der deutschsprachigen Presse e.V. A(ohn „Wochenschau“) in Münster gweimal täglich in ins Haus gebracht 2 Mk. 10 Pfg.,— auswärts von der Post abgeholt 2 Mk. 10 Pfg., durch den Dotesträger gebracht überall, we ner einmal in Tage Briefbestellung stattfindet, 2 M0k. 52 *s Deire mit gei= und mehrmaliger Bestellung 2 2N. 2 Pig.— Ausgabe 8(mit„Mochar. chaur) vierteljährlich 60 Pfg, mehr. E.: Radektton u. Verlag Nr. 2443, 2400 u. 94 (Michastiesletz 9) Nr. 76. —„ U Zwei Ausgaber ügig. und Münsterische Volkszeitung. 44401 Wbomenten. Der Raum für des# breit, K. Amm hoch, 25Ps; bei Anzeigm aus dem R.=O.. Münster 20 Pf., aus der Stadt Münster 15 Pf.(üOktiengesellschaften 2., Vereine und Behörden 25 Pf. Reklamen: Der Raum für die Reklamespalte, VTrarbreit, Zmm hoch, 1 Ml.— Für Eefüllung von Blazvorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druckfehler Leine Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gilt als Aassenradatt u. kann verweigert werden, wenn Zahlung nicht dinnen 4 Wochen nach Grhalt der Rochrumng erfolgt.— Gebühr für Beilagen nach Cemten Zweite Ausgabe. Freitag, 27. Juli 1917. 66. Jahrgang. Nr. 529. In Richtung auf Czernowitz. Vor dem Beainn der englischen Offensive. Über die Kriegslage im Often und Westen wird uns auf Grund des jüngsten Generalstabsberichtes geschrieben: Die Kriegslage im Osten und Westen ist jetzt, wo das 3. Kriegsjahr seinem Ende entgegengeht, für die deutschen Waffen ganz ungewöhnlich günstig. Die Durchbruchsschlacht hat weitere gewaltige Folgen gezeitigt, denn die Vorwärtsbewegung unserer Truppen gegen Osten hat bereits die Linie Buczacz—Tlumacz—Atynia—Delatyn überschritten. Von größter Bedeutung ist die Tatsache, daß die russische Karpathenfront nunmehr auch ernstlich ins Wanken gekommen ist. An dem beißumstrittenen Tartarenpaß, durch den die Russen nach Ungarn einzubrechen beabsichtigten, und der besonders im vorigen Winter in schweren Kämpfen von den tapferen Ungarn des Generaloberst von Koewes ruhmvoll verteidigt wurde, haben die hier stehenden ungarischen Regimenter bereits durch einen gewaltigen Erfolg die russische Rückzugsbewegung erzwungen und beschleunigt. Durch einen prächtig geführten Angriff warfen sie nämlich die Russen nach zährm Ringen von den Löhen herunter, welche den Tartarenpaß beherrschen. Es kam dazu, daß der Flankendruck südlich des Duiestr wirksam wurde, sodaß auch hier die gesamte russische Front den Rückzug auf Czernowitz antreten muß. Durch den Verlust der starken Stützpunkte Buczacz, Tlumacz, Atynia und Delatyn nördlich des Tartarenpasses hing dieser Teil der russ'schen Karpathen-Front bereits in der Luft und hatte nur noch die einzige Möglichkeit, den schleunigen Rückzug gegen Osten zu versuchen. In greifbarer Nähe steht nunmehr der Kampf um das heißumstrittene Czernowitz. An Raum wurde bereits 3500 Quadratkilometer gewonnen, die in jeder Beziehung einen großen Gewinn bedeuten, da sie zu den fruchtbartten Landstrichen Galiziens gehören. Die Offensive der russischen Revolution, die vom Volk und Heer nicht gewollt, sondern nur von einigen Kriegshetzern erzwungen wurde. ist zusommengebrochen. Damit ist aber nicht die rufsische Revclution und die russische Republik bedroht, sondern Gefahr drobt lediglich den gewissenlosen Kriegsführern. Die gesamte übrige Lage an der Ostfront wird von dem gewaltigen Ereignis in Galizien beherrscht, das immer weitere Kreise ee.. P. Eianesmtes u.8 au# Während dieses Siegeszuges sind auch die Kameiaden im Westen nicht untätig. Hier haben offenbar die Engländer die Absicht, in der allernächsten Zeit ihre Offensive zu beginnen. Das ungeheure Trommelfeuer, das seit Tagen bereits an den ganzen englischen Frontabschnitten wütet, kündigt mit Donnerstimme die englische Absicht an. Wie früher, so hoffen sie wohl auch dieses Mal, durch das tagelange Trommelfeuer jede Widerstandsfähigkeit im Keime zu ersticken. Die Zukunft wird aber erweisen, daß ihre Rechnung so falsch war, als alle bisherigen. An allen anderen Frontabschnitten im Westen haben unsere wackeren Truppen gezeigt, daß der Siegeszug im Osten ihre Angriffskraft nicht geschwächt hat. Sowohl bei der Hurtebise=Fe. als in der Champagne wurden dem Feinde wichtige Stellungen entrissen. Wenn auch diesen Erfolgen keine weiterwirkende Bedeutung zukommt, und sie nur als Frontverbesserung und somit als Sicherung für die Zukunft zu betrachten sind, so sind sie doch in moralischer Beziehung hoch zu bewerten, denn es geht daraus hervor, daß auch hier wie im Osten unser Heer die Initiative in der Hand behält, wenn es auch aus Nützlichkeitsgründen in der siegreichen Defensive verweilt. Karlsruhe. 27. Juli.[BB.) Die Militärkritiker des „Matin“ und des„Corriere della Sera“ geben die Stärke der russischen Armee in Galizien mit mehr als ¾ Million Mann an. Die Überlegenheit der russischen Geschütze und Mannschaften wird auf 3: 2 gesetzt.— Schweizerische Blätter schreiben, daß diese Angaben in der Rußland verbündeten Presse den Rückschluß gewähren, auf die unheimliche Größe der russischen Niederlage. Basel, 27. Juli.(KG.) Der Korrespondent der „Morningpost“ erörtert freimütig die durch die deutsch=österreicht sche Offensive bedrohlich gewordene Lage der Russen und kommt zu der Überzeugung, daß bei Fortsetzung des feindlichen Durchbruches die ganze russische Front zerschnitten und ihre Zurücknahme unvermeidlich wird. Wie der„Corriere della Sera“ aus Petersburg meldet, haben die strategischen Verschiebungen der letzten Tage eine allgemeine Umgruppierung der russischen Armee zur Ttolge.„ Petaraturs murte Batali Nach Telegrammen aus Peiersvurg wurde Podolien in den unmittelbaren Kriegszustand erklärt. Berditschew in Wolhynien ist nach Ablösung der bisherigen Garnison von regierungstreuen Truppen besetzt. „Genf. 27. Juli.(BB.] Die Einnahme Tarnovols scheint die russische Heeresleitung vollkommen überrascht zu haben. Eine Petersburger Drahtung besagt, daß das Oberkommando sofort nach der Einnahme enorme Verstärkungen in das Gebiet der Sereth- und Strypa-Mündung entsandte, um die Verteidigung dieses Gebietes zu organisieren. Trotzdem ist die Stimmung der Russen noch immer kriegerisch. So erklärte der Vertretr des Arbeiter= und Soldatenrates Goldberg dem Londoner Vertreter des„Matin", daß Rußland niemals einen Sonde frieden schließen werde. Das russische Volk denke nicht daran, beispielsweise Kurland an Deutschland abzutreten, um den Frieden schneller berbeizuführen. Der Zustand des russischen Heeres. Berlin. 26. Juli. (WTB.) Deutsche Mitkämpfer berichten von der ost=galizischen Front: Bei vorsichtiger Bewertung der Gefangenenaussagen gewinnt man den Eindruck, daß, von der heroischen Tapferkeit einzelner Truppenteile abgesehen, die Masse des russischen Heeres zersetzt ist. Die Leute erklärten unumwunden, daß man sie an die Entente verkauft habe. Bezeichnend für ihre Stimmung ist die von vielen verbreitete Nachricht, daß Kerenski und Brussilow abgesetzt sind und im Gefängnis seien. Aussehen und Ausrüstung der Russen ist lange nicht so gut wie früher. Die Ausrüstung ist zum großen Teil von der Entente, vor allem von England geliefert. Bei Kupczynce trafen wir Gefangene von der 1 polnischen Division, die stark antirussisch gesinnt waren. Die Angehörigen der volnischen Division haben selbständig die russische Kokarde entfernt und tragen den roten polnischen Adler an der Mütze. Man hat vergeblich versucht, die erste volnische Division einzusetzen: sie wurde lange hinter der Frout hin und her geschoben. Als man sie in den Kampf führen wollte, löste sie sich auf: ein Teil lief über, die anderen desertierten. Mannschaften dieser Division erklärten, daß sie selbständig ihre Offiziere ernennen, und daß Offiziere, die sich unbeliebt machen, abgesetzt werden. Auch bei den russischen Truppen scheine das eine Zeitlang kameradschaftliche Verbältnis zwischen Mann und Offizier sehr schlecht geworden zu sein. Die Offiziere zeigen vielfach Angst vor ihren eigenen Leuten. Genossen! Soldaten! Amsterdam. 26. Juli. Der Vollzugsausschuß des Arbeiter= und Soldatenrates hat folgende Verkündigung erlassen: Genossen! Soldaten! Mehrere Regimenter unserer Heere haben vor dem Feinde die Flucht ergriffen. Ein Teil unserer Front ist durch die Horden Wilhelms II. durchbrochen, die Tod und Verderben säend in unser Gebiet eingedrungen sind. Wer ist für diese Demütigung verantwortlich? Es sind diejenigen, die Zwiespalt in unsere Heere gebracht, sowie die Manneszucht untergraben haben, die im gefährlichen Augenblick sich geweigert, den Befehlen der Heeresleitung zu gehorchen und ihre Zeit mit nutlosen Verhandlungen vergeudet daben.„, I5ur m. Genossen! Soldaten! Wenn diese Lehre Euch nicht zu Herzen gehen sollte, so müßte man an dem Wohlergehen Rußlands verzweifeln. Nur die vorläufige Regierung vermag die Revolution zu retten. Ihr müßt. ihre Gewalt bedingungslos auerkennen, ihren Besehlen bedingungslos Folge leisten. Diejenigen, die den Gehorsam verweigern, sollen als Verräter per Volke gelten und gnadenlos als solche debandelt Genossen! Soldaten! Ihr ruft nach einem dauerhaften Frieden. Ihr wollt daß Freiheit in Eurem Lande herrscht. So müßt Ihr auch einsehen, daß die Freiheit nur durch einen heißen Kampf für Rußland und alle Völker errungen werden kann. Wenn Ihr vor den Truppen des deutschen Kaisers weicht, so werdet Ihr Euer Vaterland und Eure Freiheit verlieren, da alsdann der Sieger Euch zwingen wird. Euch wieder in den Kampf zu begeben, um Eure Wohlfahrt und selbst Euer Dasein zu verteidigen.„.., Busaen u.. m. Genossen! Soldaten an der Front! Duldet keine Verräter unter Euch, niemand, der die Stimmung unter Euch niederdrückt: gebt nicht zu, daß auch nur einer unter Euch einen Schritt vor dem Feinde zurückgeht. Spannt Eure Kräfte an in dem Kampf für einen dauerhaften Frieden für Euer Vaterland und für die Freiheit ohne Furcht und Zagen und ohne nutzlose Erörterungen. Gehorcht in den Kämpfen allen Befehlen der Heeresleitung! Ungehorsam und Wankelmut sind schlimmer als Verrat und würden Euern und Runlands Untergang herbeiführen. Genossen! Soldaten! Diejenigen, die für das Heil Rußlands tätig sind, wachen über Euch. Der Untergang Eures Vaterlandes würde das allgemeine Verderben sein. Weiht Curen Mut. Eure Beharrlichkeit. Eure Manneszucht dem Heile des Vaterlandes! Rußland. 2 Zürich, 27. Juli.(KG.)„Petit Journal“ meldet aus Petersburg: Der Arbeiter= und Soldatenrat hat die geforderten diktatorischen Vollmachten der provisorischen Regierung abgelehnt. Lenins Auhängerschaft wächst. Stockholm, 26. Juli. Aus Petersburg melden hiesige Blätter, die Garnisonen von Tiflis, Baku und anderen Orten des Kaukasus hätten ihren Anschluß an die Maximalisten erklärt. Kerenski in der Rolle Dantons. Budapest. 26. Juli. (BB.) Das Blatt„Az Est“ meldet aus Stockholm, daß aus Rußland geflüchtete Bolschewicki folgendes über die letzten Unruhen erzählt haben: Als Kerenski die Offensive aufnahm, jubelten die ganze bürgerliche Presse und die Zeitungen der Sozialpatrioten auf. nicht weil sie sich der Hoffnung hingaben, daß der Feind geschlagen sei sondern weil sie glaubten, von den Bolschewicki und Anarchisten befreit zu sein. Die Petersburger Garnison und die Arbeiterschaft verloren aber nicht ihr ruhiges Blut. Der Arbeiter- und Soldatenrat erklärte sich mit 470 gegen 270 Mitglieder gegen die Offensive. Zahlreiche Petersburger Regimenter, die der Unterstützung von 15 000 Kronstädter Matrosen sicher waren, agitierten gegen die Offensive. In den Putilow=Werken verkündeten die Arbeiter den Ausstand. Die Unzufriedenheit wurde durch die gewaltsamen Handlungen der Regierung und ihre Machtlosigkeit gegenüber Finland und der Ukraine gesteigert. Die Regierung wußte, daß ihre Lage in dem Augenblick unhaltbar würde, wo Nachrichten über Niederlagen von der Front einträfen. Sie benutzte daher die Gelegenheit, uns auszurotten und den drohenden Zusammenbruch als die Folge unserer Propaganda zu bezeichnen. Am 17. und 18. Juli marschierten Soldaten und Arbeiter aus freien Stücken durch die Straßen, um gegen den Krieg zu protestieren. Kerenski ließ Kosaken gegen sie aufbieten, der Kampf begann. In Petersburg wurde mit Kanonen auf die Kundgeber geschossen. Fürst Lwow trat schleunigst von seinem Posten als Ministerpräsident zurück, weil er die Schandtaten der Regierung nicht teilen wollte. Kerenski ist nun Diltator geworden, ein Mann, der an Tuberkulose leidet und in seiner Zieberphantasie weder vor der Rolle des Zaren Nikolai noch vor dem Wahnsinn Dantons zurückschreckt. Er benützt Dantons Wort:„Kühnheit, nur Kühnheit!". Die Friedenssehnsucht hat uns so stark gemacht, daß Kerenski in uns einen größeren Feind als in den Mittelmächten sah. Henderson über Rußland. Kopenhagen. 27. Juli. (BB.)„Politiken“ meldet aus London: Minister Henderson ist nach sechswöchigem Aufenthalt in Rußland nach dort zurückgekehrt. Er bezeichnet die Hindernisse für, die provisorische Regierung enorm. Die extremen Sozialisten beherrschten zu gewissen Zeitpunkten das ganze Leben Petersburgs und demoralisierten das Heer und die Flotte durch die ständige Behauptung, die Offensive würde nur den russischen, amerikanischen, französischen und englischen Kapitalisten Vorteile bringen. Die Zukunft läge nun in den Händen des Arbeiter= und Soldatenrats. Von den Kriegsschauplätzen. Rotterdam, 26. Juli.(W2B.) Nach der„Nieuwe Rotterdamschen Courant“ schreiben die„Times“ in einem Leitartikel: Der türkische Gouverneur im Yemen. Ali Said Pascha, halte jetzt schon zwei Jahre lang Aden von der Landseite eingeschlossen. Courzon habe zwar im Oberhause erklärt, daß Aden nicht erobert werden könne, aber das sei nicht geung. Es sei notwendig, diesem beschämenden Zustande ein Ende zu machen. 2 Frankreichs Offensivunfähigkeit. Die Außerungen des französischen Kriegsministers Painléve, daß Frankreich in diesem Jahre keine Offensive mehr unternehmen könne, müssen als eine zeitliche glatte Bankerott=Erklärung der maßgebenden französischen Stelle zur Fortsetzung des Krieges angesehen werden. Eine Armee, die nicht mehr offensiv werden kann, sei es auch nur für eine bestimmte Zeit, ist auch nicht mehr fähig, sich positive Ziel in der Kriegsführung zu stecken. Sie führt nicht mehr Krieg, sondern sie erleidet ihn. Eine Reihe von Gründen spricht dafür, daß Painlévé zu der Erklärung gezwungen wurde gegenüber der Verantwortung, die ihm für die ganz enormen Verluste von der Kammer auferlegt wurde. Die Erklärungen Painlevés bestätigen die Annahme, daß Frankreich in Bezug auf die sichere Erhaltung der vollen Gefechtskraft infolge der stark abnehmenden Nachschubquellen sich auf dem absteigenden Aste befindet. Der am 12. April eingestellte und nach flüchtiger Schulung an die Front geschickte„Knabenjahrgang“ 1918 ist tatsächlich die letzte Nachschubquelle von einiger Ergibigkeit gewesen und dürfte kaum 200000 Mann ergeben haben Bei der Ende Mai zu einem gewissen Abschluß gelangten Offensive haben die Franzosen an 350000 Mann eingebüßt, der neue Jahrgang kann also die entstandenen Lücken nicht schließen. Jede neue Offensive müßte also die Gefechtskraft der Verbände stark vermindern. Aus diesem Grunde wird auch von Frankreich auf eine Ausdehnung der dichter gestaffelten englischen Front gedrängt. Das Eingeständnis des französischen Kriegsministers bildet ungewollt einen glänzenden Beweis für die weittragende Wirkung der genialen Hindenburaschen Rückverlegung und der„Beweglichen Desensive“. Die strategische Auszehrung ist in das Stadium beginnender Unfähigkeit zu einer Offensive getreten, Petain diktiert nicht das Gesetz des Handelns, er empfängt es. * Rumänischer Heeresbericht vom 24. Juli. Artillerietätigkeit an der ganzen Front. An der Westarenze der Moldau Erkundungen. Die Russen sind in feindliche Gräben eingedrungen und haben Gefangene zurückgebracht. Zwischen dem Kasinu= und Putna=Tal sind heftige Kämpfe im Gange. Wir sino dert im Vorteil. Am Putna, Sereth und an der Donau heftige beiderseitige Artilleriebeschießung. Italienischer Heeresbericht vom 26. Juli. An der ganzen Front die üblichen Artillerieunternehmungen und Tätigkeit von Erkunouesebteilungen. In der Nacht zum 25. Juli brach ein vom Zeinde südwestlich von Castagnawitza versuchter Teilangriff in unserem Feuer zusammen. In der letzten Nacht warf eines unserer Luftschiffe, das bei ungünstigen Witterungsverhältnissen überraschend bis über Santa Lucia bei Tolmein gelangt war. eine Tonne starker Sprengstoffe auf die Eisenbahnanlagen dieser Ortschaft, die stark beschädigt wurden. Der Seekrieg. Zürich, 26. Juli. Die„Neue Zürcher Zeitung" meldet aus dem Haog: Sechs holläudische Frachtschi murden in den lepten Togen an England vorkauft. Haag. 26. Juli.(WTB.) Der niederländische Sealer „Spesmea“ wurde von einem deutschen U-Boot versenkt. Die Aussichten des deutschen U=Bootkrieges. Kopen hagen, 26. Juli.(WTB.]„Finlands Tidningen" beschäftigen sich in einem langen Artikel mit den Aussichten des deutschen U=Bootkrieges und kommt zu folgendem Schluß: Die angeführten Tatsachen beweisen, daß der U=Bootkrieg eine größere Gefahr ist, als man im allgemeinen zu glauben geneigt ist. Wenn Deutschland wirklich Zeit hat, zu warten, so scheint die Annahme begründet, daß der U.Bootkrieg auf die Dauer ganz automatisch einen zunehmenden Druck auf den Gegner ausüben wird, der in dem Augenblick, wo er eine gewisse Stärke erreicht, den Weg bahnen wird, für unmittelbare Verhandlungen zwischen Berlin und London, und die möglicherweise Deutschland bei diesen Verhandlungen günstiger stellen werden, als wenn es die U-Bootswaffe nicht zur Anwendung gebracht hätte. Unsere Feinde. Genf. 27. Juli.(BB.) Im Konflikt zwischen Wilson und dem Kongreß bezüglich der Obersten Heeresleitung nehmen die halbamtlichen Pariser Blätter, die Partei Wilsons, dessen umfassendem Geiste keine Aufgabe Schwierigkeiten bereite. Rotterdam, 26. Juli.(WTB.) Nach der„N. Rotterd. Courant“ wird dem„Manchester Guardian" von seinem Londoner Berichterstatter gemeldet, daß es den Abgesandten des russischen Arbeiter= und Soldatenrates gelungen ist, die Leitung der englischen Arbeiterpartei zur Einberufung einer Konferenz der Arbeiterpartei zu bewegen, auf der die Beschickung der vom Arbeiter= und Soldatenrat für Ende August nach Stockholm einberufenen internationalen Konferenz empfohlen werden soll. Lord Ceeil über Englands drei Kriegsziele. Loudon, 24. Juli.(WTB.) Reuter. Unterhaus. Lord Robert Cecil antwortete auf eine Kritik Dillons über die Balkanpolitik der Regierung und die Operationen bei Saloniki und wies die Vorwürfe Dillons wegen der Moral der Truppen zurück. Er nahm Anstoß an der Auffassung Dillons, daß die Regierung im Begriffe sei, Serbien im Stiche zu lassen. Das sei vollkommen unrichtig. Die Regierung beabsichtige durchaus nicht, von ihrer Verpflichtung zurückzutreten. nach der Serbien vollständige Wiederherstellung und Entschädigung erhalten müsse. Cecil erklärte sich mit der Außerung eines Abgeordneten einverstanden, daß Österreich=Ungarn nicht der Hauptfeind sei. Der Hauptfeind müsse Deutschland sein. Was die allgemeinen Friedensgrundsätze betreffe, so müsse der erste Grundsatz sein, treu zu den Verbündeten zu halten. über Elsaß=Lothringen habe Frankreich seine Wünsche auszusprechen, und England habe es zu unterstützen. Derselbe Grundsatz gelte für die übrigen Verbündeten und besonders für Serbien. England halte sich unbedingt verpflichtet, es wiederherzustellen und schadlos zu halten. Was die südslawische Bewegung betreffe so sei es gefährlich, weiterzugehen, als die Regierung in ihrer Antwortnote an Wilson getan habe. Die Regierung erkläre darin, daß sie wünsche, unter den unterdrückten Nationalitäten auch die serbische Nation zu befreien, aber sie gehe nicht weiter und verpflichte sich nicht auf eine bestimmte Form der Befreiung. Der zweite Grundsatz, für den England Krieg führe, sei ein dauerhafter Ausgleich und ein befriedigender Friede, der nicht auf Eroberung und Herrschaft, sondern auf dem Grundsatze der Selbständigkeit der Völker beruhe, die den neuen Zustand gegen künftige Anderungen sichere. 8 Als drittes großes Kriegsziel sei oft die Beseitigung des deutschen Militarismus bezeichnet worden, sie bilde tatsächlich einen Teil des zweiten Grundsatzes. Er wünsche die Vernichtung des deutschen Militarismus, weil er eine große Gefahr für den künftigen euroväischen Frieden bedeute. Die Rede des deutschen Reichskanzlers enthalte zwei charakteristische Züge: erstens verlange er für Deutschland einen siegreichen Frieden, und zweitens lehne er jede demokratische Gestaltung der deutschen Verfassung ab. Das seien Charakterzüge von schlimmster Vorbedeutung. Lloyd George habe gesagt, mit einem demokratischen Deutschland würde es leichter sein. Frieden zu schließen. Er sei derselben Meinung, denn wenn Deutschland eine Demokratie gewesen wäre, so würde dieser Krieg nicht stattgefunden haben. Wenn in Deutschland eine wirklich demokratische Regierung errichtet würde, so wäre damit eine starke Bürgschaft gegeben, daß die deutsche Politik eine endgültige Wendung genommen hätte, und daß die Gefahren, deren man sich in Zukunft von Deutschland zu versehen hätte, entsprechend vermindert würden. Die Neutralen. Die Entente gegen Schweden. Kopenhagen, 26. Juli. Die Bezzühungen der Vereinigten Staaten und der Entente sind gesenwärtig darauf gerichtet, bestimmte Neutrale, namentlich Schweden, für eine aktive Betätigung auf seiten dieser Mächte zu gewinnen. Die Union wurde von England ersucht, jede Ausfuhrerlaubnis nach Schweden zu verweigern, bis dieses bereit sei, neue Vereinbarungen mit der Entente zu treffen. Es handelt sich vor allem auch darum, den schwedischen Frachtraum in den Dienst der Entente zu zwingen. Mexiko wird bearbeitet. Von der Westarenze, 26. Juli. Das„Algemeen Handelsblad“ meldet aus London vom 26. Juli: Washingtoner Berichten zufolge ist Mexiko bereit, sich den Alliierten anzuschließen, falls Amerika eine Anleihe gewährt. Präsident Wilson wünscht vorläufig nur eine starke neutrale Haltung Mexikos. Massenstreik in Tampieo. Haag. 26. Juli. Reuter meldet aus New=York: 15000 Arbeiter von den Petroleumfeldern zu Tampico(Mexiko) sind in den Streik getreten. Deutsches Reich. Berlin, 26. Juli.(WTB.] Laut„Lokalanz.“ sprach gestern abend in einer Versammlung des sozialdemokratischen Bezirksvereins Groß=Berlins der Abgeordnete Scheidemann über die„Zukunft Deutschlands“. Redner widmete zunächst dem Reichskanzler von BethmannHollweg Worte der Anerkennung und wies die Vorwürfe zurück, die gegen ihn und andere Sozialdemokraten erhoben worden waren, die an der Besprechung mit dem Kaiser im Reichsamt des Innern teilgenommen hatten. Hamburg, 25. Juli. Hamburger Kolonialkreise batten an den Staatssekretär des Reichskolonialamts, Dr. Solf, ein Telegramm gerichtet, das durch die Gerüchte veranlaßt war Solf wolle aus diesem Amte ausscheiden. In dem Telegramm hieß es, in den letzten drei Jahren hätten die kolonialen Interessenten Kraft zum Durchhalten und Zuversicht in die koloniale Zukunft Deutschlands in dem Bewußtsein gefunden, in Dr. Solf einen sachverständigen Mitkämpfer und Führer zu finden. Auf diesem Vertrauen berube aber wesentlich eine neue Betätigung in den Kolonien nach dem Kriege. Man hoffe daher bestimmt, daß Dr. Solf dem Kolonialamte treu bleibe. Der Staatssekretär hat darauf folgendermaßen geantwortet:„Die Gerüchte von der Übernahme eines anderen Amtes durch mich beruhen auf vagen Vermutungen und irreführenden Nachrichten. Ich denke nicht daran, das mir lieb gewordene Amt zu verlassen, um so weniger, als ich nach den Leidensjahren des Krieges von der glücklichen Zukunft unserer kolonialen Sache fest überzeugt bin. Es freut mich, daß koloniale Kreise Hamburgs Vergnlassung genommen haben, meinem bisherigen Wirken als Staattsekretär des Reichskoloniglamts freundliche Arerkennung zu zollen. Das hier in ehrenden Worten zum Ausdruck gebrachte Vertrauen wird mich bei meiner zukünftigen Tätigkeit in der wirksamsten Weise unterstützen.“ O Die Zeutrumspresse zur Lage. Frankfurt a. M., 25. Juli. Im Anschluß an die gestern und vorgestern abgehaltene Tagung des Reichsausschusses der Zentrumspartei hielt heute früh der Augustinus=Verein eine Sitzung ab, welche aus Nord und Süd des Deutschen Reiches einen außergewöhnlich starken Besuch aufwies. Die Grundlage der Verhandlungen bildeten die bekanten Ereignisse der letzten Zeit, über welche ein allseitiger Meinungsaustausch stattfand. Am Schlusse derselben wurde einstimmig, wie auch die Entschließung des Reichsausschusses gefaßt worden war. der nachstehende Beschluß gefaßt: „Die Generalversammlung des Augustinus=Vereins vom 25. Juli 1917 in Frankfurt stellt sich einmütig und entschlossen auf den Boden der Entschließung des Reichs. ausschusses der deutschen Zentrumspartei.“ Mit voller Befriedigung über den Verlauf der Aussprache konnte der 1. Vorsitzende des A.=V. Herr L. Lensing (Dortmund). nach vierstündiger Beratung die Versammlung um 2½ Uhr nachmittags entlassen. Eine sozialdemokratische Antwort an Lloyd George. Die sozialdemokratische„Internationale Korrespondenz“, schreibt: Die Friedensaktion des Reichstages hat in den Reden der Carson und Lloyd Georg und in der Presse Englands und Frankreichs ein mißtönendes Echo gefunden. Den Friedensbereitschafts=Erklärungen des neuen Reichskanzlers und vor allem der Friedensresolution des Reichstages wird in den westlichen Ententestaaten außerordentlich wenig Gewicht beigelegt. Wir erleben wieder bei unseren Gegnern die traurigen Zeichen unbegrenzter Verblendung und Einsichtslosigkeit, und es ist deshalb kein übertriebner Stolz auf unsere Kraft und keine nationale Überhebung, wenn wir unsere Gegner bei solchem Verhalten ihrerseits doch auch darauf hinweisen, wie die Schlußsätze der Friedens=Resolution des Reichstages lauteten. In diesen Schlußsätzen wird mit großem Ernst und mit höchstem und selbstverständlichstem nationalen Pflichtbewußtsein festgestellt, daß, so lange die feindlichen Regierungen auf einen solchen Frieden, wie ihn die ersten Sätze der Resolution anbieten, nicht eingehen, so lange sie Deutschland und seine Verbündeten mit Eroberungen und Vergewaltigung bedrohen, das deutsche Volk wie ein Mann zusammenstehen werde und unerschütterlich ausharren und kämpfen werde, bis sein und seiner Verbündeten Recht auf Leben und Entwickelung gesichert sei. Die Resolution konnte mit Recht dieser Feststellung anfügen, daß in seiner Einigkeit das deutsche Volk unüberwindbar sei. Es steht danach, wenn man die Friedensresolution in ihrem ganzen Zusammenhang nüchtern und sachlich auffaßt, ausschließlich bei unseren Gegnern, ob sie die Friedensresolution des Reichstages als Friedensresolution gestatten wollen. oder ob sie aus ihr eine Kriegsresolution machen wollen. Das deutsche Volk will den Frieden, aber es will ebensosehr die Fortsetzung des Krieges, wenn der Friede nur auf Kosten seiner politischen Selbständigkeit, seiner nationalen Wirtschaft und seiner nationalen Unversehrtheit zu erkaufen wäre. In diesem Sinne ist in der Tat die deutsche Friedens=Resolution zugleich eine Kriegs=Resolution, und sie ist als solche nicht von der Zweidrittelmehrheit des Reichstages angenommen worden, sondern bis auf die wenigen sogenannten Unabhängigen vom ganzen Reichstag und vom ganzen Volke als Ausdruck ihres Willens zu betrachten. Es hilft nichts: Wir müssen den Feinden gegenüber auch diese Seite der Resolution unterstreichen, wenn sie nicht fortfahren sollen, mit dem deutschen Friedenswillen Schindluder zu treiben. (2 Neuregelung der Hinterbliebenenrente. Beim Tode von Kriegsteilnehmern erleiden die Witwen nicht selten dadurch einen Ausfall an ihren Einkünften, daß die Hinterbliebenenrenten niedriger sind als die bis dahin bezogenen Familienunterstützungen. Bisher konnte dieser Verschlechterung der Lage der Hinterbliebenen nur im Falle der Bedürftigkeit durch besondere Unterstützung im Wege der Kriegswohlfahrtspflege entgegengewirkt werden. Familienunterstützung konnte dagegen neben der Hinterbliebenenrente niemals gewährt werden. Nunmehr hat sich die Reichsfinanzverwaltung in Anbetracht der herrschenden ungewöhnlichen Teuerung damit einverstanden erklärt, daß Kriegerwitwen neben der Hinterbliebenenrente Familienunterstützung für einen noch im Felde stehenden Sohn erhalten können, wenn der Sohn die Mutter bereits vor seinem Eintritt in den Heeresdienst unterstützt hat, und wenn diese durch den Fortfall der Unterstützung des Sohnes nach seiner Einziehung in eine Notlage geraten ist. Der Reichskanzler(Reichsamt des Innern) hat die Bundesregierungen von der neuen Regelung, die die wirtschaftlichen Verhältnisse einer größeren Anzahl von Kriegerwitwen fühlbar verbessern wird, verständigt. X Kapitulationen. Um die Deckung des Bedarfs an Friedenskapitulanten zu sichern, erläßt der Kriegsminister in Ergänzung bez. Abänderung der bisherigen Bestimmungen über Kapitulationen folgende Anordnung:.. 85232 Ttei. 1. Abgesehen von den Flieger=, Luftschiffer=, Train=Formationen, Eisenbahn= und Kraftfahrtruppen, dürfen bei mobilen Fermationen, die nicht Friedenstruppenteile sind(Reserve=, Landwehr=, Landsturm=Formationen usw.).— für die Nachrichtentruppe erfolgt besondere Regelung— bis auf weiteres Kapitulationen unter Vorbehalt abgeschlossen werden. Bei der Demobilmachung jedoch haben die in dieser Weise angenommenen Kapitulanten keinen Anspruch darauf, einem bestimmten Truppenteil überwiesen zu werden. Dies ist in der Kapitulationsverhandlung besonders zum Ausdruck zu bringen 2. Die Kapitulationsverhandlungen sind vom Regimentsoder selbstständigen Bataillons=Kommandeur zu bestätigen und bis zur weiteren Bestimmnug vom Truppenteil aufzubewahren, dem der Kapitulant angehört. Bei den im Kriege aufgestellten kleineren alleinstehenden, selbständigen, mobilen Verbänden, an deren Spitze ein solcher Vorgesetzter(Regiments= usw. Kommandeur) nicht steht(selbstständige Fußartillerie-Batterien usw.) übernimmt die Bestätigung der Kapitulations=Verhandlungen der nächste unmittelbare Vorgesetzte, der mindestens die Disziplinarstrafgewalt eines Regiments=Kommandeurs besitzt, Aufbewahrung der Verhandlungen bei diesen Verbänden. 3. Erstmalige Kapitulationen— siehe Absatz 3 des Erlasses vom 28. Juli 1915— sind im allgemeinen nur mit solchen Mannschaften abzuschließen, die nach Ablauf ihrer gesetzlichen Dienstpflicht das 23. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung des zuständigen Generalkommandos. 4. Vom Tage der Bekanntmachung dieses Erlasses ab sin bei den mobilen Friedenstruppenteilen der Kavallerie nur noch Kapitulationen für offene Friedenskapitulantenstellen anzunehmen. Mannschaften dieser Truppenteile, die kapitulieren wollen, aber hiernach nicht die Möglichkeit haben, bei ihrer Waffe zu kapitulieren, dürfen von den Fußtruppen als Geineine= oder Gefreite=Kavitulanten— bei ReserveRegimentern usw. unter Vorbehalt— angenommen, müssen aber zu diesen sofort versetzt werden. Ihre Beförderung zu überzählioen oder planmäßigen Unteroffizieren darf erst nach abgeschlossener infanteristischer Ausbildung erfolgen. 5. Jum 1. November 1917 teilen die Generalkommandos und selbständigen Divisionen nach Maßgabe eines Musters dem Allgemeinen Kriegs=Departement des Kriegsministeriums mit, wieviel Kapitulanten unter Vorbehalt bis Ende September 1917 von den mobilen Formationen ihres Befehlsbereichs, die nicht Friedenstruppenteile sind, angenommen wurden. 6. Die im Erlaß vom 12. November 1916. Ziffer 1. Absatz 3, angeordneten Mitteilungen über Kapitutenten, die sich nicht bei ihren Friedenstruppenteilen befinden, sind vielfach nicht gemacht worden, sodaß die Kapitulationen dieser Kavitulanten nicht verlängert werden konnten. Die Generalkommandos selbständigen Divisionen usw. haben Sorge zu tragen, daß die Mitteilungen, soweit sie bisher noch nicht erfolgt sind, umgebend nachgebolt werden. 7. Weitere Bestimmungen bleiben vorbehalten. F## 72 — 1— 1— der deutschsprachigen Presse e.V. Wirtschaftsleben und Lebensmittelversorgung. * München, 26. Juli. Dem bayrischen Ernährungsamt wurde ein staatliches Honigvermittlungsamt angegliedert, das die Honigausfuhr unterbinden und den Bedarf der innerbayrischen Kommunalverbände regeln soll. O Der Lebensmittelbedarf der Stadt Essen. Nach den neuesten statistischen Angaben zählte die Stadt Essen im Juni dieses Jahres 480000 versorgungsberechtigte Personen. Die Bevölkerung hat während des Krieges um rund 50000 zugenommen. Von der gesamten Einwohnerschaft sind 130000= 27 Prozent Rüstungsarbeiter, so daß also ungefähr jeder vierte Essener Einwohner als Arbeiter in der Rüstungsindustrie tätig ist. Schwerstarbeiter sind davon 70000. Der monatliche Bedarf an Mehl stellt sich zurzeit einschließlich der Zulagen für die Arbeiter auf 280 Waggon Mehl. Wöchentlich werden 14000 Zentner Mehl verbraucht, das ist bei einem Durchschnittsertrag von 10 Zentnern pro Morgen die Ernte von 140 Morgen jede Woche. An Kartoffeln sind bei einer allgemeinen Ration von 10 Pfund, wie sie ursprünglich vorgesehen war, auf den Kopf der Bevölkerung und 5 Pfund Wochenzulage für die Schwerarbeiter jede Woche 54000 Zentner oder 270 Toppelwaggon nötig. Wöchentlich würde bei dieser Ration der Ertrag von 900 Morgen Kartoffelland aufgezehrt. Der Verbrauch an Milch betrug im Frieden in Groß=Essen ungefähr ½ Liter auf den Kopf und Tag, das sind insgesamt 160000 Liter. Bei einer Durchschnittsmenge von zehn Liter für eine Kub sind also 15000 Kühe zur Milchversorgung der Stadt Essen erforderlich. I Erhöhung der Höchstpreise für landwirtschaftliche Sämerien. Man schreibt uns: Die offizielle Preiskommission für landwirtschaftliche Sämereien hat in ihrer Sitzung im Landwirtschaftsministerium am 7. Juli beschlossen, beim Kriegsernährungsamt den dringlichen Antrag auf sofortige Erhöhung der Höchstpreise für Gras=, Klee= und Runkelrübensamen zu stellen, um dem Schleichhandel in diesen Sämereien wirksamer begegnen zu können. Auch die Landwirte sollen diesmal in der Preisregelung einbezogen werden. Angesichts der Mißbräuche, die vielerorts mit den von der Landwirtschaftskammer anerkannten Saaten getrieben worden sind, sollen diese mit einem angemessenen Aufschlag gleichfalls unter die Höchstpreise fallen. Um zu verhüten, daß eine Anerkenneng von Saaten stattfinden kann. lediglich um höhere Preise herausholen zu können, sollen Maßnahmen getroffen werden, um durch Plombierung anerkannte Saaten als solche sicherzustellen. Da das Kriegsernährungsamt der Einbeziehung der anerkannten Saaten bei Saatgetreide und Hülsenfruchten bereits zugestimmt hat, dürfte auch der neue Vorschlag der Preiskommission Aussicht auf Annahme haben. Eine Erhöhung der Höchstpreise für Sämereien wäre auch schon aus dem Grunde zu befürworten, daß die hohen Heupreise die Erzeuger veranlassen würden, bei niedrigen Saatpreisen keine Schläge zur Samengewinnung stehen zu lassen. —„Die Höchstpreise für Hülsenfrüchte. Berlin, 26. Juli. 22B.) Die Verordnung über Höchstpreise für Hülsenfrüchte vom 24. Juli 1917 faßt, ähnlich wie die Verordnung über Höchstpreise für Getreide, Buchweizen und Hirse vom 12. Juli 1917, zum Teil bereits früher erlassene Bestimmungen und ergänzende Vorschriften in eine Verordnung zusammen. Die im§ 1 für Hülsenfrüchte festgesetzten Höchstpreise von 60 Mk. bis 85 Mk. für den Doppelzentner sind bereits durch die Verordnung des Bundesrats vom 14. Dez. 1916 für die diesjährige Ernte festgelegt worden. Mit Rücksicht darauf, daß durch die neue Reichsgetreideordnung auch die Wicken beschlagnahmt sind und öffentlich bewirtschaftet werden, sind fur diese Fruchtart ebenfalls Höchstpreise festgesetzt worden. Saatwicken werden jedoch voraussichtlich im nächsten Jahre in größerem Umfange für die unmittelbare menschliche Ernährung verwandt werden. Es ist deshalb der durch die Verordnung vom 18. November festgesetzte Futtermittelpreis für Saatwicken von 38 Mk. jetzt auf 50 Mk. erhöht worden, während für Winterwicken(Vicia vilosa), soweit sie nicht zu Saatzwecken gehandelt werden, ein Höchstpreis von 45 Mk. für den Doppelzentner festgesetzt ist. Der Preis für die Vogelwicke entspricht dem Getreidepreis, da Vogelwicken in der Hauptsache in natürlicher Mischung mit Getreide zur Ablieferung kommen. Die im übrigen festgesetzten Höchstpreise gelten nicht schlechtbin gleichmäßig für alle Sorten Hülsenfrüchte. Der§ 2 stellt vielmehr besondere Grundsätze dafür auf, wie die einzelnen Sorten Hülsenfrüchte zu bewerten sind. Ebenso wie bei der erwähnten Verordnung vom 12. Juli dürfen bei Saataut von Hülsenfrüchten zu den gewöhnlichen Höchstpreisen besondere Zuschläge gemacht werden, die für gewöhnliches Saataut(Handelssaatgut)„anerkanntes Saataut“ verschieden hoch bemessen sind. Hochzucht und Gemüsesaatgut sind preisfrei, wenn die Bestimmungen über den Verkehr mit Saatgut eingehalten werden. Der Begriff des„anerkannten Saatauts“ ist genau festgelegt. Als anerkanntes Saatgut kann jedoch nur erste bis dritte Absaat in Betracht kommen. npt. Verständigung zwischen öffentlichen Sparkassen und Kreditgenossenschaften. Am 10. Juli ds. Is. haben in Berlin Verhandlungen stattgefunden zwischen dem Deutschen Sparkassenverband und den fünf größten deutschen Genossenschaftsverbänden, die sich im„Freien Ausschuß“ eine Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung gemeinsamer Interessen geschaffen haben. In der gemeinsamen Sitzung wurde befchlossen, die Einrichtung von Verständigungsausschüssen in größeren Bezirken näher zu treten, welche die Sicherung eines dauernden Einvernehmens zu gewährleisten hätten. Diesen Ausschüssen soll auch die Aufgabe übertragen werden, sowohl für die Sparkassen als auch für die Kreditgenossenschaften einheitliche Richtlinien für ihre Zinspolitik aufzustellen und durchzuführen. Es wurde weiterhin ein Einverständnis darüber erzielt, 1. daß jede kaufmännische Reklame der Sparkassen zu unterbleiben habe: 2. daß ein Zwang zur Einrichtung von Konten bei bestimmten Stellen nicht zu billigen sei und daß, wenn jemand ein Konto bei einer bestimmten Stelle bereits besitzt oder zu errichten wünscht, dies zu respektieren sei. Es wurde allseits die Erwartung ausgesprochen, daß bis auf Weiteres Angriffe und gegenseitige Eingaben an die Zentralstellen unterbleiben würden. Eine zweite Verständigungskonferenz wird in den nächsten Tagen stattfinden und sich in erster Linie mit der Organisation der zu errichtenden Verständigungsausschüsse befassen. Aus der Stadt. Münster, 27. Juli. c Bohnenernte durch Gymnasiasten. In diesen Tagen haben 32 Schüler der Obersekunda des Paulinischen Gymnasiums unter Führung eines Lehrers mehrmals für die Stadt Münster in den Rieselfeldern Bohnen geerntet. Mit großem Eifer gingen die Jünglinge an die Arbeit, die sie in gewissenhafter Pflichterfüllung gegen Vaterland und Vaterstadt freudig verrichteten. Für ihre Verpflegung war in bester Weise gesorgt: und abends konnten sie stets voller Stolz auf das Ergebnis ihrer Arbeit blicken: einen großen Wagen voll schönster Bohnen. Die Hausfrauen Münsters werden den fleitzigen Schülern, die sich auch in Zukunft gerne zur Verfügung stellen, für die freundliche Hülfe sicher dankbar sein. A Diebe drangen in der Nacht zum Donnerstag in den Keller einer Bäckerei an der Sophienstraße und stahlen eine größere Menge Brot und Mehl. Aus den Provinzen. ( Beckum, 26. Juli.[Vom Blitz erschlagen.) Bei dem gestrigen Gewitter wurde im hiesigen Kirchspiel, Bauerschaft Hinteler, die Ehefrau Franz Schulte auf dem Felde vom Blitz erschlagen. □ Letmathe, 27. Juli.(Stiftung.) Neuerdings hat die Firma Marks u. Co. eine Stiftung von 50000 Mark zugunsten von Kriegsbeschädigten bezw. Hinterbliebenen von Gefallenen, zunächst ihrer Firma, errichtet. □ Lünen, 26. Juli.(Pilzvergiftung.— Liehesaabendiebe.] Zwei neue Sterbefälle infolge Pilzvergiftung sind hier vorgekommen. Nachdem vor einigen Tagen die Eheleute Gralla 2 Kinder durch Vergiftung verloren haben, sind neuerdings die 8 und 3 Jahre alten Kinder der Familie des Kesselheizers Behrendt auf gleiche Weise zu Tode gekommen. Die Frau Behrendt liegt infolge des Pilzgenusses krank darnieder. während ihr Mann sich wieder erholt hat.— Auf dem Bahnhof Lünen=Süd wurden polizeilicherseits 2 Personen festgenommen, die aus einem verschlossenen Waggon Liebesgabenpakete, die für hiesige Kriegsgefangene bestimmt waren, nächtlicherweile gestohlen hatten. Schüttorf, 26. Juli.(Schenkung.) Bankier Hermann ten Wolde überwies der Stadtverwaltung eine Schenkung von 1000 Mark, mit der Bestimmung, daß hiervon minderbemittelten Haushaltungen Beihülfen zur Anschaffung von Mastschweinen gewährt werden sollen. Bielcjeld, 26. Juli.(Die Kaiserin) hat heute morgen 11 Uhr, von Münster kommend, den Bodelschwinghschen Anstalten einen Besuch abgestattet. Nach der Rundfahrt, die fast zwei Stunden dauerte und bei der die Kaiserin zahlreiche Feldgrauen durch Ansprachen auszeichnete, fand im Zionswalde eine Begrüßungsfeier statt, an der mehr als 5000 Personen teilnahmen. Um 5 Uhr reiste die Kaiserin, in deren Begleitung sich die Prinzessin August Wilhelm und der Oberpräsident von Westfalen. Prinz von Ratibor, befanden, über Poderborn nach Wilhelmshöhe weiter. Ger'chtszeitung. Harburg, 26. Juli.„Ihr Treiben arenzt an Laudesverxat!“ rief der Vorsitzende des hiesigen Schöffengerichts dem Landwirt Peter Rehm aus Buchholz zu, der sich wegen Verheimlichung von Kartoffelvorräten zu verantworten hatte. Er hatte im Walde 45 Zentner Kartoffeln vergraben, auch bei der Bestandsaufnahme am 1. März 20 Zentner zu wenig angegeben. Als man sein Geheimnis entdeckt, wurden noch 37 Zentner gute Kartoffeln ausgegraben. Gegen das gelinde Strafmandat von 150 Mk. legte er Berufung ein und exzielte eine Erhöhung der Geldstrafe auf 300 Mk. Von einer Freiheitsstrafe wurden wegen bisheriger Unbescholtenheit abgesehen. Vermischtes. * Graz, 26. Juli. Die Grazer Universität hat Peter Rosegger und dem Komponisten Wilhelm Kienzl den juristischen Ehendoktortitel verliehen. * Die Wünschelrute im Dienste des Waidwerks. Im Anschluß an unsere neulichen Mitteilungen über die Wünschelrute im Kriege sei folgendes über den Nutzen der Wünschelrute im Dienste der Forstwirtschaft und des Waidwerks mitgeteilt, was H. A. von Bvern in der Jagdzeitung„St. Hubertus" veröffentlicht: Da auf einem 14000 Morgen großen Rittergutsforst in Posen außer einem einzigen Flußlauf keine Quelle und kein fließendes Gewässer vorhanden war, blieben alle Versuche zur Ansiedlung von Fasanen und Birkwild ergebnislos. Daraufbin stellte der Berichterstatter mit der Wuschelrute in dem Revier an nicht weniger als 34 Stellen Wasser fest. Zwei der durch die Wünschelrute angegebenen Quellen zeigten sich als so mächtig, daß man durch sie ein Geländestück von 120 Morgen in Bruchland verwandeln und außerdem 2000 Morgen ausgiebig bewässern konnte. Schon im nächsten Jahre waren in dem Revier Birkwild und Fasanen als Standwild heimisch auch Rotwild und Rehe stellten sich mit Vorliebe ein. In einem anderen Falle haudelte es sich um ein mecklenburgisches Revier, nämlich um eine Gutsjagd von ungefähr 1000 Morgen. Auch hier klagte man über Wasserarmut, durch die Wünschelrute aber wurden mehrere Quellen und zwei Wasseradern bloßgelegt. Dadurch konnte man, was früher nicht möglich gewesen: war,: sog. „Suhlen“ für das Schwarzwild anlegen, und außerdem war die Anlage von mit Topinambur und Mais bestandenen Wildäckern möglich. Auch in einem dritten Falle wurde durch die Wünschelrute soviel Wasser entdeckt, daß in dem betreffenden Gelände Jagd- und Forstwirtschaft ganz außerordentlich gesteigert werden konnte. Handel und Industrie. X Burgsteinfurt, 26. Juli. Der heute hier abgehaltene Viehmarkt war gut besucht. Es kosteten: Arbeitspferder 1. Sorte 4200—5000 Mk., 2. Sorte 2400—3300 Mk.. junge Pferde 3000—3600 Mk., Fohlen 1300—1700 Mk., Kühe 1. Sorte: 1150—1350 Mk., 2. Sorte 630—850 Mk., tragende Rinder: 1. Sorte 700—875 Mk., 2. Sorte 525—660 Mk., tragende Schweine 210—250 Mk., ½jährige Schweine 105 bis 125 Mk., ½jährige 50—55 Mk. Ferkel wurden pro Alterswoche durchschnittlich mit 2.50—3,00 Mk. bezahlt les waren im ganzen angetrieben: 152 Pferde, 31 Stuck Rindvieh und 789 Schweine und Ferkel. Der Handel war recht levyaft und wurde der Markt fast geräumt.— Der nächste Markt findet am 16. August statt. Hauptredakteur Rudolf Strietholt.— Us verantworten: den redaktionellen Teil Paul Koene, die Reklamen und Inserate Anton Busch, alle in Münster.— Druck und Verlag der Aschendorffschen Buchhandlung in Münster. Tolenbriofo werden schnell u. billig angefertigt. Aschendorfische Buchdruckerei. Wohnungs= und Setten=Anzeiger. 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