der deutschsprachigen Presse e.V. Sezugspreis zimteljährtich: Rusgabe à(ohne „Wochenschau“) in Münster zweimal töglich us ins Haus gebracht 2 Mk. 10 Pfg.,— auswärts 9 der Post abgeholt 2 Mr. 10 Pfe., durch den Griefträger gebracht überall, me mer ensmsl in Toge Briefbestellung stattfindet, 2 Mkk. 52 Pfe. i Orte mit zwei= und mehrmaliger Bestellung 2 Bk. 2 Pfg.— Ausgabe 8(mit„Wochenschau") vierteljährlich 60 Pfg. mehr. Fernspr.: Redaktion u. Verlog Nr. 2443, 2400 u. 2u2n. Geschäftestelle(Michaellspletz 9) Nr. 76. mouen: Der lamm für du Anzegenspalle, 30 mm t.“ Amm hoch, 25Pf.; bei Anzeigen aus dem R.=Bz Münster 20 Pf., aus der Stadt Münster 15 Pf.(Für Aktiengesellschaften u., Vereine und Behörden 25 Pf. Reklamen: Der Raum für die Reklumespalte, V7wrbreit, Zmam hoch, 1 Mk.— Für Erfüllung von Ployvorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druckfehle leine Haftung übernommen. Ttwaiger Rabatt gilt als Kassenrabatt u. kann verweigert werden, wenn Jahtung nucht binnen 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt.— Gebühr für Beilagen nach Gewicht Erste Ausgabe. Der deutsche Abendbericht. Berlin, 12. Sept.(W2B.) Amtlich. Abends: Nichts Neues. * Berlin, 12. Sept.(WrB.] Die große Einheitsoffensive der Entente, die an der Westfront noch immer heftig auflebte, ist wieder vollkommen abgeflaut. Die Engländer versuchten zwar am 11. September durch Feuersteigerung in Flandern, im Artois und nördlich von St. Quentin den Eindruck zu erwecken, als ob ihre Offensive in dem bisherigen großen Maßstabe weiteraehe. Allein es blieb bei Patrouillengefechten und Stoßtruppunternehmen. Aus diesen Vorfeldkämpfen brachten die Deutschen eine größere Zahl Gefangene und 4 Maschinengewehre ein. Die Fliegertätigkeit war bei dem schönen Wetter außerodentlich rege. Deutsche Geschwader bewarfen Yvern und Dünkirchen erfolgreich mit Bomben. Bei St. Lzuentin kam es südlich von Villeroy zu Haudaranatenkämpfen, die für die Engländer erfolglos und verlustreich endeten. Während die Franzosen östlich Reims ihre Artillerietätigkeit steigerten, versuchten sie in der Champagne ihren mißlungenen Angriff vom 8. September östlich der Straße St. Hilaire—St. Souplet zu wiederholen. Der Mißerfolg war diesmal noch größer. Um 9.30 Uhr abends griffen sie nach einem starken Zerstörungsfeuer, das den ganzen Tag über währte, die deutschen Stellungen an. Ungeschwächtes Abwehrseuer empfing sie. Mit unheimlicher Schnelkigkeit lichteten sich die französischen Sturmwellen. Haufenweise brachen die Leute nieder, die aufgelösten Reste fluteten in die Ausgangsgräben zurück. In wenigen Minuten war alles vorüber. Eine Viertelstunde später versuchten die Franzosen den zweiten Angriff. Die deutschen Bereitschaften brachen mit Bajonett im Gegenstoß vor und trieben die Franzosen unter Einbehaltung von Gefangenen zurück. Auf dem östlichen Maasufer verhielten sich die Franzosen nach dem blutigen Zusammenbruch ihres letzten Angriffs am Abend des 10. September ruhig. Auch das Artilleriefeuer flaute stark ab. Die Franzosen zeigten deutliche Anzeichen von Erschöpfung. Nordwestlich von Bezonvaux brachte ein deutscher Stoßtrupp Gefangene aus der franjösischen Stellung. 6.6.##.#hu. bs d.#. Auch im Osten verlief der Tag ohne besondere Ereignisse. Zwischen Ostsee und Düna versuchten die Russen eine regere Aufklärungstätigkeit zu entfalten. Ihre Erkundungsvorstöße nördlich der livländischen Aa und südlich von Engelhaedshof. sowie bei Neukaipen, wurden jedoch überall zurückgeschlagen. Der russische Angriff in der Bukowina ist bereits ins Stocken gekommen. Nördlich des Oitoz dagegen rannten die Russen und Rumänen fünfmal gegen die Höhe 772 nördlich Slanic an. Alle Angriffe endeten größtenteils im Vernichtungsfeuer der Verbündeten oder wurden im Gegenstoß abgewiesen. In Mazedonien nur in Gegend von Monastir lebhafteres Feuer. Die Wirkung der deutschen Artillerie und Maschinengewehre. Berlin, 11. Sept.(WTB.) Ein englischer und ein amerikanischer Fliegeroffizier, die am 17. 8. im Luftkampfe abgeschossen wurden, erzählten, wie auch die übrigen Gefangenen, von den ungeheuren Verlusten, die sie in der flandrischen Offensive erlitten hätten. Hauptsächlich habe das deutsche Artilleriefeuer vor den Sturmtagen eine geradezu furchtbare Wirkung gehabt. Die englische Infanterie hat aber nach ihrem erfolgreichen Vorstoß auf Poelkapelle auch unter der eigenen Artillerie schwer zu leiden gehabt, da diese das Feuer nicht genügend vorlegte. Der Amerikaner äußerte sich dahin, daß die allgemeine Führung wie immer nach den Anfangserfolgen versagt habe. Kein Mensch habe mit einem so schnellen und starken Vorstoß der Deutschen gerechnet. Anstatt auf diesen vorbereitet zu sein, habe man englischerseits nur an das Weiterkommen gedacht. Dabei sei die Wirkung der deutschen Maschinengewehre geradezu verheerend gewesen. Der österreichische Tagesbericht. Wien, 12. Sept.(WTB.) Amtlich wird verlautbart: Östlicher Kriegsschauplatz. Russen und Rumänen griffen die Höhen westlich von Oena wiederholt an. Ihre Anstürme brachen meist schon unter unserem Feuer zusammen. Einmal wurden sie durch Gegenstoß zurückgeworfen. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Laufe des gestrigen Tages kam es nur an den Hängen des Moute San Gabriele zu heftigen Kämpfen, die für uns günstig verliefen. Sonst keine besonderen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz, Südöstlich von Berat wurden italienische Abteilungen durch unsere Vortruppen über den oberen Osun zurückgetrieben. Bei Pogradee am Ochridasee weichen unsere Kräfte dem Druck des überlegenen Gegners aus. Der Chef des Generalstabes. Der Seekrieg. London, 12. Sept.(WTB.)„Daily Mail“ meloel aus Newyork, daß die Regierung den dänischen Dampfer „Oskar II“, der mit 600 Passagieren und einer Lodung Lebensmittel am 5. September nach Kopenhagen abreisen wollte, zurückgehalten hat. Ein Kampf mit Unterseebooten. Washington, 12. Sept.(„Köln. Ztg.“] Reuter meldet: Das Marineamt teilt mit: Der Dampfer„Westwege“ berichtete am 8., daß er am 5. September, als er mit verschiedenen anderen Schifsen an der französischen Küste kreuzte, durch eine Anzahl Unterseebvote angegriffen wurde. Es entwickelte sich ein Gefecht, bei dem zwei Schiffe versenkt und ein Unterseeboot vernichtet(?) wurde. Kapitänleutnant Meusel. Wilhelmshaven, 12. Sept. Einen der größten U-Bootserfolge hat in den letzten Tagen Kapitänleutnant Karl Meusel errungen. Ihm sielen, wie bereits gemeldet, nicht weniger als 19 feindliche Handelsschiffe mit 53.500 Br.=Reg.=To. Raumgehalt zum Opfer. Kapitönleutnant Meusel hat sich damit unseren besten U.Bootkommandanten Hersing, Rose, Valentiner und Steinbrink würdig an die Seite gestellt. Meusel hat längere Jahre der Torpedowaffe angehört und erwarb sich bereits vor 10 Jahren die Rettungsmedaille. Im April 1902 als Kadett in die Kaiserliche Marine eingetreten, erhielt er seine Ausbildung auf der Marineschule und dem Linienschiff„Kaiser Wilhelm II.“ und wurde im Herbst 1905 zum Leutnant zur See, 1908 zum Oberlentnant zur See, im Frühjahr 1914 zum Kapitänleutnant befördert. Seinen ersten Dienst als Wachoffizier trat er an Bord des Linienschiffes„Kaiser Wilhelm II.“ an. Hier blieb er nur kurze Zeit, um dann einige Jahre bei der Torpedowafse, und zwar in der SchulReserve= und Manöverflottille, tätig zu sein. In den nächsten Jahren war er an Bord des Schulschiffes„Hansa“, des Kanonenbootes„Hyäne“ und später als erster Offizier zum Stabe des Vermessungsschiffes„Möve“ kommandiert. In der zwischen den Bordkommandos liegenden Zeit fand er im Reichsmarineamt Verwendung. Bei Kriegsausbruch stand Meusel bei der 1. Matrosen=Division. Die amtlichen Berichte der Feinde. Aus dem englischen Heeresbericht vom 11. September, abends: Morgens griff der Feind unsere neuen Stellungen an, wobei er in geschlossenen Massen vorrückte. Er wurde jedoch durch unser Feuer abgewiesen. Später wurden zwei vom Feinde von Süden gegen unsere rechte Flanke unternommene Handgranaten=Angriffe ebenfalls zurückgewiesen. Unsere Truppen befestigten die genommenen Gräben. Die Artislerietätigkeit beiderseits des Yvernabschnittes hält an. Die Tätigkeit der feindlichen Artillerie war tagsüber Donnerstag, 13. besonders bemerkenswert südöstlich von Ypern und im Neuwpoort=Abschnitt. In der Nacht vom 10. und 11. September wurden Bomben auf den Flugplatz und die Scheinwerfer bei Courtrai abgeworfen. Im Luftkampse wurden gestern drei deutsche Flugzeuge niedergeholt. 7 andere steuerlos zum Landen gezwungen: davon wurden durch einen italienischen Flieger zwei abgeschossen und eins zur Landung gezwungen. Drei unserer Maschinen werden vermißt. Rußland. Peiersburg, 12. Sept.(WrB.) Pet. Tel.=Agentur. Die Regierung hat die„Nowoje Wremja" verboten. weil sie den Aufruf Kornilows in vollem Umfange, den Kerenskis hingegen nur gckürzt veröffentlicht hat. Petersburg, 12. Sept.(WTB.] Reuter. Der Hauptausschuß der Kadettenvartei teilte Kerenski mit, daß die Partei. um den Bürgertrieg zu verhüten, ihren Mitgliedern gestattet, in das neue Kabinett einzutreten. Die Blätter melben, daß auf Befehl der Regierung die früheren Großfürsten Michael und Paul Alexandrowitsch von ihrem Besitz nach dem Ministerium des Innern gebracht wurden. Amsterdam,=12. Sept.(„Köln. Ztg.“) Nach der„Daily Mail“ ist der russische Minister für Volksernährung zurückgetreten, da es ihm unmöglich sei, der Unordnung in seinem Amtsbereich Herr zu werden. Unsere Feinde. Amerika will neutrale Schifse requirieren. Von der Westarenze, 12. Sept.(V.=D.=Telegramm.) Die„Times“ melden aus Washington, daß die amerikanische Regierung erwägt, neutrale Schifse mit einem Gesamttonnenraum von 400000 Tonnen zu requirieren zur Vermehrung der Tonnage der transatlauttschen Fahrt, um der wachsenden Anforderung der Verschiffung von amerikanischen Truppen nach Europa zu genügen. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes der Exportkontrolle liegen viele mit Lebensmitteln und Viehfutter beladene niederländische und skandinavische Schiffe in amerikanischen Häfen und dürfen nicht ausfahren. Die Eigentümer wünschen die Schiffe zu entladen. Die Heerund Flottenautoritäten verlangen dringend, daß neutrale Schiffe requiriert werden mit der Begründung, daß der Krieg dies notwendig mache. Ein Schlag gegen, die deutschen Zeitungen. Philadelphia, 11. Sept.“(Reuter.) Polizeiagenten drangen in die Geschäftsräume der deutschen Zeitung„Tagblatt“ ein. Es heißt, daß sechs Angestellte verhaftet wurden. Die Regierung teilt mit, daß den Blättern, die in fremder Sprache erscheinen, die Benützung der Post untersagt werden wird. Friedensbestrebungen. Berlin, 12. Sept.(WTB.] Nach der„N. Rott. Cour.“ meldet„Daily Telegraph“ aus Newyork vom 10. Sept., daß Staatssekretär v. Kühlmann versucht habe, sich zu vergewissern, wie man in Amerika über Friedensbedingungen denken würde, die die Wiederherstellung von Belgien und die Unobhängigkeit von Elsaß=Lothringen mit sich brächten. Kühlmanns Vorschläge seien jedoch von der amerikanischen Regierung nicht ernstlich erwogen worden, da diese sich außerstande sehe, mit der deutschen Regierung zu verhandeln. Diese Behauptung trägt den Stempel der Erfindung an der Stirn. Berlin, 12. Sept.(WTB.) Die große Bedeutung, die die Sozialisten in dem geplanten französischen Ministerium haben, gibt ihnen nach der Ansicht des „Vorwärts“ die Möglichkeit, die Ehrlichkeit ihres starken Willens für Stockholm zu beweisen. So könne die Stackholmer Konferenz vielleicht einen neuen Impuls empfangen besonders wenn das antiklerikale Frankreich nicht einen großen Teil um die Beschleunigung des Friedens dem Papst überlassen wolle. Deutsches Reich. Amsterdam, 12. Sept.(„Köln. Ztg.“]„Daily Mail“ meldet aus Tientsin, daß der frühere Direktor der Deutschen Bank in Peking, Cordes, unter der Beschuldigung verhaftet worden sei. er habe Güter und Wertpapiere der Bank versteckt. Der zweite Direktor der Bank sei geflohen und werde durch Steckbrief verfolgt. Lehrerschaft und Herrenhaus. Die preußische Lehrerschaft hat den Wunsch geäußert, im Herrenhause mit Sitz und Stimm. vertreten zu sein. Es ist anzunehmen, schreibt die „N. G. C.“, daß diese Anregung die Unterstützung des Abgeordnetenhauses finden und auch in der Pairskammer selbst auf keinen ernstlichen Widerstand stoßen wird. Bekanntlich sind einige Bevölkerungsschichten im Herrenhause überhaupt nicht, andere nicht ihrer Bedeutung gemäß vertreten. Die bereits von der Regierung zugesagte Reform des Herrenhauses wird auch in dieser Hinsicht Wandel zu schaffen haben. Im Oktober sollen die beiden preußischen Kammern sich ernstlich mit der Reformfrage befassen. Es liegt bereits ein Antrag des nationalliberalen Abgeordneten Dr. Friedberg vor, der auf entschiedene Schritte in dieser Richtung drängt. Spende des Oberbefehlshabers Ost für das littanische Volk. Byalestock, 11. Sept. Wie die Korresponden; K. B. erfährt, hat der Oberbefehlshaber Ost, Prinz Leopold von Bayern, auf Antrag und durch Vermittelung des Verwaltungschefs für Littauen. Fürsten Isenburg=Birstein den Betrag von 300000 Mark zur Verfügung gestellt. Diese Summe soll durch das littauische Zentralkomitee in Wilna an die bedürftigen Städte, Gemeinden und Kirchspiele Littauens verteilt werden. Festhalten unseres gesamten Kolonialbesitzes. Berlin, 12. Sept.(W7B.) Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: In einem Artikel der„Magdeburgischen Zeitung“ wird die Besorgnis geäußert, daß der Staatssekretär des Reichskolonialamtes nicht mehr auf dem Boden seiner früheren Erklärungen über das Festhalten unseres gesamten Kolonial= besitzes steht. Dabei wird die Vermutung ausgesprochen, daß in der Antwort auf die Papstnote ein Verzicht auf unsere Besitzungen in der Südsee enthalten sei. Ein Artikel der „Neuen Politischen Korrespondenz“ wird von der„Magdeburgischen Zeitung" als amtliche Erwiderung auf ihre Ausführungen angesehen und einer abfälligen Beurteilung unterzogen. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß die Vermutung der„Magdeburgischen Zeitung" über die Beantwortung der Papstnote jeder Begründung entbehrt. Der Staatssekretär des Reichskolonialamtes betrachtet nach wie vor das Festhalten unseres gesamten Kolonialbesitzes als unerläßliche Friedensforderung. Die Kritik an dem Artikel der„Neuen Politischen Korrespondenz“ richtet sich unzutreffenderweise an das Kolonialamt, da die Ausführungen nicht amtlichen Ursprunges sind. Zurückweisung französischer Verdächtigungen. Berlin, 11. Sept.(WTB.) Der Funkspruch Lyon vom 7. 9. 8 Uhr vormittags beklagt sich erneut darüber, daß deutsche Flieger nachts das Hospital von Vadelaincourt mit Bomben beworfen haben. Das Wehegeschrei Lyon ist durchaus unberechtigt und verbirgt nur schlecht das eigene Schuldbewußtsein. Dem Verfasser des Funkspruches dürfte es nicht unbekannt sein, daß sich unmittelbar am Ostrande von Vadelaincourt einer der größten französischen Flughäfen der Westfront befindet. Er besteht aus über 40 großen Flugzeughallen, die zurzeit durch französische Geschwader(Escadrilles) belegt sind. Die Angriffe der deutschen Flieger richten sich ausschließlich gegen militärische Ziele. Daß der Flugplatz Lenes=Vadelaincourt und die großen Munitionslager am Ostrande dieses Platzes wichtige militärische Ziele sind, zwird selbst ein Franzose nicht leugnen können. Warum legen die Franzosen ihre Lazarette arundsätzlich in der Nähe wichtiger militärischer Anlagen an? Das Hospital von Bodelaircourt ist nur 300 Schritte von dem Flugplatz entfernt. Unter diesen Umständen haben die Franzosen kaum September 1917. ein Recht, sich zu beklagen, wenn ein abirrendes Geschoß unbeabsichtigt sanitäre Einrichtungen beschädigt. Wir können den Franzosen nur wiederholen, was wir ihnen schon am 28. 8. rieten: Räumt die Lazarettanlagen unmittelbar neben euren Truppen- und Munitionslagern, wenn ihr nich: den Anschein erwecken wollt, daß ihr ebsichtlich durch die Zeichen des Genfer Ruten Kreuzes diese Stellen zu schützen versucht. Man legt Lazerette nicht im Wirkungsbereich des seindlichen Feuers an. Daß die Franzosen die Richtigteit dieser Auschauung plötzlich selbst erkannt haben. erhellt am besten daraus, daß am 6. 9. die 47 Lazarettbaracken vor Dugny abgebrochen wurden, über deren Beschießung sie am 26. August noch laut gejammert hatten. Zu dem amerikanischen Diebstahl deutscher Depeschen. London, 12. Sept.(W2B.] Das Reutersche Büro meldet aus Washington, die Antwort des schwedischen Ministeriums des Auswärtigen habe sowohl in diplomatischen als auch in amtlichen amerikanischen Kreisen das höchste Erstaunen hervorgerufen. Im Staatsdeparte= ment werde betont, daß man sich mit der einfachen Erklärung Schwedens, daß es eine Wiederholung des Vorfalles verhindern werde, nicht zufrieden stellen würde. Möglicherweise würde die Angelegenheit zum Gegenstand gemeinsamer Beratungen der alliierten Regierungen gemacht werden. und jedes Iögern auf seiten Schwedens, für genügende Abhilfe zu sorgen, könnte zu gemeinsamen Vorstellungen sämtlicher alliierter Regierungen führen. Der Hetzer Branting. Stockholm, 12. Sept.(Köln. Itg.) Die hiesige Presse behandelt im allgemeinen die amerikanische Anschuldigung der Weitergabe beutscher Geheimdeveschen durch den schwedischen Gesandten in Argentinien mit der Zurückhaltung. die gegenüber dem Verdacht geboten erscheint, daß es sich um eine Mystisikation zum Zwecke der Beeinflussung der schwedischen Wahlen handeln karn. Die unrühmlichste Ausnahme mach: der Brantingsche Kommentar in„Sozialdemokraten“. Ohne die amtliche schwedische Erklärung obzuwarten, spricht er für den Fall der Bestätigung der amerikanischen Anklage den Verdacht aus, daß sich auch im Ministerium in Stockholm dienstbereite Helfer Deutschlands hätten finden lassen, deren Verhalten einen gefährlichen Fleck auf des ganzen Landes Ansehen als neutrale Macht werfen müsse. Man fragt sich unwillkürlich nach der Berechtigung des unneutralen Schweden, der, um seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen, nach Meldungen finländischer Zeitungen ein dienstbereiter Helfer Englands ist, so schwere Verdächtigungen gegen die eigene Regierung auszusprechen. Vermutlich hat der bisherige Verlauf der Wahlen sein Machtgefühl gestärkt. Bemerkt sei noch, daß„Sczialdemokraten“ mit dicken Überschriften die Nichtgefährdung Petersburgs notiert. Wirtschaftsleben und Lebensmittelversorgung. Berlin, 12. Sept. In der letzten Zeit sind, wie die Zentral=Einkaufs=Gesellschaft mitteilt, wiederholt größere Mengen verdorbener oder minderwertiger Salzheringe an der deutsch=holländischen Grenze angehalten worden, die deutsche Gemeinden oder industrielle Werke in Holland eingekauft hatten. Der Ankauf erfolgte meistens durch Vermittlung gewisserloser Händler, die es verstanden, sich die übertrieben hohen Preise, noch bevor die Ware die Grenze überschritten hatte und untersucht werden konnte, zu sichern, indem sie im voraus Bezahlung erhielten. Teilweise rührten die Sendungen aus Beständen her, die von der Einkaufsvertretung der Z. E. G. wegen schlechter Qualität zurückgewiesen worden waren. Dennoch wurde für solche Ausschußware zwei- bis dreimal so viel bezahlt wie für die von der Einkaufsvertretung übernommene gute Ware. Es muß vor solchen Ankäufen gewarnt werden, da sie nicht nur zu einer Schädigung des deutschen Nationalvermögens führen, sondern auch mit schweren Verlusten für die Käufer verbunden sind. Denn eine Freigabe derartiger Sendungen ist ausgeschlossen, und die zur Auszahlung gelangenden Übernahmepreise können wegen des schlechten Zustandes der Ware nur sehr niedrig sein. Stolp(Pommern), 10. Sept. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Rittergutsbesitzer Holz aus Schwetzkow zu einem Monat Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe. Holz hatte größere Mengen von Kartoffeln, die noch zu menschlicher Ernährung geeignet waren, zu Svirtus gebrannt. Gegen die hohen Brot- und Kartoffelpreise. Berlin, 12. Sept.(BB.) Der Nahrungsmittelausschuß des Deutschen Städtetages hat beschlossen, mit allem Nachdruck gegen die Erhöhung des Brot= und Kartoffelpreises Stellung zu nehmen. Diese würde für die Menge der städtischen Verbraucher unerträglich sein, um so mehr, als eine Erhöhung der Milch- und Butterpreise angekündigt ist. Der Städtetag beantragte daher, sobald eine Steigerung der Gestehungskosten nicht zu vermeiden ist, die Senkung der Preise durch Bereitstellung von Reichtsmitteln. Stadtverordneten=Sitzung. * Münster, 12. Sept. Anwesend vom Kollegium: Kayser, Stadtv.=Vorsteher Humperdinck, Stellpertreter des Vorstehers. Dr. Bäumer, Beckmann ant. Hovestadt. Herm. Böckmann, Fr. Breuer, Clement, Deckwitz. Dortants Ebert. Encke, Frieling, Hagedorn, Holle, Dr. Kahle, Dr. Kaßner, Kirchhoff. Kruip, Lancier, Dr. Linneborn, Löfken, Lühn, Meyring. Nellissen, Schultz, Simons, Stroetmann, Warnecke, Wischmann. Wieskötter ant. Mertens. Mit Entschuldigung fehlten: Emmerich Breuer, Camps, Dr. Reineke. Leggemann, ferner Schulze=Steinen. Kampschulte. Anwesend vom Magistrat: Oberbürgermeister Dieckmann, Zweiter Beigeordneter Dr. Krüsmann, Stadtbaurat Tormin, Magistratsassessor Dr. Reichling. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhob sich zunächst Stadtv.=Vorsteher Kayser zu folgender Protestkundgebung gegen Wilson. Er führte aus: Bevor wir in die Tagesordnung unserer heutigen Sitzung eintreten, möge es mir gestattet sein, kurz auf ein Ereignis einzugehen, welches sich seit unserm letzten Zusammensein in der großen Welt ereignet hat. Vor einigen Tagen haben Sie— sicher alle mit Entrüstung— die Antwort des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gelesen welche er auf die Friedensnote des Papstes gegeben hat. Diese Antwort enthält eine schwere Beleidigung des deutschen Volkes und seines Herrschers.(Sehr wahr!) Wilson maßt sich nicht allein an, dem deutschen Volke Vorschriften darüber zu machen, welche innere Staatseinrichtungen es treffen soll: er verlangt sogar, daß wir uns trennen sollen von unserm Herrscherhause.(Zwischenruf.) Meine Herren! Der erste Anlaß, der sich uns bietet soll unserer inneren Empörung gegen diese anmaßenden Worte des Präsidenten Wilson Ausdruck geben. Zwar wird der Herr Oberbürgermeister zum nächsten Sonntag die münsterschen Bürger zusammenrufen, um im großen Rathaussaale einen energischen Protest gegen die beleidigenden Worte des amerikanischen Präsidenten zu erheben.(Starkes Bravo!) Zahlreich werden wir dort erscheinen. Aber heute schon lassen Sie uns mit aller Entschiedenheit die Anmaßung des Präsidenten Wilson zurückweisen und unsere Treue und unwandelbare Anhänglichkeit an Kaiser und Reich beteuern.(Lebhafter Beifall.] Interpellation über die Wohnungsnot. Stadtv. Holle führte sodann aus: Zu den vielen Fragen, an deren Lösung wir im Laufe der Kriegszeit mitarbeiten durften, ist meines Erachtens jetzt eine neue Frage hinzugetreten und in der letzten Zeit vielfach sogar brennend geworden. Das ist die Wohnungsfrage. Ich möchte mir erlauben. das Stadtverordnetenkollegium um Mitwirkung zu bitten, daß dier Besserung beschaffen wird. Wenn Sie die Zeitungen 66. Jahrgang. Nr. 655. lesen, finden Sie im Anzeigenteile, daß die Nachfrage nach Wohnungen wesentlich größer ist als das Angebot. Das ist in den letzten Jahren vor dem Krieac zwar auch schon der Foll gewesen, aber jetzt in der letzten Zeit während des Krieges ganz besonders stark hervorgctreten. Die lange Criegeszeit hat dazu geführt, daß die Militärbehörde in Münseimmer mehr Wohnungen in Benutzung nehmen mußte, um die ihr gestellten Aufgaben zu erfüllen. Die Folge davon war, daß manchen Familien die Wohnungen entzogen werden. Außerdem haben Kriegsirauungen stattgefunden, für die Wohnungen notwendig sind: neue Wohnungen konnten und durften aber nicht gebaut werden, und so sind wir auf einem Punkte angelangt, wo die Wohnungsfrage brennend geworden ist und wo es unsere Aufgabe sein muß, tatkräftig in der Wohnungsfrage mitzuarbeiten. Während meiner Tätigkeit im Mietseinigungsamte bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß am 1. Oktober manche Familic voller Sorge ohne Wohnung dastehen wird. Ich glaube sogar, daß es eine erhebliche Anzahl von Familien sein wird, und bedauerlicherweise sind es gerade wieder die Zamilien, denen aus dem bekannten Grunde. des reichen Kindersegens wegen, die Wohnung verweigert wurde. Dabei sind es nicht etwa die sogenannten kleinen Wohnungen. an denen Mangel bestett: die Verhältnisse haben vielmehr dazu geführt, daß gerade die Wohnungen in mittlerer Preislage gesucht werden. Uno da möchte ich die Aufmerksamkeit des Magistrats und des Kollegiums auf die Frage richten, was getan werden kann, um diesem=unhaltbaren Zustande abzuhelfen. Unsere Fürsorge mun sich in zoei Richtungen bewegen: Wir müssen uns daruber klar werder: Wie bringen wir es fertig, jenen Familien ein Heim zu schaffen, die am 1. Oktober keine Wohnung haben? und wie sorgen wir dafür daß, wenn der Krieg zu Ende ist. den zurückkehrenden Krieurn ein Heim geboten wird, domit sie nicht auch noch die Enttäuschung erleben keine Wohnung zu haben. Ich möchte an den Herrn Oberbürgermeister die Frage richten, was nach dieser Richtung getan werden srll. und ob der Magistrat bereit ist, an der Behebung neses großer Übelstandes mitzuwirken. Oberbürcermeister Dieckmann führte etwa folgendes aus Der augenblickliche Übelstand in der Wohnungsfrage ist dem Magistrat nicht unbekannt, und der Magistrat hat sich schon eingehend mit der Frage befaßt und beraten, wie dem abzuhelsen ist. Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß#es die Sorge jedes einzelnen Bürgers bleiben muß, sich eine Wohnung zu verschaffen. Aber das schließt nicht aus, daß aus besonderen Zeitverhältnissen heraus öffentliche Hülfe einsetzen muß, und zwar dann, wenn besondere Notstände dieses erheischen. Aus diesem Gesichtspunkte heraus haben wir schon vor dem Kriege mit Rücksicht auf die Lage des städtischen Kleinwrhnungsmarktes den Bau von Kleinwohnungen in die Hand genommen und nach Kräften gefördert. Dem Magistrat ist es bekannt, daß die Klagen, die Herr Holle vorbringt, voll und ganz berechtigt sind, und das gibt uns das Recht und die Pflicht, hier einzugreifen, um unter Zuhülfenahme außerodentlicher Mittel unserer Bürgerschaft wenigstens das allernotwendigste Obdach verschaffen zu lönnen. Die Maßnahmen, die zu diesem Zwecke getroffen werden müssen, sind zu scheiden in solche, die sofort zu ergreifen sind. um die augenblickliche Wohnungsnot zu beseitigen oder doch wenigstens zu lindern, und in solche, die gleich nach dem Kriege einsetzen müssen, um die Bautätigkeit in der Stadt zu fördern. Was das erste, also die Behebung der augenblicklichen Wohnungsnot, angeht, so sind die Verhältnisse zu ihrer Behebung augenblicklich außerodentlich schwierig, da die Möglichkeiten, hier helfend einzugreifen, außerordentlich eng begrenzt sind mit Rücksicht auf die allgemeinen, durch den Krieg bedingten Verhästnisse. Trotzdem müssen wir Mittel und Wege suchen, um Abhülfe zu schaffen. Als das erste Mittel sehen wir die Einrichtung eines städtischen Wohnungsamtes das dem Mietseinigungsamte angegliedert werden soll. Dieses städtische Wohnungsamt soll in erster Linie die Aufgabe haben, den Wohnungsnachweis für die Wohnungsuchenden in die Hand zu nehmen und unter städtische Kontrolle zu stellen. Wir hoffen, dadurch manches erreichen zu können. Gleichzeitig aber werden wir dadurch auch persönliche Beziehungen zu den Vermietern und Mietern bekommen und so in die Lage versetzt werden, die Tätigkeit des Mietseinigungsamtes zu unterstützen. Das Mietseinigungsamt soll außerdem auf Grund der Bundesratsverordnung vom Juni d. Is. erweiterte Befugnisse nach der Richtung erhalten, daß es nicht nur Recht spricht, sondern auch Recht schafft und sich mit der Frage befaßt, ob Kündigungen oder Mietssteigerungen berechtigt sind, ob Mietsverträge weiter zu Recht bestehen oder für ungültig erklärt werden sollen. Ich weiß sehr wohl, daß dem Mietseinigungsamte dadurch Befugnisse übertragen werden, die außerodentlich tief in die Verhältnisse einschneiden: aber die Not der Zeit erfordert es, und dadurch bewogen, haben wir uns entschlossen, dem Mietseinigungsamte diese Befugnisse zu übertragen, und ich hoffe, daß das Mietseinigungsamt namentlich in Verbindung mit dem städtischen Wohnungsamte hier segensreich und vielfach vermittelnd wirken wird. Ganz besonders hoffe ich, daß es nicht mehr vorkommt, oder vielmehr weniger vorkommt, daß kinderreichen Familien wegen ihrer Kinderzahl die Wohnung getündigt wird. Wir werden von der Stadtverwaltung aus gerade in diesem Sinne wirken und hier den Hebel mit aller Kraft ansetzen, wenn eine gütliche Cinigung nicht zustande kommen sollte. Wir werden mit den strengsten Maßnahmen da eingreifen, und rücksichtslos ohne Ansehen der Person vorgehen, damit gerade die kinderreichen Familien geschützt werden und angemessene Wohnungen finden.(Lebh. Bravo!) Das verlangt das Volkswohl und das Interesse des Vaterlandes. Ich hoffe, daß diese Willensbekundung der Stadtverwaltung manchem Vermieter das Gewissen schärfen wird, und ich hofse ferner, daß es genügen wird, wenn die Stadtverwaltung ihren unbeugsamen Willen bekundet, nötigenfalls mit drakonischen Mitteln da einzugreifen, wo es nötig ist. um solche Vermieter zur Ordnung zu zwingen.(Erneuter Beifall.) Neben dieser Ttätigkeit wird noch zu erwägen sein, ob es nicht möglich sein wird, hie und da kleinere Wohnungen zu schaffen durch Ausnutzung vorhandener Räumlichkeiten und Gebäulichkeiten. Viel kann da zwar nicht geschehen. Aber die Stadtverwaltung wird danach streben, daß alles nur eben Mögliche geschieht, um die Zahl der vorhandenen Wohnungen nach Kräften zu vermehren. äußersten Falle kommt noch hinzu, daß Familien, die in der Stadt keine Wohnung finden können, an der Perivherie der Stadt auf dem Lande untergebracht werden, soweit sich dort freie Wohnungen finden. Das ist aber eine Maßnahme, die erst als die ultima ratio in Rücksicht gezogen werden soll: aber ich bin überzeugt, daß sie von manchen Familien nicht verworfen werden wird. Was nun die Maßnahmen anlangt, die nach dem Kriege getroffen werden müssen, so liegen die Verhältnisse in Münster so, daß wie Herr Holle angedeutet hat, für die Zeit nach dem Kriege— wenn auch nicht gleich für die erste Zeit, solange die Demobilisierung im Gange ist—. die Wrhnungsfrage sich dadurch bessern wird, daß viele Wohnungen die jetzt von Militärpersonen benutzt sind, wieder frei werden. Dadurch wird zwar schon eine Erleichterung geschaffen: aber das wird nicht ausreichen, um der Nachfrage nach Wehnungen Herr zu werden. Denn die Zahl der neuen Wohnungen, die sonst alljährlich hinzukam, ist im Laufe des Krieges sehr gering gewesen in den beiden letzten Jahren sogar gleich Null. Dadurch ist der hiesige Wohnungsmarkt in solche Unordnung geraten, daß es langer Zeit bedarf, um die Wohnungsnot wenigstens einigermaßen zu beheben. Deshalb werden auch nach dem Kriege besondere Maßnahmen erforderlich sein, und die Lösung der Wohnungsfrage wird noch eine ganze Zeit nach dem Kriege die Aufmerksamseit der Stadtverwaltung erheischen. In erster Linie wird darauf das Augenmerk zu richten sein, daß die private Bautätigkeit nach Kräften delebt wird. Die Allgemeinheit hat ein großes Interesse an der kräftigen Stärkung der privaten Bautätigkeit, und ihre Unterstützung liegt durchaus im Interesse der Bürgerschaft. Der Hans= und Grundbesitzer ist schon vor dem Kriege und ganz gewiß während des Krieges nicht auf Rosen gebettet gewesen, und da wird es sich fragen, ob er in der „„ der deutschsprachigen Presse e.V. Lage sein wird, das Wohnungsbedürfnis nach dem Kriege zu befriedigen. Sollte er dazu nicht in der Lage sein, so wird zu prüfen sein, ob ihm nicht aus städtischen Mitteln unter die Arme gegriffen werden soll und kann. Die Wohnungsfrage ist eine Frage von Land und Geld. und nach diesen beiden Richtungen hin werden wir in der städtischen Verwaltung prüfen müssen, ob Land und Geld den Bauunternehmern zur Verfügung gestellt werden soll. Es wird zu prüfen sein. welche Schritte zu unternehmen sind, um die private Bautätigkeit mit allen möglichen Mitteln nach Kräften zu beben und zu beleben. Neben der privaten Bautätigkeit kommt noch die Hebung der Tätigkeit der gemeinnützigen und der genossenschaftlichen Bauvereine hinzu. Auch für sie gilt das, was ich soeben bezüglich der privaten Bautätigkeit gesagt habe. Für sie spielen ebenfalls Land und Geld eine bedeutende Rolle. Wir werden uns von seiten der Stadtverwaltung mit den in Münster bestebenden gemeinnützigen und genossenschaftlichen Bauvereinen benehmen müssen, ob sie in der Lage sein werden, das Baubedürfnis in unserer Stadt zu befriedigen. Als dritte Maßnahme käme die Tätigkeit der Stadt selbst in Frage. Sie ist bereits vor dem Kriege salbst auf dem Baumarkt aufgetreten und hat den Bau von Wöhnungen selbst in die Hand genommen. Es wird zu prüfen sein, wie weit diese Maßnahme auch nach dem Kriege durchgeführt werden soll. Ich hoffe meine Herren, daß diese meine Ausführungen zunächst genügen werden. Ich bin fest davon überzeugt, daß bei der großen Bedeutung, welche das Bauproblem in unserer Stadt erfordern wird, wir uns noch häufig hier in der Versammlung darüber unterhalten und Vorschläge, die Ihnen zugeben überlegen werden. Ich hoffe ferner, daß die Maßnahmen, die ich angedeutet habe, genügen werden. um in den weitesten Kreisen der Bürgerschaft Beruhigung zu schaffen. Die Bürgerschaft kann versichert sein, daß alles, was geschehen kann, von der Stadt getan wird, um zunächst jedem Bürger für den kommenden Winter ein schützendes Dach über seinem Haupte zu sichern.(Lebhafter Beifall.) Stadtv. Holle dankt dem Oberbürgermeister für seine warmherzigen Ausführungen, die die Fürsorge der Stadt in der Wohnungsfrage in so schönem Lichte erscheinen lassen, und hofft, daß die Ausführungen des Oberbürgermeister wesentlich dazu beitragen werden, Beruhigung bei den Mietern zu schaffen. Dann wendet er sich an das gesamte Kollegium mit der Bitte, daß, wenn der Magistrat einmal mit einer großzügigen Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung herantritt, das Kollegium dann auch bereit sein möge, diese kräftig zu unterstützen. Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Ersatzwahl eines Mitgliedes in die Vorflutschankommission. Durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 2. Mai ds. Is. ist Stadtv. Hermann Böckmann an Stelle des verstorbenen Stadtverordneten Tumbrink zum Mitgliede der Vorflutschaukommission gewählt worden. Herr Böckmann gehört aber dieser Kommission schon an. Darum ist eine andere Ersatzwahl notwendig. Die Wahl fällt auf den Stadtverordneten Beckmann gnt. Hovestadt. Bewilligung eines Stipendiums für das Konservatorium. Der Direktor des Konservatoriums der Musik hat um Bewilligung eines Betrages von 300 Mark als Stivendium für bedürftige einheimische Schüler gebeten. Der Betrag sell, wie früher, aus Sparkassenreingewinn genommen werden. Der Betrag wird bewilligt. Bewilligung eines Zuschusses für die Ferienspiele. Der Lehrerturnverein der Stadt Münster bittet zu den Kosten der von ihm während der Ferien für die Volksschüler und Schülerinnen veranstalteten Ferienspiele einen Zuschuß in Höhe der in den letzten Jahren gewährten Beibülfe(1000 Marks zu gewähren. Mit Rücksicht auf den guten allgemeinen Zweck der Ferienspiele, die dadurch erhöhte Bedeutung gewinnen, daß unter der Schuljugend zurzeit viele der erzieblichen Leitung des Familienvaters entbehren, wird die Bewilligung des bisherigen Zuschusses von 1000 Mark und seine Entnahme aus dem Sparkassenreingewinn empfohlen. Dem Vorschlage wird zugestimmt. Genehmigung des Hauungsplanes für die Armenfondsforsten in der Hohen Wart. Den Stadtverordneten wird ein Hauungsplan für einen Teil der städtischen Armenfondsforsten in der Hohen Wart vorgelegt. Es handelt sich um die Fällung eines größeren Holzbestandes, der minderwertigen Wuchses und für die Verwendung als Nutzholz wenig geeignet ist. Es soll mit Rücksicht auf die für den nächsten Winter bevorstehende Kohlenknappheit als Brennbolz verwandt und zu demnächst noch festzusetzenden Bedingungen an die Bevölkerung abgegeben werden. Die Fällung wird durch das Gefangenenlager Rennbahn ausgeführt. Stadtv. Humperdinck trägt im Einzelnen den Hauungsplan vor worauf der Hauungsplan genehmigt wird. Auf der Tagesordnung stand ferner noch der Erwerb der Erdgasquelle bei Ascheberg. Die Vorlage wurde in die geheime Sitzung verwiesen. Schluß der öffentlichen Sitzung 6¾ Uhr. Es folgte eine geheime Sitzung. der Münster, 13. September. . Die Veranlagungen zur Kriegssteuer werden zurzeit den Steuerpflichtigen zugestellt. Wir machen darauf aufmerksam, daß auch bei der Kriegssteuer eine Ermäßigung nach der Kinderzahl eintritt. Im§ 1 des Gesetzes vom 9. April heißt es:„Sofern das Gesamtvermögen des Steuerpflichtigen nach dem Stande vom 31. Dezember 1916 einhunderttausend Mark nicht übersteigt, ermäßigt sich auf Antrag des Steuerpflichtigen der Zuschlag bei Steuerpflichtigen mit mehr als 2 Kindern unter 18 Jahren auf 15 v. H., mit mehr als 3 Kindern unter 18 Jahren auf 10 v. H., mit mehr als 4 Kindern unter 18 Jahren auf 5 v. H., und wird bei Steuerpflichtigen mit mehr als 5 Kindern unter 18 Jahren nicht erhoben. Dem Antrag ist nur stattzugeben, wenn er binnen einem Monat nach Zustellung des Steuerbescheides oder der nachträglichen Mitteilung gestellt wird.“ Die Veranlagten tnen im eigenen Interesse gut, darauf zu achten, daß die Ermäßigung nur auf Antran eintritt und auch nur dann, wenn die Antragsfrist von einem Monat gewahrt wird. O Eine Faßbestandsaufnahme findet am 15. September statt. Bei der Anmeldung ist ein vorgeschriebenes Formblatt zu verwenden, das den hauptsächlich für die Bestandsanmeldungen in Frage kommenden Betrieben im Laufe des heutigen Donnerstags zugeht. Die Zurückgabe hat spätestens bis Donnerstag, den 20. September, auf Zimmer 61 der Stadtverwaltung zu erfolgen. Von der Anmeldepflicht sind u. a. ausgenommen die gebrauchten und ungebrauchten Fässer, Kübel, Bottiche usw., die sich im normalen Haushaltungsbedarf befinden. Wer darüber hinaus anmeldepflichtige Fässer im Besitz hat und kein Anmeldeformular erhalten hat. muß ein solches Formular bis zum 15. ds. Mts. auf Zimmer 61 einfordern. Auf Zuwiderhandlungen stehen hohe Strafen. A Musikverein. Um auch im kommenden Winter das münstersche Musikleben vor dem Verfall zu schützen, ist der Musikverein trotz der schwierigen Kriegsverhältnisse wieder an die Verwirklichung eines Konzertplanes berangetreten. Die dieses Unternehmen leitenden Gedanken sind idealer und wirtschaftlicher Natur. Die Verarmung der Kunstpflege ist gleichbedeutend mit Verarmung des Geistes. Der Geist ist aber nicht nur ein Baumeister tdealer, sondern auch wirtschaftlicher Güter. So würde z. B. das Aussetzen der Musikpflege außer seelischer und geistiger Benachteiligung auch wirtschaftlich schädigend wirken, denn die Musikpflege ernährt außer einem großen Heere Kunst= und Lehrberufausübender vor allen Dingen einen großen Zweig derjenigen Industrie welche Noten und Instrumente. liefert. Angesichts dieser Betrachtungen ist der Kunstgenuß gerade in der jetzigen ernsten Zeit kein Luxus, den man wie eine Nebensächlichkeit ausschalten soll, sondern eine ideale und reale Notwendigkeit. Der Musikverein hat Sorge getragen, den 4. Kriegs=Konzertwinter künstlerisch ebenso würdig auszugestalten, wie es seit 1914 geschehen ist. Dieses verbürgt das bereits veröffentlichte Verzeichnis der hier vorteilhaft bekannten und beliebten Solisten, wie das erstmalige Erscheinen anderer hervorragender Künstler und Künstlervereinigungen. An die Herren, welche bisher die gesanglichen Konzertaufführungen durch ihre liebenswürdige Mitwirkung erfolgreich unterstützt haben, ergeht erneut die höfliche Bitte, auch künftig dem Musikverein die Treue zu bewahren, damit wieder einige größere Touschöpfungen aufgeführt werden können. Zur Verstärkung des MusikvereinsChores ist das Mitsingen sangesliebender Herren sehr erwünscht; deren Erscheinen zu den Proben wird mit Freuden entgegengesehen. Die erste Probe für die Herren findet Donnestag, den 13. September, abends 8½ Uhr, im Rathause statt. O Zwei Zuchthäuslern gelang es am Dienstag, als sie am Hafen Kartoffeln holten, zu flüchten. Einer der beiden entkam; der andere wurde wieder eingefangen. An demselben Tage wurde am Hansaring eingebrochen. An den zurückgelassenen Sträflingskleidern erkannte man, daß der Zuchthäusler hier sich mit Zivilkleidern versorgt hatte. So konnte er unerkannt entkommen. = Preußische Klassen=Lotterie. Berlin, 12. Septbr. Vormittags. Es fielen: 30000 Mk. auf Nr. 82 427, 5000 Mk. auf Nr. 46723.— Nachmittags. 75000 Mk. auf Nr. 117944, 15000 Mk. auf Nr. 62 101, 10000 Mk. auf Nr. 120 805. Aus den Provinzen. □ Warendorf, 12. Sept.(Auskunft] über UnfallKranken= und Invalidenversicherung, in Militär=, Miets=, Steuer= und ähnlichen Angelegenheiten erteilt ein Vertreter des Volksvereins am Samstag, den 15. September nachmittags von 4—6 Uhr beim Wirt Hungerkötter. X Aus dem Münsterlande, 11. Sept.(Kriegswucher und Schleichhandel.) Die Eheleute G. und A. in Bottrop bezogen seit etwa Jahresfrist Butter, Mehl. Seife, Speck usw. in großen Mengen aus dem Münsterlande und aus Holland auf Schleichwegen und verkauften die Waren mit hobem Aufschlag— bis zu 3 Mk.— zumeist an Bergarbeiter. Kl. und G. wurden verhaftet. Gleichzeitig wurde eine Fuhre Mehl, die letzterer aus Coesfeld mit der Bahn herbeigeschafft hatte und von dem Milchhändler St. in Bottrop verborgen gehalten wurde, beschlagnahmt. Das Mehl war für 100 Mk. der Zentner erstanden und für 200 Mk. bereits wieder an den Metaer K. in Bottrov abgesetzt. Auch dieser wurde festgenommen, ebenso konnten die Mittäter in Coesfeld ermittelt werden. * Bocholt, 10. Sept.(Silbernes umtsjubilaum. Die Herren Oberstadtsekretär Wiedemann und Stadtrechnungsrevisor Wilms konnten heute die 25jährige Wiederkehr ihres Eintrittes in den Dienst der Stadt Bocholt feiern. Dem Ernst der Zeit entsprechend fand im Beisein sämtlicher Beamten im Stadtverordnetensitzungssaal nur eine kurze Feier statt. Erster Bürgermeister Wesemann ehrte die beiden Jubilare durch eine herzliche Ansprache und überreichte ihnen im Auftrage der Stadtverordnetenversammlung eine Ehrengabe. Namens der städtischen Beamten beglückwünschte die beiden Jubilare Stadtsekretär Pisbach und übermittelte ebensolls jedem ein Geschenk. c Bocholt, 10. Sept.[Landwirtschaftliche Versammlung.] In der gestrigen, sehr gut besuchten Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Kreisvereins, die unter dem Vorsitz des Landrats Grafen v. Spee in Bocholt stattfand, konnten nach Aufnahme von 8 neuen Mitgliedern wieder 5 treue Dienstboten für langjährige Dienstzeit bei einer Herrschaft mit Diplom und Geldprämien aus der Kreisgesindestiftung ausgezeichnet werden. Sodann kamen eine Reihe von kriegswirtschaftlichen Fragen zur Verhandlung. Seitens des Kreisausschusses werden den Landwirten wieder größere Mengen Saatgut für die Herbstbestellung zur Verfügung gestellt. Mit dem im vorigen Jahre gelieserten Saataut sind im allgemeinen gute Erfahrungen gemacht worden. Amtmann Laiuck sprach über die Beschlagnahme des Viehs. Es seien Klagen laut geworden, daß im Grenzbezirk verschiedene Landwirte sich der Beschlagnahme dadurch entzögen, daß sie ihr Vieh an angeblich unbekannte Käufer verkauften und so mittelbar an die„Z.=E.=G.“(als ausländisches Vieh zu bedeutend höheren Preisen) lieferten. Eine Brandmarkung der gesamten Viehbestände sei nicht durchzuführen, die Kontrollbücher seien nicht mehr vorhanden. Man werde da nur rücksichtslos so vorgehen können, daß man solchen Landwirten, die sich gegen den eigenen Berufsstand schwer vergingen, einen Teil ihres besten Viehs einfach beschlagnahme und aus dem Stall hole. Der Vorsitzende schloß sich diesen Ausführungen rückhaltlos an. Mit rücksichtsloser Strenge werde unter Aufbietung aller gesetzlich zulässigen Mittel eingeschritten werden. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen nahm der Vorsitzende Gelegenheit, die Gerüchte, als ob infolge der Frühdruschprämien große Mengen Getreide verdürben, auf das entschiedenste zurückzuweisen. Auf dem am 27. und 28. September in Hamm stattfindenden Zuchtviehmarkt wird der Kreisverein eine Anzahl junger Bullen für seine Mitglieder aufkaufen. Zum Schluß der sehr anregend verlaufenen Versammlung wies der Vorsitzende auf die hohe Bedeutung der Landwirtschaft in der heutigen Kriegszeit hin und richtete einen warmen Appell an die Landwirte, durch rege Beteiligung an der bevorstehenden 7. Kriegsanleihe dem Vaterlande Sieg und Frieden erleichtern zu belfen. Hauptredakteur Rudolf Strietholt.— Es verantworten: den redaktionellen Teil Paul Koene, die Reklamen und Inserate Anton Busch, alle in Münster.— Druck und Verlag der Aschendorffschen Buchhandlung in Münster. 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