mch der deutschsprachigen Presse e.V. Bezugspreis vierteljährlich: Ausgabe A(ohne „Wochenschau“) in Münster zweimal täglich frei ins Haus gedrocht 2 Mk. 40 Pfg.,— auswärts von der Post adgeholt 2 Mk. 40 Pfg., durch den Driefträger gebracht überall, wo nur einmal im Tage Briefbestellung stattfindet, 2 Mk. 82 Pfg., in Orten mit zwei= und mehrmaliger Bestellung 2 Mr. 12 Pfg.— Ausgade 8(mit„Wochenschau") vierteljährlich 60 Pfg. mehr. Fernspr.: Redaktion u. Verlag Nr. 2448, 2400 u. 2450. Geschäfts“=lle(Michaelisplatz 9) Nr. 78. Zwei Ausgaber üägig. und Münsterische Volkszeitung. 47000 Beziel Erste Ausgabe. Montag, 31. Dezember 1917. 9e 29 5 Anzeigen: Der Nau..#. breit, 2 mm hoch. 30 Pzür die Münster 25 Pf. aus der Für tert. Aktiengesellschaften 2c., Vereine Reklamen: Der Raum für die N. breit, Zmm hoch, 1.20 Mk.-Für E#r# vorschriften wird keine Gewähr, son, keine Haftung übernommen. Etwaig„ Kassenrabatt u. kann verweigert wer lung nicht dinnen 4 Wochen nach Erhal. erfolgt.— Gebühr für Beilagen u 66. Jahrgang. Nr. 9 Westfälische Zentrumspartei. X Münster, 30. Dezember. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich die Provinzialversammlung der westfälichen Zentrumspartei, die heute nachmittag 3 Uhr im Saale des Lortzingtheaters stattfand. Eindrucksvoll nicht so sehr durch die Menge des Besuchs— sie war schon größer und ansehnlicher bei anderen Gelegenheiten— als durch den Ernst der Tagesordnung und die Bedeutung der gehaltenen Vorträge, die uns mitten in die politische Arena führten, in die„Reichspolitik des Zentrums“, die der Reichs- und Landtagsabgeordnete Geh. Rat v. Savigny in fast eineinhalbstündiger glanzvoller Rede erläuterte, während Oberlandesgerichtsrat Marx, der hervorragende Spezialist auf dem Gebiete des Schulwesens über den„inneren Aufbau des neuen Preußens“ sprach, und dabei die zurzeit brennendste Frage, die Wahlrechtsfrage, insbesondere in ihrer Wirkung auf die Schule, in einer außerordentlich tiefgründigen, von hohem sittlichen Ernst getragenen Weise behandelte. Diese Rede tragen wir in einer der nächsten Nummern ausführlicher nach. Wenn auch der große Saal des Lortzingtheaters nicht bis in den letzten Winkel besetzt war, so war es doch immerhin eine aus Zentrumswählern von Stadt und Land zusammengesetzte recht ansehnliche Versammlung, die der Vorsitzende der Westf. Zentrumspartei, Reichs- und Landtags=Abgeordneter Herold begrüßen und willkommen heißen konnte. Namentlich begrüßte er den Generalvikar Dr. Hasenkamp, Dompropst Professor Dr. Mausbach, Domkapitular Dr. Schwarz, sowie die erschienenen Abgeordneten, und unter ihnen die beiden Redner des Tages. Rechtsanwalt Dr. Reineke entbietet darauf in Vertretung des verhinderten Vorsitzenden des Zentrumswahlkomitees der Stadt Münster der Versammlung namens des Vorstandes des Zentrumswohlkomitees der Stadt Münster und damit pleichzeitig namens der hiesigen Zentrumspartei den herzlichsten Willkommensgruß. Des weiteren richtet er seine Begrüßungsworte an die bereits vom Vorsitzenden genannten Redner, sowie an den Vorsitzenden selbst als Leiter des ProvinzialWahlkomitees. Wir in der Stadt Münster, so betonte er dann weiter, haben mit großer Freude der heutigen Tagung entgegengesehen. Die Zentrumssache ist in der alten Bischofsstadt Münster bodenständig. Münster=Stadt und=Land hat stets treu zum Zentrum gestanden und stets führende Männer in die Partei entsandt. Es sei nur erinnert an die Namen Freiherr von Heereman und Graf Hertling. Je mehr der Krieg sich seinem Ende nähert, um so intensiver gestaltet sich wieder das Parteileben, das durch dene Krieg zurückgedrängt worden war. Verschiedene Fragen haben sich, Lösung fordernd, in den Vordergrund geschoben, das sind die Wahlrechts- und die Schulfrage. Da ist es notwendig, daß von kundiger Seite Aufklärung geschaffen wird, damit Mißverständ nisse aufgeklärt werden und das allseitige Vertrauen gestärkt wird. Diesem Zwecke sollen die heutige Versammlung und die beiden Vorträge dienen, die wir zu erwarten haben. Seinen zum Schlusse geäußerten Wunsch auf besten Erfolg der Versammlung beantworten die Teilnehmer mit kräftigem Bravo. Der Vorsitzende, Landesökonomierat Herold: Während ###der vergangenen Kriegsjahre haben wir zwar keine großen Zentrumsversammlungen mehr abgehalten. Aber nunmehr, nachdem vor vier Jahren die letzte große Versammlung auf dem Schützenhofe hier in Münster abgehalten worden war, erschien es uns angezeigt, mit den Wählern wieder eine große Versammlung abzuhalten. Wir entsprechen damit ganz kesonders einem Wunsche der Parteileitung der Stadt Münster, und diesem Wunsche sind wir gern nachgekommen. Wir haben bei der Stadtverwaltung das größte Entgegenkommen gefunden, indem sie uns diesen schönen Saal bereitwilligst zur Verfügung gestellt hat. Und so hoffe ich, daß diese Versammlung der Zentrumssache zur Ehre gereicht. Im vierten Jahre stehen wir im Kriege, mehr als drei Kriegsjahre liegen hinter uns, und was des deutsche Heer und das deutsche Volk in dieser schweren Zeit geleistet hat, das brauche ich Ihnen nicht näher vorzuführen: Sie selbst haben es alle mitempfunden und miterlebt. Die Zahl der Feinde wuchs zusehends. Aber merkwürdiger Weise: je mehr sie zunahme; je größer ihre Zahl sich gestaltete, um so größer waren auch unsere Erfolge. Allein fast mit jedem neuen Reiche, das in die Reihen unserer Feinde hinzutrat, haben sich unsere Erfilge gesteigert, und jetzt stehen wir einer Kriegslage gegenüber, so günstig, so siegversprechend, wie wir sie in der ganzen Zeit des Krieges noch nicht erlebt haben. Was die deutschen Waffen, was das deutsche Heer, verbunden mit seinen glorreichen Führern, geleistet haben in diesem Kriege, das steht mit ehernem Griffel für alle Zeit im Buche der Weltgeschichte geschrieben.(Bravo!] Und, meine Herren, das unterscheidet diesen Krieg, diesen Kampf von allen früheren in der Weltgeschichte, daß solche Heeresmassen ins Feld geschickt worden sind, wie es in früheren Kriegen und in früheren Jahrhunderten nicht möglich war. Es ist nicht mehr ein Kampf der Armeen gegeneinander, nein, mit den Armeen verbunden kämpft die gesamte Volkskraft, welche den verschiedenen Ländern innewohnt. Und darin zeigt sich so recht die Größe Deutschlands, daß es, verbunden mit seinem Heere, die gesamte Bevölkerung einig und geschlossen zusammenstehend, als ein einheitliches Ganzes zu diesen großen Kriegserfolgen gelangt ist, und daß das, was wir als Leistungen unserer Heere bewundern, vollständig ebenbürtig dem zur Seite steht, was die gesamte Bevölkerung, die nicht an dem Kampfe hat teilnehmen können, gelitten, erduldet und gearbeitet hat. Diesseits und jenseits des Ozeans sind alle Hilfskräfte vereint, um gegen uns anzukämpfen. Wir dagegen sind auf uns selbst angewiesen. All unser Kriegsmaterial müssen wir uns selbst herstellen, und wir hoben es vollbracht in vollständig ebenbürtiger Weise gegenüber unsern Feinden. Und so steht das deutsche Volk, daß so greße Erfolge errungen hat, so mächt g da, wie noch nie in seiner tausendjährigen Geschichte vorher. Und dieser Opfermut, diese Begeisterung für die Sache des Vaterlandes, sie führt uns zum Siege: davon sind wir überzeugt.(Starker Beifall.) Aber in solch schwerer Zeit blicken wir ganz besonders vertrauensvoll auf zu dem Mittelpunkte des Deutschen Reiches, zu unserm Kaiser und König, und das innige Band, welches uns seit Jahrhunderten mit ihm verbindet, das wird in diesem Kriege weit fester noch um uns geschlungen.(Beifoll.) Nichts wird uns von ihm und seinem Hause trennen.(Erneuter Beifall.) In guten Tagen ist es nicht geschehen, und auch in schweren Tagen stehen wir treu zu unserm Herrscherhause, dem wir mit Liebe und Verehrung anhangen und zugetan sind.(Abermaliger starker Beifall) Zur Bekundung der Achtung, Liebe und Vereherung gegenüber unserm Kaiser und dem ganzen Hohenzollernhause fordert der Vorsitzende dann die Versammlung auf, mit ihm ein kräftiges dreifaches Hoch auszubringen. Dann erteilt er dem ersten Redner des Abends das Wort. Reichs= und Landtagsabg. Geh.=Rat Dr. v. Savigny führte aus: Meine verehrten Herren! Mir ist als Thema von dem Herrn Vorsitzenden aufgetragen worden über die Reichspolitik des Zentrums zu sprechen, die in der lezten zzeit Gegenstand erheblicher Angriffe und Klagen aus ven Reihen der Parteien heraus gewesen ist. Es ist dies schmerzlich für diejenigen, die das Vertrauen ihrer Mitbürger und das Vertrauen der Zentrumsangehörigen an die leitenden Stellen berufen hat. Sie werden es daher begreifen, wenn ich diese Gelegenheit benutze, um auch zugleich mit einer allgemeinen Darlegung eine Verteidigung der Stellungnahme zu verbinden, wie sie tatsächlich vor Ihrer aller Augen stattgefunden hat. Eine der ersten und schwersten Anklagen. die erhoben porden sind, betraf unsere Stellungnahme in den Verassungsfragen. Man hat gesagt, wir seien abgewichen von den alten Grundsätzen der Zentrumspartei; uns nicht einzumischen in die Verhältnisse der Bundesstaaten. Wahrung des föderativen Charakters des Reiches, wie sie auf alter deutscher Stammeseinteilung beruhender Grundlage, auf der das Reich aufgebaut ist, groß geworden sind, und auf der allein das Reich in Zukunft bestehen kann. Diese Erkenntnis ist den Wählern und den Gewählten gemeinsam, und die Gewählten haben keinen Augenblick vergessen auch diesem Grundsatze getreu zu bleiben. Von anderer Seite, aus anderen Parteien heraus erfolgten Druck und starke Anregung, vorzugehen, um die schon lange gewünschte Veränderung des Wahlrechtes in Preußen herbeizuführen. Erwarten Sie nicht, daß ich hier über das Wahlrecht selbst auch nur ein Wort sprechen werde. Mein verehrter Freund Marx wird hierüber nachher zu Ihnen reden. Ich habe nur die Stellungnahme des Reichstages dazu zu berühren. Ich stelle ausdrücklich fest, daß nichts geschehen ist, was in Wirklichkeit als eine Ablenkung von unseren Grundsätzen hätte gedeutet werden können. Unsere Mitwirkung hat bewirkt, daß in den von unseren Vertretern ausdrücklich abgegebenen Erklärungen zu der Resolution des Verfassungsausschusses ausdrücklich die Einschränkung hinzugefügt worden ist, daß dadurch die Freiheit der Stellungnahme des preußischen Landtages, insbesondere unserer politischen Freunde in keiner Weise beeinflußt werden könne. Mithin ist eine Grundsatzverletzung nicht erfolgt, und was geschehen ist, hat sich vor Ihrer aller Augen abgespielt, und es hat sich gezeigt, daß die Mitwirkung des Zentrums in der gewiesenen Form unvermeidlich, nicht schädlich sondern den Verhältnissen entsprechend war. Es ist nicht möglich, über solche Fragen, wenn sie überraschend, wie das im parlamentarischen Leben häufig geschieht, an die Fraktionen herantreten, jedesmal mit der Wählerichaft in Verbindung zu treten. Es ist ausreichend, daß das allgemeine Vertrauen vorhanden ist, daß wir im gegebenen Falle das Beste tun werden. Es ist das auch in diesem Falle geschehen. Ein zweiter Vorwurf, ein schwerer Vorwurf, ein von ernster Besorgnis eingegebener Vorwurf ist erhoben worden: die Zentrumspartei beteilige sich daran, das parlamentarische System anderer Länder nach Deutschland, in den Deutschen Reichstag zu verpflanzen und damit an den Grundlagen unserer Reichsverfassung zu rütteln. Meine Herren! der Anschein war, daß für den ferner Stehenden wohl Bedenken entstehen und Gründe für diesen Vorwurf herbeigeschafft werden konnten. Diese Gründe sind aber nicht stichhaltig. Ich kann ausdrücklich feststellen.— es ist das wiederholt von den Abgeordneten in der letzten Zeit erklärt, von der Zentrumsfraktion wiederholt in öffentlichen Versammlungen und in der Presse geschehen, es muß auch hier noch einmal wiederholt werden: In der Fraktion, abgesehen von einigen wenigen Stimmen, ist fast einstimmig jedes Eingehen auf das parlamentarische System, so wie es heute mit diesen Begriff bezeichnet wird, abgelehnt worden(Bravo!), und es ist ausdrücklich Verwahrung dagegen eingelegt und festgestellt, daß dies die Meinung der überwiegenden Mehrheit der Fraktion sei, und daß die Minorität sich gefügt hat. Die Minorität hat auch das eigentliche varlamentarische System, wie es die westlichen Länder Europas besitzen. nicht gewollt, nur etwas weitergehend als wir zu der Frage Stellung genommen haben. Was gewollt war. ist ein anderes. In solch einer großen Zeit, in der die Lebenseristenz des Volkes auf dem Spiele steht, können nicht mehr die gewohnten Gepflogenheiten aufrecht erhalten werden. die die Erbschaft einer anderen großen und schweren Zeit gewesen waren. Von der überragenden Persönlichkeit des Fürsten Bismarck her war durch zwei Jahrzehnte hindurch es üblich geworden, sich in vielen, besonders die auswärtige Politik betreffenden, aber auch große Fragen der inneren Politik berührenden Gegenständen, die Beratung mehr als sonst es üblich ist, dort wo Volksvertretungen bestehen, auf das Vertrauen zu stützen, das diesem Manne entgegengebracht wurde und mit Recht in diesen Fragen entgegengebracht werden konnte. Das hat sich fortgeerbt auch unter seinen Nachfolgern, und in keiner Volksvertretung irgendeines Landes hat ein solches Maß von Zurückbaltung. ein solches Maß von vertrauensvoller Mitarbeit, ohne immer nach den tiefsten leitenden Motiven zu fragen, geherrscht, als im Deutschen Reichstage. Auch hier hat der Krieg. der große Weltkrieg. Wandel geschaffen. Es zeigte sich, daß es unbedingt notwendig war, die Regierungskreise über die Stimmungen im Volke mehr als es bis dahin geschehen war, aufzuklären und diese Stimmungen bestimmend mit zur Geltung zu bringen. Das war bis dahin nicht der Fall. und auch in diesem Kriege noch in der Fortsetzung der alten Tradition nicht der Fall gewesen. Der Reichskanzler von Bethmann hatte nicht die Gewohnheit, seine Plane mit der Volksvertretung zu überlegen. Er hatte nur hier und da Zusammenkünfte mit einzelnen Fraktions= führern. Lusammenkünfte, bei denen beklagt wurde daß sie nicht den Charakter der Beratungen, der geistigen Mitarbeit, sondern nur des Anhörens und nicht einmal des Erwidrns in der Form einer vollen Darlegung der eigenen Gedanken und Bedensen trugen. Das war unerträglich in einer Lage wie der jetzigen. Da mußte Wandel geschaffen werden.(Sehr richtig!! Die ganze Stimmung im Reichstage war— ich kann es sagen— nach dieser Richtung eine elektrisch geladene. Schon während des ganzen Krieges war von vielen Seiten der dringende Wunsch geäußert worden, dem Volke durch seine Vertretung die Möglichkeit zu geben, seiner Meinung in den großen Fragen dieses Krieges Ausdruck geben zu dürfen. Reichskanzler von Bethmann hat dem, gewiß mit recht triftigen Gründen, widersprochen und widerstanden. Die öfsentliche Verhandlung mancher dieser Fragen war gewiß bedenklich, und es ist auch von seiten des Zentrums nicht verkannt worden, daß in gewissem Umfange die Zensur zum Teil unentbehrlich sei. Soweit aber zu gehen, das deutsche Volk in seiner Vertretung von der Mitwirkung an diesen Fragen auszuschließen, es nachher vor vollendete Tatsachen zu stellen, das ist ein nicht ausdenkbarer Schaden. Dann würde das, wus geschieht nicht getragen von dem Vertrauen des Volkes in unserm Staatsleben und unserm Reich. Aus diesen Erwägungen und Überzeugungen heraus sind auch aus Zentrumskreisen die Wünsche geäußert und dann bei gegebener Gelegenheit zum Ausdruck gebracht worden, es mög die Reichsregierung mehr Fühlung mit der Volksvertretung nehmen, und diese Fühlung auf eine feste Grundlage stellen: nicht aber im Sinne eines parlamentarischen Regiments. Die Minister, die Staatssekretäre aus Vertretern der Parteien zusammenzusetzen, diese Forderung ist nie gestellt, der Gedanke ist von voruherein zurückgewiesen worden. Wohl aber ist nahegelegt worden, Parlamentarier, Parteiführer nicht grundsätzlich auszuschließen von diesen Stellen. Das war bisher der Fall. Ganz verschwindende Ausnahmen sind es gewesen, die solche Männer auf diese maßgebenden Stellen gebracht haben, und es sind nicht immer glückliche Ausnahmen gewesen. Jetzt aber wurde der Wunsch ausgedrückt, es möchte die Fühlungnahme zwischen den Parteien, zwischen der Volksvertretung und der Reichsregierung dadurch auf einen festen Boden gestellt werden, daß bei neu zu besetzenden Posten auch auf solche Männer Rücksicht genommen werde. Die Fragen der äußeren Politik. auch die Fragen der inneren Politik, die Fragen der Kriegswirtschaft wechseln oft im Augenblick ihr. Bild: da ist es nicht nur nötig, mit den Parteiführern hier und da im einzelnen Rücksprache zu nehmen, nein, da ist ständige Gedankenmitarbeit notwendig. und dazu bedarf es ständiger Posten, das sind eben die Posten des Vertreters des Reichskanzlers, die Staatssekretariate, in Preußen die preußischen Minister. In diesem Sinne waren die Wünsche geäußert worden und voll berechtigt. Es ist auch ganz klar, daß in einer Zeit, in der überall, in allen Ländern eine intensive Mitwirkung der Völker durch ihre Vertretung an der Leitung der Staatsgewalt stattfindet, das große Land, in dem wir leben, nicht als einzige Ausnahme dasteht und noch aus der Tradition heraus sich damit begnügt, hier und da von der Tribüne des Hauses seine Meinung zum Ausdruch zu bringen. Ich ruse als Kronzeugen für die Richtigkeit dieser Auffassung die erhabenste Person, die wir in Deutschland besitzen. unseren allergnädigsten Kaiser auf. Sie alle haben den Brief gelesen, den er 1905 an den russischen Zar geschrieben hat: er möge, bevor er an Friedeusschluß(nach dem russisch=japanischen Kriege) denke, eine Volksvertretung berufen und damit die Verantwortung für die wichtigen Schritte zwischen sich und seinem Volke teilen, das Volk mit an dieser Verantwortung tragen lassen. In diesem Sinne hat unser Kaiser sich geäußert und aus diesem Gedankengange heraus ist auch der Wunsch, den wir mit den anderen Parteiten ausdrückten, geboren, des die Volksvertretung durch geeignete Persönlichkeiten mitwirken soll an der Regierung des Staates, teilhaben soll an der unendlich schweren Verantwortung, die die Regierenden täglich auf sich nehmen müssen. Wir haben aber auch noch einen anderen Grund: Von jeher hat das Zentrum sich darüber beklagt, daß ihm nicht in gleicher Weise wie anderen Parteien die Gelegenheit gebeten werde. Männer seines Vertrauens mit in die Regierung mit in die Geschicke des Volkes eingreifen zu sehen. Also eine Paritätsfrage war es, daß auch endlich aus## Reihen des Zentrums Männer berufen würden; eine al.. Zentrumsforderung, die auch jetzt maßgebend war für die Stellung. die eingenommen wurde. Der gleiche Wunsch wie bei uns bestand natürlich auch bei den anderen Parteien. Es war daher nichts anderes denkbar als eine Art Koalitionsministerium, d b. eines Ministeriums, das gleichermaßen die Parteien, die dazu bereit waren, an der Lenkung der Geschicke des deutschen Volkes beteiliet. Eine einzige Partei, die zu der Mehrheit gehörte, die sich damals tatsächlich zusammenfand, um eine Reihe vun Wünschen zum Ausdruck zu bringen, hat sich, äußerlich wenigstens von dieser Mitverantwortung ausgeschlossen: die sozialdemokratische Partei. Diese Situation ist an sich beklagenswert denn die Sozialdemokraten bilden im Reichstage eine so starke Partei, bilden einen so hohen Prozentsatz der Wählerschaft zum Reichstage und in unserer Bevölkerung. daß es nur natürlich ist, zu verlangen, daß sie, wenn sie zu der Mehrheit gehören, die zurzeit die Regierungsmaschine im Gange hält, auch die Verantwortung für den Gang der Maschine mit übernehmen. Nun hat aber die sozialdemokratische Partei, wenn sie auch abgelehnt hat, selbst Kandideten zu stellen, für Minister= und Staatssekretär, ausdrücklich erklärt durch den Mund ihrer Führer in den interfraktionellen Verhandlungen, daß sie in dem Vertreter der Fortschrittspartei in dem Abg. v. Payer. der ja bekanntlich als Vizekanzler neben den Reichskanzler gestellt worden ist, auch ihren Vertrauensmann erblicke. Und darum steht es fest, daß sie auch mit die äußere und öffentliche Verantwortung für die Maßnahmen der Reichsregierung tragen, daß sie nicht des Recht haben— nicht mehr als andere Parteien— eine allgemeine Oppositionskritik gegen die Reichsregierung zu richten, daß das. was jetzt geschieht, und was unter der Mitwirlung der Mehrheit, die von den Sozialdemokraten mitgebildet wird, geschieht, nachher von ihnen nicht desavoniert werden kann. Die Teilnehmer an den interfraktionellen Verhandlungen haben uns ausdrücklich ermächtigt, das festzustellen. Die Rede, die der Abg. Scheidemann im Reichstage zu dieser Frage der Neuorientierung und Neubildung in den Ministerien gehalten hat, hat sich nicht deutlich genua über diesen Punkt ausgesprochen. Es ist daher notwendig aus den interfraktionellen Verhandlungen diese dem öffentlichen Interesse angehörende Tatsache festzustellen. Wie ist nun durch diese Maßnahmen, durch diese vom Zentrum mit herbeigeführten Maßnahmen die tatsächliche Lage für unsere innere Politik, für die Reichsregierung geworden? Es liegt vor Ihrer aller Augen. An der Spitze der Reichsregierung steht ein Mann, der noch aus der alten Windthorstschen Zentrumspartei hervorgegangen, als Parlamentarier treu zum Zentrum gestanden hat, den Sie hier im münsterischen Wahlkreise jahrelang zum Zentrumsabgeordneten gewählt haben, der an der Spitze der Zentrumsfraktion des Reichstages mehrere Jahre gestanden hat, der zwar formell ausschied, da er als bayrischer Ministerpräsident berufen wurde, aber auch dort die Prinzivien des Zentrums hochgehalten und seine Zugehörigkeit stets und immer wieder betont hat, der auch auf die Andersdenkenden einen solchen Einfluß ausgeübt hat, daß aus freien Stücken, nicht auf Vorschlag des Zentrums, durchaus aus der Initiative der andern Gruppen heraus, er zum Kandidaten für dieses Reichsamt ernannt und berufen worden ist. (Bravo.) Das ist die Spitze der Reichsregierung. Und daß diese Spitze geschaffen wurde, daß dieser Mann an diese Stelle getreten ist, meine Herren, das ist die Folge der„Parlamentarisierung", an der das Zentrum mitgearbeitet hat. War das ein Fehlen?(Nein!) Im preußischen Ministerium sitzt als einflußreicher Justizminister Herr Dr. Spahn, jahrelang an der Spitze der Zentrumspartei des Reichstages, von der Pike hinauf gedient vom einfachen Amtsrichter bis hinauf zum Oberlandesgerichtspräsidenten, ein Mann, dessen Zentrumsgesinnung so klar steht, wie nur irgend etwas auf der Welt, und der bei seinem Eintritt in das Ministerium die ausdrückliche Erklärung gab. er werde sich nicht nur um das Justizressort kümmern(Bravo!), er sei Mitglied des Staatsministeriums, und als solcher werde er die Gesamtinteressen wahrnehmen. Das ist der zweite Mann, der durch die Betonung der Mitwirkung von Männern der Volksvertretung auf diesen Posten gekommen ist. Ist das ein Fehler? (Nein!) Daß daneben auch die andern Parteien Berücksichtigung verlangt haben, war eine logische Folge und ist keine Verschiebung der Kompetenzen. Die Trennung zwischen Verwaltung und Gesetzgebung ist dadurch nicht verschoben. Aus diesem Grunde, um darin keine Verschiebung eintreten zu lassen, haben wir energisch dagegen Frout gemacht, daß der Artikel 9 aufgehoben werde, wonach niemand gleichzeitig Reichstagsmitglied und Bundesratsmitglied werden kann. Und trotz ihres Widerstandes hat die Linke durch die Tatsache, daß der Abg. v. Payer als Vizekanzler auch natürlich im Bundesrat mirwirken muß, sich dem fügen müssen, und das Reichstagsmandat dieses Herrn ist erloschen. So steht die Sache, und darum kann ich wohl sagen: Für unsern Zentrumsparteistandpunkt ist die Aktion, so wie sie verlaufen ist, und die Lage, so wie sie entstanden ist, eine vorteilhafte, eine unsern Grundsätzen und unsern Wünschen entsprechende, wie sie lange Jahre hindurch gehegt, aber nicht erfüllt wurde. Es kann also jeder Zentrumsanhänger damit zufrieden sein. Wegen Raummangels müssen wir die Rede hiet abbrechen. Nur das sei aus dem noch nachzutragenden Schluß bemerkt, daß der Redner unter großem Beifall erklärte, daß nach Ablauf der gestellten Frist ein furchtbares Strafgericht über diejenigen hereinbrechen werde, die auch jetzt noch die Friedenshand frivol zurückweisen würden. Sodann ergriff als zweiter Redner des Abends das Wort Reichs= und Landtags=Abgcordneter Oberlandesgerichtsrat Marx=Düsseldorf. Sein Hautthema war, wie bereits vom Vorredner angedeutet, die Stellungnahme des Zentrums zur Wahlvorlage. Wit können heute nur ganz kurz auf seine Ausführungen eingehen, die dahingingen, daß dem Volke, das sich so hervorragend im Kriege bewährt habe, in der Front sowohl wie in der Heimat, das gleiche Wahlrecht nicht vorenthalten werden dürfte. Er gestehe es ein, das Zentrum befinde sich vor einer schweren Krisis; es müsse aber das gleiche Wahlrecht Gesetz werden lassen und seine Tätigkeit darauf beschränken, daß aus den Kommissionsberatungen etwas Gutes herauskomme. Das Zentrum habe seit 40 Jahren das gleiche Wahlrecht zu einer seiner Hauptforderungen gemacht und könne heute diesen seinen Grundsatz nicht verleugnen. Auch die Regierung könne nicht zurückweichen, da ihr Standpunkt durch das Wort des Königs, das ohne Zwang gegeben sei, das betone er ausdrücklich, festgelegt sei. Die Gegner des gleichen Wahlrechts müßten sich auch klar machen, was kommen werde, wenn das gleiche Wahlrecht nicht angenommen würde. Das erste was läme, sei eine Auflösung des Abgeordnetenhauses und danach ein Wahlkampf, den mitzumachen er sich nicht stark genug fühle. Dann würde erst recht eine radikale Richtung platzareifen, wohingegen man zu dem auf Grund der neuen Wahlrechtsvorlagen gewählten Abgeordnetenhaus das Vertrauen haben könne, daß es nicht so radikal werden würde, als man befürchte. Er persönlich glaube nicht ohne weiteres an eine sozialdemokratische Mehrheit. Zudem müsse man bedenken, daß die Gefahr für die konfessionelle Schule nicht erst mit der Ankündigung des gleichen Wahlrechts aufgetaucht sei. Sie bestand schon seit Jahren, und ihr zu begegnen galt die (vom Redner begründete) Organisation zur Verteidigung der christlichen Schule. Leider habe man in Zentrumskreisen, auch in Münster, die Gefahr nicht erkannt und vertrauensselig in den Taa hineingelebt. Diese Vertrauensseligkeit räche sich jetzt. Das Zentrum habe, wie sich jetzt zeige, gut daran getan, sich auch des Problems der Einheitsschule anzunehmen. Es habe dadurch den liberalen Freunden der Einheitsschale den Wind aus den Segeln genommen. Damals schon war die konfessionelle Schule gefährdet. Sie sei es auch lebt, aber nicht durch das gleiche Wahlrecht. 5i:“pielen vermessen und unverständlich wen wird nicht abgewendet durch eine Ableh #Fahlrechts, sondern sie wird größer. Und Kegnen, ihr? Durch eine einige Zentrumsp. Vieret.„Hesten Schutz für die konfessionelle Schi Zeng=unxtei ist verurteilt, wenn sie das gleiche A ablehnt, überlebt sie nicht, wenn sie das ablehnen Ne 10 Jahren verkündet hat. Wenn es einer listischen hrheit gefallen sollte, sofort einen Schult kampf Zu enieren, so würde sie auf einen in der Ge geeinigteu pck von überzeugungstreuen Katholiken Frotestantsoßen, der diesen Bestrebungen mit dem Mure 2eg, gie, der das Zentrum in seinen Sturmmürde das seelt habe, begegnen würde. In Einig wurde das hische Volk mit einem sehr großen Teil evangezm#tes den Schulkulturkampf siegreich beste „„zurmllclanganhaltender Beifall lohnte den Ret für seine treiin Ausführungen, die mit zu den besten hören, die ie kdas heitle Thema des Wahlrechts geha sind. Der Vorsi, schlägt sodann folgendes Begr Bahlfreises Zum an den ehemaligen Vertreter Reg#an Ir=Coesfeld im Reichstage, den jetzi Reichskanzter Ex von Hertling vor, da dies Hen!sversammlung ist, die sein frühWahlkreis nach FErnennung seines früheren Vertre zum Reichskanzlerga###: „Die erste niFw. Exzellenz opferwilliger Überna kandleres tagende große Versammlung Westfälischen Zenspartei entbietet in treuem Geder dem früheren Verer eines westfälischen Zentrumskreises ehrerbietigezruß.“ Dann fährt der sitzende fort: Wir stehen am Se dieser großen Versamzug, und ich gebe mich der Hof hin, daß durch die Re welche wir angehört haben Verständnis für die irumspolitik und die Begeist für die Zentrumssache belebt worden ist. Denn de m. H., täuschen wir unsht: In der Zukunft stehen der Zentrumspartei gansonders große und wichti goben bevor. Die Zenttspartei wird in unsermse“ leben ein bedeutsamer Fer für die innere Ausge##werden, und darum halten, treu und fest zur Ze.“ partei! Und mag diesem oljenem das eine oder dasnit in dem Vorgehen der Zentrspartei nicht zusagen—er(“ behalten Sie das Vertrauenr Zentrumspartei. Seier= 1 davon überzeugt: die Partei sägt vorher ganz genau. w. Schritte jedesmal zu tun sind's treten oft Bewegungen denen man sich fügen muß, Uhen Einfluß ausüben zu nen. Wenn aber dieser oder er etwas auszusetzen hat der Politik des Zentrums, danist nichts unrichtiger, nichts verkehrter, als wenn er sich siollend zurückziehen wollte, um sich einer anderen Parteiape zuzuwenden. Nur dadurch, daß er in der Partei bli kann er seinen Einfluß geltend machen, dadurch kann er wirken, daß man auf den Boden sich zusammenfindet und benigt der auch seinen An schauungen näher kommt. Wer rücktritt, über den geht man einfach zur Tagesordnung üb während er bei seinem Verbleiben innerhalb der Partei te wirken und schaffen können. Und so sollen wir alle zusmenwirken und zusammenarbeiten, alle Berufsände ohne Inahme. Und dadurch gerade, daß alle— hoch und niedri reich und arm. Adel, Bürger, Bauer und Arbeiter— zunmenwirken, dadurch geben wir die beste Garantie, daß diehesamtpolitik sich auf einer Mittellinie bewegt, auf der alle frieden sein können. Tritt ein Stand zurück, eine Richtung ehr in den Hintergrund, dann überwiegen die anderen umso mehr. Und dann: Der Ausgleich der gegenseitigen interessen, auf den die Zentrumspartei von Anfang an so soßen Wert gelegt hat, wird dann um so mehr abgeschwächt. Und wir bemühen.. uns auch, daß jeder seine Stimme zur Gelng bringen kann. In einer so großen Versammlung, wie der lutigen, ist ja eine Diskussion über Einzelfragen kaum möglich. Aber wir bitten Sie, gerade in die Provinzialausschußsitzunen, in die Provinzialvertreterversammlungen zu kommen,i denen die gewählten Vertreter der Zentrumspartei zusaimentreten, um dort gemeinsam die Tagesfragen zu besprechenund zur Erörterung zu bringen. Dort hat jeder Gelegeheit zu freier Aussprache, und dort kann jeder seine Wünste vorbringen. Die Versammlungen finden stets in Gegenwar des Vorstan= des des Westfälischen Zentrumspartei unter Zuiehung sämtlicher westfälischer Abgeordneten der Zentrunspartei statt, so daß alles, was zur Sprache kommt, hier durchdacht und zu den Ohren der Fraktion in Berlin gelangen kann. Wenn### jeder seine Meinung und seine Wünsche vorbringt, und wenn wir so alle einig und geschlossen sind, wenn wir so alle zu. sammenarbeiten, dann haben Sie auch das Vertrauen, daß die richtige Politik eingeschlagen wird. Und gerade in so wichtigen Fragen, wie namentlich der letzte Herr Redner sie betont hat, in Kulturfragen, in Fragen der Sicherung und Freiheit der Kirche, in Fragen der Erhaltung der konfessionellen Volksschule, können wir nur etwas erreichen, wenn alle Volksklassen hinter uns treten. Darum mutig an die Arbeit! Wenn dann auch schwierige Zeiten kommen— wenn wir dann einig sind, dann werden wir doch, obgleich eine geborene Minorität, ein Machtfaktor sein, der sich Geltung verschaffen wird. Wenn so unser Sinnen und Trachten auf die Hebung der Zentrumsvartei gerichtet ist, dann wird sicher der Erfolg nicht ausbleiben. Kurz nach 6 Uhr schließt dann der Vorsitzende die Versammlung mit einem kraftvoll aufgenommenen dreifachen Hoch auf ein weiteres schönes Blühen. Wachsen und Gedeihen der Zentrumspartei. Letzte Nachrichten. König Ludwigs Neujahrsgruß. München, 29. Dez. (WTB.) Das Verordnungsblatt des Kriegsministeriums veröffentlicht folgenden Tagesbefehl des Königs: Zum vierten Male entbiete ich in harter Kriegszeit meinem heldenhaften Heer an der Schwelle eines neuen Jahres meinen und der Königin Glück= und Segenswunsch. Mehr als ein Jahr ist verflossen, seitdem im Gefühl ihrer überlegenen Kraft die verbündeten Mächte die Hand zum Frieden boten. Als zerschmetternde Faust traf die zurückgestoßene Hand im Osten, Westen und Süden unsere Feinde. Dankerfüllten Herzens denke ich meiner tapferen Bayern, die an den glänzenden Erfolgen des Jahres 1917 so ruhmreichen Anteil genommen haben, die in zäher und entsagungsvoller Abwehr, wie in unwiderstehlichem Angriff ihre Treue und Tüchtigkeit bewährt haben. Aber auch alle den Kämpfern und Helfern hinter der Iront, in der Heimat, den Frauen und Kindern, die ihre Kraft freudig in den Dienst des Vaterlandes gestellt haben, gebührt mein Dank. In tiefer Wehmut trauere ich um die besten meines Volkes, die Leben und Gesundheit dem Vaterlande geopfert haben. Wenn auch die Frucht reift, wenn im Osten die Morgenröte des Friedens zu tagen beginnt, noch sind wir nicht am Ende. Ein harter eigener Wille und das Bewußtsein unserer gerechten Sache wird uns mit Gottes Hilfe ferner die Kraft geben zu opfern, zu kämpfen und zu siegen, bis wir den Frieden erzwungen haben. Meine innig sten Wünsche begleiten meine tapfere Armee und mein treues standhaftes Volk in das neue, und, Gott gebe es, letzte Kriegs jahr. München, den 27. Dezember 1917. Ludwig. Zur Vernichtung dreier englischer Zerstörer. London, 28. Dez.(WTB.) Reuter. Die Admiralitt teilt mit: In der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember sind vor der holländischen Küste bei nebligem Wetter drei britische Zerstörer auf Minen gelaufen oder torpediert worden. Dabei sind 13 Offiziere und 100 Mann umgekommen. Englische Flugzeuge über Holland. Haaa, 29. (WTG.) Amtlich wird durch das Ministerium des Nußerr mitgeteilt, daß am 2. Oktober 1917 sieben britische Flugzen in Breskens(gegenüber Vlissingen) über niederländisches biet geflogen sind, und daß die niederländische Regierung halb bei der englischen Regierung protestiert hat. Die ene Regierung entschuldigte sich wegen der Verletzung der r ländischen Neutralität. Wikrotmareniv der deutschsprachigen Presse e.V. B icher vorstoß gegen ngländer. Stauartier 30. Dez.(WT9.) riegsschauplatz: Im Yverner Searpe und auf dem östlichen Maasufer trietätigkeit zeitweilig gesteigert. Kleine Er%an der englischen Frout und in den ArKriegsschauplatz: Nichts Neues. Stische Front: Nordwestlich von Monaaran=See lebte das Feuer vorübergehens auf. da. 4nischer Kriegsschauplatz: Am Tomdamät“ im Piave=Abschnitt beiderseits von Pederobba euh. Aillerie= und Minenwerser=Kämpfe. der Erste Generalquartiermeister: Ludendorif. Be 283 Uin, 30. Dez.[W2B.) Abends: Zwischen #a und La Vacquerie nahmen unsere Truppen in ört—sorstoß die vordersten englischen Gräben und machten 3 pundert Gesangene. od.zsüber heftiger Feuerkampf am Monte 19#0n. GU* Ferlin, 30. Dez.(W2B.] An der Westsront kam * 29. ds. Mts. außer den üblichen Artillerie= zu Handtenkämpfen von Graben zu Graben. Auch die Patrouil. atigkeit ruhte nicht. In der Nacht vom 28. zum 29. 12. nen im Abschnitt von Ypern eine englische und eine itsche Vatrouille zusammen. In dem ungewissen Lich: der uternacht kam es zu einem kurzen erbitterten Kampf. Der iße Rauch der krevierenden Handgranaten hüllte die umpfenden ein. Unter den schweren Körpern der mitein. ider Ringenden brach die dünne Eisdecke über den Schlammichtern. Die größere Tüchtigkeit der Deutschen im Nahmpf gab trotz zahlenmäßiger Überlegenheit der Engnder den Ausschlag. Während es auf beiden Seiten von m Gefechtslärm lebhaft wurde. Maschinengewehre knattern und Lichtsignale aufstiegen, flohen die überlebenden Enguder in ihre Gräben zurück, während es der deutschen Paauille gelang, mehrere Gefangene in die eigenen Stellunn zurückzubringen. Auch an der italienischen Front nimmt der tilleriekampf eine sehr heftige Form an. Die einst dicht zölkerten Ortschaften an der Piave verwandeln sich mehr 5 mehr in Trümmerstätten und ein weiter reicher und heider Landstrich geht automatisch und unaufhaltlich dem bicksal völliger Vernichtung entgegen. Französischer Heeresbericht vom 29. Dez., nachmitas: Aus der Nacht ist nichts zu melden außer Patrouil= usammenstößen nördlich vom Chemin=des=dames bei Sazeur. In der Nacht vom 28. zum 29. Dezember hat ein zösisches Flugzeug die Bahnhöse von Mezières bei Metz Diedenhofen sowie deutsche Anlagen bei Vouzieres und sel mit Bomben belegt.— Abends: Mittlerer Artilekampf, stärker an einem Teil der Front, ziemlich lebhaft der Gegend von Bapaume und auf dem rechten Maasufer. Feuertätigkeit. elgischer Heeresbericht. Wöhrend der beiden letzten war die Artillerietätigkeit etwas heftiger. Wir belegBauten des Feindes in der Gegend von Fervacie, Dix#den und Kippe mit Bomben als Vergeltung für die Begeßung der Gräben und Verbindungen unserer ersten Linien. Englischer Heeresbericht vom 29. Dez. abends: Tagsber zeigte die feindliche Artillerie wieder eine beträchtliche Fätigkeit.— Flugwesen: Unsere Flugzeuge nahmen e wohlgelungene Lichtbilder auf und warfen über 100 Bomben auf drei feindliche Fluaplätze nördlich von Lille ab. ieben feindliche Flugzeuge wurden von den unserigen abschossen, von denen vier in unseren Linien niedersielen. weitere Flugzeuge wurden von unseren Abwehrgeschützen ntergeholt, davon fielen drei in unsere Linien. Drei unseren Flugzeugen werden vermißt. Die furchtbaren englischen Verluste. Nach den amtlichen Feststellungen haben die Verluste der Engländer eine erneute Steigerung erfahren. Da die Verluste erst nach einigen Wochen in den amtlichen Listen erscheinen, geben uns die nachstehenden Zahlen ein Bild von den im November erlittenen Verlusten. Vom 10. bis 20. November 1917 betrug der Gesamtverlust 41 343 Mann, der Tagesdurchschnitt also 4134 Mann. Vom 20. bis 30. November verloren die Engländer insgesamt 43768, täglich also 4376 Mann. Sie haben in der letzten Dekade des Kovember mithin täglich 242 Mann mehr als Verlust gemeldet, als in der zweiten Dekade des Novemper. Die Verluste vom 20. bis 30. November umfassen: an Loten 356 Offizure, 9272 Mann; an Verwundeten und Vernißten 1129 Offiziere, 33 011 Mann. Von den Kriegsschauplätzen. Wien, 30. Dez.(WTB.) Amtlich wird verlautbart: Hstlicher triegsschauplatz: Waffenstillstand. Italiezischer Kriegsschauplat: Teilweise erhöhte Artillerietätigkeit. Der Chef des Generalstabes. Sofia, V. Dez.(WTB.) Generalstabsbericht vom 29. Bez. Majedonische Front: Bei Bartindol, nördich von Bivlia, lebhaftes Artillerie= und Minenwerserfeuer. Im Cernabegen und südlich vom Doiran mehrere Feuerüber= fälle. Auf der übrigen Front Störungsfeuer. Westlich von Sen es wurden mehrere englische Infanterie- und Kavalle##abteilungen aus dem Vorgelände vertrieben.— Doradschafront: Waffenstillstand. Italienischer Heeresbericht vom 29. Dez. Auf der ganzen Eront das übliche Störungsfeuer. Beiderseitige Patrouillen= fätigkeit im Lagarina= und Brand=Tale. Feindliche EinAruchsversuche auf dem Costalunga und dem Monte Melago hfläche von Asiago) wurden abgewiesen. Wir machten einige Gefangene. An der alten Piave machten wir bei einer Patrouillenunternehmung einige Gefangene. Gestern abend um 9½ Uhr bewarfen feindliche Flieger, ihrer angeborenen und durch die am 26. Dezember im Luftkampf bei Treviso erlittenen Niederlagen wieder völlig erwachten Barbarei folgend. die Bewohner von Treviso. Monte Velona, Castelfranco und Padua. alles ungeschützte Piäze mit Bomben. Auf den Mittelpunkt von Padua, wo die Bevölkerung überhaupt dicht und die Kunstdenkmäler sehr reich und zahlreich sind, wurden 8 Bomben abgeworsen, die 18 Personen töteten und 60 verwundeten. Die meisten Opfer sind Frauen und Kinder, nur 6 sind Militärpersonen. Lein Kunstdenkmal wurde beschädiat. In den anderen beworfenen Städten wurden weder Personen getötet noch Sachschaden angerichtet. Erfolge der Türken bei Jerusalem. Konstantinopel, 30. Dez.(WTB.] Heeresbericht vom 29. Dez. Palästinafront: Hervorgerufen durch beiderseitige Angriffsunternehmungen entbrannte am 27. Dezember nördlich und östlich Jerusalem ein heftiger Kampf auf breiter Front“ auf dem wir eine Reihe schöner Teilerfolge erzielten. An unserem linken Flügel stießen wir bis Eir Dosi vor. Weiter nördlich wurde der Angriff einer englischen Division unter schwersten Verlusten für den Feind abgeschlagen, drei Maschinengewehre und Gefangene erbeutet. Nördlich Fell et Fuh nahmen wir die vom Feinde besetzte Höhe 814 und hielten sie gegen alle Gegenunternehmungen. Östlich Birnebala hielten wir unsere Stellungen gegen wiederholte starke feindliche Angriffe, machten Gefangene und schossen Panzerkraftwagen zusammen, die von Jerusalem vorkamen. Auch nördlich El Kebba wurde der Feind abgeschlagen. An den anderen Fronten keine Ereignisse. Englischer Heeresbericht aus Palästina. Die britischen Truppen fuhren am 28. Dezember fort, den Feind zurückzudrängen und schoben ihre Linien auf eine Tiefe von etwa 2 Meilen, auf einer Front von 18 Meilen vor. Dieses Vorrücken brachte uns den Besitz der Hochfläche von Rasarkuth= Suffa, 4 Meilen von Jerusalem und einen Teil nördlich der Jerichostraße von Anataerrom=Kulundia, die letzten beiden östlich und westlich der Straße nach Nabes und 5 oder 6 Meilen nördlich von Jerusalem und Bethanien. Die gefälschte Papstrede. Bern. 30. Dez.(WTB.) Die„Neuen Zürcher Nachr.“ schreiben, der Text der„Agencia Stefani“ über die Ansprache des Papstes sei gefälscht. Laut„Ageneia Stefani“ habe der Papst in den Ereignissen von Jerusalem eine besondere Bedeutung erblickt. Tatsächlich habe der Papst nicht von den Ereignissen, sondern nur von den heiligen Stätten Jerusalem und Betblehem gesprochen. Das Blati erklärt, der Text der„Agencia Stefani“ wäre eine Belobigung Englands für die Ereignisse in Jerusalem, während der Originaltext jede solche Deutung ausschließe. Das Blatt vermutet dahinter die Absicht, in Konstantinopel Verstimmung gegen den Vatikan zu erwecken und die Türkei dem Sonderfrieden zugänglich zu machen. Die englischen Arbeiter und die Kriegsziele. London, 28. Dez.(WTB.) Reuter. Auf einer heute in London abgehaltenen Sonderkonferenz von Vertretern der Gewerkschaften, sozialistischen Vereinigungen und anderen Körperschaften der Arbeiterpartei, die dem Gewerkschaftskongreß angeschlossen sind, wurde die Denkschrift über die Kriegsziele, die vom ausführenden Ausschuß der dem parlamentarischen Ausschuß des Gewerkschaftskangresses vorgelegt worden war, erörtert. Es nahmen 900 Gernint daran teil, darunter Arthur Henderson, Ramsey Macdonald, Havelok Wilson, Willthorne und Bowerman. Bowerman verlas einen Brief Lloyd Georges, Eine Erklärung über die Kriegsziele der Alliierten kann nur im Einvernehmen mit den anderen alliierten Völkern abgegeben werden. Die Frage der Abgabe einer neuerlichen gemeinschaftlichen Erklärung schwebt den alliierten Regierungen beständig vor. Sie ist jedoch eine solche, über die die englische Regierung allein nicht sprechen kann. Wir haben erwartet, über diese Angelegenheit unsere Ansichten mit denen der Vertreter der russischen Regierung auf der Konferenz, die in Paris im vorigen Monat stattfand. auszutauschen; aber zu unserem Bedauern machte die Abwesenheit irgendwelcher Vertreter Rußlands auf der Konferenz eine solche Aussprache unmöglich. Was die Angelegenheiten der engRegierung betrifft, so habe ich darüber schon am vergangenen Donnerstag im Unterhause gesprochen. Ich wiederhiste damals, was ich in Glasgow im letzten Juni in einer Rede, in der ich die Regierungspolitik jener Zeit vertrat, zum Ausdruck brachte, und machte es klar, daß die gegenwärti-: Politik der Regierung nicht im geringsten von den damals festgelegten Grundsätzen abwich. Nach meinem besten Wissen und Gewissen sind die Idcale, für die wir heute kämpfen, genau dieselben wie jene, für die das britische Reich in den Kampf zog. Wir haben die preußische Herausforderung aufgegriffen(!) um die Welt endgültig von der unerträglichen Drohung der militärischen Geistesrichtung zu befreien(immer der gleiche Schwindel!) und die Möglichleit für einen dauernden Frieden zu schaffen, indem den unterdrückten Völkern ihre Freiheit wiedergegeben (vgl. Irland. Griechenland!] und Achtung vor jenen Gesetzen und Verträgen erzwungen wird, die der Schutz aller Völker, eb groß oder llein, sind. Ich stimme völlig mit Ihrer Ansicht überein, daß die Einmütigkeit und Entschlossenheit unseres Volkes nur aufrecht erhalten werden kann, wenn jeder Arbeiter und jeder Soldat überzeugt ist, daß er durch die Opfer, die von ihm verlangt werden, tatsächlich dazu beiträgt, die Welt von dem falschen Ideal der Autokratie zu freien und eine feste Grundlage zu schaffen, auf der eine ordentliche Gesellschaft freier Nationen(d. b. unter Englands Knutel!) geschaffen werden kann. Ich bin niemals tiefer überzeugt gewesen als heute, daß die Absichten, um derenwillen die Alliierten den Krieg fortsetzen, weder imperalistisch. noch von Rachsucht eingegeben sind, sowie daß ihre Verwirklichung unerläßlich für die künftige Freiheit und den Frieden der Menschheit ist. 76664 5 Arthur Henderson, der unter erheblicher Unrühe der Versammlung sprach, beantragte die Annahme des Memorandums und erklärte, die Politik der Arbeiterpartei sei folgende:„„„ 50 4 1. Soschne.. wie moglich eine auf der wrundlage der Demokratie begründete sichere Schlichtung herbeizuführen. 2. Gebietsausgleiche dürfen nicht durch annexionistische oder imveralistische Absichten oder strategische Gründe diktiert sein, sondern müssen im Interesse fortschrittlicher Zivilisation und des Weltfriedens liegen. 3. Die Handelspolitik nach dem Kriege darf nicht von der wirtschaftlichen Unterdrückung oder kommerziellen Abschließung des deutschen Volkes abhängig gemacht werden." 4######fl. e. Wn Henderson befurwortete auf das oringenoste eine aufklärung der Kriegsziele und sagte unter lauten Rufen der Opposition: Es ist sicher leicht möglich, daß der gegenwärtige Zustand in Rußland auf die Unterlassung einer genaueren Umschreibung der Kriegsziele zurückgeführt wurde. Wir sind uns wohl bewußt, daß die bösen Folgen der deutschen Herrschsucht sowie des Militrismus in Deutschland oder anderswo zerstört werden müssen. Wir wissen von maßgebender Seite, von einem Mitgliede des Kriegsrates des Kabinetts, daß wenigstens zwei der Kriegführenden den Krieg fortzusetzen wünschen. 697—5 Carson sagte in seiner nede in Portomouch. Glauben Sie, daß Österreich=Ungarn weiterkämpfen will? Ich weiß, daß es es nicht will. und sage das etwa nicht so leicht hin. Und glauben Sie, daß die Türkei den Krieg fortsetzen will? Ich weiß ebenfalls, daß sie das nicht will. Henderson fuhr fort: Sind wir nicht berechtigt, aus dieser amtlichen Erklärung anzunehmen, daß Österreich und die Türkei zu einem Frieden bereit wären unter der Veraussetzung, daß die Alliierten mit ihnen so verfahren würden, wie Deutschland mit Rußland verfährt? Wir haben ein Recht zu fragen, warum dieser Weg nicht eingeschlagen wurde, besonders hinsichtlich der Türkei. Wir können es uns nicht leisten, Rußland dauernd in den Händen unserer Feinde zu lassen.— Henderson schloß mit dem formellen Antrag auf Annahme des Memorandums. Havelock Wilson, der Vertreter der Seeleute, beantragt Verwerfung des Memorandums, über das er sich sehr spöttisch äußerte. Er halte es für das widerspruchvollste Schriftstück, das jemals dem Gewerkschaftskongreß unterbreitet wurde, und er würde gern wissen, wie viele von denen, die das Memorandum befürworteten, auch die darin ausgedrückten Anschauungen befürworten. Die Arbeiter, sagte er. wissen nicht, warum eigentlich der Krieg geführt werde: der Krieg würde fortgesetzt, um die preußische Autokratie und den Militarismus zu zertrümmern. Wilson führte weiter aus, daß die deutsche Nation, wie auch die deutsche Regierung schuldig seien, und daß Seeleute niemals wieder auf Schiffen, die Deutsche beherbergten, fahren würden, bis der deutschen Nation bewußt werde, daß sie einen schweren Fehler gemacht hat und ihr feiaes Mordverbrechen bereue.(Von Baralong, King Stephen und ähnlichen„Heldentaten“ der höchst ehrenwerten britischen Seeleute hat der brave Namensvetter des amerikanischen Präsidenten wohl nie etwas gehört?!] Wenn dies geschehen sei, würde Wilson mit ihnen in einer großmütigen Weise verfahren. Ein Delegierter aus Glasgow, der sich der Ansicht Wilsons anschloß, saate, daß Henderson anscheinend den Frieden auf zweierlei Arten herbeiführen wolle, einmal durch den Sieg und einmal durch Unterhandlungen: er sagte weiter: Wir stehen hier als Arbeiter, um die Regierung zu unterstützen, bis die Deutschen besiegt sind.— Der Antrag Wilson auf Verwerfung des Memorandums wurde abgelehnt. Das Unterhausmitglied Thomas sagte, die Regierung würde über die Kriegsziele hinter dem Rücken der Arbeiter verhandeln, wenn es ihr beliebe, ob jene damit einverstanden seien oder nicht. Auf Hendersons Bemerkungen zu der Möglichkeit eines Sonderfriedens mit Österreich und der Türkei eingehend, sagte Thomas, es wäre ein großer Fehler, wenn zum Ausdrucke käme, daß die Unterzeichner des Memorandums an einen Sonderfrieden mit der Türkei und Österreich glaubten und in ihren Kriegszielen nicht einig seien. Man müsse weiter kämpfen, um die Kriegsziele zu erreichen, die man für recht halte. Das Memorandum wurde schließlich in einer Abstimmung durch Handausheben angenommen. Der ausführende Ausschuß der Arbeiterpartei und der parlamentarische Ausschuß des Gewerkschaftskongresses verfaßten hierauf ein Telegramm an Huysmans, den Vertreter des internationalen sozialistischen Bureaus in Stockholm, in dem sie ihn bitten, die Entschließung der Konferenz den Sowiets in Petersburg mitzuteilen und ihnen die heftige Abneigung des Gewerkschaftskongresses and der Arbeiterpartei gegen einen Sonderfrieden zum Ausdruck zu bringen, und ebenso Branting zu verständigen.— Lloyd George erklärte sich bereit, die beiden Ausschüsse heute abend zu empfangen. Es bleiben wettere Berichte abzuwarten, ehe man zu den Vorgängen in London Stellung nimmt. Erfahrungsgemäß weiß Reuter die Berichte je nach Bedürfnis der englischen Regierung zu frisieren. Immerhin erkennt man aus dem Texte, daß die englischen Arbeiter mit dem Diktator Lloyd George nicht allzu glimpflich umgesprungen sind. Er wird ihnen gegenüber einen schweren Stand haben. Die Friedensverhandlungen. Berlin, 30. Dez.(W2B.) Die auf Grund des Zusatzes zum Waffenstillstandsvertrag zwischen den Mittelmächten und Rußzland nach Petersburg entsandte deutsch-österreichische Kommission ist nach einem Telegramm aus Petersburg am 29. Dezember vormittags dort eingetroffen. London, 29. Dez.(WTB.) Reuter. Zur Rede Pichons schreiben die„Times": Frankreich, England und Amerika kämpfen für die umfassenden Grundsätze, die von den Staatsmännern der demokratischsten Staaten so oft ausgesprochen sind. Diese Grundsätze behandeln die Lösung der elsaßlothringischen Frege, wie diejenige anderer Fragen in dem von den Alliierten geforderten Sinne. Wenn sie nicht gelöst werden, ist ein dauerhafter Frieden und wirkliche Sicherheit für die Völker umöglich. Die Haltung Pichons gegenüber Rußland ist außerordentlich staatsmännisch und vernünftig. Frankreich richtet sich nur nach maximalistischen Grundsätzen. Amsterdam, 29. Dez.(WTB.) Das„Handelsblad“, dem man wahrhaftig keine Sympathien mit den Mittel ächten nachsagen kann, schreibt: Es ist bedauerlich, daß das Mißtrauen so stark ist, daß die klaren und deutlichen Erklärungen des Grofen Czernin als heuchlerische und scheinheilige Manöver betrachtet werden. Aber es zeugt von Verbohrtbeit. wenn man darin den Willen zum Annektieren und wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen zu ergreifen erblicken will. Man ist beinahe versucht zu fragen, ob nicht diejenigen, die so sprechen, selbst derartige Wünsche hegen, so daß sie in den Worten und Taten der andern nur ein Spiegelbild der eigenen Wünsche sehen können. Gegenüber der deutlichen und ausreichenden Erklärung der Mittelmächte steht noch immer die Tatsache, daß die Entente trotz aller Versuche bisher keine bestimmten Erklärungen über ihre Kriegsziele abgegeben hat. Petersburg. 30. Dez.(WTB.) Pet. Telegr.=Agent. Die deutsche Abord nung zur Besprechung technischer Fragen ist zur Abhaltung weiterer Besprechungen hier eingetrossen. Den amerikanischen Kriegshetzern gewidmet. Berlin, 29. Dez.(TdA.)„Armia i Flot, das ehemalige Organ des russischen Kriegsministeriums, schreibt am 8. Dezember: Amerika hat Österreich=Ungarn den Krieg erklärt. In dem Augenblick, wo die russische Demokratie alle Anstrengungen macht, ein Ende der verbrecherischen Menschenschlächterei herbeizuführen, bemühen sich die amerikanische und englische Bourgeoisie, diesen blutigen Schrecken zu verlängern. Es gibt nichts lügnerischeres und verdammenswerteres als die Erklärung, es sei„gerecht“, gewissermaßen zur Sühne für die schon geopferten zehn Millionen Menschenleben, noch einmal die gleiche Zahl zu vernichten, nur um den Gegner derart zu zerschmettern und zu entkräften, daß er als Konkurrent auf dem Weltmarkt ausscheidet: denn nur darin liegt Sinn und Wesen des Widerstandes der englischen und amerikanischen Kapitalisten. Die verführerische Perspektive der Weltaufteilung steht vor den mächtigsten Vampyren des Weltkapitals— der englischen und amerikanischen Bourgeoisie. Sie rechnen auf eine blutige Beute, sie können aber bald selbst in die Lage kommen, daß ihnen die Raubtierzähne und Krallen ausgerissen werden. Aus der Stadt. Münster, 31. Dezember. O Personalnotiz. Dem Direktor der hiesigen Königt. Baugewerkschule Professor Vonderlinn ist der Charakter als Gewerbeschulrat verliehen worden. Kleine Nachrichten. Ein Zimmerbrand entstand am Samstag nachmittag in einem Hotel an der Bahnhofstraße. Zwei Betten und ein Kleiderschrank sind teilweise verbrannt. Das Feuer wurde von dem Personal gelöscht:— Pferd nebst Gefährt wurde am Samstag abend einem Händler auf der Aegidiistraße gestohlen. Der benachrichteten Polizei gelang es. in der Nacht zum Sonntag das Gefährt auf der Bahnhofstraße aufzugreifen. Die drei Insassen sind leiner unerkannt entkommen. Pferd nebst Wagen wurde dem Bestohlenen wieder zugestellt. Ritteilungen des städtischen Kriegsausschusses. Von Dienstag, den 1. Januar ab, gelten die neuen Milchkarten und Milchkundenlisten. Auf alte Karten und alte Kundenlisten darf von diesem Zeitpunkte ab Milch nicht mehr. verabfolgt werden. Dies gilt sowohl für Voll- als wie für Magermilch. Die Ausgabe der neuen Bezugsscheine für Kohlen und Koks wird fortgesetzt Montag, den 31. Dez. für die Haushaltungen, welche am Horsteberg und Hörsterplatz, sowie in der Hörsterstraße und Sternstraße wohnen. Brotkarte und Rechnungen über die nach dem 1. Mai gelieferten Kohlen sind mitzubringen. Die Ausgabe von Gutscheinen für Holz und Torf wird fortgesetzt Montag, den 31. Dez., für die Verbraucher, deren Namen mit O. N oder 8 beginnen; Mittwoch. 2. Jan. für die Verbraucher deren Namen mit B. C oder W beginnen. Brotkarte ist mitzubringen. Beide Ausgaben finden im städtischen Kohlenbüro im Centralhof(Eingang von der Ludgeristr.) während der Zeit von 8½ bis 12½ Uhr vormittags statt. Briefkasten. A. B. Anscheinend meinen Sie die Vorträge, die im Verlage von Vorgmeyer& Co., Münster, erschienen sind. H. B. Hier. Eine gute Frostsalbe bereitet man auf folgende Weise: Aus Roggenmehl und Schnee bereitet man einen Teig. Dieser wird auf ein Läppchen gestrichen und auf die leidende Stelle gelegt. In den meisten Fällen genügt eine einmalige Behandlung, um das Übel zu heilen. Hauptredakteur Rudolf Strietholt.— Es verantworten: den redaktionellen Teil Paul Koene, die Beklamen und Inserate Anton Busch, alle in Münster.— Druck und Verlag der Aschendorfischen Buchhandlung in Münster. vlvester=Abend Hotel„Berliner Hof“ Reelles Heirats=Gesuch! Kath. Landwirt, 50 J., mit ( Kindern, schuldenfr. Besitzung von 80 Morg., sucht Bekannthaft mit einer kathol. Dame. we nicht ausgeschl. Verm. s erforderl. Reelle Versiegenheit zugesichert. ErBriefe unter H H 3156 die Geschäftsstelle ds. Ll. M IE1Heute Montag, abends 7½ Uhr: Wiederholung des mit großem Beifall aufgenommenen Eroithungs-Progrumme. Ziöntegr. 102 Gert. Zelbbahngteil, Verkaufe Montag von 9 Uhr an auf dem Syndikatplatz frische Schollen 70 Pfg. Schellfisch 1.25. Fischhandlung Pattz. Verkaufe am Montag vor mittag von ½9 Uhr an lebendfrischen Schellfisch und Schollen am Mauritztor.„ 944 u. Lipfert. leichte und schwere Prosile, sowie lose Schienen, Rippwagen, Weichen ete., suchen für dringenden Heeresbedarf zu kaufen: h10 Bölger& Heilmann, Feldbahnwerke, Dortmund. Gestern(30. 12.) in der Antoniuskirche nach der 8 Uhr=Messe Ledertasche mit Silberbügel liegen geblieben. Der ehrliche Finder wird gebeten, selbe gegen gute Belohnung abzugeben Gottfriedstraße 5, parterre. Zur sicheren und nutzbringenden Anlage von Geldern ist bei der nach dem Kriege zu erwartenden starken Bautätigleit die Erwerbung von Baugrundstücken zu empfehlen. Zur Abgabe solcher empfiehlt sich: Münsterische Baugesellschaft Bender, Gereonstraße 16. h° Anfang Januar 1918 verlege mein Engrosgeschäft, Kontor und Lager nach meinem Geschäftshause Bahnhofstraße 42, gegenüber dem Postamt. Meine beiden Detallgeschäfte Lugeristraße 57, Telephon 603, und Industriestraße 1, Telephon 600, bleiben wie vorher bestehen. 05 Zigarren-, Zigaretten- und Tabak-Großhandlung Otto Altrichter, Abt. Engros und Versand— Bahnhofstraße 42 Telephon 2022. * 11 Lose 20 ma. erte u. Liete 35 Pig. eatre, erspfichlt 1n4 versendet nuch unter General-Dobit MCREFIEM, KöIn E. Rh. s bater geile Salzstrasse 25. Unwiderruflich letster Tag! Magda Sonja die gefeierte Wiener Schönheit in „Brief einer Toten“. Ergreifender Roman in 5 Akten. 5 Minuten vor Mitternacht. Spannende Tragödie in 5 Abtellungen. Heute nacht entschlief sanft nach langem schweren Krankenlager unser herzensguter, treusorgender, unvergeßlicher Vater, früher Kommandeur der 13. Feldartillerie-Brigade, zuletst stellvertretender Kommandant der Festung Wesel, Generalleutnant z. D. Jau.. 1* Die Ueberführung zum Bahnhof Wesel findet Sonnabend, den 20. Desember 1917 statt. Die Beisetzung in Berlin, alter Dreifaltigkeitstriedhof, erfolgt aufangs nächster Woche. Wesel, den 26. Desember 1917. Elisabeth Klipfel Adnes Klipfel Marie Mertens. Am 29. Desember abende 10 Uhr entschlief sanft meine innigstgeliebte Frau, meine liebe Tochter, unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante Prau Ainna Kohr geb. Waldeck. Die starb nach kurzem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden, wiederholt gestärkt durch den Empfang der bl. Sakramente, Im 96. Jahre ihres Lebens. Im Namen der Familie: Amterichter Clemens Rohr, Hauptmenn der Ren. im Felde. Mänster I. W., Greteld, den 31. Desember 1917. Beerdigung vom Trauerhause(Warendorterstrasse 26) am Mittwoch, den 2. Januer, morgene 9¾ Uhr; daran anschließend des Seelenamt in der Dt. Mauritskirche.