der deutschsprachigen Presse e.V. Sezugspreis simrteljühelich: Susgabe à(ohne „Wochenschau“) in Münster gweimel täglich fus uns Haus gebracht 2 Mk. 10 Pfg.,— auswärts von der Post abgeholt 2 Ml. 10 Pig., durch den Oetefträger gebracht überall, we narr einmsal in Tage Briefdestollung stattfindet, 2 Buk. 52 Pfa. in Ortre mit zwei= und mehrmaliger Bestellung 2 DN. d Pfg.— Ausgabe 8(mit„Wochauschau“) vierteljährlich 60 Pfg. mehr. Fernspr.: Redaktion u. Berlag Nr. 3443, 2440 u. 2656. Geschüftostelle(Michgelisplatz 9) Nr. 76. Zvei Ausgaber ugich. und Münsterische Volkszeitung. 44824 Momenten. Stabt Bkümfter 15 Alttengesellschaften u., Bereins und Behärhen 25 D. bruit, Zmm boch. 1 52.— gür erfühlung von Slatzverscheiften wirb beine Gewöhr, iuste für Druckfohler ##inr haftung übernemmen. Ghmsiger Rehett gilt elt Aufrurabett u. kann verroeigert werben, munn Zahuus uitt binmen 4 Bochm uah Erhalt der Recsumee efeigt.— 6ebühr für Beilegen noch Cemie Zweite Ausgabe. Donnerstag, 23. August 1917. 66. Jahrgang. Nr. 600. Von den Kriegsschauplätzen. Berlin, 22. Aug.(W2B.)]„Stockholms Daablad“ schreibt zur Verdun=Offensive: Der erste französische Bericht ist sehr summarisch. Das Fehlen von Gefangeneuziütern bedeutet, daß die Deutschen die am weinesten vorgeschobenen Stellungen ohne überwältigenden Mannschaftsverlust geräumt haben. Entscheidende Erfolge in diesem Jehre in dem Kampfgebiete, das neben den flandrischen Kämpfen nur sekundäre Bedeutung hat, sind nicht zu erwarten. Berlin. 22. Aug.(WTB.) Der Funkspruch Paris vom 20. August behauptete, daß französische Flieger am 18. Aug. 11 deutsche Flugzeuge brennend abgeschossen oder zerstört haben, und daß 6 deutsche Flugzeuge schwer beschädigt in den eigenen Linien landen mußten. Dem gegenüber sei festgestellt, daß wir am 18. August an der Westfront 6 Flngzeuge verloren haben, davon an der französischen Front 4. Unsere Gegner verloren am gleichen Tage 19 Flugzeuge und einen Fesselballon. Die feindlichen Lügen über St. Quentin. Berlin, 22. Aug.(WTB.) Amtlich. Die Vergiftung der öffentlichen Meinung der Welt und ihre Aushetzung gegen Deutschland bilden das Kampfmittel der französischen Regierung, das sie in wachsendem Maße immer gewissenloser zur Anwendung bringt. Die letzte französische Meldung von der Brandlegung der Kathedrale von St. Quentin durch die Deutschen bildet den Höhepunkt des französischen Lügenfeldzuges, der bereits in den ersten Tagen des Krieges mit der Erfindung und Verbreitung deutscher Greuel einsetzte. St. Quentin ist seit vier Wochen von Franzosen und Engländern zu einer Trümmerstätte beschossen worden. Die berühmte Kathedrale fiel am 15. August der heftigen Beschießung der Stadt durch 3000 Schuß zum Opfer. Das deutsche Beweismaterial für die Zerstörung von St. Quentin und seiner Kathedrale durch Engländer und Franzosen ist erdrückend: der Beginn und das Fortschreiten der Beschießung und Zerstörungen sind protokollarisch festgelegt. Neutrale Berichterstatter haben die Zerstörungen in der Stadt gesehen. Es existieren zahlreiche photographische Aufnahmen, die deutlich erkennen lassen, daß die Zerstörungen von der feindlichen Artillerie herrühren; selbst Films wurden während der Beschießung ausgenommen, die deutlich platzende Schrapnells und Granaten in den Straßen der Stadt sowie auf der Kathedrale selbst erkennen lassen. Die Stadt liegt voller Sprengstücke und Blindgänger französischer und englischer Herkunft. Jeder Neutrale kann an den Zerstörungen und Einschlägen ohne Schwierigkeit feststellen, daß die englischen und französischen Batterien die Stadt beschossen haben, in der die Umgebung der Kathedrale an militärischen Zwecken nur der Unterkunft der Truppen dienteDie Franzosen haben auch einen Einwand der militärischen Notwendigkeit für die Zerstörungen nie vorgebracht, sondern sie halten es für einfacher, die Beschießung glattweg zu leugnen, um später die Verberungen durch ihr Artilleriefeuer als mutwillige und absichtliche Zerstörungen durch die Deutschen hinzustellen. Gegenüber unserem erdrückenden Beweismaterial von der frevelhaften Schuld der Franzosen an der durch keine militärische Notwendigkeit gebotenen Vernichtung eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Welt hat der amtliche französische Propagandadienst, der angeblich für Zivilisation und Menschlichkeit arbeiten will, die Dreistigkeit, eine solche freche Lüge in die Welt zu setzen, ohne auch nur zu versuchen, den Schimmer eines Beweises für seine Behauptung beizubringen. Von einer glänzenden Fliegertat, deren Wiedergabe um so näher liegt, als sie zugleich den Beweis liefert, daß wir den Talourücken nicht unter der Wucht des gegnerischen Angriffs vom 20. August im Kampf verloren, sondern ihn längst vorher aus taktischen Erwägungen freiwillig geräumt haben, telegraphiert Prof. Dr. Wegener der„Köln. Ztg.“ unterm 21. August: Schon seit dem Frühjahr war dieser Bergrücken bekanntlich nur noch mit einer Vorpostenstellung besetzt: unsere erste Hauptstellung lag mehrere Kilometer nördlich von ihm, weil sein Halten im Ernstfalle mehr Blut gekostet haben würde, als er uns strategisch wert war. Als nun letzthin der große Angriff hier als nahe bevorstehend erkannt wurde erhielt drei Tage nach Beginn des schweren feindlichen Artilleriefeuers, am 15. August, 4 Uhr 40 Minuten früh. die Fliegerabteilung den Auftrag, den Vorposten auf dem Talourücken den Befehl zu überbringen, die Stellung dort zu räumen. Es war noch finstere Nacht, der Himmel von schweren, tief herabhängenden Wolken bedeckt, aus denen zeitweilige Regenschauer sielen. Ein Wetter, das fast jede Orientierung ausschloß und überdies zu einem Fluge in allergeringster Höhe nötigte. Ein starker WSW=Wind vermehrte noch die technische Gefährlichkeit der Fahrt. Trotzdem startete bereits um 5 Uhr 15 Minuten der Fliegerleutnant Henneberg mit dem Gefreiten Scholz als Führer. Die Gefahr des Verirrens in der Dunkelheit, des Sich=Verlierens in den Wolken, die oft bis 150 m herabhingen, und in den Regenböen, Umstände, unter denen der Flieger fast ganz die gefühlsmäßige Herrschaft über sein Flugzeug verliert, die Möglichkeit, abzurutschen und am Boden zu zerschellen, oder beim Feind zu landen, die Schwierigkeiten endlich, die verabredeten Signalzeichen an den richtigen Stellen abzugeben— alles das stempelt die Fahrt zu einer fliegerischen Leistung von größter Kühnheit und Pflichttrene. Und sie gelang, dank der Schneidigkeit Umsicht und Orientierungsgabe der beiden Männer: der unter schwerstem Feuer liegende Talgrund und die Nordhänge des Talourückens wurden überflogen, um 5 Uhr 45 Minuten wurde richtig über der Vorpostenstellung das befohlene Lichtsignal mehrere Male abgeschossen. Eine Viertelstunde später waren auch der Gefechtsstand des Vorpostenkommandeurs sowie der des Regimentsstabs aufgefunden und die entsprechende Meldung dort abgegeben. Um 6 Uhr 35 Minuten landete das Flugzeug bei strömendem Regen wieder glott und wohlbehalten im Flughafen der Abteilung. Der Ersolg der kühnen Tat war, daß schon am 15. August der Talourücken von unsern Vorposten geräumt wurde, ohne Wissen des Gegners der noch bis zum 20. mit einer Überfülle von Munition sein schweres Feuer darauf gerichtet hat. Während all dieser letzten Tage sind auf dem ganzen 4 km langen Bergzug, den der Feind nicht anzugreisen wagte, nur etwa 100 Mann— Helden soll man sagen— mit drei Maschinengewehren gewesen. Auch diese konnten sich teilweise dann in der letzten Nacht ebenfalls noch vor dem Sturm, kast ohne Verluste zurückzieben. Wieder ein Angriff seindlicher Flieger aus Freiburg. Freiburg i. Br., 22. Aug. Heute früh gegen 75 Uhr haben feindliche Flieger ohne jeden Erfolg und Schaden Freiburg mit Bomben belegt. Ein Flieger wurde beim Rückzuge im Luftkampf abgeschollen. Iralienischer Heeresbericht vom 22. August. Die Schlacht geht erbittert ohne Unterbrechung weiter. Nördlich ven Gör: entwickeln sich die Unternehmungen regelmäßig unter Überwindung feindlichen Widerstandes und von bestehenden Schwierigkeiten. Südlich von Görz war gestern der Kampf mehr auf den Karst beschränkt. Auf der ganzen Schlachtfront erzielten unsere Truppen neue Erfolge, die ihr wegen der Schwierigkeiten des eroberten Geländestreifens, der gehalten wurhe, den Wert einer eingenommenen Festung verleihen. Fern der Schlacht bewarfen unsere Flieger Truppen und Lager im Chiapovano=Tal und in den Windungen der Osthänge des Hermad, fügten dem Feinde Verluste zu und riefen Brände in seinen rückwärtigen Stellungen hervo:. Die Zahl der Cefangenen beträgt 311 Offiziere und 13.000 Mann. Wi: haben bis jetzt etwa 30 Geschütze, fast alle mittleren Kalibers, erbeutet. Die übrige Beute ist ziemlich beträchtlich und nimmt weiter zu. An der Trientiner und der karnischen Front erneuerte der Feind gestern seine Angriffsversuche. Er wurde aber überall abgewiesen. Im Ledrotal endete ein zuemlich starker seindlicher Vorstoß nach lebhaftem Kampfe mit einem vollständigen Mißersolg für den Gezner. der beim Rückzuge Gefangene und Gerät in unseren Hönden Schärse Wölle des Kaisers üder England. Der Kaiser bei seinen Truppen in Flandern. Berlin, 22. Aug.(WTB.) Amtlich. Unsere braven Streiter an der flandrischen Front hatten gestern einen festlichen Tag. Se. Majestät der Kaiser war gekommen, um ihnen den Dank des Vaterlandes zu übermitteln. Bei strahlendem Sonnenschein lief der Hofzug des Kaisers in den Bahnhof eines kleinen flandrischen Ortes ein, wo sich Kronprinz Rupprecht und eine große Anzahl von Offizieren zur Begrüßung eingesunden hatten. Feste Siegeszuversicht leuchtete aus den Augen des Kaisers, als er den siegreichen Führern die Hand drückte und die Front der Ehrenkompagnie abschritt. Nachdem der Oberbefehlshaber dem Kaiser über die Lage einen kurzen Vortrag gehalten hatte, erfolgte die Abfahrt zu jener Stelle, an der Abordnungen sämtlicher Truppenteile, die an der Abwehr der englischen Angriffe rühmlichen Anteil batten, im weiten Viereck aufgestellt waren. Unter den schmetternden Klängen der Präsentiermärsche schritt der Kaiser die Front ab. Wiederholt blieb er stehen, um besonders verdienten Offizieren und Mannschaften die Hand zu drücken, und ihnen Worte der Anerkennung zu sagen. Herzlich begrüßte er auch die Kampfflieger, die unter Führung des Rittmeisters Freiherrn von Richthofen erschienen waren. Dann trat der Kaiser in die Mitte des Vierecks und hielt mit lauter Stimme folgende Ansprache: Allen den Truppen, die sich so wacker und tapfer auf dem flandrischen Boden siegreich gegen den mächtigen Gegner geschlagen haben, habe ich bereits vom Großen Hauptquartier aus meinen Dank und meine Anerkennung telegraphisch ausgesprochen. Es war mir aber ein Bedürfnis. Euch Auge in Auge gegenüberzustehen und Euch von Mann zu Mann nochmals meinen Dank und meine vollste Anerkennung zuszusprechen für die heldenhafte Tapferkeit, die Truppen aller deutschen Stämme in den schweren Kämpfen der letzten Wochen bewiesen haben. Eure Kameraden an der Ostfront, bei denen ich kürzlich gewesen bin, senden Euch viele Grüße und ihren Dank. Die Erfolge, die dort drüben errungen sind, waren nur mög“ lich, wenn hier eine eisenfeste Mauer stand, an der der feindliche Anprall zerschellte. Ich spreche zumal den Marinetruppen meinen besonders freudigen Tank aus für den schneidigen Sturm, mit dem sie so mutig den Gegner im Norden abgetan haben. Dank diesem schönen Streich ist den englischen Angriffen von vornherein ein großer Teil seiner Kraft genommen. Ein Beweis, daß die deutsche Infanterie jeden Augenblick auszunützen weiß, um durch eigene Offensive das Gesetz vorzuschreiben! Se. Majestät wies darauf auf die schweren Kämpfe an der flandrischen Front und auf den sittlichen Ernst der deutschen Weltanschauung gegenüber der englisch=französischen hin und fuhr dann fort: Wann Gottes Ratschluß uns den Sieg geben wird, das steht bei ihm. Er hat unser Volk und Heer in eine harte Schule genommen. Jetzt haben wir das Examen zu besteben. Mit altem deutschen Gottvertrauen wollen wir zeigen, was wir können. Je höher und gewaltiger die Aufgabe, desto freudiger wollen wir an ihre Erfüllung gehen. Wir fechten und schlagen so lange, bis der Gegner genug hat. In diesen Kämpfen hat ein jeder deutscher Stamm erkannt, wer die Treiber dieses Krieges und wer unser Hauptfeind ist: England! Jeder weiß, daß England unser haßerfülltester Gegner ist. Es spritzt seinen Haß gegen Deutschland aus über die ganze Welt und erfüllt seine Verbündeten immer von neuem mit Haß und Kampfeslust. So weiß ein jeder zu Hause. was Ihr noch viel besser wißt, daß England derjenige Gegner ist, der hauptsächlich niedergerungen werden muß, und wenn es auch noch so schwer ist. Eure Angehörigen daheim, die auch schwere Opfer gebracht haben, danken Euch durch mich: sie stehen hinter Euch, von Euch geschützt und zugleich ein Arbeitsheer, eine jede Fiber angespannt. um, was notwendig ist, für das eigene Leben und für euren Kampf herbeizuschaffen. Es gilt einen schweren Kampf. Wenn England stolz ist auf seine Fähigkeit, auf die es seine Unüberwindlichkeit baut, so werdet Ihr zeigen, daß Ihr es ebenso gut, ja, noch besser könnt. Denn der Kampfespreis ist das deutsche Volk, die Freiheit zu leben, die Freiheit der Meere, die Freiheit zu Hause. Mit Gottes Hilfe werden wir den Kampf siegreich durchkämpfen. Im Anschluß an die Rede des Kaisers gab der Oberbefehlshaber dem Dank der Truppen an ihren obersten Kriegsherrn Ausdruck. Auch er betonte die unerschütterliche Zuversicht in den siegreichen Ausgang dieses gewaltigen Ringens. Seine Rede klang aus in ein dreifaches Hurra auf den geliebten Kaiser. das brausenden Widerhall fand. Offiziere und Mannschaften, die sich in den letzten Kämpfen an der flandrischen Front besonders ausgezeichnet hatten und mit dem Eisernen Kreuz geschmückt werden sollten, werden es nie vergessen, wie nun der Kaiser sie alle einzeln zu sich rief, um einem jeden., ob hoben oder niedrigen Ranges, das Kreuz persönlich zu überreichen. Unter den schmeiternden Klängen der Musik marschierten sodann die Truppen an ihrem Obersten Kriegsherrn vorbei. Wer gesehen, wie fest und freudig jeder Einzelne unter einem Stahlhelm auf seinen Kaiser blickte, wie sich unter dem oft zerrissenen und bestaubten Rock jede Muskel straffte, der versteht, daß ein Heer von solchen Männern unbesiegbar ist. Am Nachmittag sah der Kaiser auf einem anderen Platze nahe der flandrischen Küste Abordnungen derjenigen Truppen, die dort feindlichen Angriffen getrotzt oder die Küste vor feindlichen Überfällen beschützt haben. Hier war auch die Marine vor ihrem allerhöchsten Kriegsherrn erschienen. Neben den feldgrauen Matrosen und Marineinfanteristen, die in den Schützengräben Wache halten, standen Abordnungen unserer tapferen U-Bootbesatzungen. Ihnen allen widmete der Kaiser warme Worte der Anerkennung und gab der Zuversicht Ausdruck, daß es der gemeinsamen Arbeit von Heer und Flotte gelingen werde, in nicht zu ferner Zeit unseren hauptsächlichsten Gegner. England, niederzuwerfen. Auch hier verteilte Seine Majestät Auszeichnungen. Mit einem Vorbeimarsch unter klingendem Spiel endete der eindrucksvolle Kaisertag. S Zur Friedensnote des Papstes. Bern, 22. Aug.(WTB.]„Secolo“ glaubt zu wissen, daß die Entente erst in einigen Wochen die Papstnote beantworten wird, hält jedoch eine Sonderkonferenz der Entente zur Beratung der Antwort für ausgeschlossen.„Fronte Interna" versichert, daß Sonnino mit der Abfassung der Note der Entente beauftragt sei. 2]) Die Regierung und die päpstliche Friedensnote. Berlin, 23. August. Der Reichskanzler hat sich beeilt, im Reichstagsausschuß über die politische und militärische Lage zu sprechen und vor allem über den Gegenstand, der in diesen Tagen im Vordergrunde des Interesses steht, über das päpstliche Rundschreiben. Er hat dabei, wie mit Genugtuung festzustellen ist, achtungsvolle Worte der Sympathie für die Friedensanregung des Hl. Vaters gesprochen, hat ihren hohen idealen Sinn anerkannt und würdigt sie offenbar als das, was sie ist, als das Bekenntnis einer von Liebe zu seinen Mitmenschen und von hoher Auffassung seines Amtes getragenen Persönlichkeit zum Frieden der Völker und zur Beendigung des Kriegselendes. Daß der Kanzler eine Friedensanregung grundsätzlich sympathisch begrüßen würde, war nicht anders zu erwarten bei der Geneigtheit, den Krieg zu Ende zu führen, wie sie die deutsche Regierung besitzt und unzweidentig wiederholt bekundet hat. Mit seiner Antwort hat der Kanzler ausdrücklich bekundet, daß er den Hl. Vater als Vermittler begrüßen würde und insofern bedeutet seine Außerung ein neues Ereignis, das wir begrüßen. Für die Beantwortung der päpstlichen Note ist der Kanzler an zwei Faktoren gebunden, wie er selbst hervorgehoben hat, einmal an die Bundesgenossen Deutschlands und dann auch an den Reichstag, mit dem enger zusammen zu arbeiten er zugesagt hat. Schon dieser Umstand verhindert, daß er sich zu den Einzelbeiten der päpstlichen Note äußerte= und auch in dieser Zurückhaltung glauben wir dem Kanzler zustimmen zu sollen. Die italienische Note hat in ihrer Kürze kein direktes Friedensprogramm aufstellen können, sie hat nur einige der größten und schwerwiegendsten Fragen herausgreifen können um eine gewisse Grundlage zu schaffen, von der aus die Verständigung der Völker ihren Weg nehmen soll. Nach vielen Richtungen hin sind Ergänzungen nötig und darum erscheint es auch zweckmäßig, nicht die Einzelheiten in programmistischer Bestimmtheit festzulegen, sondern darzutun, ob man von der gebotenen Grundlage aus glaubt, eine Verständigung erzielen zu können. Den Versuch dazu zu machen, hat der Kanzler zugesagt und es besteht kein Grund, anzunehmen, daß diese Bereitwilligkeit von den Bundesgenossen Deutschlands nicht geteilt werde. An den Zentralmächten wird es somit ganz gewiß nicht liegen, wenn die Anregung des Papstes zu Friedensverhandlungen nicht führt. Das wird vielmehr abhängen von der Haltung der Entente. Wenn man die Außerungen der feindlichen Presse zu Grunde legen will, so besteht sicherlich sehr wenig Aussicht auf eine Verwirklichung der päpstlichen Anregung, aber nach einem Reuterbericht hat die englische Regierung eine wohlwollende Prüfung zugesagt und der fortschreitende Erfolg unserer Waffen im Osten und Westen und ebenso die Erkenntnis, daß die Fähigkeiten unserer Unterseeboote nicht nachlassen, wird dieses Wohlwollen vielleicht noch etwas steigern, wenn sich die Antwort noch einige Tage hinausschiebt. Denn eine wesentliche Unterstützung wird das darf man nicht vergessen, das Friedensangebot des Papstes erhalten durch die Darlegung über die militärische Lage, die der Reichskanzler im Budget=Ausschutz geben konnte. Das Programm Hindenburgs, das der Reichskanzler dort verlas, gibt einen klaren Überblick über den außerordentlich glänzenden Verlauf unserer Operationen im Osten und Westen und gipfelt in dem Satze, daß unsere militärische Lage während des Krieges nie so günstig war, als heute. Das ist das Ergebnis von drei langen Kriegsjahren, und da die Operationen noch im Gange sind, können wir erwarten, daß die Lage sich noch weiter zu Ungunsten des Feindes verschiebt, namentlich im Osten, wo die Front eher in Oewegung gerät, als im Westen. Deutsches Reich. Fürsorg. für den Mittelstand. Berlin, 22. August. Im Reichshaushaltsausschuß stellte das Zentrum zu den innerpolitischen Fragen folgenden Antrag: Den Reichskanzler zu ersuchen. baldigst Maßnahmen zu treffen, durch welche erstens ausreichende Hilfeleistung des Reiches für die zwangsweise geschlossenen Betriebe des gewerdlichen Mittelstandes vorgesehen wird. wobei insbesondere für Erleichterung der Wiederersffnung dieser Betrube nach Beendigung des Krieges Sorge zu tragen ist: zwcitens eine umfassende Kreditornanisatiun für den Wiederaufbau des gewerblichen Mittelstandes geschaffen wird. Der Zusammenstoß im Hauptausschuß. Berlin, 23. Aug.(BB.) Die Führer des Reichstags folgten gestern abend einer Einladung des Kanzlers in das Reichskanzler=Palais. Die„Voss. Ztg.“ folgert daraus, daß diese Zusammenkunft mit dem Konflikt im Hauptausschuß im Zusammenhang steht. In Reichstagskreisen verlautet, daß vermutlich eine Klärung der Angelegenheit angestrebt wird. Berlin, 23. Aug.(BB.] Zu dem Zusammenstoß des Reichskanzlers mit den Mehrheitsparteien im Hauptausschuß schreibt die„Voss. Ztg.“: Der Reichskanzler hat gestern von Schattierungen in der Auffassung von Kriegsziel=Resolutionen gesprochen. Im Zusammenhang mit den darauffolgenden Ereignissen lasse sich erkennen, daß sich der Reichskanzler mit ziemlicher Deutlichkeit einer Festlegung auf die Reichstagsresolution entziehen wollte, wenn er es auch vermied, eine der Entschließung gegensätzliche Überzeugung auszusprechen. Wenn der Reichskanzler, was jedoch nicht festgestellt ist, eine solche abweichende Schattierung für seine Auffassung aufrechterhält, so würde er damit aufhören, auf dem Boden der Resolution zu stehen. Die„Berliner Allg. Zeitung" schließt ihren Artikel mit den Worten: Der Reichstag weiß, woran er ist. Seine Mehrheit muß, wenn sie folgerichtig auf der Linie ihrer gestrigen Erklärung bleiben will, unzweidentig erklären, daß ein solcher Kanzler unmöglich ist, unmöglich gegenüber dem Auslande wie dem Inlande. Der„Lokalanzeiger“ schreibt: Die Sitzung hinterläßt, das muß offen gesagt werden, einen peinlichen Eindruck. Die Mehrheitsparteien scheinen die Friedens=Resolu= tion vom 19. 7. eine Art Glaubensbekenntnis halten zu wollen, das von der Regierung Wort für Wort und Buchstabe für Buchstabe unterschrieben werden müsse, wenn sie mit dem Reichstage zusammenarbeiten will. Weiter heißt es dann: Mit einigem guten Willen auf beiden Seiten brauche man sich jetzt wahrhaftig bei Wortklaubereien nicht aufbalten, dazu sei die Zeit viel zu ernst, in der wir leben. Der Kanzler will mit den Parteiführern über den materiellen Inhalt der Antwort an den Papst beratschlagen, dabei wird vermutlich nützlichere Arbeit geleistet werden können, als wenn die Verhandlungen des Hauptausschusses in dem Geist fortgeführt werden, der sie gestern beseelt hat. Die„Deutsche Zeitung“ meint: Der Kanzler aber kann gewiß sein, daß er unbedingt eine gang gewaltige Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich hat, wenn er mit den Herren, die sich Volksvertretr nennen etwas deutlicher spricht und entrüstet es ablehnt, das deutsche Volk um die berechtigten Ansprüche und die Früchte seiner Opfer zu bringen. Millionen Deutscher werden dem Kanzler heute danken. Das„Tageblat!“ schreibt: Man muß ohne jedes Verstecktspielen sagen, daß Herrn Dr Michaelis die notwendige Autorität fehlt, so lange der Reichskanzler und die Minderheit in unkontrollierbaren höheren Sphären ausgesucht und der deutschen Volksvertretung herabgeschickt werden, so enge werden Krisen und Konflikte auseinanderfolgen. Jetzt bat man nach einem Monat bereits wieder wenn nicht die Krise, so doch den Konflikt. Was gestern im Hauptausschuß aufbrannte, so saat der „Vorwärts“, war nur ein Tropfen„Fegesener“. Es ist rasch wieder erloschen. Aber es kündigt die Nähe eines gefährlichen Elementes an des sich nicht immer durch freundliche Sprache so leiche beschwören lößt, wie diesmal.— Zur Frage der Volksstimmung hüben und drüben. Berlin, 21. August. Die leitenden Männer der uns feindlich gegenüber stehenden Staaten, die Lloyd Georges, Bonar Law. Ribot usw. haben neuerdings mal wieder den Mund sehr roll genommen. Lauter als je verkündeten sie und ihre Preßtrabanten, daß an Friedensschluß nicht vor unserer völligen Nieberzwingung zu denken die Erreichung dieses Zieles aber nur noch eine Frage der Zeit, wahrscheinlich kurzer Zeit sei. Nicht lange vorher hatten sie sich schüchterner verhalten. Der Zusammenbruch Rumäniens steckte ihnen noch in den Gliedern, die Schwächung Rußlands durch die Revolution, der Mißerfolg der französisch=englischen, italienischen und mazedonischen Frühjahrsoffensiven mit ihren schweren, die Gemüter besonders in Frankreich erregenden Opfern, endlich die Erfolge unseres Tauchbootkrieges hatten eine deprimierende Wirkung ausgeübt, die selbst die dargebotene Freundeshand Amerikas nicht zu bannen vermochte. Wenn wir nun fragen, welche tatsächlichen Vorgänge das Wiedererwachen einer vertrauensseligen Stimmung im feindlichen Lager verursacht haben, so kommen deren hauptsächlich zwei in Betracht: einerseits die unverhoffte, anfangs erfolgreiche russische Revolutionsoffensive, andererseits die unzeitgemäßen innerpolitischen Reibungen, von denen unser Vaterland eine Zeit lang heimgesucht wurde. Der Jubel unserer Geaner über die russische Offensive und deren Erfolge ist freilich nur von kurzer Dauer gewesen. Unsere und unserer Verbündeten glänzende Gegenoffensive, durch die binnen wenigen Wochen die Aufreibung eines großen Teiles des russischen Heeres sowie die Vertreibung der Russen aus Ostgalizien und der Bukowina erzielt worden ist, hat der Freude ein Ende gemacht. Zunächst allerdings nur der Freude in den leitenden Kreisen der seindlichen Länder. Zu den weiteren Volkskreisen gelangen in jenen Horten der Freiheit ungünstige Nachrichten, wenn überhaupt, so nur langsam und in abgeschwächter Form. Während bei uns die amtlichen Kriegsnachrichten aus den feindlichen Ländern in allen größeren Zeitungen stets unverzüglich und unverkürzt veröffentlicht werden, ist ihre Verbreitung in Frankreich gänzlich verboten, in den anderen feindlichen Ländern nur mit den regierungsseitig vorgeschriebenen Kürzungen gestattet. Und die neueren, viel Ungünstiges enthaltenden amtlichen Kriegsberichte aus Rußland werden ebenso wie die feindlichen behandelt. Aber schon das Ausbleiben fernerer russischer Siegesnachrichten wird ja eine gewisse Ernüchterung in weiteren Kreisen zur Folge hoben. Anders verhält es sich mit den vorstehend an zweiter Stelle erwähnten Vorgängen in unserem Vaterlande. Sie nehmen in Wort und Schrift im feindlichen Auslande einen breiten Raum ein und werden mit allen Mitteln einer raffinierten und verlogenen Demagogie benutzt, um dort die Siegeszuversicht und die Opferwilligkeit der Völker durch den Nachweis zu stärken, daß wir an der Möglichkeit eines für uns günstigen Ausganges des Krieges verzweifeln und in nervöser Gereiztheit darüber uns nächstens gegenseing zerfleischen werden. Diese Folge begangener Fehler dürfen wir nicht auf die leichte Achsel nehmen, wollen sie vielmehr nicht nur uns zur Warnung für die Zukunft dienen lassen, sondern auch tun, was in unseren Kräften steht, um der bei unseren Gegnern erwachten Siegeszuversicht entgegenzuwirken. Desbalb dürfen wir vor allem die Augen nicht dagegen verschließen, daß in der Tat die in Rede stehenden Vorgänge in Verbindung mit mancherlei wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten die der Krieg uns bereitet, einen nachteiligen Einfluß auf die Stimmung mancher Kreise unseres Volkes ausgeübt haben. Es ist die Pflicht aller vatriotischen Männer und Frauen, die Einfluß auszuüben vermögen, gesunkenen Mut, wo sie ihm begegnen oder auch nur ihn vermuten, wieder zu heben und Wankende aufrecht zu halten. Eines der wirksamsten Mittel hierfür ist der Hinweis auf das herrliche Beispiel von Opfermut. Entsagung und Ausdauer, das uns unsere Brüder und Söhne unter ungleich schwierigeren Verhältnissen als den daheim bestehenden täglich geben. Kann ein deutscher Mann den Gedanken ertragen, daß alle die schweren Ovfer, die sie uns bringen wegen unseres Kleinmuts vergeblich gebracht sein sollen? Und wenn wir einem Mutlosen klarmachen wie verschieden sich alle unsere und unserer Nachkommen Lebensverhältnisse gestalten nerden, je nachdem wir den gegenwärtigen Krieg zu sicgreichem Ende führen oder in ihm unterliegen: ist es denkbar, daß er dann noch wankt? Tut jeder Patriot durch Zuspruch in diesem Sinne seine Pflicht, so wird das wesentlich dazu dienen, die schädlichen Folgen der gemachten Fehler abzuschkwächen und den durch sie erweckten Übermut der Feinde zu zähmen. Das Meiste und Beste werden hierzu freilich die Erfolge unserer Waffen zu Lande, zu Wasser und in der Luft beitragen. Wunder haben unsere Helden soeben wieder im Westen wie im Osten verrichtet. Preis und Dank sei ihnen dafür dargebracht! Aber beweisen wir ihnen unsere Dankbarkeit auch dadurch, daß wir nicht ihnen allein die Aufgabe überlassen, für gute Stimmung in unserem Lande und für Temut unserer Feinde zu sorgen, bedenken wir vielmehr, daß der Geist eines Volksbeeres und des Volkes sich gegenseitig stützen und tragen müssen, um im Kriege douernd das Höchste zu leisten, einen siegreichen Frieden zu erzwingen! v. Blume, General d. Inf. z. D. Der Seekrieg. England bezweifelt den Wert seiner Flotte. Der Verlauf des Weltkrieges hat die Engländer dazu gebracht, über ihre eigene Geschichte nachzudenken. Eigentümlicherweise scheinen sie dabei zu der Erkenntnis zu kommen, daß England einen Krieg noch niemals durch eine entscheidende Schlacht gewonnen hat. Soll das ein Trost sein? So bekämpft im Julibeft der„Fortnightlo Revievs" der bekannte Marinesachverständige Archibald Hurd die volkstümliche Vorstellung, daß jemals ein Seesieg einen Krieg für Großbritannien entschieden habe, eine Vorstellung, wie sie auch in der Kritik von Sir Reginald Custance an der die Flotte schonenden Politik Churchills zum Ausdruck kam. Auch wenn nach Custances Rat die deutsche Hochseeslotte zerstört wäre, behielte— so meint Hurd— das U-Boot seine Macht, weil seine Basis durch weittragende Küstenartillerie, Minenselder und Zerstörer geschützt wird. Und diese Mittel machen es unmöglich, die deutsche Küste eng zu blockieren und die deutsche Flotte aufzuspüren. Auch lehrt die Geschichte, daß frühere Admirale Großbritanniens nicht etwa unbesonnen einen nicht kämpfen wollenden Feind angegeiffen haben. Es ist eine Mothe, daß 1588 die ganze Armada oder Spaniens Angriffskraft gegen England vernichtet worden sei. Auch im Kriege gegen Holland 1652—1673 brachten englische Seesiege nicht die Vernichtung der feindlichen Flotte. Und im englisch=französischen Kriege von 1793—1815 war großartig nur der Sieg bei Trafalgar 1805, ehne daß jedoch Frankreichs Flotte vernichtet wurde, und Bitt sah darin keinen Trost für Napoleons Sieg bei Ulm und Austerlitz. Professor E. R. Scott hat in der„Scottish bistorieal Neview“(April 1917) gezeigt, wie England 1808—1814 durch die Franzosen 5314 Handelsschiffe einbüßte während Frankreich nur 440 Schiffe verlor: eine Lehre, daß bei einer die See beherrschenden Flotte weit mehr Schiffe gefährdet sind, als bei einer im Hafen eingeschlossenen. Natürlich möchten die Engländer mit diesen Untersuchungen die Defensivtaktik ihrer Schlachtflotte rechtfertigen. Aber erinnern wir uns andererseits, daß ein Krieg immer nur durch eine Offensirtaktik gewonnen wurde, nur daß die Offensive oft von einer alten Waffe auf eine neue Waffenerfindung überging. Heute ist die Offenfive auf das U.Boot übergegangen. Vielleicht werden die Engländer noch einmal dahinter kommen, det auch in solchen technischen Aügen die Weltgeschichte n# wiederholt. der deutschsprachigen Presse e.V. Ein neues Kadinett in Ungarn. er Berlin, 22. Aug. Drei Monate nach dem Rücktritt des Grafen Stefon Tisza liegt das Königreich Ungarn abermals in den Wehen einer neuen Kabinettsbildung. Der tapfere. aber vielleicht nicht genug dicksellige Oberleutnant Esterhazo konnte es nicht schaffen, wozu er als Tiszas Nachfolger berufen wurde: die Durchsetzung der Wahlreform. Der starke, aber allerdings schon siebzigjährige Schwabe Wekerle soll es nun fertig bringen. Alles hängt davon ab. ob es ihm gelinat, zu einer Verständigung mit der Arbeitspartei zu gelangen. Also mit Tisza. Graf Tisza hat bei seinem Rücktritt erklärt, die ungarische Effentlichkeit wünsche nicht das allgemeine geheime Wahlrecht. Die inneren Streitfragen müßten bis nach dem Kriege verschoben werden. Falls ein neuer Ministerpräsident anderer Meinung sei. nähme die Arbeiterpartei den Kampf auf. Alexander Wekerle ist anderer Meinung. Er wünscht ein weitgebendes demokratisches Wahlrecht, und er ist der Mann dazu, sein Programm mitten im Kriege und gegen die Arbeitspartei oder auf irgendeine Weise mit der Arbeitspartei durchzuführen. Der junge Esterbazy kam gegen den alten Löwen Tisza nicht auf. Graf Julius Andrassy. der Führer der Verfassungspartei, an den Kaiser Karl in diesen Tagen zuerst dachte, ebe er Wekerle rief. wollte Neuwahlen ausschreiben, um der demotratischen Wahlreform eine Mehrheit zu sichern. Aber gerade dies will der König vermieden wissen. So kam es in letzter Stunde zu dem überraschenden Sprung von Andrassy, auf den alle Welt schon warjete, zu Wekerle, dem bei aller Welt in Ungarn beliebten Meister der Kabinettsbildung. Wekerles Manier und Kraft liegt im Kompromiß. Er wird den Grafen Tisza nicht versönlich bekämpfen, o nein, er wird auch das Parlament nicht auflösen: sondern er wird der Arbeitspartei die Mitwirkung an der Wahlreform abringen, fast möchte man sagen: abkaufen, natürlich im ehrenvollsten Sinne gemeint, nämlich durch politische Zugeständnisse. Oder. wenn das nicht verfängt, wird Wekerle Wege und Mittel finden, um einzelne Abgeordnete der Arbeitspartei zu sich herüberzuziehen. Wekerle wird auch das Problem Mitteleuropa der Lösung näher bringen. Tisza hat sich in diesem Punkte von großer Sprödigkeit erwiesen. Graf Esterhazy kam in seiner kurzen Amtszeit überhaupt nicht dazu. Wekerle und sein Freund Josef Szterényi, den er sich nun wahrscheinlich als Handelsminister beranziehen wird, vertreten in Ungarn denselben Standpunkt in wirtschaftspolitischen Fragen, wie in Lsterreich die gewesenen Minister Plener, Franz Klein und v. Körber, wie in Deutschland Naumann, Stresemann, Georg Bernhard und der verstorbene Ernst Bassermann. Während Naumanns Mitteleurova für Tisza mehr einen Roman, als ein Wirtschaftsprogramm darstellt, hat Wekerle das wundervolle Wort geprägt: Die dichtenden Politiker sind die Schrittmacher! Zweifellos wird Wekerle seine politischen Gedanken in Taten umsetzen, wenn es ihm gelingt, die bringen. Wir sagen ausdrücklich? Die Parteien, nicht die Nationalitäten! Ungarn ist nicht Österreich. Es handelt sich um eine rein parlamentarische Krise, um das Ringen von Parteien nach einer neuen Arbeitsform. Wird es den Ungarn durch die Zusammensetzung ihres Staates von der Geschichte erleichtert, die Vielfalt fremder Sprachen zu vereinen, so ist es doch auch das Verdienst einer 1000jährigen politischen Disziplin und das Ergebnis einer ungewöhnlich staatserhaltenden Kraft, daß die Frage der Nationalitäten, in Österreich auch heute ziemlich problematisch, in Ungarn kaum mehr ein Problem bedeutet. Hier mag man einen der Gründe finden, warum sich gerade die Ungarn zum Deutschen Reiche hingezogen fühlen, dessen organisatorische Kraft sie bewundern. Die beiden großen Proben, von denen wir Deutschen vor der Geschichte bisher nur die eine bestanden: die Erzeugung großer Staatsmänner und das parlamentarische Regime— hier sind sie beide erfüllt. Mit dieser staatserhaltenden Kraft haben die Ungarn. und nur sie verstanden, ihre Truppen aller Nationen ausnahmslos gegen den Feind mit einer Sicherheit zu führen, die durch die Erwägung verwandter oder gleicher Abstimmung mit diezem Feinde sich nicht verschüttern ließ. Mit Leidenschaft haben ungarische Gerben gegen Stammesbrüder kein ungarischer Rumäne ist zum Feinde übergelaufen, mit dem er eine Sprache spricht, und von dem ihm eine politische Greuze trennt. Dieser Staat der Monarchie hat im Frieden die gefährlichen Elemente so stark niedergehalten. statt sie aufzuziehen, daß er die weltgeschichtliche Probe des großen Krieges ohne Erschütterung besteht. Das seindliche Ausland wird sich ganz vergebliche Muhe damit machen. den neuesten Kabinettswechsel in Ungarn als Anzeichen des inneren Lerfalls hinzustellen. Das ist kein Zerfall, das ist Neugeburt und Auswärtsbewegung. Wirtschaftsleben und Lebensmittelversorgung. Lohnbewegung der Werstarbeiter. Hamburg, 21. Aug. Eine von mehr denn 2000 Personen besuchte Versemmlung der auf den Werften beschäftigten Arbeiter tagte gestern abend im Gewerkschaftshause. Der Vorsitzende Koch berichtete über den Stand der Bewegung. Die letzten Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeitgeber haben zu keiner Einigung geführt. Die Verkürzung der Arbeitszeit wurde rundweg abgelehnt. Die Werften wollen Entgegenkommen zeigen, indem sie ab 1. Oktober 2 Pf., ab 1. Dezember weitere 2 Pf. auf die Einstellungslöhne sowohl wie auf die zurzeit bestehenden Löhne zulegen wollen. In einer Konferenz der Vertreter der Arbeiter wurde dieses Angebot abgelehnt.(Lauter Beifall.) Die Konferenz beschloß, daß die Vorstände sich nunmehr an das Kriegsamt wenden. Als Hauptforderungen wurden aufgestellt: 1. Erhöhung der Einstellungslöhne um 10 Pf. für die Stunde, allgemeine Lohnerhöhung für Akkord= und Lohnakkordarbeiter um 10 Pf., für nur Lohnarbeiter eine solche um 20 Pf. die Stunde. 2. Regelung der Akkorde, daß ein Mindestverdienst von 1,20 bis 1,50 Mk. pro Stunde erzielt wird. Die Kleintierzucht bei der Eisenbahn. Auch die preußische Eisenbahnverwaltung läßt der in der Kriegszeit besonders notwendigen Kleintierzucht jede Förderung angedeihen. Die Eisenbahndirektionen sind angewiesen worden, neben der Bienenzucht auch die Ziegen= und Kaninchenzucht zu unterstützen und die Eisenbahnangestellten entsprechend zu belehren. Auch der Beitritt zu Vereinen, die auf diesen Gebieten arbeiten, soll empfohlen und der Besuch von Fachausstellungen und Vorträgen durch Gewährung von Urlaub und freier Fahrt unter Fortgewährung des Lohnes begünstigt werden. Der Wirksamkeit der Arbeiterausschüsse und Eisen. bahnervereine wird auch in dieser Beziehung Wert beigelegt. Zur Anschaffung guter Zuchttiere und zur Herstellung zweckmäßiger Stallungen sollen Beihilfen gewährt werden. Im letzten Berichtsjahre hat die vreußische Eisenbahnverwaltung an 441 Bedienstete 22100 Mk. zur Anschaffung von Bienen ausgezahlt. 1537 Angestellte erhielten 54000 Mk. zum Erwerb von Ziegen und 2166 Bediensteten wurden 49000 Mk. zum Ankauf von Kaninchen bewilligt. 2442 Angestellte nahmen an Lehrkursen teil. Insgesamt betrieben 6457 Eisenbahner Bienenzucht. 67202 Ziegenzucht und 84 986 Kaninchenzucht. Die Erstgenannten besaßen im ganzen etwä 34.000 Bienenvölker, die eine stattliche Menge Honig lieferten. Aus den Provinzen. ( Höchstpreistafel für die Erzeugnisse der weitjälischen Landwirtschaft. Die Landwirtschaftskammer hat die wichtigsten Erzeuger=Höchstpreise, wie sie nach dem jetzigen Stande für die Landwirtschaft der Provinz Westfalen in Gültigkeit sind. in einem besonderen Flugblatt übersichtlich zusammengestellt, um auf diese Weise einem jeden die Möglichkeit zu geben, sich jederzeit über die für seine einzelnen Erzeugnisse geltenden Preise unterrichten zu können. Das Flugblatt enthält die Höchstpreise für Getreide. Hülsenfrüchte, Olfrüchte, Kartoffeln. Obst und Gemüse. Heu und Stroh. Schlachtvieh und Wild. Das Flugblatt kann von der Landwirtschaftskammer zu Münster i. W. in jeder beliebigen Anzahl, von den Landwirten der Provinz unentgeltlich, von sonstigen Interessenten gegen Voreisendung von 5 Pfg., bezogen werden. ) Körung und Prämiierung von Hengsten. Wie im Vorjahre, findet die Zentralkörung der Hengste in Warendorf auf dem Übungsplatz des Königlichen Landgestüts am 15. und 16. November statt. Mit der Körung, die im Anschluß an den Ankauf der Henaste durch die Königliche Gestütsverwaltung erfolgt, ist eine Prämiierung der Hengste verbunden. Zur Prämiierung kann jeder angekörte Hengst und Genossenschaftshengst zugelassen werden. letzterer solange er der Anssicht durch den Gestütsbeamten untersteht. Angeldprämien können nur Hengste erhalten, die in der bevorstehenden Deckveriode das dritte Lebensjahr vollenden. Prämien können erhalten unter bestimmten Voraussetzungen 4jährige und ältere Hengste. Die Anmeldung der Hengste zur Prämiierung ist spätestens bis zum 1. Oktober 1917 bei der Landwirtschaftskammer zu Münster i. W. zu bewirken. Die zur Körung angemeldeten Henaste werden zum Wettbewerb vorgemerkt, sofern die Teilnahme bis zum 1. Oktober nicht besonders abgemeldet wird. ) Hagen, 22. Aug.(Hochherzige Stiftung.) Fabrilbesitzer Carl August Bauer im rahen Vörde machte aus Anlaß seines Goldenen Ehe=Jubiläums hochherzige Stiftungen, die die ansehnliche Höhe von 54 500 Mark erreichen. Velbert, 22. Aug.(Der Hauptgewinn) der 2. Geld=Lotterie zu Gunsten des Kaiserin=Augusta=ViktoriaHauses von 60000 Mark fiel auf Nr. 65 820 nach Velbert. Der glückliche Gewinner ist eine arme Kriegerfrau, an der Nedderstraße wohnhaft. die bisher durch Fabrikarbeit ihre Lage zu verbessern suchte. Der Mann befindet sich an der Front. Düsseldorf, 22. Aug.(Beschlagnahmte Schmuggelwaren.] Was noch alles an Gegenständen des täglichen Bedarfs in den geheimen Handel gelangt, bewies das Ergebnis der Untersuchung in einem hiesigen Lebensmittelgeschäft. Es wurden beschlagnahmt 220 Pfund Kaffee, 40 Pfund Kakao und 13 Pfund Butter. + Köln, 22. Aug.[Die Kaiserin) stattete heute der Stadt Köln einen Besuch ab. Schon gestern abend war die Kaiserin in Köln=Deutz eingetroffen, wo sie im Sonderzuge übernachtete. Heute früh begab sich die hohe Frau zunächst zum Dom und dann stattete sie den verwundeten Kriegern in der Lindenburg einen Besuch ab. Die Kaiserin hielt sich längere Zeit bei den Kieferverletzten auf, unterhielt sich mit den Verwundeten, spendete ihnen Trost und schenkte jedem ein Bild der kaiserlichen Familie mit Lorbeerzweig und einem Bändchen mit deutschen Farben zum Andenken. Allen Verwundeten reichte die Kaiserin zum Abschied die Hand. Um die Mittagszeit fuhr die hohe Frau in ihrer Begleitung zum Standbild des Kölner Bauern und nachmittags besichtigte sie das Karlswerk in Köln=Mülheim, besuchte das Soldatenheim im Volksgarten und die Kölner Krippe, um gegen Abend im Automobil nach Brühl weiter zu fahren. Die Vorbereitungen zum Empfang der Kaiserin waren in aller Stille getroffen und die Ankunft in Köln sorgfältig gebeim gehalten worden. Trotzdem wogte eine zahlreiche Menschenmenge in den Straßen in der Nähe der öffentlichen Gebäude. namentlich am Dom. Köln, 22. Aug.(Ein umfangreicher Stahldiebstahl) wurde während der Nacht in einem hiesigen großen industriellen Werk ausgeführt. Den Dieben fielen für 50000 Mark Schnelldrehstahl in die Hände. In KölnEhrenfeld wurden mehrere Althändler, die als Hehler in Frage kommen, von der Polizei verhaftet. Vermischtes. Religiöse Kunst galt und gilt vielleicht noch heute manchen fanatischen Anhängern des„lart vour l'art“. Gedankens als etwas Minderwertiges, während sie tatsächlich nur den größten Künstlern erreichbar ist. Es ist daher um so freudiger zu begrüßen, daß selbst die gewiß unverdächtige„Frankfurter Zeitung“ in ihrer Nr. 226 mehrere bedeutende religiöse Maler bei Besprechung der diesjährigen Münchener Kunstausstellungen in den Vordergrund stellen muß. Sie schreibt:„Ein Werk von hohem Range verleiht der Ausstellung(der Neuen Sezession) den Halt, den sie sonst entbehren würde. Es ist Karl Caspars große„Passion". ein dreiteiliges Gemälde, dessen Mittelstück die Beweinung Christi enthält, während die beiden Seitenflügel in je vier, durch Rahmenleisten getrennten Quradraten die Leidensgeschichte darstellen. Mit einer geradezu erstaunlichen Kunst sind die einzelnen Teile für sich formal geschlossen und zugleich durch die Farben- und Linienrythmen miteinander zum Ganzen geeint, sodaß die drangvolle Bewegung der Seitenstücke in die erlösende Ruhe der Mittelgruppe harmonisch ausklingt. Hier wird die Form, die, ohne schematisch zu sein. voll bewußter Gesetzmäßigkeit der Komposition ist, vollendetes Symbol des weltbedeutenden Geschehens, aus irdisch leidenschaftlichem und qualvollem Kampf hinaufgeführt zu bimme lischer Erlösung. Hier ist das religiöse Erlebnis durch die modernste Kunst in einer so ausschöpfenden Weise geformt, wie es nur in den frommen Werken des Mittelalters geschah. Eine Taufe Christi und ein Johannes auf Patmos sind zwei kleinere Arbeiten Caspars, nicht weniger von heißer Innerlichkeit durchtränkt und malerisch vollendet gebaut.“ Von einem anderen Künstler, Josef Eberz, der ebenso wie Caspar schon durch das„Hochland“ weiteren Kreisen vertraut geworden ist, muß die Frankfurter Zeitung gestehen, daß er sich immer mehr zu einem bedeutenden Maler emporarbeite, und von Felix Baumhauer, einem bekannten Mitgliede der„Gesellschaft für christliche Kunst", berichtet sie, daß seine Malerei durch die verschiedensten Stile hindurch eine eigene Weise zu erringen suche, in der sich moderne Frömmigkeit aussprechen könnte. In diesem Zusammenhauge sei auch eines der bedeutendsten lebenden Münchener Künstler gedacht, nämlich L. Sambergers. Zwar ist er in erster Linie als Porträtmaler bekannt. und vielen wird noch das vornehme Bild des Bischofs Abert in der Erinnerung sein, das auf der letzten großen Ausstellung für christliche Kunst in Düsseldorf zu sehen war. Doch ist er seiner ganzen Veranlagung nach ein religiöser Maler, wenn er auch seine monumentalen Gedanken bisher fast nur in Skizzen, statt auf großen Wandflächen unserer Kirchen verwirklichen konnte. Hauptredakteur: Rudolf Strietholt.— Es verantworten: den redaktionellen Teil: Paul Koene, die Reklamen und Inserate: I. V.: Friedr. Stürmann, alle in Münster.— Druck und Verlag der Aschendorffschen Buchhandlung in Münster. „ u. Deuen=Anzeiger. An dieser Stelle tritt für Anzeigen aus Münster bei sofortiger Bezahlung der ermäßigte Preis von 10 Pfg. für den Spaltenraum von 2 ram Höhe(Raumhöhe) ein. Die nicht volle Raumhöhe wird mit 5 Pfg. berechnet, Offene Wohnungen 8 Besser möbliertes Zimmer mit guter Pension zu vermieten. Leostraße 13, 1. Mehrere möbl. Zimmer zu derm., auch an ig. anst. Mädch. äheres Wallgase Nr. 1. Gr., gut möbl. Zimmer z v. Raesfeldstr. 35, I. Eig., rechts. 2 schön möbl. Zimmer in der Nähe des Bahnhofs zu vermieten. Elektr. Licht u. Dauerbrenner. Meppenerstr. 8, 1. 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