m m.n##setesppreile: Grundpreise für 1 mm Döhe in 22 mm Breite.5 Bl Bezugspreis mit Botenlohn:.15 RM. monatlich oder.08 RM. haldmonatlich, Selbstabholer.85 RM. monatlich oder 93 Pf. halbmonatlich. Bezugspreis für die„Bochumer Illustrierte“ 30 Pf. monatlich. Funkzeitschrift„bör mit mir“ 45 Pf. monatlich bei vier Sonntagen und 55 Pf. bei fünf Sonntagen im Monat.— Wenn das Erschelnen der Zettung durch höhere Gewalt oder durch Verbot oder Betriebsstörung u. dgl. verhindert wird, können keine Ersatzansprüche gestellt werden.— Geschäftsstelle geöffnet von 8 bis 13 und von 14½ bis 19 Uhr, Sonntags von 11 bis 12 Uhr.— Sprechstunden der Schriftleitung von 16 bis 17 Uhr(außer Samstags).— Postscheckkonto Dortmund 1760 Verlag und Druck: Laupenmühlen& Dierichs in Bochum Dienstag 3. Dezember 1933 42. Jahrgang Nummer 283 Einzelpreis 10 Pf. Anzeigenpreise:, Stundpretse für 1 mm Höbe in 22 gm Yreite.5. Bi. im Anzeigenteil und in 78 mm Breite 50 Pf. im Textteil. Familien= anzeigen und Stellengesuche 6 Pf., Vereinsanzeigen(die nicht der Wirtschaftswerbung dienen) 7 Pf., kleine einspaltige Anzeigen(Stellenangebote. Anzeigen privater Art) 8 Pf., Anzeigen im Vereins= oder Sportkalender im Tertteil 10 Pf.. Auskunft= und Zittergebühren 25 Vf. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 6 alltig. Nachlaßstassel B.— Schluß der Anzeigenannahme für die sechsmal wöchentlich frühmorgens erscheinende Zeitung um 16 Uhr des Vortages. Für den richtigen Abdruck fernmündlich aufgegebener Anzeigen kann keine Gewähr übernommen werden. Hauptgeschäftsstelle: Rathausplatz 8. Anruf 67551, 52, 33 Am 7. Dezember: Tag der nationalen Sottduritat Große Sammlung für das WHW. Neue RlrchendererrttutrP Nur eine kirchliche Ordnungsgewalt An dnb Berlin, 2. Dezember. Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht am Montag folgende Verordnung des Reichsministers für die kirchlichen Angelegenheiten, Pg. Kerrl: Auf Grund des Gesetzes zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 24. September 1935 (Reichsgesetzblatt 1, Seite 1178) wird hiermit verordnet: S 1. 1. Soweit auf Grund des Gesetzes zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 24. September 1935(Reichsgesetzblatt 1, Seite 1178) und der Durchführungsverordnungen bei der Deutschen Evangelischen Kirche und den Landeskirchen Organe der Kirchenleitung gebildet sind, ist die Ausübung kirchenregimentlicher und kirchenbehördlicher Befugnisse durch kirchliche Vereinigungen oder Gruppen unzulässig. 2. Zu den gemäß Absatz 1 unzulässigen Handlungen gehören insbesondere die Besetzung von Pfarrstellen, die Berufung von geistlichen Hilfskräften, die Prüfung und Ordination von Kandidaten der evangelischen Landeskirchen, die Visitation in den Kirchengemeinden, die Verordnung von KanzelAbkündigungen, die Erhebung und Verwaltung von Kirchensteuern und Umlagen, die Ausschreibung von Kollekten und Sammlungen im Zusammenhang mit kirchengemeindlichen Veranstaltungen sowie die Berufung von Synoden. 3. Die Freiheit der kirchlichen Verkündung und die Pflege der religiösen Gemeinschaft in kirchlichen Vereinigungen und Gruppen wird nicht berührt. S 2. 1. Der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten gibt die Kirchen und Kirchenprovinzen bekannt, für die der Fall des§ 1 Absatz 1, gegeben ist. 2. Organe kirchlicher Vereinigungen oder Gruppen, die nach einer Bekanntmachung im Raum der betreffenden Kirchen oder Kirchenprovinzen noch kirchenregimentliche oder kirchenbehördliche Befugnisse ausüben, können auf gelöst werden. § 3. Die Uebernahme kirchenregimentlicher oder kirchenbehördlicher Befugnisse durch Organe kirchlicher Vereinigungen oder Gruppen ist nach Inkrafttreten dieser Verordnung unzulässig. Die Vorschrift des§ 2, Absatz 2, findet entsprechende Anwendung. § 4. Diese Verordnung tritt mit dem auf die Verkündung folgenden Tag in Kraft. Srtäuterungen=des Ministers Kerrt Hich, Hoffmann. Sollten Sie, verehrte Leserin, und Sie, werter Leser, wenn Sie die Ueberschrift zur Kenntnis genommen und das Bild betrachtet haben, der Ansicht sein, daß das Bild vom ersten Tag der nationalen Solidarität am 8. Dezember 1934 stammt, so ist das ein Trugschluß. Das vorstehende Bild wurde am letzten Sonntag am Potsdamer Platz in Berlin aufgenommen, wo der Reichsinnenminister Dr. Frick am Sammeltage der Beamten und Handwerker von jung und alt die Spenden entgegennahm, die ihm reichlich zuflossen. Ein Trugschluß aber ist es nicht, wenn Sie annehmen, daß am kommenden Samstag mit derselben Freude wie Dr. Frick auf unserem Bilde die führenden Männer des Staates, der Bewegung, der Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, des Theaters, des Films und der Presse die Sammelbüchse in die Hand nehmen und auf den Straßen und Plätzen, in den Gaststätten, Theatern, Kinos usw. für das Winterhilfswerk die Spenden einheimsen werden. Wir alle wissen ja noch, daß sich am 8. Dezember des vorigen Jahres das ganze deutsche Volk zu einer wahrhaft nationalen Solidarität zusammenfand. In diesem Jahre soll es nicht anders sein. Nur wollen wir uns diesmal im Spenden noch übertreffen! Tschammer=Osten spricht in London dnb London, 2. Dezember. Die Anglo=German Fellowship, über deren Grünbung bereits berichtet wurde und die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das gegenseitige Verständnis zwischen dem deutschen und englischen Volk zu vertiefen und die Freundschaft zwischen beiden Völkern zu pflegen, wird Mitte dieser Woche Reichssportführer von Tschammer und Osten in ihrer Mitte begrüßen. Zu Ehren des Reichssportführers findet ein Empfang statt, mit dem die Anglo=German Fellowship unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Lord Mount Temple, zum ersten Male vor die breitere englische Oeffentlichkeit treten und auf dem der Reichssportführer einen Vortrag über die Berliner Olympiade halten wird. An dem Empfang werden u. a. SA.=Gruppenführer Herzog Carl Eduard von Sachsen=Coburg und Gotha, der Präsident des Deutschen Olympiakomitees Exzellenz Lewald, das Präsidium des Britischen Olympia=Komitees sowie namhafte Vertreter des englischen öffentlichen Lebens teilnehmen. Als Zwillingsgesellschaft der Anglo=German ship ist im Laufe dieses Jahres in Berlin die DeutschEnglische Gesellschaft gebildet worden, deren Präsidium der Herzog von Sachsen=Coburg und Gotha übernommen hat. Das Ziel dieser Gesellschaft ist ebenfalls die Vertiefung der deutsch=englischen Beziehungen auf kulkurellem, wissenschaftlichem und sportlichem Gebiet. Ludendorff=Büste im Lichthof des Reichskriegsministeriums aufgestellt dnb Berlin, 2. Dezember. Im Lichthof des Reichskriegsministeriums wurde m 30. November 1935 die Büste des Generals LuLendorff aufgestellt. Der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generaloberst von Blomberg, übergab mit einer Ansprache, in der er die Persönlichkeit und die geschichtliche Leistung des Generals Ludendorff würdigte, die Büste dem Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiderr von Fritsch, in seine Obhut. Bei der Feier waren Erx Chef des Generalstabes und sämtliche Abteilungsbetter des Generalstabes anwesend. Reichsminister Kerrl gab zu der neuen Kirchenverordnung vor Pressevertretern nähere Erläuterungen. Schon bei der Bildung des Reichskirchenausschusses und der Landeskirchenausschüsse, so sagte er, habe er im Auge gehabt, daß diesen Organen die Möglichkeit gegeben werden sollte, eine neue Deutsche Evangelische Kirche aufzubauen.„Staatsmännisch gesehen, konnte nämlich insofern keine Rede von einer Deutschen Evangelischen Kirche mehr sein, weil diese Kirche aufgespalten war in drei verschiedenen Gruppen, von denen sich zwei untereinander auf das heftigste bekämpften. Die eine Gruppe setzte sich zusammen aus den Deutschen Christen und der Reichskirchenverwaltung, die zweite aus der Bekenntnisfront und die dritte aus der Mitte, die verhältnismäßig sehr stark war und die durchaus nicht etwa aus Lauen bestand, sondern zum größten Teil aus Leuten, die auf beiden Seiten aus beachtlichen Gründen nicht mehr in der Lage waren, mitzumachen. Dir Kirche selbst fühlte sich nicht mehr in der Lage, die Ordnung herzustellen, und aus diesem Grunde war an den Staat die Bitte herangetragen worden, von sich aus einzugreifen und Ordnung zu Gaffen.....(.ichaminister Gerrl) gs erSchon früher habe er(Reichsminister Kerrl) es für unbedingte Pflicht gehalten, sich in keiner Weise in Bekenntnisfragen oder überhaupt in Glaubensfragen der Kirche einzumischen. Seine Aufgabe habe allein darin bestanden, eine Ordnung zu ermöglichen, in der in Würde und Ruhe alle Fragen bereinigt werden konnten. Deshalb seien auch der Reichskirchenausschuß und die Landeskirchenausschüsse in der Weise berufen worden, daß Männer der Kirche aus verschiedenen Gruppen, von denen man glaubte, daß sie in sich die Berufung fühlen könnten, das schwere und ungeheuer verantwortungsvolle Amt einer Ordnung auf sich zu nehmen, zusammengesetzt wurden, um im gegenseitigen Sichkennenlernen und gegenseitigen Aussprache zu prüfen, ob sie sich berufen fühlen oder nicht. Nach langer Beratung habe zur Freude des Ministers Einmütigkeit bestanden, die in einer Erklärung ihren Niederschlag gefunden habe. In ihr seien die Grundlagen niedergelegt worden, auf denen sich der Neubau der Deutschen Evangelischen Kirche vollziehen konnte. Diese Erklärung habe sich zu einem Aufruf des Reichskirchenausschusses an das Kirchenvolk verdichtet, der von allen Seiten begrüßt worden sei. In allen Ländern sei man sich darüber einig gewesen, daß mit diesem Aufruf eine Linie gefunden worden sei, auf der alle drei Gruppen in der Evangelischen Kirche in gemeinsamer Richtung zusammenarbeiten konnten. Ueberall im Lande, so sagte Reichsminister Kerrl weiter, habe er mit Freude feststellen können, daß sich das gesamte Kirchenvolk und auch die Geistlichkeit innerlich nach diesem Frieden sehnten, nach der gemeinsamen Grundlage, auf der gemeinsam eine Deutsche Evangelische Kirche aufgebaut werden konnte. Allenthalben sei der gemeinsame Wille zum Ausdruck gekommen, mitzuarbeiten an diesem großen Werk, eine innerlich freie und in sich vollkommen selbständige Kirche zu schaffen, die schon aus innerer Meinung und Ueberzeugung mit dem Staat marschieren müsse, in dem sie wirke und lebe. a ,, Harlaute, du f. Leider habe der Minister im Verlaufe der letzten Monate auch Unangenehmes erleben müssen: In mehreren Ländern, in denen Landeskirchenausschüsse ernannt worden waren, seien immer noch Leute gekommen, die behaupteten, die innenkirchliche Legitimation läge bei ihnen und nicht bei den vom Minister eingesetzten Ausschüssen. Eine solche Behauptung könne nichtanlerkannt werden; denn wo solle denn heute die innenkirchliche Legitimation überhaupt herkommen? Sie werde von den Herren der sogenannten Bekenntniskirche in Anspruch gekommen aus einem Notrecht heraus. Dennoch hätten sämtliche Gruppen, die miteinander in Streit lagen, von dem Staat gefordert, daß er ihnen erst die Möglichkeit gebe, Ordnung zu schaffen. „Der Staat ist diesem Rufe gern gefolgt. Wenn er aber Ordnung schaffen wollte mußte er einem Organ diese Aufgabe übertragen und damit auch die innenkirchliche Legimitation, sowohl in bezug auf das Kirchenregiment wie auf die geistliche Leitung. Dieses Organ, der Reichskirchenausschuß mit seinen Landesausschüssen, wird jene Uebergangslösung schaffen, mit der eine Selbstverwaltung wieder ermöglicht wird. Die Arbeit der Ordnung ist also durch den Reichskirchenminister der Kirche selbst übertragen worden, und der Staat wacht jetzt nur noch darüber, daß die Ordnung, die erstehen soll, nicht mehr gefährdet werden kann. Es wäre ein Unsinn, wenn Männer der Bekenntniskirche jetzt kämen und sagen wollten, ihr Bekenntnis sei in Gefahr. Niemand werde in der Art, wie er seinen Glauben verkünden will, behindert werden. Wer so etwas sage, der verschleiere nur die Größe der Aufgabe, die sich vor der evangelischen Kirche erhoben hat und bei deren Lösung der Staat nach allen Kräften und bestem Wissen und Gewissen helfen will und soll. Erörterungen darüber haben keinen Zweck. Wenn sich die Deutsche Evangelische Kirche in Ordnung bringen will, dann kann es sich nur um eine Ordnung handeln. der alle gehorchen müssen. Ganz klar und einfach ist deshalb in der neuen Verordnung festgelegt worden, daß dort, wo Ausschüsse gebildet sind, nicht mehr andere Organe, die irgendeiner Kirchenvereinigung oder Gruppe angehören, berechtigt sind. Funktionen wahrzunehmen, die nur bei den Ausschüssen liegen können. Hierbei wird nicht daran gedacht, etwa die Bekenntniskirche als solche, als Gemeinschaft zu verbieten oder etwa die Bruderräte. Aber sichergestellt ist nunmehr, daß von keiner Seite mehr in das Kirchen= und das geistliche Regiment hineingesunkt werden kann. Wird dieser Versuch trotzdem gemacht, dann muß selbstverständlich der Reichskirchenminister einschreiten. Ebenso selbstverständlich ist, daß es auch der Kirchenleitung für das Reichsgebiet nicht mehr möglich ist, von sich aus Anordnungen zu treffen,„..! u Stans daf Reichsminister Kerrl betonte zum Schluß, nicht bei ihm die geistliche Autorität der evangelischen Kirche liege, sondern beim Reichskirchenausschuß, der auch das Kirchenregiment führe. Er selbst habe nur sein Augenmerk darauf gerichtet, daß die erforderliche Ordnung auch hergestellt werde. Daß niemand in seinem Gewissen vergewaltigt werde, dafür bürgten die Landeskirchenausschüsse. Da es um das Ganze geht, dürfe niemand das Werk gefährden, sondern mit gutem und rechtem Willen diese Lösung anerkennen und also uneigennützig für die Kirche handeln. Jolidarität der Kinder In einem kleinen Mittelstädtchen am Ausgang der Lüneburger Heide— man möchte es seinem ländlichen Charakter gemäß eher ein großes Dorf nennen— habe ich seit einem Jahre eine Anstellung als Lehrerin an der Mittelschule. Alles, was so im Umkreis von fünfzehn Kilometer an gesunden, rotbäckigen, blonden Bauernmädeln groß wird, kommt morgens mit dem Rad, zu Fuß, mit der Eisenbahn in unsere Schule. Ich lebe mit meiner Klasse— lauter Zwölf= bis Dreizehnjährige — in gutem kameradschaftlichen Einvernehmen. Anfang Oktober. Wir haben gehört, daß der Führer anläßlich einer großen Kundgebung in einer Stadt in unserer Nähe sprechen wird. Na, und weil meine Mädchen sich in den letzten Wochen so einigermaßen gut aufgeführt hatten, erbitten wir vom Schulleiter eine ganz große Sondererlaubnis: wir erhalten außerhalb der Reihe einen freien Tag, um mit dem Rad gemeinsam zu der Kundgebung zu fahren. Ich weiß nicht, wer sich mehr freut, meine Kinder oder ich... Wir machen das so: In eine aufgestellte Spardose tut jeder so viel, wie er hat und für die Fahrt stiften kann, und aus dieser Spardose sollen dann die Unkosten bestritten werden. Am Tage vor unserer Reise haben wir Handarbeitsunterricht. Wie das so ist— in solchen Stunden erlaube ich gern, daß wir uns während der Arbeit zwanglos unterhalten, und unser heutiger Gesprächsstoff ist natürlich die bevorstehende Fahrt. Dabei nähen wir Kinderhemden für die Winterhilfe. Ilse, ein besonders geschicktes, auch im übrigen recht energisches, zielbewußtes kleines Menschenkind. schwenkt freudig das erste fertige Hemdchen, an dem sie gerade die letzten Spitzen säumte.„Werden die Mütter, wenn sie unsere Hemdchen sehen, sich freuen! Ja überhaupt — das WHW.!“— Doch dann wird sie auf einmal still, zieht das Stupsnäschen kraus— immer ein Zeichen, daß Ilse nachdenkt! Plötzlich geht ein Schimmer der Freude über ihr Gesicht. „Also ich weiß was, Kinder“, sprudelt es gleich darauf los.„Also, ich hab' ne Pfund=Idee! Fangt bloß nicht an zu schimpfen, wenn ich sie euch jetzt verkünde.“ Ich bin gespannt, Ilses Ideen sind eigentlich immer ganz ordentlich. Warum sollen wir also schimpfen? „Na, Ilse, dann schieß mal los!“ „Ja, also ich habe gerade gedacht“— sie schnappt aufgeregt nach Luft—.„ich habe mir überlegt, daß wir in der Handarbeitsstunde Hemden für das WHW. nähen, ist ja wunderschön, und die Helferinnen vom WHW. werden sich bestimmt darüber freuen. Bloß— so'n ganz richtiges Opfer ist das doch eigentlich nicht. Denn, seid mal ehrlich— die Stunde müssen wir ja sowieso absitzen.“(Ich bin so gespannt auf das Kommende, daß ich das in meiner Anwesenheit immerhin nicht ganz passende Wort„absitzen“ kaum bemerke.) „Aber da hab' ich mir jetzt was ganz Feines ausgedacht“, geht es weiter,„wie wir zeigen können, daß wir auch mal wirklich„opfern“ können. Wir haben uns ja nun alle schrecklich auf den morgigen Tag gefreut, und den Führer möcht' ich ja zu gern mal sehen...“ Aber — morgen beginnt doch bei uns allen die Kartoffelernte. Den freien Tag haben wir ja nun mal, und nun meinte ich, wenn wir— wenn wir—. ein bißchen schluckt sie doch dabei—, wenn wir also freiwillig auf die Fahrt verzichten und auf den Feldern mit Kartoffeln sammeln würden? Und dann bitten wir unsere Eltern, daß wir alle die von uns gesammelten Kartoffeln für das WHW. stiften dürfen!“., 96 Die andern schweigen einen Augenblick betreten. Ich muß sagen: auch ich bin erschlagen. Aber dann geht es los. Erst einige zaghafte Stimmen.„Eigentlich hat die Ilse ja recht.“„Wär' ja ne feine Sache.“„Den Betrag aus unserer Reisekasse könnten wir noch obendrein stiften.“ Und, als ich vergnügt lache— wird nach einem kleinen stillen Abschiedsseufzer von all den herrlichen Plänen einstimmig beschlossen:„Wachen wir.“ Ich muß natürlich diese Umorganisation dem Schulleiter noch mitteilen. Aber der ist wie ich begeistert. Zwei Tage später fahren wir vor den erstaunten Gesichtern der Helferinnen aus unserer WHW.=Sammelstelle zwei Riesenhandkarren mit gefüllten Kartoffelsäcken auf und stecken heimlich einige klingende Silbermünzen in die dort aufgestellte Sammelbüchse. Nach dem Abladen kaufe ich vor der Tür eine Zeitung mit dem Bericht der Kundgebung, auf der der Führer sprach, und wo wir eigentlich auch sein wollten. Und als wir am nächsten Morgen in der Schule daraus vorlesen, sind wir so glücklich wie selten... Margret Gröblinghoff-Thiemann Tägnch 30 Psennig Trhnung Das bekommen unsere Soldaten anb Berlin, 2. Dezember. Die am 1. Oktober in das Heer eingestellten Wehrpflichtigen(Ausgehobene und Freiwillige) erhalten neben freier Verpflegung, Unterkunft und Heilfürsorge als Schützen, Reiter usw. eine Löhnung von.50 R M. täglich. Sie steht jedem Rekruten vom Tage des Diensteintrittes zu und wird am., 11. und 21. Tage jedes Monats oder, wenn dieser auf einen Sonn= oder Festtag fällt, am vorhergehenden Werktag vorausgezahlt. Bei Urlaub und Krankheit wird die Löhnung unverkürzt weiter gewährt. Bei selbstverschuldeter Krankheit. Untersuchungshaft oder Verbüßung von Freiheitsstrafen(Arrest bzw. Haft) verringert sich die Löhnung auf.35 RM. täglich. Während der Verbüßung anderer Freiheitsstrafen wird keine Löhnung gezahlt. Bei Entlassung wird für den Entlassungstag Löhnung nur dann gewährt, wenn an diesem Tage noch Dienst geleistet wird oder Zehrkostenvergütung für die Entlassungsreise nicht zusteht. Befindet sich der Soldat bei der Entlassung in Lazarettbehandlung, so wird die Löhnung bis zum Tage der Entlassung aus dem Lazarett weiter gewährt. Hinsichtlich der Löhnung für den Entlassungstag gelten für Lazarettkranke dieselben Bestimmungen wie für diensttuende Soldaten. Außerdem erhalten die eingestellten Rekruten zur erstmaligen Anschaffung des Putzzeuges ein einmaliges Putzzeuggeld von 5 RM. Die ab 1. November 1935 eingestellten Ergänzungsmannschaften und zu Uebungen einberufenen Mannschaften des Beurlaubtenstandes erhalten ebenfalls eine Löhnung von 0,50 RM. täglich. MA Seite 2 Nr. 283 Bochumer Anzeiger 7 Dienstag, 3. Dezember 1935 Waffemsintstanrk Ter, Lurme! Das englische Kabinett faßte keine endgultigen Beschlüsse über die Oelsperre— Der britische Außenminister geht in Urlaub Berlin, 2. Dezember(Eig. Drahtber.) * Nach den Ankündigungen Londoner Blätter sollte das britische Kabinett heute in einer Sondersitzung entscheidende Beschlüsse über die Verschärfung der Sühnemaßnahmen gegen Italien, besonders über die in Aussicht genommene Oellieferungssperre fassen. Das britische Kabinett ist heute vormittag um 10 Uhr nach hier vorliegenden Meldungen aus London zusammengetreten und hat auch am Nachmittag noch drei Stunden beraten. Wie aber aus den Londoner Nachrichten hervorgeht, hat im Vordergrunde der Beratungen die Thronrede gestanden, mit der der König morgen das neue Unterhaus eröffnen wird. Natürlich sind auch außenpolitische Angelegenheiten besprochen worden. Das kann man allein schon daraus entnehmen, daß für die Bearbeitung von Frggen., die mit der Sühnepolitik gegenüber Jcatten zusammenhängen, ein Unterausschuß des Kabinetts eingesetzt worden ist. So jedenfalls verlautet aus der englischen Hauptstadt. Was die britischen Minister bewogen hat sich in ihrer heutigen Sitzung nur auf allgemeine Erwäs gungen hinsichtlich der Sühnemaßnahmen zu beschränken und einen letzten Beschluß in der Frage des Oelausfuhrverbots hinauszuschieben, ist im Augenblick nicht zu übersehen. Es ist durchaus verständlich, daß man eine solche schwerwiegende Entscheidung nicht leichten Herzens faßt, hängt doch von der Oelsperre unter Umständen die Frage über Krieg und Frieden ab. Aber selbst dann, wenn Italien die Oelsperre nicht als„kriegerische Handlung“ ansieht, sondern nur, wie jetzt aus Rom gemeldet wird, als „unfreundlichen Akt“, würde eine wesentliche Verschärfung der Spannung die Folge einer solchen Sperre sein. Dazu kommt, daß man in London über die Aussichten der hinter der Kulisse schwebenden Verhandlungen ebenso geteilter Meinung ist wie über die Richtigkeit der Verschärfung der Sanktionen. Auch dort fragt man sich, ob eine Verstärkung des Druckes die Beendigung des Krieges mit sich bringen oder aber Italien zu„verzweifelten Schritten“ bewegen wird. Die „Morningpost“ warnt vor den Oelsanktionen. Der „Daily Telegraph“ tritt in aller Schärfe für sie ein. In diesen beiden Blättern spiegelt sich die doppelte Auffassung innerhalb der britischen Meinung wider. Diese Spaltung soll nach Londoner Berichten sogar bis in das englische Kabinett gehen. Vielleicht hat diese geteilte Meinung mit dazu beigetragen, daß zunächst ein Beschluß des englischen Kahinetts nicht gefaßt wurde. Vielleicht will man aber auch dem französischen Ministerpräsidenten und Außenminister Laval eine weitere Frist für seine Vermittlungsbemühungen geben. Jedenfalls schreibt der Londoner„Star“ Laval einen Vorschlag zu, der darauf hinausläuft, eine Art Waffenstillstand zwischen Italien, Abessinien und dem Völkerbund zu vereinbaren, noch bevor die Genfer Einrichtung am 12. Dezember ein Oelausfuhrverbot in die Tat umsetzen könne. Italien soll sich danach verpflichten, nicht über die bis jetzt erreichten Linien in Abessinien vorzurücken, während der Völkerbund für die Dauer der Friedensverhandlungen die Verwirklichung des Oelausfuhrverbotes vertagen würde. Der„Star“ bezweifelt jedoch die Zweckmäßigkeit dieses Planes, da er Italien in die Lage versetzen würde, weitere Oelvorräte für die Wiederaufnahme des Feldzuges nach dem Zusammenbruch der Friedensverhandlungen zu sammeln.— Mag dem sein wie ihm will, jedenfalls scheint festzustehen, daß neue Bemühungen im Gange sind, einen Ausweg zu Einige Ueberraschung hat es in London hervorgerufen, daß der englische Außenminister Sir Samuel Hoare, wie amtlich bekanntgegeben wurde, einen Urlaub antreten wird, da ihm seine Aerzte dringend empfohlen haben, so bald wie möglich in Erholung zu laub verbringt, näher bei Rom liegt als England. Vielleicht handelt es sich bei den jetzt hinter den Kulissen spielenden Verhandlungen um eine letzte Möglichkeit, die Ausuferung des Kolonialkonfliktes in einen noch größeren Konflikt zu zu vermeiden. Wir möchten es annehmen und den Wunsch beifügen, daß es den angestrengten Bemühungen der europäischen Staatsmänner gelingen möge, Unheil vom Kontinent abzuwehren. Fünfte Reichstagung der DAF. dnb Leipzig, 2. Dezember. Die fünfte Reichstagung der Deutschen Arbeitsfront, an der über 4000 DAF.=Walter aus dem ganzen Reich teilnehmen, begann heute abend durch Gruppenappelle in den einzelnen Gruppenlokalen. Reichsleiter Dr. Ley, in dessen Begleitung sich Hauptamtsleiter Selzner befand, besichtigte jede einzelne Gruppe und richtete kameradschaftliche Worte an die angetretenen Formationen. Am Dienstag vormittag wird Dr. Ley in der Messehalle 20 eine große politische Rede halten. Canrkonssergen in Gratten Der Wirtschaftskrieg trifft vor allem die Industrie— Einschränkung der Beschäftigung— Großer Erfolg der Metallsammlungen— Gold= und Silberspende des Königs— Vaterländische Aufrufe italienischer Kirchenfürsten und abzustellen. Darüber hinaus ergibt das Ergebnis einen umfassenden Querschnitt durch die gesamte berufliche Ausbildung der deutschen Jugend. Der Reichssieger, der am 1. Mai vor den Führer tritt, muß in sich sportliche, berufliche und weltanschauliche Tüchtigkeit vereinen. ein dnb Rom, 2. Dezember. Der Wirtschaftskrieg gegen Italien, der den Krieg in Ostafrika beenden soll, trifft nach italienischer Ansicht vor allen Dingen die italienische Industrie und damit die italienischen Arbeiter. Viele Fabriken haben bereits, wie das halbamtliche„Giornale'Italia“ am Montag ausführt, ihren Arbeitsgang verlangsamen müssen. Daher wird durch den Sanktionskrieg u. a. auch die soziale Arbeiterfrage aufgeworfen und das halbamtliche Blatt kündigt bereits Verhandlungen an, die in den nächsten Tagen zwischen den Arbeitervertretern und Vertretern der Industrie stattfinden sollen. Die Entlassung von Arbeitern müsse auf ein Mindestmaß herabgesetzt und der Arbeitsgang sozusagen verdünnt werden, indem möglichst allgeein auf die 40= Stunden=Woche und auch darunter zurückgegangen werde. Das sei eine soziale Notwendigkeit und sei als solche auch von der Industrie erkannt worden. Gleichzeitig richtet der Direktor des „Giornale'Italia“ an alle Arbeiter vom Lande, die in den letzten Jahren in der Stadt Arbeit gefunden haben, die dringende Aufforderung, wieder zur Bearbeitung der Scholle zurückzukehren, die wenigstens immer das tägliche Brot gebe, während der Verdienst in der Industrie unsicherer geworden sei. Daraus ist zu erkennen, daß die Sühnemaßnahmen gegen Italien nicht ohne Wirkung sind. Entschlossener aber noch ist der Abwehrwille des italienischen Volkes. So hat König Viktor Emanuel Mussolini eine große Spende von Gold= und Silberbarren für die Goldsammlung der Staatsbank übermitteln lassen. Aus allen Teilen des Landes kommen Berichte über große Erfolge der Sammlungen von Gold, Silber und Eisen. Die Blätter weisen darauf hin, daß mit dieser einmütigen und geschlossenen Haltung das ganze italienische Volk seinen Opfersinn und seinen entschlossenen Willen zum Widerstand gegen die Sanktionen zum Ausdruck bringe. Besondere Beachtung widmet die Presse weiterhin der Mitwirkung der Geistlichkeit im ganzen Lande. Der Fürsterzbischof von Florenz hat an den Klerus seiner Erzdiözese einen Aufruf erlassen, der u. a. die Geistlichkeit auffordert, dem Volke den Satz „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ in Erinnerung zu rufen. Da die faschistische Regierung außerordentliche Schwierigkeiten zu überwinden habe, sei es Pflicht eines jeden guten Bürgers und guten Christen, ihr beizustehen. Die Priesterschaft wird angewiesen, dem Volk klarzumachen, daß die Suche nach neuen wirtschaftlichen Hilfsquellen und die Unterstützung des Abwehrkampfes gegen die Sühnemaßnahmen nicht den Krieg verlängere, sondern zum Frieden beitrage. Es solle ferner nicht vergessen werden, darauf hinzuweisen, daß in der Front gegen Italien auch der Bolschewismus nicht fehle, der unter dem Vorwand eines Kampfes für den Frieden und für die Einheit des Proletariats in Wahrheit auf die Weltrevolution hinarbeite und die Grundlagen jeder Autorität erschüttern wolle. Der Kardinal=Erzbischof von Genua hat an die Geistlichkeit seiner Erzdiözese einen Runderlaß ergehen lassen, in dem er sie auffordert, die Bevölkerung zum Spenden von Metallen zu ermuntern. Die Bischöfe von Genua, Palermo, Venedig, Triest und vielen anderen Städten haben dem Vaterlande ihre Brustkreuze, ferner goldene Kelche, goldene Ringe, Goldmedaillen und goldene Ketten aus dem Kirchenschatz zur Verfügung gestellt. Aus Gaeta kommt die Nachricht, Der Berufswettkampf sei dem Auslande gegenüber erneuter Beweis der Friedensliebe der deutschen Jugend, die sich in den Stätten der Arbeit und des Sportes im friedlichen Wettkampf messe und dort ihre Probleme löse.,„„. 4 4m Meickab, Als bedeutsame Neuerung im dritren Reichsberufswettkampf führte der Obergebietsführer die erstmalige Teilnahme der Studenten an. In „Wer sem Von neot, beweist es allein durch die Opfer, die er für dieses zu bringen bereit ist“, sagt der Führer. Danach lebt und handelt! einer Zeit, in der an den Hochschulen die Korporationen aufgelöst werden, sei es am Platze, ein neues Ideal herauszustellen, und man könne sich kein besseres Ideal vorstellen als das Ideal der Leistung. Deshalb sei es für die Vorkämpfer des Wettkampfes unter den Jungarbeitern eine große Freude, daß nun endlich die jungen Arbeiter der Faust und der Stirn sich gemeinsam die Tradition der Leistung schaffen. Amtsniederlegung des Memeler Oberbürgermeisters dnd Memel, 2. Dezember. Der kommissarische Oberbürgermeister der Stadt mel, Viktor Gailius, hat dem Landesdirektorium Memel, Viktor Gailius, hat dem Landesdirektorig schriftlich mitgeteilt, daß er aus persönlichen Grunden sein Amtals kommissarischer Oberbürgermeister niederlege. Die neue Flagge des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine dnb Berlin, 2. Dezember. Der Reichskriegsminister gibt folgenden Erlaß bekannt:„Die Flagge des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine ist ein weißes gleichseitiges Rechteck, in dem ein schwarzes Eisernes Kreuz steht, dessen Balken bis zum Rande des Rechtecks gehen. Unter dem Eisernen daß eine Brücke im Gesamtgewicht von 3000 Doppel= Kreuz liegen zwei im rechten Winkel gekreuzte goldgelbe zentner Eisen für die Alteisensammlung bestimmt wor Schuzerter auf deren Parierstange sich ein unklarer Anden ist. Aus Stadt und Provinz Brindisi sind allein am Sonntag 70 vollbeladene Lastkraftwagenzüge mit Alteisen gesammelt worden. Die Frauen Italiens sind zu jedem Opfer entschlossen, damit ihr Vaterland aus dem afrikanischen Krieg und aus jedem Konflikt, der aus ihm entstehen könnte, siegreich hervorgeht. Eine Entschließung dieses Inhalts wurde von einer Vereinigung von Frauen veröffentlicht, unter denen sich die Witwen und Mütter vieler im Weltkriege Gefallener befinden. Der Ausschuß setzte den 18. Dezember als„Opfertag" fest. An ihm sollen die Ehefrauen ihre Eheringe als Beitrag für die Goldsammlung hingeben. Die Ringe sollen unter dem Geläute der Kirchenglocken zu gleicher Zeit in allen Dörfern und Städten Italiens auf dem„Altar des Vaterlandes“ geopfert werden. für den gehen. Sir Samuel Hoare wird sich Ende dieser Woche in die Schweiz begeben, wo er bis nach Weihnachten bleibt. In Paris wird er auf seiner Durchreise am kommenden Samstag eine Begegnung mit Laval haben. Diese Tatsache wird ebenfalls in der Richtung weiterer Vermittlungsbemühungen gewertet. Auch weist Oeffentlichke Reichsveraseweitkunz, 1830 Obergebietsführer Armann eröffnete die Teilnehmer=Werbung Auch die Studenten beteiligen sich Reic dnb Berlin, 2. Dezember. Zum Auftakt der Teilnehmerwerbung für den neichsberufswettkampf 1936 sprach am Montag der Leiter des Sozialamtes der RöF. und des Jugendamtes der DAF., Obergebietsführer Axmann, der Schöpfer und Organisator der Reichsberufswettkämpfe 1934 und 1935, über die grundsätzliche Bedeutung und die praktische Durchführung des Wettkampfes. Der Berufswettkampf sei freiwillig und wolle auch niemals die Gesellenprüfung ersetzen. Die Teilnahme sei auf eine Million Jugendliche aus 250 verschiedenen Berufen konman in der englischen Dessentlichkeit darauf, hin, daß tingentiert. Damit stelle schon die Teilnahme eine gedie Schweiz, wo der englische außenminister seinen ur= wisse Auslese dar. „Seyteller Salaun Mraufführung im assener Stadttheater Mit dem legte der Essener Schriftsteller und Kulturpolitiker Wolf Sluytermann von Langeweyde sein dramatisches Erstlingswerk vor, das im Rahmen der rheinischen Gaukulturwoche im Essener Stadttheater uraufgeführt wurde. Nächst der ergreifenden Schilderung des Kriegserlebnisses aus den blutigen, opferreichen Kämpfen vor Verdun, nimmt der Verfasser ein Thema auf, das geschauspiel„Gefreiter Schwaak“ Ason Sesieshlice, eisheitaese ulternan bespoeisen die unbedingte sittliche Autorität eines militärischen fehls, d. h. er verneint den toten Befehlsmechanismus und wünscht ihn durch einen lebendigen Befehlsorganizmus zu ersetzen, der die Freiwilligkeit und dar jordatische Verantwortungsgefühl weckt bzw. sich auf diese Werte bezieht. Die Argumente, deren sich Sluyterman bedient, diese Auffassung zu rechtfertigen, besagen alles für die saubere und anständige Gesinnung des VerIhansz zugleich aber zeigen sie, dentlich, daß. der,„Bdeg; Korrekturen beoarf, um nicht vollig un fasserz, degige der Wirklichkeit der Dinge abzugleiten. Beder der Gefreite Schwaak noch irgendein anderer Soloat kann und darf aus der Pflicht desertieren, auch dann nicht, wenn sein Ungehorsam als notwendig und als sittliche Tat Scheinbar gibt der besonders gelagerte Fall des Gefreiten Schwaak, der in ein Offizierskasino der Etappe abkommandiert wird, als es für seine K schärfsten Zunder setzt, dem Verfasser recht, der seinem Helden Gehorsamsverweigerung anrät und ihn bestimmt, seine Frontkameraden nicht im Stich zu lassen. Das mag angehen. Gefährlich ist die Sluntermansche Beweisführung erst in dem Augenblick, wo dieser Sonderfall demonstrativ benutzt wird, die Gehorsamsdisziplin unserer alten Armee anzutasten. Das ist unmöglich. läßt sich aus gar keinen Gründen verantworten und steht außerhalb jeglicher Diskussion. Preußen Preußen geworden, Deutschland nicht Deutschland. Man darf überzeugt sein, daß Slunterman diese Konsequenzen nicht bedacht hat und daß man ihn mit der Schiefheit und Abwegigkeit solcher Konstruktionen nicht beAlfred Noller inszenierte das Schauspiel, indem er sich vor allem auf die eindringlich starken und durch suggeitive Wirkung ausgezeichneten Bühnenbilder von Rochus Gliese stützte, mit dem prachtvollen Einsatz aller darstellerischen Möglichkeiten des Essener Theaters. Hans Joachim Recknitz verkörperte in seinem Gefreiten Schwaak einen soldatischen Kerl, einen Frontkämpfer, der von Gnaden seiner starken und kompromißlosen Natur zu seiner Tat steht. Er ist frei von den „philosophischen Phantasien“ seiner Vorgesetzten, die in Adolf Meyer=Bruhns, Hans Kaiser und Georg Czimeg eindrucksvoll profiliert werden. Ausgezeichnet Hellmuth Erdmann als der Drückeberger Kieckmann. Die Aufführung wurde mit starkem Beifall ausgezeichnet. Dr. Stf. Uraufführung des„Tentheus“ in Dülleldorf Das Düsseldorfer Schauspielhaus erlebte am Sonntag abend die Uraufführung des chorischen Dramawerks „Pentheus“ von Hans Schwarz. Der Dichter, der persönlich der Uraufführung beiwohnte, ist auch der Verfasser der Dramen„Rebell in England" und„Prinz von Preußen“, die am Staatstheater Berlin bzw. im Stadttheater Bochum mit starkem Erfolg uraufgeführt wurden. Das Drama„Pentheus“ behandelt den aktuellen Stoff der geistigen Wiedererneuerung eines Volkes. Die Aufführung, deren Regie in den Händen des Generalintendanten Iltz lag, gestaltete sich zu einem großen Erfolg. Die Beifallskundgebungen, die bereits in der Pause recht lebhaft waren, wollten zum Schluß kein Ende nehmen. Die Hauptdarsteller, der Dichter Hans Schwarz und Generalintendant Iltz mußten sich immer wieder dem stürmisch Beifall spendenden Publikum zeigen. Das Wesideutsche Janzturnier in Dülleldort Das Münchener Paar Bößl Lottersberger erringt zum zweiten Male die westdeutsche Tanzmeisterschaft. Das am Samstag abend im Rheingoldsaal der * in Güsseldorf ausgetragene Lanzturnier st, das im vorigen Herbst zum ersten Male von der zuständigen Organzi: Der Reichsberufswettkampf wird 1936 vom 1. Februar bis 1. Mai entsprechend den verschiedenen Lehrjahren in vier Leistungsklassen durchgeführt, bei den ungelernten Jungarbeitern in zwei Leistungsklassen. Die Aufgaben gliedern sich in einen berufspraktischen, berufstheoretischen und weltanschaulichen Teil. Die Sieger in den Ortsentscheiden haben dann in den Gau=Ausscheidungskämpfen auch noch an sportlichen Wettbewerben teilzunehmen, damit nicht durch Zufall etwa ein bloßer Schwächling= und Strebertyp Preissieger wird. So hat jeder Teilnehmer durch den Berufswettkampf die Möglichkeit, seine eigenen beruflichen und sonstigen Schwächen genau festzustellen lichen Ereignis und Erfolg. Infolge der übergroßen Zahl der teilnehmenden Paare zog sich die Entscheidung bis in die Sonntagmorgenstunden hin. In der kombinierten C= und=Klasse siegte das Ehepaar Barth(Bochum). In der neu eingeführten Seniorenklasse kam das Paar Dr. Zülke und Fräulein Ernestus(Düsseldorf) zum Erfolg. In der =Klasse war der Kampf besonders lebhaft, da hier ziemlich gleichwertige Leistungen geboten wurden. Infolgedessen wurde auch der Preis geteilt zwischen dem Paar Herrn Görgens(Frau stärkste Interese bezshexunze gagiärlich, klasse, die Rheinterragsein Tussegglk. aubbeltagene T um die Westdeutsche Meeisterschaft, das ir Herbst zum ersten Male von der zuständige sation unter Forderung des Verkehrsvereins der Düsseldorf durchgeführt worden ist, gestaltete sich, wie im Vorjahre, wiederum zu einem großen gesellschaftcuchte natürlich die SonderLasse, vn. auch den. Höhepung###e Turniers darstellte. Das vorjährige Meisterpaar Bößl(Lottersberger (München), das von vornherein als Favorit gestartet war, siegte denn auch in ganz überlegener Manier vor dem Kölner Paar Herrn Anders Frl. Velt. Das Siegerpaar erhielt den neugestifteten wertvollen Pokal und errang damit zum ersten Male diesen Wanderpreis. Außerdem wurde den beiden Ersten in der Sonderklasse eine Plakette des Oberbürgermeisters der Stadt Düsseldorf überreicht. Auf dem daran anschließenden Ball führte das bekannte Düsseldorfer Tanzpaar Bruno und Melitta von Kayser in hervorragender kunstlerischer Form die neuesten Gesellschaftstänze vor, die immer wieder von den Anwesenden mit geradezu stürmischem Beifall quittiert wurden. Der erlie deutsche Lehrliuhl für Richard Wagners Kunllwerk Das bremische Staatsamt teilt mit:„Der Senat der Freien Hansestadt Bremen hat auf Vorschlag des Reichs= und preußischen Ministeriums für Wissenschaft. Erziehung und Volksbildung und auf Empfehlung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda der nordischen Kunsthochschule zu Bremen einen Lehrstuhl für Richard Wagners Kunstwerk angegliedert und den Musikschriftsteller Dr. Curt Zimmermann auf diesen Lehrstuhl berufen. Dr. Zimmermann wird zu Anfang des neuen Jahres seine Vorlesungen beginnen. Mit dieser Berufung ist der erste Lehrstuhl mit dem ausgesprochenen Zwecke der Fördetung des Kunstwerks Richard Wagners an einer deutschen Hochschule errichtet worden.„„„„. Neuer Dozent für Hugiene und Bakteriologie in Münster. Die Dozentur für Hygiene und Bakteriologie in der Medizinischen Fakultät der westfälischen Landesuniversität wurde dem bisherigen Assistenten am HySchwerter, ker befindet.“ Zwei neue englische Anleihen dnb London, 2. Dezember. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat die englische Regierung zwei neue Anleihen aufgelegt. Es handelt sich um eine mit 1 v. H. verzinsliche kurzfristige Anleihe (Tilgungszeitpunkt 1. Februar 1941) im Betrage von 100 Millionen Pfund(1227 Millionen Reichsmark) und um eine mittelfristige Fundierungsanleihe im Betrage von 200 Millionen Pfund, die mit 2,5 v. H. verzinst und 1961 getilgt sein muß. Die erste Anleihe wird zu 98 v.., die zweite zu 96½ v. H. ausgegeben. Die neuen Auflagen werden zum Teil zur Tilgung früherer Anleihen dienen. Die Abessinier räumen Harar U. P. Genf, 2. Dezember. Der abessinische Außenminister teilte dem Völkerbund telegraphisch mit, daß Harar gegenwärtig von allen abessinischen Truppen geräumt werde. Harar werde in Zukunft nur noch Verwundete und das für deren Behandlung notwendige Arzt= und Pflegepersonal beherbergen. Die Räumung wurde verfügt, um Harar vor italienischen Luftangriffen zu bewahren. Drei japanische Divisionen sollen nach Tientsin marschieren dnb London, 22. Dezember. Aus Tientsin wird berichtet, den chinesischen Behörden sei japanischerseits mitgeteilt worden, daß drei japanische Divisionen(etwa 30 000 Mann) in einigen Tagen aus Mandschukuo in Tientsin eintreffen würden und daß für ihre Unterbringung Vorsorge getroffen werden müsse. gienischen Institut unserer Universität, Dr. med. habil. Heinz Reploh durch Erlaß des Volksbildungsministers übertragen. „Der Bauernkanzler“ von Walter Stanietz. Wendelin Hippler steht im Mittelpunkt des Dramas„Der Bauernkanzler“ von Walter Stanietz, der einer unserer hoffnungsvollsten jungen Dramatiker ist. Das bewiesen schon die vielbeachteten Aufführungen seines Dramas„Die Grunerts“ in Bochum und Breslau. Das Stadttheater Breslau bringt die Uraufführung des „Bauernkanzlers im Januar. Reichsfachschaft Artistik in der Reichstheaterkammer. Alle Artisten, die ihren Wohnsitz im Bereich des Gaues Westfalen=Süd haben, müssen unverzüglich ihre Adressen (burgerlicher und Künstlername) einsenden. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß bis zum 15. Dezember 1985 die Verwaltungs=Fragebogen eingereicht sein müssen, da sonst keine neuen Mitgliedskarten erteilt werden. Eine Berufsausübung ohne die neue Mitgliedskarte ist ab 1. Januar 1936 nicht möglich. Kammersängerin Frieda Leider ist arisch. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Von unberufenen Kreisen wird immer wieder die Behauptung verbreitet, die Kammersängerin Frieda Leider sei nicht arisch. Diese verleumderische Behauptung ist unwahr. Die arische Abstammung der Kammersängerin Frieda Leider steht einwandfrei fest. Hauptschriftleiter: Dr. Paul Dierichs Stellvertreter: Hans Schulte. Verantwortlich für Politik: Rudolf Foest, Kommunalpolitik und Stadtteile: Adolf Peddinghau Lokales: Hans Schulte, Kulturpolitik und Unterhaltung: Dr. Josef Schwermann, Feuilleion: Dr. Emil Strodthoff. Wirtschaft: Fritz Schmidt Gerichtsdienst und Briefkasten: Max Glegel, Sport: Provinz: Kurt Dörnemann, Anzeigen: Kurt Scholz, sämtlich in Bochum. Berliner Schriftleitung: Michael Haupt, Berlin SW., 68, Wilhelmstraße 98 Anruf: Jäger 4115 und Kartsdorst 0340 Berliner Anzeigenvertretung: F. W. Pempe, Berlin=Charlottendurg, Truc: Laubenmnüpien Zuse ir, S giltug, Nachlapsasel.— von 16 bis 17 Uhr(außer Samstags). Für unverlangte Einsendungen keine Hastpflicht. Rücksendung nur bei Rückporto. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten Seite 3 Nr. 283 Bochumer Anzeiger„ Dienstag, 3. Dezember 1933 Bochumer Nachrichten Es wird kühl Scherl-Bilderdienst Es wird jetzt ganz allmählich Winter. Der Affe spürt es im Gebein. Und ziemlich rasch kommt er dahinter: nur Wärme kann hier dienlich sein! Was einst Kartoffelsack gewesen, das hängt er um die Schultern. So! Nun kann man wieder weiterdösen— als Philosoph im Paletot. Ein Bild versonnener Erbauung! Zugleich ein Motto tief und klug: Behagen fördert die Verdauung und außerdem den Geistesflug!.... Arbenslagung der Dah. Westsaten Sat Gauwalter Stein über die Aufgaben der Deutschen Arbeitsfront Im Sitzungssaal der Gauwaltung Westfalen=Süd in Bochum fand eine Arbeitstagung der Kreiswalter und Abteilungsleiter statt die der stellvertretende Gauwalter Pg. Padberg eröffnete. Gauwalter Pg. Stein gab anschließend Richtlinien über die Notwendigkeit enger Zusammenarbeit aller Amtswalter in der DAF., die eine verschworene Gemeinschaft um die Belange des deutschen Menschen darzustellen hätte. Er ging dann weiter auf die brennendsten wirtschafts= und sozialpolitischen Tagesfragen ein und zeigte klar und eindeutig die Schwierigkeiten, vor denen das deutsche Volk steht. Im Verlaufe seiner weiteren Ausführungen sprach der Gauwalter über die Lösung der vorerwähnten Schwierigkeiten. Er wies darauf hin, daß nur durch die Einsicht und Ausdauer des gesamten deutschen Volkes diese Schwierigkeiten behoben werden können. In aller Offenheit müsse dem deutschen schaffenden Menschen die Lage, in der wir uns befinden, vor Augen geführt werden, damit die Widerstandskraft allen zeitweiligen Einschränkungen zum Trotz gestärkt würde; denn am Ende dieses Kampfes, der uns auferlegt wäre, stände gewiß die wirtschafts= und somit auch die sozialpolitische Freiheit des deutschen Volkes. Zum Schluß ging er noch kurz auf die Bedeutung der Arbeitsausschüsse der Bezirksarbeitskammer und der Reichsarbeitskammer ein. Ganz kurz sprach im gleichen Sinne der Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter und stellvertretende Gauwalter Pg. Padberg. Hiernach fand noch eine Aussprache zwischen den Abteilungsleitern und den Kreiswaltern statt Vor allen Dingen gab der Gauschulungswalter Pg. Dr. Lebrecht kurze Anweisungen über den Ausbau der Vertrauensratsschulung. Kameradschaftsfeier der Zurichterei des Bochumer Vereins Ein selten schönes Fest der Kameradschaft beging die Zurichterei des Bochumer Vereins, Abteilung Werk Weitmar, am Samstag abend in den Sälen des Lokales Backwinkel an der Kohlenstraße. In stattlicher Zahl hatten sich die Werkskameraden mit ihren Angehörigen eingefunden, um nach der Arbeitstage Last und Mühen sich ganz der Freude im geselligen Kreise zu widmen. Für diesen Zweck setzte sich Zellenwart Stecken in seiner Begrüßungsansprache mit beredten Worten ein. Es war ihm eine besondere Freude, die Werksleitung willkommen zu heißen, von der er rühmend nachsagte, daß sie sich allzeit für die Belange der Werksgemeinschaft eingesetzt habe. Die mit Worten des Lobes bedachte Werkstreue war keine leere Phrase, wie man das im Laufe des Festabends mit Anerkennung feststellen konnte. Denn die künstlerisch hochstehende Festfolge war das Ergebnis einer vorbildlich geleisteten Gemeinschaftsarbeit an der sämtliche Belegschaftsmitglieder ihren mehr oder minder großen Anteil hatten. Diese Tatsache wurde von Betriebsingenieur Holte in seiner Festrede lobend hervorgehoben.„Wir müssen es dem Führer gleichtun, der in der Liebe zur Volksgemeinschaft ganz aufgeht.“ Das war der Tenor seiner Ausführungen, die mit den deutschen Hymnen ausklangen. Der Feststimmung verlieh das fleißig musizierende Orchester wirksamste Untermalung. Arbeiterfäuste, die sonst gewöhnt sind, den schweren Hammer zu schwingen, wetteiferten mitein: ander in einem musikalisch beseelten Spiel der Instrumente, das ungeteilte Freude und Begeisterung auslöste Allen angetan hatte es der schneidige, feurige Marsch,„Treue Arbeitskameraden“, eine in musikalischer Hinsicht sehr beachtliche Gemeinschaftskomposition des Orchesterdirigenten A. Gola und seines Arbeitskameraden B. Berensmeier, die an diesem Abend ihre Uraufführung erlebte. Im Rundgesang klang diese einprägsame Hymne immer wieder auf und erwarb sich so das Heimatrecht. Auch als Leiter der neugegründeten Gesangsabteilung, die auf dieser Kameradschaftsfeier zum ersten Male auftrat, konnte Gola überzeugen, wie er sich außerdem als ein Meister des Saxophon= und Geigenspiels erwies, so daß von dem jungen, strebsamen Künstler, der bereits im Westdeutschen Rundfunk mit eigenen Kompositionen von sich hören machte, noch Großes erwartet werden kann. Zu den gefeierten Instrumentalsolisten gehörten weiter E. Lange. A. Gereke und H. Grebe. Beifällig aufgenommene Bühnendarbietungen und deutsche Vinze mit humoristischen Einlagen beschlossen die Kameradschaftsfeier, deren Reinertrag der Winterhilfe zugeführt wurde. Der Fahrer flüchtete Verletzter Radfahrer im Stich gelassen Am 30. November, gegen 18 Uhr, wurde ein Radfahrer von einem unbekannten Lastkraftwagen auf dem Hellweg angefahren und am Kopfe und linken Bein verletzt. Er konnte sich in seine Wohnung begeben. Das Fahrrad wurde schwer beschädigt. Der Kraftwagenführer fuhr davon, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Ein Schwerverletzter, zwei Leichtverletzte beim Zusammenstoß zwischen Fahrrad und Motorrad Am 1. Dezember, gegen 12.15 Uhr, stieß an der Ecke„Zur Werner Heide“ und Herwarthstraße ein Radfahrer mit einem Motorrad zusammen Beide Fahrer erlitten leichte Verletzungen, während der Soziusfahrer schwer verletzt dem Knappschaftskrankenhaus in BochumLangendreer eingeliefert werden mußte. Lebensgefahr beitcht vicht. Riezen usammen Nr 90. : Zwei Lastkraftwagen stießen zusammen. Am 30. November, gegen.30 Uhr, erfolgte auf der Ecke Bismarck= und Wittener Straße ein Zusammenstoß zwischen zwei Lastkraftwagen, wobei beide Wagen schwer beschädigt wurden. Ein Fahrer erlitt eine Schnittwunde am linken Finger. Zwei Festnahmen. Festgenommen wurden eine Person wegen Betruges und Urkundenfälschung und eine Person wegen Diebstahls. rm. Die Sieger im Opferschießen des Kreisverbandes Bochum„Kyffhäuser“ für das Winterhilfswerk Das am Sonntag vom Kreisverband Bochum„Kyffhäuser“ für das Winterhilfswerk veranstaltete Preisschießen zog sich infolge des starken Andranges bis in den Abend hinein, so daß die Preisverteilung erst nach 10 Uhr abends beginnen konnte. Zur Preisverteilung standen 115 Preise zur Verfügung. Die fünf besten Schießergebnisse in dem Schießen für die Kameradschaften des Kreisverbandes waren folgende: Steinhoff (Bochumer Krieger= und Landwehrverein,, 2. Bezirk) 51 Ringe, Heimann(.=Gerthe) 49, Hüning(.=Harpen) 48, Thomas(.=Riemke) 48 und Gira(Altenbochum) 47 Ringe. Beim Schießen„Offen für alle" waren die fünf besten Rauscher(Linden) mit 55 Ringen, Vette (Stiepel) 55, Walper(Bochum) 53, Hyeronimus(Hiltrop) 53 und Naselewski(Bochum) mit 53 Ringen. Am Nachmittag des Schießens erschien der Landesführer Westfalen des„Kyffhäuser" Boemke(Dortmund) in Begleitung des Kreisführers Bering auf dem Schießstand. In einer Ansprache sprach der Landesführer dem Kreisverband seine Anerkennung für diese opferwillige Unterstützung des Winterhilfswerkes aus. Er brachte die erfreuliche Mitteilung mit, daß der Landesverband dem Kreisverband Bochum für seine gute Beteiligung beim Landesverbandsschießen als Anerkennung 4000 Patronen stiften werde. Am Schlusse der Preisverteilung bezeichnete der Kreisschießwart Klüting das Ergebnis des Schießens trotz des schlechten Wetters als gut. Man freue sich, eine ansehnliche Summe dem Winterhilfswerk übergeben zu können. Den zahlreichen Mitarbeitern sprach er den Dank aus. Mit der Hand in die Wurstmaschine gekommen. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich am Donnerstag abend in der Wohnung der Familie S. an der Robertstraße. Man war hier mit Wurstmachen emsig beschäftigt. Plötzlich geriet die 16jährige Tochter mit der linken Hand in die Maschine. Die drei Mittelfinger sowie auch der Daumen wurden schwer verletzt. Die Verletzte wurde nach Anlegung von Verbänden sofort ins Krankenhaus geschafft. Piess-Riomelel inn=Bau Stand der Bauten der Reichsautobahnen im Ruhrgebiet Seit dem letzten, am 23. September erstatteten Bericht hat die Oberste Bauleitung Essen von der ihr zum Bau freigegebenen 153 Kilometer langen Autobahn Düsseldorf=Wiedenbrück weitere 10 Kilometer Strecke in Angriff genommen, so daß sich nunmehr insgesamt 112,2 Kilometer im Bau befinden. Vergeben wurden weitere 16 Bauwerke sowie die Erd= und Böschungsarbeiten für den Autoabschnitt von Kilometer 77 bis 82 und von Kilometer 115,8 bis 119. Außerdem wurden die Arbeiten für 4 Kilometer Baustrecke ausgeschrieben. Auch bei den einzelnen Bauwerken zeigen sich beachtliche Fortschrite.„„######—.x Gastekakn DüsseldarfNeben den Bauarbeiten an der Autobahn Düsseldorf— Wiedenbrück werden die anderen Linien, die das Ruhrgebiet berühren sollen, vorbereitet. Auf der Verbindungsstrecke von Duisburg nach der holländischen Grenze wurde mit der Festlegung der Linienführung einer Teilstrecke bis Wesel begonnen. Die Kreuzungsstelle zwischen der Strecke Düsseldorf—Wiedenbrück und der Linie Köln—Münster wurde östlich von Kamen festgelegt; die Planung der Kreuzung wird bearbeitet.„.—Kitem behingte au Der Fortschritt der Bauarbeiten bedingte auch weiterhin eine Vermehrung des Personalstandes. Am 21. November 1935 waren insgesamt 6930 Volksgenossen bei den Reichsautobahnen im Bezirk der Obersten Bauleitung Essen beschäftigt, gegenüber 6700 am 1. Oktober d. I. Es wurden bisher 7415 000 Kubikmeter Erd= und Felsmassen bewegt. 8900 Tonnen Stahlkonstruktion eingebaut und über 4000000 Quadratmeter Mutterboden abgetragen. An Beton für Bauwerke und Eisenbeton wurden insgesamt 132.000 Kubikmeter hergestellt; an Stahlkonstruktionen wurden vergeben 17000 Tonnen. Fahrbahndecken wurden im Bereiche der Obersten Bauleitung Essen noch nicht verlegt. Die Gesamtsumme der bisher an Unternehmer gezahlten Beträge beläuft sich auf 27½ Millionen RM., die restlos der heimischen Wirtschaft zugute kamnen. Güternahverkehr der Reichsverkehrsgruppe Kraftfahrgewerbe. Die Reichsverkehrsgruppe Kraftfahrgewerbe(Güternahverkehr), Bezirksuntergruppe Bochum, hatte die Bochumer Unternehmer am Freitag abend im Haus Düppe an der Mühlenstraße zu einer Mitgliederversammlung eingeladen. Die Unternehmer wurden vom Geschäftsführer, Diplom=Kaufmann Pantring, mit den in den letzten Monaten veröffentlichten Verordnungen und Gesetzen bekannt gemacht. Im gesamten Güternahverkehr, ob motorisch oder nichtmotorisch, ist ab 1 November d. J. eine Verordnung des Regierungspräsidenten für den Polizeipräsidialbezirk Bochum in Kraft getreten, die besagt, daß nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen die gewerbsmäßige Beförderung von Gütern künftig möglich ist. Inhalt, Zweck und Aufgabe dieser Verordnung ist es, das Schwarzfahrertum im Transvortgewerbe zu unterbinden. Neben dieser Verordnung hat die Reichsregierung eine weitere Verordnung erlassen, nach der alle Unternehmer verpflichtet sind, sich bei der Reichsverkehrsgruppe als Mitglieder zu melden. Auf die Strafbestimmungen dieser Verordnung wurde besonders hingewiesen. Die Pflichterfüllung gegenüber Staat, Volk und Gefolgschaft steht im Vordergrund der berufsständischen Arbeit. Die Ausführungen fanden allgemeinen Beifall. Der neuernannte Fachgrupvenleiter für den motorisierten Güternahverkehr, Ibing, ermahnte die Mitglieder zur aktiven Mitarbeit und wies besonders darauf hin, daß mit den Organisationen der NSDAP. Hand in Hand gearbeitet werden muß. Zum Schluß wurden aus der Versammlung einige Fragen von allgemeinem Interesse gestellt, die vom Geschäftsführer, Diplom=Kaufmann Pantring, aufklärend und belehrend beantwortet wurden. Die Ruhr steigt! Die ständigen Niederschläge der letzten Tage haben den Wasserstand der Ruhr schon wieder erheblich anschwellen lassen. Am Städtischen Turbinenwerk in Bochum=Stiepel war der Stand am Montag abend bereits 1,50 Meter über dem Pegel und der Strom war zwischen Herbede und Sundern schon in großen Teilen über die Ufer getreten. Das Wasser ist in weiterem langsamen Ansteigen begriffen. Auch weiter ruhrabwärts in der Essener Gegend ist die Ruhr schon 1,50 Meter höher als gewöhnlich. Bei Steele sind bereits die am Ufer gelegenen Sportplätze leicht überflutet. Kampf dem Lärm! Wichtig für alle Fahrzeugführer! Der Polizeipräsident in Bochum teilt mit: Die Zahl der schweren Verkehrsunfälle im Polizeipräsidialbezirk Bochum hat in den letzten Monaten wieder erheblich zugenommen. Die Ursachen dieser Unfälle sind in der Hauptsache auf zu schnelles und rücksichtsloses Fahren zurückzuführen. Eine formale Geschwindigkeitsbeschränkung gibt es nach der Reichs=Straßenverkehrsordnung nicht mehr. Dafür ist aber in der Ausführungsanweisung zum§ 25 gesagt: „Die Geschwindigkeit ist so einzurichten, daß nötigenfalls rechtzeitig angehalten werden kann.“ Diese Bestimmung wird in der gröbsten Weise mißachtet. Ohne Rücksicht auf die Straßen= und Verkehrsverhältnisse wird das Einhalten höchster Geschwindigkeiten unter Zuhilfenahme der Signalinstrumente erzwungen. Der Mißbrauch der Signalinstrumente bringt Unsicherheit und Gefahren in den Verkehr und ist damit die Quelle vieler Verkehrsunfälle. Diese Auswüchse können im Interesse der Sicherheit und Leichtigkeit des gesamten Verkehrs nicht mehr geduldet werden, zumal es praktisch schon in einer ganzen Anzahl großer deutscher Städte erprobt ist, daß bei größter Einschrankung der Signalabgabe eine bedeutend leichtere und sichere Abwicklung des gesamten Verkehrs erzielt wird. Ich sehe mich daher gezwungen, gegen diese Unsitte in Zukunft mit besonders scharfen Maßnahmen vorzugehen. Auf die Einhaltung der nachstehend aufgeführten Bestimmungen weise ich ganz besonders hin. a) An Stellen, an denen der Verkehr durch Polizeibeamte oder Signale geregelt wird, ist das Abgeben von Warnungszeichen unstatthaft. b) Das Abgeben langgezogener Signale und die Verwendung übermäßig lauter Signalinstrumente innerhalb der Stadt ist verboten. e) An übersichtlichen Straßenkreuzungen pp. ist die Abgabe von Warnungssignalen auf Ausnahmefälle zu beschränken. Allgemein dürfen nur kurze Signale mit den vorschriftsmäßigen Instrumenten gegeben werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß den Gefahren in erster Linie durch Herabmindegung, der„Geschwindigkeit vorzubeugen ist. In allen Fällen, in denen dies nicht gleichzeitig mit dem Signalgeben geschieht bzw. bereits geschehen ist, liegt eine mißbräuchliche Benutzung des Signalinstruments vor, die rücksichtslos bestraft wird. Weiter muß von jedem Fahrzeugführer versucht werden, die Abgabe von Warnungssignalen in der Nachtzeit, von 22 bis 6 Uhr, möglichst völlig zu unterlassen. Gegen die langsamen übrigen Verkehrsteilnehmer(Fußgänger, Fuhrwerkslenker usw.), deren Verhalten vielfach die Ursache des übermäßig vielen Signalgebens ist, wird bereits seit längerer Zeit vorgegangen. Wer hat etwas gesehen? Unglaublicher Vorfall in Bochum=Linden Am 30. November, in den Abendstunden, erschien eine vollständig unbekleidete männliche Person vor dem katholischen Krankenhaus in Bochum=Linden. Diese Person klopfte an die Fensterscheiben eines Zimmers, worin sich die Krankenschwestern befanden. Er zeigte sich den Schwestern in ärgerniserregender Weise. Als die Schwestern Lärm schlugen, ergriff die Person die Flucht. Kurze Zeit später erschien derselbe Mann am Vit atten=Glraßen=der=Glauz drr derzen??? Aufnahmen: B..-Muthherr(), Suberg(0) Bochumer Stadttheater und das Hauptverwaltungsgebäude der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahnen im weihnachtlichen Schmuck Seite 4 Nr. 283 Bochumer Anzeiger, Dienstag, 3. Dezember 1933 Eingang des evangelischen Krankenhauses. Auch hier zeigte er sich vollständig nackt und lief fort, als die Schwestern Hilfe herbeirufen wollten. Wer kann Angaben über die Persönlichkeit des Schamverletzers— es kann sich auch um eine geistesgestörte Person handeln— machen? Angaben, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, werden vom 5. Kriminalkommissariat, Nebenstelle Bochum=Linden=Dahlhausen, und von allen Kriminal= und Polizeidienststellen entgegengenommen. Bis 15. Dezember beantragen Entschädigung für ausscheidende Kraftdroschken= unternehmer! Der Polizeipräsident in Bochum teilt mit: Den zum 1. Oktober 1935 auf Grund eines bis zum 81. August 1985 eingereichten Antrages freiwillig ausgeschiedenen Droschkenhaltern wird noch ein weiterer Betrag von 1000 RM. gewährt. Auch den wegen mangelnden Verkehrsbedürfnisses ausgeschiedenen Unternehmern wird der volle gesetzliche Betrag und bei Abgabe der Erklärung, daß sie freiwillig ausscheiden wollen, der obengenannte weitere Betrag gezahlt. Ferner können die Unternehmer, denen mangels Bedürfnisses die Genehmigung für einen Teil der bis zum 30. September 1935 in Betrieb gewesenen Kraftdroschken versagt worden ist, für jede außer Betrieb gesetzte Kraftdroschke eine Entschädigung erhalten. Das gleiche gilt für Unternehmer, denen die Genehmigung für Kraftdroschkenverkehr deshalb versagt worden ist, weil sie die gewerbsmäßige Beförderung von Personen mit Kraftfahrzeugen im Linienverkehr, Ueberlandwagenverkehr, Ausflugswagenverkehr oder Mietwagenverkehr betreiben. In den beiden letzten Fällen wird jedoch nur eine Entschädigung in Höhe der geringeren Sätze des § 6 Absatz 8 der Verordnung vom 2. August 1935 (Reichsgesetzblatt 1 S. 1062) gewährt. Sämtliche Anträge sind bis zum 15. Dezember 1935 nach Vordruck, welcher durch die Fachschaft des Reichsverbandes des Kraftfahrgewerbes(Personenwagenverkehr) zu beziehen ist, bei den zuständigen Polizeibehörden einzureichen. Ein Jahr drei Monate Gefängnis, drei Jahre Ehrverlust Das Spiel innn Wahrheil und Ehie Ende des Tangendreerer Meineidsprozesses st Am Montag in später Abendstunde ging der Meineidsprozeß gegen die 61jährige Angeklagte Anna Bottermann aus Bochum=Langendreer zu Ende. Was die Beweisaufnahme zuletzt noch brachte, bezog sich auf den Leumund des Hauptbelastungszeugen, den ja der öffentliche Ankläger schon in der vorigen Sitzung freiwillig fallen gelassen hatte. Ein Komplott unter den drei Schwurzeugen konnte nicht festgestellt werden. Ein Dortmunder Kriminalrat bezeichnete als Kenner des Vorlebens den Hauptbelastungszeugen als übel beleumundet und als unglaubwürdig. Nichtsdestoweniger blieben vor den Augen des Gerichts die Aussagen der beiden anderen Männer bestehen. Man kann sich daher heute darauf beschränken, aus der längeren und tiefgreifenden, für die Angeklagte niederschmetternden Schlußrede des Staatsanwalts die Hauptpunkte herauszugreifen. Der Ankläger bezeichnete den Fall als einen Prozeß der Außergewöhnlichkeiten wegen der Person, der Umstände und der Tat. Die Anzeige wegen Verleumdung gegen die beiden in erster Instanz verurteilten Frauen Gr. und Kr. sollte die Angeklagte Bottermann von Vorwürfen reinigen, die sie als Frau und Erzieherin bloßstellten. Und sie schwur falsch, ohne Rücksicht darauf, daß durch ihre Aussage zwei Unschuldige ins Gefängnis kommen sollten. Zum Glück sei in zweiter Instanz dann die Wendung erfolgt. Jetzt stehe die Angeklagte wegen eines falschen Eides vor den Geschworenen, einer der schwersten Fälle wegen seiner Ursache und wegen seiner Folgen. Die Angeklagte hätte unter solchen Umständen besser getan, die Anzeige gegen die beiden Frauen zu unterlassen und sich wegen ihrer Krankheit in den Ruhestand zurückzuziehen, wie sie es nach dem Strafkammerurteil tat. Das ganze Unheil wäre dann vermieden worden. Sie aber wollte auf dem Rücken der anderen die schuldlose und angesehene Person bleiben, die sie in ihrem Amte und in ihrem Alter eigentlich auch darstellen sollte. Der Ankläger ging auf allerhand Einzelheiten ein, die der Prozeß erbracht hatte, und nannte die Vorgänge in ihrer Wohnung Orgien, die einer Frau ihres Amtes und ihrer Person unwürdig gewesen seien. Es kämen nicht alle Meineide zur Kenntnis der Gerichte, komme aber ein solcher schwerer Fall wie hier zur Aburteilung, so müsse mit Härte gerichtet werden, schon aus dem Gesichtspunkte der notwendigen Abschreckung. Härte bedeute in diesem Falle die höchste Gerechtigkeit. Er beantragte als Einsatzstrafe sechs Jahre Zuchthaus und wegen der ungewöhnlich ehrlosen Gesinnung zehn Jahre Ehrverlust. Da die Angeklagte bei Bekenntnis der Wahrheit sich aber selbst hätte belasten müssen, so sei aus den gesetzlichen Milderungsgründen auf die Hälfte— nämlich auf drei Jahre Zuchthaus zu erkennen. Wegen der Höhe der Strafe bestehe Fluchtverdacht. Es müsse also die sofortige Haft gegen die Angeklagte ausgesprochen werden. Die Verteidigung ging auf die Belastungszeugen und die ganze ungewöhnliche Vorgeschichte dieses traurigen Prozesses ein, der das Leben der Angeklagten völlig zerstört. Es konnten dabei manche Ohren klingen. Was an Klatsch und Tratsch geleistet worden sei, um nachher in Uebertreibungen weiter verwertet zu werden, hätten die beiden Vorverfahren vor dem Schöffengericht und der Strafkammer zur Genüge gezeigt. Heute sei ein Vorgehen der Frau Gr. auch nicht mehr wie damals möglich. Und aus ganz abseitigen Gründen sei ein furchtbares Unheil aus Haß und Abneigung heraufbeschworen worden. Die Angeklagte stand in Langendreer damals gar nicht im Ortsgespräch. Der angebliche Vorfall, den man erst in zweiter Instanz ausgrub, lag schon 12 Jahre zurück. Sollen die Aussagen des Rektors und des Schulrats gar nichts bedeuten? Man habe es hier mit einem Prozeß der Klatschereien und Uebertreibungen zu tun. Es sei alles durch das Vergrößerungsglas angesehen worden. Gelage hätten nicht stattgefunden, diese Frage konnte die Angeklagte mit Recht verneinen. Wann übrigens werde aus einer Gasterei schon ein Gelage? Genau so sei es auch mit den erotischen Dingen, die nicht aufgeklärt worden seien. Eine Frau wie die Angeklagte hätte ihre Aufgaben als Frau und Mutter besser erfüllen können als im Amte. Daß ihr das Geschick den falschen Weg wies. war nicht ihre Schuld. Hier sei mit menschlichem Maß zu messen. Es liege höchstens eine fahrlässige Verletzung des Eides vor, niemals aber bewußter Falscheld.„55m Gegen diese Rechtsanschauung naym der Staatsanwalt in kurzen Ausführungen Stellung. Dann zog sich in der neunten Abendstunde das Gericht zur Beratung zurück. Arteil wurde in vorgerückter Abendstunde wie folgt verkündet: Die Angeklagte wird wegen Meineides zu einem Jahre und drei Monaten Gefängnis sowie zu drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Antrag auf Erlaß eines Haftbefehls wird abgelehnt. * Die Begründung des Urteils legt dar, daß die Angeklagte sich einer falschen Aussage nicht bewußt war. soweit es sich um ihre Versetzung von Wanne=Eickel nach Langendreer handelt. Diese im Interesse des Dienstes erfolgte, mit einem Verweis verbundene Maßnahme ihrer vorgesetzten Behörde sei eine„Strafversetzung“ im Sinne des Gesetzes nicht gewesen. Dagegen liege in den anderen Punkten, die ihre Frauen= und Dienstehre betrafen, eine Eidesverletzung vor. Die Begründung dieser Ansicht legte der Vorsitzende dar unter Würdigung der durch die Beweisaufnahme festgestellten Tatsachen. Das Urteil tritt in dieser Richtung dem Standpunkte der Staatsanwaltschaft vollkommen bei und folgte den Aussagen des Hauptbelastungszeugen nur, insoweit seine Angaben durch die andern beiden Belastungszeugen unterstützt worden seien Demnach hätten Trinkgelage und sonstige Ausschreitungen als erwiesen betrachtet werden müssen. Zu Gunsten der Angeklagten wurde berücksichtigt, daß sie bei ihrem Strafantrage gegen die Frauen Gr. und Kr. unter dem Drucke der vorgesetzten Behörde stand, und daß sie sich selbst hätte strafrechtlich belasten müssen, wenn sie die volle Wahrheit eingestanden hätte. Von einer Fahrlässigkeit könne man hier nicht reden, denn diese Vorfälle hätten nicht aus ihrem Gedächtnisse entschwunden sein können. Der Verlust ihrer Ehre sei schon die härteste Strafe, die sie treffen konnte, nachdem in solcher Weise in der Vergangenheit herumgewühlt wurde und Dinge ans Tageslicht gezogen wurden, die jetzt schon zwölf Jahre zurücklagen. Unter all diesen Umständen sei eine Einsatzstrafe von zwei Jahren Zuchthaus festgesetzt worden, die nach den Strafmilderungsbestimmungen auf zehn Monate Zuchthaus zurückgeführt wurden diese Strafe sei in ein Jahr und drei Monate Gefängnis umgewandelt worden. Da jedoch durch ihre Schuld zwei Frauen in die Gefahr gebracht wurden, unschuldig ins Gefängnis gesteckt zu werden unter dem Makel der wissentlich falschen Anschuldigung, habe auch auf Ehrverlust gegen die Angeklagte erkannt werden müssen. Wegen des Alters und des leidenden Zustandes der Angeklagten sei jedoch von einer sofortigen Verhaftung Abstand genommen worden. Kälte und— Schnee? Der am Samstag bei Island liegende Wirbel in weise zum Aufbruch der vorher meist geschlossenen Wolkendecke führte. Mit der eindringenden Kaltluft nahmen auch die Temperaturen ab. In dem in den nächsten Tagen noch anhaltenden Kaltluftstrom wird es in unserm Gebiet zu Nachtfrost kommen. Aussichten für Dienstag: Frische böige, zeitweise sturmische Winde aus West bis Nordwest, wechselnd bewölkt, mit Schnee= und Regenschauern, Temperaturen absinkend bis zum Gefrierpunkt. Nachtfrost.— Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Anhaltende Niederschlage, etwas wärmer. Montag, 2. Dezember Barometer24 Uhr: 458 Thermometer 2 Uhri 4 8 Zeiten für Sonne und Mond am 3. Dezember: S Aufg.19, Unterg. 16.19; 3 Aufg. 12.48, Unterg..58 Wetternotizen, gemessen um 8 Uhr vormittags (Weitere Lokalnachrichten auf den Seiten 7 und 14.) Stadttheater: 20 Uhr: Julius Cäsar. Hammer Lichtspiele: ab 15.15 Uhr: Kreuzweg einer Liebe Lichtburg: ab 15 Uhr: Der Außenseiter. Lichtspielhaus: ab 15.10 Uhr: Die blonde Carmen. Odeon: ab 16.30 Uhr: Liselotte von der Pfalz. Skala=Lichtspiele: ab 17 Uhr: Liselotte von der Pfalz. Tonhalle: ab 15.30 Uhr: Mazurka. Weltlichtspiele: ab 15.15 Uhr: Lockspitzel Asew. Apollotheater: ab 15 Uhr: Eva. Capitol: ab 15 Uhr: Künstlerliebe.. Gloria=Palast: ab 15.30 Uhr: Prinzessin Turandot. Gaststätte Monopol. eusgiebig und zahnpflegend, nachhaltig ertrischend 11) „Vater erlaubt es sicher!“ Viktorias Augen leuchteten auf.„Ich habe doch mit fünfzehn Jahren schon meinen ersten Rehbock geschossen.“ „Hab ich ja mit eigenen Augen gesehen“, lächelte Dr. Brandt.„Fahren wir nun?“ Ja, wir fahren!“,, gen Stzuten Hi. 6. Er sah sie zwischen den beiden Stuten, die sie nur an den Mähnen hielt, vor sich herschreiten, und seufzte leise:„So ein Kind...“ dann schirrten sie gemeinsam die Pferde an und fuhren dem Claudiusschen Hause zu. Dr. Claudius saß lesend am Schreibtisch. Bei des Bürgermeisters Eintritt nahm er lächelnd die Brille ab und bot ihm die Hand.„Wo ist Viktoria?“ „Augenblicklich ist sie im Stall. Außerdem aber behauptet sie, noch einmal in die Küche zu müssen.“ „Nun, sie wird schon kommen. Herrliches Wetter, was?“ „Jagdwetter“, nickte Dr. Brandt, sich tiefer in den Klubsessel zurücklehnend.„Bemerken Sie nichts Besonderes an mirk....., und Gest u..3 Dr. Claudius überflog Gesicht und Gestalt des Bürgermeisters mit prüfendem Blick. „Hab ich nicht etwas Geknicktes, Weitschmerzliches an mirk.. „Gott bewahre“, topfschutrelte Dr. Claudius lachend. „Sie sehen genau so aufgeräumt und unzerknickbar wie immer aus!“„„, g 6l.5t mi. „Unzerknickbar!... Das freut mich! Man stehr mir also nicht an, daß ich eben einen Waschkorb bekommen habe und eine Kaltwasserkur gratis dazu?" „Das müssen Sie mir schon deutlicher ertlaren“, lächelte Dr. Claudius.„So verstehe ich nämlich kein Wort!" „Einen Augenblick! Sofort!... Als ich mich heute mit einer gewissen jungen Dame am Mühlenberg traf, um von ihren zarten Händen hierher gefahren zu werden, kam das Gespräch so auf den täglichen Aerger, den ich zu schlucken habe. Dabei stellte sich dann heraus, daß die bewußte junge Dame mich in menschenfreundlicher Absicht mit Fräulein Timmermann zu verheiraten gedachte.„ 4 Auf meine Gegenweyr oin nannte sie es schade, daß ich nicht wollte, worauf ich ihr klarmachte, daß ich sofort wollen würde, falls es sich nämlich um sie selbst handelte; und daß sie nur ja zu sagen brauche, um Bürgermeisterin zu werden..,..sca.# v. k. Daraufhin bekam ich oann den Bescheio, daß sie bei ihrem Vater bleiben wolle, daß ich sie doch auch ohne Heirat hätte, und auf einen letzten schüchternen Versuch meinerseits erklärte sie, mir mütterlich die Hand streichelnd, wenn wir alle Tage zusammen wären, würden wir uns sicher ebenso oft zanken wie Konrad und Friedrich, die das auch nur täten, weil sie zuviel aufeinander angewiesen seien.... 81 Sie werden verstehen, daß es mich angesichts dieser niederschmetternden Begebnisse auf dem Mühlenberg stolz macht, keine äußerlichen Zeichen von Weltschmerz oder Geknicktheit aufgewiesen zu haben.“ „Doktor!“ rief Dr. Claudius, das Lachen mühsam aus seinem Gesicht verbannend.„Sie haben ihr doch nicht im Ernst einen Antrag gemacht?“ Der Bürgermeister sah ihm ruhig in die Augen: „Ganz im Ernst!... Ich habe Ihnen doch schon vor Jahren gesagt, wie ich Viktoria bewundere. „Das tut mir leid“, sagte Dr. Claudius vor sich hin.„Ihnen hätte ich sie gern gegeben... Sie wäre in sicheren Händen gewesen...“ „Danke“, nickte Dr. Brandt ihm zu.„Aber Viktoria ist keine jener Frauen, die dazu bestimmt sind, in sichere Hände zu kommen. Das habe ich immer gewußt, und die Tatsache, daß ich es einige Minuten lang vergessen hatte, hat mir den Waschkorb und die Kaltwasserkur eingerragen.. Si, henn mass Be hestimmt ist9“ „Was meinen Sie venn, wozu sie bestimmt ist?“ „Zu großem Glück oder großem Leid... Jedenfalls aber zu einer Liebe, die weit über dem gewöhnlichen Maß steht!“.. wissange.:„ Klau„Woher wollen Sie oas wissen: fragte Dr. Claudius unruhig.„Sie können doch nicht aus ihrer sönlichkeit Schlüsse auf ihr Schicksal ziehen...“ „In diesem Falle doch!“ behauptete der Bürgermeister fest.„Für Viktoria gibt es nur die zwei Möglichkeiten, die ich Ihnen genannt habe, denn sie ist stark im Fühlen und einfach und groß im Denken und Handeln. Sie selbst, Herr Doktor, haben ihr die Waffe der Lüge genommen, die es einer Frau ermöglicht, sich vor ungeeigneten Partnern zu verbergen. Wer in Viktorias Auge sieht, kennt ihr Herz. Wer mit ihr spricht, kann jeden ihrer Gedanken mühelos erraten. Viktoria ist wehrlos. Wenn sie nicht das Glück hat, einem vollwertigen Charakter zu begegnen, der sie schützt, wird sie von einem jener Schwächtinge, die sich an gute und starke Frauen hängen, ausgenutzt werden.“ Dr. Claudius erhob sich und begann im Zimmer auf und ab zu gehen.„Das ist ja eine wenig erfreuliche Prognose!... Aber zum Glück glaube ich nicht daran... Sie wollen also damit sagen, daß es nicht richtig von mir gewesen ist, das Kind zur absoluten Wahrheit zu erziehen. Ich hätte ihr die Waffe der Lüge genommen?... Ich bitte Sie, das ist doch unlogisch: Wie kann eine Eigenschaft der Schwäche zur Waffe werden?.. „Man merkt, daß Sie jahrzehntelang allein gelebt haben“, sagte der Bürgermeister sinnend.„Die Logik verhält sich zu unserem Menschenleben genau so wie die Theorie zur Praxis. Von ferne und auf dem Papier haben beide recht. Wirft man sie aber in den großen Kessel des Lebens, dann ist alles gerade umgekehrt, wie sie uns lehren... Besinnen Sie sich noch darauf, wie Sie mir vor Jahren Ihr Erziehungsprogramm entwickelten?... Wir gingen über die Felder, und plötzlich blieb ich stehen, um meinen Hut mit beiden Händen festzuhalten... Sie dachten, der Wind habe ihn mir entführen wollen. Aber heute will ich Ihnen gestehen, daß mir vor Angst und Schreck die Haare hochgegangen waren!... Denn Ihr Experiment war, wie jedes, das am lebenden Objekt ausgeführt wird, außerordentlich gefährlich!... Es ist ein Wunder, daß Viktoria nicht heimlich geworden ist. Bei einem anders gearteten Kinde wäre es bestimmt schief gegangen... Aus mir zum Beispiel wäre sicher ein ganz abgefeimtes Individuum geworden, denn ich hätte Tag und Nacht gesonnen, wie ich Sie am besten betrügen konnte. Da Sie ja nun einmal die Macht hatten, blieb ja nichts anderes als Betrug!... Ich hätte das dann später eben auf die juristische Notwehrformel gebracht!... Nehmen Sie es mir also bitte nicht übel, wenn ich Ihnen heute sage: Viktoria, so wie sie ist, und wie ich sie lieben gelernt habe, ist nicht das Ergebnis Ihrer Erziehung. Sie ist eins jener wunderbar gelungenen Werke der Schöpfung, denen man die Wahl ihrer Waffen gegen weniger gelungene Exemplare getrost überlassen kann. Sie gehen doch am liebsten den geraden Weg; und darauf, was der Mensch am liebsten tut, kommt es an!.... 8. Kurxist fnde rächeft. „Man merkt, daß Sie Jurist sino“, lachelte Dr. Claudius.„Aber es ist nicht hübsch von Ihnen, mir so jede Mitwirkung an dem, was ich für mein Lebenswerk halte, abzusprechen.. 4ug; mit Mörh: trasen„Philosophen sollten so erwas mit Wurde tragen“, lächelte Dr. Brandt.„Und weil ich weder ein Philosoph noch ein Jurist mehr bin, sondern einzig ein simpler Kleinstadtbürgermeister, werde ich mich heute abend auf Kosten des liebenswürdigen Mannes, der fast mein Schwiegervater geworden wäre, mordsmäßig betrinken, um meinen Kummer zu vergessen.“ „Tun Sie das“, nickte Dr. Claudius lachend.„Ich habe noch einen Rheinwein im Keller, der dieser Absicht auf angenehmste Weise entgegenkommt.“ 9. Vom Westen her kam der Abend über das Land geschritten. Leise murmelte der Wind vor ihm her. Wolken waren am Himmel. Erst viele kleine Lämmerwölkchen, die die scheidende Sonne mit rosigen Säumen randete. Dann wurden die Wölkchen grau, flüchteten zueinander, ballten sich zu mächtigen Gebirgen und weigerten dem langsam aufziehenden bleichen Mond den Blick auf die Erde. Auch als die Nacht begann, kämpfte der Mond noch vergeblich mit den Wolkengebirgen. Wohl verschob der Wind ihre Formen, aber er trieb sie nicht auseinander. Drei Gestalten schritten still durch die Stadt. Die waren in das graue, unscheinbare Grün gekleidet, das der echte Jäger trägt. Auf ihrem Rücken trugen sie die Gewehre. Der rechte Daumen lag etwas unter Schlüsselbeinhöhe zwischen Gewehrriemen und Brust, um den Druck der Last zu mindern. „Wunderbares Wetter!" begann Dr. Claudius. „Aber vorläufig viel zu dunkel.. „Ja, wir werden eine ganze Weile sitzen müssen, ehe es sich lichtet“, gab Dr. Brandt zurück.„Trotzdem wird es lohnen! Der Wind könnte gar nicht günstiger sein, und das ist doch nun mal bei der feinen Witterung von Schwarzwild die Hauptsache... Sind Sie warm angezogen, Viktoria?“ „Sehr!" beteuerte sie.„Konrad hat mich so in Wolle gewickelt, daß meine Joppe kaum zuging.“ „Na, das ist gut!" lobte der Bürgermeister.„Es ist nämlich auf die Dauer verflucht kalt da oben... Und noch etwas: schießen Sie nicht zu früh!“ „Wenn ich nicht sicher bin, zu treffen, schieße ich nicht“ versicherte Biktoria. 4 2421,., fachend „Ein großes Wort!“ Dr. Brandt niate ihr tacheno zu.„Aber Ihnen glaube ich es!“ „Ich habe sie ja schon ein paarmal auf Schwarz= wild mitgenommen“, mischte sich Dr.. Claudius ein. „Wenn sie auch bis jetzt noch nicht schießen durfte, was dabei zu beachten ist, weiß sie schon.“ „Ich habe gute Jäger im Jagdeifer allen Regeln ins Gesicht schlagen sehen", lachte Dr. Brandt.„Hoffen wir, daß sie ruhig bleibt!" „Ganz ruhig bin ich“, sicherte Viktoria zu.„Ob wir Julius zu Gesicht bekommen?“ „Oberförster Klampe hat ihn wieder mal gesichtet.“ „Nun, und?“ fragte Dr. Claudius. „Ich bitte Sie!" Der Bürgermeister winkte ab.„Bis der mit seinem Rübezahlbart und seinem Gewehr zurechtgekommen ist, war der Keiler längst über alle Berge.. Viktoria lachte. „Warum fragen Sie übrigens danach?“ erkundigte sich Dr. Brandt.„Haben Sie etwa die Absicht, ihn zur Strecke zu bringen?" „Wenn ich ihn kriege...“ lächelte sie. „Hört doch nun mit dem Gequassel auf“, mahnte Dr. Claudius. Viktoria und Dr. Brandt verstummten. Es war richtig! Von nun an durfte nicht mehr gesprochen werden... Die folgende halbe Stunde verging in schweigsamem Schreiten durch den stillen Wald. Sie achteten darauf, möglichst geräuschlos zu gehen. Dann endlich erklomm jeder den für ihn bestimmten starken Baum, in dessen Zweigen der Hochsitz verborgen war. Auf ein wortloses Zeichen Dr. Brandts bestieg Viktoria den mittelsten der drei erwählten Bäume, setzte sie zurecht und legte das gesicherte Gewehr über ihre Knie. Sie hörte die beiden Männer nicht, wußte nicht, wann sie ihre Plätze eingenommen hatten. Es war still... ganz still. Nur das Rauschen der Zweige, hin und wieder ein Knistern oder der Schrei eines Nachtvogels belebten die Dunkelheit. Zu sehen war nichts. Ringsherum war alles schwarz. Erst nach langer Zeit schien es Viktoria, daß die Nacht durchsichtiger würde. Schwache Umrisse von Bäumen, ein paar Büsche wurden erkennbar. Fünf Meter vor ihr begann eine kahle schwarze Fläche, die sich lang und breit ausdehnte. Das mußte das Kartoffelfeld sein... Ob die Entfernung wirklich nur fünf Meter betrug? ... Die Dunkelheit täuscht leicht, und das genaue Abschätzen der Distanz ist eins der wichtigsten Erfordernisse der Jagd... Zwecklos, das jetzt feststellen zu wollen... Viktoria lehnte sich gegen einen der starken Aeste und lenkte den Blick in den dunklen Himmel. Starker Oberwind jagte die Wolken. In unendlicher Folge rasten sie heran und zogen pfeilschnell vorüber. Mußten sie nicht bald zu Ende sein oder zerreißen? Nein, immer neue drängten nach. Es würde noch lange dauern... Viktorias Gedanken wandten sich wieder jenem sagenhaft großen Keiler zu, dem man den Spitznamen Julius angehängt hatte. Sie schloß die Augen und stellte sich vor, daß er dicht an ihrem Sitz vorbeizöge. Ahnungslos... langsam... jetzt hatte sie ihn richtig in der Schußlinie. Ruhig, ruhig.. jetzt das Gewehr. Gut zielen. Ruhig, ruhig, er rührt sich ja nicht. Los! ... Sie griff, jäh die Augen aufreißend, in den über ihr hängenden Zweig. Gut, daß der Vater nicht neben ihr saß. Da war sie doch richtig auf dem Hochsitz eingeschlafen... Und inzwischen war der Mond durchgekommen. Viktoria rieb sich die Augen... Die Wolkenwand war zerrissen. Oder hatte sich der Mond über sie hinausgeschoben?... Unter ihm zogen sie dahin. Aber keine mehr konnte an ihn heran. Sie saß und staunte, sah es immer heller werden, sah die langen Schatten der Bäume, jedes einzelne Blatt des unter ihr befindlichen Gebüsches, dessen Laub wie Silber schimmerte. (Fortsetzung folgt.) MTNTA KANTA „FRU Natemoun- und Takteten-Randeisges. m. u.., Werkstälten: Kronenstr. 63— Husstellung: Hortumstr. 8 Diese Preise treten am 5. Dezember 1935 in Kraft. Hie sind endgültig und nicht Winterpreise. Alle Dreise ab Werk Ee Aes Gilts altu Der volkstümliche deutsche Wagen Scherl-Bilderdienst der zweiten Reihe hinter in, Zielinski, Gramlich, Janes, Jakob, Szepan und Zielinski Hohmann, darüber Reichstrainer Nerz Glücklich gelandet Der Reichssportführer und die deutsche Fußballmannschaft in London eingetroffen dnb London, 2. Dezember. Auf dem Flugplatz Croydon trafen am Montag vormittag, von Paris kommend, im Olympia=Flugzeug der Reichssportführer von Tschammer und Osten, der Präsident des Deutschen Olympia=Ausschusses, Dr. Lewald, der Generalsekretär des Internationalen Olympischen Ausschusses, Dr. Diem, sowie mehrere Begleiter ein. Zu ihrer Begrüßung hatten sich von deutscher Seite der deutsche Botschafter von Hoesch, der Landesgruppenleiter der NSDAP. für Großbritannien und Irland, Bene, und eine Reihe von Mitgliedern der deutschen Kolonie, von englischer Seite u. a. der frühere Sekretär der Football Association, Sir Frederic Wall, eingefunden. Der Reichssportführer, der am Mittwoch dem Fußball=Länderkampf Deutschland— England beiwohnen wird, erklärte einem Vertreter des DNB. gegenüber, daß er die Gelegenheit seines Aufenthaltes in London benutzen werde, um mit den führenden Persönlichkeiten des englischen Olympischen Ausschusses die Olymvia=Vorbereitungen zu besprechen. Kurz nach dem Olympia=Flugzeug traf auch die Junkersmaschine mit der deutschen Fußballmannschaft und ihren Begleitern ein. Neue Abfuhr für den englischen Gewerkschaftsrat durch den Innenminister dnb London, 2. Dezember. Auch die persönliche Vorsprache einer Abordnung des englischen Gewerkschaftsrates beim Innenminister Sir John Simon hat an dem Beschluß über den Fußball=Länderkampf zwischen Deutschland und England nichts ändern können. Wie verlautet, wiederholte Sir John Simon den bekannten Standpunkt der englischen Regierung, daß dem Spiel keine politische Bedeutung zukomme. Entgegen den Behauptungen der Abordnung wies der Innenminister, wie Preß Association mitteilt, darauf hin, daß zu keiner Zeit ein Umzug der aus Deutschland kommenden Zuschauer durch die Straßen Londons geplant gewesen sei. Die Polizei werde alle notwendigen Vorkehrungen treffen, um öffentliche Kundgebungen und Unruhen in Verbindung mit dem Spiel zu verhindern. Die Wertbeständigkeit der fortschrittlichen öfw= Front-Bauweise, die Wertarbeit deutscher konstrukteure und Werkleute- jetzt zu gesenkten Preisen! Das sind die unveränderten okw-werte die jeden OKD-Front-Wagen auf Jahre hinaus „jung erhalten“ und die in dieser niedrigen Preisklasse zu verwirklichen DKw gelungen ist: Uhw-Jweitahtmotor(ventillos) ein Vorbild der Sparsamkeit, keistung und Jwechmäßigkeit. Erstaunliche Geräumigheit ein vollwertiger Viersigzer. Ungehinderter Auestieg nach rechts, auch vom Führersitz aus. 6 Ofw- Frontantrieb, das Ideal für den kleinen Wagen. Sihraum zwischen den Achsen im betosteherten Noumn. Ukw=Schwebeachse: Unerreichte Straßen- und Kurvenlage. 6 Großer bepächraum- organisch mit der harosserie verbunden. Einsachste Bedienung und Wartung, also höchste Juverlässigkeit und Lebensdauer. 9 ∆ 1zu zwechmößigster Einfachheit gereiste konstruhtion z..: Jentralträger, Einzeiradlenkung, Triebwerkbloch. Größte Fahrleislung und Fahrsicherheit bei unerreichter Wietschaftlichkeit. 10 s e l b s t t r a g e n d e s o r m v o l l e n d e t e D harofferie. Dus fke die neuen öRw-front-Preise: Tacten und Seite 5 Nr. 283 Bochumer Anzeiger„ Dienstag, 3. Dezember 1933. Der Lallprung kaell Lenden Aus dem. Bodlaher-Surwimerlager Heute abend Werbeveranstaltung der Bochumer Schwimmerinnen Der Bochumer Damen=Schwimm=Verein 1911 veranstaltet heute abend innerhalb seiner Uebungsstunde ein Werbe=Schwimmfest, bei dem allen Schwimminteressenten ein Einblick in den Uebungsbetrieb eines Schwimmvereins vermittelt wird. Es werden alle Unterrichts= und Trainingsmethoden vom Anfänger bis zum ausgereiften Sportschwimmer gezeigt, so daß jeder Gelegenheit hat, sein schwimmerisches Können zu vervollkommnen. Neben einem Klubkampf gegen Germania Dortmund, wohl der stärkste Damen=Schwimmverein des Gaues Westfalen, wird das Programm durch lustige Einlagen und volkstümliches Schwimmen ausgefüllt. Der Klubkampf wird deshalb größtes Interesse auslösen, weil es kürzlich den Bochumern in Erkenschwick gelang, den Dortmundern in der 6X50=Meter=Bruststaffel eine Niederlage beizubringen. Sie werden daher alles aufbieten, um sich zu revanchieren. Das Wettkampfprogramm umfaßt folgende Staffeln: Jugend: 38100 Meter Lagen, 6X50 Meter Kraul, 8X200 Meter Brust, 10850 Meter Mädchen=Brust, 6850 Meter Lagen, 6X50 Meter Brust. Außerdem bestreitet die 1. Bochumer Damen=Mannschaft eine 6850=Meter=Bruststaffel, die allerdings nicht zum Klubkampf zählt. Weitere Ausgestaltung erhält das Programm durch Kunstspringen und Kunstschwimmen. Bochums Schwimmer siegreich Die Bochumer Schwimmer trugen Sonntag in Dortmund gegen den S. Cl.„Neptun“ einen fälligen Retourkampf aus. Als dritten Teilnehmer hatte der Verda anstalter den SV. Witten 09 eingeladen. Die Bochumer konnten mit 36 Punkten vor Dortmund mit 28 Punkten und Witten mit 18 Punklen den Kampf überlegen geErgebnisse(Bahnlänge 25 Meter): Herrenbruststaffel 10 mal 50 Meter: 1. Blau=Weiß=Sparta Bochum:34,5; 2. Neptun Dortmund:44,6; 3. Witten 09:94,8.— Herrenlagenstaffel 50, 100, 50, 50, 100, 50 Meter: 1. Neptun Dortmund:,12; 2. Blau=Weiß, Spartg. Bochugg :14,9; 3. Witten 09:40,3.— Herrenrrautstaffer 10 mal 50 Meter: 1. Blau=Weiß=Sparta Bochum:29,9; 2. Neptun Dortmund:41,2; 3. Witten 09:09,1.— Herrenbruststaffel 4 mal 100 Meter: 1. Blau=WeißSparta Bochum:49,3; 2. Neptun Dortmund:51,4; 3. Witten 09:09,1.— Herrenkraulstaffel 4 mal 100 Meter: 1. Blau=Weiß=Sparta Bochum:02,2; 2. Witten 09:35,6.— Wasserball: Blau=Weiß=Sparta Bochum— Witten 09:1(:). Lünen 08 13:4(11:0) geschlagen. Im zweiten Wasserball=Meisterschaftsspiel der Winterrunde hatte die Mannschaft des SV. Blau=Weiß=Sparta Bochum die 1. Mannschaft des SV. Lünen 08 als Gegner. Die Bochumer waren ihrem Gegner haushoch überlegen, was in dem Ergebnis auch zahlenmäßig zum Ausdruck kam. Die Lünener, die VoW.=Verein sind, kamen erst in der zweiten Spielhälfte, in welcher die Blau=Weißen verhalten spielten, zu den Gegentoren. In technischer Hinsicht hatte das Spiel kein besonderes Niveau. Die Tore erzielten für Bochum: Buschei, Wiener, Buschei, Ratte I, Buschei, Koch, Ratte I, Koch, Buschei, Wiener, Buschei, Buschei, Koch. Em. Jabnaum der Berghaltterduratan 25 Jahre Sektion Bochum des Deutschen und Ofterreichischen Alpenvereins Zum 25. Wiegenfeste der Sektion Bochum des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins hatte sich am abend im Parkhotel„Haus Rechen“ so ziemSamstag gorno im purthotel„Haus Rechen“ so ziemlich alles eingefunden, was in Bochum dem Alpinismus huldigt. Die von dem Maler Norbert Lorenz besorgte künstlerische Ausgestaltung des Festsaales war bezeichnend für die ideale Zielsetzung des Jubilars, dem die große Anteilnahme zur höchsten Ehre gereichte. Denn zu den Ehrengästen zahlten Kreispropagandaleiter Link, gleichzeitig Führer der Ortsgruppe Bochum im RfL., Oberbannführer Strube von der Bochumer HI., der Bochumer Schiklub und als Vertreter des Reichsführers des Deutschen Bergsteigerverbandes Direktor Reuter(Essen). Die Sektionen Witten, Düsseldorf, Siegerland, Recklinghausen, Aachen, Hagen, Koblenz, Dortmund und Köln hatten besondere Gluckwünsche gesandt, worüber sich die Bochumer Sektion sehr erfreut e wie das auch Oberstudienrat Lorenz in seiner zum Ausdre brachte. Zegrußungsansprache zum„nuvorua brachte. Reuter(Essen) kam in dreifachem Auftrage. Er überbrachte den Dank und den Gruß des Stuttgarter Hauptausschusses des Deutschen Bergsteigerverbandes, der in 81 Sektionen vereinten 9000 Mitglieder des rheinisch=westfälischen Bergsteiger=Gauverbandes und endlich der von ihm geleiteten Sektion der Nachbarstadt Essen. Sein abschließendes Urteil über die bisherige verdienstvolle Arbeit der Bochumer Sektion lautete, daß die Bochumer Alpinisten zu den treuesten, fleißigsten und arbeitsfreudigsten Mitgliedern des Reichsverbandes gehörten. Sein Wunsch, daß die Bochumer Sektion in absehbarer Zeit in den Besitz einer eigenen„Hütte“ kommen möge, fand ein begeistertes Echo. Es entsprach ganz der Bedeutung des Festes, daß im Rahmen eines Rechenschaftsberichts des Schriftführers Eimer Aufschluß gegeben wurde über die 25jährige Tätigkeit des Jubelvereins, daß man bei den Klängen des Liedes vom guten Kameraden jener Bochumer Alpenfreunde gedachte, die während des Weltkrieges auf dem Felde der Ehre geblieben waren. Nachdem Rechtsanwalt Breitenbach im Anschluß an die Totenehrung die Grüße des Bochumer Schiklubs ausgerichtet hatte, folgte die Jubilarehrung. Für 25jährige Mitgliedschaft erhielten Ohnesorge, Walger und Fleischhauer das silberne Edelweiß. Den Höhepunkt des Abends bildete zweifellos die Festansprache des Sektionsleiters Oberstudienrats Lorenz. Seine Worte waren ein begeisterter Hymnus auf das Bergsteigen und das Hochgebirge, jenen ewigkeitsgewaltigen Sturzacker, auf dem die Natur sät und erntet. Ist doch das Hochgebirge das Erhabenste auf der Welt, ein ins Raumlose erhobener Raum, eine ins Zeitliche getürmte Zeit, trotz aller Vergänglichkeit der Ewigkeit am nächsten, mit einem Wort: die Harmonie und der Einklang von Endlichkeit und Begreiflich, daß diese Rede eine hochfeierliche Stimmung auslöste, der sich alle begeistert hingaben. Der bunte Teil, wirkungsvoll ausgestaltet durch künstlerisch hochstehende tänzerische Darbietungen der von Frau Gisela Schweitzer=Schräder betreuten Tanzgruppe, sowie durch Lieder und Vorträge, war ein fröhliches Geben und Nehmen, war ein stilles Freuen über die herzliche Freundschaft und Kameradschaft. die im Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein immer eine Heimstätte gefunden hat. R. Seite 6 Nr. 283 7 Bochumer Anzeiger# Dienstag, I. Dezember 1933 „ 0 Szepan(Halbrechter), 28 Jahre, städt. Angestellter, 12 Länderspiele(Schalte 04); Lehner(Rechtsaußen), 23 Jahre, städt. Angestellter, 21 Länderspiele(Augsburg); Siffling(Ersatzmann), 23 Jahre, Modellschreiner, 15 Länderspiele(Mannheim Waldhof); Es wird viele überraschen, daß der kleine Lehner mit 21 Länderspielen der„Länderspiel=Veteran“ in der Mannschaft ist, die im übrigen unter dem Gesichtspunkt „Verzicht auf jedwedes Experiment" aufgestellt worden ist. Nach unseren Informationen wird Gramlich nun doch rechter Läufer spielen, also auf seinem Stammposten, auf den ihn auch Bundesfühcer Linnemann bei der Mannschaftsbekanntgabe gesetzt hat. Szepan wird Deutschlands Spielführer auf dem 70000 Zuschauer fassenden Platz der Tottenham Hotspurs sein. Es dürfte sich erübrigen, erneut im einzelnen auf die elf deutschen Vertreter einzugehen. Unsere Mannschaft genießt restloses Vertrauen, hoffentlich wird sie nicht allzu sehr unter den ungewohnten klimatischen Verhältnissen zu leiden haben, hoffentlich gibt es kein Spiel in dem berühmt=berüchtigten Londoner Nebel. Es sind einige Spieler in der Mannschaft und namentlich im Sturm(Szepan, Hohmann), denen eine feucht=kalte Witterung und ein schwerer Boden nicht behagten. Gegen das deutsche Deckungssystem hat England die Waffe des forschen Angriffs gewählt, das ergibt sich aus der Aufstellung des Offensiv=Mittelläufers Barker, der dem„Drittverteidiger" Young vorgezogen wurde. Der Torwart Hibbs ist in der englischen Mannschaft der einzige Spieler, der 1930 auch in Berlin gegen Deutschland dabei war. Die deutsche Mannschaft trägt gegenüber 1930 ein völlig verändertes Gesicht.„RekordTorschützen gegen Deutschland“, so sieht die englische Fachpresse den Angriff unseres Gegners. Carter Camsell, Birkett sind die drei führenden Rekord=Torschützen der ersten englischen Berufsspieler=Liga. Carter erzielte mit 18 Toren die Höchstzahl der Treffer. denen Camsell mit 15 nur wenig nachsteht. Das ist die englische Mannschaft: Hibbs (Birmingham FC.) Male„ Hapgood (beide Arsenal London) Crayston„ Barker. Bray (Arsenal London)(Derby County)(Manchester Cityy Birkett Carter Camsell Westwood Bastin (Middlesbrough)(Sunderl.)(Middlesdr.)(Bolton)(Arsenal) Mannschaftsführer ist der linke Verteidiger Hapgood, Was gibres! Was für den Mohammedaner die heilige Stadt Mekka, für den Japaner der heilige Berg Fujijama ist, bedeutet für die tontinentalen Fußballverbände ein Länderspiel gegen England. Ein Kampf gegen den Lehrmeister auf dem Mutterboden des Fußballsportes ist deswegen für sie der große Sehnsuchtstraum, weil der Meister nur allzu selten aus der bekannten „splendid isolation“, aus der traditionellen englischen Abgeschlossenheit herausgeht, sondern sich mit seinen eigenen Meisterschafts= und Cupspielen begnügt, zu denen die alljährlichen All=England=Spiele gegen Irland, Schottland und Wales kommen. England, das bereits 1885 das Berufsspielertum einführte, ist nicht Mitglied des Internationalen Fußballverbandes und nimmt deswegen auch nicht an den Spielen um die Weltmeisterschaft teil. Das ist bedauerlich, denn eine Fußballweltmeisterschaft ohne England, ohne den Weltpionier des Fußballsportes, ist im eigentlichen Sinne keine Weltmeisterschaft. Die kontinentalen Länder betrachten die Spiele gegen England stets unter dem Gesichtspunkt eines Kampfes Lehrmeister gegen Schüler, verständlich wegen des stets über die Landesarenzen hinausgehenden, in ganz Europa gleich regen Interesses, der ungeheuren Spannung, mit denen man jeweils dem Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen einer kontinentalen Fußball=Ländermannschaft und England entgegenfiebert. In den Vorkriegszeiten hat England seine Stellung als Lehrmeister durch teilweise geradezu grotesk anmutende Siege behaupten können, nach dem Kriege wurde mit der stetigen Aufwärtsentwicklung des Könnens bei den Schülern die Leistungsspanne immer geringer. Man hatte hin und wieder schon die kühne Behauptung aufgestellt, daß die übrigen europäischen Länder England schon erreicht hätten, aber die Ergebnisse der nach dem Kriege zur Durchführung gelangten Spiele haben stets noch das Gegenteil bewiesen. Wie die nachstehende Statistik der englischen Länderspiele beweist, ist es bis heute noch keiner europäischen Ländermannschaft gelungen, selbst auf der Höhe ihres Ruhmes England auf eigenem Boden zu bezwingen. Nur dann, wenn eine englische Mannschaft über den Kanal fuhr, gelang es vereinzelt einem Gegner, den Sieg davonzutragen. England behauptete seinen Thron als inoffizieller Fußballweltmeister; es behauptet ihn durch folgende Bilanz seiner Berufsspieler=Ländermannschaft: Italien: 1933 in Rom:1; 1934 in London:2. Deutschland: 1930 in Berlin:3. Oesterreich: 1908 in Wien:1; 1908 in Wien 11:1; 1909 in Wien:1; 1930 in Wien:0; 1932 in London:3. Tschechoslowakei: 1934 in Prag:2. Ungarn: 1908 in Budapest:1; 1909 in Budapest :2: 1909 in Budapest:2; 1934 in Budapest:2. Schweiz: 1934 in Bern:0. Frankreich: 1923 in Paris:1; 1924 in Paris:1; 1925 in Paris:2; 1927 in Paris:0; 1928 in Paris :1; 1929 in Paris:1; 1931 in Paris:5; 1033 in London.1.„09..—.0, 1000 in Omhem P. Belgien: 1921 in Brussel:0; 1923 in London:1; 1923 in Antwerpen:2; 1924 in Westbromwich:0; 1926 in Antwerpen:3; 1927 in Brüssel:1; 1928 in Antwerpen:1; 1929 in Brüssel:1; 1931 in Brüssel:1. Spanien: 1929 in Madrid:4; 1931 in London:1. Schweden: 1923 in Stockholm:2; 1923 in Stockholm:1. Luxemburg: 1927 in Luxemburg:2. Nicht als„nationale Lanzenlpitze!“ Ueber die außerordentliche sportliche Bedeutung des bevorstehenden Länderkampfes der in Rom bei den Weltmeisterschaften dritter Sieger und damit hinter den Berufsspielermannschaften von Italien und der Tschechoslowakei Amateur=Weltmeister werdenden deutschen Ländermannschaft gegen England besteht nicht nur in Deutschland kein Zweifel. Ungefähr 10000 deutsche Schlachtenbummler werden in London anwesend sein, zwei Sonderzüge sind aus Paris angekündigt, ein Beweis dafür, daß man auch im Ausland sich sehr viel von dem Spiel verspricht. Deutschland und auch England haben erst nach sorgfältiger Vorbereitung ihre Mannschaften genannt. Deutschland weiß, welche schwere Aufgabe ihm in London bevorsteht, es rechnet nicht mit einer Wiederholung des unentschiedenen Ergebnisses von Berlin, viel weniger mit einem Siege, England weiß anderseits aber auch, daß unsere Mannschaft ein sehr ernst zu nehmender Gegner geworden ist und hat, so lautet das Urteil in der englischen Fachwelt, seine zur Zeit stärkste Mannschaft für den Kampf aufgeboten. Allein darin liegt schon eine Wertschätzung des deutschen Könnens.„Sich nicht als nationale Lanzenspitze betrachten“, diesen Hinweis gab im Vorjahre die englische Sportpresse der italienischen Weltmeistermannschaft mit auf die Ueberfahrt nach London, als die Italiener sich durch einen Sieg über England die Bestätigung ihrer Weltmeisterwürde erkämpfen wollten. „Nicht als nationale Lanzenspitze", darin liegt der gerade in letzter Zeit mehrfach von der deutschen, französischen und englischen Sportführung betonte Standpunkt, daß ein Sportkampf nur von sportlichen Gesichtspunkten aus zu bewerten sei, daß seine Vermengung mit politischen Dingen nicht erwünscht ist und nicht im Sinne des Sportgedankens liegt. Im Sport haben sowohl Klassengegensätze als auch politische Meinungsverschiedenheiten auszuscheiden, er soll sein ein friedlicher Wettstreit zwischen den Sportlern aller Völker, eine gute Brücke zur gegenseitigen Verständigung. Daß sich die echten Sportler in dieser Ansicht einig sind, beweist die ablehnende Stellung der amerikanischen Aktiven gegen die dem tieferen Sinn des Sportes fremden, ihn zu einem politischen Kampfplatz herabwürdigenden Hetzer gegen die deutsche Olympiade, beweist auch die scharfe Sprache des englischen Innenministers Sir John Simon und der englischen Presse gegen den Schritt des englischen Gewerkschaftsbundes, der eine Sabotage des Länderspiels zu erreichen suchte. Eine andere Einstellung der englischen Sportwelt, die das„fair play“, das ritterliche Spiel zum obersten sportlichen Gesetz erhoben hat, konnte gar nicht in Frage kommen. Ein kleiner Rückblick Rund 26 Jahre sind ins Land gegangen, ehe eine Einladung des englischen Verbandes die deutsche Fußball=Länderelf zum zweiten Male ins Mutterland des Sportes führt. 1908, also zu einer Zeit, als der Fußball in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte, trug Deutschland in Basel mit einer bunt zusammengewürfelten Mannschaft den ersten Länderkampf gegen die Schweiz aus und verlor:5. Im gleichen Jahre gastierte zum ersten Male die englische Amateur=Ländermannschaft, in der Hauptsache gebildet von der damals auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes stehenden englischen Studentenmannschaft Corinthians, in Berlin und schlug unsere Vertretung:1. Immerhin hat dieses Lehrspiel belebend auf die Entwicklung des deutschen Fußballs gewirkt, so daß man, als 1909 der englische Verband Deutschland zu einem Gegenbesuch einlud, Hoffnungen auf ein ehrenvolles Abschneiden hatte, zumal in der damaligen Mannschaft Spieler standen, die heute noch im deutschen Fußballsport einen klangvollen Namen haben, und zwar der Kieler Torwart Werner, Sepp Glaser(heute Professor und Bundesspielwart des DFB.), der Leipziger Mittelläufer Ugi, die Stürmer Röpnack(Berlin) und Adolf Jäger(Altona). Und diese Mannschaft wurde sang= und klanglos mit:0 überfahren. 1911 gelang dann der deutschen Mannschaft im dritten Spiel gegen Englands Amateure in Berlin ein ehrenvolles:2. Der Fußballsport befand sich inzwischen in Deutschland in einer unaufhaltsamen Aufwärtsentwicklung, mit dem Leistungsaufschwung stiegen auch die Zuschauerzahlen, so daß 1913 beim vierten Länderspiel Deutschland— England in Berlin das für die damalige Zeit Unfaßbare eintrat, daß Sonderzüge zu einem Fußballspiel eingesetzt wurden Die Chronik berichtet, daß der Viktoriaplatz in Berlin mit 17000 Zuschauern besetzt gewesen sei, während weitere 5000 Interessenten keinen Zutritt mehr fanden. Deutschland verlor:3. Dann zerriß der Weltkrieg die Kette der deutsch=englischen Fußballbeziehungen. 1930 erst besuchte uns wieder eine englische Auswahlmannschaft, diesmal allerdings Berufsspieler, denen wir in Berlin ein ehrenvolles:3 abtrotzten. Flug über den Kanal Zu ihrem zweiten Gastspiel in England wird die deutsche Mannschaft, um sie nicht den unter Umständen recht unangenehmen Begleiterscheinungen einer Dampferüberfahrt auszusetzen, das Flugzeug, also das modernste Verkehrsmittel benntzen. Unsere Mannschaft ist bereits am Montag nach London geflegen, um sich in den zwei Tagen vor dem Spiel wenigstens etwas zu akklimatisieren und um zum anderen noch Gelegenheit zu einem leichten Konditionstraining zu haben. Wer sind die Auserwählten? Als Svieler kennt sie jeder Fußballjunge, interessieren dürften darüber hinaus deswegen einige„Privatinformationen“: Jakob(Torwart), 27 Jahre, Techniker, 15 Länderspiele (Jahn Regensburg); Buchloh(Ersatzmann), 26 Jahre, Stadtsekretär, 14 Länderspiele(VfB. Mülheim); Haringer(rechter Verteidiger), 26 Jahre, kaufm. Angestellter, 14 Länderspiele(Wacker München); Münzenberg(linker Verteidiger), 26 Jahre, Architekt, 14 Länderspiele(Alemannia Aachen): Gramlich(rechter Läufer), 27 Jahre, Einkäufer, 19 Länderspiele Eintracht Frankfurt a..); Goldbrunner(Mittelläufer), 27 Jahre, Metzger, 10 Länderspiele(Bayern München); Janes(linker Läufer), 28 Jahre, Expedient, 17 Länderspiele(Fortuna Düsseldorf); Zielinski(Ersatzmann), 24 Jahre, städt. Angestellter, 14 Länderspiele(Union Hamborn); Fath(Linksaußen), 23 Jahre, städtischer Vorarbeiter, 9 Länderspiele(Wormatia Worms); Rasselnberg(Halblinker), 22 Jahre. kaufm. Angestellter, 8 Länderspiele(VfL. Benrath); Hohmann(Mittelstürmer), 27. Jahre, Schuhmacher, 17 Länderspiele(VfL. Benrath): Ueber diese im Augenblick die Fußballgemüter erhitzende Frage groß zu debattieren, ist müßig. Wir glauben, daß wir die Schwere der Aufgabe für unsere Mannschaft klar genug geschildert haben. Es kommt für die deutsche Elf darauf an, eine zu erwartende Niederlage in erträglichen Grenzen zu halten. Gelingt ihr das, können wir schon von einem Erfolg sprechen. Das Spiel ist zum Leidwesen der zahlreichen deutschen Schlachtenbummler, zu denen auch Bochum per Sonderzug eine stattliche Anzahl beisteuert, um 2 Stunden von 12.30 Uhr auf 14.30 Uhr verlegt worden. findet nach deutscher Zeit also um 15.30 Uhr statt. Das bedeutet für die deutschen Sonderzugfahrer, die durchweg Dienstag nachmittag abfahren und Mittwoch im Morgengrauen in London eintreffen, daß sie sofort nach Spielschluß wieder zur Charing Croß Station verfrachtet werden, um dann die Annehmlichkeiten einer zweiten Nachtfahrt nebst Kanalüberfahrt vor sich zu haben. Daß die Fußballbegeisterung der deutschen Sportler soweit geht diese Strapazen eines eineinhalbstündigen Fußballspieles wegen auf sich zu nehmen, verdient immerhin Erwähnung. Um zahlreiche Anfragen zu erledigen, sei darauf hingewiesen, daß eine direkte Rundfunkübertragung von London über die deutschen Sender nicht stattfindet. Der gesamte Svielverlauf wird aber durch Dr. Laven vom Deutschlandsender von 19 bis 20.40 Uhr übertragen, während von 19.45 Uhr an alle deutschen Sender angeschlossen sind Standquartier der deutschen Mannschaft ist das Hotel Metropole, Trafalgar Square.„Verlorene Schäfchen“ wissen also, wohin sie sich gegebenenfalls zu wenden haben. hbg. Birkeff spielt nicht Der Rechtsaußen der englischen Länderelf, der junge Ralph Birkett von Middlesbrough, hat sich in dem Meisterschaftsspiel seines Vereins am Samstag gegen Manchester City eine schmerzhafte Muskelzerrung zugezogen. Dadurch ist Birkett nicht imstande, am Mittwoch zu spielen. Der Spielausschuß der Football=Association hat am Montag entschieden, daß der Rechtsaußen ersetzt wird Wer jedoch den Posten von Birkett einnehmen wird, steht zur Zeit noch nicht fest. Leicht verletzt wurde in dem genannten Spiel auch Birketts Vereinskamerad, der Mittelstürmer George Camsell. Die Verletzung von Camsell ist jedoch nur leichterer Natur so daß mit ziemlicher Sicherheit damit gerechnet wird, daß er am Mittwoch antreten kann. Letzte„Länderspiel-Meldungen“ Matthews für Birkett Der englische Verband gibt bekannt, daß an Stelle des verletzten Rekord=Torschützen Birkett der rechte Außenstürmer von Stoke City, Stanley Matthews, eingesetzt wird. Der Mittelstürmer Camsel wird bestimmt spielen. :2 für einen englischen Sieg So stehen die Wetten in England zum Länderkampf England— Deutschland. England ist optimistisch. Die deutsche Mannschaft wird Dienstag nachmittag zu einem Abschlußtraining nach White=HartLane zum Platz der„Heißsporne“ hinausfahren, um sich gleichzeitig mit den Platzverhältnissen vertraut zu machen. Der vom Deutschen Fußballbund gecharterte Dampfer„Columbus“ ist Montag nachmittag mit 1700 Fahrgästen an Bord von Bremerhaven nach London in See gegangen. Auea Gruppe A Teutonia Riemke— Phönix Bochum:3(:). Zwei Ortsrivalen des südlichen Stadtteils standen sich auf dem Sportplatz an den Riemker Schrebergartenanlagen gegenüber. Eine stattliche Zuschauermenge bekundete schon rein äußerlich die Wichtigkeit dieses Lokaltressens, das allerdings nicht das hielt, was man allgemein erwartet hatte. Zunächst sei vorausgeschickt, daß das Ergebnis nicht dem Spielverlauf entspricht, denn die Teutonenmannschaft, durch viele Neueinstellungen verjüngt, lieferte ein achtbares Spiel und war dem Gegner im Felde durchaus ebenbürtig. Doch ein unglaubliches Schußpech vereitelte alle Erfolge.=Zudem wollte es noch das Unglück, daß der Mittelstürmer Putzek infolge einer Verletzung kurz nach Beginn der Pause ausscheiden mußte. Die erste Halbzeit bot keine überragenden Höhepunkte. Torlos ging es in die Pause. Die Stürmerreihe der Gelbblusen kam durch einen Fehler der Teutonenverteidigung zu einem billigen Erfolg. Ein Strafstoß führte zum zweiten Tor. Kurz darauf war im Anschluß an eine Ecke der dritte Treffer fällig. Teutonia ließ die große Chance eines Elfmeters ungenutzt und versiebte noch mehrere Gelegenheiten, so daß der verdiente Ehrentreffer ausblieb. Rasensport Herne— BfB. Gerthe:1(:). Einen schönen und fairen Meisterschaftskampf lieferten sich die Gegner in Holthausen, der den Gerthern zwar eine knappe, aber dem Spielverlauf nach unverdiente Niederlage brachte. Die Gerther bemühen sich anscheinend jetzt doch ernstlich, vom unrühmlichen Tabellenende fortzukommen. Ihre spielerische Leistung war in diesem Kampf jedenfalls bedeutend besser wenn ihnen auch das Glück wenig hold war. Wäre ihnen bei den zahlreichen Lattenschüssen nur ein Tor im ersten Abschnitt geglückt, so hätte der Kampf wahrscheinlich einen günstigeren Ausgang für sie genommen. Das Führungstor des Gastgebers holte Gerthe kurz nach dem Wechsel durch Kopftor des Linksaußen auf. Lange blieb es bei diesem Stande, und es schien fast, als ob den Gerther ein Punkt beschieden sei. Aber noch einmal war das Glück gegen Gerthe, als Rasensport kurz vor dem Abpfiff aus offensichtlicher Abseitsstellung das Siegtor erzielte. Gruppe B Tamde..=Ehrenfeld— TuS. 26 Altenbochum:0 Die auf Grund der letzten guten Erfolge des TuS. 1926 erwartete scharfe Auseinandersetzung mit der Turngemeinde gestaltete sich zu einer einseitigen Angelegenheit. Obwohl sich die Altenbochumer zeitweise mit großem Eifer um eine günstigere Trefferausbeute bemühten, die spielerische und auch taktische Ueberlegenheit des Siegers war nicht zu bestreiten. Die Ehrenfelder übernahmen trotz Gegenwindes die Angriffsführung. Man merkte schon gleich zu Beginn, daß im Rahmen der Gäste ein Mann mit„Dusel“, aber mit wirklichem Können stand, das sollte sich später noch recht oft bestätigen. Endlich schlug ein scharfer Schuß des blauen Rechtsaußen von den Händen des faustenden Altenbochumer Hüters ins Netz. Noch vor Seitenwechsel arbeitete Ehrenfelds Halblinker das Leder aus einem Knäuel von Beinen heraus, den Rest zum:0 besorgte ein Mitspieler. Durch Steilvorlage konnte der Halblinke des Platzvereins bereits kurz nach der Pause auf 30 erhöhen. Ehrenfelds Rechtsaußen gelang schließlich das Eckstoß=Kunststück, den Ball direkt ins Tor zu befördern und der Halblinke konnte im eifrigen Nachspurt mit dem fünften Treffer das Endergebnis herstellen. Polizei=SV. Bochum— SC. Altenbochum:0(:0) Die bessere Gesamtleistung der Polizeimannschaft brachte ihr einen verdienten Sieg über die Nachbarmannschaft ein Daß aber das Spiel sehr ausartete, war in erster Linie Schuld des Schiedsrichters, der nicht energisch genug war, um die auftretenden Zusammenstöße zu unterbinden. An diesen Ausschreitungen war im großen Maße der Altenbochumer Torwart beteiligt. Das einzige Tor der ersten Halbzeit ergab sich aus einem schönen Kopfball des Polizeimittelstürmers. Noch vor der Pause stellte der Schiedsrichter je einen Spieler beider Mannschaften heraus. Als nach dem Seitenwechsel die Polizei durch einen schönen Schuß des Halbrechten Gaisler ein zweites Tor erzielte, nahm das Spiel üble Formen an. Die Polizei erzielte wieder durch Gaisler ein drittes Tor. Damit stand der Sieg endgültig fest. SpSp. Stiepel 04— Rheinelbe Leithe:1(:0) Der Tabellenführer Leithe mußte in Stiepel zwei wichtige Punkte lassen. Mit diesem Sieg behauptete sich der Neuling weiterhin in der Spitzengruppe. Die Einheimischen legten sofort zu Beginn des Spieles ein scharfes Tempo vor mit dem Erfolg, daß bereits nach wenigen Minuten der Halbrechte placiert zum Führungstreffer einschoß. Der Gegner hatte sich immer noch nicht gefunden, denn seine Gegenangriffe waren zerfahren und scheiterten an der Hintermannschaft des Platzvereins. Kurz vor der Pause stellte der Rechtsaußen mit einem zweiten Tor das Halbzeitergebnis her. In der Mitte der zweiten Halbzeit brachte ein überraschender Weitschuß aus dem Hinterhalt den Gästen den einzigen Gegentreffer. Stiepel verteidigte erfolgreich den knappen Torvorsprung bis zum Schluß. Reichsbahn=TuS. Bochum— Wattenscheid 194:3(:). Nun hat auch der Reichsbahn=TuS, erfahren müssen, daß die Wattenscheider sich nach anfänglich schwachem Start famos herausgemacht haben. Jedenfalls leisteten sie den Platzleuten einen solchen Widerstand, daß diese schon alle Register ziehen mußten, um zu einem knappen Siege zu kommen. Die Bochumer mußten auf ihren etatsmäßigen Torwart verzichten, der ausgeblieben war. So kam es, daß der Ersatzhüter schon in der ersten Minute einen Nachschuß passieren lassen mußte, nachdem er zu schwach abgewehrt hatte. Der Ausgleich ließ aber nicht lange auf sich warten. Die Wattenscheider versuchten nun bei dem Ersatzyuter mit Langschüssen zum Ziele zu kammen, mußten es sich aber gefallen lassen, daß die Platzleute die Führung an sich rissen. Durch einen verwandelten Freistoß kamen die Gäste abermals zum Ausgleich. Dann aber hatten die Reichsbahner das Heft fest in der Hand und erzielten bis zur Pause abermals die Führung. Nach dem Wechsel hielt die Ueberlegenheit der Platzleute weiter an, doch kamen die Wattenscheider überraschend zum dritten Male zum Ausgleich. Es begann ein harter Kampf um den Sieg, den die Platzleute errangen, obwohl die Gäste im Anschluß an den Siegtreffer ihre ganze Mann Seite 7 Nr. 283 7 Bochumer Anzeiger 7 Dienstag, 3. Dezember 1933 schaft nach vorne warfen, um wenigstens einen Punkt zu retten. Tura Günnigfeld— Langendreer 07:0 Nach der ersten Niederlage der Gäste aus Langenhreer mußten diese gegen Tura Union wieder durch ein Unentschieden einen Punkt abtreten. Immerhin war ihnen das Glück hold, denn der Tabellenführer Rheinelbe Leithe ließ sich vom Neuling Stiepel beide Punkte abnehmen, so daß Langendreer trotz des torlosen„Remis" die Führung der Gruppe wieder übernommen hat. Die Leistungen beider Parteien wurden durch die schlechten Platzverhältnisse stark beeinträchtigt. Die Gäste stellten sich in vorzüglicher Verfassung vor. Die ganze erste Halbzeit steht im Zeichen der Ueberlegenheit der Langendreerer. Günnigfeld muß sich auf Abwehr verlegen und kommt nur durch durchbruchartige Angriffe aus seiner Spielhälfte heraus. Torlos werden die Seiten gewechselt, ein Verdienst des Günnigfelder Torhüters. Nach dem Wiederanstoß ändert sich das Bild. Langendreer wird in seine Hälfte zurückgedrängt. Unaufhörlich rollen die Angriffe der Platzherren gegen das Tor der Gäste. Diese bewiesen jetzt aber, daß sie nicht nur den Angriff, sondern auch die Abwehr verstehen. 2. Kreisklasse, Gruppe A Fortuna Wanne— SuS. Gerthe:5(:). Zu einem klaren Siege kamen die Gerther in Wanne. Die Gegner waren sich im Feldspiel durchaus gleichwertig, lediglich die entschlossenere Stürmerreihe der Gerther wußte ihre Torchancen besser auszunutzen. Gerthe bleibt somit der engste Verfolger des Spitzenreiters Fortuna Herne. Die Tabelle der Gruppe A: Fortuna Herne SpuSp. Gerthe Reichsbahn Wanne Viktoria Herne Hansa Herne BC. Hordel Fortuna Wanne Rasenspoxt Wanne Schwarz=Weiß Herne Wattenscheid=Ost Concordia Bochum Preußen 11 Bochum Rasensport Bochum Langendreerholz Bochum=West Werne 19 Bochumer Verein Tura=Fortung Weitmar Carolinenglück LFC. Laer 3. Kreiskl DSC. 31 Bochum Borussia Bochum Germania Kaltehardt Laer 87 Bruchstraße Langendreer Teutonia Stiepel Kortum Bochum Germania Querenburg Postsportverein Bochum Edelstahl Bochum 17:8 14:8 13:11 12:8 12:10 11:11 11:13 :14 :15 :17 18•2 16:6 14:6 14:8 13:7 10:10 :12 :14 :15 :20 15:5 14:6 13:7 13:7 11:11 :9 :13 :10 :15 :15 Schalke 04— 1. FC. Nürnberg Vorverkaufskarten bis Donnerstag abholen Die Geschäftsstelle des Fußballgaues Westfalen macht die Bochumer Sportinteressenten, die beim Gau Vorverkaufskarten bestellt haben, darauf aufmerksam, daß die Karten zu dem Vereinspokal=Endspiel zwischen dem FC. Schalke 04 und dem 1. FC. Nürnberg bis spätestens Donnerstag nachmittag abgeholt werden müssen. Euwe führt im Weltmeisterschaftskampf Am Sonntag und Montag wurde in Amsterdam die 25. Partie im Kampf um die Schachweltmeisterschaft zwischen Aljechin und Euwe gespielt. Nach dem 40. Zuge wurde die Partie in Gewinnstellung für Euwe abgebrochen. Nach weiteren fünf Zügen am Montag abend gab Aljechin die Partie auf. Der Stand ist nunmehr:7 bei 10 Remis. Einen Kartengruß an die Sportredaktion sandten aus Kopenhagen: Rad=Weltmeister Toni Merkens, Heinz Hasselberg und Arlet. Besten Dank. „Die Glocke ruft!“ Uraufführung des deutschen Olympia=Films In Bremen wurde am Wochenende zum ersten Male der deutsche Olympia=Film„Die Glocke ruft“ gezeigt. Die Uraufführung des von der Reichsfilmstelle mit dem Prädikat„staatspolitisch wertvoll“ ausgezeichneten deutschen Olympia=Werbefilms wurde ein großer Erfolg. Den Höhepunkt der gut besuchten Werbeveranstaltung bildete natürlich die Uraufführung des neuen OlympiaFilms, der herrliche Ausschnitte aus früheren Olympiaden, Luftaufnahmen der deutschen Olympiastätten mit ihren modernen Einrichtungen brachte. Der Film, der in allen Ländern der Welt sowie in allen deutschen Gauen zur Aufführung gelangen wird, stellt eine äußerst geschickte Werbung für den olympischen Gedanken und für Deutschland da Zweimal Weitfalen-Niederrhein in Recklinghausen und Herne. Am 14. und 15. Dezember steigen in Recklinghausen und Herne zwei Repräsentativkämpfe der Amateurvoxer von Westfalen und vom Niederrhein. Für die Kämpfe wurden von den Gauen folgende Staffeln aufgeboten(vom Fliegen= bis zum Schwergewicht): Niederrhein: Westsalen: Recklinghausen: Herne: Scheid Strangseld(Herten) Kaiser(Gladbeck) Spannagel Schmitz(Barop) Ordziniak(Soding.) Müller Bürger(Münster) Disselbeck(Bochum) Herchenbach Nöcker(Recklingh.) Kubiak(Herne) Pruß Pries(Wanne=Eick.) Kalinowski(Sod.) Lövenich Schütz(Bottrop) Stratmann(Herne) Kleinholdermann Rosendahl(Gevbg.) Richter(Herne) Runge Schnarre(Reckl.) Babski(Rauxel) Abschluß nach neun Weltrekorden (Winkler, Geiß und Möritz auf Rekordjagd.) Trotz der Bekanntgabe, daß die Auto=Union am Freitag vormittag ihre Rekordversuche auf der Reichsautobahn=Straße Frankfurt—Darmstadt abgebrochen habe, wurden in aller Stille am Samstag weitere Starts unternommen. Dabei konnten noch vier neue Weltrekorde und somit also insgesamt neun Bestleistungen von Winkler, Geiß und Möritz erzielt werden. Allein fünf davon fallen auf Walfried Winkler, der am Schlußtage noch zwei Weltrekorde herausfuhr. In der 175=Kubikzentimeter=Klasse fuhr Winkler den stehenden Kilometer mit 121,293 Stundenkilometer, den fliegenden Kilometer mit 162.198 Stundenkilometer. Geiß erzielte in der gleichen Klasse für die fliegende Meile 161,110 Kilometer. Mit dem vierten Rekord wartete Möritz im Dreiradwagen auf, den er mit 115,644 Stundenkilometer über den stehenden Kilometer brachte. Der 600=Kubikzentimeter=Motor hatte damit in der Klasse bis 750 Kubikzentimeter einen neuen Weltrekord geschaffen. 95 SA.-Männer erhielten das SA.=Sportabzeichen Es war gerade kein angenehmes Wetter für die SA.= Männer der Stürme 11, 12 und 13 des Sturmbaynes II, als sie Sonntag vormittag auf der Albertstraße antraten und anschließend unter Vorantritt eines Spielmannszuges zum Holzplatz Fröhling marschierten, um dort die erworbenen SA.=Sportabzeichen in Empfang zu nehmen. Nach Meldung der Stürme an den Sturmbannführer Witt überreichte Sturmbannführer Meinberg etwa 95 SA.=Männern das Sportabzeichen. Sturmbannführer Witt wies dann zum Schluß in kurzen Umrissen auf die Bedeutung des Sportabzeichens hin und richtete den Appell an seine Getreuen, als SA.=Männer immer ihre Pflicht zu erfüllen und nie die von unserem Führer Adolf Hitler gestellten Aufgaben außer acht zu lassen. Mit einem dreifachen Sieg=Heil auf unseren Führer wurde der bedeutungsvolle Akt beendet. Enghien, 2. Dezember. 1 Rennen: 1. Disraeli(Maginot), 2. Grain de Café, 3. Sarel. Toto: Sieg 21, Platz 14, 23, 32. Ferner: La Rocaille, Algorad, Seintillante II, Ma Kitty, Valissima, Miß Moqneite, La Porallée, Damusi, Tricot. 2. Rennen: 1. Corvanthe(Bates), 2. Solitaire II, 3. Cubacan. Toto: Sieg 53, Platz 23, 18. Ferner: Mahama, La Vapeur. Hetre Pourpre. La Captive. 3 Rennen: 1. Roi des Resg.(Galaurchi), 2. Maunganut, 3. Triplepatte. Toto: Sieg 93, Platz 34, 35. Ferner: Soi Gille, Art Militaire, Lucky Bear, Fregate III. 4. Rennen: 1. Intrépide(Cames). 2. Maestro, 3. Thi Ba. Toto: Sieg 30, Platz 17, 18. Ferner: Dolce, Timbale, Feu Sog. Rennen: 1. Zirconium(Rochet), 2. Vorrsca, 3. Brulfor. Toto: Sieg 17, Platz 13, 20. Ferner: Kolossal, Belo6 Rennen: 1. Katberine of Aragon(Frigoul), 2. Cadeau, 3. Mylo. Toto: Sieg 32, Platz 19, 18. 48. Ferner: Donino, Galion II, Les Routils. Lavandine, Scabieuse. Relais de Poste, Giska, Ambush, Tension, Bireme, Dark Ring, Culotte de Soie, Castelnaudarv, Quebec. Auteuil, 3. Dezember. 1. Rennen: Pov— Diplomatie. 2. Rennen:(HalbblutJagdrennen). 3. Rennen: Stephano— Royaume. 4. Rennen: Fils de Liral— Formosus. 5. Rennen: Mon Jubile— Fire Off. 6. Rennen: Porthos— Essendieras. 8 Uo O Ae 7 Gen M #### Im Sinne der großen„Kraft=durch=Freude"=Organisation der DAF. und des Gemeinschaftsgedankens im Betriebe nahm die Gefolgschaft des Bochumer Anzeigers am Samstag geschlossen an einer Aufführung des erfolgreichen Volksstückes„Krach im Hinterhaus“ im Bochumer Stadttheater teil. In 14 Aufführungen haben bisher schon weit über 10.000 Bochumer Volls: genossen diese Komödie in unserem Stadttheater gesehen, gehört und belacht. Von ihrer Summung sollen sie alle etwas wiederfinden bei der nachfolgenden Veröffentlichung von gereimten und in Prosa geschriebenen Ergüssen, in denen Gefolgschaftsmitglieder des„B..“ nach dem lustigen Abend im Stadttheater ihrer Freude nochmals Luft gemacht haben. traut Panse sagt— auch zum„Streicheln" bestimmten Backen auf die mit Pulver gefüllten Briketts der Witwe Bock und fahre zur— Hölle! Paul Krafft, Faktor. 4. SCAOEN“ Germania Bochum„zertrat“. Preußen Münsters Siegeshoffnungen Eine Theater=Geschichte Der Gefolgschaftsführer des„B..“ hatte eingeladen die Boten und die Arbeitskameraden, im Stadttheater zu verfolgen eine Geschichte, die schildern ich will im folgenden Gedichte: In einem Hinterhaus, da wohnten Familien, die sich nicht sehen konnten. Sie konnten sich gegenseitig nicht riechen, von wegen in anderer Leuts Keller kriechen. Es wurden Kohlen gemopst dort täglich, Frau Bock sollt's gewesen sein, unmöglich! Sie wollt's nicht sitzen lassen auf ihrer Ehr' und setzte kräftig sich zur Wehr. Um den Täter in die Falle zu locken, kam auf'ne Idee die Witwe Bocken. Sie führte Pulver in die Kohlen ein und kamen die dann in den Ofen rein, so ist erkannt der Täter in diesem Fall, in dessen Ofen ertönt dann laut ein Knall. Als bei Frau Bock die Familien weilten und sich dort wie die Besenbinder keilten, ertönt ein Knall und denkt Euch bloß: in Krügers Ofen war der Teufel los. Der Dieb war„Bulle“, dem es keiner zugetraut, den größten Spaß dabei hatte Edeltraut. Noch ist kein Schluß in der Geschichte, denn jetzt kam alles vors Gerichte wo Krüger feste simuliert, und den Prozeß zum Schluß verliert. Lachsalven auf Lachsalven lösten sich ab als Edeltraut ihr Zeugnis gab. Ihre Aussage machte sie teils schriftlich und fühlte sich dabei ganz wichtig. Dem Aufsatz hat sie die Ueberschrift gegeben: „Das war der Schönste Tag in meinem Lehben.“ Zwei Brautpaare wurden noch zusammengebracht, bei dem Vermitteln wurde auch viel gelacht. Die ganze Sache lief noch glücklich aus, das war der„Krach im Hinterhaus“. Georg Muschiol, Einleger. Wer aber immer noch nicht einsieht... Viel Freude bereitete die Betriebsführung des„B. .“ ihren Gefolgschaftsmitgliedern am Samstag abend. Sie mietete das Bochumer Stadttheater und ließ alle beim Verlage Beschäftigten und deren Angehörige den „Krach im Hinterhaus“ erleben. Ein Volksstück, frisch und originell, keine Hinterhauskomödie üblicher Art. Stürme der Heiterkeit entfesselte der lustige Krieg mit ernsterem Hintergrunde zwischen den Leuten im Vorderund Hinterhaus. Die resolute, bibelfeste, temperamentvoll um ihre Ehre kämpfende Witwe Bock, Edeltraut Panse und Gustav Kluge, der windbeutelige Bäcker, sorgten dafür, daß vor Lachen selbst bei den ältesten Jahrgängen der in Wind und Wetter abgehärteten Zeitungsbotinnen kein Auge trocken blieb. Plänkelei, Vorpostengefecht und Ringkampf des„Hausbullen“ Krüger mit dem oberen" Beamten Schulze boten den Zuschauern, die sich für Sport begeistern, besondere Reize. Den Herren Doktoren in der Redaktion, juristischer oder sonstiger Prägung, wird die lebendige Gerichtsszene und der Ausspruch über die Akademiker am meisten zugesagt haben. Auch die jungen Leute hatten„etwas fürs Gefühl“ in den Szenen zwischen Ilse Bock und ihrem Erich. Vor allem aber war Lachen Trumpf. Ununterbrochene Lachsalven des besetzten Hauses begleiteten den „Krach im Hinterhaus“. 4..tier Gat, „Lachen und Hoffnung gab uns die Mutter Natur gegen die Mühseligkeiten eines Lebens, das manche nicht annehmen würden, wenn man sie zuvor befragte!“ So leitet der längst selige Hofrat Weber in„Demokritos“ seinen Sermon über„das physische Lachen“ ein. Hat dieser Satz seine Berechtigung, dann dürfen wir darüber erfreut sein, daß uns dieser Abend geboten Wer aber immer noch nicht einsieht, daß solche Veranstaltungen den Gemeinschaftsgeist stärken, dem ist eben nicht zu helfen. Er setze sich mit den— wie EdelDas war ein Jauchzen... Der„B..“ rief Samstag seine Parole aus: „Auf, kommt zum„Krach im Hinterhaus!“ Dem Rufe waren wir alle gefolgt und haben dem Spiel unser Interesse gezollt. Um 8 Uhr, da fing das Rennen schon an, weil um.15 Uhr der Krach schon begann. So konnten die Spieler denn pünktlich beginnen, und schon fing Edeltraut Panse an zu singen. Der Apfelkuchen hatte es mir angetan, den Frau Witwe Bock aus dem Ofen nahm. Ich wäre am liebsten zur Bühne gekommen und hätte mir gern auch ein Stückchen genommen. Kurz drauf hatte schon der Kampf sein' Beginn, da kam mir der Kuchen schon aus dem Sinn! Ich konnte nicht lachen und auch nicht weinen. Ich hab' stets geschrien, geschrien wie keiner. Meine Arbeitskameraden haben's mir nachgemacht und im Nu hat das ganze Theater gelacht! Das war ein Jauchzen, ein Schreien von allen, So hat uns das schöne Spiel gefallen. Mit frohen Herzen und vergnügtem Sinn gingen wir wieder nach Hause hin. Wir danken dem„B..“ für die herrlichen Stunden, die wir am Samstag durch ihn haben gefunden. Und morgen, dann gehen wir wieder von Haus zu Haus, und tragen den„B..“ jetzt noch lieber hinaus. Bernhard Schmidt, Zeitungsbote. Ja, es war ein Abend schön und vunderboll Samstag abend kurz vor acht ward der„B..“ dicht gemacht. Mal allein oder zu zwein, zog man ins Theater rein. Redaktion und Kontoristen, Setzer, Drucker an der Zahl. und als Ganzes denn im Bunde unser Trägerpersonal. Dann der„Krach im Hinterhause", tolle Sache und ganz groß; was für herrliche Pointen ließ man auf uns Menschen los. Schnell kam der„B..“ in Stimmung, stürmisch wurde der Applaus, immer wieder schrien und lachten die vom Vor= und Hinterhaus. Diesem„Fehltritt" Edeltraute und was sonst beteiligt ist, sei die Anerkennung ausgesprochen „Allgemeine Bewährungsfrist". Ja, es war ein Abend schön und wundervoll, daß der Leitung des Verlages Dank gesagt sein soll. Fritz Bündemann, Handsetzer Au, au, meine Muskelschmerzen! Samstag abend hatte sich die ganze Gefolgschaft des„B..“ im Stadttheater zusammen gefunden, aber auch die Führung der Gefolgschaft saß mitten unter uns. „Krach im Hinterhaus“.— Junge, Junge, es war so'n richtiger Krach. Krach auf der Bühne, Krach im Theater, das ganze Stadttheater wäre bald vor Lachen zusammengekracht, dann hätte der„B..“ aber Entschädigungskosten zahlen müssen.(Aber ohne Bewährungsfrist.) Au, au, meine Muskelschmerzen, die ich der Edeltraut Panse zu verdanken habe. Eine Zeitungsbotin. —fll Gürr bestel Freuitt nicht dei(üch Weiten nicht Heiligaßend mit(uch feier kann solaßt ihn greifbar Gure Freude teilen und fteg m Sey““,„„mit Hran! Ein Schaumweingruß aus der Heimal wird jedem Freund in der Ferne viel Freude zu Weihnachten machen. Da wissen Sie am Heiligabend: Jetzt weill er dennoch in Gedanken bei uns! Zum Wohle, lieber Junge, guter Freund! In den Weinhandlungen und Feinkostgeschällen erhalten Sie Schaumwein zum Preise von RM.50, RM.—. RM.50(und höher) die ganze Flasche. K Seite 8 Nr. 283 7 Bochumer Anzeiger„ Dienstag, 3. Dezember 1935 Anterhaltung Der Letzte Tiedemann Von Ookannes von Kunowski Tief eingebettet in dunkle Bogen und braunes Fachwerkgebälk liegt die Domschenke. Grüne Butzenscheiben sperren vor mächtigen Fensternischen allem Fremnden den Weg zu diesem Winkel, wo man an weißen Holztischen sitzt und aus altmodischen Gläsern die edlen Weine trinkt, die unten tief im Keller noch aus den Zeiten der kundigen Domherren lagern. Jeden Abend um sechs Uhr trat der alte Herr Senator in das Zimmer. Wenn sich die schwere Tür vor ihm auftat, drang mit dem Fallen des Regens oder dem Kreischen der eisernen Bäckerbrezel von gegenüber gerade auch der sechste und letzte Schlag vom Domturm ein in die Schenke. Bertram, der Küfer, rückte den hohen Lutherstuhl, vor dem schon auf dem Tische das schwere Glas stand. Und als diesmal der Küfer mit der Kanne kam, und der schwere Wein zum Glase rann, da gab es einen leisen Laut, einen Sprung, und der Wein glitt über die Finger des alten Herrn, die das Glas gehalten. Wie versteinert saß Senator Tiedemann.„Nun ist es so weit“, will Küfer Bertram ihn murmeln gehört haben, wie er am nächsten Tage erzählte.„Nun ist es so weit!“ Ein neues Glas und frischer Wein—, doch der alte Herr saß in seinem Stuhle, den Kopf tief auf der Brust, und sann vor sich hin. Kein Scherzwort, kein gut gemeintes Reimen von Glück und Glas und Scherben uns was uns sonst noch gerade einfiel, vermochte ihn zu ändern. Er war immer ein Stiller, ein Insichgekehrter gewesen, der Herr Senator, und wir Jüngeren konnten nie viel Zusprache mit ihm halten. Jetzt aber dauerte uns der alte Mann, und wir drängten uns an ihn, ihm seine trüben Gedanken zu vertreiben. Da blickte Herr Tiedemann auf. Sah uns alle, die wir um ihn saßen, der Reihe nach an. „Ich weiß, ihr Herren, daß Sie es gut meinen und mir Altem den Blick wieder nach außen, ins Leben richten wollen. Das mit dem Glas“ eine müde Handbewegung über den Tisch fegte noch einmal Scherben und Augenblick hinweg.„ist wohl ein Nichts für den, den es nichts angeht. Mich aber...“, jäh brach er ab, und wieder musterten seine Augen unsere Runde. „Bertram, wie lange ist es wohl her, daß ich jeden Abend hier zu Ihm komme?“ fragte er dann über unsere Köpfe hinweg den Küfer. „Je, Herr Senator, das muß nun schon seit dem großen Kriege sein. Ich weiß noch wie gestern, wie wir hier die alten, die ganz alten Fässer zapften, wenn wieder eine Festung gefallen war oder der Hindenburg so bei kleinem eine ganze russische Armee gefangen hatte“, war die Antwort. Senator Tiedemann nickte.„Seit dem August 1914, nun über 20 Jahre“, sprach er vor sich hin,, und in demselben August fiel mein Sohn und ich wurde ganz einsam auf dieser Welt.“ Und was der alte Herr dann weiter sprach, halb für sich, halb für uns, die wir uns ihm willig zudrängten, war eine kurze, einfache Geschichte, eine Geschichte aber, die einstmals zwei Leben zerbrochen hat. „Der Leutnant Hanno Tiedemann ist mit der Gardeartillerie einer der ersten draußen in Belgien gewesen, damals, Anno vierzehn. Er war mein Einziger und seine gute Mutter schon tot seit bald fünf Jahren. Und als wir hier am 23. August beisammenstanden, viele alte Herren, die nun auch lange schon begraben und anstießen auf den Sieg unserer Truppen, da sprang auch damals ein Glas in meiner Hand. Sprang, und der Wein floß über meine Hand wie heute, dick und schwer und tropfte laut nieder auf die Dielen. Vor mir aber stand in diesem Augenblick mitten zwischen den alten Herren— mein Sohn! Feldgrau, wie ich ihn in Berlin beim Ausrücken zum letzten Male gesehen, mit Helmüberzug und grünem Sträußchen vorn zwischen den Knöpfen, stand dort und sah mich an. Sah mich an, daß ich diesen Blick nie mehr vergessen habe bis zum heutigen Tage.“ Der alte Herr nahm sein Glas, und ohne aufzusehen erklang seine Stimme von neuem in der Stille. „Der, der neben dem Stadtältesten Kruse gestanden hatte, war wohl ein Feldgrauer gewesen, ein Freiwilliger von den Neunundsiebzigern und Kruses Sohn dazu, wie man mir später erzählte, für mich aber hat dort der Hanno Tiedemann gestanden, der Leutnant Tiedemann, der am selben Tage und zur gleichen Stunde bei St. Gérard vor Namur zwischen hohen Kornmieten gelegen hat, und dessen Blut sich verströmte in belgische Erde. — Seit diesem. Tag, wo das Glas hier sprang, bin ich einsam geworden unter den Menschen, einsam seit nun über zwanzig Jahren. Und heute, ihr Herren, heute ist wieder ein Glas gesprungen unter meiner Hand, und der Wein lief schwer über meine Finger.“ Senator Tiedemann erhob sich. Schüttelte einem jeden von uns die Hand, dann ging er. Groß und breit stand er noch einmal im Rahmen der Tür, weiß leuchtete sein Haar zwischen Hut und Kragen auf,— dann haben wir ihn nie mehr gesehen. Er sei krank,— hieß es am nächsten Tage, er sei tot,— am übernächsten. Wir haben ihn dann begraben, draußen, neben dem Holzkreuz, das er dem Andenken seines Sohnes errichtet. Es war der letzte Tiedemann in unserer alten Stadt, in der sein Geschlecht seit mehr als vierhundert Jahren im Rate gesessen. Nur ein hoher, gläserner Pokal in des Rates Weinstube trägt noch heute der Tiedemann=Wappen, den gelben Balken quer in rotem Felde, und als ich mir letzthin dieses alte Stück vom Diener weisen ließ, da lief mitten durch das farbige Wappenschild ein Sprung, und der Diener sagt, daß er noch neu sein müsse, erst wenige Wochen alt. Die Kkeine Fisckerin Eigentlich hieß sie Martha Fischer— ich kann mich aber nicht entsinnen, daß man sie je mit ihrem richtigen Namen angeredet hätte. Wir alle nannten sie nur„die kleine Fischerin“, und das mit Recht, denn sie war tatsächlich so, klein, daß wir Kinder ihr buchstäblich der Reihe nach— jedes Jahr eines— über den Kopf wuchsen. Sie war Hausnäherin, und ich erinnere mich, daß die Tage, an denen sie zu uns ins Haus kam, für uns Feiertagen glichen! Wenn meine Mutter uns eines Tages nach einem Blick auf ihren in der Küche aufgehängten Kalender in Aussicht stellte, daß die kleine Fischerin in der nächsten Woche käme, dann freuten wir uns alle, nicht etwa nur auf die neuen Kleider, sondern viel mehr auf die kleine, unscheinbare Fischerin, die wie immer ihren Einzug im Kinderzimmer halten würde. Wie deutlich sehe ich noch ihr Handwerkszeug vor mir, ohne daß sie nie kam, das schwarze, abgenutzte Nadelkissen, die große, zu unserem Entzücken magnetische Schere, das abgegriffene Metermaß, dessen Zahlen kaum mehr zu lesen waren und die alte, verbogene Stahlbrille, die an den Bügeln mit Zwirnsfäden repariert war. Endlich sollte sie wieder kommen! Uns Großen schien der Vormittag in der Schule gar kein Ende zu nehmen, und wir beneideten die Kleinen, die zu Hause bleiben und dem Erscheinen der kleinen Fischerin beiwohnen durften. War der Vormittag dann endlich um, dann ging es im Sturmschritt nach Hause, der Schulranzen flog in die erste beste Ecke und wir stürzten hinauf ins Kinderzimmer. Da saß sie an der Nähmaschine. und um sie herum lagen wahre Berge von bunten Stoffen und Schnittmustern. Wie sie sich freute, uns. wiederzusehen. Sie strahlte über das ganze Gesicht und zwinkerte uns mit ihren guten, kurzsichtigen Augen über den Brillenrand vergnügt zu, als wollte sie sagen:„Na, ihr Halunken, ohne mich geht's doch nicht!“ Erzählen konnte die kleine Fischerin wie keine! Immer wieder mußte sie von unserer Mutter berichten, als diese noch ein Kind war wie wir und ihre Kleider von der kleinen Fischerin gemacht bekam, und die— nach ihren Aussagen— tatsächlich ein wahres Musterkind gewesen sein mußte! Oder sie mußte uns von dem bescheidenen Haus mitten in der Stadt erzählen, in dem sie mit ihrer alten, fast blinden Mutter wohnte, und in dem sie geboren worden war. Immer wieder konnten wir auch die traurige Geschichte von der Linsensuppe hören. Linsensuppe war einstmals ihr Leibgericht gewesen, und alle Familien, in denen sie nähte, wußten das. Natürlich wollte man ihr überall eine Freude machen und Linsensuppe kochen! So kam es, daß die arme kleine Fischerin einmal hintereinander fünfmal Linsensuppe bekommen hatte, als sie zu uns kam. Meine Mutter, die das natürlich nicht ahnte, hatte ihr zuliebe Linsensuppe gekocht— und seit der Zeit konnte die kleine Fischerin keine Linsensuppe mehr sehen! Wenn wir dann zum Essen gerufen wurden, dann holte mein großer Bruder schnell aus Vaters Bücherschrank einen dicken Lexikonband zum Draussitzen für die kleine Fischerin, denn ohne diese technische Hilfe hätte sie wahrscheinlich ihrer kleinen Figur wegen mit der Nase gerade über den Tischrand gereicht. Einmal kränkten wir sie sehr, obwohl wir es wirklich gut gemeint hatten! Auf dem Boden stand unter anderen alten Sachen auch ein kleiner Kinderklappstuhl von meiner jüngsten Schwester. Diesen Stuhl stellten wir ihr eines Tages im Eßzimmer an ihren Platz, aber als sie ihn sah, fühlte sie sich verhöhnt und weinte, sie bat sogar, von jetzt an allein im Kinderzimmer essen zu dürfen! Nur mit Mühe gelang es uns damals, sie zu versöhnen und wir ernteten von der Mutter einen ernsten Tadel. Ueberhaupt, ohne uns etwas Böses dabei zu denken, trieben wir allerlei Schabernack mit der kleinen Fischerin. Wir wollten sie ja nicht kränken, ihr auch nicht weh tun, sondern nur unseren Spaß haben! Und sie nahm nichts übel, verzieh uns die versteckte Schere, die unter ihrem Stuhl angebundene Schelle, die sich bei jeder Bewegung bemerkbar machte, die fast jedesmal zugehefteten Aermel ihres Mantels und die fein säuberlich nach links umgedrehten Handschuhe. Eines Tages starb die Mutter der kleinen Fischerin, nun hatte sie nur noch für sich selbst zu sorgen und konnte sich manchmal einen freien Tag leisten, dann kam sie wohl zu uns in den Garten, aber meistens war sie doch noch fleißig und arbeitete für uns; Kinderkleider und Wäsche entstanden unter ihren Händen, um die Weihnachtszeit herum wurden die Puppen mit neuer Garderobe versorgt. und als ihre Augen schlechter wurden, besserte sie noch die Wäsche aus. Eines Tages kam sie, die sonst immer auf die Minute pünktliche, nicht zu uns. Vor einer Woche hatte sie das Brautkleid für eine meiner Schwestern genäht, das wollte sie sich doch nicht nehmen lassen, heute sollte sie wieder Ausbessern. Als es Mittag geworden war, ging meine Mutter mit mir in ihre Wohnung, um nach ihr zu sehen. Da lag sie auf ihrem bescheidenen Bett, die kleine Fischerin. Still und friedlich war sie am Abend eingeschlafen, um nicht wieder aufzuwachen. Auf dem Tisch stand aber schon ihre kleine, geflickte Wachstuchtasche, fertig gepackt, mit der sie zu uns kommen wollte. Die kleine Fischerin ist nun schon lange Jahre tot. In uns aber lebt sie noch, wir werden sie nie vergessen und ihr immer dankbar sein für die freudevollen Stunden, die sie unserer Kindheit schenkte. A. S. Siebentätsel Aus nachstehenden 53 Silben sind 18 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben sowie vierte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, vier bekannte Namen aus der Weltkriegszeit ergeben. Die Silben lauten: al— bri— eal— chen— eup— da— das dat— de— del— 41— don—.—.—.— en— en— fa— fau— gard— ge— hi— kan le— ler— lip— mar— müt— na— nanz nat— nau— ner— nl— ny— 0— on— or rech— reif— rl- rin— rock— ron— 4 stief— ter— tern— thei— um— vis— witz Die Wörter bedeuten: König von Sparta Mittelitalienische Landschaft Internationaler Sportwanderpreis Tempel in Athen Schlangengattung Indische Stadt Meldereiter Kleidungsstück Italienischer Wein Tierwelt General des Weltkrieges Französische Kolonie Spanischer Dramatiker Anwärter Ratbematische Figur Pommersche Stadt Veilchenart Griechische Rachegöttin Lösung des Silbenrätsels vom 27. November: Petschaft, Arion, Sterling, Erbgroßberzog, Irrelohe. Standarte, Festung, Gelöbnis, Prater, Sirene, Rienzi, Schere— Sorgen töten eher als Arbeit. as TMunder der Woris Malten HEINRICH ZERKAULEN 9) „Hören Sie mal, mein Kind“, sagte er auch jetzt und öffnete einen Fensterflügel, weil er rasch ein paar Züge rauchen wollte. Er verbreitete wie immer eine Wolke Eau de Cologne um sich. „Hören Sie mal, der Krankenbericht Bett 14, Station B, von gestern stimmt nicht. Den müssen wir umschreiben. Hat der Chef ihn schon gelesen?“ „Nein, Herr Doktor“ „Geben Sie einmal her.“ Schwester Doris sucht in der Mappe Tageseingang Bett 14, Station B. Ueberschrift: Leberschwellung. „Hat sich wat mit Leberschwellung“, sagte Dr. Olden. Er drückte sich die Zigarette aus und reckte sich gewaltig. Er lachte. „Entschuldigen Sie bitte, Schwester Doris, aber dat Bett 14 jetzt auf der Nase und starrt unentwegt auf die weiße Decke des Zimmers, ob nicht der Himmel sich öffnet und ihm Erlösung wird. Ihr Männer in eurem weißen Mantel, mit der Zigarette im Mund und dem Fiebermesser in der Westentasche was denkt ihr im Tiefsten, wenn ihr so an einem Bett sitzt, den Puls zählt und auf den Sekundenzeiger eurer Uhr starrt. Der Sekundenzeiger betrügt euch, er rennt mit euch selber fort, und ihr merkt es nicht einmal. Bis ihr auch einmal so daliegt wie Bett 14, Station B, Ueberschrift: Leberschwellung. „Ich bin gar kein Kamerad, Herr Dr. Olden, ich bin eine Schwester.“ „Schwestern sind immer Kameraden.“ „Schwestern sind immer nur Geduldete, Herr Dr. Olden.“ Nicht nur, daß er die ihm geläufige Anrede„mein Kind“ so gut wie unterließ, er fiel auch nicht mehr in seinen rheinischen Dialekt, selbst wenn er sich in guter Laune befand. Er nahm sichtlich Bedacht darauf, das Alleinsein mit Schwester Doris über das Dienstliche hinaus nicht unnötig zu verlängern. Und dienstlich war er von einer fremden, fast überhöflichen Aufmerksamkeit. die ihm sogar einmal die Anrede„gnädiges Fräulein“ entfallen ließ. Während sich Fritz Olden ganz offenbar mit etwas abplagte, worüber er mit sich selber noch nicht ins reine kam, entwickelte sich die Arbeit zwischen dem Chef und seiner neuen Privatschwester von Tag zu Tag reibungsloser und selbstverständlicher. Die Tageseinteilung besorgte Oberin Mathilde in Gemeinsamkeit mit dem Professor. Oberin Mathilde stellt die eigentliche Seele des Amailen=Krankenhauses dar, das Zünglein an der Waage, den Dymano, Ihr unterstanden Bohnerwachs und Konserven, die Personalien und Medikamente, das Inkasso der Rechnungen und die Ueberprüfung der Ausgänge. Durch Oberin Mathilde wurden die Särge bestellt oder die Pferdedroschken für die erste Ausfahrt nach der Genesung. Oberin Mathilde kannte die Tränen und Seufzer von list ein Simulant. Ich bin neugierig, wann Olden dahinterkommen wird. Oberin Mathilde war in ihrer geräuschlosen Art aus dem Zimmer gegangen. Als der Professor aufblickte und sinnend den Kopf auf die Hand stützte, war niemand da. Durch die gepolsterten Türen klang schwach und wie aus weiter Ferne das Klopfen auf der Schreibmaschine, das Schwester Doris mit Hingebung vollführte. Diesem fehlt die Frau, und jenem fehlt die Frau. Nur mir nicht. Ich bin als Infanteriearzt mit im Schützengraben gewesen, vier Jahre hindurch. Ich habe gehört, wie sie nach der Frau gestöhnt haben. Warum habe ich nicht gestöhnt? Ganz einfach, weil es zu meinem Beruf nicht paßte. Weil es nicht paßte zu den Granaten und zu dem Dreck. Zum Hunger und zu dem Blut, zu den Läusen und zu den Gasmasken. Weil es nicht paßte zum unerbittlichen Befehl. Und paßte es hernach auch nicht, Professor Rosen? Hernach paßte es auch nicht. Nicht, weil ich ein Streber wäre oder zu hohe Ansprüche stellte. Aus sonst keinem Grunde als aus dem: weil es um ganz andere Dinge im Leben geht als um die Frau. Weil das überhaupt nicht aufhört mit den Granaten, dem Dreck, dem Spende! Spende!- Die Not wende! Leben is so schön. Et schlägt einem manchmal direkt in die Glieder.“ Wie ein großer Junge ist Dr. Olden. Und Liebling vom Chef. Und alle verwöhnen ihn. Er ist Arzt aus dem Geblüt und schuftet wie ein Pferd. Durch nichts abgelenkt. Die beiden maßgeblichen Aerzte des Amalien=Krankenhauses sind unverheiratet, unpolitisch, desinteressiert an allem, was außer Station A und B in der Welt noch vor sich gehen mag. „So ein richtiger Kämerad wie Sie hat uns einfach noch gefehlt, Schwester Doris.“ Seit sie von den Stationen fort war. mit den Kranken nicht mehr so in persönlichem Verkehr stand, ging es bergab mit ihr. Ich bin nicht der Kamerad für euch, dachte Doris. Ihr wollt Arbeit und Zupacken, einen sauberen Schreibtisch, saubere Reagenzgläser. Ihr reckt euch vor gesunder Lebenskraft und stellt Schwestern ein, die im einnersten Lebensnero krank sind. Ich bin rettungslos verliebt in euch, in dich, Professor Rosen. und in dich, Fritz Olden. Aber ihr merkt nichts. Hans Quellin hat mich nicht geküßt, und ihr küßt mich auch nicht. Was tut ihr denn alle so, als ginge es um wer weiß was im Leben? Frage doch einmal Bett 14, Station B. Fritz Olden. Du diktierst jetzt vielleicht anstatt Leberschwellung Nierenschrumpfung. Ich aber sage dir. es ist Liebe. Nichts als Liebe. Beit 14. Station B. hat zu viel geliebt oder zu wenig geliebt. Darum liegt „Haben Sie eine Ahnung, Kind. Für seine Schwester haut man sich zum ersten Male im Leben, für seine Schwester schwindelt man zum ersten Male, für seine Schwester schwärmt man zum ersten Male.“ „Ich habe nie einen Bruder gehabt“, sagte Doris traurig. „Schade mein Kind. Das ist allerdings sehr schade.“ In das kleine Zimmer im großen Amalien=Krankenhaus drängen sich allerhand Bilder und allerhand Menschen. Der alte Regierungsbaumeister Olden, die Mutter, zwei Schwestern. Der Ingenieur Robert Malten. Frau Stephanie Art, Hans Quellin. Ganze Straßenzüge bauten sich auf. Kindheiten, Schulen, der Rhein, die Elbe. Kriegsjahre, Notjahre, Universitäten, Wäschefirmen, Sparkassenbücher und holländische Narzissen. Wie Milliarden von Staubfäden im breiten Strom eines Sonnenstrahls. Und der Strahl lief quer durch das Zimmer vom Fenster, wo Fritz Olden stand. bis an die Tür zur Schreibmaschine, vor der Doris Malten saß. Mitten in die Stille hinein tönten da plötzlich vom Hafen her überlaut die Sirenen eines der großen Ozeanschiffe. Dr. Olden, wie erwachend, zerriß den Krankheitsbericht von Bett 14, Station B „Schreiben Sie bitte, Schwester Doris.“ Es war seltsam. Seit dieser Stunde benahm sich Dr. Fritz Olden irgendwie anders zu Schwester Doris. seiner ganzen Generation Menschen, ihren bettelnden Blick in den Augen, die Angst vor der Entscheidung. Oberin Mathilde war darüber weiß geworden und weise Ihre erklärten Lieblinge aber hießen, sowohl in der Reihenfolge der Hausordnung als auch nach dem Grade ihrer mütterlichen Zuneigung: Professor Rosen, Dr. Olden und Schwester Doris. „Sie haben einen vortrefflichen Riecher gehabt in bezug auf Schwester Doris.“ Die Oberin dankte lächelnd für das Lob. „Sie ist vor allen Dingen sauber, Herr Professor.“ „Das sind blonde Frauen meistens, Frau Oberin.“ „Schon, Herr Professor, dafür aber auch unruhiger.“ Der Professor sagte nur:„So.“ Dann= nahm er erneut die Krankengeschichte von Bett 14, Station B, vor. Die Diagnose stimmt nicht, wenigstens nicht nach Professor Rosens Befund. Dr. Olden rätselte mit merkwürdiger Unsicherheit an diesem Fall herum. Dabei war Bett 14 nichts anderes als ein schwerer Neurastheniker, einer von den Gekippten der Generation Ende der neunziger Jahre, die mit allen Hoffnungen in den Krieg zogen und mit allen Enttäuschungen zurückkehrten. Einer von denen, die sich nicht mehr zurechtfanden oder sich nicht mehr zurechtfinden wollten. Ihm fehlt nichts als ein Mensch, für den er arbeitet, dachte Professor Rosen, ihm fehlt nur eine Frau. Er Hunger, dem Blut. den Läusen und den Gasmasken. Und wenn man schon im Schützengraben des Alltags steht und immer wieder sieht und an sich selbst erlebt, daß der Stellungskampf nicht aufhören will, soll man da noch eine Frau mit hineinzerren, um sie untergehen zu lassen? Wer aber sagt das denn, Professor Rosen, daß sie untergehen muß! Meine: Augen sagen es mir, die Erfahrung sagt es mir. Die Betten von Station A und B sagen es mir alle Tage. Ob du nicht irrst, Professor Rosen? Ganz ausgeschlossen, daß ich mich irre. Hundert Krankenberichte, tausend Krankenberichte beweisen es mir. Das hat immer angefangen mit Blumen im Knopfloch und aufgehört mit Tränen in den Augen. Gewehr im Anschlag und Gewehr bei Fuß. Das Sturmsignal und das Signal zum Sammeln. Was dazwischen liegt ist immer die Frau. Also könntest du doch nur froh sein über deine fabelhafte Entdeckung. Weil sie doch vor Enttäuschungen bewahrt, die unnütz sind. Eben nicht. Ich bin trotzdem nicht froh. Und das ist ia das Aergerliche an der ganzen Sache. Ich gebe mie künstlich den Anschein, als berühre es mich nicht. Und es berührt mich doch. Dann ist dir eben nicht zu helfen, Professor, Rosen. chorset Forrsetzung folgr) Seite 9 Nr. 283 7 Bochumer Anzeiger, Dienstag, 3. Dezember 1933 Tus aller OTSrtterter unter Safser Taucher auf der Suche nach Granaten, Staatsverträgen und goldenen Ringen Berlin, 2. Dezember. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß es nur an der Nord= und Ostsee Taucherstationen in Deutschland gibt. Nein, den Männern, die in ihrer schreckerregenden„Uniform“ ihrem lebensgefährlichen Handwerk unter dem Wasserspiegel nachgehen, bieten sich auch im Binnenland viele Betätigungsmöglichkeiten, und diese Arbeit ist mitunter nicht minder aufregend und interessant, wie die in den Salzfluten des Meeres. Im Westen der Reichshauptstadt hat eine der bedeutendsten deutschen Binnentaucherstationen ihren Sitz. Nur ein kleines Schild macht darauf aufmerksam, daß sich hier eine „Spreng= und Tauchgesellschaft" befindet. In dem Arbeitszimmer des Leiters findet man keinerlei Taucherausrüstung oder malerisch aufgestapelte Trophäen— ein Marinedegen an der Wand, ein Kriegswimpel, das ist alles. „Vom Wegsprengen alter Brückenfundamente bis zum Heraustauchen verlorener Gegenstände gibt es wohl nichts, was wir nicht schon gemacht haben", erklärt uns der ehemalige Kapitänleutnant. Und dann holt er aus der umfangreichen Truhe seines Gedächtnisses einige besonders interessante Erlebnisse heraus. Flugzeugsturz in den See „Eine Bergung mit Hindernissen und einem unwahrscheinlichen Haufen Glück für alle Beteiligten war die Hebung eines Flugzeuges der Oesterreichischen Luftverkehrs=AG., das beim Notlanden auf dem Wörther See abgesunken war. Das Telephon klingelte: „Können Sie sofort Taucher nach Oesterreich schicken— dringend— wasserdichter Koffer mit diplomatischer Post ist herauszufischen— muß sofort geborgen werden!" Um 20.45 Uhr Anruf, 21 Uhr Besprechung, 21.30 Uhr Vortrag über Hebung der gesunkenen Maschine.„Bis dahin war alles glatt gegangen“, meint der Kapitänleutnant.„Doch es war Ostersamstag, und ich mußte meine Leute zusammentrommeln, die sich nach allen vier Richtungen verstreut haben konnten. Zuerst den Betriebsleiter, den ich von seinem fertig gepackten Wochenendkoffer weg ins Auto holte. Dann die einzelnen Taucher durch Telegramme von ihren Laubengrundstücken. Früh um 6 Uhr ist alles versammelt, und die Fahrt kann losgehen. Eine Stunde nach Eintreffen der Tauchermannschaft war bereits der Koffer aus 16 Meter Wassertiefe geborgen. Das Flugzeug selber war zum Glück in dieser Tiefe auf einem Felsvorsprung hängen geblieben. Es blieb nichts anderes übrig, als das zerbrochene Fahrwerk und die Tragflächen abzumontieren und einzeln herauszuschaffen, dann ein neues Fahrwerk— alles unter Wasser— anzubringen, schließlich den Rumpf anzuheben und von der Felsnase wegzuziehen. Innerhalb von zwei Tagen war das Flugzeug wieder an Land gebracht, der Koffer in Wien und die Bergungsmannschaft bereits auf der Rückreise...“ Granaten— unter Wasser Wie dem„Reiter über den Bodensee“ muß es den Arbeitern gegangen sein, die zwischen dem Weißen See und dem Jungfernsee ein Ufer abtrugen, um den Kanal zu verbreitern, und plötzlich zusammen mit den Sandmassen 60 Granaten aus dem Greiferkorb des Krans in den Lastprahm hinunterplumpsen sahen.„Wie sie auf den Flußgrund gekommen waren, wußte anfangs kein Mensch zu erklären— erst allmählich stellte es sich aus Vernehmungen der älteren Anwohner heraus: Zu Beginn der Revolte 1918 sollten die Munitionsbestände des Hilfs=Artilleriedepots Nedlitz zum Artilleriedepot Potsdam übergeführt werden. Doch die Fuhrleute, die den Auftrag bekommen hatten, ließen sich die Arbeit nicht allzu schwer fallen— hinter der Brücke machten sie rechtsum und kippten die Granaten einfach von der Böschung hinunter ins Wasser. Sofort wurden die Arbeiten zum Stillstand gebracht.„Es war Winter—“, erzählt der Kapitänleutnant,„die Taucher mußten durch treibende Eisschollen hinabgehen und Fuß für Fuß den Grund absuchen. Eine Dampfmaschine saugte mit Rohren den Sand hoch, der die Granaten vielleicht noch bedecken konnte, so daß jedes Stück gefunden werden mußte. Vier Wochen lang dauerte die Arbeit bei fünf Stunden täglicher Arbeitszeit, und als zum Schluß als Ausbeute einige Kästen mit Maschinengewehr=Munition und ein halbes Dutzend Schrapnells gefunden waren, konnten wir sagen, daß aber auch keine einzige Patrone mehr auf der Strecke lag, und die Arbeiter jetzt vor neuerlichen Ueberraschungen sicher sein konnten!" Der Ring von der Mutter Aber nicht nur große Objekte sind es, mit denen sich die Taucher zu befassen haben. Gerade die kleinen Gegenstände bereiten die meisten Schwierigkeiten. Wenn einer Dame beim Rudern beispielsweise ein kostbares Schmuckstück ins Wasser fällt oder eine Schwimmerin, die auch im Wasser nicht auf ihr wertvolles Armband verzichten wollte, von dem Mißgeschick getroffen wird, daß die Verschlußkette reißt. Die Kosten für eine derartige Bergung, die oft tagelang dauert, sind nicht unerheblich. Der seltsamste Fall in dieser Hinsicht war die Bergung eines schmalen Silberringes im Werte von zwei Reichsmark, die dem Besitzer— 2650 Reichsmark kostete, eine Summe, die er glückstrahlend und See den schmalen Silberreif, den ihm seine Mutter auf dem Sterbebett zum Andenken gegeben hatte, ins Wasser fallen. Er war über den Verlust so untröstlich, daß er jeden Betrag auszugeben bereit war, wenn man den Ring wiederfinden könne. Nachdem die Dampfschiffe in der Regel ziemlich genau ihren Kurs einhalten, versuchte man es den Schmuck wiederzufinden. Nach vielen Tagen gelang das Kunststück wahrhaftig, einer der Taucher entdeckte den kleinen Ring in einer Tiefe von 26 Meter. Das wertvollste Stück, das die TaucherWannsee eingeladen war. Das größte Glück hatte die Versicherungsgesellschaft dabei, die im Falle eines Verlustes 10 000 Pfund hätte bezahlen müssen. Nach 50 Jahren heimgekehrt Trauriges Los einer rußzlanddeutschen Frankfurt a.., 2. Dezember. Nach genau 50 Jahren ist jetzt eine auslandsdeutsche Familie aus dem Sowjetparadies in ihre alte Heimat, den Westerwaldort Biersdorf, vollständig mittellos zurückgekehrt. Die Familie verließ 1885 den kargen Westerwald, um sich in Rußland eine neue Existenz zu gründen, und sie hatte dort bis zum Weltkrieg Erfolg. Während des Krieges sind dann mehrere Familienmitglieder nach Sibirien verbannt worden. Der Vater ist im sowjetrussischen Gefängnis gestorben. Der Sohn hat diese Gefängnisse des Sowjetparadieses erst kürzlich verlassen. Völlig mittellos mußte er innerhalb sieben Tagen mit all seinen Angehörigen die Sowjetunion verlassen. Das Schicksal einer deutschen Bauernfamilie in der Sowjetunion, das typisch für alle ist und das dem deutschen Volke und der ganstation jemals barg, war die Brillantnadel eines indi Welt jetzt durch den Film„Friesennot“ in lebensschen Fürsten, der zu einer Motorbootfahrt auf dem wahrer Gestaltung gezeigt wird. Katsel un die Wilde Grap Neue schwere Belastungsmomente Köln, 2. Dezember. Seit längerer Zeit ist über das Verschwinden der Juwelierswitwe Graß kein neues Moment mehr zutage getreten. Jetzt erhält die Geschichte, die der Kriminalpolizei bisher viel Kopfzerbrechen gemacht hat(wie der „Westdeutsche Beobachter“ zu melden weiß) ein völlig neues Gesicht durch Aussagen aus den Kreisen jener Leute, denen der Täter vermutlich angehört. Dort erzählt man sich folgendes: Es habe sich Anfang Oktober noch im Klingelpütz ein Mann befunden, der es als eine angenehme Unterbrechung seines nicht gerade an Sensation reichen Gefängnislebens auffaßte, daß man ihm den Anstrich der Gänge und Fluren in einem Flügel des Untersuchungsgefängnisses übertragen habe. Bei dieser Gelegenheit kann die Ueberwachung naturgemäß nicht immer so scharf sein, wie sie sonst im Gefängnis durchgeführt wird. Unter anderen sei auch der frühere Hausgenosse der seit Jahresfrist spurlos verschwundenen Juwelierswitwe Graß, ein gewisser Ludwigs, mit dem Anstreicher ins Gespräch gekommen. Als Ludwigs erfuhr, daß jener nur noch 14 Tage„auf der Latte“ habe, bat er den Anstreicher um eine Gefälligkeit, die gut bezahlt werden solle. Er wollte den Mann dazu anstiften, als Kronzeuge dafür aufzutreten, daß die Witwe Graß nicht verschwunden sei. Zu diesem Zweck solle er einen hiesigen Rechtsanwalt aufsuchen und ihn veranlassen, durch einen Aufruf in der Presse Zeuge zu suchen dafür, daß die Frau Graß nach ihrem angeblichen Verschwinden noch von ihnen gesehen und gesprochen worden sei. Wenn dies geschehen sei, so Rosenstraße gesprochen. Er solle einfach angeben, daß er in jenem Hause eine Wohnung habe mieten wollen, sich aber wegen des Mietpreises nicht hätte einigen können. Ludwigs gab dem Manne eine genaue Schilderung der Frau Graß und fügte hinzu, daß diese Angaben natürlich beeidigt werden müßten. Für diese„Gefälligkeit" stellte Ludwigs dem Manne eine Barbelohnung von 3000 Mark in Aussicht und gab auch gleich den Makler an, der ihm diese Summe anstandslos ausbezahlen werde. Der Anstreicher redete sich damit heraus, daß er all diese Angaben nicht behalten könne. Ludwigs solle ihm doch die einzelnen Punkte aufschreiben. Das geschah, und so entstand dann ein„Kassiber“, der trotz aller Aufsicht ins Gefängnis hineingeschmuggelt werden konnte. Auch in Juristenkreisen erzählt man sich von diesem„Kassiber“ und beurteilt ihn von dem Standpunkte aus, daß eben ein Gefangener alles versuche, um sich aus seiner Lage zu befreien. Dabei müsse jedoch betont werden, daß die Verleitung zum Meineid allein schon eine schwere Straftat darstelle, derentwegen Ludwigs zur Verantwortung gezogen werden muß, auch wenn man ihn etwa wegen eines Mordes nicht überführen könne und mithin freilassen müsse. Gendarmeriewachtmeister und seine Frau ermordet In den frühen Morgenstunden des Samstags wurde in Rostken im Kreise Lyck eine furchtbare Bluttat entdeckt. Man fand den Gendarmeriewachtmeister Rode und seine Ehefrau im Schlafzimmer ihrer Wohnung in solle nun der Anstreicher sich melden und sagen, auch einer großen Blutlache liegend tot auf. Nach den biser habe die Verschwundene noch nach der Zeit ihres herigen amtlichen Feststellungen handelt es sich um angeblichen Vermißtseins in ihrem Hause auf der einen Doppelmord. Neues Unwhrikel adet Frantreich Besonders starke Schäden an den Küsten Paris, 2. Dezember. Ueber ganz Westfrankreich tobte am Sonntag wiederum ein heftiger Sturm, begleitet von starken Regenfällen. In Brest riß der Wind mehrere Dächer von den Häusern und im Hafen wurden zahlreiche kleinere Schiffe von ihren Ankern losgerissen. In Cherbourg hat der starke Regen an verschiedenen Stellen Ueberschwemmungen verursacht, so daß der gesamte Zugverkehr auf der Eisenbahnstrecke Sottevast und Couville eingestellt werden mußte. In der Gegend von Le Havre legte der Wind zahlreiche Bäume und Telephonmasten um. Der starke Regen verursachte ein Absaufen der Kabel, so daß eine große Anzahl von Fernsprechteilnehmern aus der Umgegend keine Telephonverbindung mehr hatte. In Paris hat der Sturm ebenfalls beträchtlichen Schaden angerichtet. Zahlreiche Fensterscheiben und selbst Schaufenster wurden eingedrückt. Abwechselnd gingen heftige Regenstürme oder Hagelschauer nieder. Die Straßen von Paris waren übersät von abgebrochenen Baumästen und in dem großen Park wurden mehrere Bäume entwurzelt. Auch Schornsteine und Windrichtungsanzeiger wurden von der Gewalt des Sturmes heruntergerissen und Bauzäune sowie Baugerüste stürzten zusammen. Auch im Mittelmeergebiet herrschen schwere Weststürme. Zahlreiche Schiffe haben beträchtliche Verspätungen. Der Dampfer„La Cornse“ ist auf den Felsen von Carro aufgelaufen; er konnte jedoch nach einigen Stunden mit eigener Kraft wieder freikommen. In einem kleinen Hafen bei Lannion an der bretonischen Küste ist ein Motorschiff durch den Sturm überrascht worden, der Mast ging über Bord und das Schiff wurde gegen die Uferfeisen getrieben. Zwei Matrosen versuchten mit aller Kraft, das Schiff aus der gefährlichen Richtung zu bringen, was ihnen schließlich auch gelang. Leider wurden die beiden kühnen Seeleute bei ihrem Rettungswerk von einer Welle über Bord gespült und ertranken. Besonders schwere Schäden verursachte der Sturm bei Boulognesur=Mer an der Kanalküste. Hier sind gegenwärdankbar auf den Tisch legte. Ein Deutschamerikaner tig gerade große Hafenvertiefungs= und Verbreiterungsließ bei einer Dampferrundfahrt auf dem Starberger arbeiten im Gange. Alles ist wieder von den durch den Sturm aufgewühlten Meereswogen vernichtet worden. Eine Springflut hat die Verbindungen zwischen Boulogne und Wilmereux unterbrochen. Neuer Devisenprozeß Devisenschiebungen bei den„Barmherzigen Brüdern“ in Trier— Prozeß gegen fünf Ordensangehörige dnb Berlin, 2. Dezember. Vor dem Berliner Sondergericht begann am Montag morgen ein mehrtägiger Prozeß, der die Devisenschiebungen beim Orden der„Barmherzigen Brüder vom Heiligen Johannes von Gott“ mit dem Stammsitz in Trier zum Gegenstand hat. Es ist das 22. Verfahren aus der langen Folge von Devisenprozessen gegen katholische Ordensangehörige. Die Anklage richtet sich in der Hauptsache gegen den Generalschaffner Ferdinand Hoffmann, genannt Bruder Rudolf, und den Generaloberen August [Wolff, genannt Bruder Bertinus. Ihnen werden Devisenverbrechen und=vergehen bzw. Anstiftung hierzu zur Last gelegt. Mitangeklagt sind ferner wegen Begünstigung die beiden Laienbrüder Nikolaus Josef Meiser(Bruder Silvester) und Johann Sauer(Bruder Aloisius), sowie der Klostervorsteher Michael Thiel (Bruder Chrysologus) aus Trier. Sie haben nach dem Ermittlungsergebnis dem Generaloberen Wolff zur Flucht ins Ausland verholfen. Wolff konnte daher erst später festgenommen werden, als er wieder deutsches Reichsgebiet betrat. Der Orden der Barmherzigen Brüder, der 33 Niederlassungen im In= und Ausland besitzt, hatte bis zum Jahre 1929 fünf Hollandanleihen im Gesamtbetrag von 2,22 Millionen Gulden aufgenommen. Dazu kamen in den Jahren 1932 und 1933 ein Schweizer Darlehen im Betrag von 102 000 Franken und ein Darlehen von 1,5 Millionen Mark als Anteil an einer Amerikaanleihe des bayrischen Diözesanverbandes. Die devisenrechtlichen Verfehlungen stehen im engen Zusammenhang mit dem Zahlungsverkehr des Ordens nach der Schweiz und dem Saargebiet vor dessen Rückgliederung. Insgesamt sollen etwa 120000 Mark ohne die erforderliche Genehmigung der Devisenstelle zum Rückkauf von Ordensobligationen verwendet worden sein. Weiter sollen die Angeklagten unbefugt über 260 000 französische Frank verfügt haben, die dem Orden in Gestalt von Zuwendungen ausländischer Niederlassungen zuflossen. Dem Generaloberen Wolff wird vorgeworfen, den Mitangeklagten Hoffmann zum Rückkauf der Ordensobligationen angestiftet zu haben. Ferner hat er selbst nach dem Ermittlungsergebnis rund 140 000 französische Frank und 45 000 belgische Frank auf seinen Auslandsreisen einkassiert und unzulässigerweise im Ausland wieder verbraucht, sowie sich endlich der Begünstigung schuldig gemacht, indem er die gesamten Monatsberichte, aus denen sich die devisenrechtlichen Verfehlungen ergaben, beseitigen ließ. Zu Beginn der Verhandlung wurde zunächst der Generalschaffner Hoffmann zur Sache vernommen. Er erklärte, er habe die bei der Kantonalbank in Zug (Schweiz) befindlichen Auslandsguthaben nicht angemeldet, weil er sie als Schuld der Schweizer Ordensniederlassungen angesehen habe. Auch die ihm obliegende Anbietungspflicht der Reichsbank gegenüber will der Angeklagte bewußt nicht verletzt haben, weil nach seiner Auffassung die ausländischen Ordensniederlassungen im finanziellen Verkehr untereinander frei seien. Im weiteren Verlauf der Vernehmung schränkte der Generalschaffner Hoffmann vom Orden der Barmherzigen Brüder“ in Trier seine früheren Geständnisse wesentlich ein und gab immer wieder wechselnde Darstellungen. Die Frage des Vorsitzenden, ob und inwieweit der Mitangeklagte Generalobere August Wolff über die Schiebungen unterrichtet war, ließ er unbeantwortet. Der Generalobere Wolff bestritt, irgendwelche Weisungen für die Errichtung von Auslandskonten und den Rückkauf der Ordensobligationen erteilt zu haben. Er sei durchaus gutgläubig gewesen. Sehr ausführlich wurde sodann Wolffs Flucht nach Luxemburg erörtert. Der Generalobere behauptete hierzu, eine Flucht habe ihm fern gelegen. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten im Auslande wäre er nach Deutschland zurückgekehrt. tugg.u, Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt. Grausiger Fund Kraftwagen mit vier Toten im Wasser entdeckt Amsterdam, 2. Dezember. Schiffer fanden in Dorplein Onder Weert bei Eindhoven im Hafen einen Personenkraftwagen im Wasser. In dem Wagen befanden sich die Leichen von vier jungen Leuten. Es konnte noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden, wann das Unglück geschehen ist, doch nimmt man an, daß der Wagen in der Nacht, von niemand bemerkt, vom Wege abgekommen und ins Wasser gestürzt ist. Wilde Verbrecherjagd in den Straßen Brombergs. Bromberg, 2. Dezember. Eine aufsehenerregende Verbrecherjagd spielte sich in der Nacht zum Sonntag in Bromberg ab. Die Bromberger Polizei hatte erfahren, daß sich international gesuchte Verbrecher in Bromberg verborgen hielten. Als sechs Beamte in das mutmaßliche Versteck der Verbrecher eindringen wollten, sprangen plötzlich zwei Männer, nur mit dem Hemd bekleidet, durch das Fenster auf die Straße. Es handelte sich um die gesuchten Verbrecher, die mit Revolvern bewaffnet waren. Es begann nun eine nächtliche Jagd durch die Straßen der Stadt, wobei die Flüchtlinge versuchten, ihre Verfolger durch Revolverschüsse abzuschütteln. Einem der Verbrecher gelang es schließlich, in einer städtischen Parkanlage zu verschwinden, während der zweite gefaßt werden konnte. Zweites Todesopfer in Senftenberg Die Kohlenstaubverpuffung im Betriebe der Grube Meurosstollen der Senftenberger Kohlenwerke hat ein zweites Todesopfer gefordert. Im Senftenberger Knappschaftskrankenhaus starb der 48jährige Ofenwärter Eduard Strobel aus Senftenberg. Strobel war Vater von drei unversorgten Kindern. Das Befinden der beiden schwer verletzten Gefolgschaftsmitglieder Sitteck und Kostrau ist besorgniserregend. Auto fährt in Thorn in eine Abteilung Soldaten In Thorn fuhr ein Privatautomobil in eine marschierende Soldatenabteilung. Elf Soldaten wurden erheblich, zwei von ihnen tödlich verletzt. Der Chauffeur, der ohne Licht fuhr, hat sich der Verhaftung zunächst durch die Flucht entzogen. Englischer Rennfahrer zu Zuchthaus verurteilt. Der 22jährige Rennfahrer Luis Fonte, der mehrere internationale Preise errungen hatte, wurde in Warwick wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Sein Berechtigungsschein als Kraftwagenführer wurde ihm für die Dauer von zehn Jahren nach seiner Entlassung entzogen. Er hatte in angetrunkenem Zustand auf einer Landstraße ein Wettrennen mit einem anderen Kraftwagen veranstaltet und hierbei einen Motorradfahrer tödlich verletzt. Schnellzug gegen Lastzug gefahren Auf der Strecke zwischen Nordstemmen und Alfeld (Leine) stieß in der Nacht zu Montag der Münchener =Zug 75 auf der Fahrt nach Hannover bei Banteln mit einem Lastzug zusammen. Der Anhänger des Lastzuges wurde vollständig zertrümmert. Die Lokomotive erlitt derartige Beschädigungen, daß sie nicht weiterfahren konnte. Abgesehen vom Lokomotivführer, der durch Glassplitter erheblich verletzt worden ist, sind keine Menschen zu Schaden gekommen. W WS Fi gee eungeemethr WIeS! Auem *7* e □ Seite 10 Nr. 283 Bochumer Anzeiger„ Dienstag 3. Dezember 1935 Wirtschaft Dr. Schacht über die Aktienrechtsreform „Nulk ficht auf den Urtionur Der Führergedanke bei den Aktiengesellschaften: Persönlichkeiten, nicht Paragraphen Wie schon gestern kurz erwähnt, sprach am Samstag, damit gerechnet werden, daß dem Antrag stattgegeben einer Vollsitzung der Akademie für Deutsches Recht wird. Die gesetzlichen Vorschriften werden voraussichtReichsbankpräsident Dr. Schacht über die deutsche Aktienrechtsreform. Die Rede Schachts gestaltete sich zu einer Verteidigung des vielfach angegriffenen Aktionärs und überhaupt des Aktienwesens. Erst durch die Aktie sei das ungeheure Kapital zusammengebracht worden, das zum Aufbau einer modernen Wirtschaft nun einmal nötig ist. Wozu nötig? Schacht gibt die Antwort:„In einer Zeit, in der so erwünschte Traditionen wieder aufleben wie Thingstätten, Volkstänze, Spinnstuben und dergleichen, wollen wir nicht vergessen, daß Kapitalgüter, wie Getreidesilos, Erntemaschinen und Dampfpflüge unerläßliche Bestandteile einer Landwirtschaft sind, die sich das Ziel steckt, ein 65=Millionen=Volk zu ernähren!" Und weiterhin:„Geschütze, Flugzeuge, Unterseeboote und alles, was sonst zur modernen Verteidigung gehört, sind Dinge, die ohne industrielle Höchstentwicklung im kapitalistischen Sinne undenkbar sind. Wir können keine Flugzeuge bauen ohne feinmechanische Werkstätten, keine Schiffe auf Kiel legen ohne Werften, keine Geschutzrohre gießen ohne neuzeitliche Hochöfen und Maschinenfabriken. Und alle diese Erzeugungsstätten müssen mit den modernsten mechanischen Einrichtungen ausgestattet sein, die erst durch die Schaffung von Kapitalgutern höchstentwickelter Art und größten Umfanges möglich geworden sind. Ein Volk, welches nicht mehr imstande ist, diesen kapitalistisch=technischen Apparat aufzubauen und wirtschaftlich zu tragen, hat seine geschichtliche Bedeutung verspielt und wird in der Zukunft nicht mehr Subjekt, sondern nur noch mehr oder minder Objekt des politischen Weltgeschehens sein.“ Schacht meint nun die Aktiengesellschaft sei immer noch das geeignete Mittel, um durch das Zusammentragen der Ersparnisse vieler die Industrie aufzubauen. Grundsätzlich müßten Errichtung und Leben der Aktiengesellschaft erleichtert und nicht erschwert werden. Dazu sei es auch nötig, daß sich die Aktie jederzeit kaufen und verkaufen läßt. Wäre nicht die Wertpapierform mit ihrer leichten Uebertragbarkeit erfunden worden, so würde die Geldbeschaffung für Staat und Wirtschaft unendlich viel schwieriger sein. Wenn sich Dr. Schacht somit für den Aktienhandel einsetzt, weiß er aber auch, daß bei den Aktiengesellschaften selbst vieles reformbedürftig ist. Führerprinzip bei den Aktiengesellschaften? Dr. Schacht bekennt, daß der Führergedanke der richtigste und glücklichste Gedanke sei, unter einer Voraussetzung, daß nämlich der Führer ein Führer ist. Alles andere sei Mißbrauch des Führerprinzips. Es formal auf jede Strumpfwirkerei anwenden zu woilen, mache den Gedanken lächerlich. Wenn irgendwo in einer Aktiengesellschaft jemand da ist, der sich als die Seele des Geschäfts herausstellt, so werde er der Führer sein. Aber auch dann müßten gewisse Schranken bleiben. Einem wirklichen Führer brauche kein Aktiengesetz mehr Macht zu geben, als er durch seine Persönlichkeit hat; einen anderen aber könne der gesetzliche Machtzuwachs nur noch stärker zum Mißbrauch verleiten, als dies unter dem bisherigen Gesetz möglich gewesen ist. Dr. Schacht will also das kunftige Aktienrecht aufgebaut wissen auf der Bejahung des Aktienwesens an sich, ebensosehr aber auch auf der Beseitigung von Mängeln der Vergangenheit. Neuer Sparrekord Fast 13,3 Milliarden Reichsmark Einlagen Die Einlagen bei den deutschen Sparkassen haben Ende Oktober einen neuen Höchststand erreicht. Sie sind gegenüber Ende September um 34 Millionen gestiegen und betragen nunmehr 13 272 Millionen Reichsmark. Die Zunahme der Spartätigkeit ist um so bemerkenswerter, als im Oktober die erste Rate auf die vom Publikum gezeichneten 500 Millionen Reichsmark neue Reichsschatzanweisungen eingezahlt werden mußte. Verhältnismäßig am meisten gespart haben wieder die landwirtschaftlichen Gebiete, besonders in Niedersachsen und Süddeutschland. In den Großstädten und in den Industriegebieten überwogen zumeist die Abhebungen. Zum Teil ist diese entgegengesetzte Entwicklung saisonmäßig bedingt, zum Teil aber wohl auch darauf zurückzuführen, daß sich die Stadtbevölkerung stärker an der Zeichnung der Reichsanleihe beteiligt hat. Rechnet man zu den Spareinlagen noch die Giroeinlagen hinzu, so ergibt sich ein Gesamtbetrag von 15 256 Millionen Reichsmark, die den Sparkassen zur Verwaltung anvertraut sind. Steuerbefreiung für neuerrichtete Kleinwohnungen Das Reichsfinanzministerium teilt mit: Neuerrichtete Kleinwohnungen sind nach der bisherigen Rechtslage nur dann von Steuern befreit, wenn sie bis zum 31. März 1936 oder— unter gewissen Voraussetzungen— bis zum 31. Mai 1936 bezugsfertig werden. Von den verschiedensten Seiten ist unter Hinweis auf den großen Bedarf an Kleinwohnungen beantragt worden, die Steuerbefreiung auch für solche Kleinwohnungen zu gewähren, die nach dem 3 1. März(oder 81. Mai) 1936 bezugsfertig werden. Es kann lich in der Weise geändert werden, daß die Steuerbefreiung auch für solche Kleinwohnungen gilt, die bis zum 31. März 1937 bezugsfertig werden. Entsprechend der bisherigen Regelung verlängert sich die zrrist bis zum 31. Mai 1937, wenn die Kleinwohnungen bis zum 31. Dezember 1936 im Rohbau vollendet werden. Eine nochmalige Verlängerung der Steuerbefreiungsvorschriften für Kleinwohnungen wird künftig unter keinen Umständen erfolgen. Kleinwohnungen, die nach dem 31. März(oder 31. Mai) 1937 bezugsfertig werden, genießen also keine Steuerbefreiung mehr. Alle Volksgenossen, die den Bau von Kleinwohnungen beabsichtigen, werden darauf nachdrücklichst hin gewiesen. Für neuerrichtete Eigenheime bedarf es einer verlängerung nicht. Eigenheime genießen bereits nach der gegenwärtigen Rechtslage die vorgesehenen Steuerbefreiungen, wenn sie bis zum 31. März 1939(gegebenenfalls bis zum 31. Mai 1939) bezugsfertig werden. Kurze Nachrichten Die Kennziffer der Großhandelspreise stellt sich für 27. November, wie in der Vorwoche, auf 103.0(1913= 100). Die Kennziffern der Hauptgruppen sind gleichfalls unverändert. Sie lauten: Agrarstoffe 104,7, industrielle Rohstoffe und Halbwaren 92,7 und industrielle Fertigwaren 119,3. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes wurden im November 1935 durch den Reichsanzeiger 267 neue Konkurse— ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung— und 67 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 271 bzw. 42. Nach einer im Reichsgesetzblatt I. Nr. 130. veröffentlichten Verordnung des Reichsministers der Justiz wird die Frist, bis zu der die Kapitalherabsetzung in erleichterter Form beschlossen werden kann, abermals um ein halbes Jahr, und zwar bis zum 30. Juni 1936, verlängert. Der Reichs= und preußische Verkehrsminister hat in einem Erlaß, der demnächst im Reichs= und Verkehrsblatt, Ausgabe B. veröffentlicht werden wird, zur Erleichterung der Benutzung von Kraftfahrzeuganhängern angeordnet, daß die Kennzeichen an Kraftfahrzeuganhängern nicht mehr amtlich abzustempeln sind. Am Samstag starb in Stadthagen an einem Gehirnschlag Hüttendirektor Albert E. Vorbet kurz vor der Vollendung seines 52. Lebensjahres. Der Verstorbene war eine bekannte Persönlichkeit in der deutschen und internationalen Industrie. Borbet stammt aus einer alten westfälischen Industriellenfamilie und ist ein Bruder des Generaldirektors Borbet in Bochum. Marokkanische Zeitungen verzeichnen Gerüchte, wonach im Norden von Französisch=Marokko seit langem unternommene Bohrungen auf Erdöl fündig geworden seien, und zwar soll in etwa 300 Meter Tiefe ein Erdölvorkommen erbohrt worden sein; diese Erdölquelle ergebe 200 Liter in der Sekunde. Das amerikanische Schatzamt begibt für Mitte Dezember je 450 Millionen Dollar 1½prozentige fünfjährige Noten und 2¼prozentige Bonds, deren Laufzeit je nach Serie 10 bis 12 Jahre beträgt. Diese Noten und Bonds in einer Höhe von zusammen 900 Millionen Dollar werden für Barzeichnung aufgelegt werden. Boisen sreundnich Rhein.=Westsälische Wertpapierbörse in Düsseldorf Die Börse war zum Wochenbeginn überwiegend freundlicher gestimmt als an den letzten Tagen der Vorwoche. Von der Kulisse wurden Rückkäufe vorgenommen, besonders in den bevorzugten Montanaktien. Die Kurserbolungen betrugen zunächst etwa ¾ Prozent, gingen teilweise später über 1 Prozent hinaus. Am Markt der fortlaufend notierten Werte eröffneten Montanaktien fester und konnten sich im Verlaufe weiter erhöhen. Mannesmann setzten ¾ Prozent höher ein und verdoppelten diesen Gewinn nach den ersten Umsätzen. Dahlbusch und Stahltrust zogen je ½ Prozent, letztere stiegen bald auf 1¼ Prozent an. Sonst waren mit Besserungen von etwa ½ Prozent Buderus und Hoesch im Verkehr. Muag sehr fest und etwa 1 Prozent gebessert. Von den übrigen fortlausend notierten Werten fielen Farben mit einem Ansangsgewinn von 1¼ Prozent auf. Elektromarkt ruhig aber fest. RWE. wurden bei einem Umsatz von 30 Mille bis ¾ Prozent höher bezahlt. Am Kaliaktienmarkt stellten sich die Notierungen bis zu 1 Prozent fester, bei kleinen Umsätzen in Wintershall. Eine Kleinigkeit fester lagen von den Sonderwerten Westd. Kaufhof. Der Rentenmarkt war knapp gehalten. Der Kurenmarkt lag gut behauptet. Mehrfache Umsätze entwickelten sich auf dem Steinkohlenkurenmarkt. Carolus Magnus und Constantin der Große wurden je 50 Reichsmark höher aus dem Markt genommen. Deutschlandkuren wiesen einen Gewinn von 10 Reichsmark auf. Braunkoblenkuren wurden nur genannt. Kalikuren ziemlich still, bei kaum veränderten Notierungen. Zu etwas besseren Preisen wechselten Erichssegen den Besitzer und wurden nachträglich noch gesucht. Kohlenaktienmarkt freundlich. Größere Umsätze hatten Ewald, König Ludwig auf unveränderter Basis, während Lothringen=Genüsse höher bezahlt wurden. Von den Kaliaktien gingen Burbach 1 Prozent gebessert aus dem Markt. Die regere Geschäftstätigkeit hielt auch im weiteren Börsenverlauf an, und es kam teilweise zu weiteren Kursbefestigungen, u. a. für Erdöl, Mannesmann, Muag und Rheinstahl. RWE. und Farben bei kleinen Schwankungen ziemlich gehalten. Auf dem Kassamarkt hatten von Industrieaktien Banning den größten Tagesgewinn von vlus 3½ Prozent. Banken still. Versicherungen kleines Geschäft. Im Not abwenden odich Prandspendrn #I1 WINTERHILESWERK Freiverkehr kam es gleichfalls zu beachtlichen Kursbefestigungen. Die Börse schloß ruhig und kaum verändert. Berliner Börse Dr. Kiemstedt(Bochum) sprach in Essen Voraussichtliche Jahresproduktion an Benzol 400000 Tonnen als Flaschengas sehr gee#####tes hochwertiges Freibgas Die Börse eröffnete auf allen Gebieten freundlicher. Im besonderen schien es die Kulisse zu sein, die sich etwas mehr betätigte. Die Ausführungen Schachts regten an. Das Publikum verhielt sich noch recht teilnahmslos. Die Anleihemärkte lagen wieder recht ruhig. Altbesitz 1111 Kommunale Umschuldungsanleihe abbröckelnd. Variable Industrieobligationen uneinheitlich. Länderanleihen uneinheitlich. Pfandbriefe und Kommunalobligationen still. Stadtanleihen unregelmäßig. An den Aktienmärkten lagen zahlreiche Montanwerte ½ bis ¾ Prozent fester. Fester waren an den Aktienmärkten noch Bubiag und Rhein, Braunkohle mit plus 2 bzw. 2½ Prozent. Deutsche Atlanten zogen sogar 3 Prozent an. Der Verlauf war weiter freundlich, das Geschäft blieb aber ziemlich rubig. Der Montanmarkt machte einige Fortschritte. Der Schluß war weiter leicht gebessert. Am Geldmarkt hat die leichte Ultimoanspannung wieder nachgelassen. Tägliches Geld 3¼ bis 3½ Prozent. Am Devisenmarkt notierten: Amtl. Pfundkurs 12,27½ (12,26½), Dollar unverändert.488, Gulden 168.42(168.30), Lira unverändert 20.15. Rhein=Mainische Abendbörse in Frankfurt Da nennenswerte Aufträge nicht vorlagen, war die Stimmung am Aktienmarkt auch im Abendverkehr sehr ruhig. Der Grundton blieb freundlich und die Kurse konnten sich im Vergleich zum Berliner Schluß gut behaupten. Auch im Verlauf zeigte sich vereinzelt eine leichte Befestigung im Ausmaß von ¼ bis ½ Prozent, die Mehrzahl der Paviere blieb allerdings gegen den Berliner Schluß unverändert. Die Auslandsbörsen Newyork: Unregelmäßig London: Uneinheitlich Amsterdam: Behauptet Paris: Uneinheitlich Brüssel: Stetig Zürich: Stetig Mailand: Ruhig Wien: Lustlos Rheinisch-Wefffälische Vichmärkte Im Hause der Technik hielt Dr. H. Kiemstedt vom Benzolverband in Bochum einen Vortrag über:„Motortreibstoffe von ihrer Gewinnung bis zur Verwendung.“ Ausgehend von der Notwendigkeit einer weitgehenden inländischen Treibstoffversorgung aus Gründen der Landesverteidigung erwähnte der Vortragende die Fortschritte unserer Motorisierung. Die inländische Treibstofferzeugung habe mit dem gesteigerten Bedarf Schritt gehalten, besonders in der Herstellung von Leichtkraftstoffen. Die Benzolerzeugung sei seit 1932 stark gestiegen, so daß in diesem Jahre mit nahezu 400 000 Tonnen(insgesamt) gerechnet werden könne. Auch die Erdölförderung sei in erfreulichem Maße gestiegen, anders sehe es mit dem Dieselöl aus. Der Verbrauch schwanke zur Zeit zwischen 600 000 bis 700000 Tonnen, während wir im Inland nur etwa 110000 Tonnen erzeugen. Einen erheblichen Prozentsatz davon verbrauchten die ortsfesten Anlagen und die Binnenschiffahrt. Eine Umgruppierung in der Verwendung sei daher dringend notwendig. Alle ortsfesten Anlagen müßten künftig auf derartige Qualitätstreibstoffe verzichten, damit diese für den anspruchsvolleren Fahrzeug= und besonders für den Flugmotor frei würden. Im Gasbetrieb verschiedenster Form— Flaschengas oder Generatorgas— erblickte der Vortragende mit die wesentlichsten Ersatztreibstoffe schon für die allernächste Zeit. Der Gasbetrieb könne den Dieselbetrieb bei ortsfesten Motoren und in der Binnenschiffahrt vollwertig ersetzen. Abgesehen davon müßten wir künftig auch selbst Dieselöl herstellen. Die Grundlage zur inländischen Kraftstofferzeugung biete' die Braunkohle und besonders die Steinkohle. Flüssige, gasförmige, staubförmige und feste Brennstoffe für den Motorbetrieb ließen sich hieraus gewinnen. Neben den verschienenen Verfahren— IG.=Druckhydrierung und Fischer=Tropsch=Verfahren— ,wonach in absehbarer Zeit etwa 600000 bis 800 000 Tonnen Treibstoffe anfallen dürften, müsse unbedingt die Steinkohlenschwelung beschleunigt werden. Hier fielen große Mengen billiger Treibstoffe, Benzine und Dieselole sowie ein eignetes, hocht an. Aus den Phenoten ließen sich wertvolle Produtte, Phor zum Beispiel Toluol, unschwer gewinnen. Die Arbeiten am Kohlenstaubmotor mußten unbedingt gefördert werden. Ein sehr geeigneter Treibstoff hierfür dürfte der nach dem Verfahren Pott-Broche gewonnene Kohlenextrakt, erforderlichenfalls nach geringer Abschwelung, sein. Der Vortragende vehandette dann gewisse Zusammenhänge zwischen Herstellung und motorischem Verhalten. Aus wirtschaftlichen Gründen erstrebe man eine möglichste Abbremsung der Tendenz der Gas= und auch der Koksbildung zugunsten der Bildung flüssiger Kohlenwasserstoffe. Ferngasversorgung Saar—Pfalz ab 1. Februar 1936. Die Arbeiten zur Durchführung der Ferngasversorgung der Pfalz vom Saarland her, sind am 25. März 1935 mit dem Bau der nordpfälzischen Zweig= und Nebenleitungen begonnen worden. Seit Juni 1935 befindet sich auch die Hauptleitung im Bau. Die Arbeiten sind so schnell vonstatten gegangen, daß man damit rechnen kann, in der ersten Hälfte des ersten Vierteljahres 1936, voraussichklich schon am 1. Februar 1936, die Gaslieferung aufnehmen zu können. Zur Zeit bleibt nur noch ein Los(Strecke Neustadt a. d. H. bis Lambrecht) auszuführen. Zementverhandlungen Am 2. und 3. Dezember tagt der Süddeutsche Zementverband in München, am 5. Dezember der Westdeutsche Zementverband in Dortmund, und am 6. Dezember sind Gesamtverhandlungen in Berlin angesetzt. Wie verlautet, sind die Grundzüge der Ergebnisse der Zementenquete der Industrie bekannt gegeben worden, um mit als Grundlage der Verbandserneuerung dienen zu können. Preise für 50 kg Lebendgewicht in Reichs mark Bochum: Marktverlauf: Rinder Hlott, Kälber mittel, Schweine zugeteilt. Markt geräumt. Dortmund: Marktverlauf: Großvich, Kälber und Schafe flott, Schweine zugeteilt Essen: Marktverlauf: Großvieh zugeteilt, Kälber ruhig, Schweine zugeteilt. Getreidegrohmarkt zu Berlin Amtl. Preise. Getreide und Oelsaaten per 1000 kg, sonst per 100 kg Weizen märk. Roggen märk. ndustriegerste Hater märk. Weizenm. Auszm. (.820 Asche) * Berliner Elektrolytkupfernotierung 50,25 Reichsmark für 100 Kilogramm. Kilogramm Bl.: 144 Reichsmark; Aluminium Walz o. Dr.: 148 Reichsmark. vom 2. Dezember: Aluminium 98—99 Rh.-Westf. Börse. Düsseldorf, 2. Dez. Mitgeteilt von Wilhelm Schwarz, Bankgeschäft, Bochum, Bongardstraße 14 Portlaufende Notierungen 2. 12.12. 12./2. 12./30.11. „Div. Anfang Schluß Kassa Schluß) 111.37—. 103 60/103. Albeain #% Hoesch RM. 6% Krupp RM. 8% Mittelstah! %% Ver. St. RM. Buderus Dahlbusch St. Otsch. Atlant. Otsch. Erdöl D. Reichsbahn ..Farbenind. Feidmühle Felten& Guille Goldschmidt Harpen Hoesch-Köln Kall-Ascherei. 111.12 103.50 103.37 103.37 101 87 93 00 103.50 107.00 103.75 123.00 159.12 6/114.25 103.50 5/104.25/104. 103.00 103. 3 82.25 82. 5/127.50s126. 103.50103 103. 102.00 92. 102. 93 00 102.50 107.00 103 001103. 123.00 149.37 114.25 104.00 104.50 193.25 82.50 KUbekner=K. 122 149 103 103. 103 82. Mannesmann Masch.Unter n. Reichsbank Rhein. Braunk. Rhein. Stahlw. Rh.-.-Elek. Salzdetfurth Schuckert& C. Siemens& Hal. Gebr. Stollw. Ver. Stahlw. Westd. Kaufh. Westeregein Wintershall Zellst.Waldhof 2. 12. 2. 12..12. Div. Anfang ISchluß Kassa Kuxe Steinkehles 2. 12. .50/126 50 Weste. 1829018700— Beraharein. 1150— 1150 Kall 660 690— 330 3800350 79.75 80.50 80.624 ## cg, 2e#7 78.62 71.12 179 37 209 25 102.87 130.00 189 50 118.12 169.00 86.00 76.25 26.12 79.50 70.87 179.50 212.90 102.62 129.87 189.00 19.57 71.00 179.37 219.00 103.50 130.62 189.50 930.11. Schlußlé 80.00 78.75 70.00 116.00 118.12 166.00169.00 209.0 102.2 129.37 8.00 75.37 25.75 90.73 86.00 75 75 26.00 91.12 99.75 167.00 74.87 25 73 99.73 utetioffn. 3753/4359)— 4000Gergerdt 4300 4300 4259/450. Leonhard /8200 8700— 8100Westtalen 600— 890 Niehe——— 11 1000Bellerh.— 13000— 30. 11. 6 81 6 18 Seienrode Sarolus M. 3950 4200 3950 4153 Jonst. d. e/8090 6300 6050 6150Siggtr. 11. Jestschl. 383 400) 360 S90-COtfr.lu.l Schwerin 3475 3600/3500 3100“interen. leinrich 3100|9590 9000 9504„olverkahr angd 11350 11150 11299/11690 Preivernehr Steinkohlen- u. Braunk.-Kuxe Draunkehlen 8100/8500 8100 3800 — Ha — 850 2. 12. 30. 11. 6 Kallkure 2. 12. 61 8 90. 11. 9 15 Brausschw.: Fnigsert Erichsse9 Habigh. Heimbol d. dope isenburg Mariagl. Marie Marie L Nar Neusellst. Ransbach 91— Reicheld. spetthrhüngner 31505550— 545. 3050 3259 3000 3200 220012400—2400 2400— 2400 —— 4599 320 280 320 7400— 7200 2500 2300245 2450 23004 2400 2600 23592459 2000 2400— 240 3000 3250— 3100 — 525— 533 330 389 320 2200 4200 290 2300 2300 900 Industrieaktien(Einheitsk.) Balcke Masch. Berg. 6. Dahl. V. Bonner Bg. u. H. Bösp. Walzw. Braunk Zuk. Bruckd.-Nietl. Burbach Kal. 46— 0 Oortm.Ritterbr. 75/208s. Hoef.-Br. 0Döss. Masch. B Dynamit.Nob. Ogäschw. Berg. V. 25 6las- u. Sp. S. 37Blückauf-B. 46 Gebr. Goedh. A6 Hallesche Salz. ochtief A6. Kabelw. Rheydt 87Kall-Chemie 75Mülheim. Berg. Rhein. Metall Rhein. Spiegel. Roddergr. Brnk. Sachtl.A6. 8gd. Schieß-Oeiries Schleg. Scharp. Waggonf. Uerd. Div 2. 12.30.11 —.0—. 135.0s135.0 108.0 Zolonia,.-.K. Zolonia Rückv. Mladb. Feuerv. (öln. Hagelv. Div. 5 105.0105 0 ln. lor0 125.0124,2119 n Röcky. gr. Holn.Rückv. kl. Rentenwerte 94.0 93.55 Rhw..-Cr. öhyp.—.„. /8 Pfd. S. 4. ö. 12. 10 57.0 57.0 dto. dto. S. 1 76.7„½ Oto. dto. S. 11 280 3/2 19. O5 dto. Gold.-Kom 1926 1927 S.—6 7½ Wd. Bod. Gpfd. 6 # dto. Em. 3, 9/12. 14 2. 12.30.11 115.0115.0 230.0230.0 760 0760.0 99.0 99.0 240.0240.0 125.0125.0 84.9 34. 101.01010 110 0110 172.0173.2 138.01135 5 135.|135.5 0. Bank u..-G. Dresdner Bank kh. W. 80. Cr. B. Vestd. B..-A. Adler K. Burd. K. Eisa C. 170 32.3 63.0—. 44.0 46.0 101.0 Ew.-K0. 1u 81.0 83.0 Joe0n. n ann. K. Vereicherungeaktien RUI. SM#sch.-Mönch. F 70 1139 1138 ####ch. Rückvers 14.4/213 0s215 0 Agripp.., Fl. L 1— 400.0 40.0 #.- u. Stuttg.M 12. 9238.0 2 36.0 Ill.-.SLL.M.81 96.0 15 96.0 101.5 93 0 930 95.5 95.5 Freiverkehre-Aktien ##ab. 0u othrin. Kothr. 6. Manst. Nasch Kr 84.0/3. Linol 83.3/8I. Diaa. 34.0/51s. Mort. .17 Horek. Wie 92.0 2. 12. 30. 11. B 1 8 63.0 43.5 44.5 100.0 81.0 33.0 102 5 105.5102 0 104.0 —. 33.0— 55.0 18.5 79.5 76.0 73.0 82.0 84.0 83.0 85.0 # n0 0 66.0.0 45.0 62.0 67.0 69.0 46.0 63 0 66.0 84.0 96.5 44.5 46.5 Steuergatscheine 840 935 41.9— allig ab 1. 4. 1890 ".. 4. 198 ". I. 4. 1nm I. 4. 1997 l..182 .12. 30.11 103.7 103.7 107.7 107.7 110.11110.1 103.6 108.1 108. 106.1 Berliner Börse, 2. Dez. Mitgeteilt von der Commerz- und Privat-Gank.-., Filiale Bochum Reichsbankdiskont 4% Lombardzinstus 5% Einheltskurse Induswtrieerte .-12.8 u deneen AKU A. E. 6. Anhalter Kohle Aschaft. Zeilst. S Basalt Bayr. Motoren Bemberg Berger Julius Bergmann El. Berl. Karlsr. Ind. Kr. u. Licht Maschinend. Buderus PPap. Wasser Chem. Geisenk. Conti Gummi naimter Benz U Otsch. Atlant. Otsch. Baumwolle " Conti 6as " Kabel " Linoleum " Steinzeug " Tel. u. Kab. 92.5 36.0 86.7 76.2 30.11 52.1 35.5 88.2 75.7 Dittmann Neuh. I. 9. Otmd. Akt.-Brau. 10155. Union-Braus12/188. Dürener Metall 6/134. Oyckersh. Widm. 6/125. 99 94 0118.2 5102.0 9114 5115. 10134. 5/109. 93.0 59107.1 19 8158. 0 90. 6/107 8/126. 126. 6/131. 69.7 .11 119.0 01015 0s113.0 81.0 7/116.5 7135.0 108.7 93.2 107.0 13750 90.0 123.0 127.0 131.0 136.0 19— Pletr. Lieterg. 6313; 8„ Lichtu. Kr. 92199 Engelh. Brauerei 9—. Enzinger Union 61102. 5159.0 .— 0 .5/125 0110.5 .5132.6 90.0 Feiniste %sasrut& o. berman. Cem. Ges. f. ei. Untern. Gildemeister Gladb. Wolle Gruschw. Textll Guanowerke jackethel Draht Hageda Hamb. Elektr. Hilpert Masch. Hindr.-Aufferm. Hoftmann Stärke Hohenlohewerke Holzmann Pn. Hotelbetr.-Ges. 104.2 89.2 6/122.3 121.5 10 62 5 Nee Bergbeu 115.8—. Ase Genos 6—.1—. Lisenbeck Brau. 4 103. 7102. Uhunchene Gebr. 192.0 104.5 112.0 92.1 128.2 39.2 104.5103. 1PKalg Kölner 6as Krefft W. romschrosder Kronprinz Metall Küppersbusch ahmeyer. IC Laurahütte Leopoldsgruben Lindes Eis Lingnerwerke Lorenz C. Mruig. Motte Mlag 0 Aimose TKolheimer Berg. 100.2 126.05 75.0 81.0 81.0 97.0 97.1 74 125.5s125.5 6—. 11 113.7 20.7 .92.0 125.7 152.2 45—. 9— 0 85.7 101153.0 6/136.0 Siem.& Halske Stollberg. Zink hüringer 6as Transradio Tuch Aachen ronst.& Koppei Oenabr. Kupfer 193. 83.%onge 6m; Zahn 122.0 119.8/phein. El. Werke IN Rhein.-W. Kalk 112. ORiebeck Montan gügemwocze 14 84 118.0s118.04chenert 6/106.8/108 J" Sarotti Ischlege Schles. Berg. u. Z. 103.#" Berg. Beuth. —)—.1" Elekt. u. 623 8. Schothele Peat. #.#iegersdorfer W. Siemens Gias 83.7 78.2 160.7 126.0 1 6/126.0 3 74.0—. 0 77.8 76 70.0 Union chem. 122.0 20.4er. Otsch. Nicke! 94.50 Ver. Glanzst. 125.0er. Ultramarin Vogel Draht agner& Co. Wanderenw. Warsteiner Grub. Westfalen Draht Vicküler Brau. 165.0 154.2 76.0 172.0 131.0 120.0 .2101.0 61113.0 300.0 98.0 103.0 84.0 130.5 101.7 78.7 96.0 76.5 110 172.0 131.2 119.0 100 112.5 6 R 90— 114.9 128. 6/125. 167.075 Möhlh.-Ruhr Anl. Ruhrverbd. Anl. 36 44Pr. Ldpf. A. Pfd. 45 Ldbk. Westf. Pfd. 4Ldbk. Westf. Kom 440t. Komm. Goldanl. 44Westf. ldsch. Pfd. 4LOt. Hyp. B. Bin. Pfd. 44 Pr. Centr. bod. Pfd. #Pr. Pfdbr. Bk. Pfd. 34 Basalt Obl. 3 Concord. Berg Obl. 3 Daimler Benz Obl. Klöcknerw. Obl. Mont Cenis Obl. Ver. Stahl 60 15 Ver. Stahl 47151 .5 0— 148 .51129.0 .0 78.0 137.2 64.2 0 21 245. —. Verkehrewerte 5 Siem. u. H. Ob. 5 Farbenbonds Umsch. Anleihe 39.7 89.5 100.0 97.0 95.0 92.0 91.0 95.2 95.9 95.0 95.0 83.7 102.5 105.11105.1 102.11102.0 102.6 97.9 95.0 92.0 94.0 95.2 95 2 95.0 95.0 92.1 93.6 97.0 152.0 126.2 88.5 92.1 93.6 97.0 126.8 88.5 6. für Verkehr Soch. Gelsenk. damb. Amer. Pak. damb. Südamer Vordd. Lioye 93.81 86.2 Rentenwerte /5 Ot. R. Schatz. 41 96.04 Ot. R. Anleihe 44 # O. R. Voungani. 32.7½ Reichsbahn Sch. 84.|Nestfalen Altbesitz 5 Bochum Anl. 139.0% Ouisburg. Anl. 101.5/4 Oüsseld. Anl. 77.5/45 Elberteld. Anl. 96.7 145 Essen Anl. 15.6 26.0 17. 1/3. Schuldb. F. 38 R. Schuldb. F. 38 R. Schuldb. F. 40 R. Schuldb. F. 42 R. Schuldb. F. 4 3/8 5 Essen Steink. 42 114 Harpener 49 100.015 R. W. E. 52/3 109.95 R. W. E. 50 90. 7/5 Ruhrchemie 48 88.1115 Ruhrgas 53 91.0½ Ruhrwasser 52 —. 115 Ruhrwohng. 59 91.2/45 V. E. W. 52 80.11/39.11 Geld Brietf 97.55 97.4 99.5 93.0 98.8 92.2 95.2 92.5 99.8 97.8 97.8 100.0 94.2 99.8 93.2 96.5 93.5 92.5 93.5 Westialenbank Austührung samillen .-S. Bochum er Bankgesenat te Seite 11 Nr. 282. 7 Bochumer Anzeiger„ Montag, 2. Dezember 1935 Stadisserkeiat Mnch in Munstel Einweihung des neuen Dienstgebäudes des Luftkreiskommandos IV Münster, 2. Dezember. Im Rahmen einer militärischen Feier fand am Samstag mittag die Einweihung des neuen Dienstgebäudes des Luftkreiskommandos IV in Münster unter Teilnahme von hohen Vertretern der Wehrmacht, des Staates, der Partei und ihrer Gliederungen sowie der Behörden statt. Gegen 12 Uhr traf der Staatssekretär der Luftfahrt, Generalleutnant Milch, im Flugzeug auf dem Flugplatz Lodderheide ein, wo er vom General der Flieger Halm und dem Chef des Stabes Oberstleutnant im Generalstab Mussoff begrüßt wurde. Zu Ehren des Gastes waren eine Ehrenwache und ein Ehrensturm der SAt. angetreten..,. Hgagg.ch fgglasck mit k. Generalleutnant Milch vegav sich sogreich mit seiner Begleitung im Auto zu dem neuen Dienstgebäude des Luftkreiskommandos IV am Hohenzollernring. Unter den Ehrengästen bemerkte man den Kommandierenden General des 6. Armeekorps, Generalleutnant von Kluge, den Reichsstatthalter und Gauleiter Dr. Meyer sowie die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, der Partei und ihrer Gliederungen. Nach einer kurzen Begrüßungsrede des Generals der Flieger Halm nahm Staatssekretär Milch das Wort zu einer Ansprache, in der er im Auftrage des Reichsluftfahrtministers General Göring den Neubau des Luftkreiskommandos IV an General Halm übergab mit dem Auftrage, daß in diesem Hause getreu dem Führer und dem Volke gearbeitet werde. General der Flieger Halm erwiderte mit einer Ansprache, in der er dem Führer gegenüber die Verpflichtung zum Ausdruck brachte, die ganze Kraft dafür einzusetzen, daß in Zukunft das deutsche Volk im Schutze seiner Luftwaffe in Ruhe und Sicherheit seiner friedlichen Arbeit nachgehen könne....,. gaterland Nach dem dreifachen Sieg=Heil auf Valerland und Führer und unter den Klängen der beiden Lieder der Nation wurde die Reichskriegsflagge feierlichst gehißt. Mit einem Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie fand die Einweihungsfeierlichkeit ihr Ende. Rassenpolitik im Unterricht Gaufachschaftstag des NS.=Lehrerbundes. NSG. Dortmund, 2. Dezember. Dem Ziele, den deutschen Erzieher selbst auf den rassenpolitischen Erziehungsgedanken auszurichten und ihm zum andern ein weites Gebiet neuer methodischer Fragen zuzuweisen, diente die Gaufachschaftstagung in der Hochschule für Lehrerbildung in Dortmund, zu der der Gauobmann des NSLB. Westfalen=Süd, Regierungsdirektor Knoop, und der Leiter der Fachschaft i#(höhere Schulen), Eilers, am Samstag eingeladen hatten. Nach den Eröffnungsworten des Gaufachschaftsleiters Eilers wurden in Vorträgen die Grundlinien herausgestellt, die sich aus der Durchführung des rassenpolitischen Erlasses in den Gesinnungsfächern der hoheren Schulen ergeben. Die Vorträge klangen aus in dem Anruf des Parteigenossen Reimres(Dortmund) an die westfälische Lehrerschaft, sich stets der Verantwortung gegen Staat und Bewegung bewußt zu sein, und sich leidenschaftlich und anhaltend mit den Aufgaben zu befassen, die der rassenpolitische Erlaß des Reichserziehungsministers gestellt hat. Opfer eines betrunkenen Kraftwagenfahrers Ein Toter, drei Schwerverletzte. Dorsten, 2. Dezember. Sonntag morgen gegen 8 Uhr ereignete sich auf der Straße nach Buer am Ausgang der Stadt ein folgenschweres Verkehrsungluck, dem vier Personen zum Opfer fielen. Der Anstreicherlehr= ling Bernhard Kuhlmann aus Dorsten befuhr die Buersche Straße in Richtung Buer und wurde von einem entgegenkommenden Kraftwagen, der sehr unsicher gelenkt wurde, angefahren und dann in den Straßengraben geschleudert. Hier blieb er bewußtlos liegen. Der Wagenlenker riß nun seinen Wagen nach rechts herum und prallte mit voller Wucht gegen einen Baum. Die drei Insassen erlitten schwere Verletzungen. Alle vier Verletzten wurden sofort dem Krankenhaus zugefuhrt. Hier erlag der Anstreicherlehrling eine Viertelstunde nach seiner Einlieferung den schweren Verletzungen. Die drei anderen Schwerverletzten hatten bis Sonntagnachmittag die Besinnung noch nicht wiedererlangt. Der Zustand eines der Verletzten ist besorgniserregend. Das furchtbare Ungluck ist darauf zurückzuführen, daß der Fuhrer und die beiden Insassen des Unglückswagens, der aus Buer stammt, betrunken waren, wie amtliche Blutproben ergeben haben. Jädische Devisenschieber festgenommen Köln, 2. Dezember. Wegen schwerer Devisenvergehen und Verbrechens gegen das Volksverratsgesetz wurden der jüdische Kaufmann Bernhard Wagner und seine Ehefrau aus Siegburg von der Zollfahndungsstelle Köln überführt und festgenommen. Wagner hat nach seinem eigenen Geständnis 5000 holländische Gulden nach dem Ausland verschoben, doch hat die Zollfahndungsstelle festgestellt, daß es sich um bedeutend höhere Beträge handelt. Wagner stand im Begriff, sein Herrenkonfektionsgeschäft in Duisburg gegen Barzahlung zu verkaufen. Wahrscheinlich hätte auch dieser Betrag nach dem Ausland verschoben werden sollen. Das Geschäft wurde geschlossen und alle greifbaren Vermögenswerte wurden sichergestellt. Auch kleine Schnittwunden können töten. Es gibt„Friedrich Recksiek beim Strohschneiden zum Streuen Menschen, die viel zu wenig bedenken, daß auch kleine den linken Zeigefinger verletzt. Er beachtete, die Beu### Wunden gefährlich werden können. So hatte sich, in nicht weiter. Aber nach einigen Tagen steute sich BlutÜbbedissen bei Bielefeld der 58jährige Fabritarbeiter vergiftungk ein, an deren wolgen der Mann starb. Behnn dei Bewelbausnatine Der Prozeß gegen die Ordensbrüder von Maria Lindenhof anwesend, ferner sind für die Zeugenvernehmung drei ärztliche Gutachter hinzugezogen. Der Vorsitzende ließ Münster, 2. Dezember. Am 4. Verhandlungstag (Montag) im Prozeß gegen die 15 Mitglieder der Kongregation der Genossenschaft der Barmherzigen Brüder von Montabaur wurde mit der Vernehmung der Zeugen begonnen. Vor Beginn der Vernehmung stellte der Erste Staatsanwalt erneut den Antrag, dem Vertreter des Generalobern die weitere Anwesenheit in der Verhandlung zu untersagen. Die Verteidigung wandte sich dagegen und ließ durchblicken, daß sie in der Nichtzulassung eventuell eine Revisionsgefahr sehe, die doch unbedingt vermieden werden müsse. Nach kurzer Beratung lehnte das Gericht den Antrag des walts ab. Im Laufe der Vernehmung gab die Verteidigung bekannt, daß der Vertreter des Generalobern auf ihr Anraten der weiteren Verhandlung nicht mehr beiwohnen werde.„ Bei der heutigen Verhanolung waren u. a. auch der Generalstaatsanwatt und Oberstaatsanwalt aus Essen Der Liebe tiefstes Leid... Volung auf?reriungen 4 Jahre drei Monate Gefängnis für Hegemann Am Montag setzte das Schwurgericht die Verhandlung gegen den Angeklagten Hegemann aus Witten fort. Bekanntlich stehen sich die Aussagen des Angeklagten und der Verletzten Lydia Wilhelm schroff gegenüber. Verübte Hegemann einen Mordversuch an dem jungen Mädchen, geschah also die Tat gegen ihren Willen? Oder war die Sache so, wie der Angeklagte sie darstellte, daß beide gemeinsam wegen Liebesleids aus dem Leben scheiden wollten und daß er die Schüsse auf das ernste und dringende Verlangen des Mädchens abfeuerte, dabei aber schlecht traf und zum Selbstmord dann keinen Mut mehr fand? Am Montag wurden noch einige Zeugen vernommen, u. a. die Mutter der Verletzten. Es war da von einem Tagebuch die Rede, das die Mutter einige Zeit vor dem gräßlichen Geschehnis in der Handtasche der Tochter entdeckt hatte, das aber verschwunden ist. Es hätten sich darin keinerlei Anhaltspunkte für eine trübsinnige Stimmung des allgemein als lebensfreudig geltenden Mädchens gefunden. Durch die Vernehmung mehrerer anderer Zeugen wollte der Angeklagte den Nachweis versuchen, daß Lydia selbst dabei war, als er die Kugeln für den Revolver kaufte. Eine Zeugin, die mit Lydia zusammen gearbeitet hatte, entsinnt sich eines Gespräches, bei dem ihr die Verletzte einmal gesagt haben soll„nur ein Schuß ins Herz und einer in den Kopf, und es ist alles vorbei". Die Verletzte will von einer solchen Aeußerung, die doch auch auf andere Stimmungen schließen lassen könnte, freilich nichts wissen. Bei der Vernehmung des Schießsachverständigen und der Aerzte handelte es sich um die Frage, ob die beiden Schüsse auch von Lydia Wilhelm selbst abgegeben worden sein könnten, da es doch auffällig erscheinen konnte wie genau die vollendete Tat mit der obigen Ankündigung übereinstimmte. Der Schuß in die Herzgegend, der aber überraschend schnell verheilte, ließ diese Annahme wohl zu. Wie aber das Unheil dann wirklich geschehen ist, wird sich kaum aufklären lassen, da Hegemann zuerst überhaupt nichts aussagte und jetzt auch noch immer zögert, eine vollkommene Schilderung zu geben. Nur sei das, was Lydia jetzt im Gegensatz zu früher gegen ihn aussage, unwahr. Das Mädchen beschwor aber diese Aussage. Der Staatsanwalt hielt die versuchte Tötung für nachgewiesen, beantragte zehn Jahre Zuchthaus und Ehrverlust gegen den Angeklagten und wegen der Führung der Waffe ohne Erlaubnisschein weitere drei Monate Zuchthaus. Die beiden Verteidiger hielten einen überlegten Mordversuch in keiner Weise für dargetan und führten eine große Anzahl Gegengründe ins Feld, so daß ihre Dariegungen unter Aufzeigung aller Einzelheiten aus dem Verhältnis des Angeklagten zu der Lydia Wilhelm und die psychologische Wurdigung beider Persönlichkeiten einen starken Eindruck machen konnten. Das Gericht kam zu folgendem Urteil: Der Angeklagte Hegemann wird wegen schwerer Körperverletzung und wegen Vergehens gegen das Schußwaffengesetz zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Fünf Monate Untersuchungshaft werden angerechnet. Trotz schwerer Verdachtsgründe habe das Gericht den Mordversuch nicht für erwiesen erachtet. Die Umstände deuteten mehr darauf hin, daß Hegemann auf ausdrückliches und ernstes Verlangen der Verletzten handelte und daß sie beide gemeinsam aus dem Leben scheiden wollten. Die späteren Angaben der Verletzten mögen subjektiv deren heutige Ansicht darstellen, aber sie scheinen in Berücksichtigung ihrer ersten Angaben objektiv nicht als ausreichend nachgewiesen. Es solle daher nicht gesagt sein, daß die Verletzte hier bewußt und mit voller Absicht die Unwahrheit gesagt hätte. Im Zweifel aber habe zugunsten des Angeklagten entschieden werden müssen. Da das alte Gesetzbuch den Tötungs versuch auf Verlangen nicht als solchen bestraft, blieb nur die Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung übrig. Das neue Strafgesetz werde diese feinen Unterscheidungen allerdings nicht mehr enthalten. Angesichts der Tatsache, daß Hegemann in einem früheren Falle schon einmal wegen schwerer Körperverletzung verurteilt werden mußte(er schlug seinem Gegner eigenartigerweise damals ein Auge aus— Lydia Wilhelm hat durch den Schläfensteckschuß das eine Auge verloren), mußte auf eine empfindliche Strafe erkannt werden. Von der Verhängung des Ehrverlusts sei aus mehrfachen Gründen abgesehen worden. die geladenen 20 Zeugen aufrufen und betonte, daß Gericht von der Vernehmung Geisteskranker absehen werde. Sodann teilte er mit, daß gegen den Angeklagten Otto Krüger von der Staatsanwaltschaft nachträglich noch ein Vergehen gegen§ 175 in die Anklage mit einbezogen werde. Der Angeklagte Krüger bestreitet, sich des ihm zur Last gelegten Vergehens schuldig gemacht zu haben.. Als erster Zeuge wird dann der Oberarzt der Anstalt Maria Lindenhof vernommen, der auf Privatdienstvertrag von der Genossenschaft angestellt wurde und von 1919 bis 1928 und dann von 1929 bis heute als Oberarzt in Maria Lindenhof tätig ist. Auf Befragen erklärte er, daß bei dem durchschnittlichen Milieu der Anstalt und dem durchschnittlichen Tiefstand der Pfleglinge die Pflege immerhin gewisse Gefahren in sich berge. Bezüglich der Aufsicht und Kontrolle unterstehe die Anstalt dem Kreisarzt(jetzt Amtsarzt) und einer sogenannten Besuchskommission, die aus einem Vertreter der Regierung, einem Psychiater der Provinzialverwaltung und dem Amtsarzt bestehe. Die Auswahl und Verwendung der Ordensbrüder erfolge auf Grund einer Verständigung zwischen ihm und dem Vorsteher. Die Frage, ob die Brüder als Erzieher gelten, bejaht der Zeuge nur für die Zöglinge bis zu 21 Jahren, für die älteren Insassen komme nur eine rein pflegerische Tätigkeit in Frage. Der eigentliche Schulunterricht erfolge durch nebenamtlich angestellte Lehrer. Ueber das Verhältnis der Ordensbrüder und besonders des Vorstehers zu den Kindern sagte der Zeuge aus, die Kinder betrachteten den Vorsteher gewissermaßen als ihren Vater und hingen mit schwärmerischer Liebe an ihm. Auf die Frage, ob ihm jemals von Verfehlungen der Ordensbrüder etwas zu Ohren gekommen sei, antwortete der Zeuge mit Nein. Bekannt ist ihm nur, daß im Jahre 1983 ein Verfahren gegen Johann Kurz eingeleitet, aber später eingestellt wurde. Der Kriminalkommissar, der, nachdem bei der PoliBeschuldigungen gegen die Ordensführte, erklärte, er selbst habe anfangs an Verfehlun nicht glauben wollen und habe auch den Zeugen, der bei der Polizei die ersten Aussagen machte, wiederholt darauf hingewiesen, daß er seine Behauptungen beeiden müsse. Nach den ersten eingehenden Untersuchungen habe er jedoch einen sehr erschütternden Einblick erhalten. Joh. Kurz habe anfänglich alles bestritten, spater aber ein Geständnis abgelegt und dann den größten Teil seines Geständnisses wieder eingeschränkt beziehungsweise widerrufen. Die sodann vernommenen acht Zeugen wurden in der Hauptsache zu den Anschuldigungen gegen Joh. Kurz vernommen. Sie machen ihre Aussagen, nachdem ihnen die früheren Vernehmungen vorgelesen wurden, heute zum Teil recht zurückhaltend und vorsichtig. Ein Zeuge erwidert auf die Frage des Vorsitzenden, ob nach seiner ersten richterlichen Vernehmung von seiten der Ordensbrüder in bestimmter Richtung auf ihn eingewirkt worden sei, mit Ja. Ein 63jähriger Wächter, der nachts die Kontrolle über die Schlafsäle auszuführen hatte, sagte, daß er des öfteren ein Bett leer gefunden habe. Auch habe er verschiedentlich über angebliche Verfehlungen zwischen Insassen und Ordensbrüdern gehört. Sonst habe er niemals den Verdacht gehabt, daß in Maria Lindenhof Verfehlungen vorgekommen seien. Der frühere Chauffeur der Anstalt, der eineinhalb Jahre nach seiner Entlassung auf Grund von Gerüchten und Vermutungen die Anzeige bei der Polizeibehörde machte, erklärt in bestimmter Weise, daß er selbst nie etwas Positives gesehen habe. Was eine Reihe von Beschuldigungen gegen den Vorsteher anbelangt, so scheint bei einem der Hauptbelastungszeugen ein Verwechselung mit dem damaligen Leiter der Kinderstation unterlaufen zu sein, denn es stellt sich heraus, daß zur angeblichen Zeit der Vorsteher zu einem Erholungsurlaub in der Schweiz weilte. Von den 20 Zeugen konnten in der heutigen Verhandlung, die sich bis nach 15 Uhr hinzog, nur zehn vernommen werden. Die Fortsetzung der Zeugenvernehmung erfolgt Dienstag vormittag 10 Uhr. S alt bin ich doch(gericht! Das ist es ja gerade. Aber Ihr trübe: Aussehen entspricht Ihrem ganzen Zustand. Diesen mössen Sie ändern! Sie haben Ihre Kräfte vorzeitig verbraucht, frachten Sie dasVerbrauchte zu ersetzen. Eine Okasa- Kur ist das Segebene. 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Obwohl be Sie sich unter den Trägern dunkelhäutige Söhne Afri= natürlich gewisse Schwierigke kas vorstellen, Sie werden lachen, aber es handelte sich weise im WohnungswechselNoch liegt zwar alles etwas durcheinander gann der Strom zu versiegen. Nicht wüst, aber leer sah die Stätte des alten Heims aus. Und drüben begann inzwischen eine zweite Offensive auf Betten und Gardinen, Hüte und Wolle: das große Einräumen setzte ein. Hunderte fleißiger Hände regten sich, die Regale bekamen das einladende Gesicht eleganter Ausstattung, und mit einiger Phantasie verhören pflegen. Wir denken dabei insbesondere an den Transport des Kanarienvogels. Aber was ist— sämtliche Bochumer Frauen werden mir recht geben— ein Kanarienvogel, gemessen an der Notwendigkeit, beispielsweise einige hundert Nachmittagskleider knitterfrei und unzerrissen durch die Fährnisse eines Möbelwagens hindurchzulotsen. Daher also die eingangs erwähnten Trägerkolonnen. Unzählige Dinge eines Kaufhaus=Umzuges dulden nicht die herzliche, aber rauhe Behandlung, deren Ergebnis man sonst am Schlusse eines Umzuges mit dem Trost„Scherben bringen Glück“ auf Verlustkonto verbucht. Alle diese Dinge mußten also getragen werden. Da Petrus seine Bereitwilligkeit zur Mitwirkung an allen menschlichen Plänen niemals schriftlich zu geben pflegt, wuchsen die allgemeinen Umzugssorgen im Quadrat der regenverheißenden Verdunklungsübung, die die Wolken in dieser Jahreszeit hin und wieder ziemlich unvermittelt vornehmen. Aber siehe, es ging alles gut. Am Samstag mittag ging die Sache los, und es floß der Strom der tausend Dinge, die ein Kaufhaus enthält, unablässig von der Bongard= zur Kortumstraße. Gegen Montag mittag beDas los für krvoitsvoschoffung— des büüchelge cer inüschanflolbee nm 1600 OO Obewinne mochte sich der Beschauer schon den Betrieb des Einkaufes in diesen Warenreihen vorzustellen. Wie die Trägerkolonnen am Semliki aufatmen mögen, wenn sie die Mündung des glitzernden Flusses am Albertsee erreicht haben, so stellt sich der Beschauer die Stimmung der Verkäuferinnen und Lehrmädchen vor, wenn heute mittag die Türen des Kaufhauses zum ersten Male auffliegen, die erste Käuferschar hereinströmt und ihr fachmännisches Urteil in ein ebenso kurzes wie inhaltsschweres Wort zusammenfaßt: Ah! Aufnahmen:„-.“-Muthherr aber viele fleißige Mädchenhände schaffen rasch Ordnung nachmillags 3½ Uhr *E 0 1# DE " Fa Korthttso. GnSUr FrOe KAUFHAUS UUEISER OnsaudesRäufausse Weiser SpiegelglasVerglasung Bernhard Rabe Alleestraße 106 Kortumstraße 15 Tapeten o Linoleum e Farben o Lacke e Glas JOHANN KUPITZ INNENAUSBAU ESSEN, HANSAHAUS, RUF 27881 Beleuchtungen Elektr. Installation nur vom Elektrohaus Walter Trummel Bochum, Viktoriastr. 55— Kirchstr. 9, Ruf 63366 LICHT KRAFT RADIO Verlangen Sie Angebot Heinrich Herms-Parkett Tafel- und Stabparkett In allen Holzarten u. Ausführungen Renovierungen und Reparaturen Bochum, Marienplatz 6 Fernruf 63626 Natursteinfassage THEODOR IMBERG, G. M. B. H. Stelnbruch und Steinmetzbetriebe Einfachheit zur Schönheit Zum Ambau des Kaufhauses Weiser an der Kortumstraße Bauzäune sind Prima=Wechsel auf Beiträge zur Verschönerung des Stadtbüldes. Und wenn solch ein Bauzaun vor einem Ephnmusnigg Heyte Einishungstag Resce e ee ccee. Dieser wichtige Augenblick des Umbaues des K a####ff.s„Priunen auf der Kortumstraße war am Montag gekommen. Noch schallt von das Hämmern und Sägen auf die Straße, aber das ist, Pirp ggssagznkauper letzte Schliff. In seinen entscheidenden Umrissen ist der Umbau vollkommen fertig und es besteht jetzt die Möglichkeit, die große Umgestaltung auf ihren verschiedenen Gebieten umfasend zu überblicken. 8s un bracht, dann folgte Voaäter, Hastung des sggafege Rese e e ece e ee ece den Umbau nach den neuzeitlichsten und zweckmäßigsten Grundsätzen, duch: führen und bereichert dadurch die Kortumstraße, also die Hauptgeschäftsstraße Bochums, um ein außerordentliches Zeugnis schöner und moderner BauArchitekt Graßhoff, den wir auf der Höhe eines Gerüstes, aufsuchten, erklärte uns, daß es vor allem darauf angekommen sei, lichtdurchflutete, helle und freundliche Verkaufsräume zu schaffen. So mußten denn zunächst die alten Sandsteinbögen fallen, die dem Licht nach innen, Geg, fegenl ege werzgen wurden die überflüsigen und unschönen Crnamentnack, Pegi-Zeziag,„Hurch die Linien begradigt, es wurde mit einem Wort nach dem Leitsatz:„Durch Einfachheit zur Schönheit“ gearbeitet. das in so hervorragender Form gelang, ist einzig und allein das Verdienst der beteiligten Handwerker, die hier wahre Prachtstücke bester Hand werksarbeit geleistet haben. Hier soll mit kurzen Worten der Anteil der einzelnen ausführenden Handwerker festgehalten werden. Die gesamten Maurerarbeiten und einen großen Teil der Schreinerarbeiten erledigte die Firma Heinrich Knüwer, Weiherstraße 14. Wenn man nun sieht, wie sehr es bei einem derartigen Bau beispielsweise auf die Form eines einzigen Treppenaufganges ankommt, so vermag man sich bei einem oberflächlichen Rundgang schon ein Bild von Kunst und Sorgfalt der Ausführung deser ücbeiten u. wohen. Jie Bistenlarte fr du ulanten in Die Stuckarbeiten, die ja sozusagen die Visitenlagre für den gesamten innenarchitektonischen Eindruck des Hauses bedeuten, erledigte Konrad Sattler, Bismarckstraße 2. Und wer die edle Linienführung der mächtigen glatten Säulen und der Umgänge in den verschiedenen Stockwerken bewundert. der wird zugeben müssen, daß es gelungen ist, hier mit besten handwerklichen Mitteln vorbildliche Arbeit zu schaffen. Die Schreinerarbeiten in den Schaufenstern, der Einrichtung, der eingänge und der Fenster zur Straße hin besorgte Johann Kupitz, Hansahaus. Es handelt sich bier um Spezialarbeiten, die ganz besondere Sorgfalt erheischen. Tatsächlich ist die Gestaltung beispielsweise des Portals von überaschender Wirlung auf den Eintrete=Beg, g nappte in SotumDie Anlage der Zentratpeizung wurde von H. S. Knaptstein, Kortumstraße 52, vorgenommen. Es ist ohne weiteres klar, daß die Ausführung dieser Arbeiten gerade in einem derart weitläufigen Gebäude mit Schwierigkeiten verknüpft ist, und wenn in Zukunft die Käufer bis in den letzten Winkel des Hauses von wohliger Wärme umschmeichelt sind, so werden sie diese Arbeit Mit am auffallendsten und bezeichnendsten für die gesamte Umgestaltung wird sicher die Arbeit der Firma Imberg, Friedrich=Lueg=Haus, sein, die die Verblendung ausführte. Die Firma Imberg befaßt sich mit der Erneuerung und Modernisierung alter Hausfassaden und mit Travertinplattenverkleidungen. Das warme Braun der Außenwand, so sehr es sich aus der Reihe der Häuserfronten beraushebt, paßt sich dem Straßenbild ganz ausgezeichnet an. Die Arbeit des Anstreichermeisters Karl Volle, Bismarckstraße 18, besticht schon durch ihr Maß. Allein der Anstrich der Regale beläuft sich, zusammengerechnet, auf über 2000 Quadratmeter. Diese Zahl wird durch den Wandanstrich sogar noch übertroffen. Ganz klar, daß auch hier schlichte Vornehmheit Heinrich Behr, Bochum, erledigte die Ausführung der Kunstverslasungs. arbeiten. Es handelt sich hier im wesentlichen um die Verglasung des von der Firma Otis=Aufzugwerke GmbH., Essen, gelieferten Personenaufzuges, der jetzt in der Gesamtausführung über die Rolle einer reinen Zweckkonstruktion hinaus durch eine außerordentlich schöne Verglasung zu einem Küster, Alleestraße 23, Dachdecker= und Klempnerarbeiten verantwortlich, und obwohl diese Arbeiten nicht zuerst in die Augen springen, so hängt doch von ihrer sorgfältigen Ausführung Entscheidendes für die„innere Arbeit“ des Hauses, ab, Firma Schulte=Oestrich& Hilgenstock, Brückstraße 58a, die die Plattierungs= und Asphaltarbeiten schuf, hat eine besonders glänzende Empfehlung gleich im Eingang. Die sanitären Anlagen erledigte Anton kantini, Schmechtingstraße 29, und von der Installation gilt dasselbe, was von der Heizungsanlage gesagt wurde: die Weitläufigkeit des Gebäudes erforderte die besondere Sorgfalt dieser Arbeiten. Die Elektroanlagen von Walter Trummel. Viktoriastraße 55, sind das Aushängeschild des Hauses in den Hauptgeschäftsstunden; am Abend. Die „Renne" erlebt ja den Hauptsturm gewöhnlich in den Abendstunden, und wenn das neue Kaufhaus jetzt abends im hellen Lichterglanz erstrahlt, so wird auch der kritsche Beobachter keinen Makel finden.„.u, ge.n fchin#. Die umfangreichen Ausbesserungen des Parkettfußbodens erledigte die Firma Heinrich Herms, Marienplas 6. ug Vernfard Kaße M. Die„Spiegelglasarheiten wurden von der Firmg Pernhaxo„Rabe, Alleestraße 106, Fachgeschäft für Tapeten, Linoleum, Farben, Lacke, Glas, ausSämtliche Schlosserarbeiten lagen bei der Firma Franz Holtfort, Redemptoristenstraße 27, in besten Händen. Schließlich sei noch die Lieferung der zahlreichen, Putzmittel, Behnerwachs, Bürsten. Besen und anderer nützlicher Dinge durch das Fachgeschäft Friedrich Kühndahl. Kortumstraße 75, nicht vergessen. Unzählig sind die Einzelheiten, die den Gesamteindruck des Hauses formen. In ihrer lückenlosen Geschlossenheit zeigt sich die Meisterschaft einer planvollen Zusammenarbeit. Und Bochum hat den Vorteil davon. FI. ERRNaPPSten! BOCHUM Zentralhelzungen Ernst Küster Alleestraße 23, Rut 62702 Dachdeckerei„ Bauklempnerei: Blitzschutz Heinr. Knüwer Baugesellschaft m. b.., Bochum Gesamter Innenausbau In Schreinerarbelten und Ausführung der Maurerarbeiten CAREVÖEEE Maier- und Anstreichergeschäft Bochum, Bismarekstraße 18 Schulle-Oestrich& Hilgenstock S. m..H. Plattierungen 7 Asphaltierungen Bürsten, Besen Putzmittel Glas- und Porzellanwaren lieferte das bekannte Fachgeschäft Kühndahl Bochum, Kortumstraße 75, Rut 62504 C. SATTLER Bochum, Bismarckstraße 2 Stuck-, Putz-, Rabitz-, KunstStein-,Edelputz-Ausführungen Gegründet 1903 Telephon 64087 Seit 1872.— Franz Holtfort Bau- und Kunstschlosserei Eisenkonstruktion Femeprecher 81sef Beachten Sie bitte auch unsere Ausstellungsräume an der Bongardstraße Radmnads Weiser Seite 14 Nr. 283 7 Bochumer Anzeiger„ Dienstag, 3. Dezember 1933 Kleine Melbungen aus den=Siadnenen Stadtteil Stiepel Herbstkonzert Vor einer großen Zuhörerschaft veranstaltete am Sonntag die Chorgemeinschaft MGV.„Einigkeit Sängervereinigung" im Saale Frische ihr Herbstkonzert. Entgegen den sonstigen Erscheinungen bei Männerchorkonzerten gelangen an diesem Abend die beiden Werke zeitgenössischer Komponisten am besten. Sowohl die großangelegte Vaterländische Hymne für Männerchor, Knabenchor(Schule Schrick) und Streichorchester von Otto Jochum wie das geschmackvoll bearbeitete Volkslied„Es geht nichts über die Gemütlichkeit" von Nellius fanden unter der eindringlichen Führung von I. P. Peters eine Wiedergabe, die dem Chor und seinem Dirigenten alle Ehre machte. Das Werk von Nellius kam in seiner schnellgeläufigen Polyphonie überraschend tonsauber und rhythmisch exakt heraus, während Jochums Hymne, an den Schluß des Konzerts gesetzt, in ihrem imposanten Aufbau eine nachhaltige Wirkung hinterließ. Ebenso schienen die Volkslieder in Silchers Bearbeitung der Chorgemeinschaft gut zu liegen; hervorzuheben ist hier das Lied von den drei Röselein, das bemerkenswert frisch, sauber und in den natürlichen Volksliedgrenzen gesungen wurde. Auch Neumanns„Treue“ gehört zu dieser Art Musik und erfreute durch seine ungekünstelte Wiedergabe. Weniger überzeugte Heinrichs„Bekenntnis“ für Männerchor und Sopransolo. Dies Werk entbehrt bei aller kompositorischen Gewandtheit des tieferen künstlerischen Wertes; auch den Sängern glückte die Wiedergabe nicht in allem tonrein. In der Komposition „Heilig Vaterland" von Hans Lüttring= haus lernte man einen wirkungsvollen und geschmackssicheren Chorgesang kennen, der seinen Eindruck nicht verfehlt hat. Zur bemerkenswert gediegenen Abwechslung des Programms trug A. Köhler mit einigen Violinvorträgen bei, die er, begleitet von einem kleinen, wackeren Streichorchester, technisch einwandfrei und musikalisch temperamentvoll wiedergab. Besonderen Erfolg erzielte er mit dem Nocturno von Chopin=Sarasate und dem Menuett von Mozart, das er auf den reichen Beifall hin als Zugabe wiederholte. Die Leitung der Violinvorträge besorgte Hans Lüttringhaus umsichtig und gewandt, seine Mitwirkung am Klavier bei Jochums Hymne stützte die Auffuhrung in wesentlichem Maße. Die schon erfreulich ausgeglichene und in manchem sehr stimmschöne Chorgemeinschaft und ihr Dirigent haben mit dem Herbstkonzert einen vollen Erfolg errungen.—11— sti Stadtteil Linden=Dahlbausen Persönliches. Sein medizinisches Staatsexamen bestand an der Akademie Düsseldorf der Sohn des Photographen Herrmann, Hattinger Straße 776.— Frau Witwe Stoffer, Scharpenseelstraße 182, wurde am Samstag 75 Jahre alt. Tagung der NSV. Bochum=Dahlhausen. In der Gaststatte Henke in Oberdahlhausen findet kommenden Mittwoch abend eine Mitgliederzusammenkunft der Ortsgruppe Bochum=Dahlhausen der RSV. statt. Junges Mädchen vermißt. Seit dem 80. November wird die erwerbslose Maria Magdalena Höppeleer, geboren am 25. Januar 1914, in Duisburg, Albertstraße 25, vermißt. Die Vermißte wollte ihren in Bochum=Dahlhausen in der Straße„Im Stapel wohnenden Bruder besuchen, ist aber nicht eingetroffen. Die Nachforschungen nach dem Mädchen blieben bisher erfolglos. Beschreibung: Etwa.67 Meter groß, schlanke Figur, hinkt auf der linken Seite infolge einer Hüftgelenkentzündung. Bekleidet war sie mit einem schwarzen Mantel mit rötlichem Fuchspelz, schwarzem Kleide, schwarzem Hut, schwarzen Schuhen und Strümpfen. Wer hat die Vermißte gesehen oder kann sonst über deren Verbleib Angaben machen? Angaben werden vom 5. Kriminalkommissariat, Nebenstelle Bochum=Linden=Dahlhausen, und von allen Kriminal= und Polizeidienststellen entgegengenommen. Stadtteil Weitmar Kirchenmusikalische Feierstunde. In der Martinikirche Bochum=Engelsburg fand am Sonntag nachmittag eine kirchenmusikalische Feierstunde statt. Die herrliche Kunst der alten Meister deutscher evangelischer Kirchenmusik beglückte die Lauschenden, und es ist nicht zuletzt das große Verdienst der mitwirkenden Interpreten, daß diese Stunde so bereichernd war. Der gut geschulte Kirchenchor Bochum=Engelsburg sang unter Chorleiter Meißners Führung„Dein König kommt, o Zion". Die beiden Tonsätze von P. J. Kuhlo wurden vom Posaunenchor unter Chormeister Heß' Leitung lobenswert zu Gehör gebracht. Allerdings hätten die akustischen Verhältnisse in der Kirche mehr Berücksichtigung finden dürfen. Mit tiefer Einfühlung und guter Reinheit sang der Frauenchor unter Heß Leitung besonders schön„Sei still dem Herrn" und„Er kommt, er kommt, der starke Held". Chorleiter Heß, der auch die Orgel spielte, gab durch sein technisch gates wie auch warm empfindendes Spiel dem Orael=Pastorale von J. S. Bach und dem Orgelvortrag=Choralspiel„Auf meinen lieben Gott“ von G. Böhm(1661—1741) leuchtende Kraft. Im Sologesang entledigte sich die Sopranistin Frau Müller dank ihrer erfreulich veranlagten Stimme ihrer Aufgabe Die weiteren Folgen des Kirchenchores unter Meißners Leitung standen unter dem Eindruck bemerkenswerten Könnens. Der Posaunenchor brachte mit J. S. Bachs„Wie schön leuchtet der Morgenstern“ seine schönste Leistung. Stark beeindruckt wurde man durch die Adventssprüche, die Pfarrer Dieckhoff vortrug. Mit dem Gemeindegesang„Wie soll ich dich empfangen“ klang diese vom Alltag losgelöste Feierstunde aus. Lebensgefährlich verletzt. Auf seiner Arbeitsstelle erlitt der 19jährige Wilhelm St., Hattinger Straße 254, einen schweren Unfall. In lebensgefährlichem Zustande wurde der Bedauernswerte ins Krankenhaus gebracht. Stadtteil Wiemelhausen Alten=Adventsfeier in der Evangelischen Frauenhilfe. Die von Pfarrer Niedermeier geleitete Evangelische Frauenhilfe des Petribezirks Wiemelhausen hatte am Montag die über 60 Jahre alten Gemeindeglieder zu einer Adventsfeier in das Paul=Gerhardt=Haus geladen. Im Scheine der Adventskerzen saßen 180 Großmütter und Großväter in einer trauten Tischgemeinschaft beisammen und ließen es sich bei Kaffee und Kuchen wohlschmecken. Pfarrer Niedermeier hieß nach einem Grußgedicht die lieben Gäste herzlich willkommen und führte sie unter Zugrundelegung eines Bibeltextes in das Geheimnis der Adventsliturgie ein. Superintendent i. R. Sassenberg hielt eine kurze Ansprache, in der er die Schatten= und Lichtseiten des Advents aufzeigte in einer solch humorvollen Art, daß er die Lacher auf seiner Seite hatte. Die fröhliche Kinderschar des Evangelischen Kindergartens sang, spielte und musizierte unter der Leitung von Schwester Else und erntete dafür beifallsfreudigen Dank. Daneben bemühte sich der Frauenchor um die sinnvolle„Ausgestaltung der Altenfeier, von der man in der Perrigemeinde noch lange sprechen wird. Baulücken verschwinden. Das bisher brach liegende Gelände Ecke York= und Friederikastraße soll jetzt bebaut werden. Auch die Ecke Pieper= und Weiherstraße soll im kommenden Frühjahr durch einen größeren sohnungsbau zugebaut werden. Die Straßenecke Friederikastraße und Königsallee ist nun auch durch einen stattlichen Neubau ausgefüllt. Stadtteil Baak=Sundern Preisverteilung im Schießsportverein„Diana“. Am Samstag sand im Vereinslokal„Zur Waldesruh“ eine Preisverteilung für die Teilnehmer am letzten Vereinspreisschießen statt. Das Schießen hat auf dem Stand des Vereinswirtes stattgesunden. Geschossen wurden drei Schuß aufgelegt auf kleine Scheiben. Preise erhielten G. Bahrenholt und E. Tüselmann mit 36 Ringen, H. Köster, H. Borgböhmer, Fr. Köster, Fr. Rückmann und W. Haarmann mit 35 Ringen, H. Grothausmann, W. Rutloh, K. Wahl, Th. Brechmann, Fr. Börger. H. Horstkotte und Alfred Horstkotte mit 34 Ringen, W. Gellermann sen., Franz Dörendahl, W. Lammert, W. Berneiser, K. Wozniak. G. Remmel und W. Gellermann jun. mit 33 Ringen. Mit 32 Ringen erhielten Preise: H. Nökel, Ernst Fritz, A. Mohr, A. Mitteldorf, Theo Gellermann, M. Biberger und K. Schulte. Eine Ehrenscheibe erhielt K. Wahl. Die in diesem Jahre aufgezogenen Jungmannschaften haben sich ebenfalls gut eingeschossen. 19 Preise und eine Ehrenschreibe waren für diese bestimmt. Als beste Jungschützen entpuppten sich E. Haardt mit 34, Theo Brechmann mit 33, Helmut Dörendahl mit 32. Walter Rückmann mit 31, Willi Nökel mit 31 und A. Tüselmann mit 30 Ringen. Die Ehrenscheibe erhielt H. Kahlfuß. Für die Frauen gab es anläßlich der Preisverteilung ein Kaffeeirinken. Stadtteil Laer Bund heimattreuer Ost= und Westpreußen. Die Ortsgruppe Laer hielt am Sonntag im Vereinslokal eine gut besuchte Versammlung ab, die vom Vereinsleiter Saxarra eröffnet wurde. Nach der Eröffnung gedachte der stellvertretende Leiter Dibowski der verstorbenen Landsmännin Frau Saxarra.=Eine vorübergehende Beitragserhöhung von je 10 Pf. pro Monat und Mitglied wurde beschlossen. Am 2. Weihnachtstag findet eine Kinderbescherung statt. Rundschreiben wurden zur Kenntnis gebracht. Nach Erledigung der Tagesordnung blieben die Landsleute noch einige gemütliche Stunden beisammen. Der Werbewart L. Zander überreichte 27 Landsleuten, die an der Abstimmung am 11. Juli 1920 in Ost= und Westpi genommen hatten, das Abstimmungsehrenzeichen und die Besitzurkunde. Anschließend überreichte Zander den Frauen Bahr, Klimmek und Saxarra silberne Ehrennadeln für Verdienste bei der Gründung und steten Fursorge der Frauengruppe. Wohnungsbau. Auf dem Gelände an der Laerfeldstraße hat man mit den Ausschachtungsarbeiten an vier Stellen begonnen. Es entsteht eine Bergmannssiedlung, ausgeführt von der Treuhandstelle Essen, Gruppe Bergmannssiedlung Bochum. Gebaut werden 13 Doppelhäuser mit je 6 Zimmern, die im Laufe des Winters fertiggestellt werden sollen. Abhilfe erbeten. Man schreibt uns: Jeden Donnerstag wird die Asche im ganzen Ortsteil abgefahren. Dazu wird eine offene Kippkarre benutzt. Bei windigem Wetter werden bei der Gefäßeleerung Staubwolken aufgewirbelt, daß die Passanten oft nicht wissen, an der Karre vorbeizukommen. Vor kurzer Zeit wurde ein geschlossener Wagen dazu benutzt. Man wünscht ihn zurück. Stadtteil Gertbe Tödlich verunglückt. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich am Samstag in der Mittagsschicht gegen 18.80 Uhr im Untertagebetrieb der Schachtanlage Lothringen 1/2. In der dritten östlichen Abteilung im Nordflügel, Flöz Luise, war der Kohlenhauer Johann Scherer aus Castrop=Rauxel 1, Wittener Straße 110, mit dem Sichern eines Kohlenstoßes beschäftigt, der an einer Stelle ausgeschlagen war. Sch. wurde dabei von plötzlich hereinbrechenden Kohlenmassen verschüttet und konnte trotz sofortiger Inangriffnahme der Rettungsarbeiten nur noch tot geborgen werden. Der verunglückte Bergknappe war 32 Jahre alt und unverheiratet. Hiltrop Deutsche Arbeitsfront. Am Donnerstag, 5. Dezember, abends 8 Uhr, findet beim Pg. Hubert in Hiltrop, der erste Aufklärungs= und Werbeabend der DAF. für Hausgehilfen statt. Es spricht Frl. Wippermann. Erscheinen aller Hausgehilfinnen ist Pflicht. Kredz und haer durch Langenekeri Nikolauszug auch in Langendreer. Auch unser Stadtteil will seinen Nikolauszug haben, und zwar am 8. Dezember. Knecht Ruprecht wird hoch zu Roß an der Spitze reiten, unmittelbar folgt ihm das Jungvolk mit schmetternden Fanfaren und dröhnenden Landsknechtstrommeln. Ein Blasorchester wird dafür sorgen, daß alle Kinder gleichen Schritt im Zuge halten. Dann werden die vielen Schulkinder, die sich zur Teilnahme bereit erklärt haben, den eigentlichen Zug bilden. Die Lehrer der Schulen führen sie und achten darauf, daß stets Ordnung gewahrt bleibt. Ferner wird eine Engelgruppe mitwirken, die zwischen den Schulkindern mit ihren einheitlichen Fackeln marschiert. Und dann kommt die Hauptsache, namlich der Nikolauswagen, der ganz besonders schön ausgeschmückt wird. Den Abschluß bildet eine Zwergengruppe, die an Stelle der Fackeln Grubenlampen trägt. Die Kinder ziehen durch die Hauptstraßen des Ortes bis zur Sternapotheke, wo der Weihnachtsmann mit seinen Geschenken abgeholt wird Wenn die Kinder einige Lieder gesungen haben, hält der Nikolaus eine kleine Ansprache an sie und wird dann mit seinen Helfern süße Sachen verteilen. Der Nikolauszug am zweiten Sonntag im Dezember wird ein Ereignis, an das die Kinder mit großer Freude das ganze Jahr hindurch zurückdenken sollen. * Eisenbahnpersonalien. Der Oberzugführer Klobes und Zugführer Treude wurden in den Ruhestand versetzt. Beide Bediensteten waren lange Jahre in Langendreer beschäftigt. Zum Besten der Winterhilfe. Die Ortsgruppe des Reichsbundes der Deutschen Beamten veranstaltete am Sonntag abend im Saalbau„Zur Post“ einen großen Kameradschaftsabend, dessen Reinertrag der Winterhilfe zugewendet wird. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Polizeikapelle aus Bochum das reichhaltige Programm mit dem Marsch„Bochumer Jungs“ einleitete. Ortsgruppenwart Pg. Klemme nahm das Wort zu seiner Begrüßungsansprache, in der er besonders auf den Sinn solcher Veranstaltungen hinwies. Neben der Polizeikapelle hatte der Veranstalter noch die sieben Schelme aus Essen verpflichtet, die Ausgezeichnetes boten. Auch die weiteren zackigen Darbietungen der Polizeikapelle fanden starken Beifall. Nach Beendigung des offiziellen Teils vergnügte man sich beim Tanz. Kameradschaftsabend in der SA. Im Saale der Wirtschaft Kneist veranstaltete der Kraftfahrersturm 13/M/67 am Sonntag abend einen Kameradschaftsabend, der ein recht interessantes und wechselvolles Programm aufwies. Sturmführer Böckelmann hieß die Kameraden mit ihren Damen willkommen. Nach dem Gedichtvortrag eines Hitlerjungen fesselte Kamerad Beau mit einem Lichtbildervortrag über die Winterpracht in den Bergen. Durch Musik, gemeinsame Lieder und humoristische Vorträge, für die besonders Oberscharführer Roth und Scharführer Neuhaus sorgten, wurde die Frohlaune noch gesteigert. Eine Verlosung brachte manch schönen Gewinn ein. Mit einem Tanzkränzchen wurde der Abend beschlossen.— In seinem Sturmlokal hielt der Sturm 9/457 ebenfalls einen glänzend verlaufenen Kameradschaftsabend ab. Sturmführer Schneider begrüßte die vielen Gäste herzlich. Musik= und humoristische Vorträge sowie gemeinsame Lieder schufen gar bald die rechte Stimmung. Eine Verlosung und ein Tanzkränzchen bildeten auch hier den Abschluß. Altenfeier in der Luthergemeinde. Am Dienstag, 10. Dezember, nachmittags 3 Uhr, findet im großen Saal des Gemeindehauses eine Adventsfeier für die Alten statt. Die Frauenhilfe wird für die Bewirtung Sorge tragen; außerdem werden Gedichte und vom Chor Lieder vorgetragen. Die Jugend der Gemeinde will die betagten Gäste durch zwei Adventssviele erfreuen, an denen zur Zeit noch eifrig geübt wird. Stiftungsfest des MGV.„Cäcilia". Der MGV. „Cäcilia" Langendreer=Dorf beging am Sonntag im Vereinsheim Lindemann in einer festlichen Programmfolge die Feier seines 14jährigen Bestehens. Schriftwart Theisen begrüßte die Sangesbrüder und deren Angehörige herzlichst. Im Verlaufe des Abends zeigte der Chor sein gutes Können durch klangvolle Lieddarbietungen. Zu der Veranstaltung waren auch der MGV. Somborn sowie Sangesbrüder des MGV. Stockum erschienen, die ebenfalls gemeinsam mit dem Veranstalter unter Leitung des tüchtigen Dirigenten August Schnieders mit ihren Darbietungen guten Erfolg hatten. Musikvorträge, gemeinsame Lieder und humoristische Darbietungen sicherten dem Abend einen harmonischen Verlauf. Elternabend der Mädchen=Rektoratschule. Zu einem frohen Abend hatte die Mädchen=Rektoratschule eingeladen. Der Schulleiter Rektor Tiers richtete herzliche Begrüßungsworte an die große Festgemeinde und sprach dann in längeren Ausführungen über das Wesen des deutschen Volksliedes. Eine geschmackvoll zusammengestellte Vortragsfolge ließ echte Fröhlichkeit aufkommen, die an einem solchen Abend nicht fehlen darf. Der Reinertrag dieser Veranstaltung ist für das Winterhilfswerk bestimmt. Umänderungsarbeiten am Bahnhof Langendreer. Am Bahnhof Langendreer, kurz vor der Einmündung in die Bahnhofshalle, ist man zur Zeit mit Umänderungsarbeiten beschäftigt. Die Eisenbahnunterführung wird um etwa 2 Meter erbreitert. Der Schienenstrang wird an dieser Stelle schmaler gelegt, dadurch wird erreicht, daß die kurz vor der Bahnhofshalle sich befindende Kurve abgeschwächt wird. Die Umänderungsarbeiten sind erforderlich, damit der FD.=Zug 15 diese Strecke auch in vorschriftsmäßiger Geschwindigkeit passieren kann. Stadtteil Werne 25 Jahre Katholischer Arbeiterverein. Der Katholische Arbeiterverein konnte auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Die Eröffnung der Jubelfeier bildete eine Festandacht, in der der Oblatenpater Langer(EssenBorbeck) die Festpredigt hielt. Seinen Höhepunkt erreichte der Festtag mit der Jubilarehrung, die ebenfalls Pater Langer vornahm. Es wurden im Schwesternhaus die Mitglieder Fritz Köchling, Kaspar Finke, Josef Gerigk, Johann Grabe, Reg. Hallmanns Josef John, Albert Klees, Philipp Klees, Peter Luchs, Josef Narkus, Josef Pietrzick, Peter Sterna, Johann Tarrach, Anton Wischnewski, Franz Weisner, Heinrich Schremb und Karl Mertens für treue 25jährige Vereinszugehörigkeit ausgezeichnet und erhielten ein Diplom. Die Feierstunde wurde würdig umrahmt. Kanarien=Ausstellung. Der Vogelschutz= und Kanarien= zuchtverein„Gut Hohl“ veranstaltete im Lokal„Zur Deutschen Flotte“ eine Gruppenausstellung, bei der Meisterstämme aus Rheinland und Westfalen zur Ausstellung gelangten. Den zahlreichen Besuchern wurde ausgezeichnetes Material gezeigt. Die ersten Siege trugen folgende Züchter davon: Selbstzuchtklasse: Kosik(Werne) 312 Punkte, Soppa (.=Harpen) 303., Powileit(.=Langendreer) 300., Funk(Castrop=Raurel) 297., Becker und Hoppe(Castrop= Raurel) 294., Zimniok(.=Werne) 291., Drostowitz (Datteln) 288., Brüning(.=Gerthe) 285., Oberbossel (Castrop=Raurel) 279., Gunkler(.=Werne) 267., Matschinski(.=Langendreer) 255., Bönning(.=Gerthe) 240 P. Peters(B=Langendreer) 228 P. Renneberg(.= Lütgendortmund) 222., Reck(Castrop=Rauxel) 213 P.— Allgemeine Klasse: Soppa(.=Harpen) 324., Funk (Castrop=Rauxel) 318 P. Zimniok(.=Werne) 309., Peters(B=Langendreer) 309., Kosik(.=Werne) 306., Gunkler(.=Werne) 273., Becker(Castrop=Raurel) 270., Nordmeyer(Datteln) 261., Bötte(Datteln) 252., Fendt (Datteln) 237 P. Stadtteil Harpen In hohem Alter. Witwe Wilhelmine Bredemann, geborene Guschewski, Harpener Hellweg 175, vollendete am Montag ihr 72. Lebensjahr in Gesundheit und Frische. Sie wurde am 2. Dezember 1863 zu Kutten, Kreis Angerburg, Ostpreußen, geboren. Seit dem 11. November 1910 wohnt sie schon in Harpen. Evangelisch=Kirchliches. Am Donnerstag, 5. Dezember, nachmittags 4 Uhr, hält die Evangelische Frauenhilfe ihre Advents= und Weihnachtsfeier im Saale G. Ruwe in Kornharpen ab. Als Festredner ist Pfarrer Sassenberg aus Weitmar gewonnen worden. Die Frauenhilfsschwestern von Gerthe und Hiltrop=Bergen haben ebenfalls ihre Teilnahme zugesagt.— Der Evangelische Kirchenchor wird am Samstag, 7. Dezember, abends 7 Uhr, im Gemeindeheim bei der Kirche ebenfalls seine Weihnachtsfeier im engeren Kreise veranstalten.— In der am Dienstag, 3. Dezember, abends 8 Uhr, in der Hegelstraße stattfindenden Versammlung der Deutsch=Evangelischen Kirchengemeinde in Gerthe wird Pfarrer Paulmann aus Harpen in längeren Ausführungen über die kirchenpolitische Lage sprechen. Sechumeisrerunsunungen Zu zweien, dreien und vieren Es bedarf nicht erst der Zeit um den jährlichen „Tag der Hausmusik“, die Zöglinge und Lehrer unserer Musikinstitute auf den Reiz und den Wert des Gemeinschaftsmusizierens hinzuweisen. Aber gern stellt man in diesen Tagen die öffentlichen Schülerdarbietun= aber erfreulich vielseitigen Programm etwas besonders gen unter den ausdrücklichen Namen der Hausmusik, also des Ensemblespiels in verschiedenster Besetzung und leichter Ausführbarkeit So wie es beim Abend des Hoffmannschen Konservatoriums geschah, der eine große Zahl interessierter Zuhörer angelockt hatte. Und wenn wir aus dem nicht zu langen, 3. Dezember wurde der Dichter Joh. Mart. Miller in Ulm gevoren, wo er auch als Gymnasialprofessor, Dekan und geistlicher Rat gewirkt hat und am 21. 6. 1814 gestorben ist. Als Student in Göttingen war er Mitglied des Hainbundes und schrieb sentimentale Romane und Gedichte, von denen heute noch die Anfangsstrophen „Für mich ist Spiel und Tanz vorbei" und„Was frag ich viel nach Geld und Gut, wenn ich zufrieden bin“ als Geflügelte Worte bekannt sind. 1818 wurde der Hygieniker Max von Pettenkoser (geadelt 1883) in Lichtenheim bei Neuburg a. d. D. geboren und 1853 Professor der medizinischen Chemie. 1865 für Hygiene in München, wo er am 10. 2. 1901 im Ruhestand gestorben ist. Er war Begründer der erperimentellen Hygiene in Deutschland, der Außerordentliches in bezug auf Physiologie des menschlichen Körpers, seiner Bekleidung, Wohnung und Umgebung geleistet hat. Namentlich seine Beobachtungen über die Cholera und die Bedeutung des Grundwassers für ihre seuchenartige Verbreitung, mit praktischer Anwendung auf München, begründeten seinen großen Namen. personalnachrichten 85 Jahre alt wird heute Rentner Theodor Seiler, Brunsteinstraße 30. Er ist am 3. Dezember 1850 zu Witten geboren und wohnt seit 1874 in Bochum. Der Hochbetagte erfreut sich beneidenswerter körperlicher und geistiger Frische. Anläßlich eines Solistenkonzerts in Herne hatte der Bochumer Geiger Alfred Oligmüller=Enge] einen großen Erfolg. 25jähriges Bestehen eines Bochumer Werkes. Am 1. Dezember 1935 konnte die Firma Riemenwerk Janzen, Bochum, auf ein 25jähriges Bestehen und ihr Werkmeister Spill auf eine 25jährige Tätigkeit bei ihr zurückblicken. Führer und Gefolgschaft begingen mit ihren Angehörigen dieses Doppeljubiläum am Samstag abend durch eine eindrucksvolle Feier in den festlich geschmückten Geschäftsräumen der Fabrik. Die Firma Riemenwerk Janzen ist aus der im Jahre 1883 gegründeten Wittener Ledertreibriemenfabrik hervorgegangen, die im Jahre 1910 durch Kauf auf den jetzigen Inhaber Walther Janzen überging und von ihm nach Bochum in die eigenen Räume Hermannshöhe 13 verlegt wurde. Das Unternehmen selbst ist also heute über 50 Jahre alt. Aus der katholischen Gemeinde. Am heutigen Dienstag wird das Fest des heiligen Franziskus Faverius begangen, des besonderen Schutzpatrons der Weltmissionen.— Mittwoch ist das Fest Sankta Barbara, die bei den Artilleristen und Bergleuten besondere Verehrung genießt. Anziehendes hervorheben wollen, so sei in erster Linie der beiden Bachschen Menuette in der sehr fein und stilvoll wirkenden Besetzung für Violine und Lauten gedacht, um die sich Marianne Stemmler, Leni Brenken und der recht tüchtige Geiger Stambor mit Erfolg bemühten. Auch ein Trio für Blockflöte, Violine und Klavier(Margarete Dietrich, Elsbeth Arens und Stambor) verdient in diesem Zusammenhang namentliche Erwähnung. Und wie man an vierhändiger Klavierliteratur genügend Stoff hat, ist auch für das Duospiel der Violinisten gesorgt. Mozart ist dabei der bedeutendste Name. Auch die Stimmen finden sich zusammen, und die Duett= und Terzettsätze hübscher Volksweisen sind, wie Lydia Galka, Trude Rösler und Willy Prieser zeigten, schönste Aufgaben. Ein Quartett aus der Bühnenmusik bereitet natürlich ebenso viel Freude. Solistisches braucht an solchem Abend nicht grundsätzlich verpönt zu sein. Annehmbare Unterbrechung der Folge und recht willkommen, wenn ein kleiner Virtuose, wie Hermann Wilke seinen Beethoven erstaunlich meistert oder ein junger stimmbegabter, gut sich entwickelnder Sänger wie Heinz Jordan seine„Postillon"=Arie noch unfertig, aber herzhaft frisch und mühelos vorträgt. Also von allem etwas und als Ganzes ein gelungener, wirklicher Hausmusikabend, der vollsten Beifall fand und verdiente. S. Bochumer Veranstaltungen Stadttheater Bochum. Heute:„Julius Cäsar“(Vormiete B. Preise III). Hinweisen möchten wir noch auf die Vorstellung morgen nachmittag vom„Brüderchen und Schwesterchen", dieses reizenden Märchens, das bei den ersten beiden Aufführungen den ungetrübten Beifall aller Kinder fand. Die NS.=Kulturgemeinde. Am Montag, 9. Dezember, 20 Uhr, findet für die Mitglieder der Serie A als Pflichtvorstellung das große Schauspiel„Julius Cäsar“ statt. Der Vorverkauf für die Mitgliedsnummern 501 bis Ende beginnt am Dienstag, 3. Dezember, für die Mitgliedsnummern 1 bis 500 am Mittwoch, 4. Dezember, in der Geschäftsstelle. Die RS.=Kulturgemeinde Ortsverband Bochum, LuegHaus, Zimmer 1. Städtische Kammermusik Bochum. Die vierte städtische Kammermusik findet am Donnerstag, 5. Dezember, abends, im Ernst=Moritz=Arndt=Haus statt. Das Programm bietet Werke von Johannes Brahms, Ernst von Dohnanyi und Ludwig van Beethoven.“ Ausführende: Das TreichlerQuartett, Arno Schütze(Klavier). Aus der (Nach amtlichen Bekanntmachungen der Partei.) Dienstag, 3. Dezember RSDAP. Griesenbruch. 19 Uhr: Weltanschauliche Schulung in der Alleeschule. Heft Nr. 10, 2. Jahrgang, mitbriugen. RS.=Frauenschaft Hordel. 16 Uhr: Zusammenkunft im Jugendsagl. Fichtestraße 9. Anschließend Gesangprobe. Liederbücher mitbringen. NS.=Frauenschaft Altstadt. 20 Uhr: Zusammenkunft im Evangelischen Vereinshaus, Mühlenstraße. NS.=Frauenschaft Hofstede=Riemke(Erbhof). 20 Uhr: Zusammenkunft im SA.=Heim, Vödestraße. Erscheinen ist Pflicht. NS.=Frauenschaft Hiltrop=Bergen. 15.30 Uhr: Fröhlicher Kinder=Nachmittag mit Kaffeetrinken bei Hubbert. 20 Uhr: Ueben der Singschar bei Punge. NSDAP. Hofstede=Riemke. 20.15 Uhr: Schulungsabend im Josef=Wagner=Heim, Poststraße. Sportamt der RSG.„Kraft durch Freude“ Dienstag, 3. Dezember Froyliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen von 15.30 bis 17.30 Uhr, Uebungsraum der Gymnastikschule in der Hauptpost. Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen von 18 bis 20 Uhr. Turnhalle der Realgymnasialen Studienanstalt, Waldring. Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen von 20 bis 21.30 Uhr, Uebungsraum der Gymnastikschule, Rottstraße 29. Spezialgymnastik nur für Frauen von 19.30 bis 21.30 Uhr, Uebungsraum der Gymnastikschule in der Hauptpost. Ski=Trockenkursus für Frauen und Männer von 20 bis 22 Uhr, Turnhalle des Statalichen Gymnasiums, Bismarckstraße(Eingang links hinter dem gelben Schulgebäude). Reiten für Frauen und Männer von 20 bis 22 Uhr, Tattersall an der Herner Straße. Schwimmen nur für Männer von 21.15 bis 22.30 Uhr, Städtische Badeanstalt hrahme! v. Ehostandederiche. Aut Wunach Zabhmgeerleichterung Um allen Hausfrauen Gelegenheit zu geben, zu Weihnachten einen Gasoder Kohlenherd zu kaufen, haben wir uns entschlossen, bis Weihnachten Geschwollene Knöchel Schwielen Empfindlichkeit zwischen den Jehen Für die beim Heimgange unseres lieben Vaters erwiesene Tellnahme sagen wir bierdurch unseren herzlichsten Dank Anton Mathes Josef Mathes u. Frau Unerwartet und nur kurze Zeit nach dem Tode unseres lieben Vaters nahm der liebe Gott auch unsere geliebte Mutter. Großmutter. Schwiegermutter. Schwester und Tante Frau Lilly Bolender geb. Franzka zu sich in sein himmlisches Reich. Sie starb im Alter von 70½ Jahren an den Folgen eines Herzschlages. In tiefem Schmerz: Hans Bolender und Frau Jiss geb. Scharmer Walter Dreßler und Frau IIlly geb. Bolender Richard Bolender und Frau Leny geb. Wittmann Ernst Rckermann und Frau kise geb. Bolender Robert Selppel und Frau Cläre geb. Bolender Curt Bolender Margarethe Bolender Lotte Weldmann und S Enkelkinder Bochum, Dortmund, Hersfeld, Pöllnitz i. P. und Berlin, den 1. Dezember 1935 Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 5. Desember, nachmittags 2¾ Uhr, vom Sterbehause, Weiherstr. 24, aus statt. Trauerteier ¼ Stunde vorher im Hause Statt jeder besonderen Anzeige Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute gegen ½6 Uhr morgens meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter Frau Anna Withake geb. Lilienbeck nach kurzer, schwerer Krankheit, im Alter von 66 jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. ln tieter Trauer:„„„7714181. Julius Witlldke nebst Angehörigen Bochum, Brüderstr. 4, Essen-Altenessen. Münster. Hopsten b. lbbenbüren. Düsseldorf und Quedlinburg, den 2. Dezember 1935 Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem S. Dezember 1935. vormittags 10 Uhr, vom Freigrafendamm aus statt. Vorher wird um 8½ Uhr in der Propsteikirche eine stille Seelenmesse gelesen Nach Gottes heiligem Ratschluß entschlief heute morgen plötzlich und unerwartet, sanft und gottergeben, unsere liebe und treue Mlutter, Schwiegermutter. Großmutter, Urgroßmutter, Schwester und Tante WWe. Piälmde-vop geb. Maas Im Alter von fast 93„ahren. In tiefer Trauer: Die Angehörigen .-Querenburg..-Langendreer, Lünen-Brambauer, Mülheim(Ruhr),.-Laer, den 1. Dezemb. 1935 Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem S. Dezember 1935. um 15.30 Uhr, vom Trauerhause,.-Querenburg. Aut dem Aspet 64, aus statt KYTETWRTETALE . dle Addlerund Subtrahierdie höchste Leistungsfählgkeit, vollendete Formschönheit, unübertreffliche Preiswürdigkeit in sich vereinigt! Unverbindliche Vorführung durch die Alleinvertretung: HEINRICH BRÜLL, BOCHUM Stolzestraße 11 Fernruf 68233 Tints erul.„. Ractlenn Heiraten — Alleinst. Witwe, 50 m Jahre, sucht Bekt. mit ein. sol. Hrn. in sich. Stell. od. mit guter Pension zwecks späterer Beirat Zuschr. W. S. 100 hauptpostlag. senkirchen.(79178 Weihnachtswunsch Ig. Mann, 33 J. alt, kath., sol., im Arbeitsverhältnis, sucht d. Bekanntsch. ein. jungen Dame zw. spät. Heirat. Zuschr. mit Bild, (welches zurückgesandt wird) W. D. 49160 Anzeiger. Jung., berufstät. Mann, 29 Jahre, wünscht d. Bektsch. ein. nett., berufstät. 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