederholten Allerhöchsten Kundgebungen, in welchen Euere kaiserliche und königliche Majestät die christlichen Grundwahrheiten, die Hebung der religiösen und sittlichen Güter des Volkes als den Leuchtturm bezeichnen, zu welchem die Menschheit unablässig aufblicken muß, um den Frieden hienieden und die höhern ewigen Interessen sich zu sichern. Und daraus schöpfen wir auch die freudige Zuversicht, daß unter der Regierung Ener kaiserlichen und königlichen Majestät die friedlichen und wohlwollenden Beziehungen zwischen Kirche und Staat, deren erste Strahlen die letzten Lebensabende des höchstseligen Großvaters verschönerten, sich befestigen und ausgestalten werden als der sichere Hort in der Sturmflut der umsturzdrohenden Lehren und Ideen der Gegenwart. Indem wir für uns und unsere Diöcesanen diese Wünsche und Hoffnungen an das landesväterliche Herz Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät legen, verharren wir in tiefster Ehrfurcht Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät treugehorsamste * Philippus, Erzbischof von Köln. 1 Johannes Christian, Erzbischof von Freiburg. * Julius, Erzbischof von Gnesen=Posen. f Georg, Fürstbischof von Breslau. * Johann Bernard, Bischof von Münster. * Wilhelm, Bischof von Hildesheim. 1 Michael Felix, Bischof von Trier. f Bernhard, Bischof von Osnabrück. * Andreas, Bischof von Ermland. 1 Karl, Bischof von Limburg. 1 Leo, Bischof von Culm. Joseph, Bischof von Fulda. * Franz Kaspar, Bischof von Paderborn. Auf diese Adresse erfolgte die nachstehende Antwort Sr. Majestät. Mit Wohlgefallen habe Ich die Huldigungs=Adresse empfangen, welche Sie, Herr Erzbischof, in Gemeinschaft mit Ihren bischöflichen Amtsbrüdern aus Fulda an Mich gerichtet haben. Die nach Gottes Ratschluß in diesem Jahre über Mich, Mein Haus und das Vaterland verhängte Doppeltrauer findet in Ihrer Adresse einen so liefempfundenen Ausdruck, daß unter den zahlreichen Beileidsbezeugungen die Ihrige Mir besonders wertvoll gewesen ist. Nicht minder wohlthuend berührt Mich Ihr patriotischer Segenswunsch zu Meiner Throubesteigung. Mein Leben und Meine Kraft gehören Meinem Volke, dessen Wohlfahrt zu fördern die schönste Aufgabe Meines königlichen Berufes ist. Daß Ich die Glaubensfreiheit Meiner katholischen Unterthanen durch Recht und Gesetz gesichert weiß, stärkt Meine Zuversicht auf dauernde Erhaltung des kirchlichen Friedens. Indem Ich Ihnen, Herr Erzbischof, und den Mitunterzeichnern der Adresse für die loyale Kundgebung aufrichtig danke, verbleibe Ich Ew. Hochwürden wohlgeneigter Wilhelm, R. Marmor=Palais, den 7. November 1888. An den Erbischof von Köln Dr. Krementz zu Köln. Sie es denn gar nicht, daß es sich um diesen Mr. Ralf und den rätselhaften Kranken handelt?" Emma sah ihn starr und überrascht an.„Sie sind ein wunderlicher Heiliger, Herr Aktuarius!" sprach sie leichthin.„Was meinen Sie dazu, Mr. Ralf“, wandte sie sich ruhig zu dem Amerikaner, der mit der Tante von der Felsenplatte herabkam.„Herr Schulze behauptet, daß Sie, falls ich gesonnen wäre, ein ganzes Jahr lang hier zu wohnen, sich eine Klausnerhütte erbauen und den Ritter Toggenburg spielen würden?" „Klausnerhütte Toggenburg?" wiederholte der Yankee kopfschüttelnd,„kenne ich nicht, weiß aber sehr wohl, daß ich in diesem Falle auch hier bleibe, aber im Hotel.“ „Sie gehen also nicht fort, so lange ich hier bleibe, Mr. Ralf?“ „Nein, Miß Emma,— aber Sie gehen mit mir," versetzte jener mit unerschütterlichem Gleichmut. „Darauf will ich's ankommen lassen, mein Herr!" rief Emma achselzuckend,„Onkel gieb mir deinen Arm, es wird schon so dämmerhaft gruselig im Walde; ich möchte in's Hotel zurück.“ „Sie müssen erst meine Gespenstergeschichten hören, Fräulein Herming!“ sagte der Aktuarius,„in fünf Minuten haben wir die Tannen erreicht.“ „Ein ander Mal,“ wehrte Emma, des Onkels Arm ergreifend, fast ängstlich ab. „Was hast Du nur, liebes Kind?" fragte die Tante,„bist doch sonst nicht furchtsam,— wollen nachher den Wasserfall im Mondschein sehen—“ „Ja, Fräulein Emma, das müssen Sie alles hören und sehen", bat der Aktuarius, zu ihr tretend, und sie bedeutsam anblickend,„Sie sind doch meine Partnerin, wie Sie wissen, und mir für ihren Unglauben Genugthuung schuldig.“ Die junge Dame nickte zustimmend und Herr Schulze eröffnete mit Frau Röschen den Zug, während Mr. Ralf an Emmas Seite den schweigsamen Begleiter abgab. Desto redseliger und lustiger war der Aktuarius, über dessen Witze Frau Spengler nicht aus dem Lachen herauskam. Emma aber schauerte so häusig zusammen und blieb dabei so einsilbig, daß Onkel Gottlieb ernstlich besorgt um sie wurde. Wenn ihr Blick das Gesicht des langen Yankee streifte, der gespensterhaft in der zunehmenden Walddämmerung an ihrer Seite stumm dahinschritt, dann überlief es sie kalt wie in der Nähe eines giftigen Reptils und sie wünschte sich einen Zaubermantel, um sogleich nach Berlin zurückzufliegen. Der Aktuarius aber wußte sie bald in eine heitere Stimmung zu versetzen und als sie später den Wasserfall bei Mondschein angestaunt, da war sie so entzückt, daß sie selbst für Mr. Ralf ein freundliches Wort hatte. Der Aktuarius hatte seine Aufgabe glänzend gelöst, da das „Medium“ glücklich und unbemerkt unter die schützenden Flügel der alten Frau Ehlert geschlüpft war. XI. Acht Tage waren seit diesem Abend verflossen; Herr Gottlieb Spengler, welcher sich mit Frau und Nichte noch immer am Wasserfall aufhielt, fand keinen stichhaltigen Grund mehr, sich länger hier zu langweilen und unnötig Geld auszugeben. „Ich will mehr von den Bergen sehen als diesen Mordfleck," sagte er entschlossen;„nachgerade wird mir die Geschichte mit dem Kranken langweilig,— und wie der Aktuarius sagt, wirds der dumme Junge dieser Pinsel von Maler, wohl gethan haben.“ „Na, Gottlieb, uns geht's ja auch im Grunde nichts an,“ meinte Frau Röschen ungewöhnlich nachgiebig,„so ein Stück vom Kriminal wie der Herr Aktuarius wird's am Ende besser durchschauen, als unser einer.“ „Ach, der Aktuarius ist mir der Rechte,“ polterte Gottlieb, ingrimmig seine Zigarre zum Fenster hinauswerfend,„die schönen Tage hat man hier nun ganz nutzlos vertrödelt, während der Komponist mit seinem Anhang sicherlich eine göttliche Tour gemacht hat.— Nun fängt die Regenzeit wieder an und da sitzt man in diesem verzweifelten Winkel, um das Geld zu vergeuden.“ „Was hat denn Herr Schulze Dir gethan, Onkel?" fragte Emma, welche sich mit einer Zeichnung beschäftigte. „Der— na, weiter nichts, als daß er ein Mantelträger ist. Ich bin mit ihm fertig.— Auf der einen Seite hält er's mit diesem Herrn Jäger und mit dem Duckmäuser von Doktor,— o, wie ich mich über den ärgere—“ Emma beugte sich über ihre Arbeit, um das Erröten zu verbergen, während die Tante einen triumphierenden Blick auf sie warf. „Ja es ist mir das eine saubere Geschichte,“ sagte sie langsam, „ich habe mich durch den Augenschein überzeugt, daß die jungen Herren mit einem jungen Mädchen um Mitternacht im Garten promenierten.“ „Aber die Wirtin ist ja auch dabei gewesen," bemerkte Emma, emsig weiter zeichnend. „Na, was will das sagen,— ich will den Doktor ja auch beileibe nicht verdächtigen, es wird am Ende seine Verlobte sein, vielleicht gar seine Frau, einem solchen Duckmäuser ist alles zuzutrauen.“ „Das ist's ja eben, was mich so wurmt,“ rief Herr Spengler, mit der geballten Hand zornig auf den Tisch schlagend,„hatte diesen Mann so lieb gewonnen, daß ich schon mein eigenes Plänchen mit ihm gemacht.“ Er blickte bedeutsam zu Emma hinüber, welche rasch eine halbe Wendung vornahm, um die Zeichnung gegen das Licht zu halten. „Mr. Ralf mochte ihn gleich nicht leiden“, bemerkte Frau Röschen nach einer Weile,„er war's, welcher mich auf die nächtlichen ProPolitische Uebersicht. Deutsches Reich. Berlin. Die kaiserliche Ordre über die Einberufung des Reichstages ist nunmehr erschienen und wird ihr zufolge der Reichstag am 22. November zu seiner Wintersession zusammentreten. Derselbe dürfte bei seinem Zusammentritte jedenfalls den Reichshaushaltsetat vollständig vorfinden, denn vom Bundesrat sind schon in der Plenarsitzung vom 8. d. Mts. eine ganze Reihe von Etatsteilen definitiv genehmigt worden und den Rest der Etats=Vorberatung wird der Bundesrat bis zum 22. November sicherlich noch erledigen. Auch die Alters= und Invaliditätsversicher= ungsvorlage soll, entgegen den bisherigen Annahmen, dem Reichstage bei Eröffnung der Session doch noch zugehen. Es heißt, daß in der Bundesrats=Commission, welche zur Bearbeitung der Abänderungsvorschläge zum Altersversicherungsgesetz eingesetzt wurde, neben andern minder wichtigen Aenderungen vor Allem die Beseitigung des in dem früheren Entwurfe vorgesehenen einheitlichen Satzes für die Invaliden= reute beschlossen worden sei. Es soll hierbei als zweckmäßig erachtet worden sein, die Rente in Abstufungen nach Maßgabe der in großen Ortschaftsgruppen gezahlten Tagelöhne so steigen zu lassen, daß die Rente in ein bestimmtes Verhältnis zu der Höhe des ortsüblichen Tagelohnes gesetzt wird. Dabei würde davon ausgegangen werden, daß vie Gesamtbelastung der Arbeiter und Arbeitgeber nicht erhöht werden dürfe, sondern nur eine anderweite Verteilung der Beiträge nach Maßgabe der Höhe der Durchschnittslöhne zu erfolgen haben würde. Zweifellos wird diese wichtige Aenderung bei der in dieser Woche erfolgenden Plenarberatung des Bundesrates über die Invaliditätsversicherungs=Vorlage Zustimmung finden, ebenso wie der ganze übrige Entwurf und es steht somit allerdings zu erwarten, daß derselbe sich bei der Reichstags=Eröffnung auf dem„Tische des Hauses“ vorfinden wird, so daß bis Weihnachten die erste Lesung dieser wichtigsten Vorlage der bevorstehenden Session vom Hause vielleicht beendigt sein könnte. — 9. Novbr. Der Kaiser hat gestern Abend einer Einmenaden aufmerksam gemacht hat.“ „Geh mir mit deinem Yankee, Röschen!" knurrte Gottlieb ärgerlich,„was der Patron sagt, könnte mich am Ende wenig kümmern.“ „Oho, er ist schwer reich, Gottlieb,— hat Silber= minen—“ „Wohl im Monde, Kind, laß Dich nur um Gotteswillen nicht von einem amerikanischen Schwindler bethören. Glaub's recht gern, daß er die Emma haben möchte, hübsches Mädchen,— nettes Vermögen,— könnte dem Yankee passen, wäre am Ende die sicherste Silbermine, wie?“ Emma konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Wenn Mr. Ralf mir gefiele, würde ich ihn auch ohne Silberminen heiraten,“ sagte sie ruhig,„so aber geht's nicht, und wenn er mir alles Geld der neuen Welt zu Füßen legte.“ „Recht so, Emma!“ nickte der Onkel,„diese hergeschneite Silbermine würde Deinem Vater wenig imponieren, nur keinen Yankee in der Familie." „Du bist heute ungewöhnlich urteilsfähig, mein lieber Gottlieb!“ bemerkte Frau Spengler langsam, solltest doch unsere Emma selber wählen und es diesen Doktor nicht gar zu sehr merken lassen, welche Pläne Du auf ihn gebaut; er könnte uns leicht dem Gespött aussetzen als ob wir unsere Netze nach ihm ausgeworfen hätten. Ich meine, das hätte ein Mädchen wie Emma nicht nötig und könnte ihrem Rufe doch leicht schaden.“ Herr Spengler starrte seine Frau erschrocken an und fuhr sich dann ärgerlich mit der Hand durch's Haar.„Das fehlt noch", brummte er mit einem Seufzer,„nun hält mich hier aber nichts in der Welt mehr zurück,— ich reise heute noch weiter und hoffe, daß auch Ihr es gründlich satt hier habt.“ „Warte bis morgen, Onkelchen!“ bat Emma, heute regnet es zu sehr, Du darfst Deine Weiterreise nicht gar zu auffällig ins Werk setzen.—„Im übrigen, Tantchen!" wandte sie sich zend an Frau Spengler,„thust Du wohl daran, den reichen Yankee hinsichtlich meiner Gesinnung gegen ihn nicht im unklaren zu lassen, hüte Dich aber, mit ihm allein zu fein, es steckt in der That ein Stückchen vom Fra Diavolo in ihm.“ „Ja, so etwas Banditenmäßiges hat er wirklich an sich,“ meinte Gottlieb Spengler nachdenklich. „Na, das gesteh' ich,“ lachte Frau Röschen gezwungen,„Ihr überbietet Euch an Uebertreibungen. Der arme Mr. Ralf!— Er ist so harmlos wie ein Kind und würde Dich buchstäblich mit Reichtum überschütten, Emma!— Man sollte es nicht glauben, wie er Dich liebt, Du würdest in Amerika eine gefeierte Herrscherin werden.“ „Ich war niemals herrschsüchtig, Tante!" warf Emma ruhig hin. (Fortsetzung folgt.) ladung des Staatsministers Grafen Herbert Bismarck zur Tafel entsprochen. Das Ergebnis der preußischen Landtagswahlen klingt in der deutschen Tagespresse noch immer in verschiedenen Betrachtungen und Commentaren nach, die aber schließlich alle auf die sattsam bekannte Thatsache hinauslaufen, daß die Wahlen keine einschneidenden Veränderungen in der Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses hervorgerufen haben. Auch wird allseitig betont, daß im neuen Hause nach wie vor eine doppelte Mehrheit, eine konservativ=nationalliberale und eine conservativ=clericale, bestehe und deutet man hierbei an, daß unter Umständen sich die letztere gegenüber den Parteien der Linken verwirklichen könne. Daß der Fall eines Zusammengehens der Conservativen und des Centrums eintreten kann, gehört allerdings zu den Möglichkeiten, er ist ja sogar im Reichstage wie im preußischen Abgeordnetenhause in früheren Sessionen schon dagewesen. Dennoch berechtigen die ganze politische Situation und die Erfahrungen der jüngsten Zeit zu der Annahme, daß im neuen Abgeordnetenhause vorerst die konservativ=nationalliberale Mehrheit wiederum den Ausschlag geben wird; daß parlamentarische Wechselfälle eintreten können, welche die andere Mehrheit auf den# Plane erscheinen lassen, muß freilich immerhin auch in Betracht gezogen werden. —. Die preußischen Staatseisenbahnen haben, wie die„Nordd. Allgem. Ztg.“ jüngst mitteilte, noch niemals eine so starke Einnahme erzielt, wie im ersten Semester des laufenden Rechnungsjahres, denn sie betrug am Schlusse des Semesters rund 394,974,000 Millionen Mark und erscheint dies um so bemerkenswerler, als die Gütertarife auf den preußischen Staatsbahnen vielfach ermäßigt worden sind. Gegenüber dem sich unerwartet steigernden Verkehr hat sich das rollende Material der Staatsbahnen ganz ungenügend erwiesen und stellt darum die„Nordd. Allg. Ztg.“ eine Vorlage an den Landtag in Aussicht, welche einen besonderen Credit zur Verstärkung des Fuhrparles der Staatsbahnen von nicht weniger als 45 Millionen Mark fordert. Trotz der bedeutenden Ueberschüsse bei der Staatsbahnverwaltung leuchtet die Notwendigkeit einer so enormen Creditmaßregel nicht ohne Weiteres ein und wird sie daher seitens der preußischen Regierung dem Landtage gegenüber jedenfalls erst sehr eingehend begründet werden müssen. — In der diplomatischen Vertretung Oesterreich=Ungarns an den Höfen der deutschen Mittelstaaten sind Personalveränderungen erfolgt. Zum Gesandten Oesterreich=Ungarns in München ist Fürst Wrede neu ernannt worden, der bisherige österreichische Gesandte in Dresden, Baron Herbert Rathkeal, wurde nach Stuttgart versetzt und der bisherige Vertreter Oesterreich=Ungarns am Brüsseler Hofe, Graf Gotek, zum Gesandten in Dresden ernannt. — Das deutsche Schulgeschwader, welches anläßlich des Regierungsjubiläums des Königs von Griechenland nach Athen beordert worden war, hat von hier aus den österreichischen Höfen Triest und Pola einen Besuch abgestattet und sind vom Kaiser Franz Joseph besondere Befehle zu einer glänzenden Aufnahme des deutschen Geschwaders seitens der österreichischen Behörden gegeben worden. Von den österreichischen Gewässern aus wird das deutsche Schulgeschwader, wie verlautet, direkt nach Zanzibar segeln, um an der zur Bekämpfung des Sklavenhandels beschlossenen deutsch=englischen Blokade der Zanzibarküste teilzunehmen; auch die englische Flottenmacht in den ostafrikanischen Gewässern wird anläßlich der Blokade auf 7 Panzerschiffe erhöht werden. König Christian IX. von Dänemark feiert am kommenden Donnerstag sein 25jähriges Regierungsjubiläum und wird aus diesem Anlasse sich ein glänzender Kreis von Fürstlichkeiten an seinem Hofe vereinen, unter ihnen zunächst die Vertreter der dem dänischen Königshause so nah verwandten Herrscherfamlien von Rußland, England und Griechenland, dann die Vertreter des preußischen Königshauses(Prinz Heinrich von Preußen), der österreichischen Kaiserfamilie(Erzherzog Wilhelm), des belgischen und des schwedischen nigshauses u. s. w. In einer sehr bewegten Zeit übernahm König Christian, damals 45 Jahre alt, die Regierung Dänemarks als Nachfolger des kinderlosen Königs Friedrich VII. Die schleswig=holsteinische Frage drängte mit Gewalt ihrer Lösung zu und hielt die Gemüter in Dänemark in Aufregung und stürmisch drängten die politischen Parteien Dänemark nach vollständiger Vereinigung der Elbher= zogtümer mit dem übrigen dänischen Reiche. Aber diese Strömung beschleunigte nur den Ausbruch der Crisis und fand 1864 zunächst der Einmarsch der deutschen Bundestruppen, der Sachsen und Hanoveraner, in Holstein und dann, nach deren von den beiden deutschen Großmächten erzwungenen Zurückziehung, der Einmarsch der Preußen und Oesterreicher in die Elbherzogtümer statt, was natürlich den Krieg zwischen den deutschen Großmächten und Dänemark zur Folge hatte. Derselbe führte bekanntlich für Dänemark zum Verluste seiner beiden deutschen Provinzen, aber das dänische Volk konnte diese schwere Niederlage lange nicht verwinden und der deutsch=französische Krieg erweckte bei seinem Ausbruche in Dänemark die Hoffnung, durch ein Bündnis mit Frankreich die verlorenen Provinzen wiederzuerlangen. Es ist zum Teil ein persönliches Verdienst des Königs Christian, daß er dem Drängen der revanchebegierigen sogenannten Eiderdänenpartei, welche durchaus mit Frankreich zusammengehen wollte, entschieden widerstand und der Verlauf der Dinge hat gezeigt, wie unheilvoll für Dänemark das angestrebte Bündnis mit Frankreich geworden wäre. Seitdem wurden die Dänen in ihren nationalen Wünschen bescheidener, sie zielten zuletzt nur noch auf eine friedliche Rückgewinnung Nordschleswigs, aber auch in dieser Richtung sind die dänischen Aspirationen so aussichtslos, daß in Dänemark mehr und mehr eine Strömung zum Durchbruche kommt, welche unter Verzicht auf Nordschleswig eine ehrliche Annäherung Dänemarks an den mächtigen deutschen Nachbar sucht. Der Besuch Kaiser Wilhelms II. in Kopenhagen beweist, daß die deutsch=dänischen Beziehungen in der That einen freundlicheren Charakter angenommen haben und die Hoffnung, daß sich dieses Verhältnis noch weiter bessern werde, wirft nicht zum Geringsten einen hellen Schein auf das in der dänischen Hauptstadt bevorstehende festliche Ereignis. Der englische Premierminister Lord Salisbury hat wieder einmal eine große politische Rede gehalten und zwar bei dem am Freitag in London stattgefundenen Lordmayors=Banket, welche alljährlich wiederkehrende Festlichkeit von den englischen Politikern überhaupt zum äußeren Anlasse von Kundgebungen benutzt wird. Salisbury betonte die Friedensliebe der europäischen Regierungen und bezeichnete es als einzige zu befürchtende Möglichkeit, daß Gefühlsausbrüche eines schlechtinformierten Volkes zur Nichtbeachtung dei weisen Ratschläge der Regierungen fortrissen; mit dieser etwas grwundenen Aeußerung zielte der ministerielle Redner wohl auf Frankreich. Weiter mahnte er, daß man sich in seiner Friedenszuversicht durch die Vermehrung der Rüstungen nicht beeinflussen lassen dürfe, doch könne auch England angesichts solcher Vorbereitungen nicht unvorbereitet bleiben. Es gelte nicht nur die Sicherheit der Bürger zu sichern, sondern auch das Gefühl hervorzurufen, daß diese Sicherheit vorhanden sei. Salisbury schloß mit der Versicherung, daß in England Regierung und Volk in dem Wunsche nach Friedenserhaltung vollständig einig seien. Dieser Erklärung gegenüber nimmt sich die Meldung allerdings einigermaßen ironisch aus, wonach die englische Regierung eine beträchtliche Vermehrung der englischen Flottenmacht plank und dem Parlamente den Bau von 8 großen Panzerschiffen, 21 Kreuzern und zahlreichen Torpedobooten vorschlagen will, was aber nur beweist, wie man endlich auch in England die Notwendigkeit der Erhöhung der nationalen Wehrkraft anerkennt. Rußland. Die nun beendigte Kaukasus=Reise des Zaren hat dem russischen Herrscher auch Gelegenheit gegeben, die Flottenmacht Rußlands im Schwarzen Meere zu inspizieren. Ein sehr guädig gehaltener Erlaß des Kaisers Alexander an den Großadmiral Großfürsten Alexis läßt durchblicken, mit welcher Befriedigung den Zaren der Zustand und die Entwickelung der Schwarze=Meer=Flotte, die bekanntlich in Sebastopol vor dem Kaiserpaare paradierte, erfüllt hat und versichert der Zar, daß ihn der Anblick des ganzen Schlacht schiff=Geschwaders, das zur Verteidigung der Rechte Rußlands im Schwarzen Meere so bereit sei, mit„wahrer Freude“ erfüllt habe. Amerika. New=York, 10. Novbr. In einem Bergwerk bei Pittsburg fand eine Explosion statt, wodurch 160 Grnbenarbeiter verschüttet wurden. Man befürchtet, daß alle verloren sind. Provinzielles. Olpe, 10. Nov. Man schreibt aus Kassel, 6. November, Folgendes: Ich bin heute in der Lage, Ihnen einiges über die Eisenbahn Kassel=Köln (Kaiser Wilhelms=Bahn) mitzutellen. Wie bekannt ist, wurde in einer Versammlung hiesiger Interessenten ein Comité gewählt, welches die Bahn als Privatbahn zu bauen erstreben sollte. Der Vorsitzende dieses Comités hatte sich auch mit Berliner Finanz=Instituten von hervorragender Bedeutung in Verbindung gesetzt, und von diesen die Zusage erhalten, daß dieselbe die Financierung übernehmen würden. Nachdem dann noch unter Zugrundlegung der generellen Vorarbeiten von Dr. Stroußberg ein Projekt ausgearbeitet worden war, kam das erwähnte Comité am 31. August bei Minister Maybach um die Concession zum Bau und Betrieb der Eisenbahn Kassel=Köln ein. Am 6. d. erhielt der Vorsitzende nun folgende ablehnende Mitteilung:„Berlin, den 1. November 1888. Auf die Vorstellung vom 31. August d. J. erwidere ich Ew. Wohlgeboren bei Rückgabe der Anlage mit dem Anheimgeben der weiteren Mitteilung an die übrigen Unterzeichner, daß die Erwirkung der landesherrlichen Concession zum Ban und Betrieb einer direkten Schienen=Verbindung zwischen Kassel und Köln nicht in Aussicht gestellt werden kann. Die Ausführung einer solchen Eisenbahn würde, wenn dieselbe überhaupt erforderlich werden sollte, der Privat=Unternehmung nicht zu überlassen sein. Der Minister der öffentlichen Arbeiten. gez. v. Maybach.“ Es besteht nuun hier die Meinung, daß die Erfordernis=, oder die Bedürfnis=Frage dieser Bahn leicht zu beweisen ist, und es dürfte Aufgabe der Presse, der Behörden, Handelskammern, Bürgermeister sein, dieses Bedürfnis bei jeder Gelegenheit hervorzuheben und zu betonen. Die direkte Entfernung Kassel=Köln beträgt 176 Km., während die Bahn Kassel=Arusberg= Köln 273 Km., Kassel=Altenbecken=Köln 289 Km., Kassel=Gießen=Köln 300 Km. beträgt.— Es wäre somit durch die Bahn Kassel=Köln eine Abkürzung von ca. ein Drittel der ganzen Entfernung zu erzielen. Die Entfernung Köln=Berlin würde um ca. 50 Km. gegen die über Duisburg befahrene verkürzt. Ueber die neue Bahn würde Berlin von Köln aus um ca. eine Stunde schneller zu erreichen sein, als jetzt. Die beregte Linie würde dem internationalen(französisch=belgischen) Verkehr zu dienen haben und damit eine wesentliche Entlastung der nördlichen Hauptstrecke, für welche der englisch=holländische Durchgangsverkehr übrig bliebe, herbeiführen. Die Entlastung käme hauptsächlich der Güterbewegung in dem verkehrreichen Kohlenund Industrie=Gebiete zu Statten. Von diesem Gesichtspunkt ist auch die hohe strategische Bedeutung der in Anregung gebrachten Bahn zu beurteilen. Nicht nur, daß eine weitere Verbindung des Westens mit Berlin hergestellt würde, sondern es würde vor Allem den für Kriegsbedarf notwendig werdenden Kohlentrausporten durch die Militärzüge der Weg nicht versperrt; das wäre ein Hauptvorzug der neu zu bauenden Strecke. — Wenn die Forstmänner mit ihren Beobachtungen Recht behalten, gibt's im heurigen Jahre wieder einen frühen und strengen Winter. Es zeigt sich in diesem Jahre wieder, was sonst selten geschieht, der Tannenhäher in größerer Menge. Derselbe bewohnt das nördliche Europa und soll nur als Vorbote eines frühen, strengen Winters bei uns in Deutschland erscheinen; so behaupten die Forstleute! Im nächsten Jahre fällt Fastnacht erst auf den 5. März, so daß die Faschingszeit die Dauer von 8 Wochen und 3 Tagen hat. Schöne Aussichten für die Carnevalisten. Das Osterfest fällt auf den 21. April und Pfingsten auf den 9. Juni. Mondfinsternisse finden 2 statt, beide bei uns sichtbar, die eine am frühen Morgen des 17. Januar, die andere am Abend des 12. Juli. Die 3 Sonnenfinsternisse des kommenden Jahres können in Europa nicht wahrgenommen werden. — Bei der Annahme silberner Fünfmarkstücke ist Vorsicht zu beachten, da von verschiedenen Seiten das Auftauchen von Falsifikaten gemeldet wird. Siegen, 8. Nov. Gelegentlich des heutigen von 22 Interessenten besuchten Erzmarktes waren von in Summa 12 Bergwerken 96,150 Kg. Kupfererze und 343,250 Kg. Bleierze, als zum Verkaufe gelangen sollend, angesagt; unmittelbar vor der Versteigerung wurden indessen 65.650 Kg. Kupfererze unter der Hand verkauft, so daß dieses Quantum nicht ausgeboten wurde. Die im Termine abgesetzten 20,500 Kg. Kupfererzeerreichten einen den resp. Taxwert mäßig übersteigenden Preis; diese letzteren hatten 14,87 pCt. und 7,24 pCt. durchschnittlichen Kupfergehalt, die vorher verkauften Kupfererze hatten 8.42 pCt. und 4,54 pCt. Kupfergehalt. Die Bleierze(einschl. 10,000 Kg. Weißbleierze) enthielten in minimo 63.3 G. Silber per 100 Kg. und 16,7 pCt. Blei; in maximo 81,31 G. Silber und 66.43 pCt. Blei; sie erreichten Steigerpreise von M. 7 bis M. 22,30 per 100 Kg. loco Versandtstation. Der Gesamtfaktura=Betrag der Bleierze beziffert sich auf M. 59,528. Die Versandtstationen der verschiedenen Erze einschl. der vor dem Termine an Mann gebrachten Kupsererze sind Littfeld, Dahlbruch, Burbach, Daaden, An, Eisern, Welschenennest, Lohe, Niederschelden und Eiserfeld. Es basierten die Taxwerte auf den Preisen von M. 60 für 500 G. Silber, M. 25 für 100 Kg. Blei, M. 120 für 100 Kg. Kupfer. Wegen des auf den 8. Dezember c. entfallenden kathol. Feiertags wird nächste Erzversteigerung schon Tags zuvor statthaben. Hagen, 5. Nov. Ein seit kurzer Zeit hierselbst beschäftigter Gerichts=Diätar, der mit Freunden etwas ausreichend gezecht hatte, bekam in der Nacht Durst und ergriff in seiner Schlaftrunkenheit eine in seinem Zimmer stehende Flasche, diese leerend. Bald darauf hörten die Zimmernachbarn schweres Röcheln und als man zusah, fand man den jungen Mann mit dem Tode ringend. Der Bedauernswerte, der eifriger Insektensammler war, hatte aus der Flasche getrunken, in der zur Tötung der Insekten verwendete Flüssigkeit, eine scharfe Säure, sich befand. Der so schwer Verletzte wurde nach dem Krankenhause verschafft, wo er nach kurzer Zeit verstarb. 3. Novbr. Eine große Anzahl Lehrer, etwa 150 aus den verschiedensten Teilen der Provinz war der Einladung des vorbereitenden Ausschusses gefolgt, um einen„Verein zur Förderung des Zeichenunterrichts in der Provinz Westfalen“ zu gründen. Dortmund, 9. Nov. Dem wegen Bankerott verurteilten Commer= zienrat von Born ist der Rest der Strafe im Gnadenwege erlassen worden. Von der ihm auferlegten 7monatlichen Gefängnisstrafe halte er etwa drei Monate in der Strafanstalt zu Herford verbüßt. Köln, 6. Nov. In vergangener Nacht wurde ein scheußliches Verbrechen, und zwar in der Nähe der Burgunderstraße am Duffesbach verübt. Dort fanden heute gegen ½6 Uhr Vorübergehende die Leiche eines Sergeanten der 2. Compagnie des Hohenzollern'schen Füsilier=Regiments Nro. 40 an einem Zanne liegen. Der Mann war ermordet, er hatte einen Stich in den Kopf erhalten. Vermischtes. —(Alte Leute.) In Dillenburg leben, nach einer Mitteilung der dortigen Zeitung, gegenwärtig 19 Personen, welche zusammen 1585 Jahre zählen, und verteilen sich die Altersstufen von 80 bis zu 92 Jahren. 17 von den 19 Personen zählen von 80 bis 87, 2 von 90 bis zu 92 Jahren. Die 90er werden repräsentiert durch ein altes Fräulein und eine Witwe, die 80er durch 7 männliche und 10 weibliche Personen; von den letzteren sind 3 unverheiratet, 6 Wittwen, 1 Ehefrau(80jährig.) — Man wird heutzutage so oft belästigt, indem von verschiedenen Firmen die Mitteilung gemacht wird, daß sie sich gestatten werden, in nächster Zeit eine Probesendung, besonders in Cigarren, zu senden, wofern die Adressaten nicht auf einer eigens dazu beigelegten Karte eine Absage erstatten würden. Wirklich trifft, weil ja in den meisten Fällen derartige Zusendungen ungelesen in den Papierkorb wandern, und somit eine Absage nicht erfolgt, nach etwa 14 Tagen ein Packet mit 3/10 Kisten Cigarren ein, die gewöhnlich der Adressat gar nicht wünscht.— Um solchen Leuten ihre Zudringlichkeit zu verleiden, ist es geraten: 1) die eingeschickte Postkarte keines Falles zur Absage zu benutzen, da man keinen Menschen verpflichten kann, alle bei ihm einlaufenden Drucksachen einzusehen, oder gar sich mit Correspondenzen an unbekannte Geschäftsfirmen zu incommodieren. 2) Im Falle, daß die Warensendung eintrifft, verweigere man kurzer Hand die Annahme, worauf das Packet an den Absender zurückgeht. 3) Hat man unversehens das Packet angenommen, so schreibe man sofort an die absendende Firma, mit der Bitte, dieselbe wolle über die Sendung verfügen. Man lasse sich dann aber unter keiner Bedingung auf frankierte Rücksendung ein, zu welcher man absolut nicht verpflichtet ist. Da der Absender übrigens seine Sendung als„Probesendung" oder Auswahlsendung" bezeichnet, so steht meines Ermessens kein Hindernis im Wege, die Cigarren einer kleinen Probe zu unterziehen(sofern Jemand Mund und Lungen dazu nicht zu gut erachtet, die Ware eines ganz unbekannten Händlers zu prüfen) und sich so bezahlt zu machen für seine Auslagen und Mühen 2c.(5 Pfg. Bestellgebühr, 5 Pfg. für Postkarte, 10 Pfg. Schreibgebühr, 20 Pfg. für neue Verpackung, 10 Pfg. für Spedition des Pakets zur Post, 20 Pfg. Lagergeld ist gewiß keine zu hohe Berechnung.) Und man kann die in Rede stehende Vergütung ausdrücklich zur Bedingung für die Rücksendung machen. Die so entstehenden Portoverluste und die Erfolglosigkeit der Zusendungen werden diese Art„Geschäftsbetrieb" unmöglich machen und der Belästigung des Publikums bald ein Ende bereiten. — Den Kölner National=Liberalen widmet das Schwarze Blatt in Berlin folgende Zeilen:„Wie man munkelt, hatten die Kölner National=Liberalen trotz der bekannten Nürnberger Vorschrift, „Keinen zu hängen, man hätte ihn denn zuvor“, schon ein begeistertes Siegesfest mit Fackelzug, Illumination, Concert und Sect angekündigt. In Ermangelung des erforderlichen Sieges soll man sich jedoch auf einen ganz einfachen musikalischen Kater=Frühschoppen beschränkt haben, bei welchem folgender Gesang sehr beifällig ausgenommen wurde: „Das ist im Rheinland häßlich eingerichtet, Daß an dem Strome so viel Kirchen stehn, Und was mein liberaler Sinn auch dichtet— Mir will kein Klericaler auf die Leimrut' gehn! Die feinsten Kniffe hatt' ich mir erlesen, Dich zu gewinnen, hillig Köln am Rhein! Behüt' Dich Gott, es wär zu schön gewesen, Behit Dich Gott, es hat nicht sollen sein.“. e Humoristisch= Ich bin der Doktor Eisenbart, Kurier' die Leut' nach meiner Art—— sollte man meinen, daß dieses berüchtigte Wort noch heute, im Jahrhundert aller möglichen Fortschritte, im Jahrhundert der Intelligenz und Aufklärung seine Geltung haben könne? Und doch ist dem so und noch heute wird die Menschheit von den verschiedenartigsten Eisenbarts weidlich über's Ohr gehauen und da die Dummen„nicht alle werden", um mit dem seligen Bock zu sprechen, so werden die Eisenbarts vermutlich auch noch in künftigen Jahrhunderten blühen. Ja, auf den verschiedensten Gebieten hat der große medizinische Charlatan des vorigen Jahrhunderts seine Nachfolger und nicht zum mindesten in der Politik, woselbst sich ebenfalls eine Menge fürsorgliche Menschenfreunde finden, bereit die Leut' auf ihre Art zu kurieren. Unter den politischen Charlatanen der Gegenwart ist aber vielleicht mit der größte Minister Boulanger und mit bewundernswerter Ausdauer singt er seit Jahr und Tag sein Liedchen, wonach er„nach eigener Methode“ die klapprige französische Republik von ihren verschiedentlichen Gebrechen gründlichst heilen will. Selbst der Konkurrenzneid muß es dem guten Boulanger lassen, daß er es famos versteht, Reklame für sich, als den kommenden Mann der Rothosen, zu machen und was hat er nicht Alles für Mixturen, Salben und Tränkchen in seinem politischen Arzneikasten, um der Madame Gallia wieder auf die Strümpfe zu helfen! Ist es da ein Wunder, wenn ein so leicht empfängliches und erregbares Volk, wie es die Franzosen nun einmal sind, den marktschreierischen Anpreisungen des großen politischen Eisenbarts andächtig lauscht und sich mehr und mehr geneigt erklärt, seiner Behandlung das Land Frankreich anzuvertrauen? Vielleicht, daß schon das kommende Jahr den Sieg der boulangistischen Bewegung bringt, dann aber wird Meister Boulanger auch nicht säumen, seine Doktor=Rechnung zu präsentieren und daß dieselbe tüchtig gepfeffert und gesalzen sein wird, das werden die Franzosen schon noch zeitig genug erfahren! von Olpe pro Oktober 1888. Geburten: Johann Joseph, Sohn des Oekonom Robert Huckestein zu Altenkleusheim. Aques, Tochter des Zugbegleiters Richard Harnischmacher in Halver, in Olpe geboren. Maria Katharina, T. des Fabrikarbeiters Winand Schmitt zu Olpe. Maria Anna, T. des Bergmanns Daniel Rink zu Griesemert. Bernurd, S. des Rottenarbeiters Heinrich Gummersbach zu Saßmicke. Julius, S. des Kaufmanns Isaak Lenneberg zu Olpe. Maria Katharina, T. des Taglöhners Wilhelm Stinn zu Dahl. Ida, T. des Landwirts Heinrich Schoppe zu Oberneger. Peter, S. des Gemeindehirten Hubert Helle zu Rehringhausen. Anton Eberhard, S. des Wirtes Anton Mester zu Altenkleusheim. Wilhelm, S. des Schuhmachermeisters Franz Xaver Hunold zu Olpe. Regina Gertrnd, T. des Handelsmanns Joseph Feldmann zu Olpe. Louise Elise, T. des Wirtes Bernard Schnüttgen zu Rhode. 8 6 3 M, Mek. Heiraten: Oberpostdirektions=Serretar Inline Molig Wever zu Straßburg und Anna Theodora Louise Wilhelmine Baltz zu Olpe. Zimmergesell Johann Peter Schrage und Regina Alt, beide zu Olpe. Berg= mann Heinrich Uelhoff und Taglöhnerin Barbara Wilmes, beide zu Altenkleusheim. Sterbefälle: Robert, S. des Bergmanns Johann Joseph Müller zu Altenkleusheim. Maria, T. des Schuhmachermeisters Franz Heuell zu Siedenstein. Ein in der Geburt verstorbenes Kind weiblichen Geschlechts des Fabrikarbeiters Anton Schell zu Olpe. Haushälterin Regina Arens zu Olpe. Bäckermeister Franz Anton Harntschmacher zu Olpe. Bergmann Heinrich Joseph Feldmann zu Neuenkleusheim. Dienstmagd Eva Catharina Hengstebeck zu Neuenkleusheim. Schmiedegesell Joseph Gerblich aus Neisse, F im St. Martinushospital zu Olpe. Literarisches. Aus dem F. W. Becker'schen Verlage zu Arnsberg liegen uns zwei Werke vor, denen wir das weitgehendste Interesse nicht absprechen können. Das eine ist das„Adreßbuch für den Regierungsbezirk Arnsberg. 1888. Nach amtlichen Mitteilungen herausgegeben von Josef Schrader, Reg.=Supern." Seit der letzten Herausgabe eines Adreß=Buches für den Regierungsbezirk Arnsberg. sind bereits 6 Jahre verstrichen. Die während dieses Zeitraumes sowohl bei den Verwaltungs= und Justiz=, als auch bei sämtlichen anderen Behörden eingetretenen Neuerungen und Veränderungen haben die Herausgabe eines, auch die anderweite Organisation der Behörden berücksichtigenden Adreß=Buches längst zum Bedürfnis gemacht. Auf Anordnung der Königlichen Regierung zu Arnsberg hat sich nun der Reg.=Supern. Schrader der Bearbeitung dieses AdreßBuches unterzogen und ist das Werk in allen seinen Teilen um so zuverlässiger, als demselben nur authentische Quellen zu Grunde liegen. Der Verfasser hat sich augenscheinlich bei der Bearbeitung des Buches die größte Sorgfalt angelegen sein lassen, sodaß dasselbe wohl 17 geeignet ist, viele andere und kostspielige Werke, die zur Orientierung über die Personal=Verhältnisse des Regierungsbezirks diemen, überflüssig zu machen.— Das andere Buch betötelt sich:„Das Gesin berecht im Geltungsbereiche des Allgemeinen Landrechts von Fr. Kleine, Reg.=Supern.“ Dieses Werkchen dürfte nicht nur in den Kreisen der Landwwirtschaft, sondern in allen Dienstboten beschäftigenden Familien mit FFreudeu begrüßt werden, umsomehr, als in demselben nicht blos die Gesinde=Ordnung an der Hand der ergangenen zahlreichen Entscheidunggen der oberen Gerichte und der Ministerial= Erlasse erläutert ist, sorndern in dasselbe auch alle übrigen auf das Gesinderecht sich beziehenden Vorschriften Aufnahme gefunden haben. Das Buch hat es sich zur Aufgabe gestellt, der Dienstherrschaft sowohl, als auch dem Dienstboten ein treuer Ratgeber in allen auf das Gesinderecht bezüglichen Fragen zu sein, und so dürfte es einer wohlwollenden Aufnahme gewiß sein können. — Der Preis für beide Bücher ist ein äußerst geringer, das Adreß buch kostet M. 1,50 broch. und M. 1,75 geb., das Gesinderecht M. 0,60 cart. Bestellungen nehmen alle Buchhandlunigen, wie auch der Verleger direct, entgegen. An unsere Tesert Ein furchtbares Brand=Unglück hat das Städtchen Hünfeld bei Fulda betroffen; gegen zwei Drittel der Wohnhäuser, abgesehen von den Scheunen und Nebengebäuden, sind ein Raub der Flammen geworden. Auf Schutt und rauchende Trümmer stößt man da, wo vor Kurzem noch fleißige Menschen ihrem Berufe nachgingen. Das Elend in dem ohnehin nicht reichen Städtchen ist groß, um so mehr, als der Winter vor der Thür steht und der rasche Wiederaufbau der Häuser kaum möglich erscheint; es fehlt an Allem, an Lebensmitteln, an Obdach, an Kleidern und warmen Decken. Die von dem Brande Betroffenen, ohnehin zum Teil ungenügend versichert und in ärmlichen Verhältnissen lebend, sehen sich bitterem Mangel preisgegeben. Ueberzeugt, daß die Leser des„Sauerländischen Volksblattes“, an deren Opferwilligkeit wir uns noch nie vergebens wendeten, auch in diesem Falle gern geneigt sein werden, der Not und dem Elend nach ihren Kräften abzuhelfen, erklären wir uns bereit, Gaben für die Abgebrannten Hünfelds in Empfang zu nehmen, indem wir zugleich daran erinnern, daß schnell geben ganz besonders in diesem Falle doppelt geben heißt. Die Expedition des„Sauerländischen Volksblattes.“ Smde Werordneten=Wäht. In den Wahlversammlungen der II. und III. Abteilung sind nunmehr desinitiv als Kandidaten aufgestellt: für die II. Abteilung: Herr Jos. Harnischmacher(Hellen), für die III. Abteilung: Derr Theodor=Tutticke Um als Sieger aus der Wahl hervorzugehen, ist das Erscheinen sämtlicher Wähler dieser beiden Abteilungen unbedingt erforderlich und wird bestimmt erwartet, daß die Wähler samt und sonders für diese aus freier Wahl hervorgegangenen Kandidaten eintreten werden. Möge Niemand am 24. dss. Mts. der Wahlurne fern bleiben und durch Abgeben seiner Stimme bekunden, daß er wirklich gut, zu seinem Besten und zum Wohle der ganzen Stadt vertreten sein will. Das Komitee der Volkspartei. An Gaben gingen bereits bei uns ein: von einer Gesellschaft in Bilstein von W. in Olpe Weitere Gaben werden dankbar besorgt. Mark 10, Lehrling. Eine Dampf=Kornbranntweinbrennerei, ausgestattet mit den neuesten Apparaten, sucht unter günstigen Bedingungen einen Lehrling. Offerten durch d. Exped. d. Bl.(1519) Christvaumtonfell! (delikat im Geschmack und reizende Neuheiten für den Weihnachtsbaum.) 1 Kiste enthält c. 440 Stück, versende gegen— 3 Mark— Nachnahme. Kiste und Verpackung berechne nicht. Wiederverkäufern sehr empfohlen. Hugo Wiese, Dresden, Kaulbachstr. 33, 1. Bettfedern Iu voriger Nummer dieses Blattes wurden von zwei ∆ verschiedenen Comités Candidaten zur Stadtverordnetenwahl vorgeschlagen. Das eine Comité fand es für richtig, die Bürger der Stadt um ihre Ansicht zu befragen. Das andere Comite glaubte jedoch darüber erhaben zu sein. Es schlug Candidaten vor, von denen es weiß, daß sie fein brüderlich mit ihnen zusammen halten werden. Denn man höre und staune— das gesamte Comité besteht nur aus Stadtverordneten. Daß diese sich ihre Collegen so aussuchen, wie sie glauben, daß solche zu ihnen passen werden, wird doch wohl jedem unbefangen urteilenden Bürger einleuchten, dürfte aber wohl schwerlich im Jnteresse der gesamten Bügerschaft liegen.— Buer paß opp! Versandt von von W. Bäumer, Derschlag. Beste und billigste Bezugsquelle für garantiert neue doppelt gereinigte Bettfedern versende franko jede Poststation gegen Nachnahme nicht unter 10 Pfund, das Pfund zu 55, 75, 90, 120, 135, 155 Pfg. Silberweiße Bettfedern von 2,25, 2,50 und 3,00 Mark. Das Psund prima weiße Dannen=Pflaum von 3,50 bis 5 M. das Pfund. Barchend à Meter von 80, 100, 115 Pfg., Federleinen à Meter 150, 180 Pfg., Bett=Inlettstoff à Meter 120 Pfg. Auf Wunsch fertige Betten von 15,50 Mk. u. höher. Todes=Anzeige. Freunden und Bekannten machen wir hierdurch die traurige Mitlung, daß am 16. Oktober in Philadelphia(Nord=Amerika) unser lieber Bruder, Schwager und Onkel, der Kaufmann Geinrich in Folge einer Nervenkrankheit, im Alter von nahezu 40 Jahren, wohlversehen mit den hl. Sakramenten, gestorben ist. Wir bitten des Verstorbenen im Gebete zu gedenken. Olpe, im November 1888. Die trauernden Augehörigen. Cobes=Anftige. * Nach Gottes unerforschlichem Ratschlusse ist unser teurer Gatte, Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Landwirt Joseph Kroben in Folge eines schweren sechswöchentlichen mit großer Geduld ertragenem Nerven= und Lungenleidens, in einem Alter von 52 Jahren, gestern Abend 7 Uhr, nach vorherigem würdigen Empfange der hl. Sterbesakramente sanft im Herrn verschieden. Wir machen diese Traneranzeige mit der Bitte, des Gestorbenen im Gebete zu gedenken. Die trauernden Hinterbliebenen Brachthausen, Berlin, Augustenthal, Bilstein, Grevenbrück und Siegen, 2. Nov. 1888. rischen Schellfisch u. Cabliau(Donnerstag eintreffend) gewässerten u. gewalzten Stockfisch, Roheßbückinge, neue Sar=, dinen, Sardellen Rollmöpse, mar. Häringe, ferner Apfelsinen, Citronen, Feigen, Wall=, Hasel= und amerik.=Nüsse, alle Sorten Käse, frische Butter und Eier empfiehlt Jos. Feldmann Markthalle. EZu unser Handelsregister, ist am 7. November 1888 eingetragen worden und zwar: a) in das Firmenregister bei der unter Nr. 130 vermerkten Firma Jos. Junker Col. 6: Das Handelsgeschäft ist mit dem Todestage des Firmeninhabers Kaufmanns Joseph Junker am 1. Mai 1884 unter der bisherigen Firma auf die Witwe Joseph Junker und deren Kinder: Anna, Joseph, Bertha, Emma und Hubert Junker übergegangen; b) in das Gesellschaftsregister unter Nro. 156: Firma der Gesellschaft: Joseph Junker. Sitz der Gesellschaft: Olpe. Rechtsverhältnisse der Gesellschaft: Die Gesellschafter sind: 1) die Witwe Joseph Junker, Josepha geb. Hesse zu Olpe und 2) deren Kinder Anna, Joseph, Bertha, Emma und Hubert Junker das. Die Gesellschaft hat am 1. Mai 1884 begonnen. Die Befugnis, die Gesellschaft zu vertreten, steht nur der Gesellschafterin Witwe Joseph Junker(Nr. 1) zu. Olpe, den 7. November 1888.(1538) Königliches Amstgericht. in reiner Wolle zu 45 Pf. das Pfd. Fertige Betten 11 ellig 3,50 Mrk. „„ 11½„ 3,70„ „„ 12„ 3,90„ „„ 12½„ 4,10„ Passende Kissen 2¼„ 1,00„ fertige Bettbezüge zu 3, 3.40, 4 M. „ Kissen 2½ellig 70,80,90 Pf. bei W. Bäumer, Derschlag. Weißen Kappus pr. Ctr. 2 M. Rotkohl 14 Köpfe 3 M. Wirsing 12 Köpfe 6 M. Zwiebel beste trockene Waare per 100 Pfd. 6 M. empfiehlt. Jos. Feldmann. Markthalle. (reitag den 16. dss. Mts., vorm. B 9 Uhr werde ich in Drolshagen — Zusammenkunft beim Wirt Math. Schürholz— verschiedene Spezereiund Manufakturwaren 2c., 1 Dezimalwage, Ladenwagen mit Gewichten, Ladenregale, Ladentheke 2c., Sonnabend den 17. Novbr., vorm. 11 ½ Uhr in Hünsborn— Zusammenkunft beim Wirt Wilmes — 2 Schweine, 2 Ziegen, Heu und Stroh 2c., nachmittags 3 Uhr in Gerlingen— Zusammenkunft bei Wirt Abenarius— 1 Kuh, 1 Ziege, Montag den 19. dfs. Mts., vorm. 11 Uhr in Wegeringhausen 1 Kalb, 1 Ziege, 15— in m. nachmittags 2 lihr in Verlinghausen Heu, Hafer und Kartoffeln, Dienstag den 20. dss. Mts., vorm. 11 Uhr in Altenwenden eine meistbietend gegen Barzahlung öffentlich versteigern. Olpe. Haupt, Gerichts=Vollzieher. Zwei neue Blechöfen und 1 neuer Gußofen stehen zum Verkauf bei Olpe. Heinr. Bender. Gelkstoden Die Zwangs=Versteigerung der &a Grundstücke Flur 8 Nro. 257, 615/275, 364, Flur 9 Nro. 203, 220, 221, 417, 772, 2068/1180, 2069/1180, 1181, 1182, 2071/1184, 1334, 1395, 1699, Flur 10 Nr. 51, 53, 6 Thlr. Hünsborner HaubergsJahnschaft Nro. 348 bis 353, Flur 8 Nr. 170, Flur 9 Nr. 514, Steuergemeinde Hünsborn, den minderjährigen Wilhelm und Richard Halbe zu Hünsborn gehörend, findet am 8. Februar 1889 vormittags 10 Uhr an Gerichtsstelle, Zimmer 4, statt. Olpe, 3. Nov. 1888. Königl. Amtsgericht. Köln eine perfeckte Köchin die auch Hausarbeiten mit über nimmt, gegen hohen spätestens Mitte Dezember gesucht. Von wem sagt d. Exp. d. Blatt. Unentgeltlich vers. Anweisung nach 13jähriger approbierter Heilmethode zur sofortigen radikalen Beseitigung der Trunksucht, mit, auch ohne Vorwissen, zu vollziehen, unter Garantie. Keine Berufsstörung! Adresse: Privatanstalt für Trunksuchtleidende in Stein=Säckingen (Baden). Briefen sind 20 Pf. Rückporto beizufügen.(82) ie zur Konkursmasse des verstor# benen Holzhändlers E. Bergzu Biekhofen unsicheren Forderungen im ungefähren Betrage von M. 2400,00 sollen am 21. d. M. morgens 10 Uhr bei dem Unterzeichneten####tlich verkauft werden.(1040) Heggen, 12. Novbr. 1888. Wilmes, Konkursverwalter. Im Wege der Zwangsvollstreckung 9 verkaufe ich: Freitag den 16. dfs. Mts., vorm. 9 Uhr zu Marmecke 1 Kuh, Hafer— Zusammenkunft bei Wirt Aüschen— a a Wiusen, vorm. 10 lihr zu Rinsiecke Kartoffeln—. Zusammenkunft beim Wirt Rötz— mittags 12 Uhr zu Oberöffent= hundem Kartoffeln, Tische— Zu(1540 sammenkunft bei Wirt Auwermann meistbietend gegen Barzahlung. Kirchhundem, den 18. Nov. 1888. Brusch, Gerichtsvollzieher. Oels Mitglieder der Handelskammer scheiden am Schlusse dieses Jahres aus: 1) Herr Fabrikant Herrmann Klinke zu Altena, 2)„„ Wilhelm Rentrop zu Altena, 3)„„ Herrmann Stromberg zu Altena, 4)„„ Julius Schmidt zu Einsal, 5)„„ Emmerich Brill zu Bilstein, 6)„„ I. W. Dunker zu Werdohl. Zur Vornahme der Wahl steht auf Donnerstag den 6. Dezbr. vormittags 11 Uhr Termin an für Altena: im Casinosaale, Bilstein: im Gasthof zur Post zu Grevenbrück, Werdohl: bei Herrn Gastwirt Eick zu Werdohl. Wahlberechtigt sind diejenigen Kaufleute und Gesellschafter, welche in dem Handelsregister für den betreffenden Wahlbezirk als Inhaber einer Firma eingetragen stehen, ferner die in den resp. Wahlbezirken den Bergbau treibenden Alleineigentümer oder Pächter eines Bergwerks, Gewerkschaft und in anderer Form organisierter Gesellschaften—§ 4 des Gesetzes vom 24. Februar 1870— insofern die Jahresproduktion einen Wert von 6000 Mk. Wählbar sind alle im Handelsregister für die resp. engeren Bezirke als Inhaber einer Firma oder als persönlich haftende zur Vertretung einer Handelsgesellschaft befugte Gesellschafter, oder als Vorstandsmitglieder einer Actiengesellschaft oder Genossenschaft eingetragene und diejenigen Personen, die bei einer der im§ 4 des Gesetzes vom 24. Februar 1870 bezeichneten Bergbauunternehmungen in den resp. engeren Bezirken als Alleineigentümer, Repräsentant oder Vorstandsmitglied beteiligt sind, sofern sie das 25. Lebeusjahr zurückgelegt und im Handelskammerbezirk ihren ordentlichen WohnIm Uebrigen regelt sich die Wahlberechtigung, die Wählbarkeit und das Wahlverfahren nach den§§ 5, 6, 8, 9, 13 und 14 des Gesetzes vom Die ausscheidenden Mitglieder siund wieder wählbar. Altena, Grevenbrück und Werdohl, 12. Nov. 1888. Die Wahl=Kommission: Julius Gerdes. W. Becker. Ernst Brunninghaus. Bekanntmachung. Zur Empfangnahme der Gefälle an die Adolphsburger Renteikasse Mittwoch den 21. d. M. nachmittags von 2 bis 3 Uhr in der bste, Bounerstag den 22. d. M. vormittags von 8 bs 10 Uhr im Renteibureau zu Adolphsburg. Schselabet, den 10. Bouer g. Vegener, Netaster. Oeldruck-Bilder in religiösen und anderen Darstellungen zu sehr billigen Preisen, schon von 1 Mark an; In bekannter guter Ausführung und vorzüglichsten Qualitätenversendet das erste und größte Geltsedern Tager v. C. F. Kehnroth, Hamburg. zollfrei gegen Nachnahme(nicht unter 10 Pfd.) neue Bettfedern für 60 Pfg. das Pfund, sehr gute Sorte 1 Mark 35 Pfg., prima Halbdaunen 1 M. 60 Pf. u. 2 M. prima Halbdaunen hochsein 2 M. 35 Pf., pr. Ganzdannen(Flaum) 2,50 und 3 M. Bei Abnahme von 50 Pfund 5pCt. Rabatt. Umtausch gestattet. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuche von Selbecke Band 4 Blatt 29 auf den Namen des Landwirts Peter Stracke zu Selbecke eingetragenen Grundstücke: Flur 3 Nro. 317, 318, 322, 323, 335, 348, 354, 359, 378, 387, 398, 607/339, 613/339, Flur 4 Nro. 5, 140, 326/192, 268/18, 295/92, ½ Anteil an Flur 3 Nro. 372, 403, 405, Flur 4 Nr. 95, 131, ¼ Anteil an Flur 4 Nro. 93, 1/8 Anteil an Flur 4 Nro. 26a, 180/2160 Anteil an Flur 4 Nro. 13, 10, 159, 160 nehst aufstehenden Gebäulichkeiten am 7. Januar k. J. vormittags 9½ Uhr vor dem unterzeichneten Gericht, an Gerichtsstelle, versteigert werden. Das Urteil über die Erteilung des Zuschlages wird am 8. Januar 1889 vormittags 11 Uhr an Gerichtsstelle verkündet werden. Kirchhundem, 5. Nov. 1888. Königl. Amtsgericht. Hüesker. Mit den neuen Schnelldampfern des Norddeutschen Lloyd kann man die Reise von Bremen nach Amerika in 9 Tagen ma de: Ferner fahren Dam pfer des Norddentichen Kloyd nach Wer eine Mark in Briefmarken einsendet, erhält fre. per Post zwei Bände des in weitesten Kreisen bekannten und beliebten Schwäbischen in verschiedenen Mustern und Vorbergzsegenbergsche, Bogsanlaugelen, Niur ar: enpsehlt Rucg. 966. Lampenschirme Näheres bei der Direktion des Norddeutschen Lloyd (121) in Bremen. Spannende Nomane und Novollen, interessante Essays, eine Fülle kleiner Artikel aus allen Gebieten des Wissens, geistige Spiele aller Art. Prachtvolle Illustrationen. Man abonniert auf die Haupt=Ausgabe in Großfolio. Vierteljährlich 18 Nummern 8 Mark, alle 14 Tage ein Heft 50 Pfg. Künstler=Ausgabe auf ff. Velinpapier mit jährlich 8 Extrabeilagen. Vierteljährlich 12 Nummern in Umschlag 6 M. 1 bei der Ruegenberg'schen Buchhandlung in Olpe. 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