—„ O Bezugspreis mit Botenlohn:.15 RM. monatlich oder.08 RM. haldmonatlich, Selbstabholer.85 RM. monatlich oder 93 Pf. halbmonatlich. Bezugspreis für die„Bochumer Illustrierte“ 30 Pf. monatlich, Funkzetischrift„hör mit mir“ 45 Bf. monatlich bei vier Sonntagen und 55 Pf. bei fünf Sonntagen im Monat.— Wenn das Erscheinen der Zeitung durch höhere Gewalt, Verbot oder Betriebsstörung u. dal. verbindert wird. können keine Ersatzansprüche gestellt werden.— Geschäftsstelle geöffnet von 8 bis 13 und von 14½ bis 19 Uhr, Sonntags von 11 bis 12 Uhr.— Sprechstunden de: Schriftleitung, außer Mittwochs und Samstags, von 16 bis 17 Uhr.— Postscheckkonio Dortmund 1760. Verlag und Druck: Laupenmühlen& Dierichs in Bochum Freitag, 21. August 1936 45. Tohrgang Nummer 193 Einzelpreis 10 Pf. Anzeigenpreise: Grundpreise für 1 mm Höhe in 22 zum Breite.5 Ul. im Anzeigenteil und in 78 mm Breite 50 Pf. im Textteil, Familienanzeigen und Stellengesuche 6 Pf. Vereinsanzeigen(die nicht der Wirtschaftswerbung dienen) 7 Pf., kleine Anzeigen(nicht geschäftlicher Ari) 3 Pf., Anzeigen im Vereins, oder Sporikalender im Teritell 10 Pf. Auskunst= und Zifsergebühren 25 Pf. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 7 gültig, Nachlaßzstafsel B.— Schluß der Anzeigenannahme für die sechsmal wöchentlich frühmorgens erscheinende Zeitung um 16 Uhr des Vortages. Für den richtigen Abdruck fernmündlich aufgegebener Anzeigen kann keine Gewähr übernommen werden. Hauptgeschäftsstelle: Rathausplatz 8. Anruf 67551, 52, 53 Der Piratenstreich gegen die„Kamerun“ i TNtselesOrstorue=Wrusres Für alle Folgen verantwortlich— Befehl an unsere Kriegsschiffe: Gewaltakte werden nicht geduldet dnb Berlin, 20. August. Die deutsche Regierung hat alsbald nach Eintreffen der Nachrichten über den von der spanischen Regierung geschaffenen Zwischenfall betreffend den Dampfer „Kamerun“ ihrem Geschäftsträger in Madrid telegraphisch Weisung gegeben, unverzüglich in schärfster Form gegen das völkerrechtswidrige Verhalten der spanischen Kriegsschiffe Vorstellungen zu erheben und dabei zum Ausdruck zu bringen, daß die deutsche Regierung die spanische Regierung für alle Folgen verantwortlich machen wird, die sich aus der Wiederholung ähnlicher Vorfälle ergeben könnten. Der deutsche Geschäftsträger ist zugleich angewiesen worden, die spanische Regierung davon in Kenntnis zu setzen, daß die deutschen Kriegsschiffe Befehl erhalten haben, die deutschen Schiffe vor ähnlichen völkerrechtswidrigen Uebergriffen außerhalb der spanischen Hoheitszone mit allen Mitteln zu schützen. dnb Berlin, 20. August. Der Befehlshaber der Linienschiffe, dem die zur Hilfeleistung in spanische Gewässer entsandten deutschen Seestreitkräfte unterstellt sind, hat an den Chef der spanischen Regierungsflatte auf Grund des Vorgehens gegenüber dem deutschen Dampfer„Kamerun“ folgendes Telegramm gerichtet: „Nachdem eben erst der Rechtsbruch gegenüber Sevilla durch„Almirante Valdez“ beigelegt ist, hat Kreuzer„Libertad“ gestern nachmittag den Dampfer„Kamerun“ außerhalb der spanischen Hoheitsgewässer auf freier See beschossen, in Kielwasser gezwungen und durch bewaffnete Soldaten untersuchen lassen. Dieses Verhalten gegenüber einem deutschen Dampfer ist ein Verbrechen gegen das Recht freier Schiffahrt in offener See. Ich bin nicht gewillt, solche Gewaltakte zu dulden. Ich habe meine Seestreitkräfte angewiesen, jedem unberechtigten Gewaltakt Ihrer Schiffe mit Gewaltentgegenzutreten.“ dnb Berlin, 20. August. In der Angelegenheit des deutschen Dampfers„Kamerun“, der weit außerhalb der Dreimeilengrenze von spanischen Regierungskriegsschiffen angehalten und durchsucht wurde, wird ergänzend mitgeteilt, daß der Dampfer keinerlei Kriegsmaterial an Bord hatte und daß seine Papiere vollständig in Ordnung waren. Berlin, 20. August.(Eig. Drahtber.) Der scharfe Protest der Reichsregierung gegen die völkerrechtswidrige Anhaltung und Durchsuchung des deutschen Dampfers„Kamerun“ ist in Madrid übergeben worden. Die Madrider Regierung ist auf alle sich ergebenden Folgen aufmerksam und für sie verantwortlich gemacht. Deutschlands Kriegsschiffe in den spanischen Gewässern haben besondere Anweisungen für alle Eventualfälle erhalten. Wie zu erwarten war, sind die Ereignisse des gestrigen Tages diplomatisches Gespräch in den europäischen Hauptstädten. In London haben die Vorgänge größtes Aufsehen hervorgerufen. Die englischen Blätter halten die Forderung von ausreichenden Garantien gegen eine Wiederholung derartiger Vorfälle nicht nur für angebracht, sondern ebenso für notwendig. Anderseits aber läßt man in London durchblicken, daß diese Ereignisse den Abschluß des von Frankreich vorgeschlagenen, Neutralitätspaktes in immer weitere Ferne rücken. Jedenfalls horcht man in London auf. Auch die alss London vorliegende Meldung, daß der Kommandant von Gibraltar bereits die Schiffe der roten Armee vor Verletzung der englischen Hoheitsgewässer gewarnt und darauf hingewiesen habe, daß andernfalls jedes Schiff sofort unter Feuer genommen werde läßt darauf schließen, daß man auch in London den Ernst der Situation erkennt. Um so unverständlicher bleiben die Hinweise einiger englischer Zeitungen, als habe die spanische Flotte auf Grund des bestehenden Kriegszustandes das Recht, auch außerhalb der Hoheitsgrenzen Handelsschiffe anzuhalten. In dieser Auffassung dürften die englischen Blätter selbst mit der Ansicht ihrer eigenen Regierung nicht übereinstimmen, denn auch in den amtlichen Stellen Londons sieht man die spanischen Ereignisse als eine innerspanische Auseinandersetzung, aber keinesfalls als einen Krieg im Sinne der völkerrechtlichen Auffassung an. Zudem sei ausdrücklich betont, daß der deutsche Dampfer„Kamerun“, ein Schiff der „Oldenburgisch-Portugiesischen Dampfschiffahrtsreederei Hamburg“ mit 2449 Tonnen Wasserverdrängung, keinerlei Kriegsmaterial an Bord führte, wie dies ja auch bereits durch das spanische Prisenkommando selbst festgestellt worden war. Es liegt also einoffener Bruch des bestehenden Völkerrechts vor, an dem auch die fadenscheinigsten juristischen Betrachtungen gewisser Auslandsblätter nichts ändern können, noch weniger aber die Bemühungen der englischen Linken, die alles aufbietet, um die englische Regierung zum Eingreifen für die spanische Linksregierung zu bewegen. In Paris sieht man ebenfalls den französischen Neutralitätsvorschlag bedroht. Mit etwas wehleidigem Gefühl registriert man dort, daß eine Einigung mit Italien über jenen Neutralitätspakt noch nicht zustande gekommen sei. Die Nachricht von dem Ueberfall auf den deutschen Dampfer bat dann ebenso ernüchternd gewirkt. Wie dem auch sei: Der Fall des Dampfers„Kamerun“ ist nur ein Ausschnitt aus dem Gesamtkompler der spanischen Ereignisse die von der ohnmächtigen Madrider Regierung nicht mehr gemeistert werden und somit für die abseits stehenden Mächte zu einer bedrohlichen Gefährdung des internationalen Handels und der zwischenstaatlichen Beziehungen sich gestalten. Auch in Rom kommt die deutsche Empörung über die Beschießung und Durchsuchung des Flüchtlingsdampfers„Kamerun“ in der Presse voll zur Geltung und findet uneingeschränktes Verständnis.„Tevere“ stellt seinen Bericht unter die mehrspaltige Ueberschrift „Seeräuberhaftes Verhalten der Madrider Marine“. Das Blatt hebt als erschwerenden Umstand hervor, daß sich der Vorfall außerhalb der spanischen Gewässer ereignet habe. Die Mittagsausgabe des halbamtlichen „Giornale'Italia“ betont unter ausführlicher Wiedergabe deutscher Zeitungsstimmen, daß diese gewalttätige Handlung eine Vergewaltigung jedes internationalen Rechtes sei und in den deutschen politischen Kreisen ebenso scharfe wie berechtigte Verurteilung finde. Die Strafe folgte auf dem Fuße auf dem Flugplatz von Portsmouth— Zwei„Flieger“ wollten Flugzeug nach Spanien entführen dnd London, 20. August. Geldgier und Abenteuerlust führten in den frühen Morgenstunden des Donnerstags auf dem Flugplatz von Portsmouth zu einem kaum glaublichen Zwischenfall. Verführt durch die Zeitungsberichte, daß die Agenten der kriegführenden Parteien im spanischen Bürgerkrieg jedem britischen Flugzeugführer, der in Spanien eine Maschine abliefere, einen Betrag von 2000 bis 3000 Mark auszahlen würden, erschienen zwei des Fliegens völlig unkundige Engländer im frühen Morgengrauen auf dem Flugplatz, setzten sich in eine startbereite Maschine und flogen davon. Allerdings war schon der Start mit einigen Hindernissen verbunden, denn das Flugzeug machte die wildesten Sprünge, ehe es sich vom Boden erhob. Zu allem Ueberfluß waren die beiden Sonntagsflieger entgegen den Bestimmungen mit dem Wind im Rücken gestartet, doch das Glück war auf ihrer Seite, und es gelang ihnen tatsächlich, die Maschine in die Höhe zu bringen. Ihr unabwendbares Schicksal ereilte sie jedoch in dem Augenblick, als sie als letztes Hindernis eine in der Nähe des Flugplatzes eingepflanzte Baumgruppe nehmen wollten. Das Fahrgestell des Flugzeuges streifte die Baumwipfel. In kurzem Steilflug fand die geplante Spanienreise ihr vorzeitiges Ende und die Maschine ging zu Bruch. Die beiden Insassen, die, wäre ihnen das Glück nicht hold gewesen, in den nahen Flußlauf gestürzt und ertrunken wären, wurden in schwerverletztem Zustande in das Krankenhaus gebracht. Einer von ihnen hatte das Bewußtsein verloren, als er eingeliefert wurde. Bei der verunglückten Maschine handelt es sich um eines der fünf von Privatagenten in London angekauften Flugzeuge, die seit Montag in Portsmouth bereit standen, um nach einem unbekannten Bestimmungsort abzufliegen. Die beiden Pseudoflieger werden sich nach ihrer Wiedergenesung wegen eines vierfachen Vergehens vor Gericht zu verantworten haben. Zunächst wird die Beschuldigung erhoben, daß sie sich widerrechtlich ein fremdes Flugzeug angeeignet haben. Der zweite Anklagepunkt ist die Benutzung eines Flugzeuges, ohne im Besitz eines ordentlichen Flugzeugführerscheines zu sein. Drittens müssen sie sich wegen Beschädigung fremden Eigentums verantworten, und viertens,„last not least“, wegen Umgehung des wenige Stunden vorher von der britischen Regierung erlassenen Waffenausfuhrverbotes, das bekanntlich auch kehrsflugzeuge umfaßt. Erste Bilanz: sand äae eshrend der. Paris, 20. August. „Excelsior“ gibt in seinem Bericht aus Madrid die Zahl der Opfer des spanischen Bürgerkrieges im Verlaufe der letzten vier Wochen mit rund 55 000 Mann an, die Zahl der Witwen belaufe sich auf etwa 25 000 und die der Waisen auf 60 000. Bis heute seien von den Regierungsbehörden, durch Polizei und Arbeitermiliz in Kirchen, Klöstern und andern kirchlichen Gebäuden insgesamt 116,65 Millionen Peseten (etwa 3 5 Millionen R.) an Bargeld und Wertpapieren heschlagnahmt worden. Die Parisek Presse veröffentlicht auch weiter zahlreiche Einzelheiten von der Blutgier der Roten. So hat die in Barcelona erscheinende kommunistische Zeitung„Solidaridad Obrera“ einen Artikel veröffentlicht, in dem unverhüllt die Erschießung aller Bischöfe und Kardinäle und die Enteignung des kirchlichen Eigentums gefordert werden. Nach dem Bericht eines aus Tarragona geflüchteten Franzosen werden dort nationalgesinnte Leute systematisch nach oberflächlicher Prüfung durch einen Revolutionsausschuß hingerichtet. Ihre Leichen würden in den Straßengraben geworfen und später mit Kraftwagen abgefahren. In Tarrasa, nördlich von Barcelona, wurden drei Nonnen während einer Messe von Kommunisten aus der Kirche geschleppt und als„Beispiel für andere“ erschossen. Die„Liberté" teilt mit, daß in einem Dorfe in der Nähe von Badajoz Geistliche von Kommunisten mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden seien. In einem anderen Dorfe sei eine Reihe von Personen von den Kommunisten in die Kirchen eingeschlossen worden, diese angezündet und die Personen, die sich aus den Türen retten wollten, draußen erschossen worden. In Ronda hätten Kommunisten ihre Gegner an Pferde gebundeen und sie zu Tode geschleift. Deutsche Schule mit Steinen beworfen Berlin, 20. August. In Santander, das sich in Händen der Roten befindet, wurde die deutsche Schule mit Steinen beworfen. Der Protest des Konsuls hat zu einer Erklärung des Bedauerns seitens der örtlichen Behörden geführt. Zur Vermeidung von Wiederholungen sind außerdem Polizeiposten vor der Schule aufgestellt worden. Eindeutige Offensiv Aufrüstung Moskaus Die Dele Armnes der Welltebblatten dnb Moskau, 20. August. Nachdem die Sowjetregierung erst in der vergangenen Woche durch ihren Beschluß, das Aushebungsalter von 21 auf 19 Jahre herabzusetzen, den Willen zu einer neuen ungeheuerlichen Aufrüstung bekundet hat, fand am Dienstag in der ganzen Sowjetunion ein sogenannter„Tag der Aviatik“ statt, der ebenfalls ausschließlich im Zeichen der militärischen Rüstungen stand. Der Sowjetbevölkerung wurde an diesem Tage die kriegerische Macht der Sowjetluftflotte vorgeführt, und die Presse begleitete diese Veranstaltungen mit Kommentaren. in denen immer wieder die Notwendigkeit neuer Rüstungen hervorgehoben wurde, „um den Frieden der Welt gegen die faschistischen Ruhestörer zu verteidigen“. Den Flugvorführungen in Moskau wohnte u. a. auch eine Abordnung französischer Flugzeugindustrieller und Flugzeugkonstrukteure bei. Die Franzosen sollen sich dabei sehr lobend über die sowjetrussischen Rüstungen in der Luft ausgesprochen haben. Beide Maßnahmen, die Herabsetzung des Dienstalters beim Militär und der Flugtag, stellen Erscheinungen eines und desselben Geistes der Erhöhung der sowjetrussischen Offensivrüstungen mit allen Mitteln dar. Die parteiamtliche„Prawda“ schreibt dazu, die Rote Armee stelle heute schon eine Macht dar, die jede andere Kriegsmacht der Welt übertreffe. In der Tat ist die von Kriegskommissar Woroschilow geforderte Militarisierung der Psyche der Sowietbevölkerung schon außerordentlich weit fortgeschritten. Durch die im Vorjahr durchgeführte Heeresreform besteht die Rote Armee heute schon beinahe zu vier Fünfteln aus langdienenden Soldaten. Die Stärke der Armee wird durch die Herabsetzung des Einberufungsalters in den nächsten vier Jahren bis auf 50 v. H. erhöht und erreicht damit eine Effektivstärke von rund zwei Millionen Mann. An ausgebildeten Reserven besitzt die Rote Armee nach den neuesten Angaben 10,5 bis 11 Millionen Mann, nicht gerechnet die zahlreichen Sowjetbürger männlichen und weiblichen Geschlechtes, die durch den Ossoaviachim ausgebildet wurden. Diese Organisation zählt gegenwärtig über 13 Millionen Mann. Sie hat im Laufe der letzten drei Jahre 700 000 Schützen 500 000 Gasabwehrleute, 550000 Falschirmabspringer, 900 000 Fahrer, 140 000 Gleitflieger usw. ausgebildet. Sie besitzt 1500 Fliegerschulen, 72 Offiziersschulen, 2500 Kavalleristenverbände usw. Der Militärhaushalt beträgt nach den letzten Angaben 14,7 Milliarden Rubel, ein Betrag, der dem gesamten französischen Staatshaushalt entspricht. Der Heereshaushalt, der für 1936 21 v. H. der gesamten Staatsausgaben gegenüber 12 v. H. im Jahre 1929 beträgt, dürfte bei der in jedem Jahr bisher zu verzeichnenden erheblichen Ueberschreitung des Haushalts im Jahre 1936 über 30 v. H. erreichen Kürzlich rühmte sich die Sowjetpresse, daß die Rote Armee auf dem Gebiete der Motorisierung alle anderen Armeen weit hinter sich gelassen habe Sie verfügt heute über mindestens 4700 einsatzbereite Flugzeuge, etwa 8000 Kampfwagen und ungefähr 7000 Geschütze aller Kaliber sowie über 800 Minenwerfer und 32 000 leichte und schwere Maschinengewehre. Da nach amtlichen russischen Statistiken die Erzeugung an Flugzeugen im Jahre 1936 bereits jetzt um 72 v. H. höher ist als die gesamte, Jahresproduktion des Jahres 1935, so dürfte die russische Luftwaffe in absehbarer Zeit so stark wie die aller übrigen Staaten zusammen sein. Eilige Kasernenbauten in Westrußland Um die eine Million Rekruten, die auf Grund der Herabsetzung des Aushebungsalters im Herbst ausgehoben werden unterbringen zu können, werden in der Nähe vieler Orte zur Zeit Vorbereitungen für die Schaffung größerer Bgrackenlager getroffen, da für die neu aufzustellenden Truppenteile zunächst nicht genügend Kasernen zur Verfügung stehen. Das Baumaterial für diese Baracken ist zum Teil schon angefahren worden. Allein in Leningrad sollen, wie verlautet, im Herbst vier neue Regimenter aufgestellt werden. Auffällig ist, daß nach den bisherigen Mitteilungen offenbar der größte Teil der neuen Truppenteile in die Gebiete westlich von Moskau gelezt wird, also in die westliche Grenzzone Rußlands, wo auch eine Reihe von neuen Flugplätzen im Ent1 K Seite 2 Nr. 195 7 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 21. August 1936 stehen begriffen ist. Bei der Heeresvermehrung soll die russtsche Luftwaffe eine prozentual erheblich stärkere Vermehrung erfahren als die übrigen Waffengattungen. Es ist selbstverständlich, daß mit der Vermehrung der Ausrüstung sowohl als auch des Mannschaftsbestandes eine starke Verbesserung und Vervollkommnung Hand in Hand gegangen ist. Nimmt man die Fortschritte auf dem Gebiete der Heeresmotorisierung hinzu, so werden die gewaltigen Offensivrüstungen der Roten Armee der Weltrevolution augenscheinlich, die es dem Marschall Tuchatschewski auf der Tagung des Zentralen Vollzugsausschusses gestatteten, auszurufen:„Wir können jetzt, wenn die Regierung es wünscht, auf jedem beliebigen Punkt eine kampfbereite, ausgerichtete, bewaffnete Macht aufstellen, und die Kampfbereitschaft der Roten Armee ist größer als die jeder anderen Armee." Ablösung unterwegs dnb Berlin, 20. August. Unter Führung des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte, Konteradmirals Böhm auf Kreuzer„Nürnberg“, sind am 20. August aus Kiel und Wilhelmshaven zur Ablösung der bisher in Spanien befindlichen Seestreitkräfte ausgelaufen: Panzerschiff„Admiral Graf Spee“, die Kreuzer„Nürnberg" und„Leipzig", die vierte Torpedobootsflottille mit den Torpedobooten „Greif" und„Falke" und von der dritten Torpedobootsflottille die Torpedoboote„Jaguar" und„Wolf“. Weitere Spanien=Flüchtlinge geborgen dnb Berlin, 20. August. Das Torpedoboot„Albatros“ hat östlich von Bilbao drei Deutsche und einen Ausländer an Bord genommen; das Torpedoboot„Seeadler“ in Gison 24 Flüchtlinge, darunter neun Deutsche. Diese wurden mit weiteren Flüchtlingen aus Bilbao und Santander gestern auf Dampfer„Bessel“ eingeschifft. Aus Alicante lief der Dampfer„Palermo“ mit 60 Deutschen und 114 Ausländern aus. In Cartagena haben sich keine Flüchtlinge gemeldet. Wegen des angekündigten Bombenangriffs auf Palma wurde die Einschiffung der Flüchtlinge auf den Dampfer„Hero“ vorübergehend unterbrochen. dnb Lissabon, 20. August. Mit dem deutschen Dampfer„Hermes“ traf am Donnerstag abend ein Transport von 122 Flüchtlingen aus Malaga in Lissabon ein. Neben Schweizern, Belgiern, Franzosen, Argentiniern, Chilenen und Spaniern befinden sich 51 Deutsche unter den Flüchtlingen. Sie werden die Weiterreise nach Deutschland am Freitag mit dem Dampfer„Cap Arcona“ antreten. Außer den Angehörigen des deutschen Konsulats sind in Malaga nur noch einige wenige Deutsche auf eigene Verantwortung zurückgeblieben. Mailand, 20. August. Mit den deutschen Dampfern„Monte Sarmiento" und„Baden“ sind wiederum 1750 Flüchtlinge verschiedener Staatsangehörigkeit aus Spanien in Genua eingetroffen. 800 Reichsdeutsche sind mit einem Sonderzug am Abend in die Heimat weitergefahren. anb Berlin, 20. August. Wie der stellvertretende deutsche Konsul in San Sebastian mitteilt, beabsichtigt er, am 20. August mit den bisher noch dort verbliebenen 25 deutschen Volksgenossen abzureisen, da ein weiteres Verbleiben im Orte lebensgefährlich sei. paolino standrechtlich erschossen? London, 20 August. Der einmal als ermordet, ein zweites Mal als glücklich entkommen gemeldete bekannte spanische Boxer Paolino Uzeudun soll jetzt nach einer Meldung der Rundfunkstation Pontevidea in Madrid zusammen mit mehreren seiner Landsleute standrechtlich erschossen worden sein. Der Moskauer Terrorisienprozeß Grunn sonnd=ErinerertWerden Kamenew und Sinowjew im Verhör— Weitere Sowjethäupter dnb Moskau, 20. August. Die Mittwochabend=Sitzung des Prozesses gegen Sinowjew und Genossen brachte einige aufsehenerregende Mitteilungen. Von den Angeklagten wurde zunächst Dreizer vernommen, der wie übrigens auch Mratschkowski früher hohe Posten in der Roten Armee bekleidet hat, was sich im Verlauf des Verhöres herausstellte. Daraus läßt sich schließen, daß die Angeklagten immerhin auch in der Roten Armee Verbindungen besaßen. Aufsehen erregte die Mitteilung des Angeklagten Reingold, daß die SinowjewGruppe im Jahre 1932 auch Verbindungen zur ehemaligen Rechtsopposition(Bucharin, Tomski, Rykow) aufgenommen und diese in ihre geplanten Anschläge eingeweiht habe. Weiterhin sagte Reingold aus, daß zwischen der Terroristengruppe Sinowjew und dem früheren Volkskommissar des Finanzwesens Sokolnikow, der dann bis 1935 den Posten des stellvertretenden Außenkommissars bekleidete, enge Beziehungen bestanden haben. Sokolnikow ist, wie jetzt bekannt wird, bereits verhaftet. Desgleichen bleibt es Reingold vorbehalten, das Geheimnis, das bis jetzt über der jüngst erfolgten Entlassung der Direktoren der sowjetrussischen Staatsbank lag, zu lüsten. Der Vizedirektor der Staatsbank, Arkus, habe, so sagte Reingold aus, im Jahre 1929 versucht, auf Kamenews Wunsch und auf sein Betreiben Mittel für die revolutionäre Tätigkeit der Sinowjew=Gruppe im Ausland anzulegen. Wie nunmehr feststeht, hat diese Beschuldigung die Entlassung und Verhaftung der Direktoren der Staatsbank vor wenigen Wochen zur Folge gehabt. Schließlich wußte Reingold noch interessante Mitteilungen darüber zu machen, wie die angeblichen Verschwörer nach errungenem„Siege“ die führenden Posten in Partei und Staat unter sich verteilen wollten. Sinowjew habe sich die Führung der bolscheReutbulnmebertehungen in Frankreich am laufenden Band Marxistische Gewerkschaften für volle Unterstützung der Madrider Regierung— Neue Kriegsmaterialsendungen— Spanische Werbebüros auf französischem Boden und Munition Paris, 20. August. Das Blatt„Figaro“ meldet, daß der marxistische Generalsekretär Jouhaux und der Vorstand der marxistischen Gewerkschaften zu Freitag den Verwaltungsausschuß der Gewerkschaften einberufen haben, um angesichts der äußerst kritischen Lage der spanischen Marxisten und Kommunisten Maßnahmen zu beschließen, die geeignet sind, der spanischen Volksfront moralische und materielle Hilfe zu leisten. Den zu fassenden Beschlüssen kommt insofern erhöhte Bedeutung zu, weil die Gewerkschaften einen maßgeblichen Einfluß auf die französische Volksfrontregierung ausüben, und weil Generalsekretär Jouhaux erst in diesen Tagen von seiner Informationsreise nach Madrid zurückgekehrt ist. In welcher Richtung sich der Einfluß Jouhaux' geltend machen wird, erhellt zur Genüge aus einem Artikel, den Léon Jouhaux im Gewerkschaftsblatt„Le Peuple“ veröffentlicht und in dem er sich für die Lieferung von Kriegsmaterial an die spanische Regierung einsetzt. Die Bewegung des Generals Franco, so schreibt Jouhaux, sei nur eine Episode des allgemeinen Kampfes zwischen Faschismus und Nationalsozialismus auf der einen Seite und dem demokratischen Regime auf der anderen Seite. Es sei angebracht, die Frage der Neutralität noch einmal zu überprüfen. Der marxistische Gewerkschaftsverband fordere lediglich das Recht für die spanische VolksfrontRegierung, in aller Unabhängigkeit das zu kaufen, was sie brauche. Von allen linksgerichteten Verbänden werden inzwischen die Sammlungen für die spanische Volksfront fortgesetzt. In den großen Metallindustrien sind besondere Ausschüsse eingesetzt, die diese Sammlungen zentralisieren. Die Humanité“ veröffentlicht am Donnerstag einen Aufruf unter der Ueberschrift„Flugzeuge für Spanien“, in dem es u. a. heißt: Lebensmittel und Arzneien für die Kämpfenden und Verletzten sind sehr gut, aber es werden Roter Landungeversach auf Malleriamißblaut 1000 Tote bei den Roten— Drei Paris, 20. August. Der Sender von Palma de Mallorca berichtet, daß ein von drei Schiffen der Marxisten versuchter Angriff auf den Hafen und die Stadt fehlgeschlagen und die Angreifer völlig vernichtet worden seien. Sie hätten über 1000 Tote gehabt. Die Schiffe hätten die Flucht ergriffen und seien in Richtung Barcelona abgefahren. Aus Valladolid kommt die Meldung, daß es dort den nationalen Truppen gelungen sei, drei Flugzeuge der Marxisten, zwei dreimotorige Bombenmaschinen und eine Jagdmaschine, zur Landung zu zwingen. Die Apparate werden nach Wiederherstellung den weißen Flugkräften eingegliedert. — Sevilla meldet, daß die Truppentransporte von Marokko nach Südspanien mit sechs dreimotorigen Flugzeugen täglich regelmäßig durchgeführt würden. Der Sender von La Coruna teilt mit, daß 9000 Mann zum Angriff auf die Linie Irun— San Sebastian eingesetzt seien. Die Abschnürung von San Sebastian nach Westen sei bereits gelungen. General Franco rechnet damit, daß San Sebastian in den nächsten Tagen in die Hände der nationalistischen Truppen fallen wird. Die in San Sebastian erscheinende Zeitung„Frente Popular“ berichtet, daß die dortige rote Miliz in den letzten Tagen neue Verstärkung aus Bilbao erhalten habe. Es handele sich hierbei in erster Linie um Bergarbeiter, die gut mit Dynamit umzugehen verstünden. In dem gleichen Blatt wird die Hinrichtung von fünf Offizieren in San Sebastian gemeldet, die sich gegen die Volksfront betätigt hätten. Ferner sei es gelungen, den aus der Diktaturzeit Primo de Riveras bekannten General Muslera und den Oberstleutnant Baselaa in San Sebastian zu verhaften. Diese beiden Offiziere werde das gleiche Schicksal ereilen wie die obigen.„Frente Popular“ berichtet weiter, daß in Barcelona die Theater syndikalisiert worden seien. Vom Platzanweiser bis zur Diva werde ein einheitliches Gehalt von 5 RM. täglich gezahlt. Die aus Malaga vorrückenden Truppen des nationalistischen Generals Barela wurden zwischen Almogia(16 Kilometer nordwestlich von Malaga) und Villanueva(32 Kilometer nordnordöstlich von Malaga) durch einen marxistischen Fliegerangriff und Landminen vorübergehend aufgehalten. Dagegen hat eine andere Gruppe der Nationalisten den Ort Acidona bei Malaga eingenommen und zahlreiche Artillerie im Ring um Malaga in Stellung gebracht. In Asturien haben die Minenarbeiter einen Angriff auf Oviedo versucht, der restlos scheiterte. Die nationalen Truppen haben die Angreifer mit schweren Verlusten abgewieFlugzeug Unterein ein versenkt hat General telegraphiert, seine Truppen als einer sofort Waffen und Munition gebraucht. Wir fordern deshalb alle Franzosen auf, zu zeichnen, damit wir den spanischen Milizen Flugzeuge und Munition liefern können.“ Die angebliche Neutralität der französischen Regierung kommt durch diese offensichtliche Unterstützung einer der beiden sich in Spanien bekämpfenden Parteien in eine sehr schiefe Lage. Es bestehen außerdem berechtigte Zweifel daran, daß sie mit aller Strenge gewahrt wrd. Die„Action Francaise“ ist in der Lage, das Faksimile eines Frachtbriefes zu veröffentlichen, der eine spanische Munitionsladung von Puigcerda an der französisch=katalanischen Grenze nach San Sebastian begleitete. Aus diesem Frachtbrief geht hervor, daß der Eisenbahnwagen über Toulouse nach Hendaye befördert worden ist, also über französisches Gebiet. Dieses Material sei in Hendaye in einen spanischen Eisenbahnwagen verladen worden. Die französische Eisenbahngesellschaft habe es nicht ausliefern wollen, und es habe erst eines persönlichen Anrufes des Finanzministers Vincent [Auriol bedurft, um die Weiterbeförderung zu bewerkstelligen. Am Mittwoch seien zwei andere Munitionsladungen aus Cerbere an der französisch=katalanischen Grenze eingetroffen und nach Irun weiterbefördert worden. Während es sich bei diesen drei Ladungen um Munition handele, die aus einer spanischen Provinz über französisches Gebiet in eine andere spanische Provinz befördert worden sei, will das Blatt ebenso wie der„Jour“ von der Ankunft einer Munitionsladung aus Juvisy in Bayonne berichten können. Die drei Eisenbahnwagen seien für Hendaye bestimmt gewesen. Sollten sich diese Nachrichten bestätigen, so würde es sich also hierbei um Munition französischer Herkunft handeln. In Hendaye, so schreibt die„Action Francaise" der spanische sozialistische Abgeordnete Alweiter, habe varez Rengulo sein Hauptquartier aufgeschlagen. Im Hotel„Terminus“ sammleer französische und spanische Freiwillige und werbe sie für die spanische Volksfront an. Die„Petite Gironde“ und der„Expreß du Midi“ erklären übereinstimmend, daß am vergangenen Samstag eine Abteilung spanischer Miliz in Uniform in Toulouse eingetroffen und von dort nach Bayonne und Hendaye weiterbefördert worden sei. Mindestens zwölf französische Flieger seien bereits von dem spanischen Botschafter und einem kommunistischen Literaten namens Malaux angeworben worden. Letzterer sei wegen Kunstdiebstahls in Indochina verurteilt gewesen. Der Herr Botschafter Frankreichs verurteilt... Hendaye, 20. August. Die in San Sebastian erscheinende Tageszeitung „Frente Popular“ bringt in Fettdruck die sehr interessante Mitteilung, daß der„Herr Botschafter von Frankreich in Spanien die Aufmerksamkeit hatte“, den Zivilgouverneur der Provinz zu besuchen und ihm seine Verurteilung des Vorgehens der Schiffe der Nationalisten„Almirante Cervera" und Espana“ zum Ausdruck zu bringen, dessen Opfer die Stadt am Mittwoch geworden sei. Der Herr Botschafter habe 150 RM. gestiftet zu Gunsten der Geschädigten. In der Begleitung des Botschafters Herbette hätten sich außer dem Vertreter von Havas,„Paris Soir“,„Matin“ und einem englischen Journalisten auch noch ein Major aus dem französischen Luftfahrtministerium befunden. Der Gouverneur habe dem Botschafter seinen Dank für die„moralische Hilfe“ Frankreichs zum Ausdruck gebracht. Auch Englands Marxisten für offene Unterstützung der Madrider Regierung London, 20. August. Ebenso wie bei den französischen Marxisten wird jetzt auch bei der englischen Arbeiterpartei und in der Gewerkschaftsbewegung die Forderung nach offener Unterstützung der spanischen Marxisten immer deutlicher. In einer Unterredung mit Außenminister Eden drückten der stellvertretende Führer der parlamentarischen Labour=Fraktion, Greenwood und der General= sekretär des Gewerkschaftskongresses, Sir Walter Citrine, ihr Bedauern darüber aus, daß eine Unterstützung der spanischen Regierung durch die von England, Frankreich und anderen Staaten befolgte Neutralitätspolitik verhindert werde. Der britische Gewerkschaftsbund veröffentlichte am Mittwoch abend eine Mitteilung über die von ihm ergriffenen Maßnahmen zur Unterstützung der spanischen Marxisten. Daraus geht zunächst hervor, daß sich die englischen Gewerkschaften endgültig für eine Einmischung in den spanischen Bürgerkrieg entschieden haben. Bisher seien 4000 Pfund Sterling für Arzneimittel für die Regierungsstreitkräfte entsandt worden. Ferner habe man zahlreiche Lieferungen von Nahrungsmitteln, Zigaretten und Tabak vorgenommen. Die englische Transportarbeitergewerkschaft hat einen Betrag von 1000 Pfund Sterling für die spanischen Gewerkschaften geleistet und kündigt eine Geldsammlung ihren Filialen an. Flugzeuge zur Tandung gezwungen sen.— Die Madrider Nachricht, daß sich Granada ergeben hätte, wird wiederholt dementiert. In Badajoz fanden die nationalen Truppen ein Munitionsdepot der Kommunisten mit 40000 Gewehren neuester Konstruktion. Wie Havas aus Cadiz meldet, soll der Nationalisten am Mittwoch abend seeboot der Regierungsstreitkräfte haben. Nach einer Meldung aus Gibraltar Mola, an General Queipo de Llano daß er keine Verstärkungen benötige, da ausreichten, um Madrid in weniger Woche einzunehmen. Repressalien gegen Geiselmorde General Queipo de Llano über die Lage dnd Lissabon, 20. August. In seiner üblichen Rundfunkerklärung betonte General Queipo de Llano am Donnerstag abend zunächst, daß es den Streitkräften der Madrider Linksregierung bisher nnoch nicht gelungen sei, auch nur eine einzige Abteilung des vorrückenden Heeres der Nationalisten zurückzuschlagen. Am Donnerstag sei es den nationalistischen Truppen gelungen, die Stadt Guadalcanal in der Sierra Morena einzunehmen. Vor dem Einmarsch der Streitkräfte der Militärgruppe hätten die Roten ein Haus in Brand gesteckt, wobei 43 Personen den Feuertod erlitten hätten. Der General kündigte weiter Vergeltungsmaßnahmen an den Familien marxistischer Parteigänger an, falls in San Sebastian Geiselmorde stattfinden sollten. In einer Verlautbarung des in den Händen der Militärgruppe befindlichen Senders von Sevilla wird die Nachricht von einem Luftbombardement Cordobas durch Flugzeuge der Linksregierung bestätigt. Der Sender teilt weiter mit, daß am Mittwoch die zwischen Granada und Antequera liegende Stadt Loja von den Nationalisten besetzt worden sei. Wirtschaftspolitische Tagung in Thüringen. Donnerstag vormittag fand in Oberhof unter Leitung des Reichswirtschaftsministers Dr. Schacht eine Tagung der Reichsstatthalter und preußischen Oberpräsidenten statt, auf der nach einem Vortrag des Ministers eine Aussprache über wirtschaftspolitische Fragen erfolgte. Schlägerei zwischen französischen Soldaten und Zivilisten. In Rochefort=sur=Mer kam es zu einer schweren Schlägerei zwischen Soldaten und Zivilpersonen. Schließlich gingen die erbitterten Gegner mit Messern aufeinander los, so daß über zehn Personen verletzt wurden, bezeichnet ihre den und zur dzen Partei vorbehalten. Kamenew den Vorsitz im Rat der Volkskommissare, während Bakajew als aktivem Organisator der geplanten Terrorakte die Leitung der GPU. übertragen werden sollte. Mit diesen Aussagen, die die übrigen Mitangeklagten bestätigen, rückt der ganze Prozeß, dessen innerpolitische Folgen immer unübersehbarer werden, in ein noch interessanteres Licht. Der Angeklagte Reingold sagte im weiteren Verlaufe des Verhörs aus, daß auch der gegenwärtige stellvertretende Volkskommissar für Schwerindustrie Pjatakow, und Serebrowski, der früher im Transportwesen an leitender Stelle stand(beide frühere Trotzkisten) in Beziehungen zur Sinowjew=Gruppe standen und von Sinowjew selbst als„zuverlässige Leute", an die man sich„ebenfalls bei der Vorbereitung von Terrorakten heranmachen müsse", worden seien. Der Angeklagte Pickel gestand Einzelheiten über einen geplanten Anschlag auf Stalin am 9. Oktober 1932 und im Juli 1934 und machte interessante Mitteilungen über eine angebliche Militärverschwörung trotzkistisch gesinnter Kreise in der Roten Armee, wo 1934 Zellen für trotzkistische Agitation bestanden hätten. Die Vormittagssitzung im Prozeß gegen Sinowjew und Genossen am Donnerstag brachte wiederum interessante Enthüllungen. Der Hauptangeklagte Kamenew kam erneut auf Verbindungen der Sinowjew=Trotzki=Organisation mit Angehörigen der früheren Rechtsopposition zu sprechen. Solche Verbindungen hätten bestanden mit dem gegenwärtigen Chefredakteur der „Iswestija" und früheren einflußreichen Mitglied des Politbüros, Bucharin", ferner mit dem ehemaligen Leiter der Sowjetgewerkschaften und bisherigen Leiter der Vereinigten Staatsverlage, Tomski, sowie mit dem jetzigen Post= und Telegraphenkommissar Rykow, dem früheren Vorsitzenden des Volkskommissariates. Diese Vertreter der früheren Rechtsopposition seien über die terroristischen Absichten der Sinowie im Jahre 1934 unterrichtet gewesen. Sie hätten Hoffnungen, wieder zur Macht zu gelangen, auf ###uig der beabsichtigten Anschläge gegen Stalin die übrigen Parteispitzen aufgebaut. Man vermutet, daß die genannten Personen Verantwortung gezogen werden. Besonders belastend waren die Aussagen Kamenews gegen den früheren Volkskommissar für Finanzen und stellvertretenden Außenkommissar Sokolnikow. Kamenew gab den„verbrecherischen Charakter“ der Tätigkeit seiner Gruppe nicht zu, sondern betonte, daß ihm und Sinowjew, die unrechtmäßig von der Macht abgedrängt worden seien, jedes Mittel brauchbar erschienen sei, um wieder an die Macht zu kommen. Im übrigen wies Kamenew darauf hin, daß seine Gruppe stets sicher gewesen sei, im Einverständnis mit dem im Ausland weilenden Trotzki zu handeln, da dieser immer die Ansicht vertreten habe, daß die„blutige Konzentrierung“ der Macht in den Händen Stalius für Sowjetrußland verderblich sei.“ So oft Kamenew versuchte, über die ideologischen Motive seiner Tätigkeit zu sprechen, wurde er vom Gerichtspräsidenten oder dem Staatsanwalt unterbrochen bzw. nach anderen Dingen gefragt. Der Gesamteindruck der bisherigen Verhandlung geht dahin, daß sich der Umkreis dieses Prozesses bedeutend weiter erstreckt, als zunächst anzunehmen war und daß die Parteispitzen bei dieser Gelegenheit mit allen vermutlichen Feinden des gegenwärtigen Regimes„aufzuräumen“ gedenken. Im weiteren Verlauf der Vormittagssitzung wurde Sinowjew verhört. Er machte ausführliche Aussagen über die Vorgeschichte der„gegenrevolutionären Tätigkeit" seiner Gruppe, wobei er oft mit theatralischer Pose und häufig zum Publikum gewandt, sprach. Im wesentlichen bestätigten seine Aussagen die Feststellungen der Anklageschrift. Im Laufe des Verhörs kaum zum erstenmal auch Moisse Lurje zu Wort der nach der Anklageschrift Terrorakte auf Veranlassung einer fremden Stelle geplant haben soll. Die Stichhaltigkeit dieser Anklage wurde dadurch nicht gerade bekräftigt, daß sich bei seinen Ausführungen herausstellte, daß Moisse Lurje mit dem berüchtigten Emil Alexander identisch ist, der früher die Abteilung für Agitation und Propaganda im Zentralausschuß der kommunistischen Partei in Deutschland leitete! „prawda“=Chefredakteur in Madrid and Madrid, 20. August. Der Chefredakteur der Moskauer Zeitung„Prawda“ iffen. Er stattete noch am gleichen identen Giral einen Besuch ab. ist in Madrid eingetroffe Tage dem Ministerpräsid Giral sprach dem Chefredakteur über seine Ge Koldzow gegenseine Genugtuung über die zahlreichen Freundschaftsbeweise von sowjetrussischer Seite aus. Koldzow hat vor seinem Eintreffen in Madrid Barcelona sowie den Frontabschnitt Saragossa—Huesca besucht. Glückwunschtelegramm des Führers an den König von Afghanistan. Der Führer und Reichskanzler hat könig von Afghanistan telegrades afghanischen UnabSeiner Majestät dem Ki phische Glückwünsche anläßli hängigkeitsfestes übermittelt. Der königlich schwedische Reichsmarschall gestorben. Der schwedische Reichsmarschall Dr. Oscar von Sydow starb am Mittwoch im Alter von 63 Jahren in Stockholm. Hans KVv. in Hauptschriftleiter: Dr. Paul Dierichs. Stellvertreter: Schulte. Verantwortlich für Politi“:„I. V. Fritz Schm Kommunalpolttik und Stadtteite: udolf Pebdina.p **: Kulturpolltik und Untervaltung: ann Wirtschaft: Fritz Schmioi, Anzeigen er St##et, Sport; midt, imunalpolitik und Stadtteile: Aog##., webd. Lokales: Hans Schulte, Dr. Josef Schwermann Gerichtsdlenst und Brigsaaften Max## Hans Hornberg, Anzzigen: Kurt Scholz, lich in Bochum. Berliner Schriftleitung: Michael Haupt, Berlin=Karlsvorst, Döndoffstraße 19, Anrus Karlshorst 0340. Berliner Anzeigenvertretung: F. W Pempe. BerlinCharlottenburg, Uhlandstraße 194. Anruf O 1 Steinplatz 6813. Verlag und Druck: Laupenmühlen a Dierichs in Bochum, Ruf 67551, 52, 53.— Zur Zeit ist Preisliste Nr. 7 gultts, Nachlaßstaffel.— DA VII 38 über 26 000. Sprechstunden der Schriftlettung wochentags, außer Mittwochs und Samstags, von 16 bis 17 Uhr. Für unverlangte Einsendungen keine Haftpflicht. Rücksendung nur bei Rückporto. Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten Seite 3 Nr. 195/ Bochumer Anzeiger7 Freitag, 21. Augusi 1936 Am Kreuzungspunkt für Tausende zwischen 18 und 20 Uhr am Hauptbahnhof Schafriatel auf Sieizen... Ein wahrhaft großstädtisches Verkehrsleben herrscht am Hauptbahnhof in Bochum, wie wohl an keiner anderen Stelle unserer Stadt, so vielgestaltig und abwechslungsreich, so bunt und interessant, zumal wenn der Abend sich niederneigt, und die Büros und Geschäfte ihre Pforten geschlossen haben. Da wartet die Mutter auf den Vater, die Braut auf den Bräutigam, da stehen die Menschen, die nach des Tages Mühen sich noch zu einem Dämmerschoppen zusammenfinden oder gemeinsam mit Angehörigen oder Bekannten von hier aus noch einen kleinen Abendspaziergang in Gottes freie Natur unternehmen wollen. Andere wieder, die hier stehen, warten auf den Autobus oder die Straßenbahn, um eilig nach Hause zu kommen. Es wohnen ja viele Bochumer am Rande der Stadt. Eine Straßenbahn nach der anderen fährt vor. Sie haben um diese Zeit Hochbetrieb. Die Stromverbrauchskurve des Elektrizitätswerkes macht um diese Zeit einen gewaltigen Schwung nach oben. Autos aller Schattierungen flitzen vorbei, angefangen vom Lastkraftwagen über den modernen Personenwagen in seinen eleganten Stromlinien bis zum Rennwagen, natürlich fehlt auch das Motorrad mit seinem geräuschvollen Geknatter nicht. Auch Wagen ausländischer Herkunft sind häufiger zu beobachten. Jetzt kommt auch ein schweres Pferdefuhrwerk angefahren und zwingt für einen Augenblick dem strömenden Verkehr ein langsameres Tempo auf. Leicht und behende steuert ein Fahrrad nach dem anderen durch das Verkehrslabyrinth. Hier ist der Kreuzungspunkt für Tausende. Unter klingendem Spiel zieht eine Abteilung Jungvolk vorbei, mit ihren Landsknechtstrommeln und Fanfaren, haarscharf ausgerichtet. Auch der eilige Straßenpassant hält an und sieht freudig auf den Zug deutscher Jungen. Eine kleine Abteilung Ausgemusterter zieht freudig singend vorüber. Mit Sträußchen haben sie sich geschmückt! Herrlich denkt man, noch jung zu sein. Der Film der Straße zeigt um diese Zeit immer neue Bilder. Die Augen haben zu tun, um den schnellen Wechsel der Bilder zu verdauen, abends, wenn Bochum Feierabend macht. Nächtlicher Raubüberfall In der Nacht zum 12. August, gegen.30 Uhr, wurde auf der Elisabethstraße ein Mädchen von einem unbekannten Manne, den es vorher nicht bemerkte, plötzlich überfallen. Die Ueberfallene schlug mit der Handtasche um sich, riß sich los und flüchtete unter Hilferufen in ein Haus an der Pottstraße. Offenbar hatte es der Täter auf den Inhalt der Handtasche abgesehen; es besteht auch die Möglichkeit, daß er an dem Mädchen ein Notzuchtsverbrechen verüben wollte. Beschreibung des Täters: ungefähr 28 bis 30 Jahre alt, 1,50 bis 1,55 Meter groß, dunkle Gesichtsfarbe (Zigeunergesicht), trug großen, dunklen Hut und dunklen Anzug. Mitteilungen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, erbittet die Kriminalpolizei in Vochum, Polizeipräsidium, Uhlandstraße 35, Zimmer 87. Auf der Fahrt zum Besuch der Mutter verunglückt Am Mittwoch mittag ereignete sich auf der Weseler Straße in Münster ein schweres Verkehrsunglück, bei dem drei Frauen glücklicherweise nur leicht verletzt wurden. Ein aus Bochum stammender Kraftwagen, der von einer Frau Rösler gesteuert wurde, und in dem sich noch ihre beiden Töchter befanden, sauste aus bisher noch unbekannter Ursache gegen einen Chausseebaum. Die Fahrerin geriet unter den Wagen und trug einen Armbruch davon, während ihre beiden Töchter mit Hautabschürfungen davonkamen. Alle drei Verletzten fanden Aufnahme in der Universitätsklinik Münster. Wie verlautet, befand sich Frau Rösler mit ihren Töchtern auf der Fahrt zum Besuch der alten Mutter, die in Münster wohnt. Der Donnerstag ist der Tag der Straßenmusikanten und=sänger. Er ist der Tag, der von den Stenotypistinnen, Verkäuferinnen und Hausangestellten als Spender einer kleinen Alltagsfreude mit nicht eingestandener heimlicher Spannung erwartet wird. Zu den Klängen der Mandoline, der Zither, des klaviers, der Geige oder des Saxophons, schmeckt das Frühstücksbrot besser, klappert die Schreibmaschine fleißiger und gleitet das Putztuch schneller über die Möbelstücke, wenn auch die Ansichten der Chefs oder der Hausfrauen gegenteilig sind. „Ein bißchen Singsang, und eine kleine Liebe...!" Der musikalische Donnerstag ist der Vorbote kommender Wochenendfreuden, und— wer nicht mißvergnügt die Gardinen zuzieht— freut sich seiner Wie in jedem Berufszweig, macht auch bei den Straßensängern der findigste Kopf das Rennen um die Gunst und den Groschensegen des Publikums. Die Konkurrenz ist groß, und es genügt heute nicht mehr, daß man sich original bayrische„Genagelte" und Lederbuxen anzieht und schlecht und recht einen Schuhplattler aufs Bochumer Straßenparkett legt. So wollte das lustige Dreigestirn, das sich Donnerstag auf den Bochumer Plätzen und Straßen„produzierte“, buchstäblich hoch hinaus. Während der Seppl aus der Speckschweiz unverdrossen die Drehorgel drehte, tanzten die Kathi und der Franzl die„hohe Schule“ ..-Aufnahme: Brüning des Schuhplattlers auf Stelzen. Mit allen nekkischen Drehungen und Wendungen, mit Patschhändchen und„Rocklupfern“, die in dieser luftigen Höhe besondere Freude machten. Sie schuhplattlerten morgens im Ehrenfeld, mittags in der Innenstadt, nachmittags in Hamme und der Kassensturz wird am Eröffnungstag den Stelzentänzern ein erfreuliches Ergebnis gebracht haben. Junge Gasie in Wesiscien=Sul Reichsberufswettkampfsieger aus Magdeburg=Anhalt und Weser=Ems besuchten Bochum und Blankenstein Als Anerkennung für die Leistungen der Reichsberufs=Wettkampfsieger waren wirtschaftskundliche Fahrten angesetzt, die den jungen schaffenden Menschen einmal die landschaftlichen Schönheiten unseres Vaterlandes zeigen und zum anderen sie in ihrem Beruf weiter ausbilden sollten. Noch in bester Erinnerung sind die wirtschaftskundlichen Fahrten der Gaujugendabteilung Westfalen=Süd, die sich auf das ganze Reich erstreckten. In der vorigen Woche erhielten wir den Gegenbesuch von 30 Reichsberufs=Wettkampfsiegern der Gruppe Eisen und Metall aus dem Gau Magdeburg=Anhalt. In einer Kundgebung in Magdeburg wurden sie von dem Gaujugendwalter auf diese Fahrt geschickt. Die Fahrt führte über Hildesheim zu den Externsteinen, von da ging es weiter zum Teutoburger Wald, zum Hermannsdenkmal. Nachmittags traf man im Elektrohof am Westfalendamm in Dortmund ein. Dort wurden die Gäste aus dem Gau Magdeburg=Anhalt von dem Gaujugendsachbearbeiter Erich Crevecoeur empfangen. Die Teilnehmer übernachteten in der Jugendherberge Dortmund=Hörde. Am nächsten Morgen besichtigten sie das dortige Museum und erhielten so einen Einblick in die geschichtliche Entwicklung Westfalens. Nach der Besichtigung des Dortmund=Hörder Hüttenvereins, Werk Hörde, besuchte man den Rombergpark, das Schwefelbad und die Abteilung Union des Dortmund=Hörder Hüttenvereins. Bei dieser Besichtigung war auch der Gaujugendwalter, Pg. Karl Treeck, anwesend. Die Firma lud die jungen Gäste noch zu einem Mittagessen im Union=Hotel ein, wo bei einem kräftigen Mahl Tagtäglich... Tagtäglich werden wir von neuen Schreckensnachrichten aus Spanien überrascht. Tagtäglich kehren Deutsche aus Spanien zurück, die mit ihrer Stellung auch Hab und Gut verloren haben. Tagtäglich laufen auch aus den verschiedensten Volkskreisen Spenden ein, dazu bestimmt, die große, große Not der Spanien= Flüchtlinge mildern zu helfen. Tagtäglich müssen sich aber neue Opferwillige finden, um unseren Brüdern und Schwestern ihre Hilfe nicht zu versagen. Wer will heute sein Gemeinschaftsgefühl durch die Tat beweisen? An Gaben gingen weiter bei uns ein: Pongs& Zahn, Textilwerke AG., Abt. Bochumer Schürzenfabrik„ 100.— RM H. Dühne, Bochum.—„ N. R..—„ S. R..— Frühere Eingänge„ 697,— ull 906.—8r. Spenden werden in der Geschäftsstelle des„Bochumer Anzeiger“, Rathausplatz 8, entgegengenommen oder können auf unser Postscheckkonto Dortmund Nr. 1760, unter dem Kennwort„Notspende für die deutschen Flüchtlinge aus Spanien“, eingezahlt werden. Die Weiterführung an den„Hilfsausschuß für die Spanien=Deutschen“ erfolgt unverzüglich unter gleichzeitiger Bestätigung der Eingänge in der Zeitung. das Gesehene besprochen wurde. Anschließend Weiterfahrt nach Blankenstein, wo man dem schönen Ruhrtal und der Burg Blankenstein einen Besuch alstattete. Uebernachtet wurde im Ruhrlandheim. Der Donnerstag brachte als erstes die Besichtigung des Bochumer Vereins. Nach einem Vortrag von Ingenieur Engelbrecht besichtigten die Jungen die vorbildliche Lehrlingswerkstatt. Darauf wurden die Jungen von der Werksleitung ebenfalls zu einem Mittagessen eingeladen. Daran anschließend fanden die Besichtigungen der Firma Maschinenfabrik Gebr. Eickhoff, des Bergbaumuseums der Klöcknerwerke in Hagen und des Speicherkraftwerkes in Herdecke statt. Samstag nachmittag verließen die jungen Gäste unseren Gau und kehrten nach Magdeburg zurück. * Samstag vormittag trafen, von Köln kommend, 30 stramme Jungen der Gruppe Handel des Gaues Weser=Ems am Hauptbahnhof in Bochum ein. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Gaujugendsachbearbeiter Ernst Trapp erfolgte die Besichtigung des Bochumer Vereins, wo die Jungen das seltene Glück hatten, einen Hochofenabstich mitzuerleben. Die Jungen kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier fühlten alle den starken Pulsschlag des schaffenden Deutschen, sei es nun am Hochofen, im Walzwerk oder auch in allen anderen Werkstätten, wo die glühenden Eisenmassen weiter verarbeitet wurden. Nachmittags schloß sich eine Besichtigung des Bergbaumuseums an. Hier lernten die jungen Kaufleute den schweren und mühsamen Bergmannsberuf kennen und achten. Diese Besichtigung machte auf die Jungen einen tiefen Eindruck und war wohl der Höhepunkt der ganzen Fahrt. Nach einem Rundgang durch die Stadt wurden die Kameraden zum Ruhrlandheim gebracht, um auch hier die landschaftlichen Schönheiten des Ruhrindustriegebietes kennenzulernen. Am Sonntag morgen traten sie die Heimfahrt an. Aerrler, Trachen uns Hirer de Der gestiefelte Kater begrüßt den Prinzen Oben: Rotkäppchen, Jäger und Wolf in friedlicher Unterhaltung.— Unten: Unter solchen Umständen läßt sich's leben, aber leider nur im Schlaraffenland möglich. in Sechumer Surtyurt Aufnahmen:..-Muthherz Die Bremer Stadtmusikanten beim Stimmen der Instrumente „Großmütterchen, warum hast du so große Augen?“ fragte Rotkäppchen in seiner Verwirrung den Zwerg Nase, der gerade dem Konzert der Bremer Stadtmusikanten ergriffen lauschte, da mischte sich Rübezahl in die Unterhaltung und stieß, ungeschlacht wie er nun einmal ist, das„Tischleindeckdich" um, daß die gebratenen Schlaraffenland=Tauben erschreckt gegen die Reisbreimauer ihrer Landesgrenzen flatterten. Die dadurch hervorgerufene Verwirrung benutzte das im Uhrgehäuse versteckte Geislein, rasch herauszuschlüpfen und dem bösen Wolf den Bauch aufzuschlitzen, und durch das Gestöhn des Wolfes erwachte Dornröschen aus dem taufendjährigen Schlaf, während Hänsel und Gretel den Augenblick für gekommen hielten, die Hexe in den Bratofen zu schieben. Die schrie so gewaltig, daß sogar dem tapferen Schneiderlein einen Augenblick angst und bange wurde; Seite 4 Nr. 195 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 21. Augusi 1936 und auf hohem Roß sprengte stolz das Aschenbrödel mit seinem Prinzen einher, während schon die Bremer Stadtmusikanten in prophetischer Voraussicht den Hochzeitsmarsch auf Troldhaugen spielten. Wie gesagt, es war alles ein wenig durcheinander in der Märchenwelt. Und wodurch kam das alles? Es waren da zu viele neugierige Menschlein auf den Wegen des Stadtparks, die mit großen Augen all die Kobolde, Zwerge, Drachen und andere Fabeltiere anstarrten, die sie bislang nur aus Märchenbüchern kannten und die nun plötzlich auf dem grünen Rasen des Stadtparks standen. Und als nun gar ein Mann mit einem merkwürdigen schwarzen Kästlein kam, das Frau Holle, die ja aus ihrer Höhe schon öfter die Gewohnheiten der kleinen Menschlein beobachtet, einen Photoapparat nannte da war es ganz mit der Ruhe im Märchenreich aus. Nur die Bremer Stadtmusikanten hatten die Sachlage rasch erfaßt und spielten drauflos, als ginge es um eine Verpflichtung für den Tonfilm. Es ist kein Zufall, daß die Gestalten aus Märchen und Sage gerade jetzt im Stadtpark ihr Reich errichtet haben. Sie haben erfahren, daß am kkommenden Samstag der alte Teil des Bochumer Stadtparks in feenhafter Beleuchtung erstrahlen soll, wie wir es ja jüngst schon ähnlich beim Reiterabend des Provinzial=Reitund=Fahrturniers erlebt haben. Der Ruf dieser feenhaften Beleuchtung ist auch ins Märchenreich gedrungen, und so haben die bekanntesten Vertreter dieses Reiches beschlossen, am kommenden Samstag im Stadtpark diesem Fest beizuwohnen. Natürlich werden sie sich nicht darauf beschränken, nur zuzuschauen, sondern sie werden sich auch selbst in bunter Beleuchtung den staunenden Bochumern zeigen. Die Abgesandten des Märchenreiches weilen im übrigen schon in Bochum und waren gestern bereits zur Besichtigung im Stadtpark anwesend, wobei sich die in der Einleitung geschilderten Verwirrungen ergaben. Unserem Bildberichterstatter war es möglich, einige der interessantesten Gruppen auf den Film zu bekommen, und Rübezahl, der bekanntermaßen durchaus kein Freund von Interviews ist, gab gern die Versicherung, daß es am Samstag abend im Stadtpark nach seiner eigenen Ueberzeugung furchtbar nett werden müsse. b. Ein pionier im Kleingartenbau 25 Jahre Führer des Kleingärtnervereins Ehrenfeld und 15 Jahre Provinzgruppenführer Der erste Schrebergartenverein in Bochum wurde 1908 im Ehrenfeld gegründet. Seit dieser Zeit gehört auch Wilhelm Müller dem Vorstand an. Im Jahre 1911 übernahm er die Führung des Vereins und es ist seiner Tatkraft zu verdanken daß Bochum heute auf dem Gebiete des Kleingartenwesens eine führende Rolle spielt. Gleichzeitig führt Wilhelm Müller seit fünfzehn Jahren die Provinzgruppe Westfalen und Lippestaaten im Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler. Bekanntlich ist der Reichsverband im Jahre 1921 gegründet worden. Damals haben besonders die Bochumer diesen Entschluß gern begrüßt und sich immer wieder um eine straffe und einheitliche Zusammenfassung aller Kleingärtner bemüht. Schon damals hatte man die Bedeutung des Kleingartens klar erkannt und der Appell an die westfälischen Kleingärtner zum Zusammenschluß führte zur Gründung des Provinzialverbandes Westfalen im Jahre 1921. Mit der Machtübernahme hat die Kleingartenbewegung auch hier in Bochum einen starken Auftrieb erfahren. Der Jubilar erhielt für seine Verdienste, die er sich um den Kleingartenverein Ehrenfeld erworben hat, die goldene Nadel der Provinzgruppe. Nur zeitweise heiter Mitgeteilt vom Reichswetterdienst Essen=Mülheim um 21 Uhr Im Bereiche kühlerer Meeresluftmassen ist es in den letzten Tagen reichlich zu Niederschlägen gekommen. Da die Zufuhr feuchter Luftmassen auch noch weiter anhält, ist mit einer durchgreifenden Wetterbesserung vorerst nicht zu rechnen, doch werden sich bei wechselnder Bewölkung Zeiten kürzerer Aufheiterung einstellen, so daß die Witterung keinen unfreundlichen Charakter angehmen wird.„ g2 A g. Aussichten für Freitag: Nach starker Bewölkung in den Morgenstunden wechselnd wolkig und einzelne Niederschläge, nachmittags Bewölkungsrückgang, bei westlichen Winden Temveraturen bis zu 20 Grad.— Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Vorübergehende Wetterberuhigung. aber nicht vollkommen beständig. Wettervorhersage für die Zeit vom 20. bis 29. August. (Herausgegeben von der Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersagen des Reichsamtes für Wetterdienst.) Seit dem letzten Wochenende herrscht in Deutschland entsprechend der letzten Voraussage heiteres, warmes und vorwiegend trockenes Wetter. Nur im Nordwesten kam es vereinzelt bereits am Montag, verbreiteter am Dienstag zu gewittriger Tätigkeit. Das damit eingeleitete etwas unbeständigere, jedoch keineswegs unfreundliche Wetter wird mit den nächsten Tagen Norddeutschland, westlich der Oder sowie Mitteldeutschland beherrschen. Auch im Südwesten ist mit gewittrigen Niederschlägen, mindestens mit stärkerer Bewölkung zu rechnen. Dagegen wird der Osten, Ostpreußen und Schlesien, das vorwiegend trockene Wetter behalten. Etwa gegen Ende dieser Woche wird sich im Westen wieder vorwiegend heiteres, trockenes und tagsüber warmes Wetter durchsetzen, während dann der Osten vorwiegend etwas unbeständigeres Wetter bekommt. Im weiteren Verlauf wird in ganz Deutschland überwiegend schönes, jedoch nicht ganz beständiges Wetter vorherrschen. Von vereinzeltem stärkeren Gewitterregen abgesehen, werden die Niederschläge meistens nicht sehr bedeutend sein. Mit dieser Voraussage schließt die Reihe der diesjährigen langfristigen Voraussagen ab. Donnerstag, 20. August Barometer 4 Uhr: 1618 Thermometer 3: Uhr: 414 S Zeiten für Sonne und Mond am 21. August: ( Aufg..21, Unterg. 19.43; 3 Aufg. 10.20, Unterg. 20.31 Wetternotizen, gemessen um 8 Uhr Vormittags Die Gemeindr=hastel der unsanen infolge ungenügender Verkehrssicherung sender jüngst ergangener Entscheidung des—zu sorgen. Insbesondere sei die Anbringung einer Reichsgerichts kommt im Hinblick auf die häufigen Massenkundgebungen, Aufmärsche usw. besondere Bedeutung für die gastgebende Stadt oder Gemeinde zu: Großveranstaltungen und Parteitreffen wie die Berliner Olympiade und der kommende Reichsparteitag in Nürnberg sind Ereignisse, bei denen die Verkehrsorganisation einer Stadtgemeinde ihre Feuerprobe zu bestehen hat. Trotz der Zusammenballung von Tausenden und aber Tausenden Ortsfremder muß sich der Verkeyr möglichst reibungslos, und, wie es jetzt das Reichsgericht ausdrücklich verlangt hat, vor allem sicher abwickeln. Trifft eine Gemeinde nicht alle notwendigen und ihr zumutbaren Maßregeln zur Verkehrssicherung, so ist sie bei dadurch verursachten Unfällen schadenersatzpflichtig, wie es der nachstehende Fall beweist. In einem kleinen Landstädtchen hatte ein SA.= Treffen stattgefunden, an dem annähernd soviel SA.= Männer teilnahmen, wie das Städtchen Einwohner zählte. Der Fußgänger= und Fahrverkehr ging infolgedessen weit über das übliche Maß hinaus. Nach Schluß der Veranstaltung ereignete sich ein Unfall. Ein SA.= Mann stieß mit seinem Motorrad auf der Rückfahrt an einer sehr unübersichtlichen Stelle mit einem Personenwagen derartig schwer zusammen, daß er nach seiner Behauptung durch die dabei erlittenen Verletzungen berufsunfähig wurde. Er machte erhebliche Schadenersatzforderungen gegen die Stadtgemeinde geltend und behauptete u.., die Beklagte habe es fahrlässig unterlassen, für geeignete Maßnahmen zum Schutz des Verkehrs an der außerordentlich gefährlichen Wegestrecke schutzmannes jedenfalls für die Zeit des durch de SA.=Treffen gesteigerten Verkehrs geboten gewesen. Das Reichsgericht hat jetzt diese Einwendungen im wesentlichen für begründet erklärt und das bisher klageabweisende Urteil des Oberlandesgerichts Bamberg zwecks nochmaliger Verhandlung aufgehoben, indem es u. a. folgendes ausführt: Es ist zwar zutreffend, daß jedermann, insbesondere Kraftfahrer, an schwierigen Wegestellen besonders gut aufpassen müssen, mag eine Warnungstafel vorhanden sein oder nicht. Das kann aber natürlich nicht dazu führen, Warnungstafeln mit der Begründung für überflüssig zu erklären, daß schon die gefährliche Oertlichkeit selbst zu größter Vorsicht mahne, denn der Zweck der Warnungstafel ist ja gerade der, auf die besondere Gefahrenlage aufmerksam zu machen und die Verkehrsteilnehmer instand zu setzen, ihr Verhalten danach einzurichten. Hier sind offensichtlich zu geringe Anforderungen an die Sorgfaltspflicht der beklagten Stadtgemeinde gestellt worden. Es kam in Frage, ob bei dem vorübergehend gesteigerten Verkehr, wie bei dem SA.=Treffen, die stundenweise Aufstellung einer geeigneten Person zur Regelung des Verkehrs an der besonders gefährlichen Stelle zu verlangen war, ferner, ob die damit verbundenen mutmaßlich geringen Aufwendungen der Gemeinde zur Vermeidung erheblicher Gefahren für die Verkehrsteilnehmer zuzumuten waren. Neues aus Bocham Mit dem Fahrrad verunglückt Auf der Präsidentstraße rannte am Mittwoch abend der Volksgenosse Josef Fr., Robertstraße, in der Dunkelheit gegen einen Grenzstein; er sturzte und blieb mit gebrochenem rechten Arm liegen. Der Bedauernswerte, der außerdem leichte Verletzungen am Kopf und an den Knien erlitten hatte, wurde von einem vorüberfahrenden Kraftwagen zum Arzt gefahren.— Mittwoch abend gegen 12 Uhr kam der Arbeiter Hans St., OskarHoffmann=Straße, mit seinem Fahrrad an der Kreuzung Hattinger und Clemensstraße infolge der Regenglätte zu Fall. Passanten kamen dem Verunglückten sofort zu Hilfe; er hatte durch den Sturz einen Unterschenkelbruch und andere Verletzungen erlitten. Ratshof=Konzert. Am kommenden Montag, dem 24. August, konzertiert abends das Städtische Orchester unter Leitung von Konzertmeister Curt Hofmann im Ratshof. Der Reichssender Köln überträgt die Veranstaltung in der Zeit von 21 bis 22 Uhr. Eine Großtankstelle vor der Fertigstellung. Gegenwärtig werden die restlichen Bauarbeiten an der neuen Großtankstelle an der Ecke Brüderstraße und Südhellweg vorgenommen. Die Inbetriebnahme soll bereits am Monatsende erfolgen, da man dann mit dem Abbruch der alten Tankstelle auf dem Krimm=Markt" beginnen will, um hier eine größere Marktfläche frei zu machen. Heidewanderung. Die Vereinigung für Heimatkunde veranstaltet auch in diesem Jahre eine Wanderung in die blühende Heide. Sie findet am Sonntag, 23. August, statt und führt von Sinsen über Flaesheim, Westruper Heide, Stausee nach Haltern. Abfahrt:.25 Uhr ab Bochum=Nord bis Sinsen. Sonntagskarte nach Sinsen 1,50 RM. Die Führung hat Hans Degener. Vikar Deuster von St. Marien zum Pfarrer ernannt. Vikar Adolf Deuster, der seit etwa 2 Jahren an der Marienkirche tätig ist, ist von Erzbischof Dr. Klein zum Pfarrer ernannt und in dieser Eigenschaft an die Pfarrei der Heiligen Familie in Lünen=Süd berufen worden. Vikar Deuster steht im Alter von 49 Jahren und wurde im Jahre 1915 zum Priester geweiht. Vor seiner Versetzung nach Bochum war er etwa zehn Jahre an der Liebfrauenkirche in Dortmund tätig. Als Leiter des Kinderhilfswerks betätigte sich Vikar Deuster in hervorragendem Maße in der kirchlichen Karitas. Der Vorgänger Vikar Deusters in seinem neuen Wirkungskreise Lünen war der kürzlich verstorbene Pfarrer Karl Eickel, der von 1919 bis 1928 als Vikar an der Franziskuskirche in Weitmar wirkte. Die Marienpfarrei sieht Vikar Deuster, der sich trotz seiner verhältnismäßig kurzen Wirkungszeit in der Gemeinde die Hochachtung und Wertschätzung der Pfarrangehorigen zu gewinnen verstand, nur ungern scheiden. Seine Einführung in Lünen erfolat im Laufe des Monats Sevtember. Wichtig für die Vormieter des Stadttheaters Bochum. Wollen Sie Genaueres über Umfang und Bedingungen der einzelnen Vormieten hören, so erbitten Sie, wenn Sie zu kommen verhindert sind, den Besuch des Vertreters oder unseren ausführlichen Sonderprospekt. (Ruf 61051.) Es wird gebuddelt. Auf der Castroper Straße, in dem Abschnitt zwischen der Blumenstraße und der Cäcilienstraße, hat die Spitzhacke das Wort. Man weiß, daß diese Straße zu den wichtigsten Verkehrsadern des Stadtbezirks gehört. Sie wird Tag und Nacht von Fahrzeugen aller Art befahren. Schlaglöcher und BoDie Geschwister stritten sich— das Vieh verkam Iin Hangeihr, von Bilder aus den Bochumer Gerichtssälen Lichtburg: ab 15.15 Uhr: Das Schloß in Flandern. Lichtspielhaus: ab 15.30 Uhr: Der ahnungslose Engel. Odeon: ab 15.30 Uhr: Herbstmanöver. Skala=Lichtspiele: ab 17.00 Uhr: Herbstmanöver. Tonhalle: Vorübergebend geschlossen. Weitlichtspiele: ab 15.15 Uhr: Soldaten— Kameraden. Avollotheater: ab 15.50 Uhr: Ein ganzer Kerl: ab 22.30 Uhr: Die Blume von Hawat. Capitol: ab 15.15 Uhr: Schabernack. Gloria=Palast: ab 15.30 Uhr: Der schüchterne Casanova. Hammer Lichtspiele: ab 15.15 Uhr: Die östent'iche mmAn der Kemnader Straße in Bochum liegt ein Hof, der schon seit längerer Zeit unliebsam von sich reden machte. Der Kotten, zu dem 60 Morgen Land gehören, beherbergt Vieh, dem der Hunger aus allen Rippen schreit, Garten und Ställe sind gänzlich verkommen, durch die Mauerlöcher pfeift der Wind, der Schmutz liegt fingerdick. Die Geräte sind in Unordnung— kurz, der Hof bot derart ein Bild der Verwahrlosung, daß die Vorübergehenden angewidert stehen blieben, daß die Polizei benachrichtigt wurde, daß man den Tierschutzverein heranholte, daß die Tierärzte von Amts wegen dort hingeschickt wurden und die Hände über dem Kopfe zusammenschlugen, daß der Kreis= und Ortsbauernführer veranlaßt wurde, auf Grund der neuen Gesetze zur Erhaltung von Blut und Boden einzuschreiten, denn das Dritte Reich kann im Zeichen der Erzeugungsschlacht im Volksinteresse Zustände nicht dulden, die jedem ehrlichen Bauernsinn und dem Gedanken der Leistung Hohn sprechen. Wenn es hier nicht jetzt schnell gelingt, Ordnung zu schaffen, so wird der Hof, der augenblicklich fünf Geschwistern gemeinsam gehört, deren Verwaltung entzogen und in Hände gegeben werden müssen, die Hof und Land, Stall und Vieh instand halten und aus dem Boden das herauswirtschaften, was unter normalen Verhältnissen überhaupt möglich ist. Jetzt aber herrscht unter den Geschwistern heftiger Zank und Streit. Der eine Teil arbeitet gegen den anderen, und so kommt alles auf den Hund. * Tiefe Einblicke in die skandalösen Zustände auf dem Hofe ließ eine Verhandlung vor dem Schöffengerichte tun. Die beiden Gebrüder Wilhelm und Paui standen nämlich wegen Tierquälerei unter Anklage. Ihnen liegt die Pflege des Viehes ob. Wilhelm hat die Pferde und Schweine, Paul das Rindvieh zu betreuen. Infolge der Mißwirtschaft auf dem Hofe— als Dritte schwingt eine verheiratete Schwester auf dem Hofe das Szepter gegen die beiden Brüder— ist nun alles in Bruch geraten weil niemand so recht Interesse an der gemeinsamen Sache hat, und weil man sich gegenseitig mißtraut. Das Urbild einer„Erbengemeinschaft“, wie sie schon im Schullesebuch von Anno Tovack zu lesen steht. In Abänderung des Gedichtes Malei und Malone könnte man sagen: „Sie hatten einen Kotten In Stiepel all ererbt. Der Kotten hat die Brüder, Die Schwester auch verderbt.“ Was soll man dazu sagen, daß auf diesem Kotten, wo doch das Geld so knapp war und wo man erst Uisenllihe Beinung. recht mit Argusaugen hätte darüber wachen müssen, Wetter Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen daß nichts umkam, im Jahre 1933 allein zwei Pferde an Entkräftung eingingen. Von den Kühen mußte eine zur Freibank gebracht werden, sie war nur noch minderwertig, die andere mußte gar dem Schinder überantwortet werden. Dieses Tier war überhaupt gänzlich unbrauchbar geworden. Am 10. Januar 1936 ist dann wieder ein Pferd an Hunger eingegangen. Es hatte eine faustgroße Wunde an der Brust und der ganze Körper war mit Kahlstellen bedeckt. Einen Tierarzt hatte man wegen Geldmangels nicht herangezogen. Dieses 18jährige Tier hatte kurz vorher gefohlt. Auf dem Hofe liefen Schweine umher, die bei ihrem Alter von anderthalb Jahren dick und fett sein mußten. Sie aber sahen aus wie Jagdhunde und wogen höchstens 60 bis 70 Pfund. Die vier Kühe waren so abgemagert, daß sie nur noch zusammen sechs Liter Milch gaben. Die Hüftknochen standen heraus wie Mantelstöcke. Bei den Kälbern konnte man die Rippen zählen. Die Tiere waren verschmutzt und ungepflegt und haben nach Ansicht der Zeugen und Sachverständigen viele Qualen erdulden müssen. * Die Angeklagten bestritten, an diesen Verhältnissen schuldig zu sein und sich strafbar gemacht zu haben. Sie hatten nach Maßgabe der ihnen zur Verfügung stehenden geringen Mittel gehandelt. Die Verteidigung ließ durchblicken, daß die anderen Mitglieder der Erbengemeinschaft nicht minder mit schuldig seien. Man habe versucht, auf dem Wege des Zivilrechts Ordnung zu schaffen, aber diese Versuche seien völlig fehlgeschlagen. Der Staatsanwalt hatte eine Gefängnisstrafe von je drei Monaten in Antrag gebracht. Das Gericht erkannte gegen Wilhelm auf 150 Mark, gegen Paul auf 75 Mark Geldstrafe, indem es fortgesetzte Tierquälerei für erwiesen ansah. Nur mit Rücksicht darauf, daß die beiden Angeklagten noch nicht vorbestraft waren und einen etwas beschränkten Eindruck machen, habe das Gericht trotz der Schwere der Verfehlung von einer Freiheitsstrafe abgesehen. * Der Fall ist ein überzeugender Beleg für die Richtigkeit der im Erbhofgesetze verankerten Gedanken. Es kann nur einer Herr sein auf dem Hofe. Er muß aber sein Werk auch verstehen und Bauernblut und Bauernstolz haben. Er ist dann aber voll verantwortlich für das Gedeihen des Hofes und kann bei Versagen seine Bauernrechte verlieren. Eine Erbengemeinschaft ist aber leider kein Erbhof. Der Fall Kulicke In der bekannten Strafsache gegen Kulicke aus Wanne=Eickel hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes erhoben. In der Hauptverhandlung vor dem Schwurgericht wird Gerichtsassessor Dr. Ackers die Anklage vertreten. densenkungen hatten sich mit der Zeit gebildet, die jetz#t beseitigt werden sollen. Stellenweise wird der Fahrdamm neu gepflastert. Die Westfälische Straßenbahn benutzt gleichzeitig die Gelegenheit und läßt umfangreiche Gleisbauarbeiten ausführen, die für längere Zeit berechnet sind.— Gegenwartig erhält die untere Wittener Straße, die frühere Buddenberastraße, eine Bürgersteiganlage.— Gleichfalls wird hier wie auch in der Grabenstraße neues Straßenpflaster angelegt. Selbst ist der Mann! Die Gefolgschaft der Verbrauchs=Genossenschaft in Bochum führt in gemeinschaftlicher Arbeit die Gestaltung einer Sportanlage auf dem Betriebsgelände aus. U. a. wird auch ein Schießstand errichtet. Ein alter Lagerplatz ist für den Ausbau einer Schwimmanlage vorgesehen. Befreiung von Rundfunkgebühren Die Bedingungen für Befreiungsanträge Bekanntlich können nach einem Erlaß des Reichspostministers„Bedürftige" von der Zahlung der Rundfunkgebühr befreit werden. Da in der Oeffentlichkeit noch erhebliche Unklarheiten darüber bestehen welche Personen im Sinne des Erlasses als bedürftig anzusehen sind, bringen wir nachstehend noch einmal den Inhalt des Erlasses zur VeröffentDurch Erlaß des Reichspostministers sind neue Vorschriften erlassen worden, nach denen auf Antrag bedürftige Volksgenossen von der Zahlung der Rundfunkgebühr befreit werden können. Nach diesen Bestimmungen sind die Bezirksfürsorgestellen(Wohlfahrtsämter der Gemeinden) mit der Prüfung der Frage beauftragt worden, welche Rundfunkteilnehmer als bedürftig im Sinne der neuen Richtlinien anzusehen sind. Nach dem Ministerialerlaß sind als bedürftig zu betrachten: 1. Empfänger der öffentlichen Fürsorge der Arbeitslosen= und Krisenunterstützung, der Zusatzrente nach dem Reichsversorgungsgesetz; 2. Volksgenossen, deren Einkommen den Richtsatz der öffentlichen Fürsorge nicht übersteigt; 3. Familien mit drei und Witwen mit zwei unterhaltungsberechtigten Kindern, wenn das Einkommen den doppelten Richtsatz der gehobenen Fürsorge nicht überschreitet. Die Befreiung tritt in den genannten Fällen nicht ein, wenn sich in der Wohnung des an sich bedürftigen Rundfunkteilnehmers Personen befinden, die auf Grund ihres Einkommens in der Lage sind, die Rundfunkgebühr zu zahlen. Die Befreiung von Rundfunkgebühren ist ferner an die Bedingung geknüpft, daß die bedürftigen Rundfunkteilnehmer die deutsche oder Danziger Staatsangehörigkeit besitzen und arischer Abstammung sein müssen. Von den bedürftigen Volksgenossen sollen in erster Linie Blinde, Schwerkriegsbeschädigte, Kinderreiche, über 70 Jahre alte Volksgenossen und ferner solche Volksgenossen, die aus der Dr.=Goebbels=Spende Rundfunk=Empfangsapparate erhalten haben, berücksichtigt werden. Aus der ASDAp. (Nach Bekanntmachungen der Partei) Freitag, 21. August RSDAP. Altenbochum. 20 Uhr: Antreten sämtlicher Politischen Leiter auf der Geschäftsstelle. Restloses Erscheinen ist Pflicht. Fahrt ins Grüne für die Kriegerhinterbliebenen der Nach dem befriedigenden Verlauf der RSKK.=Fahrt ins Blaue für die Kriegsbeschädigten der RSKOV. ist eine Fsenens Grüne für die Witwen und die Eltern der geien Krieger vorbereitet worden. Die Fahrt findet am 31. August statt. Ihr Ziel ist das herrlich gelegene Schloß Berge bei Buer. Dort soll den Hinterbliebenen Gelegenheit geboten werden in einigen Stunden froher Unterhaltung bei Kaffee und Kuchen die Sorgen des Alltags zu vergessen. Abfahrtzeit ab Rathaus 13.30 Uhr, Rückkehr gegen 22 Uhr. Teilnehmerkarten zum Preise von 1,10 RM. sind in der Geschäftsstelle und bei den zuständigen Blockwaltern sowie bei den Betreuerinnen der Hinterbliebenen zu haben. Arbeitswochen für reisende Kaufleute Wie in früheren Jahren, veranstaltet die Reichsfachgruppe Vermittlergewerbe der Reichsbetriebsgemeinschaft Handel in Gemeinschaft mit dem Amt für Berufserziehung und Betriebsführung in der DAF vier Arbeitswochen für reisende Kaufleute. U. a. ist für den Gau Westfalen=Süd die Woche vom 28. September bis 3. Oktober 1936 in Iuist(Nordsee) vorgesehen. Der Unkostenbeitrag einschließlich Unterbringung und Verpflegung ist mit 37,90 RM. festgesetzt worden. Durch erste Fachleute werden u. a. folgende Themen behandelt:„Die Aufgaben des reisenden Kaufmannes bei der Absatz= und Qualitätssteigerung":„Die soziale Stellung des reisenden Kaufmannes";„Das Programm der NSDAP.";„Marktforschung und Absatzorganisation im Dienste der deutschen Volkswirtschaft";„Praktische Verkaufsübungen, Fragen und Antworten aus der Praxis“. Die Teilnahme ist für Geschäftsreisende. Handelsvertreter, Provisionsvertreter und deren Betriebsführer offen. Neben der intensiven Schulung steht den reisenden Kaufleuten genügend Freizeit zur Verarbeitung des Gehörten und zur Erholung zur Verfügung. Gemeinschaftliche Ausflüge, Betriebsbesichtigungen und Kameradschaftsabende bieten Anregung und Entspannung. Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an die jeweils„zuständige Kreisbetriebsgemelnschaft„Handel“ in der Deutschen Arbeitsfront. „Kraft durch Freude“ Zur Rundsunkausstellung nach Berlin Vom 26. dis 30. August wird ab Hagen ein Sonderzug nach Berlin zur Rundfunkausstellung eingesetzt. Der Preis beträgt einschließlich Fahrt und Verpflegung 23,50 RM. Besonders wird darauf hingewiesen, daß der ursprünglich vorgesehene zweite Sonderzug vom 3. bis 6. September ausfällt. Wir bitten alle Volksgenossen, sich umgebend für die Fahrt vom 26. bis 30. August in der Verkaufsstelle, Kortumstaße 62, sowie bei den Orts= und Betriebswarten anzumelden. Während der Rundfunkausstellung sind die Anlagen des Reichssportfeldes(Stadion, Dietrich= Eckart=Bühne, Schwimmstadion usw.) zur Besichtigung freigegeben. Ferner weisen wir darauf hin, daß während der Ausstellung an den Zentralverkehrspunkten der OlympiaSchmuck noch zu sehen ist, so daß also den Teilnehmern neben dem Besuch der Ausstellung auch nachträglich noch ein überzeugender Eindruck von den gewaltigen Anlagen der Olymptade vermittelt werden kann. Wir geben unseren Bochumer Arbeitskameraden noch einmal bekannt, zu welchen Fahrten noch Teilnehmer zugelassen werden können: 16. bis 23. September zur Lüneburger Heide— Soltau, Preis 18.40 RM. 18. dis 28. September zur Mosel— Bernkastel, Preis 34.50 RM. 11. bis 18. Oktober zum Rhein— Osterspat, Preis 24.05 RM. 25. August bis 5 September Fahrt ins Blaue(2 Fahrten), Preis 15.10 RM. und 15.40 RM. 2. bis 10. September Fahrt ins Blaue(2 Fahrten), Preis 15,10 RM. und 15.40 RM. 6 Rraft durch FeudeK S Tagesplan für Freitag, 21. August Kindergymnastik von 17 bis 18.30 Uhr: Gymnastikschule, Rottstraße 29.„ 90 Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen von 20 bis 22 Uhr und von 16.30 bis 18.30 Uhr: Turnhalle des Reform=Realgymnasiums.=Dahlhausen. Kleinkaliberschießen für Frauen und Männer von 20 bis 22 Uhr: Schießstand des Volkssportplatzes an der Castroper Straße. Schwimmen für Frauen und Männer von 19.30 Uhr bis 20.30 Uhr: Wanne=Gickel, Wilhelmstraße: von 19.30 Uhr bis 20.30 Uhr: in Wattenscheid, Beckmannshof. Iin=Jitsu für Frauen und Männer von 20 bis 22 Udr: Turnhalle der Goethe=Oberrealschule, Goethestraße. (Weitere Lokalnachrichten auf Seite 12. Seite 5 Nr. 195 7 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 21, August 1936 Westfalen und Rheinland Westsunschn Tankkeradernag Das genaue Programm— Bäuerliche Kulturausstellung im Detmolder Landestheater Am Donnerstag, 27. August, wird der diesjährige Landesbauerntag durch einen Empfang des Landesbauernrates und der Ehrengäste durch die Stadt Detmold im Rathaussaal eröffnet. Der Bürgermeister der Stadt und Landesbauernführer Habbes werden Begrüßungsworte sprechen. Am Nachmittag findet zunächst eine Tagung der Fachschaften der Landeshauptabteilung III statt. Nach einem Sporttreffen der westfälischen Landjugend ist für die Mitglieder des Landesbauernrates eine Fahrt zum Hermannsdenkmal vorgesehen; abends wird das Musikkorps der Detmolder Flieger ein Konzert im Schloßgarten geben. Am Freitag, 28. August, ist vormittags eine Führertagung aller ehrenamtlichen Mitarbeiter der Landesbauernschaft Westfalen einschließlich der Ortsbauernführer. Auf dieser Führertagung werden der Landesbauernführer Habbes sprechen, ferner die Landeshauptabteilungsleiter Göckenjan, Funkel, Fohr und der Reichshauptabteilungsleiter Haidn. Am Nachmittag ist eine Vorführung„Deutsches Bauernspiel“ von Hermann Adam van Eyck im Park des neuen Palais. Abends wird ein Kameradschaftsabend alle Männer vereinen. Am Samstag, 29. August, versammelt sich der Landesbauernrat bei Sonnenaufgang an den Externsteinen zu einer Weihestunde, um die Vereidigung neuer Mitglieder vorzunehmen. Reichsobmann Meinberg und Dr. Johann von Leers werden hier sprechen. Nachmittags findet als allgemeiner Abschluß eine öffentliche Großkundgebung statt. Im Park des neuen Palais wird die Ehrung alteingesessener Bauerngeschlechter und altgedienter Landarbeiter erfolgen. Landesbauernführer Habbes, Gauleiter Reichsstatthalter Dr. Meyer und Reichsobmann Staatsrat Meinberg werden dazu sprechen. Anschließend finden Familientage als geschlossene Veranstaltungen alteingesessener Bauernfamilien statt. Dem„Neister der Spatenforschung“ Dörpfeld=Ehrung in Wuppertal Wuppertal, 20. August. Im Rahmen einer schlichten Feier wurde eine aus Muschelkalk geschaffene Tafel enthüllt, die die Fr.=Wilh.=Dörpfeld=Stiftung gemeinschaftlich mit der Stadt Wuppertal am Geburtshaus von Professor Wilhelm Dörpfeld in Barmen hatte anbringen lassen. Oberbürgermeister Friedrich unterstrich die Verdienste des Gelehrten, dessen Vater, Rektor Dörpfeld, als bekannter Schulmann bereits in Wuppertal durch ein Denkmal in den Barmer Anlagen und die Namensverleihung an eine moderne Volksschule geehrt worden sei. Mit besonderer Freude habe Professor Dörpfeld in diesen Tagen vernehmen können, daß der Führer gewillt sei, die Ausgrabungen in Olympia fortzusetzen. Professor Dörpfeld, der mit Recht den Namen„Meister der Spatenforschung" trage, habe in 30jähriger Arbeit in Griechenland in hohem Maße dazu beigetragen, die Idee Olympia wieder zu erwecken und nun erlebt, daß der Führer des neuen Deutschlands willens sei, die griechische Idee befruchtend wirken zu lassen. So möge auch von dieser Tafel der Gedanke der Wiedererweckung des klassischen Geistes ausgehen und von einem Vater und einem Sohn berichten, die beide ihr Volk liebgehabt hätten. Die Bedeutung Dörpfelds für die wissenschaftliche Forschung kennzeichnete Professor von Massow (Trier), der u. a. ausführte, daß Professor Dörpfeld ganz neue Wege und ganz neue Methoden in der Altertumsforschung gefunden habe und die deutsche archäologische Wissenschaft zu Weltruf geführt hätte. Professor Dörpfeld dankte tief bewegt für die Ehrung und betonte, wie sehr er trotz aller Ehrungen und einer gesegneten Lebensarbeit im fernen Griechenland ein treuer Sohn seiner Heimat geblieben sei. Zuchthäusler auf der Flucht erschossen Solingen, 19. August. In der vergangenen Nacht wurde der seit dem 6. August d. J. aus einem Zuchthaus entwichene 25jährige Geuß von einem Polizeibeamten niedergeschossen. Bei der Vorbereitung eines Einbruchs in der Straße„Auf der Börse“ wurde Geuß von einem Polizeibeamten gestellt. Bei seiner Festnahme leistete er dem Beamten heftigen Widerstand und es gelang ihm, sich loszureißen und zu flüchten. Als er auf die Halterufe des Beamten nicht stehen blieb, machte dieser von seiner Schußwaffe Gebrauch. Vater und Sohn vom Blitz getroffen Wittlich, 20. August Bei einem schweren Gewitter, Wahrsagen, die öffentliche Ankündigung entgeltlichen oder nichtentgeltlichen Wahrsagens, sowie der Handel mit Druckschriften, die sich mit Wahrsagen befassen, verboten. Unter dieses Verbot fallen auch jedes sogenannte Kartenlegen, die Stellung des Horoskops, die Sterndeuterei und die Zeichen= und Traumdeutung. Es ist zu wünschen, daß der so stark eingerissene Unfug des Wahrsagens durch diese Polizeiverordnung unterbunging, suchte eine auf dem Felde befindliche Familie aus##.“ Dreis, die bei der Ernte beschaftigt war, Schutz unter ven wird. Bäumen. Plötzlich schlug der Blitz in einen Baum, Stellmacher tagen in Köln Verbandstag des Reichsinnungsverbandes des Stellmacherunter dem der Ehemann und dessen Sohn standen, ein. Der Vater wurde auf der Stelle getötet, während sein Sohn an beiden Beinen gelähmt wurde. Blitzschäden im Kreise Brilon Brilon, 20. August. Das schwere Gewitter, das am Dienstag niederging, hat nach den vorliegenden Meldungen großen Schaden angerichtet und auch ein Menschenleben gefordert. So wurde in Hoppecke ein Mann von Blitz getroffen und auf der Stelle getötet. Zwei Geschwister aus einem anderen Ort des Kreises Brilon wurden von einem kalten Schlag getroffen und stark gelähmt. In Thühlen und Rösenbeck schlug der Blitz in ein Bauernhaus und zündete. Beide Anwesen brannten bis auf die Grundmauern nieder. Explosion auf einer Notorsacht Vorverteil in die Luft geflogen— Zwei Verletzte Köln, 20. August. Mittwoch nachmittag kam es auf einer Jacht, die am rechten Rheinufer vor Anker lag“ zu einer Explosion. Mit lautem Getöse flog das Vorderteil in die Luft. Ein Kölner und eine Kölnerin, die sich in der Kabine befanden, wurden zum Teil schwer verletzt und mußten dem Krankenhaus zugeführt werden. Die Feuerlöschpolizei mußte eingreifen, um den Brand zu löschen. Als Ursache soll ein Gasgemisch in Frage kommen, das sich auf dem Vorderdeck angesammelt hatte und sich dann beim Anlassen des Motors entzündete. Das Boot war in den letzten Tagen noch vollständig überholt worden. Gegen den„Wahrsage“=Anfug Minden i.., 20. August. Der Regierungspräsident zu Minden hat eine Polizeiverordnung erlassen, die das übertriebene Wahrsagen im Bezirk verhindern soll. Nach dieser Verordnung sind das entgeltliche Der reichste Mann der Welt und Karosseriebauhandwerks Köln, 20. August. Am 21. und 22. August hält der Reichsinnungsverband des Stellmacher= und Karosseriehandwerks in Köln seinen diesjährigen Verbandstag ab. In der am 22. August stattfindenden öffentlichen Haupttagung wird u. a. Reichsinnungsmeister Oskar Mende die Verpflichtung seiner Stellvertreter und zweier Bezirksinnungsmeister vornehmen. Auf der Tagesordnung der Arbeitstagungen stehen u. a. Referate über die neue Meisterprüfung, die Planungen für die weiteren Arbeiten und die Berichterstattung über das verflossene Jahr. Arbeitskräfte aus dem Ruhrgebiet Günstige Arbeitsentwicklung in Bielefeld Bielefeld, 20. August. Der Arbeitseinsatz nahm im Bezirk des Arbeitsamtes Bielefeld im Monat Juli 1936 eine weitere günstige Entwicklung. Die Zahl der Arbeitslosen sank wiederum um 311. Sie betrug Ende Juli nur noch 2471, das sind 11 auf 1000 Einwohner. Da von den Einwohnern des Arbeitsamtsbezirkes (Stadt Bielefeld, Kreise Bielefeld und Halle) zur Zeit insgesamt rund 80000 als Arbeiter und Angestellte beschäftigt sind, entfällt also auf etwa 30 Beschäftigte nur noch ein Arbeitsloser. Arbeitskräfte für die heimische Landwirtschaft mußten in größerem Umfange aus dem westfälischen Ruhrgebiet herangeholt werden. Schwerer Ernteschaden durch Brand. Auf dem Hofe des Landwirts Krukemeyer in Espeln bei Paderborn entstand ein Schadenfeuer, durch das eine Scheune mitsamt der Ernte von 28 Morgen Land vernichtet wurde. Die Miseleistung unserei Kriegsschifse WE Hch. Hoffmann In Berlin traf zu einem mehrwöchigen Aufenthalt der Maharadscha von Mysore ein. Dieser indische Fürst gilt als der reichste Mann der Welt, da sein Vermögen auf mehrere Milliarden Reichsmark geschätzt wird. Er herrscht über ein Gebiet von 6½ Millionen Einwohner. Unser Bild zeigt den Maharadscha von Mysore nach der Landung in Tempelhof. Hch. Hoffmann Wie wiederholt mitgeteilt, sind unsere sich in den spanischen Gewässern aufhaltenden Kriegsschiffe unermüdlich am Werk, gefährdete deutsche Volksgenossen vor dem spanischen Bürgerkrieg in Sicherheit zu bringen. Unsere Aufnahme zeigt den Tender des deutschen Torpedobootes „Seeadler“ mit deutschen Flüchtlingen nach der Ankunft in St. Juan de Luz. Großfeuer in einem Eifeldorf Monschau, 20. August. Am Mittwoch abend wurde das im Kreise Monschau gelegene Dorf Vossenack von einem Großfeuer heimgesucht, dem ein landwirtschaftliches Anwesen zum Opfer fiel. Gegen 22 Uhr brach in einem Schuppen ein Feuer aus, das sich mit außerordentlicher Schnelligkeit ausbreitete und bald Haus, Stall und Scheune erfaßt hatte. Die Freiwillige Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die angrenzenden Anwesen zu schützen. Der Brand wütete über zwei Stunden und legte Haus, Stall und Scheune in Asche. Nur einige haus= und landwirtschaftliche Geräte konnten gerettet werden, alles andere ist mitverbrannt. Die gesamten Erntevorräte fielen den Flammen zum Opfer. außerdem kamen eine Kuh und zwei Kälber in den Flammen um. Dortmund warnt Kraftfahrer Dortmund, 20. August. Der Polizeipräsident von Dortmund weist die auswärtigen Kraftfahrer darauf hin, daß im Präsidialbezirk Dortmund, insbesondere im belebten Stadtinnern, 1. das rücksichtslose Fahren, 2. das mißbräuchliche Hupen, besonders an Straßenkreuzungen und um schneller vorwärts zu kommen, 3.-unlesbare Kennzeichen, rücksichtslos mit Geldstrafen nicht unter zehn Reichsmark und bei rückfälligen Verkehrssündern mit Führerscheinentziehung geahndet wird. An den Hauptzufahrtsstraßen Dortmunds sind zehn Meter breite und einen Meter hohe Leinentafeln mit der Aufschrift angebracht:„Kraftfahrer, fahrt in Dortmund vorsichtig und langsam— übermäßiges Hupen wird bestraft.“ Seite 6 Nr. 195 7 Bochumer Anzeiger„ Freitag, 21. Augusi 1936 Kunst und Wissen Arbeitstagung der Internationalen Filmkammer Im Rahmen der Internationalen Filmkunstschau in Venedig hielt der Vollzugsausschuß der Internationalen Filmkammer eine Arbeitstagung ab. Bei der Eröffnungssitzung begrüßte nach einleitenden Worten des Präsidenten der Biennale, Volvi, der Vorsitzende der Internationalen Filmkammer, Staatsminister a. D. Prof. Dr. Lehnich die Erschienenen, darunter die Vertreter des italienischen Staates, der faschistischen Partei, der Stadt Venedig, des Handels, der Kunst und Wissenschaft und des Films. Nach einem Ehrengedenken der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitarbeiter der IFK. wies Präsident Lehnich auf die hohe Bedeutung hin, die die IFK. der Internationalen Filmkunstschau beimißt, und stellte fest, daß eine solche Ausstellung eine willkommene Gelegenheit gebe, angesichts der Filmschöpfungen aus aller Welt den Gedankenaustausch über die Förderung des Filmwesens und in Verfolgung der gemeinsamen Bestrebungen zur internationalen Verständigung auf dem Gebiete des Films fortzusetzen. Er dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen, das durch seine einstimmige Wahl zum Präsidenten der IFK. zum Ausdruck gekommen sei. Staatsminister Dr. Lehnich umriß dann die Aufgaben der IFK. und die damit in Verbindung stehenden nächstliegenden Arbeiten. Auf allen Gebieten des Kulturlebens der einzelnen Nationen hätten sich zwischenstaatliche Zusammenschlüsse gebildet, die die Möglichkeit bieten sollen, gleichgelagerte Interessen über die Grenzen der Länder hinaus zu vertreten. Auf der anderen Seite solle aber auch die breite Grundlage internationaler Zusammenschlüsse dazu dienen, den zusammengeschlossenen Kultur= oder Wirtschaftskreis mit besonderem Nachdruck in allen Ländern zu fördern. Der Film trage in seinem Wesen einen völkerverbindenden Charakter. Daher komme zum internationalen Interessenaustausch und zur internationalen Förderung die hohe Aufgabe, durch gegenseitige Achtung und Wertschätzung schließlich zur tiefgegründeten Verständigung der Völker beizutragen. In der IFK. sei die Organisation geschaffen, die nach ihrem Aufbau geeignet sei, gerade diese internationalen Aufgaben und Pflichten zu erfüllen. Sehr eingehend befaßte sich der Präsident der IFK. mit den Fragen des Urheberrechts. Die IFK. habe sich mit den verschiedenen sich hieraus ergebenden Problemen besonders zu befassen. Es sei beabsichtigt, den Urheberausschuß der IFK. im Laufe des Oktobers 1936 einzuberufen. Abschließend wies der Redner auf die Wichtigkeit der Anlage von Materialsammlungen und Archiven hin, um mit ihrer Hilfe vergleichende Untersuchungen über die vielseitigen Probleme des internationalen Films fruchtbar gestalten zu können. Ein weiterer Ausschuß solle alle wesentlichen filmwirtschaftlichen Fragen untersuchen. Im Rahmen dieses Ausschusses könnte auch die Filmtechnik behandelt werden. Ein weiterer Ausschuß werde sich mit künstlerischen und kulturellen Fragen des Films zu beschäftigen haben. * Amateurfilmwettbewerb in Venedig. Der Hauptstellenleiter Curt Belling, der auf der Filmkunstausstellung in Venedig neben dem Präsidenten der Reichsfilmkammer Staatsminister a. D. Professor Dr. Lehnich und dessen Mitarbeitern Deutschland als offizieller Vertreter der Reichspropagandaleitung der NSDAP., Amtsleitung Film, vertritt, wird als Vertreter Deutschlands an den Sitzungen der Preisrichterkollegiums für den Amateurfilmwettbewerb teilnehmen. „Lohengrin“ in Baureuth Der Mittwochabend brachte in Bayreuth die erste „Lohengrin"=Aufführung des zweiten Festspielabschnittes, die erstmalig von Staatsrat Tietien dirigiert wurde und einen Beifall erzielte, wie er selbst in diesem Hause wohl selten gehört wurde. Die musikalische Leitung Tietiens betonte ausgesprochen den dramatischen Charakter der Handlung und arbeitete dadurch mit überzeugender Gewalt den Grundgedanken des herrlichen Tonwerkes heraus. Die Titelrolle sang diesmal Kammersänger Max Lorenz, den die Festspielgäste des ersten Abschnitts im„Ring des Nibelungen“ als Siegfried gehört hatten und der nun auch dem Lohengrin durch Stimme und Gestalt eine ideale Verkörverung verlieh. Unter den Gästen der Wagner=Stadt treten die ausländischen Besucher immer mehr in Erscheinung. So war die diesmalige Aufführung allein von 250 Mitgliedern des Rotary=Clubs besucht. Von bekannten Persönlichkeiten sah man wieder Staatssekretär Meißner, ferner den vormaligen König Ferdinand von Bulgarien, den ungarischen Fürsten Elemer Lonyay. den zweiten Gemahl der früheren österreichischen Kronprinzessin Stephanie, sowie eine größere Reihe in= und ausländischer Musikdirigenten und Intendanten. Uraufführungen der kommenden Spielzeit Im Frankfurter Schauspielhaus wird im Laufe der neuen Spielzeit das Schauspiel„Rembrandt und Titus“ von Felix Kügle zur Uraufführung kommen. Erich Ebermayers neues Schauspiel„Romanze“ ist von der Städtischen Buhne in Bochum und vom Schauspielhaus Bremen zur gleichzeitigen Uraufführung erworben worden. Die Städtischen Bühnen Köln bringen als erste Uraufführung der neuen Spielzeit das Schauspiel„Elisabeth Charlotte“ von Eberhard Foerster heraus. Im Oldenburgischen Landestheater gelangt in der neuen Spielzeit die Spielover„Baronin Vanstenland“ von Hans Schilling zur Uraufführung. Die Niederdeutsche Bühne in Hamburg bringt in der neuen Spielzeit die Uraufführung von„Schicksal, ga dinen Gang“, einer Komödie von Hans Balzer. Das Erstlingswerk des pfälzischen Schriftstellers Robert Oberhauser,„Bauern und Propheten", wird im Nationaltheater Mannheim zur Uraufführung kommen. Die Operette„Fräulein Mandarin“ von Heinrich Rüthlein und Moritz Schäfer mit der Musik von Otto Pichelmann wird im Oktober an den Städtischen Bühnen Erfurt uraufgeführt werden. Düsseldorf hat das Ballettwerk„Niederländische Ständetänze“ von Jaav Kool zur Uraufführung in der kommenden Spielzeit erworben. ner Gegend unseres Vaterlandes so viele Nachkommen des Reformators leben, so daß bereits im 18. Jahrhundert Zeitz die Stadt der Nachkommen Luthers genannt wurde. Luther selbst weilte in den Jahren 1542, 1544 und 1545 in Zeitz, wo er u. a. im Januar 1542 seinen Freund Nikolaus von Amsdorf als Bischof einsetzte. Bis auf den heutigen Tag leben, wie Forschungen Arthur Jubelts in Zeitz ergeben haben, noch zahlreiche Nachkommen des Reformators in dieser Stadt, in deren schönem alten Rathaus 1724 bis 1742 Dr. Friedrich Martin Luther, der letzte direkte männliche Nachkomme des Reformators, als Bürgermeister amtiert hat. Kino für plaltische Filme Das Reliefbild kennt man längst. Es tritt in Erscheinung bei Benutzung des Stereoskops, in welchem ein Doppelbild zum Betrachten aufgestellt ist. Da das Doppelbild mit zwei Objektiven ausgenommen wurde, deren Abstand demjenigen der beiden Augen entspricht, gewinnt man den Eindruck der plastischen Darstellung. In Paris ist dem Reliefbild jetzt der„Relieffilm" gefolgt,— allerdings in einem Sinne, der mehr als Behelfslösung aufzufassen bleibt. Immerhin ist der Pariser Versuch nicht ohne besonderen Reiz. Das französische Lichtbildtheater versieht jeden Besucher mit einer Stereoskopbrille, die durchaus den Eindruck des plastischen Films vortäuscht. Beim Verlassen des Theaters werden die Stereoskopbrillen wieder abgegeben. Die benutzten Brillen unterzieht man alltäglich einer grundlichen hygienischen Reinigung, und mit einer besonderen Schutzpackung versehen, handigt man die gereinigten Brillen den neuen Besuchern aus. Rundtunk tief unten im Meer Die alte Anschauung, daß die Rundfunkwellen keine Möglichkeit haben, in den Boden einzudringen, hat sich als nicht stichhaltig erwiesen. Von Versuchen her, die in den tiefsten Bergwerksschächten angestellt wurden, weiß man, daß selbst in erheblicher Erdentiefe der Rundfunkempfang keinen Schwierigkeiten begegnet. Eine wertvolle Ergänzung zu diesen Beobachtungen liefert neuerdings ein Versuch, der der italienischen Marine zu danken ist. In der Adria stieg ein Unterseeboot bis auf den Meeresgrund. Als man in dieser Tiefe das Rundfunkgerät auf Empfang einstellte, ergab sich überraschenderweise, daß selbst hier die Sendungen der Rundfunkstation Rom völlig einwandfrei zu hören waren. Wiewohl man den Empfang über mehrere Stunden ausdehnte, trat keine irgendwie geartete Störung ein. Rudolf Greinz 70 Jahre. Der bekannte Tiroler Dichter Rudolf Greinz, der durch seine Romane und Novellen zu den meistgelesenen deutschen Erzählern gehört, und der viele Jahre in München lebte, feierte auf seinem Ruhesitz Aldraus bei Innsbruck seinen 70. Geburtstag. Professor Magnus nach München berufen. Der ordentliche Professor Dr. Georg Magnus in Berlin ist in gleicher Diensteigenschaft an die Universität München berufen worden, wo er auf dem Lehrstuhl für Chirurgie der Nachfolger von Professor Lerer wird. Deutscher Orientalistentag in Bonn. Am 8. September beginnt in Bonn der 8. Deutsche Orientalisten= tag, den die Deutsche Morgenlandische Gesellschaft einberufen hat. Geschichtstafe! 21. August 1635 Der spanische Dramatiker Felix Lope de Carpic in Madrid gestorben(geboren 1562). 1838 Der Dichter Adalbert v. Chamisso in Berlin gestorden (geboren 1781). 1915 Italien erklärt der Türkei den Krieg. Die Mälse der Konntelen Kosmische staubwolken von nebelartigem Auslehen 7 Von Dr. L. Räußler Der Mitte Mai dieses Jahres von Peltier entdeckte Komet, der in der Nähe der Kassiopeia zu suchen ist, hat die Frage aufgeworfen, welche Masse die Kometen im allgemeinen besitzen. Man erinnerte sich des Lexellschen Kometen aus den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts, der das Jupitersystem durchzogen hatte, ohne eine Störung auszuüben. In einer Entfernung von 2 Millionen Kilometer ging er an der Erde vorbei, ohne daß die Umlaufszeit unserer Erde irgendwie beeinflußt wurde. Wenn die gesamte Masse des Kometen nur soviel wie die unserer Erde betragen hätte, so wäre die Umlaufszeit unserer Erde um fast drei Stunden verändert worden. Der nahe Vorbeimarsch des Kometen an unserer Erde hatte jedoch nur den Erfolg, daß seine eigene Umlaufszeit sich um zwei Stunden änderte. Daraus errechnete man, daß dieser Komet noch nicht einmal den 5000. Teil der Erdmasse erreicht haben konnte. Bezeichnend ist der scherzhafte Ausspruch, daß man den größten Kometen in einer Handtasche davontragen könnte, so gering sei das Gewicht der Kometen. Der Astronom Faye hat nachgewiesen, daß der Donatische Komet, der im Jahre 1858 einen prachtvollen Anblick bot noch nicht einmal den milliardsten Teil der Erdmasse besitzen konnte. Daher haben auch Kometen, deren Schweife viele Millionen von Kubikmetern ausfüllen, bisher noch nie eine Wirkung auf die Planeten ausgeübt. Wir verstehen es daher auch, daß der dichteste Teil der Kometen, der Kern, sich verändern, ja sich in verschiedene Teile zerlegen kann. Schon die Astronomen Tycho Brahe und Gemma haben bei den Kometen des Jahres 1577 solche geteilten Kerne beobachtet. Cysat beobachtete bei dem Kometen des Jahres 1618, daß der Kern plötzlich größer wurde und sich in vier unregelmäßig aussehende Teile zerlegte. Der Komet im Jahre 1652, dessen Durchmesser mindestens 15mal größer als der der Erde war, zeigte vom 9. bis 15. Dezember fünf Nebenkerne und noch eine Reihe leuchtender Punkte im Kopfe. Der Bielasche Komet im Jahre 1846 zeigte eine Teilung in zwei verschiedene Kometen, die zuerst durch eine Strahlenbrücke, die alsbald verblaßte, verbunden waren. Dasselbe Schauspiel einer völligen Teilung bot der Komet 1860 l. Der große September=Komet 1882 II, der in seiner Sonnennahe fast die Sonnenoberfläche berührte, sandte unter der gewaltigen Wärmewirkung der Sonnenstrahlen sogar Nebenkometen aus seinem Kopfe heraus, die eine völlig andere Bahn einschlugen. Alle diese bemerkenswerten Aenderungen in den Kometen lassen vermuten, daß die Teile derselben sich in keinem festen, sondern nur in einem ganz lockeren Zustande befinden. Die Sterne scheinen, wie Bessel am 29. September 1885 am Halleyschen Kometen beobachtet hat, durch den Kometen hindurch, ein Beweis, daß die Kometen nichts weiter sind als kosmische Staubwolken oder Meteoritenschwärme von nebelartigem Aussehen. Telephoniere vom Auto aus Einen umwälzenden Fortschritt im Fernsprechwesen bringt die Erfindung eines italienischen Technikers. Die Neuerung läßt die Möglichkeit zu, vom fahrenden Auto aus nicht nur die Fernsprechverbindung mit der eigenen Wohnung herzustellen, sondern sich ebenso leicht auch mit jedem anderen Fernsprechteilnehmer zu verständigen. Desgleichen ist der umgekehrte Fall denkbar: man kann, während man mit dem Kraftwagen unterwegs ist, von seinen Angehörigen wie überhaupt von jedem anderen Fernsprechanschluß aus angerufen werden. Ja, selbst die Moglichkeit ist gegeben, daß sich zwei auf„Tour" befindliche Autofahrer telephonisch miteinander in Verbindung setzen. Der neue Apparat stimmt rein äußerlich mit einem normalen Selbstwählapparat vollkommen überein. Technisch ist das interessante Problem derart gelöst, daß der Autofahrer mit Hilfe von Kurzwellen zunächst die eigene Wohnung erreicht, alsdann läuft das Gespräch auf dem Wege über die Fernsprechleitung zum gewünschten Teinehmer. Von hier aus kann das Gespräch, wenn der Anzurufende ebenfalls mit seinem Auto unterwegs ist, weitergeleitet werden, wobei wiederum die Kurzwellen in Tatigkeit treten. 1000 Luther-Nachkommen in Zeitz In Zeitz hielten die in der Lutheriden=Vereinigung zusammengeschlossenen Nachkommen Dr. Martin Luthers, die in der ganzen Welt verstreut leben, ihren Familientag ab. Man wählte diese Stadt, weil in keiKämpferimMlere 35 „Wird gemacht. Herzlichen Dank!“ Er legt schweratmend auf und wendet sich zu Swanson. „Chef“, sagt er,„ich kann jetzt mit meiner Sensation kommen. Sie ist ein Geschäft für Sie und ist meines Lebens größte Chance. Sie werden von Ihrer Zeitung mindestens eine Woche lang die doppelte Auflage verkaufen, und sie wird sich auch weiter höher halten. Ich gebe Ihnen diesen Trumpf, weil ich als anständiger Mensch in meiner Eigenschaft als Reporter dazu verpflichtet bin. Es liegt nun an Ihnen, wie Sie es mir lohnen wollen!" Swanson hat sehr interessiert zugehört. Rösler zeigt ihm den Abzug. Deutlich ist das Kind zu erkennen, ebenso Meike und Mutter Barbara. „Das Kind... ist das geraubte Kind des Obersten Frank Harris. Und es ist seit acht Stunden wieder mit den Eltern vereint.“ Der Chef hält den Atem an. Stumm betrachtet er das Bild.„Und... Mac Meil?“ „War der Verbrecher, der Grimson entführte und das Kind stehlen ließ.“ „Und wir sind die einzige Zeitung, die heute mit der Sensation und von morgen ab mit einer Artikelserie über den Fall Harris=Mac Meil und Hinner Handewitt herauskommen?“ „Die einzige Zeitung!“ „Dann mache ich Sie zu meinem Teilhaber! Fixum tausend Dollar und zwanzig Prozent Anteil! Einverstanden?“ „Einverstanden, Chef!“ sagt Rösler dankbar und atmet auf. Ist es ihm doch gelungen, die Chance auszuwerten. * Die deutschen und die amerikanischen Taucher treffen sich. Meike ist auch mit von der Partie, und es wird ein vergnügter Abend. Man kommt förmlich zu einer Verbrüderung, und die Taylors— es sind alle drei mit— versprechen Meike, daß ihr nächstes Schiff„Meike Bosse“ heißen soll. Und während sie so vergnügt beisammen sind, da hat Newyork seine große Sensation, von der ganz Amerika ergriffen wird. Das Kind ist wiedergefunden, Oberst Frank Harris Kind! Ueber Mac Meil erfahren sie alles genau, und der Name Hinner Handewitt leuchtet aus allen Spalten. Jetzt wissen sie alle, was er geleistet hat. Und da geschieht es, daß man Hinner auf dem Broadway entdeckt. In stürmischer, spontaner Weise wird er mit seinen Kameraden gefeiert. Das Publikum erdrückt sie schier, und als es ihnen endlich gelingt, den Menschenmassen zu entkommen, da sind ihre Hände völlig abgestorben von den vielen Händedrücken. Am nächsten Tage sind sie Gäste des Gouverneurs und werden begeistert gefeiert. Auch der englische Botschafter aus Washington, der eben von einer Reise zurückkam, ist anwesend und zeichnet Hinner und seine Kameraden aus. Hinner muß ein paar Worte sprechen. er faßt sein Glas und sagt:„Deutscher Wein ist in diesem Glase und in allen Ihren Gläsern. Er ist ein Gruß von drüben ein Gruß, den alle verstehen. Aber ich hoffe, daß nicht dieser Gruß genügt, ich hoffe, daß Amerika und Deutschland über alle Mißverständnisse in der Welt hinweg den Weg zu einer großen Freundschaft finden einer Freundschaft, die in der gegenseitigen Achtung und Anerkennung seinen Grund hat. Jedes Land, jedes Volk ist groß und gewaltig, und eins ist der Freundschaft des anderen wert! Ich trinke auf die Freundschaft zwischen Amerika und meinem deutschen Vaterlande.“ Und am nächsten Tage wurde Stern aus dem Zuchthause entlassen. Der Gouverneur teilte es ihm mit und sprach ihm sein Bedauern aus. „Oberst Harris bedauert, daß Sie so unrecht leiden mußten, er läßt Ihnen durch mich diesen Scheck über zwanzigtausend Dollar überreichen und bittet Sie, ihn zu besuchen! Er will sich gern für Sie verwenden, daß Sie Ihr Fortkommen haben.“ Es dauert eine Weile, ehe Stern alles begriffen hatte, dann ging ein Zug rührender Freude über sein alt gewordenes Gesicht. „Ich habe.. dem Obersten nie gegrollt. Und daß er mich für den Mörder hielt... das war ja sein gutes Recht, denn ich hatte doch die Banknoten! Aber... nein, jetzt muß ich reden... jetzt kann ich nicht mehr schweigen, und wenn mich eine Kugel aus dem Hinterhalt trifft, Ich will reden! Ich will ein Geständnis ablegen!“ Und das geschah sofort. Und es kam zutage, daß einer der führenden Gangster von Newyork, ohne das Kind geraubt zu haben die Erpressung durchgeführt hatte. Stern half ihm insofern, daß er den Boten spielte, der das Geld in Empfang nahm und dafür wurde er von dem Verbrecher entlohnt. Alles, was er wußte, sagte Stern, und es war ihm leichter zumute, als er endlich alles gesagt hatte. „Das war wacker, Mister Stern!“ sagte der Gouverneur anerkennend.„Und ich verzichte darauf, Sie wegen dieses Deliktes zu verfolgen. Sie haben genug gelitten, und wir werden den Burschen fassen. Ihnen aber rate ich, ziehen Sie sich zurück nach Richmond oder tiefer ins Land, wo Sie sicher sind. Schreiben Sie uns dann Ihre Adresse für den Fall, daß wir Sie als Zeugen brauchen!“ Nach einer Stunde stand Stern als freier Mann draußen auf der Straße, und Sonne war um ihn. Er verließ Newyork noch am gleichen Tage. Finale. Fünf glückliche Menschen fuhren mit dem Zeppelinluftschiff nach der Heimat zurück. Fünf lachende junge Menschen begeisterten die Besatzung und Passagiere des L. Z. 145. Jsetzt erst, da alles hinter ihnen lag, hatten sie Zeit und Muße, diese einzig schöne Fahrt richtig zu genießen. Wie ein Wunder erschien ihnen diese Reise, wenn sie an den Fenstern standen und hinunter auf das Meer schauten, wo die Dampfer wie Spielzeuge ihre Bahn zogen. Hinner und Meike waren unzertrennlich. Sie hatten sich so viel zu erzählen. Hinner war glücklich, daß er sich mit Meike einmal über alles aussprechen konnte und erzählte ihr von seiner Liebe, die so bitter endete. Er sprach von Leonies Tode, und daß er keinen Groll mehr gegen sie im Herzen trage. „Und jetzt will ich nicht mehr zurückschauen, nur vorwärts, Meike! Ich freue mich ja toll, daß ich bald wieder mit euch zusammen in Hamburg bin.“ „Ach ja, Hinner!" Sie merkten jetzt, daß sie sich an den Händen gefaßt hatten und wurden rot, als sie diese lösten. Hinner sah Meike an und sah, wie wunderschön sie war. Alles Eckige, Schlacksige war verschwunden, wunderbar ebenmäßig war die Gestalt, und das Madonnengesicht erschien ihm schöner denn je. „Warum siehst du mich so an, Hinner?“ fragte Meike verlegen. Weil mir eben eingefallen ist, daß ich ein Narr war!“ „Warum warst du das?“ „Weil ich das Glück, das an meinem Wege stand, nicht sah. Verstehst du das, Meike?“ Meike sah erglühend vor sich nieder. „Ich weiß nicht, Hinner...!“ „Sie mich doch einmal an, kleine Meike!“ bat Hinner. Und als sie aufblickte, da trat er neben sie und faßte ihr Köpfchen und bog es ein wenig nach hinten. Und dann küßte er sie. „Weißt du es jetzt, Meike?“ fragte er leise. „Ja!“ hauchte das Mädchen, und ihre Augen leuchteten bräutlich. Mit einem Male war das Glück gekommen und hatte ihre Sehnsucht gebannt. So rührend sah sie aus in ihrem Glück, daß Hinner bewegt über das gleißende Blondhaar strich. „Meine kleine, liebe Meike!“ sagte er. Und abermals küßte er sie. „Sechzehn— siebzehn— achtzehn— neunzehn— zwanzig— einundzwanzig— zweiundzwanzig!" zählte Kapitän Lehmann schmunzelnd. Aber immer noch nicht dachten zwei Menschen daran, das Küssen zu unterbrechen. Da wandte sich Kapitän Lehmann und ging zum Funker. „Johannsen, funken Sie mal nach Hamburg! Krischan Bosse in Firma Bosse& van Leuwen! Und teilen Sie mit daß sich seine Tochter Meike eben mit Hinner Handewitt verlobt hat!“ Und dann ging er und sagte dem Küchenchef, daß es heute abend eine kleine Verlobung gäbe. Hinner und Meike machten an diesem Abend verdutzte Gesichter, als der Kapitän bei der gemeinsamen Tafel an sein Glas schlug und verkündete, daß sich Fräulein Meike Bosse und Herr Hinner Handewitt— verlobt hätten! Die erste Verlobung im Luftschiff! Man kann sich vorstellen, mit welch großer Begeisterung Hinner und Meike beglückwünscht wurden. * Bosse dachte, die Welt drehe sich doppelt so schnell, als er die Funknachricht vom L. Z. 145 erhielt. Seine Meike.. und der Hinner hatten sich verlobt! Wie ein Trunkener taumelte er durchs Zimmer, lachte, lachte und lachte, daß die Schwester erstaunt hereinkam. Als er am Klavier vorbeikam, öffnete er es und trommelte auf den Tasten wie ein Wilder herum. „Was hast du denn, Krischan?“ m her, „Komm her, altes Mädchen. Ich muß dir einen Kuß geben!“ lachte Bosse und schloß sie in seine Arme. „Du bist beschwipst, Bruder!" lachte Bosses Schwester. „Nein, Schwesterherz! Betrunken vor Freude. Du weißt es ja schon immer, was meines Herzens innigster Wunsch war. Der Hinner und die Meike! Ja, es war so, der Hinner war mir manchmal bald lieber als der eigene Sohn. Aber das war so. Jetzt sehe ich, was für ein Kerl der Henry wird! Donnerkiel, hättest du das gedacht! Treibt Sport, läuft, reitet, schwimmt! Ein Prachtkerl. Also daß du es nur weißt, sie haben sich! Eine Depesche vom Zepp: Meike und Hinner haben sich verlobt! Und was sagst du nun?“ „Ich gratuliere!“ sprach die Schwester herzlich. Wenn ich die Meike einem Manne gegönnt habe, dann dem Hinner!" Da gab ihr Bosse vor Freude noch einen Kuß. Dann stürzte er ans Telephon und ruhte nicht, bis er eine Verbindung mit Käppen Krüger hatte. „Krüger, Mensch, wo steckst du denn? Komm zu mir, wir müssen heute mal in fidelitas machen! Warum? Mensch.. da fragst du noch? Meike und der Hinner! Ja haben sich verlobt! Auf dem Luftschiff! Hahaha.. und ob ich lache! So glücklich war ich lange nicht. Also komm! Wir holen dann gemeinsam Meister Perth. der muß mit, der hängt doch an Hinner wie an seinem Sohne! Ist doch ein Teufelskerl, dieser Hinner Handewitt! Jawoll!“ Und lachend flog der Hörer auf die Gabel. „Meister Perth!“ weckte die Stimme Bosses den alten Meister von der Arbeit.„Aufhören! Aufhören! Anziehen! Sie müssen mit uns kommen!" Meister Perth sah auf und fragte mit seinem gütigen. abgeklärten Lächeln:„Was gibt's denn, Herr Chef?“ „Die Meike hat sich mit Hinner verlobt! Und das müssen wir feiern!" Da stand der alte Mann auf, und in seinen Augen war eitel Freude. Er nahm das kleine Käppchen ab, das er immer trug, und sagte:„Der Hinner... und die Meike! Ja, Herr Chef.. kein Strich wird heute mehr gemacht!“ „Nur feiern, Meister Perth!“ „Nur feiern, Herr Chef!“ — Ende!— Unser erfolgreicher Roman erschien soeben als Buch! KANTPVER PNPWEERE Ein deutscher Roman von Woligang Marken In Gansleinen gebunden 3,80 Mk. Seite 9 Nr. 195 7 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 21. August 1936 wird. Und damit ist es um den guten Jesse gedeben. * In Hollywood soll auf Jesse Owens auch ein Filmvertrag warten... Deutschland liegt weiter Schach=Olympia in München dnd München, 20. August. Die fünfte Runde, die am Donnerstag vormittag in Angriff genommen wurde, führte Deutschland und Bulgarien zusammen. Die deutsche Mannschaft führte beim Abbruch um die Mittagsstunde bereits:0. Richter siegte am Spitzenbrett gegen Gescheff durch einen scharfen Angriff auf der=Linie. Einen sehr feinen Sieg errang Engels am zweiten Brett gegen Zwetcoff. Nach 19 Zugen opferte Engels einen Läufer und erzwang in wenigen Zugen ein undeckbares Matt. Zwetcoff mußte aufgeben. Der Kampf Dantscheff— Carls wurde abgebrochen. Der Bulgare dürfte Gewinnstellung haben. Sämisch kkam gegen Kipproff bereits in der Eröffnung in Vorteil und siegte ziemlich rasch. Auch Michel, der diesmal am achten Brett antrat, konnte seine Partie gegen Martscheff zu einem Siege gestalten. Die Partien Rödl— Weinoff, Heinicke— Toscheff und Ernst— Francez wurden abgebrochen. Ergebnisse der fünften Runde bis zum Abbruch: Unter den Trophäen, die Aachen zu vergeben hat, befindet sich auch der Hindenburg=Pokal, den der verewigte Feldmarschall noch zu seinen Lebzeiten für die Reiterkämpfe in Aachen gestiftet hat. 800 m in 1,49,7 Glen Cunningham lief Weltrekord— Hein warf den Hammer 54,96 Meter Im Mittelpunkt der Stockholmer Leichtathletikkämpfe stand der 800=Meter=Lauf, den der Amerikaner Glen Cunningham nach mörderischem Kampf in neuer Weltrekordzeit von:49,7 vor Powell(England) :51,8, Lanzi(Italien):52,4 und dem Schweden Erik Ny:52,8 gewann. Harbig(Dresden) belegte in diesem schweren Rennen mit:55,2 nur den sechsten Platz. Den zweiten Höhepunkt brachte das Hammerwerfen. Hier bestätigte auch unser Olympiasieger Karl Hein(Hamburg) mit einem Wurf von 54,96 Meter, daß sein Sieg in Berlin kein Zufall war. Ausgezeichnete Leistungen gab es auch im 110=Meter=Hürdenlauf, den der amerikanische Olympiasieger Forest Towns in 14,2 Sek. gewann. Vom Turf Strausberg, 20. August 1..: 1. Gnade(Lt. W. Hasse), 2. Ly.— Toto: S. 32. Drei liefen; ferner: Maat. Einlaufswette: 64. 2..: 1. Neandertal(Ludwig), 2. Lapsus, 3. Lystas.— Toto: S. 26, Pl. 16, 16. Ferner: Garconne, Metullus, Ligustrum. Einlaufswette: 88. 3..: 1. Atis(Narr), 2. Iberis, 3. Vido, 4. Lachtaube. — Toto: S. 171, Pl. 27, 13, 15, 29. Ferner: Falke, Geige, Cicero, Gallinella, Schneekönigin. Einlaufswette: 544. 4..: 1. Pallas Athene(Dolfs), 2. Volmar, 3. Augenlicht, 4. Steffi.— Toto: S. 60. Pl. 16, 44, 25, 13. Ferner: Charlatan, Balilla, Aktta, Ronaldina, Lorelei, Makalle, Ladoga. Einlaufswette: 2900. 5..: 1. Hut ab(O. Schmidt) 2. Wilderer, 3. Glücksgöttin.— Toto: S. 69, Pl. 16, 13. Ferner: Tilia, Parsenn, Camée. Einlaufswette: 164. 6..: 1. Ophioch(Eperjesstz), 2. Mönch, 3. Perlmutter. — Toto: S. 33. Pl. 14, 17, 22. Ferner: Reichsmark, Trinum, Silen, Hans Thoma, Griselda, Palastharfe. Einlaufswette: 120. 7..: 1. Pamela(Zehmisch), 2. Leony, 3. Fürst Castmir.— Toto: S. 48, Pl. 19, 15. Ferner: Nando, Parheim, Perkeo, Glücksvogel. Deauville, 20. August 1..: 1. Jéhol(Tucker), 2. Brian Boroimbe, 3. Flavox. — Toto: S. 48. Pl. 17, 21, 26. Ferner: Mastersul. Croiz des Gardes. Dame des Bois, Alternance, Tout en Rose, Tritontenne, Nat. 2..: 1. Ticca Garl(Hervé), 2. Firozevore, 3. Sponge Cake.— Toto: S. 75. Pl. 21, 82, 14. Ferner: Sianor, Canopsus, Félibrige, Chattiere, Caster Parade. 3..: 1. Samovar(Brethes), 2. Treve des Consiseurs, 3 Frisquet.— Toto: S. 29, Pl. 14, 18. Ferner: Denver, Rot Mage II. 4..: 1. Master Patrick(Brethes), 2. Chinilla, 3. Forsythia.— Toto: S. 53, Pl. 23, 20. Ferner: Liserb, Stad of Persia. .*— Holland— Dänemark Frankreich— Litauen Jugoslawien— Island Schweden— Lettland Bulgarien— Deutschland Norwegen— Polen Estland— Schweiz Brasilien— Tschechoslowakei Finnland— Rumänien Ungarn— Italien 2½: ½ :5 65: ½ 2:1 0:4 2½ 2:1 1:2 1½: ½ 34:1½ Problem Von Dr. E. Zepler,(Berlin) (Dtsch. Schachztg.) In der am Donnerstag nachmittag ausgetragenen sechsten Runde traf Deutschland auf Norwegen. Wiederum zeigten sich unsere beiden Spitzenspieler Richter und Engels in ausgezeichneter Form. Sie gewannen ihre beiden Partien mit außerordentlicher Sicherheit. Am Freitag vormittag wird Deutschland in der siebten Runde Estland gegenüberstehen. Die erste Vorentscheidung im Kampf um den„.=.“=Handballpokal Am Sonntag treten die Spiele um den„.=.“Handballpokal in ein entscheidendes Stadium mit den Kämpfen um den Eintritt in die Schlußrunde. In beiden Gruppen haben sich nach mühevollen Kämpfen die beiden besten Mannschaften durchgesetzt, die nunmehr in einer.=.=Runde die beiden Endspielgegner ermitteln sollen. Als erstes Treffen steigt am Sonntag vormittag auf dem Westfalia=Sportplatz die Begegnung MBV. Linden— TB. Eickel. Beide Mannschaften verfügen über sehr gutes Können und haben eine beachtliche Rolle im Bochumer Handballkreis gespielt. Die Lindener zählten vor einigen Jahren zu den führenden Mannschaften des Ruhrbezirks, während der TB. Eickel drei Jahre hintereinander Bezirksmeister des Kreises Bochum werden konnte. Die Siegesaussichten sind für beide Mannschaften gleich gut. Es stoßen zwei ausgeglichene Einheiten aufeinander, die wirklich guten Handball vorzuführen verstehen. Für den Sieg wird die Tagesform der einen oder anderen Mannschaft von Ausschlag sein. Wer es sein wird, muß das Spiel ergeben. Freundschaftsspiele: TuS. Bochum— TG. Ehrenfeld, Henrichshütte— Germania Bochum. 18 Nationen am Start Internationales Reitturnier in Aachen Vom 22. bis 30. August wird Aachen im Zeichen großer internationaler Reiterkämpfe stehen. Das 12. Internationale Reit=, Spring= und Fahrturnier des Aachen=Laurensberger Rennvereins hat eine Besetzung gefunden, die dieses Reiterfest zu der größten und bedeutendsten Veranstaltung dieses Jahres stempelt, da Vertreter von nicht weniger als 18 Nationen in Aachen den Kampf aufnehmen werden. Der deutsche Turniersport schickt natürlich seine besten Reiter und Pferde nach Aachen, wird aber gegen die starke ausländische Konkurrenz keinen leichten Stand haben, sind doch allein aus dem Ausland über 100 Pferde angemeldet. Von diesen Ländern haben sich neun Nationen für den Preis der Nationen eingeschrieben, so daß an diesem Höhepunkt der Springkämpfe voraussichtlich mit Deutschland zehn oder elf Länder beteiligt sein werden. 45 Kg8, Db2, Td7, Leß. g7, Bd4, h5(), Kes, Tef. Lhl, Ba7, bé. 4, d6, et(). Matt in 3 Zügen Lösung in der nächsten Schachspalte. Lösung des Problems von C. Wachenhausen (Dreizüger): Kf3, Sd7, h7, Bd5. e5, 14, g6. h5(); Kf5, Tg7(). 1. Sh7—16I, Tdf: 2. Ses! nebst 3. Sg7 oder Sdét. .... Tgé: 2. Seil usw. Ueberlegene Siege aus dem Pokalturniertreffen der Vereine B. Sch. 02 und Langendreer am 26. 7. 36. In der ersten erhält Weiß in der Eröffnung die überlegene Stellung und erobert nach einem Fehler des Gegners eine Figur, die Sieg verbürgte. Die zweite zeigt, wie man einen groben Eröffnungsfehler des Schwarzen ausnutzt. I. Eröffnung: Spanisch Weiß: Ludwig Herrmann,(Bochum) Schwarz: Bracht(Langendreer) 1. e4 e5 2. S13 Seé 3. Lb5 aß 4. La4 46 Nach diesem Zuge erlangt Weiß überlegenes Spiel, well er sich ungezwungen und ausgreifend entwikkeln kann. Besser ist dabei wohl das gebräuchliche Sf6. 5. Leé:“ be 6. d4 ed Sehr umstritten ist der Versuch mit 6...., f6 das Zentrum zu halten. Weiß hat auch dann das bequemere Spiel und erhielt in den meisten so gespielten Partien nach der langen Rochade starken Königsangriff. 7. Sd4: LdT 8. Sos St6 9. Dfs Ein starker Zug, der vor allem eöl droht. 9. Des Ein unverständlicher Zug, der für die Verteidigung nichts leistet. Nötig war Lfö: nebet d5, wonach Weiß zwar weiterhin im Vorteil ist, aber Schwarz noch kämpfen kann. 10. Lg5 Lf5: 11. ef Std7 Jetzt verliert Schwarz eine Figur, aber auch andere Züge waren nicht mehr befriedigend. Auf 11., Lei spielt Weiß zum Belspiel 12. Do6“, wonach der schwarze König nicht mehr in Sicherheit kommt. 12. Des“ Weiß spielt sicher und nimmt die Figur. Er konnte aber auch durch beispielsweise 12. Sd5(droht Sc7:+ nebet Das:+ usw.) Tb8 13.——0 f6 14. Thel*. Seb(oder 14.. Kf7 15. Dh5“, Kgs 16. Tg7:“, Kg7: 17. Lhé“, Kgs 18. Sf6:t) 15. Sf6:, gf 16. Lfé:, Tg8 17. Te5:+l, de 18. Dhöt- und Weiß setzt bald matt, schnell gewinnen. 12.... Se5 13. 14 16 14. Lh4 Df5: 15.—0 De2: 16. fe de 17. Sd5 Ldé 18. Lf6:! Interessanterweise gehen auch die anderen Opfer 18. Tfé:! oder 18. Sf6:* Am stärksten dürfte aber das Turmopfer 18. Tf6: sein, worauf folgen könnte: 18. gf 19. Sfé:“, Ke7 20. Dhs!(Droht 21. Da7“, Kf8 22. Lhéf.) Tds(oder Da4) 21. Sd5“, Kf8 22. Tfl+ nebst Matt in wenigen Zügen. Nach dem Textzuge kann Schwarz durch die Rochade der Mattgefahr entrinnen, ohne jedoch die Hoffnung zu haben, gegen die stärkeren Bataillone des Gegners auf die Dauer Widerstand zu leisten. 18.—0! 19. Dg5 Dgß 20. Se7+ Lei: 21. Dgt: hg 22. Le7: Tf1:“ 23. Kfl:! Weiß will die Mehrfigur im Endspiel zur Geltung bringen und da muß der König frühzeitig mithelfen. 23.. TbS 24. b3 c4 25. b4 ab 26. a3 ab 27. ab Kf7 28. Leö Keß 29. Ke2 Ths 30. h3 Th4 31. Kes Kd5 32. Td1+ Kcß 33. Tds Kb5 34. Tes Ka4 35. Te5: Kb3 36. Le7! Der schwarze-Bauer drohte gefährlich zu werden. Weiß hofft daher, durch geeignete Maßnahmen diese letzte Hoffnung des Schwarzen zunichte zu machen. 36.. Th5 37. Th5:1 gh 38. Kd4 cS 39. Ko5 c2 40. Lg5 Kcs 41. h4 Kds 42. b5 Kcs 43. Kcß Kb4 44. Ko7: Kbö: 45. Kd7 und Weiß gewann, da er rechtzeitig einen schwarzen Bauern am Königsflügel eroberte. II. Eröffnung: Sizilianiseh Weiß: Josef Herrmann(Bochum) Schwarz: Schnieder(Langendreer) 1. e4 c5 2. S13 e6 3. d4 Sf61 Vielleicht ein Fingerfehler, jedenfalls aber ein schrecklicher Zug, der Schwarz schnell an den Rand des Grabes bringt. Richtig und in der sizilianischen Verteidigung selbstverständlich ist zunächst 3. ed. 4. e5! Sd5 5. c4 SeT 6. d5! ed 7. ed d6 Schwarz hat mit großen Entwicklungsschwierigkeiten zu kämpfen und sollte bei konsequenter Angriffsführung seinen König nicht mehr in Sicherheit bringen können. 8. Sc3 Weiß will seinen Stellungsvorteil solide ausbauen. Hier kam aber 8. Lbör Ld7 9. Ld7:“ Da7: in Betracht, wonach Weiß einen Zug eher zur Rochade gelangt und wahrscheinlich den schwarzen König in der Mitte festhalten kann. 8.. aß 9. a4 Lgt 10. ed Ddß: 11. Lez Sg6 12.—0 L15 Falls etwa 12.. Le7. so 13. Se4 Dds 14. dé nebst Tel usw. 13. Lds! Lds: 14. Dds: Le7 15. Se4 Das Schwarz gibt den Be5 um zur Rochade zu kommen. Der starke Freibauer in der Mitte verbürgt danach dem Weißen den Sieg. 16. d6—0 17. Tfdi Lfé 18. Scö: Db6 19. Se4 Sd7 20. Sf6:* Sf6: 21. b3 h6 22. Les Do6f 23. Tacl Da7 24. Te7 Dg4 25. Tb7: Sh4 26. Sh4: Dh4: 27. 13 Weiß wehrt die unvollkommenen Angriffsversuche des Gegners erst gemäßigt ab und setzt dann den Siegeslauf seines-Bauern fort. 27.. g5 28. Lf2 Dh5 29. Df5! Daß 30. Dgé:t 1g 31. 47 g4 32. Leb aufgegeben Bearbeitet vom Westfälischen Schachmeister Hanns Harrmann, Bochum 5..: 1. Durazzo(Delaurie), 2. Xylander, 3. Reine de Picardie.— Toto: S. 228, Pl. 79, 53, 33. Ferner: Nympb, Giska, Evolene, Bon Alliage, Hav Market, Ardrossan, Lang Bian, Jarana, Chat ei Rat, Sadya, Camerata, Monimirail, Alamo, Claros, Damier. Unlere Vorauslagen Freitag, 21. August Clairesontaine: 1..: Lepy— Zidon. 2..: Capelo— Winter Queen. 3..: Ambush— Vertigineux. 4..: Barboteur— Rumball. 5..: Impératrice— Sonny Boy. 6..: Silencieuse II— Fraulen. BENEISUENE .30 Fröhlich klingt's zur Morgenstunde(Von Breslau). 10.00 Fröhliches Spiel für die Kleinen(Liselotte Hoppe) 10.30 Was ist los im Sport?(Rich. Heinemeyer) 12.00 Mittagskonzert. Westdeutsches Kammerorchester (Hermann Hagestedt). 1. Mit frohem Sinn, Marsch(Kletzki). 2. Marienklänge, Walzer(Jos. Strauß). 3. Vorspiel„Das Veilchenmädel"(Hellmesberger). 4. Ballettmusik aus„Ritter Pasman"(Joh. Strauß). 5. Der treue Hampelmann (Heykens). 6. Rubin und Smaragd(KickSchmidt). 7. Ninna—Nanna(Micheli=Haensch). 8. Bauern=Galopp(Pacherneag). 9. Vorspiel„Das Land des Lächelns"(Lehar). 10. Frauenliebe und leben, Walzer(Blon). 11. Im Park, Suite (Löhr). 12. Schattenspiele(Fink). 18. Schelmenliedchen(Micheli). 14. Mit Standarten, Marsch(Blon) 14.15 Zur Unterhaltung. Kammerquintett: Ernst Everts(Baß), Edmund Kirst(Flügel). 1. Serenade(Rachmaninoff). 2. Ein Traum, Tango (Häuser). 8. Archibald Douglas, Ballade(Löwe). 4. Strahlender Himmel, Romanze(Löhr). 5. Ständchen(Mausz). 6. Der Nöck, Ballade (Löwe). 7. Abschied von Neavel(Murzilli). 8. Landstreicher, Csardas(Ferraris) Beim Zauberer Hokuspokus. Für unsere Kleinen. Alle Kinder zaubern mit Von den Erneuerungsarbeiten in Schloß und Park Brühl(Dr.=Ing. Berger=Schaefer) Wochenendkonzert(Schallplatten). Zusammenstellung: Ernst Kalthoff Männerchorkonzert. Krefelder Sängervereinigung"(August Schlösser). 1. Dorfkirche(Beigold). 2. Heimat(Trunk). 8. Wach' auf, du Handwerksgesell(Ludwig). 4. Morgenlied(Werth). 5. Jugend(Kämpf). 6. Wanderschaft(Zöllner). 7. Abreise(Werth) 8. Drei Wünsche(Othegraven). 9. Der Käfer und die Blume(Veit). 10. Heimat am Niederrhein(Schlösser) 18.00 Volk erzählt. Lies Böhle: Der Erbschleicher! E löstig Verzällche us Kölle 18.15 Bunte Musik. Ida Gille(Gitarre): Reinhardt Fritzsche(Flöte), Hans Vries(Zither), H. Dyckmanns(Akkordion), Jupp Schmitz, Leo Kowalfkt (an zwei Flügeln)„ 16 19.00 Stilles Tal. Ueber das Bild von Hans Thoma im Folkwang=Museum zu Essen spricht E. Ringling. Klaviermusik von Johannes Brahms Lieder von Schumann, Brahms und Wolf. Ludwig Matern(Tenor), Karl Delseit(Klavier), Kurt Ehrhardt(Sprecher) 19.45 Momentaufnahme 20.10: Operette im Alltag. Ein heiteres Sviel zwischen dem 20. Juli und 20. August, von Erich Wipvermann. Personen: Der Vater— Die Mutter— Die Tochter— Der Neffe Oskar— Die Diva Irma— Anton, der nette junge Mann. Spielort: Zu Hause und im Badeort. Mitwirkende: Cläre Hansen(Sopran): Melitta Wittenbecher (Sopran): Friedrich Eugen Engels(Tenor): Hubert Kirsch(Bariton): Willi Schneider(BaßBariton): die Funkschrammeln: die sechs frohen Sänger: das Große Orchester und der Kammerchor(Leo Eysoldt) 22.30: Und morgen ist Sonntag...(Von Leipzia). Zum frohen Wochenende tragen bei: Lilly Trautmann(Sopran): Heinz Munkel(Klavier): der Chor und das Funkorchester(Curt Kretzschmar) Deutschlandsender: 16.00: Heiterkeit und Fröhlichkeit. Lustige Musik mit kleinen Szenen von sauren Gurken, jungen Hunden und vertauschten Bräuten. 18.00: Unterhaltungsmusik. 20.10: Overette im Alltag. 22.30: Eine kleine Nachtmusik. 23.00: Wir bitten zum Tanz!(Oskar Joost) Aus dem Nacht arger... Stadt Wanne=Eicke Jetzt am Stadttheater Essen tätig. Die bisher am Stadttheater Münster tätig gewesene Altistin Hilde Bräuer von hier ist zum Stadttheater Essen übergetreten. Sie hat bereits die Probetätigkeit ausgenommen und wird in der nächsten Saison schon mitwirken. 30 Jahre Herz=Jesu=Kirche Wanne=Eickel. Die HerzJesu=Kirche in Wanne=Eickel kann jetzt auf ein 30jähriges Bestehen zurückblicken. Der Bau dieses Gotteshauses wurde durch den Zuzug von Industriearbeitern nach Wanne=Eickel zu Anfang dieses Jahrhunderts eine zwingende Notwendigkeit. Das Gelände wurde kostenlos zur Verfügung gestellt. Zwei Jahre lang war die HerzJesu=Gemeinde eine Pfarrvikarie der Laurentiuspfarrei. Im Jahre 1908 wurde sie zur selbständigen Pfarrei erhoben. Als Pfarrer waren an der Herz=Jesu=Kirche tätig: Pfarrer Thelen, Pfarrer Quiskamp, Pfarrer Brüggemann(jetzt Pfarrer in Lendringsen), seit etwa einem Jahre betreut Pfarrer Paul ten Hompel, der 18 Jahre Vikar an der Herz=Jesu=Kirche in BochumHamme war, die Pfarrei. 50 Jahre Postamt Röhlinghausen. Das Postamt in Röhlinghausen blickt jetzt auf eine 50jährige Geschichte zurück. Im Jahre 1886 wurde im Hause des Wirts Wiesmann eine Posthilfsstelle eingerichtet und am 1. April 1889 eine Postagentur. Die Verbindung mit Wanne stellte ein zweimal täglich verkehrender Landbriefträger her. Die Postagentur trug zunächst die amtliche Bezeichnung„Königsgrube. Am 1. Oktober 1891— also vor 45 Jahren— wurde die Postagentur in ein Postamt umgewandelt. Als die Absicht bestand, im westlichen Teil der Gemeinde ein zweites Postamt zu errichten, ordnete die Postverwaltung an, im Mittelpunkt der Gemeinde ein Postamt mit der Bezeichnung„Röhlinghausen“ zu errichten. Das Postamt liegt heute auf der Bochumer Straße in Röhlinghausen. Der„Schienenzepp“ wird wieder über Haltern fahren. Der„Schienenzepp“ oder„Fliegende Hamburger", der für den laufenden Sommerfahrplan von WanneEickel ab über Hamm nach Münster geleitet worden war, wird mit Einführung des Winterfahrplaus seinen alten Weg wieder über Haltern und Dülmen nehmen. Man benutzt die Sommermonate zu den unbedingt notwendigen Gleiskörperbefestigungen, damit der„Fliegende Hamburger“ auch die Strecke Wanne—Münster in voller Geschwindigkeit durchfahren kann. scheid einen Arbeitskameraden bestohlen hatte. P. hatte sich im Lager krank gemeldet und die Abwesenheit seiner Arbeitskameraden dazu benutzt, um ein Spind aufzubrechen und eine Geldbörse zu entwenden. Der Staatsanwalt stellte fest, daß es sich bei dem Angeklagten um einen vorbestraften Menschen handele, auf den alle früheren Strafen keinen Eindruck gemacht hatten. Der Angeklagte wurde unter Versagung mildernder Umstände wegen Diebstahls im Rückfalle zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren verurteilt. Besuch aus Dielkirchen. Gestern, Donnerstag, weilte ein Weinverteiler aus dem Weinpatendorf Dielkirchen Stadt Wattenscheid (Saarpfalz) in Wanne=Eickel, um Verbindung mit den hiesigen Weinverteilern aufzunehmen. Kostproben aus Dielkirchen stellten unter Beweis, daß wir auch mit Dielkirchen einen guten Griff getan haben und daß der Dielkirchener Eingang bei uns finden wird. Unsere Imker sind zufrieden. Wanne=Eickels Imker haben in der blühenden Heide der Haard 87 Bienenkörbe aufgestellt. Die kleine Bienenstadt befindet sich gegenüber dem Fliegerlager in den Borkenbergen in einer eingefriedigten Waldschonung Die Bienen können in die weite blühende Heidelandschaft fliegen, um hier den Honia zu holen. Unsere Imker sind mit den bisherigen Erfolgen sehr aufrieden. Große Kokshalde verschwindet. Die an der Hertener Straße im Westhafen befindliche große Kokshalde verschwindet nunmehr von der Bildfläche.. Täglich kommen 20 beladene Waggons über die Eisenbahn zum Versand. Neues Schrankenwärterhäuschen. Die Reichsbahn hat sich schon seit langer Zeit redlich bemüht, im Ratmen ihrer Betriebe dem Zielstreben auf„Schönheit der Arbeit“ hinreichend Rechnung zu tragen. Eine stattliche Anzahl Verbesserungen und Ausbauten sind erfolgt. Jetzt wird im Stadtteil Röhlinghausen das an der Straße Auf der Wilbe belegene Schrankenhäuschen abgebrochen und durch ein neues, in Mauerwerk hergestelltes, ersetzt. Von diesem Hauschen aus wird der Zugverkehr auf der Strecke Wanne=Eickel—Bochum bedient. Zwei Jahre Zuchthaus für eine gemeine Tat. Vor dem Koblenzer Gericht hatte sich der 32 Jahre alte Heinrich P. aus Wanne zu verantworten, der in ganz gemeiner Weise in einem Notstandslager in MengerSterbekasse„Gute Hoffnung“ Wattenscheid. Der Jahresbericht der Eppendorfer Sterbekasse„Gute Hoffnung" verzeichnet an Einnahmen für 1935 93 161,84 RM. Das Gesamtvermögen der Sterbekasse betrug am 31. 12. 1935 330 359,78 RM., das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung des Vermögens um rund 80000 RM. Der Mitgliederbestand war am 81. Dezember 1935 11 587. Radfahrwege in Wattenscheid. Das Bestreben, den Straßenverkehr durch Herausnahme der Radfahrer aus dem Verkehr zu entlasten, hat schon vor einigen Jahren die Stadtverwaltung veranlaßt, beide Seiten des Fahrdammes besonders zu asphaltieren, um hierdurch eine automatische Herausnahme des Radfahrverkehrs zu erreichen. Dieser Gedanke hat vollen Erfolg gehabt und ist auch von anderen Städten bereits ausgenommen worden. Darüber hinaus aber ist die Stadtverwaltung. bemüht, besondere Radfahrwege anzulegen, namentlih an solchen Straßen, die einen starken und gemischten Verkehr haben. So wurde der breite Radfahrweg an der Westenfelder Straße angelegt. Vergleichsschießen der Süd=Wattenscheider Schützen. Die Süd=Wattenscheider Schützen, jener große, aus acht Vereinen gebildete. Gesamtverein, der das ganze südliche Wattenscheid umfaßt, veranstalten am Sonntag, 80. August, das alljährliche Vergleichsschießen der acht Kompagnien. Das Schießen findet auf dem Schießstand Guttmann statt und beginnt bereits morgens. Alle Mitglieder des Gesamtvereins sind zur Teilnahme verpflichtet. Mit dem Vergleichsschießen ist ein Preisschießen verbunden. Sonntag Stromsperre in Günnigfeld. Für den Ortsteil Günnigfeld sowie für den Heimatblock ist die Stromzufuhr am kommenden Sonntag von morgens 4 Uhr bis nachmittags 12 Uhr unterbrochen. Eigentümer gesucht. Bei der Kriminalvolizei. Rathausstraße 3. ist ein Damenfahrrad sichergestellt, dessen Eigentumer bisher nicht ermittelt werden konnte Das Rad wurde am 16. August 1936, 1 Uhr, in Weitmar auf der Hattinger Straße an der Wirtschaft „Zum roten Hirsch“ gefunden. Beschreibung: Marke Brandenburg Nr. 85 211, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen, aufwärtsgebogener Lenker mit roten Gummigriffen. In Höhe der Werkzeugtasche befindet sich ein Schild mit der Aufschrift: H. Backhaus, FahrcadMaschinenfabrik, Bredenscheid. Das Fahrrad kann bei der eingangs genannten Dienststelle vom rechtmäßigen Eigentümer in Empfang genommen werden. Wer kennt den Kraftradfahrer? Am 15. August. gegen 18 Uhr, wurde auf der Bochumer Straße, in Hohe des Hauses Nr. 101, ein Fußgänger von einem schwarzen, geschlossenen Personenkraftwagen von hinten angefahren und am linken Fußgelenk verletzt. Das Erkennungszeichen des Kraftwagens sowic der Name des Führers sind nicht bekannt. Der Fahrer sowie alle Personen, die den Vorfall beobachtet haben, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei. Rathausstraße 8, zu melden. Stadt Gelsenkirchen Der Kleiderschrank ist keine Sparkasse. Eine große Enttäuschung mußte dieser Tage ein Anwohner der Bachstraße in Gelsenkirchen erleben, als er aus einer Kassette, die er im Kleiderschrank seiner Wohnung aufbewahrte, Geld entnehmen wollte Zu seinem großen Schrecken mußte er nämlich feststellen, daß die Kassette, in der sich 1500 RM. befanden, gestohlen worden war. Glaubte der Bestohlene bislang, daß sein Geld im Kleiderschrank gut aufbewahrt und vor Dieben und Einbrechern sicher war, so dürfte er heute eines anderen belehrt worden sein. Stadt Herne Diebstahl einer Hakenkreuzfahne. In der Nacht zum 18. August wurde von einer Fahnenstange im Vorgarten des Hauses Parkstraße 5 eine 4 mal 2 Meter große Hakenkreuzfahne gestohlen. Wer kann über den Täter Angaben machen? Seite 10 Nr. 195 7 Bochumer Anzeiger„ Freitag, 21. August 1936 Unterhaltung Swiscken den Jekunden Von Rokand Getsch Man soll mich auf der Stelle hängen, wenn es nicht wahr ist, daß das Autofahren auf die Dauer ermüdet. Nun gar, wenn man allein durch den Sonnentag fährt. Hol's der Geschwänzte, jetzt sitze ich sechs Stunden am Rad und verdaue die Landstraßenkilometer. Und ausgerechnet immer nach Süden, in die Sonne, mitten in diesen stechenden und blendenden Wirbel von Licht hinein. Dabei habe ich immer noch zweihundert Kilometer zu verspeisen. Neben mir auf dem Sitz liegt eine illustrierte Zeitung; ist werfe manchmal flüchtig einen Blick seitwärts hinein und rase immerfort weiter. Wenn wenigstens ein kleines Erlebnis käme, eine harmlose Abwechslung, ein Landstraßenabenteuer. Aber nichts, rein gar nichts. Es gibt wirklich keine Erlebnisse mehr. Das Leben ist langweilig geworden. Nein, da steht ein junges Mädel am Wege und winkt. Sie will mitfahren. Meinetwegen, kommt mir gerade recht; ich kann ein wenig plaudern und Unsinn moätzen. Zerstreuung steht in Aussicht. Am Ende verliebt man sich zwischen den Kilometersteinen. „Guten Tag, lassen Sie mich bitte mitreisen.“ Sie lacht mich an. Das Gesicht kommt mir bekannt vor. „Bitte, reisen Sie mit.“ Warum sagt sie denn „reisen"? Komisch, mitreisen will sie. Wo habe ich sie schon einmal gesehen? Da sitzt sie jetzt an meiner Seite und macht wirklich keinen üblen Eindruck. Ich werde mich aber hüten, auf dieses kokette Lachen hereinzufallen. „Wohin wollen Sie denn?“ frage ich und muß nun gar nicht mehr gähnen. Nein, mir wird pudelwohl. Ach, wir Männer! „Nach Zickelweiler", sagt sie und „Zickelweiler? Wo liegt denn das? Zwischen Pfingsten und Bruchsal?" „Hinter Stupfershausen." Stupfershausen, der Teufel mag wissen, wie die Ortschaften hier heißen. „Meinetwegen, nach Zickelweiler.“ „Gelt, Sie sind müde?“ sagt sie plötzlich. „Müde? Wieso, warum? Weil ich nicht weiß, wo Ihr Zickelweiler liegt?" „Nein, weil Sie vorhin gegähnt haben.“ „Ich? Seit Sie hier sitzen, habe ich nicht ein einziges Mal ge—.“ „Aber vorher!“ Welch ein Geschwätz! Woher will sie wissen, daß ich den Tag angegähnt habe! „Können Sie durch die Wände gucken?" So was von verrücktem Lachen. Ich falle aber nicht herein. „Wer weiß? Außerdem haben Sie ein total vergähntes Gesicht.“ „So? Ich glaube, Sie wollen Streit anfangen. Wie heißen Sie denn?" „Lore heiße ich. Lore.“ „Lore.? Und wie geht das W weiter?“ „Verrate ich nicht; fahren Sie doch etwas rascher, wir kommen ja im Leben nicht nach Zickelweiler, wenn Sie andauernd quatschen und das Gas vergessen.“ „Ich quatsche nicht; aber Sie suchen Händel. Wenn Sie weiter randalieren, dann müssen Sie die Fahrt bezahlen Sehen Sie nicht, daß ich 60 auf dem Tachometer habe?“ „Sechzig? Ha, ha, sechzig? Das fährt meine Großmutter im Dunkeln." „Das haben Sie mal geträumt.“ So ein frecher Fetzen. Lacht mich dabei immerfort an. Sie weiß genau, daß ich machtlos bin. Ich kann gegen eine Dame nicht ausfallend werden, das verbietet meine gute Erziehung. „Ich träume nicht" plappert Lore weiter,„aber denken Sie mal, was für einen Unsinn ich da neulich gelesen habe. Träume sollen nur Sekunden, nur Bruchteile von Sekunden dauern. In einer einzigen Sekunde soll man ein ellenlanges Erlebnis träumen können. So ein Quatsch.“ „Schon wieder Quatsch. Ich vermute, Sie sind nicht von Zickelweiler, sondern von Quatschdorf. Das liegt doch auch hier in der Nähe?“ Ratsch, hat sie mich in den Haaren. Drückt wie besessen auf die Hupe. Die Spatzen fliegen Bäumen. „Lassen Sie doch die Hupe in Frieden. Ein so radaulustiger Fahrgast ist mir denn doch noch nicht vorgekommen. Ich habe größte Lust, Sie auszuladen. Reisen Sie per Frachtgut weiter!" „Sie sollen mir recht geben, wenn ich sage, daß es Unsinn ist. „Was ist Unsinn? Quatschdorf?“ „Nein! Wenn jemand behauptet, man könne in einer einzigen Sekunde eine ganze Garnrolle Zeugs träumen.“ „Das ist kein Unsinn, meine liebe Radaulore—“ „Radaulore? Hier hast du's für die Radaulore.“ Sie klatscht mir die flache Hand auf die Backe. „Ich sage Ihnen, man hat Experimente gemacht. Traumexperimente. Und herausgefunden— wissenschaftlich einwandfrei— daß man in einer Sekunde eine lange Geschichte träumen kann. Und jetzt Ruhe, bitte, sonst——“ Was denn sonst?" „Sonst werde ich Ihnen den Mund auf die absonderlichste Art verschließen.“ „So? Wie denn bitte?“ Sie hat ein unverschämtes Lachen. Ihre Lippen sind feucht, ihre Augen glänzen. Sie fordert mich heraus. Und hinterher soll ich es dann gewesen sein. „Wie denn bitte?" trumpft sie weiter auf und stößt mir die Faust in die Seite. Streckt ein Endchen Zunge heraus. „Ich sage doch, auf absonderliche Art.“ „Los! Vorwärts! Da bin ich aber neugierig. Ha, ha, Ihnen fehlt der Mut!“ Das durfte sie nicht sagen. Ich lege den Arm um sie und ziehe sie an mich heran. Bitte, ich habe einen harten Griff. „Lassen Sie mich so lange das Rad halten" ruft sie, während ich sie küssen will. Sie greift nach dem Lenkrad. Aber sie schwänzelt, sie fährt Schlangenlinien. Ich fühle schon ihre weichen Lippen, da sehe von den ich, wie sie in scharfem Tempo den Wagen auf die Straßenseite gegen die Pappelbäume steuert. „Halt!“ rufe ich entsetzt und reiße ihr das Rad aus den Händen. Hart an einem Baum——— Ich schlage die Augen auf. Hart an einem Baum zische ich vorüber. Allein bin ich Keine Lore. Kein Zickelweiler. Kein frecher Plappermund. Kein Kuß. Wie ein Blitz kommt mir Klarheit! Ich habe geschlafen. Im Fahren bin ich eingeschlafen und habe geträumt. Ich stoppe ab, steige aus dem Wagen und schaue mich um. Eine endlos lange, gerade Straße. Sonne brütet. Nicht weit entfernt steht ein Haus. Ich weiß genau, daß ich noch wach war, als ich an diesem Haus vorbeifuhr. Nur zwei, drei Sekunden kann ich geschlafen und geträumt haben. Hätte ich Lore geküßt, hinge ich jetzt am Baum Als ich zum Wagen zurückgehe, sehe ich auf Lores Platz die illustrierte Zeitung liegen. Da ist ja Lore! Richtig, eine Photographie aus dem Modeteil. Fräulein Lore W.——— in einem modernen Rock aus Lindener Samt. Ja, da ist Lore. Weiter nichts, als eine Photographie in einer illustrierten Zeitung. Jetzt weiß ich auch, warum mir der Teufel aus Zickelweiler so bekannt vorkam. Ich lege mich in die Wiese unter einen Ahornbaaum und ruhe mich aus. Schlafe ein. Und träume. Leider nicht von Lore. Die Uhr von Goetke Eine unbekannte Spisode aus dem Teben des Dickters Es war im Jahre 1825, in den ersten Novembertagen. 50 Jahre waren verflossen, seit Karl August Wolfgang von Goethe aus Frankfurt nach Weimar entführt hatte. 50 Jahre schon waren der„Werther", „Götz von Berlichingen“ und und viele andere unsterbliche Dichtungen Allgemeingut der Deutschen geworden. Weimar, die geruhsame Residenz an der Ilm, hatte sich zu einem Wallfahrtsort all jener gewandelt, die ihn, den deutschen Dichterfürsten, dessen Leben sich in ruhiger Pracht dem Verlöschen zuneigte, noch einmal von Auge zu Auge schauen wollten. Karl August der im gleichen Jahr sein 50jähriges Regierungsjubiläum feierte, wollte Goethe eine Ueberraschung bereiten und seinen Jugend= und Lebensfreund zu seinem 50jährigen Aufenthalt in Weimar ganz besonders ehren. Eine große Jubelfeier fand statt, und der Ehrerbietungen, die man dem greisen Dichterfürsten zuteil werden ließ, waren unzählige. Die Geschenke türmten sich zu Bergen, aber— das sinnigste hatte der greise Großherzog Georg Friedrich von MecklenburgStrelitz bereitet. Lange hatte der Herrscher, der einer der glühendsten Goetheverehrer war, darüber nachgedacht, wie er wohl am besten den Großen in Weimar ehren könnte. Endlich fand er den Weg, indem er einen Vertrauensmann in Frankfurt beauftragte, irgendein Stück aus dem längst aufgelösten Haushalt des Goetheschen Elternhauses aufzustöbern, das geeignet sei, dem Dichter eine seine recht lebhafte und recht liebe Erinnerung an Jugendzeit zu erwecken. Seit 17 Jahren war die elterliche Wohnung aufgelöst.„Frau Rath“, von der der junge Goethe die Frohnatur und die„Lust zu fabulieren“ geerbt hatte, war 1808 gestorben. So war es für Georg Friedrichs Beauftragten schwer, das Richtige zu finden. Und doch! Man entdeckte irgendwo eine große, alte Schlaguhr, die in der Familienstube des Ratsherrn Goethe zu Frankfurt am Main gestanden hatte und nach deren Stundenschlag das pedantisch geordnete Hauswesen in ewiger Gleichmütigkeit ablief. Der junge Wolfgang hatte sie oft, nicht immer zu seiner Freude, schlagen hören. Die Uhr wurde nach Weimar geschafft, und der Kanzler von Müller, Goethes kunstsinniger Freund, dem auch die äußere Gestaltung der Jubelfeier übertragen war, sollte in recht sinniger Weise das Geschenk übermitteln. Der Großherzog sprach die Bitte aus, die Uhr so aufzustellen, daß ihr Schlag zu gewohnter Stunde den greisen Dichterfürsten wecke. Am Abend vor dem Jubeltage wurde die Uhr, ohne daß Goethe es ahnte, in sein Haus getragen. Neben seinem kleinen Schlafzimmer befand sich ein Vorraum mit den Schränken der Mineraliensammlung. Dorthin stellte man die Uhr und der Kammerdiener wurde beauftragt, gegen 5 Uhr morgens den Pendel in Bewegung zusetzen. Früher durfte sie nicht schlagen, die alte Uhr, sollte die Ueberraschung glücken. Und richtig! Jeden Morgen um 5 Uhr pflegte Goethe zu erwachen und aufzustehen. An diesem Ehrentage war's ebenso. Doch horch! Eben überdenkt Goethe beim ersten Erwachen sein langes, inhaltsreiches Leben, das heute von einer seltsamen Jubelfeier gekrönt werden soll. Da klingt durch die Stille des dunklen Novembermorgens ein tiefer, lang aussummender Schlag! Noch einer— drei— vier— fünf! Der Dichter vermeint zu träumen! Nein, er wacht! Bei jedem Schlag der Uhr klopft sein Herz lauter, er lauscht begierig, Erinnerungen steigen auf, er zieht die Klingel an seinem Bett, der alte Kammerdiener steht vor ihm. 4 8# „Friedrich! Friedrich! Was war venn das: Ich hörte eben die Uhr aus meinem Elternhause schlagen!“ Der Diener nickt lächelnd:„Die Uhr steht da, Exzellenz“, sagt er mit zitternder Stimme und zeigt zum Vorraum. Mit einem Schwung ist Goethe aus dem Bett. Da sieht er die Uhr aus dem Elternhaus am Hirschgraben in Frankfurt, und nun durchströmen Erinnerungen seine Brust! Sein gestrenger Vater, seine schöne, liebe Mutter, die Schwester Cornelia! Goethe sinnt und sinnt, denkt und denkt wieder! Wie oft hat die Uhr seinem Leben den Rhythmus geschlagen, wie oft sollte sie es tun! Schlug sie nicht auch, wenn der strenge Vater den Befehl, zur Ruhe zu gehen, gab und— der junge Goethe erst die Stufen zu seiner Dachstube hinaufstieg und dann bald, als er merkte, die Alten schliefen, wieder abwärts eilte, um im Kreise seiner Freunde den Abend und die halbe Nacht zu verbringen!.., Gasthe O selige Jugendzeit: Goeiye, der Dichtergreis, er stand lange vor der Uhr, und immer wieder zogen die Bilder einer seligen, längst vergangenen Kindheit an ihm vorüber..,, Grapzistätisch 4. Da— ein neuer Schlag: Gravitatisch zeigt die alte Uhr den Verlauf einer halben Stunde an, die Fata morgana der Jugenderinnerungen löst sich auf, Goethe denkt an die Wirklichkeit, an seinen Jubeltag, der aus der grauen Novemberdämmerung ganz, ganz langsam aufsteigt. Und der Tag brachte eine Wallfahrt zum Goethehaus in Weimar. Fürsten und Großherzöge, Beamte und Deputationen von fern und nah eilten herbei, um dem Dichter, um„ihrem" Dichter, zu huldigen, bis abends dessen„Iphigenie“ im Hoftheater den Tag beendete. Goethe aber dachte den ganzen Tag an die Uhr aus dem Elternhause, und als er am Abend sein greises Haupt in die Kissen legte, da hörte er die lieben Töne noch einmal, die ihm die Erinnerung an den „Herrn Vater" und an sein herziges Mütterlein so wach gemacht hatten, wie selten. Goethes Uhr! # die Arechaere Liebenswürdiger Tadel Georg V. von England, der Vater des jetzigen Königs, hat einmal eine Geschichte aus seiner seemännischen Jugend erzählt. Als er auf einem Schulschiff als einfacher Marineschüler diente, forderte ihn der Kommandant auf, die Position des Schiffes zu bestimmen. Der Prinz stellte sorgfältige Berechnungen an und brachte sie dem Kommandanten. Der sah ihn nach der Lektüre mit ernstem Gesicht an und sagte:„Hoheit, wollen Sie bitte Ihre Mütze abnehmen!" Als der Prinz nach dem Grunde fragte, antwortete der Kommandant:„Weil nach Ihren Berechnungen das Schiff in diesem Augenblick in die Kathedrale von Westminster eingefahren ist!" VON KARL HAENSEL 24) Hätte Sulkowski seinen Degen zur Hand gehabt, wäre Brühl das Opfer seiner Freundschaft geworden. Aber mit nackten Fäusten war jede Gegenwehr nutzlos. Er ließ sich einschließen, warf sich erschöpft auf Brühls Bett und schlief erschöpft ein.. ug ge 9. Brühl wurde angekleidet; das es gemaß der Zeitmode so langsam ging, vereitelte seinen klugen Plan. Es verging eine kostbare Stunde, bis er in Perücke, Rock und Degen in seiner Sänfte saß und eine Leibwache von zehn starken Männern um sich versammelt hatte. Mit den angenehmsten Gedanken brach er nach dem Taschenberg auf. Nun griff er in die Speichen des rollenden Schicksals und lieferte dem König doch noch sein Meisterstück. Ein sanftes Morgenrot überzeugte die Nacht, daß sie zu weichen habe. Aber er kam zu spät. Als er vor dem Palais der Gräfin Cosel anlangte, war sie schon nicht mehr da. Die übereilte Flucht war ihr gelungen. Sulkowskis schnellste Jagdpferde und sein Stallmeister waren mit ihr verschwunden. Die Tauben badeten auf den Dachfirsten Dresdens im frühen Licht. Sie gurrten, rieben die Schnäbel aneinander und stocherten dann mit ihnen den letzten Dunst der Nacht aus der Tiefe ihres aufgeplusterten Gefieders. Die düsteren Schieferdächer erglänzten, durch die bescheidenen Dachfenster stieg der jüngste Sonnenstrahl zu den Mägden ins Bett, daß sie hochfuhren und an ihre Arbeit dachten, wie an etwas Glückliches und Gutes. Aber die die keinen Schlaf gefunden hatten, erschreckte das Morgenrot als blutiger Schaum. In Augusts Vorzimmer sammelten sich die Angeber, die bisher keinen Mut gehabt hatten, ihm die Seheimnisse seiner Günstlinge zuzustecken, Aber jetzt, da die Cosel auf Sulkowskis Pferden geftohen war, er offenbar mit ihr, leerten sie ihr so quälend lange unverdaut gebliebenes Gekröse in die königlichen Ohrmuscheln aus. Brühl fand bleich und zerzaust nach Hause zurück. Sein Plan war gescheitert. Er hatte Sulkowski nicht gerettet, sondern ohne es zu wollen, gefangen und verraten. Die Poststationen mußten auf die Frage der Fürstenbergschen Polizei in wenigen Stunden berichten, daß die Gräfin auf den litauischen Rappen durchgekommen sei, deren Herrn man kannte Man hatte sie natürlich nicht angehalten, da ihr Sturz ja noch unbekannt war. Aber der Weg und die Reisemittel waren aufgezeichnet worden, wie die Postordnung es vorschrieb. Sulkowski hatte ihre Flucht ermöglicht. Es war in den Augen des Königs Hochverrat. Als Brühl Schlag sieben in sein Haus zurückkehrte, ließen die drei Dutzend Uhren die er in seinem mer stehen hatte, nach ihrer täglichen Gewohnheit zur gleichen Zeit lustige Weckliedlein ineinander klingen. Er verlor die Fassung. Er sank in einem Sessel zusammen und schluchzte. Dieser Klang des süßen Lebens stach so schmerzlich ab von der Armsünderglocke mit dem dumpfen Krachen geräderter Glieder, das nun wohl nicht mehr abzuwenden war. Sulkowski las aus seiner Verzweiflung, daß er es ehrlich mit ihm gemeint hatte. Er machte keinen Vorwurf. Die Gewißheit, einen solchen Freund zu haben, wog für den ritterlichen Polen die Gefahr völlig auf, die sie nun gemeinsam bedrohte. Er genoß diese Stimmung. Brühl aber bemühte sich weiter um eine Löins Preußische entkommen. August raste. Er schwor, die Cosel zurückzuholen, lebenslänglich einzusperren, und ihr vor das einzige Fenster ihres Gefängnisses Sulkowski aufzuhängen. Dort sollte sie ihn im Winde schwanken sehen, so oft sie ihre Augen aufzuschlagen wagte. Dieser Einfall war nicht seinem Gehirn entsprungen, er nahm— außer in zornigen Worten— nie Rache, hatte im Menschenquälen keine Phantasie. Sein Zeitgenosse Peter der Große von Rußland hatte seine Mitregentin Sophie vor ein paar Jahren im Jungfrauenkloster Nowodyi=Witschij eingeschlossen und vor jedes ihrer dreihundert Fenster einen ihrer Getreuen sung. Wenn er zum Könige ginge, die Zusammen= aufknüpfen lassen. hänge offen darlegte? Aber dessen Ohr war inzwischen Als Brühl gegen Mittag aus seinem Erschöpfungsdurch die Zwischenträgerei verstopft und vergiftet. Er würde ihm nicht glauben und beider Schuld argwöhnen. Sie fielen dann beide. Also war es besser, daß sich einer opferte, damit der andere das Leben behielt. Er oder Sulkowski. Brühl trat auf Sulkowski zu, umschloß mit beiden Händen seinen Kopf. „Joseph! Noch sind die Leute Fürstenbergs nicht auf deiner Spur, bei mir vermutet dich noch niemand. Zieh' einen Gärtneranzug an. Schlage dich durch. So oder so verloren. Versuch' es wenigstens!" und du“„„. 4725 1 „Ich kann nur hier leven. weuß es barauf ankommen lassen, ob mir der König glaubt und verzeiht. Wenn nicht, wenn ich falle, dann hoffentlich nicht ohne Grund.“ „Wieso— mit Grund?“ „Weil ich von jetzt ab nicht mehr ganz unschuldig an der Flucht eines Majestätsverbrechers bin.“ Sulkowski ging scheinbar auf Brühls Vorschlag ein. Er ließ sich versprechen, daß man ihn nicht länger behindere und verließ dann ohne die von Brühl vorgeschlagene Verkleidung das Haus. Brühls Kräfte waren am Ende. Er legte sich nieder und ließ dem Weiteren seinen Lauf. Brühls Entschluß, den Freund unter Aufopferung des eigenen Lebens zu retten, wurde nun von Sulkowski in die Tat umgesetzt. Er floh nicht, sondern ging geradeswegs ins Schloß, bestaunt wie eine Erscheinung, und erreichte auch die Vorzimmer. Dort oben war bereits das Hauptquartier der Coselfeinde aufgeschlagen. Sulkowski kam nicht mehr bis zur Tür des Königs, wurde überwältigt und verhaftet. Es gelang ihm nicht, gemäß seinem Vorhaben, zu erklären, daß Brühl unschuldig sei, daß er ihn habe festhalten wollen und auch an der Flucht gehindert habe, aus Treue zum König. Das Geschick war Brühl so gnädig, Sulkowskis Beteuerungen zu vereiteln. Niemand dachte ja überhaupt in diesem Zusammenhang an Brühl sein Name wurde gar nicht genannt. Woher Sulkowski kam, blieb unaufgeklärt. Sulkowski wurde in Ketten gelegt und im Verlies unter der Wache eingeschlossen. Ihn hatte man. Die Cosel war entwischt.„Sie war bei Torgau im Morgengrauen über die Elbfähre schlaf erwachte, wurde ihm die Verhaftung Sulkowskis gemeldet. Daß Sulkowski die Nacht bei ihm verbracht hatte, wußte man nicht. Sulkowski hatte sich selber gestellt. Der Beweggrund war klar: Brühl aus der Sache herauszureißen. Also würde er ihn auch nicht mehr nennen. Der Weg für Brühl zum König war also frei. Auf der Galerie der Schweizer Garde sah er den Kurprinzen an einem Fenster lehnen. Müde und mit rotgeweinten Augen starrte der zwölfjährige Junge in den Hof hinab, suchte unter den vergitterten Kellerfenstern das zu erspähen, hinter dem sein Hofmeister schmachtete. Die Hofschranzen verneigten sich und umdienerten ihn, wie es das Zeremoniell erforderte, aber um seine heißen Wünsche kümmerte sich keiner. Brühl trat neben ihn, erzwang ein kleines Kopfnicken in seinem Gruß: „Wollen wir Bundesgenossen sein, Hoheit, ihn wiederholen?“ Der Knabe vergaß sich und Umgebung, fiel Brühl um den Hals. Brühl schaute über seinen Kopf weg in den Himmel, bis seine Augen tränten, denn er blinzelte nicht, wenn er als frommer Christ ein heißes Wunschgebet direkt in den offenen Himmel schickte. Er hatte es sich als Kind schon so zurechtgelegt. Wenn ich nicht blinzele, sondern Gottes Licht aushalte, geht meine Bitte in Erfüllung. Als Brühl seinen Dienst antrat, war das Kabinett des Königs mit den Großen seines Reiches angefüllt: Ein Planetarium, bestehend aus Fürstenberg, Generalfeldmarschall Flemming, Manteuffel, die Bohses und die Beichtväter, bewegke sich im vorgeschriebenen Abstand und unter genauester Einhaltung ihres Hofranges um die königliche Sonne herum. Das Zentralgestirn erschreckte mit unerwarteten Protuberanzen seine Trabanten; Sonnenflecke erröteten hektisch seine Wangen. Eine attische Amphore, die mit List und großen Kosten von August in Venedig gekauft war, aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus, schwarze Pferde mit Lanzenreitern darstellend, flog Brühl entgegen und zerschellte vor seinen Füßen. Es gehörte zu seinen Obliegenheiten, als diensttuender Kammerherr für Ordnung und Reinlichkeit im königlichen Gemach zu sorgen. Er ließ die Trümmer zusammenkehren, bückte sich und hob eine Scherbe mit dem Werkstattzeichen des Exekias auf, er dachte an David, der die Kiesel für seine Schleuder gegen Goliath sammelte „Was tun Sie da?“ rief August. „Ich sammle Scherben Majestät. Alle griechischen Vasen dienten am Ende als Stimmzettel dem„Ostrakismos", dem hohen Scherbengericht. Wenn Ew. Majestät sich auf ein Zeichen, ein Gottesurteil verlassen wollten: eine Scherbe in dieser Form hieß„unschuldig!“ Brühl wurde ersucht, die Beratung des Kabinetts nicht weiter zu stören. Er verließ die Sitzung. Sie ging in lederner Diplomatensprache weiter. Welchen Preis wollte man Friedrich Wilhelm für die Auslieferung der Cosel bieten? Brühl wartete draußen. Er sah Posadowski in das Kabinett eintreten, zerfurcht und kummerbeschwert. Nach einer Stunde kam er mit einem für ihn glücklichen Angebot wieder heraus. August erklärte sich bereit, für die Cosel und ihren Vertrag die erste Kompanie des Regiments Sulkowski nach Potsdam zu schicken. Brühl durchmaß das Vorzimmer nach allen Richtungen, längs und quer, nach den Mustern des Parketts, rechtwinklig dazu. Der Boden bebte; August stapfte vorüber, er grüßte tief, wurde nicht beachtet. Die Sonne stieg und sank. Brühl wartete. Er dachte an den Mann unter den Fliesen, der bei jedem Kreischen der schweren Türangeln zusammenfuhr, denn einmal trat aus dieser Pforte der Künder eines grausigen Endes. Am späten Abend bebte wieder der Boden unter dem schweren Tritt, den nur einer hatte. Brühl fuhr zusammen. Der Schritt hielt vor ihm an. Er verbeugte sich und hörte: „Die Vase war doch kein echter Exekias. Eine Fälschung. Gut, daß sie weg ist.“ Brühl griff in die Tasche und hielt die Scherbe des attischen Töpfers hin: „Es war eine Exekias, Majestät.“ „Kaufe ich echte Vasen, um sie zu zerschmeißen?“ „Eure Majestät belieben es jedenfalls mit Menschen so zu machen.“ „Menschenopfer wird mir keiner nachzusagen haben!“ schrie August. Brühl sah ihm ins Auge:„Es wird eine Zeit kommen, da die Nachwelt Eure Majestät nach diesen kleinen Scherben beurteilen wird.“ August legte Brühl die Hand schwer auf die Schulter: „Lassen Sie die Cosel aus dem Spiel. Sie verstehen nichts davon! Sie muß aus meinem Herzen gewaltsam ausgejätet werden. Ich finde sonst den Ansatz zu dem großen Bogen nicht. Wenn Sie Ihr Tagebuch schreiben, setzen Sie das hinein, damit man mich später begreift.“ „Zugegeben, Majestät. Aber dann müßten wir alle dem Mann dankbar sein, den die Vorsehung brauchte, um die Gräfin Cosel Ihres Vertrauens als unwert zu beweisen. Es gibt so wenig Menschen, deren Wirken uns Glück bringt. Man soll einen solchen Talisman schonen. Er kann noch mehrmals nützlich sein.“ (Fortsetzung folgt.) Seite 11 Nr. 195= Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 21. August 1936 Wrarsche Die sisen diestell surltel. Die Abschlüsse von 1500 Aktien=Gesellschaften Im Geschäftsjahr 1985 haben sich die Voraussetzungen für eine rentable Wirtschaft weiter beträchtlich ge#essert. Die stärkere Ausnutzung der Produktionsanlagen infolge des erhöhten Umsatzes und der steigenden Beschäftigung senkte bei den Unternehmungen die fixen Kosten immer mehr, so daß die Gewinnüberschüsse zunehmen konnten. Zwei Erscheinungen haben eine allzu starke Zunahme der Gewinne beeinträchtigt: das Ansteigen der Rohstoffpreise und die geringen Ausfuhrerlöse. Allerdings darf nicht übersehen werden, daß die Zunahme der Ausfuhr bei vielen Unternehmungen zum mindesten daga beigetragen hat, die fixen Kosten zu senken und dadurch das inländische Geschäft ertragreicher zu gestalten. Kaum noch Verluste Nach einer Untersuchung in„Wirtschaft und Statistik", die die Abschlüsse von 1500 Aktiengesellschaften behandelt, deren Bilanzstichtage zwischen dem 1. Oktober und dem 81. Dezember 1985 liegen und deren Kapital 47 Prozent des Kapitals aller deutschen Aktiengesellschaften ausmacht, ist der Reingewinn von 481 auf 514 Millionen Reichsmark oder um 7 Prozent gestiegen. Einen ganz scharfen Rückgang weisen die Verluste von 146 auf 80 Millionen Reichsmark auf. Sie sind auf ein Fünftel zusammengeschmolzen. Im Verhältnis zum Eigenkapital hat sich der Jahresgewinn von 4,7 auf 5,1 Prozent erhöht, der Jahresreinverlust dagegen von 1,4 auf 0,3 Prozent vermindert. Der Gewinnsaldo aus Jahresreingewinn und=verlust hat von 8,8 auf 4,8 Prozent zugenommen. Neuanlagen niedriger als Abschreibungen Auch in der Entwicklung der Bilanzkonten zeigt sich eine zunehmende Festigung der Bilanzstruktur. Fast alle wichtigen Konten sind gegenüber d. V. erhöht. In einigen Wirtschaftszweigen und einzelnen Unternehmen machen sich Anzeichen einer stärkeren Investitionstätigkeit in einem Zuwachs der Anlagen bemerkbar. Jedoch ist die Beschaffung von Neuanlagen auf 1935 noch insgesamt kleiner gewesen als die Summe der Abschreibungen. Fusion statt Beteiligung Die Zunahme der Beteiligungen war zumeist gering. Obgleich Ansatze zu neuen Konzernbildungen zu beobachten sind, wirkten sich vielfach die erleichterten Bedingungen für die Fusion von Unternehmungen dahin aus, daß die Beteiligungskonten zurückgingen. Die Zunahme des Effektenbesitzes hat sich verlangsamt. Vereinzelt ist der Effektenbestand bereits zurückgegangen, weil die in Wertpapieren angelegten flüssigen Mittel zur Durchführung neuer wirtschaftlicher Aufgaben benötigt wurden. Vorräte steigen die gleiche aeg ale haben sich um 17 Prozent, die Vorräte von Fertigwaren um 10 Prozent erhoht. Bankguthaben dienen zum Wiederaufbau Die Forderungen und Vorausleistungen haben sich nur ganz wenig um 1,8 Prozent erhöht. Es ist jedoch zu berücksichtigen, daß Bankguthaben in großem Umfang abgehoben wurden, um Betriebsmittel fur den Wiederaufbau des Geschäftes zu gewinnen. Die Bankguthaben sind gegenüber dem Vorjahr um 80 Millionen Reichsmark oder 9 Prozent. zurückgegangen. Bunahme der Unterstützungsfonds Auf der Passivseite hat sich das eingezahlte Aktienkapital noch etwas vermindert. Hauptsächlich handelt es sich um einzelne größere Kapitalherabsetzungen oder um eine Verminderung des AK. bei Fusionen. Die offenen Reserven sind infolge Auflösung vorheriger Sanierungskonten zurückgegangen. Die Arbeiter= und Beamten-Unterstützungsfonds haben zugenommen. Wandlung in der Verschuldung. Neuemissionen haben nur ganz vereinzelt stattgefunden. Die laufenden Tilgungen und Rückzahlungen mußten eingehalten werden. Infolgedessen hat sich die langfristige Verschuldung der meisten Gewerbegruppen weiter vermindert. Die kurzfristige Verschuldung hat sich beträchtlich erhöht. Dabei sind die Bankschulden um 7 Prozent zurückgegangen. In der Zunahme der kurzfristigen Verschuldung, der Schulden aus Warenlieferungen und Kundenanzahlungen spiegelt sich die starke Geschäftsbewegung wider. Die Dividenden=Ausschüttung Die ausgeschüttete Dividendensumme hat sich von 374 auf 395 Millionen Reichsmark erhöht. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme um 14 Prozent. Die Dividende ist also stärker gestiegen als der Reingewinn. Der Anteil der Dividende am Reingewinn erhöhte sich von 72 auf 77 Prozent. Nachdem in den Vorjahren ein großer Teil der Reingewinne noch zu Abdeckungen von Verlusten verwendet werden mußte, konnten 1985 die Aktionare, die z. T. seit Jahren keine Dividende erhalten hatten oder sogar Kapitalopfer hatten bringen müssen, wieder in größerem Umfang mit einer Dividendenzahlung bedacht werden. Die durchschnittliche Dividende hat sich von 4,1 auf 4,7 Prozent erhöht. Auch in den einzelnen Gewerbegruppen ist im allgemeinen die Durchschnittsdividende geblieben. Nur bei den Versicherungsgesellschaften und bei den Brauereien und Mälzereien ist die Durchschnittsdividende infolge der Abnahme der Jahresgewinne gesunken. Schulden=Konsolidierung bei Ewald— König=Ludwig In der gestrigen Aufsichtsratssitzung der BergbauAG. Ewald—König=Ludwig wurde beschlossen, eine ao. GB. auf den 23. September 1936 einzuberufen, die über die Erhöhung des Aktienkapitals um 10,6 Millionen Reichsmark auf 40 Millionen Reichsmark und die Ausgabe einer 5prozentigen Obligationsanleihe in Höhe von 30 Millionen Reichsmark Beschluß fassen soll. Durch die hierdurch hereinfließenden Mittel wird es möglich sein, sämtliche Bankverpflichtungen, soweit sie nicht unter das deutsche Stillhalteabkommen fallen, abzudecken, so daß alsbald die Schulden der Gesellschaft endgültig konsolidiert sind. Die neuen Aktien wie auch die Obligationen werden von einem unter Führung der Deutschen Bank und Disconto=Gesellschaft stehenden Konsortium übernommen. Die Aktien sollen den Aktionären im Verhältnis von:1 zu pari angeboten werden. Der überschießende Betrag von 800000 Reichsmark wird bestmöglichst für die Gesellschaft verwandt. Die Aktien werden bereits für das Jahre 1936 mit halber Dividendenberechtigung ausgestattet werden. Die Banken haben zugesagt, den Aktionären wegen Einzahlung auf die jungen Aktien entgegenzukommen. Das gesamte Aktienkapital soll an der Börse eingeführt werden. Die Genehmigung des Reichswirtschaftsministeriums hierzu ist erteilt. Die Obligationen sollen zum Kurse von 98 v. H. an den Markt kommen. Der deutsche Hengst im Spiegel der Statistik Einer Aufstellung des Statistischen Reichsamtes über die deutsche Pferdezucht ist zu entnehmen, daß im Jahre 1985(ohne Saarland) rund 435000 Stuten von staatlichen und angekörten Hengsten gedeckt wurden. Gegenüber 1934 hat somit die Zahl der Stutenzuführungen weiter zugenommen, und zwar um rund 54 000 Tiere. Auf Grund der zunehmenden Bedeckungszahlen kann für 1936 mit einer weiteren Zunahme der Fohlengeburten und einer größeren Nachzucht an Pferden gerechnet werden. Beim Warmblut war die Steigerung der Bedeckungen erheblich größer als beim Kaltblut. Die Zahl der Stutenbedeckungen durch Warmbluthengste (einschließlich Vollblut) war 1935 um 29000— 18 Prosent, beim Kaltblut aber nur um 25000— 11 Prozent höher als 1934. Als wichtigstes deutsches Pferdezuchtgebiet steht wieder Ostpreußen mit 86 114 Stutenbedeckungen an der Spitze. Es folgen Hannover, Bayern, Westfalen, Schleswig=Holstein und die Rheinprovinz. Die Gesamtzahl der Zuchthengste stellte sich Anfang Mai 1986 auf 7178. Den weitaus größten Hengstbestand weist die Provinz Ostpreußen mit 1264 Tieren auf. Das Schwergewicht der deutschen Hengsthaltung liegt beim Kaltblut, das vor allem der Zucht eines schweren, zugkräftigen Pferdes mit ruhigem Temperament dient. Der Anteil der Kaltbluthengste ist am größten in der Rheinprovinz, in der Provinz Sachsen, in Bayern und in Westfalen. Warmblut war am stärksten verbreitet in Oldenburg, ferner in Hannover und in Pommern. Zahlenmäßig am größten ist der Bestand an Warmbluthengsten in Ostpreußen, wo allein 463 Tiere, d. i. nahezu ein Fünftel aller Warmbluthengste gehalten werden. Für ein gesundes Rabattwesen Wünsche des Schreibwaren=Einzelhandels Die Fachgruppe Papier, Schreibwaren und Burobedarf der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel veranstaltete vom 16. bis 18. August 1936 in Potsdam die erste Haupttagung seit ihrer Errichtung als alleinige Pflichtorganisation des gesamten deutschen Bürobedarfs= und Papierwaren=Einzelhandels. Neben sämtlichen Bezirksfachgruppenleitern nahm an der Tagung eine große Zahl von Amtsträgern und Mitgliedern aus dem ganzen Reich teil. Nachdem am Sonntag und Montag eingehende Besprechungen über die gegenwärtige Lage des Papierwaren= und Bürobedarfs=Einzelhandels stattgefunden hatten, erreichte die Tagung Dienstag mit der großen Mitgliederkundgebung ihren Höhepunkt. Aus dem Arbeitsbericht der Geschäftsführung geben wir folgende Einzelheiten wieder: Die ungünstige wirtschaftliche Lage vieler Mittel= und Kleinbetriebe in der Fachgruppe Papier, Schreibwaren und Bürobedarf ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß von seiten verschiedener Fabrikanten bei Bemessung der Mengenrabatte gegen den Grundsatz der Preiswahrheit in gröblichster Weise verstoßen wird. Erhebungen der Fachgruppe haben ergeben, daß ein Teil der Industrie dem Preisdruck der Großabnehmer in einem Maß nachgegeben hat, das wirtschaftlich in keiner Weise gerechtfertigt werden kann. Es ergibt sich die Tatsache, daß die Warenhäuser und Einheitspreisgeschäfte vielfach in der Lage sind, die Waren zu Preisen an die Verbraucherschaft abzugeben, zu denen die mittleren und kleineren Einzelhandler des Papier=, Schreibwaren= und Bürobedarffachs diese einkaufen müssen. Ein grundsätzlicher Wandel in der Rabattgestaltung wird als unerläßlich bezeichnet. Bei allen Verhandlungen mit den Fabrikanten hat sich die Fachgruppe in erster Linie für eine übersichtliche Rabattgestaltung im Interesse der Preiswahrheit eingesetzt und gefordert, daß die Preisermäßigungen, die im Behördengeschäft von seiten der Reue Gufhurel. für die Arbeitsämter Mit 1,17 Millionen Arbeitslosen wurden Ende Juli d. J. gut 80000 Arbeitslose weniger gezählt als zur gleichen Zeit des Hochkonjunkturjahres 1929. In seinem neuesten Wochenbericht stellt das Institut für Konjunkturforschung fest, daß die Arbeitslosigkeit als Massenerscheinung beseitigt ist und sich daher die Aufgaben der Arbeitsämter gewandelt haben. Es gilt vor allem, den Mangel an gelernten Arbeitskräften zu beseitigen und die Unterschiede in der Arbeitslosigkeit von Beruf zu Beruf und von Gebiet zu Gebiet auszugleichen. Stellt man die Zahl der Arbeitslosen aus 87 Berufen zusammen, in denen ein Mangel an Arbeitskräften bekannt geworden ist, so zeigt sich folgendes: Der Anteil der Arbeitslosen in diesen Berufen an der gesamten Arbeitslosigkeit ist seit Mitte 1988 von 26 auf 11 v. H. gesunken.— Während die Zahl aller übrigen Arbeitslosen um 69 v. H. zurückgegangen ist, sank die Zahl der Arbeitslosen in den Berufen, in denen die Arbeitskräfte knapp sind, um 89 v. H. Würde man diese Arbeitslosen nach Landesarbeitsämtern und Arbeitsämtern aufgliedern, so würde es sich zeigen, daß in einer Reihe von Gebieten in vielen Berufen praktisch keine Arbeitslosigkeit mehr herrscht. Ende Juni 1936 kamen im ganzen Reich auf 1000 Einwohner 19,9 Arbeitslose. In den Städten mit mehr als 100000 Einwohnern waren es 36,7, in den Städten mit 50000 bis 100000 Einwohnern 29,7 und in den kleineren Städten und Gemeinden 11,2. Daß die Arbeitslosigkeit demnach nicht nur Unterschiede entsprechend der Größe der Städte aufweist, sondern auch innerhalb der verschiedenen Großstädte erheblich voneinander abweicht, kann folgende Zusammenstellung zeigen: Auf je 1000 Einwohner kamen Arbeitslose in Breslau: 77,8, Plauen 64,2, Dresden 59,2, Aachen 58,2, Wiesbaden 57,7, Chemnitz 52,3, dagegen in Münster 8,8, Würzburg 8,8, Kiel 7,6, Braunschweig 7,5, Königsberg 5,1, Stuttgart 4,4. Wichtig ist auch, daß der Unterschied zwischen dem Verlauf der Beschaftigung und der Arbeitslosigkeit anzeigt, daß gegenwärtig mehr als 800000 Arbeitskräfte wieder im Produktionsprozeß stehen, die vorher nicht als Arbeitslose gezählt worden waren, da sie nicht zum Arbeitsamt kamen. Die unsichtbare Arbeitslosigkeit ist somit in Deutschland nahezu beseitigt. Anzmäßfige Sommerpteise Reichswirtschaftsminister gegen getarnte Inventur=Verkäufe Verschiedentlich haben sich Geschäfte über unlauteren Wettbewerb beschwert, der durch die mißbräuchliche und irreführende Verwendung der Bezeichnung„Sommerpreise“ in der Werbung verübt wurde. In einem Schreiben an die Reichswirtschaftskammer beschäftigt sich der Reichswirtschaftsminister mit diesen Dingen. Er sagt dazu u.., wenn diese„Sommerpreise", wie es vielfach den Anschein habe, nicht günstiger seien als die in den übrigen Jahreszeiten, dann könnte diese Täuschung des Publikums den Tatbestand des§ 4 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb erfüllen. Aber auch, wenn tatsächlich Preisvorteile geboten würden, liege in der Ankündigung von Sommerpreisen möglicherweise eine Umgehung der Anordnung des Ministers über Sommer= und Winterschlußverkäufe. Die Ankündigung könne so verstanden werden, als ob zu den Sommerpreisen Waren der vorhergegangenen Wintersaison besonders günstig abgesetzt wurden. Der Minister hält dieses Verfahren besonders dann für unerwünscht, wenn auf diese Weise Waren, die an den Sommerschlußverkäufen nicht teilnehmen, zum Verkauf gestellt werden. Schließlich weist er noch darauf hin, daß auch das Rabattgesetz hierbei verletzt werden könne. Er bittet schließlich die Reichswirtschaftskammer, den Mißbrauch der Bezeichnung„Sommerpreise" zu unterbinden. Fabrikanten bewilligt werden, abgebaut und eine Preisangleichung unter Senkung der Preise für die übrigen Verbraucher durchgeführt wird. Außer gegen diese Mißstände in der Rabattgestaltung wandte sich die Fachgruppe auch gegen offenbare Preisunterbietungen. Dem von der Fachgruppe durchgeführten Betriebsvergleich ist es zu verdanken, daß innerhalb des Fachhandels immer mehr Klarheit über die Kostengestaltung im Bürobedarfs= und Papierwarenhandel geschafft worden ist. Durch diesen Betriebsvergleich war es möglich, die Rentabilität der Mitgliedsbetriebe zu heben. Börsen weiter schwach Rhein.=Westsälische Wertpapierbörse in Düsseldorf Die leichte Erholung am Schluß der Vortagsbörse wirkte nicht nach. Die Haltung war weiter unlustig und die Kurse bröckelten meist erneut ab. An den Aktienmärkten wurden Farben ¾ Prozent niedriger gehandelt, Goldschmidt stark ermäßigt gefragt. Von Montanwerten hatten Vereinigte Stahlwerke mehrfach Umsätze zu verzeichneu, wobei der Kurs in der ersten Börsenstunde bis stark 1 Prozent nachgab. Auch Mannesmann waren im gleichen Ausmaß gedrückt; Rheinstahl wurden 1 Prozent und Hoesch bis 1¼ Prozent niedriger gehandelt; für die übrigen zeigte sich zu ermäßigtem Kurs einige Nachfrage. Elektro= und Kabelwerte geschäftslos bei verringerter Nachfrage. Von Versorgungswerten waren RWE. bei kleinen Umsätzen gut behauptet. Kaliaktien teils stärker gedrückt. Westeregeln waren 5 und Aschersleben 3 Prozent niedriger gesucht. Kleine Umsätze hatten Wintershall zu verzeichnen, die ¼ Prozent niedriger eröffneten und in der 1. Stunde bis ½ Prozent niediger gehandelt wurden. Von Maschinenwerten verloren Muag in der 1. Stunde 1 Prozent; dagegen blieb nach Rheinmetall=Borsig gute Nachfrage bestehen. Sonderwerte ebenfalls leichter, Westd. Kaufhof bröckelten bis ½ Prozent ab: auch Stollwerck lagen ½ Prozent niedriger im Markt, dagegen bestand nach Berger=Tiefbau etwas bessere Nachfrage. Die Kuxenmärkte lagen still und meist leichter. Von Kohlenkuxen wurden Langenbrahm und Carolus billiger gehandelt; auch Deutschland waren erneut etwas leichter im Markt, Braunkohlenwerte und Kalikuxe blieben nur genannt, wobei für eine ganze Reihe von Kalikuxen keine Geldkurse festzustellen waren. Rentenmärkte nicht einheitlich. Der Freiverkehr war nicht einheitlich. Von Kohlenaktien gaben Lothringen, die zunächst leicht anzogen, im Verlauf auf kleine Abgaben hin etwas nach. Ewald behauptet im Markt. Kaliaktien ohne Geschäft. Von Industrieaktien wurden Dyckerhoff=Wicking erneut leicht erhöht bezahlt. Humboldt=Deutz ebenfalls erholt im Markt, Dinnendabl knapp behauptet und Straßenbau Niederlahnstein 1 Prozent niedriger gehandelt. Berliner Börse Die Börse verkehrte wieder in schwacher Haltung. Die Verkäufe des Publikums halten an. Anderseits besteht kaum irgendwelche neue Unternehmungslust. Die Aktienmärkte hatten infolgedessen verschiedentlich neue und ziemlich beftige Einbußen zu verzeichnen. Montanwerte verloren bis zu 1¼ Prozent. Auf den übrigen Märkten lagen zahlreiche Werte über 2 Prozent niedriger, Westeregeln sogar minus 5 Prozent. Der Verlauf war unerholt. Es kam zu neuen Abschwächungen. Am Montanmarkt wurden die Anfangskurse teilweise ziemlich erheblich unterschritten. Harpen 1¼ Prozent unter Anfang. Auch Klöckner und Hoesch weiter abgeschwächt. Stahlverein und Mannesmann besser gehalten, ebenso Erdöl. Farben 160½, Chade gaben wieder stärker nach. Andere Elektrowerte weiter abgeschwacht, so Licht& Kraft und Schuckert, ferner RWE. Autowerte gingen weiter zurück, aber Muag gut gehalten. Zellstofswerte gaben noch nach. Auch Westd. Kaushof etwas niedriger. Die Börse schloß auf einzelnen Gebieten leicht erholt. Die Stimmung blieb aber trotzdem ziemlich unlustig und gegen den Anfang ergaben sich noch Kursabschläge. Die Anleibemärkte lagen kaum verändert. Altbesitz zog wieder etwas an, Kommunale Umschuldungsanleibe bröckelte ab. Einzelne Pfandbriefe und Kommunalobligationen zogen etwas an. Stadtanleihen nicht ganz einheitlich. Am Geldmarkt Tägliches Geld 2¾ bis 3 Prozent. Am Devisenmarkt notierten: Dollar unverändert.490, Pfund unverändert12,535 französischer Frank 16,395(16,40), Gulden 169.67 (169,16), Lira unverändert 19,59. Rhein=Mainische Abendbörse in Franksurt a. M. Am Aktienmarkt konnte sich die Erholung des Mittagsschlußverkehrs nur knapp behaupten, da zum Teil wieder etwas Angebot der Bankenkundschaft vorlag. Renten lagen still. Auch im Verlauf neigte die Tendenz am Aktienmarkt zur Schwäche, da weiteres Angebot herauskam. Im Durchschnitt betrugen die Rückgänge gegen den Berliner Schluß ¼ bis ¼ Prozent. Auslandsborsen Brüssel: Widerstandsfähig. Zürich: Aktien fester. Mailand: Geschlossen. Wien: Fest. Newyork: Unregelmäßig. London: Freundlich. Amsterdam: Befestigt. Paris: Unsicher. Getreidegrohmarkt zu Berlin Amtl. Preise. Getreide und Oelsaaten per 1000 kg. sonst per 100 ke * Berliner Elektrolytkupfer=Notierungen vom 20. August: 55,50(56,00) Reichsmark für 100 Kilogramm. Aluminium, 98 bis 99 Prozent, Bl.: 144 Reichsmark. Aluminium, Walz od. Draht: 148 Reichsmark. Rh.-Westf. Börse, Düsseldorf, 20. Aug. Mitgeteilt von Wilhelm Schwarz, Bankgeschäft, Bochum, Bongardstraße 14 Fortlaufende Notierungen Altbesitz 5% Hlossch RM. 6% Krupp RM. 8% Mittelstahl 6% Ver. St. RM. Buderus Dahlbusch St. Otsch. Atlant. Otsch. Erdöl D. Reichsbahn .6. Farbenind. Feldmühle Felten& Gulli Goldschmidt Harpen Hoesch-Köln Kall-Aschersi. 20. 8. /20. S. Div. Anfangl Schluß 102.12 103.62 103.25 111.50 Naase Steinkchler 20 f. j 10. 6. Geich Brief Geld Griefl Garolus M. 4550 4850 4 10050 Const. b. 6. 7200 7550 72007600 Deutschl. 350 380 355 385 Schwerin 4000— 1— Heinr. 110300 10800 10300 10800 Langd 13000 13800 1310013730 Draschehlen GuteHloffn. 3900 4 200 4000 4 300 Leonh. 10700 11200 10800 1140 20. 8. 119. 8. Kassa Schluß 113.25s118.25 102.12s102.50 103.62/103.62 99.50 103.25 103.37 111.50112.50 122.00124.00 118.50118.50119.00 Salzdetfurth 123.50123.00124.50) Schuckert& Co. 123.00123.004123.12 Siemens& Hal. 160.62/169.50|162.121 Gebr. Stollw. 129.50129.629131.50 Ver. Stahlw. 129.00128.75/130.00 Westd. Kaufh. 110.50 110.12/113.25 Westeregeln 125.00125.00127.50 Wintershall 106.50 106.62|107.75 Zelist. Waldhof 122.00 Michell1 3600 1430013600 14350 Vesta 10600 11100 1060011100 Bernharein.— 1425—1425 Kall Beienrode Burbach Neu-Staßt. Siegtr. lu.I vih. Mückgar=K. Mannesmann Masch. Untern.( 1116.“7 Reichsbank 1 /186.82 Rhein. Braunk. 12—. Rhein. Stahlw. 4/134.50 Rh.-.-Elek. 61130.00 153.5 187.00 114.00 106.64 52.25 115.00 122.00 20. 8.[20. S. /20. 8. Olv. Anfanel Schlub Kassa 31109 30 108.30109.31 19. 8. Schluß 110.75 105.87 116.25 94.371104.37 .37|116.12 18 75/186.751186.00 216.00 216.50s216.50 134.0 134.00 129.129.12 15.00152.75 166.50 186.37 1188 113.00113.00 105.87 105. 5106.75 52.00 52.12 —.—116.12 121.00121.00122.25 135.50 130.00 106.50 114.50 52.00 120.00 1130122311751225 5250— 5250 — 8007000 — s12500— 12500 Preiserkehe Steinkohlen- u. Braunk.-Nuxe 20. 8.. 19. 6. Bellerh. Geld Brieff Geld Brief Rensbach Reicheld. Thöringen Oierpardy 6100 6400 6100 Westtalen Kenücht 2860— 6400 4125 Zellkane 20. 8. 19. 8. Geld Brief Geid Brief ropnschn. Einigkeit Erichsseg Habigh. Heimbold Hope Disenburg Mariagl. Marie Marie L. Mar 2450 2600 5200 290 2800 2800 2800 3500 400 420 7300 3000 3000 3000 2800 Industrieaktien(E inheitsk.) Berg. 6. Dahl. V. Bonner Bg..H. Bösp. Walzw. Braunk. Zuk. Dortm.Ritterbr. Düss. Hoef.-Br. Düss. Masch. B. Oynamit.Nob. Eschw. Berg. V. Glas- u. Sp. S. 6lOckauf-B. A6. Hochtlef A6. Kabelw. Rheyd Kali-Chemie Molheim. Berg. Rhein. Metall Rhein. Spiegel. 0 Köln. 121.0 139.8 114.6 Colonia Rückv. Gladb. Feuerv. Köln. Hagelv. Köln. Lloyo A. V. Köln. Rückv. gr. Köln. Rückv. kl. 116.0 83.7 119.5 143.5 203.0 150.0 6200— 8200 69006500 6900 3400— 3400 2650— 2650 28002700 2900 56905250 5500 290— — 7300 2850 3000 2850 3000 2850 3000 — 2800 3730/3550 3850 490— 820— Berkahles Berlin. Hand. 6. Com.-u. Pr.-B. O. Banku..-G. Dresdner Bank Rb. W. Bb: Cr. B. Westd. B..-A. 127.3 124.0125.0 100.01000 100.5 100.2 101.0 101.0 124.9 94.0 Veroicherangecktler RAI. Aach.-Mönch.F 321— 1135 Aach. Rückversi 14. 8 203.0230.0 Agripp.., Fl.#.##— 887.0387.0 Alll.- u. Stuttg.W 9. 2/241.0243.0 Alll.-v. St..-V. 6. 81200. 0/201.0 Colonia..-V. K. 2. 4/137.|137.0 20..19.8. 265.0265.0 780.0780.0 95.0 250.0 117.0 — 78.0— 95.0 250.0 117.0 Rentenwerte 5 Rhw..-Cr. Ghyp.6 Pfd. S. 4. 6. 12. 10 97.0 97.0 dto. dto..1—.—. 5½ dto. dto. S. 11 1101.3s101.5 6 dto. Gold.-Kom 1926, 1927 S.—6 95.0 95.0 7½ Wd. Bod. Gpfd. 6— 8 dto. Em. 3, 9/12, 14 95.0 Freiverkehre-Aktien 20. 3. 19. 6. Geld Briefl Geid Brief Burb. K. 72.5 74. 5 72.0 75.0 Eisa C. 1119.01122.0s119.0123.5 E. Kö. L. /122. Cl126.0s122.0 Goedh. h 146.(153.0 125.0 Hann. K. Num b. Dil Kortum Lothrin. Lothr. v. Weue Masch.Kr Uch. Bere ph. Linel. WI. Dinn. w. Kupf. orek. Wiel 103. " 72.0 .01107.0 150.0s1540 102.5 94.50 91.0 76.0 74.5 86.0 38.5 108.0111.0108.0 93.0 95.0 93.0 72.0 105.5 67.0 94.0 72.0 72.0 72.0 131.0134.5131.0s134.0 96.0 89.0 111.5 96.0 Sleuerortechelee fullig ab f. 4. 1994 " I. 4. 1993 " I. 4. 1933 "" I. 4. 1927 "" I. 4. 1n0 19. 8. Berliner Börse, 20. Aug. Mitgeteilt von der Commerz- und Privat-Bank Filiale Bochum Reichsbankdiskont 4% Lombardzinsfuß 5% Einheltskurse Industriewerte 20..19.6. PEsgviatoren 112 200 0202 Anu 0 60.0 59. A. E. 6. 0 87.1/37.4 Anhalter Kohle 0/106.0107. Aschaff. Zeilst. 01118.0118. Dittmann Neuh.1 0.—. Otmd. Akt.-Brau. 10172.1 Union-Braus12 198. DOrener Metall Oyckersh. Widm S Basalt Bayr. Motoren Bemberg Berger Julius Bergmann El. Berl. Karter. Ind. " Kr. u. Licht „ Maschinend. Buderus Craf. Wasser Chem. Geisenk. Conti Gummi 0 86. 0 10. 6/135.1 83. 6/134. 138. 8153. 5/126. 4111. 0 87.0 2 10.2 1137.5 .0 84.0 .7 1138.6 0/153.6 5 P en: vrsch. Atlant. Otsch. Baumwolle " Conti Gas " Kabel " Linoleum " Steinzeug " Tel. u. Kab. " Eisenhand. 59/111. 41 11 8/11 12.2 97.01 173.0174.0 0123.0123.6 6/118.5/119.0 106.01107.7 6/143.5 8/165.7/168.0 9 7139.0— 4131.0132.0 lektr. Lieferg. . Licht u. Kr. Engelh. Brauere Enzinger Union Felajute Gebar n cc. German. Cem. Ges. f. ei. Untern. Gildemeister Gladb. Wolle Gruschw. Textll ussonocke 6/125. 7141. 0 93. 6117. 1172.8 0198.0 30 0126.0 0149.3 7 94.1 0 81133.5135.0 110.0112.0 133.6133.5 147.5152.0 107.0101.8 109.0111.0 IM ·sssche Draht nageda Hamb. Elektr. Hindr.-Aufferm. Hoftmann Stärke Hohenlohewerke Holzmann Ph. Hotelbetr.-Ges. 1 Sebes Jise Genus osenbeck Brau. Junghans Gebr. 65 61 132.6132.5 6/114.2114.5 8142.0142.0 6/126.0130.5 143.0 135.6 124.6125.5 82.6 83.5 6/161.51161.5 6135.|135.0 0 97.8 K·Sase ne Korner 6as Krettt W. Kromschroeder Kronprinz Metall Küppersbusch ahmever L Laurahütte Leopoldsgruben Lindes Eis Lingnerwerke Lorenz C. -zir. Hotte mlag Mimosa Mülheimer Berg. 6/127.21127.5 3 74.2 75.2 75.5 75.5 5106.0s108.0 75 6 7139.1/140.0 0 20.7 20.2 111.0111.5 8156.0 8154.0 49—. 156.0 156.0 135.0 0109.5 10146. 6130.0 0/14 111.5 49.0 gra st 4 oppel o 92.1 venabr. Kupfers 6—. Pongs& Zahn Rbein. El. Werte Khein.-W. Kalk Riebeck Montan Rütgemeace 19 6127.0 6/131.0 .2 6/126.1 8 Sssat Sarotti Schlege Schles. Berg. u. Z. " Berg. Beuth. „ Elekt. u. 6as Schub.& Salzer Schultheis-Patz. Siegersdorfer W. Siemene Glas 28 S 97.0 5/120.2 37.7 98.2 134.5 10138.01137.5 5107.7 5s118.5 110.5 106. 5117. 4199.5 83.5 |129. 9132.( 127.21 96.6 Siem.& Halske Stollberg. Zink rhüringer 6as Tuch Aachen Union chem. 8186.5188.2 0 76.0— 132.5133.5 7—. 101.7 S112.0112.5 er. Otsch. Nickell 8—. 160.0 Ver. Glanzet. Ver. Ultramarin Vogel Draht magner& Co, W W a n d e r e r w. Warsteiner Grub. Westfalen Draht Wickdler Brau. —. .23 125 5 6130.1130.1 915 5112.8113.21 6163.0164.0 75.7 77.0 5 Verhchranorte A. 6. für Verkehr Boch.-Geisenk. Hamb. Amer. Pak. Hamb. Südamer Norad. Lieye 3112.7113.6 0—. 14.9 14.3 0 41.0 41.0 0 14.5/ 14.5 Resteanerte 15 Dt. R. Schatz. 41 4 Ot. R. Anleihe 44 55 D. R. Vounganl. 4 Reichsbahn Sch. Westfalen Altbesitz ½5 Bochum Anl. 45 Duisburg. Anl. 45 Düsseld. Anl. 45 Elberfeld. Anl. 45 Essen Anl. 99.2 117.0 92.0 93.1 93.0 99.5 97.8 102.7 99.2 117.0 93.1 45 Mölb.-Ruhr Anl.—. 6 Ruhrverbd. Anl. 36 45 Pr. Ldpf. A. Pfd. 97. 4# Ldbk. Westf. Pfd. 95 45 Ldbk. Westf. Kom. 93. 410t.Komm. Goldan! 4 Westf. ldsch. Pfd. 440t. Hyp. B. Bin. Pfd. 45 Pr. Centr. Bod. Pfd. 45 Pr. Pfdbr. Bk. Pfd. 4 Basalt Obl. 6 Concord. Berg. Obl. 6 Daimler Benz Obl. 6 Klöcknerw. Obl. 6 Mont Cenis Obl. 4 Ver. Stahl 80 45 Ver. Stahl 47/31 6 Ver. Stah 6 Siem. u. H. Obl. 6 Farbenbonds Umsch. Anleihe 93.0 — S 97.5 3 95.3 93.6 6 95.7 3 0 96.0 2 96.2 0 97.0 91.5 5— 7106.7 0101.1 3103.5 1 9 4. 6 0 95.5 S 99.5 167.0 2126.0 6 87.7 R. Schuldb. F. 28 R. Schuldb. F. 38 R. Schuldb. F. 40 R. Schuldb. F. 42 R. Schuldb. F. 43/8 5 Essen Steink. 42 45 Harpener 49 45 R. W. E. 52/8 5 R. W. E. 50 55 Ruhrchemie 43 45 Ruhrgas 53 45 Ruhrwasser 83 41 Ruhrwohng. 59 45 V. E. W. 32 20.8 /20. 8. Geld Brief 99 8—. 99.0 97 8 97.6 99.01005 94.5 95.5 93 2 94.7 99.5101.0 94 5 96.0 95.0 96.0 92.5 93.5 94.0 95.2 92.2 93. Westtalenbank.-G. Bochum Ausführung samtlleher Bankgeschafte Gäferkariermnzmeder. Wenn Sie Wertpapiere kaufen oder verkaufen wollen, sprechen Sie mit uns. Wir erteilen ihnen gern kostenlos unseren fachmännischen Rat unter Wahrung Ihres persönlichen Interesses. Commerz- und Privat-Bank Filiale Bochum Wilhelmsplatz-4, Fernspr.soost Seite 12 Nr. 195 7 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 21. August 1936 Nachrichten aus Groß=Bochum Kleine Aneirungen aus den=Siadnenen Stadtteil Hordel Hochbetagt. Seinen 71. Geburtstag feiert heute in voller Frische der Reichsinvalide Wilhelm Otto, SechsSchwestern=Straße 74. Der Jubilar war einige Jahrzehnte im örtlichen Bergbau tätig. Zum Geburtstag gratulieren sieben Kinder und mehrere Enkel. Noch ein Dammbruch. Neben dem schon gemeldeten Dammbruch riß auch der Damm des Hüllerbaches nahe der Bertastraße. Hier wurde allerdings kein erheblicher Schaden angerichtet. Gestern war man hier mit den Ausbesserungsarbeiten beschäftigt. Bodenschäden. Im evangelischen Gemeindehause auf der Hannoverstraße sind wieder starke Bodenschäden aufgetreten. Die Wände weisen teilweise große Risse auf. Stadtt eil Hamme In gesegnetem Alter. Der Alterspensionär Jakob laeder, Gahlensche Straße 157, wird Sonntag 86 Jahre alt. Er erfreut sich noch guter körperlicher und geistiger Frische. Es gratulieren ein Sohn und sieben Enkelkinder. Fahrt zum Rhein. Am Sonntag unternimmt die Gefolgschaft von„Carolinenglück“, eine Fahrt an den Rhein. Sie soll bis Koblenz führen. Den falschen Verein abgeholt. Am letzten Sonntag unternahmen zwei Hammer Vereine Ausflüge, der eine wollte zum Sauerland, während sich der andere das Rheinland als Ziel ausgesucht hatte. Der Au der hier wenig bekannt war, sah plötzlich za ausflugsfertige Passanten an der Ruhrschnellstraße stehen und hielt hier auch. Er erkundigte sich vorsichtshalber, ob das der Hammer Verein sei. Die Mitglieder stiegen ein und gondelten dann auch kreuzvergnügt ab. Als sie aber bemerkten, daß die Fahrt in ganz verkehrter Richtung ging, machten sie den Fahrer darauf aufmerksam, der natürlich mehr als erstaunt war und seine Fahrtanweisung nachsah. Nun erst stellte sich der Irrtum heraus. Schleunigst kehrte man nach Hamme zurück, wo der richtige Wagen„bggeits wartete und ebenso auch die Mitglieder des Vereins. Glücklicherweise war die Fahrt noch nicht zu weit gegangen. Die Ausflüge selbst sollen trotz dieses Zwischenfalls noch recht harmonisch verlaufen sein. Stadtteil Hofsiede=Marmelshagen Hohes Alter. Der Eisenbahnpensionär Michael Nagengast, der bei seiner Tochter Ehefrau Helling, Herner Straße 318, wohnt, kann heute sein 76. Lebensjahr in der besten Gesundheit vollenden. Seinen Geburtstag verlebt er auf einer Erholungsfahrt am Rhein. 40 Jahre war er bei der Reichsbahndirektion Köln tätig. Der„B..“ wird noch täglich von dem alten Herrn gelesen. Drei Kinder und fünf Enkelkinder bringen ihre Glückwünsche dar. Arbeitsschulung der DAF., Betriebsgemeinschaft „Constantin“ 1/2 und 8/9. Heute findet in der Reihe der Vorträge über Berufserziehung im Josef=Wagner= Heim auf der Poststraße ein weiterer Vortrag unter Leitung von Steiger Hagedorn statt. Thema: Praktisches Rechnen aus Arbeit und Beruf(Lohnberechnung). Dauer von 18.30 bis 20.30 Uhr. Heimabend. Am vergangenen Dienstag hielt die Werkschar von„Constantin“ einen schön verlaufenen Heimabend ab. Festreiches Wochenende. Das kommende Wochenende bringt für unseren Stadtteil eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Zunächst einmal steigt bei Diederichs das große Volksfest der DAF. Marmelshagen.— Bei Bergmann veranstalten die Schützen ihr Sommerfest. Auch hier wird es mancherlei Unterhaltungen geben.— Bei Kepper hat der Bergmanns=Unterstützungsverein „Schlägel und Eisen“ sein Stiftungsfest und verbindet damit gleichzeitig die Ehrung der diesjährigen Jubilare. — Endlich steigt noch die zweitägige Gefolgschaftsfahrt der Zeche„Constantin“ an den Rhein. Jägerkameradschaft. Ein Uebungsschießen veranstaltete die Jägerkameradschaft. Die besten die Kameraden Bücker, Genicke, Goebel und Hütte. Nach dem Schießen fand die Monatsversammlung statt. Beschlossen wurde, Mitte September eine Fahrt zum Rhein zu unternehmen. Für den Herbst ist eine Familienfeier vorgesehen. Dann hielt Kamerad Horn einen beifällig ausgenommenen Vortrag über das Thema:„Jagdbare Tiere in unseren deutschen Wäldern", der durch verschiedene Bilder trefflich erläutert wurde. Aus dem Schützenleben. Zum Bataillonsschießmeister wurde Leutnant Hegemann von der 6. Kompagnie bestimmt. Von der 5. Kompagnie ging Kamerad Heckt mit 34 Ringen als bester Schütze der Kompagnie hervor, von der 4. Kompagnie Schütze Nelles mit 36 Ringen. Die Mannschaftsriege der 5. Kompagnie zum Pokalschießen bilden die Schützenkameraden: Heckt, Bernar, Tinz, Schriewer, Schmandt, Oberscheidt., Kraus, Vorhoff, Röllecke und Feldhege. Bei der., 2. und der 4. Kompagnie ist man mit der Aufstellung einer guten Kernmannschaft beschäftigt. Kinderschützenfest. Auf der Hordeler Straße veranstalteten die Kinder am Mittwoch genau nach dem Vorbild der Erwachsenen ein Schützenfest, zu dem die Eltern bereitwilligst beigesteuert hatten. Fröhliche Spiele vertrieben die Zeit bis zum Kaffeetrinken. Dann unternahm man einen kleinen Umzug. Das Schützenkönigspaar wurde in einem reich geschmückten Leiterwagen mitgeführt. Jedenfalls brachte der Nachmittag der Jugend viel Freude. Ueberfahren. Auf der Verkehrsstraße wurde am Dienstag abend der 14jährige Karl W. aus der Moritzstraße von einem Pferdekarren überfahren. Er wurde mit inneren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Stadtteil Riemke Zur letzten Ruhe. Am Donnerstag fand auf dem Riemker Friedhof der Betriebsassistent Gustav vom Hagen seine letzte Ruhestätte. Zahlreiche Arbeitskameraden und ein großes Trauergeleit begleiteten ihn auf seinem letzten Gang. Auf dem Friedhof fand eine würdige Trauerfeier statt. Werkssiedlung. Die Vorarbeiten zur Errichtung einer Werkssiedlung der Flottmannwerke an der Flottmannstraße sind jetzt abgeschlossen. Man wird in Kürze mit den Bauarbeiten beginnen. Der Generalbebauungsplan ist nach Gesichtspunkten der Bewirtschaftung eigenen Grund und Bodens und der Kleinviehhaltung aufgestellt und sieht 1000 Quadratmeter Land für jede der 70 bis 80 Siedlerstellen vor. Diese Werkskolonie wird in der Nähe der Werksanlagen zu liegen kommen. Unterhaltungsnachmittag. Einen schönen Unterhaltungsnachmittag veranstalteten die Knappschaftsbeamten= invaliden. Kamerad Werth(Bochum) hielt eine Ansprache. Musikalische Darbietungen der Kapelle Zimmer und andere Unterhaltungen verschafften frohe Stunden. Dampferfahrt. Das Mandolinen=Konzertorchester macht am Sonntag eine Dampferfahrt nach Lippolthausen. An den Unfallfolgen gestorben. Der kürzlich schwer verunglückte Volksgenosse Walter Küster von hier ist am Mittwoch an den erlittenen Verletzungen gestorben. Er stand im 28. Lebensjahr und war ledig. Ein Bruder kam vor einigen Jahren ebenfalls durch einen Unfall zu Tode. Unfall. Auf seiner Arbeitsstelle erlitt Erich L. durch einen Unfall einen Oberschenkelbruch. Der Verletzte wurde dem Krankenhause zugeführt. Schäden durch einen Wasserrohrbruch. Gestern vormittag entstand auf der Straße Am Gartenkamp ein Wasserrohrbruch. Die Wassermengen konnten einen unterirdischen Abflußweg zu den Kellerräumen finden. Bevor jedoch größere Schäden angerichtet wurden, war bereits das Wasserwerk verständigt, so daß sofort die erforderlichen Reparaturen vorgenommen werden konnten. Stadtteil Grumme=Böde Eine Rheinfahrt mit„Kraft durch Freude" bis Mainz. Ueber 800 Volksgenossen aus dem hiesigen Ortsteil treten am Sonntag mit der NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ eine Fahrt nach dem Rhein mit dem Endziel Mainz an. Die Abfahrt erfolgt morgens um 5 Uhr mit An der Kreuzung Emscherstraße— Josephstraße geht die vierte Eckbaulücke ihrer Beseitigung entgegen. Der Schuhmachermeister Karl Rosteck hatte im Jahre 1932 einen kleinen Geschäftspavillon errichten lassen, der jetzt durch Aufstockung um 27 Zimmer erweitert wird. In dem Rohneubau fand am Samstag das Richtfest in schlichter Weise statt. Der bauleitende Architekt Aug. Winter hielt die Richtfestrede, worauf der Bauherr K. Rosteck mit kurzen Worten seinen herzlichen Dank den schaffenden Bauleuten aussprach. Die Feier verlief ganz nach Handwerksart. Aufnahme: Rostock der Eisenbahn bis Koblenz und von hier aus erfolgt die Weiterfahrt mit dem Dampfer bis Mainz. Da noch einige Plätze für diese Fahrt frei sind, können sich noch Volksgenossen für die Teilnahme bei der Verwaltungsdienststelle der Deutschen Arbeitsfront, Castroper Straße Nr. 248, melden. Die Unkosten betragen einschließlich Fahrt, Unterkunft und Verpflegung 12,90 Mark. Die Anmeldung muß sofort erfolgen. Aus der Heilig=Kreuz=Gemeinde. Auch in der HeiligKreuz=Gemeinde findet im Rahmen des LiboriusJubiläumsjahres, eine Eucharistische Familienwoche statt, die in der Zeit vom 20. bis 27. September gehalten wird. Die Vorträge, die allabendlich um 8 Uhr sind, werden gehalten von Pater Luzius aus dem Franziskanerkloster in Dorsten. Stadtteil Wiemelbausen Verschönerung des Stadtbildes. Die brüchige Steinmauer mit dem stark beschädigten Eisengitter vor den Zechenwohnungen stand in einem krassen Gegensatz zu den freundlichen Vorgärten der neuen Eigenheimsiedlung. Jetzt läßt die Verwaltung der Zechenhäuser den alten Zaun niederlegen, an dessen Stelle ein freundlich wirkender Lattenzaun errichtet werden soll. Allendräsantei=Rufzeerichtee Kameradschaftsfeier. Der Verein heimattreuer Ostund Westpreußen, Ortsgruppe„Auf der Prinz“, veranstaltete in den Gartenanlagen des Kameragschafts: heims D. Wahl, Buselohstraße, einen Kameradschaftsabend. Nach einer Begrüßungsansprache des Kameradschaftsführers Ferdinand Salewski nahm die Feier ihren Anfang. Nach dem Wurstessen der Kameraden und nach dem Kaffeetrinken der Frauen wurde unter den Klängen der Musikkapelle feste getanzt. Noch bis spät in die Abendstunden hinein blieb man in fröhlicher Stimmung zusammen. Kleingärtnerverein„Auf der Prinz“. In den Gartenanlagen der Kleingärtner„Auf der Prinz“ an der Brelohstraße ist vom Sturm und von dem Gewitterren großer Schaden angerichtet worden. Ein großer Teil der jungen Bäume wurde entwurzelt, viele Sträucher sind weggeschwommen. Die Lauben standen teilweise ganz unter Wasser. Man mußte das Regenwasser mit Pumpen in einen Kanal an der Brelohstraße ableiten. Bedauerlicher Unfall. Auf der Arbeitsstätte wurde beim Ausschlacken der Maschine am Donnerstag früh der Arbeiter Franz Wi., Goystraße, von Uebelkeit plötzlich befallen. Er schlug mit dem Hinterkopf so hart auf, daß er besinnungslos liegenblieb. Im Krankenhause, wohin man den Bedauertswerten sofort brachte, wurden eine Schädelverletzung und eine schwere Gehirnerschütterung festgestellt. Das Wohnhaus auf dem Kirmesplatz. Auf dem freien Platz an der Wittener Straße, auf dem früher Schausteller ihre Künste zeigten, entsteht ein schöner Neubau. Der Bau des großen Hauses ist bereits so weit vorgeschritten, daß es im Herbst bezogen werden kann. Stadtteil Laer Im biblischen Alter. Der Schmiedemeister i. R. Wilhelm Brune, Heintzmannstraße, begeht am Freitag im Kreise seiner Familie seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar ist sowohl körperlich wie geistig noch recht rege. Stadtteil Langendreer gesegnetem Alter. Ehefrau Wilhelmine Schmidt, Wittenbergstraße 27, wurde gestern 76 Jahre alt. Sie empfing viele Glückwünsche. Stadtteil Werne Ausgebessert. Die Bürgersteige der Rüsingstraße, die sich teilweise in einem sehr schlechten Zustand befanden, sind in diesen Tagen nunmehr ausgebessert worden. Große öffentliche Kundgebung. Der Haus= und Grundbesitzerverein veranstaltet im Laufe der nächsten Woche eine große öffentliche Kundgebung, an der nicht nur die Mitglieder des Haus= und Grundbesitzervereins, sondern auch alle anderen Volksgenossen des hiesigen Stadtteils teilnehmen können. In der Versammlung wird man sich in erster Linie mit kommunalen Fragen des hiesigen Stadtteils befassen. Ferner soll in dieser Versammlung über postalische Verhältnisse des hiesigen Stadtteils, über die Wiederinbetriebnahme der Drahtwerke und die Durchführung einer Winter=Werbeaktion der hiesigen Geschäftswelt gesprochen werden. Stadtteil Steinkuhl Das Heimatfest beginnt. Am morgigen Samstag. nachmittags.30 Uhr. beginnt für Bochum=Steinkuhl das große Ereignis, das Heimat= und Volksfest, das zu einer traditionellen Veranstaltung werden soll. Alles ist in freudiger Erwartung der Dinge. die da kommen sollen, denn es soll ja ein Gemeinschaftsfest werden, an dem sich die gesamte Bevölkerung ohne Ausnahme beteiligen wird. Steinkuhl muß hier beweisen, daß der Wille zur Volksgemeinschaft kein bloßes Gerede, sondern Wirklichkeit ist, und niemand darf sich ausschließen. Mit Stolz werden morgen die Steinkuhler Volksgenossen ihre alten Trachten, die Kleidung ihrer Väter, die ihnen lieb und wert ist, tragen und den Dialekt ihrer engsten Heimat zu Ehren bringen. Der ganze Ort soll an den Festtagen im Festschmuck prangen und kein Haus ohne Fahne sein! Auch die Bewohner der Straßen, durch die der Festzug geht, werden nochmals gebeten, zu flaggen. Auch alle anderen Volksgenossen sind herzlichst eingeladen und willkommen. Jeder Deutsche kann an diesem Feste teilnehmen. Das Heimat= und Volksfest wird in Verbindung mit der NS.=G.„Kraft durch reude" durchgeführt. Der Eintrittspreis beträgt für jede Veranstaltung 50 RM. Eine Dauerkarte kostet 1 RM. Karten sind in der Verkaufsstelle Bochum, Kortumstraße 62, zu haben. Stadtteil Weitmar Und nedes Eeden=dici aus den Runen Auf dem Platze der abgebrochenen Zeche„Constanze“ in Langendreerholz entsteht eine schmucke Siedlung AE W * 1/8 T2 1 Sie hat nur ein kurzes Leben geführt, die nach dem Weltkriege abgeteufte Zeche„Constanze“ in Landreerholz, denn schon nach einem Jahrzehnt verfiel sie dem Abbruch. Im Volksmunde hieß diese Schachtanlage „Zeche Riewekauken", weil ihr erster Obersteiger ein großer Verehrer der mit Recht beliebten Reibeplätzchen alias„Erappelspannkauken" gewesen sein soll. Jahrelang lagen die Trümmer der abgebrochenen Bauwerke da, überwuchert von Unkraut. Nur die große Maschinenhalle war noch vollständig erhalten, ein Paradies für Ratten und Mäuse. Bis sie vor einigen Jahren von einer Firma aus Werne übernommen wurde, die in den geräumigen Hallen eine neuzeitlich eingerichtete Möbelfabrik eröffnete. Der Zechenplatz wurde mehr und mehr aufgeräumt— nur einige mächtige Betonklötze ..-Muthherr zeugen von dem was früher war. Dagegen ersteht auf dem frei gewordenen Gelände eine schmucke Siedlung, die sieben Häuser umsaßt, von denen einige bereits bezogen sind, andere der Vollendung entgegengehen. Die Lage ist reizvoll, in unmittelbarer Nähe befindet sich ein kleines Wäldchen, das dem Bauer Ruhr gehört. Man hat von der Höbe der Gemarkung aus einen prächtigen Ausblick. ap. Ein Wohnblock im Entstehen. Gegenwärtig entsteht auf dem bisher als Gärten benutzten Grundstück Ecke Hattinger und Feuerbachstraße ein Wohnblock, dessen Bauten bereits bis zur ersten Etage hochgezogen worden sind. Hier werden mehrere Wohnhäuser mit vier Etagen errichtet. Auf dem früheren Zechengelände „Gerta Maria“ an der Hattinger Straße ist man mit der Errichtung zweier Wohnhäuser beschäftigt. Vor einigen Tagen hat man hier einen größeren Wohnhausneubau unter Dach und Fach gebracht. Der noch freie Teil an der Hattinger Straße wird in##### restlos bebaut. Verkehrsunfall. Am 19 August stürzte auf der Hattinger Straße, Ecke Blankensteiner Straße, ein Kraftradfahrer mit seinem Rade. Er wurde verletzt und auf Anordnung des hinzugezogenen Arztes dem Elisabeth=Krankenhaus zugeführt. Stadtteil Stiepel Radfahrerunfall. Auf der Kemnader Straße ereignete sich am Mittwoch ein Unfall. Ein Radfahrer hatte die Gewalt über sein Rad verloren und fuhr gegen einen Baum. Durch den Anprall wurde er besinnungslos und flog in den Graben. Dr. Gilbert leistete die erste Hilfe und ordnete Ueberführung ins Krankenhaus an. Stadtteil Linden=Dahlbausen Volksmusikabend in.=Dahlhausen der DAF. Wie bereits mitgeteilt, findet am Samstag, 22. August, ein Volksmusikabend statt. Für die Ausgestaltung des Abends ist bestens Sorge getragen, da von der NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude" noch besondere Ueberraschungen vorgesehen sind. Ein Besuch dieser Veranstaltung kann daher besonders empfohlen werden. Zur Beruhigung darf auch gesagt werden, daß von seiten des Wirtes keine Getränkezuschläge erhoben werden. Stadtteil Baak=Sundern Todesopfer eines Hausstreites Wie der„B..“ seinerzeit berichtete, ereignete sich in der Silvesternacht in einem Hause an der Gewehrfabrik in Baak ein folgenschwerer Hausstreit zwischen zwei alten Invaliden, wobei leider der eine zu Tode kam. Der 68 Jahre alte Invalide Schweitzer kam in jener Nacht in angetrunkenem Zustande nach Hause und verübte dort großen Krach. Er begab sich auch zur Wohnung des Invaliden Blaß und machte auch hier Krach. Bl. aber verbat sich die Belästigungen und forderte den Schw. auf, sich ruhig zu verhalten. Schw. störte sich aber nicht weiter daran und belästigte den Bl. immer weiter, so daß es schließlich zwischen den beiden zu einer tätlichen Auseinandersetzung kam. Im Verlaufe desselben griff Bl. zu einem in der Nähe liegenden Handschwengel der Waschmaschine und wollte sich damit den Angreifer vom Leibe halten. Unglücklicherweise aber traf er diesen mit dem Waschmaaschinenschwengel derart unglücklich über den Kopf, daß Schw. zusammenbrach und mit einer schweren Schädelverletzung dem Hattinger Krankenhause zugeführt werden mußte. Hier ist Schweitzer schon nach kurzer Zeit an den Folgen des Schlages verstorben. Jetzt hatte sich Blaß wegen Körperletzung mit Todeserfolg vor dem Essener Schwurgericht zu verantworten. Ihm wurden mildernde Umstände zugebilligt, weil er zuerst angegriffen wurde. Das Urteil lautete wegen Körperverletzung mit Todeserfolg auf sechs Monate Gefänanis bei Anrechnung der Untersuchungshaft. Uns wurde heute ein kräftiger Stammhalter geboren In dankbarer Freude: Dipl.-Ing. Fritz Murray und Frau Erika geb. LinchBochum, den 19. August 1936 Bülomstraße 38 z. Z. Landesfrauenblinik Freibank Fleischverkauf Samstag, 22.., vorm. v. 7½ Uhr ab.(Anf.=Nr. 1) Schlachthofverwaltung. 9 Familien= Anzeigen finden im B. A. weite Verbreitung Am 18. August 1936 wurde uns das Mitglied unseres Vorstandes und Bergschulvorstandes Herr Generaldirektor Bergassessor a. D. Errist Vült Buret durch einen plötzlichen Tod entrissen. Wir verlieren in dem Entschlafenen einen erfahrenen und klugen Ratgeber sowohl für unsere Forschungsanstalten als auch einen tatkräftigen Förderer unseres bergmännischen AusbildungsIm Bergschulvorstand durften wir uns seit dessen Einrichtung im Jahre 1924 seiner regen, warmherzigen Mitarbeit erfreuen, dem Vorstande der Westfälischen Berggewerkschaftskasse gehörte er seit 1930 an. Der Name dieses tüchtigen Mannes wird bei unsimmer unvergessen bleiben. Wir werden ihm über das Grab hinaus ein ehrendes, dankbares Andenken bewahren. Bochum, den 19. August 1936. Für den Vorsland der westidlischen Bergpewerkschallskasse Otto Krawehl Fr. Herbst Du warst so jung, du starbet so trüh. wer dich gekannt, vergibt dich nie Nach Oottes unerforschlichem Ratschlub starb Montag vormittag 10¼ Uhr. infolge eines Untalles auf der Zeche, mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, mein guter Bruder, Schwader und Onkel PEINz Im blühenden Alter von 31 Jahren. In tiefer Trauer: Frau Helene Lentz und Kinder Familie Jos. Liczbinski Heinr. Kellermann u. Frau Elly geb. Lentz Familie P. Pracharzyk Bochum-Riemke, den 20. August 1936 Moritsetrabe 28 Die Beerdigung findet Freitag, den 21. August, nachmittags 4½ Uhr. von der Leichenhalle des Riemker Friedhofes aus statt. Das Seelenamt ist Samstag,.10 Uhr. in der Franziskuskirche 4000 KE Nun ins letzte Ruhekämmerlein Senken wir den Leib, den wandermüden. Nach der Erde Arbeit. Müh“ und Pein Ruhe er in stiller Gruft in Frieden. Mittwoch morgen 11.15 Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, meine gute Mutter, meine liebe Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Rlad-EiniaCnnal geb. Siegmund Sie starb nach einem christlichen Lebenswandel im Alter von fast 66 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen Bochum(Redemptoristenstraße 54), Thüringen. Hessen. Berlin, den 19. August 1936 Die Beerdigung findet statt Sonnabend, den 22. August 1936, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle Bochum-Hamme. Trauerteler ¼ Stunde vorher Unser Leben währet siebrig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind': achzig Jahre, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist en Mühe und Arbeit gewesen. Psalm 90, V. 10 Gett rief gestern unsere geliebte gute Mutter. Schwiegermutter. Orohmutter, Schwester. Schwägerin und Tante Im gesegneten Alter von fast 85 Jahren zu sich in die Ewigkeit. Um stille Tellnahme bitten Die trauernden Kinder Enkelkinder und Anverwandte Bochum und Herne, den 20. August 1936 Robertstrabe 22 Die Beerditung findet am Sonnabend, dem 22. August 1936, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes in Gerthe aus statt. Allen, denen aus Versehen keine Nachricht zuging, diene diese als solche. Zu haben in den Fachgeschäften. Mielewerke A. G. GüterslohlWestf. Größte Waschmaschinanfebrik Oeutschlands. Dannraus damit. warten Sie nicht. bis es zu spät ist. besser noch. Sie lassen es gar nicht so weit kommen. Deshalb beginnen Sie sofort mit ein.gründl.Blutreinigungskur Ripinas Hipenkräuterkraft ein biologisches Kräuterpulver mit Mineralsalzen, befreit Sie von Feinden ihres Blutes. reinigt und scheidet die Harnsäure aus, gibt Ihnen dadurch neue Lebenskraft und Frische. Eine Kurpackung Alpinas kostet nur.45RM. Erhältlich in Apoth. u. Drog.; in Bochum bei Stadtdros. Altmikus. Bongardstr 12; Drog. Fischer, Kortumstr.: Drog. Störing. Hellwegi### Med.-Drog. T. Cornelius. 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September 1936 ab gewerbsmäßig als selbständiger Unternehmer Wirtschaftswerbung für andere durch Austragen von Werbeschriften durchführen will, muß im Besitze eines vom Werberat der deutschen Wirtschaft ausgestellten Genehmigungsschreibens sein, andernfalls ist er zur Ausübung des bezeichneten Gewerbes nicht mehrberechtlgt. 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Privatangelegenheiten einzelner werden zur Ursache von Demonstrationen, Aufständen und Kriegen. Gerichtsverhandlungen bühnenreif Es ist kein Zufall, daß Dramatiker und Filmschriftsteller eine so ausgesprochene Vorliebe für die Bühnenbearbeitung großer Prozesse haben. Pathos, Schmerz, Ironie, Sarkasmus, Tiraden der Verteidigung, Spott des Anklägers, tragische Situation des Angeklagten, der seine Unschuld beteuert oder schweigt, weil ein verborgener Grund es ihm befiehlt, Geständnis, Zusammenbruch oder Freispruch... sind das nicht alles Elemente dramatischen Geschehens wie sie sonst keine andere Situation unseres öffentlichen Lebens bietet?! Das Drama der Weltanschauungen Jeder Sensationsprozeß hat schon von sich aus etwas Theatralisches an sich. Die Szene wird zum Tribunal? Nein, die Umkehrung dieses Wortes enthält größere Wahrheit: Das Tribunal wird zur Szene, zur Szene menschlicher Leidenschaften, zur Bühne. auf ber die Weltanschauungen gegeneinanderplatzen.„Revolutionen entstehen im Gerichtssaal...“ äußerte einmal der englische Staatsmann Balfour in einem Aufsatz. Die Geschichte gibt ihm recht. Politische Prozesse sind die besten, wahrsten Zeitdramen, die geschrieben werden können. Der Griffel der Geschichte zeichnet sie auf. Die Geschichte revidiert Todesurteile Das Land der politischen Prozesse wurde ankreich. Ein Hirtenmädchen das eine Nation mitgerissen hatte, la„Pucelle“, die Jungfrau von Orelans, wurde von glaubensstarren Inquisitoren wegen Ketzerei verbrannt, um in späteren Zeiten von Vertretern der gleichen Kirche heilig gesprochen zu werden. Sie wurde zum Idol ihrer Nation. Um die Verurteilung einer anderen Frau, der schönen Maria Stuart, ist die Diskussion bis heute nicht verstummt. War Königin Elisabeth im Recht ihre Rivalin aufs Schaffott zu bringen? Diese Frage stellte sich noch im Jahre 1934 eine in London zusammengetretene Kommission von Historikern, die auf Grund alter Dokumente eine Art Revision des Prozesses durchführten. Sie kamen zu dem Resultat, daß die Verurteilung ein Justizmord gewesen sei. Eine Revision, die ein paar Jahrhunderte zu spät kam. Todesurteil gegen einen König Der Prozeß, den die Sieger der französischen Revolution gegen die Königsfamilie anstrengten, war von vornherein eine abgekartete Geschichte. Trotz aller feurigen Reden stand das Urteil schon vor Beginn der Verhandlung fest. Das Haupt Ludwigs des Sechzehnten mußte unter der Guillotine fallen. Alle Interventionen europäischer Königshöfe nutzten nichts. Auch Kriegsdrohungen konnten das Urteil nicht aufhalten.„Eh bien, on fera la guerre!“ rief der Konvent, und nahm den Krieg wirklich auf. Die Prozeßmaschine der französischen Revolution Diese Epoche der„grande revolution" war die große Zeit der politischen Prozesse. Die Revolutionstribunale tagten in Permanenz. Wer gestern noch auf dem Platz des Richters saß, konnte morgen schon auf der Anklagebank sein. Danton— Kopf ab! Hébert— Kopf ab, Desmoulins— Kopf ab,... Kopf ab... Kopf ab... Kopf ab...! Die Prozeßmaschine arbeitete mit Rekordgeschwindigkeit. Das Theater als Staatsgerichtshof In Mexiko fand ein ähnlicher„arrangierter Prozeß“ gegen den geschlagenen Habsburger Kaiser Maximilian statt. Auf der Bühne des Stadttheaters von Queretaro saß die Jury des siegreichen Juarez und hörte gelangweilt den Reden zu, die der Verteidiger von der Orchesterloge her hielt.„Zum Tode durch Erschießen verurteilt!“ lautete das Urteil gegen Maxi, m i l i a n, u n d s e i n e t r e u e n G e n e r a l e. D e r V o r h a n g f i e l über einem Trauerspiel. Prozesse stürzen Staatsmänner Um die Jahrhunderwende teilt der Prozeß gegen den Hauptmann Dreyfuß zuerst Frankreich, dann Euroin zwei große Lager. Der Prozeß gegen die Bekeiligten am Panamakanalschwindel deckt furchtbare Korruptionszustände in den politischen Kreisen Frankreichs auf. Immer wieder bieten französische Prozesse den Einblick in die„Schlammhölle“ der Politik. Ueber den Betrüger Oustric stürzt Tardieu, über Stavisky Daladier Ein Bürgerkrieg bedroht Frankreich. und die Selbstmorde grassieren. Hinter den Prozeßakteuren werden die Figuren der Drahtzieher sichtbar. Das Volk sieht hinter die Kulissen, und das war nicht beabsichtigt, als das Wirklichkeitsdrama begann. Prozesse als politische Spektakelstücke Nicht hinter die Kulissen sehen! Das ist auch die Parole der Sowjets für ihre Monsterprozesse, die sie dem Volk bietet, wie ehemals Rom dem Proletariat Tierhetzen zeigte. Dort wurden Christen zerrissen, hier „Verräter an der Parteilinie“ oder Saboteure“. Es klappt in den Sowjetprozessen alles glänzend. Das hat man schon bei den früheren Verhandlungen gegen die Rechtsopposition unter Bucharin, die Inhaber der Lenagoldfelder und die Industriespione des Professors Ramsin„feststellen können. Die Angeklagten sind gestanoig und zerfließen in Tränen. Sind es echte Tränen oder Glyzerin? Es ist schwer, hier zu unterscheiden, denn diesmal schrieb wohl kaum die Geschichte das Drama, sondern die begabten Prozeßleiter der GPu! Steinböcke fahren Drahtseilbahn Vier Tiere in den Bergen ausgesetzt München, 20. August. Auf Anordnung des Reichsjägermeisters Göring wurden dieser Tage im Berchtesgadener Land vier Steinböcke ausgesetzt. Es soll der Versuch gemacht werden, dem Alpensteinbock auch in den bayrischen Bergen, aus denen er seit langer Zeit verschwunden ist, wieder eine Heimat zu geben. Die Tiere werden zuerst im Naturschutzgebiet oberhalb des Obersees in einem über 15 Hektar großen Gehege untergebracht und später in Freiheit gesetzt werden. Direktor Heck vom Tierpark Hellabrunn brachte die Tiere in Kisten mit dem Schnellzug von München nach Berchtesgaden und dann in einem Transportkahn über den Königssee. Schließlich fuhren sie auf einer Drahtseilbahn zu der 700 Meter hohen Röthwand hinauf. Den letzten Teil des Weges schafften Forstarbeiter die schweren Kisten auf schmalen Felswegen in das Naturschutzgebiet unterhalb der 2300 Meter hohen Teufelsköpfe. Dort stürmten die Tiere aus ihrem Gefängnis in die bisher noch begrenzte Freiheit. Auch der Berliner Zoo wird einige seiner Steinböcke für das Berchtesgadener Revier abgeben, und es ist zu hoffen, daß die Tiere in nicht allzu langer Zeit wieder die Felsen der Bayrischen Alpen bevölkern werden. Hasdh=Zunntenuntel sähung Eine weitere Regelung für Dienstpflichtige Berlin, 20. April. Zu der Familienunterstützung, die bei Einberufenen an unterstützungsberechtigte und=bedürftige Angehörige gewährt wird, hat der Reichsinnen= und der Reichsfinanzminister einen dritten Durchführungserlaß herausgegeben. Er bringt weitere Verbesserungen und führt vor allem eine Zusatzfamilienunterstützung ein. Als Zweck der Familienunterstützung bezeichnet er die Sicherung der bisherigen Lebensverhältnisse der Unterstützungsberechtigten während der Dauer der Einberufung des Ernährers. Dabei seien die Richtsätze lediglich Maßstäbe zur Ermittlung des Regelbedarfs für durchschnittliche Lebensverhältnisse der Unterstützungsberechtigten. Sie könnten somit beim Vorliegen eines höheren Bedarfs überschritten werden. Ein höherer Bedarf sei insbesondere anzuerkennen, wenn die Beschränkung auf das bei Anwendung des Richtsatzes rechnerisch sich ergebende Gesamteinkommen für den Unterstützungsberechtigten gegenüber seinem durchschnittlichen Einkommen während des letzten halben Jahres vor der Aushändigung des Gestellungsbefehles zu einer nicht zumutbaren Verschlechterung der Lebenshaltung führen würde. Mit Wirkung vom 1. August 1936 ordnet der Erlaß daher an, daß in den Fällen, in denen nach Festsetzung der Familienunterstützung das Gesamteinkommen sowohl unter dem doppelten Betrage des Richtsatzes wie auch unter dem Einkommen bleibt, das dem Unterstützungsberechtigten während des letzten Halbjahres vor Aushändigung des Gestellungsbefehles durchschnittlich zur Verfügung stand, eine Zusatzfamilienunterstützung zu gewähren ist. Sie beträgt 50 Prozent der Summe, um die das Gesamteinkommen des Unterstützungsberechtigten nach dem Gestellungstage hinter dem gesamten Durchschnittseinkommen zurückbleibt. Bei Berechnung des Gesamteinkommens bleiben freiwillige Zuwendungen des Arbeitgebers des Einberufenen außer Betracht. Im übrigen enthält der Erlaß gewisse Begrenzungen nach oben. Die Angehörigen der zur Erfüllung der aktiven Dienstpflicht oder Arbeitsdienstpflicht Einberufenen des Jahrganges 1914 und der jüngeren Jahrgänge einschließlich der auf Grund freiwilliger Meldung Einberufenen dieser Geburtsjahrgänge haben keinen Anspruch auf die Zusatzfamilienunterstützung. Hier wird je nach Lage des Einzelfalles gemäß den allgemeinen Grundsätzen geholfen werden. KdF.=Reisen Im Jahre 1935: Umsatz von 70 Millionen RM. Berlin, 20. August. Die Tätigkeit der RSG.„Kraft durch Freude“ hat neben ihrer sozialpolitischen auch noch eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung, wie sich jetzt wieder aus den für 1935 ermittelten vorläufigen Zahlenergebnissen entnehmen läßt. Danach ist z. B. die Zahl der KdF.=Seereisen so groß geworden, daß sie für den Arbeitseinsatz in der Seeschiffahrt sehr wichtig wurde. Im Jahre 1935 haben 133000 deutsche Arbeiter auf sieben großen Dampfern 107 Hochseefahrten unternommen. Im ganzen hat das Amt„Reisen, Wandern und Urlaub“ mit seinen Seereisen mehr als doppelt soviel Arbeitskameraden über das Meer gefahren wie sämtliche deutschen Reedereien Passagiere auf ihren Gesellschaftsreisen beförderten. Im übrigen ist von besonderer Bedeutung, daß nach vorsichtiger Schätzung im Jahre 1935 70 Millionen Reichsmark durch KdF.=Reisen umgesetzt worden sind, was eine Steigerung um 18 Millionen Reichsmark gegen das Jahr 1934 bedeutet. Das Ende eines Fradenseinder einer wilden Vergangenheit von seiner Wirtschafterin erschlagen Prag, 20. August. Im Straßengraben in der Nähe einer Ortschaft bei Gaslau fand man die Leiche eines 75jährigen Mannes namens Piskacek, der als Frauenfeind in der ganzen Gegend bekannt war. Man glaubte zunächst, er sei einem Unfall zum Opfer gefallen. Die polizeiliche Untersuchung erbrachte jedoch den Beweis, daß Piskacek erschlagen worden war und daß der Mörder seine Leiche an diesen Ort gebracht hatte. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurde die 65jährige Wirtschafterin des Ermordeten verhaftet. Sie gestand den Mord ein und erklärte, Piskacek im Verlauf eines Streites mit einer Hacke erschlagen zu haben. Seine Leiche habe sie dann auf einen Schubkarren geladen und in der Nacht bis zu der mehrere Kilometer vom Tatort entfernten Stelle gefahren. Der Ermordete hatte eine wilde Vergangenheit. Er war dreimal verheiratet. Seine erste Frau tyrannisierte er so, daß sie im Irrenhaus endete. Die zweite starb unter bisher ungeklärt gebliebenen Umständen. Die Gerüchte, sie sei vergiftet worden, führten zu einer Untersuchung gegen Piskacek, die aber ohne Ergebnis blieb. Die dritte Frau erschlug Piskacek während eines Streites. Wegen dieser Tat wurde er zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe hat er abgebüßt. Vor zehn Jahren kehrte er aus dem Zuchthaus zurück und nahm sich eine Wirtschafterin. Es verging kaum ein Tag ohne heftige Auseinandersetzungen zwischen den beiden, die oft mit schweren Mißhandlungen der Frau endeten. Beim letzten Streit kam ihm seine Wirtschafterin zuvor und versetzte ihm mit einer Hacke einen tödlichen Streich. Der Trick eines„Wunderdoktors“ „Ihr Herzschlag ist geradezu beängstigend“ Berlin, 20. August. Mit einem neuartigen Trick machte der dreißig Jahre alte Walter Bietke in Berlin, der sich jetzt wegen fortgesetzten Betruges vor Gericht verantworten mußte, seine unsauberen Geschäfte. Er stellte sich Hausfrauen als Verireter für elektrische Heilapparate vor, behauptete, Medizin studiert zu haben, und veranlaßte die Frauen, sich von ihm untersuchen zu lassen, damit er ihnen helfen könne, wenn sie krank sein sollten. Regelmäßig wurde von dem„Wunderdoktor“ der Herzschlag der Untersuchten als geradezu beängstigend gefunden und der bestürzten Frau erklärt, daß der normale Herzschlag 1,3 sei, während sich bei ihr ein anormaler von 4,9 gezeigt hätte. Die unverantwortlichen Machenschaften des Hausierers endeten gewöhnlich damit, daß die Frauen sich zum Kauf eines Apparates entschlossen. Sie mußten auf das Wunderding, das „demnächst“ geliefert werden sollte, aber niemals eintraf, eine Anzahlung leisten und erst bei der Kriminalpolizei sahen sie später ihren„Wunderdoktor“ wieder. Der Gauner wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt. Alpenüberquerung im Segelflugzeug anb Berlin, 20. August. Im Rahmen von Versuchen, die das Deutsche Forschungsinstitut für Segelflug, Darmstadt, in Verbindung mit Segelfluggruppen Technischer Hochschulen zur Zeit zur Erforschung der Möglichkeiten einer Alpenüberquerung von Prien am Chiemsee durchführt, gelangen am Mittwoch einige sehr beachtliche Flüge. Drei Flugzeuge flogen von Prien bis ins Zillertal. Heini Dittmar erreichte unter Ueberquerung der 3600 Meter hohen Tauern(Großglockner) Villa Bassa (Niederdorf) bei Toblach. Massengrab von 1709 Stockholm, 20. August. In der nordschwedischen Provinz Jämtland ist soeben ein außerordentlich interessanter Fund gemacht worden. In dem Kirchspiel Handöl wurde ein Massengrab aus dem Jahre 1709 aufgefunden. Hier liegen etwa 600 Krieger Karls XII., die beim Rückzug der sogenannten Armfeltschen Carolinen ist das Schlachtfeldern der Ukraine im Schneesturm und infolge schwerer Entbehrungen ums Leben kamen. Der Rück333. r sogenannten Armseligen Carolinen ist das merste Blatt schwedischer Geschichte. Einer der wenigen, die den Feldzug überlebten, der Generalfeldscher Hagström. berichtet in seinen Aufzeichnungen, daß sich bei der Behandlung der Verletzten ganze Tonnen mit amputierten Gliedern füllten. Bereits vor längerer Zeit hatte man eine Steintafel gefunden mit der Aufschrift: „Am 20. Januar 1709 wurden hier 600 Menschen begraben. Zweifellos handelt es sich um dieses Massengrab. Einige der aufgefundenen Skelette sind gut erhalten; sogar Ueberreste von Röcken, Halstüchern und Kopfbedeckungen wurden aufgefunden. Besonders interessant sind die Uniformknöpfe, die die Regimentsnummern tragen. Am besten sind die Zähne der schwedischen Krieger erhalten. Es sind nach den Aussagen der Fachleute so gute Zähne, wie man sie heute überhaupt nicht mehr kennt. 23 junge Antilopen an Bord von 23.„Hindenburg“ Lakehurst, 20. August Das Luftschiff„Hindenburg", das erst in der Nacht, von Europa kommend, gelandet war, stieg bereits um .33 Uhr mitteleuropäischer Zeit zur Rückkehr nach Frankfurt a. M. auf. Unter den Passagieren befindet sich auch der Kommandant der Marinestation Lakehurst, Rosendahl. Das Luftschiff führt 23 junge Antilopen aus Wyoming an Bord, die für den Berliner Zoo bestimmt sind. Rückgabe einer deutschen Fahne Einweihung des neuen Deutschen Hauses in Pretoria dnb Pretoria, 20. August. Bei der Einweihung des neuen Deutschen Hauses in Pretoria gab der südafrikanische Minister Grobler dem deutschen Gesandten Wiehl eine im April 1915 bei den Kämpfen in Südwestafrika in die Hände des Kapitäns Frylingk gelangte deutsche Fahne zurück. Die Fahne stammt aus Klippdamm. Kapitän Frylingk hatte sich auf den Hinweis des Ministers, daß die Fahne Deutschland gehöre, sofort zur Rückgabe bereit erklärt. Der deutsche Gesandte Wiehl übernahm die Fahne mit Worten des Dankes für die freundschaftliche Geste. Bei der Eröffnung des Neubaues gab der Gesandte in einer Ansprache der Hoffnung Ausdruck, daß das neue Deutsche Haus der Erhaltung und weiteren Festigung der Freundschaft zwischen Deutschland und Südafrika dienen möge. Minister Grobler, der sich in seiner Erwiderung zu der deutschen Abstammung seiner Vorfahren bekannte, feierte den Anteil des Deutschtums am Aufbau Südafrikas und gab gleichfalls der Hoffnung Ausdruck daß das neue Deutsche Haus dem Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder dienen werde. Güterzugunfall bei Zerbst Halle a. d. Saale, 20. August Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Halle a. d. S. teilt mit: Am 20. August, gegen.20 Uhr, wurde auf der Bahnstrecke Güsten—Belzig zwischen Güterglück und Lindau i. A. ein Lastkraftwagen einer Firma in Dessau=Roßlau von einem Güterzug erfaßt und zertrümmert. Die Schranke war nicht geschlossen. Von den beiden Fahrern des Kraftwagens wurde einer schwer, der andere leichter verletzt. Die Verunglückten wurden sofort dem Krankenhaus in Zerbst zugeführt. Von dem Zuge entgleisten zwanzig Wagen, von denen fünfzehn mit Kraftwagen beladene in Brand gerieten. Beide Hauptgleise sind voraussichtlich längere Zeit gesperrt. Der Personenzugverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Die Untersuchung ist eingeleitet. Riesenbrand in Montreal Newyork, 20. August. In Montreal wurde nachts ein Kaufhaus durch ein Großfeuer vernichtet. Bei dem Brand kamen vier Feuerwehrleute ums Leben; 22 weitere wurden mehr oder minder schwer verletzt. Bei fünf Feuerwehrleuten sind die Brandwunden so schwer, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürften. Das Feuer, dessen Ursache noch ungeklärt ist, breitete sich mit solcher Geschwindigkeit aus, daß sich die Feuerwehren in der Hauptsache auf den Schutz der Nachbargebäude beschränken mußten. Während des Brandes ereignete sich eine heftige Explosion, durch deren Gewalt eine hohe Brandmauer zum Einsturz gebracht wurde, unter deren Trümmer eine Abteilung Feuerwehrleute begraben wurde. Andere Feuerwehrleute wurden durch herabstürzende Balken schwer verletzt, und einige haben schwere Rauchvergiftungen erlitten. Die Dürre in Amerika 2,3 Millionen Menschen unterstützungsbedürftig Washington, 20. August. Die furchtbare Lage der Farmer im Mittelwesten geht aus dem Ergebnis der nunmehr beendeten Untersuchung in den Dürregebieten hervor. Danach werden infolge der andauernden Dürre im Mittelwesten und in Teilen der Südstaaten 500 000 bis 600 000 Farmerfamilien oder etwa 2,3 Millionen Menschen im nächsten Winter außer den Arbeitslosen in den Städten unterstützungsbedürftig sein. Die Kosten hierfür werden auf mindestens hundert Millionen Dollar geschätzt. Da der bisherige Hilfsfonds nicht ausreichen dürfte, wird die Regierung von dem im Januar zusammentretenden Kongreß zusätzlich Unterstützungsmittel anfordern müssen. Die Bundesregierung unterstützt zur Zeit 146000 Farmer= familien in den Dürregebieten. Laut Untersuchung wird in manchen Staaten bis zum Herbst über die Hälfte der Bevölkerung, in Nord= und Süddakota, Wyoming und Montana sogar 75 v. H. der gesamten Landbevölkerung auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. Wo der König gesessen hat... Wüstes Handgemenge mit Andenkenjägern Ragusa, 20. August. König Eduard VIII. von England erschien dieser Tage spät abends mit seiner Begleitung im Gartenrestaurant des Hotels„Imperial“ in Ragusa, wo er das Abendessen einnahm. Als er kurz nach Mittemacht das Restaurant verließ, stürzten die übrigen Gäste, hauptsächlich englische Touristen, an den Tisch, an dem der König gesessen hatte, und wollten alle Gegenstände, so Bestecke, Teller, ja sogar die Tischdecke, als Andenken mitnehmen, so daß die Kellner einen regelrechten Kampf mit den Touristen auszufechten hatten, um die Plünderung des Restaurants zu verhindern. Aoriniachn Dhh WO FT KE Seite 8 Nr. 195 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 21. August 1936 Tuenen und Sport Graf Baillet-Latour dankt dem Führer dnb Berlin, 20. August. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Graf Baillet=Latour, hat an den Führer und Reichskanzler das nachfolgende Schreiben gerichtet: „Herr Reichskanzler! Ich möchte Eurer Exzellenz danken für die Unterstützung, die Sie der XI. Olympiade gegeben haben, deren großer Erfolg nur durch das tiese Verständnis Eurer Exzellenz für den Olympischen Gedanken möglich war. Mögen die Spiele dazu beitragen, die Zufriedenheit des deutschen Volkes, die ich ihm von ganzem Herzen wünsche, zu wahren und die für die Rettung unserer gefährdeten Zivilisation so notwendige Annäherung zwischen den Völkern zu förves. Bevor ich Berlin verlasse, mochte ich Eurer Exzellenz versichern, daß Sie immer auf mich rechnen können, wenn die Olympische Idee zu ihrem bescheidenen Teil in der Zukunft wiederum zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden soll. Ich bitte Eure Exzellenz, die Versicherung meiner ehrerbietigsten und dankbarsten Gefühle entgegenzunehmen. Bailler=Tatour.“ Hofmann begnadigt Aus Anlaß der großen deutschen Erfolge bei den Olympischen Spielen in Berlin hat der Fußball=Fachamtsleiter Felix Linnemann die gegen den bekannten Fußballspieler Richard Hofmann(Dresden) ausgesprochene Strafe auf Ausschluß aus dem Fachamt Fußball aufgehoben. Hofmann kann wieder Mitglied des Reichsbundes für Leibesübungen werden und wird am 25. Dezember 1936 spielberechtigt. Sechs Fußball-Länderspiele innerhalb eines Vierteljahres Nach dem unerwartet frühzeitigen Ausscheiden aus dem Olympischen Fußballturnier wird die„deutsche Nationalmannschaft in den kommenden drei Monaten vor schwere Aufgaben gestellt, gilt es doch, in verhältnismäßig kurzer Folge sechs Länderspiele zu bestreiten. Unter den Gegnern finden wir u. a. so starke Fußballnationen wie Schottland, Italien und die Tschechoslowakei. Außerdem treten wir gegen Polen, Irland und Luxemburg an, also ein Programm, das sich sehen laslen kann und höchste Anforderungen stellen wird. Der Spielkalender: 18. 9. gegen Polen in Warschau 27. 9. gegen Tschechoslowakei in Prag 27. 9. gegen Luxemburg in Krefeld 14. 10. gegen Schottland in Glasgow 17. 10. gegen Irland in Dublin 15. 11. gegen Italien in Berlin 16.60 Meter Woellkes neuer Rekord Beim leider nur schwach besuchten Frankfurter Leichtathletik=Abendsportfest am Donnerstag erreichte Olympiasieger Woellke im Kugelstoßen schon im ersten Durchgang mit 16,60 Meter einen neuen deutschen und pr ope 100, Meter=Lauf der Frauen siegte die Polin Walasiewicz in 11,9 vor Käthe Krauß(Dresden) 12,1, Emmy Albus(Wuppertal) 12,5 und Ilse Dörffeldt(Berlin) 12,8. Den Diskus warf Frl. Mollenhauer(Hamburg) 39,91 Meter weit, Käthe Krauß besetzte mit 38,65 Meter den zweiten Rang. Der Mannheimer Neckermann war über 100 Meter in 10,7 vor dem Japaner Suzuki 10,8, Leichum(Stettin) 10,8, Hornberger 10,8 und Kersch(Frankfurt) 11 Sekunden erfolgreich.— Die 800 Meter holte sich Dessecker(Stuttgart) in:55,8 vor Seibert:55,9 und Helber:58,8. Braddock taflächlich kampfunfähig? Der von der Newyorker Boxkommission mit einer Untersuchung Braddocks beauftragte Arzt äußerte sich als Knochenspezialist über den Zustand des Schwergewichts=Boxweltmeisters Jimmy Braddock. Dieser leide unter einer heftigen Gelenkentzündung an der linken Hand und an beiden Ellenbogen. Die Schmerzen seien gerade an den letzten Tagen wieder sehr stark gewesen. Er halte es für notwendig, daß der Kampf mit Schmeling um einen Monat hinausgeschoben werden müsse. Der Vorsitzende der Newyorker AthletikKommission erklärte, daß eine Entscheidung über die Verlegung des Kampfes am Freitag getroffen werde, wenn der schriftliche Doktorbericht vorliegen würde. Joe Louis will Schmeling schlagen! John Roxborough, der Manager des Negerboxers Joe Louis, deutete nach dem eindrucksvollen Siege seines Schützlings über den früheren Weltmeister Jack Sharkey an, Louis werde zunächst nicht mehr kämpfen. Er wolle Schmeling schlagen, und kein anderer Boxer würde ihn vorläufig interessieren. Mit diesen Aeußerungen wurden die zahlreichen Fragen der amerikanischen Pressevertreter beantwortet. Deutsche Amateurboxer kämpfen auf dem Reichsparteitag Im Rahmen der Veranstaltungen auf dem Reichsparteitag 1936 werden sich auch unsere Amateurboxer, die sich bei den Olympischen Spielen in Berlin so hervorragend schlugen, vorstellen. Die deutsche Nationalacht wird gegen eine andere deutsche Auswahl in genau der gleichen Besetzung kämpfen wie in Berlin. Es starten also: Kaiser(Gladbeck), Stasch Miner(Breslau), Schmedes(Dortmund), Murach (Schalke), Baumgarten(Hamburg), Vogt(Hamburg) und Runge(Elberfeld). Wieder Flaute in Kiel Nach den vom Wind nicht gerade begünstigten ersten Tagen der diesjährigen Kieler Woche herrschte nun am Donnerstag gar vollständige Flaute. Nach dem Ende der ersten Wettfahrten war man sich noch nicht darüber klar, ob dieser Tag überhaupt für die Wertung der Preise angerechnet wird.„ Für die amerikanische„Indian Scout“ in der =Meter==Klasse war das leichte Wetter gerade richtig. Unangefochten lief sie als Sieger durch das Ziel. Auch in der=Meter==Klasse siegte mit der dänischen„Anitra“ ein ausgesprochenes Leichtwetterboot vor„Germania III“.„Tre Sang“ kam bei den 30er=Schärenkreuzern vor der Hamburgerin„Skonna" zu einem neuen Sie ge. Bei den Starbooten setzte„Primm" nach einer Niederlage den Siegeszug fort. Der Vorsprung gegenüber „Hilda" betrug über eine Stunde. Schlechtes Wetter auf der Wallerkuppe Am Donnerstag war für die Segelflieger bei der 17. Rhön nichts zu machen. Den ganzen Tag über regnete es, so daß auch nicht ein Wettbewerb gestartet werden konnte. Aapalis-Kiane kürdasjahr!. 1O Europäische Belucher sollen mit japanischen Schiffen gcholt werden Unkoften für jeden Teilnchmer 1000 Mark Wie die ersten Vorbereitungen von Javan für die Abhaltung der XII. Olympischen Sviele 1940 in Tokio erkennen lassen, wird alles getan werden, um in Verbindung mit den Spielen eine möglichst große Zahl von fremden Besuchern nach Japan zu ziehen. Die vorläufigen Schätzungen gehen dahin, daß etwa 2000 Aktive und 10000 ausländische Gäste nach Tokio kommen werden. Diese Ziffern werden sich aber wahrscheinlich noch beträchtlich erhöhen. Professor Jigoro Kano, der Ehrenpräsident des javanischen Olympischen Komitees, hat den Plan, in Japan einige Schiffe auszurüsten und diese nach Europa zu senden, um die Zuschauer aus den verschiedenen Ländern gesammelt nach Japan zu bringen. Es ist der größte Wunsch Japans. so erklärte Professor Kano, daß möglichst viele Gäste nach Japan kommen. Nichts wird unterlassen, um diesen Besuchern einen Einblick und Eindruck zu geben, der weit umfassender sein soll, als dieses bei gewöhnlichen Touristenreisen möglich ist. Um das Ziel einer starken ausländischen Anteilnahme an den Spielen in Tokio zu erreichen, sind auch bereits Verhandlungen mit den Schiffahrtsgesellschaften und mit der Transsibirischen Eisenbahn eingeleitet. Es wird mit einer Fahrpreisermäßigung von 33½ Prozent gerechnet. Das würde eine Ermäßigung um 1000 Yen bedeuten, da die Reisekosten im Durchschnitt 3000 Den betragen. Da die japanische Regierung eine Subvention von 1½ Millionen Den bewilligt hat, wird es möglich sein, die Fahrtkosten für die Teilnehmer an den Olympischen Spielen noch weiter zu senken. Die Kosten werden sich voraussichtlich für jeden Teilnehmer um 1000 Reichsmark herum bewegen. Die Teilnehmer an den Olympischen Svielen sollen auch in Tokio in einem Olympischen Dorf untergebracht werden. Es ist in Aussicht genommen, feste Steinbauten zu errichten, die dann später für Wohnzwecke Verwendung finden sollen. Für die ausländischen Gäste werden besondere Pauschalreisen eingerichtet, die den fremden Besuchern die besten Annehmlichkeiten bieten sollen. der„Kleinen" um den Preis von Bern Kalfas„ Sonntag auf dem Duisburger Wedaufce Der Duisburger Wedausee wird am Sonntag Schauplatz einer glanzvollen kanusportlichen Veranstaltung sein, werden doch bei Duisbura die Kann=Europameisterschaften durchgeführt, die qualitativ und quantitativ eine ganz hervorragende Besetzung erhalten haben. Zahlreiche Olympiasieger bewerben sich hier auch um den Titel eines Europameisters. Belgien, Holland, Oesterreich, USA., und Deutschland werden mit insgesamt nicht weniger als sechs Olymviasiegern vertreten sein, so daß es in mehreren Wettbewerben zu einer hochinteressanten Wiederholung der großen Berliner olymvischen Kämpfe kommen wird. Außerder kommen auch die Europameisterschaften im Kanusegeln der 7,5 Quadraimeter=Klasse zur Durchführung, zu denen elf Boote aus Dänemark, Schweden und Deutschland gemeldet haben. Weiterhin wird der Kanu=Länderkampf Deutschland— Holland entschieden. Den Auftakt bildet am Samstag die 22. Jugend=Regatta, zu der nicht weniger als 173 Nennungen eingegangen sind. Mit ganz besonderem Interesse wird man dem Start der bei den Olymvischen Spielen erfolgreichen Kanuten entgegensehen. Da ist vor allem der hervorragende zweifache Olympiasieger Gregor Hradetzky (Oesterreich), der den Kajak=Einer über 1000 Meter und den Faltboot=Einer über 10000 Meter gewinnen konnte. Der Oesterreicher wird in dem Deutschen Helmut Cämmerer, der im Kajak=Einer den zweiten Platz belegte, wieder einen gefährlichen Gegner haben. Dann sind da auch die ausgezeichneten Kölner Landen=Wevers, die im Kajak=Zweier die Goldmedaille errangen, ferner Horn=Hanisch, die im Faltboot=Zweier die Silberne Medaille gewannen, nicht zuletzt auch Tilker=Bondroit, die im KajakZweier gleichfalls eine Silbermedaille zu gewinnen vermochten. Aber auch ihre Bezwinger, die Oesterreicher Kainz=Dörfner, werden sich ihnen erneut zum Kampf stellen, während Wevers=Landen den Oesterreichern Kalisch=Steinhuber Gelegenheit zur Revanche geben werden. Im Kajak=Einer ist auch der Holländer Kraaier große Klasse, der in Berlin hinter Hradetzky und Cämmerer Dritter und Gewinner der Bronzemedaille wurde, so daß hier sämtliche Medaillengewinner wieder aufeinandertreffen. TAPOINTA 0 KIIT Ueber 333 km von Luzern nach Lugano In Abständen von einer Minute wurden die Teilnehmer an der 8. Internationalen Alpenfahrt am Donnerstag früh 5 Uhr in Luzern auf die Reise geschickt. Von den 73 gestarteten Fahrzeugen schieden auf der ersten Etappe nach Lugano nur zwei, beide durch Unßen waren förmlich überschwemmt, dichter Nebel herrschte, so daß bis 11 Uhr mit Licht gefahren werden mußte. Trotz der ungünstigen Witterung war es aber nicht sonderlich schwer, die Durchschnittsgeschwindigkeiten unterwegs einzuhalten, so daß es verhältnismäßig wenig Strafpunkte gab. Einen ausgezeichneten Eindruck hinterließen die deutschen Teilnehmer. Von Luzern ging die Fahrt an dem Vierwaldstätter See entlang, um die Südspitze des Zürcher Sees und dann südlich in die Alpen hinein. Auf der berühmten 21,5 Kilometer langen Klausenpaß=Rennstrecke fand eine Bergprüfung statt. Dabei war die Zeit der vier Besten jeder Gruppe zuzüglich einer FreiBeifahrer mit leichten Hautabschürfungen davon. Dagegene wurde der Wagen so stark beschädigt, daß er als erster ausscheiden mußte. Bei Biaska ereignete sich ein zweiter Unfall. Die Holländer van Beeckv. d. Spek fuhren gegen einen Telegraphenmast und mußten aufgeben. Auto-Union und Mercedes-Benz beim„Großen Preis der Schweiz“. Der Große Preis der Schweiz ist die jüngste Veranstaltung dieser Art in Europa. Drei Rennen finden am kommenden Samstag und Sonntag statt; der Große Preis der Schweiz für Rennwagen, der Preis von Bern für Rennwagen bis 1½ Liter Zylinderinhalt und der den nationalen Fahrern vorbehaltene Preis von Bremgarten für Sport= und Rennwagen. Zwei deutsche Siege sind, im Großen Preis der Schweiz zu verteidigen, der im Mittelpunkt der Veranstaltung steht. Deutschland ist wieder durch AutoUnion und Mercedes=Benz vertreten. Für Mercedes starten Caracciola, von Brauchitsch, Hermann Lang und Fagioli, während Auto=Union durch Bernd Rosemeyer, Stuck von Delius und Varzi vertreten ist.— hat ebenfalls eine hervorragende Besetzung erfahren. Die beiden einzigen Deutschen sind Walter Bäumer (Bünde) mit einem Austin=Wagen und Robert Kohlrausch(München) mit seinem MG. Die Schweizer Spitzenklasse ist in Stärke von 22 Fahrern in den vier Rennen um den Preis von Bremgarten vertreten. Rudolf Caracciola fuhr Rundenrekord Das erste Training zum„Großen Auto=Preis der Schweiz", im Berner Bremgartenwald nahm einen interessanten Verlauf. Rudolf Caracciola war auf Mercedes=Benz der schnellste und fuhr mit:41,7 und 161,82 Stundenkilometer einen neuen Rekord heraus. Nur zwei zehntel Sekunden langsamer war Bernd Rosemeyere auf Auto=Union mit:4,9. Hochbetrieb auf der Rennitrecke Erster offizieller Trainingstag zum HohensyburgDreieckrennen Ohne Training kein Erfolg! Das ist im Automobilund Motorradsport nicht anders als beim Boxen, veim Kugelstoßen, beim Hürdenlauf. Die Fahrer müssen trainieren, sie müssen sich mit der Bahn vertraut machen wie mit ihren Maschinen. Das sonst in tiefer Stille liegende Tal an der Hohensyburg gleicht seit Tagen einem Bienenhaus. Die Vorbereitungen für den neuen Kurs sind nahezu beendet. Hunderte von Arbeitern finden hier, wenn auch nur für kurze Zeit, Beschäftigung. Riesige Kabel werden gelegt, Kontrolluhren, mit welchen die Zeiten der Fahrer festgehalten werden müssen, aufgestellt, Masten und Absperrungsgeländer aufgerichtet, ein Gewirr von Drähten für die Fernsprechleitungen gezogen, Tribünen und Sitzplätze errichtet. In der Spitzkehre an der Westhofener Brücke ballten sich am ersten Trainingstag die Menschenmassen zusammen, um das Training zu beobachten. Die Fahrer legten sich noch ziemliche Reserven auf, fuhren den Kurs häufig ab, um sich mit den Streckenverhältnissen bestens vertraut zu machen, denn Streckenkenninis in halber Sieg. Trotzdem wurden schon Trainingsrunden um die DreiMinuten=Grenze herum gedreht, was einem Stundendurchschnitt von über 100 Stundenkilometer entspricht. Durch den vorzüglichen Ausbau der Bahn können wir aber mit höheren Geschwindigkeiten rechnen, so daß in allen Klassen neue Streckenrekorde zu erwarten sind. Das Training wird am Freitag in der Zeit von 15 bis 20 Uhr und Samstag in der Zeit von 14 bis 20 Uhr fortgesetzt. Um Toni Merkens’ Erbe Deutsche Amateur=Bahnmeisterschaften in Frankfurt Am 23. August werden auf der Kampfbahn des Frankfurter Sportfeldes die Deutschen Amateur=Bahnmeisterschaften zum Austrag gebracht. Die besten Bahnfahrer haben sich für die Meisterschaft über 1000 Meter und die Tandem=Meisterschaft über 2000 Meter einschreiben lassen. Es wird einen harten Kampf um das Erbe von Toni Merkens geben, der zum Berufssport übergetreten ist. G,(.ihsin g, Ueber 1000 Meter starten: Jove(Leipzig), Lorenz (Chemnitz) Karsch(Leipzig), Arndt(Krefeld), Klöckner (Köln), Hoffmann(Kl.=Steinheim), Hasselbera (Bochum), Rosenlöcher(Dresden), Mende(Dresden), Pietsch(Dresden), Oelschlägel(Dresden), Gehre(Dresden), Walther(Mundenheim), Schneider(Kaiserslautern), Bartels(Berlin), Schüler(Berlin), Thein (Frankfurt a..). 64.371, Im 2000=Meter=Tandemfahren beteiligen sich: Lorenz(Chemnitz)=Ihbe(Leipzig), Rosenlöcher(Dresden)= Klöckner(Köln), Arndt(Krefeld)=Hasselbera(Bochum), Hoffmann(Kl.=Steinheim)=Karsch(Leipzia), PietschMende(Dresden). „ Wie Kolme für zalFreibadWerhe. Eine Frage, die zwar der Ortskenntnis der Bochumer kein besonders gutes Zeugnis ausstellt, aber in diesen Tagen oft gestellt wird. Das große JapanerSchwimmfest, das am Samstag der Schwimmverein „Blau=Weiß", Bochum in Verbindung mit der Bochumer Stadtverwaltung durchführt, hat neben seinem sportlichen Wert den Vorteil, daß es das Freibad in Bochum=Werne als ein ideales Sommerbad volkstümlich machen soll. Daß überhaupt in Verbindung mit der großen Schwimmsportveranstaltung die vorerwähnte Frage auftaucht, beweist, daß das Bad leider heute noch bedauerlicherweise in der Bochumer Bevölkerung recht unbekannt ist. Das Freibad Werne ist das einzige sportgerechte Sommerbad Bochums, es besteht aus einer einwandfreien und rekordfähigen 50=MeterBahn mit sechs Startblöcken und einem Nichtschwimmerbassin von 23 Meter Länge. Zur Verfügung stehen zwei Drei=Meter=Sprungbretter und eine Fünf=MeterPlattform. Durch Aufbau von zwei Tribünen und Aufstellung von Bänken auf beiden Seiten des Beckens wurden gute Sitzplätze für 1600 Zuschauer geschaffen, während rund 1500 Stehplätze zur Verfügung stehen. Nun endlich zur Beantwortung der Frage:„Wie komme ich zum Freibad Bochum=Werne?" Es ist mit der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahn ein Abkommen getroffen worden, wonach in Verbindung mit der Eintrittskarte ein verbilligter Fahrpreis gewährt wird. Samstag ab 15.15 Uhr erfolgt nach Werne ein verstärkter Straßenbahnverkehr ab Rathaus Bochum. Außerdem werden um 15.15 Uhr ab Rathaus Bochum vier Omnibusse der Bochumer Straßenbahn eingesetzt, die den Vorteil bieten, daß sie unmittelbar bis zum Freibad durchfahren. Der Rücktransport erfolgt auf gleicher Grundlage. „..“-Muthherr Gesamtübersicht des Freibades in Bochum=Werne, das Samstag Kampfstätte des JapanerSchwimmfestes iß Der Radsport beim Reichsparteitag Auch in diesem Jahre werden gelegentlich des großen Volksfestes beim Reichsparteitag die Radfahrer mit ihren Spitzenkönnern auftreten. Am 12. September 1936, in der Zeit von 16 bis 20 Uhr, finden folgende Vorführungen statt: Einer=Kunstfahren(Compes, RC. „Schnecke",.=Gladbach), Achter=Kunstreigen(Radfahrerverein 1897 Mainz=Bischofsheim), Radball:(Radfahrerverein„Falke“. Stellingen=Hamburg und RC. „Diamant“, Chemnitz). Auch Halfelberg Startet Deutsche Radfahrer bei den Weltmeisterschaften in Zürich Der Deutsche Radfahrerverband im DRL. hat zu den vom 29. August bis 3. September stattfindenden diesjährigen Rad=Weltmeisterschaften in Zürich nunmehr seine endgültige Meldung abgegeben. Es starten danach im 1000=Meter=Malfahren: Lorenz(Cemnitz), Hasselbera(Bochum). Ihbe (Leipzig) und beim Straßenrennen: Scheller(Schweinfurt), Ruland(Köln), Schöpflin(Berlin), Löber (Schweinfurt). Bochumer Radsport Die Mitglieder des RSC.„Mifa“ treffen sich Sonntag, 23. August, vormittags 7 Uhr, zwecks Teilnahme an der Bezirksfahrt durch die bergische Schweiz. Wird Jelfe Owens Berufssportler? Zur Disqualifikation des dreifachen Olympiasiegers Einer der erfolgreichsten Sportler der Olympischen Spiele war der amerikanische Neger Jesse Owens, der sich Goldmedaillen im 100= und 200=Meter=Lauf und im Weitsprung holte sowie auch die amerikanische 4X100=Meter=Staffel zum Erfolge führte. Es hat deswegen ziemliches Aufsehen erregt, als die Meldung durch die Presse ging, Jesse Owens sei vom amerikanischen Verband gesperrt worden, da er sich geweigert habe, eine Startverpflichtung in Stockholm zu erfüllen. Der Sekretär der amerikanischen Athletikbehörde, Ferris, antwortete auf die Frage, warum die Disqualifikation geschehen sei, wie folgt: „Jesse Owens sollte mit einigen anderen unserer Leute von den Londoner Wettkämpfen nach Stockholm fahren, und er hatte für die schwedische Veranstaltung bereits fest zugesagt. Wie ich hörte, ist auch schon in intensivster Weise Reklame für seinen Start gemacht worden, und die schwedische Sportwelt war gespannt, wie er sich auf der guten Stockholmer Aschenbahn bewähren würde. Plötzlich erklärte Jesse Owens in London, er fahre nicht nach Stockholm. Wie mir sein Trainer Larry Snider fernmündlich mitteilte, hat er sich entschlossen, die Kontrakte, die seiner in den Vereinigten Staaten harren und die ihm 25000 Dollar einbringen sollen, zu prüfen. Das heißt, er ist nicht abgeneigt, Professional zu werden, wenn sich die Geschichte lohnt. Nun haben wir aber einen Paragraphen in unseren Bestimmungen der lautet, daß jedes unserer Mitglieder, das seine Startverpflichtunger ohne genügende intschuldigung nicht durchführt, automatisch disquali