Bezuospreis wiz, Hhogser.85 3 M, monatlich oder 93 Bf. Halbmonatlich. Bezugspreis für die Bochumer Illustrierte: 30 Bf. monatlich, Funtselischrst„dör mit mir“ 45 Hf monatich bei biga, Sexgegen, De a burch böhere Gewalt, Verdot oder Veiriebstbrung u. Hästsfes ie über: Veprechstunden de, Schriftletung, auser und Samstags, von 16 bis 17 Uhr.— Postscheckkonio Dortmund 1760. Verlag und Druck: Laupenmühlen& Dierichs in Bochum Freitag, 31. Juli 1936 43. Jahrgang Nummer 127 Einzelpreis 10 Pf. Anzeigenpreise: Grundpreise f9: Zreite. Bö gil. n7 Pextiel, Familienin Anzeigentel, und in 78 mm Gfei Zereinsanzeigen(die, nicht der anzeigen, und Stellengeluche, 8 Vr.,„ipe Anzeigen(nicht geschäftlicher Wirtschaftswerbung dienen) 7 Vl., kteine vEporttalender Im Tertiel Preg, V. gxPizelgen im.„Vereins, Ob;z, Hl. Zur Zeit ist Preis10 Bf.,, Auskunft= und Zissergebühren 2.., gchluß Der Anzeigenliste Nr. 7 gültig, Nachlaßtgöge v. jrahmorgens erscheinende annahme für die sech2 Vortages.e Füx den richtigen Abdruck fernmündlich aufgegebener Anzeigen kann keine Gewähr übernommen werden. Hauptgeschäftsstelle: Rathausplatz 8. Anruf 67551, 52, 53 Die Olympischen Spiele: „esr err Hrierr... Dr. Goebbels empfing 1200 der namhaftesten Vertreter von Presse, Funk, Film und Lichtbild ndemma öber dan schönen Empfai dnb Berlin, 30. Juli. Am Donnerstag abend empfing der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels vor Beginn der Olympischen Spiele in den Räumen des Zoos die namhaftesten Vertreter der Presse, des Films, des Rundfunks und der Bildberichterstattung, die aus allen Teilen der Welt, aus dem Reich und aus Berlin Unter den mehr als 1200 Teilnehmern an dem großen Empfang sah man auch viele hervorragende Persönlichkeiten des deutschen und internationalen Sportlebens und der Staats= und Parteidienststellen. Es waren anwelegd. färgtliche. Mitglieder, des Internationalen Olympischen Komitees mit ihrem Präsidenten Graf de Baillet=Latour und ihrem Senior Dr. William May Garland an der Spitze, die Männer des deutschen Organisationskomitees mit dem Staatssekretär a. D. Dr. Lewald sowie die Präsidenten der nationalen Olympischen Ausschüsse und der interGästen sah man u. a. Sir Robert Danstart und den direktor Dr. Dorpmüller, der stellvertretende Gauleiter schloß mit dem Wunsche, daß diese Olympischen Spiele in der Tat ein wahrhaftes Fest des Friedens sein möchten, daß sie mithelfen möchten, das Glück der Völker zu fördern, der Wohlfahrt aller zu dienen und eine Brücke zu bauen, auf der alle Nationen sich irgendwo begegnen. Die Ansprache des Ministers wurde mehrfach durch lebhafte Zustimmungskundgebungen unterbrochen und am Schluß mit langanhaltendem Beifall bedacht. Abschließend sprach der Präsident des Internatienglen Sportpresse=Verbandes, Boin(Belgien). Er fand Worte hoher Bewunoerung uver den schonen Empfang in Berlin und über die einzigartigen Vorbereitungen der Spiele, durch die eine glänzende Durchführung gesichert sei. Was den allgemeinen Wunsch nach dem Frieden betreffe, so werde gerade die Sportpresse guten Willens sein. Zum Schlusse erinnerte Boin an Wort des Führers, daß der Sport etwas Ritterliches sei und den besten Fähigkeiten des Menschen zum Nach der Ansprache blieben die in= und ausländischen Gäste noch lange in den Räumen des Zoos bei angeregtem Meinungsaustausch beisammen. Die spanische Militärgruppe meldet: Sitrtetfaug Aius bier berichten Vernichtung dreier Flugzeuge der Militärgruppe mann genannt. In kurzer Ansprache begrüßte Staatssekretär Funk hauptkadt gekommen sei sondern um die ganze Welt das Fest der Jugend, der Schönheit und des Friedens miterleben zu lassen und um ein Schriftguund Bilddokument von dieser einzigartigen Feier der Volter zu überliefern. Graf de Baillet=Latour Olympischen Spiele geleistet habe. Die Presse habe sich damit ein großes Verdienst um die Jugend der Welt erworben, wofür er allen danke. Nach kurzer Pause sprach Reichsminister Dr. Goebbels Er begrüßte die Vertreter der Weltmacht Presse im Namen des Führers und der deutschen Reichsregierung auf das herzlichste und wies auf die großen deutschen Vorbereitungen für die Durchführung der Spiele hin, die gerade den Männern der Berichterstattung„alle. nur Perin als ommene Gaste empfangen werden. Berlin als wiurommene Gäste empfangen werven, und niemandem von Ihnen wird seine Ueberzeugung verwehrt.#artep daß, Es liegt nun nichts näher, als zu erwartenunge wenn Deutschland die Ueberzeugung seiner Gaste achtet, auch die Gäste die Ueberzeugung des jungen Deutschlands achten.“ Aus der Erinnerung an seine eigene journalistische Tätigkeit sprach der Minister hierauf über die innere Befriedigung und Freude, die die Aufgabe bedeute, Lichtbildner der öffentlichen Meinung zu sein. Er kennzeichnete dabei die schwere Verantwortung der Presse, dafür zu sorgen daß ihr Instrument in den Dienst der Wohlfahrt und des Friedens aller Völker gestellt werde. Diese Verantwortung sei bei allen Journalisten, ganz gleich welcher Nationalität, dieselbe. Dr. Goebbels verwahrte sich dann mit gegen den Vorwurf, daß Deutschland die Absicht habe, mit dem Olympischen Spielen Propaganda für seinen Staat zu betreiben. Deutschland sei allerdings gewillt. sich seinen Gästen von der besten Seite zu zeigen, mit Heutschland so zu seben, wieeswirklich ist Man werde dann wahrscheinli“P, er'sglenzge gine auf den Einwand en, doß die serischen Baese; nicht mehr ihrer Meinung entsprechend schreiben gürf Er rief die deutschen Journalisten als Zeugen dafür auf, daß die Presse in Deutschland heute wieder große nationale Interessen und Aufgaben zu.,grfüsleg, habe und daß, die Männer der deutschen Presse stoiz und dankbar seien, an diesen Aufgaben mitarbeiten zu könIm weiteren Verlauf seiner Rede hob er die heit der Aufgabe der Journalisten hervor, jetzt ungezählten Millionen in der ganzen Welt die Wettkämpfe der Jugend zu vermitteln. Diese Arbeit trage mit dazu bei, den politischen, wirtschaftlichen und kameradschaft lichen Frieden unter allen Nationen herbeizuführen. Er dnb Lissabon, 30. Juli. Nach einer Mitteilung des Hauptquartiers des Generals Mola ist die Einkreisung Madrids durchgeführt. Alle Verbindungen der spanischen Hauptstadt nach den noch in den Händen der Regierung befindlichen Städten sind zerstört. Der Radiosender von Sevilla teilte mit, daß die Wasserzufuhr nach Madrid endgültig von den Truppen des Generals Mola unterbrochen sei und daß die in den letzten Tagen heißumkämpfte Ayamoute von den Nationalisten erobert worZu der Besetzung Huelvas meldet der Sender Sevilla noch ergänzend, daß die Kommunisten das Volkshaus erbittert verteidigt hätten und daß das Gebäude bei den Kämpfen vollständig zerstört worden sei. Der rote Zivilgouverneur von Huelva habe die Flucht ergriffen, man habe ihn aber in der Nähe der portugiesischen Grenze verhaften können.. Meshungen Nach weiteren in Lissabon vorliegenden weldungen hat sich die Garnison von Valencia der Militärgruppe angeschlossen. Diese Meldungen wurden vom Sender Burgos bestätigt. Ferner wird gemeldet, daß am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag schwere Kämpfe in der Stadt Ferrol im äußersten Nordwesten Spaniens stattgefunden hätten, bei denen 95 Tote und eine große Anzahl von Verwundeten gezählt worden seien. Die Stadt befindet sich in den Händen der Militärgruppe. Wie der Radioklub von Portugal mitteilt, soll am Mittwoch abend im Guadarrama=Gebirge ein dreimotoriges Regierungsflugzeug von den Truppen General Molas abgeschossen worden sein. Es heißt, daß dieses Flugzeug sowjetrussischen Ursprungs gewesen sei. In einer Verlautbarung der Militärregierung wird die Nachricht bestätigt, daß sich der Kreuzer„Libertad“ bei Ferrol der Militärgruppe ergeben habe. Der Sender Tetuan meldet, daß vier Flug se der auf seiten der Madrider Linksregierung stehenden Truppen Granada bombardiert hätten. Eine Bombe sei auf ein Krankenhaus gefallen, wodurch mehrere Kranke verletzt worden seien. Jagdflugzeugen der Nationalisten sei es gelungen, drei Gegner abzu Wie der Sender Burgos mitteilt, soll auch Castellon zu der Militärgruppe übergegangen sein. Um Malaga werde auch heute noch gekämpf sei die Einnahme der Stadt durch die Aufständischen lediglich eine Frage von ein oder zwei Tagen. Die Truppen des Generals Mola setzen ihren Vormarsch östlich und westlich der Sierra Guadarrama rungsflugzeuge abgeschoffen worden sein. Ganz Nordwestspanien befinde sich im festen Besitz der — An den Nachrichtendienst des Senders vön Burgos schlossen sich scharfe Ausführungen, in denen von der und ihrer Haltung gegen die Militärgruppe lediglich um die Verteidigung der demokratischen Republik handele, obwohlg zgusend Tatigenen den klaren Beweis.„ Führerrolle Moskaus geiefert hätten. Geradezu unserhört sei das Verhalten des Moskauer [Senders, der unter Mißachtung aller internationalen Gepflogenheiten in verbrecherischer Weise die Marristen und Anarchisten zu Srgzag gp#Tefer u# aufhetze., Es sei ferner erwiesen, ouß Sowtetruße land seine Anhänger in Spanien mit Ma rial und Geld sowie mit Anführern versehe. Es sei zu hoffen, daß Europa begreife, welche Gefahr ein kommunistisches Spanien für die europäische Zivilisation und Kultur darstellen würde und daß es seine Konsequenzen daraus zöge. Der Angriff auf Saragossa dnb Perpignan, 30. Juli. Nach den hier vorliegenden Meldungen haben die letzten 24 Stunden keine entscheidende Veränderung in der Lage gebracht. Eine Frontverschiebung größeren Ausmaßes hat es— von der gend um San Sebastian abgesehen— lediglich Nordostspanien vor Saragossa gegeben. De Vormarsch auf die stark verteidigte Stadt, der nunmehr in vier Kolonnen erfolgt, geht sehr langsam voran. Die südliche Kolonne, die von Alcaniz aus vorstößt, hat jedoch am Mittwoch Hijar erreicht, eine kleine Stadt, die nur 28 Kilometer von Saragossa entfernt ist. Die mittlere Kolonne hat den wichtigen Kreuzungspunkt Bujaralos erreicht. Di Südgruppe hat bei Zusammenstößen mit dem Gegner Verluste von etwa 70 Toten und 500 VerwunDie Pariser Zeitung„Liberts“ meldete, daß eine starke„rote Kolonne aus Barcelona unter dem Kommando von Perez Farras bei Lina am Ebro, 54 Kilometer von Saragossa entfernt, bis nach Fraga jurückgeschlagen worden sei. Eine zweite katalanische Abteilung, die versucht habe, Huesca nehmen, habe ebenfalls ihren Rückzug antreten müssen, um nicht von Barcelona abgeschnitten zu werden. Madrider Zeitungsmeldungen zufolge sollen die Regierungstruppen bei Malaga ein von Sevilla kommendes Flugzeug der Na nalisten abgeschossen haben. Der Pilot, ein Verwandter des Generals Queipo de Llano, und sein Begleiter sollen ums Leben gekommenesein. Außerdem sollen Zivilflieger der spanischen Luftverkehrsgesellschaft in der Nähe von Madrid zwei andere Flugzeuge der Militärgruppe in Brand geschossen und zum Absturz gebracht haben. Deutsche Opfer Einflußnahme Roskaus auf den Gang der Ereignisse die Rede war. Der Madrider Sender versuche, so wurde erklärt, der Welt weis zumachen, daß es sich bei der spanischen Volksfront Scherl-Bilderdienst e ve beden end u, uach einer Mürigen Trauerseier in Abelungensag. ve, Be=esserint n Mannhein de Srade Pirecder., I. Sutselaugensant. des Bürgerkrieges in Spanien dnb Berlin, 30. Juli. Nach Meldungen des Kreuzers„Köln" hat der spanische Kreuzer„Almirante Cervera“ am vergangenen Mittwoch den kommunistischen Stadtteil von Gison in Nordspanien be# schossen. Durch einige Fehlschüsse wurden, noch bevor der Kreuzer mit der Einschiffung begonnen hatte, auch deutsche Staatsangehörige ver letzt. Ein Deutscher, Heinz Voß aus Hamburg, ist seinen Verletzungen erlegen, während Schmidt aus Duisburg, Karl Wever aus Barmen, Ernst Blümel aus Hirschberg, Friedrich Wittum aus Pforzheim und Philipp Frick aus Wiesbaden schwer verletzt an Bord der„Köln“ genommen wurden. Der Kommandant des Kreuzers, der Kapitän zur See Backenköhler, legte sofort bei dem Kommandanten des spanischen Kreuzers scharfen P gegen die Verletzung deutscher Staatsangehöriger ein, biessen Profest auch im Ramen Schut ihm übertagen sei, den soanischen Zedörzen Tod und die Verlebungen Jerterberden schwerversetzien zum Ausdruck brachten. aubesg, guc die ährig Deutschen hat der Kreuzer„Köln auch die übrigen deutschen Staatsangehörigen aus Gijon und Musel an Bord genommen, ferner einige Oesterreicher, Schweizer, Der deutsche Dampfer„Wessel“ ist nach Uebernahme der vom Panzerschiff„Deutschland“ im Hafen von Sautander aufgenommenen Rückwanderer am Mittwoch abend mit insgesamt 378 Flüchtlingen, darunter 202 Deutschen, von Bilbao nach St. Jean de Luz abgefahDie Torpedoboote„Seeadler“ und„Albatrok“ der Zweiten Torpedobootsflottille befinden sich jetzt auch in den spanischen Gewässern und begeben sich nach San9 Der Besehlshader der Linienschiffe, Konteradmiral Carls. meldet, daß die letzten deutschen Rückwanderer aus San Sebastian, Renteria und Passajes inzwischen durch den Dampfer„Bellone“ und ferner 82 Flüchtlinge aus Bilbao durch den Dampfer„Kronos nuch St. Jean de Luz in Sicherheit gebracht worden seien. Das unter dem Befehl des Kapitäns zur See Marschall stehende Panzerschiff„Admiral Scheer“ übernahm aus Varcelona 31 Deutsche, Die Hanzgengmumeg hälte: störer„Grecale“ in Lloret=de=Mar ausgenommen, hatte; es begibt sich von dort nach Taragona und anschließend nach Valencia. Die deutschen Dampfer„Urania" und „Uckermark“ haben weitere 500 Deutsche und 20 Ausländer aus Barcelona nach Genua gebracht. In verschiedenen Berichten kommt der Dank der Rückwanderet für die vorbildliche Betreuung und Hilfe Seite 2 Nr. 177# Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 31. Juli 1936 leistung sowohl an Bord der deutschen Kriegsschiffe als auch der Handelsdampfer zum Ausdruck. Frühstück der Stadt Berlin für das Internationale Olympische Komitee dnb Berlin, 30. Juli. Im historischen Saal des Berliner Rathauses fand am Donnerstag mittag der offizielle Empfang des Internationalen Olympischen Komitees(JOK.) durch den Staatskomissar Dr. Lippert im Rahmen eines Frühstücks statt, das die Reichshauptstadt ihren Gästen aus aller Herren Ländern gab. Dem festlichen Akt wohnten fast alle Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees mit Präsident Graf Baillet=Latour an der Spitze bei. Nach der Begrüßungsansprache überreichte Staatskommissar Dr. Lippert, dem Präsidenten des JOK., Graf Baillet=Latour, dem Präsidenten des Deutschen Organisationskomitees. Exzellenz Lewald, dem Reichssportführer von Tschammer und Osten und dem Staatssekretär Pfundtner die Olympia=Ehrenplakette der Stadt Berlin. Den Dank des Internationalen Komitees brachte der Präsident Graf Baillet=Latour zum Ausdruck. Die olympische Fackel in prag Prag, 30. Juli. Die olympische Fackel traf heute um.45 Uhr an der tschechoslowakischen Grenze ein, wo sie von den tschechoslowakischen Läufern nach einem feierlichen Akt übernommen wurde. In Tabor erwartete Staatspräsident Dr. Benesch die olympische Fackel. Der Läufer lief auf den Staatspräsidenten zu, der eine kurze Ansprache an die Menge hielt. Er schloß mit den Worten: „Ich möchte wünschen, daß sich die Einwohner der ganzen Tschechoslowakei an dieser Kundgebung beteiligen. Ich wünsche dem Fackelstaffellauf auf dem Gebiet der Tschechoslowakei auf seinem Wege zu den XI. Olympischen Spielen in Berlin das beste Gelingen und unseren Vertretern auf diesen Spielen viele Erfolge.“ Um 23 Uhr traf die olympische Fackel in Prag ein. Bei der Feier auf dem Altstädter Markt hieß der Außenminister Dr. Krofta namens des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik und namens der Regierung die Stafettenläufer willkommen.„Wir erblicken“, so sagte der Minister,„im olympischen Feuer ein Symbol der ewigen Wahrheit, deren Licht unter den Völkern verbreitet werden soll, um den uns allen so notwendigen Frieden zu sichern. In diesem Geiste freuen wir uns unserer würdigen Teilnahme an diesem internationalen Unternehmen, dem wir volles Gelingen wünschen.“ Störung der olympischen Feier in Wien durch Marxisten.— Unschuldige sollen darunter leiden. dnb Wien, 29. Juli. Während der Feierlichkeiten anläßlich des Eintreffens des olympischen Feuers in Wien und nach der Feier kam es in verschiedenen Gegenden Wiens zu Demonstrationen, die schließlich in einigen Fällen die Polizei zum Einschreiten zwangen. Die Demonstrationen trugen typisch marxistischen Charakter. Zur Tarnung wurden von den Anführern der Demonstranten, die schon nach ihrem Aussehen zu den jüdischmarxistischen Kreisen gehören dürften, auch nationalsozialistische Kampfrufe ausgestoßen, zweifellos um nationalsozialistisch gesinnte Teile der Bevölkerung zur Beteiligung an den Demonstrationen aufzureizen; ein Versuch, der, soweit sich übersehen läßt, fehlgeschlagen ist. Von den Demonstranten wurden ferner in großem Maße marxistische Flugblätter zur Verteilung gebracht, die eindeutig den Charakter der Zwischenfälle bewiesen. Wie amtlich mitgeteilt wird, wird infolge der politischen Demonstrationen die Amnestie für Häftlinge, die nach dem sogenannten Verwaltungsstrafverfahren abgeurteilt wurden, nicht durchgeführt werden. Wie wir von zuverlässiger Seite hören, wurde dieser Beschluß von einem bis lange nach Mittemnacht tagenden außerordentlichen Ministerrat gefaßt. Die Amnestie der Häftlinge im Verwaltungsstrafverfahren— das sind jene, die nicht von den Gerichten, sondern von den Polizeistellen und den Bezirkshauptmannschaften wegen politischer Delikte verurteilt wurden— hätte etwa 5000 Personen umfaßt und war in einem amtlichen Bericht anläßlich der Amnestie der gerichtlichen Häftlinge in der vorigen Woche angekündigt worden. Die Amnestie sollte bis längstens Ende dieser Woche durchgeführt werden. Viele politische gerichtliche Häftlinge, die vorige Woche auf freien Fuß gesetzt worden waren, hätten nach Verbüßung ihrer gerichtlichen Strafe noch eine zusätzliche Verwaltungsstrafe zu verbüßen gehabt. Ob diese Strafen nunmehr wiederaufleben, ist noch nicht bekannt. * Es ist nur allzu bekannt, daß den Marxisten die deutsch=österreichische Verständigung nicht in den Kram paßt. Wenn sie sich ausgerechnet die olympische Feier in Wien aussuchten, um Zwischenfälle zu provozieren und ihrem Unmut Ausdruck zu geben, so beweisen sie damit nur, daß sie sich nicht scheuen, selbst die aller Welt heiligen olympischen Ideen in den Schmutz zu ziehen und für ihre dunklen Zwecke zu mißbrauchen. Das ist bedauerlich, beweist aber wieder einmal die niedrige Gesinnung der Marxisten. Mit welchen gemeinen und heimtückischen Mitteln sie kämpfen, zeigen die irreführenden Zwischenrufe, als ob die Kundgebungen von Nationalsozialisten ausgingen. Wir kennen diese Kampfesweise in Deutschland aus eigener Erfahrung und verachten sie. Wenn die österreichische Regierung diese bedauerlichen Zwischenfälle zum Anlaß genommen hat, um die Amnestie für die Häftlinge aus dem Verwaltungsstrafverfahren nicht durchzuführen, so können wir nur unser Befremden darüber ausdrücken, denn durch diese Maßnahme werden völlig unschuldige Männer bestraft, die mit den Kundgebungen nicht das geringste zu tun haben. Die marxistischen Demonstrationen in Wien hatten den Zweck, die deutsch=österreichische Annäherung zu durchkrenzen. Die regierenden Männer aber müssen alles aufbieten, die Durchführung des politischen Friedenswerkes nicht stören zu lassen. Alle Franzosen sollen Katalonien verlassen. Der kranzösische Konsul in Barcelona hat seinen Landsleuten die strikte Anweisung gegeben, Katalonien zu verlassen. Spanische Militärregierung entläßt sämtliche Botschafter und Gesandten. Einer Reutermeldung zufolge sollen auf Befehl des Hauptquartiers der Militärgruppe in Burgos sämtliche spanischen Missionschefs im Auslande ihrer Posten enthoben worden sein. Zu ihren Nachfolgern seien ihre bisherigen Stellvertreter ernannt worden. Eine Anzahl spanischer Missionschefs, darunter auch der Botschafter in Berlin, hatte schon in den letzten Tagen ihren Rücktritt erklärt. Feirrr und Freder Die Abschiedsstunde auf der Festwiese in Hamburg— Dr. Goebbels empfängt die Mitglieder des Freizeit=Weltkongresses dnb Hamburg, 30. Juli. Die Abschiedsstunde auf der Festwiese vor der Eulenburg gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung des Weltkongresses für Freizeit und Erholung. Die Gesamtheit der ausländischen und volksdeutschen Gruppen bot in der Vielfältigkeit prächtiger Trachten ein Bild von unbeschreiblicher Schönheit, das vollkommen dem Motto:„Friede und Freude" entsprach. Gegen 14 Uhr erschienen Reichsminister Dr. Goebbels und der Präsident des Weltkongresses Dr. Ley. Sie bahnten sich den Weg mitten durch die begeisterte Menge zum Podium. Der Leiter des Organisationsausschusses Pg. Rentmeister dankte den Abordnungen herzlich für ihr Erscheinen zur Abschiedsstunde. Er bat sie, in ihrer Heimat über die Eindrücke in Deutschland zu berichten, und rief zum Schluß aus:„In dieser Stunde grüßen wir die Staatsoberhäupter aller Nationen, indem wir auf den Führer des deutschen Volkes ein dreifaches Sieg=Heil ausbringen!" Begeistert stimmten die Gäste und die Volksmenge in das Sieg=Heil ein. Ein Mitglied der rumänischen Abordnung, Professor Dobresko André(Bukarest), verteilte zuletzt an Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley sowie die engsten Mitarbeiter am Weltkongreß im Namen der ausländischen Abordnungen ein Buch als Erinnerungsgeschenk. Noch einmal erscholl brausender Jubel, als Dr. Goebbels und Dr. Ley die Gäste und die Menge mit erhobenem Arm grüßten und den Festplatz verließen. Nach der Schlußsitzung des Freizeit=Weltkongresses (siehe den Bericht an anderer Stelle) empfing Reichsminister Dr. Goebbels im Namen der Reichsregierung in den Festräumen des Hotels„Atlantik“ eine große Zahl geladener Gäste. Mit Reichsorganisationsleiter Dr. Ley zusammen waren das Präsidium des Weltkongresses und alle die Gäste erschienen, die an diesem Kongreß teilgenommen hatten. Ferner nahmen zahlreiche Trachtengruppen des In= und Auslandes an dem Empfang teil. Um den Tisch des Ministers drängten sich bald die Vertreter aller Nationen, um mit ihm Worte der Freude und der Freundschaft zu wechseln. Der Empfang dehnte sich weit länger aus, als vorgesehen war. Dr. Goebbels gab schließlich in herzlichen Worten seiner großen Freude darüber Ausdruck, mit so zahlreichen ausländischen Freunden zusammen zu sein. Er hoffe, daß die Früchte dieses Kongresses der ganzen leidenden Menschheit bald einmal irgendwie zugute kommen würden. In diesem Sinne verabschiedete sich Dr. Goebbels von seinen Gästen mit der Bitte, ihren Ländern herzlichste Grüße zu übermitteln. Der chilenische Vertreter Professor Dr. Galvez dankte dem Minister im Namen aller ausländischen Gruppen für seine Worte. Im Vorraum des Hotels wartete eine holländische Trachtengruppe auf den Minister und führte ihm einen holländischen Tanz vor. Zahlreiche Blumensträuße wurden dem Reichsminister bei seinem Abschied in die Hand gedrückt. Um 18 Uhr verließ Reichsminister Dr. Goebbels mit seiner Begleitung die Kongreßstadt Hamburg vom Flughafen Fuhlsbüttel aus. Auf dem Flugplatz hatten sich stellvertretender Gauleiter Henningsen, Polizeiherr Boltz, Landesstellenleiter Schmidt sowie weitere Vertreter des Staates, der Bewegung, der Wehrmacht, der Kongreßleitung und Tausende von Volksgenossen und Kongreßteilnehmern zum Abschied eingefunden. Die Dinkelsbühler Knabenkapelle, die aus Anlaß des Weltkongresses in Hamburg weilt und in ihret historischen Tracht aus der friderizianischen Zeit auf dem Rollfeld Aufstellung genommen hatte, brachte dem Minister zum Abschied ein Ständchen. Oreßfeller i Kuttsseilhaus der Slauletheuter in der Berliner Innenstadt— Göring, Himmler und Graf Helldorf an der Brandstätte dnb Berlin, 30. Juli. In dem Kulissenhaus der Staatstheater in der Prinz=Friedrich=Karl=Sraße kam am Donnerstag nachmittag im ersten Stockwerk aus bisher noch unbekannter Ursache ein Feuer aus, das sich sehr rasch ausbreitete. Zahlreiche Löschzüge griffen die Flammen sofort von allen Seiten an. Nach wenigen Minuten erschienen auch Ministerpräsident Generaloberst Göring als oberster Chef der Preußischen Staatstheater und der Polizeipräsident Graf Helldorf, um sich von dem Fortgang der Löscharbeiten zu unterrichten. Die Rauchentwicklung war außerordentlich stark, so daß die Wehrmänner, die den Versuch machten, zum Brandherd vorzudringen, nur mit Rauchschutzgerät arbeiten konnten. Infolge der hohen Alarmstufe— es war 15. Alarm gegeben worden— hatten die Wachen auch sämtliche Arbeitswagen und viele Spezialfahrzeuge zur Brandstelle beordert. Um genügend Wasser zu haben, wurden auch Schläuche in die Spree gelegt. Die dichten Rauchschwaden hatte eine große Menschenmenge angelockt, die infolge des außerordentlich starken Spaziergängerverkehrs in der Innenstadt immer wieder neuen Zuzug erfuhr. Polizeibeamte mit Unterstützung von Soldaten, HI., SA. und SS. halfen den Beamten bei der Freihaltung der Zufahrtsstraßen. Gegen 19.20 Uhr war die Gewalt des Feuers offenbar gebrochen. Kurz nach 19.30 Uhr begab sich Ministerpräsident Göring mit dem inzwischen eingetroffenen Chef der deutschen Polizei, Reichsführer SS. Himmler, und dem Berliner Polizeipräsidenten Graf Helldorf zu einer kurzen Besichtigung ins Innere des Gebäudes. Flottenvertrag London—Moskau wird abgeschlossen werden dnb London, 30. Juli. Wie am Donnerstag mittag in amtlichen Kreisen verlautet, wurde bei den britisch=sowjetrussischen Flottenbesprechungen über sämtliche Punkte eine Einigung erzielt. Als Folge dieser Einigung wird ein zweiseitiger Vertrag zwischen Großbritannien und Sowjetrußland abgeschlossen werden, der mit den Grundsätzen des vor einigen Monaten in London abgeschlossenen Flottenabkommens zwischen England, Frankreich und Amerika übereinstimmt. In diesem Zusammenhang wird ferner mitgeteilt, daß etwa Ende August auch Flottenverhandlungen mit der dänischen Regierung in London geführt werden. von Frankreich und Moskau“ Zusammenfassung aller Kräfte der slämischen Bewegung dnb Brüssel, 30. Juli. Die Vertreter des flämisch=nationalen Blocks in der Kammer und im Senat haben eine gemeinschaftliche Sitzung abgehalten, um zu verschiedenen politischen Fragen Stellung zu nehmen. Hinsichtlich der Beschlüsse des Löwener Kongresses, der sich für eine stärkere Zusammenfassung aller Kräfte in der flämischen Bewegung ausgesprochen hat, hat die Versammlung die Erwartung ausgesprochen, daß die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen allen Flamen zustande kommen möge, und sich bereit erklärt, mit allen Kräften daran mitzuarbeiten. Die Versammlung erhob dann dagegen Einspruch, daß tausende Soldaten über ihre Dienstzeit hinweg augenblicklich unter den Fahnen gehalten würden. Zu der vielbesprochenen Rede, die der Außenminister Spaak kürzlich vor den Vertretern der Auslandspresse gehalten hat, stellten die Mitglieder des flämischnationalen Blocks mit Genugtuung fest, daß die belgische Regierung, hauptsächlich unter flämischem Druck, sich gezwungen sehe, nach größerer Selbständigkeit in den außenpolitischen Beziehungen Belgiens zu streben und der öffentlichen Meinung Rechnung zu tragen, die es ablehne, in einen Konflikt gerissen zu werden, der durch einen Interessenstreit zwischen den Großmächten entstehen könnte. In der von der Versammlung angenommenen Entschließung wurde die flämische Bevölkerung aufgefordert, sich auch in Zukunft gegen alle Allianzen und militärischen Abmachungen Belgiens mit anderen Mächten zu wenden und der Parole„Los von Frankreich und los von Moskau“ zum Siege zu verhelfen. Hochschule für Landesverteidigung wird in Frankreich errichtet dnd Paris, 30. Juli. Das französische Kriegsministerium teilt mit, daß der ständige Ausschuß für die Landesverteidigung, der am 28. Juli unter dem Vorsitz des Landesverteidigungs= und Kriegsministers Daladier zusammengetreten ist, in Ausführung eines im Juni ausgearbeiteten Programms die Schaffung einer Hochschule für die Landesverteidigung begonnen habe. Sie soll von ausgewählten, für den Generalstab bestimmten Offizieren des Land= und Luftheeres und der Marine sowie einer Anzahl führender Beamter besucht werden. Die Hochschule für die Landesverteidigung soll im Studium der nationalen Strategie unterweisen und die Offiziere und Beamten mit den großen allgemeinen Fragen politischer, wirtschaftlicher, finanzieller und sonstiger Art in ihren Beziehungen zur Landesverteidigung vertraut machen. Die neue Hochschule, die ihre Arbeiten im Herbst aufnehmen soll, soll eine einheitliche Lehre für den vereinten Einsatz der einzelnen bewaffneten Streitkräfte aufstellen. Außerdem hat der ständige Ausschuß für die Landesverteidigung eine Reihe von Beschlüssen über industrielle Mobilmachung aufgestellt. Frankreich liefert keine Waffen nach Spanien.— Aussprache im Auswärtigen Senatsausschuß. and Paris, 30. Juli. Der Auswärtige Ausschuß des Senats hat am Donnerstag den Ministerpräsidenten und den Außenminister über die gesamte internationale Lage und besonders über die französische Außenpolitik angehört. Blum und Delbos haben ausführlich auf den Fragebogen geantwortet, der ihnen vom Vorsitzenden des Ausschusses, dem Senator Henry Berenger, unterbreitet worden war und der sich mit den Ergebnissen der Londoner Konferenz beschäftigte, und Auskunft darüber wünschte, was von einer etwaigen Beteiligung Deutschlands und Italiens an einer europäischen Regelung zu erwarten sei. Ministerpräsident Blum und der Außenminister Delbos beantworteten die Fragen ausführlich, so heißt e sin dem amtlichen Bericht, indem sie sich auf diplomatische Dokumente stützten. Im Namen des Ausschusses sprach Senator Berenger den beiden Ministern seine Glückwünsche dazu aus, daß sie in London verständnisvolle Solidarität mit den Vertretern Englands und Belgiens herbeigeführt hätten, die das Gelingen der künftigen Konferenz begünstige. Anschließend befragte der Ausschuß die Regierung zur spanischen Angelegenheit, insbesondere, ob die Gerüchte, die sich im Umlauf befänden, begründet seien. Im Laufe eines Berichtes über die Lage stellten Ministerpräsident Blum und Außenminister Delbos alle Gerüchte über angebliche französische Lieferungen von Waffen, Flugzeugen und Kriegsmaterial unbedingt in Abrede. Der Ausschuß beglückwünschte darauf einstimmig die Regierung zu ihrer Haltung. Weiter sprach der Ausschuß dem Vertreter Frankreichs auf der Konfernz von Montreux, Paul=Boncour, seine Anerkennung aus. Zum Schluß gab Senator Berenger den Vertretern der Regierung im Namen des Ausschusses die Versicherung einer vollkommenen Mitarbeit für die Verteidigung der französischen Sicherheit und des internationalen Friedens ab. Rudolf Heß spendete 50 000 RM. für die geschädigten Spanien=Deutschen. Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, hat für die NSDAP. dem „Hilfsfonds für die geschädigten Spanien=Deutschen" 50 000 RM. überwiesen. Griechischer Thronfolger in Berlin dnb Berlin, 30. Juli. Auf dem Flughafen Tempelhof traf Donnerstag nachmittag in einer Sondermaschine der Präsident des griechischen Olympiakommissars Prinz Paul von Griechenland ein. Zu Ehren des Gastes hatte die Lufthansa die griechische Nationalflagge, die in der Gösch die Krone zeigt, aus der bunten Flaggengalerie, die sich rings um die Haupthalle zieht, herausgenommen und am Hauptflugsteig aufgezogen. Der griechische Gesandte Exzellenz Rizo=Rangabe hieß den Gast, in dessen Begleitung sich u. a. der ehemalige Vizeministerpräsident Graf Theotokis befand, willkommen. Namens der Reichsregierung begrüßte ihn der Chef des Protokolls, Gesandter von Bülow=Schwante. Das deutsche Organisationskomitee war durch Generalsekretär Dr. Diem vertreten. Erschienen waren ferner die Olympiamannschaft Griechenlands mit ihrem Ehrenmitglied, dem Marathonsieger von 1896 Spiridon Luis, sowie sämtliche Mitglieder des griechischen Olympiakomitees, der ehemalige Arbeitsminister Cartales, Admiral a. D. Malamos und General a. D. Spyridomos. Nach Abschreiten der Front der Olympiakämpfer mußte sich der griechische Thornfolger noch längere Zeit dem Kreuzfeuer der Filmoperateure und Photographen aussetzen. Italienischer Minister in Berlin anb Berlin, 30. Juli. Einer Einladung des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels zur Teilnahme an den Olympischen Spielen folgend, traf am Donnerstag der italienische Propagandaminister Dino Alfieri in Berlin ein. Minister Alfieri wird fünf bis sechs Tage in der Reichshauptstadt verbleiben. Lindbergh bei den Junkers=Werken dnb Berlin, 30. Juli. Oberst Lindbergh in Begleitung der amerikanischen Luftattachés Commander Maile und Captain König stattete am Donnerstag im Rahmen seiner Luftfahrtbesichtigungen den Junkers=Werken in Dessau einen Besuch ab. Empfangen vom Generaldirektor Dr. Koppenberg und den Betriebsführern Thiedemann und Dr. von Brauchitsch, galten die Stunden seines Aufenthalts in Dessau der Kenntnisnahme einer Reihe von Werkstätten des Flugzeug= und Motorenbaues dieses großen Unternehmens. Das besondere Interesse von Oberst Lindbergh richtete sich auf dem technischen Gebiet auf die Großserienproduktion des Junkers=Juwel=Motors, die einzigartig in der Luftfahrt der Welt ist. Auf dem Gebiet des Flugzeugbaues konnte der Gast die Ueberzeugung gewinnen, daß das Schaffen ebenso der mengenmäßigen Produktion wie der Weiterentwicklung gewidmet ist. Besonderen Eindruck machten auf den ausländischen Besucher die großzügigen, dem Grundsatz der Schönheit der Arbeit gerecht werdenden Maßnahmen, die beim Neubau der Werksanlagen berücksichtigt worden sind. In den Räumen des Kameradschaftsheimes unterließ es Oberst Lindbergh nicht, eine genaue Uebersetzung der als Wandschmuck verwandten Aussprüche des Führers zu verlangen, die sich auf die Zusammenarbeit der Arbeiter der Stirn und der Faust beziehen. Dr Koppenberg, der Generaldirektor der Junkers=Flugzeug= und Motorenwerke AG., dankte bei einem anschließenden kurzen Beisammensein für die Würdigung der Junkers=Arbeit, die Oberst Lindbergh bei der ersten offiziellen Begrüßung im Haus der Flieger in Berlin ausgesprochen hat. Oberst Lindbergh war über die bei den Junkers=Werken verbrachten Stunden sichtlich erfreut und erklärte auch bei dieser Gelegenheit, welch großes Erlebnis es für ihn bedeute, das neue Deutschland kennenlernen zu dürfen. Frauenstimmrecht in Frankreich von der Kammer beschlossen dnd Paris, 30. Juli. Die französische Kammer, die am Donnerstag vormittag zu einer Sitzung zusammengetreten war, um über die Wahlrechtsreform zu beraten, vertagte nach kurzer Aussprache die Weiterbehandlung dieser Frage mit 322 gegen 233 Stimmen auf eine spätere Sitzung. Anschließend beschäftigte sich die Kammer mit einigen Regierungsvorlagen zur Unterstützung der kleinen Unternehmer und Kaufleute. Kurz vor Schluß der Vormittagssitzung beantragte Louis Marin überraschend im Namen von 50 anderen Abgeordneten die sofortige Aussprache über die Frauenwahlrechtsvorlage. Durch Handaufheben entschloß sich die Kammer, dem Wunsche Marins stattzugeben. Da niemand das Wort verlangte, schritt man gleich zur Abstimmung, und in seltener Einmütigkeit mit 488 gegen eine Stimme nahm die Kammr den Gesetzesvorschlag an, der den Frauen in Frankreich das gleiche aktioe und passive Wahlrecht wie den Männern zuerkennt. Reichsstatthalter Kaufmann mit der Landesführung in Hamburg beauftragt. Der Führer und Reichskanzler hat auf Grund des Paragraphen 4 des Reichsstatthalter= gesetzes den Reichsstatthalter in Hamburg, Karl Kaufmann, mit der Führung der Landesregierung in Hamburg beauftragt. 37 britische Kriegsschiffe in spanischen Gewässern. Zur Zeit befinden sich in den spanischen Gewässern 37 britische Kriegsschiffe, davon sieben in der Gegend von Barcelona. Portugals Außenminister in London. Der Londoner Berichterstatter des„Echo de Paris“ meldet die plötzliche Ankunft des portugiesischen Außenministers Monteiro in London. Er wünsche der englischen Regierung klar zu machen, daß es auch im Interesse Portugals liege, in Spanien keine rote Junta ans Ruder kommen zu lassen. Er wolle sich mit der englischen Regierung wahrscheinlich über die Mittel verständigen, Portugal, den ältesten Verbündeten Englands, zu verteidigen. Hauptschriftleiter: Dr. Paul Dierichs Stellvertreter: Hans Schulte. Verantwortlich für Politik: Rud. Foest, Kommunalpolttik und Stadtteile: Adolf Peddingbaus, Lokales: Hans Schulte, Kulturpolitik und Unterhaltung: Dr. Josef Schwermann, Wirtschaft: Fritz Schmidt, Gerichtsdienst und Briefkasten: i. V. Dr. Karl Baals. SportHans Hornberg, Anzeigen: Kurt Scholz, sämtlich in Bochum. Berliner Schriftleitung: Michael Haupt. Berlin=Karlsvorst, Dönhoffstraße 19. Anruf Karlshorst 0340. Berliner Anzeigenvertretung: F. W. Pempe, BerlinCharlottenburg, Uhlandstraße 194. Anruf O 1 Steinplay 6813. Verlag und Druck: Laupenmüblen a Dierichs in Bochum, Ruf 67551, 52, 53.— Zur Zeit ist Preisliste Nr. 7 gültig. Nachlaßstafsel B.— DA VI. 36 über 26 300. Sprechstunden der Schriftleitung wochentags, außer Mittwochs und Samstags, von 13 bis 17 Uhr. Für unverlangte Einsendungen keine Haftpflicht. Rücksendung nur bei Rückporto. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten Seite 3 Nr. 177 7 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 31. Juli 1936 „Heini, er fliegt!“ Alles und jeder hat seine Laufbahn. Niemand wird gleich Generaldirektor. Wer weiß, ob Rosemeyer oder„Karatsch“ nicht als achtjährige Knirpse ihren Roller oder L Selbstfahrer in kühnem Bogen um die Straßenecke gesteuert haben. .#22—.X Wer weiß? Wenn Heinz und Hans mit der gleichen Sorgfalt und Begeisterung, mit der sie die Latten“ des zukünftigen „Luftvogels" um einige Späne erleichtern und später den Kartoffelkleister auf das Papier streichen, weiter arbeiten, werden wir sie in zehn Jahren wohl als stolze Jagdflieger oder Zeppelin=Monteure bewundern können. Sage einer, einen Luftvogel zu bauen, wäre eine Kleinigkeit. Ja gewiß, die Muttersöhnchen, die von der„Mama“ einen Groschen bekommen, gehen in den nächsten Laden und kaufen sich einen„Drachen“ fix und fertig mit Bindfaden und Schwanz, und das weitere besorgt der Wind— oder auch nicht. Freilich, freilich, Geschick muß man dazu haben, und die beiden haben einen ganzen Tag alle Winkel und Ecken nach einem Brett umgekehrt, von dem man die„Latten“ schneiden könnte, denn jedes Holz eignet sich nicht dazu. Die„Stehlatte" natürlich ein wenig länger als die „Querlatte", und beide in der Waage in einem bestimmten Verhältnis auf einander befestigt. Genaueres darf natürlich nicht verraten werden, ist Fabrikgeheimnis, und wer etwa„Werksspionage“ betreiben wollte, dem würden Heinz und Hans schon heimleuchten. Der Vogel ist aber vorläufig noch ein elendes Gerippe, der Anzug muß ihm noch angemessen werden, und hier kann sich die Fantasie der beiden in ungeahntem Maße entwickeln. Ob blau, grün, weiß, rot, schwarz oder in allen möglichen Schattierungen und Zusammenstellungen, das bleibt dem Geschmack des einzelnen überlassen. Die Querlatte wird durch ein Band zu einer leichten Krümmung angezogen, man muß hier die Grenzen kennen sonst gibt es einen Knacks, und entgegen den menschlichen Rippen lassen sich die des Luftvogels nicht mehr heilen. Ein„Ziehband“, auch in einem bestimmten Verhältnis, macht den Vogel fertig, bis auf wenige Einzelheiten, die aber bei den„Probeflügen" festgelegt werden. Aber halt! Natürlich muß auch noch ein Band da sein, und es ist der größte Stolz, seine 100 bis 200 Meter auf der Wickelmaschine liegen zu haben. Hier muß man sich natürlich auskennen und es nicht wie der Clown machen, der seinen 20 Zentimeter hohen Pintscher an einer Kette in die Arena führte, mit der man die„Europa“ über den Ozean schleppen könnte. Aber das wissen ja Heinz und Hans. Sie haben gerade den Schwanz durch einige Probeflüge ausprobiert, Donnerlütgen, der Vogel fliegt bald wie die„Ju 52“. Und dann hinaus auf einen freien Platz, auf das freie Feld. Heinz packt den Vogel, läuft mit dem Wind davon, läuft und läuft, bis Hans Halt schreit—— los——! Wenige Meter muß Hans laufen, dann packt der Wind schon in die Backen des Vogels und drückt ihn höher und höher. Die Wickelmaschine surrt und furrt, und oben wird der Vogel kleiner und kleiner. Hans braucht nicht mehr zu laufen, braucht nur zu schreien:„Heini, er fliegt!“ Neue Krufts=Junder Vier Damen und vier Herren für die Bochumer Bühne verpflichtet Von der Bochumer Theaterleitung wird uns geschrieben: Bevor sich im nächsten Monat, mit Beginn der neuen Spielzeit, zum ersten Male wieder der Vorhang der Bochumer Bühne hebt— als Auftakt zu einem Jahr verheißungsvoller künstlerischer Arbeit— möchten wir schon heute mit den neu verpflichteten Mitgliedern des Stadttheaters bekannt machen, die in Gemeinschaft mit den bereits bewährten Kräften des Ensembles zum Gelingen der weitgespannten Pläne beitragen werden. Wir geben den einzelnen Künstlern nachfolgend Gelegenheit, in ein paar kurzen Worten etwas über sich und ihren Werdegang auszusagen. Barbara Clemen: „Mein erstes Auftreten vollzog sich während der Schulzeit in Godesberg bei Bonn in Aufführungen von „Minna von Barnhelm“ und Wiecherts„Spiel vom deutschen Bettelmann“. 1934 bestand ich die Aufnahmeprüfung für die Immermannschule in Düsseldorf, von wo aus das Stadttheater Bochum mich verpflichtete. Ich bin sehr glücklich, gleich zu Beginn meiner praktischen Arbeit an einem Theater wie Bochum spielen zu dürfen, und ich freue mich auf alle Aufgaben, die mir dort gestellt werden.“ Freca=Renate Bortfeldt: „Ich kam durch den Tanz zur Bühne. In der Inszenierung meines Bruders„Lumpacivagabundus“ bei Erich Ziegel arrangierte ich die choreographischen Teile und gehörte daraufhin dem Ensemble fest an. Als Erich Ziegel ins Thalia=Theater hinüberzog, ging auch ich mit seinem Ensemble mit. Vor mir lag eine Zeit schwierigster Aufgaben. Schwierig insofern, als ich ein Gebiet Rollen spielte, die zwar für meine Entwicklung gut, aber nicht mein ureigenstes Element waren. Meine Sehnsucht, daß sich das Schicksal in meinen Rollen einmal so schwierig gestalten möge wie im Leben selbst, und daß sich statt eines„happy end“ einmal eine wahrscheinlichere Begebenheit einstellen möge, erreichte ich dann in den„großen Bleichen", wo ich, Theater und Fach wechselnd, in das alte Ziegel=Haus hinüberzog an den Platz meiner ersten Tätigkeit. Und hier spielte ich dann Rollen, die nicht nur anderen, sondern auch mir selbst gefielen. Jetzt gehe ich nach Bochum ans Stadttheater und freue mich sehr; denn mein Wechsel in eine andere Stadt ist für mich wichtig und interessant. Liselott de Boy verbrachte den größten Teil ihrer Jugend im Ruhrgebiet. In Straßburg im Elsaß als Sproß einer altpreußischen Beamtenfamilie geboren, kam sie später nach Berlin, wo sie auch ihre künstlerische Ausbildung genoß. Schon früh war der Wunsch zur Bühne in ihr rege. Im Bochumer Stadttheater wird sie die Möglichkeit haben, ihr Können ausreifen zu lassen. Gisela Uhlen: „Mein Vater war erst Offizier und wurde dann Sänger. Von ihm habe ich wohl die Neigung zum Theater geerbt. Zuerst freilich wollte ich Tänzerin werden. Man schickte mich deshalb in eine Tanzschule, als ich sieben Jahre alt war. Mit 14 Jahren wollte ich doch lieber zum richtigen Theater. Nach vielen vergeblichen Versuchen wurde ich dann trotz meiner Jugend an der Ausbildungsanstalt für Bühnennachwuchs angenommen. Spielen möchte ich eigentlich alles, was es gibt. Meine Schauspiellehrerin sagt, es würde noch viel Wasser in meinen Wein gegossen werden; aber ich glaube, was man sich fest vornimmt, erreicht man. Bisher wenigstens war es so. Ich freue mich sehr auf Bochum, vor allem auf richtige Arbeit, mit richtigen Schauspielern, vor richtigem Publikum.“ Hermann Braun: „Ich stamme aus einer alten Schauspieler= und Sängerfamilie. Eine Zeitlang wollte ich die Familientradition durchbrechen und Flieger werden. Ich war auch bei den Segelfliegern und habe meine=Prüfung gemacht. Aber dann merkte ich, daß ich es ohne Theater nicht aushalten konnte. So trat ich 1934 in die Ausbildungsanstalt für Bühnennachwuchs in Berlin ein; wir haben wirklich gelernt, was eine künstlerische Gemeinschaft und was Zusammenhalten bedeutet. Doch so gern ich an diese Schauspiel=Schulzeit zurückdenke, so sehr freue ich mich auch auf die neue Arbeit.“ Robert Harprecht kommt nach mehrjähriger erfolgreicher Bühnentätigkeit an das Stadttheater Bochum. Nach dem Abitur auf der berühmten Schulpforta kam Harprecht nach Hamburg, wo sein Vater am dortigen Schauspielhaus tätig war. Der junge Schauspieler stand zum ersten Male in einem Stück auf der Bühne, dessen männliche Hauptrolle sein Vater spielte. Geheimrat Grube verpflichtete den jungen Künstler nach Meiningen, wo er eineinhalb Jahre auf traditionsgeheiligtem Boden seine Schritte auf der Bühne festigen konnte. Von da ging es nach Baden=Baden, von dort nach Altena, um schließlich zu Beginn der vorigen Spielzeit wieder nach Hamburg an das Neue Theater zurückzukehren. Dann führte Harprechts Weg schließlich in den Westen des Reiches, an das Bochumer Stadttheater. Franz Gesihn: „Mit sieben Jahren sah ich das erste Theaterstück meines Lebens. Es war ein Weihnachtsstück und hieß „Prinzessin Eigensinn". Ich fand es wunderbar, und ich glaube, meine Theaterbesessenheit hat damals schon begonnen. Ich versuchte seither auf jede Weise mich dem Theater zu nähern. Da wir keine andere Ausbildungsmöglichkeit sahen(mein Vater fiel bereits kurz nach Kriegsbeginn an der Ostfront), trat ich nach meiner Schulzeit zunächst einmal beim Königsberger Opernhaus als Statist ein. Zwar lernte ich mit der Zeit sehr viele Stücke Operetten und Tänze kennen— meinem eigentlichen Ziel: Schauspieler zu werden, kam ich jedoch nur wenig näher. Mit Hilfe eines Staatsstipendiums konnte ich dann endlich die ersehnte Berufsausbildung beginnen und im März dieses Jahres bestand ich die Leistungsprüfung vor dem Fachausschuß der Reichstheaterkammer“. Wilhelm Pitsch: „Mein Weg zum Schauspielerberuf ist für unsere Zeit nicht ungewöhnlich. Es gibt sicher viele junge Schauspieler, die einen ähnlichen Weg gegangen sind: Neun Jahre Gymnasium bis zum Abitur, ein halbes Jahr Bürozeit und knapp zweieinhalb Jahre Schauspielstudium in Düsseldorf sind die größeren Abschnitte meines Lebens... bis zu diesem ersten Engagement in Bochum. Wenn ich noch hinzufüge, daß es die große Liebe zur darstellenden Kunst war, welche mich elementar bestimmt, die kaufmännische Lehre abzubrechen und auf die Schauspielschule zu gehen, so sage ich Ihnen damit auch nichts Neues. Ist das Motiv doch, wie Sie wissen, meistens dasselbe. Auch ich habe die mancherlei Schwierigkeiten, die sich bekanntlich allen denen mehr oder weniger entgegenstellten, die die Verwegenheit haben, zum Theater zu wollen, erst überwinden müssen, bis es zu dieser für mich schmeichelhaften Berufung kam. Ich kann Ihnen also gar wenig wesentlich Neues bringen. Kein Wunder auch, in meinem Alter fängt man im allgemeinen erst an, wesentlich zu werden. Lassen Sie mich darum meinen kleinen Bericht schließen, von dem ich dennoch hoffe, daß er Ihnen alles an einem Kunstnovizen Wissenswerte gesagt hat.“ Neue Spanienflüchtlinge in Bochum Nachdem mit dem ersten Transport in der Nacht zum Montag die ersten Spanien=Deutschen auch in Bochum eingetroffen waren, sind an den folgenden Tagen weitere Flüchtlinge hier angekommen. Uebrigens weilten in Spanien zahlreiche Mädchen auch aus Bochum, die nun alles in der Fremde im Stich lassen mußten. Schuljungen stahlen Mundharmonikas Wer kann Angaben machen? Am 21. Juli wurden von bisher unbekannten Schuljungen aus einem Geschäft an der hiesigen Hattinger Straße drei Mundharmonikas entwendet. Sachdienliche Angaben, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden erbittet die Kriminalpolizei in Bochum, Polizeipräsidium, Uhlandstraße 35, Zimmer Nr. 79. Gisela Uhlen Miühelen paot.: Btadtsheater Robert Harprecht Barbara Clemen Eiselott de Boy Freca=Renate Bortfeldt Franz Gesihn Hermann Braun 1 Seite 4 Nr. 177 7 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 31. Juli 1936 Dank französischer Frontkämpfer für Bochumer Gastfreundschaft Auf Veranlassung der Verbandsleitung des Verbandes ehemaliger Jäger und Schützen von Rheinland und Westfalen, Sitz Bochum, weilten am 28. und 29. Juni 1936 drei französische Frontkämpfer in Deutschland. Sie hatten in einem schon längere Zeit geführten Briefwechsel größtes Interesse für die jetzigen deutschen Verhältnisse gezeigt und wollten sich nunmehr selbst von den Tatsachen überzeugen. Bei dem Besuch in Bochum waren sie auch Gäste der Stadt. Ihre Eindrücke haben sie in verschiedenen Schreiben an die Kameraden der Verbandsleitung zum Ausdruck gebracht. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Bochum hat ein solches Schreiben erhalten, das wir nachstehend veröffentlichen: Sehr geehrter Herr! Seit gestern wieder zu Hause, stehe ich noch ganz unter dem köstlichen Eindruck, den mir mein Aufenthalt von einigen Stunden unter meinen Kameraden in Bochum hinterlassen hat. Bevor ich sie kennenlernte, hätte ich niemals annehmen können, daß solche Bande zwischen Menschen, die ehemals Feinde waren, bestehen könnten, lediglich aus der Tatsache heraus, daß sie gemeinsam gelitten haben. Davon bin ich noch tief gerührt. Erlauben Sie mir daher, Herr Bürgermeister, daß ich Ihnen von ganzem Herzen danke für den freundlichen Empfang, den Sie mir haben zuteil werden lassen und Ihnen nochmals Dank zu sagen für die sinnige Aufmerksamkeit, die Sie mir entgegengebracht haben, indem Sie mir ein solch schönes Andenken an meinen Aufenthalt in Ihrer gastfreundlichen Stadt übergeben haben. Glauben Sie mir, daß ich das niemals vergessen werde und empfangen Sie, Herr Bürgermeister, von einem dankbaren Franzosen die Versicherung seiner größten Hochachtung. Jacques Bonhomme. Bochum fördert Heim= und Ferienkuren Von den Maßnahmen der Stadt Bochum zur Gesunderhaltung der Jugend hat sich die seit Jahren betriebene Entsendung gesundheitlich gefährdeter und erholungsbedürftiger Kinder im schulpflichtigen Alter zu mehrwöchigen Heimkuren besonders bewährt. Das Jugendamt führt solche Entsendungen während des ganzen Jahres durch. Die Kuren dauern im allgemeinen vier bis sechs Wochen. Es kommen je nach dem Gesundheitszustand der Kinder Kuren an der See, im Gebirge und in Solbädern in Frage. Für Solbadkuren steht in Bad Rothenfelde ein stadteigenes Heim mit 84 Betten zur Verfügung. An der See und im Gebirge erfolgt die Unterbringung in fremden Heimen, die nach ihrer ganzen Einrichtung und Führung volle Gewähr für einen guten Kurerfolg bieten. Bei Erholungskuren leistet der Stadt besonders wertvolle Dienste das in den Ruhrbergen gelegene Kinderheim Westherbede, ein früherer Bauernhof mit heute noch etwa 25 Morgen Land und einem schönen Bestand an Kühen, Schweinen usw. Dort werden in regelmäßiger Folge rund 64 Kinder untergebracht. Die Kinder finden hier bei kräftiger und abwechslungsreicher Verpflegung, die im wesentlichen aus Erzeugnissen der eigenen Wirtschaft besteht, und bei der täglichen Bewegung in der reinen Luft der bewaldeten Ruhrberge eine wirklich vorzügliche Erholung. Während der Hauptferienzeit wird in besonders großem Ausmaße von der Unterbringungsmöglichkeit in Heimen Gebrauch gemacht. In diesem Jahr hat die Entsendung zu derartigen Ferienkuren schon am 20. Juli begonnen. Der letzte Transport geht am 3. August ab. Insgesamt werden 258 Kinder während der Ferien einer Kur zugeführt. Vor die Straßenbahn geraten Radfahrer erheblich verletzt Auf der Hattinger Straße, in der Nahe der Berswordtstraße, wurde ein Radfahrer von einem Motorwagen der Straßenbahnlinie A angefahren. Dabei erlitt der Radfahrer eine klaffende Kopfwunde und Hautabschürfungen am linken Knie. Er wurde in das katholische Krankenhaus in Bochum=Linden eingeliefert. Kleinkraftrad gegen Auto Auf der Goldhammer Straße wurde an der Ecke An der Maarbrücke ein Personenkraftwagen von einem Kleinkraftrad angefahren. Dabei erlitt der Führer des Kraftwagens Hautabschürfungen am linken Knie und an beiden Händen. Das Kleinkraftrad wurde schwer und der Personenkraftwagen leicht beschädigt. Soziusfahrer verletzt Am 29. Juli, um 17.50 Uhr, erfolgte an der Ecke Lünsenderstraße—. Im Uhlenwinkel im Stadtteil Bochum=Langendreer ein Zusammenstoß zwischen einem Personenkraftwagen und einem Kraftrad. Dabei wurde der Soziusfahrer des Motorrades am rechten Bein verletzt. Er konnte ohne fremde Hilfe seinen Weg fortsetzen. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt. Ehepaar mit dem Motorrad verunglückt Am Donnerstag morgen ereignete sich auf der Wasserstraße ein Motorradunglück. Das Ehepaar F. befuhr mit dem Kraftrad die Straße in Richtung Altenbochum. Beim Ausweichen kam die Maschine ins Schleudern und schwer zu Fall. Die Ehefrau trug einen Armbruch und andere Verletzungen davon. Der Mann zog sich eine schwere Schädelverletzung zu. Beide wurden einem Krankenhaus zugeführt. Anhängerrad machte sich selbständig. Am 29. Juli, gegen.45 Uhr, löste sich auf der Kurfürstenstraße vor dem Hause Nr. 22 von dem Anhänger eines Personenkraftwagens das rechte Vorderrad. Der Anhänger stürzte um und mußte durch den Eigentümer abgeschleppt werden. Fußgängerin hatte Glück. Am 29. Juli, gegen 18.20 Uhr, wurde eine Fußgängerin beim Ueberschreiten der Kortumstraße in Höhe des Hauses Nr. 82 von einem Radfahrer angefahren und zu Boden gerissen. Die Frau wurde jedoch nicht verletzt und konnte ihren Weg fortsetzen. Festgenommen wurden: Eine weibliche Person von hier wegen Diebstahls und eine männliche Person, auch von hier, wegen Fahrraddiebstahls. Sechamei.„ Tanrhug! Es gefällt ihnen ausnehmend gut tigt, bis zum 16. August auf öffentlichen Straßen und Plätzen sowie in Gast= und Vergnügungsstätten die amtlichen Olympia=Postwertzeichen zu verkaufen. Der erste große Verkaufstag, der„Tag der OlympiaBriefmarke", ist im Sportgau Westfalen Sonntag, 2. August. Aber auch schon am Nachmittag des vorhergehenden Samstag wird der Straßenverkauf durchgeführt. Der Sinn des öffentlichen Verkaufs der Briefmarken und Postkarten ist der, jedem Volksgenossen die Möglichkeit zu geben, ein geringes Scherflein zur Gestaltung der Olympischen Spiele beizusteuern. Der auf Postkarten und Briefmarken erhobene Spendenbetrag ist so gering, daß jedem die Möglichkeit gegeben ist, eine oder mehrere Postkarten oder Freimarken zu kaufen. Traditionsecke Durch das Gesetz vom 29. März 1934 über das Landjahr wurde die Grundlage zur Durchführung eines neunten Schuljahres, kurz Landjahr genannt, geschaffen. Von den zur Entlassung kommenden Schülern und Schülerinnen werden ausschließlich diejenigen bestimmt, die erbbiologisch gesund sind und deren rassische und charakterliche Artung Gewähr gibt, daß die bevorzugte Erziehung des Landjahres sie gesundheitlich kräftigt und sittlich fördert. Hierbei sind kinderreiche Familien und solche Familien besonders zu berücksichtigen, die seit längerem Arbeitslosen= bzw. Wohlfahrtsunterstützung empfangen oder hierauf angewiesen waren. Geistig und körperlich nicht voll leistungsfähige Kinder kommen nicht in Frage. Den Eltern der Landjahrpflichtigen erwachst eine wesentliche Kostenersparnis, da Unterbringung und Verpflegung der Landjahrpflichtigen unsind; auch sind die Kinder gegen unsau und Schöneres, warmes Wetter Wettervorhersage vom 30. Juli bis 8. Herausgegeben von der Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersagen des Reichsamtes für Wetterdienst Die Großwetterlage ist in einer Umgestaltung begriffen. In den nächsten Tagen wird zwar das Wetter bei wechselnder Bewölkung ziemlich kühl und zu schauerartigen Niederschlägen geneigt sein, im ganzen wird aber von Westen nach Osten fortschreitende merkliche Abnahme der Regenhäufigkeit eintreten. Die Schauer werden im Osten des Reiches, in Schlesien und im Alpenvorland stellenweise recht ergiebig sein. Zum Wochenende wird sich auch im Osten die Witterungsbesserung durchsetzen, so daß in der nächsten Woche mit schönerem und vorwiegend wärmerem Wetter gerechnet werden kann. Störungsfrei wird das Wetter allerdings nicht sein, vielmehr ist mit zunehmender Erwärmung das Auftreten von Gewittern zu erwarten. Gegen Ende des Vorhersagezeitraumes wird im Westen und Süden des Reiches wieder eine Verschlechterung des Wetters eintreten, während es im Nordosten wahrscheinlich noch schön bleibt. Wärmer und freundlicher Mitgeteilt vom Reichswetterdienst Essen=Mülheim um 21 Uhr. Die Zufuhr kühlerer Luftmassen hält an. Somit konnte sich der hohe Druck vom Atlantik her weiter nach Osten vorschieben. Zwar kam es noch zu leichter Schauertätigkeit, die aber bald zur Ruhe kommen wird. Da zwischen Schottland und Island in der Höhe wiederum warme Luft sich vorschiebt, sind aber noch keine Anzeichen für die Ausbildung einer sommerlichen Hochdrucklage zu erkennen, so daß mit Neigung zu kleineren, allerdings örtlich begrenzten Niederschlägen später wieder zu rechnen ist.„. 6. I. Mins Aussichten für Freitag: Schwache Winde zwischen West und Nord. nach klarer Nacht wechselnd bewölkt bei geringer Schauerneigung. Tagestemveraturen bis über 20 Grad ansteigend.— Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Bei wechselnder Witterung wärmer und freundlicher. Donnerstag, 30. Juli Barometer4 Uhr: 1758 Thermometer 24 Uhr: 1 S Zeiten für Sonne und Mond am 31. Juli: (0 Aufg..48, Unterg. 20.24; J Aufg. 18.40, Unterg..26 Wetternotizen, gemessen um 8 Uhr vormittags entgeltlich#n; auch sind die Kinder gegen Unfall Krankheit versichert. Die Landjahrpflicht erstreckt sich auf die Dauer von acht Monaten— April bis Dezember. Für die Ausrüstung der Landjahrpflichtigen, die sich in mäßigen Grenzen bewegt, haben die Erziehungsberechtigten zu sorgen. Für bedürftige Landjahrpflichtige übernimmt die Ausstattung die NS.= Volkswohlfahrt, soweit nicht das Städtische Wohlfahrtsamt in Frage kommt Die Auswahl der zur Entsendung kommenden Kinder obliegt besonderen KomWie wertvoll das Landjahr ist und mit welcher Liebe die Kinder an ihrer neuen Heimat hängen, geht aus Briefen vieler Landjahrpflichtiger an ihre Angehörigen hervor. Sie schreiben nur ungern von der Rückkehr, im Gegenteil hegen sie den Wunsch, noch weiterhin im Landjahrheim zu verbleiben. Aus dem Stadtgebiet Bochum sind zu Ostern 1936 insgesamt 270 Jungen nach Pommern, 137 Mädchen nach Schlesien und 44 Mädchen nach Schleswig zum Landjahrheim entsandt,„.543 vonl m. Die Landjahrpflichtigen sino oes Loves von. Verschiedene Briefe, die Zeugnis ablegen von dem Geist des Landjahres, sind der Oeffentlichkeit bereits zugeleitet. Gelegentlich eines Transportes wurden von dem hiesigen Sachbearbeiter verschiedene Landjahrheime in Pommern besichtigt. Die Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Was sich hier an Disziplin, Sauberkeit und Schönheit der Natur dem Auge bot, ist kaum zu beschreiben. Der Dienstplan setzt sich im allgemeinen wie folgt zusammen: 6 Uhr: Wecken, anschließend Frühsport, Waschen usw.,.30 Uhr: Flaggengruß, anschließend Frühstück, 8 bis 12 Uhr: Arbeitsdienst, Geländedienst, 12 bis 12.45 Uhr: Kleiderreinigen, Waschen, 12.45 Uhr: Appell, anschließend 13 bis 13.30 Uhr: Mittagessen, Freizeit, 14.30 Uhr: Sport, 16 Uhr: Kaffee, 16.30 Uhr: Schulung, 19 Uhr: Einholen der Flagge, Abendessen, anschließend 19.45 bis 21 Uhr: Abendrunde, 21 Uhr: Zapfenstreich. Der Arbeitsdienst besteht aus Gartenarbeit und Mithilfe beim Bauern während der Ernte. Zu letzterem kann gesagt werden, daß sich die Jungen förmlich danach reißen, ihre Kraft dem Bauern zur Verfügung zu stellen. Für die Gartenarbeit steht jedem Heim eine genügend große Fläche zur Verfügung. Jeder ist für das ihm zugewiesene Stück verantwortlich. Wie festgestellt wurde, herrscht überall eine mustergültige Ordnung. Je nach Lage und Umfang befassen sich die einzelnen Heime auch mit der Viehwirtschaft. Sämtliche Erträgnisse aus Landwirtschaft und Viehhaltung kommen den Heimen zugute. Hieraus ist es auch erklärlich, daß das Essen der Kinder reichlich und gut ist. Das Essen wird von einer Wirtschafterin hergerichtet, und die Jungen übernehmen abwechselnd den Küchendienst(Kartoffelschälen, Essen auftragen, Spülen usw.). Das Landjahrheim Vangerow(ehemaliges Forsthaus) liegt mitten im Walde und ist belegt mit 40 Bochumer Jungen, dazu ein Lager= und ein Gruppenführer. Zu dem Heim gehört ein großer Gemüse= und Obstgarten. Ferner sind 4 Schweine und 25 Hühner vorhanden. Neue Aktionen des Amtes„Schönheit der Arbeit“ In Hambura traten die Gaureferenten und Abteilungsleiter des Amtes„Schönheit der Arbeit" zu einer Tagung zusammen, in der die Richtlinien für die kommende Arbeit festgelegt wurden. Das Amt führt in den drei nächsten Monaten einige Aktionen durch, die sich mit der Schönheit der Arbeit in der Lederindustrie und in Ziegeleien beschäftigen. Diese Aktionen werden ganz groß aufgezogen. Zur Unterstützung der Arbeit, die die Gaureferenten in ihren Gebieten leisten, werden zwei Filme„Deutschland wird schöner" und„Licht“ gebracht werden. Eine weitere Aktion gilt den Büroräumen, zu deren Vorbereitung eine Broschüre„Schönheit der Arbeit in Büroräumen“ in 300000 Exemplaren herausgegeben wird. Weiterhin wird eine noch engere Zusammenarbeit als bisher mit den Reichsbetriebsgemeinschaften vorgesehen, damit eine gute Durchführung der kommenden Aktionen gewährleistet wird. Drei Bochumer HJ.=Führer beim Marsch der Jugend zum Reichsvarteitag. Wie wir in Nr. 175 mitteilten, traten in Bochum drei Hitlerjungen den Marsch nach Nürnberg an. Es sind dies die Scharführer Seele, Fricke und Schweer, letzterer wohnt in BochumLaer. Von einem Radsatz getroffen. Der 60jährige Kolonnenführer Heinrich Gr., Ferdinandstraße 16, geriet auf seiner Arbeitsstelle bei Transvortarbeiten bei der Kranabnahme unter einen Radsatz, wobei er schwere Beinverletzungen neben erheblichen Zehenbrüchen an beiden Füßen davontrug, die die Ueberführung ins Elisabethhospital notwendig machten. Ort Essen Kabler Asten Brocken Hamburg Berlin München Zugspitze Weltlichtspiele: ab 15.15 Uhr: Königstiger. Apollotheater: ab 15.30 Uhr: Wolga— Wolga. Capitol: ab 15.15 Uhr: Schwarze Augen. Gloria=Palast: ab 15.30 Uhr: Der Pampasreiter. Hammer Lichtspiele: ab 15.30 Uhr: Der Kosak und die Nachtigall. Lichtdurg: ab 15.15 Uhr: Jugend der Welt, Sport und Soldaten. Lichtspielhaus: vorübergehend geschlossen. Odeon: ab 15.30 Uhr: Der unsterbliche Lump. Skala=Lichtspiele: ab 17 Uhr: Der unsterbliche Lump. Tonhalle: vorübergehend geschlossen. Jede Zuwendung muß angegeben werden Wehtfährianterstühung und Bärichen Aus der Rechtsprechung Vielfach herrschen noch in Kreisen der Unterstützungsempfänger unrichtige Vorstellungen über den Umfang, in dem Zuwendungen angabepflichtig sind, die der Unterstützungsempfänger von anderer Seite erhält. Da eine Verschweigung möglicherweise auch strafrechtliche Folgen nach sich zieht, so tut der Unterstützungsempfänger in jedem Fall gut daran, keinerlei Zuwendung zu verheimlichen, auch wenn er in einem Einzelfalle der Meinung ist, daß hier die Angabepflicht nicht bestehe. Grundsätzlich muß alles angegeben werden, auch beispielsweise Darlehen und Schenkungen. Die Zeitschrift„Deutsche Rechtspflege“ brachte kürzlich in ihrer Rechtsprechungsbeilage gerade einen solchen Fall, und die vom Gericht zu dieser Frage gemachten Ausführungen verdienen beachtet zu werden. Es heißt in dem Urteil nämlich ausdrücklich: Wohlfahrtsempfänger haben dem Wohlfahrtsamt gegenüber alle Zuwendungen anzugeben, die sie zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes verwenden können. Dazu gehören auch Darlehen, die ihnen von Freunden oder sonst gegeben werden, ebenso auch Geschenke. Es ist dabei gleichgültig, zu welchem Zweck diese Zuwendungen gemacht werden oder wozu der Unterstützungsempfänger sie verwenden will. Sollen sie zur Neugründung einer Existenz dienen, so hat das Wohlfahrtsamt pflichtgemäß zu prüfen, ob sie bei Bemessung der Unterstützung ganz oder zum Teil weggelassen werden können. Der Unterstützungsempfänger ist schon dann zur Anzeige verpflichtet, wenn er übereiche Mittel in die Hände bekommt. Die Bet haupt irgendwelche Mitt Verletzung dieser Pflicht ist als Getrug zu bestrafen. Rückstrahler auch am Tage Der für jedes Fahrrad vorgeschriebene Rückstrahler muß auch dann angebracht sein, wenn das Rad am Tage benutzt wird. Die Vorschrift des§ 29 der Reichsstraßenverkehrsordnung, die die Beleuchtungspflicht nur für die Dunkelheit und starken Nebel vorschreibt, hat mit der Verpflichtung zur Anbringung des Rückstrahlers nichts zu tun. Diese Anbringung folgt vielmehr aus§ 12 der Reichsstraßenverkehrsordnung, und der Rückstrahler gehört mithin zur ordnungsmäßigen Ausrüstung jedes Rades. Das Nichtvorhandensein des Rückstrahlers macht den betreffenden Radfahrer strafbar.(„Deutsche Rechtspflege", Rechtsprechungsbeilage.) Holländische Sänger in Bochum 30 Holländer, Angehörige des Kirchenchors Steyl, besuchen am kommenden Samstag und Sonntag Bochum. Sonntag morgen.30 Uhr Vortrag eines Männerchormesse in der Marienkirche, danach Besichtigung des Bergbaumuseums. Nachmittags gegen 3 Uhr Besuch des Ehrenfelds(Meinolphuskirche, Stadttheater, Heimatmuseum, Knappschaft, Parkhotel). Auswärtige Künstler für die städtischen Konzerte Bochum 1936/37 In den Konzerten des Winters 1936/37 werden das Städtische Orchester, der Städtische Musikverein, das Häusler=Quartett, die Städtische Bläservereinigung, auswärtige Künstler wie Emmi Leisner Elly Ney, Guila Bustabo, Gaspar Cassado', Professor Friedrich Wührer, das Gewandhaus=Quartett Leipzig u. a. Werke alter und neuer Meister zur Aufführung bringen. Einladungsdruckstücke sind kostenlos an der Vormietekasse im Stadttheater und in den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. Tag der Olympia=Briefmarke am 2. August Die Deutsche Sporthilfe, Gaugeschäftsstelle Westfalen, teilt mit:„Der Reichs= und preußische Minister des Innern hat die mit dem Vertrieb der OlympiaPostwertzeichen beauftragte Deutsche Sporthilfe ermächBochumer Krieger= und Landwehr=Kameradschaft. Das vorgesehene Kleinkaliver=Uebungsschießen am Samstag, dem 1. August, findet nicht statt. Der 1. Bezirk hat Sonntag, 2. August, ab 9 Uhr bis 12 Uhr, Wehrmannschießen auf 20er=Brustringscheiben auf Thiemannshof. Reserve=Jägerbataillon 20. Zu dem am 15 und 16. August in Rinteln an der Weser stattfindenden Bataillons= appell des Reserve=Jägerbataillons 20 haben sich schon viele ehemalige Jäger gemeldet. Doch von vielen steht auch die Meldung noch aus. Die Wiedersehensfeier ist mit einer Denkmalsenthüllung verbunden. Das Denkmal, das einen vorstürmenden Jäger darstellt, ist jetzt in Rinteln bereits eingetrofsen und aufgestellt. Mit der Feier ist auch ein großes Preisschießen verbunden. Die Freude unter den alten Grünröcken auf ein Wiedersehen ist schon überall, auch bei der Bürgerschaft Rintelns, groß. Ehemalige 50. Reservedivision. Bei dem Treffen der Angehörigen der ehemaligen 50. Reservedivision in Wupvertal wurde eine kameradschaftliche Vereinigung Rbeinland und Westfalen der ehemaligen 50. Reservedivision gegründet. Den Vorsitz dieser Vereinigung hat der ehemalige Divisionspfarrer Peter Kockelke(Wuppertal=Barmen) übernommen. Zu dem Treffen waren Angehörige der Division aus dem ganzen deutschen Westen sowie aus Oldenburg, Hannover und Baden erschienen. Ehrenmal der Hacketäuer. Anläßlich des kürzlichen Regiementsappells der Hacketäuer in Krefeld wurde von den Vertretern der Hacketäuer=Kameradschaften einstimmia beschlossen, daß das Ehrenmal der Hacketäuer in Gestalt eines Jugendheimes in Verbindung mit einer Ehrenund Gedenkballe in Köln=Mülheim seinen Platz finden soll. Dieser Plan bedeutet eine glückliche Verbindung soldatischer Tradition und nationalsozialistischen Geistes und findet überall begeisterte Zustimmung. Der Regierungspräsident und die Stadtverwaltung von Köln werden das Vorhaben durch namhafte Zuschüsse unterstützen. Der Offizierverein Hacketau wird einen Teil seiner Erinnerungsstücke zur Ausstattung der Ehrenballe hergeben. Nunmehr ergeht an alle, die noch nicht gespendet haben, dafür aber in Frage kommen, die Bitte: Ueberweist eure Spende dem Postscheckkonto Essen 37918, Oberstleutnant a. D. Flaskamp, Gelsenkirchen, für das Ehrenmal der Hacketäuer. Reichsluftschutzbund Vom Besuch des Führers in der Flak=Artillerie=Schule Wustrow berichtet ein großer Bilder=Artikel im neuen Heft der„Sirene“. Ein anderer Bildbericht schildert den Luftschutz auf der Insel Schaffenberg. Weiter bringt das Heft die Fortsetzung der technischen Artikelreihe„Schutzräume als Sonderbauten“, schildert die Fallschirme und ihre militärische Bedeutung, erzählt von Frauen, die Geschichte machen, von der Insel Neuwerk bei Curbaven und von der Heldenzeit des Stillen Ozeans. Eine Erzählung„Es geht auch anders“ berichtet von den Bewobnern eines Hauses, die durch den Luftschutz zur Hausgemeinschaft gelangten. Aus der ASDap. (Nach Bekanntmachungen der Partei) Freitag, den 31. Juli. RSDAP. Linden. 20 Uhr: Zusammenkunft der Polttischen Leiter im Parteiheim. RSDAP. Weitmar. 20.15 Uhr: Mitgliederversammlung bei August Brune(früher Lohrmann), Hattinger Str. 312. Deuische Arbenssiont Maschinenschreiben, neue Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene. In der nächsten Woche beginnen neue Kurse, und zwar für Anfänger an jedem Montag von 20 bis 22 Uhr: in einem weiteren Anfängerkursus wird zweimal in der Woche Unterricht erteilt, und zwar an jedem Dienstag und Freitag von 17.30 bis 19.30 Uhr, für Fortgeschrittene an jedem Mittwoch von 20 bis 22 Uhr. Interessenten wollen sich sofort anmelden. Nähere Auskunft erteilt die Kreiswaltung der DAF., Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung, Bochum, Alleestraße 46, Zimmer 2, Fernruf 60561/62. „Kraft durch Freude“ Filme:„Jugend der Welt" und„Sport und Soldaten". Vom 31. Juli bis 6. August werden in der Lichtburg Bochum der Winter=Olympiafilm„Jugend der Welt" und der Wehrmachtfilm„Sport und Soldaten“ nebst einem Beiprogramm gezeigt. Für Mitglieder der DAF. betragen die Eintrittspreise im Vorverkauf: Parkett 40 Pf. und Empore 50 Pf. Vorverkauf: Orts= und Betriebswarte sowie sämtliche DAff.=Dienststellen.... 99 1 9, San mirs =Tages=Fahrt nach Mainz: Am 23. und 24. August wird eine Rheinfahrt nach Mainz durchgeführt, und zwar fahren wir mit dem Sonderzug bis Koblenz und von hier aus mit dem Dampfer nach Mainz und zurück. Fahrpreis einschließlich Uebernachtung und Verpflegung 12,90 RM. 1½Tages=Fahrt nach Heidelberg. Am 1. und 2. August fahren wir mit dem Omnibus nach Heidelberg. Fahrpreis einschließlich Uebernachtung und Verpflegung 15,70 RM. Anmeldungen umgehend bei den bekannten Dienststellen. * Das Kreisamt der NSG.„Kraft durch Freude“ Kortumstraße 114, ist am Freitag, 31. Juli infolge Umzugs geschlossen(Verkaufsstelle Kortumstraße 62 bleibt geöffnet). Die neuen Büroräume des Kreisamtes befinden sich ab 1. August 1936 im Opelhaus, Hattinger Straße 19, Zimmer 101, 102 und 103. Tagesplan für Freitag, 31. Juli Kindergymnastik von 17 bis 18.30 Uhr in der Gymnastikschule, Rottstraße 29. Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen von 20 bis 22 Uhr, Turnhalle des Reformrealgymnasiums Bochum=Dahlhausen; von 16.30 bis 18.30 Uhr Turnhalle des Reformrealgymnasiums Bochum=Dahlbausen. Kleinkaliberschießen für Frauen und Männer von 20 bis 22 Uhr, Schießstand des Volkssportplatzes an der Castroper Schwimmen für Frauen und Männer von 19.30 bis 20.30 Uhr in Wanne=Eickel, Wilhelmstraße; von 19.30 bis 20.30 Uhr in Wattenscheid, Beckmannshof. Iin=Jitsu für Frauen und Männer von 20 bis 22 Uhr, Turnhalle der Goethe=Oberrealschule, Goethestraße. (Weiter Lokalnachrichten auf den Seiten 5 und 14.) ders .SA UAui Seite 5 Nr. 117 Bochumer Anzeiger7 Freitag, 31. Juli 1936 Bochumer Leben Ansere=Eiraßenduhner seiern=Sennersest An der schönen Bleibergquelle bei Langenberg— Drei Gulaschkanonen zum Abprotzen bereit Lustige Straßenbahner beim Scheiben=Blindstechen BA.-Muthherr. Ehrenvolle Berufung Parteigenosse Alois Gevelmann in BochumDahlhausen wurde, wie bereits in der gestrigen Ausgabe auf Seite 13 mitgeteilt, zum 1. August als Ausbilder auf der Ordensburg Vogelsang in der Eifel berufen. Gevelmann ist einer der dienstältesten Parteigenossen des Stadtteils Bochum=Linden=Dahlhausen. Alljährlich einmal treffen sich die Betriebsangehörigen der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahngesellschaft mit ihren Familien zum großen Sommerfest, das wegen der starken Zahl der Gefolgschaftsmitglieder und der besonderen verkehrstechnischen Umstände in zwei Abteilungen gefeiert werden muß. Es geht natürlich nicht an, eines schönen Sommertages den ganzen Betrieb stillzulegen und ins Grüne zu fahren. Die Bochumer würden große Augen machen, wenn sie nicht ihre gewohnten Straßenbahnen zur Verfügung hätten. So also geht es nicht, wohl aber ermöglicht eine geschickte Regie, die zur Aufrechterhaltung des Verkehrs nötige Mannschaft auf ein Mindestmaß zu beschränken, gewisse Dienste zusammenzulegen und mit Ueberstunden zu arbeiten, damit die anderen in Ruhe feiern können. Gestern war die zweite Abteilung der Gefolgschaft — nebst Familienangehörigen etwa 900 Menschen— an der Reihe, die in Sonderwagen nach Langenberg verfrachtet und im Autobus=Zubringerdienst zur schönen Gartenwirtschaft„Bleibergquelle“ gebracht wurde. Hier verlebten die Straßenbahner vom Frühnachmittag an bei herrlichstem Sommerwetter ein paar fröhliche Erholungsstunden. Die Betriebsleitung hatte für die nötige Unterhaltung gesorgt. Die Männer umlagerten zwei Scheibenstände, die den Siegern im Punkteschießen schöne und praktische Gewinne versprachen, das schwache Geschlecht versuchte sich im Scheibenstechen bei geschlossenen Augen. Ein stattlicher Weckapparat erwies sich als erster Preis anziehungskräftig genug, auch diesem Spiel außer den geselligen noch praktische Anreize zu geben. Wer sich weder aufs Schießen noch aufs Stechen verstand, benutzte die Gelegenheit zu einer kleinen Waldwanderung oder zu einem netten Pläuschchen am Kaffeetisch. Zwölf Biermarken pro Nase verhinderten das völlige Austrocknen der Kehlen, das schneidige Bläserkorps der Straßenbahner sorgte für die nötige musikalische Umrahmung des Festes. Eine besondere Attraktion war in Gestalt von drei Feldküchen, die der Gau Westfalen=Süd freundlicherweise hergeliehen hatte, bereitgestellt worden. Hier dampfte eine nahrhafte Erbsensuppe, in der neben 237 Wurstpfunden ein Zentner Speck und vier Zentner Kartoffeln schwammen, ihrer Bestimmung entgegen. Bezeichnend für den kameradschaftlichen und volksverbundenen Geist unserer Straßenbahnerfeste ist es übrigens, daß man mit dem Auftischen keine feierlichen Umstände machte. Jeder bekommt einen von den neuen Aluminium=Picknäpfen in die Hand gedrückt, und dann kann die Sache losgehen. Soldatisch, lagermäßig, aber in Ordnung! Leider haben wir uns an dem Erbswurstessen, das erst um 7 Uhr abends zur Verteilung kommen sollte, nicht mehr aktiv beteiligen können, obschon die 450 Liter einen improvisierten Angriff wohl noch hätten vertragen können. Hoffen wir, daß unseren Straßenbahnern, die sich nach sauren Dienstwochen diesen einen schönen Tag voll und ganz verdient haben, die Veranstaltung da draußen an der schönen Bleibergquelle gut bekommen ist. Ein paar solcher Stunden im Gemeinschaftskreise, wie sie das neue Deutschland allen seinen schaffenden Volksgenossen ermöglicht, sind ein Kapital, das sich in Lebenslust und verstärkter Arbeitsfreude allen zum Nutzen verzinst. k. Bantes K Bochumer Jungen in Freizeit bei Bad Kreuznach Aus Westfalen und Rheinland Ein Bachbalten brach deim=Kapekendau Schweres Einsturzunglück— Acht Schwer= und zehn Leichtverletzte Löningen, 30. Juli. Als die Zimmerleute und die freiwilligen Helfer aus der Bauernschaft Löningen am Dienstag nachmittag mit dem Richten des letzten Dachsparrens an der neuen Kapelle in Evenkamp beschäftigt waren, brach plötzlich der Balken, auf dem die Leute standen, und stürzte mit diesen etwa sieben Meter tief. Acht Personen trugen bei dem Sturz zum Teil erhebliche Verletzungen davon und mußten in das Löninger Krankenhaus gebracht werden. Zehn weitere Personen wurden leichter verletzt; sie konnten nach Anlegung von Notverbänden nach Hause entlassen werden. Tod im planschbecken M.= Gladbach, 30. Juli. Im Planschbecken der Volksbadeanlage in der Bungt fand ein siebenjähriger Knabe auf tragische Weise den Tod. Der Junge war mit anderen Kindern zum Baden gegangen. Als er nicht zeitig nach Haus zurückkehrte, benachrichtigte die Mutter die Polizei, die ein sofortiges Absuchen des Planschbeckens veranlaßte, bei der nach kurzer Zeit die Leiche gefunden wurde. Man nimmt an, daß der Junge im Wasser von einem Schlag betroffen wurde. Seine Spielgefährten hatten sein Verschwinden nicht bemerkt. Zwei Tote, drei Schwerverletzte Geldern, 30. Juli. Am Mittwoch nachmittag gegen .30 Uhr ereignete sich auf der Landstraße Goch—Kevelaer in der Nähe der Krautparche ein schwerer Verkehrsunfall, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Aus noch nicht geklärter Ursache geriet ein Gocher Personenwagen, der mit vier Damen und einem Herrn besetzt war, plötzlich ins Schleudern, fuhr gegen einen Baum und stürzte dann in den Chausseegraben, wo er total zertrümmert liegen blieb. Zwei der Damen wurden sofort getötet, während die beiden anderen schwer= bzw. leichtverletzt wurden. Der Mann, der den Wagen fuhr, wurde ebenfalls schwer verletzt. Die Danziger pimpfe in Düsseldorf Düsseldorf, 30. Juli. Die 2000 Danziger Pimpfe, die sich seit 14 Tagen auf Deutschlandfahrt befinden, trafen am Mittwochabend mit dem Dampfer„Blücher“ .von Mainz kommend in Düsseldorf ein. Zur Begrüßung hatten sich u. a. Gebietsführer Deinert, Kreisleiter Walther und Oberbürgermeister Dr. Wagenführ sowie zahlreiche Volksgenossen eingefunden. Standortführer Bannführer Wirtz begrüßte auf dem Marktplatz am alten Schloßturm die Danziger Jungen.„Wir wollen euch auch hier zeigen“, so sagte er, „daß überall, wo deutsche Jungen sind, gearbeitet wird an dem einen Ziel, dafür zu sorgen, daß einmal alles Trennende, was noch im Deutschen Reich vorhanden ist, beseitigt wird.“ Kreisleiter Walther überbrachte die Grüße des Gaues Düsseldorf. Auch Oberbürgermeister Dr. Wagenführ hieß die jungen Gäste in der schönen Stadt am Rhein herzlich willkommen. Nach gemeinsamem Gesang der Lieder der Nation wurden die Jungen in ihre Quartiere geleitet.— Am Donnerstag fanden dann zahlreiche Besichtigungen statt. Noch mit 84 Jahren Schützenkönig Balve(Hönnetal) 30. Juli. In dem benachbarten Amecke gab es beim Schützenfeste zwei Ueberraschungen. Als man die Vogelstange aufzog, damit nach der hier bestehenden Sitte die ehemaligen Schützenkönige zunächst einmal um den Königsadler schossen, brach die Vogelstange durch. Man behalf sich dann damit, daß man eine benachbarte Stange dafür zur Aushilfe nahm, und da geschah nun die Ueberraschung, daß der als Jubelkönig mitmachende 84jährige Schmiedemeister Hansknecht den Königsschuß abgab. Kolumbianisches Konsulat in Köln. Wie die kolumbianische Gesandtschaft mitteilt, ist das kolumbianische Konsulat in Köln wieder eingerichtet worden und Walter L. Barth zum kolumbianischen Wahlkonsul in Köln ernannt worden. Der Amtsbereich des kolumbianischen Konsulats in Köln umfaßt die gesamte Rheinprovinz und Westfalen. Vom Blitzerschlagen. Mittwoch nachmittag wurde die 67 Jahre alte Frau Schmucker aus Soest auf der Landstraße vom Blitz getroffen und auf der Stelle getötet. 50 Fuder Heu durch Selbstentzündung verbrannt. In dem mit 50 Fuder Heu gefüllten Stallgebäude des Gutsvächters Hubert May in der Bauernschaft Pelkum(Amt Datteln) entstand durch Selbstentzündung des Heues ein Brand, durch den der Stall und das Heu vollständig vernichtet wurden. Der Schaden wird auf etwa 16000 Mark angegeben. Auldous von=Lotomonde ungejähren Blick auf das Lager Privataufnahme Nun ist die schöne Lagerzeit zu Ende und der Alltag beginnt wieder. In diesen Tagen kam eine stattliche Anzahl Bochumer Jungen unter Führung des Scharführers Ludwig Wösthoff aus dem Lager des Bannes K zurück. Auf der Eremitage, in der herrlichen Umgebung Bad Kreuznachs, hatten die Bochumer ihre Zelte aufgeschlagen, die sie 14 Tage lang aufnehmen sollten. Rings umgeben von dichtem Tannenwald, saftigen Wiesen und dem dahinschießenden Guldenbach lag das Lager in einem wunderschönen Tale eingebettet. Einen besonderen Reiz stellte das kleine„Bimmelbähn= chen“ dar, das tagtäglich von Kreuznach über Langenlonsheim auf den Hunsrück fährt und mit seinem vergnüglichen Gebimmel weckte. Punkt.15 Uhr war Wecken, anschließend Frühsport usw. Um 8 Uhr gab's Kaffee, der allen gut mundete. Bis zum Mittagessen, das prächtig schmeckte, schlossen sich Schulungsstunden an oder es wurde geschwommen. Nach dem Mittagessen herrschte von 12.30 bis 15.30 Uhr unbedingte Mittagsruhe. Die Jungen sollten sich doch erholen, und da waren tüchtiges Ausschlafen und Ruhe erste Bedingung. Nach dem Kaffeetrinken fanden eine Flickstunde und zwei Sport= oder Schwimmstunden statt. Sportstunden? Jawohl, Sportstunden. Sämtliche Jungen machten Sport, natürlich wurde auf die jeweilige Behinderung des einzelnen Rücksicht genommen. Ganz besonderen Spaß machte das Fußballspielen, aber auch Handball= und Lagerspiele erfreuten alle. Abends war reichlich für Unterhaltung gesorgt, einmal wartete die Kreuznacher Gauinspektionskapelle mit ihren zackigen Märschen auf, zum anderen hörte man interessante Vorträge über Land und Volk oder hatte Sing= und Spielabende. Auch ein Radioapparat stand zur Verfügung, der oft die Stimmung bei Regenwetter wesentlich verbesserte. Leider war oft Regen, da war es ein Glück, daß ganz in der Nähe des Lagers eine riesige Scheune stand, die jederzeit benutzt werden durfte. Ferner hatten die Bochumer Jungen das große Glück, daß während der Lagerzeit Zirkus Hagenbeck in Kreuznach gastierte, der kostenlos Karten zur Verfügung stellte. Das war vielen Jungen, die noch nie etwas dergleichen gesehen hatten, ein großes Erlebnis. Also Freude und Abwechslung im Uebermaß. Zu erwähnen wäre noch, daß die Jungen durchschnittlich 5 Pfund zugenommen haben. Nicht nur das Gewicht, sondern die Gesundheit hatte sich bei allen Lagerteilnehmern wesentlich gebessert. Zusammenfassend kann man sagen, das Lager war„pfundig". Du wartest? Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens hat sich in den letzten Jahren ein gewaltiger Umschwung vollzogen. Allenthalben spürt man den gewaltigen Hammerschlag des Aufbaus. Und doch, während Millionen in ihrer täglichen Arbeit und ihrer freiwilligen Einsatzbereitschaft alle Kräfte und jeden Dienst ihrem Volk und ihrem Führer zur Verfügung stellen, gibt es immer noch Volksgenossen, die abseits der großen Front der Schaffenden stehen und argwöhnisch und skeptisch dieses sich vollziehende Werk betrachten. Unter ihnen sind sogar solche, die über das Schaffen und die Aufbauarbeit kritisieren und meckern zu müssen glauben. Wir alle kennen die Unvollkommenheiten, die noch vorhanden sind. Aber wir stehen noch mitten in der Arbeit und sind bemüht, diese Unvollkommenheiten und alle übernommenen Schäden auszubessern. Willst du abwarten, deutscher Kamerad, willst du abseits stehen? Du mußt dich einreihen in unsere große Front der Arbeit für Deutschlands Aufbau und Stärke! Verantwortlich sollst du dich all denen gegenüber fühlen die die deutsche Sprache sprechen und das Deutsche Reich ihr Vaterland nennen. Ihnen allen mußt du helfen, indem du Mitglied der NS.=Volkswohlfahrt wirst. ..-Muthherr Schwerer Verkehrsunfall im Bergischen— Nur ein Verletzter Am Donnerstag vormittag, zwischen 10 und 11 Uhr, ereignete sich kurz vor Langenberg an der Blockstelle Kulendahl ein schwerer Verkehrsunfall, dem glücklicherweise keine Menschenleben zum Opfer fielen. Ein großer Personenautobus der Reichsbahn überquerte, aus der Richtung Neviges kommend, die Bahnstrecke. Der große Autobus befand sich auf den Schienen, als der 10.36 Uhr fahrplanmäßig von Neviges abgehende Personenzug herannahte, den hinteren Teil des Wagens mit der Lokomotive traf und den schweren Bus einige Meter weit nach vorn schleuderte. Dabei riß er einen Schrankenpfosten und ein Telegraphengerät um und drehte sich um seine Achse. Der hintere Wagenteil wurde vollständig eingedrückt. Zum Glück führte der Bus nur wenige Fahrgäste, die außer einem, der leichtere Schnittverletzungen erlitt, mit dem Schrecken davonkamen. Schon am Nachmittag waren die Schäden der Telegraphenleitung notdürftig behoben. Seite 6 Nr. 177/ Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 31. Juli 1936 Hud= Len Wau des Wansurunus Eine Kundgebung der Elbeschiffahrt Unter Führung von Direktor Bayers, dem Leiter der Ortsgruppe Hamburg des Vereins zur Wahrung der Elbschiffahrtsinteressen, fand in Hamburg eine Kundgebung weiter Kreise der Wirtschaft und der Elbeschiffahrt für den Bau des Hansakanals statt. Der Geschäftsführer des Vereins zur Wahrung der Elbeschiffahrtsinteressen, Dr. Mangers, sprach über die Gründe, aus denen heraus die deutschen Seehäfen und die westdeutsche Industrie unbeirrbar am Hansakanal= Gedanken festhalten. Es handelt sich, so führte Dr. Mangers u. a. aus, um ein Projekt im Interesse der Elbeschiffahrt und der westdeutschen Industrie, durch das diese auf dem Weltmarkt und vor allem im Ostseeraum wettbewerbsfähiger werden soll. Für den Bau der Verbindung Ruhrgebiet—Nord= und Ostsee sprechen nicht nur verkehrspolitische Gründe, sondern u. a. auch allgemeinwirtschaftliche Erwägungen, zu denen noch die Vorteile der landwirtschaftlichen Kultivierung und der Erschließung neuer Siedlungsmöglichkeiten im Kanal= bereich treten.„äntemerr Zwei Projekte steyen zur Erorterung: Der eigentliche Hansaknal und der Nord=Süd=Kanal. Die kürzeste Verbindung zwischen Ruhrgebiet und den Seehäfen Hamburg, Bremen und Lübeck stellt der Hansakanal selbst dar, der in der Nähe von Bramsche vom Mittellandkanal abzweigt, durch das Randgebiet des großen Moores führt und dann nordöstlich bis Österholz reicht. In zwei Armen geht der Weg dann zur Weser nach Dreye in Richtung Bremen, nach Achim nordöstlich über die Weser hinweg zur Elbeniederung. Von hier aus reicht ein Arm über Buxtehude ins Hamburg=Harburger Hafengebiet, während ein anderer Arm die Elbe bei Stade erreicht. Der Nord=Süd=Kanal, der etwa bei Braunschweig den Mittellandkanal verlassen soll und mit seinem einen Arm in den Elbe=Lübeck=Kanal einmündet, mit dem andern dagegen nach Hamburg führt, könne deshalb nicht als ausreichend angesehen werden, weil die Verbindung von Gelsenkirchen bis Hamburg über den Hansaknal nur 382 Kilometer beträgt, über den Nord=Süd=Kanal dagegen 537 Kilometer. Für Lübeck dagegen betragen die Entfernungen 525 bzw. 595 Kilometer. Ein Nachteil sei es auch, daß der NordSüd=Kanal keine Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Bremen bringe. Die günstigsten wirtschaftlichen Voraussetzungen biete also der Hansakanal. Erfolgreiche Seehafenpolitik sei nur bei einem weit ins Hinterland greifenden Wasserstraßennetz möglich. 52 Milionen neue Aulos Die Weltproduktion 1935 Die Automobilerzeugung der Welt wird für das vergangene Jahr auf 5,2 Millionen Wagen geschätzt. Im Jahre 1932 waren es nur noch knapp 2 Millionen Wagen. Jedoch ist der höchste Stand vor der Krise noch nicht wieder erreicht worden, denn 1929 betrug die Welt=Automobilerzeugung 6,8 Millionen Wagen. An der Spitze stehen nach wie vor die Vereinigten Staaten mit 4 Millionen Wagen Jahresproduktion, es folgen England mit über 400000 und Deutschland mit 245000 Wagen. Während in allen Ländern die Automobilerzeugung stark zugenommen hat, ist nur in Frankreich ein Rückgang zu verzeichnen. Im vergangenen Jahre wurden fast 80 Prozent aller Autos in den Vereinigten Staaten hergestellt. Ersatz=Streit geht weiter Der Streit um das Ersatzteil=Geschäft für Kraftwagen und Fahrräder geht weiter. Wie die„KraftverkehrsWirtschaft" mitteilt, hat der Reichsverband der Deutschen Automobil=Industrie gegen drei Ersatzteil=Großhandler geklagt. Die Klage hat den Zweck, dem Großhandel die Verwendung der ErsatzteileBezeichnung in den Originalkatalogen der Automobilfabriken zu verbieten, also zu verhindern, daß für die von der Teile=Industrie hergestellten Ersatzteile die Nummern benutzt werden, die sie in den Katalogen der Automobil=Industrie haben. Von dem Ausgang dieses Rechtsstreites hängt viel für die Umsatzmöglichkeiten der Teile=Industrie und des Fremdteile=Handels ab. Eine ähnliche Klage, die von Büssing=NAG. gegen die Feldmann& Co. Berlin, erhoben worden war, ist durch Vergleich beendet worden. Das Kleinhaus führt Drei Viertel aller neuen Wohnungen im Eigenheim Während zur Zeit der Hauszinssteuer=Hypotheken immer mehr größere Häuserblocks gebaut wurden, steht seit 1932 der Bau von Eigenheimen und Siedlungshäusern im Vordergrund. In den letzten Jahren waren über 90 Prozent aller neu errichteten Wohngebäude Kleinhäuser. Diese Entwicklung zeigt sich, wie das Institut für Konjunkturforschung in seinem Wochenbericht hervorhebt, nicht nur in der staatlichen Wohnungspolitik, sondern auch im Eigenheimbau aus rein privaten Mitteln. In den Jahren 1932 bis 1935 wurden rund 240 000 Kleinhäuser ohne und 156.000 Kleinhäuser mit öffentlicher Unterstützung gebaut. Vor allem auf dem Lande nahm der Bau von Eigenheimen beträchtlich zu. Im vergangenen Jahre sind fast doppelt so viel Eigenheime aus privaten Mitteln gebaut worden wie 1929. Seit 1932 wurden etwa 530000 Wohnungen in Kleinhäusern, also vorwiegend als Eigenheime und Siedlungshäuser, geschaffen, so daß man sagen kann, daß mindestens drei Viertel aller neuen Wohnungen seit dem Ende der Krise Eigenheime sind. Treuhänder des Kaufmanns Mehrere hundert Einzelhandels=Treuhandstellen haben ihre Arbeit im Reich ausgenommen. Sie wollen dem einzelnen Kaufmann die Buchführungsarbeit erleichtern, genaue Kalkulationsunterlagen schaffen und durch ordnungsmäßige Erledigung aller Steuersachen für vertrauensvollen Verkehr mit dem Finanzamt sorgen. Darüber hinaus haben sich die Treuhandstellen auch zu allgemeinbetrieblicher Beratung verpflichtet: Durch den Vergleich von Umsätzen, Kosten und Erträgen des betreuten Betriebes mit den für den ganzen Geschäftszweig errechneten Durchschnittssätzen weiten sie den Blick des Inhabers für die Beurteilung der Entwicklung seines Geschäfts in der Gesamtwirtschaft. Sie werden ihm bei der Beschaffung von Personalkredit, der wesentlich billiger als Lieferantenkredit ist und zu dessen Ablösung verwandt werden könnte, behilflich sein u. a. m. Nähere Auskünfte erteilen die örtlichen Dienststellen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel und die Arbeitsgemeinschaft der Einzelhandelstreuhandstelle, Berlin, Lützowstraße 89—90. Gesellschaften berichten Gewerkschaften Diergardt=Mevissen I/IV in Rheinhausen: Die Vollversammlung der Gewerken der vier Gewerkschaften genehmigte ohne Aussprache den bekannten Abschluß für 1935 und beschloß, den sich nach 2,82 Millionen Reichsmark Abschreibungen ergebenden Gewinn von 4424 RM. vorzutragen. Neu in den Grubenvorstand gewählt wurde Dr. Walter Hempel(Köln). Der Vorsitzende des Grubenvorstandes sprach noch die Hoffnung aus, daß die Verwaltung in der Lage sein werde, auch für das laufende Geschäftsjahr wieder ein einigermaßen befriedigendes Ergebnis vorzulegen.— Maschinenbau=AG. vorm. Beck& Henkel in Kassel: Das Geschäftsjahr brachte eine nicht unerhebliche Umsatzsteigerung. Dennoch ist es nicht gelungen, das abgelaufene Jahr ohne Verlust abzuschließen, der sich bei 0,04(0,02) Millionen Reichsmark Anlageabschreibungen auf 33000(235000) RM. stellt und sich um den Gewinnvortrag auf 32000 RM. ermäßigt.—„Inag“ Industrieunternehmungen AG. in Berlin: Nach Abzug sämtlicher Aufwendungen und nach Vornahme von 2500 (4300) RM. Anlageabschreibungen(i. V. außerdem noch 50 200 RM. andere Abschreibungen) verbleibt ein Reingewinn von 176 700(5800) RM., um den sich der Verlustvortrag aus dem Vorjahre von 651 000 auf 474 300 Reichsmark verringert. Die Aktienmehrheit befindet sich im Besitz der Siemens& Halske AG. und der SiemensReiniger=Werke AG.(.=V. am 30. Juli.— Continental=Gas AG. in Dessau: In der GV. wurden die vorgelegten bekannten Abschlüsse für das Geschäftsjahr 1935 und das Zwischengeschäftsjahr vom 1. Januar bis 31. März 1936 einstimmig genehmigt, bei gleichzeitiger Annahme der Verlegung des Geschäftsjahres auf die Zeit vom 1. April bis 31. März. Die Entlastung für die früheren Vorstandsmitglieder. Oberbaurat Heck und Direktor Reinhardt sowie den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden, Regierungsrat Heck, wurde weiter ausgesetzt. Bei der Entlastung des Aufsichtsrats für die Berichtszeit enthielten sich zwei Aktionäre der Stimme. An Stelle des ausscheidenden Dr. E. Schulte(Breslau) wurde Direktor Schippel von der Dresdner Bank neu in den Aufsichtsrat gewählt. Taschenschirme dringen vor Die längere Zeit anhaltende Vernachlässigung des Regenschirms hat, wie die neuesten Zahlen erkennen lassen, offenbar ihr Ende gefunden. Die Inlanderzeugung von Schirmen betrug laut„Konfektionär" im ersten Halbjahr 1936 6,8(i. V..5) Millionen Reichsmark, die Ausfuhr in der gleichen Zeitspanne 465 000 (380000) RM. Besonders gut entwickelt hat sich das Geschäft in den kleinen Taschenschirmen, von denen 1934 75 000 Stück, 1935 150000 Stück verkauft wurden und im laufenden Jahr voraussichtlich 800 000 Stück umgesetzt werden. Im Einzelhandel zeigt sich im ersten Halbjahr 1936 eine Umsatzsteigerung für Taschenschirme von rund 15 Prozent gegenüber der gleichen VorjahresUindeirg=Trrbrzagt=Zuschen Streifzug durch den amerikanischen Bierverbrauch Der Amerikaner wird immer mehr ein Freund des Bieres, nachdem es nach Aufhebung der Prohibition den Anschein hatte, als ob sich das Bier in USA. nicht mehr recht einbürgern würde. Inzwischen hat sich in den letzten drei Jahren aber der Bierverbrauch in den Vereinigten Staaten ganz beträchtlich gehoben. Der Finanzminister schmunzelt allerdings, weil er Riesenbeträge aus der Alkoholsteuer kassieren kann. Man schätzt diese Einnahmen für das Rechnungsjahr 1935/36 auf rund 500 Millionen Dollar, was gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung von ungefähr 25 Prozent bedeutet. Den Löwenanteil hieran bringt die Biersteuer mit ungefähr 235 Millionen Dollar. Dabei trinkt der Amerikaner nicht etwa jedes Bier. Bei ihm macht es vielmehr die„Verpackung“. Seine Vorliebe gehört nicht dem Faßbier, vielmehr dem Flaschenund Konservenbier. Der Absatz an Bierflaschen der verschiedenen Glasbläsereien an die Brauereien ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um fast 70 Prozent gestiegen, während der Bierverbrauch selbst sich um etwa 20 Prozent erhöhte. 37 Prozent des gesamten amerikanischen Bieres sind auf Flaschen und Dosen gezogen worden. Für Bockbier findet man in USA. ebenfalls viele Begeisterte. Allerdings ist der Verbrauch, gemessen am gesamten Bierausstoß, minimal, wie überhaupt die diesjährige Bockbiersaison im März und April infolge der ungünstigen Witterungsverhältnisse nicht den erwarteten Erfolg gebracht hat.„ Immerhin ist der gesamte Verbrauch der Vereinigten Staaten an Bier von 27 Millionen Faß im Jahre 1933 auf 44,9 Millionen Faß in 1935 gestiegen und hat damit in den ersten drei Jahren nach Aufhebung der Prohibition eine Steigerung um über 70 Prozent erfahren, eine Entwicklung, die sich bisher fortsetzt. Der Verbrauchsrekord vor der Zeit der Prohibition stellte sich in 1914 auf 66,2 Millionen Faß. Bei einem Anhalten der gegenwärtigen„Bierfreudigkeit" in USA. dürfte die Lebensdauer dieses Rekords bereits ziemlich begrenzt sein. Mülheimer Berg Aussprache über die Gewinnausschüttung In der o. HV.(siehe auch den„B. A. von gestern) kam es wieder zu zum Teil sehr lebhaften Auseinandersetzungen zwischen der bekannten Opposition und der Verwaltung. Wir wollen im einzelnen nicht auf diese Debatte eingehen, zumal von der Opposition im wesentlichen bereits in früheren Versammlungen hervorgehobene und in den letzten Jahren immer wieder zur Diskussion gestellte Fragen sowie die Anfechtungsklagen vorgebracht wurden. An positiven Ergebnissen seien vermerkt: Der Interessengemeinschaftsvertrag zwischen dem Mülheimer Bergwerks=Verein und der Gewerkschaft Mathias Stinnes, der im Jahre 1927 abgeschlossen wurde, und in den die Grundstücksgesellschaft von Mathias Stinnes nicht einbezogen sei, wurde 1930 zu einem Interessen= und Betriebsgemeinschaftsvertrag erweitert, um die Zusammenarbeit beider Unternehmen auch im Syndikat voll wirksam werden zu lassen. In dem Verhältnis der beiden Unternehmen habe sich durch diese Maßnahme jedoch nichts geändert. Für die von Mathias Stinnes bei Welheim abgebaute Kohle werde der MBV. entsprechend den Syndikatssätzen entschädigt, wobei die Entschädigung jetzt über dem Buchwert der Abbaugerechtsame von Welheim liege. Die Bekanntgabe der Bilanz von Mathias Stinnes, die von verschiedenen Opponenten aus Gründen der besseren Einsicht in die Zusammenarbeit beider Unternehmen gewünscht wurde, glaubte die Verwaltung auch diesmal ablehnen zu müssen, ebenso eine Beschlußfassung der Versammlung hierüber. Die Gewerkschaft Mathias Stinnes zahlte für das abgelaufene Jahr auf den 1000teiligen Kux eine Ausbeute von 1200 RM. Bei Diergardt=Mevissen, deren Kuxe erheblich unter dem Börsenkurs zu Buche stünden, könne in absehbarer Zeit mit der Aufnahme der Ausbeutezahlung gerechnet werden, wenngleich ein genauer Zeitpunkt nicht anzugeben sei. Auf die Anregung, die Dividende von Mülheimer Berg zu erhöhen, wurde erwidert, daß die Verwaltung sich stets bemüht habe, auch in schlechten Zeiten die Aktien der Gesellschaft nicht notleidend werden zu lassen, um den zahlreichen alten Aktionären das Durchhalten ihres Besitzes zu erleichtern. Bei Besserung der Verhältnisse sei eine innere Stärkung des Unternehmens eine notwendige Pflicht, um allen erforderlichen Aufgaben gerecht werden zu können, wobei insbesondere an die Kohleveredelung erinnert wurde. Aus diesem Grunde seien auch die Abschreibungen erhöht worden. Mülheimer Berg plane zusammen mit Mathias Stinnes die Errichtung einer Kohleveredelungsanlage, die erhebliche Mittel erfordere. Es sei heute für jedes Berebauunternehmen eine Lebensfrage, sich an der Kohleveredelung zu beteiligen, ebenso aber auch eine nationale Pflicht. Der Abschluß wurde schließlich, wie gemeldet, gegen 283 Stimmen bei Enthaltung einiger Stimmen genehmiat, wobei Protest zu Protokoll gegeben wurde. Dem Vorstand wurde gegen 283 Stimmen und vier Enthaltungen Entlastung erteilt. Die turnusgemäß ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Thomas und van Meeteren wurden gegen 274 Stimmen wiedergewählt. Soweit die Wiederwahl des Vorsitzenden und die Zuwahl des früheren Vorstandsmitgliedes Direktor Hupvert in Frage kamen, wurde von einem Opponenten Geheimabstimmung verlangt, und zwar erfolgte die Wiederwahl von Hugo Stinnes gegen 321 und die Zuwahl von Direktor Huppert gegen 288 Stimmen bei je sieben ungültigen Stimmen. Der Wirtschaftsprufer wurde gegen 278 Stimmen wiedergewählt. Die Frage des Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Hugo Stinnes, ob die erteilten Auskünfte zufriedenstellend seien, wurde gegen 290 Stimmen bejaht. zeit. Das Schirmstoffgewerbe, das 1985 gegen das Vorjahr eine Absatzsteigerung von 45 Prozent erzielen konnte, berichtet über eine weitere Steigerung im laufenden Jahre. Kurze Nachrichten Die gesundheitlichen Vorschriften, die Schlächter und Gastwirte bei Herstellung und Verkauf von Hackfleisch, Schabefleisch und zubereitetem Hackfleisch(z. B. Hackeveter) zu beobachten haben, sind in einer„Hackfleisch=Verordnung" im Reichsgesetzblatt I Nr. 69 zusammengefaßt. Danach darf u. a. Hackfleisch nicht aus Gefrierfleisch hergestellt werden. Zu unserer seinerzeit veröffentlichten Meldung über Knochenfett ist festzustellen, daß Fett aus Pferdeknochen im gewerblichen Verkehr nicht mit Fett aus Knochen anderer Tiere vermischt werden darf. An Stelle des in den Vorstand des Rheinisch=Westfälischen Kohlensyndikats getretenen bisherigen Vorstandsmitgliedes der Essener SteinkohlenbergwerkeAG. in Essen Dr. Ludwig Holle wurde das bisherige stellvertretende Vorstandsmitglied Adolf Beckmann zum ordentlichen Vorstandsmitglied bestellt. Weiterhin wurde Bergwerksdirektor Walter Bergmann(Essen) zum stellvertretenden Vorstandsmitglied ernannt. Börsen lebhaft und fest Rhein.=Westfälische Wertpapierbörse in Düsseldorf Die Befestigung, die sich an der Rhein=Mainischen Abendbörse in Auswirkung der Lage bei Harpen und des günstigen Ruhrgas=Berichts gezeigt hatte, machte zu Beginn der Börse weitere Fortschritte. Die Bankenkundschaft erschien mit neuen Kaufaufträgen am Markt. Besonders begehrt waren an den Aktienmärkten Montanwerte, in denen es schon zu Beginn zu teilweise guten Umsätzen kam. Auch die anderen Marktgebiete zogen hieraus Nutzen. Nach den ersten Umsätzen traten kleine Kursschwankungen ein. Hier und da führten Gewinnsicherungen wieder zu kleinen Rückgängen, die aber bald wieder aufgeholt wurden. Einige Werte konnten sich auch weiter befestigen. Der Kuxenmarkt lag reger bei anziehenden Preisen. Constantin erneut erhöht bezahlt. Langenbrahm gingen 400 RM. höher um, Diergardt bei mehrfachen Umsätzen bis 150 RM. gebessert. Für Carolus und Deutschland zeigte sich erhöhte Nachfrage. Braunkohlenwerte blieben zu letzten Kursen genannt. Auf dem Kalikurenmarkt kam es zu lebhaften Umsätzen in den elsässischen Werten, die erneut gewinnen konnten. Die Rentenmärkte lagen fest. Stadtanleihen zu letzten Kursen gesucht. Der Freiverkehr war teils stärker gebessert. Von den Kaliaktien hatten Burbach einiges Geschäft auf leicht erhöhter Basis. Auf dem Kohlenaktienmarkt kam es wieder zu größeren Umsätzen in BergbauLothringen, die unter Schwankungen einen Tagesgewinn von 4 Prozent erzielten. Lothringen=Genüsse gewannen drei Prozent und Ewald ½ Prozent. Im Verlauf nahm das Geschäft an Umfang noch zu. Besonders Mannesmann und Ver. Stahlwerke lagen im Geschäft. Berliner Börse Die Börse war etwas lebhafter als in den letzten Tagen und in der Tendenz auch wieder fester. An den Aktienmärkten ging vom Montanmarkt eine neue Aufwärtsbewegung aus, die sich auch einigen anderen Märkten mitteilte. Anregend wirkten die fortdauernd günstigen Eisenmarktberichte, u. a. die Erhöhung der belgischen Eisenpreise. Auf den übrigen Gebieten war die Kursentwicklung nicht regelmäßig, aber doch überwiegend erholt. Auf einigen Gebieten ergaben sich Sonderbewegungen, so in Warenhauswerten. Harpen gewannen 2 Prozent. Rheinische Braunkohle gewannen ebenfalls 2 Prozent. Dessauer Gas verloren 1½ Prozent, Felten plus 1 Prozent, Maschinenwerte bis 8 Prozent höber. Der Verlauf war weiter ziemlich fest. Montanwerte hatten weitere Steigerungen aufzuweisen. Die Börse schloß fest. Der Anleihemarkt lag leicht befestigt. Altbesitz zogen auf 1125 an. Umschuldungsanleihe gut gehalten, Reichsschuldbuchforderungen ziemlich behauptet. Stadtanleihen etwas fester. Pfandbriefe fast ohne Geschäft. Einige Kommunalobliaationen gaben nach, Industrieobligationen uneinheitlich. Der Geldmarkt.verknappte sich weiter. Täglich Geld 2¾ bis 3½ Prozent. Am Devisenmarkt notierten: Dollar unverändert.487, Pfund 12 485 (12 480), französischer Frank 16,425(16.430), Gulden 169.00 (168,96), Lira unverändert 19,59. Rhein=Mainische Abendbörse in Frankfurt a. M. Der Aktienmarkt war weiter fest. Dies gilt namentlich für Spezialwerte. Montanwerte lagen etwas ruhiger, aber behauptet. Renten waren still und kaum verändert. Im Verlaufe ließ das Aktiengeschäft merklich nach, während die Kurse keine Veränderungen mehr zeigten. Montanaktien lagen später nicht ganz einheitlich. Die Auslandsbörsen Newyork: Uneinheitlich. London: Uneinheitlich. Amsterdam: Lustlos. Paris: Freundlich. Brüssel: Unregelmäßig. Wien: Lustlos. Zürich: Gehalten. Getreidegrohmarkt zu Berlin Amtl. Preise. Getreide und Oelsaaten per 1000 kg, sonst per 100 kg Berliner Elektrolytkupfer=Notierung vom 30. Juli. 54.25 (54,25) Reichsmark für 100 Kilogramm, Aluminium, 98 bis 99 Prozent: 144 Reichsmark, Aluminium, Walz und Draht 148 Reichsmark. Rh.-Westf. Börse, Düsseldorf, 30. Juli Mitgeteilt von Wilhelm Schwarz, Bankgeschäft, Bochum, Bongardstraße 14 Industrieaktien(Einheitsk.) 0ig Balcke Masch.] O Fortlaufende Notierungen 30.7. 30.7. 30. 7. 129.7. Div. Anfang Schlus Kassa Schluß Altbesitz. 5% Hoesch RM. 6% Krupp RM. 6% Mittelstahl 6% Ver. St. RM. Buderus Dahlbusch St. Otsch. Atlant. Dtsch. Erdöl D. Reichsbahn .6. Farbenind. Feldmühle Felten& Guille Goldschmidt Harpen Hoesch-Köln Call-Aschersi. 112.30 102.00 103.50 99.75 103.00 119.25 133.50 134.62 123.37 170.25 134.25 139.12 S 118.50 135.87 122.62 S /127.30 112.50 112.50s112.25 101.75/101.624101.50 103.37/103.259103.25 103 00 118.75 133.75 134.75 123.37 171.50 134.75 139.00 120.90 136.00 122.50 128.75 102.87 119.50 133.50 134.62 123.37 171.12 134.62 138.87 119.7 136.2 122.37 128. 2133. 75/12 102.87 116.75 132.00 120.00 25 123.50 170.00 00 137.00 17.00 133.00 120.50 126.62 21133. 73 25115 Div. Wückage=K. Mannesmann Masch. Untern. Reichsbank Rhein. Braunk. Rhein, Stahlw. Rh.-.-Elek. Salzdetfurth Schuckert& o. Siemens& Hal. Gebr. Stollw. Ver. Stahlw. Westd. Kaufh. Westeregeln Wintershall Zellst. Waldhof Antang Schluß Kassa 122. 3/122.00 3/115.62 118.50 12/195.50 12 225.50 4152.12 6136.25 79 182.12 4 163.25 8 203.75 5 3 116.12 0 57.62 5 126.25 5 129.75 50—. 115.50— 118.00118. 195.50195. 225. 152.00 152. 137.75136. 183.50— 163.50163. 204.00 204 117. 116.25116. 58.12 58. 126.00 125. 129.75 129. 121.62 115.00 117.50 195.00 150.00 29.7 Schluß 621 01202.00 37 254115.25 75) 56.12 75 871129.00 Kuxe Steinkehlen 30..f 29. 7. 6eid Brief Geld Brief Carelus M. 5100 5100 5030 5350 Const. b. 6. 7750 8150 7600 8000 Deutschl. 365 400 365 395 Schwerin 4400) Heinr. 10600 11200 10500 i1100 Langb 1320013800 1200013300 Braunkehlen Ducke.-N. Guterioftg. 4000 4 300— 4300 Michel 14000— 139001— Vesta 10700—- 10800— Bernharetnh.— 1428— 1425 Kall Beienrode 13001350 1275 1330 Burbach 46004900 4500 4650 Neu-Staßt.——##— Siegtr. lu. 1/6800 f100T007100 Wih. 12800 13300 12800 13300 Preiverkehr Steinkohlen- u. Braunk.-Kuxe 30..1 29. 7. (Geid Brief Geld Brefl Diergarot 6900 7250 6800 7100 Westfalen 900— 900— Gutehlortg.(4000 4 300— 4300Westfalen 900— 900— Loonh: 109001.— 10300 1150 Bellerh. 13750 4000 3700 4000 Kallkuxe 30. 7. 1 29. 7. Geid Brief Geic Briet 6300 6000 6300 71006700 7000 34503350 3550 2700—2750 30502850 3050 57005850 5950 — 280 7900— 900 3050/27502900 305027502900 30502750 2900 2900/27002900 41003850 4100 Graunschu. 6000 Einigkeit 6800 Erichsseg 3400 Habigh. 2500 Heimbold. 2850 Hope 5630 Jisenburg 280 Mariagl.— Marie 12850 Marie L. 2850 Max 2880 Neusollst. 2700 Rensbach 3850 Reicheld. Thöringen 420 420 Berg. 6. Dahl. V. Bonner Bg..H. Bösp. Walzw. Braunk. Zuk. Dortm. Ritterbr. Düss. Hoef.-Br. Döss.Masch. B. Oynamit.Nob. Eschw. Berg. V. Glas- u. Sp. S. Glückauf-.A6. Gebr. Goedh. 46 Hallesche Salz. Hochtief A6. Kabelw. Rheydt Kall-Chemie Mülheim. Berg. Rhein. Metal! Rhein. Spiegel. Roodergg Sgok. Sachtl.AG. ogb. Schieß-Defries Schleg. Scharp. Waggonf. Uerd. Wasserw. Gels. 30..29.7. 92.8/ 91.0 150.0152.0 153.0153.0 125.0123.0 139.0139.0 117.2 1790 97.5 144.6141.0 6 129.3128.0 14 194.0194.0 5 Bankaktien Berlin. Hand. 6. Com.- u. Pr.-B. O. Bank u..-6. Dresdner Bank Rh. W. 8b. Cr. B. Westd. B..-A. Colonia Rückv. Gladb. Feuerv. Köln. Hagelv. Köln. Lioyc A. V. Köln. Rückv. gr. Köln. Rückv. kl. Rentenwerte 5 Rhw..-Cr. Ghyp.6 Pfd. S. 4. 6. 12. 10 97.0 97.0 dto. dto..1—.—. 5½ dto. dto. S. 11[101.5/101.5 6 dto. Gold.-Kom 1928, 1927 S.—6 95.0 95.0 7½ Wd. Bod. Gpfd. 6]—.—. 6 dto. Em. 3, 9/12, 14 96.3 96.3 Freiverkehre-Aktien w.„29. 7. 97.0 96.9 184.0194.0 127.3127.5 163.7 125.7126.0 102.51020 104.5103.7 104.51040 128.|129.0 99.6 98.5 Vereicherungeaktien RM. Aach.-Mönch. F 32 1130 1135 Aach. Rückvers 14. 8230.0233.0 Agripp..,#. L. Alll.-u. Stuttg. Alll.-u. St..-V. Colonia,.-V. K. — 380.0385.0 .2257.0257.0 4 30..29.7. 265.0265.0 780.0780.0 96.0 96.0 245.0245.0 30. 7. 1 29. 7. Geld Brief Geld Brief Burd. K. 77.5 80. 5 76.5 78.0 Eisa C. 127.5130.5127.0131.0 E. Kö. L. 124.0127.0123.5126.0 Goedh.b 157.0—. 156.5161.0 Hann. K.— Numb. 0u4 113.0 Kortum 64.0 Lothrin. 102.0 106. 0%. 102.0 117.0110.5114.5 66.9 64.0 Lotnr. v. 80.0 66.0 85.0 asch. Kr h. Berg pb. Linol Wr. Dinn. w. Kupf. Oyck. Wie Steuergutscheine 88.0 71.9 63.0—. 86.0 38.0 114.5117.5112.0114.0 96.0 99.0 95.0 98.0 126.5131.5127.0131.0 fällig ab 1. 4. 1924 "" I. 4. 1935 "" 1. 4. 1936 "" f. 4. 1937 "" I. 4. 1933 30..29.7. 103.6103.6 107.6107.6 111.8111.8 112.4112.4 112.2112.3 Berliner Börse, 30. Juli Mitgetellt von der Commerz- und Privat-Bank.-., Filiale Bochum Reichsbankdiskont 4% Lombardzinstuß 5% Einheitskurse Industriewerte 30..29.7. „Dittmann Neuh. Otmd. Akt.-Brau Union-Brau Dürener Metall Oyckersh. Widm n denvietoren ARU A. E. 6. Anhalter Kohle Aschaff. Zellst. Basalt Bayr. Motoren Bemberg Berger Julius Bergmann El. Berl. Karlsr. Ind. „ Kr. u. Licht „ Maschinend. Suderus 12218.3214.0 0 58.6 58.1 0 38.6 38.1 0113.0111.5 0119.7118.0 93.0 10.83 lektr. Lieferg. „ Licht u. Kr. Engelh. Brauerei Enzinger Union 91.0Feinjute 10. 145. 87.0 87. 6—.140 0120.2120 5/142.0140 8155.7155. 5/138.0—. 119.6110. chafl. Wasser 54/116. Chem. Geisenk. 45 Conti Gummi 11 Pi den: Otsch. Atlant. Otsch. Baumwolle " Conti Gas " Kabel „ Linoleum " Steinzeug „ Tel. u. Kab. " Eisenhand. 193. S116.2 2189.2 132. 9— 7116. 5 8/172. 8154. 7 145.7 4143.4 8130.6 120.0 117. 172.1 9 2145.2 8142.5 0 68.6 67.5 10—. 180.0 12—206.5 6139.3— 6160.5 gebhardt& Co. U German. Cem. Ges. f. ei. Untern. Gildemeister Gladb. Wolle Gruschw. Textil Guanowerke ackethal Draht Hageda Hamb. Elektr. Mindr.-Aufferm. Hottmann Stärke Hoheniohewerke Holzmann Ph. Hotelbetr.-Ges. 1 Serbes: Jise Genus ösenbeck Brau. #unghans Gebr. 6131.6132.1 157.3155.5 0 99.0 99.0 6119.0119.0 118.2117.2 8139.0137.2 4116.9115.7 6143.1143.5 7157.5157.0 10—.— 59—. 109.0 S117.0115.5 64/135.0134.5 6/117.0117.0 8145.1146.5 6136.2/138.2 62—. 146.0 0133.0133.0 4131.0130.5 89.0 88.5 6172.3171.0 6/137.5137.2 0107.7/106.0 A Käle Rolner 6as Krefft W. Kromschroeder Kronprinz Metal Küppersbusch ahmeyer L Laurahötte Leopoldsgruben Lindes Eis Lingnerwerke Lorenz C. -uni. Hotte Mlag Mimosa Mülheimer Berg. 6133.5132.8 3 77.0— 0 75.5 78.0 5108.2198.5 75/167.0170.0 142.0 7143.1 21.6 143.7 21.0 0112.1 8/163.0s165.0 8160.0 815 6/192.6 0113.6s115.0 10—. 153.2 6— gregst. 4 Koppall O. 88.0 86.2 Oenabr. Kupfer 6 Pongs& Zahn 19 130.0 174.0 gbein. El. Werte 6 Rhein.-W. Kalk 6/136.0 Riebeck Montan.2125.0 Rütgerswerke 61133.0 •sssetr Sarorti Schlegel Schles. Berg. u. 2. " Berg. Beuth. „ Elekt. u. 6as Schub.& Salzer Schultheis-Patz. Siegersdorfer W. 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Bochun Ausführung sümtlleher Bankgeschals gegen das nt erzielen na im laulächter und Hackfleisch, B. Hackeer„Hacksetzblatt 1 Hackfleisch ldung über ius PferdeFett aus arf. inisch=Westrigen Vorübergwerkes bisherige mann zum rhin wurde zum stell1977 Düsseldorf schen Abendid des günBeginn der haft erschien ders begehrt te, in denen kam. Auch Nach den n ein. Hier kleinen Rückden. Einige r KurenConstantin RM. höher 50 RM. gesich erhöhte Kursen gebhaften Umdinnen konntanleihen zu ar teils stärbach einiges kohlenaktien= in BergbauTagesgewinn wannen drei lauf nahm Nannesmann letzten Tagen den Aktien= Aufwärtsbe= Närkten mitstigen EisenEisenpreise. icklung nicht einigen GeWarenhause Braunkohle verloren 1½ bis 8 Proest. MontanDie Börse cht befestigt. eihe gut gebehauptet. hne Geschäft. dustrieobligarknappte sich DevisenBfund 12 485 ulden 169.00 urt a. M. t namentlich rubiger, aber ändert. 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Bildreihe Mitte: Links: Die schnellsten amerikanischen Sprinter Jesse Owens(links) und Robert Packard bei einer Trainingsrunde.— Rechts: Im Rahmen des Olympia=Festaktes im Pergamon=Museum in Berlin, zu dem Reichsminister Dr. Frick das Olympische Komitee, den Organisationsausschuß und zahlreiche Vertreter des In= und Auslandes geladen hatte, wurde auch eine Szene aus der„Tanzsuite“ von G. F. Händel auf den Stufen des „ Pergamon=Altars aufgeführt. Bildreihe unten: Links: Der griechische Marathonsieger der Athener Olympiade 1896, Spiridon Luis, traf gestern in Berlin ein. Luis überbringt einen Oelzweig aus dem Heimatland der Olympischen Spiele, den er am Tage der Eröffnung dem Führer überreichen wird.— Rechts: Das Frankenbunger Würfelspiel“, wurde Mittwoch abend zum ersten Male vor 20 000 Zuschauern von der NS.=Kulturgemeinde auf der Dietrich=Eckart=Freilichtbühne in der Nähe des Olympischen Dorfes aufgeführt. Eine malerische Aufnahme auf der Bühne während der Feierstunde. Hrch. Hoffmann(4) Scherl-Bilderdienst(3) Seite 8 Nr. 177 7 Bochumer Anzeiger7 Freitag, 31. Juli 1936 Unekdoten um Tiszt der vor fünfzig Jahren starb. Das Wunderkind. unstsinnige Landsleute hatten dem Wunderkinde eine geldliche Unterstützung bewilligt, mit deren Hilfe der Vater ihm eine mehrjährige Ausbildung bestreiten konnte. Doch das Konservatorium zu Paris versagte dem Ausländer die Aufnahme, Hummel in Weimar, einer der bedeutsamsten Lehrer jener Zeit, verlangte ein zu hohes Honorar. So begann der Unterricht bei Czerny in Wien, der für„zwei Gulden Konventionsmünze" die Ausbildung zu übernehmen bereit war. Der Meister erkannte bald die Wunderbegabung des Knaben, der nach kurzer Unterweisung schon die schwersten Kompositionen spielend„herabdonnerte“. Und als der Vater nach Ablauf von dreißig Stunden das schuldige Unterrichtsgeld überbrachte, lächelte Cyerny ablehnend:„Für meinen Zisi(so nannte er den kleinen Franz liebkosend) habe ich kein Honorar zu beanspruchen!" Frisch gewagnert— halb gewonnen! Franz Liszt hat auch auf der Höhe seines Ruhmes, obwohl er doch selbst den Weg des genialen Wunderkindes gegangen war, Verständnis gehabt für die Nöte des verkannten Anfängers, dem grundloses Vorurteil die Bahn zum Aufstieg versperrt. Manchem aufstrebenden Talent hat er durch seine anerkennende Wertung den Weg geebnet. Aber er war unbestechlich in seinem Urteil und hielt mit starker Ablehnung nicht zurück, wo sie angebracht war. So bat ihn einst ein junger Komponist um sein Urteil über eine Symphonie, die indessen mit weit mehr gutem Wollen als künstlerischem Erfolge verfaßt war, Liszt spielte die Partituren durch und erklärte dem aufstrebenden Jünger der Heiligen Cäcilia im Hinblick auf die allzu offensichtliche Anlehnung an Richard Wagner ironisch:„So ist's recht, mein Lieber! Frisch gewagnert, ist halb gewonnen!“ Umstände. Liszt war von äußerster Bescheidenheit und hielt seine eigene Person gern im Hintergrund. Er haßte nichts mehr als übertriebene Verehrung und„Paradereiterei“, wie er es nannte. Gleichwohl wußte er mit dem Stolz des Genies bei gegebener Gelegenheit zu betonen, daß er selbst sich seines Wertes durchaus bewußt war. So wurde er einst von der Frau eines Diplomaten zum Essen eingeladen.„Nur zu einem Löffel Suppe verehrter Meister, wir werden natürlich weiter keine Umstände machen." Doch der große Komponist erwiderte kurz:„Wenn Franz Liszt zu Ihnen kommt, gnädige Frau, so ist es durchaus nicht unangebracht, wenn Sie Umstände machen!" Verriegelt. Liszt war sich der Einzigartigkeit seiner Kompositionskunst durchaus bewußt. Als er seine beiden ersten „Polonäsen“ in Druck gab, fragte der Verleger bei ihm an, wie er das Titelblatt ausgestattet wünsche.„Malen Sie zwei verriegelte Tore darauf“, lachte der Meister heiter,„zum Zeichen, daß mein Werk nicht für Alltagsverstandnis ist." Tatsächlich griff der Verleger diesen Scherz auf und brachte die Komposition in verriegelter Gestalt. Hör mal, Papa! Als Liszt in den 70er Jahren einst einer Probe der Walküre" beiwohnte, faßte ihn plötzlich im 2. Akt (bei Sieglindes Traumworten:„kehrte der Vater nun heim?") Richard Wagner am Arm:„Hör mal, Papa, jetzt kommt ein Thema, das habe ich dir gestohlen!" „Schon recht,“ lächelte Liszt dem Schwiegersohne zu, „wenigstens hört man es doch mal!" Das Thema, auf das Wagner anspielte, ist der Anfang von Liszts Faust=Symphonie, bei der der Dichter der„Walküre" entzückt ausgerufen hatte:„Vieles Schöne und Herrliche gibt es an Musik, aber diese Musik ist göttlich schön!“ Der Kölner Dom. Ein schöner Wesenszug Liszts war die stets willige Hilfsbereitschaft, mit der er seine wundersame Kunst in den Dienst der Nächstenliebe stellte.„Sein Genie bewundert man ebensosehr, wie man seine Geldverachtung inmitten unseres goldgierigen Jahrhunderts anDas Seik“. Michael Krollmann öffnete die hohen Flügel der Glastür, die auf den Balkon führte, und trat hinaus. Er hörte das Gewirr der gedämpften Stimmen im Saal anschwellen. Seine Mitarbeiter unterhielten sich mit den schwedischen Herren angeregt, nachdem die Verhandlungen zu einem vorläufigen Abschluß gekommen waren. Leise schloß er die Tür hinter sich und ging an die Brüstung vor. Er atmete tief auf, als er das Werk so vor sich liegen sah. Der Abend begann sich eben zu senken, vor dem noch hellen Himmel ragten die Umrisse der Gebäude und Schornsteine gewaltig auf, während Lichterschein in den Fenstern glänzte. Im Gebäude 3 drüben würden Stahlplatten gehärtet, manchmal schossen hinter den Scheiben gleißende Lichtbündel auf. Der einsame Mann auf dem Balkon des Verwaltungsgebäudes sah sich das alles an. Das waren die KrollmannWerke, 3200 Arbeiter und Angestellte, vom Großvater in einem einstöckigen Haus angefangen. Heute lastete die ganze schwere Verantwortung für dieses alles auf ihm, der er 55 Jahre alt war und nach den schier unmenschlichen Anstrengungen der letzten zehn Jahre, als man mehr als einmal dicht vor dem völligen Nichts stand, sich fühlte, als sei er fünfundsechzig und habe ein Recht, sich endlich ausruhen zu dürfen. Heute hatte er, wenn alles vollends gut ging, wieder einen Sieg errungen. Lieferte der KuossavaaraKonzern das Erz zu den vereinbarten Sätzen, so war auch der große Auftrag der Imperial and Indian Railways sicher, dann konnte man die Preise einhalten, zu denen die Engländer bereit waren, abzuschließen. War das nicht ein geeigneter Zeitpunkt, zu dem er, Michael Krollmann, die Leitung der Werke niederlegen durfte und nach Jahrzehnten voller Arbeit sich zu einem Lebensabend der Ruhe zurückzuziehen? Er schaute nach rechts aus, wo hinter den Gebäuden ein Stück der Winterlandschaft sichtbar wurde: da lag die Welt voll köstlicher Ruhe unter der weichen Decke des Schnees. Dann fiel Krollmanns Blick auf das Gebäude 7, das mit unerleuchteten Fenstern wie ein dunkler riesiger Felsblock drohend vor dem dämmernden Grau des Himmels lag. Bei diesem Anblick durchzuckte es ihn heiß, daß er sein Herz in raschen Stößen pochen fühlte. Er wandte rasch den Blick ab und überschaute die ganzen Werke noch einmal; dann kehrte sein Blick zu Gebäude 7 zurück, das allein stumm und lichtlos dalag, während überall sonst das Dröhnen der Arbeit zu vernehmen war, das über dem Werk lag wie eine gewaltige Wolke. Er straffte sich und schaute über das Werk hinweg in den Himmel. Die Dämmerung verhüllte immer mehr die Umrisse der Gegenstände, Häuser, der Menschen, die unten geschäftig über den Hof liefen. Nach dem Sieg bindet den Helm fester! dachte Krollmann. Was war er denn anderes als ein kleiner Fleck auf einem Balkon inmitten dieses dröhnenden Lebens? War dieses große Leben um ihn her nicht unendlich mehr als sein eigenes Dasein? Hatte er wirklich kleinmütig werden wollen, fahnenflüchtig nach so langem Ausharren? Er fuhr mit der Hand durch die Luft, eine scharfe, abschließende Bewegung, und staunt,“ rühmt ein Zeitungsbericht aus früherer Zeit, als der Meister wieder einmal den gesamten Erlös eines Konzerts für mildtätige Zwecke zur Verfügung stellte. 7. An der Fertigsteuung des Koiner Toms, vie ja kanger als 600 Jahre geruht hatte, war er wesentlich beteiligt und hat mehrere Konzerte veranstaltet, deren Ertrag dem Bau zufloß. Damals kursierte ein Wortspiel, das ihn mit Amphion,„der Töne Meister", vergleicht:„Amphion bewegte spielend die Steine, Liszt aber baut spielend den Kölner Dom.“ Von Deter Stellan blickte von neuem hinüber, wo Gebäude 7 leblos dalag. Diesen stummen Block mit Leben erfüllen, die Hunderte, die noch vor den Toren warteten, hineinführen und ihren Händen fruchtbare Arbeit geben: das war mehr als ein Lebensabend in schöner Ruhe! Das war mehr! Es gab keine bessere Aufgabe für einen Mann! Krollmann wandte sich um und ging entschlossen hinein. Das Gemurmel der Stimmen ebbte ab, als er in den Saal trat, die im Gespräch Verbundenen trennten sich. Die zwei Parteien ließen sich wieder unterscheiden: die Schweden auf der einen, die Deutschen auf der anderen Seite des langen Tisches. Krollmann hob die Hand:„Herr Moßler wird den Text des Vertrages noch einmal vorlesen,“ sagte er. Der Herr neben Krollmann räusperte sich, rückte seine Brille zurecht und begann:„Die Knossavaara A.., vertreten durch die Herren..., schließt mit den Krollmann=Werken, vertreten durch Herrn Michael Krollmann, vorbehaltlich der Erneuerung des deutsch=schwedischen Handelsabkommens folgenden Vertrag“ Die in langer Arbeit besprochenen Abmachungen wurden verlesen. Blötzlich klingelte das Telephon. Krollmann hob den Hörer ab und lauschte.„Ich danke Ihnen,“ sagte er schließlich in die Muschel hinein,„auf morgen also!“ Dann lehnte er sich in den Sessel zurück und schwieg einen Augenblick. In dieser kurzen Spanne Zeit, während alles erwartungsvoll schwieg und er vor sich auf die glänzende Fläche des Tisches schaute, schloß Krollmann endgültig mit einem Traum ab, den er lange gehegt: Ganz in seinem Haus draußen am Wasser zu leben, im Garten zu liegen, einen ganzen langen Nachmittag auf dem See zu rudern, Zeit zu haben und von dem Frieden der Natur umgeben zu sein.„Die Pflicht", dachte Krollmann; ein großes Schicksal, man mußte auch die Größe haben, es mutig zu tragen. „Meine Herren,“ sagte er endlich langsam und hob den Blick,„Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß die Verlängerung des Handelsvertrages soeben in Berlin unterzeichnet wurde. Ich denke, wir können unsere Arbeit als gelungen ausehen.“ Er ergriff den Füllfederhalter, schraubte umständlich die Kappe ab und setzte schließlich entschlossen seinen Namen unter das Dokument, das ihm der Herr an seiner Seite reichte. Nach ihm unterzeichneten die Schweden. Alles stand wieder auf.„Ich darf Sie bitten, meine Herren,“ sagte Krollmann fröhlich,„für den heutigen Abend alle meine Gäste zu sein. Meine Frau erwartet uns.“ Ein heiteres Stimmengewirr erhob sich, man brach auf. Unten entschuldigte sich Krollmann für einen Augenblick und ließ seine Begleiter zu den Autos vorausgehen. Allein geblieben schritt er langsam über den Hof. Es war inzwischen Nacht geworden. Eine Bogenlampe warf seinen Schatten riesengroß voraus auf das Pflaster. Die vielen Lichter trieben mit den Schatten der vielgestaltigen Anlagen ein phantastisches Spiel. Der Lärm der Maschinen vermischte sich mit dem Zischen ausströmenden Dampfes, brach sich an den Wänden der Gebäude und vereinigte sich mit dem Rufen von Menschen zu einem brausenden Lied. Der Klang einer Sirene ertönte, schwoll an und verklang wieder: Schichtwechsel. Krollmann blieb einige Zeit stehen und sah zu, wie die Arbeiter an ihm vorbei zum Ausgang gingen. Zu Hause erwartete sie eine warme Stube: auch er, Krollmann, trug sein Teil dazu bei, daß dies so war. Er erwiderte die Grüße der Vorbeigehenden und nannte diesen und jenen mit Namen. Dann ging er zu Gebäude 3, wo er Werkmeister Singer traf. Die beiden Männer, ungefähr gleichen Alters, gaben sich die Hand.„Alles in Ordnung, Singer?“ fragte Krollmann.„Jawohl, Herr Hauptmann!" antwortete der Werkmeister. Die Anrede hatte sich noch aus der Kriegszeit erhalten, als sie zusammen an der Westfront waren.„Die Sache mit den Schweden hätten wir geschafft, Singer," fuhr Krollmann fort.„Fein!" erwiderte der Werkmeister bloß, aber man hörte an seinem Ton, daß er wußte, was es bedeutete.„Zweihundert Mann mehr können wir da wohl einstellen,“ schloß Krollmann,„Gebäude 7 liegt auch nicht mehr lange so da, verlassen Sie sich drauf. Na, gute Nacht, Singer, sagen Sie ihrer Frau einen schönen Gruß von mir.“„Gute Nacht, Herr Hauptmann,“ sagte der Werkmeister. Sie schüttelten sich die Hand. Krollmann ging über den wieder verlassenen Hof langsam zum Ausgang. Er streifte im Vorübergehen mit einem Blick den Balkon am Verwaltungsgebäude, wo er vor einer halben Stunde gestanden und über das Werk geschaut hatte. Er wußte, daß er den richtigen Weg gegangen war und daß er ihn weitergehen würde, solange ihm Zeit gegeben war. Der schlagfertige Brahms Als Brahms in Berlin in einem Konzert dirigierte, wurde er sehr gefeiert. Wie wenig dieser Ruhm aber seiner natürlichen Bescheidenheit schaden konnte, beweist ein kleiner Vorfall bei einem damals von Joachim gegebenen Diner. In wenigen gut gewählten Worten schickte sich der Gastgeber an, auf das Wohl des„größten Komponisten" zu trinken, aber ehe er den Namen noch aussprechen konnte, sprang Brahms auf, ergriff sein Glas und rief:„Ganz recht! Auf Mozart wollen wir trinken!" Dann ging er um den Tisch herum, um mit allen anzustoßen. Damit war die Situation gerettet. Der alte Seemann erzählte, die Badegäste drängten sich um ihn und hörten andächtig zu. „.. und nachdem ich so etwa acht Stunden in dem stürmischen Meer herumgeschwommen war, kam eine riesige Welle und warf mich und einen anderen Mann von unserem Schiff auf eine kleine unbewohnte Insel. Da saßen wir nun— nichts zu essen, nichts zu trinken! Nur ein großes Faß Whisky war von den Wellen ans Land gespult worden!" „Furchtbar! Entsetzlich!“ „Aber es hätte noch weit schlimmer sein können! Denken Sie sich das Glück! Der andere trank keinen Whisky!" Erst bei Fackellicht wurde der zweite Wagen flott. Als die Fuhre in der Posthalterei anlangte, war schon für die Herrschaften aufgetragen. Brühl wurde zu ihnen in den ersten Stock hinaufgeschickt. August saß zwischen den beiden Frauen bei einem Mahl, das nur aus Weißkäse und Brot bestand. Aber das Korallenbesteck des Königs wurde benutzt. Tokayer führte er stets mit, er stand in goldenen Bechern auf dem Tisch. Daß die Schweden auch hier furagiert und das letzte Huhn gegen Bleigeld mitgenommen hatten, war nicht vorauszusehen gewesen. Die Stimmung in dem ungemütlichen Raum war eisig. Als Brühl die glückliche Einlieferung des Kindes meldete, sprang die Kolowrat sofort auf und stürzte der Amme entgegen. Dann verschwanden sie beide in einem der Schlafzimmer. Die Lubomirska erhob sich ebenfalls: „Sie sollten noch in dieser Stunde eines der Vorpferde satteln lassen und mit dem Postmeister zurückreiten. Der König ist es seiner Sicherheit schuldig.“ August lächelte:„Ein uneigennütziger Rat, meine Freundin.— Wer seinem Schicksal entgegengehen will, kommt darin um.“ „Gut, warten Sie, bis es zu spät ist.“ Es war schon zu spät. Der schwedische Kornett, der mit seinen zehn Mann die Gegend unsicher machte, war von dem Fackelschein der Wagen zu der Posthalterei zurückgelockt worden. Er besetzte die Eingänge und drang mit zwei Mann in das Treppenhaus ein. Ein fürwitziger Roßknecht wurde mit der flachen Klinge niedergeschlagen. Die anderen versteckten sich im Heu oder Mist. Der Postmeister verhandelte gestikulierend. Die Reitpeitsche des Kornetts setzte seinen Beteuerungen die Interpunktionen. Die Gräfin Kolowrat erschien, vom Schlafzimmer kommend, auf dem Treppenabsatz. Der Kornett stellte sie: „Den Paß, Ew. Liebden!“ Sie erbat sich Zeit, ihn zu holen, eilte in das Speisezimmer und berichtete in ein paar freundlichen Wiener Worten die verzweifelte Situation. Die Lubomirska rang die Hände. „Das werden wir schon richten“, meinte die Kolowrat. Augusts Bewunderung verlieh ihr RiesenDie Lubomirska eilte hinaus, dem Schweden entgegen, um ihn zum Abzug zu bewegen. Des Königs köstliches Geschenk, eine Perlkette mit rosig schimmernden Stücken, war sie zu opfern bereit. August schickte Brühl hinterher:„Daß sie keine Dummheiten macht! Nur Zeit gewinnen!“ Brühl erbat von der Lubomirska die Genehmigung, den Paß der Gräfin Kolowrat dem Kornett zu unterbreiten. Der kaiserliche Paß befriedigte. Der Kornett wollte wissen, wer in dem zweiten Wagen gekommen sei Brühl verbeugte sich vor der Lubomirska, erbat sich deren Paß und produzierte ihn umständlich, ebenso den des Grafen Lanckowski. Bei dem Namen Lubomirska lachte der Kornett höhnisch auf, seine Augen begannen zu leuchten. Der Komet einer ganz großen Hoffnung stieg vor ihm auf. Jeder schwedische Kavalier wußte, wer die Lubomirska war und wie sie zu August stand. Sollte dem kleinen Kornett der größte Wurf des Kriegsglücks zugefallen sein?„ Brühl flog unter einem rucksichtslosen Stoß gegen das Geländer. Er konnte sich nur noch am Stiefel eines der beiden Reiter festkrallen und ihn mit sich in die harte Treppentiefe zerren. „Den Grafen Lanckowski möchte ich mir ansehen!" Die Lubomirska, bekam Schreikrämpfe und mußte von dem zweiten Reiter gehalten werden. Der Kornett sprengte die Tür und spannte seine Vistolen..„.(6, Ta, ium Stuhl Im Zimmer stand August Er hatte einen Stuhl umgekippt, sich für den Nahkampf mit einem kantigen Bein bewaffnet. Zwei Pistolenmündungen starrten ihn an. Er überlegte, nach welcher Seite er eine Volte schlagen und wie er den Kornett niederstrecken sollte. Der Kornett sagte: „Ew. Majestät sind erkannt. Ich bitte um Ew. Majestät Degen.“ Da tönte von rechts das Wiener Stimmchen der Kolowrat: „General, die Leute werden lästig, rufen Sie die Wache ins Gewehr!" Die Tür zum Nebenzimmer stand offen. In der Füllung stand Sulkowski, mit der Schärpe des Königs umgürtet, den ihm etwas zu großen Hut hatte er aufgestülpt. Er machte eine halbe Wendung nach dem dunklen Hintergrund und begann zu kommandieren: „Macht euch fertig! Herstellt euch rechts! Gewehr auf! Gewehr in Anschlag!“ Die Kolowrat sagte sanft wie bei einer Teeunterhaltung:„„„„„ „Werfen Sie die Herrn ooch ein nein bisserl die Treppe hinunter!" August war hingerissen von der Stimme und dem Einfall der Kolowrat. Die beiden schwarzen Pistolenmündungen, die auf ihn gerichtet waren, senkten sich. Der König sagte ebenso leicht wie die Wienerin: „Ich werde einen Kornett meines Vetters niemals die Treppe hinunterwerfen, aber aufs angenehmste an die frische Luft befördern.“ Ein Sprung, und er packte den Kornett an der Halskrause, hob ihn hoch, schleppte ihn auf den Balkon, hielt ihn mit ausgestrecktem Arm ins Leere, ließ ihn ein wenig zappeln, bis dis schwedischen Reiter es möglichst alle gesehen hatten, und dann hinunterfallen. Er fiel sanft, weil nach der Gepflogenheit der Misthaufen vor dem Hause lag. Die Roßknechte bekamen wieder Mut. Geschossen wurde nicht, aber eine derbe Holzerei entstand. Die Schweden entkamen bis auf zwei. Aber weit auch nicht; in der nächsten Schenke ließen sie sich verbinden, und dort wurden sie von einer sächsischen Streife gefaßt. Nach deren Meldung erfuhr General Flemming erst den Aufenthalt seines Königs. Der Page Brühl war zum Nachtdienst nicht mehr imstande. Er war grün und blau geschunden. Der König schickte ihn mit einer Schlafmittelschatulle zur Lubomirska, ließ ihr eine exzellente Nacht wünschen. Sulkowski übernahm die Wache vor dem Zimmer des Königs. Aber es blieb leer. Nach einer Stunde machte sich Sulkowski auf die Suche. Er stellte die königliche Flüsterstimme in einem Zimmer fest, in dem er die Gräfin Kolowrat nach der Raumverteilung vermutete. Als dienstbeflissener Kronpage legte er sich vor der Schwelle nieder. IV. Der Kronpage Brühl rollte sich mit Aechzen und Stöhnen aus dem unter unruhigen Träumen verrolzten Bett. Vielleicht hatte auch die nahe Grenze die sprichwörtliche Sauberkeit der Sachsen etwas geschwächt, einige Bettmitbewohner wurden jetzt an Juckstellen spürbar. Er schlug den Laden auf: sie steckten im milchweißen Nichts. Die Welt war fortgeschwommen. Sie waren auf irgendeinen Riff allein geblieben. Es hieß Kurfürstliche Posthalterei Brimsbroda. Nicht einmal die Brimse rauschte, auch krähten keine Hähne, weil sie die Schweden gegen schlechtes Blei mitgenommen hatten. Es war totenstill: Watte in den Ohren, Watte vor den Augen. Nach dem Stolperschritt über Sulkowski hatte August zwei Morgenstunden vorzüglich geruht. Es war die Zeit seines besten Schlafes; die frühe Nacht verbrachte er in alter Gewohnheit mit Menschen oder seinen Kunstplänen. Bei Brühls Morgenmeldung saß er in bester Laune vor einem Tisch und ließ sich balbieren. Dazu trank er Wasser. Er war ein Meister im Wassertrinken. Bei seiner letzten Karlsbader Kur hatte er es täglich auf 26„Schoppen“ gebracht. Außerdem kam täglich ein Eilwagen aus Pillnitz mit frischem, sächsischem Bier nach Karlsbad. „Wo sind wir?" „Kurfürstliche Posthalterei Brimsbroda, im dichten Nebel, Ew. Majestät.“ August schaute sich unwillkürlich nach dem Pagen um und zog sich dadurch einen Kratzer von der Rasierklinge zu. Das war ja ein verteufelt kluger, besonneuer Kerl, dieser— dieser— Brühl! Er war von selbst auf seinen Namen gekommen. August ließ das Gefühl aus seinem Gehirn in die tiefen Zentren Körpers hinabrieseln, daß er hier in süßer Geborgenheit noch einen oder zwei Tage mit der Gräfin aus Wien verziehen könne. Aber wie konnte er sich der Lubomirska entledigen? „Ihre Gräfliche Gnaden" berichtete Brühl ungefragt,„die Gräfin Lubomirska sind heute bei Morgengrauen abgereist und haben... „Gib den Brief nur her!“ August nahm das kleine Billett, roch daran, lächelte und warf es auf den Tisch. Es wurde nie geöffnet. Die Akten Lubomirskas waren geschlossen. Es entstand nur noch ein Anhängsel: finanzieller Ausgleich. Man war darin nicht kleinlich, aber es hatte Zeit. Es donnerte. August ließ das Fenster öffnen. Es donnerte lauter. Der König war eingeseift, sonst hätte der Page sehen können, wie plötzlich alles Blut aus seinen breiten Wangen wich. „Woher kommen die Kanonen?" schrie ihn August unvermittelt an. Brühl verstand davon nichts. Sulkowski meldete sich zum Dienst. August brüllte auch ihn an. Dann eilte er auf den Balkon, von dem er— wie lange war es her?— den schwedischen Kornett heruntergelassen hatte. Unten lag noch ein vergessener Handschuh auf dem Mist. Der Nebel geriet in quirlende Bewegung. Die Atemluft schmeckte säuerlich, kratzte im Hals wie saurer Most. Plötzlich sah sie ein rotes feuriges Auge aus dem wabernden Himmel an. „Dort im Osten, Majestät“, sagte Sulkowski.„Und von dort her kommt auch der Schall.“ August glaubte es noch nicht. Er steckte den Finger in den Mund, machte ihn naß, hielt ihn in die Luft, um festzustellen, woher der Wind kam. Es wehte kein Wind. Der Kanonendonner kam unverkennbar aus der Richtung, aus der das feurige Auge durch den Nebel starrte. „Die Stücke können aber gar nicht im Osten schießen“, sagte Brühl, um die drohende Stille zu beschwichtigen „Die Schweden stehen doch bei Leipzig, also von hier aus im Nordwest. Schall ist trügerisch.“ August war im Augenblick so schwach, daß er sich sogar an diesem Strohhalm geklammert hätte. Da aber riß plötzlich der Nebel auseinander. Ein Wind stellte sich ein, zog die Fetzen ein paarmal hin und her und trug sie dann im Saus davon. Das Land bis zu den böhmischen Bergen rollte sich auf. Die Felder lagen im satten Dunst, die Wälder standen als feste Gevierte, in Schneisen ausgerichtet, ein Hünenheer. Die Elbsteinbastionen deckten ihre Flanken. „Wenn ich als Zauberer in die Hände klatschen und sie als meine Armee bewegen könnte, dann wäre mir vielleicht noch zu helfen.“ Im Osten stieg eine Rauchsäule auf, kerzengerade, oben breiter werdend. Es roch nach Brand. Der Kaonendonner kam näher. „Was bedeutet das?“ fragte August. Brühl schüttelte seine Antwort aus dem Aermel: „Sie haben Brand geschossen, weiß Gott, in der örlitzer Gegend..W4 em (Fortsetzung folgt. Seite 9 Nr. 127 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 31. Juli 1936 Olympische Fackel überschreitet heute mittag die deutsche Grenze 2os Hulrenaufer in Beurschland Perei Festlicher Empfang in Stadt und Land— In 24 Stunden von der Grenze zum Tustgarten Berlin, 30. Juli. Eilenden Schrittes und selbst entflammt von dem Feuer olympischer Begeisterung, tragen junge Sportler die unter Griechenlands Sonne entzündete Flamme von Dorf zu Dorf und von Land zu Land. Inzwischen sind für die Entgegennahme des heiligen Feuers an der Reichsgrenze und für den anschließenden Fackellauf durch das deutsche Land die letzten Vorbereitungen getroffen. Der vom Fachamtsleiter für Leichtathletik, Dr. von Halt und damit vom Reichssportführer mit der Organisierung des Laufes beauftragte Führer der Leichtathletikabteilung des Sportklubs Charlottenburg, Walter Blume, wird den Läufern bis über die deutsche Grenze hinaus entgegenfahren. Die 267 Läufer des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen— 98 vom Gau Sachsen, 66 vom Gau Mitte und 103 vom Gau Berlin=Brandenburg— wissen, wann und an welcher Stelle sie sich für den 1000=Meter=Lauf bereitzuhalten haben. Der kunstvolle Fackelschaft aus Kruppschem Nirostastahl, in dem sie die Fackel tragen, bleibt in ihrem Besitz als eine stolze Erinnerung an ihre Mitwirkung Tachafl gschet. bei diesem historischen Lauf. Außerdem erhält jeder Läufer eine pergamentene Urkunde mit der Unterschrift des Präsidenten des Organisationskomitees Dr. Lewald. Das Reichsgebiet wird bei Hellendorf, etwa 20 Kilometer südwestlich von Königsstein, erreicht. Hier wird am 31. Juli, mittags 12 Uhr, die erste Empfangsfeierlichkeit stattfinden. Unmittelbar an der Grenze ist auf einem baumbestandenen Platz, dem„Historischen Rundblick“, ein Altar errichtet. Für eine halbe Stunde wird der Lauf unterbrochen. Im Mittelpunkt der Feier steht eine Ansprache des Reichsstatthalters in Sachsen und Gauleiters Mutschmann. Diese wie auch alle späteren Feierlichkeiten werden einen großen und würdigen Rahmen haben. Zusammen mit der Bevölkerung und den Angehörigen der Sportverbände werden die Formationen der Partei und die Vertreter der Behörden dem Festakt beiwohnen. Der auf die Minute genau festgelegte Ablauf des Fackelträgers vom Altar bedeutet aber noch keineswegs den Abschluß dieser örtlichen Feiern; sie gehen vielmehr im Schein der Flamme, die durch Propangas auf dem Altar genährt wird, solange weiter, bis das Feuer aus Mangel an Zufuhr von selbst erlischt. In Pirna findet von 14 Uhr an auf dem Marktplatz inmitten eines holzstoßartigen Altars eine ähnliche Weihestunde statt. Die Einholung wird sich dadurch besonders eindrucksvoll gestalten, daß das Eintreffen der Läufer durch Fanfarenbläser angekündigt wird, die auf den Höhen am Rande der Stadt Ausschau halten. Unmittelbar anschließend an die Signale des letzten Bläsers setzt auf einem Kirchturm Glockengeläut ein. Rund zwei Stunden später, um 16.15 Uhr, ist Dresden erreicht. Hier ist als Festplatz eine Stelle am Königsufer gegenüber den Brühlschen Terrassen ausgewählt worden. Etwa zwei Stunden nach dem Start, der auf 17.05 Uhr angesetzt ist, trifft die Fackel zu halbstündigem Aufenthalt auf dem Marktplatz in Meißen ein, dessen Oberbürgermeister sie im Anschluß an die Feier weitertragen wird. Nachts wird auf einem längeren Abschnitt der Strecke Meißen—Großenhain—Elsterwerda, ein kilometerlanges Fackelspalier die Laufstrecke erleuchten. Um .45 Uhr soll das Feuer rund 18 Kilometer südlich von Jüterbog dem Gau Berlin=Brandenburg des Reichsbundes für Leibesübungen übergeben sein. Auch Herzberg und Jüterbog werden ohne Halt durchlaufen. Eine letzte besondere Feierlichkeit vor Berlin nimmt am Tage der Eröffnung der Spiele um.20 Uhr in [Luckenwalde ihren Anfang. Es ist hier ein einstündiger Aufenthalt für die Feier auf dem Marktplatz vorgesehen. Trebbin wird um.55 Uhr, Großbeeren um 10.25 Uhr erreicht. Um 10.48 Uhr übernimmt der 73. Läufer des Gaues Berlin=Brandenburg, von der Grenze ab gerechnet, der 227. Läufer, das Feuer auf Groß=Berliner Gebiet, und zwar bei Kilometer 7,3 auf der Straße Großbeeren— Berlin. 11.04 Uhr ist die Durchlaufzeit für Marienfelde, 11.20 Uhr die für Marien dorf. Es wird wohl kaum einen einzigen Läufer geben, der vereinsamt seine Fackel trüge. Welches Dorf wollte denn auch ruhen, wenn dieser historische Lauf über seine Straße führt! Nein, im Gegenteil! Von weit und breit werden sie kommen, um an den Rändern der Straßen und Wege den Schein der lohenden Fackel in sich aufzunehmen und nahe zu sein diesem Künder hoher olympischer Ideale. Und auf den Landstraßen werden die Sportkameraden in Vereinstracht die treuen und unentwegten Begleiter der weißuniformierten Läufer sein. Feuerschutzwachen, die auf den Waldstrecken von den örtlichen Organen eingesetzt sind, werden sorgsam darauf achten, daß die Fackelreste und die beim Lauf sich lösenden Verbrennungsstoffe kein Unheil anrichten. Aus eben diesen Sicherheitsgründen sind die Läufer auch angewiesen worden, immer nur die Mitte des Weges zu benutzen. Je näher die Fackel der Reichshauptstadt kommt, um so dichter wird das Spalier sein. Der Weg führt zunächst durch die Chausseestraße in Marien= dorf und die Berliner Straße in Tempelhof. Dann geht es durch die Belle=Alliance=Straße zum BelleAlliance=Platz, der um 11.48 Uhr umkreist wird. Die Wilhelmstraße und die Linden sind die letzte Etappe bis zum Lustgarten. Dort soll die Fackel nach den bisherigen Dispositionen um 12 Uhr eintreffen und die gewaltige Jugendfeier einleiten, an der neben den Vertretern der Reichsregierung sämtliche Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees teilnehmen. Der Start zur letzten Strecke über die Via triumphalis ist auf 16 Uhr festgesetzt. Sowohl im Lustgarten, wo das Olympische Feuer bekanntlich während der ganzen Spiele brennen wird, wie auch am Marathon=Tor und später auf den Müggelbergen und auf der Hansekogge in Kiel wird flüssiges Gas, das in Stahlflaschen komprimiert aufbewahrt wird, die Flamme speisen. Es handelt sich um Propangas, das von einer hannoverschen Gewerkschaft kostenlos zur Verfügung gestellt worden ist. Vernichleie(essell une. Polnischer Fesselballon zerstört— Ein Toter, elf Verletzte Gdingen, 30. Juli. In der Nähe von Gdingen schlug ein Blitz in einen mit zwei polnischen Offizieren besetzten Fesselballon und setzte ihn in Brand. Der eine der Offiziere konnte sich mit einem Fallschirm retten. Der zweite stürzte tödlich ab., weil sein Fallschirm mit der abstürzenden Gondel zusammenstieß. Der Blitz, der den Ballon in Brand gesetzt hatte, fuhr an dem Ankerseil entlang zur Erde und verletzte dort noch elf [Mann von der Haltemannschaft. Auch die letzten sind da Ankunft von 1437 weiteren amerikanischen Olympiagästen mit dem Schnelldampfer„Europa“. dnb Bremerhaven, 30. Juli. Am Donnerstag früh landete Schnelldampfer„Europa“ 1437 Fahrgäste an der Columbuskaje, die die letzte Gelegenheit ergriffen hatten, um noch rechtzeitig zu den Olympischen Spielen über den Atlantik zu kommen. Der Schnelldampfer brachte zwei Reisegesellschaften und zahlreiche offizielle Persönlichkeiten mit. Zur Begrüßung hielt Senator Bernhard im Namen des Regierenden Bürgermeisters von Bremen und des Senates eine kurze englische Ansprache, in der er die ausländischen Gäste willkommen hieß. Ortsgruppenleiter Lehmann begrüßte in Vertretung des Wesermünder Kreisleiters 30 kanadische Sportstudenten, die auf Einladung des Olympischen Komitees an dem internationalen Sportstudentenlager teilnehmen. Außerdem kamen zwölf deutschstämmige mexikanische Ruderer an, die im internationalen Jugendlager untergebracht werden. Gänsebraten für Olympia=Gäste Berlin, 29. Juli. In den größten deutschen Gänsemastgebieten, im Warthe= und Oderbruch, hat im Olympiajahr die Gänsemast besonders früh eingesetzt. Um für die Gäste der Olympischen Spiele eine genügende Zahl von Mastgänsen vorrätig zu haben, haben die Gänsemästereien über die Reichsstelle der deutschen Eierwirtschaft den Auftrag zur Mast mehrerer Tausend Magergänse erhalten die aus Polen eingeführt worden sind. Insgesamt sind schon 10000 Tiere für die Olympiagäste in Mast. Luftschiff„Graf Zeppelin“ auf seiner siebten Südamerikafahrt Friedrichshafen, 30. Juli. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“, ist heute früh .10 Uhr unter Führung des Kommandanten von Schiller zu seiner siebten Südamerikafahrt nach Rio de Janeiro gestartet. Unter den 20 Fahrgästen sind außer Deutschen acht Nationen vertreten: Holland, Frankreich, Ungarn, Brasilien, Argentinien, Chile, USA. und ein spanischer Offizier. Das Luftschiff hat 250 Kilogramm Post und 700 Kilogramm Fracht an Bord. Kapitän von Schiller wird direkten Kurs Rhonetal— Mittelmeer nehmen. Vom Schneesturm überrascht Mailand, 30. Juli. Im Monte= Rosa=Gebiet wurde eine Gruppe von elf Salesianer=Zöglingen die unter Führung eines Lehrers und von zwei Bergsteigern einen Aufstieg unternommen hatte, von einem Schneesturm überrascht. Der eisige Schneesturm machte jedes Weiterkommen unmöglich und nahm die Sicht, so daß die schützende Hütte nicht gefunden werden konnte. Die Bergsteiger bemühten sich nach Kräften, die Zöglinge durch Massieren vor dem Erfrieren zu schützen. Als es endlich gelang, die Hütte zu erreichen, gab einer der Jungen kaum noch ein Lebenszeichen von sich. Er wurde in die Schutzhütte getragen, wo er nach kurzer Zeit starb. Blicke in die Welt Schüler erschießt seinen Kameraden Ein fünfzehnjähriger Schüler aus Berlin, der seine Ferien bei Verwandten in Wörlitz bei Dessau verlebte, wurde von dem dreizehnjährigen Sohn der Verwandten, mit dem er in Streit geraten war, mit einer Mauserpistole erschossen. 3 Tote, 20 Schwerverletzte bei einem Unwetter. Die Gegend von Thorn bis Culm wurde am Dienstag von einem orkanartigen Sturm heimgesucht, durch den in verschiedenen Ortschaften 300 Gebäude zerstört wurden. Das Unwetter wütete etwa 15 Minuten. Drei Menschen wurden getötet, etwa 20 schwer verletzt. 2,8 Millionen Einwohner in Paris Die letzte Volkszählung im März 1936 hat für die Stadt Paris eine Einwohnerzahl von 2 800 168 und für das Seine=Departement eine solche von 4919323 ergeben. Gegenüber der Zählung von 1931 hat die Hauptstadt 70871 Einwohner verloren, das SeineDepartement dagegen 31 768 gewonnen. 1801 zählte Paris 547 758 Einwohner und das Seine=Departement 631 808. Paris erreichte 1846 die Einwohnerzahl von einer Million und 1876 die von zwei Millionen. Fünfzehn Tote bei einem Schiffsunglück auf dem Michigan=See Bei hohem Wellengang schlug auf dem Michigan=See in der Nähe von Calumet=Harbour ein Frachtschiff, das Kieselsand geladen hatte, um. Sieben Mann der Besatzung konnten gerettet werden, während fünfzehn ertranken. Fünfzehn Feuerwehrleute bei einem Brand verletzt Wie aus Longbeach im Staate Newyork gemeldet wird, entstand dort in einer Gastwirtschaft auf der Strandpromenade aus unbekannter Ursache ein Feuer, das, von starkem Meereswind angefacht, auf zehn benachbarte Gebäude übergriff. Sämtliche Gebäude wurden eingeäschert, obwohl 300 Feuerwehrleute sich vier Stunden lang bemühten, des Feuers Herr zu werden, Fünfzehn Feuerwehrleute wurden mehr oder minder schwer verletzt. Schwere Explosion auf einem amerikanischen Kriegsschiff. Nach einer Mitteilung des amerikanischen Marineamtes wurden bei einer Explosion des Geschützturmes auf dem Schlachtschiff„Marblehead“ zwei Matrosen getötet und acht verletzt. Das Unglück, über das Einzelheiten noch nicht mitgeteilt worden sind, ereignete sich an der kalifornischen Küste. Eisenbahnunglück in Illinois. Aus Illinois wird gemeldet: Infolge Schienenbruchs entgleisten 14 Wagen eines Güterzuges und stürzten um Soweit bisher feststeht, wurden sieben Personen getötet darunter fünf blinde Passagiere. Eiir Reuesziuto Ver wie es in der ganzen Welt nicht besser geliefert wird! Jedes Rohoel enthält neben erstklassigen Schmierstoffen unerwünschte und schädliche Bestandteile, die durch die bisherigen Raffinations-Methoden nicht vollständig ausgeschieden werden konnten. Endlich ist ein umwälzend neues Verfahren gefunden worden, das auf physikalischem Wege durch neuartige Lösungsmittel restlos alle schmierungsfeindlichen Antelle aus dem Rohoel herauslöst. Für die Anwendung dieses Verfahrens haben wir außergewöhnlich leistungsfähige Neuanlagen geschaffen. In diesen entsteht aus deutschem Erdoel das neue Mobiloel, ein Klarosol-Erzeugnis. Es ist reiner Schmierstoff mit einem bisher nie gekannten Grad von Reinheit, Schmierkraft und Lebensdauer. Sofortiger Oelwechsel lohnt sich! OEEU SH als Schmieroel-reiner Schmierstoff! Seite 10 Nr. 177 7 Bochumer Anzeiger Freitag, 31. Juli 1936 Kunst und Wissen Deutsch-franzölisches Willenschaftslager erfolgreich abgeschlossen „Dienstag wurde das vom 20. bis 27. Juli 1936 in Köln=Frankenforst von der Deutschen Studentenschaft durchgeführte Wissenschaftslager abgeschlossen. Es ist nicht nur gelungen, den 20 erschienenen franzosischen Studenten einen Einblick in das geistige, politische und wirtschaftliche Leben Deutschlands zu verschaffen, sondern es konnten auch die Grundlagen, auf denen allein ein Verständnis und eine Zusammenarbeit der beiden Völker möglich ist, in Vorträgen und Diskussionen näher betrachtet werden: Achtung der gegenseitigen nationalen und völkischen Werte und Anerkennung der völligen politischen Gleichberechtigung. Während des Lagers hielten Vorträge Gauschulungsleiter Kölker über die Grundlagen der nationalsozialistischen Weltanschauung, der stellvertretende Gauwalter der DAF., Schaffrath, über die Deutsche Arbeitsfront, der Stabsführer der Landesbauernschaft, Dr. Otto, über den Reichsnährstand; ferner sprachen Professor Graven und Dr. Nolte über die deutsche Rechtsentwicklung, Dr. Gierlichs über die ständische Gliederung, Professor Müller über die nationalsozialistische Wirtschaft. Ueber die Stadt Köln als künstlerischer Ausdruck sprach der Direktor der Kölner Museen, Professor Förster. Die französischen Teilnehmer berichteten über die Jugend in Frankreich und über die politische Lage. Die lebhaften Aussprachen sowie die zahlreichen Fragen, die von seiten der jungen Franzosen an die Vortragenden gerichtet wurden, bewiesen, welch großes Interesse sie für alle Fragen des neuen Deutschlands entgegenbringen. Trotellor Dr. Dulpius 1 Der bekannte Heidelberger Orthopäde Professor Dr. Oskar Vulpius ist bei einem Kraftwagenunfall in Untereisesheim(Kreis Heilbronn) ums Leben gekommen. Geheimrat Vulpius, der im Alter von 69 Jahren stand, begründete 1896 seine Klinik für Orthopädie, die er aus kleinen Anfängen zu einer der größten Privatkliniken entwickelte. Das Hauptarbeitsgebiet von Oskar Vulpius bildete die Behandlung von Lähmungen, insbesondere die Behandlung der epidemischen Kinderlähmung. Franz=Liszt=Gedächtnisausstellung. Das RichardWagner=Museum im Reuterhaus zu Eisenach enthält bereits eine sehr reiche Anzahl von Erinnerungsstudien an Franz Liszt und seinen Kreis: Bilder, Briefe, Handschriften, Drucke, Dokumente, eine häufig reproduzierte große Plakette der Gräfin'Agoult, die Totenmaske Liszts und anderes. Im Gedenken an ben 50. Todestag Liszts ist jetzt aus dem Archiv des Museums eine Reihe interessanter Briefe von Liszt selbst, von der Fürstin Wittgenstein, der Gräfin 'Agoult und Cosima Wagner neu ausgestellt worden. Einer der Cosima=Briefe ist an Ludwig II. gerichtet mit der flehentlichen Bitte um Deckung des gewaltigen Fehlbetrages der ersten Festspiele, ein anderer kündigt einem Freund die beabsichtigte Grundsteinlegung des Festspielhauses und Aufführung der 9. Symphonie noch als tiefes Geheimnis an. Die vom 9. bis 12. Oktober in Jena stattfindende Deutsche Geographentagung bringt als Einheitsgrundthema Vorträge über politische Geographie und deutsche Landeskunde. Auch die anthrovogeographische Forschung soll behandelt werden.. Ausstellung„Neue evangelische Kirchenkunst", Berlin. Der Kunstdienst veranstaltet anläßlich der Olympischen Spiele in Berlin, Matthäikirchplatz 2. eine Ausstellung neuer evangelischer Kirchenkunst, die am 21. Juli vor zahlreich geladenen Gästen feierlich eröffnet wurde. Die Ausstellung will den zahlreichen in= und ausländischen Besuchern der Reichshauptstadt einen Ueberblick über die lebendigsten Kräfte auf dem Gebiet evangelischkirchlicher Gestaltung geben. Damit weist die Ausstellung auf die Wichtigkeit dieses Gebietes für die gesamte deutsche Kunst hin und versucht, über die gegenwärtigen Lösungen und Fragen Auskunft zu geben. In Keilter? Dor 50 Jahren ltarb der Künltler Begeistert, ja fanatisch umjubelt und gleichzeitig böswillig verleumdet und angefeindet— so ging Franz Liszt durch sein Leben, so streifte er auf seinen Konzertreisen durch ganz Europa und so verbrachte er seine stilleren Jahre in Weimar und Rom. Seine wahrhaft vornehme und zurückhaltende Art wußte jedoch den Scherl-Bilderdienst Trubel, der um ihn wogte, auszugleichen und zu dämpfen, so daß der Charakter des Künstlers stets untadelig blieb. Dabei stand schon das Kind in Gefahr, durch die sehr frühe Podiumreife und die Begeisterung der Oefeinigen Arbeiten wird auf die Möglichkeiten neuen monumentalen Gestaltens im Kirchenraum hingewiesen: Putzmosaik, Bild= und Schrift=Teppiche, Plastiken, ebenso ein großes geschliffenes und geätztes Glasbild. Aufnahmen neuer Kirchbauten, kirchliche Geräte, Holzgrabzeichen, Schriftblätter und Holzschnitte, kirchliche Spitzen und Stickereien, Platetten und Medaillen vervollständigen das Bild. Dr. Kohl=Larsen erhielt die goldene Leibniz=Medaille. Von der Akademie der Wissenschaften wurde der Paläon= tologe Dr. Kohl=Larsen wegen seiner Verdienste um die deutsche Forschung hoch geehrt. Er fand u.., auf seiner Afrikareise die Reste eines Menschenschädels, dessen Alter auf eine halbe Million Jahre geschätzt wird. Ersri während der Baureuther Feltlpiele sentlichkeit verwöhnt und eitel zu werden. Der Zehnjährige kam 1811, nachdem er durch einige öffentliche Konzerte aufgefallen war, zu dem Klaviermeister Carl Czerny nach Wien in die Schule. Zwei glänzende Veranstaltungen beschlossen die Wiener Zeit, in der Beethoven selbst den Knaben spielen gehört und ihn ergriffen auf die Stirn geküßt hat. In Paris setzte sich der junge Liszt tapfer durch. Den Weg zu seinem eigentlichen Können erleichterte ihm die Bekanntschaft mit dem Geigenvirtuosen Paganini, die ihn veranlaßte, die gleiche Fülle von Möglichkeiten, die Paganini seinem Instrument zu entlocken wußte, auf das noch ungleich reichere Klavier zu übertragen. So wurde Liszt über Chopin hinaus der Vollender des Klavierspiels. Gleich danach packte ihn der Gedanke, auch solche Werke zu übertragen, die nicht eigentlich für das Klavier bestimmt waren, und er war in dieser Arbeit so glücklich, daß die übertragenen Stücke wie neue Schöpfungen erschienen, den Forderungen und Möglichkeiten des Klaviers vollwertig angemessen. Zu dieser souveränen geistigen Beherrschung des Klavierspiels kam bei Liszt der meisterhafte Vortrag, seine Fingerfertigkeit, seine Kunst des Phantasierens, die Gewalt des musikalischen Ausdrucks und die unbedingte Hingabe an das Werk. Liszts ritterliche Erscheinung zog schon früh die Blicke der Frauen auf sich. Doch hat sich Liszt nur zweimal enger gebunden. Das eine Mal war es die schöne Gräfin'Agoult, mit der Liszt in Bern in freier Ehe lebte, aus der drei Kinder, darunter die spätere„Gattin Richard Wagners und Hüterin Bayreuths, Cosima, entsprossen. Als dieser Bund auseinanderging, war Liszt befreundet mit der russischen Fürstin Wittgenstein, die sein Schaffen besonders nach der geistigen und der religiösen Seite hin beeinflußte. Sie begleitete ihn 1847 nach Weimar, wo ihm, der der Wanderjahre als Klavierspieler überdrüssig war, der Herzog Karl Alexander die Altenburg als Wohnsitz eingeräumt hatte. Bald war der Künstler der Mittelpunkt eines Geisteslebens, wie es durchaus an die klassische Zeit Weimars erinnerte. Es gingen von der Altenburg nicht nur bedeutende Einflüsse auf die musikalische Gestaltung der ganzen Epoche aus— Liszt setzte sich für Mozart, Schubert und Beethoven ein, warb für Schumann und die klassische Kammermusik und vollendete gerade in der Weimarer Zeit seine reifsten symphonischen Werke— auf der Altenburg fanden sich auch gerne Dichter und Schriftsteller, Künstler und Gelehrte ein. In dieser Zeit festigte sich auch die warme Freundschaft zwischen Liszt und Wagner, die eine seelische Gemeinschaft wurde. Damals begann der Kampf gegen beide, der besonders gegen Liszt mit großer Gehässigkeit geführt wurde. Dafür schloß sich der Schülerkreis um so enger an den geliebten und bewunderten Meister an. Vielleicht kam hier Liszts einmalige Persönlichkeit am stärksten und bezeichnendsten zum Ausdruck. Er gab keine Klavierschule heraus, sondern übertrug seine Eingebungen, seinen Willen über das Gefühl auf seine Schüler, so daß in engster Zusammenarbeit mit Liszt die Eigenart des Schülers unversehens geweckt und eine beinahe eigenschöpferische Kraft in ihm entfaltet wurde. Wie stark bei Liszt neben din musikalischen auch die geistigen Kräfte entwickelt waren, bewies er später mit seinen Orchesterwerken, die er meistens nach einem bestimmten landschaftlichen oder geistigen„Programm“ entwarf. Auch hier tritt die künstlerisch: Verwandtschaft mit Wagner ans Licht. In diesem Zusammenhang sind vor allem die„Faust"= und„DanteSymphonie“ und der„Tasso“ zu nennen. Der Ehe mit der Fürstin Wittgenstein stellten sich dogmatische Schwierigkeiten entgegen, und um diese zu überwinden und die Trauung rascher herbeizuführen, reisten beide 1861 nach Rom. Doch scheiterte hier der Plan vollständig, was bei beiden eine tiefe seelische Erschütterung hervorrief und Liszt bewegte, die Weihen als Weltgeistlicher anzunehmen. Damit erfüllte er sich übrigens einen Traum seiner Jugend. Er blieb in Rom, wo er die schon in Weimar begonnenen Werke religiöser Richtung vollendete Es entstanden die Legende von der heiligen Elisabeth“ und das„Christus“=Oratorium. Liszt verwandte altes kirchliches Musikgut, wobei er jedoch in seiner Ausdeutung des geistigen Vorwurfs beiden christlichen Bekenntnissen gerecht wurde. So gestaltete sich zumal die„Heilige Elisabeth“ zu einem Volksstück im wahrsten und edelsten Sinne. Dennoch bewies die Oeffentlichkeit damals kein rechtes Verständnis für sein Schaffen. Auch das deutsche Volk fand nicht den geraden Weg zu Liszt, obwohl er sich in seinen letzten Lebensjahren regelmäßig einige Zeit im Jahre in Weimar aufhielt. Er starb am 31. Juli 1886 während der Festspiele in Bayreuth, nachdem er noch den Aufführungen von„Parsifal" und„Tristan" beigewohnt hatte. Geschichtstafel 31. Juli 1843 wurde der steyrische Heimatdichter P. K. Rosegger als Sohn eines armen Bauern in Krieglach Alpl geboren. Er war ein vielgelesener, echter deutscher Volksschriftsteller, auf dessen Anregung 1908 die Rosegger=Stiftung zur Unterstützung des Deutschen Schulvereins entstand, und der noch vor seinem am 26. Juni 1918 in Krieglach erfolgten Tode seine Gesammelten Werke 1914/16 in 40 Bänden herausgeben konnte. 1932 war die bedeutungsvolle Reichstagswahl welche der NSDAP. den gewaltigen Aufstieg von 107 auf 230 Sitze brachte, und ihren sofort erhobenen Führeranspruch als stärkste Partei auch verfassungsmäßig bedingte. 17) Er wußte die Erklärung nicht, denn nie hatte er daran gedacht, daß in Meikes Herz die Liebe die große Flamme entzündet hatte. So fand er nur Mutter Barbara mit dem Vater Bosse allein. Lange scherzte und spielte er mit dem Kinde, das sehr an ihm hing. Plötzlich sagte er:„Der Mutter sieht der Knabe nicht ähnlich, Mutter Barbara!“ „Nein!" „Ob es das Kind der Gesine Scholten war?“ Die alte Frau schüttelte den Kopf. „Nein, ganz gewiß nicht!“ „Und keiner weiß, wessen Kind es ist?“ „Niemand!" „Du weißt auch nicht, woher sie gekommen ist?“ „Nein. Ich habe sie oft gefragt, aber ihr Geist war tot. Einmal schien sie mich begriffen zu haben und sagte:... übers Meer! Ich weiß aber nicht, ob es so ist, Hinner. Ich hab' auch mal mit dem Stationsvorsteher gesprochen, und der hat mir gesagt, daß sie eine Fahrkarte von Brüssel hatte, eine geschriebene Fahrkarte, die lautete bis Hamburg. Sie hat hier nachzahlen müssen!" Hinners Interesse war erwacht. „Aus Brüssel? Aus Belgien! Das ist interessant, Mutter Barbara. Und... übers Meer wollte sie gekommen sein?" „Ja!“ Hinner nahm das Kind wieder hoch und betrachtete es. Aus dem kleinen, molligen Gesichtchen war nicht viel zu lesen, das Leben mußte es erst formen. Wer weiß, dachte er sinnend. Vielleicht sucht eine Mutter ihr Kind, weiß nicht, daß es bei fremden Menschen ist, weiß nicht, daß und ob es lebt. „Wohin ist Meike?“ fragte er plötzlich. „Ich weiß nicht! Bevor du kamst, war sie noch da!“ Hinner schwieg wieder. Seine Gedanken wanderten zu Leonie. Er überlegte. Was hielt ihn noch hier? Er fühlte sich nicht wohl. Die Menschen versperrten die Wege zu ihren Herzen, sogar die Freunde waren nicht mehr die Freunde von einst. Was hielt ihn noch? Und der Entschluß stand fest! Er wollte morgen scheiden. „Ist Vater Bosse zu Hause?" Die alte Frau nickte und sah ihn fragend an. „Ich will Abschied von ihm nehmen!“ sagte er entschlossen.„Und auch von dir, Mutter. Ich fahre nach Amsterdam!" „Du kannst es wohl nicht erwarten!“ sprach Mutter Barbara bitter. „Ich könnt's erwarten, aber ich halt's nicht mehr aus in Hamburg. Alle meine Freunde sind mit einem Male fremd geworden, sie versperren mir den Weg zu ihren Herzen! Meine Kameraden! Meike! Ja, auch Meike! Sie meidet mich. Sie geht mir aus dem Wege! Als ich vorhin kam, hat sie mich durchs Fenster gesehen und da ist sie fort, hat sich davongestohlen wie ein Dieb. Ich will nicht mehr bleiben!" Die Augen der alten Frau wurden traurig. „Warum hast du die ungute Frau genommen?“ „Weil ich sie liebe, Mutter! Und ob sie gut ist oder schlecht, das wäre kein rechter Mann, der sie nicht in jedem Falle zu einer rechten Frau machte. „Eine schlechte Frau wird nie gut, mein Junge, eher läuft das Wasser den Berg aufwärts!“ „Und die Liebe, mein Junge, die kann man nur spüren, die kann nur helfen, wenn ein Herz da ist!" „Jeder Mensch hat ein Herz! Jeder Mutter, man muß es nur manchmal erst öffnen. Und Leonie hat ein Herz, das weiß ich!" * Vater Bosse, ich bitte Sie um meine Entlassung!" Bosse sah Hinner erschrocken an. „Warum denn so schnell, Hinner?“ Da sprach sich der Mann alle Bitternis vom Herzen, und Bosse erkannte, daß er recht hatte. Und da vermochte er nicht mehr, ihn zu halten. Er sagte zu. „Eine Bitte hätte ich, Vater Bosse!" „Kann ich sie dir erfüllen?" „Ja. Ich möchte meinen Taucheranzug und alles, was dazu gehört, mitnehmen.“ Bosse überlegte kurz.„Das kannst du. Ich schenke es dir. Vielleicht kannst du es noch einmal brauchen!“ „Vielleicht, Vater Bosse. Grüßen Sie Meike und Henry! Und auch den Käppen und den Riebethau und alle anderen von der„Leonie'. Von Meister Perth nehme ich noch Abschied und von meinen Kameraden gich. „Ich werd's tun, Hinner. Geh mit Gott!“ „Haben Sie Dank, Vater Bosse! Bei Gott, ich geh nicht gern von Ihnen. Sie waren... wie ein Vater zu mir, und das vergesse ich Ihnen nie. Nie, Vater Bosse!" Noch einmal lagen die Hände ineinander, und dann ging Hinner. Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, da stöhnte Bosse auf. Der Abschied hatte ihn im Innersten getroffen, denn er hatte ihn lieb gehabt, wie einen Sohn. * Hinner hatte von Meister Perth, dem Konstrukteur seines Taucheranzuges, Abschied genommen. Der alte Mann war entsetzt, als Hinner so plötzlich ging. Er redete ihm lange zu, aber Hinner schuttelte den Kopf, bis ihn Meister Perth traurig scheiden ließ. Zu Hause traf Hinner nur Condall an. „Wo sind die Jungen?“ fragte er. Ich weiß es nicht. Ich glaube nach Sankt Pauli. Vielleicht in den Hippodrom!“ „Auch gut. Warum bist du nicht mit?" „Weil sie ohne dich gehen wollten.“ Hinner ergriff Condalls Rechte dankbar. „Condall... du bist mein Freund. Ja, du warst's immer. Und du hast auch jetzt weiter zu mir gehalten. Und du wirst es verstehen, wenn ich dir heute sage, daß ich morgen früh mit dem ersten Zuge Hamburg verlasse, ich weiß, du wirst mich verstehen!" Condall zuckte zusammen. „So schnell. So auf einmal.“ „Ja. Was soll ich noch? Mit einem Male ist alles so anders geworden. Als wenn ich nicht noch derselbe Hinner wäre, der, mit dem sie alle gut Freund waren. Jan Maar und der Prell... sind so anders... als wollten sie sich vor mir verstecken und Meike ... geht mir aus dem Wege. Das halt' ich nicht mehr aus. Dann lieber ein schneller Abschied, damit es überwunden ist.“ Condall sah ihn mit einem Male tiefernst an. „Weißt du, daß mein Leben arm wird, wenn du gehst?“ sagte er traurig. Das Wort riß an Hinners Herzen. „Condall, Freund, komm doch mit mir! Wenn's heut nicht ist, dann bald. Ich bitte dich, komm mit mir!" „Es geht nicht. Ich kann Bosse jetzt, wo du gehst, nicht auch im Stiche lassen. Vielleicht später. Mein boy, alles Glück auf deinem Wege, alles Glück. Und bleib der Hinner. Laß dich nicht unterkriegen. Zuallerletzt von einer Frau!“ „Zuallerletzt von einer Frau! Ja!“ „Du hast die schönste Frau von Amsterdam gewonnen. Mache sie auch zur besten!" „An mir soll's nicht liegen, Condall!" „Ich habe keine Angst um dich. Du hast den Kampf schon kennengelernt. Nur... den Kampf des Herzens noch nicht! Ihn hat dir das Schicksal erspart. Aber er kommt, jeder muß ihn durchkämpfen, und da heißt's Mann sein, ein ganzer Mann, Hinner. Viele zerbrechen dabei, aber du nicht. Hörst dü, du darfst es nicht. Und wenn es dir mal bitter wird, denk' dran, daß die Sonne für alle scheint. Es muß sich nur jeder an die Sonne setzen. Und die Starken, die vermögen es immer. Und noch eins versprich mir!" „Was?“ „Keine Halbheiten im Leben. Bleib so wie du warst. Immer reinliche Scheidung. Halbheiten sind bequem. Du aber darfst nicht das Bequeme suchen, du nicht, Hinner! Ich will nicht, daß das Bild, das ich von dir im Herzen trage, jemals den Glanz einbüßt!“ Hinner sah ihn stumm an. Dann sagte er ruhig:„Du kennst mich! Ich werde kein anderer! Ich bin nur Hinner Handewitt!" * Am Abend vor dem Schlafengehen sagte Bosse seiner Tochter, daß Hinner seine Entlassung erbeten habe, daß er morgen früh Hamburg verlasse. Meike starrte den Vater an und stieß hervor:„So schnell!“ „Ja! Ich konnte ihn nicht halten... denn, er hat recht! Er ist mit einem Male den anderen ein Fremder geworden ohne seine Schuld. Die Kameraden ziehen sich zurück von ihm, obwohl er noch der alte Hinner Handewitt mit genau demselben fröhlichen Herzen ist.. und sogar Meike Bosse stiehlt sich heimlich aus dem Hause, um ihm aus dem Wege zu gehen!" Meike zuckte zusammen, sie sah den Vater hilflos an. „Vater“, sprach sie, und die Tränen stiegen in ihre Augen.„Ich... ich... konnte nicht anders! Bei Gott, ich konnt's nicht anders! Jeden Tag habe ich gewünscht, daß er kommen soll, und wenn er dann kam, dann war ich so unglücklich. Immer weiter rückte er von mir ab.“ „Nein, mein Kind er nicht, du hast ihn aufgegeben, ihn, der dir der beste Freund war, den du je gehabt hast!“ „Das hab' ich nicht gewollt. Das wollte ich nicht, Vater!“ weinte Meike auf.„Ich muß ihn noch einmal sprechen, noch einmal sehen!" „Laß gut sein, Kind!“ „Nein, Vater! Wann fährt er?“ „Morgen früh sieben Uhr elf vom Hauptbahnhof ab.“ „Dann will ich ihm dort Lebewohl sagen!" * Hinnner ist zeitig auf dem Bahnhof, um einen Fensterplatz zu haben. Condall begleitet ihn. Jan Maar und Fritz Prell sind erst um die sechste Stunde nach Hause gekommen und schliefen fest, als Hinner sich erhob. Condall wollte sie wecken, aber Hinner schüttelte den Kopf. Hinner verstaut seine Koffer, überlegt noch einmal, ob er alles erledigt hat, sieht die Brieftasche nach. Ja, er hat alles. Eine große Ruhe ist mit einem Male in ihm. Ein Lebensabschnitt ist vorbei, wahrlich ein schöner, reich an Erfolgen und Erlebnissen, reich an Freude und Sonne. Und abermals soll ein neuer Abschnitt folgen, der noch beglückender ist. Er unterhält sich mit Condall. Sie sprechen über gleichgültige Dinge, um das pochende Herz zu beruhigen. Nun haben sie fast zehn Jahre wie Brüder zusammen gelebt, ihre Herzen lagen offen voreinander, wie ein aufgeschlagenes Buch. Einer kannte den anderen und schätzte ihn. Und nun hieß es scheiden. Jetzt trat Hinner in ein anderes Leben. Eine Frau trat dazwischen, eine schöne Frau, die gewiß alles für sich forderte. Plötzlich stand Meike vor Hinner. So unerwartet ist sie gekommen, daß Hinner sie anstarrt wie ein Wunder. „Du... Meike!" stößt er hervor. „Ja, ich. ich bin's Hinner. Vater hat mir gestern gesagt... daß..: daß du gehst... und ... du sollst mir nicht mehr böse sein!" „Ich war dir nie böse, Meike!“ sagt Hinner traurig.„Es hat mir nur weh getan, daß du mich so gemieden hast. Mich, deinen guten Freund!" Meike lächelt und nimmt seine Hand, ein Lächeln, gemischt von Schmerz und Freude, ist's, das über die reinen Züge geht. Sie hat so etwas Rührendes an sich, die kleine Meike, jetzt, als sie zu Hinner emporschaut. Sie sprechen über verschiedene Dinge, reden vom Kind, von Mutter Barbara, und daß sie Hinner nicht vergessen soll. Meike versucht, zu lächeln, aber es will ihr nur schwer gelingen. Ihr Herz schlägt heftig, daß sie meint, Hinner müsse es schlagen hören. Die Zeit ist da. Die Schaffner fordern zum Einsteigen auf. Türen knallen. Das Zeichen wird gegeben. Hinner drückt noch einmal dem Freund die Hand, dann faßt er Meike und hebt sie mit starken Armen empor und küßt sie mitten auf den Mund. Der letzte Freundschaftskuß! Der Zug ruckt schon an, als er sie wieder niedersetzt. Meike steht und starrt dem Zuge nach, immer serner ist Hinner, und jetzt ist er nur noch ein kleiner Punkt. Sie wendet sich um und sieht Condall mit zukkendem Gesicht hilflos an. Auch in des Mannes Gesicht zuckt es. Er faßt sie und zieht sie an sich, streicht über den blonden Scheitel der heftig Weinenden und sagt, jedes Wort mühsam hervorwürgend:„Stark sein, stark sein, liebe... kleine... Meike!" Und ist doch selber im Herzen wund und elend. * „Wo ist Hinner?“ fragt Jan Maar gegen Mittag plötzlich. Condall legt die Zigarette aus der Hand und sagt ruhig:„Abgereist! Nach Amsterdam! Er läßt euch grüßen!" Jan Maar steht wie erstarrt, er findet zunächst kein Wort, dann läuft er hinüber zu Prell, der eben aufgestanden ist, und sagt es ihm. „Gekniffen!“ spricht Prell. Condall hat es gehört, er erhebt sich und tritt an die Tür.(Fortsetzung folgt.) Seite 11 Nr. 1777 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 31. Juli 1936 Palmranl die O. Stippvilite im Flaggenarchiv— Koftprobe im franzölischen Speilefaal— Dic Argeniinier wollen Bochum kennen lernen Weltmeilter Toni Merkens„jagd“ im Olympischen Dort Turnen und Sport bisher übersehen läßt, ist mit 16 Ausfällen zu rechnen. Bedauerlicherweise ereigneten sich bei dem Fluge auch zwei schwere Unfälle, bei denen zwei Flieger ums Leben kamen. Ein Flugzeug der Fliegerschule Braunschweig verunglückte am Dienstag abend bei der Landung auf dem Flugplatz Altona; hierbei wurde der Beobachter, Oberleutnant Venghaus, getötet, der Flugzeugfüha0 Von unserem nach Berlin entsandten PB.=Schriftleitungsmitglied Berlin, 30. Juli. So überreich an Eindrücken und verwirrenden Erlebnissen diese Fahrt an die olympische Front auf dem letzten Teil der Strecke auch war, so sehr sich auch beim Gang durch die olympischen Kampffelder, auf denen alles den Kämpfen entgegenfiebert, die Bilder überstürzen, es gibt keinen Augenblick, der jenem vergleichbar wäre, da unser liebenswurdiger Begleiter eine Tür ganz oben in der luftigsten Höhe im Innern des Olympia=Stadions aufstößt und sagt:„Flaggenarchiv“. Wir stehen in einem schlichten, schmucklosen Raum, in dem noch die Anstreicher die Pinsel schwingen. An den Wänden dieses Raumes stehen Regale, eingeteilt in 53 Fächer. Jeder teilnehmenden Nation ist hier ein schmales und nicht sehr hohes Fach bestimmt und jedes Fach enthält die Nationalfahnen dieses Landes, jene Fahnen, die an drei olympischen Siegesmasten hochgehen werden, wenn ein olympischer Sieg an dieses Land gefallen ist. Es ist gleich, ob dieses Land drei Kämpfer nach Berlin gesandt hat oder dreihundert. Es macht nichts aus, ob diese Männer Weltrekorde erreicht haben, oder ob sie ohne Aussichten nach Berlin kommen, nur um im Wettstreit mit den Weltbesten zu lernen: für jedes Land liegen hier drei Fahnen bereit, für Liechtenstein oder Luxemburg wie für Amerika oder England. Drei Fahnen für jedes Land, und um diese Fahnen kreisen seit Monaten und Jahren die Gedanken aller Sportnationen der Erde. Und wenn in Berlin die Fahne eines Landes aus dem Regal im Flaggenarchiv des Olympia=Stadions geholt wird, wenn diese Fahne dann am Siegesmast langsam und majestätisch hochsteigend sich entfaltet, dann wird dieser Augenblick nicht nur einen einzelnen Sportsmann für eine ungeheure Leistung belohnen, sondern dann krönt dieser Augenblick ein einzelnes Leben für den Sport und dankt einem ganzen Volke für den Glauben an diesen Sportsmann, der für seine Nation siegte. Wir kamen, bevor wir in den phantastischen Steinring des Olympia=Stadions eintraten, von Döberitz aus dem Olympischen Dorf. Wir hatten gesehen, wie die Bewohner dieses„Dorfes ohne Frauen“, die besten Sportsmänner der Erde, sich auf den Kampf vorbereiten, und wir sahen, was die deutschen Gastgeber für jeden Mann in den Häusern dieses Dorfes tun. Nehmen wir als Beispiel— es war um die Mittagszeit, als wir zum Wirtschaftshause des Dorfes kamen— die Frage der Verpflegung, die der Norddeutsche Lloyd in fabelhafter Weise gelöst hat. Der Leiter der Wirtschaftsabteilung des Norddeutschen Lloyd beim Olympiakomitee, Kapitän Ewald Pütz, hat uns durch sein Reich geführt, in dem die Köche mit hohen weißen Mützen wie selbstherrliche Bojaren den Kochlöffel ihrer Herrschaft schwingen. Und beim Spaziergang durch die 51 Küchen mit 51 Speisesälen haben wir manchen Blick auf die Speisekarte geworfen und fanden manches ausländische Gericht, bei dessen Nennung man sich die Zunge und bei dessen Genuß man sich den Magen zu verrenken schien. Und dann haben wir einige Kostproben genommen, in der chinesischen und in der argentinischen Küche, im Speisesaal für Frankreich und Uruguay, haben das chinesische„Chob Sue“ und das argentinische „Arroz“ gegessen, haben dazu Chianti getrunken und Spaghetti geschmaust und nach der alten Erfahrung: „wenn jemand eine Reise tut..“ könnten wir von dieser Reise durch den Speisezettel der Welt viel, sehr viel erzählen, aber der Curry Indiens hat uns den Atem verschlagen. Die Tränen sind uns in die Augen getreten vor Rührung und Gewürz.. dieser Curry.. Der Führer der indischen Hockeymannschaft sagte uns, daß er niemals so guten Curry außerhalb seiner Heimat gegessen habe wie hier im Olympischen Dorf zu Berlin. Und der japanische Koch— nur vier Nationen haben einen eigenen Koch mit— mußte bekennen, daß er nicht geglaubt hätte, außerhalb Japans eine Küche zu finden, die so ausgezeichnet den japanischen Geschmack trifft. Beim Gang durch den argentinischen Speisesaal hören wir, von fremder Zunge gesprochen, zwei Worte, die uns in Aufregung bringen:„Haus Bochum“. Richtig, die Argentinier bewohnen ja das Haus des Olympischen Dorfes, das den Namen unserer Heimatstadt trägt. Bitte, warum lehrte man uns auf dem Realgymnasium nicht Spanisch? Was nutzt uns jetzt die Kenntnis sämtlicher Genusregeln der lateinischen Grammatik, jetzt, da ein wundervolles Interview winkt. Unsere Aufregung war umsonst. Der Führer der argentinischen Mannschaft spricht Deutsch, ein hartes und kantiges Deutsch, aber immerhin, wir verstehen uns ausgezeichnet. Ganz klar, daß sich jede Mannschaft besonders für die Stadt interessiert, deren Namen ihr Haus trägt. Die Argentinier wissen allerlei von Bochum, und daß sie mit der Heimat der Olympiaglocke durch so enge Beziehungen verbunden sind, macht sie geradezu stolz. „Es müßte schön sein, diese Stadt einmal zu sehen", sagt der Mannschaftsführer, und wir brechen noch in aller Eile eine Lanze für unsere Sehenswürdigkeiten. Dann geht es weiter. Neue Bilder tauchen auf, es ist wie in einem tollen Kino. * Die deutschen Gewichtheber kommen uns entgegen, in ihrer Mitte unser Landsmann, Europameister Karl Jansen der seit Mittwoch im Olympischen Dorf ist. Vorige Woche standen wir noch in der verräucherten Turnhalle der Dorneburg, und heute in dieser Umgebung, auf die die Augen der Welt gerichtet sind. Die Gewichtheber sind guten Mutes. Sie haben gerade etwas beim. Training der ägyptischen Kameraden„gekiebitzt". und wissen nun Wunderdinge zu erzählen. Der Mittelgewichtler Tommy, Hauptgegner der Deutschen Ismayr und Wagner, ist fast eine sagenhafte Figur bei ihnen geworden.„Meine Herren“, sagt Meister Wahl aus Möhringen,„wie der Bursche mit dem Eisen jongliert, wenn wir da nicht gerade einen Mann wie Ismayr zur Verfügung hätten...“ und da ist das Stichwort„Ismayr“ gefallen.„Du glaubst ja gar nicht, wie stolz wir sind, daß gerade ein Gewichtheber den Olympischen Eid sprechen wird", erzählt uns Karl Jansen.„Das ist doch eine wunderbare Auszeichnung unseres Sports.“ Und Rudi hat uns erzählt, wie er überhaupt erfahren hat, daß er zum Sprecher des Eides ausgewählt sei.„Es war zu eigenartig“, sagt er.„Ich sitze zu Hause in Freisina und denke, es könnte nicht schaden noch einmal den Olympischen Eid durchzulesen. Man ist ja schließlich als Sprecher mit vorgeschlagen und man weiß nicht, was kommen kann. Und wie ich nun die betreffende Stelle im Buche durchlese, gibt gerade der Lautsprecher Tagesnachrichten durch, und da höre ich dann, daß ich ausgewählt bin, den Olympischen Eid zu sprechen. Na, wenn das nicht Gedankenübertragung gewesen ist..“ Hallo, Landsmann Hasselberg Weiter geht der Weg durchs„Dorf ohne Frauen"— eine Prager Schriftstellerin muß hübsch draußen warten, bis ihre Landsleute hinauskommen—, da kommt uns eine Gruppe deutscher Olympiakämpfer im schmucken braunen Trainingsanzug entgegen. Einer hoch zu Stahlroß, aber er tritt nicht ins Pedal, sondern läßt sich bequem von einem Kameraden schieben. Und als er aufsieht, erkennen wir Heinz Hasselberg, Bochums einzigen Olympiakämpfer. Wir gehen mit zum Quartier der deutschen Radsportmannschaft ins„Haus Vogesen". Auf dem Bett in Hasselbergs Bude liegt gerade Meister Karsch, der Mathematiker des Kilometers, und dann treffen wir sie alle wieder, die Zweisitzer, Lorenz, Ihbe, Arndt und wie sie alle heißen. Nur Weltmeister Merkens fehlt. Heinz Hasselberg führt uns zu ihm. Das ist kein leichtes Unterfangen, weil Merkens sich soeben auf der Jagd befindet. Es gibt im Olympischen Dorfe eine finnische Sauna, einen Friseur, eine Dorflinde, die hier allerdings eine Birke ist. Aber eine Jagd? Nun, Tonis„Gewaffen“ ist auch kein Schießgewehr, sondern ein großes Buch, und sein Wild sind die berühmten Sportkameraden aller Nationen. Wir sehen, wie er gerade den berühmten Schweizer Mittelstreckler Dr Paul Martin beschleicht, wie der lachend die Feder zückt und dem Weltmeister ein Autogramm gibt. Das Buch ist über und über mit Namen gefüllt, gerade haben sich auch schon die Amerikaner eingetragen, da kommt mit der finnischen Mannschaft ein Mann im grauen Sportanzug vorbei, der seinem Lande unendliche sportliche Siege erkämpft hat: Nurmi! Unbewegt ist sein Gesicht, wie wir sein Bild seit vier Jahren im Gedächtnis haben. Es ist das Antlitz des Mannes, den sie den schweigsamen Finnen nennen. Auf ihn hat Merkens es nun abgesehen. Als Toni sich nähert und ihm Buch und Federhalter hinhält, ist es, als ob sein Gesicht noch finsterer und abweisender würde. Er liebt das nicht, daß sich jemand um ihn kümmert, aber dann nimmt er doch die Feder und schreibt seinen Namen hinein. Als ihn seine Landsleute darauf aufmerksam machen, daß dieser Autogrammjäger der Weltmeister Merkens ist, hellt sich sein Gesicht auf, und er nickt lächelnd. Im nächsten Augenblick ist er wieder der verschlossene Nurmi, als den wir ihn kennen. Wiedersehen mit der Olympiaglocke Nun sind wir wieder im Olympischen Stadion angelangt, haben den Presseplatz des„B..“ aufgesucht, haben gesehen, daß wir auch bei Regen trocken sitzen werden, weil wir von einem Mauervorsprung etwas überdeckt sind. Und nun klopft uns etwas das Herz, als wir vor dem Fahrstuhl stehen, der uns 76 Meter hoch den Glockenturm hinauf bringen soll. Die nächste Minute wird ein Wiedersehen mit einer alten Bochumer Bekannten bringen. Vierzehn Tage hat die Olympiaglocke auf dem Rathausplatz in Bochum gestanden. Damals war es kalt, und oft war ihr Kleid mit Schnee überstäubt. Nun werden wir sie wiedersehen am Ort ihrer Bestimmung in der schwindelnden Höhe des Olympischen Glockenturms. Gut zwanzig Sekunden dauert die Fahrt zu ihrem neuen Sitz. Da hängt sie nun, ruhend noch, bis zu dem Augenblick, da sie die Jugend der Welt zum Spiel rufen wird. Noch einmal fassen wir über ihr eisernes Kleid, lassen uns von unserem Begleiter erzählen, wie unendlich schwierig es gewesen ist, die Glocke hier hinauszubringen, obwohl die eigentliche Arbeit nur eine halbe Stunde gedauert hat. Die Gelehrten hatten mancherlei Bedenken vorher, sie befürchteten, daß die Schwankungen des Turmes sich der Schwingungszahl so annähern könnten, daß eine Gefahr für die Sicherheit des Glockenturmes entstehen könnte. So griff man zu einem ausgezeichneten, aber wirksamen Prüfungsmittel. Außerhalb des Turmes wurde eine Fünftonnenwinde aufgebaut, die durch ein Drahtseil mit der Spitze des Turmes verbunden war. Dann wurde die Winde in Gang gesetzt und plötzlich das Drahtseil gelöst. Die Schwingung des Turmes wurde sodann gemessen, und es stellte sich heraus, daß sie am höchsten Punkte nur einen einzigen Millimeter betrug, während vorher sogar eine mögliche Schwingungszahl von 26 Zentimeter angenommen war. Es hatte sich also durch diese Prüfung gezeigt, daß angesichts der außerordentlich festen Verankerung des Turmes keinerlei Gefahr bestand. Die Gelehrten hatten unrecht behalten, die Bochumer Olympiaglocke hängt an ihrem Bestimmungsort. Pokis Sdel Fieinnigient! Wo finden die Olympischen Spiele 1940 Itatt? London als Bewerber zurückgetreten dnb Berlin, 30. Juli. Im Spiegelsaal des Hotels Adlon begann heute vormittag die erste Arbeitssitzung des Internationalen Olympischen Komitees unter dem Vorsitz seines Präsidenten Graf de Baillet=Latour. Der Vollzugsausschuß und die Mitglieder des Komitees waren fast vollzählig erschienen. In der Tagesordnung sind neben der Bildung des Büros für die XI. Olympischen Spiele eine Reihe wichtiger Entschließungen vorgesehen. Dazu gehört auch die Bestimmung der Stadt, der die Durchführung der XII. Olympischen Spiele übertragen werden soll. Auf einem Tisch war in prächtigem Einband das Ehrenbuch für die XI. Olympiade ausgelegt, das die Namen aller an der Vorbereitung und Durchführung der Spiele Beteiligten, der Ehrengäste und der Sieger und Siegerinnen in den olympischen Wettbewerben verewigen soll. Deutschland war durch den Präsidenten des Organisationskomitees, Dr. Lewald, der Mitglied des Vollzugsausschusses ist, Herzog Alfred Friedrich zu Mecklennburg und Dr. Karl Ritter von Halt vertreten. In der mit Spannung erwarteten Frage, welcher Stadt die Ausrichtung der XII. Olympischen Spiele 1940 übertragen werden soll, ist eine Entscheidung in der Vormittagssitzung noch nicht gefallen. Zunächst wurden Liechtenstein und die Philippinen als neue Nationen aufgenommen und sodann fünf neue Mitglieder des JOK. gewählt, und zwar für die Philippinen Bargaß, für Estland Konsul Buch, für Liechtenstein der Fürst von Liechtenstein und für Japan Prinz Tokugawa, der an die Stelle Dr. Sugimuras tritt; für die Vereinigten Staaten wurde der Präsident des amerikanischen Olympischen Komitees, Avery Brundage, zum Mitglied ernannt. In der Bewerbung um die XII. Olympischen Spiele ist London zurückgetreten, es bewirbt sich aber um die XIII. Olympischen Spiele 1944. Dann machten die Vertreter Tokios die Gründe geltend, die für eine Verlegung der Spiele nach Japan sprechen, während am Nachmittag Helsingfors durch Stadtdirektor von Fraenkel, Oberst Martola und den ehemaligen Außenminister Procope seine Bewerbung geltend machen wird. Vertagte Entscheidung Am Nachmittag wurde die Arbeitssitzung des Internationalen Olympischen Komitees im Spiegelsaal des Hotels Adlon fortgesetzt. Im Mittelpunkt der Besprechungen standen die Darlegungen der finnischen Vertreter, die ihre Wünsche bezüglich der Uebertragung der Olympischen Spiele 1940 an Finnland vortrugen. Anfragen aus der Mitte der Versammlung betrafen die Möglichkeit der Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 1940 in Finnland und die Unterbringung der Aktiven während der Sommerspiele. Eine Entscheidung fiel nicht. Sie ist erst für Samstag zu erwarten. Dedtiche Ohyipiahahfpfer marschieren in das Olympische Dorf dnb Berlin, 30. Juli. Die deutschen Olympiakämpfer bezogen am Donnerstag ihre Quartiere im Olympischen Dorf. Um 18 Uhr versammelten sich sämtliche deutschen Olympiamannschaften, mit Ausnahme der Boxer und Reiter, vor dem Eingang zum Olympischen Dorf zum feierlichen Einzug. Vertreter fast sämtlicher ausländischen Mannschaften und eine große Menge von Volksgenossen hatten sich eingefunden, um die deutschen Olympiakämpfer zu empfangen. Unter den Ehrengästen bemerkte man Reichsminister Dr. Frick und Staatssekretär Pfundtner. Die deutschen Sportsleute waren in ihren braunen Trainingsanzügen in Reih und Glied angetreten, als Reichssportführer von Tschammer und Often eintraf und die Front abschritt. Nach der Begrüßung durch den Kommandanten des Olympischen Dorfes, Freiherrn von und zu Gilsa, stieg unter den Klängen der Nationalhymnen die deutsche Flagge neben den Fahnen der übrigen Nationen am Mast empor. Unter Vorantritt der Kapelle der Luftwaffe hielt die deutsche Mannschaft, an ihrer Spitze der Reichssportführer und die beiden der deutschen Mannschaft beigeordneten Ehrenoffiziere, ihren Einzug in das Olympische Dorf. Vor dem Haus„Vogesen" nahmen die Mannschaften erneut Aufstellung und Hauptmann Mühlenbrink übergab dem Reichssportführer als seinem alten Kriegskameraden die Quartiere. Darauf nahm der Reichssportführer von Tschammer und Osten das Wort zu einer kernigen Ansprache. Der Ohilpie-Sferihrag Vier tödliche Unglücksfälle dnb Berlin, 30. Juli. Der schöne Rangsdorfer Sportflughafen erlebte bei strahlendem Sonnenschein im Flaggenschmuck der teilnehmenden 18 Nationen und in Anwesenheit vieler Zuschauer Donnerstag einen großen Tag. Von den nun im Rennen befindlichen etwa 130 deutschen OlympiaSternfliegern, die über 80 Flughäfen anflogen, erreichten bis 12.30 Uhr mittags gegen 50 Flugzeuge den Sportflughafen Rangsdorf, der das Ziel des Fluges ist. Im Laufe des Nachmittags trafen die ausländischen Sternflieger ein von denen 57 auf Strecke gingen. Bis Donnerstag früh führte im Sternflug Hauptmann Seidemann. Am Vormittag mußte er jedoch auf der Wasserkuppe eine schwierige Landung vornehmen, wodurch er anscheinend die Führung verloren hat. * Von den insgesamt gemeldeten 154 deutschen Olympia=Sternfliegern erreichten bis Donnerstag mittag zum Beurkundungsschluß(13 Uhr) 109 Teilnehmer das Endziel: den Sportflughafen Rangsdorf. Soweit sich Uebungsstelle Schwarza des Luftsportverbandes bei einer Notlandung infolge Motorschadens zu Bruch, wobei der Beobachter Göbel ums Leben kam und der Führer Kreutzmann verletzt wurde. Unter den Teilnehmern des deutschen OlympiaSternfluges, die bis 13 Uhr rechtzeitig in Rangsdorf eingetroffen waren, befand sich auch der Staatssekretär der Luftfahrt General der Flieger Milch als Teilnehmer mit seinem Flugzeugführer Major Polte. Er weihte am Nachmittag im Auftrage des Reichsluftfahrtministers Generaloberst Göring den neuen Sportflughafen Rangsdorf ein und übergab die vorbildlichen Anlagen dem Reichsluftsportführer und dem Aero=Club von Deutschland. Die ausländischen Teilnehmer des internationalen Sternfluges, im ganzen 57, die sich auf 17 Nationen verteilen, trafen im Laufe des Donnerstagnachmittags ein; bis 16 Uhr waren bereits 25 Maschinen gelandet. Auch der internationale Sternflug hat leider zwei Todesopfer gefordert. Das tschechoslowakische Flugzeug..—..G. stürzte Donnerstag kurz nach 8 Uhr in der Nähe von Herzberg im Harz ab, wobei die Besatzung, Führer [Nemecek und Beobachter Windsor, getötet wurde. Die Placierung im Kunftflugwettbewerb Im Internationalen Kunstflugwettbewerb liegt der Deutsche Graf Hagenburg auf Fokke=Wulf(Typ Stieglitz) mit 658,38 Punkten vorläufig an erster Stelle, an zweiter Stelle der Tscheche Sirocky auf Avia mit 651,41 Pkt., an dritter Stelle sein Landsmann Novak, ebenfalls auf Avia. Er hat 641,66 Punkte. Diese drei bestplacierten Teilnehmer starten Freitag nachmittag beim olympischen Großflugtag auf dem Berliner Zentralflughafen Tempelhof in einem besonderen Vorführungswettbewerb. Schmeling—Braddock am 26. September. Wie aus Newyork gemeldet wird, findet der Weltmeisterschaftskampf zwischen dem Titelverteidiger James Braddock und dem offiziellen Herausforderer Max Schmeling am 26. September statt. Der mit großer Spannung erwartete Kampf soll schon am Nachmittag (Samstag) durchgeführt werden. „Maxe“ Ifürmisch gefeiert Der deutsche Meisterboxer im Olympischen Dorf Mittwoch nachmittag erhielt das Olympische Dorf den überraschenden Besuch unseres Boxmeisters Max Schmeling. Nach einer herzlichen Begrüßung am Eingang durch den Kommandanten des Dorfes hatte Schmeling zunächst Gelegenheit, umringt von Hunderten von Olympiakämpfern aller Nationen, die Künste des gerade anwesenden bekannten Berner Fahnenschwingers Franz Hug zu sehen, der unter der musikalischen Leitung der Musikkapelle der 3. Marine=Artillerieabteilung Swinemünde, seine wunderbare Geschicklichkeit zum besten gab und reichen Beifall erntete.—5 Als erstes besichtigte Schmeling die Säle für das Boxtraining der olympischen Teilnehmer im„Hindenburghaus". Von hier aus begab er sich zur Schwimmhalle, wobei er die Quartiere der Südafrikaner berührte, die ihn mit großer Begeisterung begrüßten. Sein Weg durch das Viertel der Amerikaner glich einem Triumphzug. Er traf unter den amerikanischen Olympiakämpfern zahlreiche alte Bekannte, die ihn freudig umarmten und ihm alle die Hand drücken wollten.„Max",„Maxie“, riefen sie von allen Seiten, und Hunderte von Photographenapparaten wurden gezückt und noch mehr Autogrammbücher. Anschließend machte Schmeling einen Rundgang durch die Speisesäle des Wirtschaftsgebäudes, umjubelt von den ausländischen Olympiakämpfern, unter denen er dann sein Mittagessen einnahm. Auto-Union baut „Weltrekordbrecher“ Haus Stuck soll ihn fahren Die englische Sportzeitung Sporting Life“ veröffentlicht eine Meldung über Rekordpläne der AutoUnion. Das deutsche Werk beabsichtigt, einen Rennwagen zu bauen, mit dem Hans Stuck den im englischen Besitz befindlichen absoluten GeschwindigkeitsWeltrekord von 484 Stundenkilometer verbessern soll. Stuck erklärte dem Vertreter des„Sporting Life": „Mein Rekordbrecher wird nicht mehr als eine Tonne wiegen in rennfertigem Zustand, um die Reifen nicht zu sehr zu beanspruchen. Er wird eine in höchster Vollendung ausgeführte Stromlinienverkleidung erhalten. Bisher wurde diese noch nicht erreicht, obgleich sie überaus wichtig ist, wie die Tatsache zeigte, daß einer unserer Wagen mit wissenschaftlich einwandfreier Stromlinie 85 Stundenkilometer mehr schaffte als das gleiche Modell mit gewöhnlicher Karosserie. Wo der Rekocdversuch stattfindet, steht noch nicht fest, wahrscheinlich auf einer Reichsautobahn.“ 4844 Olympia-Teilnehmer gemeldet Der letzte Meldetermin für die Olympischen Spiele war mit dem 28. Juli abgelaufen. Die Aufstellung. der bis zu diesem Tage gemeldeten Teilnehmer beziffert sich auf 4844, von denen 4503 männliche und 241 weihliche Teilnehmer sind. Von ihnen weist Deutschland mit 382 Männern und 45 Frauen die höchste Teilnehmerzahl auf. Nach Deutschland kommt USA, mit 323 Männern und 44 Frauen. Weiter Ungarn mit 266 Teilnehmern, Großbritannien mit 240, Frankreich mit 238, Italien mit 231, Schweiz mit 230, Oesterreich mit 219, Tschechoslowakei mit 195. Ueber 100 Teilnehmer stark sind noch die Mannschaften von Belgien, Dänemark, Finnland, Holland, Japan, Jugoslawien, Kanada, Polen und Schweden. 244 Mitglieder Die französische Olympia=Mannschaft. Die aus 244 Mitgliedern bestehende französische Olympia=Mannschaft, darunter 18 Sportlehrerinnen, ist, wie wir bereits gestern kurz berichteten, in der Nacht zum Donnerstag in Berlin eingetroffen und auf dem Bahnhof Friedrichstraße im Zeichen der Trikolore, des Hakenkreuzes und der Olympischen Flagge mit allen eäHeF Hinans Seite 12 Nr. 177 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 31. Juli 1936 Links: Mittwoch erreichte die olympische Fackelstaffel Wien. Am Burgtor übernahm der mehrfache Olympiasieger im Eiskunstlauf für Männer, Karl Schäfgezp#,##el, zute,##nt am Heldenplatz das Olympische Feuer zu entzünden.— Mitte: Der Olympiade=Kraftfahrerstab wurde am Donnerstag einer Generalprobe durch Korpssiptzt,,#a# auf dem Anhalter Bild zeigt den Appell der Fahrbereitschaften des RSKK. für die Olympischen Spiele vor dem Osttor des Reichssportfeldes.— Rechts: Donnerstag nam).„#gen uind tschechische Bahnhof in Berlin die tschechoslowakische Olympiamannschaft ein. Zu ihrem Empfang waren, wie das Bild zeigt, tschechische Studenten aus dem Studenten= Wetnug 70 Toh####nzide Mädel in Nationaltracht vor dem Bahnhof erschienen Hrch. Hoffmann(), "" Arbnd wurde ihr auf der Abfahrt vom Bahnhof von einer zahlreichen Menge eine herzliche Begrüßung zuteil. Von französischer Seite war, neben vielen Angehörigen der Kolonie, der Botschafter Francois=Poncet mit mehreren Herren der Botschaft erschienen. Exzellenz Lewald hieß die französischen Sportsleute namens des deutschen Organisationskomitees herzlich willkommen.„Wir schätzen uns glücklich“, so sagte er, „nun auch die französische Mannschaft, noch dazu in so stattlicher Zahl, auf deutschem Boden zu wissen. Wir sind überzeugt, daß Sie sich sehr bald bei uns wohlfühlen werden, wie ja ebenso auch die deutschen Sportler von jeher gastliche Aufnahme in Frankreich gefunden haben. Exzellenz Lewald schloß unter begeisterter Zustimmung der anwesenden Deutschen mit einem Hoch auf den französischen Sport und die französische Nation. Die Marseillaise leitete zu einer von Begeisterung getragenen Ansprache des französischen Mannschaftsführers de Larbre über, der seinerseits ein von seinen Landsleuten brausend aufgenommenes Hoch auf den deutschen Sport und das große Deutschland ausbrachte. Die bulgarische Mannschaft in Berlin Im Sonderzug mit 400 Olympiagästen trafen am Donnerstag nachmittag auf dem Anhalter Bahnhof die Kampfteilnehmer Bulgariens, 48 Mann und eine bulgarische Jugendgruppe in Stärke von 30 Mann sowie der Präsident des bulgarischen Olympischen Komitees, General Lazaroff, ein. Der herzliche Empfang, der den Gästen von allen Seiten dargebracht wurde, fand bei den Sportlern, die mit einem„Hipp, hipp, hurra Deutschland" den Bahnhof betraten, ein allseitiges Echo. Telegramm des Reichssportführers an das Olympische Komitee in Prag. „Das ehrwürdige Prag, eine Stätte alter Kultur, empfängt und entläßt in feierlicher Weise das Olymvische Feuer, das Symbol der ewigen Werte der Menschheitsideale. Ueber alle Mißverständnisse hinweg geht der Weg der Menschheit, den auch der Sport als offener und freimütiger Diener in seiner bescheidenen Weise bauen helfen darf. Das deutsche Volk denkt in dieser Stunde mit dem tschechoslowakischen des olympischen Ideals.“ Die tschechoslowakische Mannschaft eingetrossen Der an Ankünften reiche Donnerstag führte in den Nachmittagsstunden auch 120 Olympia=Kämpfer aus der Tschechoslowakei nach Berlin. Olympialieger Lord Burghley führt die englische Mannschaft dnb Berlin, 30. Juli. Die erste große Gruppe der 370 Kämpfer umfassenden englischen Olympiamannschaft traf am Donnerstag nachmittag unter Führung von Lord Burghley auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein. Sie umfaßte 116 Teilnehmer, die fast alle Sportarten vertraten. Zum Empfang waren u. a. der erste Botschaftssekretär Kirkpatrick, der Generalkonsul Syall sowie von deutscher Seite Exzellenz Lewald und Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg erschienen. Exzellenz Lewald! hieß die englischen Sportkameraden im Namen des Organisationskomitees der Olympischen Spiele willkommen. Mannschaftsführer Lord Burghley dankte kurz für den herzlichen Empfang. Auf dem weiten Bahnhofsvorplatz wurde den engOh, das Wetter... Weit und breit ist auf dem Reichssportfeld alles längst fertig, was von den Tausenden von Aktiven zu ihrem letzten Training benötigt wird. Nur eins fehlt: das„olympische" Wetter. Tatsächlich, in den letzten Tagen lag die Reichshauptstadt und mit ihr die herrliche Stadionanlage grau in grau. Düstere Regenwolken, aus denen es von Zeit zu Zeit ganz anständig goß, verhängten den Himmel und nahmen den Olympiakämpfern aus Uebersee die rechte Trainingslust. So war es am Dienstag, so war es am Mittwoch. Schade, denn es gibt tatsächlich kein besseres Mittel, die Aktiven in die rechte olympische Stimmung zu bringen als lachender Sonnenschein.— Düster wie die Regenwolken sind auch die Minen der Trainer. Lawson Robertson, Robert I. H. Kiphuth, Matsuzawa und wie sie alle heißen, sind wenig erfreut, sie wissen es zu gut, den rechten Ueberblick über Form und Nichtform ihrer Schützlinge gewinnen sie erst, wenn die Aktiven in bester Laune sind. Denn die gehört nun einmal zur Leistungssteigerung. Peter Fick zu schwer? Im Schwimmstadion herrscht trotz Regenschauer und recht frischer Winde verhältnismäßig noch großer Betrieb. Von morgens 9 Uhr bis zum hereinbrechenden Abend kann der aufmerksame Beobachter hier interessante Studien machen. Die Japaner arbeiten nur leicht, ihnen ist das Klima zu rauh. Außerdem weiß Matsuzawa ja lischen Sportsmännern von vielen wartenden Berlinern ein begeisterter Willkommensgruß entgegengebracht. König Eduard VIII. an die britische Olympiamannschaft König Eduard VIII. hat der britischen Olympiamannschaft eine Botschaft übersandt, in der er ihr seine besten Wünsche für die Olympischen Spiele und gleichzeitig die Ueberzeugung ausspricht, daß die Mitglieder der Mannschaft die Ueberlieferung des britischen Sportsgeistes wahren würden. auch, auf wen er sich wirklich verlassen kann. Jack Medica und Ralph Flanagan, Amerikas beste Krauler für die Mittelstrecken, liegen schon weit besser im Wasser als in den ersten Tagen. Allerdings, Amerikas durch seine Wasserlage immer wieder bestechendes Genie ist Adolf Kiefer, der gar nicht genug bekommen kann, mit dem Wasser zu„spielen“. Peter Fick wirkt als Sprinter reichlich kräftig und schwer. Heute ist es uns verständlich, daß der stark verbesserte Arthur Highland ihn bei den Endausscheidungen schlagen konnte. Bisher kam Fick, der Weltrekordler über 100 Meter Kraul, übrigens noch nicht unter 26 Sekunden über 50 Meter Kraul. Amerikas Springer unermüdlich Fred A. Cady, Amerikas tüchtiger Trainer der Kunst= und Turmspringer, kennt wenig Spaß während der Uebungsstunden. Immer wieder schickt er sie alle auf die Bretter oder zum Turm, ganz gleich, ob es die blondgelockte Olympiasiegerin Poynton=Hill, die junge Majoric Gestring oder die am wenigsten„aufgemachte" Velma Dunn ist. Bisher ist übrigens nicht Dorothy Poynton, sondern die auch in den Kraulwettbewerben gemeldete Katherine Rawls in bester Form. Bei den Männern wollen Richard Degener, Elbert Root und Al Greene immer noch nicht recht in Schwung kommen. Auch der lange dürre Frank Kurtz ist vom Turm noch nicht wieder so sicher wie 1934 in Magdeburg, wo er anläßlich der Europameisterschaften zur Schau sprang. 1 Bild Scherl, 1 Bild..-Aufnahme(Borke) Ganz große Klasse dagegen ist Marshal Wayne vom Drei=Meter=Brett. Er beherrscht das gesamte olympische Programm, zeigt in jedem seiner bis ins Kleinste ausgefeilten Sprünge größte Sicherheit und Eleganz und hat eine ausgezeichnete Höhe vom Brett. Und gerade das ist es, was man bei all den anderen Amerikanern und Amerikanerinnen im Vergleich zu Amsterdam und Los Angeles vermißt. Glänzende Eintauchtechnik, gutes Abkommen vom Brett und große Sicherheit zeigte auch der kleine etwas zu stämmige Japaner Shibaharg., Vom Turm machte heute der Simaika=Schüler Raouf Abo el Scoud, ein 20jähriger Offiziersanwärter aus Kairo, den besten Eindruck. Leichtathleten=Angst vor Verletzungen Auch im Olympischen Dorf herrschte reichlich nervöse Stimmung wegen des Wetters. Die kalifornischen Wunderathleten, die Italiener, Südafrikaner und Südamerikaner beklagten sich bitterlich über die ständig neuen Regenschauer. Sie alle haben nur noch ein paar Tage der Vorbereitung, die aber nur mit halber Kraft betrieben werden kann, solange nicht vom Himmel die wärmende Sonne lacht. Gewiß, sie sind nicht so empfindlich, daß sie den Regen scheuen, aber bei dieser kalten Temperatur ist die Gefahr zu groß, sich Muskelverletzungen und Zerrungen zu holen. So trainieren sie nur kurz am Tage, eingemummt in dicke Wollkleidung. Endlich Sonne, alles auf den Beinen Der erste Sprung der Olympiakämpfer draußen im Dorf und all ihren anderen Wohnstätten ist der ans Fenster, immer in der bangen Sorge: Wie wird heute das Wetter? Nun, am Donnerstag morgen herrschte allenthalben Fröhlichkeit, wenn es auch gerade keine kalifornische Sonne war, die vom Himmel strahlte, so ließen doch die Wolken immer größere Lücken und verscheuchten damit alle bangen Zweifel. Verflogen ist alle Unlust, das Frühstück schmeckt noch mal so gut und dauert auch nur halb so lange, und dann ging der Betrieb los. Wagen auf Wagen rollten vor die Tore und brausten davon. Die Kampfstätten hatten große Beauszuhalten. Es war einfach alles auf Meisterschaften im Gerätturnen am 6. September in Bochum. Die Austragung der Meisterschaften des Industriebezirkes findet in diesem Jahr in Bochum statt. Der Tv. Friesen ist mit der Durchführung beauftragt. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange. Da der Industriebezirk über eine Reihe guter und veranlagter Gerätturner verfügt, wird es ein hartes Ringen geben. Ueber die Teilnehmer und über den Kampf wird noch Näheres berichtet werden. Vierteljahresversammlung des Tv. Breuschede e. V. Der Tv. Bochum=Brenschede hielt im Vereinsheim Stasius seine erste Vierteljahresversammlung ab. Vereinsführer Finke gab zunächst einen Rückblick auf die im vergangenen Vierteljahr geleistete Arbeit. Besonders zu erwähnen sei, daß das Jugendtreffen in Haspe und das Kreisfest in Welper vom Verein sehr stark besucht wurden, daß die Wettkämpfer gute Leistungen gezeigt hätten und durchweg als Sieger heimgekehrt seien. Nach der Verlesung des Kassenberichtes, der die Kassenlage als gesund bezeichnete, schritt man zu einer allgemeinen Aussprache über die bevorstehende Feier aus Anlaß des 25jährigen Vereinssubiläums. Es wurde nunmehr endgültig beschlossen, das Fest am 5. und 6. September zu begehen. Olympia-Sternfahrer in Berlin eingetroffen dnb Berlin, 30. Juli. In stattlichem Flaggenschmuck stellte sich am Donnerstag die Nordausfahrt der Avus vor, um die Teilnehmer an der Olympia=Sternfahrt für Wagen und Krafträder zu empfangen, die aus 22 Nationen nach Berlin kamen. Kurz vor 12 Uhr, eine halbe Stunde vor Eröffnung der Zielkontrolle, fegte ein schnittiger Singer die Avus herunter, der erste Teilnehmer. Am Steuer saß— eine Frau, die Engländerin Miß Haig. Als Vertreter des Korpsführers hieß sie Stabsführer von Bayer=Ehrenberg herzlich willkommen.— Schlag auf Schlag erfolgten dann die Eintragungen an der Meldestelle, wo sich eine große Zahl von Wagen und Krafträdern aus allen deutschen Gauen oder mit den internationalen Kennzeichen aus Danzig, Oesterreich, Lettland, Rumänien, Holland, Jugoslawien, Schweden, Ungarn, sogar aus der Türkei und aus USA. einfand. Eine großartige Leistung vollbrachten die Essener Gebrüder Aufermann.— Nach einer Nachtfahrt erreichten sie Berlin am 14. Juli, um tags darauf nach Athen. dem von ihnen gewählten Startort, zu fahren. Am 20. Juli machten sie sich von Griechenlands Hauptstadt mit ihrem Ford=Diesel auf den Weg, erreichten am 22. Juli schon Belgrad, zwei Tage später Budapest und meldeten am 25. Juli ihre glückliche Ankunft in Dresden. Zum Großen Preis von Deutschland fanden sie sich am 26. Juli auf dem Nürburgring ein, von dem aus sie in einer Kreuzundquerfahrt über deutsche Kontrollstellen Berlin anfuhren. 10.000 Kilometer,— den vierten Teil des Erdumfanges— legten vier Prager Studenten zurück. Sie Seite 13 Nr. 177 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 31. Juli 1936 Aus aller Welt fuhren von Prag durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland bis Petsamo weit über dem nördlichen Polarkreis und zurück über Estland, Lettland und Litauen nach Berlin zu den Olympischen Spielen. Atlantik-Segler beim Bremer Senat Donnerstag nachmittag wurden die Besatzungen der drei in der Atlantik=Regatta siegreichen Bremer Jachten „Roland von Bremen“,„Brema" und „Aschanti“ im Kaminsaal des Rathauses vom Regierenden Bürgermeister Heider und dem Bremer Senat offiziell empfangen. Unter den Ehrengästen sah man auch die Mannschaft der holländischen Jacht „Zeearand“, die in dem großen Atlantikrennen den vierten Platz belegte, und den Kapitän Schlimbach, der die„Hamburg“ als fünften Preisträger ins Ziel brachte. Regierender Bürgermeister Heider führte in seiner Begrüßungsansprache aus, daß die alte Hansestadt Bremen auf die Leistung ihrer drei am Rennen beteiligten Jachten außerordentlich stolz sei. Der Bürgermeister habe dem Führer und Reichskanzler die Leistung der drei Bremer Jachten gemeldet und der Führer habe ihm den Dank für seine Meldung zum Ausdruck bringen lassen mit der Bitte, der Besatzung der Siegerjachten seine Glückwünsche zu ihren schönen Leistungen zu übermitteln. Deutschlands Reiter für die Olympischen Reiterwettkämpfe. Auf dem Turnierplatz in Hannover traten unbemerkt von der Oeffentlichkeit die deutschen Olympiakandidaten für die Reitprüfungen zu einer letzten Generalprobe an. Den hierbei gezeigten Leistungen entsprechend wurde nunmehr die endgültige Auswahl wie folgt getroffen: 1. Bielseitigkeitsprüfung(Military): Hauptmann Stubbendorff: Nurmi oder Fortuna. Oberleutnant Frhr. von Wangenheim: Kurfürst oder Guntram. Rittmeister Lippert: Fasan oder Fortuna. 2. Große Dressurprüfung: Major Gerhard: Absinth oder Burgsdorff. Oberleutnant Pollay: Kronos oder Emir. Rittmeister von Oppeln=Bronikowski: Gimpel oder Fels. 3. Großes Jagdspringen(Preis der Nationen): Rittmeister Brandt: Alchimist oder Tora. Hauptmann E. von Barnekow: Olaf oder Tora. Oberleutnant K. Hasse: Tora oder Baccarat. 18. Etappe der„Tour de France“ Keine Veränderungen in der Gesamtwertung. Die 18. Etappe der Tour de France führte am Donnerstag von Bordeaux nach La Rochelle über 192 Kilometer und war wieder unterteilt; die letzten 75 Kilometer wurden als Zeitfahren gegen die Uhr durchgeführt. Geschlossen trafen die 48 Fahrer am Zwischenziel in Saintes ein. Diesmal gelang es dem Belgier Meulenberg, Revanche an seinem Bezwinger Le Grevés zu nehmen, und nach einer Fahrzeit von 3,30,07 verwies er Le Grevés, Berrendero, Thietard und Amberg auf die Plätze. Im Zeitfahren waren die Belgier mit 1 46,52 die schnellsten und holten gegenüber der französischen Mannschaft einen Vorsprung von 21 Sekunden heraus. In der Gesamtwertung haben sich keine Aenderungen ergeben, der Belgier Maes führt weiter. 8000 Zuschauer beim Steherrennen in Elberfeld Rund 8000 Zuschauer hatten sich trotz der unsicheren Witterung am Mittwoch abend bei den Elberfelder Radrennen eingefunden. Das Hauptereignis, der Große Preis von Deutschland über 100 Kilometer in einem Lauf für Steher, nahm einen interessanten Verlauf. Sieger wurde Metze in:19:08 Stunden vor A. Wambst 790 Meter zurück, Ifland 990 Meter, Ronsse 1820 Meter, Wißbröcker 1900 Meter, Krewer 3260 Meter und Möller 3950 Meter.— Möller und Krewer fuhren sehr schwach, der Kölner hatte allerdings auch unter Defekten zu leiden. Trabrennen zu Recklinghaufen Der Recklinghäuser Trabrennverein hatte mit seinem Wochenrenntag einen großen Erfolg aufzuweisen. Der Besuch war mindestens so gut wie an einem Sonntag. Da auch die Wettmaschinen fleißig in Anspruch genommen wurden, ließ der Wochenrenntag in keiner Weise zu wünschen übrig. Die Ergebnisse: 1..: 1. Hanst Witts mit Hartseil, 2. Dina Loh, 3. siré Guy. Toto: Sieg 20, kt. 25, Platz 25, 11, 11, 14. 2..: 1. Else Lee mit H. Sänger, 2. Mafalda, 3. Gunther Morgan. Toto: Sieg 195. it. 192, Platz 35, 33, 26, 19. 3..: 1. Tuja Guy(G. Abel), 2. Maria., 3. Erna ., 4. Graf Geßler. Toto: Sieg 45, kt. 72, Platz 19, 22, 168. 4..: 1. Duck(E. Speckmann), 2. Fiedler, 3. Lohengrin, 4. Capitän. Toto: 16, it. 78, Platz 12, 17, 24, 12. 5..: 1. Luttpold(Piotrowski), 2. Peter., 3. Peter Duffy fr.. Toto: Sieg 19, it. 37, Platz 14, 17, 26. 6..: 1. Deutscher Vater(A. Erns), 2. Dirigent, 8. Erna Bacon, 4. Erker. Toto: Sieg 173, it. 37, Platz 31, 13, 17, 31. 7..: 1. Maikönig(Piotrowsk!), 2. Vogel, 3. Karl Guy. Toto: Sieg 48, it. 55, Platz 13, 12, 13. Unsere Voraussagen: Karlshorst, 31. Juli. 1..: Statthalter— Faliert. 2..: Kokette— Venusfackel. 3..: Marso— Reichsbahn. 4..: Mädchenfreund— Schwadroneur. 5..: Teechen— Livius. 6..: Rückert— Peloponnes. 7..: Manneswort— Sperata. 8..: Atulla— Gincrusta. Vichy, 31. Juli. 1.: Alphée— Joli Garcon. 2. R. Stall Bedel— Beauts Traguée. 3..: 4..: One I Love Autour. 5..: Potiphar. .: Beauté Traguse— Ad Alta— Khordad. .: Springstar— Miß Feierliche Schlußsitzung des Freizeitkongresses ontuns Friebendrundgerung iii Halnbury Der Weltkongreß für Freizeit und Erholung dankt Deutschland und seinem Führer Errichtung eines„Internationalen Zentralburos für Freude und Arbeit“ Hamburg, 30. Juli. Der Weltkongreß für Freizeit und Erholung beendete am Donnerstag seine Beratungen mit einer feierlichen Schlußsitzung. Auch diese letzte Sitzung war in ihrem ganzen Verlauf von höchster Begeisterung getragen. Der Stimmung des ganzen Kongresses gab Professor Galvez(Chile) Ausdruck, als er erklärte, er betrachte es als besondere Ehre, neben Dr. Ley sitzen zu dürfen, der seine ganze Kraft zum Wohle der Jugend der Welt, der Zukunft Deutschlands und zum Weltfrieden einsetze. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley richtete herzliche Dankesworte an alle Mitarbeiter sowie an die Stadt Hamburg. Unter begeisterter Zustimmung und Händeklatschen wurde dann folgende Dankadresse des Kongresses an Deutschland und seinen Führer verlesen: „Es wird beschlossen, daß der gegenwärtige Kongreß dem Deutschen Reich und besonders seinem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, der dem Kongreß ein freundliches und verständnisvolles Interesse entgegengebracht hat, seinen Dank ausspricht dafür, daß ihm so zahlreich Gelegenheit geboten worden ist, deutsche Arbeitsmethoden und Fortschritte auf dem Gebiete der Hebung der Lebens= und Arbeitsbedingungen und richtigen und nutzbringenden Verwendung der Freizeit in kraftspendender Freude und freudespendender Kraft zu beobachten und zu studieren.“ Mit der gleichen Begeisterung wurde das Danktelegramm an den Schirmherrn des Kongresses Reichsminister Rudolf Heß und an den abwesenden amerikanischen Abordnungsführer Kirby aufgenommen. Es folgte die Verlesung der zahlreichen Entschließungen und der Generalentschließung sowie Mitteilung von der Errichtung des„Internationalen Zentralkomitees für Freude und Arbeit“ und des Internationalen Forschungsinstituts. Es handelt sich um folgendes: „Im Auftrage des Präsidenten des Internationalen Beratungskomitees wird der Professor Galvez gebeten, in der Abwesenheit des Herrn Kirby den Dank und die Anerkennung sowie dessen Bedauern darüber auszusprechen, daß er infolge seiner Teilnahme an einer Sitzung des Olympischen Komitees der Schlußsitzung nicht hat beiwohnen können. Im Auftrage des Präsidenten des IBK. sowie im Einvernehmen mit dem IBK. wird folgende generelle Entschließung als Zusammenfassung der Beschlüsse des IBK. auf dem Kongreß verkündet: Das IBK. des Weltkongresses für Freizeit und Erholung wird auf der 1932 in Los Angeles aufgezeigten Grundlage weitergeführt werden. Herr G. I. Kirby(USA.) wurde zum Präsidenten gewählt und Dr. Artur Manthey(Deutschland) zum Generalsekretär des IBK. ernannt. Ein Zentralbüro, dem ein Institut zur Erforschung der Fragen der Freizeit und Erholung einzugliedern ist, soll in Deutschland gebildet werden. Der ständige Sitz des Büros ist Berlin. Dr. Ley als Präsident des Weltkongresses für Freizeit und Erholung 1936 in Hamburg wurde durch den Präsidenten des 3BK. ermächtigt, den Leiter des Zentralbüros zu ernennen und alle weiteren notwendigen Maßnahmen zu veranlassen, um diesen Beschluß praktisch durchzuführen im Einvernehmen mit dem Präsidenten des IBK. Allen Nationen, einbegriffen die auf dem Weltkongreß vertretenen 50 Nationen, wird Gelegenheit gegeben werden, um die Mitgliedschaft im IBK. einzukommen. Der nächste Kongreß für Freizeit und Erholung wird im Jahre 1938 in Rom abgehalten. Zu seiner Vorbereitung wird unter dem Vorsitz des Comm. Puccetti aus Mitgliedern des IBK. ein Vollzugskomitee eingesetzt, in dem auf Empfehlung die Länder Deutschland, Großbritannien, Frankreich, durch einen Vertreter die skandinavischen Länder(Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark), durch einen Vertreter Lateinamerika(Süd= und Zentralamerika und Mexiko) sowie Indien vertreten sein sollen.“ Anschließend gab Dr. Ley bekannt, daß er die Leitung des„Internationalen Zentralbüros für Freude und Arbeit“, übernommen und zum Geschäftsführer Herrn Rentmeister ernannt habe. Er teilte mit, daß sich zur Mitarbeit im Internationalen Zentralbüro und besonders im Forschungsinstitut die namhaftesten Sozialpolitiker des In= und Auslandes zur Verfügung gestellt hätten. Mit Händeklatschen und lauten Beifallsrufen nahm der Kongreß zur Kenntnis, daß Dr. Ley selbst die Leitung des Internationalen Zentralbüros übernimmt und daß der nächste Kongreß bereits 1938 in Rom stattfindet. Der italienische Vertreter Puccetti dankte tiefbewegt für die Italien zuteil gewordene Ehrung. Darauf nahmen die Regierungsvertreter der einzelnen Länder das Wort Mit begeisterten Worten pries der chilenische Vertreter Professor Dr. Galvez die Arbeit dieses Kongresses, der von internationaler Eintracht beherrscht gewesen sei. Mit Freude hätten die ausländischen Teilnehmer die kraftvolle Wiedererstehung des Deutschen Reiches festgestellt, ebenso das ehrliche und mannhafte Bestreben Deutschlands, dem Weltfrieden zu dienen. Bonvoizin(Frankreich) drückte die Gefühle aus, die die französische Abordnung beherrsche. Die Franzosen kehrten mit sehr optimistischen Ansichten über die Möglichkeit einer Verständigung in ihr Vaterland zurück. Ur Ley gab der Auffassung des aanzen Kongresses Ausdruck, als er daraufhin erklärte, er empfinde, daß von diesen Tagen eine ganz große Wirkung ausgehe. In den gleichen herzlichen Worten drückte der [Vertreter Englands die Ueberzeugung aus, daß Deutschland an der Erhaltung des Friedens arbeite.— Der Vertreter Nordamerikas erklärte, er werde nach seiner Rückkehr nach Amerika alles tun, um seinen Mitbürgern das wirkliche Deutschland zu schildern.— Polens Vertreter gab dem Wunsch Ausdruck, daß das Symbol des Kongresses, die Friedenstaube, bald über allen Ländern fliegen werde. Nachdem noch die Vertreter Brasiliens, der Niederlande, Norwegens, Oesterreichs und Guatemalas gesprochen hatten, traf Reichsminister Dr. Goebbels ein Er wurde bei seinem Erscheinen im Kongreßsaal von Mitreißende Ansprache Dr. Goebbels nnns die Lalen dee Dann trat Reichsminister Dr. Goebbels, vom Kongreß mit lebhaftem Händeklatschen und stürmischen Heilrufen begrüßt, an das Mikrophon und hielt eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: „Die Schwere der Zeit hat die Menschen härter und sentimentalitätsloser, aber auch wahrer, echter und ehrlicher gemacht. Von diesem seelischen Erneuerungsprozeß ist das deutsche Volk, gerade weil es am meisten gelitten hat, am ersten und tiefsten erfaßt worden. Da der Nationalsozialismus der Meinung ist, daß jedes Unglück, das Menschen als Urheber hat, nur durch Erneuerung der Menschen geändert werden kann, hat man in Deutschland zunächst damit begonnen. Wir haben nicht die Technik, die Wirtschaft und die Rationalisierung unseres Lebens verneint, sondern sie tapfer bejaht mit dem unbeirrbaren Entschluß: Wirtschaft, Technik und Rationalisierung nicht zu Tyrannen über die Menschen zu erheben, sondern sie zu Dienern der Menschen zu machen. Das moderne wirtschaftliche Leben erfordert den Menschen ganz und gar, und als Ausgleich dafür muß dem Menschen Freizeit und Erholung gegeben werden, nicht aus Mitleid und Erbarmen, sondern auf Grund der Vernunft einer höheren staatlichen Notwendigkeit und einer höheren staatlichen Moral. Das schönste Ergebnis der neuen revolutionären Erscheinung ist die innere Beseelung des Maschinenzeitalters. Die Maschine hat die Arbeit der Menschen auf vielen Gebieten des menschlichen Lebens leichter und einfacher gemacht; aber nur eine kleine dünne Oberschicht ist früher in den Genuß ihrer Errungenschaften gekommen. Demgegenüber steht unsere Forderung, daß möglichst viele Menschen des arbeitenden Volkes mit an diesem Genuß teilhaben und damit der Maschine ihr unheilvoller und verderblicher Charakter genommen wird. Nicht das Vorhandensein von Kapital und Maschinen an sich ist verderblich, sondern nur ihre verantwortungslose Anwendung durch eine kleine hauchdünne Oberschicht gegen das Wohl des Volkes. Nach einem Wort des Führers herrscht Kapitalismus, wenn das Volk der Wirtschaft und die Wirtschaft dem Gelde dient. Sozialismus dagegen bedeutet, daß das Geld zum Dienst an der Wirtschaft und die Wirtschaft zum Dienst am Volk gezwungen wird. Das Volk steht im Mittelpunkt aller Dinge, und des Volkes edelstes und kostbarstes Gut sind die Menschen! Deshalb ist es nach unserer Meinung nicht damit getan, daß man sich nur um die Kranken kümmert, man muß vielmehr für die Gesunden sorgen, damit es in Zukunft weniger Kranke gibt. Darum bauen wir nicht allein Krankenhäuser, sondern auch Volkserholungsstätten, nicht nur Sanatorien, sondern auch Sportplätze und Theater, um die seelische, geistige und leibliche Gesundheit des Volkes zu erhalten und zu fördern. Die Stabilität des Staates ruht zuerst und zuletzt nicht auf der Menge der Kanonen, sondern auf der Menge der Herzen, die ihm gehören. Das Glück der Bürger unseres Staates ist die festeste Stütze unserer Nation. Wehe den Staatsmännern, die nur Macht besitzen und sich nur auf die Macht berufen können! Schauen Sie in die Gesichter der deutschen Menschen, und Sie wissen, was sich in Deutschland geändert hat. Sie brauchen keine Theater, Autostraßen, Sportplätze und Monumentalbauten— Sie brauchen sich nur die Menschen in Deutschland anzusehen und Sie wissen, daß Deutschland schöner und glücklicher geworden ist." Reichsminister Dr. Goebbels ging nun auf die durch die NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ geschaffene „organisierte Freizeit“ des schaffenden deutschen Menschen ein, die eine der wichtigsten Einzelleistungen des großen nationalsozialistischen Aufbauwerkes sei.„Wir haben die Freizeit mit der Freude vermählt und beides als Geschenk des nationalsozialistischen Staates den breiten Massen zu treuen Händen übergeben. Millionen Menschen, die sonst im zermalmenden Wirtschaftsprozeß zwangläufig zu Bolschewisten und Anarchisten allen in= und ausländischen Teilnehmern und Vertretern aufs herzlichste begrüßt. Reichsleiter Dr. Ley stellte dem Minister das Präsidium des Weltkongresses und die Führer der ausländischen Abordnungen vor. Darauf wurde zunächst mit den Ansprachen der Vertreter fortgefahren. Der japanische Vertreter erklärte u.., daß Deutschland unter der Führung Adolf Hitlers fest und sicher seine Wege gehe. Der schweizerische Vertreter, der Dichter Jakob Schaffner, stellte als Ergebnis der Hamburger Kongreßarbeit den Satz heraus:„Von heute ab kann man von einer neuen Kultur sprechen!" Weiter sprachen die Vertreter Ungarns, Uruguays, Belgiens, Lettlands und Rumäniens. Alle schilderten in begeisterten Worten ihre Eindrücke vom neuen Deutschland und äußerten sich befriedigt über die Arbeit des Kongresses. Der Vertreter Chinas beschloß die Reihe der Ansprachen mit den Worten:„Deutsch= land hat durch diesen Kongreß ein demonstratives Beispiel der internationalen Verständigung gegeben.“ Leutschen Sozlattemur! würden, sind jetzt die treuesten Diener der deutschen Nation. Das war die Tat unseres deutschen Sozialismus, der sich nicht so sehr in Büchern, sondern in Taten dokumentiert. Weil wir diesen praktischen Sozialismus verwirklichten, sind alle deutschen Sozialisten zu uns gekommen! Freilich wollen wir den Besitz nicht abschaffen, sondern ihn so verbreitern, daß ein ganzes Volk daran Anteil hat. Wir haben die Arbeit mit einem neuen Ethos erfüllt, dem Arbeiter den Weg zur Nation geöffnet und damit in Deutschland in der Tat die Volksgemeinschaft geschaffen. Es ist vielleicht das beglückendste Gefühl für die arbeitenden Menschen in Deutschland, zu wissen, daß an der Führung des Staates Arbeiter oder Arbeiterkinder weitgehend mitbeteiligt sind.“ Dr. Goebbels sprach den Kongreßvertretern den Dank des Führers und der Reichsregierung dafür aus, daß sie sich dieser edlen Friedensarbeit, die des Schweißes der Besten wert sei, gewidmet hätten. Er rief die Delegierten und alle, denen das Wohl der Menschheit am Herzen liegt, zu einem friedlichen Wettstreit im Dienste der Wohlfahrt aller Menschen auf. Die Völker könnten nur glücklich sein, wenn es den Staatsmännern gelinge, den Frieden zu erhalten, und die äußerste Stütze des Friedens sei die soziale Wohlfahrt der Menschen Reichsminister Goebbels riß mit seinen Ausführungen den ganzen Kongreß immer wieder zu stärksten Beifallskundgebungen hin. Noch niemals hat bisher ein deutscher Reichsminister vor einer Versammlung so vieler Nationen gesprochen wie heute Dr. Goebbels. Nach minutenlanger tiefer Stille— niemand wollte sich die Worte entgehen lassen, mit denen Dr. Goebbels aufzeigte, was Deutschland ist und was es will— klang dann immer wieder anhaltender Beifall auf. Als der Minister seine große Rede schloß, erhoben sich alle Kongreßteilnehmer von ihren Plätzen. In das Händeklatschen und die Beifallsrufe der Ausländer tönten die Heilrufe der deutschen Tagungsteilnehmer. Der Kongreß dankte dem Minister mit einer so eindrucksvollen Kundgebung, wie sie auf einer internationalen Zusammenkunft sicher noch nicht erlebt wurde. Hunderte von Blumen, die die Brüstung der Ränge schmückten, wurden von den begeisterten Menschen abgerissen und dem Minister zugeworfen. Auf Aufforderung des Vizepräsidenten Professor Galvez erhoben sich dann noch einmal alle Kongreßteilnehmer von den Plätzen, um auf diese Weise der deutschen Reichsregierung und ihrem Sprecher Reichsminister Dr. Goebbels zu danken. Dann sprach nochmals im Namen aller ausländischen Vertretungen Constinowitsch(Jugosla= wien) der deutschen Regierung, dem Kongreß und der Stadt Hamburg Dank und Anerkennung aus. Dr. Leys Schlußworte Zum Schluß sprach Reichsorganisationsleiter Dr. Ley. Freude und Arbeit, erklärte er, hätten über diesem Kongreß gestanden, und die Hoffnung, daß daraus der Friede über die Völker kommen möge. Der Kongreß habe gezeigt, wie die Völker zusammengeführt werden könnten. Die hier geleistete Arbeit werde nicht umsonst gewesen sein, sie werde tatkräftig fortgeführt. Auf Aufforderung von Dr. Ley legten die Kongreßteilnehmer ein Gelöbnis der Kameradschaft zur Erhaltung der hohen Kultur der Völker und zur gemeinsamen Arbeit um die Freude der Völker und damit um den Frieden ab. Dr. Ley gedachte der Staatsoberhäupter aller hier vertretenen Länder und brachte mit Zustimmung des Kongresses auf das Staatsoberhaupt des Tagungslandes, den Führer des Deutschen Reiches, ein begeistert aufgenommenes Sieg=Heil aus. Der Gesang der deutschen Nationalhymnen stand am Schluß der Tagung. Der Hamburger Weltkongreß hat sein Ende erreicht. K Nutzen Sie die Vorteile in unserm Sommer-Schluß-Verkauf Seite 14 Nr. 177 7 Bochumer Anzeiger 7 Freitag, 31. Juli 1936 Nachrichten aus Keinle Meibungen aus den=Siadnenen Stadtteil Altenbochum Kameradschafts= und Abschiedsabend. Für den scheidenden Sturmführer Harke veranstaltete der SA.= Sturm 4/R/17 einen Kameradschaftsabend. Er zeigte so recht die Verbundenheit aller Kameraden. Mit der Flaggenhissung wurde der Abend eingeleitet, dann vereinte man sich zum mundenden Gemeinschaftsessen. Mit herzlichen Abschiedsworten überaab Sturmführer Harke die Führung des Sturmes seinem Nachfolger Obertruppführer Schurig, der versprach, in den Fußtapfen seines Vorgängers dem Sturm voranzugehen. Bei klotter Musik der SA.=Kapelle, Gesang, Verlosung und Tanz, nahm der Kameradschaftsabend einen harmenischen Ausklang. Krieger= und Landwehrkameradschaft„Prinz von Preußen". Der in der gestrigen Nummer gebrachte Bericht ist noch dahin zu ergänzen, daß den ersten Preis Kamerad Dietrich Wahl beim Kameradschaftsschießen errang. Stadtteil Weitmar überholt und von einem dieser Radfahrer angefahren. Der Fußgänger stürzte und schlug hierbei mit dem Kopf auf einen Kilometerstein, wodurch er eine Verletzung an der linken Kopfseite davontrug. Der Verletzte wurde dem Knappschaftskrankenhaus in Bochum=Langendreer zugeführt. Lebensgefahr besteht nicht.— Wer hat den Unfall wahrgenommen? Wer kennt die Radfahrer? Personen, welche in vorliegender Sache irgendwelche Angaben machen können, werden gebeten, diese dem 6. Kriminalkommissariat in Bochum=Langendreer, Amtshaus, Zimmer 22, oder jeder anderen Polizeidienststelle mitzuteilen. Auf Wunsch werden die Angaben vertraulich behandelt. * 40 Jahre Realgymnasium Langendreer. Im Juli des Jahres 1896 entschloß sich die Gemeinde Langendreer. eine höhere Knabenanstalt einzurichten. Man übernahm zunächst die bereits bestehende Privatknabenschule, die im Jahre 1890 von Pfarrer Prietsch gegründet worden war, und die jetzt den Namen„Rektoratschule" erhielt. Erster Leiter dieser Anstalt war Rektor Kemmer. Die Schule entwickelte sich sehr schnell und man erbaute das stattliche Schulgebäude an der Ottilienstraße, das in der Grundgestalt noch heute besteht. Bereits im Jahre 1903 wurde die Anstalt in eine Realschule umgewandelt. Leiter dieser Anstalt wurde Direktor Professor Dr. Schneider. Schon ein Jahr nach seinem Amtsantritt wurde die Schule erweitert, zugleich die Turnhalle errichtet, die noch heute eine der bestausgestatteten der Großstadt Bochum ist. Im Jahre 1907 übernahm Direktor Dr. Menzel die Leitung der Schulgeschicke. Im Jahre 1909 wurde die Anstalt in ein Realgymnasium umgewandelt, so daß die Schüler ihre Reifeprüfung nicht mehr auswärts abzulegen brauchten. Auch unter der Leitung Dr. Menzels wurde die Schule um einige Klassen erweitert. Inzwischen sind die einzelnen Anlagen, der Schulgarten ind vor allem der große Schulhof mit dem Feuerwehrturm, mehrmals Erneuerungen unterzogen worden. Besonders während der Franzosenzeit. in welcher Besatzungstruppen die Schulklassen belegten, wurde die Anstalt stark mitgenommen. Heute befinden sich die Lehrräume in tadelloser Verfassung und werden allen Anforderungen der Neuzeit gerecht. Als vor einigen Jahren Direktor Dr. Menzel in den Ruhestand trat, folgte ihm im Amte Studiendirektor Müller, der nunmehr der Anstalt vorsteht. Von glühenden Teermassen verbrannt! Mit empfindlichen Hand= und Beinverbrennungen der AugustaKrankenanstalt eingeliefert wurde der Teerarbeiter Fritz Ci. aus der Kohlenstraße. Bei der Isolierung mit Asphaltmasse kochte der Ofenbehälter über, dessen Inhalt sich über den Aermsten ergoß, der arge Brandverletzungen davontrug. Stadtteil Querenburg Verunziert Eure Waldungen nicht! Querenburg ist der waldreichste Stadtteil Bochums und wird daher von Ausflüglern gern besucht. Berge und Täler lösen einander ab. Leider gibt es Menschen, die kein Gefühl dafür haben, daß man die Naturschönheiten pflegen soll: ja es gibt auch solche, die die Wälder zur Schuttabladestätte machen. Harmlos sind dabei noch diejenigen, die glauben Butterbrotpapier und Zeitungen überall liegen lassen zu müssen. Schlimmer sind aber jene Leute, die ihre Abfälle, Kohlstrünke, Kartoffellaub, Blechdosen, alte Schuhe usw., ausgerechnet in die Waldungen bringen und dort abladen. Dadurch werden die Waldungen verunziert, zumal die faulenden Abfälle oft einen üblen Gestank verbreiten. Jeder Volksgenosse sollte doch selbst soviel Verantwortungsgefühl besitzen, daß er die Waldungen, die doch der Allgemeinheit zur Freude und Erholung dienen sollen, vor Verwahrlosung schützt. Der Wald ist keine Müllkippe! Stadtteil Laer 73 Jahre alt. Die älteste Hebamme des Ortsteils, Witwe Ludwig Rottmann, geb. Buschey, Wittener Straße, vollendet heute in körperlicher und geistiger Frische ihr 73. Lebensjahr. Blockübung des Reichsluftschutzbundes. Die Gemeindegruppe Laer des Reichsluftschutzbundes hielt am Mittwoch nachmittag in zwei Blocks unterhalb der Schillerschule bis zum Denkmal und Am Kreuzacker eine Blockübung ab, die unter der Leitung des Schulungsleiters Seewald stand. Um.30 Uhr wurde mit dem Aufruf durch die DL.=Befehlskarte begonnen. Anschließend fanden eine Besichtigung der Hausgemeinschaften. ein Alarm und ein Luftangriff statt. Bei einem Dachstuhlbrand im Hause Wittener Straße 446 mußte die Blockfeuerwehr eingesetzt werden. Durch den Sprengbombeneinschlag im Luftschutzraum mußten die Bewohner in ein benachbartes Haus übergeführt werden. Die Behandlung einiger Verletzten erfolgte durch Laienhelfer.— Ein zweiter Fliegerangriff erfolgte Am Kreuzacker. Am 18.30 Uhr erfolgte die Entwarnung. Nach der Uebung kamen alle Selbstschutzkräfte sowie die Schiedsrichter zu einer Kritik im Lokale Schuth(früher Möller) zusammen, der auch der Obermeister der Schutzpolizei Meier, beiwohnte. Schulungsleiter Seewald betonte in seiner Kritik, daß die Uebung vorbildlich verlaufen sei. Er dankte allen Einsatzkräften für ihr Verhalten und schloß daraufhin die Zusammenkunft.— Am heutigen Freitag abend um 8 Uhr findet für alle Hauseinsatzkräfte der Untergruppe I. die die Wittener Straße von Nr. 358 bis 438, die Höfestraße von Nr. 43 bis 82 und die Eulenbaumstraße von Nr. 158 bis 163a umfaßt, ein Planspiel im Lokale des Wirtes Zeiger, Wittener Straße 400. statt. Das war ein schöner Abend! Der Liederabend, zu dem der Evangelische Kirchenchor in den Botanischen Garten gebeten hatte, gelang überraschend gut. Eine stattliche Zuhörerschaft füllte den Park. Nach einem Eingangschoral folgten Lieder zum Preis des Wanderns in schöner Sommerzeit, der Freundschaft und des Gesanges. Besonders entzückte mit seinem Menuett=Tempo das Lied von„Der edlen Musika“ in der Tonsetzung von Julius Röntgen. Als der Abend mit Kreutzers Abendfeier aus dem Nachtlager von Granada ausklang, standen dunkle Wetterwolken über dem Park. aus denen hin und wieder arelle Blitze aufleuchteten und der romantischen Szene in dem gepflegten Botanischen Garten einen eigenen Reiz verliehen. Die Zuhörer karaten nicht mit ihrem Beifall, den der Leiter des Chores, Musiklehrer Barndorf, mit seiner geschulten Sängerschar wohl verdient hatte. Stadtteil Harpen NS.=Kriegsopferversorgung, Stützpunkt Harpen. Im Vereinsheim Hoffmann hielt der Stützpunkt Harpen den NSKOV. seine Monatsversammlung ab. Stützpunktleiter Wagner gab zunächst wichtige Mitteilungen des Kreises bekannt. Für den neugebildeten Ehrensturm der Ortsgruppe Groß=Bochum wurden vom Stützpunkt Harven die Kameraden Hetheier, Schulte=Oberberg, Schiffer, Althaus, Neumann und Sommerfeld bestimmt. Die einheitliche Werbeaktion aller Ortsgruppen und Stützpunkte wurde bis zum 31. Dezember 1936 verlängert, um auch dem letzten Frontsoldaten den Beitritt zu ermöglichen. Zum Leiter der neugebildeten Schießgruppe wurde Kamerad Franz Radschuweit ernannt. Mit dem Kleinkaliberschießen wird in kürzester Zeit begonnen. Die Teilnehmer an der Fahrt ins Blaue mit dem RSKK. wurden benachrichtigt. Die Beratungsstunden des Stützpunktes Harven finden in Zukunft am ersten und dritten Donnerstaa eines jeden Monats, abends 7 bis 8 Uhr, in der Wohnung des Stützpunktleiters, Kameraden Ernst Wagner, Harvener Hellwea 130, statt. Stadtteil Werne Vom Ehrenmal. Die Arbeiten am Ehrenmal haben geraume Zeit geruht, weil die Beschaffung eines desonderen Rubrsandsteins, wegen der großen Nichfrage Schwierigkeiten bereitete. Jetzt hat man mit der Anfuhr der Steine begonnen, mit denen an der Wittekindstraße eine Mauer gezogen wird. Im Zuge der Heinrich=Gustab=Straße werden aus diesem Stein zwei Eckpfeiler in Höhe von einem Meter errichtet, zwischen denen Betonstufen gelegt sind. Später werden diese Stufen mit Muschelkalkplatten belegt. Erst nach Fertigstellung dieser Arbeiten wird mit der Herrichtung des Vorplatzes begonnen, so daß im September mit der Einweihung zu rechnen ist. Stadtteil Langendreer Von einem Radfahrer angefahren Der Radfahrer floh! Am 28. Juli. gegen 28.55 Uhr, wurde ein Fußgänger auf der Wittener Straße in Bochum=Langendreer. in Höhe des Hauses Nr. 746, von 4 oder 5 Radfahrern Kruz und guel durch Langenortel Es geht vorwärts— Haus= und Straßenbauten— Die verschönernde Hand Der Stadtteil Langendreer, der einige Jahre hindurch den Krebsgang zu gehen schien, hat sich in letzter Zeit günstig fortentwickelt, wozu nicht zuletzt die durchgreifenden Maßnahmen der Stadtbauverwaltung beigetragen haben. Immer mehr hat Langendreer ein städtisches Aussehen erlangt: das gilt besonders von dem Geschäftsviertel am„Alten Bahnhof". Rege ist die Bautätigkeit. An allen Ecken und Enden werden Privatneubauten errichtet. Im Langendreerholz, auf der Bömmerdelle,„Auf dem Jäger", entstehen ganze Häuserblocks oder werden demnächst in Angriff genommen. Den besten Beweis für die äußerst starke Baufreudigkeit gibt die rege Inanspruchnahme der umfangreichen Sandgruben im Holz und der einzigen noch vorhandenen Ziegelei an der Kaltenhardtstraße. Aber nicht nur im Häuser=, sondern auch im Straßenbau ist Langendreer auf der Höhe und man geht nicht fehl, wenn behauptet wird, daß es der Stadtteil mit dem bestausgebauten Straßennetz ist, was auch schon vor der Eingemeindung der Fall war. An verschiedenen Stellen werden schadhafte Stellen grundlegend ausgebessert bzw. Straßen mit vollkommenen neuen Decken überzogen. Ein Schmerzenskind für den Verkehr war die Auffahrt zur Güterabfertigung an der Dördelstraße wegen ihrer großen Schlaglöcher. Nunmehr ist man dabei, die ganze Strecke bis zu den Verladerampen vollständig neu zu pflastern. Die Straße„Hohe Eiche“ ist in ihrem letzten Drittel zur Bahnhofstraße hin nur für Fußgänger passierbar. Vor kurzer Zeit wurde der projektierte Fahrdamm mit großen Bruchsteinen befahren, so daß mit einem baldigen Ausbau zu rechnen ist. Das größte Projekt des Straßenbaues stellt die neue Verbandsstraße D VI dar. Diese ist bis auf die Ausbauarbeiten des Straßendammes, mit denen man augenblicklich beschäftigt ist, in ihrem zweiten Drittel fertiggestellt. Der Ausbau dieses Drittels hat das Gesamtbild der Gegend am Westerberg wesentlich verändert. An der Belebung und Entlastung des Arbeitsmarktes sind nicht zuletzt die Zechenbetriebe maßgeblich beteiligt. Sowohl Bruchstraße als auch Mansfeld, Siebenplaneten, Neu=Iserlohn, sind darauf bedacht, ihre Betriebe zu modernisieren und auszubauen. Ein umfangreiches Projekt ist dabei der Generatorenbau der Bruchstraße sowie die kürzlich vorgenommenen Umgestaltungsarbeiten der Kraftanlage der Zeche Mansfeld, welche der Neubau des Schachtes 4 erforderlich machte. In bester Ordnung befinden sich Langendreers Grünanlagen, immer mehr Spielplätze und Grünanlagen werden im Innern des Stadtteils angelegt. Zwischen großen Häuserblocks dehnen sich an den Straßen„In den langen Stucken“. Unterstraße. Kaiserstraße usw. Rasen= und Kinderspielplätze aus. Der Kommunalfriedhof und der Bismarckhain auf dem Westerberg mit seinem herrlichen Ausblick auf das Rührtal und die Stadt Witten sind Hauptanziehungspunkte der Spaziergänger, die bei gutem Wetter die Bänke in großer Zahl belegen. Zu einer prächtigen Anlage hat sich die terrassenförmige Grün= und Blumenkultur am Personenbahnhof ausgewachsen, die noch mehr zur Geltung kommt, wenn die große Aschenhalde der Zeche Bruchstraße ganz verschwunden ist. Bei neue Hochunal in Ennprl in der Wallfahrtskirche Die Stiepeler Wallfahrtskirche ist um ein schönes Schmuckstück reicher geworden. Was seit Jahren gewünscht wurde hat sich jetzt verwirklichen lassen: der neue Hochaltar steht. Man kann sagen, daß der Erbauer, Kunstgewerbler Willy Winkelmann, der bis vor kurzem noch in Bochum ansässig gewesen ist und jetzt in Oberelfringhausen wirkt, sein Bestes gegeben hat. Die Stiepeler Wallfahrtskirche hat diesem Künstler viel zu verdanken. Von ihm stammen der Freialtar und der Gnadenaltar. Daß ihm auch der Hochaltar in Auftrag gegeben worden ist, beweist eben, daß sein Schaffen die gebührende Anerkennung, auch der höchsten kirchlichen Stellen, gefunden hat. Der Hinweis, daß der Erzbischof Dr. Kaspar Klein von Paderborn sich über die bisherigen Verschönerungsarbeiten in der Gnadenkirche sehr lobend ausgesprochen hat, mag genügen. Auch bei einer nur oberflächlichen Betrachtung des neuen Hochaltars kommt man zu der Festellung, daß man vor einem großen Kunstwerk steht. Aus jeder Linie spricht die neue kirchliche Kunst. Die einfachen, schlichten Formen, mit viel Liebe, Sorgfalt und Verständnis bis in die kleinsten Einzelheiten durchgeführt und auf den sakralen Opfergedanken hingeordnet, verraten den Künstler, der aus der Ideenwelt der christlichen Urkirche schöpft. Zentrum und Kulminationspunkt der Opferidee ist die in Kupfer getriebene, hochaufgereckte, gekrönte Christusgestalt, die, über der Weltkugel schwebend, mit weit ausgebreiteten Armen vor dem Kreuze steht. Ueber dem Silberschrein des Tabernakels, der allerdings noch nicht ganz fertiggestellt ist, erhebt sich ein silbergetriebenes Kruzifix mit den in Edelsteinen nachgebildeten fünf Wundmalen des Erlösers, das in der Kunstsprache die Bezeichnung „Crur Gemmata" trägt, also wiederum eine bewußte Anlehnung an die symbolreiche Formensprache des Urchristentums. Auf dem Hinterarunde der Choravsis sind die zwölf Apostelgestalten sichtbar. Sie tragen ihre Leidenswerkzeuge als Bekennerzeugen des Christuswortes:„Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und taufet sie!" Darum auch die auf den Seitenwandungen in farbenprächtigen Gemälden festgehaltenen Darstellungen der ersten Avostelpredigt und der ersten Aposteltaufe. Vier singende und vier musizierende Engel im Chorgewölbe runden das Gesamtbild der künstlerischen Betrachtung harmonisch ab. Ein besonders kostbares Stück ist der aus braunem Marmor hergestellte Unterbau des Altars. Er zeigt drei Kupferreliefs, auf denen in einer sinnvollen Darstellung die B..-Archiv bedeutendsten alttestamentlichen Vorbilder der Eucharistie festaehalten sind: der Opfergang Abels, das Priestertum Melchisedechs und die Begegnung zwischen Abraham und Isaak am Opferstein. Lang herabwallende Samtbehänge sind noch zu erwähnen, deren Farbe den Meßgewändern entspricht und die darum auch im Gebrauchsfalle jedesmal gewechselt werden können. Die Ausschmückung der Wallfahrtskirche wird allerdings erst vollständig sein, wenn das vorgesehene Bonifatiusbild und die Darstellung des glorreichen Marienlebens in der Vierung des Mittelschiffes von dem ausfuhrenden Künstler Leo Winkelmann, der seinem Bruder wertvolle Helferdienste leistet, fertiggestellt sind. * Straßenbau. Die Sandfuhrstraße, frühere Hagenstraße ist nun fertiggestellt. Sie hat eine Breite von zehn Meter. Der Fahrdamm beträgt sechs Meter, der Bürgersteig rechts und links je zwei Meter. Ein schöner Ausflug. Am Dienstag machte di Frauenschaft Stiepel=Süd ihren diesjährigen Sommer ausflug. Mit zwei großen Autobussen wurde die Fabr ins Blaue angetreten, ihr Ziel war die Gruga 83 Jahre alt Am heutigen Freitag vollendet in körverlicher und geistiger Frische Witwe Franz Schäfer, Emma geb. Schellenberg, BochumStiepel. Im Haarmannsbusch wohnhaft, ihr 83. Lebensjahr. Viele Glückwünsche werden ihr an diesem Ehrentage überbracht werden. Aus ihrer ersten Ehe mit Konrad Schäfer gingen 2 Söhne und drei Töchter hervor. Nach dem Tode ihres ersten Mannes ging sie am 29. Januar 1883 die Ehe mit Franz Schäfer, dem Bruder ihres verstorbenen Mannes, ein. Aus dieser zweiten Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen, außer ihren beiden Männern, vier Kinder in die Ewigkeit vorausgingen. Die Hochbetagte ist über die Grenzen Stiepels hinaus bekannt und geschätzt. Sie verrichtet noch täglich die Hausund Gartenarbeit selber. Essen, wo sich die Frauen an den herrlichen Anlagen erfreuten; von hier aus ging es zur Vogelwarte im Essener Stadtwald. Anschließend wurde die Fahrt fortgesetzt zum Baldeneysee, hier machten die Frauen eine fröhliche Motorbootfahrt. In den Abendstunden kehrten alle wohlbehalten heim. Stadtteil Linden=Dahlbausen Und das Unglück schreitet schnell. Gestern befand sich die 26jährige Haustochter Adele F. aus der Dr.= .=Otto=Straße bei der Schwester als Mithelfer beim Einmachen, wobei sie einige Gläser im Kellerraum unterbringen wollte. Unglücklicherweise kippte im Keller das Glasgestell um, wodurch sie zu Fall kam und von der Gestellvorrichtung derart heftig getroffen wurde, daß sie einen rechtsseitigen Unterarmbruch erlitt, der ärztliche Behandlung im Bochumer Elisabeth= Hospital notwendig machte. Stadtteil Grumme=Böde Zum goldenen Mainz. Die hiesige Ortsgruppe der DAF. veranstaltet am 23. und 24. August eine Rheinfahrt. In Koblenz wird ein Dampfer bestiegen, der bis Mainz aufwärts fährt, so daß man den schönsten Teil des Stromes in gemächlicher Ruhe begugapfeln kann. Fahrpreis 11 Mark alles in allem. Anmeldungen bei der Geschäftsstelle Castroper Straße 238. NSDAP. Sonntag morgen 10.30 Uhr findet im Skalatheater eine Filmvorführung der Ortsgruppe Grumme=Vöde stat. Zur Aufführung kommt der Film „Hermine und die sieben Aufrechten: Dazu das Beiprogramm. Stadtteil Hiltrop Sommerfest des katholischen Kindergartens. Dienstag nachmittaa begingen die Kleinen des Kindergartens an der Bergener Straße unter der Obhut der Schwester Liboris ihr Sommerfest. Nach einer reichlichen Stärkung mit Kaffee und Kuchen machte man mit frohem Gesang einen Spaziergang in den nahe gelegenen Volkspark. Am Abend aab es noch manch angenehme Ueberraschung; zum Schluß erhielt jedes der Kleinen ein Körbchen mit Süßigkeiten. Was lange währt. Jahrelang hatten die Bewohner der Hiltrover Landwehr berechtigten Grund zur Klage über die schlechte Beschaffenheit der Straße. Durch die Kanalisierung der Straße wurden manche Uebelstände abgestellt. Nachdem schon vor einiger Zeit der obere Teil der Straße mit einer neuen Teersplittdecke versehen wurde, ist jetzt auch der abschüssige Teil der Landwehr, der sogenannte Pampberg, dadurch in beste Ordnung gebracht worden, daß dieser Teil mit Kleinpflaster versehen wurde. Die ganze Straße befindet sich jetzt in einem vorbildlichen Zustand. Gegenwärtig sind die städtischen Wegebauarbeiter damit beschäftigt, einen schmalen Bürgersteig an der linken Seite des abschüssigen Teiles anzulegen und mit einer Aschendecke zu versehen. Bisher war hier überhaupt kein Bürgersteig vorhanden. Stadtteil Bergen Aus dem Fenster gestürzt. Bedenklich zu Schaden kam gestern vormittag die Haustochter Hermine der Eheleute Invalide., Bergener Straße, die mit Fensterputzen an den Außenfenstern des Hauses beschäftigt war. Hierbei wollte das Mädchen mit der Schere einige Ranken des wilden Weines entfernen, wobei sie auf der Fensterbank ausglitt und hinabstürzte. Mit einem Armbruch, argen Rücken= und Beinverletzungen mußte sie ins Haus geschafft und ein Arzt zur Hilfe herbeigeholt werden. Stadtteil Gertbe Vaterländischer Frauenverein, Zweigverein BochumGerthe. Alljährlich unternimmt der Zweigverein.Gerthe des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz einen Ausflug, um den Frauen neben ihrer Arbeit auch einen Tag der Freude zu gönnen. Mit sechs Autobussen fuhren am Mittwoch morgen über 200 Mitglieder zunächst nach Wuppertal=Elberfeld, wo man dem herrlichen Zoo einen zweistündigen Besuch abstattete. Die Heitberger Mühle in Haan war die zweite Reisestation. Nachdem man den Kaffee eingenommen hatte, wurden kleine Spaziergänge in die herrliche Umgebung gemacht. Das Endziel war der Ittertaler Märchenwald. Hier boten sich soviel Sehenswürdigkeiten, daß die Zeit im Fluge verging. Bei der Rückfahrt machte man in Haßlinghausen noch einmal Station, wo man den ereignisreichen und freudevollen Tag bei Tanz und Spiel beschloß. In den späten Abendstunden trafen alle wohlbehalten wieder im Heimatsort ein.— Die nächste Arbeitsstunde findet am Mittwoch, 12. August. nachmittags .80 Uhr, im Lokal Wickel statt. Aus dem Nachbargeviel Stadt Witten Erfolgreicher Geflügelzüchter. Auf dem Weltgeflügelkongreß in Leipzia erhielt den 8 Internationalen Siegerpreis auf Plymouth=Rocks W. Wende(Witten), den 6. Preis auf schwarze Wyandotten Arnold Becker (Mülheim=Styrum). Ennepe=Ruhr=Kreis Schützenfest in Herbede(Ruhr). Vom 1. bis 8. August feiert die Gemeinde Herbede das diesjährige Schützenfest. Samstag, morgens um 9 Uhr, wird der erste Schuß von dem alten König aus dem Jahre 1900, Friedrich Pautz, fallen, was gleichzeitig der Auftakt für das Königsschießen ist. Um 15 Uhr findet die Ehrung des neuen Königspaares im Festzelt statt. Mit einigen Gesangsvorträgen wird abends der Schützenball eingeleitet. Sonntag um 14 Uhr ist Empfang der auswärtigen Vereine am Marktplatz, von wo auch der Festzug um 15 Uhr zum Zelt beginnt. Die Schützenkönigin von 1891, Frau Zahn, geb. Wagner, die jetzt in Heidelberg wohnt, wird mit dem Schützenkönig aus vom Jahre 1900 im Festzug zu sehen sein. Der große Schützenfestball beschließt diesen Sonntag wie auch den Montag. In dem Festzug wird auch die lang vermißte. kostbare alte Fahne aus dem Jahre 1850 getragen. POFaRTT Ihre Vermählung geben bekannt Abfahrt am 6. August um 22 Uhr. Rückkunft am 10. August. Preis 25.— Mk. Anmeldung Kraftverkehr Scharpey. Kortumstr. 7(Hotel Fürstenhof). Ruf 611 10/11 Samstag, den 1. Aus., Abfahrt 14.30 Uhr Paul Neinert Emmy Neinert geb. Mustereit Bochum, den 31. Juli 1936 Feuerbachstraße 8 Loemühle à.80 M0k. Anmeldung Kraftverkehr Scharpey Kortumstraße 7. Fernruf 611 10/11 Was Gott tut, das ist wohlgetan In Ausübung seines Berufes starb am Montag mein lieber Mann, mein guter Vater, unser lieber Sohn. Schwiegersohn. Bruder. Schwager und Onkel Ein Film der IX. Olympischen. 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