Bezugspreis mit Botenlohn:.15 RM. monatlich oder monatlich, Selbstabholer 1,85 RM. monatlich oder 93 Pf. halbmonatlich. Bezugspreis für die„Bochumer Illustrierte“ 30 Pf. monatlich, Funkzeitschrift„hör mit mir“, 45 Pf. monatlich bei vier Sonntagen und 55 Pf. bei fünf Sonntagen im Monat.— Wenn das Erscheinen der Zeitung durch höhere Gewalt, Verbot oder Betriebsstörung u. dgl. verhindert wird, können keine Ersatzansprüche gestellt werderzunt## schäftsstelle geöffnet von 8 bis 13 und von 14½ bis 19 Uyr, Hizzg von 11 bis 12 Uhr.— Sprechstunden der Schriftleitung, außer und Samstags, von 16 bis 17 Uhr.— Postscheckkonto Dortmund 1760. Verlag und Druck: Laupenmühlen& Dierichs in Bochum Montag 29. Juni 1936 43. Jahrgang Nummer 149 Einzelpreis 10 Pf. Anzeigenpreise: Grundpreise fük 1 mm Höhe in 22 mm Breite.5 Pf. im Anzeigenteil und in 78 mm Breite 50 Pf. im Textteil, Familien= anzeigen und Stellengesuche 6 Pf., Vereinsanzeigen(die nicht der Wirtschaftswerbung dienen) 7 Pf., kleine einspaltige Anzeigen angebote, Anzeigen privater Art) 8 Pf., Anzeigen im Vereins, oder Sporttalender im Terttell 10 Bf., Aust,zzachgtzg ssergebührezug de Zur Zeit ist Preisliste Nr. 6 gültig, Nachlug######el B.— Schuß der Anzeigenannahme für die sechsmal wöchentlich frühmorgens erscheinende Zeitung um 16 Uhr des Vortages. Für den richtigen Abdruck fernmündlich aufgegebener Anzeigen kann keine Gewähr übernommen werden. Hauptgeschäftssielle: Rathausplatz 8. Anruf 67551, 52, 53 Festesfreude in der alten Universitätsstadt Der Unntdeesnat=Helerirrep 1500 Professoren aus 31 Nationen als Gäste— Feierlicher Empfang durch die Reichsregierung im Schloß Mar Schinelngdem Zührereingfungen Heidelberg, 28. Juni. In seiner tausendjährigen Geschichte hat Heidelberg die schwersten Stunden deutschen Schicksals durchlitten. Zweimal legten feindliche Heere die Stadt in Trümmer, noch öfter vernichteten Seuchen und Hungersnöte die Blüte der Bevölkerung. Vielleicht ist es die Erinnerung an diese trübe Vergangenheit, die die Bewohner des Neckartals die lichtvolle Gegenwart um so freudiger bejahen läßt. Selten haben die Pulse der ewigjungen Stadt so laut und freudig geschlagen wie jetzt, wo sie den 550. Geburtstag ihrer Universität feiert. In den sonst so stillen Straßen und Gassen herrscht ein Weltstadtverkehr, selbst das behagliche Gelehrtenviertel senseits des Flusses ist in den Strudel des festlichen Geschehens gerissen. 1500 Professoren aus der ganzen Welt sind zur Jubelfeier der Ruperto=Carola“ eingetroffen. Die Vertreter von 31 Nationen haben persönliche Glückwünsche überbracht. Kein Haus, das nicht in reichstem Flaggenschmuck prangte. Die würdigste Ausgestaltung hat der Universitätsplatz erDer Glückwunsch des Führers dub Berlin, 28. Juni. Der Führer und Reichskanzler hat an die Universität Heidelberg aus Anlaß der Feier ihres 550jährigen Bestehens folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet: „Der Universität Heidelberg, der ältesten des Deutschen Reiches, spreche ich zu ihrem Ehrentage, an dem sie im Kreise ihrer deutschen und ausländischen Freunde und von Vertretern zahlreicher Nationen ihr 550jähriges Bestehen festlich begeht, meine und der Reichsregierung Glückwünsche aus. Zugleich danke ich Ihnen, Herr Rektor, dem Senat und den Studierenden für die mir aus diesem Anlaß in Treue entbotenen Grüße. Ich erwidere sie herzlichst mit dem Wunsche, daß die altehrwürdige Heidelberger Hochschule— getreu ihrer Ueberlieferung— auch in die fernste Zukunft eine Pflanzstätte edelsten Geisteslebens und die bewährte Mittlerin echten deutschen Kulturgutes an die Welt bleiben möge.“ Ausdruck kam, der Verständigung menschlich und politisch zu dienen in der Lage sind. Heldengedenkseier auf dem Ehrenfriedhof Sonntag vormittag gedachten die Teilnehmer an den Jubiläumsfeiern der Universität Heidelberg auf dem Ehrenfriedhof der Gefallenen des Weltkrieges und der nationalsozialistischen Bewegung. Gefolgt von den Ehrenformationen nahmen die Ehrengäste, an ihrer Spitze der Reichskultusminister Rust, Reichsstatthalter Robert Wagner und Kultusminister Wakker vor dem mächtigen Gedenkstein Aufstellung. Fanfarenbläser der SS. und die den Toten gewidmeten Verse eines jungen Dichters eröffneten die Feier. Darauf sprach Staatsminister Schmitthenner. Nach dem Lied vom guten Kameraden legten der Rektor der Universität, Professor Dr. Groh, und der Führer der Heidelberger Studentenschaft cand. jur. Kreuzer, am Ehrenmal Kränze nieder. Ihnen folgten Kranzniederlegungen vom Rektor der Sun=jat=sen=Universität Kanton, des japanischen Botschafters und einer rumänischen Gruppe. Ausstellung„Heidelberg— Vermächtnis und Aufgabe“ Sonntag nachmittag wurde in Heidelberg die Ausstellung„Heidelberg— Vermächtnis und Aufgabe“ in den erweiterten Räumen des Kurpfälzischen Museums der Oeffentlichkeit übergeben. Die Aussterlung zerfällt in fünf Abteilungen: 1. Der Berg(Frühgeschichte unseres Volkes), 2. Heidelberg als geistiges Bollwerk der Westgrenze des Reiches, 3. Pflegestätte volksnaher Kunst und Wissenschaft, 4. Mittler deutscher Art, 5. Zerstörung und Aufbau. phot.: Hch. Hoffmann Der mit großem Welterfolg von Newyork zurückgekehrte deutsche Meisterboxer Max Schmeling wurde am Samstag in der Reichskanzlei zusammen mit seiner Frau und seiner Mutter vom Führer empfangen. Der Führer ließ sich von Max Schmeling eingehend über seine Erlebnisse in den Vereinigten Staaten berichten. Unsere Aufnahme zeigt den Führer im Gespräch mit Max Schmeling und Anny Ondra=Schmeling Empfang durch die Reichsregierung Am Abend begaben sich die Festteilnehmer in den festlich geschmückten Königssaal des Schlosses, wo ein bei vielleicht feststellten, daß es darum doch besser bestellt sei, als es manchmal nach ausländischen Blättern den Anschein habe. Er schloß mit dem Wunsche, daß der herrlichen Universität noch viele Jahrhunderte geschenkt würden als einer Zierde nicht nur des deutschen Geistes, sondern der Kultur der ganzen Menschheit. Im Namen der Universität brachte der Rektor den Dank an die Reichsregierung als Schirmherrin der deutschen Wissenschaft zum Ausdruck. Es werde der innige Wunsch der Universität sein, auch zu ihrem Teile an der völkerverbindenden Arbeit und an dem Frieden aller Völker im Sinne des Führers mitzuarbeiten. Nach dem Empfang fahren. Eine Wand aus rotbraunem Tuch verkleidet die ihn begrenzenden Häuser, zwei lange Reihen von Fahnenmasten flankieren das alte Hochschulgebäude. Ueber vier hochragende Pylonen hinweg sieht man hinauf zur Schloßruine. Tausende von deutschen Volksgenossen sind Samstag und heute in Heidelberg eingetroffen, um ihre Verbundenheit mit Deutschlands ältester Universität zu bezeigen. Empfang der in= und ausländischen Ehrengäste An den Fahnenmasten vor der Universität wurden Samstag abend anläßlich des Empfanges der in= und ausländischen Ehrengäste in der Universität die Flaggen der 31 Länder hochgezogen, deren Vertreter an den Feiern teilnehmen. Es handelt sich um folgende Länder: Argentinien, Oesterreich, Belgien, Bulgarien, Kanada, Chile, China, Tschechoslowakei, Dänemark, Spanien, Vereinigte Staaten von Amerika, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Island, Italien, Japan, Finnland, Mexiko, Norwegen, Peru, Polen, mänien, Schweden, Schweiz, Südafrikanische Union, Türkei, Venezuela, Jugoslawien. In der Aula der neuen Universität begrüßte der Rektor der Universität Heidelberg, Professor Dr. Groh, die Gäste und wies auf die Bedeutung dieser ältesten Hochschule des Reifür die Wissenschaft aller Kulturvölker hin. Ein besonderes Symbol der Weltverbundenhit Heidelbergs sei dieser Raum, sei dieses Haus, das entstanden sei aus der Anhänglichkeit amerikanischer Freunde in Deutschlands schwerster Notzeit. Die kommenden Tage seien dazu angetan, den Freunden aus dem Auslat ein Bild des wahren geistigen Lebens Deutschlanos zu zeigen, des neuen zufriedenen und glücklichen Deutschlands. Dr. Groh sagte weiter:„Denn, meine verehrten ausländischen Gäste, wir haben nichts zu verbernichts zu verheimlichen. Ihre freimütige Frage wird die freimütigste Antwort erfahren.“ Ich begrüße Sie mit dem Gruße unseres Reiches, das seine Friedensgesinnung nicht besser verkünden kann, als im Namen des Führers, der ihm den Frieden im Innern geschenkt und Frieden nach außen gesichert hat: Heil Hitler!. Nach der Feier in der neuen Universität erlebten die Teilnehmer gemeinsam eine Heidelberger Schloßbeleuchtung. Am Nachmittag hatte die Internat##ale Universitätskonferenz getagt. Die renz stand im Zeichen der internationalen Verbundenheit, des geistigen Ausgleichs, der wissenschaftlichen Freundschaft, Gebiete, die, wie immer wieder zum Erziehung und Volksbildung Rust hießen hier die hervorragenden Wissenschaftler und Freunde der Heidelberger Universität aus dem In= und Auslande und die führenden Männer von Partei und Staat willkommen. Das Jahrhunderte alte Schloß schien zu neuem Leben erwacht. Sein eigenartiger Zauber, die würdige Ausgestaltung und der überaus feierliche Rahmen ließen bei den hohen Geistesvertretern aller Länder, die sich hier zum Jubiläum der ältesten reichsdeutschen Alma mater zusammengefunden hatten, von Anfang an eine harmonische Feststimmung entstehen. Während des Empfanges begrüßte Dr. Goebbels im Namen des Führers und der Reichsregierung die Gäste mit einer Ansprache, in der er den besonderen Reiz der Stadt Heidelberg pries, jene Atmosphäre von Ernst, Arbeitseifer, Lebensaufgeschlossenheit und Lebensfreude.„Wer einmal das Glück gehabt hat“, führte der Minister aus,„an der Universität dieser Stadt zu studieren— und ich gehöre zu diesen Glücklichen—, der wird diese Zeit in seinem Leben nicht vergessen.“ Der Minister erklärte dann, daß es das Bestreben der Regierung sei, das ganze deutsche Volk mit diesem ernsten Arbeitseifer und mit dieser Lebensfreude zu erfüllen. Gerade deshalb sei es so begrüßenswert, daß die ausländischen Gäste Gelegenheit nähmen, nicht nur diese Stadt zu sehen und wiederzusehen, sondern daß sie auch mit weitgeöffneten Augen das junge Deutsche Reich beobachteten und daim Königssaal begaben sich die Gäste der Reichsregierung auf die im Schloßhofe errichtete Tribüne für die Reichsfestspiele Heidelberg. Solokräfte des Deutschen Opernhauses Berlin zeigten unter Leitung von Rudolf Kölling künstlerische Darbietungen. Danach begaben sich die Gäste auf den Schloßaltan und in den historischen Schloßkeller, wo die ausländischen Besucher mit ihren deutschen Gastgebern noch lange in angeregtem Meinungsaustausch verweilten. An dem Empfang der Reichsregierung nahmen außer Reichsminister Dr. Goebbels und Reichsminister Rust teil die Reichsminister Dr. Frank und Seldte, Stabschef Lutze, die Staatssekretäre Dr. Meißner, Funk, Schlegelberger, Zschintzsch und Backe. Vom diplomatischen Korps waren erschienen der kaiserlich japanische Botschafter, die Gesandten von Ungarn, Kuba, Afghanistan, Meriko, der Südafrikanischen Union, ferner die Gauleiter Robert Wagner, Sprenger und Murr, der badische Ministerpräsident Köhler, die badischen Minister Pflaumer und Dr. Wacker, der Kommandierende General des V. Armeekorps Generalleutnant Geyer, der den Reichskriegsminister vertrat, Reichsstudentenbundführer Derichsweiler, außerdem zahlreiche Professoren aus dem Auslande sowie fast alle Rektoren der deutschen Universitäten und Hochschulen und die Vertreter der Akademien und sonstigen wissenschaftlichen Gesellschaften. genwärtig von den italienischen Truppen besetzt sei. Die abessinischen Krieger hätten im Augenblick nicht genug Waffen und Munition, um zusammenhängende militärische Operationen zu führen. Diese zeitweilige Untätigkeit dürfe nicht dahin aufgefaßt werden, als ob der Kampf aufgegeben und die vollendete Tatsache anerkannt sei. In dem unbesetzten Teil des abessinischen Gebietes bestehe eine reguläre Regierung, die der Kaiser selbst eingesetzt und der er die notwendigen Vollmachten zur Verwaltung des Landes und Aufrechterhaltung ihrer Autorität erteilt habe. Der Kaiser sei im Besitz aller seiner Rechte und habe nie aufgehört, sie auszuüben, und tue es auch jetzt nicht. Er verlange nach wie vor von jedem Unterzeichnerstaat des Völkerbundspaktes die Erfüllung der Abessinien gegebenen Versprechen. Aus Rom wird gemeldet, daß die italienische Denkschrift, die jetzt in Genf überreicht werden soll, bereits fertiggestellt sei. Italien wolle mit diesem Dokument aufs neue beweisen, daß es nicht der Angreifer im afrikanischen Kriege war. Es wiederholt seine Forderung, von dem Genfer Schuldspruch, der es mit der moralischen Verantwortung für den Krieg belastet, freigesprochen zu werden. Die Denkschrift soll in entgegenkommendem Ton verfaßt sein, um dem Völkerbund eine Handhabe zu bieten, das Genfer Urteil zu kassieren und die Anerkennung der italienischen Eroberungen in die Wege zu leiten. Nach weiteren Meldungen wird von der italienischen Presse die Rechtmäßigkeit der weiteren Teilnahme einer abessinischen Abordnung an den Völkerbundssitzungen bestritten und offen der Ausschluß Abessiniens aus dem kerbund gefordert, nachdem keine abessinische Regierung mehr bestehe. Der Mailänder„Corriere della Sera“ hebt mit Genugtuung eine Meldung aus London hervor, wonach in dortigen diplomatischen Kreisen verlaute, daß England und Frankreich über die Zweckmäßigkeit übereingekommen seien, den Ausschluß Abessiniens aus dem Völkerbund vorzuschlagen, weil keine abessinische Regierung mehr vorhanden sei. Nicaragua verläßt den Bund Schiechie Einmung in Gen, Der Negus will in der Völkerbundsversammlung sprechen Ausschluß Abessiniens aus dem Völkerbund? Berlin, 28. Juni.(Eig. Drahtber.) Einen einzigen Tag hat man in Genf im Völkerbund„gearbeitet" und nach dieser Kraftanstrengung gleich ein ausgedehntes Wochenende bis zum Dienstag eingelegt, an welchem Tage die Völkerbundsversammlung zusammentreten wird, um das unglückselige Erbe des Rates zu diskutieren und zu versuchen, es zu verCouen.....-Terhuschmeschimerie maechDiese Ruhepause der Volterbunomaschinerie wurde am Samstag aber empfindlich von außen gestört. Die Regierung von Nicaragua erklärte in einem Telegramm an den Generalsekretär des Völkerbundes ihren Austritt aus dem Bunde. In den letzten Wochen haben bereits Guatemala, Honduras und El Salvador teils in Genf, teils in ihren Hauptstädten ihren Austritt angekündigt. Es lag zwar in der Luft, daß noch weitere Austritt südamerikanischer Staaten erfolgen würde; daß aber prompt nach der Freitagsdebatte über eine Reform des Bundes Nicaragua anzeigte, sich aus Genf zurückzuziehen, wird nach Genfer Meldungen allgemein als schlechtes Omen für eine Erneuerung der Genfer Einrichtung empfunden Inzwischen beschäftigt sich die Pariser Sonntagspresse mit dem Fortgang der Genfer Verhandlungen. Irgendwelche praktischen Vorschläge weiß man nicht zu machen. Einige Blätter wollen erfahren haben, der Negus werde am Dienstag die Rednertribüne in Genf besteigen, um vor dem Forum des Bundes seine Ansprüche auf Abessinien zu betonen. In gleichem Atemzuge erklären jedoch die Pariser Zeitungen, Eden werde eine solche Absicht des Negus zu verhindern wissen. Wie der Negus seine Lage auffaßt, geht aus einer Note hervor, die im Auftrage des Negus Ras Nasibu an den Völkerbund gerichtet hat. Die Note geht von der Behauptung aus, daß nicht einmal die Hälfte des abessinischen Gebietes geHindenburg Minden Handballmeister Die Endspiele um die Deutsche Handballmeisterschaft der Männer und Frauen brachten folgende Ergebnisse: Hindenburg Minden— MTSA. Leipzig:5 SC. Charlottenburg— BfR. Mannheim:5 Nereide siegt im Derby! Das deutsche Derby endete mit einem Kantersiege der Stute Nereide, die in 2,28,8 Minuten für die 2400 Meter einen neuen Rekord aufstellte. Sievert übertroffen! Bei den amerikanischen Zehnkampfmeisterschaften stellte der amerikanische Leichtathlet Glenn Morris mit 7880 Punkten einen neuen Weltrekord auf. Am den Aufstieg zur Gauliga! Die Kämpfe des Sonntags brachten folgende Ergebnisse: Borussia Dortmund— Sportfr. Siegen:0! Preußen Bochum— BfB. Bieleseld:0 Rotthausen— Recklinghausen 13:1 (Siehe den Sportteil!) Seite 2 Nr. 149 Bochumer Anzeiger 7 Montag, 29. Juni 1936 * P #s 14. A 15 M TE Meldepflicht für gediente ältere Jahrgänge dnb Berlin, 28. Juni. In einer gemeinsamen Verordnung des Reichsinnnenministers und des Reichskriegsministers wird die Erfassung militärisch ausgebildeter Wehrpflichtiger älterer Geburtsjahrgänge geregelt. Nach der Verordnung haben sich zur Regelung ihres Wehrpflichtverhältnisses entsprechend der durch die Kreispolizeibehörde erlassenen öffentlichen Bekanntmachung persönlich bei der polizeilichen Meldebehörde folgende wehrpflichtige Deutsche, die ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt im Reich haben, anzumelden: 1. die Offiziere und Beamten aller Gattungen, die dem aktiven oder Beurlaubtenstande des früRudolf Heß an Hauer Schmidt und an die Bergungsmannschaft anb München, 28. Juni. Der Stellvertreter des Führers hat an den auf Zeche „Shamrock IIII“ in Herne verschütteten Hauer Schmidt und an die Rettungsmannschaft folgende Telegramme gerichtet: „An Hauer Schmidt: Wie Millionen Deutscher hoffe ich, daß Sie recht bald aus Ihrer mit so viel Tapferkeit ertragenen Lage befreit werden, und nehme von Herzen Anteil an Ihrem Geschick. Heil Hitler! Rudolf Heß.“ „An die Bergungsmannschaft: Ihrem unermüdlichen Einsatz für unseren Arbeitskameraden Schmidt wünsche ich von ganzem Herzen besten Erfolg. Heil Hitler! Rudolf Heß.“ heren Heeres, der Schutztruppe, der Kaiserlichen Marine und der Reichswehr angehört haben, 2. alle seit dem 1. Januar 1921 aus der Wehrmacht oder der Landespolizei ausgeschiedenen Deckoffiziere, Unteroffiziece und Mannschaften sowie alle Männer, die durch eine von der Wehrmacht oder Landespolizei veranlaßte kurzfristige Ausbildung militärisch geschult sind, und zwar sofern sie einem älteren Geburtsjahrgang als 1913(in Ostpreußen 1910) angehören. Auskünfte über die Zugehörigkeit zu den genannten Personenkreisen erteilen die Wehrersatzdienststellen. Die polizeilichen Meldebehörden haben für die sich anmeldenden Personen in der Zeit vom 13. Juli bis 22. August 1936 das Erfassungsverfahren durchzuführen. Roosevelt wieder Präsidentschaftskandidat der Demokraten Newyork, 28. Juni. Wie erwartet, wurde Präsident Roosevelt in der Nacht zu Samstag vom demokratischen Parteikonvent in Philadelphia einstimmig zum Präsidentschaftskandidaten der Partei für die im November stattfindenden Wahlen nominiert. Roosevelt wurde von 55 Rednern, die sich aus allen Teilen der Staaten für seine Wiederwahl einsetzten, als„politischer Erlöser", als„Verteidiger des Glaubens des kleinen Mannes“ gefeiert. Als das Abstimmungsergebnis verkündet wurde, brachen die 20 000 Delegierten und Zuschauer, die die riesige Kongreßhalle bis auf den letzten Platz füllten, in einen unbeschreiblichen Beifallslärm aus, der, wie von Stoppuhren gewissenhaft festgestellt wurde, eine volle Stunde andauerte. Durch Zuruf wurde wiederum Garner zum stellvertretenden Präsidentschaftskandidaten gewählt. Seine Wiederwahl löste Begeisterungsszenen aus. Dr. Goebbels in „Soiterbune W. Jul, anb Stuttgart, 28. Juni. Am Samstag und Sonntag fand in Stuttgart eine Führertagung statt, zu der aus dem ganzen Gau 10 000 Politische Leiter zusammengekommen waren. Der Reichsminister Dr. Goebbels der zu dieser Tagung eintraf, wurde von den Tausenden von Volksgenossen auf dem Wege durch die festlich geschmückte Stadt begeistert begrüßt. Beim Betreten der Stadthalle klang dem Reichsminister Dr. Goebbels ein einziger Jubel entgegen. „Hinter uns liegt kein abgeschlossenes Leben“, so sagte der Minister,„sondern schwere Arbeit wartet auf uns. Wir haben in diesen 3½ Jahren um das Glück gerungen und gekämpft, haben uns gesorgt und manche schlaflose Nacht verbracht, wenn wir um das Schicksal unseres Volkes bangten. Es gehörte mehr dazu, die neue Wehrmacht aufzubauen und das Rheinland wieder zu besetzen. Das war nicht nur Glück, das war auch Mut! Unsere Vorgänger haben diesen Mut nicht gehabt, und deshalb sind sie gescheitert.“(Stürmischer Beifall.) In großen Zügen zeichnete Dr. Goebbels sodann ein eindrucksvolles Bild des gewaltigen Aufstieges, den aber Luftgeschwader und Armeekorps sind besser“. der Nationalsozialismus auf allen Gebieten herbeigeführt hat. Das deutsche Volk sehe viele Erfolge und fühle sich in der Führung Adolf Hitlers gesichert. Es brauche niemand zu glauben, daß ein Punkt des nationalsozialistischen Programms vergessen werde. Dr. Goebbels verwahrte sich dagegen, daß man Deutschland vorwerfe, es rüste auf, um in einem kommenden Kriege militärische Lorbeeren zu suchen und dadurch sein innenpolitisches Prestige zu heben. Erneut von starken Zustimmigkeitskundgebungen unterbrochen, meinte er, daß es in Europa vielleicht einige andere Regierungen gebe, die eine Prestigesteigerung nötig hätten.„Ich glaube nicht, daß alle Regierungen so furchtlos wie wir zur Wahlurne schreiten oder so mitten in ihrem eigenen Volke leben wie wir. Das deutsche Volk weiß, daß das Prestige seiner Führung auch sein Prestige ist.“ Zur außenpolitischen Zielsetzung Deutschlands übergehend, erklärte der Minister:„Wenn es uns gelingt, Europa auf einer neuen Grundlage einen besseren Frieden zu geben, ist das nicht eine Aufgabe, die des Schweißes der Besten verlohnt? Ist diese Aufgabe nicht wert, daß die besten Europäer sich darum Jahre lang mühen? Auf eine andere Weise kommt eben dieser Friede 1 Ocfolsschaft nur aus iinerer Arderzeutzung Reichsminister Dr. Frick auf dem Gautag des Westmark=Gaues Koblenz=Trier and Koblenz, 28. Juni. Als Höhepunkt des diesjährigen Gautages des Westmark=Gaues Koblenz=Trier=Birkenfeld fand am Sonntag ein großer Appell und eine Kundgebung sämtlicher Formationen der NSDAP. des Gaues unter Beteiligung der gesamten Bevölkerung auf der NS.=Feierstätte am Koblenzer Schloß statt. Nahezu 60000 Angehörige der Partei, der Gliederungen und der angeschlossenen Verbände waren auf dem mit Fahnen festlich geschmuaren Platz angetreten. Etwa 60000 weitere Volksgenossen waren aus Stadt und Land herbeigeströmt. Nach der Begrüßung und dem Gedenken an die toten Kameraden des Weltkrieges und der Bewegung durch den Gauleiter=Stellvertreter Reckmann und einer Ansprache des Gauleiters Simon ergriff Reichsminister Frick das Wort. Er sagte u..: „Es sind wohl schon funf Jahre vergangen, seit ich das letzte Mal in Koblenz gesprochen habe. Es war eine denkwürdige Versammlung, die durch den Gummiknüppel der Severing=Schergen ein unerwartetes und vorzeitiges Ende fand. Ich sehe heute noch das widerliche Schauspiel vor mir, wie wehrlose Frauen, die nicht rasch genug den Ausgang gewinnen konnten, unter den wahllos und rücksichtslos ausgeteilten Gummiknüppelschlägen zusammensanken. Das Dritte Reich Adolf Hitlers kennt keinen Gummiknüppel mehr, weil es zum Fundament seiner Macht nicht den Gummiknüppel, sondern die Liebe des Volkes gemacht hat. Polen hebt Sanktionen auf. Der politische Ministerrat beschloß im Sinne der schriftlichen Ankündigung, die Außenminister Beck am Freitag dem Vorsitzenden des Völkerbundsrates überreicht hat, die sofortige Aufhebung der Sühnemaßnahmen gegen Italien. Der italienischen Regierung wurde von diesem Beschluß Mitteilung gemacht. Ein reichsdeutsches Liederbuch in der Tschechoslowakei beschlagnahmt. Das tschechoslowakische Pressegericht in Leitmeritz hat dieser Tage das im Verlage Paul Zschorner in Leipzig erschienene„Liederbuch für Frauenchöre“ wegen des Textes zu sieben Liedern beschlagnahmt. Seit der Machtübernahme sind der NSDAP. noch größere und schwerere Aufgaben zugefallen. Die NSDAP. ist der Führerorden der Nation, und ihre Mitglieder sollen nach dem Willen des Führers eine Auslese der tüchtigsten, entschlossensten und tapfersten Volksgenossen sein. Der Führernachwuchs der NSDAP. bedeutet nicht Begründung einer neuen bevorzugten Kaste, sondern Uebernahme einer ungeheueren Verantwortung und erhöhter Pflichten gegenüber Führer, Volk und Staat. Es wäre danach eine völlige Verkennung der Absichten des Führers, wenn Parteigenossen, pochend auf ihre äußere Stellung in der Partei, Vorrechte vor anderen Volksgenossen für sich in Anspruch nehmen wollten, zu denen ihnen die innere Berechtigung fehlt. Die äußere Autorität läßt sich auf die Dauer nur aufrechterhalten, wenn ihr der innere Wert entspricht, wenn sie innerlich überzeugt. Der beste Beweis hierfür ist die Person des Führers selbst. Er will nur eine Gefolgschaft aus innerer Ueberzeugung, weil er weiß, daß nur auf persönliches Vertrauen begründete Macht auf die Dauer Bestand hat. Darin liegt geradezu das ganze Geheimnis der Staatskunst Adolf Hitlers. Ohne dieses weitgehende Vertrauen des Volkes hätte er nie die gewaltigen innen= und außenpolitischen Erfolge erzielen können. Das Beispiel und Vorbild des Führers soll für uns alle richtung= und maßgebend sein. Wir müssen an uns viel größere Anforderungen stellen als an alle anderen Volksgenossen. Wir müssen denen, die wir überzeugen wollen, in Lebenshaltung und Kampf Vorbild sein. Nur so werden wir Kämpfer für die Ideale der Bewegung auch als Erzieher überzeugend wirken. Gewiß läßt es sich nicht vermeiden, daß auch einmal räudige Schafe in eine Bewegung oder eine Organisation Eingang finden. Aber dann ist es Pflicht dieser Bewegung oder Organisation, wenn sie sich nicht selbst belasten will, erkannte Schädlinge rücksichtslos daraus zu entfernen, so wie es der Führer vor zwei Jahren getan hat. In diesem Zusammenhang muß ich mit einigen Worten auf die peinlichen Prozesse zu sprechen kommen, die gerade in Koblenz stattfinden und die skandalöse Vorgänge in gewissen Ordensklöstern zum Gegenstand haben. Die deutsche Oeffentlichkeit ist erschüttert über den Abgrund von Gemeinheit, der sich hier vor ihren Augen öffnet. Klöster, die ein Hort gläubiger Einkehr und frommer Andachtsübungen sein sollten, enthüllen sich hier als Brutstätten des Lasters. Dem Uebel wird nicht dadurch begegnet, daß man es verschweigt und mit dem Mantel christlicher Liebe bedeckt. Und hier muß ich leider feststellen, daß die kirchlichen Aufsichtsbehörden ein gerüttelt Maß von Schuld dadurch auf sich geladen haben, daß sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigten und einem Vertuschungssystem Vorschub leisteten. Nur so läßt es sich erklären, daß das Uebel einen solchen Umfang annehmen konnte. Die nationalsozialistische Presse tat nur ihre Pflicht, daß sie diese Zustände gebührend anprangerte. Und der Staat, der über die Erhaltung der Volksgesundheit zu wachen hat, wird dies an den Wurzeln der Volkskraft rührende Uebel ohne Ansehen der Person ausbrennen, und seien es auch Klosterinsassen, die zwar für ihre himmlische Mission andere Namen annehmen aber für ihr irdisches Verhalten dem Gesetz unterworfen sind wie jeder andere.“(Brausender, lang anhaltender Beifall.) Der Minister schloß mit einem Sieg=Heil auf den Führer, in das die Tausende begeistert miteinstimmten. Ein Vorbeimarsch der Gliederungen schloß sich an. Weitererhebung der Aufbringungsumlage. Einem „Gesetz über die Weitererhebung der Aufbringungsumlage“ gemäß wird die Aufbringungsumlage über das Rechnungsjahr 1936 hinaus weiter erhoben werden. Der Finanzbedarf des Reiches bedingt, daß auf bestehende Steuern und Umlagen bis auf weiteres nicht verzichtet wird. Neuer Chef der Motorsportschulen des RSKK. Korpsführer Hühnlein hat den Chef der Stabsabteilung, Brigadeführer Herbert Schnuell, mit der Führung der Inspektionsschulen des RSKK. beauftragt. Die Inspektionsschulen umfassen sämtliche 28 Motorsportschulen des NSKK., in denen in sechswöchentlichen Kursen motorsportbegeisterte junge Menschen eine fahrtechnische, sportliche wie weltanschauliche Schulung erhalten. nicht zustande! Immerhin haben wir uns rechtzeikig vorgesehen nach dem Grundsatz:„Völkerbund ist gut, aber Luftgeschwader und Armeekorps sind noch besser.“ (Stürmischer Beifall). Heute wagt es niemand mehr, uns unsittliche und die deutsche Ehre und das deutsche Volk verletzende Verträge vorzulegen, wo alle Welt weiß, daß wir solche nicht mehr unterzeichnen. Der Führer hat sich ein Verdienst um Deutschland, um Europa und um die gesamte Kulturmenschheit erworben; denn er hat nicht nur 1933 den Ansturm des Bolschewismus abgewehrt, sondern auch durch die Wiederbesetzung des Rheinlandes Deutschland gegen jeden Ueberfall gesichert.“ Ehrung der Luftwaffe für den italienischen Fliegerkameraden Staatssekretär General Valle anb Berlin, 28. Juni. Samstag vormittag besichtigten der Staatssekretär im Königlich=Italienischen Luftfahrtministerium, Luftarmeegeneral Exzellenz Balle, und die anderen italienischen Flieger das Jagdgeschwader„Richthofen“ in Döberitz und die Luftkriegs= und Lufttechnische Akademie in Gatow. Sie nahmen dann im dortigen Offiziersheim das Mittagessen ein. Der Nachmittag war einem Besuch des Wannsees gewidmet, wo eine Rundfahrt in Motorbooten unternommen wurde. Anschließend daran wurden das Reichssportfeld und die Deutschlandhalle besucht. Ein Abschiedsessen im Haus der Flieger vereinigte am Abend noch einmal die italienischen Gäste mit ihren Kameraden von der deutschen Luftwaffe und Luftfahrt. Um 22.30 Uhr begann vor dem„Haus der ger“ der große Zapfenstreich. Schon lange vor dem Aufmarsch der Truppen hatten sich Tausende von Berlinern eingefunden. Punkt 22.30 Uhr erschien General Balle in Begleitung von Staatssekretär General der Flieger Milch und dem Befehlshaber des Luftkreises II General der Flieger Kaupisch. Im Vorraum des Hauses war neben der Büste des Führers auch eine Büste des Duce aufgestellt worden. Der Zapfenstreich begann mit dem Triumpfmarsch aus der Oper Aida. Es folgten die italienische Königshymne und die Giovinezza. Dann setzte der Große Zapfenstreich ein. Mit dem Lied„Nun danket alle Gott“ klang die eindrucksvolle Ehrung der deutschen Luftwaffe für den italienischen Fliegerkameraden aus. General Valle hat am Sonntag die Rückreise nach Italien angetreten, Staatssekretär General Milch besucht die englische Luftfahrt=Ausstellung dnb Berlin, 29. Juni. Die alljährliche Ausstellung des Verbandes der englischen Luftfahrtindustrie findet im Anschluß an den Flugtag der Royal Air Force in diesem Jahre am 29. Juni auf dem Flugplatz Hatfield bei London statt. Wie immer wird die Ausstellung auch diesmal von einer Reihe von Angehörigen der deutschen Luftfahrt und von Offizieren der Luftwaffe besucht. Unter den Teilnehmern befindet sich auch Staatssekretär General der Flieger Mil.ch, der sich am Sonntag mit dem Flugzeug nach London begab. Verräter verurteilt Acht und fünfzehn Jahre Zuchthaus dnb Berlin, 28. Juni. Der Volksgerichtshof hat den 22 Jahre alten tschechoslowakischen Staatsangehörigen Günter Hoffmann aus Josefstadt, Bezirk Königgrätz, zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er die Aufforderung eines ausländischen Nachrichtendienstes, Einrichtungen des deutschen Flugwesens und der deutschen Flugabwehr auszukundschaften, angenommen hat. Der 26jährige Richard Lange aus Schillehnen ist durch Urteil des Dritten Senats des Volksgerichtshofes wegen Landesverrats zu einer Zuchthausstrafe von 15 Jahren verurteilt worden. Ferner sind ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren aberkannt worden. Lange hat im Herbst und Winter 1935 im Auftrage einer ausländischen Macht Nachrichten über die Stärke, Verteilung und Bewaffnung der Wehrmacht in Ostpreußen gesammelt, um sie demnächst an seinen Auftraggeber weiterzugeben. Aininer neue Etreitsm Frautrein Schwere Schlägereien im Lateinischen Viertel von Paris Paris, 28. Juni. Das Ende der vierten Streikwoche in Frankreich zeigte ein wenig erfreuliches Bild, wenn man von Paris und Marseille absieht. Ueberall flackern neue Streiks auf, werden Fabriken, die bereits von der streikenden Belegschaft wieder geräumt worden waren, unter irgendeinem Vorwand neu besetzt. Rote Fahnen auf Halbmast Am wichtigsten sind die Streiks der Arbeiter in den Werften von St. Nazaire, wo ein Teil der französischen Kriegsschiffe gebaut wird. Verhandlungen haben zu keinem Ergebnis geführt und die Werften und Docks sind von der Arbeiterschaft besetzt. Die roten Fahnen auf den Werkstätten und auf allen im Hafen liegenden Schiffen sind auf Halbmast gesetzt, weil es anläßlich schwerer Schlägereien zwischen den Arbeitern selber zu zwei Todesfällen und mehreren schweren Verletzungen kam. In den nördlicheren Provinzstädten Lille, Roubaix und Duai erscheinen seit drei Tagen infolge eines Streiks der Drucker keine Zeitungen. Im Eisenindustriegebiet Lothringen bei Metz traten 20000 Arbeiter neuerdings in den Streik. In Rouen verkehren noch immer keine Straßenbahnen. In Paris selber flauen die letzten Streiks ab. Polizeibeamte singen die Internationale Die Rechtsblätter„Ami du Peuple",„Jour“ und „Echo de Paris“ bringen als einzige Zeitungen die Meldung von den schweren Schlägereien im Lateinischen ni# Viertel. Nach dem„Ami du Peuple“ sollen über 30 gäs Verletzte zu verzeichnen sein. Uebereinstimmend werden Ai die Vorgänge wie folgt geschildert: Studenten und Abiturienten(Kandidaten dees Bakkalaureats), die gerade ihr Examen bestanden hatten und aus einem größeren Schulgebäude des Boulevard Saint=Michel herauskamen, sahen sich etwa 200 bis 300 Anhängern der Volksfrontparteien gegenüber, die versuchten, ihnen ihre blauweißroten Bändchen von den Knopflöchern und Rockschößen zu reißen. Eine allgemeine Schlägerei war bald im Gange, der die Polizei einstweilen untätig zusah. Die Marseillaise und die Internationale wurden gesungen. Einige Polizeibeamte sollen mit erhobener Faust die Internationale mitgesungen haben. Bei Eingreifen der Polizei flüchtete alles teils in die Seitenstraßen, teils in die zahlreichen Cafés und Restaurants des Studentenviertels. Ueberall ging aber die Schlägerei weiter, wobei auch Unbeteiligte Fußtritte und Schläge erhielten. Man erwartet für Samstag abend wiederum Ansammlungen und Zusammenstöße zwischen nationalgesinnten Studenten und Volksfrontanhängern. Riviera=Hotels geschlossen Neun Stunden im Segelflugzeug über Berlin Der längste Thermik=Segelflug über der Ebene An der französischen Riviera haben infolge des Streiks der Hotelangestellten 450 Hotels geschlossen, so fast alle Hotels in Nizza, Cannes und Mentone. In jeder Stadt bleiben nur drei oder vier Hotels geöffnet, um die Reisenden unterbringen zu können. Diese werden übrigens nur auf eine Nacht aufgenommen. Eine Gewähr für Verpflegung und Bedienung wird nicht übernommen. In Nizza sind bereits 1200 Kurguste abgereist, die dort ursprunglich einen längeren lufenthalr nehmen wollten. Berlin, 28. Juni. Am Samstag segelte Flugkapitän Helm der Deutschen Lufthansa mit einem„Rhön=Sperber“ neun Stunden über Berlin und erreichte damit den längsten bisher ausgeführten Thermik=Segelflug über der Ebene. (Thermik=Segelflug ist ein Flug bei Ausnutzung warmer Luftströmungen.) Um 11.20 Uhr startete Helm, der erst kürzlich einen 200 Kilometer langen Segelflug von Berlin aus unternommen hatte, im Schlepp seines Segelfluglehrers Dipl.=Ing. Peter Riedel, des bekannten Hindenburg=Pokal=Siegers, der vor 14 Tagen als erster Segelflieger den Oeresund zwischen Schweden und Dänemark im reinen Segelflug überquerte. Schon nach fünf Minuten Schleppflug in nur 500 Meter Höhe über Berlin klinkte Helm sein Segelflugzeug aus und begann den Thermikflug. Längere Zeit in den großen Kumuluswolken blind fliegend, erreichte Helm eine Höhe bis zu 2500 Meter, also 2000 Meter Höhe über Start. Nur wenige Berliner sahen den lautlos Stunde um Stunde seine Kreise ziehenden großen Vogel, der schließlich um 19.50 Uhr, also kurz vor Einbruch der Dunkelheit, landete. Helm hat mit diesem Flug innerhalb von acht Tagen alle Bedingungen zur Erreichung des Leistungssegelflieger=Abzeichens erfüllt, indem er statt eines Dauerfluges von fünf Stunden gleich neun Stunden über dem Anflugplatz in der Luft blieb. Großfeuer auf Schloß Johannisberg Wiesbaden, 28. Juni. Im Verwaltungsgebäude des bekannten Schlosses Johannisberg im Rheingau brach Feuer aus, das sich mit großer Geschwindigkeit ausbreitete und das ganze Gebäude in Asche legte. Die wertvolle Inneneinrich= tung, wie das Kelterhaus usw., ist mitverbrannt. Die Wiesbadener Feuerwehr und die Rheingauer Wehren, insgesamt fünf Motorspritzen, hatten bis gegen Mitternacht zu tun, um ein weiteres Umsichgreifen des Brandes zu verhindern. Das 1757 erbaute fürstlich Metternichsche Schloß Johannisberg konnte gerettet werden. Zur Brandhilfe wurde auch die Rheingauer SA. eingesetzt. Die Löscharbeiten waren, da das Schloß Johannisberg auf der Höhe liegt, sehr schwierig. Es mußten 1500 Meter Schlauchleitung bis zu den Bächen im Tal hinab ausgelegt werden. Weitere politische Nachrichten auf Seite 13 Hauptschriftleiter: Dr. Paul Dierichs Stellvertreter: Hans Schulte. Verantwortlich für Politik: Rud. Foest, Kommunalpolitik und Stadtteile: i.„V.„Paul Borke, Lokales: Hans Schulte, Kulturpolitir und Unterhaltung: Dr. Josef Schwermann, Wirtschaft; Fritz Schmidt, Gerichtsdienst und Briefkasten: Max Flegel. Sport: seigen: Kurt Scholz, sämt0340. hans Hornberg, Auscuzg Kurt„##iz san lich in Bochum. Berliner Schriftleitung: Michag#,Haup Berlin=Karlshorst, Dönhoffstraße 19, Aurgi, Kagepoorst 034 Berliner Anzeigenvertretung: F. W. v Charlottenburg, Uhlandstraße 194. Anruf O 1 Steinplat 6813. Verlag und Druck: Laupenmühlen&. Dierichs in Bochum, Ruf 67551, 52 53.— Zur Zeit ist Preisliste Nr. 6 gültig, Nachlaßstaffel B.— DA V. 36 über 26 500. Sprechstunden der Schriftlettung wochentags, außer Mittwochs und Samstags, von 16 bis 17 Uhr. Für unverlangte Einsendungen keine Haftpflicht. Rücksendung nur bei Rückporto. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten Seite 3 Nr. 149 7 Bochumer Anzeiger 7 Montag, 29. Juni 1936 Bochatnler Sieben Wochen schönes Wetter? Man soll ja bekanntlich den Zweifel von sich schieben, wenn eine schöne Hoffnung auftaucht. Aber hoffentlich geht es mit der Verwirklichung der Hoffnung in Ordnung, die uns das vergangene Wochenende gebracht hat. Am Samstag nämlich war Siebenschläfer, jener Tag, dessen Verlauf nach alten Regeln den Verlauf des Wetters für die nächsten sieben Wochen vorherbestimmen soll. Der Samstagvormittag ließ in dieser Beziehung nicht allzuviel hoffen, denn es war kühl und wolkig und sicherlich haben die meisten Leute für Samstag nachmittag und Sonntag ganz etwas anderes erwartet als Sonnenschein und sommerliche Wärme. Aber es kam eben anders und diesmal besser: Samstag nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr setzte sich die Sonne endgültig durch, es gab einen prächtigen Nachmittag und Abend und einen noch schöneren Sonntag. Da die Schützen augenblicklich ihre große Festzeit haben und da sich auch sonst an Fahrten ins Blaue und anderen Veranstaltungen über das Wochenende allerhand tat, wurde dieser freundliche Himmel natürlich mit besonderer Freude begrüßt. Und wenn der Siebenschläfertag, der 27. Juni, das hält, was er uns nach seinem Verlauf versprochen hat, dann sind wir zufrieden: dann gibt's nämlich den ganzen Juli über und noch tief bis in den August hinein schönes Wetter! Tragischer Tod eines Kindes Von der Mutter aus dem Fenster gestürzt Ein entsetzlicher Vorfall spielte sich am Samstag abend gegen.30 Uhr auf der Dorstener Straße, in Höhe der Gustavstraße, ab. Eine 28jährige Ehefrau, die sich in vorübergehender Abwesenheit ihres Mannes und ihrer beiden schulpflichtigen Töchter mit dem jüngsten Kinde, einem sieben Monate alten Knaben, allein in der Wohnung befand, stürzte das Kind aus dem Fenster ihrer im vierten Stockwerk gelegenen Wohnung auf die Straße hinab. Vorübergehende nahmen das schwerverletzte Kindchen sofort auf und brachten es zum nächsten Arzt, der für unverzügliche Ueberführung durch einen Kraftwagen zum Krankenhaus sorgte. Das Kind erlag aber noch unterwegs seinen schweren Verletzungen. Die Mutter, die, wie wir vernehmen, nervenleidend ist und bereits in einer Nervenheilanstalt war, wurde nach der Tat in Weinkrämpfen und bei dem Versuch, Selbstmord zu verüben, angetroffen. Man vermutet, daß sie die Tat in einem Anfall von geistiger Umnachtung ausgeführt hat. Ladenkasse bestohlen Am 26. Juni, zwischen 11 und 16 Uhr, wurde aus einer unverschlossenen Ladenkasse eines Geschäfts an der Hattinger Straße in Bochum ein Geldbetrag von 250 RM., bestehend aus einem Fünfzigmarkschein und zehn Zwanzigmarkscheinen, gestohlen. Wer kann zu dem Diebstahl Angaben machen? Mitteilungen werden erbeten von der Kriminalpolizei in Bochum, Uhlandstraße 35, Zimmer 245. Bestelung in greisbalei=Natze Der seit einer Woche eingeschlossene Knappe wohlauf Guter Fortschritt der Rettungsarbeiten Die Arbeiten für die Bergung des auf der Zeche Shamrock in Herne schon seit Montag voriger Woche eingeschlossenen Bergmannes Schmidt sind nun an einem so entscheidenden Abschnitt angelangt, daß der Erfolg nur noch von einigen Stunden abhängen kann. Seit Samstag morgen haben sich die gesamten Verhältnisse und Erscheinungen zugunsten des Eingeschlossenen verändert. Die Leitung der Rettungsmannschaften liegt in Händen von Bergrat Rudolf, Direktor Bergassessor Frohrath, Bergassessor Lenz und Betriebsführer Lammermann, die abwechselnd Tag und Nacht an der Unfallstelle sind. Während die Rettungsmannschaften bisher auf drei Drittel verteilt waren, ist jetzt eine Umstellung vorgenommen worden, und zwar arbeiten die Mannschaften jetzt auf vier Viertel, so daß es noch rascher vorwärts geht. Am Freitag abend fuhren Ingenieure der Flottmannwerke ein, um die Möglichkeit von Bohrversuchen zu prüfen. Man bohrt von untenher in einer Länge von etwa 20 Meter ein Loch. Kommt dieser noch sehr dünne Bohrer in die Strecke aus, in der der Eingeschlossene sitzt, dann will man den gleichen Versuch mit einem etwa 40 cm starken Bohrer machen, um dann den Eingeschlossenen durch eine Rohrleitung herauszuziehen. So ist man von zwei verschiedenen Stellen dabei, ihm die Rettung zu bringen, und in der Arbeit wetteifern beide Gruppen, die der Bohrer und der Bergmänner, mit dem Ziel, möglichst bald dem Eingeschlossenen die Rettung zu bringen. Die Unfallstelle Es ist das Flöz Röttgersbank das hier eine Stärke von etwa 12 Fuß hat, aber eine Störung aufweist. Der Eingeschlossene sitzt in der Strecke des Ortes 5. Der Raum, in dem er sich aufhält, ist etwa 17 Meter lang und 2,50 Meter breit. Die vor dem Unfall zu ihm hinführende Preßluftleitung von 80 Millimeter Durchmesser wird nun als Sprachrohr benutzt zwischen ihm und den Rettungsmannschaften. Ferner liegt dort eine 100 Millimeter starke Rohrleitung, durch die der Eingeschlossene Lebensmittel erhält. In jeder Schicht geht vom Tage ein großes Lebensmittelpaket in die Grube, dessen Inhalt Fleisch, Butterbrote, Tomaten, Keks, Weißbrot, Wurst, Milch ausgepackt werden. Der Eingeschlossene hat ein Drahtseil, an dem ein kleines Schiffchen befestigt ist, in das die Speisen hineingelegt werden. Auf ein Signal hin zieht der Eingeschlossene an dem Seil das Schiffchen zu sich hin, entleert es und läßt es dann wieder zurückziehen. Ganz nach Belieben geht er schlafen und schläft sehr gut. Er ist trotz seiner unfreiwilligen Haft zu manchem Scherzwort aufgelegt. Wie er sagte, hat er keine Lust mehr, dauernd Haferschleimsuppe zu futtern. Lieber wäre ihm schon ein Ende Bratwurst. Mit Interesse verfolgt er die Zeitungen und erkundigt sich nach den Arbeiten. Als er hörte, daß man zu ihm die 100 mm starke Rohrleitung trieb, um ihn mit Speisen zu versorgen, meinte er, daß er es dann noch lange aushalten könnte. Die gleiche Zuversicht, die der Verschüttete hat, beseelt die Sachverständigen und die Retter. Ohne aufzuschauen arbeiten die Kameraden, schaufeln in wilder Hast in der engen Ortsstrecke. Jeder Zentimeter neben ihnen und über ihnen wird ausgebaut mit Holz und mit Eisen. Durch die zusammengefallene Strecke wird ein Rahmenstollen getrieben, um nur möglichst schnell zum Ziel zu kommen. Erst nachdem das Werk gelungen ist, erfolgt der streckenmäßige Ausbau. Keiner der beschäftigten Männer schaut unnütz auf. Eine halbe Stunde, eine ganze Stunde, je nachdem sie einen Augenblick Ruhe bedürfen, wird gearbeitet. Wenn eine Ruhepause notwendig wird, springt eine Reservegruppe ein, die mit erhöhtem Tempo schafft. So geht es Meter um Meter weiter und bald ist das Werk getan. Die Retter haben starke Zuversicht, daß ihrem Schaffen der schönste Erfolg beschieden sein wird: einem Knappen das Leben, einer schwergeprüften Frau den Gatten und zwei schulpflichtigen Kindern den Vater wiederzugeben. Katerar schaftrup pei und Landwehrkameradschaft Die Bochumer Krieger= und Landwehrkameradschaft hatte sich am Sonntag vormittag im Evangelischen Vereinshaus zu einem Generalappell eingefunden, der nach dem Einmarsch der Fahne von dem Kameradschaftsführer Major a. D. Bering mit einer kurzen Begrüßungsansprache eröffnet wurde. Sein besonderer Gruß galt den Ehrengästen Rodenwald. Scharfenberg und Winkelmann sowie dem Ehrenmitglied van Oeven, der vor einigen Tagen seinen 75. Geburtstag feiern konnte und gleichzeitig 50 Jahre der Bochumer Krieger= und Landwehrkameradschaft angehört. Ebenso kann der Kamerad Jünkeler auf eine 50jährige Mitgliedschaft zurückblicken. Herzliche Worte fand der Kameradschaftsführer für die Toten der letzten Zeit. General Litzmann, den Bezirksführer des Landesverbandes Oberleutnant a. D. Schröder(Dortmund) und den General der Flieger Wever. Nach Aufnahme einiger neuer Mitglieder, die durch Handschlag verpflichtet wurden, erfolgte die Bekanntgabe von Führeranordnungen. Zu dem blauen Kyffhäuseranzug gehört neuerdings eine blaue Mütze. Im Anschluß an den Bericht über den 65. Führertag des Landesverbandes Westfalen des Deutschen Reichskrieger= bundes„Kyffhäuser" am 13. und 14. Juni 1936 in Bottrov. der sich eingehend mit den sozialen Aufgaben und Leistungen des Kyffhäuserbundes beschäftigte, folgte ein Bericht des Kameraden Volkhardt über das Schießwesen. Drei Kameraden wurde für besonders gute Leistungen die bronzene Ehrennadel überreicht. Kamerad Borutta, der einige Wochen in der Kyffhäuser=Erholungsstätte in Schierke weilte, gab einen ausführlichen Stimmungsbericht über seine Eindrücke in diesem Heim. Der am 4. und 5. Juli in Kassel stattfindende Reichskriegertag verspricht schon jetzt für alle Kameraden ein großes Ereignis zu werden. Für den Sonderzug, der Bochum am Samstag, 4. Juli, mittags, verläßt, sind 300 Karten für Bochumer Kameraden kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Es soll auch für die Kameraden gesorgt werden, die nicht alle Auslagen für diese Tage erübrigen können. Es wurde noch darauf hingewiesen, daß in Kassel noch die alten Militärmützen getragen werden dürfen. Zum Schluß des Kameradschaftsappells hielt Kreispropagaudawart A. Kauv einen Vortrag über das Thema:„150 Jahre Kyffhäuserbund.“ Der Vortragende gab zunächst einen Ueberblick über die Geschichte des Deutschen Reichskriegerbundes„Kyffhäuser" und kam dann auf die Ziele und Aufgaben des Bundes zu sprechen. Er schloß mit der Mahnung an alle Kameraden, die von dem Bundesführer Oberst a. D. Reinhard gestellten Aufgaben zu erfüllen. Bochums Schützenkleinodien von der Ausstellung in Münster zurück Die wertvollen Schützen=Ehrenzeichen des Bochumer Bürgerschützenvereins 1388, wie die Königskette mit den 38 Gedenkzeichen von Bochums Schützenkönigen und andere, die im Archiv aufbewahrt werden, befanden sich längere Zeit auf der Westfälischen Ausstellung von Zunft= und Schützengeräten in den Räumen des Landesmuseums zu Münster. Wegen ihrer kunstgewerblichen Eigenart von historischem Wert fanden sie dort die lebhafteste Beachtung. Nun sind die Schützenkleinodien nach Bochum zurückgekehrt, um zum kommenden großen Bochumer Schützenfest in den Tagen des 2. bis 4. Juli zur Krönung des Königspaares wieder verwandt zu werden. Zehn Mann gewannen 100 Mark Eine erfreuliche Ueberraschung erlebten am Sonntag vormittag zehn Arbeitskameraden eines Bochumer Werks, die nach einer Betriebsversammlung noch in fröhlicher Kameradschaft ein Stündchen in einer Wirtschaft am Stadtpark zusammensaßen. Ein„Glücksmann" verkaufte ihnen zwei Lose der Arbeitsbeschaffungslotterie und siehe da: das eine Los barg einen Gewinn in Höhe von 100 Reichsmark. Der Jubel war natürlich groß, zumal alle zehn das Geld gut gebrauchen konnten. Radfahrer schwer verletzt Die täglichen Verkehrsunfälle Am 27. Juni stießen auf der Ecke Essener Straße und Cimbernstraße ein Radfahrer und ein Kraftrad zusammen. Der Radfahrer wurde schwer verletzt und dem Elisabeth=Krankenhaus zugeführt. Das Fahrrad wurde vollständig zertrümmert. 10jähriger Junge angefahren Am 26. Juni wurde auf der Gahlenschen Straße ein 10jähriger Junge von einer Radfahrerin angefahren und an der linken Hand erheblich verletzt. Aerztliche Hilfe mußte in Anspruch genommen werden. Radfahrer gestürzt und leicht verletzt Auf der Wittener Straße stürzte am 26. Juni infolge Straßenglätte ein junger Mann mit seinem Rad. Hierbei wurde er von einem Motorradfahrer angefahren und leicht verletzt. Hdien abe! Die erste Müttererholungszeit der NSV. in Bochum beendet PTreinat täachen Wil dich meder... ..-Muthherr Kreisleiterin Frau Goebbels verabschiedet die Teilnehmerinnen an der ersten Müttererholungsfreizeit im Heim am Tippelsberg Nach dreiwöchiger Dauer ist die von der Bochumer NS.=Volkswohlfahrt zum ersten Male durchgeführte örtliche Müttererholung in dem für diese Zwecke neuerstellten Erholungsheim an der Tippelsberger Straße am Samstag nachmittag zu Ende gegangen. Was diese Ferientage den Müttern gewesen sind, läßt sich in Worten wenig oder gar nicht schildern. Oder man müßte selbst zu dieser Kameradschaft der Mütter gehört haben, die gleich vom ersten Tage an festgegründet dastand und unter der liebevollen Leitung der Mütterbetreuerin Fräulein Jesinghaus eine Form der Gemeinschaft annahm, die nicht so leicht gesprengt werden dürfte. Wäre allen dann der Abschied so schwer gefallen, wenn es nicht so gewesen wäre? Als man bei der„Henkersmahlzeit“, saß, noch einmal im trauten Kreise beisammen, inmitten die Kreisleiterin der NS.=Frauenschaft, Frau Goebbels die sich während der drei Wochen mit aufopfernder Liebe um die„Heimchen" bemüht hatte, damit Speise und Trank nicht fehlten, in dieser letzten Ferienstunde fiel jeder die Erinnerung an unvergeßliche Tage der Sorglosigkeit und des schönsten Glückes schwer auf die Seele. Niemand war da, der nicht gern noch länger geblieben wäre. Dieser Wunsch wurde auch laut geäußert. Aber es hieß sich bescheiden zugunsten anderer erholungsbedürftiger Mütter, denen die NS.=Volkswohlfahrt ebenfalls das Geschenk der Erholung machen will. Es mußte Abschied genommen werden, wenn auch schweren Herzens. Auf dem grünen Rasenplan vor der gastlichen Stätte war das letzte Gemeinschaftstreffen. Zum Zeichen dessen, daß die Müttererholung beendet war, wurde die Hoheitsfahne unter den Klängen des Fahnenliedes der Bewegung heruntergeholt. Kreisleiterin Frau Goebbels sagte ein kurzes Abschiedswort zur Beherzigung und Mahnung, das die Bitte enthielt, da draußen im Lande, an den Plätzen der Arbeit und der Pflicht, bei allen Bochumer Volksgenossen und besonders im häuslichen Pflichten= und Aufgabenkreis für die volkswichtigen und volksgemeinschaftsbildenden Ziele der NS.=Volkswohlfahrt zu werben. Die Bewegung und mit ihr die NS.=Frauenschaft wolle helfen, und sie werde niemals in ihrer Hilfsbereitschaft, die vom Volke zum Volke gehe und vom ärmsten wie vom reichsten Volksgenossen getragen werde, erlahmen. Der herzliche Händedruck der Mütter beim Abschied von der Kreisleiterin und der Mütterbetreuerin besagte alles. Sie werden ihr Leben lang nicht vergessen, was die NS.=Volkswohlfahrt in den Tagen der Müttererholung für sie getan hat. Sie werden lebendige Zeugen des nationalsozialistischen Tatwillens bleiben, wie es so treffend als gläubiger ehrlicher Verspruch aus dem Munde eines alten, alleinstehenden Mütterchens kam, das nach 16 Jahren Arbeit, Gram und Not zum ersten Male ausruhen und ausspannen, zum ersten Male sich von Herzen freuen durfte. Diese Freude wird für, ihren ganzen Lebensabend vorhalten. Der ersten Müttererholungsfreizeit, die dem Hilfsdienst der Bochumer NS.=Volkswohlfahrt ein glänzendes Zeugnis ausgestellt hat, werden bis zum Monat Oktober noch weitere folgen, und wir dürfen gewiß sein, daß sich diese segensreiche Einrichtung auch fürderhin aufs beste bewähren wird. BA.-Muthherr. So sieht das„Gautschen“ aus... und das macht Spaß! In welch starkem Maße in den einzelnen Betrieben das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Kameradschaft gepflegt werden, zeigte die Johannisfeier der Betriebsgemeinschaft Druck, Kreis Bochum, in Verbindung mit der NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ am Samstag abend in den Räumen des Parkhauses. Gleichzeitig erfolgte im Rahmen dieser Feier die Taufe der Buchdruckerlehrlinge, das sogenannte„Gautschen" und die Freisprechung der jungen Gesellen. Obwohl es gerade im Buchdruckgewerbe einige Dutzend Betriebsgemeinschaften gibt und die einzelnen Gefolgschaften mit ihren Führern an der Spitze im ganzen Saal verteilt waren, bildete man doch eine große Familie. Mit dem Marsch„Hoch Heidecksburg“, dargeboten von einem kleinen, aber ausgezeichneten Streichorchester unter der Leitung von Kapellmeister Bischoff, wurde der Abend eröffnet. Nach weiteren musikalischen Darbietungen entbot Kreisbetriebsgemeinschaftswalter Jenke seinen Arbeitskameraden einen herzlichen WillLommsgruß. Er sprach kurz von dem Erfinder der sedlen Buchdruckerkunst, Johannes Gutenberg, dessen Name hell über der ganzen Welt erstrahlt und den man als den friedfertigsten aller Welteroberer bezeichnen kann. Durch ihn hat sich der Ruhm Deutschlands in aller Welt verbreitet. Und wenn man heute eine Johannisfeier begehe, so wolle man als Jünger Gutenbergs dafür sorgen, daß im neuen Deutschland ewig das Johannisfeuer brenne. Mit einem dreifachen Sieg=Heil auf unseren Führer beendete er seine Ausführungen. Bevor man zu der im Mittelpunkt der Feier stehenden Taufe der Buchdruckerlehrlinge überging, wurde ein außergewöhnlich gutes, von der NS.=Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ zusammengestelltes Kleinkunstprogramm geboten. Walter Mattern, der als Ansager seines Amtes waltete, schleuderte dem Publikum nette Bosheiten ins Gesicht. Er hatte bald die Fühlungnahme zwischen Bühne und Publikum hergestellt. Die tänzerische Note vertrat Lya Lara, die mit eigenen Schöpfungen sich schnell in die Herzen der Zuschauer tanzte. Spitzenleistungen der Fußbalance zeigten F. und J. Kuhn. Kraft und Schönheit boten Bernt und Gloria dar; so leicht auch dieser moderne Plastikakt aussah, hinter den Leistungen verbarg sich ein ungeheures akrobatisches Können. Außerordentlich lustig waren die von Tom Jerfey gezeigten Schattenspiele und Zaubereien. Nach diesem abwechslungsreichen Programm, das den Beifall aller Anwesenden fand, traten die Buchdruckerlehrlinge auf die Bühne. Im Saal schmunzelte man schon, denn die Alten wissen, daß der alte Brauch des Gautschens mit reichlicher Wasserverwendung verbunden ist. Die Jünger Gutenbergs müssen nämlich, wenn sie Gesellen werden wollen, erst von Johannisfeier der Betriebsgemeinschaft Druck, Kreis Bochum Es wurde„gegautscht“ Seite 4 Nr. 149 7 Bochumer Anzeiger# Montag, 29. Juni 1936 4 - e. 45806 allen Schlacken befreit werden. Und das kann man am besten mit klarem, kaltem Wasser besorgen. Eingeleitet wurde der Gautschakt mit dem gemeinsamen Lied: „Brüder, reicht die Hand zum Bunde." Der„alte Herr Gutenberg“ nahm dann die jungen Gesellen in seine Obhut. Unter der Leitung des Gautschmeisters wurden die einzelnen Täuflinge vom ersten und zweiten Packer an Armen und Beinen gepackt und„Ad postiorem“, das heißt mit der Fortsetzung des Rückens, zunächst auf einen etwas„angefeuchteten Schwamm“ gesetzt und dann in eine Wanne mit Wasser getaucht. Dabei sagten die Packer: „Dreimal tauchen wir Dich nieder, kühlen Deine müden Glieder, Wasser kühlet Deinen Mut, so, nun ist die Sache gut.“ Bei diesem Gautschakt traten bei allen die Lachmuskeln in Tätigkeit, denn unter den Täuflingen gab es einige, die mit der Taufe gar nicht einverstanden waren. Sie wehrten sich mit Händen und Füßen gegen die Packer, konnten aber nichts ausrichten; dafür wurden sie für ihr„mutiges" Verhalten etwas tiefer als gewöhnlich getaucht. Ein ganz Schlauer, der schon vorher wußte, was hier gespielt wurde, hatte zur Vorsicht unter seinem Kittel nur eine Badehose an. Im Anschluß an die Taufe erhielten die Täuflinge den Gautschbrief überreicht, der den vollzogenen feierlichen Akt des Gautschens bestätigt. Damit war allerdings die Sache noch nicht erledigt. Bevor sie mit nassen Hosenböden abgehen konnten, mußten sie sich mit dem Rücken zum Publikum gewandt aufstellen. Erst nach drei Schlägen mit einer Bürste galten sie als in den Bund der Verschwiegenheit ausgenommen. Mit dem Gautschakt war die Feier noch nicht beendet. Jetzt ging's erst richtig„rund“, spielte die Kapelle Bischoff zum Tanz auf. Daneben gab es eine Tombola, bei der allerlei nette und volle Gewinne gezogen wurden. Daß bei den Buchdruckern auch„preisquadrätelt“ wurde, braucht eigentlich gar nicht erwähnt zu werden. Gemeinschaftswille und Sozialismus Betriebsversammlung der Eisen= und Hüttenwerke AG., Bochum Am Sonntag morgen fand in den Räumen des Parkhauses eine Betriebsversammlung der Eisen= und Hüttenwerke AG. Bochum statt. Betriebszellenobmann Heinrich eröffnete den Betriebsappell mit Worten des Dankes an die Belegschaft, deren zahlreiches Erscheinen er als ein Zeichen, der großen Perksverbundenheit wertete. Es rückten die Faynen ein, begrüßt von den Klängen des Werksorchesters. Anschließend ergriff Gefolgschaftsführer Direktor Make das Wort zu einem kurzen Rechenschaftsbericht über den derzeitigen Stand des Unternehmens, das durch größere Aufträge aus dem In= und Auslande gesicherter denn je dasteht. Ueber seinen weiteren Ausführungen stand der Gedanke der Gemeinschaft, dessen Notwendigkeit zur Sicherung und Festigung der Betriebsgemeinschaft unter dem führenden Gesichtspunkt des nationalsozialistischen Wollens in einem Vortrage des Kreisredners Schmidt ven der Deutschen Arbeitsfront näher begründet wurde. Die unterschiedliche und bis in alle Einzelheiten gehende Darstellung des Sozialismus von gestern mit all seinen üblen Begleiterscheinungen, unter deren verheerenden Auswirkungen die ganze Welt noch heute leidet, führte zur Erkenntnis des echten Sozialismus von heute, wie er im Deutschland des Dritten Reiches verstanden und in die Tat umgesetzt wird. Darbietungen des Werksorchesters und der Gesangabteilung gaben der werklichen Gemeinschaftsstunde eine würdige Umrahmung. Alte Kammermusik Die„Vereinigung zur Pflege alter Haus= und Kammermusik“ möchte auch in sommerlichen Tagen von ihrer Arbeit Kunde geben und versuchte am Ende der Konzertsaison ihre Freunde im Wichernhaus zu versammeln. Mit Freuden folgten die Anhänger der Einladung, und kaum geringer war der Besuch als in den Wintermonaten. Entsprechend dem Charakter einer sommerlichen Abendmusik verzichtete man auf einen erläuternden Vortrag und ließ die Werke freundlicher und heiterer Stimmung für sich sprechen, Kompositionen, die, wie immer, durch die besondere Art ihrer instrumentalen Besetzung schon Interesse wecken. Violine, Gambe und Kontrabaß ist solch eine ungewohnte, auch in der damaligen Literatur nicht alltägliche Zusammenstellung. Michael Haydn wendet sie in seinem frischen und melodiosen=durDivertimento geschickt und mit köstlichen klanglichen Wirkungen an. Zu der von Oswald Kuhn stilistisch sicher geführten Kurzhalsgeige und der von Hans Grumbt vorgeführten Gambe mit Bünden trat erstmalig Ewald Mahn, der den massigeren Ton des Kontrabasses einfühlend und klug dem intimen Ensemblespiel anpaßte. Die neue Orgel zeigt sich als nicht minder interessante, verwendbare Erweiterung des Klangbildes und gibt wie in Händels Kammertrio dem Musizieren der Violine und Gambe dunkelfarbigen, tragenden Grund. Johanna Menzel, die gewandte Künstlerin am Cembalo, findet sich mit der gleichen musikalischen Intelligenz und technischen Gründlichkeit in das Orgelspiel ein. Gesänge mit der fein klingenden Begleitung jener Evoche steuerte Grete Hardt in der ihr eigenen Musikalität bei, Bachs„Zephirrus"=Arie und Gesänge von Händel. Eine farbige Suite von Herbelois und Buxtehudes=moll=Sonate beschlossen das mit großem Interesse verfolgte und mit herzlichem Beifall für die Darbietenden ausgenommene, nicht zu anstrengende Programm. S. Die Schule greift ein Kampf dem Kartoffelkäfer Der Kreisamtsleiter des NSLB. Schulrat Wulfes berief die Vertrauensmänner der einzelnen Schulen aller Gruppen zu wichtigen Besprechungen zum Bochumer Hof. Der Direktor der Bochumer Bauernschule sprach zuerst über den Kolorado=(Kartoffel=)käfer. Nach den Ausführungen des Redners kann dieser Käfer eine Ernährungskatastrophe herbeiführen, wenn er nicht rechtzeitig erkannt und vertilgt wird. Es ist deshalb die Aufgabe auch des Besitzers des kleinsten Gartens, mit auf der Hut zu sein. Präparate, bestehend aus einem Käfer und Larven in den verschiedensten Stadien, sind den Schulen zur Verfügung gestellt. Aufgabe der Schulen wird es jetzt sein, die Gedanken des Vortrages ins Volk zu tragen und belehrend zu wirken, damit die Bekämpfung rechtzeitig und sachlich vorgenommen werden kann. Hierzu stehen in mehreren Großstädten ausgebildete Kolonnen zur Verfügung. Beim Auftreten und Erkennen des Käfers ist nur eine Meldung bei der Polizei erforderlich. In der Weltstan des Ehirargen und Arzier Werbeversammlung der Ortsgruppe Groß=Bochum im Reichsbund der Körperbehinderten Die Bochumer Ortsgruppe der Körperbehinderten läßt es an der Betreuung ihrer Mitglieder in keiner Hinsicht fehlen. Diesen Eindruck gewann man von der Samstag abend im Bundeslokal Hilgert an der Rottstraße abgehaltenen Werbeversammlung. Die Ankündigung, daß Professor Dr. Bürcle de la Camp, der Leiter der chirurgischen Abteilung des Bergmannsheils, über Fragen der angeborenen und erworbenen Körperbehinderung sprechen wollte, hatte den Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Als Professor Dr. Bürcle de la Camp mit den Worten sich einführte, daß er nicht in seiner Eigenschaft als Arzt und Chirurg gekommen sei, der vielleicht aus Selbstgefälligkeit an seinem Berufe eine wissenschaftliche Vorlesung halten wolle, sondern nur als Mensch, dem das Helfenwollen um jeden Preis letztes Ziel seines Wissens sei, ein Ausspruch, den er für den gesamten Stand der deutschen Aerzteschaft getan haben wollte, da hatte er nicht nur die Sympathien, sondern das restlose Vertrauen aller Anwesenden auf seiner Seite. Sein Lichtbildervortrag, alles Aufnahmen aus den Kliniksälen des hiesigen Bergmannsheils, zum Teil ganz neuen Datums, führte in die einem großen Teile der Oeffentlichkeit ganz unbekannte Werkstatt des Arztes und Chirurgen, dessen Tätigkeit ganz aufgeht in der Sorge für den Krüppel und gebresthaften Menschen. Zur Erörterung stand vor allem das Gebiet der kosmetischen und plastischen Operation, auf dem das Bergmannsheil ganz hervorragende Erfolge erzielen konnte. Der Beweis wurde erbracht, daß alles getan wird, um den Körperbehinderten das Gefühl zu nehmen, als wären sie ein wertloses Glied der menschlichen Gesellschaft, ein Abseitsmensch und zu nichts mehr nutze. Diese ganz unbegründete Annahme widerlegte vor allem der Schmalfilmstreifen über die Behandlung der „Prothesenleute", die trotz der an ihnen vollzogenen Bein= und Armamputationen in dem Gebrauch der ihnen verbliebenen Gliedmaßen Erstannenswertes leisten, so daß sie nach erfolgter Entlassung in den meisten Fällen durchaus imstande sind sich irgendwie beruflich betätigen zu können. Der Vortrag, mit ground den Mut, sich jeden Tag das Leben neu zu erobern..44 Ueber die Arbeit der Rechtsberatung im Reichsbund der Körperbehinderten hielt der Rechtsberater und langjährige Vertreter vor den Spruchkammern, Bundeskamerad Büchel, ein aufklärendes Referat. Der Bedeutung des Reichsbundes entspricht es auch, wenn ihm in allernächster. Zeit die Unfallverletzten zugeführt werden sollen. Diese Maßnahme bedingt örtlich eine Umstellung der Organisation, über die sich Ortsgruppenleiter und Kreiswart Nußbaum kurz äußerte. Die Ortsgruppe Groß=Bochum ist aufgeteilt worden in die Stützpunkte Bochum=Stadt, Langendreer=Werne, LindenDahlhausen, Gerthe=Hiltrop=Bergen=Harpen. Die Stützpunktleiter werden demnächst ernannt. Ab 1. September 1936 Urlaubskarten, Urlaubsmarken und Urlaubsgeld am Postschalter Im Anschluß an die Verordnung des Reichsarbeitsministers über die Einführung von Urlaubskarten und Urlaubsmarken ist jetzt die Verordnung des Reichspostministers über den Vertrieb dieser Karten und Marken sowie über die Auszahlung des Urlaubsgeldes erschienen. Hiernach werden Urlaubskarten und =marken vom 1. September 1936 an bei den Postanstalten vertrieben. Die Karte kostet 10 Reichspfennig. Die Marken werden zum Nennwert von 5, 10, 20, 30, 50 und 100 Reichspfennig abgegeben. Das Urlaubsgeld wird ebenfalls bei den Postanstalten ausgezahlt, und zwar gegen Rückgabe der Urlaubskarte und in Höhe der in der Urlaubskarte verklebten Urlaubsmarken Auf Verlangen kann der Betrag auf ein Postscheckkonto überwiesen werden. Für den Vertrieb der Urlaubsmarken und für die Auszahlung des Urlaubsgeldes hat der Unternehmer für jeden 16 Wochenabschnitte umfassenden Teil der Urlaubskarte 30 Reichspfennig in ßem Beifall aufgenommen, weckte das Selbstvertrauen Postwertzeichen zu verkleben. Den Innungen Deutscher Stil in der Mode Aus dem Schneiderhandwerk.— Das Gütezeichen. Die Herrenschneider=Innung für die Stadtkreise Bochum und Wattenscheid hielt ihre ordentliche Vierteljahrsversammlung, die vom Obermeister H. Bube eröffnet und geleitet wurde, am 24. Juni im Saale der Tonhalle ab. Nach Bekanntgabe geschäftlicher und innungseigener Mitteilungen sprach der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Dr. Grünewald über die Wirtschafts= und Preisentwicklung, unter besonderer Berücksichtigung des Schneiderhandwerks. Im gesamten Herrenschneiderhandwerk bestehen 126000 Betriebe mit 210 000 beschäftigten Personen. Die Arbeitsbeschaffungspolitik der Reichsregierung hat dem Handwerk in weitgehendem Maße einen Auftrieb gebracht; zu den Handwerkszweigen, die noch mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, gehört auch die Maßschneiderei Die Ursachen hierfür wurden aufgezeigt und weiter ausgeführt, daß das Schneiderhandwerk sich selbst vorwärtsbringen und behaupten muß. Der anschließend erstattete Rechnungsbericht ergab die ordnungsmäßige Finanz= und Verwaltungsführung der Innung. Nachdem Schneidermeister Schulze(Bochum=Langendreer) über den Reichshandwerkertag sowie die Zusammenarbeit von Arbeitsfront und handwerklicher Berufsorganisation gesprochen hatte, erstattete der Obermeister einen ausführlichen Bericht über den deutschen Schneidertag, der im Anschluß an den Reichshandwerkertag in Frankfurt am Main stattfand. Auf der Tagung wurden die fachlichen, wirtschaftlichen und beruflichen Fragen des Schneiderhandwerks, das berufliche Ausbildungs= und Prüfungswesen erörtert sowie die Maßnahmen zur fachlichen und wirtschaftlichen Ertüchtigung des Handwerks. Von besonderem Interesse ist die Einführung des Gütezeichens für Maßkleidung, um das gute handwerkliche Erzeugnis gegenüber minderwertigen Produkten eindeutig zu kennzeichnen und herauszustellen. Die stattgefundene Modetagung über die Schneidermeister Fr. Dreher berichtete, bot einen beachtenswerten Einblick in die kulturellen Bestrebungen des Herrenschneiderhandwerks. Um den deutschen Stil in der Herrenmode zu fördern, hat der Reichsinnungsverband im Rahmen seiner Organisation ein eigenes Modeamt geschaffen. Das kulturelle Ziel dieses Modeamtes liegt darin, das Kleidbild unseres Volkes entsprechend der geistigen Haltung unserer Zeit zu gestalten. Der Obermeister Bube wies zum Schluß auf die kräftig zu beteiligen, da nur in der Leistung und im Fortschritt die Zukunft des Schneiderhandwerks begründet sei. Tagung der Elektrogemeinschaft Bochum Am Freitag nachmittag fand in der Verwaltungsakademie eine Zusammenkunft der Elektrogemeinschaft Bochum statt. Nach der Begrüßung der Erschienenen durch Oberingenieur Paetsch wurde zunächst in eine Besprechung des durch den Reichswirtschaftsminister genehmigten Abkommens über den Vertrieb und die Verarbeitung elektrotechnischer Artikel, insbesondere von Installationsmaterial, und die Regelung des Verkaufs von Installationsbaumaterial eingetreten. Das Abkommen erstrebt eine Marktbereinigung des elektrotechnischen Fachgebietes und eine Unterbindung der Schwarzarbeit im Interesse der Sicherheit. Es wird allen Mitgliedern der an dem Abkommen beteiligten Fachgruppen zur Pflicht gemacht, nur noch elektrotechnische Artikel zu vertreiben und zu verarbeiten, die den jeweils gültigen Vorschriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker entsprechen. Der Reichsverband der Mittelund Großbetriebe des Deutschen Einzelhandels hat seine Mitglieder verpflichtet, auf den Vertrieb von elektrotechnischen Installationsbaumaterialien zu verzichten. Die Mitglieder der übrigen Wirtschaftsgruppen und Verbände haben die Verpflichtung, elektrotechnische Installationsbaumaterialien nur noch an Angehörige des Elektro= Installateur=Handwerks und an Personen, welche die Berechtigung zur Ausführung von elektrischen Starkstromanlagen besitzen, zu verkaufen. Es wurde eine Kontrollkommission gebildet, die die Durchführung dieser Maßnahmen überwachen soll. Im Rahmen der von dem Reichsnährstand und der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Elektrowirtschaft unter dem Namen„Kampf dem Verderb“ durchgeführten Gemeinschaftswerbung hielt sodann Oberingenieur Fiege einen Vortrag über die Elektrokühlung. In der Erntezeit herrsche in Deutschland ein Ueberschuß an Lebensmitteln, der zum Teil infolge ungenügender Lagerung und Kühlung dem Verderb preisgegeben sei. Es gingen auf diese Weise jährlich etwa 1,5 Milliarden Reichsmark verloren. Es sei notwendig, den Lebensmittelbedarf aus eigener Scholle zu decken, um vom Auslande unabhängig zu sein. Um dies zu erreichen, müsse eine planmäßige Vorratswirtschaft getrieben werden, die nur durch die ElektrokühEinpfennig=Sonderzug Bochum—Berlin zur Ausstellung„Deutschland“ In der Zeit vom 18. Juli bis 16. August 1936, also bis zum Schlußtag der Olympischen Spiele, findet auf dem gesamten Ausstellungsgelände der Reichshauptstadt die große Ausstellung„Deutschland“ statt, deren Schirmherrschaft der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda übernommen hat. Da hunderttausende deutsche Volksgenossen während der Olympiade, also vom 1. bis 16. August, nicht nach Berlin kommen können, werden aus allen Gauen Sonderzüge nach Berlin fahren. Aus dem Gau Westfalen=Süd fährt am Samstag, 18. Juli,.28 Uhr ab Bochum Hauptbahnhof ein Sonderzug. Der Zug ist 16.03 Uhr in Berlin, die Ruckfahrt wird am 19.., 23.49 Uhr, ab Berlin angetreten. Der Fahrpreis beträgt bei 1 Pfennig pro Kilometer hin und zurück 9,70 Reichsmark. Anmeldungen nehmen überall die Gau=, Kreis= und Ortsgruppen=Propagandaleitungen entgegen. Durch die außergewöhnliche Verbilligung wird es jedem ermöglicht, die Ausstellung„Deutschland“ und darüber hinaus noch das Reichssportfeld mit seinen gewaltigen Kampfstätten und Bauten zu besichtigen. Wer das Reichssportfeld vor Beginn der Olympiade gesehen hat, wird am Lautsprecher die Wettkämpfe viel intensiver erleben können. Der Preis für den Besuch der Ausstellung, Besichtigung des Reichssportfeldes einschließlich Führungen und Zubringerdienste von den Bahnhöfen zum Reichssportfeld und zur Ausstellung „Deutschland“ ist ebenfalls besonders verbilligt und beträgt insgesamt 2,10 Reichsmark. Die Anzahl dieser stark verbilligten Sonderzüge ist beschränkt, Bestellung ist deshalb im eigensten Interesse bei den Ortsgruppen der NSDAP. sofort notwendig. Standortanmeldung im Güternahund Güterfernverkehr Der Polizeipräsident in Bochum teilt mit: Nach einem Ministerialerlaß ist die nach§ 9 der Durchführungsverordnung zum Güterfernverkehrsgesetz vom 27. März 86 vorgeschriebene Anmeldung der Kraftfahrzeuge des Güterfernverkehrs bis zum 1. August 86 zu bewirken. Die nach§ 10 der Durchführungsverordnung vorgeschriebene Kennzeichnung der Kraftfahrzeuge im Güterfernverkehr muß bis zum 1. Oktober 1986 angebracht sein. Für die nach§ 9 der Durchführungsverordnung vorgeschriebene Anmeldung der im Güternahverkehr verwendeten Kraftfahrzeuge für einen bestimmten Standort ist nunmehr Frist bis zum 31. Dezember gesetzt. Die Reichsverkehrsgruppe Kraftfahrgewerbe hat für die Anmeldung der im Güternahverkehr verwendeten Kraftfahrzeuge ein Formblatt herausgegeben, das von der Fachgruppe Güternahverkehr in Berlin=Dahlem, Schorlemer Allee 28, bezogen werden kann. Alle Unternehmer im Güternahverkehr, die noch keine Standortanmeldung nach dem vorgeschriebenen Vordruck eingereicht haben, werden aufgefordert, sich das Formular noch zu beschaffen und der zuständigen Zulassungsstelle einzusenden. Wegen des Zeitpunktes, an dem die für die Kraftfahrzeuge des Güternahverkehrs vorgesehene Kennzeichen anzubringen ist, ergeht noch weitere Anordnung. Selbsthilfebestrebungen sowie die durch die Innung! lung zu erreichen sei. An Hand von Lichtbildern zeigte veranstalteten Fortbildungsmöglichkeiten hin und for=der Vortragende die vielseitige Verwendungsmöglichkeit derte die Mitglieder auf, sich an ihnen weiterhin tat= elektrischer Kühlanlagen. Wegen erwiesener Schuldlosigkeit freigesprochen Am Ende dei Schwulgerichternir?. Die angeblich gefälschte, aber doch echte Unterschrift Stadttheater: Geschlossen Odeon: ab 15.30 Uhr: Das letzte Fort. Skala=Lichtspiele: ab 17.00 Uhr: Das letzte Fort. Tonhalle: ab 15.30 Uhr: Tanzmusik. Weltlichtspiele: ab 15.15 Uhr: So endete eine Liede. Apollotheater: ab 15.50 Uhr: Bosambo. Capitol: ab 15.15 Uhr: Vergitzmeinnicht. Gloria=Palast: ab 15.30 Uhr: Lockenköpschen. Hammer Lichtspiele: Geschlossen. Lichtburg: ab 15.15 Uhr: Der Abenteurer von Paris. Lichtspielhaus: ab 15.30 Uhr: Die scharlachrote Blume. Saté Zuchs=Grünewald Am Samstag ging die Schwurgerichtsperiode am Bochumer Landgericht nach zweiwöchiger Dauer mit einem Meineidsprozesse zu Ende. Angeklagt war ein älterer Einwohner namens N. aus.=Harpen, der in einer Privatklagesache unter Eid bekundet hatte, daß eine mit dem Namen Martin Hermann unterschriebene eidesstattliche Versicherung in seiner Gegenwart in der Küche der Schwägerin des Hermann von diesem unterzeichnet worden sei. Hermann aber bestritt, von dieser Unterschrift etwas zu wissen und erklärte, sie sei gefälscht. Wenn die Unterschrift aber falsch war, so mußte der Zeuge N. einen wissentlichen Meineid geleistet haben. Diese Annahme fand eine gewisse Bestätigung darin, daß ein Schriftsachverständiger nach Prüfung der Unterschrift diese als eine freie Fälschung erkannt haben wollte. Da der unbeschaltene N. aber immer noch bei seiner Darstellung blieb, wurde auf Gerichtsbeschluß ein zweites Gutachten eines Duisburger Schriftsachverständigen eingeholt, der auf Grund genauer mikroskopischer Untersuchung zu der Ueberzeugung kam, daß die Unterschrift doch echt sei. Wenn die Unterschrift eigenartige Merkmale trage, so rühren sie daher, daß eine schlechte Feder bei wenig Tinte benutzt worden sei. Angesichts der widersprechenden Gutachten wurde auf Veranlassung der Verteidigung und des Gerichts ein Obergutachten eingeholt, das der Universitätsprofessor Müller in Göttingen erstattete. Dieses Gutachten kam gleichfalls zu der bestimmten Feststellung, daß Martin Hermann die Unterschrift selbst geleistet habe und daß eine Fälschung keineswegs vorliege. Im Hintergrund der ganzen Sache schwebt eine Darlehnsforderung unter Verwandten in Herne, die untereinander im heftigsten Streite liegen. Ein ganzer Rattenkönig von Prozessen und Anzeigen hat hineingespielt, Anzeigen wegen Betrugs, Meineids, wissentlich falscher Anschuldigung usw. spielt um diese Angelegenheit, und man hat es anscheinend mit einer sehr dunklen Angelegenheit zu tun, die erst noch der letzten Aufklärung harrt. * Nach Lage der Sache beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung des wegen Meineids angeklagten N. Das Gericht entsprach diesem Antrage und erklärte ausdrücklich, daß N. nicht wegen Mangels an Beweisen habe freigesprochen werden müssen, sondern weil das Gericht auf Grund der beiden übereinstimmenden Gutachten die Ueberzeugung gewonnen habe, daß N. unter Eid durchaus die Wahrheit bekundet hätte und seine Schuldlosigkeit sich herausgestellt hatte. Der Angeklagte konnte den Gerichtssaal demnach mit hocherhobenem Haupte und von jedem schimpflichen Verdachte gereinigt verlassen. Für seine Gegenspieler, die demnach eine böse und ganz gemeine Sache im Schilde führten, wird sich jetzt wahrscheinlich der Spieß umdrehen. Sozialismus der Tat. In der Bömmerdelle hat der Volksgenosse L. Knapvmann(Werne) seine rund ein Morgen große Liegewiese als Licht=, Luft= und Sonnenbad der NSV. zur Verfügung gestellt. Die Wiese liegt in schönster Höhenlage und man hat von hier einen wunderbaren Fernblick auf die Stadt Witten und das Ardeygebirge. Ortsverband Bochum für Innere Mission e. V. Vom 27. Juni 1936 an befinden sich die Diensträume der Inneren Mission Bochum nicht mehr Trankgasse 6, sondern jetzt Mühlenstraße 25, Evangelisches Vereinshaus. Sturz vom Dach. In den Vormittagsstunden am Samstag fiel der Klempner Heinrich W. bei Ausführung von Dachreparaturen von einem Dache in der Herner Straße. Mit einem Beinbruch und einer Kopfverletzung wurde der Verletzte ins Krankenhaus geschafft. Bochumer Veranstaltungen Stadttheater Bochum. Morgen:„Die Walküre“, das letzte Werk der Kölner Oper in dieser Spielzeit. Die must kalische Leitung des Abends liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Fritz Zaun. Die Hauptpartien werden gesungen von Marietheres Henderichs, Aga Joesten, Ruth Jost=Arden, Lotte Werther, Henny Neumann=Knapp, Elsa Oehme=Foerster, Anni Oertzen, Käthe Russart, Olga Tschörner, Adelheid Wollgarten, Carl Hartmann, Siegfried Tappolet, Emil Treskow. RS.=Kulturgemeinde e. V. Um den Mit gliedern des Ortsverbandes Bochum den Weg zur Geschäftsstelle zu erleichtern, wird diese ab Montag vom Lueghaus, Zin mer 1, zur Viktoriastraße 38 Erdgeschoß, links(Ruf 64390)— Nähe Marienkirche— verlegt.. Di Geschäftsstunden sind täglich von 9 bis 13 Uhr und 16 bis 19 Uhr, samstags bis 13 Uhr. Anmeldungen zur neuer Spielzeit werden bereits tetzt entgegengenommen. Die NS.=Kulturgemeinde e.., Ortsverband Bochum, Viktoriastraße 38, Ruf 643 90. „Kraft durch Freude“ Mit KdF. nach Detmold! Am 4. nächsten Monats werden wir nach Detmold fahren. Es ist vorgesehen, erst das Bad Lippspringe zu besuchen, anschließend bei den Externsteinen, dem germanischen Heiligtum, haltzumachen und schließlich noch das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald aufzusuchen. Zwei Möglichkeiten sind geboten. Entweder fährst du am 4. bis zum 5. Juli mit, und die Fahrtkosten betragen in diesem Falle einschließlich Unterkunft und Verpflegung 9,10 RM., oder aber du fährst am 5. Juli mit, die Fahrtkosten betragen alsdann.60 RM. Meldungen hierzu nehmen alle KdF.=Orts= und=Betriebswarte oder die Verkaufsstelle, Kortumstraße 114, entgegen. GRraft durch Freude. Den Dank an die Geschworenen am Ende der Schwurgerichtsperiode brachte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Weustenfeld, zum Ausdruck und rühmte das Verantwortungsbewußtsein, mit dem sie sich in die oft sehr schwierigen Rechtsstoffe eingearbeitet hätten, und das Verständnis, das sie bei der Schattung volksnaher Rechtsprechung gezeigt hätten. Tagesplan für Montag, 29. Juni Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer von 20 bis 22 Uhr, Turnhalle des Freiherr=vom=Stein=Ober lyzeums, Bleichstraße. Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen von 18.30 bis 20 Uhr, Gymnastikschule in der Kommunalbank. Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle in Höntrop. Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen von 20 bis 22 Uhr, Turnhalle des Gymnastums, Bismarckstraße: von 20 bis 22 Uhr, Gymnastikschule in der Kommunalbank. Reichssportabzeichen für Frauen und Männer von 20 bis 21.30 Uhr in der Turnhalle der Drusenbergschule, Drusenbergstraße. Schwimmen für Frauen und Männer von 21.15 bis 22.30 Uhr in der Städt. Badeanstalt, Marienstraße; von 20 bis 21 Uhr im Osthafen der Badeanstalt, Wanne=Eickel. Rollschuhlausen für Frauen und Männer von 20 bis 22 Uhr, Turnhalle des Reformrealgymnastums, Königsallee. Schwimmen für Frauen und Männer von 19.30 bis 20.30 Uhr, Freibad Beckmannshof, Wattenscheid. Volkstanz für Frauen und Männer von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle der Friedenschule, Friedenstraße; in de Turnhalle des Reformrealgymnastums,.=Langendrees Unterstraße 73: ab 19.30 Uhr für Anfänger, ab 20.30 11 1nterstraße für Fortgeschrittene. (Weitere Lokalnachrichten auf Seite 14. Seite 5 Nr. 149, Bochumer Anzeiger 7 Montag, 29. Juni 1936 Hch. Hoffmann. Der 14 Jahre alte Hitlerjunge Erich Fiebiger aus Senftenberg errettete sieben Kinder vom Tode des Ertrinkens. Der jugendliche Lebensretter wurde jetzt vom Führer empfangen und erhielt als Geschenk eine goldene Uhr Hch. Hoffmann Nach der Landung des von Frankfurt kommenden Sonderflugzeuges auf dem Flughafen Tempelhof wurde Max Schmeling von den begeisterten Berlinern stürmisch begrüßt. Hinter Schmeling seine Mutter und seine Frau Anny Ondra=Schmeling. Rechts in der Menge SA.=Obergruppenführer Brückner, der Schmeling im Auftrage des Führers begrüßt hatte Scherl-Bilderdienst Erstes Originalphoto vom Schmeling—Louis=Kampf. Wir sehen einen Kampfmoment aus der letzten Runde. Louis ist schon am Boden Hch. Hoffmann Der italienische Staatssekretär und Luftarmeegeneral Valle, der inzwischen Berlin wieder verlassen hat, wurde am Samstag vom Führer in der Reichskanzlei empfangen Scherl-Bilderdienst Bereits am Tage ihrer Ankunft in Berlin(Freitag) haben die japanischen Olympiaschwimmer mit dem Training begonnen. Unsere Aufnahme zeigt die japanischen Schwimmer bei Freiübungen im Olympia=Schwimmstadion auf dem Reichssportfeld Hch. Hoffmann Anläßlich des Besuches des Panzerschiffes „Admiral Scheer“ in Stockholm stattete König Gustaf von Schweden dem deutschen Kriegsschiff einen Besuch ab. Auf unserem Bilde begrüßt der König von Schweden die deutschen Seeoffiziere Hch. Hoffmann Haile Selassie, der einstige Beherrscher Abessiniens, weilt bekanntlich seit einigen Tagen in Genf, um die Interessen seines Heimatlandes im Rahmen des Völkerbundes zu vertreten. Unsere Aufnahme ist bei der Ankunft des Negus auf dem Hauptbahnhof von Genf gemacht worden 8 Seite 6 Nr. 149 7 Bochumer Anzeiger“ Montag, 29. Juni 1936 Runsk und Wissen 1546 . „Die Jamtkle Jalrollenkeit Kleill-Erliautführung im Stadttheater Lehrlings= und Gesellenarbeiten sind keine Meisterwerke. Weder werden in der Natur, noch in der Kunst Sprünge gemacht, und nach biologischen Wachstumsgesetzen formt und entwickelt sich geistiges und seelisches Wesen. Im Drama erleben wir den künstlerischen Austrag einer kämpferischen Lebenshaltung, mag diese nun dem Schicksal entgegenstehen, eine große Idee antreiben oder in einem Charakter Gestalt annehmen. In Heinrich von Kleists dramatischem Erstling, dem Trauerspiel„Die Familie Schroffenstein", zeigen sich trotz der Dumpfheit eines vom tätigen Leben her noch nicht geadelten Schicksalsbegriffes Ansätze zur Charaktergestaltung, die den kommenden großen Dramatiker ahnen lassen. Ein Abbild seiner chaotischen Seele ist dieses schaurige, blutrünstige Ritterstück, in dem die Menschen wie mit verbundenen Augen umherlaufen und vom satyrhaften Schicksal verhext und geäfft werden. Es ist in gleichem Maße überspannt, bitter und vessimistisch wie es der junge Kleist selber war, es illustriert gleichsam die verheerende Wirkung der vom Dichter mißverstandenen Kantischen Philosophie, nach der es dem Menschen nicht erlaubt ist, die Dinge in ihrem Ansichsein zu erkennen.„Irrtum und Täuschung ist alles“ das ist der Weisheit letzter Schluß des Vierundzwanzigjährigen, dessen Kraft sich vorerst in der Wucht der Anklage und in der Ironie äußert, mit der er die sogenannte„sittliche Weltordnung“ von ihrem Thron herunterzerrt. Mehr noch, das Schicksal der Schroffensteiner ist eine Bankrotterklärung der Vernunft, des logischen Schlusses, und gewiß ist es nicht zufällig, daß sich den Liebenden, und nur ihnen, der Himmel der Mißverständnisse aufklärt. Das elementare Gefühl und nicht die blinde Vernunft, die an jedem Regau: Dirne des Irrtums werden kann, birat die Es ist aufschlußreich, einmal Einblick in den Briefwechsel zu nehmen, den Kleist führte, während er an seinem Drama arbeitete. Hier findet sich die gleiche erhitzte gefühlsbetonte und verstandesfeindliche Sprache. An Wilhelmine von Zenge, sein Braut, schreibt er aus Paris 1801:„Das Leben ist das einzige Eigentum, das nur dann etwas wert ist, wenn wir es nicht achten. Verächtlich ist es, wenn wir es nicht leicht fallen lassen können, und nur der kann es zu großen Zwecken nutzen, der es leicht und freudig wegwerfen könnte.“ Seinem Ottokar legt er selbstbekennend die Worte in den Mund: „Das Leben ist viel wert, wann man's verachtet!“ Und ist es nicht die seelische Atmosphäre des SchroffensteinerDramas, wenn er schreibt:„Alles liegt in mir verworren, wie die Wergfasern im Spinnrocken, durcheinander, und ich bin vergebens bemüht, mit der Hand des Verstandes den Faden der Wahrheit, den das Rad der Erfahrung hinausziehen soll, um die Spule des Gedächtnisses au ordnen““ i, Hhan dar Lansan Sleift b. Wir müssen, wenn wir schon den ganzen Kleist bejahen und sein feuriges Herze lieben, auch diesen Abschnitt seiner Entwicklung und in ihm dieses Werk einbeziehen, ob es uns auch maßlos und ohne seelisches und dramaturgisch=technisches Gleichgewicht scheinen mag. Das im Prisma angeführte Urteil eines Zeitgenossen, des Rezensenten L. F. Huber im„Freimütigen", trifft schon das Rechte:„Dieses Stück ist eine Wiege des Genius, über die ich mit Zuversicht der schönen Literatur unsers Vaterlandes einen sehr bedeutenden Zuwachs weissage.“ Sprachkraft und Bilderfülle verraten den Dichter des„Prinzen". großartig die dramatische Konzeption, es ist ein Werk, dessen sich das einrichtete, ist mit jener Gründlichkeit und künstlerischen Vorsicht erfolgt, die wir an den Bühnenbearbeitungen unseres Intendanten gewohnt sind. Ganze Szenen, die nicht unmittelbar dem Fortschreiten der Handlung dienen, sind gestrichen, andere umgestellt ergänzt und umgedeutet worden. Die grotesken Verzerrungen des Schlusses bleiben zwar sichtbar, sind jedoch erheblich gemildert. Daß sie noch in dieser Form nicht ohne veinliche Wirkung sind, darf um der vielen Schönheiten der Dichtung willen gern in Kauf genommen werden. Als Inszenierungsprinzip ist deutlich das Bemühen zu erkennen, das schicksalhaft Ungeheuerliche der Vorgänge von den menschlichen Charakteren her zu entwickeln und gewissermaßen den späteren Kleist schon in den jungen und unfertigen aufzunehmen. Nicht des Buchstabens vedantischer Treuhänder, wohl aber der geistigen Haltung dienstbereiter Freund ist diese Einrichtung, die nicht als Einzelleistung, sondern in der Perspektive des Kleistschen Gesamtschaffens zu sehen und zu bewerten is.„ 922 MachDarstellerisch hat die Auffuhrung ein des Bochumer Theaters würdiges Format. Gerhard Meinecke setzt sich in großartiger Zeichnung, die den Schurken dem Edelmann zugesellt und ohne daß sich die Gestalt in Widersprüche auflöst, mit dem Grafen Rupert auseinander. Haß und Verblendung treiben ihm zum Verbrechen, und nun er einmal, halb wider Willen, Mörder ist, will er's auch ganz, will er's mit Bewußtsein sein. Diesen Realismus der Gefühle bringt Meinecke überlegen und überzeugend zum Ausdruck. Ernst Holznagels Graf Sylvester hat die lebenswahre und vatriarchalische Biederkeit de langmütigen und vertrauenden Ritters, dem die Umstände selbst den Dolch in die Hand geben. Von Kleistscher Glut und das edle Sprachgefühl des Dichters zu wunderbarem Klang erhöhend(Erinnern will ich dich mit diesem Namen An jenen schönen Tag, wo ich dich taufte.] Ich fand dich schlafen hier in diesem Tale. Das einer Wiege gleich dich bettete."), leidenschaftlich und herb, ein großer Jüngling, Horst Caspars Ottokar. Er ist bezaubernd reich an Tönen lyrischer Melodik, er hat den schwärmerischen Adel und die schöne Natürlichkeit des jugendlichen Helden ohne pathetisches Brimborium. In Gudrun Christmanns lieblicher Agnes, die hier ganz frei von jeder Prätention spielt, hat er in den voetischen Liebesszenen eine überaus glückliche Ergänzung. Das neue Mitglied unsers Theaters, der aus Hamburg kommende Robert Harprecht, zeigt sich in der Rolle des Johann als begabter, vielleicht überscharf auf sinngemäße Redegliederung zielender, Sprecher, der sich nur gestisch und mimisch stärkere Zurückhaltung auferlegen müßte. In schlichtem fraulichen Umriß, nur gelegentlich mit theatralischen Ueberdruck arbeitend, zeichnet Adele Schönfeld die Gräfin Eustache, der bis auf wenige Reste zusammengestrichenen Rolle der Gräfin Gertrude leiht Johanna Koch=Bauer ihr knapp und klug charakterisiertes Spiel. In ritterlich freier und offener, später in gedeckterer Haltung gibt Walter Kaltheuner seinem Jeronimus die sympathischen Züge des vorurteilslosen Mittlers, der seinen Freundesdienst mit dem Tode büßt. Einen sturen, raubritterlichen Kerl stellt Willi Schröder(Aldöbern) auf die Beine, eine stiernackige Henkersgestalt gelingt Wilhelm Grimm, der schönen Barnabe gibt Hidde Ebert Märchenwirklichkeit, einen geschwätzigen Kirchenvogt macht Adolf Schneider. Kleinere Rollen werden von Josef Dornseif(Theistiner), Alfred Schieske(Vetorin), Ilse Daun(Kammerjungfer) und Willi Bittern (Wanderer) bestens verwaltet. Die Aufführung, die in den dunkel gehaltenen, barock weiträumigen Bühnenbildern von Dr. Harry Mänz treffliche Stützen hatte, fand vor gut besuchtem Hause eine nicht nur literarisch interessierte, sondern von Grund aus herzliche Aufnahme, die sich in starken Beifallskundgebungen für Dr. Saladin Schmitt und die darstellenden Künstler(die technische Einrichtung stammt von Georg Pescheck) äußerte. Dr. Strodthoff alleinigen Uraufführung ausersehen). Ebermayer: Romanze(Uralufführung). Flechtner:„Fieber in Havanna“(Westdeutsche Erstaufführung). Schulenburg:„Diana im Bade“(Westdeutsche Erstaufführung). Bethge:„Marsch der Veteranen“. Haerten:„Der tolle Christian". Möller:„Rothschild siegt bei Waterloo". „Die beiden Gregorius". Huth:„Die vier Verhoeven=Impekoven:„Das kleine HofkonKamare: Gesellen". zert“. Dramen des Uebergangs: Biörnson:„Der König“. Hauptmann:„Der Biberpelz“, „Der rote Hahn". Ibsen:„Stützen der Gesellschaft". Mildenbruch:„Die Tochter des Erasmus". Shaw: „Pygmalion". Gesellschaftsstücke und Komödien: Holz=Jerschke:„Traumulus“. Kayßler:„Jan, der Wunderbare“, Sardou=Laube:„Der letzte Brief". Sudermann:„Stein unter Steinen“,„Schmetterlingsschlacht". Thoma:„Lottchens Geburtstag". Lokalbahn". Dazu kommen dann die erfolgreichsten Lustspiel=Neuheiten des kommenden Jahres. * Aus dem Spielplan der Kölner Oper wurden für die Gastspiele im Bochumer Stadttheater vorgesehen: Wagner:„Ring des Nibelungen",„Die Meistersinger". Beethoven:„Fidelio". Weber:„Der Freischütz", Abu Hassan und Tänze. Lortzing:„Zar und Zimmermann“ Strauß:„Elektra". Bodart:„Hirtenlegende".— Aus der italienischen Oper: Verdi: „Falstaff",„Troubadour". Leoncavallo:„Bajazzo“. Puccini:„Gianni Schicchi".— Aus dem Operettenspielplan: Strauß:„Die Fledermaus",„Der Zigeunerbaron". Dostal:„Prinzessin Nofretete". Der Spielblantentwourt 130731 Bochums Theaterpläne für die neue Spielzeit— Zwei Feltwochen: Kleilt und Thakelpeare Im Mittelpunkt des Spielplan=Entwurfs des Bochumer Stadttheaters für die Spielzeit 1936/37 stehen zwei große zyklische Veranstaltungen der Bühne: 1. Unter dem Protektorat des Reichsleiters Alfred Rosenberg vom 15. bis 21. November Kleists Vermächtnis, eine Kleist=Festwoche 1936, die mit der Ordentlichen Tagung der Kleist=Gesellschaft verbunden ist und folgende Aufführungen vorsieht: 1. Tag:„Familie Schroffenstein", 2. Tag:„Robert Guiskard“—„Der zerbrochene Krug", 3. Tag:„Amphitryon“, 4. Tag: „Penthesilea", 5. Tag:„Käthchen von Heilbronn", 6. Tag:„Die Hermannsschlacht", 7. Tag: Prinz Friedrich von Homburg". Soweit die Werke nicht schon dem laufenden Spielplan angehören, erscheinen sie in neuer Einstudierung und Inszenierung. 2. Die erste Juli=Woche 1937 bringt die Shakespeare=Festwoche 1937 mit den Römer=Dramen". In dieser Woche findet in lebendige Theater mit bggtagignispmt. der das Bochum die 2. Außerordentliche Tagung der ShakeDie Bearbeitung.,,ffus der. Fmmenden Spielzeit speare=Gesellschaft Weimar statt. Die Aufführungen der Drama für den Kleist=Zy#### der kommenden diß Senlopr Khrt. Woche sind: 1. Tag:„Titus Andronikus". 2. Tag: „Julius Cäsar“, 3. Tag:„Antonius und Cleopatra“, 4. Tag:„Coriolan".—„Titus Andronikus" und „Antonius und Cleopatra“ erscheinen zum ersten Male, „Coriolan“ in neuer Einstudierung,„Julius Cäsar“ in der Einstudierung des Jahres 1935/36. Neben diesen beiden Zyklen sieht der Spielplan noch folgende klassischen Werke vor: Aeschylus:„Die Orestie" oder Sophokles: „Oedipus".— Shakespeare:„Ein Sommernachtstraum",„Romeo und Julia", Die lustigen Weiber von Windsor".— Goethe:„Torquato Tasso“(in neuer Einstudierung).— Schiller:„Wallenstein=Trilogie" „Die Räuber",„Die Braut von Messina"(alle drei Werke in der Einstudierung der Schiller=Woche 1934).— Hebbel:„Agnes Bernauer". Lenz:„Die Soldaten“ Grillparzer:„König Ottokars Glück und Ende". Ludwig:„Der Erbförster". Grabbe:„Napoleon“(Gastspiel der Bochumer Bühne auf der Grabbe=Festwoche Detmold 1936). Zeitgenössische Werke: Rehberg:„Friedrich der Große"(I. Abend).(Zur Die Deutsche Philosophische Gesellschaft hält in der Zeit vom 21. bis 23. September ihre 13. Tagung in Berlin ab. Folgende Vorträge sind bis jetzt festgesetzt: Professor Dr. Dr. h. c. Eduard Spranger, Universität Berlin:„Seele und Geist"; Professor Dr. Heinz Heimsoeth, Universität Köln:„Lebensphilosophie und Metaphysik": Professor Dr. Erich Rothacker, Universität Bonn:„„Das Wesen des Schöpferischen"; Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Pinder, Universität Berlin:„Der Manierismus in der Kunst.“ An die Vorträge schließen sich mehrstündige Aussprachen an; zahlreiche namhafte Philosophen haben ihre Beteiligung zugesagt.— Alles Nähere und Karten für die Tagung durch die Geschäftsstelle Berlin=Lankwitz, Gluckstraße 1a. Polnischer Orden für Kiepura. Jan Kievura gab anläßlich der Festtage der Stadt Krakau im Wawelschloß ein Konzert, dessen Ertrag für den Bau eines Nationalmuseums in Krakau bestimmt ist. Der Sänger wurde für seine Verdienste um die Provaganda der polnischen Kunst im Auslande mit dem Orden„Polonia Restituta" ausgezeichnet. Ab 1937 nur noch das neue Lesebuch. Im Anschluß an einen früher ergangenen Runderlaß hat jetzt der Reichserziehungsminister die Einführung der neuen Lesebücher für das zweite Schuljahr sofort nach Erscheinen genehmigt und zugleich bestimmt, daß vom Schuljahrbeginn 1937 an alle Schüler des zweiten Schuljahres im Besitz des neuen Lesebuches sein müssen. Die bisherigen Lesebücher des zweiten Schuljahres mit den seinerzeit zugelassenen Ergänzungsheften dürfen also nach Einführung der neuen Bücher nicht mehr benutzt werden. KEI 20) ... Man ging einfach nicht mehr ins Theater, wenn Herr Romano oder Herr Morando sang. Was den Direktor dann veranlaßte, Herrn Romano oder Herrn Morando bei der erstbesten Gelegenheit zu kündigen. Ihm konnte zwar keiner kündigen, weil er selbständig war, aber das Schicksal würde ihn eben so aufs trockene setzen, daß seine Gastspiele ohne Resultat verliefen. Wenn sich aber keine reichen Frauen mehr fanden, die sich von ihm betören ließen, dann war er erwerbslos und konnte stempeln gehen. Ein kleines zynisches Lächeln spielte um Riccardos Lippen, das er aber schnell in einen gefühlvollen Seitenblick umwechselte, als er merkte, daß Mady erwachte. Mady fing den Blick auf, war keineswegs unangenehm berührt davon, was mit ihrem augenblicklichen Gemütszustand zusammenhing, und schwieg weiter. Wodurch es auch Riccardo gestattet war, seinen Gedankengang, der knapp und präzise war, zu Ende zu denken. Die Pointe dieses Gedankenganges lief darauf hinaus, daß nichts ihm im Wege lag, sich standesgemäß zur Ruhe zu setzen. Ein Steckbrief war noch nie hinter ihm hergelaufen, weil seine jeweiligen Bräute vernünftig genug gewesen waren, sich nicht unnötigerweise zu blamieren. Ihr Budget hatte die kleine Abzapfung, die er vorgenommen hatte, vertragen können. Manche von ihnen mochte mit den Zähnen geknirscht haben, aber dabei war es auch geblieben. Und was seine Papiere anlangte, so waren sie vollständig in Ordnung. Noch keine Behörde des In= und Auslandes hatte je die Paßfälschung beanstandet, die man seinerzeit nach seinen Anregungen für einen geradezu lächerlich billigen über eine Kaschemme hinweg für ihn vorgenommen hatte. Ein Toter war ihm dabei, so absurd das auch klingen mag, zu Hilfe gekommen. Er war in der fraglichen Kaschemme erstochen worden. Und aus dem Bestand gefälschter Papiere, die man dem Toten noch vor Eintreffen der Polizei abgenommen hatte, war dann sein Paß geworden. Eine kleine Zufälligkeit hatte sich das Schicksal in dieser Angelegenheit noch erlaubt, es hatte nämlich aus einer deutschen Sonne eine italienische Sonne werden lassen, Riccardo de Sole hatte, ehe er sich die Allüren und die Ansprüche der vornehmen Welt aneignete Sonne geheißen. Ganz einfach Richard Sonne. Als Richard Sonne hatte er nur mäßig gestrahlt. Er hatte in einer kleinen, keinesweg um Berühmtheit ringenden Caféhauskapelle jahrelang das Bum=bum=bum der Begleitmusik ausgeführt. Und erst, nachdem er sich von dieser Kapelle getrennt hatte, war er leuchtend aufgegangen als der berühmte Geiger Riecardo de Sole mit anhängendem Weltruf. Miß Shorthands leider erst nachträglich erwachtes Mißtrauen an der Echtheit der italienischen Sonne war also durchaus begründet gewesen. Riccardo konnte natürlich nicht ahnen, daß das Schicksal so boshaft war, ihm mit einer seiner gewesenen Bräute zusammenzuführen, ohne daß er darum nachgesucht hatte. Er meinte vielmehr, daß alles klar sei, um als Schwiegersohn in eine nahrhafte Schokoladenfabrik eingehen zu können. Und darum war es wohl richtig, wenn man mit der Einleitung nicht zögerte. „Musik lindert vieles“, hört Mady plötzlich eine gedämpfte Stimme neben sich sagen.„Ich möchte für Sie, nur für Sie spielen.“ Mady antwortet nicht. Sie lauscht dem leidenschaftlichen Klang nach, der über der Stimme des Mannes neben ihr gezittert hatte wie die Luft über der Erde an heißen Mittsommertagen. Vieles an diesem Manne gefiel ihr nicht. Aber der andere Mann, an dem ihr eigentlich alles gefiel— Mady dachte, das es wohl das beste war, wenn sie wenigstens vor sich selbst alles ehrlich eingestand— dieser andere Mann hatte nach dem, was sie heute früh gesehen hatte, bereits seine Wahl getroffen. Damit mußte sie sich abfinden. Aber es würde für sie nicht leicht sein, sich abzufinden. Sich so abzufinden, daß die Beteiligten nichts merkten. Sie würde also weiter Igel spielen diesem Billy gegenüber. Wenn sie dabei Traute hin und wieder einmal weh tat, ließ sich das nicht ändern. Diese kleine Trübung konnte schon auf dem großen Glück stehen, das sich Traute gesichert hatte. Aber Mady hatte das Gefühl, als ob das Igelspielen noch nicht genug sei. Sie brauchte auch noch ein Aushängeschild, das den Eindruck vermittelte, als sei alles echt, was sie an Stacheln spreizte. Ein solches Aushängeschild schien sich ihr in Riccardo de Sole zu bieten. Pfui, das ist ein ganz abscheulicher Eigennutz, sagte sich Mady im nächsten Augenblick. Man konnte sich doch nicht einfach ein menschliches Herz für vorübergehende Zwecke engagieren! Gerecht zu denken, das hatte Mady ein für alle Mal von ihrem Vater. Und so kam es, daß Mady freundlicher zu Riccardo de Sole war, als sie eigentlich beabsichtigte. Sie sagte, daß sie in Herrn Neptuns Bereich einen netten Einzeltisch mit zwei Stühlen sehe. Und sie sagte, daß sie keine Lust habe, viel zu reden— ob man unter diesen Voraussetzungen gemeinsam Kaffee trinken wolle. Riccardo verneigte sich und verschickte den ersten, kurzen, dunkel=leidenschaftlichen Aufblitz. „Ich werde warten, bis es Ihnen beliebt, mich anzureden, Gnädigste“, sagte er. Dieser Zeitpunkt kam sehr schnell. Er folgte eigentlich Riccardos Worten auf dem Fuße. Denn gerade, als man den Tisch erreicht hatte, kamen seitwärts vom Schlosse her Traute und Billy. Beide anscheinend in Hochstimmung. Traute trug einen Blütenzweig an dem Ausschnitt ihres weißen Kleides von dem mit Bestimmtheit anzunehmen war, daß sie ihn sich nicht selbst gepflückt hatte. In diesem Augenblick fand Mady zu sich selbst sagt—?, unter my Kammerfenster. Aber ich haben lachen viel, sehr viel, was sein gewesen eine Aequivalent für die auseinandergerissene Schlaf.“ so hatte sich die Szene abgespielt, der Riccardo de Sole ein berechtigtes Mißtrauen entgegenbrachte. Der Gärtner hatte sich dann mit einer nach Riecardos Meinung geradezu unverschämt eleganten Verbeugung von den beiden Damen verabschiedet. Worauf die Damen sich den Frühstückstischen zuwandten und Mady prompt wieder schweigsam wurde. Als Miß Shorthand und Traute an dem Tisch von Mady und de Sole vorübergingen, Traute aufgeräumt nickend, die Miß steif, hatte Riccardo tatsächlich von den beiden blauen Brillengläsern den Eindruck, als gehörten sie zu einer Klapperschlange, die ihn aufs Korn genommen hatte. Er meinte lauernde, tückische Blicke zu sehen, obwohl blaue Brillengläser noch nie etwas verraten, sondern immer nur etwas verschleiert haben, sei es die halbe Blindheit dessen, der sie trug, oder das Gesicht des polizeilich Gesuchten, dem sie eine Maske bedeuteten. Die Gesichter der auf Kummerow Kraft zu neuen Flirten suchenden Damen sahen enttäuscht und ein wenig mokant aus, als der interessante Geiger durch das Tischchen zu Zweien so offen kundtat, wem für die nächste Zeit seine Gefolgschaft galt. Eine nicht sehr barmherzige Kritik setzte ein, die mit der Gründlichkeit eines Röntgenapparates arbeitete. Man entdeckte dieses und jenes und ein Drittes und Viertes an diesem Herrn de Sole und beschloß, sich wieder dem netten Naturburschen Billy zuzuwenden, von dem man eigentlich noch gar nicht abgeschwenkt war. So wurde Billy, der bis jetzt Hahn=im=Korb=Anwärter gewesen war, vollständig Hahn im Korbe. Zur Freude Miß Shorthands, deren Wohlgefallen an dem Boy nach der mitternächtlichen Serenadenschiebung noch gestiegen war. Es müßte ein Genuß sein, dachte Miß Shorthand, wenn der schöne Riccardo von einem Gärtnerburschen aus dem Sattel gehoben— wiewohl Riccardo nie geritten hatte— und anschließend aus dem Schloßhofe gefegt würde. Wobei Miß Shorthand, die mitunter etwas drastisch dachte, weil ihre beiden Väter ja als Fabrikweber angefangen hatten, das allbekannte Bild aus dem Zirkus nach einer Pferdenummer vorschwebte. zurück. Der rote Zopf stob auf, ohne daß sie das##. Miß Shorthand bezweifelte keineswegs, daß der Boy eigentlich gewollt hatte. Ganz automatisch stob er auf, Billy in der Lage war, allerlei zu vollbringen. Sie wie immer, wenn ihr etwas nicht gefiel. Und sie be= halte ein Bild gesehen von eine„man“, daß Georg gann, ein wenig überhastet zwar, aber ganz große Dame, zu plaudern und zu lachen Wenn Riccardo de Sole noch Richard Sonne geheißen hätte, dann würde er jetzt wahrscheinlich durch die Zähne gepfiffen haben. So verbarg er seine Entdeckung wie ein Kavalier, dessen Namen ein de“ vorauflief. Man sollte es doch nicht glauben, auf was die Weiber alles flogen!— Also dieser Gärtner war es, den er aus dem Felde zu schlagen hatte! Anscheinend eine recht begehrte Persönlichkeit auf Kummerow, Offenbar wurde er so verwöhnt, daß er vergaß, Abstände einzuhalten. Die Damen hatten ihn gestern am Brunnen fast behandelt wie ihresgleichen. Und jetzt steuerte wahrhaftig diese Brillenschlange Miß Shorthand auf den Gärtner los und sagte ihm lächenld etwas. Und nun lächelte man zu Dritt, und es war Riccardo, als ob dieses gelächelte Terzett ihm galt—. Damit bewies Riecardo, daß er eine sehr feine Nase hatte. Miß Shorthand hatte nämlich zu Billy gesagt:„O, Herr Billy, Sie sein eine Spaßvogel! Sie haben mich gestört, my Schlaf in this night, als Sie haben dirigiert Untier knock out machte. This man hatte keine Knickerbockers, sondern eine Eisenrüstung angehabt, die Miß Shorthand dem Boy ohne weiteres zubilligte. Man sieht, Miß Shorthands Instinkt war nach dem Abenteuer mit dem schönen, treulosen Riccardo entschieden ausgeprägter geworden. Sie sah hinter dem Gärtner den Ritter, was Billy, wenn er darum gewußt hätte, sicher Spaß gemacht haben würde. Halb Kummerow spielt plötzlich Theater. Zwei, weil es ihnen Spaß machte, das waren Billy und Frau Henriette, zwei mit blutendem Herzen, das waren Mady und Traute, einer aus Gewohnheit und weil das nun mal sein Geschäft mit sich brachte, das war der schöne Riccardo und Miß Shorthand, weil sie meinte, daß ihr das Schicksal eigens die Rolle zugeteilt hatte. Soeben trat Billy wieder auf. Er brachte die Morgenpost für seine Gäste, was eines Justus nicht unwürdig war. Denn die Gäste waren Damen und ein Eichsfeld Kavalier. Ein Lachen hob an. Vielleicht ein bißchen forciert von seiten der Damen, die am Abend zuvor als Edelgestörr, my Schlaf in this night, als Sie haben dirigiert von##en drr Sumen, vie um abeno gusbr als Edeldie Maestro mit sein Leierkasten, nicht wahr, man so#komparsen mitgewirkt hatten, und sich nun nicht so im Handumdrehen mit dem Tischchen zu Zweien abfinden konnten. Für Billy schien dies Tischchen gar nicht da zu sein. Aber Billy war für das Tischchen da. Mady hatte einen Blick des Einverständnisses zwischen Billy und Traute aufgefangen, der auch tatsächlich gewechselt worden war, aber leider nur wie zwischen guten Freunden, wobei das„leider“ auf Trautes Konto zu buchen ist. Für Mady aber reichte der Blick und die ganze lustige Lacherei in Dur und Moll— das Moll gehörte, es klingt kaum glaublich, zu Miß Shorthand— also für Mady reichte das Ganze zu, sich ausgeschlossen und vereinsamt zu fühlen. Riccardo aber glaubte sich empören zu müssen über das taktlose Verhalten eines „Domestiken". „Kommen Sie mal her, mein Lieber—.“ Der schöne Riccardo winkte Billy wie einem Ober— Aber Billy hatte Riccardo gegennüber durchaus Dackelmanieren. Er kam, wann er wollte, und hörte nur, was er wollte. Herrn de Soles Ruf schien jedenfalls nicht an sein Ohr gedrungen zu sein. Worüber Herr de Sole sehr gereizt wurde da verschiedene Lächeln darüber am Gemeinschaftstische ins Spöttische umgeschlagen waren. Sogar die blauen Brillengläser funkelten in Richtung des Duotisches. Wenn man triumphieren will, muß man sich zuvor beherrschen, dachte Mady peinlich berührt. Sie genierte sich. Mehr vor Billy als vor den anderen. Zudem wußte sie aus Erfahrung, daß so etwas bei Billy nicht zog. Er neigte stark dazu, sich zu revanchieren und beim Revanchieren den anderen zu übertrumpfen. Er war verflixt schlagfertig, dieser Boy! Aber der schöne Riccardo war in dieser Richtung völlig ahnungslos. Sonst hätte er sich bestimmt die Historie von dem famosen Dackel den er gehabt haben wollte, und der stets etwas anderes vorgehabt hatte, wenn man ihn rief, verkniffen. Er trug sie pointiert und mit rollendem R vor wie ein Rezitator, der mit anschließendem Beifall rechnete. Jeder war empört und ärgerte sich. Nur Billy nicht. Er lachte wie ein Bengel, der seelenruhig aus„backigem“ Schnee so einen recht schönen, festen, gutsitzenden Ball zusammendrehte, von dem er bestimmt wußte, daß er„sitzen“ würde. „Wenn ein Dackel nicht folgt, so liegt das am Herrn!“ lacht er mit zwei blendend weißen Zahnreihen. Und die anderen lachten mit. Es fehlte nur noch, daß sie Beifall geklatscht hätten, aber dazu war man zu wohlerzogen. Mady hätte aufspringen und diesen de Sole ohrfeigen können, wenn er sie so blamierte! Sie wußte nicht, ob sie sich auf Eiswasser oder auf glühendem Eisen befand, oder ob sie zwischen beiden„wechselbadete". Sie hätte auch diesen Boy ob seiner Frechheit ohrfeigen können, wenngleich sie ihm ihre Bewunderung im Zurückschlagen von Bällen nicht versagen konnte. Wie er sich so zurückwandt und mit lächelnder Ueberlegenheit de Sole Bescheid getan hatte, das sollte ihm erst einmal einer nachmachen! Der im Lederkoller fiel ihr ein, mit dem sie ihr Gemach teilte. Wie doch der Boy ihm glich, selbst im hellen Sonnenschein! Es war tatsächlich ein merkwürdiges Spiel, was sich eine unbekannte Instanz hier geleistet hatte. Und Mady beschloß im Interesse Trautes und ihrer selbst, den mit dem Lederkoller, wenn er heute abend beim Zuziehen der Brokatenen wieder zum Vorschein kam, während ihres Kummerower Aufenthaltes mit dem Gesicht der Wand zuzukehren. (Fortsetzung folgt.) TURN- UND SPORTBEILAGE DES„BOCHUMER ANZEIGER“ □ MONTAG. 29. JUNI 1936 Weltfalens Troft Paaarer Onio Freubresse CaszsssOza.. Die Plindener Pioniere schlugen im Endlpiel den MTSA. Leipzig:5(:3)/ FrauenMeilter wurde der SC. Charlottenburg durch:S(:)-Sieg über den VfR. Mannheim Hbg Dortmund, 28. Juni. Weltdeutschlands eriter Gendlobelchler Man muß aus der Not eine Tugend machen können! Nachdem der Traum der dritten Schalker Fußballmeisterschaft ausgeträumt ist, dürfen wir als Trost diesen ersten westfälischen und westdeutschen Sieg im Endspiel um die Deutsche Handballmeisterschaft feiern. Der westfälische Handball= und Fußballmeister haben in der diesjährigen Endspielsaison der bekannteten deutschen Rasen=Mannschaftsspiele ihre Rollen im Gegensatz zum Vorjahre vertauscht. Während im Vorjahre Hindenburg Minden im Endspiel in Stuttgart mit zwei Toren Differenz(10:8) geschlagen wurde, blieb diesmal Schalke 04 in der wüttembergischen Metropole mit der gleichen Tordifferenz(:0) geschlagen auf der Strecke. Im Vorjahre stellte der Gau Westfalen den Deutschen Fußhall=, in diesem Jahre den Deutschen Handballmeister! Hindenburg Minden ist es somit als erstem westdeutschen Verein gelungen, sich den höchsten Titel im Handballsport zu erkämpfen, nachdem im Jahre 1930 in Hagen die Siegener Sportfreunde gegen den damals dominierenden Polizeisportverein Berlin buchstäblich in letzter Sekunde gescheitert sind. Das dramatische 11:10=Spiel tauchte wieder aus der Erinnerung auf, als Schiedsrichter König(Berlin) den diesjährigen Endkampf zwischen Hindenburg Minden und dem MTSA. Leipzig, beides Soldatenmannschaften, anpfiff. Die deutschen Militärsportvereine haben die führende Rolle im Handballsport übernommen, die einst die Polizisten besaßen. Mit 15.000 Zuschauern, stellte Westfalen im Jahre 1930 einen neuen Zuschauerrekord auf, gestern erreichte es mit 20 000 Zuschauern den anläßlich des vorjährigen Endspieles in Stuttgart aufgestellten Rekord. Ein Doppelerfolg unseres SportStrahlender Sonnenschein lag über der Dortmunder Kampfbahn, als zum ersten Entscheidungsspiel die beiden Endspielteilnehmer der Frauenmeisterschaft, SC. Charlottenburg und VfR. Mannheim ins Spielfeld einliefen. Mindens Anhang war durch einen Sonderzug vertreten und konnte zunächst noch unparteiisch seine blaugelben Fähnchen schwenken. Die Mannheimerinnen, die zum zweiten Male im Endspiel stehen, erscheinen in einem schmucken Hellblau, tragen dazu rote Stirnbänder, die Charlottenburgerinnen in der bekannten Tracht des SC., schwarze Hosen, weiße Hemden, auf dem das einst in der Leichtathletik berühmte und gefürchtete schwarze„C“ leuchtet. Die beiden Torhüterinnen sehen aus wie echt Fußballer, die Charlottenburgerin Laurisch in völlig chwarzer Kleidung, die Mannheimerin Winter, in weißem Hemd und blauer Hose, hat sich ein blendend weißes Mützchen auf ihre dunklen Locken gedrückt; sie hatte, wie überhaupt die Mannheimer Mannschaft während der zweiten Halbzeit, die Sympathien des Publikums auf ihrer Seite..., 81 444 Die Mannheimer Mannschaft hatte die etatsmäßige Halblinke Förster ersetzen und eine Umstellung vornehmen müssen, so daß sich die Mannschaften wie folgt gegenübertraten: Mannheim: Winter: Graß, Müller; Wagner, Schleicher, Hauck; Welz, Kehl, Zeller, Egger, Degen. &SC. Charlottenburg: Laurisch: Michaelis, Hoppe; Bellgardt, Clemens, Fischer; Bechthold, Wedde, Le Viseur, Norner, Reichardt. Mannheim findet sich zuerst und kann schon in der vierten Minute in Führung gehen. Die rechte Flanke, Träger der meisten Mannheimer Angriffe, hat sich gut durchgearbeitet, so daß die wurfkräftige Frau Kehl einsenden kann. Im Gegenangriff holt die Strafwurfspezialistin Frau Le Viseur, die Samstag noch in Berlin brandenburgische Meisterin im Hürdenlauf geworden war, den Ausgleich heraus. Die Charlottenburgerinnen zeigen bis zum Schluß der ersten Halbzeit den bessen Spielaufbau, Mannheim kann zwar durch Degen ausgleichen, muß aber bis zum Seitenwechsel zwei weitere Gegentreffer durch Frau Le Viseur hinnehmen. Das Bild ändert sich in der zweiten Halbzeit mehr und mehr zugunsten der Mannheimerinnen, deren Mittelläuferin Schleicher nunmehr das Spiel nach Belieben dirigiert. Das blonde, kräftig gebaute Mädel ist nun die beste Spielerin auf dem Felde. Frau Kehl holt für Mannheim durch Strafwurf den Ausgleich heraus und bringt ihre Mannschaft durch einen weiteren Linkswurf mit:3 in Führung. Die Charlottenburgerinnen reißen sich aber im Schlußviertel wieder zusammen. Frl. Bechthold erzwingt den Ausgleich. Frl. Wedde schien dann mit dem fünften Tor den endgültigen Sieg sichergestellt zu haben. Unter den Anfeuerungsrufen des Publikums geht der Mannheimer Sturm dann nochmals geschlossen durch und tatsächlich gelingt Frau Kehl nochmals der Ausgleich. Die Mannheimerinnen stehen damit erneut vor dem nach dem Verlauf der zweiten Halbzeit nicht unverdienten Siege, aber Charlottenburg führt den Gegenangriff zum sechsten Tor durch Frau Le Viseur Damit war nach flottem, das Publikum in lebhafte Stimmung versetzendem, gleichwertigem Spielverlauf die diesjährige Deutsche Handballmeisterschaft der Frauen der glücklicheren Partei zugefallen. Wie Minden Dann betreten unter lebhaftem Beifall die beiden Männermannschaften den Platz zum entscheidenden Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Hindenburg Minden und MTSA. Leipzig haben ihre stärksten Formationen zur Stelle und formieren sich wie folgt: Minden: Körvers Pannhorst wurde Boi 1 „Schmitz Strack Sturm Hofmann Steudte Schünzel Knautz Röttger * Höfer Dossin Reintjes Topp Küter Roß I Prosser Göllner Langer Lange Wendt Leipzig: Leipzig spielt in grüner Kleidung mit einem weißen Bruststreifen, Minden erscheint in neuer Tracht, mit blauen Hosen und gelbem Trikot mit blauen Aermeln. Leipzig hat zunächst eine leichte Ueberlegenheit zu verzeichnen, aber Mindens Angriff findet sich schneller zusammen und kommt bereits nach zwei Minuten durch den Rechtsaußen Roß II zum Führungstor. Wenig später läßt Röttger einen scharfen Wurf folgen, aber die Latte rettet. Dennoch kann dann Strack in der achten Minute den Vorsprung auf:0 erhöhen, während Roß I nach feiner Kombination bereits den dritten Treffer folgen läßt. Dann kommt aber Leipzig bei weiterer Feldüberlegenheit nach einer Viertelstunde durch Prosser zum ersten Gegentreffer, die übrigen Chancen macht dagegen Körvers in bestechender Manier zunichte. In der 18. Minute gelingt Roß I ein Alleingang, der zum vierten Erfolg für Minden führt, aber schon eine Minute später kann Göllner den Abstand auf:2 verringern. Wendt im Leipziger Tor vermag sich gleichfalls auszuzeichnen; er wehrt einen Freiwurf von Böttger ausgezeichnet, muß dann aber einen weiteren placierten flachen Wurf von Roß I1 passieren lassen. Eine Minute vor dem Wechsel kommt Leipzig durch einen Treffer von Prosser auf:3 heran. Das Treffen ist auch in der zweiten Halbzeit sehe interessant. Blitzschnell wechseln die Situationen. Bereits in der ersten Minute ist Minden durch Küter erfolgreich, so daß sich der Vorsprung auf:3 erweitert hat. Dann kommt aber Leipzig gefährlich auf, in der siebenten Minute holt Höfer ein Tor auf, und dann ist es wiederum Höfer, der in der 12. Minute Leipzig bis auf:5 heranbringt. Leipzig bleibt auch weiterbin ungemein gefährlich, bei einem Freiwurf von Höfer hat Das Felt der Deutschen Jusend Hochbetricb auf allen Bochumer Sportplätzen Eine große Sonnenwendteier auf dem Wienkopp Samstag und Sonntag gehörten die Sportplätze unserer Stadt, soweit sie nicht für den Sportbetrieb der Vereine in Anspruch genommen wurden, den Jungen und Mädel der HJ. und des BDM. Das Fest der deutschen Jugend bedeutete wieder einmal erlebnisreiche Tage für alle Teilnehmenden. Schulfrei war der Samstag. Das Schulhaus wurde vertauscht mit dem Sportplatz, wo im sportlichen Weitkampf die körperliche Ertüchtigung unter Beweis gestellt werden sollte. Im Lauf. Sprung und Wurf wurden Jungen und Mädel geprüft. Mit Ehrgeiz waren sie alle bei der Sache, um die 180 Punkte, die für die Erringung der kleinen Plakette erreicht werden mußten, zu sammeln. Viele erfüllten diese Bedingung spielend und leicht, eben jene, die schon seit Jahren Freude an der leichtathletischen Betätigung haben. Aber auch jene, die mit ganzer Kraft und vollem Einsatz des Ehrgeizes soeben die Punktzahl erreichten und vielleicht den ersten sportlichen Erfolg ihres Lebens buchten, dürfen stolz auf ihre Leistungen sein. Schließlich fällt ja kein Meister vom Himmel. Unsere größten Sportler sind ja alle erst nach jahrelangem Training und harter Arbeit an sich selbst zu Meisterehren gekommen. Und diejenigen Jungen und Mädel, die diesmal die notwendigen Punkte nicht erreichten, werden sicher nicht entmutigt sein, sie werden vielmehr ihren ganzen Ehrgeiz daran setzen, im nächsten Jahre das Ziel zu erreichen, das sie sich gesteckt haben. Zu einem besonderen Erlebnis wurde am Samstag für alle das Fest der Sonnenwende auf dem Wienkopp. Ein herrlicher Sommertag lockte jung und alt am Abend hinaus zur Freilichtbühne, wo Jungen und Mädel alles auf das sorgfältigste vorbereitet hatten. um das alte germanische Volksfest nach Väter Brauch zu feiern. Die milde Sommernacht, das idyllisch gelegene Fleckchen hinter dem Weitmarer Holz, begeisterte Jugend, die mit ganzem Herzen bei der Sache war, das gab der Sonnwendfeier jenen würdigen Rahmen, der allen dieses Fest zum tiefen Erlebnis machte. Der Nachwuchs des neuen Deutschlands stand und saß hier zu Tausenden zusammen. Und die jungen Sprecher drangen mit ihren Mahnrufen hell und klar an jedes Ohr, so daß selbst auf den höchsten Stufen des großen Theaters ihre Worte vernommen wurden. Ihre Rufe waren so markant und eindringlich, daß es kirchenstill in dem weiten Rund wurde. Die musikalische Unter* # 705 malung der eindrucksvollen lebenden Bilder, die von dem großen Orchester der 3H. des Standortes Bochum durchgeführt wurde, gab der Veranstaltung ein würdevolles feierliches Gepräge. Ueberhaupt stellte die Sonnwendfeier der HJ. und dem BDM. das beste Zeugnis aus. Oberbannführer Strube und seine Mitarbeiter dürfen stolz auf ihre Jungen sein. Kreispresse= und Propagandawart Link der Leiter des Stadtamtes für Jugendpflege, Stadtoberinspektor Surhoff sowie alle, die an dieser Feier teilnahmen, mußten ihre Freude an dieser Feier der Sonnenwende haben. Es war ein prächtiges Bild, als die Flammen des großen Feuers aufloderten. Deutschlands Zukunft zur mitternächtlichen Stunde in der Stille des Waldes versammelt zu sehen, um einen alten germanischen Brauch zu pflegen. Am Sonntag morgen waren die Hitler=Jungen schon wieder früh auf den Beinen. Bereits ab 8 Uhr ging der Leistungswettbewerb zur Erringung der Plakette wieder weiter. Auf allen Bochumer Sportplätzen herrschte wieder reges Leben. Und wer seine Uebungen mit Geschick hinter sich hatte, der setzte sich mit seinen Kameraden in den Kreis und sang Lieder der HitlerJugend mit. Am Nachmittag gehörten die Plätze den Mädel, die natürlich den Jungen nicht nachstehen wollten. Auch sie kämpften ehrgeizig um das Leistungsabzeichen, das recht viele von ihnen errangen. Das Fest der Jugend 1936 klang am Sonntag mit kleineren Sonnwendfeiern aus Zwei Tage, die der Jugend gehörten, sind vorüber. Sie werden für alle, die sich beteiligten, ein langanhaltendes tiefes Erlebnis bleiben. Deutschland darf stolz auf seine Jungen und Mädel sein. P. W. Aufnahmen:..-Muthberz Von links nach rechts: Weitsprung mit wehendem Haarschopf; das Sonnwendfeuer lodert auf dem Wienkopp; Kopf an Kopf sitzen die Hitlerjungen im Kreise um das Feuer Seite 8 Nr. 149„ Bochumer Anzeiger" Montag, 29. Juni 1936 APC6 192 9 4 WE 4 2 # EeA 89 90 der ausgezeichnete Körvers Glück, daß ihm die Latte rettend zur Seite steht. Immer noch spielen sich vor Mindens Tor aufregende Szenen ab. Beide Mannschaften werden von ihren Anhängern mächtig angefeuert. Minden ist sichtlich bemüht, Zeit zu gewinnen, um den knappen Sieg zu halten. Als dann aber in letzter Minute Röttger noch ein famoser Treffer gelingt, ist die Partie mit:5 endgültig zu Gunsten der Westfalen entschieden, die von ihren Landsleuten begeistert gefeiert werden. Nach Schluß des Kampfes nimmt Fachamtsleiter Herrmann die Siegerehrung der neuen Meister &SC. Charlottenburg und Hindenburg Minden vor und überreicht ihnen die Meisterschaftskränze und Minden den Ehrenpreis des Reichskriegsministeriums. Minden verdankt den Sieg in erster Linie seinem Torwart Körvers und dem nur mitunter zu eigennützigen Mittelstürmer Röttger, bei Leipzig überragte Mittelläufer Dossin. In der zweiten Halbzeit sah es oft bedrohlich für den späteren Meister aus. Aenderung des Meilterichalfstpiel-Syliens Tagung des Reichsfachamtes Handball in Dortmund Am Tage vor den Endspielen um die Deutsche Handballmeisterschaft hielt das Reichsfachamt seine Tagung mit den Gauführern ab. Fachamtsleiter Brigadeführer Hermann(München) gab einen Ueberblick über die erfreuliche Jahresbilanz. Auch die Berichte der Gaufachamtsleiter ließen Fortschritte erkennen. Aus ihnen ging hervor, daß die Zahl der Männermannschaften sich erhöhte, die der Frauen ist gleich geblieben, dagegen haben die Schüler= und Jugendmannschaften außerordentlich zugenommen. Ausführundes neuen Die Deutsche Meisterschaft für Männer wird auch 1936/37 in vier Gaugruppen ausgespielt. Neu ist aber, daß auch die Vorschlußrunde Hin= und Rückspiele bringt. Das Endspiel findet in einem neutralen Gau statt. Die Pokalspiele der Gaumannschaften werden nicht wie bisher durch lange Pausen getrennt, sondern im Frühjahr geschlossen abgewickelt. Für die Deutsche Meisterschaft der Frauen treffen die 16 Gaumeister in vier Turnieren in der Vorrunde an einem Wochenende zusammen. Die vier Sieger ermitteln den Meister in weiteren Begegnungen nach dem Pokalsystem. In der kommenden Spielzeit trägt das Fachamt zum erstenmal eine deutsche Jugend= und Schülermeisterschaft aus. Weitfalens neue Gauligavereine SV. Rollkadfen und Doramd-Vermund Borullia Dortmund schlägt die Siegener Sportfreunde:0— Rotthausen lichert lich durch einen:-Sieg über Recklinghaufen die Spitze— Preußen bochum ichlagt Vtb. Bieleteid:0 ordentlich zugenommen. Sehr aufschlußreich gestalteten sich die Ausfi gen des Fachamtsleiters über die Gestaltung des Spieljahres.„Die Deutsche. Meisterschaft für M Der Traum ist aus, die Bochumer Preußen— relativ noch an zweiter Stelle liegend— sind im Kampf um den Aufstieg zur Gauliga guter Dritter geworden, nachdem sie ungeschlagen durch die erste Serie der Aufstiegsspiele gegangen sind. Es wäre fehl am Platze, nach Gründen zu suchen, die den Traum der Bochumer zerstört haben; müßig wäre es, die vielen„Wenn" und „Aber“ heulend und wehklagend noch einmal Revue passieren zu lassen. So viel steht jedenfalls fest, die Preußen werden aus dem für sie so unglücklichen zweiten Akt der Aufstiegsspiele ihre Lehren gezogen haben. Heute noch an eine Wendung der Dinge glauben zu wollen, ist mehr als optimistisch. Borussia Dortmund, das die schwere Siegener Hürde leichter genommen hat als man es erwarten durfte, wird auch das letzte Spiel gegen Recklinghausen 13 sicher unter Dach und Fach bringen und der Halbmillionenstadt Dortmund endlich wieder zu einem Gauligaverein verhelfen. Nehmen wir vor der Gesamtleistung der Dortmunder Borussia getrost den Hut ab, die Mannschaft hat es von allen Aufstiegskandidaten am schwersten gehabt. Nicht nur, daß sie abgehetzt aus den Meisterschaftsspielen in die Aufstiegsspiele steigen mußte, sie verlor zudem durch Erkrankung ihren besten Stürmer, den Internationalen August Lenz, und mußte die entscheidenden schweren Spiele so gehandikapt bestreiten. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß die Bochumer Preußen den Dortmundern durch ihre unerwartete Niederlage in Siegen den Weg geebnet haben. Mit Borussia Dortmund erscheint in der nächsten Saison in Gauligameisterschaftsspielen die Mannschaft zweimal in Bochum, die sich hier großer Beliebtheit erfreut. Borussia Dortmund ist die einzige ungeschlagene Mannschaft des Sechserfeldes geblieben und Rotthausen hat die einzige Niederlage in den Aufstiegsspielen in Bochum bezogen. Borussia Dortmund oder Preußen Bochum, das war seit Wochen schon das Rätselraten. Borussia war glücklicher, aber auch beständiger als die Bochumer, die kurz vor dem Ziel durch eigenes Verschulden strauchelten. Die Ergebnisse: Preußen 07 Bochum—. VfB. Bielefeld:0 Borussia Dortmund— Sportfreunde Siegen:0 SV. Rotthausen— Recklinghausen 13:1 Die Tabelle: SV. Rotthausen Preußen 07 Bochum Borussia Dortmund VfB. Bielefeld Sportfr. Siegen Recklinghausen 13 Gafe Sandpiehungen der Preuisen Preußen 07 Bochum-VfB. Bielcfeld:0(:0) Um den Aufftieg zur Handball-Gauliga Jahn Werdohl in Spenge geschlagen Die Ergebnisse: Tv. Spenge— Jahn Werdohl 12:7 Westfalia Ahlen— TV. Gadderbaum 18:4 Westfalia Somborn— Post SV. Hagen 14:11 Zwei Ueberraschungen im Kampf um den„..“=Handballpokal Der letzte Spielsonntag dieser Saison brachte zum Abschluß zwei große Ueberraschungen in den Bochumer Lokalkämpfen. Westfalia mußte sich dem Gegner Friesen recht klar beugen und hat sich damit die Chance, ins Endspiel zu kommen, verscherzt. Der Tus. dagegen überfuhr die Germanen recht eindeutig. Gruppe Bochum—Wattenscheid: Westfalia Bochum— Tv. Friesen Bochum:10 Germania 06 Bochum— TuS. Bochum:13 Westfalia Pokalsieger der Altherren Im Endspiel um den Pokal der Polizei=SV. Herne schlug am Samstag abend der BV. Westfalia Bochum seinen Endspielgegner Polizei=SV. Bochum nach spannendem Kampf:4. Ein Abendspiel: Heute abend steigt im Stadion noch ein Spiel um den„B..“=Handball=Pokal: TuS. Bochum— Tv. Friesen Belgischer Doppelfieg in der Schweiz=Rundfahrt Nach den Siegen von Bulla(Oesterreich), Geyer (Deutschland) und Rinaldi(Frankreich) schloß die vierte Schweizer Radrundfahrt am Samstag mit einem belgischen Erfolg durch Henri Darnier, der sich schon auf der ersten Etappe die Führung im Klassement gesichert hatte und sie mit Erfolg verteidigte. Dieser belgische Sieg wurde durch den zweiten Platz von G. Deloor noch unterstrichen. Die deutschen Straßenfahrer haben in diesem Jahre recht unglücklich gekämpft. Am besten schnitt noch Thierbach ab, der einmal sogar erst nach Kontrollschluß eingetroffen war, dann aber doch wieder zugelassen wurde Thierbach machte von seinem Zeitverlust viel gut und besetzte im Schlußklassement den 19. Rang; Umbenhauer wurde 24. und Roth 29. In der Länderwertung blieb Deutschland knapp hinter Frankreich Vierter, während Belgien und die Schweiz mit weitem Vorsprung die ersten Plätze besetzten. Ergebnisse: Schlußetappe Basel— Zürich 262,5 Kilometer: 1. Bula:17,33 Std., 2. Dignef gleiche Zeit, 3. Thierbach:18:40 Std., 4. Lopez :18:52 Std., 5. Büchi:19:08 Std., die Deutschen: 10. Weckerling:33:06 Std., 11. Umbenhauer, 14. Stöpel, 15. Roth(alle gleiche Zeit), 16. Altenburger :38:24 Std.— Gesamtwertung: 1. Garnier(Belgien) 49:34:25 Std., 2. G. Deloor(Belgien) 49:41:45 Stunden, 3. Amberg(Schweiz) 49:58:09 Std., 5. Level(Frankreich) 49:58:52 Std.— Länderwertung: 1. Belgien 149:15:41 Std., 2. Schweiz 149:58:20 Stunden, 3. Frankreich 152:13:49 Std., 4. Deutschland 152:19:37 Std. Die Auswahl der Turnerinnen Olympia=Ausscheidungsturnen in Hamburg Nachdem schon vor einiger Zeit Männerturnwart Martin Schneider die zwölf Turner für das Ausscheidungsturnen in Hamburg bekanntgegeben hat, ist jetzt auch vom Frauenturnwart Karl Loges(Hannover) die Auswahl der zwölf Turnerinnen bekanntgegeben worden. In den beiden Riegen stehen: Erste Riege: Erna Bürger(Eberswalde) Käte Schnemann(Hamburg), Elfriede Ibv(Nürnberg), lie Schmitt(München), Trude Meyer(Hannover), Paula Poehlsen(Hamburg). Zweite Riege:„Ilse Freelian(Dresden), Marga Fischer(Leipzig), Emilie Schowalter(Ludwigshafen), Anita Baerwirth(Kiel), Hanni Hoegel(Wiesbaden), Emmi Hollfelder(Dortmund). Aus diesen zwölf Turnerinnen wird anläßlich des Gamburg am 5. Joi Fie,d Hanseatenhalte zu Nach wochenlanger Tabellenführung, nach kaum noch möglich scheinender Gefährdung des Aufstiegs zur Gauliga ein jäher Sturz aus rosigstem Optimismus. Nach der unerwarteten Niederlage in Siegen am letzten Sonntag glimmte noch ein schwaches Hoffnungsfünkchen, noch hoffte man eine ganze Woche lang auf das Wunder, das die Siegener Sportfreunde in Dortmund in ihrem letzten Kampf gegen Borussia Dortmund fertigbringen sollten. Als man sich aber auf den Weg machte, um den letzten Aufstiegskampf gegen VfB. Bielefeld zu bestreiten, da prasselte der am Vormittag auf der Alemannia=Kampfbahn in Dortmund von den Borussen über die Siegener Sportfreunde erfochtene:=Sieg in die noch leise gehegte Hoffnung. Preußens Traum war ausgeträumt, der letzte Kampf an der Wasserstraße zur Bedeutungslosigkeit herabgewürdigt worden. Als bereits in den Aufstiegsspielen geschlagene Mannschaft betraten die Bochumer das Spielfeld. Aber sie haben trotzdem brav gekämpft, haben die Lücken, die durch die vereinsseitige Herausnahme von Zielasko und Szepanek aus der Mannschaft sich im Gesamtgefüge breitzumachen drohten, glänzend geschlossen. Döring spielte Mittelläufer, Wittig nahm seinen Posten als Verteidiger ein, und für ihn betätigte sich der Nachwuchsspieler Fronapfel mit gutem Erfolg als rechter Läufer. Die ganz große Ueberraschung war aber Schmidt als Rechtsaußen, der alle seine Mitkämpfer in der Stürmerreihe glatt in den Schatten stellte. Ein so frisches und erfolgreiches Spiel, wie Schmidt es in diesem letzten Kampf zeigte, hat man an der Wasserstraße schon lange nicht mehr gesehen. Schade nur, daß Stezycki in der ersten Hälfte fast ganz ausfiel und die Gebrüder Glatz sich während des ganzen Spieles vor dem Tore sehr hilflos zeigten. Nach fast ständiger Ueberlegenheit in der ersten Hälfte gelingt den Preußen durch Glatz I das erste Tor, nachdem das Eckenverhältnis bis dahin schon:2 für Bochum lautete. Die Bielefelder werden erst in der zweiten Hälfte etwas munterer, scheitern aber mit ihren durchbruchsartigen Vorstößen in der Hauptsache an Wittig, der als Verteidiger ein famoses Spiel zeigte. Seine weiten Abschläge schafften immer wieder Luft, und man erinnert sich mit einem bitteren Gefühl des in den vorangegangenen Spielen leider übertriebenen kurzen Abspiels von Döring, der als Mittelläufer weit besser zur Geltung kommt. Stezycki taut erst in der zweiten Hälfte auf und erzielt den zweiten Treffer im Nachschuß. Als gegen Ende des Spieles ein Bielefelder Verteidiger den Ball mit der Hand aus dem Tor schlägt, verwandelt Glatz II den Strafelfer zum 3. Tor. Preußens Sieg ist auch in dieser Höhe als verdient zu bezeichnen. Hervorgehoben sei noch der faire ritterliche Kampf auf beiden Seiten, hervorgeheben aber auch die Leitung durch Trippe(Castrop), der kaum einen Freiverhängen hatte. letzter Kraft haben sie sich gerettet, und gehen nun in die wohlverdiente Fußballruhe, um in der kommenden Saison als Bezirksliganeuling vor noch weit schwereren Aufgaben zu stehen. Die Gesellschaftsspiele Das an sich schon magere Programm am letzten Fußballsonntag der Saison brachte trotz des schönen Wetters noch einige Spielausfälle. Es ist dies der beste Beweis dafür, daß König Fußball endgültig abgewirtschaftet hat. Die Ergebnisse: Samstag: Bochum=West— Fortuna Weitmar:1 Alemannia Mengede— SV. Höntrop:0 LFC. Laer— Preußen 11 Bochum:2 Concordia Bochum— TuS. 26 Altenbochum:0 Union Günnigfeld— Rheinelbe Leithe:1 Sonntag: MBV. Linden— Edelstahl Krefeld:1 Wattenscheid 19— Fortuna Gelsenkirchen:4 TuS. Engelsburg— Wattenscheid 09/30:2 Langendreer 07— Preußen Steele:1 SC. Dortmund=Schüren— STV. Werne:2 Preußen Res.— Teutonia Stiepel:1 Polizei SV. Bochum Pokallieger Polizei=SV. Bochum— SV. Phönix Bochum:1(:0) Im Endspiel um den Pokal des DSC. 31 standen sich der Polizei=SV. Bochum und der SV. Phönix gegenüber. In diesem Spiel siegte die größere Kampfkraft über den technisch besseren Gegner. Besonders in der ersten Halbzeit trat die technische Ueberlegenheit der Leute aus Marmelshagen klar in Erscheinung. Aber die Marmelshagener scheiterten an der ausgezeichneten Abwehrarbeit des Schlußdreiecks der Polizeimannschaft. Daß eine harte Note in das Spiel getragen wurde, war in erster Linie Schuld des Linksaußens der Polizeimannschaft. Fortuna— Klafeld verlegt Das für Dienstag abend vorgesehene Pokalspiel SVa. Klafeld zwischen Fortuna und der den 16. August verschoben. Sog. Klaferd wurde auf Ta. Bodiam-Ehrehleid neigr auf Schluß der Aufftiegskämpfe zur Bezirksliga Der Kampf ist aus, die Sieger aus dieser schweren Doppelrunde stehen fest. Union Hagen=Haspe und die beiden Gruppensieger des Kreises Bochum, VfB. Börnig und TG. Bochum=Ehrenfeld, haben Hombruch, Herbede und Viktoria Dortmund hinter sich gelassen und werden mit Beginn der neuen Saison den einzelnen Bezirksligagruppen zugeteilt. Durch das Verbleiben der Bochumer Preußen in der Bezirksliga und durch den dritten Platz, den sich die Ehrenfelder erkämpft haben, umfaßt die Bochumer Bezirksliga in der kommenden Saison nicht weniger als sechs Vereine. Es sind dies: Preußen Bochum, MBV. Linden, Westfalia Bochum, SC. DahlBeginn des Spiels bekannt— brauchten die Bochumer nur auf Sieg zu spielen. Im Tordurchschnitt an sich schon besser wie die Mitbewerber um den dritten Platz (Hombruch) dastehend, mußte dieses Sviel unter allen Umständen gewonnen werden, wenn der Aufstieg gesichert gelingen sollte. Mit beispiellosem Elan gingen die Ehrenfelder denn auch an die nicht allzu schwere Aufgabe. Nachdem schon in der 10. Minute Filiviak einen„Köpfler“ zum ersten Tor verwandelt hatte und Mülhaus bis zum Wechsel zwei weitere Tore erzielt hatte, gab es kein Halten mehr. Ungestüm drängten die Ehrenfelder ihren Gegner zurück und sahen die beste Gelegenheit zur Verteidigung des Vorsprungs in einem beherzten Angriff, den man an den vorangegangenen letzten Kampf gegen SV. Hombruch gesichert, allerdings unter Voraussetzung eines Sieges der Ehrenfelder über den Tabellenletzten Viktoria Dortmund. Nun, es hat geklappt, Ehrenfeld holte sich die beiden wertvollen Punkte in einem schneidigen Schlußspiel und Börnig und Haspe leisteten Schrittmacherdienste. Daß der VfB. Börnig seinen von Beginn an innegehabten ersten Tabellenplatz im letzten Kampf noch abgeben mußte, ist bedeutungslos. Nach drei Jahren haben die Börniger der Stadt Herne wieder zu einem Bezirksligaverein verholfen, was dort ebenso freudig begrüßt werden wird, wie die Tatsache, daß die Ehrenfelder nach zweijährigem vergeblichen Versuch nun endlich die Früchte ihrer unverzagten Arbeit ernten können. Unsern herzlichsten Glückwunsch den Ehrenfeldern sowohl als auch den in Bochum gern gesehenen Börnigern. Die Ergebnisse: TG..=Ehrenfeld— Viktoria Dortmund:1 Union Haspe— SV. Herbede:3 SV. Hombruch— VfB. Börnig:38 Die Schlußtabelle: Union Hagen=Haspe VfB. Börnig 7G..=Ehrenfeld SV. Hombruch SV. Herbebe Viktoria Dortmund Ehrenfelds guter Abschluß TG. Bochum=Ehrenfeld— Viktoria Dortmund:1(:0) Als Sonntag in den späten Nachmittagsstunden der Schlußpfiff des Unparteiischen den siegreichen letzten Aufstiegskampf der Ehrenfelder beendete, da flogen auf den dichtbesetzten Rängen an der Bochumer Landwehr die blau=weißen Fähnchen hoch, um der siegreichen Mannschaft zuzujubeln. Dornenreich war der Weg, den die Ehrenfelder in den zehn Aufstiegskämpfen zurückzulegen hatten, und diese letzte Hürde mußte noch überwunden werden. Nun, man wußte im Ehrenfelder Lager, um was es ging. Nach dem:3 zwischen VfB. feren Gegenwehr und ihres harten, aber ri# Ringens wohl vergönnt ist. Bei Ehrenfeld teilten sich Filiviak und Mülhaus in sämtliche sieben Tore. Die Ehrenfelder Mannschaft, die während der Aufstiegsspiele so manches Handicap hat hinnehmen müssen, hat ihre ganze Kraft in dieses letzte entscheidende Sviel gelegt. Zweimal mißlang der Ansturm auf die Bezirksliga, und es schien im Verlaufe der Aufstiegskämpfe, als würden die Ehrenfelder abermals um die Früchte ihrer Kämpfe kommen. Im allerletzten Augenblick mit allerAm 8 November: Pokal-Endlpiel! Die Spiele um den Von=Tschammer=Pokalwettbewerb werden nach der Spielpause am 16. August mit den beiden rückständigen Begegnungen der zweiten Schlußrunde zwischen VfL. Benrath und 1. FC. Nürnberg oder SC. Planitz sowie SV. Waldhof und Fortuna Düsseldorf oder SVg. Klafeld fortgesetzt. Die dritte Schlußrunde folgt am 6. September, die vierte Schlußrunde am 20. September, die fünfte Schlußrunde am 4. Oktober und das Endspiel am 8. November. Sepp Manger schaffte Weltrekord Anläßlich eines Mannschaftskampfes im Ringen zwischen SC. Roland Bamberg und dem KSC. ZellaMehlis, den die Gäste mit:6 Punkten gewinnen konnten, unternahm der Ex=Bamberger Sepp Manger(Freising) einen Weltrekordversuch im beidarmigen Drücken. Der Versuch war von Erfolg gekrönt. Manger konnte seinen eigenen Weltrekord von 275 auf 278 Pfund verbessern. Da der Versuch unter offizieller Kontrolle stand, dürfte seiner Anerkennung nichts im Wege stehen. Deutscher Sieg im Radländerkampf Deutschland— Frankreich Der Steherländerkampf Deutschland—Frankreich vor etwa 10000 Zuschauern auf der Radrennbahn in Hannover brachte den drei deutschen Fahrern Metze, Möller und Krewer mit 25:17 Punkten dank der guten Mannschaftsleistung einen verdienten Erfolg über das fran45# zösische Terzett Laquehay, Blanc=Garin und A. Wambst. Die Ergebnisse: Dauerrennen: 1. Lauf über 50 Kilometer: 1. Metze 41,22,2, 2. Laquehay 660, 3. Wambst 780, 4. Möller 810, 5. Krewer 1410, 6. BlancGarin 2620 Meter zurück; 2. Lauf über 50 Kilometer: 1. Krewer 43,31, 2. Metze 130 Meter, 3. Laquehay 740 Meter, 4. Möller 870 Meter, 5. Blanc=Garin 3100 Meter, 6. Wambst 3700 Meter. Gesamt: 1. Deutschland 25, 2. Frankreich 17 Punkte. Konllingkausen Unne-Talsche Bescheidenhelt Eine knappe:-Niederlage gegen Schalke 04 Tehende*Okompzarieas. Turnerinnen be Börnig und Hombruch und dem knappen Siege der ##hende Olympiariege zusammengestellt.1 Hasper über Herbede— die Ergebnisse waren schon bei P. B. Wanne=Eickel, 28. Juni. Noch war beim großen Reit= und Fahrturnier auf dem Eickelplatz das Glücks=Jagdspringen(bei dem die Pferde nahezu detektivische Fähigkeiten entwickeln mußten) im vollsten Gange, da hielt es die pferdeverständigsten Wanne=Eickeler nicht mehr zwischen Hindernissen und wiehernden Hottemären, sie zogen in Scharen hinaus zum Preußenplatz, der traditionsreichen Großkampfstätte der sportbegeisterten Stadt Wanne=Eickel und frischten auf dem Wege zwischen den beiden Sportfeldern die Erinnerung an jenen unvergeßlichen Kampf Röhlinghausen— Schalke 04 auf, in dem die tapfere Spielvereinigung vor einigen Jahren nach unfreiwilliger Pause eine außerordentlich glanzvolle Wiederkehr feierte.— Nun, die Röhlinghauser haben am Sonntag gehalten, was sie damals versprachen, sie haben— und was hätte man von ihnen verlangen können— die Knappen zu einem tüchtigen Kampf gezwungen, mehr noch, sie haben ihnen in weiten Strecken der zweiten Halbzeit wacker eingeheizt und Nowitzkis Schüsse werden vielleicht in der zweiten Reihe von Mellages Erinnerungen(natürlich nicht gleich neben den Bomben Helmchens und Gußner) einen Platz behalten. Das war aber nicht das Erfreulichste dieses Spiels, daß die Röhlinghauser, die ja nichts zu verlieren hatten, mit erfrischender Herzhaftigkeit und ohne falsche Bescheidenheit ins Geschirr gingen und ganz ohne Ehrfurcht vor großen Namen ein prächtiges weitmaschiges Spiel echt einheimischen Gewächses aufbauten, sondern daß sich in den Reihen der Grün=Schwarzen einige Strategen fanden, die den Schalkern oft in einigen ihrer Sondergebiete, im Technischen, im Trickreichtum, die Waage hielten. Und hier muß mit besonderem Nachdruck der Name Peter Wolski genannt werden. Er ist, mit dem Metermaß gemessen ein kleiner Mann, der Peter, aber er kann riesig viel vom Fußballspiel, er beherrscht das Technische mit unglaublicher Mühelosigkeit und besitzt die feinste Witterung für taktische Notwendigkeiten. Er verdient, in der Reihe der besten Spieler des Feldes genannt zu werden, und diese Reihe besteht natürlich außer ihm nur aus Schalker Kämpen: Szepan, Kuzorra, Pörtgen; dieser Innensturm war der Clou des Spiels. Pörtgen war quicklebendig, die Unruhe dieses StürmerUhrwerks, dabei wundervoll umsichtig, auf Torschüsse erpicht, eine wundervolle Ergänzung zur überlegenen Ruhe der beiden berühmten Halbstürmer. Tibulski tritt als Mittelläufer doch nicht so in Erscheinung wie auf seinem gewohnten Posten am Flügel, wo diesmal Gellesch auch gerade keine Fußball=Bäume ausriß In der 25. Minute fiel das erste Tor. In einem Gedränge vor dem Röhlinghauser Tor hatte ein Verteidiger den Ball mit der Hand berührt, und Pörtgen schoß den Elfmeter mit einem geradezu sanften Schuß ins Netz. Eine halbe Minute vor dem Halbzeitpfiff schoß Kallwitzki das zweite und letzte Tor des Tages, eine Bombe aus ungünstigster Stellung. Das heißt, Bochumer Anzeiger# Montag, 29. Juni 1936 as wurde in der 17. Minute der zweiten Halbzeit noch ein Tor erzielt, aber der Schiedsrichter gab diesen Röhlinghauser Treffer wegen Abseits nicht. So blieb es dann trotz energischer Röhlinghauser Verbesserungsversuche bei:0. Zweite Schlußrunde um den Tschammer=Pokal Spogg. Röhlinghausen— Schalke 04:2 Werder Bremen— Rot=Weiß Oberhausen:2 u. V. Viktoria Stolp— Hindenburg Allenstein:2 Berliner SV. 92— Beuthen 09:1 Wacker 04 Berlin— Viktoria Hamburg:4 Vorwärts RSV. Gleiwitz— VfB. Leipzig:2 n. V. Polizei Chemnitz— Viktoria 89 Berlin:2 Polizei Lübeck— Hertha=BSC. Berlin:8 VfB. Peine— BC. Hartha:0 Wormatia Worms— Vingst 05 11:1 SSV. Ulm— Freiburger FC.:0 1. FC. Schweinfurt— SV. Feuerbach:2 1860 München— 1. FC. Pforzheim:3 Neuer ZehnkampfWeltrekord Hans Heinz Sievert übertroffen! In der„amerikanischen Bierstadt“ Milwaukee standen im Vordergrund leichtathletischer Wettkämpfe die Ausscheidungen, der amerikanischen Zehnkämpfer zu den Olympischen Spielen in Berlin. Dabei gab es zum Teil ganz hervorragende Leistungen, und der Sieger, Glenn Morris, übertraf mit insgesamt 7880 Punkten die am 8. August 1934 in Hamburg von unserem Rekordmann Hans Heinz Sievert mit 7824,50 Punkten aufgestellte Welthöchstleistung um nicht weniger als 55,5 Punkte. Damit ist der Weltrekord des Deutschen, dem selbst von den ersten Fachleuten ein langer Bestand vorausgesagt war, nach noch nicht ganz zweijähriger Lebensdauer ausgelöscht worden. Den zweiten Platz besetzte Robert Clark mit 7598 Punkten vor Jack Palmer mit 7290 Punkten. Die drei Erstplacierten Glenn Morris, Robert Clrak und Jack Palmer stehen nunmehr als Vertreter Amerikas beim olympischen Zehnkampf fest. Auf Grund dieser großartigen Leistung wird Glenn Morris als erster Anwärter auf die Goldmedaille zu gelten haben. Morris hat sich ständig verbessert, nachdem er im Frühjahr bereits mit 7576 Punkten eine hervorragende Leistung geboten hatte. Die meisten Punkte holte der Amerikaner in den Laufwettbewerben heraus. Auch in den übrigen Wettebewerben gab es ausgezeichnete Leistungen. Glenn Cunningham gewann die 1500 Meter unbedrängt in 3,53,2 Minuten, Lirin Benke siegte über 400 Meter Hürden in der famosen Zeit von 52,2 Sekunden, der neue Rekordmann und sochschulmeister Kenneth Carpenter gewann das Diskuswerfen mit 51,82 Meter und im Speerwerfen kam Lee Bartlett auf 67,55 Meter, während Edward Burke im Hochsprung eine Höhe von 2,00,5 Meter bewältigte. Amcrikas Athleten in Hochform Auch die Ausscheidungskämpfe in Cambridge (Massasuchetts) standen im Zeichen beachtlicher Leistungen, obwohl fast während der ganzen Kämpfe Regen #nging Im Stahhochsyrne Nereide In 50000 Menschen in Hamburg-Horn— Zwei Stuten in Front niederging. Im Stabhochsprung bewältigte Weicher trotz des ungünstigen Wetters eine Höhe von 4,34 Meter. Henry Dreyer schleuderte den Hammer 54,94 Meter weit und Jack Torrance erzielte ungeachtet einer verletzten Schulter mit seinem besten Kugelstoß eine Weite von 16,24 Meter. John Woiruff gewann die 800 Meter in 1,51,3 Minuten, während Bill Bonthron den 1500=Meter=Lauf nach hartem Kampf in .55,2 Minuten nur um Brustbreite gegen Gene Venzke zu gewinnen vermochte. Die 400 Meter Hürden wurden eine sichere Beute des Weltrekordmannes Glenn Hardin in 52,6 Sekunden; ebenso sicher holte sich Joe Mc. Clusky den 3000=Meter=Hindernislauf in 9,21,9 Minuten mit 50 Meter Vorsprung gegen Eino Pentti. Cornelius Johnson kam im Hochsprung auf 1,98 Meter. Weitere Ausscheidungskämpfe gingen im Olympischen Stadion zu Los Angeles vor sich. Die hervorstechendste Leistung war der 200=Meter=Lauf von Mac Robinson mit 21,1 Sekunden, einer Zeit die auf einer gebogenen Strecke bisher noch nicht erreicht worden ist. Der Amerikaner Locke hatte seine Weltrekordzeit von 20,6 Sekunden auf einer 200 Meter langen geraden Strecke aufgestellt. Ganz hervorragend ist auch die von dem Neger Jimmy Luvalle erzielte 400=MeterZeit von 46,3 Sekunden. Frank Wykoff gewann den 100=Meter=Lauf in 10,5 Sekunden. Eines der schönsten Rennen des Tages waren die 800 Metei, die Ben Eastman sich in der glänzenden Zeit von 1,50,1 Minuten holte. Ohne belondere Leiltungen Deutsche Hochschulmeisterschaften in Bonn Die Deutschen Hochschulmeisterschaften wurden am Samstag in Bonn mit den Kämpfen in der Leichtathletik, im Tennis und Schwimmen fortgesetzt. Rund 1000 Studenten und Studentinnen von 50 Hochschulen beteiligten sich an den Wettbewerben. Die besten Leistungen waren(innerhalb des Mannschaftskampfes): Hochsprung: Weinkötz(Köln) 1,90 Meter.— 200Meter=Lauf: 1. Vollmert(Köln) 22,1, 2. Zoumer (Bonn) 22,4.— Speerwerfen: Hahnebuth(Marburg) 58,08 Meter.— Weitsprung: Fromm(Berlin) 6,68 Meter.— 4X100=Meter=Staffel: Uni(Freiburg) (2. Klasse) 44,7 Sek.— Kugelstoßen: Bartelt(Marburg) 13,33.— 800 Meter: Franzmeyer(Freiburg) :58,4.— 4X400=Meter=Staffel: Uni(Berlin):26,5. Das 68. Deutsche Derby, das am Sonntag bei herrlichem Sommerwetter auf dem Horner Moor entschieden wurde, nahm einen etwas unerwarteten, aber dennoch erfreulichen Ausgang. Die bisher in acht Rennen ungeschlagene Nereide aus dem Gestüt Erlenhof gewann mit beispielloser Ueberlegenheit, und auch auf dem zweiten Platz endete mit Alexandra eine Stute vor dem aufgelösten Rest der Hengste, der von dem Favoriten Periander angeführt wurde. Nereide, deren Vater Graf Isolani ebenfalls von ihrem Reiter E. Grabsch 1929 an der gleichen Stelle als Derbysieger durchs Ziel ging, hat dabei bewiesen, daß sie ein Ausnahmepferd ist, wie wir es jahrzehntelang schon nicht mehr in Deutschland gehabt haben. Ihre letzten Ersolge waren nicht gerade überzeugend und man fürchtete schon, daß die Siegesserie der Erlenhöferin jäh unterbrochen werden würde. Die Zweifler haben unrecht behalten. Mit der phantastisch anmutenden Zeit von:28,8 Minuten stellte sie einen neuen Rekord auf und brachte zugleich nach 21jähriger Pause das„schwache Geschlecht" im Derby zu Siegesehren, nachdem 1915 mit Pontresina zum letzten Male eine Stute erfolgreich gewesen war. Den bisherigen Derby=Rekord hielt Athanasius mit :32 Minuten, der vor zwei Jahren die Farben des Gestüts Erlenhof zum Siege trug. Wie schon in jedem Jahre am Derbytage, stand die alte Hansestadt bereits am frühen Morgen ganz im Zeichen des großen rennsportlichen Ereignisses. Stralender Sonnenschein erhöhte die Feststimmung und gab dem Ganzen einen herrlichen Rahmen. Schon lange bevor die ersten Pferde gesattelt waren und in den Führerring gebracht wurden, setzte die Völkerwanderung ein. Endlose Schlangen von Straßenbahnen, Omnibussen und Privatautomobilen brachten immer neue Massen hinaus nach Wandsbek. In unübersehbaren Mengen ergoß sich der Strom der Turffreunde auf die Horner Anlage, um die Tribünen, den Sattelplatz und ganz besonders die billigen Stehplätze bis auf das letzte Fleckchen zu besetzen. Wenn man die Zahl der Zuschauer mit 50 000 schätzt, so dürfte man wohl kaum zu hoch, eher zu niedrig gegriffen haben. Auf der Haupttribüne hatten als Vertreter der Reichsregierung Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg, Generaloberst Göring und Generaloberst v. Fritsch Platz genommen; weiter sah man in der Ehrenloge zahlreiche Botschafter und Diplomaten, Offiziere der Wehrmacht und die Spitzen der Parteiorganisationen. Begreiflicherweise fanden die ersten Rennen kaum Beachtung, mit fieberhafter Spannung erwarteten die Massen den Start des Meilenrennens unserer Dreijährigen. Unter größter Spannung vollzog sich der Aufgalopp und am Start zu den 2400 Meter nahmen die zehn Bewerber von innen nach außen wie folgt Aufstellung: Wiener Walzer, Alexandra, Nereide, Abendstimmung, Idomeneus, Item, Periander, Walzerkönig, Reichsfürst und Treuer Geselle. Kantersieg der ungeschlagenen Nereide Am Start entsteht ein Aufenthalt, da einige Pferde recht unruhig sind; endlich schnellen die Bänder hoch, aber das Feld wird zurückgerufen. Item und Periander sind am weitesten weggebrochen und können erst vor den Tribünen gewendet werden. Der zweite Start gelingt. Periander, Item und Treuer Geselle liegen nach dem Start einen Moment auf gleicher Höhe an der Spitze, aber schon hat sich Nereide zu ihnen gesellt und an den Tribünen vorbei führt die Erlenhofer Stute knapp vor Periander, um aber bald wieder dem Weinberger den Vortritt zu überlassen. Periander legt nun an der Spitze eine Höllenfahrt vor, mit drei Längen Vorsprung vor Nereide, Alexandra, Abendstimmung und Item kommt der Hengst aus dem Wandsbeker Bogen Starlike, 4.: 1. Langhoffs Ma Clochette(Frl. v. Glinsky), 2. Snatok, 3. Rote Tanie, 4. Makionia, ferner: Florian Geyer, Ilmenau, Medardus, Seemelle, Filene, Georgina. Toto: Sieg 21, Platz 12, 17, 13, 15.. 14##. .: 1. Ravensbergs Lösselmann(Lommatzsch), 2. Aurel, 3. Grisson, ferner: Natango, Ilona, Mogul, Melle. Toto: Stea 40, Platz 12, 17, 13.(Buge) 9 Gamin; Suri 6..: 1. Meistners Voluntas(Buge), 2. Gamin, 3. Nuri, ferner: Doppelsprung, Kitzvock. Toto: Sieg 38, Platz 13, 7..: Ravensbergs Standlaut(Lommatzsch), 2. Bronceluster, 3. Rücklauf, ferner: Preisträger, Adare, Antiochus, Maßliebchen. Toto: Sieg 64, Platz 16, 11, 17. 8..: 1. Reiterst. 71 Kölns Fabrewobl(Hochstein), 2. Hanshein. 3. Weltmeister, ferner Reizjäger. Anführer, Gängerin, Musca, Feuerland. Toto: Sieg 73. Platz 22, Loppelwette: Hohlweg— Lösfelmann 220:10. Longchamp, 28. Juni 1..: 1. Guves Phryné(Hervé), 2 Ebene, 3. ferner: Le Rer Perette, The Vamp, Isolda. 199, Plaz 70, 60.„... 8 un 9 Sunt Perian Ohermachtmeister## 2..: 1. Prats Renette(Duputt), 2. Quai'Orsav,[Oberwachtmeister N 3. Paris Nord, ferner: Le Cpelone II, Nymph. Toto:„ Herweise waren d. Steg 19 Platz 13, 17....###n 9 .: 1. Wideners Versei(Bridgland), 2. Verius, 3. Hétival, ferner: Le Résultat, Broom, Dark Ring, Montfort, Sablon, Thöbes, Benjamin, Pull Over, Sagar, Vautour, Timbale. Toto: Sieg 52, Platz 21, 39 27. 4..: Masurels Mieurcé(Rabbe), 2. Sind, 3. Alcali, ferner: Frisquet, Serdab. Petit Jean, Grand Maniton, Vatellor. Genetout, Patachon, Samovar, Le Vizir, His Grace, Port de Reine, Aurangzeb, Radnor, Foxfield, CaMedici, 3. Blue Bell III, ferner: Philometor. Chrismyc, rius,, Mannlicher, Presbyterian. Toto: Sieg 35. Platz 20, 5..: 1. Sterns La Spezzia(Dusorez), 2. Lorenzo de Liari. Toto: Sieg 43. Platz 19, 20. 6..: 1. Sterns Fantastic(Duforez) 2. Fastnet, 3. Terignac, ferner: Zem Zem, Pitou,'Amiral, Cap Nord. Toto: Sieg 67, Platz 30, 22. Unsere Voraussagen: Auteuil, 29. Juni 1..: Trés, Sport— Valsine. 2..: Iman— Semi Ton. 3..: Colindres I— Toutva II. 4..: Aprés Nous— Cos II. 5..: Loup de Mer— Chanzy. 6..: Le Clair de Lune— Saint Germer. Ueberraschung im Spring-Derby Landrat(Oberwachtm. Nippe) siegreich. Am Vortage des Galopp=Derbys in Hamburg= Horn wurde nach alter Ueberlieferung auf dem Turnierplatz in Klein=Flottbek das Deutsche Spring=Derby entschieden. Der Besuch war außerordentlich stark. Unter den Zuschauern bemerkte man auch Generalfeldmarschall von Blomberg und Generaloberst Freiherr von Fritsch. Wieder führte die Prüfung über einen 1260 Meter langen Kurs mit 25 Hindernissen, die zum Teil die Höchstmaße der schwersten Konkurrenzen überschritten. Von 41 Bewerbern kam nur der Mecklenburger Landrat, der sich im Besitz der 4. Schwadron des Toio: Sieg: Oberkommandos des Heeres in Berlin befindet, unter Nippe fehlerlos ans Ziel. Irrtümticherweise waren dem Wallach vier Fehler angekreidet worden und es bedurfte leider erst eines Protestes, ehe Landrats Derbysieg endgültig feststand. Die erste Klasse der Kavallerieschule Hannover war nicht am Start, um für die Olympischen Spiele geschont zu werden. Ergebnisse: 1. 4. Schwadron Stabsabteilung O. K. H.„Landrat“(Oberwachtm. Nippe) 0 Fehler,:46,2 Min., 2. H. Schmidts Maren(Frl. Metzger) 4 Fehler,:25,4 Min., 3. Kav.=Schules Wange (Oblt. Schlickum) 4 Fehler,:35,2 Min., 4. Frau Irmgard v. Opels Arnim(Bes.) 4 Fehler,:37,2 Min., 5. SS.=Untersturmführer Oblt. a. D. Betzels Ferro(Bes.) 7 Fehler,:50,6 Min., 6. Stall Georgens Amneris(A. Staeck) 8 Fehler,:30,4 Min., 7. Hptm. Schuncks Nelke(Bes.) 8 Fehler,:51,6 Min., 8. Art.=Reg. 22 Fanfare(Oblt. Schlickum) 8 Fehler, :51,6 Min., 9. Oblt. Neckelmanns Raubritter(Bes.) 12 Fehler,:32,2 Min. Die„Geleizien andziel Das Wochenende in Wimbledon— Von Cramm und Maricluise Horn fetzten sich durch Die erste Woche der All=England=Meisterschaften ist vorüber. Ueberraschungen sind in diesem Jahre ausgeblieben. Mit einer Ausnahme sind noch alle Favoriten im Rennen, und wir dürfen mit besonderem Stolz darauf hinweisen, daß es unsere Spitzenspielerin Marieluise Horn war, die die gesetzte Amerikanerin Palfray beswang,„.7.ham 1abt Si. Im Männereinzel stehen jetzt die„letzten Acht“ fest: hier haben alle Gesetzten den ihnen zugedachten Platz im Viertelfinale erreicht, wobei allerdings unserem Meister G. von Cramm auf dem Wege in die fünfte Runde die schwersten Aufgaben zufielen. Die Liste der letzten Acht ergibt zugleich auch ein getreues Abbild der Lage im Welttennis, denn neben England mit dem Titelverteidiger Fred Perry und Bunny Austin haben noch USA. — Bryan Grant, Donald Budge und Wilmer Allison— drei Konkurrenten und Australien— Adrian Quist und Jack Crawford— zwei Spieler im Wettbewerb. Dazu kommt noch unser Meister Gottfried von Cramm, der in diesem Jahre wieder gegen einen Crawford in Bestform anzutreten hat. Bei den Frauen erwies sich Marieluise Horn der Holländerin Rollin Couquerque mit:3,:0 klar überlegen. Gegen die Engländerin Curtis sollte Marieluise Horn auch den Eintritt ins Viertelfinale erzwingen können, das bereits Helen Jacobs und Ainita Lizana erreichen konnten. Deutsche Doppelsiege Im Männerdoppel konnten unsere deutschen Spieler weiterhin erfolgreich abschneiden. G. von Cramm=Henkel trafen auf die Engländer Clark=de Manby und siegten sicher:0,:2,:5. Der Kieler Lund spielte mit dem spanischen Meier Enrico Maier auf dem Hauptplatz gegen Oesterreichs Davispokaldoppel. Die deutsch=spanische Kombination ergänzte sich recht glücklich und kam zu einem schönen:=,:=,:=,:=Sieg. Die versamelten Studenten und Studentinnen sandten an den Reichsminister Rust(Heidelberg) folgendes Telegramm: „1000 deutsche Studenten und Studentinnen aus 50 Hochschulen kämpfen in Bonn um die Deutschen Hochschulmeisterschaften und grüßen ihren Reichsminister und Schirmherrn und Förderer der deutschen Hochschulen. (gez.) Hauptamtsleiter.“ Wer krifisiert, darf nicht wetten Wettverbot für Rennberichterstatter Es ist mehrfach Klage darüber geführt worden, daß Schriftleiter und Berichterstatter deutscher Zeitungen, die sich mit der Berichterstattung über den Pferdesport auf den Rennbahnen beschäftigen, gleichzeitig Rennwetten abschlossen. Es ist ganz selbstverständlich, daß derjenige, der sich selbst durch Anlage von Wetten an den Rennen interessiert und beteiligt, kein ungetrübtes Urteil über den Verlauf der Rennen mehr abzugeben vermag. Unter der Unsitte, daß Sportberichterstatter gleichzeitig wetteten, hat in besonders starkem Maße die Sportkritik gelitten. Aus diesem Grunde hat der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ab sofort allen Schriftleitern und Berichterstattern, die über den deutschen Pferdesport berichten oder pferdesportliche Aufgaben in ihren Schriftleitungen zu bearbeiten haben, das Abschließen von Rennwetten untersagt. in die Gegenseite. Den Beschluß des aufgelösten Restes bildet der Stallgefährte Nereides Idomeneus. Im letzten Bogen wird Periander zwar etwas kürzer, doch behält er eine klare Führung und biegt auch noch als Erster in die Gerade vor Nereide und Alexandra, während Abendstimmung langsam abfällt. Während am Schluß des Feldes Idomeneus plötzlich Boden gutmacht, erscheint Nereide noch vor der Distanz an den Gurten Perianders, der nach kurzem Kampf klar geschlagen ist. Nereide zieht spielend leicht in Front und erreicht das Ziel vier Längen vor Alexandra, die ihren Stallgefährten Periander noch vor den Tribünen leicht passiert hatte. Mit weiteren zwei Längen Rückstand kommt Periander als Dritter durchs Ziel vor Treuer Geselle und Idomeneus, die beide zum Schluß noch stark aufgekommen sind. Ganz besonders enttäuscht hat Walzerkönig, der in ganz besonderem Maße dem harten Tempo von Periander zum Opfer gefallen zu sein scheint. In einem begeisterten Triumphzug werden Nereide und ihr Reiter Ernst Florian Grabsch, der hier nach Graf Isolani und Alchimist seinen dritten Derbyerfolg buchte und neben Otto Schmidt der erfolgreichste deutsche Reiter im Derby ist, zur Waage zurückgeführt, wo unter dem nicht enden wollenden Beifall der Menge der Klafsestute der Lorbeerkranz und das Blaue Band umgehängt werden. Und noch einmal erhebt sich ein Beifallssturm, als die Rekordzeit Nereides mit:28,8 Minuten bekanntgegeben wird. Ergebnis: Deutsches Derby 1936: 1. Nereide (Grabsch), 2. Alexandra(Held), 3. Periander(Streit), 4 Treuer Geselle(Visek), 5. Idomeneus(Otto Schmidt), 6. Abendstimmung(Zehmisch).— Richter= — 2— 5— 2 Lär Whhnie aur Bagank liegt im„Großen Preis von Frankreich“ spruch: 4 Längen. Hamburg=Horn, 28. Juni 1..: 1. Ammerlands Gratianus(Göbl) 2. Dardanos. 3. Ideolog, ferner: Jupiter. Toto: Sieg 26. Platz 12. 11. 2..: 1. Graditz' Leuthen(Zehmisch), 2. Pabst, 3. Pommernherzog, ferner: Marquis, Grossularia, Anthyllis. Toto: Sieg 22. Platz 14. 19, 16. 3..: 1. Schlenderhaus Schwarz=Weiß(Printen), 2. Gleichklang, 3. Geradeaus, ferner Coeuratz, Lord Tullus, Irmgard. Martini. Toto: Sieg 37, Platz 12, 13, 14. 4..: Deutsches Derby: 1. Erlenhofs Nereide(Grabsch), 2. Alexandra, 3. Periander, 4. Treuer Geselle, ferner: Item, Idomeneus, Reichsfürst, Walzerkönig, Wiener Walzer, Abendstimmung. Toto: Sieg 33, Platz 14, 70, 12, 15. 5..: 1. Bibers Palladio(Hiller), 2. Augraf, 3. Inländer ferner: Atlas, Limperich, Loni., Sauhatz, Kanzlist. Toto: Sieg 69, Platz 28, 21, 64. 6..: Erlenhofs Pan(Grabsch), 2. Ausonius, 3. Origenes, ferner Mariensels, Wassenschmied. Toto: Sieg 17, Platz 14, 21. 7..: 1. Bärfeldes Xp; für'n U(Visek), 2. Vogelsänger, 3. Atulla. ferner: Lampade, Pesue. Friedberg. Der Prämiierte. Toto: Sieg 68. Platz 20, 17. 19. 8..: 1. Müldens Hosoper(Müller), 2. Wilderer, 3. Alp. ferner Winde, Treudeutsch, Altdamm. Toto: Sieg 55, Platz 19, 21, 20. Neuß, 28. Juni 1..: Lauvensburgs Commodore(Buge), 3. Conzertleiter, ferner: Verlbuhn, Sau tot. 38, Plasz 15. P. W.n.. 2 2..: 1. Arenz“ ugnus(wrova), 2. Pollux II, 3. Rosella. Toto: Sieg 21.(8. Samitn“ 3..: 1. Linkes Hohlweg(m Schmidt), 2. Windsor, 3. Die Lupine, ferner: Sellm, Toto: Sieg 32. Platz 11, 12, 11. Wenn der AC. von Frankreich gehofft hatte, daß sein diesjähriger„Grand Prix de France“, der als ein Rennen für Sportwagen ausgeschrieben war, den gleichen Publikumserfolg haben würde wie das Vorjahrsrennen der Rennwagen, so wurde er stark enttäuscht. Die große Tribüne in Linas=Montlhéry war nur schwach besetzt, und längs der 12.5 Kilometer langen Strecke waren auch nicht sehr viele Zuschauer zu sehen. Dabei versprach die Teilnahme der vielen Wagen und die Länge des Rennens— 1000 Kilometer waren zu fahren— einen abwechslungsreichen Verlauf. 80 Runden waren zu fahren. 42 Fahrzeuge wurden in drei verschiedenen Klassen um 10 Uhr vormittags abgelassen. Die schweren Bugatti=Sportwagen der Klasse 2000 bis 4000 Kubikzentimeter übernahmen durch Bénoist die Führung vor Dreyfus(Talbot) und Wimille (Bugatti). Die beiden deutschen BMW.=Wagen und der von der englischen Firma Frazer=Nash in Lizenz gebaute BMW., die von Henne, Roth und Aldington gesteuert wurden, kamen natürlich gegen die schwereren Maschinen mit ihren 2000 Kubikzentimetern nicht an, führten aber das Feld ihrer Klasse(750 bis 2000 Kubikzentimeter) mit Vorsprung an. Henne lag im Gesamtrennen vor Roth und Aldington auf dem 17. Platz, hatte sich aber nach 150 Kilometer schon den 14. Rang erobert. Auf der Strecke zwischen 500 und 800 Kilometer entspann sich ein harter Zweikampf der Delahaves gegen die wieder nachdrängenden Bugattis. die Wimille anführte. Wimille erkämpfte sich die Führung, doch mußte er sie wieder an Veyron auf Bugatti abtreten, der den Rundenrekord auf 183,05 Stundenkilometer schraubte. Für die BMW.=Wagen verlief dieser Abschnitt des Rennens sehr unglücklich. Zwar liefen die Motoren tadellos aber es zeigte sich, daß die schlechte Beschaffenheit der Straßen die Maschinenteile derart schwächte, daß sowohl Roth als auch Aldington aufgeben mußten. Die letzten.200 Kilometer ließen an Spannung nichts##e#orös zu wünschen übrig. Wimille war in der 65. Runde er= mondo Maserati 1,10,52,8. Priampne Ger ka. Wikig bei der Großen Grünauer Regatte neut in Führung gegangen, hinter ihm jagten die Delahayes beran, ohne jedoch den Bugatti zu erreichen. In:58:53 siegte Wimille mit einem Stundendurchschnitt von 125,28 Kilometer vor den beiden Delahaves von Michel(:59:44= 125,06 Stundenkilometer) und Brunet(:00:25= 124,88 Stundenkilometer). In dieser Reihenfolge wurden die gleichen Fahrer auch Sieger der Klasse 2000 bis 4000 Kubikzentimeter. In der kleinen Klasse bis 2000 Kubikzentimeter, in der auch die drei BMW. starteten, gewann Trevour auf Riley das Rennen, und in der unbegrenzten Klasse Leez auf Lagondo. Von den 41 teilnehmenden Wagen kamen 25 durchs Ziel, als Letzter Earl Howe mit 26 Runden Rückstand. Nuvolari schlug Varzi Autorennen in Mailand Das neu geschaffene Autorennen in Mailand um den Triennale Pokal spitzte sich auf den erwarteten Zweikampf zwischen Nuvolari auf Alfa Romeo und Varzi auf Auto=Union zu. Nuvolari übernahm kurz nach der Hälfte des 156 Kilometer langen Rennens die Führung und siegte mit 97,570 Stundenkilometer vor Varzi, der.8 Sekunden zurück Zweiter wurde. Bei den kleinen Rennwagen gewann Trossi auf Maserati mit 90,070 Stuedenkilometer vor seinem Markengefährten Villoressi. Die Ergebnisse: Triennale=Pokal: über 60 Runden gleich 146 Kilometer: 1. Tazio Nuvolari Alfa Romeo .35,56,4 gleich 97,570 Stundenkilometer, 2. Achille Varzi Auto=Union 1,36,05,2, 3. Giuseppe Farina Alfa Romeo 1,37,07,8, 4. Brivio Alfa Romeo. Klasse bis 1500 ccm, 40 Runden gleich 104 Kilometer: 1. Graf Trossi Maserati 1,09,17,4 gleich 90,070 Stundenkilometer, 2. Villoressi Maserati 1,10,35,4, 3. Del2. Laufsix. Toto: Sieg Steinmetz, Wernigerode. in Front. Mit eineinhalb Längen schlug der nach der Trainingsmethode erzogene Achter das 1. Tag der Großen Grünauer RG. Wiking Berlin gewann den Achter Auf der 51. internationalen Großen Grünauer wird nicht nur die deutsche Ruderer=Olympiaklasse, sondern auch der gesamte technische Apparat der Grünauer Olympiastrecke auf dem Langen See einer besonderen Prüfung unterzogen. Die Regatta fand schon am Samstag ein sehr zahlreiches Publikum, das mit ganz besonderer Spannung die Entscheidung im BürensteinAchter erwartete, wo die beiden Zellenboote von Grünau abermals gegen reine Vereinsmannschaften rudern Zweier); 1. Fachamtsze mußten. Nach dem Erfolg von Mainz und ihren beiden:54,8 win., 2. Berliner KK. Hellas:08,7 Min. schönen ersten Plätzen in den Vorrennen des Freitags Hindenburg=Gedächtnis=Vierer(Erblieb erwartungsgemäß die RG. Wiking Berlin wieder ster Senioren=Vierer o. St.): 1. Fachamtszelle WürzFairbairnschen Teumingsmihrde erzoge zweite Olympiazellenboot, das im Endkampf noch die Schmidt=Mannschaft abfangen konnte. Im HindenburgGedächtnis=Vierer o. St. hatte die Würzburger MenneMannschaft keinen ebenbürtigen Gegner und im Großen Einer bestätigte„Gummi“=Schäfer abermals seine Klasse durch einen Sieg über Westhoff und Haslebener. Die Ergebnisse: Zweier mit Steuermann(Erster SenlorZweier): 1. Fachamtszelle Grünau(Gustmann Adamsti) Min., 2. Berlin Seite 10 Nr. 149# Bochumer Anzeiger 7 Montag, 29. Juni 1936 Kümarteil der-Hoterlandurfe 89 H Willen burg(Eckstein, Rom, Karl, Menne):35,1 Min., 2. RG. Viktoria Grünau:47,8 Min., 3. Germania Königsberg:58,7 Min. Zweiter Senior=Vierer: 1. RG. Wiking Berlin:53,7 Min., 2. Allianz Grünau:58,7 Min. Jungmann=Achter: 1. Mainzer:11,4 Minuten, 2. Berliner RC.:19,2 Min. Hellas=Olympia=Zweier o. St.: 1. Hannoverscher RC. 1880(Melching Meyer a. d. Heide) :22,9 Min., 2. RG. Wiking Berlin(Braun Möller) :27,2 Min., 3. Berliner RV. 1876(Wieczorek Langer) :35,6 Min., 4. Mannheimer RC. 1875(Eichhorn Strauß):54,3 Min. Zweiter Senior=Einer: 1. Mainzer RV. (Toni van den Bergh):49,1 Min., 2. Club de Regatas do Flamengo, Rio de Janeiro,:18.3 Min. Junior=Vierer(Ehrenpreis des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda): 1. Berliner RC.:58.5 Min. Großer Einer(Erster Senior=Einer): 1. Fachamtszelle Grünau(Schäfer):12,6 Min., 2. Fachamtszelle Grünau(Franz Westhoff):15,5 Min., 3. RG, Dresden(Haslebener):16 Min., 4. Fachamtszelle Grünau(Krakau), 5. Fachamtszelle Grünau (Pitsch), 6. Gubener RC.(Willi Dohme). Büxenstein=Achter: 1. RG. Wiking Berlin (Radach, Kuschke, Völs. Kaufmann, Braun Loeckle, Hannemann, Schmidt, St. Mahlow):43,1„Min., 2. Fachamtszelle Grünau(Franzke=Boot):47,7 Min., 3. Fachamtszelle Grünau(Schmidt=Boot):50,1 Min.), 4. Renngemeinschaft Leipzig:53.9 Min.„5. Berliner RC.:55 Min., 6. Kölner RV. 77:56,2 Min. Nachdem auch am zweiten Tage der Großen Grünauer die RG. Wiking mit ihrem Fairbairn=Achter im Verbands=Achter=Rennen den Sieg eindentig erringen konnte, ist wohl kaum noch daran zu zweifeln, daß die l6 Wikinger den zur Zeit besten deutschen Achter stellen. 6,24,3 Minuten. [Ob nun die Berliner in der augenblicklichen Besetzung weiterfahren sollen oder aus anderen Booten(wohl Mainz) verstärkt werden sollen, ist noch nicht entschieden; Bestrebungen zur Bildung eines noch stärker besetzten Achters sind im Gange. Im Vierer mit Steuermann, dem Adolf=Hitler=Vierer, kam es zu einer Ueberraschung. Die Würzburger Europameistermannschaft wurde wiederum von der Reungemeinschaft Amicitia Mannheim— RV. Ludwigshafen geschlagen, doch diese konnte trotz eines großartigen Schlußangriffs nicht verhindern, daß sie um Luftkastenlänge dem Grünquer Fachamtsboot unterlag. Im Doppelzweier erwiesen sich Kaidel— Pirsch abermals als das beste deutsche Paar. Die Ergebnisse: Zweiter Vierer ohne Steuermann; 1. Berliner RC. Sport=Borussia 7,22,3 Minuten, 2. Rvg. Allianz Grünau 7,29,6 Minuten. Erster Jungmann=Vierer(Ehrenpreis des Reichsinnenministers Dr. Frick): 1. RVg. Allianz Grünau 7,26 Minuten, 2. Berliner RV. 76 7,26,3 Minuten, 3. Frankfurter RC. 82(Oder) 7,26.9 Minuten. Adolf=Hitler=Vierer(Erster Senior=Vierer mit Steuermann): 1. Fachamtszelle Grünau 7,05,1 Minuten, 2. Renugemeinschaft Amicitia Mannheim—. RV. Ludwigshafen 7,06 Minuten, 3. Fachamtszelle Würzburg 7,11,9 Minuten. Zweiter Jungmann=Vierer: 1. Berliner RK. am Wannsee 7,23,2 Minuten, 2. Berliner RG. 84 7,31,7 Minuten. Erster Doppel=Zweier ohne Steuermann: 1. Fachamtszelle Grünau(Kaidel— Pirsch) 7,06,6 Minuten, 2. Fachamtszelle Grünau(Westhoff— Paul) 7,14,5 Minuten, 3. Tangermünder RC.(Deutsch Krakau) 7,18,3 Miguten. Junior=Achter: 1. RV. Wratislawia Breslau 6,35,1 Minuten. Verbands=Achter(Eduard=Beer=Gedächtnis=Rennen): 1. RG. Wiking Berlin 6,15,6 Minuten, 2. Fachamtszelle Grünau(2. Boot).19,9 Minuten, 3. Mainzer RV. 6,22,5 Minuten, 4. Fachamtszelle Grünau(1. Boot) Balkétehrwalz.ra.DPidfeh Die Weitfälischen Schwimm-Mcisterschaften Am ersten Tag der nur schwach besuchten westfäliichen Schwimm=Gaumeisterschaften in Bielefeld fielen fünf Entscheidungen. Ueberraschend kam die Niederlage von Olga Eckstein im Kunstspringen. Ergebnisse: Männer: 200 Meter Kraul: 1. Höhle (Witten) 2,29 Min., 2. Rundmund(Neptun Erkenschwick) 2, 29.8, 3. Haak(Tahlhausen) 2,33,8.— 1500 Meter Kraul: 1. Bachmann(Westfalen Dortmund) 23,44,4 Minuten, 2. Lütgers(Bielefeld 02) 26,14,2.— Frauen: 400 Meter Kraul: 1. Maus(Germania Dortmund) 6,34,6 Min., 2. Lindner(Germania Dortmund).41, 3X200=Meter=Bruststaffel: 1. Germania Dortmund (Höwecke, Müller, Bingel) 10,29,9 Min.— Kunstspringen: 1. Diepel(Neptun Lüdenscheid) 50,56 Punkte, 2. Eckstein(Neptun Lüdenscheid) 50,24 Punkte, 3. Dieckmann(Germania Dortmund) 43,10 Punkte. Das Bielefelder Freibad war am zweiten Tage der westfälischen Schwimmeisterschaften ausgezeichnet besucht, zumal die Hauptentscheidungen zu erwarten waren. Das bemerkenswerteste Ergebnis erzielte Joachim Balke im 200=Meter=Brustschwimmen mit 2,44,2 Minuten(!), einer Zeit, die bisher von keinem europäischen Brustschwimmer im Freiwasser erreicht worden war. Arthur Heina lag weit zurück. Das Kunstspringen sicherte sich Leo Esser mit 135,80 Punkten ganz überlegen. Ergebnisse: Männer: 400 Meter Kraul: 1. Haak (Linden=Dahlhausen) 5,33,2 Min., 2. Rundmund(Nevtun Erkenschwick) 5,33,5, 3. Bachmann(Westfalen Dortmund) 5,51 Min.— 4X100 Meter Kraul: 1. Münster 1891 4,36,1 Min., 2. Westfalen Dortmund 4,36,8 Min., 3. Neptun Erkenschwick 4,45,8 Min.— 200 Meter Brust: 1. Joachim Balke(Westfalen Dortmund) 2,44,2 Min., 2. Heina(Gladbeck 13) 2,49.—.100 Meter Rücken: 1. Simon(Gladbeck 13) 1,12,6 Min., 2. Rundmund(Neptun Ertenschwick) 1,16,8 Min.— 100 Meter Kraul: 1. Höhle(Witten 81).04,6.— Kunstspringen: 1. Esser (Iserlohn) 135,80 Punkte, 2. Matschke(Neptun Lüdenscheid) 123 Punkte, 3. Wollenhaupt(Neptun Dortmund) 95.46 Punkte.— Lagenstaffel(400 Meter): 1. Gladbeck 2. Westfalen Dortmund 5,39 Min.— 1. Wollenhaupt(Neptun Dortmund) 1913 5,18 Min., Turmspringen: 65,39 Punkte. Beclühfer Doppelner bei den welffälischen Leichathlefikmeisterschaften hon, Opring und Tuhrtärhter-in Wuhne-ziökel Die SA.=Reiterstandarte 67 hat es mit ihrem Sturm 5 fertiggebracht, daß der Reitsport in der Kohlenstadt Wanne=Eickel wieder zu neuen Ehren gekommen ist. Zum dritten Male fand nun am verflossenen Wochenende ein Reit=, Spring= und Fahrturnier statt. Das Wetter ließ keine Wünsche offen, und wenn auf dem nahen Preußenplatz nicht die Begegnung Röhlinghausen— Schalte im Fußball stattgefunden hätte, wäre der Besuch zweifellos noch stärker gewesen. Schon am Samstag gab es spannende Kämpfe auf dem für ein solches Turnier idealen Eickelplatz, der nicht nur Hakenkreuzflaggenschmuck angelegt, sondern auch die Olympiaflagge gehißt hatte. Die Kämpfe am ersten Tage waren allesamt äußerst spannend und waren eine gute Werbung für den Sonntag. Besonderes Interesse fand der Mannschaftswettbewerb im Jagdspringen Klasse A. Die beiden Reiterstürme 1/67 und 2/67 aus Dortmund erzielten gleiche Punktzahl, so daß es zu einem neuen Ausscheidungskampf kam, den der Reitersturm 1/67 für sich entschied. SA.=Obertruppführer Henschel schaffte die beste Leistung. Er wurde Sonntag nachmittag durch den SA.=Reiter=Gruppenführer Scheunemann besonders geehrt. Am Sonntag herrschte überhaupt ein sehe festliches Bild. Man sah Ehrengäste der NSDAP. SA., Polizei, Stadtverwaltung usw. Die einzelnen Kämpfe enttäuschten das zahlreich vertretene Publikum nicht. SS.=Untersturmführer C. H. Andreas imponierte vor allem mit einer Sonderdarbietung. Die übrigen Kämpfe sahen ein beißes Ringen um die besten Plätze. Die Ergebnisse find: Samstag: Nr. 9a, Jagdspringen, Klasse A: 1. B. Prümers Alte Liebe(Frl. B. Krämer, Dortmund) 4 Fehler, 54 Sek.: 2. W. Wibbelings Magnet(Frl. M. Lommberg. Mettmann) 4 Fehler, 59 Sek.; 3. D. Heidbauers Figt (SA.=Rttf. Heidbauer, Ickern) 4 Fehler, 66 Sek.: 4. E. Haaks Haizuru(Frl. Bruch, Bochum) 7¾ Fehler, 78 Sek. Ehrenpreise, ferner 10 Teilnehmer.— Nr. 9h, Jagdspringen, Klasse A: 1. A. Althüsers Castor(SA.= Sturmmann Althüser, Bodelschwinah) 4 Fehler, 59 Sek.; 2. D. Heidbauers Fiat(SA.=Rttf. Heidbauer, Ickern) 5¼ Fehler. 68 Sek.: 3. Sudhoffs Helga(SA.=Truppf. Sudhoff, Bochum) 12 Fehler, 79 Sek. Ehrenpreise. ferner 2 Teilnehmer.— Nr. 1, Materialprüfung, für Reitpferde: 1. Schutzpolizei Bochums Adelheid(Oberwachtmeister Pier); 2. H. Möllenbecks Nanu(SA.=Scharführer Möllenbeck, Recklinghausen); 3. Schutzpolizei Bochums Adeline(Obermeister Sprenger); 4. Schutzvolizei Bochums Aula(Oberwachtmeister Sedat).— Nr. 2, Dressurprüfung für Reitpferde, Klasse A, Abtlg. A: 1. Schutzpolizei Bochums Aula(Oberwachtmstr. Sedat); 2. Schutzpolizei Bochums Adelheid(Oberwachtmstr. Pier); 3. Dr. H. J. Standers Morgenstern(HJ. G. Stauder, Essen): 4. 3. Artl.=Ramt. 16 Orpheus(Wachtmstr. Hüning. Düsseldorf): 5. Schutzpolizei Bochums Veronika (Obermstr. Sprenger): 6. Schutzpolizei Bochums Adam (Oberwachtmstr. Otter). Ehrenpreise, ferner 8 Teilnehmer.— Nr. 2, Abtlg. B: 1. Sudhoffs Helga(SA.= Truppf. Sudhoff, Bochum); 2. Dr. Heidemanns Nocturn (SA.=Scharf. Heidemann, Bochum); 3. D. Heidbauers Fiat(SA.=Rttf. Heidbauer, Ickern). Ehrenpreise, ferner 2 Teilnehmer.— Nr. 3, Dressurprüfung für Reitpferde, Klasse L: 1. Frl. M. Lombergs Sulamit(Frl. Lomberg, Mettmann); 2. W. Wibbelings Magnet(SA.=Trupps.# Wibbeling.„Witten=Annen): 8. W. Stauvendabls. Co, an zin überlegenes Rennen und wurde sicherer =.=Obertruppf. Staudenpdahl, Bodelschwingh).— ralle(C Nr. 7, Eignungsprüfung für Wagenpferde(m..), Zweispänner: 1. W. Wibbelings Magnet und Norma (SA.=Truppf Wibbeling. Witten); 2. Frau Mettes Schatzi und Th. Rothoffs Nuance(SS.=Sturmf. Rothoff, Dorsten): 3. H. Buddes Alice und Roland(SA.=Reiter Budde, Wanne=Eickel).— Nr. 10, Jagdspringen, Klasse L: 1. Fr. Tönnis Näschen(SA.=Obertruppf. Staupen= dahl, Bodelschwingh) 0 Fehler. 56 Sek.; 2. L. ReiterRamt. 15 Paderborn(Uffz. Diehl) 0 Fehler, 62 Sek.; 3. W. Wibelings Norma(SA.=Scharf. Wibbeling, Witten=Annen) 0 Fehler. 67 Sek.; 4. Schutzpolizei Bochums Wespe(Oberwachtmstr. Guse) 5½ Fehler, 76 Sek. Der erste Tag In Herford begannen in den Nachmittagsstunden des Samstags die Gaumeisterschaften der westfälischen Leichtathleten in der schönen Herforder Kampfbahn, deren Laufbahn allerdings noch reichlich weich war. Das nicht allzu heiße Wetter begünstigte die Leistungen, die allerdings keine überdurchschnittliche Höhe aufwiesen. Alle Wettbewerbe waren stark besetzt, und die EntIscheidungen fielen stets nur sehr knapp aus. Durchweg gab es die erwarteten Favoritensiege. So gewann Buthe=Pieper die 200 Meter in 23,2 Sekunden, wenn auch nur um Brustbreite vor dem Bielefelder Kranz. Ueber 10000 Meter lieferte Kelm(Hamm) von Beginn an ein überlegenes Rennen und wurde sicherer Sieger in 32,19,4 Minuten vor dem Bochumer Legge, der als einziger des Feldes noch einigermaßen Anschluß behielt. Die 800 Meter wurden zu einem spannenden Rennen zwischen Merten(Gelsenkirchen), dem Hörder Glagowski und Destadt(Iserlohn). Der Gelsenkirchener hatte zuletzt die größeren Reserven und siegte vor Glagowski und Destadt in der verhältnismäßig guten Zeit von .01.6 Minuten. Die Samstag=Ergebnisse: 200 Meter: 1. ButhePieper(Reichsbahn#=V. Gelsenkirchen=Bismarck) 23.2 Sek., 2. Kranz(Bielefeld) Brustbreite zurück, 3. Bienold(BfL. Dortmund) 23.4 Sek.— Weitsprung: 1. Flug (Auf den Hütten Weidenau) 6,72 Meter, 2. Völmke gdel aural die Gauftiehleriahanen Die bemerkenswerteiten Ergebnilfe der übrigen Gaue Woellke 16,25 Meter! Die ersten Kämpfe bei den brandenburgischen GauMeisterschaften wurden bei sehr schönem Wetter durchgeführt. Leider hatten sich nur wenige Zuschauer im Allianz=Stadion eingefunden. Eine gute Leistung bot der deutsche Meister Hamann, der die 400 Meter auf der vierten Bahn lief und unbedrängt in 48,5 Sekunden sicher siegte. Im Kugelstoßen kam Europirekordmann Hans Woellke auf 16,25 Meter und bestätigte damit seine gleichbleibende Form. Georg Lammers machte im 100=Meter=Endlauf einige Fehlstarts und schied aus. Sieger wurde Fischer von der Berliner Turnerschaft in 11,1 Sekunden. Im Hammerwerfen erreichte Erwin Blask diesmal nur 48,82 Meter. Sehr schön war der 80=Meter=Hürdenlauf von Frau Le Viseur, die 12,6 Sekunden brauchte. Am Start fehlten u. a. der Schöneberger Erwin Wegner und Rothbart(Siemens). Syring haushoch überlegen Die Meisterschaften des Gaues Mitte, die in Wittenberg durchgeführt wurden, brachten keine überragenden Ergebnisse. Die 100 Meter holte sich der Maadeburger Brink in 10.7 Sekunden vor Biebach, der Brustbreite zurücklag.: Im 10.000=Meter=Lauf hatte Mar Syring überhaupt keinen Gegner. Er lief ein Rennen für sia und gewann in 31:52 Minuten mit nicht weniger als drei Minuten Vorsprung vor dem Zweiten. Hornberger siegt in 10,5 Nur 300 Zuschauer hatten sich am Samstag aus dem Darmstädter Hochschul=Sportplatz eingefunden. Die Meter=Juniorenmeister Wiedenhöfeer, der 10,8 Sekunden erreichte. Ueber 10.000 Meter war Haag ohne große Gegner: in 32:42 Minuten siegte er mit 40 Sekunden vor seinem Klubkameraden Waffenschmied. Im Hammerwerfen kam der Saarbrücker Becker auf 49,80 Meter: alle seine Würfe lagen knapp unter 50 Meter. Ganz hervorragend war die Frankfurterin Beckert im 80=Meter=Hürdenlauf, den sie in 12 Sekundeen gewann. Auch Borchmeyer erzielt 10,5 Auf der etwas weichen Bahn der Stuttgarter AdolfHitler=Kampfbahn gewann bei den württembergischen Gaumeisterschaften der Altmeister Borchmeyer die 100 Meter in 10,.5 Sekunden. Sonst gab es keine überragenden Leistungen. Im Hammerwerfen kam Seeger auf 46,50 Meter und im Weitsprung mußte sich der Ulmer Bäumle, der noch nicht lange im Training ist, mit .99 Meter zufrieden geben. Sievert noch nicht in Form Bei den Nordmark=Gaumeisterschaften brachte man unserm Zehnkampf=Rekordmann Sievert besonderes Interesse entgegen. Er ist leider aber noch durch seinen Muskelriß behindert und hat auch noch unter den Nachwehen seiner Mandelentzündung zu leiden. Er gewann am Samstag das Kugelstoßen mit 14,88 Meter überlegen. Die 100 Meter gewann Schein in 10,6 Sekunden vor Rohrsen(10,9). Im Hochsprung der Frauen kam Elfriede Kaun nicht über.47 Meter und machte einen sehr nervösen Eindruck. Siegerin wurde Frl. Südwest=Gaumeisterschaften brachten einige ausgezeich= Hagemann(Eimsbüttel) mit 1,51 Meter Im 80=Meternete Leistungen. Hornberger(Frankfurt) gewann die Hürdenlauf lief Frl. Westphal 12,2 Sekunden und Frl. 100 Meter in 10,5 Sekunden vor Kersch und dem 400= Kahle warf den Speer 41,80 Meter. (Spog. Hoesch Dortmund) 6,68 Meter, 3. De Lamboy (Jahn Minden) 6,51 Meter.— Hochsprung: 1. Behrens (TSV. Hörde 29) 1,80 Meter, 2. Staus(Neheim).80 Meter, 3. osengärtner(Jahn Ahlen).80 Meter(durch Stechen entschieden).— Kugelstoßen: 1. Werring(Gronau) 14.72 Meter, 2. Sarx(Siegen) 12,75 Meter.— 10000 Meter: 1. Kelm(Spogg. Hamm) 32,19,4 Min., 2. Legge(Bochum 48) 33,15,8 Min. 3. Klein(TG. Iserlohn) 34,37,8 Min.— 400 Meter Hürden: 1. Ebert (OSV. Hörde) 59,1 Sek., 2. Löber(OSV. Hörde) 60,4 Sek.— 800 Meter: 1. Merten(Reichsbahn TSV. Gelsenkirchen=Bismarck).01,6 Min., 2. Glagowski(OSV. Hörde).02 Min., 3. Destadt(SC. Rote Erde Iserlohn). — Zehnkampf(nach fünf Uebungen): 1. Gölzenleuchter(Bochum 48) 3368 Punkte. 2. Regener(Eintracht Dortmund) 2823 Punkte, 3. Fahrtmann(Bielefeld) 2803 Punkte. Der zweite Tag der westfälischen Leichtathletikmeisterschaften brachte als für Bochum besonders erwähnenswerte Ergebnisse den Siea Buscheys im Diskuswerfen mit 41.27 Meter und den Erfolg des TuS.=Mannes Ehrlich im 110Meter Hürdenlaufen in 16,1 Sekunden. Der Zehnkampf, der nach den ersten 5 Wettbewerben den Bochumer Gölzenleuchter in Front sah, wurde nicht zu Ende geführt. Ergebnisse des zweiten Tages: Hammerwerfen: 1. Loering(VfL. Dortmund) 48,18 Meter.— Diskus: 1. Buschey(Bochum 48) 41,27 Meter: 2. Hoffmeister(Münster 08) 39,98 Meter.— Dreispruna: 1. De Lamboy(Jahn Minden) 14,00 Meter. — 5000 Meter: 1. Pflaum(VfL. Dortmund) 16:13.4 Min.: 2. Dittgens(Paderborn) 16:14.2 Min.— 110 Meter Hürden: 1. Ehrlich(TuS. Bochum) 161 Sek.): 2. Stahlhut(Minden) 16.4 Sek.—=mal=100Meter=Auswahlstaffel für den Gaukampf Westfalen— Nordbessen am 5. Juli in Corbach: 1 Staffel A(Ruwe. Kranz, Menze, Mühlenhoff) 44,4, Sek.; 2, Staffel B 44.9 Sek.— 1500 Meter: 1. Laake(VfL. Hagen):07 Min.: 2. Kelm(Hamm):09,2 Min.— 100 Meter: 1. Buthe=Piever(Gelsenkirchen=Bismarck) 11,1 Sek.; 2. Menze(Westf. Münster), 11,2 Sek.— 400 Meter: 1. Goldhausen(OSV. Hörde) 51,3 Sek.; 2. Glagowski (OSV. Hörde) 51,5 Sek.: 3. Geißler(SuS Bielefeld) 52,4 Sek.— Speerwerfen: 1. Janzik(AsV. Hörde) 55,52 Meter: 2. Vögelin(Bottrop) 54,63 Meter. Leichum lief 10,4 Die Leichtathletikmeisterschaften des Gaues Pommern wurden in Demmin durchgeführt. Es gab einige gute Ergebnisse. So kam Leichum im 100=Meter=Lauf auf 10.4 Sekunden und gewann den Weitsprung mit 7,60 Meter. Gillmeister holte sich die 200 Meter in 22,2 Sekunden. Hänni lief. Europa=Jahresbestzeit Mit einer großartigen Leistung wartete der Schweizer Sprinter Hänni bei den Zentral=Schweizerischen Meisterschaften in Bern auf. Die 200 Meter lief Hänni in 21,2 und erreichte damit nicht nur seinen eigenen Landesrekord, sondern stellte zugleich eine Europa=Bestzeit für 1936 auf. Paillard vor Lohmann Zu einem Doppelerfolg kam der frühere französische Steherweltmeister Paillard in den Dauerrennen in Zürich. Der Bochumer Lohmann vertrat allein die deutschen Farben und wurde sowohl in einem 30=Kilometer=Lauf als auch später im Stundenrennen jeweils nur knapp geschlagen, Wuchtig war der Anblick der zur Bereidigung auf dem Rathausplatz in Witten angetretenen Stürme. Unser Bild zeigt einen Ausschnitt von diesem feierlichen Akt phot.: B..-Muthherr Seite 11 Nr. 149 7 Bochumer Anzeiger 7 Montag, 29. Juni 1936 Unterhaltung Wettlaus um die Liebe Erzäklung von Otto Wiekelm Geise Johst betrachtete die beiden mit leerem und wunderlichem Blick.„Ein schönes Paar", dachte er, und die verhaltene Zärtlichkeit, mit der er das Gliederspiel Irmelins beobachtete, wechselte mit einem dumpfen Zorn, wenn sein Auge zu Trenk hinüberging. „Schön, daß sie hier jemanden gefunden hat, der ein wenig mit ihr herumtollt", dachte Johst wieder, aber er wußte wohl, daß dieser Gedanke von seinem Herzen Lüge gestraft wurde; daß dieses helle, jugendfrohe und übermütige Lachen, mit dem Irmelin dem andern den großen Ball entgegenwarf, das Jauchzen, mit dem sie selbst ihn ein wenig später wieder auffing, ihm weh taten. Nicht, weil er ihr die Lust des Spiels mißgönnte, sondern weil sie diese Lust einem Fremden verdankte. Einem, der jung war wie sie, fröhlich und unbeschwert war gleich ihr. Johst, auf dem Kamm der kleinen Düne sitzend, schauerte plötzlich zusammen.„Es wird bereits kühl“, stellte er fest, und wunderte sich, denn die Sonne stand noch hoch über dem Horizont. Da bohrte irgend etwas in ihm, eine Unruhe, eine Ungewißheit, der er ganz nachgehen mußte, endlich. Um des Friedens seiner Seele willen, um einer letzten Klarheit willen, ohne die er auf die Dauer nicht zu leben vermochte.„ 89 44Mt häße i5 „Vielleicht", sagte er sich voll Bitterreit,„ouße ich nun eine Sünde, die mir nicht als solche erschien, da ich sie beging. Sicher hat sie mich geliebt, als sie mir ihr Jawort gab. Als sie sich bereit fand, meine Frau zu werden. Wenigstens geglaubt hat sie es, daß sie mich liebte. Und das ging, solange es ging. Bis jetzt ja. Bis heute. Aber nun ist das alles nicht mehr. Nun ist der andere da, der Junge, der Strahlende, und diese vier, fünf Jahre unserer Gemeinsamkeit sind ausgelöscht, als wären sie nie gewesen.“ Johst wollte gerecht sein. Er wollte sich nicht von seinem Schmerz, von seiner Enttäuschung verleiten lassen. Da waren zwei Schalen: seine und die Trenks. Und das Herz Irmelins, es stand zwischen diesen beiden Schalen wie das Zünglein an der Waage— nach welcher Seite würde es sich neigen? Müßteees sich neigen? Johst, der gerechte Johst, warf in die eine, in seine Schale, alles, was er zu bieten hatte: seine große, tiefe und heiße Liebe, die späte Leidenschaft eines Fünfzigers, der erst in einem Augenblick, da der Gipfel seines Manneslebens schon weit überschritten war, das Weib entdeckte und die Schönheit des Weibes und seine Güte. Die Einmaligkeit, die Grenzenlosigkeit dieser Liebe warf er in seine Schale und den Wert seiner Persönlichkeit, eines Menschen, auf den die Welt mit Bewunderung blickte, eines Dichters, dessen Werk den leiblichen Tod um Jahrzehnte, vielleicht um Jahrhunderte überdauern würde, der Ruhm und Ansehen und Reichtum an seinen glänzenden Siegeswagen gekettet hatte. Und da war der andere, dieser Trenk! Ein durchschnittlicher Mensch, mit durchschnittlichem Wissen, ohne besondere Begabung. Nur: wohlgebildeten Körpers, stark, schlank, sehnig, sportgeübt, gestählt und— so jung. So herrlich herrlich sung!.. B4. grus 11.5 Ja, er hatte die Jugend für sich, vieser Trenk. Und damit hatte er alles für sich. Seine Jugend wog mehr als Ruhm und Wissen und Leistung!——„So nachdenklich Geliebter?" Die klare Stimme Irmelins riß Johst aus seinen Gedanken. Die beiden standen dicht vor ihm.—„Verzeih, Irmelin“, bat Johst und wischte mit dem Handrücken über die Stirn, als wollte er einen quälenden Gedanken fortscheuchen.„Ich überlegte gerade..“ Aber Trenk, der andere, ließ iyn nicht ausreden. „Also jetzt, Gnädigste“, sagte er,„machen wir zum Schluß den Wettlauf, den Sie mir seit langem schuldig sind. Und wenn Sie mich schlagen, können Sie sich zur nächsten Olympiade melden. Ich habe eine Stoppuhr da. Und wenn Ihr Herr Gemahl..“ „Nein“, sagte Johst sehr ruhig und freundlich, „wenn ich darf, dann laufe ich gern mal mit. Ich fror eben— möchte mal mein Blut ein wenig in Wallung bringen. Und vielleicht— früher, in jüngeren Jahren, war ich ganz behende, möglich, daß noch was davon übrig geblieben ist.“ „Oh, fein!" lachte Irmelin und klatschte in die Hände, während Trenk höflich genug war, seine Enttäuschung hinter ein paar netten Worten zu verbergen. Sie wählten ein Ziel und markierten unten, dicht am Wasser, wo der Sand fest war und körnig, die Startlinie. Nebeneinander stellten sie sich auf. Irmelin in der Mitte, und Trenk zählte:„Achtung! fertig! los!“ Mit einem Sprung setzten sie sich in Bewegung, alle drei.„Lieber Gott", dachte Johst im Vorwärtsstürmen, und eine selige Freude durchflutete ihn,„es geht ja noch, wundervoll geht es.“ Und er streifte mit schrägem, flüchtigem Blick den anderen, Trenk, und stellte beglückt fest, daß er mit ihm noch immer die gleiche Höhe hielt. Fünfzig Meter liefen sie so, hundert vielleicht. Plötzlich aber, ganz unerwartet, wurde es Johst schwarz kam—„Jetzt vor Augen. Eine ungeheure Schwäche überfiel ihn, sein klopfte rasend.„Das ist das Ende", dachte er, während seine Füße noch ganz automatisch ihren Lauf fortsetzten, eine oder zwei Sekunden lang. Dann mußte er aufhören— und es fehlte nicht viel, so wäre er umgesunken. Im selben Augenblick war Irmelin neben ihm. „Liebster“, sagte sie und die Angst sprang ihr aus den Augen.„Was ist denn nur mit dir? Ist dir nicht gut? War es zuviel für dich?“ „Laß nur— laß“, wehrte der Mann ab, dem große Schweißperlen auf der Stirn standen. Es wird schon vorübergehen. Alles geht vorüber ja...“ Aber Irmelin ließ sich nicht beruhigen. Sie schlang den Arm, den sonnendurchglühten, sonnengebräunten Arm um den Nacken des Mannes, führte ihn langsam zur Düne zurück, auf der er vorhin gesessen hatte. „Warum nur tatest du das?" schalt sie. „Warum?“, wiederholte der Mann, und seine Stimme kam schwer und wie aus weiter Ferne.„Ich wollte mein Alter besiegen. Ich lief— um dich! Aber nun..“ und seine Schultern hoben sich unter verhaltenem Schluchzen,„nun bin ich besiegt. Ja, lächerlich habe ich mich gemacht, und der andere.. „Der andere“, sagte die Frau, und ein Lächeln tiefsten Verstehens goß einen holden Glanz über ihr Antlitz.„Der andere— so gleichgültig war er mir bisher, so unwichtig. Jetzt aber“— und sie sah Trenk entgegen, der siegessicher, sich stolz in den Hüften wiegend zurückmachte der Hengst einen Buckel wie eine lauernde Katze, sprang einmal zur Seite, einmal nach vorn oder hinten, und der Reiter küßte die Steppe. Alle hatten sich vergebens bemüht. Nun war die Reihe an ihm dem schweigsamen Fremdling. Ein Lächeln stand auf den Lippen der Gauchos. Ein mitleidiges Lächeln. Mensch und Tier sahen sich in die Augen. Nur kurze Sekunden. Dann ein Schritt und ehe das Pferd. sich versah, saß der Fremdling im Sattel. Kerzengerade. Parierte alle Manöver des Hengstes. Schaum trat dem Tier an die Riemen. Dann gab er frei und wie von: einer Tarantel gestochen, raste der Hengst um die Bahn.“ Nach dem Willen des Reiters. Bei den staunenden Gauchos hielt er das Pferd an. Zwang den Hengst in die Knie und sprang aus: dem Sattel. Gelassen, wie er den Gaul bestiegen. „Das Pferd gehört dir“, sagte der Anführer der herdenbewachenden Gauchos,„aber eins noch, mein Freund, wo hast du reiten gelernt...“ Lächelnd saß der Fremde schon wieder im Sattel: und antrabend rief er den verblüfften Männern noch zu:: „Bei den Husaren... in Krefeld, mein Lieber..“ Sprach's, und schon hatte ihn die unendliche Steppe verschlungen. hasse ich ihn!“ Ein Reiterstückchen, Stzäklung von Pampa. Argentinische Steppe. Weite Unendlichkeit.,„Trinken", war das zweite Wort, das er in spaMelancholische Landschaft. Sternklare Nacht. Glühende nischer Sprache hervorbrachte. Trinken! Den Inhalt die Areddoße Kohlen leuchten am Firmament. Wir saßen am wärmenden Feuer, Prasselnd verbrannten die Scheite zu Asche. Ringsum Gauchos, verwegene Kerle. Lautlose Stille in der Natur. Ab und zu verriet das Wiehern der Hengste die Nähe der Tiere. Sechzehn Stunden des Tages hatten wir im Sattel gesessen. Auf dem Wege nach Bariloche an der argentinisch=chilenischen Grenze. Zum Ankauf von Wolle, dem Erzeugnis der Steppe. Der Wolle von Schafen. Die Nacht zwang uns in das Lager der Gauchos. Hungrig und müde umlagerten wir den mächtigen Holzstoß. Am Spieß briet ein Hammel. Fett triefte in die lechzende Glut. Es nährte die Flamme. Ein Gaucho nahm den Spieß mit dem gebratenen Hammel und pflockte ihn senkrecht in den gelockerten Boden. Die Mahlzeit begann. Wir nahmen die Messer und schnitten ab. Je nach dem Hunger und der war groß. Die Gastfreundschaft kennt keine Grenzen. Wortlos kauten und zerrten wir an dem saftigen Fleisch.„uns, 5e Fferde und Reiten, Do. un vergesf, Mit einem Male trat ein Mann aus dem Duntel ver sohne das Tier. Er war vertoren, vergessen, ein Nacht. Lautlos. Niemand hatte seine Schritte gehört. ball der Pampa. Gedämpft durch das Gras. Seine Kleidung war halb die eines Gauchos, halb europäisch. Verwegen saß die Kappe auf dem kahlgeschorenen Schädel. Ohne Gruß, ohne Worte und Gesten setzte er sich in den Kreis. Hell flackerte das Holzfeuer, warf gespenstige Lichter in das bleiche, ausgemergelte Gesicht des Ankömmlings. Seine Duldung war eine Selbstverständlichkeit. Gastfreundschaft erstes Gebot in der Steppe. Keiner fragte nach Name und Herkunft. Blieb im Dunkel wie das eigene Leben.„„ a Nach geraumer Weile kam das Wort über seine bebenden Lippen: Essen! Einer der Gauchos deutete mit der Hand auf den Hammel. Schneid' ab, soviel du willst, sollte es heißen. Und er war wirklich nicht kleinlich. Nahm ein ordentliches Stück. Heißhunger lauerte in seinen stechenden des Wortes kann nur der ermessen, der den Durst kennt. Den Durst in der Steppe. Man gab ihm die Flasche. Gefertigt aus dem Magen der Ziege. Ein Druck auf die bauchige Flasche und der erquickende Trank rann in die ausgedorrte, verschleimte Kehle. Mate, das Getränk der argentinischen Landschaft. Er stillte den Durst. Dann bat er um Tabak. Wer hat schon einmal des Rauchens entbehrt! Wer? Er weiß um die krankhafte Sucht. Aus feinsten mexikanischen Blättern wurde ihm eine Zigarette gedreht und gereicht. Er nahm sie, dankte nicht. Rauchte still und bedächtig. Ruhig saß er inmitten der zusammengewürfelten Schar. Ließ die unruhig flackernden Augen von einem zum andern schweifen. Gesättigt, kam eine Unterhaltung im Gang. Am Feuer in der argentinischen Steppe bei Gauchos. Was konnte wohl ihr Interesse gewinnen? Was fesselt die Männer, denen ein rauher Wind um die Ohren geweht— ehe sie sich den Sattel verdienten! Pferde und Reiten, was galt der Mann in der Steppe da? Tier. Er war verlaren vergessen ein SpielEin hoffnungsloser Schüler Justus von Liebig, der Altmeister der deutschen Ehemie, zeichnete sich von frühester Jugend durch eine auffallend scharfe Beobachtungsgabe aus, wies aber in der Schule nur sehr mäßige Leistungen auf. Bei einer Klassenvisitation machte ihm der Rektor lebhafte Vorwürfe deswegen und fragte ihn, was er denke, was eigentlich aus ihm werden sollte. Als Liebig antwortete, er wolle Chemiker werden, brach die ganze Klasse in ein unauslöschliches Gelächter aus; denn niemand hielt damals die Chemie für etwas, was man lernen und als praktischen Beruf ausüben könne. Uebrigens hat es in Liebigs Klasse noch zwei Schüler gegeben, die den Lehrern hoffnungslos erschienen und es trotzdem zu etwas gebracht haben, der eine wurde später Hofkapellmeister, der andere ein berühmter Zoologe. tu Steuermann Kastenbrick steht am Ankerspill. kommt der Käptn und fragt: „Herr Kastenbrick— is das Anker kloar?“ Kastenbrick:„Tscha, Herr Kappitehn! Da is je Augen. Sein Hunger war groß, schon der Speise entbehren. Um Pferde ging das Gespräch, um wilde, unbändige Hengste. Man stritt hin und her, bis der Anführer der Gauchos das Wort nahm. Dem seinen eigenen Hengst versprach—, der ihn zu reiten imstande. Es blieb still in der Runde. Eine lähmende Pause trat ein. Dann kam die Antwort, von ferne und unerwartet. Der Fremdling, unscheinbar und wenig beachtet, sprach das erlösende Wort:„Ich mach'!" Es war gut. Kein Wort fiel mehr über den Ritt. Man war sich jetzt schon einig, daß der Fremde das Pferd nie gewinnen würde. Das Feuer war niedergebrannt. Es glimmte die Asche. Man warf einen Strunk in die Glut. Wickelte sich fest in die Decken und rollte sich näher ans Es war eine sternklare Nacht. Am anderen Morgen. Feurig und unruhig stand der Hengst an der Koppel. In Erwartung auf seinen man——— „Machen Sie keine langen Reden!“ ruft der Käptn, „lassen Sie das Anker fallen!" Kastenbrick:„Dascha nu nich wohl möglich!“ Käptn:„Herr Kastenbrick! Dascha Inschubording= schoon! Lassen Sie das Anker fallen!" „Tschawoll, Herr Kappitehn!" Rum=schrumm=schrumm=bms!(Der Anker fällt ins Wasser.) Kurze Pause. Der Käptn:„Herr Fastenbria, wieviel Meter Kette haben wir?“ „Kein ein, Herr Kappitehn! Die Kette liegt noch. in der Kombüse!"(„Ill. Beob.“) Tage mochte er Bezwinger. Gauchos schwangen sich auf seinen Rücken. Kaum saß der Fuß in dem holzschuhähnlichen Bügel, II : Kampf zurscken Männere- Mächtn..- Bil Behm 6) Seldon tippte an die schon etwas schäbige Mütze und ging. Er schlenderte langsam durch die Hauptstraße, kam zur Quelle und setzte sich dort auf einen Stein. Er sah den wasserschöpfenden Frauen zu, wie sie die Krüge füllten und sie dann mit kräftigem Schwung auf die Köpfe nahmen. Plötzlich machte er eine Beobachtung, die ihm ungewöhnlich schien. Ein Mädchen, das durch seinen hohen Wuchs besonders auffiel, hatte sich der Quelle genähert. Seldon konnte das Gesicht nicht sehen, da es unter einem dichten Schleier verborgen war. Im allgemeinen nahmen es die Frauen der Oase nicht so sehr streng mit dem Schleier, er hing lose herunter, und ein leichter Windstoß genügte, um das Gesicht freizulegen. Dieses Mädchen jedoch hatte den Schleier festgesteckt. Aber auch das hätte Seldon nicht stutzig gemacht, und er hätte auch gar nicht weiter auf sie geachtet, wenn ihm nicht, als sie den Krug in das Wasser tauchte, ihre Hand aufgefallen wäre. Er hätte darauf schwören mögen, daß es eine Männerhand war. Das Mädchen hob den Krug auf, und es schien ihm, als wenn ihr Blick zu den Treibern hingegangen wäre. Einer der Leute jedenfalls sah sie gespannt an, und nun, als ob der Krug zu voll wäre, schüttete das Mädchen etwas Wasser ab. Das tat es nicht nur einmal, sondern dreimal sehr langsam, und deutlich sah Seldon, wie der Treiber befriedigt nickte. Darauf nahm das Mädchen den Krug und ging davon. Seldon war sich klar darüber, daß das Mädchen jedenfalls in der Oase wohnte und er ihr seine Aufmerksamkeit zuwenden mußte. Anscheinend hatte es mit dem Wasserverschütten dem Treiber irgendeine Botschaft übermitteln wollen, die der Mann vielleicht weitergeben sollte. Er mußte feststellen, in welchem Hause das Mädchen wohnte. Den Treiber konnte er sich dann immer noch langen. Möglicherweise war das Ganze auch nur ein Zufall. Vielleicht handelte es sich auch nur um ein harmloses Stelldichein, dessen Zeitpunkt ihm das Mädchen angegeben hatte. Aber Seldon war mißtrauisch, ihm gab die Männerhand zu denken, und da es nichts schaden konnte, der Sache nachzugehen, stand er kurz entschlossen und scheinbar gelangweilt auf und folgte dem Mädchen. Es schritt, ohne sich auch nur einmal umzusehen, über die Hauptstraße und bog in eine der kleinen Gassen ein. Seldon folgte ihr vorsichtig und sah es in einem der Lehmhäuser verschwinden. Er prägte sich die Lage des Hauses genau ein. Hätte Seldon geahnt, daß in der Nacht vorher ein hätte er der sanzen Soche Bedeutung beisätte er ver ganzen Sache weit größere Bedeutung beigemessen. Als Captain Gordon gegen Mittag im Hotel erschien, wurde er von Papuolus mit betrübtem Gesicht empfangen. Gich „Hochwohlgeboren, ich habe gehört von dem Diebstahl, es ist doch schrecklich, hier in der Oase ein Dieb.“ „Kümmern Sie sich nur nicht weiter darum“, gab Gordon etwas unfreundlich zur Antwort. Nachdenklich stieg er zur Terrasse hinauf. Er verdächtigte den Griechen schon lange, daß er nicht ganz saubere Geschäfte treibe. Dann dachte er an Ingeborg. Er hatte in der vergangenen Nacht lange schlaflos gelegen, von einer ungewohnten Unruhe gepackt. Er mußte sich gestehen, daß er Ingeborg liebte, aber er wußte nicht, ob sein Gefühl erwidert wurde. Gordon war ein harter Mann, und nach einer bösen Erfahrung hatte er sich seit vielen Jahren um Frauen überhaupt nicht mehr gekümmert. Es gab in seinem Leben nur noch den Dienst, dem er sich mit Leib und Seele verschrieben hatte, aber war dadurch etwas verbissen und einsam geworden., Außerdem war da noch die Sache mit El=Ferd, dem Vereinzelten. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, die Aufgabe, die er übernommen hatte, auch zu Ende zu führen. Das war seine Pflicht als Offzier, und alles andere mußte zunächst zurückstehen. Er mochte eine halbe Stunde gesessen haben, als. die Erwarteten die Terrasse betraten. Der lange Weg staunens aus. Punkt vier Uhr erschien Gordon mit Pferden, und in strahlendster Laune ritten sie fort, von Ridell und Jimmy, dem schweigenden Pferdeburschen Münsingens, gefolgt. Durch die Oase ging es im Schritt, dann legte Gordon ein ziemlich scharfes Tempo vor, und im Galopp sprengten sie durch den weichen Sand. Sie gelangten in die Berge. „Gibt es nirgends etwas Grünes hier?" fragte Ingeborg, und ihre Stimme klang traurig und bedrückt. Gordon schüttelte den Kopf. „Schrecklich, diese Landschaft“, murmelte sie. „Und doch ist diese steinerne Ruhe schön“, sagte Klaus.„Sie müssen die Berge am Abend sehen, wenn sie in den Farben der untergehenden Sonne erglühen.“ „Weiter!“ kommandierte Gordon. Er haßte solche Bemerkungen. Sie setzten die Pferde wieder in Bewegung, und nach einiger Zeit wurde der Blick zur Wüste hin frei. Endlos dehnte sich der gelbe Sand, bis er in einem diesigen Nebel verschwand. Man sah keinen Horizont, sondern nur ein allmähliches Uebergehen der Erde in den Himmel. Das machte den Eindruck, als befänden sie sich innerhalb einer riesigen Kugel. Plötzlich stieß Ingeborg einen leisen Schrei des Erhatte ihre Gesichter gerötet, und Ingeborg ließ sich aufseufzend in einen Sessel fallen.,## „Puh, ist das eine Hitze“, lachte sie frohlich.„Ich muß heute nachmittag unbedingt baden.“ „Wo waren Sie denn nur?“ erkundigte sich Gordon. Herr Münsingen hat mir die Ruinen gezeigt und viel Interessantes erzählt“, berichtete Ingeborg und sah Klaus einen Augenblick an. Gondon schien es, als ob Münsingen diesen Blick lächelnd zurückgegeben hatte, wie man es einem kleinen Mädchen gegenüber tut, das irgendeine sonderbare und dumme Frage gestellt hat. Darüber ärgerte er sich. „Was gibt es schon so viel Interessantes über diese alten Seinhaufen zu erzählen?“ meinte er nachlässig. „Oh, Sie ahnen gar nicht wie viel“, rief Ingeborg lebhaft.„Jetzt habe ich erst einen Begriff davon bekommen wie die Leute hier früher gelebt haben.“ Gordon schwieg; da konnte er nicht mit. Er war schließlich kein Gelehrter, und alte Kulturen interessierten ihn nicht. Reiten wir heute zum Baden?“ fragte Ingeborg. Gordon hatte im Nu seine gute Laune wieder. „Aber selbstverständlich!“ rief er.„Sie haben nur zu befehlen.“ „Kommen Sie auch mit, Herr Münsingen?“ „Wenn Gordon nichts dagegen hat“, lächelte Klaus. „Natürlich kommen Sie mit“, sagte Gordon ruhig. Ridell meldete, daß die beiden Zimmer fertig seien, und man erhob sich, um sie feierlich zu besichtigen. Es war richtig, gegenüber dem früheren Zustand waren sie nicht wiederzuerkennen. Sauberkeit, Ordnung und ein paar hübsche Teppiche hatten Wunder gewirkt. Ueber das Lob, das Ridell erntete, war er sehr stolz. Vor ihnen tat sich ein kleines Tal auf, das fast ganz von senkrechten Wänden umgeben war, die in bizarren Spitzen endeten. Das Wasser war klar und unbewegt und hatte eine seltsam blaugrüne Färbung. Dort, wo es im Schatten lag, schien es tiefschwarz zu sein mit violetten Streifen. Langsam ritten sie den Hügel hinab. Der steinige Boden wurde glatter und verlor sich in feinem Sand. Ein paar Meter vor dem See steigen sie ab. Während die beiden Burschen mit geschickten Griffen ein kleines Zelt für Ingeborg aufstellen, liefen die anderen zum Wasser. Ingeborg steckte die Hand hinein und zog sie erstaunt zurück. „Wie warm es ist“, wunderte sie sich. „Nun, schwimmen Sie einmal hinüber, wo es Schatten gibt. Sie werden erstaunt sein, wie kalt es dort ist. Die Sonne kommt nur ganz kurze Zeit am Tage dorthin“, meinte Gordon. Bald darauf standen sie in Badeanzügen am Wasser. Gondon war der erste der hineinsprang. Münsingen und Ingeborg folgten. Als sie in den schattigen Teil kamen, war das Wasser tatsächlich eiskalt, und Ingeborg wunderte sich über die scharfe Trennung, mit der die Temperatur plötzlich wechselte. Gordon, ein glänzender Springer, zeigte seine Künste. Da er in Ingeborgs Augen ehrliche Bewunderung sah, ließ er sich zu immer gewagteren Kunststücken hinreißen. Schließlich mahnte Münsingen, aus dem Wasser zu gehen. Der herbeigerufene Idell kam mit zwei Wasserschläuchen. „Das ist der Nachteil der Baderei“, meinte Gordon lachend. „Wozu ist das Wasser? Zum Trinken?" wollte Ingeborg wissen. „Nein, um die Haut abzuspülen, das Salz frißt sich sonst ein.“ Gordon öffnete einen Schlauch und ließ das Wasser über Ingeborg rieseln. Bald darauf liefen sie wieder in ihren Kleidern um den See herum, um auch einmal die andere Seite kennenzulernen. Träumerisch blickte Ingeborg auf das Wasser, das wieder unbeweglich in der Sonne lag. „Dieser See scheint aus einem phantastischen Märchen zu stammen“, sagte sie leise. Münsingen nickte:„Ja, aber es ist kein liebliches Märchen. Sie schüttelte den Kopf:„Nein. Sie haben recht, es muß ein ernstes Märchen sein. Wir müssen dem See einen Namen geben, nennen wir ihn den See des Schweigens. Gordon hatte kaum zugehört. Seine Gedanken waren schon wieder bei seinen Leuten, und es reute ihn, daß er so lange von der Oase weggeblieben war, so drängte er zum Heimweg. Von der ungewohnten Anstrengung war Ingeborg doch sehr müde geworden, und sie legte sich vor dem Abendbrot nieder, um eine halbe Stunde zu ruhen. Gordon ritt weiter zu den Baracken, und Klaus setzte sich an seine Arbeit. Es war bereits dunkel, als Ingeborg wieder zum Vorschein kam und sich, noch immer ein wenig müde, auf der Terrasse zu Klaus gesellte. „Sie schreiben Noten?“ fragte sie erstaunt. „Darf ich fragen, was das wird?“ „Ich schreibe an einer Oper“, antwortete Klaus, aber es war ihm keineswegs recht, daß jemand seiner Arbeit großes Interesse entgegenbrachte. „Bitte, seien Sie mir wegen meiner Neugierde nicht böse“, bat sie.„Darf ich auch wissen, was sie für einen Text haben? Für einen Stoff?“ „Ja“, antwortete Münsingen langsam als fiele ihm das Sprechen schwer.„Ich habe diesen Stoff vor langen Jahren zufällig in einem kleinen Novellenbüchlein gefunden, und er hat es mir angetan, daß ich mir schon damals vornahm, ihn musikalisch zu bearbeiten. Es ist eine kleine Novelle von Turgenjew, die fast unbekannt ist.“ „Wie heißt sie?“ „Das Lied der triumphierenden Liebe.“ „Das Lied der triumphierenden Liebe!“ wiederholte sie.„Das ist schön, das ist schon wie eine Melodie.“ „Und nach eben dieser Melodie suche ich seit Wochen vergebens. „Sie haben das Lied noch nicht?“ „Nein, ich bin fast mit der ganzen Oper fertig, nur das Lied, das Lied habe ich noch nicht gefunden.“ „Wovon handelt denn die Novelle?" „Ich will Ihnen den Inhalt ganz kurz erzählen.“ Klaus nahm sich eine Zigarette und zündete sie an. bevor er fortfuhr.„Die Geschichte spielt in Florenz zur Zeit des Mittelalters. Ein Mädchen aus einer alten Patrizierfamilie wird von zwei Männern geliebt, zwei Freunden. Der eine ist blond, der andere dunkel, ein etwas düsterer Charakter. (Fortsetzung folgt) Seite 12 Nr. 149# Bochumer Anzeiger 7 Montag, 29. Juni 1936 Westfalen und Suetiunn Tarürhe macht Seschente Fortsetzung der Zeugenvernehmung im Prozeß um die verschwundene Witwe Köln, 27. Juni. Die Aussagen der zum Termin am Freitag nachmittag im Prozeß Ludwigs geladenen Zeugen hatten gemeinsam, daß Frau Graß sowohl wie Ludwigs schlecht, ja schmierig angezogen waren, daß ihr gegenseitiges Verhältnis ein gutes, ja herzliches gewesen sei. Wurde ein Zeuge gefragt, ob er dem Ludwigs die Beseitigung der Frau Graß zutraue, erfolgte regelmäßig verneinende Antwort. Eine die auch vereidigt wird, will noch am 14. September 1934 die Frau Graß gesehen haben. Auffallend war verschiedenen Zeugen aus Geschäftskreisen, daß in der Bezahlung von Rechnungen durch das Haus Graß in den kritischen Wochen September= November plötzlich eine Pause im Gegensatz zu früher eintrat. Ab Ende Oktober 1934 bezahlte Ludwigs manchmal sogar unerwartet. Ein Zeuge hat Ende September 1934 den Angeklagten Ludwigs aus der Linie 14, die aus der Stadt zur Flora, gegenüber dem Anwesen„Am Botanischen Garten“, fährt, steigen sehen, einen Sack auf der Schulter. Vorher, jedenfalls August oder September, hat er Frau Graß mit Ludwigs auf einem Wägelchen gemeinsam ausfahren sehen. Er leistete den Eid: „Nach meiner Erinnerung war es Sommerzeit, August, September 1934.“ Recht ausführliche Schilderungen und Darlegungen gab ein älterer Zeuge, dem Frau Graß im Juli 1934 Ausbesserungsarbeiten für den 1. Oktober 1934 an den Fenstern, Fußböden usw. übertragen hatte. Bei dieser Verhandlung und Auftragserteilung im Juli sei Frau Graß der bestimmende Partner gewesen. Acht Tage vor Beginn der Arbeit, also am 22. September 1934, machte der Zeuge noch einen Besuch im Hause Graß, konnte aber Frau Graß nicht sehen. Nach Aufnahme der Arbeit bekam er auf seine Frage nach Frau Graß die Antwort:„Frau Graß ist krank.“ Von einem Zeugen hat Ludwigs einen Revolver entliehen, um ein Pferd zu erschießen. Diesen hat er am 5. September 1934 zurückgegeben. Es wurde aber nicht nachgesehen, mit wieviel Patronen er bei der Uebergabe ausgestattet war. Eine Patrone war nachweisbar schon früher aus der Pistole abgeschossen worden. Verschiedene Zeugen hatten schon durchblicken lassen, daß ihnen das Verhältnis zwischen Frau Graß und Ludwigs im Jahre 1934 etwas getrübt erschienen sei. Das bestätigen die drastischen Aussprüche der Frau Graß, die sie einem zur Uebernahme von Erntearbeiten bestellten Manne in Anwesenheit von Ludwigs im Anwesen„Am Botanischen Garten 1“ machte. „Schade, daß ich solchem Dreckbauern in die Hände gefallen bin“, rief Frau Graß, worauf Ludwigs die unbegreifliche Antwort gab:„Das kann ich ihr nicht verübeln.“ Ein guter Bekannter des Revolververleihers gibt darüber Aufschluß, daß er von diesem einige Tage nach Rückgabe der Waffe durch Ludwigs gebeten wurde, diese nachzusehen. Dabei stellte er fest, daß statt fünf vor Verleihen an Ludwigs nur mehr vier Patronen vorhanden waren und ein Schuß aus dem Revolver abgegeben worden sei. Der Schußschleim sei frisch gewesen. Ludwigs in den Nachtlokalen Einen breiten Raum nahmen die Feststellungen ein, in welcher Zeit und mit wem Ludwigs die Kölner Nachtlokale besucht, welche Zechen er gemacht hat und wie er besonders mit der vielgenannten„Inge“ bekannt wurde und wie sich dieses Verhältnis ausgewirkt hat. Das Bedienungspersonal dieser Nachtlokale schildert übereinstimmend den Ludwigs als durchaus nicht auffälligen Gast, der selbst nicht allzuviel getrunken hat, wenn die Zechen auch bis zu 200 RM. stiegen. Nach Bekanntwerden mit der„Inge“ kam er öfter, blieb zwei bis drei Stunden im Lokal und ging dann meistens mit„Inge“ fort zum Besuch eines weiteren Lokals. Bald konnte„Inge“, die von ihren Kolleginnen als lügenhaft und aufschneiderisch geschildert wird, mit Geschenken prahlen, die ihr der„Bartmann“ gemacht habe, u. a. einen hochwertigen antiken Brillantring, Armbanduhr, neues Kleid, neuen Mantel. Auch habe „Inge“, immer viel Geld gehabt, einmal habe sie 200 RM. einer Kollegin gezeigt.„Inge“ erzählte auch, daß ihr ein Haus in der Rosenstraße vererbt worden sei, das ganz mit Marmor ausgestattet sei. Ein Kriminalsekretär berichtet ausführlich über seine Untersuchungs= und Vernehmungsarbeit während der Zeit vom 17. November 1934 bis in die Gegenwart. Nach seinen genauen Darlegungen hat Ludwigs vom Beginn seiner Festnahme bis heute gelogen und ein nach Lage der Dinge unbegreifliches Verhalten an den Tag gelegt. Auf Vorhalt, weshalb er z. B. das Märchen mit dem Vergrabensein von Geld im Graßschen Hause erfunden habe, lachte Ludwigs laut auf. Der Zeuge hat den Eindruck, daß die Verteidigung des Ludwigs vom Anfang an diktiert gewesen sei von dem Bewußtsein, ihm könne man nichts beweisen, er habe gut gearbeitet. Ein am Vortage vernommener Zeuge tritt nochmals auf und bekundet, daß er seine bisherige Aussage, es wäre die Frau Graß gewesen, die er im Oktober 1934 noch gesehen hätte, einschränken müsse bezüglich der Bestimmtheit seiner Aussage. Der Angeklagte wendet sich in besonders scharfer Weise gegen die Aussagen dieses letzten Zeugen und des Kriminal= sekretärs und ergeht sich dabei auch in Beleidigungen eines Berichterstatters, so daß Ludwigs vom Gericht als Hausstrafe zwei verschärfte Arresttage für morgen und übermorgen zudiktiert erhält. Nach dieser Strafverkündung befleißigt sich Ludwigs eines wesentlich besseren und würdigeren Betragens. Aehnlich wie die Ausführungen und die Beurteilungen der Kriminalbeamten lauteten die Bekundungen des Untersuchungsrichters. Ludwigs habe sich vom Tage seiner Verhaftung an befleißigt, niemals auf eine Frage eine bestimmte Antwort zu geben. Dieser sei er konsequent ausgewichen. Zunächst habe sich Ludwigs immer bestrebt, das Vertrauen der mit ihm amtlich in Verkehr tretenden Personen zu erringen. Habe er aber die Auffassung gewonnen, der oder jener sei ihm nicht gewogen und suche ihn nur hereinzulegen, dann ließ er kein gutes Haar an diesen Personen, wozu auch einzelne Zeugen gehörten. Auffallend und widerspruchsvoll waren aach Ludwigs Aeußerungen über seine Geliebte, die„Inge“, als deren Beschützer er sich aufspielte, um nicht lange danach von ihr als einer Erpresserin zu sprechen. Nach dem Eindruck des Zeugen ist aber„Inge“ eine glaubwürdige Person, die das Ihrige zur Wahrheitsfindung freiwillig beitrage. An die Schuldlosigkeit des Ludwigs vermag der Zeuge auch nicht zu glauben; er hält ihn für den Täter. Nach der Vernehmung eines weiteren Zeugen, der an einem Oktobermorgen 1934 um vier Uhr früh im Wohnzimmer des Anwesens„Am Botanischen Garten 1“ nach vorherigem Besuch einer Bar mit Ludwigs noch zwei Flaschen Sekt trank, richtete der Staatsanwalt an Ludwigs die Frage: „Wo war denn in diesem Moment Frau Graß?" Die Antwort Ludwigs lautete:„Sie war noch im Schlafzimmer, kann auch schon in der Küche gewesen sein Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. Saalag WestsutenFlert Die Heerschau der Bewegung in unserem Nachbargau Gelsenkirchen, 28. Juni. Ganz Gelsenkirchen stand, Begrüßungstelegramme waren u. a. von Reichsan diesem Wochenende im Zeichen des Gautages West=iminister Dr. Goebbels, von Stabschef Lutze und falen=Nord. Die Grubenlampe, das Symbol der Städte Reichsleiter Rosenberg eingegangen. Im Laufe des des Bergbaues, in den mannigfachsten Größen und Abends fanden in den einzelnen Stadtteilen GelsenkirArten an den Häuserfronten und Hauseingängen ange=schens und Buers Massenkundgebungen statt, bracht, gab dem Stadtbild, das sonst die Züge harter in denen Gauleiter Dr. Meyer und Gauleiter Florian Arbeit trägt, ein besonders festliches Gepräge. Am Freitag nachmittag trafen die Formationen in der Stadt ein. Um 18 Uhr war die feierliche Eröffnung durch den Gauleiter, Reichsstatthalter Dr. Alfred Meyer, im Hans=Sachs=Haus. Nach der Eröffnung durch das Städtische Orchester und einer Begrüßung durch den Oberbürgermeister Böhmer und durch den Kreisleiter Kossol sprach der Gauleiter Dr. Meyer, der in den Mittelpunkt seiner Rede den unvergeßlichen Ludwig Knickmann stellte, der sein Herzblut für die (Düsseldorf) und andere führende Männer der Bewegung zu den Volksgenossen sprachen. Wuchs schon am ersten Tage des nordwestfälischen Gautreffens die Stimmung in Gelsenkirchen von Stunde zu Stunde zusehends, so stand, am Samstag, dem zweiten Tag, die Stadt der Kohle und des Eisens vollends im Zeichen wahrer Festtagsfreude. Auf dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof und auf den Bahnhöfen in .=Heßler und.=Bismarck rollten die Sonderzüge aus Ludwig Knickmann stellte, der sein Herzblut für die dem weiten Münsterland, aus Minden=Ravensberg, aus Befreiung des Vaterlandes von fremdem Joch herge=der Soester Börde, aus dem Lipperland, aus dem Pageben habe. derborner Gebiet usw. an. Dutzende und aber Dutzende 2500 vom Kens. in Willen Aufmarsch der Motorstandarte 69— Gutes Abschneiden der Bochumer Stürme bei der Orientierungsfahrt Der Aufmarsch am Sonntag Witten, 28. Juni.(Eigenbericht des„B..“) Witten hatte am Sonntag einen großen Tag, denn die Motorstandarte 69 hatte für den 28. Juni einen Aufmarsch ihrer Stürme angesetzt, der der schönen Stadt an der Ruhr Hochbetrieb brachte. Dem Aufmarsch am Sonntag ging am Samstag abend im Städtischen Saalbau in Witten eine Kundgebung der Motorstandarte 69 voraus, die bei starkem Besuch ein würdiger Auftakt war. Nach dem Einmarsch des Feldzeichens und der Sturmstander ergriff der Führer der Standarte, Oberführer Sonnenschein (Witten), das Wort zu arundlegenden Ausführungen über das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps, seine Ziele und Aufgaben. Oberführer Sonnenschein erinnerte an den 23. August 1934, an dem der Führer das RSKK. zur selbständigen Gliederung der Partei und zum Banner= und Willensträgex der Motorisierung in Deutschland erhob. Er führte zurück in die Kampfzeiten um dann die neuen Aufgaben aufzuzeigen, die dem RSKK. nach der Machtergreifung erwuchsen. Zusammenfassend sei diese Aufgabe: auf breiter Grundlage im Volke die nötige technische Vorbildung zu schaffen und bei jedem Volksgenossen Verständnis für die Motorisierung Deutschlands zu erwecken. Oberführer Sonnenschein legte anschließend dar, wie und mit welchen Mitteln das RSKK. diesen Zielen durch Schulung und Einsatz nachstrebt, wies auf die besondere Schlagkraft hin, die diese motorisierte Parteigliederung bei der letzten Wahl zeigte, um am Schluß seiner großen Rede die Verpflichtungen des Korps bei der Erziehung der Gesamtheit zur Verkehrsdisziplin in enger Zusammenarbeit mit der Polizei darzustellen. Er schloß mit den Worten:„So ist die motorisierte Gliederung der Partei, das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps, die große Erziehungsschule des Volkes zur Erweckung und Vertiefung des Motorisierungsgedankens. Es führt seine Arbeit durch, zähe und mit dem festen Willen, die gestellten Aufgaben zu meistern. Führer und Männer erfüllen ihre Pflicht, führen freudig ihren Dienst aus getreu dem Wahlspruch des Korps: Treu, opferwillig und einsatzbereit!" Anschließend sprach Dr. Jeß(Dorfmund) über die rassepolitischen Grundlagen des Nationalsozialismus. Ausgehend von der Gestalt Heinrichs des Ersten, des ersten wirklichen deutschen Königs, zeigte er die Kämpfe und Wirrnisse, die dem deutschen Volk bereitet wurden, und durch die es zu seinem heute rassisch noch spürbaren Schaden hindurch mußte. Er gab ein Bild der Opfer unseres Volkes durch das Mittelalter bis nach dem 30jährigen Kriege und begründete die rassepolitischen Grundsätze der Bewegung, indem er gleichzeitig vom Atheismus als dem Wesen des Nationalsozialismus fremd abrückte. Ein Schlußwort von Oberführer Sonnenschern beendete die Kundgebung, deren musikalischen Teil der Musikzug der Motorbriaade Westfalen unter MZ.= Führer Obertruppführer Fiedler vollendet bestritt. aus dem gesamten Bereich der Standarte, der vom Osten und Südosten von Hagen und dem Ennepe=Ruhr= Kreis über Witten, Bochum, Castrop=Rauxel, Herne und Wanne=Eickel bis nach Wattenscheid geht, vollzog sich sternförmig auf Reichsbahn=Lastzügen nach einem genau ausgearbeiteten Plan, der auf die Minute eingehalten wurde. Er wurde so zugleich zur Uebung einer planmäßigen Kolonnenfahrt. Begonnen wurde der Tag morgens in aller Frühe mit einer Mannschafts=Orientierungsfahrt, bei der laut Befehl nach Karte unter Stellung von fünf Aufgaben je nach der Geschicklichkeit des Fahrers 40 bis 47 Kilometer zurückzulegen waren wobei auch Bochumer Gebiet in Stiepel berührt wurde. Die Bochumer Stürme schnitten dabei ausgezeichnet ab. Im Wettbewerb der Kraftradmannschaften wurde der Sturm 13/91 69(Langendreer) Sieger vor dem Sturm 16/M 69(Bochum) und den Stürmen 4/M 69 und 2/M 69. An fünfter und sechster Stelle folgten die Bochumer Stürme 12/M1 69 und 11/M 69. Im Kampf der PersonenkraftwagenMannschaften siegte Sturm 5/91 69(Hagen) vor Sturm 12/M 69(Bochum), den Mannschaften 16/M 69(Bochum), 2/M 69, Staffel 1/69 und Sturm 1/01 69(Hattingen). Gute Leistungen zeigte auch die HJ.=Kraftrad= mannschaft. Erfreulicherweise verlief der Wettbewerb ohne jeden Unfall. Inzwischen waren in Witten alle auswärtigen Stürme eingetroffen und marschierten auf dem Rathausplatz zur Bereidigung auf den Führer Adolf Hitler auf, die Oberführer Sonnenschein vornahm. Vertreter anderer Gliederungen der Bewegung und der Behörden wohnten dem feierlichen Akt bei, der beim Schmuck der Fahnen und beim Antreten von rund 2500 Männern ein wuchtiges Bild bot. Nach der Vereidigung rückten die Stürme ab in die Nähe des Hindenburaplatzes zum Essenempfang an den Gulaschkanonen. Der wohlverdienten Essenspause folgten auf dem Hindenburgplatz selbst prächtige motorsportliche Vorführungen, zu denen auch neben vielen Ehrengästen Oberführer Niederwestermann(.= Langendreer), der Führer der Motorbrigade Westfalen, erschienen war. Der Vorbeimarsch der Stürme vor Oberführer Niederwestermann und Oberführer Sonnenschein und die Vorbeifahrt der Lastkraftwagen=Kolon= nen, sowie die Preisverteilung am Abend im Städtischen Saalbau Witten beschlossen den großen Taa der Motorbrigade 69 des RSKK. der unter der Leitung von Oberführer Sonnenschein ein überzeugendes Bild der Schlagkraft und Einsatzfreudigkeit der Standarte 69 bot. phot...-Muthherr. Die Schwurhand der Männer faßt die Fahne Adolf Hitlers von Straßenbahnsonderzügen und Omnibussen brachten die Linien aus dem Vest herbei. Tausende und aber Tausende von Politischen Leitern und sonstigen Teilnehmern des Gautreffens fanden sich so bereits im Laufe des Samstagvormittags zur Teilnahme an den über zwanzig Sondertagungen der verschiedenen Gauämter ein, die um 11 Uhr ihren Anfang nahmen. Am Samstag nachmittag fand in der großen Wagenhalle der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahn die Führerkundgebung des Gaues Westfalen=Nord der NSDAP. statt, zu der auch Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, begleitet von Gauleiter Reichsstatthalter Dr. Meyer, dem gesamten Gaustab, zahlreichen SA.= und SS.=Führern, hohen Offizieren des Wehrkreis= und Luftkreiskommandos Münster, dem Gauarbeitsführer und enderen führenden Männern der Bewegung, erschien. In dieser Tagung gab der Gauleiter seinen Rechenschaftsbericht. Die Zahl der Arbeitslosen sei von 194 000 im Jahre 1933 auf 52000 im Jahre 1936 gesunken. Auf den 40 Schachtanlagen im Gau sei die Kohlenförderung von 22,7 Millionen auf 29,7 Millionen Tonnen gesteigert worden. Das Einkommen der Bergarbeiter habe sich um 10 bis 20 v. H. erhöhen lassen. Die Eigenart des Bezirks mache eine Auflockerung der Arbeitsplätze notwendig, an die mit großem Erfolg herangegangen worden sei. Es sei Aufgabe der Betriebsführer, sich mehr als bisher der Ausfuhr zuzuwenden. Der Betriebsführer, der nur das verdienstreiche Inlandgeschäft glaube pflegen zu müssen, würde darauf hingewiesen werden, daß diese Möglichkeit ihm genommen werde, wenn er seiner Pflicht als Exporteur nicht nachkäme. Danach begann Reichsorganisationsleiter Dr. Ley seinen Appell an die Teilnehmer dieser bedeutsamen Führerkundgebung des Gaues Westfalen=Nord. Stabschef Lutze am Grabe Ludwig Knickmanns In der Frühe des Sonntags zogen die Ehrenstürme der braunen Armee, der SA.=Standarte 137 „Ludwig Knickmann", zum Buerschen Ehrenfriedhof hinaus, um dort Aufstellung zu nehmen am Grabe Ludwig Knickmanns zu einer erhebenden Morgenfeier zu Ehren des frühen Soldaten Adolf Hitlers, des mutigen Ruhrland=Freiheitskämpfers, der in der Morgenröte der nationalen Wiedergeburt sein Leben ließ. Nach der Ankunft der Angehörigen des gefallenen Helden erschien der Chef des Stabes der SA. Viktor Lutze, begleitet von den SA.=Gruppenführern Knickmann und Schramme, von den Gauleitern Dr. Meyer und Florian, von Oberbürgermeister Bohmer und von zahlreichen weiteren führenden Männern aus Partei und Staat. Ein Gedenkspruch und ein Totenchor der SA. leiteten die schlichte Morgenfeier ein. Dann sprach Stabschef Lutze. Vor wenigen Wochen habe er an dem offenen Grabe eines gefallenen Danziger SA.=Kameraden gestanden,„und heute stehen wir hier an einem Grabe, in das einer der ersten, die für unsere Bewegung fielen, gesenkt wurde Zwischen diesem und dem letzten Grabe stehen Meilensteine von Blutopfern die notwendig waren, damit Deutschland lebe. Wir stehen hier in stolzer Trauer an dem Grabe unseres Kameraden. Wir versprechen Dir, daß wir bereit sind, wie Du zu leben und, wenn es von uns gefordert wird, auch wie Du zu sterben. So gehen wir von dieser Stätte, indem wir von uns das fordern, was Du von Dir gefordert hast: das große ewige Deutschland.“ Am Sonntag vormittag erfolgte im großen Saale des Hans=Sachs=Hauses in einer öffentlichen Festsitzung der Gelsenkirchener Ratsherren die feierliche Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes der Stadt Gelsenkirchen an den Chef des Stabes der SA., Viktor Lutze. Inzwischen marschierten die Tausende und Zehntausende in endlosen Kolonnen zum„Platz der Zweihunderttausend“ an der Wildenbruchstraße zum Generalappell. Vor der riesigen Tribüne auf dem Wildenbruchplatz hatten die Standarten, Feldzeichen und 600 Fahnen aus dem Gau Aufstellung genommen. Gauleiter Dr. Meyer meldete dem Stabschef, der begeistert begrüßt wurde, daß der Gau Westfalen=Nord angetreten sei. Neben dem Stabschef und dem Reichsleiter Reichsminister Dr. Frank wohnten der Befehlshaber im Wehrkreis VI, Generalleutnant von Kluge, Gauarbeitsführer Zimmermann und viele weitere führende Männer aus Partei und Staat dem machtvollen Appell bei. Zu dem Generalappell, so führte Gauleiter Dr. Meyer aus, seien aus allen Teilen des Gaues die Zehntausende hier zusammengekommen, um sich von neuem zu der Losung Freiheit und Ehre zu bekennen. Der Stabschef der SA. hielt eine Ansprache. Von dem begeisterten Jubel der vielen Zehntausende begrüßt, übermittelte sodann Reichsleiter Reichsminister Dr. Frank dem Gau Westfalen=Nord zu seinem diesjährigen Gautreffen die herzlichsten Grüße des Führers, der Reichsleitung der RSDAP. und der Reichsregigrung Im Anschluß an den Generalappell fand ein Vorbeimarsch statt. Voran eine kompagniestarke Wehrmachtabteilung, gefolgt von der Polizei, begann der Marsch der Kolonnen durch die Straßen der Gelsenkirchener Innenstadt und durch die angrenzenden Hauptstraßen der Stadtteile Schalke, Bulmke und Bismarck. Der Wehrmacht und der Polizei folgten in endlosen Kolonnen die SA., die politischen Leiter das RSKK., die Ehrenstürme der SA.=Gruppe Nordsee und Niedersachsen, die Werkscharen, die NSBO., die HJ., das Jungvolk, der Reichsarbeitsdienst, die Luftsportgrupren, die Bergknappen, die TN. und schließlich die SS. Ueber den marschierenden Kolonnen kreuzten hoch in der Luft eine Flugzeugstaffel und ein Segelflugzeug. Vor der Tribüne am Hans=Sachs=Haus nahmen Stabschef Lutze Gauleiter Dr. Meyer, Generalleutnant von Kluge mit weiteren Offizieren der Wehrmacht, SA.=Gruppenführer Schramme, SS.= Oberführer von Humann=Heinhofen, SS.= Obergruppenführer Weitzel Gauarbeitsführer Zimmermann und andere führende Männer der Bewegung und ihrer Gliederungen und des Staates den Vorbeimarsch der Zehntausende ab. Reichsbahnpräsident Lamertz(Erfurt) neuer Präsident der Reichsbahndirektion Essen Essen, 27. Juni. Reichsbahnpräsident Lamertz, der seit 1933 an der Spitze der Reichsbahndirektion Erfurt stand, ist zum 29. Juni als Leiter an die Reichsbahndirektion Essen versetzt worden. Er tritt damit an die Spitze einer der wichtigsten Direktionen der Deutschen Reichsbahn. Aus diesem Anlaß nahm Präsident Lamertz am Samstag mittag in einer schlichten Feier im Gebäude der Reichsbahndirektion Erfurt von der Gefolgschaft Abschied. Die vorläufige Führung der Geschäfte der Reichsbahndirektion Erfurt übernimmt Vizepräsident Koll. Seite 13 Nr. 149# Bochumer Anzeiger# Montag, 29. Juni 1936 aller Welt Schufse nit Acht Montenegriner der Oppositionsgruppe erschossen 30 Verletzte— Angeblich Freudenschüsse gaben den Anlaß Belgrad, 28. Juni. Schwere Zusammenstöße zwischen oppositionellen Montenegrinern und der Gendarmerie haben etwa zwei Kilometer von Cetinje entfernt acht Tote und 30 Verletzte gefordert. Etwa 1000 Oppositionelle befanden sich auf dem Wege zu einer Versammlung in Cetinje. Als sie in die Nähe der Stadt kamen, wurde ihnen gesagt, die Versammlung sei in Cetinje verboten worden. Nach stundenlangen Verhandlungen fügten sie sich, hielten aber die Versammlung außerhalb der Stadt ab. Alles verlief ruhig, bis plötzlich nach der Beendigung der Versammlung aus den Reihen der Teilnehmer heraus Schüsse ertönten. Die Gendarmerie fühlte sich angegriffen und gab mehrere Salven in die Menge hinein ab, die zu den genannten blutigen Verlusten führten. Die Polizei verhaftete 50 Montenegriner, darunter vorübergehend den früheren montenegrinischen Minister Dr. Plamenac. Die Oppositionellen behaupten, die Schüsse aus der Nähe seien nicht feindselig gemeint, sondern Freudenschüsse gewesen, wie sie nach montenegrinischer Sitte am Schluß von Versammlungen abgefeuert würden. Aufklärung einer Mordserie Stockholm, 28. Juni. Am Freitag wurde in der kleinen Stadt Sala nördlich von Stockholm ein grausamer Ueberfall auf einen Bankboten verübt. Die Insassen eines Autos, die den Boten umgefahren hatten, versuchten, sich seiner Mappe zu bemächtigen. Dem Boten gelang es jedoch, die Flucht zu ergreifen, er wurde aber verfolgt und mit sechs Schüssen niedergestreckt, denen er am Tage darauf erlag Durch die Angaben eines Mannes, dem die Täter ein Angebot gemacht hatten, der eine Mithilfe aber abgelehnt hatte, konnte die Polizei die drei Schuldigen verhaften. Während der Vernehmung hat sich nun herausgestellt, daß der Führer der Bande noch vier Morde in der Gegend von Sala auf dem Gewissen hat. So hatte er einen Schachtmeister und dessen Haushälterin erschossen und nachher das Haus angezündet. In einem weiteren Fall betäubten die Banditen durch Auspuffgase, die sie in den Raum einer Villa geleitet hatten, eine Frau. Da sie aber kein Geld fanden, steckten sie das Haus in Brand und vertilgten so ihre Spuxen. Die Frau verbrannte. In einem weiteren Fall hatte der Führer der Bande noch einen Raub vorgenommen und für diesen Zweck mit einem Mithelfer eine Autodroschke gemietet. Dieser Plan mißlang aber. Der Lenker des Wagens hatte das Gespräch mitgehört, wurde jedoch trotz seines Versprechens, nichts zu sagen, von den Banditen erschossen. Bisher sind insgesamt sieben Personen verhaftet worden. Zwangsarbeit für Kindesraub Auch Frankreich verschärft die Strafen für Kindesentführer Paris, 28. Juni. Das Schwurgericht in Aix=en=Provence verurteilte den Marseiller Kindesräuber Clement Cardon und seine Mutter, die im Dezember des vergangenen Jahres den Sohn eines Arztes entführt hatten, zu 20 Jahren Zwangsarbeit. In der Anklagerede erklärte der Generalstaatsanwalt, daß in Deutschland der Kindesraub mit dem Tode bestraft werde, und forderte die Geschworenen auf, ebenso streng zu handeln. Das Kind der Marseiller Arztes Malmejac, das mit dem Kindermädchen einen Spaziergang in den Park unternommen hatte, wurde der Betreuerin von einer bielt der Krat enteisen und entführt, Tags darauf ereisees zwecklos, sich mit Anträgen auf Zuteilung von Rei devisen an die Devisenbehörden zu wenden. Staatssekretär Grauert in den einstweiligen Ruhestand versetzt dnb Berlin, 28. Juni. Der Führer und Reichskanzler hat durch Erlaß vom 26. Juni 1936 den Staatssekretär im Reichsund preußischen Ministerium des Innern Grauert auf seinen Antrag in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Aus diesem Anlaß hat der Führer und Reichskanzler folgendes Dankschreiben an den Staatssekretär Grauert gerichtet:„Ihrem Antrag auf Versetzung in den einstweiligen Ruhestand habe ich mit Wirkung vom 1. Juli dieses Jahres durch den beiliegenden Erlaß vom heutigen Tage entsprochen. Ich benutze diese Gelegenheit, Ihnen für die wertvollen Dienste. die Sie seit der Machtübernahme im preußischen Ministerium des Innern und später in dem vereinigten Reichs= und preußischen Ministerium des Innern geleistet haben, meinen Dank und meine Anlerkennung auszusprechen. Ich behalte mir Ihre Wiederverwendung bei sich bietender Gelegenheit vor.“ Das Ausscheiden des Staatssekretärs Grauert als zweiter Staatssekretär des Reichs= und preußischen Ministeriums des Innern ergab sich aus der Notwendigkeit der strafferen Zusammenfassung der Geschäfte des Ministeriums auch in der Person des Vertreters des Reichs= und preußischen Ministers des Innern Dr. Frick. Staatssekretär Pfundtner leitet nunmehr als alleiniger Staatssekretär die Geschäfte sämtlicher Abteilungen des Ministeriums. Die polizeilichen Angelegenheiten sind unter dem Chef der deutschen Polizei im Reichs= und preußischen Ministerium des Innern Reichsführer SS. Himmler zusammengefaßt, der dem Minister persönlich und unmittelbar untersteht. Die Stellung des Reichsarbeitsführers Staatssekretär Hierl ist durch die Neuregelung nicht berührt. Staatssekretär Grauert hatte am 9. Januar sein 45. Lebensjahr vollendet. Er ist in Münster in Westfalen geboren, war vor dem Kriege Referendar in Hamm und machte dann vier Jahre den Weltkrieg mit. Er ist nicht weniger als viermal verwundet worden. Nach dem Kriege war Grauert mehrere Jahre Staatsanwalt in Münster und in Bochum. 1923 ging er zur Industrie, und zwar zunächst zum Arbeitgeberverband Duisburg. Fünf Jahre später wurde er Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes der nordwestlichen Gruppe des Verbandes Deutscher Eisen= und Stahlindustrieller. Gleich nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus wurde er vom preußischen Ministerpräsidenten in das Innenministerium berufen, wo er zunächst als Ministerial= direktor und Leiter der Polizeiabteilung tätig war. Am 10. April 1933 wurde er Staatssekretär an Stelle Herbert von Bismarcks. In dem vereinigten Reichsund preußischen Ministerium des Innern unterstanden Staatssekretär Grauert die Personalabteilung, die Kommunalabteilung und die Polizei. zu den Heinrich=Feiern Herrrsraudeit in der alten Kaiserpfalz Memleben zu dub Memleben(Unstrut), 28. Juni. In der dämmerigen Krypta des Deutschen Domes Quedlinburg, der vom Schloßberg weit in den Harzgau schaut, ruht König Heinrichs I. Gebein. Sein tapferes Herz ist in Memleben beigesetzt, wo Heinrich und sein Sohn Otto der Große starben. Das Unstruttal, in dem Memleben liegt, sah einen großen Teil der deutschen Geschichte: Die Schlacht von Burgscheidungen zerbrach 531 das alte Thüringer Reich. Zwischen Sachsen und Franken bildete dann die Unstrut die Grenze. Früh wurde ihr Tal Missionsgebiet. Hersfelder Annalen erwähnen schon vor 786 das Dorf Memleben. In der Zeit des ersten Deutschen Reiches gehörte es zum Kernland. Hier weilten Heinrich., die Ottonen, Heinrich IV., hier liegen ihre Pfalzen und Königshöfe. Von hier aus wurde die deutsche Reichspolitik geführt. Aus den Verteidigungslinien gegen den Osten, an denen 933 der Ansturm der Ungarn zerschellte, wurde die Angriffsbasis für die Rückgewinnung und Eindeutschung der einst an slaGoldenen Aue am Harz freilegen lassen. In seinem Auftrage werden noch in diesem Jahre Grabungen im Gelände der Domäne Memleben nach Mauern, Toren und Gebäuden der Memleben=Pfalz beginnen. In der vom Schutt der Jahrhunderte befreiten Kirchenruine gedachte am Samstag abend in einer schlichten Feierstunde der Gau Halle=Merseburg, der am Sonntag in dem flaggen= und girlandengeschmückten Städtchen einen seiner Kreisappelle abhielt, des großen sächsischen Bauernkönigs Heinrich I. Die Feier wurde durch eine Ansprache des Gauleiters Jordan eröffnet. Die Kirche war vom Fackelschein erleuchtet. Gauleiter Jordan sagte u..: Nicht in seinen Handlungen allein und in seinen Erfolgen sieht der Nationalsozialismus die überragende Bedeutung dieser Führerpersönlichkeit, sondern nur noch in dem politischen Königtum, das in ihm zum ersten Male seine Verwirklichung fand. Mit berechtigtem Stolz stehen die Nationalsozialisten des Gaues Halle=Merseburg an dieser Stätte, an der sich einst eine Schicknd Saale, verlorenen Gebiete rechts der Elbe salzwende vollzog gleich der, die wir heute und Saale. Wenig Baudenkmäler erinnern an jene Zeit. Memleben aber steht blobig, monumental, ein gewaltiger Mauerklotz, das Kaisertor“, mit einigen Mauerresten aus Heinrichs Zeit. Alles andere ist verschwunden. Aus der Pfalz wurde ein Kloster und von der großen dreischiffigen spätromanischen Klosterkirche, die etwa gleichzeitig mit den Dombauten zu Naumburg und Magdeburg begonnen wurde, sind nur die Krypta und die ragenden Seitenwände erhalten geblieben. Ihr Zustand hat den Gauleiter Jordan(HalleMerseburg) veranlaßt, Erneuerungs= und Freilegungsarbeiten anzuordnen, die jetzt die Schönheit und die Größe der Kirchenanlage erkennen lassen. An den Pfeilern finden sich Zeichnungen in uns heute unbekannter Technik. Sie stellen gekrönte Ritter und Frauen dar, wahrscheinlich Bilder der Könige und ihrer Gattinnen. Gauleiter Jordan hat bereits die Pfalz Tilleda in der dürfen. In schöner alter Instrumentalmusik, Liedern und Versen ließ dann in szenischer Gestaltung die Jungmannschaft der nationalpolitischen Erziehungsanstalten Naumburg und Schulpforta die Zeiten lebendig werden, in denen das erste Deutsche Reich erstand. Das chorische Spiel folgt der geschichtlichen Entwicklung weiter durch Zerfall und neue Machtentfaltung, durch Weltkrieg, Zusammenbruch und endliche Neugeburt des deutschen Volkes in Idee und Gestalt. Es verband sich so mit den Schlußworten des Gauleiters:„Das Tor ist wieder aufgetan in eine neue deutsche Zukunft! An ihr mitzuarbeiten ist die Verpflichtung, die wir aus der Vergangenheit empfangen.“— Im Sieg=Heil auf den Führer und im Sturmlied der SA. vereinigte sich zum Gelöbnis dessen die Gemeinde dieser nächtlichen Totenfeier. fremden Frau entrissen und entführt. Tags darauf erhielt der urz. einen Brief, in dem fur oie Ruagabe des Kindes 10000 Reichsmark Abstand gefordert wurden.„„„ ee Pur P. Se Coe e wpieche zem Merfal gelang an der Bes MAnsere Wesesclische Weinal inn Inlo Vier Tage nach dem Vorfau getugg, es der Polizez,“„„ g„ B die eine große Fahndungsaktion eingeleitet hatte, die Kindesräuberin ausfindig zu machen. pudergnaste am Hut Die Liebeserklärung durch Kürbiskuchen— Wie man in Europa zu einem Mann kommt Berlin, 28. Juni. In manchen Teilen Europas ist die Art der Liebeswerbung auch heute noch so lustig und kurios, daß es eine dankbare Aufgabe ist, sie dem Vergessen zu entreißen. In Andalusten sucht sich das junge Mädchen selbst den Gefährten fürs Leben aus. Hat sie den ge eigneten Mann entdeckt, so läuft sie nach Hause und backt einen prachtvollen, großen Kürbiskuchen. Selbstverständlich gibt sie sich alle Mühe, ihn zuzubereiten, denn nicht zuletzt hängt von diesem Backwerk ihr Lebensglück ab. Ist der Auserkorene mit seiner Braut zufrieden, schneidet er den Kuchen an und verspeist ihn. Im anderen Falle schickt er ihn zurück und das junge Mädchen muß ihre süßen Liebeswerbungen an einem anderen„Opfer“ ausprobieren.. Prauem Im südlichen Spanien, senden die Frauen den Männern ihrer Wahl ihre Puderquaste. Erscheint der Liebhaber beim nächsten Stierozecht mit der Nogilte am Hut, so weiß das Fräutein, das, mit Herzugren in der Loge sitzt, und dem wilden Spiel zusieht, daß der Torero bereit ist, ihr Herz und Hand zu geben. In Montenegro beweisen die jungen Damen ihren Verehrern durch„Lichtsignale“, ob sie mit dem Ehebund einverstanden sind. Sie stellen nachts„Li beslampen“, auf ihr Fenster und lenken durch einen Spiegel den Schein in Richtung der Wohnung des Mannes, an dem sie die Nacht über denken werden. Auch in einzelnen Gegenden Hollands sind heute noch recht eigenartige Methoden in Gebrauch, um zu einem Ehegefährten zu kommen. Dort geht der Verliebte zu dem Haus seiner Angebeteten, klopft an die Tür und bittet höflich um Feuer. Diese Handlung, die sich auch noch ein zweites Mal wiederholt, hat allein den Zweck, auf den jungen Herrn aufmerksam zu machen. Kommt der Freiersmann aber zum dritten Mal, so entscheidet sich sein Schicksal. Ist man mit seiner Person einverstanden so bittet man ihn, doch in das Innere des Hauses zu kommen. Nun erscheint die junge Braut höchstpersönlich und überreicht dem Jüngling eine Zigarre, die sie selbst anzündet. Durch das Feuer des Zündholzes soll sinnbildlich auch das Herz Flammen schlagen und nun steht einer Verlobung nichts mehr im In Sardinien ist es üblich dem Mädchen, sei: ner Wahl kleine Steinchen zuzuwerfen. Wirft sie diese zurück, ist ihr die Bekanntschaft nicht unerwünscht und der Verehrer weiß, daß er nun hoch zu Roß vor das Haus seiner Herzallerliebsten reiten darf, dort durch Flintenschüsse seine Gegenwart bekanntzugeben hat und seine Braut in den höchsten Tönen besingen muß. vergleicht sie mit einer Rose ohne Dornen, einer Nachtigall und einem Glückstern, während die Angehörigen des Mädchens den Freiersmann.s, Lilie, Stier oder Herkules proklamiexen. Endlich führt man ihm junge Braut zu, die er nun zum ersten Male küssen Man sieht also, daß es nicht immer einfach und bequem ist, zu einem Ehekameraden zu macht es sich allein die junge Kabylin, die, eigiech vor das Haus senes Mannes geht, dem gegegri, un# schenken will. Sie singt erst ein kleines Liebeslied und löst dann ihren Gürtel zum Zeichen der Zuneigung. 14 personen verschüttet Madrid, 28. Juni. In dem spanischen Dorf Valentine bei Murcia hat eine wütend gewordene Kuh eine Panik herbeigeführt und den Tod dreier Personen verschuldet. Mehrere Dorfbewohner, die sich durch das wütend gewordene Tier bedrängt sahen, nahmen in ihrer Angst Reißaus und eüer ich uun ecie Seie Aie Bns schenlast war jedoch für das Dach zu schwer, Unter großem Getöse brach der Dachstuhl in sich zusammen und begrub die verängstigten Bewohner unter sich. Drei Personen konnten nur als Leichen geborgen werden, elf Schwerverletzte mußten ärztliche Hilfe nachsuchen. Reisekreditbriefe mitnehmen! Berlin, 28. Juni. In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, in denen heutsche Reisende Auslandreisen antreten, ohne die Abgabe der von ihnen bei einem deutschen Reisebüro oder einer Devisenbank beantragten Reisezahlungsmittel(Reisekreditbriefe und dergleichen) abzuwarten. Sie gehen dabei von der Hoffnung aus, daß ihnen die beantragten Reisezahlungsmittel alsbald ins Ausland nachgesandt werden. Demngegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß der Reichsbank für den Reiseverkehr nach Ländern, mit denen eine besondere Reiseverkehrsregelung(Reiseabkommen) besteht, jeweils nur bestimmte Devisenkontingente zur Verfügung stehen. Da diese fast regelmäßig hinter den Anforderungen des deutschen Reisepublikums zurückbleiben, können die Reisebüros und Devisenbanken keine Gewähr für eine Zuteilung der bei ihnen beantragten Reisezahlungsmittel übernehmen. Es wird deshalb dringend davor gewarnt, die Auslandsreise anzutreten, bevor nicht die Reisezahlungsmittel von dem Reisebüro oder der Devisenbank ausgestellt worden sind. Die Reisebüros und Devisenbanken geben Auskunft darüber, ob für Erholungs= und Urlaubsreisen nach Ländern, mit denen Reiseabkommen bestehen, Reisezahlungsmittel abgegeben erden können. Fällt diese Auskunft negativ aus, so ist Hagen eröffnet eine Lichtbildaussteuung des Gaues Westfalen im Vervand Deutscher Amateurphotographen=Vereine7 Starke Beteiligung der Bochumer Vereine Städtischen Museum Im Hagener Städtischen Museum„wurde am Sonntag vormitrag die große, mit etwa 750 Lichtbildern beschickte, Ausstellung des Gaues Westfalen im Verband Deutscher Amateurfotografen=Vereine vor überraschend vielen Freunden der edlen Kunst feierlich eröffnet. Der kleine Festakt in dem mit Fahnen= und Blattschmuck und einer Büste des Führers ausgestatteten Raum wurde von künstlerischen Darbietungen umrahmt. Ein Violinterzett brachte mit feinem Ausdruck die Mozartschen Divertimenti zum Vortrag. Der Ausstellungsleiter Karl Römer, Vorsitzender der Fotografischen Gesellschaft in Hagen, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und stattete den um die Förderung der Ausstellung bemühten amtlichen Stellen sowie den 16 beteiligten westfälischen Vereinen den herzlichen Dank der Leitung ab. In eingehender Weise verbreitete sich der Vorsitzende des Gauverbandes Direktor Sporkhorst über die kulturelle und volkswirtschaftliche Bedeutung der Amateurfotografie, die in ihren lichtbildnerischen Leistungen ein wesentliches Mittel sei, die Liebe zu Kunst, Volkstum, Tradition und Landschaft zu vertiefen und dem Betrachter neben der optischen auch die geistige und seelische Einstellung anzuerziehen. Er verlas eine Reihe von Glückwunschschreiben führender Persönlichkeiten des Gaues, u. a. des Gauleiters Dr. Meyer und des Landeshauptmanns Kolbow(Leiter des Westfälischen Heimatbundes), aus denen die starke Beachtung, deren sich die Amateurfotografie mit Recht erfreut, eindeutig hervorgeht. Landeshauptmann Kolbow vor allem, der mit dem Hagener Oberbürgermeister Vetter die Schutzherrschaft der Ausstellung übernommen hatte, brachte in seinem Schreiben zum Ausdrusk, welche Aufgaben der Lichtbildkunst auf westfälisch=heimatkundlichem Gebiete gestellt seien. Nach Eingliederung des Verbandes in den Westfälischen Heimatbund ist die wirksame Zusammenarbeit beider Institutionen in vollem Umfang gewährleistet, die Einrich= tung eines Bilderarchivs in Münster ist in Aussicht genommen. Die umfangreiche Ausstellung gliedert sich in die vier Abteilungen„Bildmätzige Fotografie“, die vom künstlerischen Gestalten unserer Lichtbildner zeugt,„Heimatfotografie" Verbandsvorschrifte seimatfotografie"(Reihenbilder nach besonderen Veroanosvorschriften),„Unsere west= fälische Heimat im Bild“ und„Zeitfoto und Reportage". Des weiteren sind etwa 50 Bilder„außer Wettbewerb“ zu sehen, ferner Glasbilder aus dem bisher noch kaum erschlossenen Gebiete der Stereoskopie. Als letzter Redner nahm Oberbürgermeister Vetter das Wort, der vom Unterschied des Sehens" und„Schauens“ her den seelischen und rassischen Wert der Amateurfotografie betonte. Blutmäßige Erkenntnis aller Lebenszusammenhänge bedinge zugleich die schlichte und natürliche Einstellung zur deutschen Landschaft, zum deutschen Menschen und allen von ihm geschaffenen Werten. Schöner lassen sich die innigen Beziehungen, die zwischen der vom Amateurfotografen vermittelten„Schau“ und der Menschenund Volksbildung bestehen, nicht andeuten als durch die herzlichen und feinsinnigen Ausführungen des Oberbürgermeisters. Reicher Beifall zeigte ihm, daß man ihn verstanden hatte, nachdem er die Ausstellung eröffnete und mit einem Sieg=Heil des Führers gedachte. Dem Festakt schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung an, auf die wir im einzelnen noch zurückkommen werden, zumal die Bochumer Vereine („Lichtbildfreunde Bochum“ und„Lichtbildnergemeinschaft Bochumer Verein“) mit insgesamt über 200 Arbeiten einen mengenmäßig und künstlerisch sehr beachtlichen Platz einnehmen. Dr. * Schweres Unglück auf den Schienen Ein entsetzlicher Unglücksfall rief in Berlin=Oranien= burg große Bestürzung hervor. Berliner Ferienkinder, die in einem katholischen Heim in Oranienburg zur Erholung untergebracht waren, kletterten auf die Gleise der Kremmener Bahn und wurden dort von einem Triebwagen erfaßt. Ein Kind wurde sofort getötet, drei weitere Kinder und die 17jährige Helferin Magdalene Giehl aus Berlin schwer verletzt. Außerdem sind noch drei Kinder verletzt worden, die aber nach ärztlicher Behandlung im Heim verbleiben konnten. 50 Jahre Zuchthaus Der Führer der Newyorker Unterwelt unschädlich gemacht Newyork, 28. Juni. Nach mehr als vierwöchiger Verhandlung wurde gegen den Führer der Newyorker Unterwelt, Charles Luciano, das Urteil gefällt. Luciano, der zahllose Freudenhäuser in Newyork besaß und der des Mädchenhandels angeklagt war, wurde zu 50 Jahren Zuchthaus verurteilt. Luciano, der in der Unterwelt den Beinamen„Lucky“ — der Glückliche— trägt, ist sein sprichwörtliches Glück trotz dieses hohen Urteils treu geblieben. Insgesamt waren ihm 63 Fälle des Mädchenhandels nachgewiesen worden. Für jedes einzelne dieser Verbrechen drohten ihm zwei bis 20 Jahre Zuchthaus, so daß die Höchststrafe gegen ihn auf 1260, die Mindeststrafe auf 126 Jahre Zuchthaus hätte lauten können. Immerhin wird„Lucky"=Luciano auch unschädlich sein, wenn er die 50 Jahre Zuchthaus im Staatsgefängnis von NewIn einer Massenversammlung der demokratischen Partei am Samstag nahm Roosevelt die ihm angebotene Kandidatur für die Wiederwahl an. Er hielt dabei eine Rede, die weder außenpolitische noch innerpolitische Einzelheiten enthielt, sondern das Wesen der amerikanischen Regierung, wie Roosevelt sie sich vorstellt, darlegte. Das vom Parteitag beschlossene klare Programm, so erklärte er, unterschreibe er mit ganzem Herzen. Blicke in die Welt „Schillers Glockengießerei“ niedergebrannt In Rudolstadt brannte die alte Glockengießerei jetzige Maschinenfabrik Hartwig, nieder, in der Friedrich Schiller seinerzeit bei seinen wiederholten Besuchen die Anregung zu seinem Lied von der Glocke empfing. Eine Gedenktafel an der Front des Fabrikgebäudes wies auf diese Tatsache hin. Verhaftung eines jüdischen Rechtsanwalts in Wien Donnerstag wurde der jüdische Rechtsanwalt Dr. Ignaz Nußbrecher verhaftet. Nußbrecher ist ein Sohn des in Haft befindlichen Direktors der„Phönix"= Versicherungsgesellschaft Viktor Nußbrecher. Seine Verhaftung hängt mit dem Zusammenbruch der„Phögesellschaft sammen. nix geseuschaft zusammen. Eisenbahnunglück in Rumänien Auf dem rumänischen Bahnhof Tusnad wurde ein Personenzug von einer Lokomotive gerammt. Vier Personen wurden getötet. Vermißtes argentinisches Postflugzeug zerschmettert aufgefunden Das seit drei Tagen überfällige argentinische Postflugzeug der Linie Bahia— Blanca— Rivadavia ist 80 Kilometer nördlich von Rivadavia an der Küste zerschmettert und verbrannt aufgefunden worden. Ueber das Schicksal der Besatzung ist noch nichts bekannt. .74 0 Seite 14 Nr. 149 7 Bochumer Anzeiger# Montag, 29. Juni 1936 Nachrichten aus Groß=Bochum Koiig Lnd und Konigm Bohanna regieren in Harpen % #* Lehrers Fritz Schulte. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag ist er an den Folgen einer Mittelohrentzündung im Wittener Krankenhaus gestorben. Lehrer Schulte wirkte lange Jahre als Lehrer an der Kaiserschule und war bei Lehrern und Schülern gleich beliebt. Seine unermüdliche Arbeitskraft stellte er aber nicht nur in seinem Beruf, sondern nach seiner Schultätigkeit auch in den Dienst der Bewegung. Seine Kameradschaftlichkeit und sein offener, ehrlicher Charakter wurden allgemein geschätzt. Die Ortsgruppe Langendreer verliert einen ihrer Besten. Zuletzt war Pa. Schulte Ortsgruppenführer der RSKOV. und er hat sich gerade dieser Organisation mit ganz besonderer Liebe gewidmet. Er war es auch, der die Langendreerer Ortsgruppe der RSKOV. ins Leben rief. Silberhochzeit. Die Eheleute Adalbert Wojciechowski und Frau, Josepha geb. Walenzak. Langendreerstraße 58, feierten am Samstag silberne Hochzeit. Sonnwendfeier der NSDAP. Die Ortsgruppe Langendreer der NSDAP. hatte am Samstag abend zu einer Sonnwendfeier auf dem Westerberg aufgerufen. Die Parteiorganisationen marschierten im geschlossenen Zuge durch die Straßen des Ortsteils hinauf zur Höhe. Es war ein eindrucksvolles und imposantes Bild, als in dem Kreis, den die zahlreichen Volksgenossen bildeten, der Holzstoß entzündet wurde. Den Flammenspruch sprach Pa. Kals. Die weitere Ausgestaltung der Sonnwendfeier hatten HJ. und BDM. übernommen. Vorträge und Chorgesänge füllten die Stunde würdig aus und ließen sie zu einem nachhaltigen Erlebnis werden. Die Parteiorganisationen formierten sich dann zu einem Fackelzug, der sich am Amtsplatz auflöste. Stadtteil Wiemelhausen Aufnahmen:..-Muthherr Königin Johanna und König Otto beim Einzug ins Festzelt Es müssen schon besondere Anlässe sein, wenn das uralte Harpen, das bis heute noch seinen ländlichen Charakter bewahrt hat, aus seiner Stille herausgerissen wird. Seit mehreren Jahrhunderten geschieht dieses beim traditionellen Maiabendfest und bei der noch traditionelleren Harpener Kirmes. Neben diesen beiden jährlichen Harpener Großereignissen war es jetzt das nach siebenjähriger Pause großangelegte Schützen= und Volksfest des Harpener Schützenvereins. Frisches Grün und reicher Flaggenschmuck gab den Ortsteilen Harpen und Kornharpen ein festliches Gepräge. Unter schneidigen Marschweisen des Spielmannzuges und der Musikkapelle marschierte am Samstag nachmittag das Bataillon unter Führung des Obersten Dr. Schulte zu Sodingen vom Vereinslokal Fleitmann(Hoffmann) zur Wirtschaft Loebel zum Empfang des alten Königspaares. Nach der Parade, die König Ernst und Königin Frieda hier zum letzten Male abnahmen, marschierte der festliche Zug über die Dellenstraße und den Harpener Hellweg zum Festzelt an der Baldurstraße. Im Namen des Vereins hieß Oberst Dr. Schulte zu Sodingen die Gäste willkommen. Sein besonderer Gruß galt dem Königspaar, das nach siebenjähriger Regentschaft zum letzten Male im Schützenkreise in Amt und Würden weilte. Oberst Dr. Schulte zu Sodingen würdigte die Verdienste dieses in Harpen äußerst beliebten Königspaares und gab dann im Auftrage des Königs Ernst folgende Beförderungen bekannt: Walter Nöthe Oberleutnant, August Stein Leutnant, Heinz Schulte Leutnant, Otto Stein Vizefeldwebel, Heinrich Tocco Kompagniefeldwebel, Jakob Eisenburger Ehrenunteroffizier, Georg Goßmann Ehrenfeldwebel, Wilhelm Eisenberg Küchenfeldwebel, August Cremer Schießfeldwebel, Gerhard Weites sen. Ehrenunteroffizier, Hans Krumhus Vizefeldwebel Oskar Scheffer Ehrenfeldwebel und Heinrich Harde Ehrenoffizier. Mit dem Königsball schloß der erste Festtag. Der Festsonntag wurde um 6 Uhr morgens mit dem großen Wecken des Spielmannszuges eingeleitet. Um 8 Uhr marschierten die Schützen zum Vogelschießen nach dem Scheibenstand Ruwe, wo es nach den Ehrenschüssen des Königs Ernst und des Obersten Dr. Schulte zu Sodingen dem Vogel von zwei Ständen aus hart zu Leibe ging. Rund 700 Schuß wurden von den drei Kompagnien beim Trophäen= schießen abgegeben. Als der Vogel der beiden Flügel durch die erste und zweite Kompagnie beraubt war, begann auf den Rumpf das Königsschießen der Anwärter. Um 10.23 Uhr fiel der Vogel durch den Bauer Otto Homborg aus Kornharpen. Weitschallende Böllerschüsse verkündeten den Harpenern, daß der neue König gefunden war. Zur Königin erkor sich der neue König die Gattin des Stadtinspektors Wieschemann. Im Festzelt fand dann die Proklamierung des neuen Königspaares:„Otto der Große" und„Johanna die Freundliche" durch Hauptmann Erlhöfer statt, der dem neuen Königspaar Kette und Diadem überreichte. Am Nachmittag war der festliche Krönungszug unter zahlreicher Beteiligung der Nachbarvereine mit ihren Königspaaren. Die große Königsparade an der Baldurstraße beschloß den Festzug, der durch die festlich geschmückten Straßen Harpens und Kornharpens geführt hatte. Die Feier im Zelt eröffnete Dr. Alfred Beck, der eigentliche Neugründer des Harpener Schützenvereins, mit einem Grußwort an den Leiter des Schützenkreises Bochum, Stadtrat Stumpf, und an die erschienenen Nachbarvereine Bochum, Gerthe, Werne und Laer. Er hob die große Idee der Schützenbewegung hervor, die sich jederzeit einsetzen werde für das große heilige Reich der Deutschen. Dann sprach der bekannte Bochumer Heimatforscher, Pfarrer Leich, über die Schützensache in Westfalen und Harpen in vergangenen Jahrhunderten. Eine besondere Freude bereitete er dem festfeiernden Verein mit der Uebergabe eines silbernen Schützenvogels, des einzigen noch vorhandenen Wahrzeichens der Harpener Schützensache aus vergangenen Jahrhunderten. Jahrzehntelang hatte Pfarrer Leich diesen kleinen Silbervogel, der an der Königskette getragen wird, zu treuen Händen in Besitz und hat ihn nunmehr dem Verein als Eigentum übergeben. Pfarrer Leich gedachte dann des Führers Adolf Hitler der durch die Schafjung der Wehrhoheit auch den Schützenvereinen die Ehre wiedergegeben habe. Stadtrat Stumpf knüpfte an die Ausführungen des Vorredners an und verflocht damit die guten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Bochumer und Harpener Schützen. Gern seien die Bochumer stets dem Ruf nach Harpen gefolgt und er gab der Hoffnung Ausdruck, daß das gute Verhältnis unter den Schützenvereinen für alle Zeiten fortbestehen möge. Die einzelnen Vereinsleiter der benachbarten Schützenvereine brachten dem neuen Königspaar ihre Glückwünsche dar. Der Männergesangverein„Germania“ trug mit seinen Lieddarbietungen zur Bereicherung des Programms bei, wie auch der Spielmannszug für seine exakten Darbietungen reichen Beifall fand. Die Musikkapelle sorgte dafür, daß die Tanzlustigen bei dem Krönungsball, der diesen Festtag beschloß, nicht zu kurz kamen. Stadtteil Grumme=Böde Hohes Alter. Ihr 80 Lebensjahr vollendete die Witwe Josephine Michels, geb. Ridder, Josephinenstraße 49. Von 14 Kindern leben noch fünf, die zusammen mit 28 Enkeln und 14 Urenkeln der allseits geschätzten Hochbetagten ihre Glückwunsche darbrachten. Stadtteil Werne Großkundgebung der NSDAP. Werne. Zu einer öffentlichen Großkundgebung hatte am Samstag abend die NSDAP., Ortsgruppe Werne, eingeladen. Der große Ewaldsche Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einleitenden Musikstücken und dem Einmarsch der Fahnen hieß Ortsgruppenleiter Pg. Müller die Erschienenen willkommen und erteilte dann dem Redner des Abends, Reichshauptstellenleiter der Deutschen Arbeitsfront Pa. Gerhard Brock(Berlin), das Wort. Dieser ging in weitgehenden Ausführungen auf das politische Geschehen der letzten Jahre, insbesondere der letzten Monate ein. Er schilderte die Auswirkungen des Krieges und der Revolution. Erst durch die Machtübernahme des Führers Adolf Hitler seien die Schädlinge, die jahrelang am deutschen Volkskörper genagt hätten, ausgerottet worden. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen sprach er von dem echten Kameradschaftsgeist, der gerade unter den Arbeitskameraden herrschen müsse. Der Nationalsozialismus werde das gesteckte Ziel trotz mancher Schwierigkeiten sicher erreichen. Es gebe nur ein Ziel und das sei Deutschland. Der Redner befaßte sich dann mit den letzten politischen Ereignissen. Wanderpreisschießen der Krieger= und Landwehrkameradschaften, Bataillon Werne. Am Samstag und Sonntag wurde auf dem Schießstand an der Vollmond zum zweiten Male um den von Bergwerksdirektor Schulze=Höina gestifteten Wanderpreis geschossen. Verteidiger des Wanderpreises war die 3. Kompagnie. Wie im Vorjahre, so wurde auch diesmal heftia um den Preis gekämpft, bei dem die? Kompagnie mit einem Durchschnitt von 69,3 Ringen Sieger blieb. Die Namen der sechs besten Schützen der siegreichen Kompagnie sind die Kameraden: Busse(71 Ringe), Heinemann(70), Sokolowski(70, Landarafe(69), Gumm(68), Faruhn (68 Ringe). Es erzielte die 3. Kompagnie eine Durchschnittsringzahl von 68,2, während die 1. Kompagnie eine solche von 67,3 Ringen erreichte. Anschließend fand im Saale Schulte=Drux durch den Kameradschaftsführer Ischerbeck die feierliche Ueberreichung der Wanderplakette an die siegreiche Kompagnie statt. Neben dem Wanderpreis war außerdem eine Reihe von Preisen gestiftet, die an die besten Schützen verteilt wurden. Die feierliche Ueberreichung der Kyffhäuserfahne an die 2. Kompanie nahm der Gebietsführer der Gruppe West, Dr. Schieferecke, vor. Stadtteil Langendreer Lehrer Schulte 7. Sehr schnell verbreitete sich am Sonntagmorgen die Trauerkunde von dem Ableben des Schlußprüfung der Samariterinnen vom Roten Kreuz. Am Freitag fand im Lokale Vocke die Prüfung der Samariterinnen statt. Die Prüfung fand in Anwesenheit der Vorsitzenden des Kreisvereins. Frau Schulte=Oestrich, statt. Die Prüfung der Samariterinnen nahm Kolonnenarzt Dr. Jürgens(Hordel) vor. der mit den Leistungen der Samariterinnen sehr zufrieden war. Die Prüfung als Samariterin bestanden: Frau Küpper, Frau Poschmann, Frau Topp, Frau Hassenflug, Frau von Richthofen, Frl. von Hagen, Frl. Berben, Frl. Neumann, Frl. Gappa, Frl. Kossowsti, Frl. Arndt, Frl. Wieseotte, Frl. Legewie, Frl. Pollmann. Am Schluß der Prüfung sprach Frau SchulteOestrich den Prüflingen ihren Dank aus für ihre Bereitstellung im Sinne des Roten Kreuzes und dankte Dr. Müller vom Bergmannsheil für die theoretische und dem Sanitäter Siebert von der Sanitätskolonne Bochum=Altstadt für die praktische Ausbildung. Ein gemütliches Beisammensein schloß die Prüfung ab. Damit hat Wiemelhausen die ersten Samariterinnen erhalten. Es ist zu hoffen, daß sich bald weitere Frauen und Mädchen für diese Arbeit der Nächstenliebe melden. Weitmar Die Frau im Luftschutz Werbeabend des Reichsluftschutzbundes der Gemeindegruppe Weitmar=Nord. Im Saale der Wirtschaft Göbel,„Zur Engelsburg", veranstaltete der Reichsluftschutzbund, Bezirk Bochum, Gemeindegruppe Weitmar=Nord, am Samstag einen sehr gut besuchten Werbeabend. Gemeindegruppenleiter Kelbsch entbot den Erschienenen, darunter Schulungsleiter Rektor Waschinsky, und der Vortragenden Frau Jordan(Witten) einen herzlichen Willkommensgruß. Nach musikalischen Darbietungen sprach Frau Jordan(Witten) über das Thema:„Die Frau im Luftschutz.“ Im Anschluß an allgemeine Ausführungen über die Aufgaben des Reichsluftschutzbundes, die zu erfüllen Pflicht des gesamten deutschen Volkes sei, hov die Vortragende hervor, daß gerade die Frau in dieser Beziehung viel leisten müsse. Die Geschichte habe gelehrt, was Frauen für das Vaterland zu schaffen vermögen. Im Luftschutz gelte die gemeinsame Not vor der eigenen, die um so besser gemeistert werden könne, wenn man den Anordnungen des Reichsluftschutzbundes Folge leiste und auch Vertrauen schenke. In diesem Zusammenhang kam die Vortragende auf die Aufgaben der Laienhelferin zu sprechen und bemerkte dazu, daß jeder Helferin in ihrer Arbeit für den Luftschutz ein großes Maß von Verantwortung übertragen worden sei. An Hand einer Reihe von Beispielen. die die Vortragende, eine Deutschbaltin, aus Erlebnissen während des Krieges im Baltikum schöpfte, bekräftigte sie die Notwendigkeit eines wirksamen Luftschutzes. Anschließend sprach Schulungsleiter Rektor Wa schinsky über das Thema:„Luftschutz tut not.“ Er knüpfte an die Ausführungen seiner Vorrednerin an und richtete die Mahnung an die Volksgenossen, sich immer kräftig für die Bestrebungen des Reichsluftschutzbundes einzusetzen. Besonderer Dank gebühre unserm Führer Adolf Hitler und Reichsluftfahrtminister Hermann Göring, die mithalfen, die vorläufigen Aufgaben zum Abschluß zu bringen. Er dankte auch seinen Mitarbeitern, die sich ebenfalls immer für diese gute Sache aufopferten. Zum Abschluß des Werbeabends, der umrahmt war von musikalischen Darbietungen, folgte ein Lichtbildervortrag über„Adolf Hitlers Heimat". Hantmei Echathzensen Wie eheden Königseinzug im Dunkeln— Der Festverlauf am Samstag und Sonntag * T E * Das neue Königspaar von Bochum=Hamme inmitten fröhlichen Volkes Wenn man die lange Reihe der Schützenfeste des Sinne des Wortes waren und sind. Bürgerschützenvereins Bochum=Hamme seit dem Jahre 1881 durchblickt, so kann man die Feststellung machen, daß in Bochum=Hamme mit seinem teilweise noch ländlichen Einschlag die Schützenfeste Volksfeste im wahrsten Sinne des Worles waren und Ine., Und so war es auch diesmal wieder bei dem ersten Hammer Schützenfest nach acht Jahren. Am Samstag morgen begann auf dem Platz an der Steinhalde des Bochumer Vereins das große Schießen um die Königswürde. Nicht nur die Personalnachrichten Eine der ältesten Mitbürgerinnen im Griesenbruch sowie der Stadt Bochum überhaupt, die Witwe Charlotte Wiczoreck, Klarastraße 14, konnte am Samstag ihren 96. Geburtstag begehen. Die Hochbetagte, die sich verhältnismäßig noch eines recht guten Wohlbefindens erfreut, ist seit ihren jungen Jahren Bochumer Bürgerin. Ihren Ehemann verlor sie bereits vor langer Zeit. Die Altersjubilarin erfreut sich in ihrem Bekanntenkreise allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung. Ihr gingen zu ihrem Ehrentage viele Glückwünsche zu. Der Aufseher Esdar, Fuhrpark, begeht am 28. Juni 1936 sein 25jähriges Dienstjubiläum. Schützen selbst, sondern auch die gesamte Bürgerschaft erlebten dieses Ringen um die Königswürde aus nächster Nähe mit. Stadtrat Stumpf gab den Ehrenschuß für Führer und Vaterland und Polizeiobermeister Kodowa den Ehrenschuß für den Stadtteil Hamme ab. Stunden gingen dahin, ohne daß der Königsvogel wankte. Aber immer mehr wurde er zerschossen. Die Spannung stieg auf das höchste, bis endlich um 16.51 Uhr unter allgemeinem Jubel Kaufmann Gustav Blennemann den Königsschuß abgab. König Gustav der Erste wurde auf die Schultern gehoben und mußte Beifallstürme über sich ergehen lassen. Vereinsleiter Simon richtete das erste Grußwort an die neue Majestät. König Gustav I. dankte für das ihm bewiesene Vertrauen und betonte, daß er der Schützensache und der Gemeinde wegen die Königswürde gern übernehme. Zur Königin erwählte sich Gustav I. die Apothekersgattin Frau Adele Gores. Nachdem sich dann der Jubel gelegt und die Schützen den ersten Freitrunk eingenommen hatten, ging es im geordneten Zuge unter den Klängen der Musik zum Festzelt auf der Gahlenschen Straße, vorbei am Hause der neuen Königin. Nachmittags herrschte auf dem Trubelplatz am Festzelt ein lustiges Leben und Treiben. Die Königsproklamation, die für 20 Uhr angesetzt war, fand erst mit mehrstündiger Verspätung statt. Plötzlich versagte das elektrische Licht, das ganze Festzelt lag in tiefem Dunkel und im Strahle einiger schnell beschaffter Kerzen hielt der Königshof seinen Einzug. Unermüdlich spielte der Musikzug der Reiterstandarte 67 unter Leitung des Musikzugführers Franz Propst, so daß dadurch die langen Stunden verkürzt wurden. Endlich konnte dann auch die Proklamation des neuen Herrscherpaares stattfinden, die Oberst Trinkaus vornahm. Dem alten Königspaar, Moritz Wallburg und Frau G. Klüner, wurde die Königswürde genommen und dem neuen Königspaar angelegt. Oberst Trinkaus hielt darauf eine kurze Ansprache, die in ein begeistert aufgenommenes Sieg=Heil auf den Führer und Reichskanzler ausklang. Er nahm dann auch die Auszeichnung der besten Schützen vor. Dann entwickelte sich in allen Teilen des Festzeltes ein fröhliches Leben und Treiben. Der Sonntag wurde in der Frühe durch ein großes Wecken eingeleitet. Kurz nach Mittag trafen die benachbarten Schützenvereine in Hamme ein. Recht feierlich gestaltete sich die Einholung der Vereinsfahne und das Abholen des Königspaares und der Ehrenjungfrauen. Mit drei berittenen Hauptleuten an der Spitze setzte sich der große Festzug durch den Stadtteil Hamme in Bewegung. Der vierspännige Galawagen des Königspaares erregte allerseits Aufsehen. Ueberhaupt waren die einzelnen Wagen und Autos mit Blumen und Grün sowie den grünweißen Farben schön ausgestaltet. Die Trophäen des Königschießens wurden von den einzelnen Kompagnien mitgeführt, ebenso auch die grüngeschmückten Birkemeier. Acht Fahnen wurden in dem großen Festzug gezählt. Die Straßen waren dicht von Menschen umlagert. Mehrere Musikkapellen bestritten die Marschmusik. Besonders groß war die Menschenansammlung in der Umgebung des Amtsplatzes, wo der Verein dann anschließend zur Parade aufmarschierte. Unter den Klängen des Präsentiermarsches schritten Königspaar und Hofgefolge die Front ab. Anschließend nahm König Gustav I. die Parade ab. Nach diesem tadellos verlaufenen Akt ging es zurück zum Festzelt, wo sich dann der große Königsball anschloß. Die Vertreter der teilnehmenden Vereine, u. a. auch Major Dr. Klute, beglückwünschten das neue Königspaar herzlich. König Gustav und Königin Adele begrüßten auch die einzelnen Gäste und inzwischen musizierte der Musikzug der Reiterstandarte 67. Vereinsleiter Simon hielt eine Ansprache, die besonders den zu Gast gekommenen Vereinen galt, darunter auch dem Schützenverein Elleringhausen(Sauerland), der mit einer Vertretung zur Stelle war. Nachdem das Königspaar den Ball eröffnet hatte, herrschte auch am Sonntag abend die schönste Stimmung, die durch die gute Verpflegung der Schützen noch gehoben wurde. Heute werden die Waisenkinder von Haus Overdyk und von der Klosterstraße Gäste der Schützen sein, nachdem es sich die überall beliebte Schützenkönigin schon am Sonntag nicht hatte nehmen lassen, Kinder bedürftiger Volksgenossen an den leiblichen Freuden des Festes zu beteiligen. Stadtteil Riemke 25jähriges Jubiläum des St.=Josephs=Vereins Riemke. Die Jubelfeier anläßlich des 25jährigen Bestehens leitete der St.=Josephs=Verein der Franziskuspfarrei Riemke mit einer Gemeinschaftskommunion mit feierlichem Levitenhochamt, gehalten von Vikar Stöcker, in der Pfarrkirche ein. Zur Feier war der Saal des Wirts Fabri auf der Riemker Straße festlich ausgeschmückt und dabei voll besetzt, als Vereinsleiter Günnewig mit herzlichen Grußworten die Jubelfeier eröffnete. Nach Darbietungen der Theaterabteilung sowie einem gut vorgetragenen Proloa überbrachte Pastor Nunnemann zunächst in seiner Ansprache die Grüße der katholischen Gemeinde Riemke. Nach der Kaffeepause hielt Sekretär Alex Elfes die Festrede. Er sprach den Dank aus für die Treue, die der St.=JosephsVerein Riemke bestens bewiesen habe. Aus einem Rückblick auf die Geschehnisse der letzten 25 Jahre hob er die guten Leistungen des Jubelvereins besonders hervor. Sodann wurden einige Schreiben, vom Erzbischof, dem früheren Präses des Vereins und dem Verbandspräses sowie von einigen verhinderten Jubilaren, verlesen. Präses Vikar Stöcker nahm die Jubilarehrung vor. Für 25jährige Vereinsmitgliedschaft wurden mit einer Ehrenurkunde und dem Silberstrauß ausgezeichnet die Mitglieder: Bernhard Stengel, Wilhelm Rademacher, Ferd. Pauli, Franz Wolinski, Johann Bernhardt, Theodor Oberscheidt Fr. Ohters, Leonhard Frewer. Alex Reikowski, Franz Fabri sen., Georg Wanniger, Josef Lins, Hermann Wrede, Bernhard Vennemann, Rud. Stirnbera, Johann Volpert, Anton Kebekus, Johann Gralla, Josef Westhold, Stephan Weiler, Th. Heiermann, Anton Niggemeier, Johann Kaufhold, Oswald Gründer und Gustva Hutmann. Acht Jubilare waren leider verhindert, an der Feier teilzunehmen. Jubilar Wanniger dankte für die Jubilare. Zum Schluß der Jubelfeier folgten noch das von Manna gesprochene Gedicht„Wir ehren Euch“ und der Sprechchor„Bekenntnis zur Kirche". Nachdem die zahlreich anwesenden Vertreter der gesamten katholischen Riemker Vereine Grüße überbracht hatten, sprach Vikar Stöcker das Schlußwort. um Seite 15 Nr. 149/ Bochumer Anzeiger 7 Montag, 29. Juni 1936 Aus dem iesenbruch we Charm Samsetagte, die LohlbefinBochumer vor langer hrem Betschätzung. ünsche zu. geht am ürgerschaft is nächster nschuß für ister Koamme ab. elwankte. Spannung Uhr unter lemann rste wurde ürme über ichtete das Gustav I. d betonte, wegen die i erwählte Gores. Schützen ing es im Nusik zum am Hause am FestKönigsproid erst mit rsagte das em Dunkel erzen hielt spielte der itung des adurch die Innte dann tares stattDem alten G. 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Zum Manna er Sprechzahlreich sen Riemach Vikar Seaischer Tied und Bedischei Gung Eindrucksvoller Verlauf des Sängertages in Herne Zu einem Sängerfest gehört strahlender Himmel, gehören blanker Sonnenschein und Sonntagswetter, wie es gestern den westfälischen und lippischen Sängern beschert waren. In Herne, wo durch den Sängerbundesführer die Bundesleitung ihren Sitz hat, war der Sängertag für die Sänger aus Westfalen. Ihnen zu Ehren hatte die Stadt reichen Flaggenschmuck angelegt, um den Gästen zu zeigen, wie willkommen die Sänger dort sind, wo schon immer der Männergesang in hohem Kurs steht. Von 581 Vereinen waren die offiziellen Vertreter erschienen, nicht zu rechnen diejenigen, die aus Liebe zur Sache ohnedies aus näherer und weiterer Umgebung gekommen waren, den Tag mitzuerleben und durch eine große Zahl von Teilnehmern die Veranstaltung so eindrucksvoll wie möglich zu gestalten. In feierlicher Weise fand am Samstag nachmittag im Rathaus die Begrüßung der Sängerkreisführer und Kreischorleiter durch den Bundesführer, Oberbürgermeister Meister statt. In längeren Ausführungen verbreitete sich der Bundesführer über die Eingliederung des deutschen Männergesanges in die großen deutschen Kulturaufgaben. Von den Gemeinden als Zellen des Staates müßten Wie kulturellen Aufgaben der Gesamtheit gefördert werden. Der deutsche Männergesang sei nicht der unwesentlichste Teil kultureller Faktoren. Den Gemeindebehörden erwachse die Pflicht, durch Bereitstellung von Mitteln die im Männergesang steckende wertvolle Bewegung zu unterstützen. Für den verhinderten Regierungspräsidenten sprach Vizepräsident Dr. Dellenbusch von der schönen Aufgabe der Männerchöre, unsere Volksgenossen wieder zu einem singenden Volk zu machen. Die Grüße der Partei überbrachte Kreisleiter Nieper, Rektor Konsek begrüßte in herzlichster Weise die Gesamtheit der Sänger. In der Sitzung der Kreisführer wurde als wesentlichster Punkt die Zukunft der Werkschöre behandelt. Die Mitteilung, daß eine endgültige Regelung— entweder Anschluß an den Deutschen Sängerbund oder Auflösung— bevorstehe, fand hier ebenso begeisterte Zustimmung wie am nächsten Tage vor der großen Vollversammlung. Beim Wertungssingen sollen die Sänger nicht von einem Gefühl des Zwanges beherrscht werden, sondern sich freudig und verständig in den Dienst dieser neuen gesunderen Regelung stellen. Die Leitung der Kreischorleitersitzung lag beim Gaugeschäftsführer Konsek in guten Händen. Gauchormeister Nellius sprach über die Auswahl der Männerchöre und erläuterte an Hand vorliegenden Materials die leider immer noch vorhandenen wertlosen Männerchöre. Es wird darüber den Vereinen ein besonderes und sehr zu beachtendes Verzeichnis zugehen, eine Maßnahme, die nicht eindringlich genug begrüßt werden kann. Rudolf Hoffmann und Albert Lamberts nahmen in deutlichen Worten zur Pflicht der Programmvorlage Stellung. Zum Beschluß wurde erhoben, daß nur solche Konzerte genehmigt werden, deren ausführliche Programme mindestens sechs Wochen vorher den Kreischorleitern vorliegen. Ein wesentlicher Teil der Aussprache behandelte das Wertungssingen, für das den Kreischorleitern erhebliche Vollmachten ausgestellt werden. Durch die Anwesenheit des Bundesführers und des Geschäftsführers Plonka erhielt, die am Sonntag früh angesetzte Sitzung der Pressewarte ihre besondere Bedeutung und Wichtigkeit. Albert Lamderts, der neue Gauberichterstatter, leitet die lebendige Aussprache, in der immer wieder betont wurde, daß es unumgänglich notwendig sei, die Verbindung mit der öffentlichen Presse noch intensiver und fruchtbringender zu pflegen. Ein Weg dazu, die Presse mit wertvollen Beiträgen zu versorgen, sei, wie der Bundesführer in Aussicht stelle, das neu zu gründende Zentralorgan. Der bisherige Gauberichterstatter Karl Brüggestrat erzählte aus seiner Erfahrung im Verkehr mit der öffentlichen Presse und firierte die Aufgaben der Pressewarte. Unter lebhafter Zustimmung aller Anwesenden sprach Lamberts seinem Vorgänger herzlichen Dank für die dem Gau geleisteten Dienste aus. Wider Erwarten stark war der eigentliche, am frühen Nachmittag beginnende Gausängertag besucht, so daß im Koopmannschen Saale auch der letzte Platz besetzt war. Nach dem Einzug der Fahnen eröffnete Georg Nellius mit dem Deutschen Sängergruß die Versammlung. Der Bundesführer dankte allen Erschienenen, den Vertretern der Partei, des Staates, der Polizei und namentlich auch dem Delegierten des DSB. und dem Vertreter aus Breslau, der vorher mit der Vorführung des großen Werbefilms für das bevorstehende Breslauer Sängerfest starken Beifall gefunden hatte. Der ausführliche Bericht über die Geschäfts= und Kassenführung durch Rektor Konsek fand bei dem zusammenfassenden Hinweis, daß organisatorisch, finanziell und auch künstlerisch der Weg aufwärts gehe, einmütige Zustimmung. In seiner knappen, treffenden Art sprach Nellius über die gegenwärtigen kulturellen Aufgaben und bat über das„Westfälische Chorbuch“ nicht zu schimpfen. Auffallendem Interesse begegnete die warmherzige Werbung des Vertreters der Stadt Breslau, Moh, der mit begeisternden Worten alle deutschen Sänger und, dem dort amtierenden Gauleiter und Oberpräsidenten Josef Wagner zuliebe, ganz besonders die westfälischen Sänger zur Fahrt nach dem ersten Deutschen Sängerfest im Dritten Reich einlud. Der Bundesführer versicherte im Namen seiner Landsleute, daß zahlreiches Erscheinen in Breslau für Westfalens Sänger eine Selbstverständlichkeit wäre. Aufmunternde Worte gab zum Schluß dann der Bundesführer den Vertretern mit auf den Weg in ihre Vereine und ermahnte zur eifrigen Arbeit im Sinne der neuen Zeit. Sein Appell, den Festen des Staates und der Oeffentlichkeit mehr als bisher die tatkräftige Mitwirkung der Männergesangvereine zu leihen, fand freudigen Widerhall. Mit einem Sieg=Heil auf den Führer, den Schützer deutscher Kultur und Kunst, fand die Versammlung ihren Abschluß. Ueber die musikalischen Veranstaltungen des Sängertages, die bei herrlichstem Wetter auf dem. Adolf=Hitler=Platz veranstaltete musikalische Feierstunde der fast 3000 Kinder und Sänger sowie über das unter Lamberts Leitung vom„Herner Männerchor" bestrittene, ausgezeichnet verlaufene Festkonzert, werden wir morgen berichten. Wanne=Eicker in Wiederaufftieg Sitzung traten der Ratsherren— Ein neuer Bebauungsplan Am Freitag leuten die Ratsherren der Stadt Wanne=Eickel zu einer Sitzung zusammen. Zu Beginn der Sitzung nahm der Oberbürgermeister die Einführung des neuen Ratsherrn Pg. Dr. Rigdterff vor, der an die Stelle des ausgeschiedenen maisyerrn Thorhauer tritt. Auf der umfangreichen Tagesordnung standen vorwiegend Finanz= und Grundstücksangelegenheiten. Zunachst machte der Oberbürgermeister Ausführungen über die augenblickliche Finanzlage der Stadt, indem er dabei den Rechnungsabschluß für das Rechnungsjahr 1935 zugrunde legte. Es konnte die erfreuliche Tatsache festgestellt werden, daß, wenn auch die Finanzlage der Stadt immer noch äußerst angespannt ist, der Gesundungsprozeß dank der erfolgreichen Maßnahmen der Reichsregierung sich fortgesetzt hat und auch eine weitere Besserung für die Zukunft bestimmt zu erwarten ist. Es gelang im Laufe des Rechnungsjahres 1935, den berichtigten geschätzten Fehlbetrag des Haushaltsplanes 1935 im Betrage von rund 4,8 Millionen RM. um 3,8 Millionen zu drucken auf einen wirklichen Fehlbetrag von rund 1 Million. Diese wesentliche Herabminderung des geschätzten Fehlbetrages konnte erreicht werden durch Mehreinnahmen und starke Minderausgaben. Wesentlich wirkte dabei mit der Rückgang der Wohlfahrtslasten sowie eine strenge Drosselung der Ausgaben auf allen anderen Gebieten der Verwaltung. Die Steuereinnahmen wiesen im Laufe des Rechnungsjahres 1935 eine steigende Tendenz auf, deren Fortsetzung auch für die Zukunft erwartet werden darf. Wenn auch die Finanzlage der Stadt Wanne=Eickel nach wie vor als äußerst schwierig bezeichnet werden muß, so ist doch nach dem Rechnungsabschluß 1935 die berechtigte Hoffnung begründet, daß die Gesundung der Finanzen unserer Stadt anhalten wird. Zur Beratung stand ferner die Jahresrechnung der Stadtsparkasse Wanne=Eickel für das Geschäftsjahr 1935. Auch hier konnten erfreuliche Anzeichen wirtschaftlicher Belebung nachgewiesen werden. Aus den weiteren Gegenständen, die beraten wurden, interessiert die Oeffentlichkeit der Bau von weiteren 10 Häusern, die ein Bauunternehmer WanneEickels auf städtischen Bauplätzen im Raume Holsterhausen noch in diesem Jahre errichten wird. Die lebhafte Bautätigkeit erfährt somit in diesem Jahre keine Unterbrechung. Es handelt sich hier im Stadtteil Holsterhausen um die 3. Serie von 10 neuen Wohnhäusern. Hinsichtlich der sonstigen Grundstücksangelegenheiten, die beraten wurden, sei die Aufstellung eines Bebauungsplanes für den kaum zwischen den Stadtteilen Eickel und Wanne hervorgehoben. Der Stadtbaurat erläuterte den Ratsherren an Hand eines anschaulichen Modells, wie stadtseitig die Ausgestaltung dieses Raumes für die Zukunft geplant ist. Der Plan wurde in seinen Grundzugen durch die Ratsherren gutgeheißen. Es besteht die sichere Hoffnung, daß bereits in nächster Zukunft mit der Verwirklichung des Planes in gewissem Umfange gerechnet werden kann, sofern es sich ermöglichen lassen wird, die geplanten Arbeiten im Wege einer Notstandsmaßnahme zur Ausführung zu bringen. Es ist gedacht an die Herrichtung eines Aufmarschplatzes für öffentliche Kundgebungen und an die grundsätzliche Aufteilung des übrigen Geländes. Der Oberbürgermeister wies darauf hin, daß er sich vorbehalte, der Oeffentlichkeit zu gegebener Zeit nähere Aufklärung über diesen Bebauungsplan zu geben. Stadt Wattenscheid Fritz=Borawski=Gedenkfeier. Wie alljährlich am Todestage des gefallenen Wattenscheider SS.=Mannes Borawski, begingen auch in diesem Jahre die Wattenscheider SS. und die Partei das Gedächtnis des Toten in würdiger Weise. Morgens legte SS.=Standartenführer Herbert am Grabe Kränze nieder, während an der Todesstelle und am Grabe DoppelEhrenposten der SS. aufzogen. Am Abend bewegte sich ein Zug der SS., SA., der politischen Leiter sowie Abordnungen der HJ., des IV. und der Segelflieger über die gleichen Straßen, über die der Provagandamarsch der Partei am 26. Juni 1932, dem Todestage Fritz Borawskis führte. An der Todesstelle fand Sturmführer Walkenhorst ergreifende Worte des Gedenkens, die in dem Gelöbnis gipfelten, dem Führer die Treue zu halten. An der Gedenkanlage wurden mehrere Kränze niedergelegt, ebenso am Grabe, wo die Angehörigen des Toten den Zug erwarteten. Hier sprach Se.=Sturmführer Fritz Märker. Goldene Hochzeit in Höntrop. Zu einem festlichen Ereignis für die gesamte Nachbarschaft gestaltete sich die goldene Hochzeit der Eheleute Bierwulf. Op=deVeih=Straße. Die Nachbarn hatten es sich nicht nehmen lassen, Wohnstraße und Wohnhaus des Jubelpaares festlich zu schmücken. Am Vorabend des Festes stattete namens der Stadtverwaltung Bürgermeister Gesenberg den Jubilaren einen Besuch ab und überreichte ein Ehrengeschenk der Stadt. Das staatliche Geschenk überreichte im Auftrage des Polizeipräsidenten Brigadeführer Schleßmann der Vorsteher des Höntrover Polizeireviers, Polizeiobermeister Schweers. Eine Abordnung des Evangelischen Männerdienstes sprach die herzlichsten Glückwünsche des Vereins aus und gleichzeitig überbrachten Glückwünsche und Geschenke Ortsgruppenleiter der RSV. Höntrov Rektor vom Hofe und für die Luftschutzortsgruppe Wattenscheid Lehrer Ebelina. Der Evangelische Frauenchor Höntrov überraschte das Ehepaar durch ein Ständchen. Am eigentlichen Festtage fand in der evangelischen Kirche Höntrov eine kirchliche Feier statt, zu der die Gemeindeglieder sich in überaus starker Zahl eingefunden hatten. Pastor Sichtermann nahm die Wiederbolung der Trauung vor. Aus nah und fern waren die Verwandten des Jubelvaares nach Höntrov gekommen, um das goldene Eheiubiläum mitzufeiern. Statt jeder besonderen Anzeige Am Freitag, dem 26. Juni d.., verschied nach längerem Leiden im 79. Lebensjahre unser lieber Vater und Großvater Piermamr Steve Königlicher Forstmeister a. D. Lothar Greve, Pastor Ilse Fromme geb. Greve Carl Fromme, Bergassessor.D. Ilse Fromme Frida Pleinecke Ebstorf(Kreis Uelzen), Wolfenbüttel, BochumHordel,(Westf.), den 27. Juni 1936 Nach Gottes unerforschlichem Ratschluß entschlief heute abend nach kurzem. schwerem Leiden im Alter von 64 jahren mein lieber Mann, unser herzensguter Vater. Schwiegervater, Großvater. Bruder, Schwager und Onkel, der Kriminalsekretär i. R. JOserkalllsat im festen Glauben an seinen Erlöser. In tiefer Trauer: Käthe Kambat 125. Stein Fritz Mettner u. Frau######. Wilh. Kittel u. Frau tied#is#eb. Kambst und 3 Enkelkinder Bochum und Oberliblar, den 26. Juni 1936 Die Beerdigung findet statt am Dienstag, dem 30. Juni, nachmittags.30 Uhr, von der Kapelle des Friedhofs in Wiemelhausen. Trauerfeier.15 Uhr. Allen, deuen aus Verschen keine besondere Nachricht zuging, diene diese als solche Nach Golles heiligem Willen entschllef geslern abend 11 Uhr meine Innigstgeliebte jüngste Tochler, unsere liebe Schwester, mein Enkelkind, unsere Nichte und Kusine, die Jungfrau Elisabeth Nerlich Sie slarb nach kurzem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, wohlvorbereitet durch ein recht christliches Leben. geslärkt durch den Empfang der hl. Sakramente, Im Aller von 23 Jahren. In liefer Trauer: Familie Paul Nerlich Familie Wwe. Joh. Pollerberg Bochum-Weitmar, den 28. Juni 1936 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 1. Juli 1936, morgens 8½ Uhr. vom Trauerhause, Hattinger Straße 249, aus statt. Das feierliche Seelenamt ist hieran anschließend in der Pfarrkirche zu Bochum-Weitmar K M „Jeden Morgen O 7 jünger! Beim kauf bitte das Möbelhaus Socchube. katter a Billig u. gut Elg. Reparaturwerkstat Brockmeyer Bongardstr. 4 a. 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