a cehne „Wochonschaur) in Münster gweimal äglich frsi ins haus gebracht 2 Mk. 10 Pfg.,— auswärts von der Post ab geholt 2 Mr. 10 Pig., durch den Briesträger gebracht überall, mo nurr einmal im Tage Briefbestellung stattfindet, 2 Mk. 52 Pfe. Orten mit zwei= und mehrmaliger Bestellung 2 2. 28 Pfg.— Ausgabe 8(urit„Wochenschau“) vierteljährlich 60 Pfg. mehr. Redaktion u. Verlag Nr. 2443, 2440 u. 2450. bostelle(Michgelisplatz 9) Nr. 76. SI S P Zwei Ausgaber tglig. und Münsterische Volkszeitung. 44.009 Wbomenten. Enzeigen: Der Raum für die Engelgunsspatte, 20 mm breit, fl. 2mm hoch, 25 Pf.; bei Anzeigen aus dem Münster 20 Pf., aus der Stadt Münster 15 Pf.(Für Aktiengesellschaften 2c., Vereine und Behörden 25 Pf.: Reklamen: Der Raum für die Reklamespalte, V7mme breit, Imm hoch, 1 Mk.— Für Erfüllung von Plaz= vorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druckfehler keine Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gilt als Kassenrabatt u. kann verweigert werden, wenn Zahlung nicht dinnen 4 Wochen nach Erhalt der Rechnumnng erfolgt.— Gebühr für Beilagen nach Cewicht Dritte Ausgabe. Donnerstag, 5. April 1917. 66. Jahrgang. Nr. 247. Kräftig burchgeführtes Anternehmen dei Keims. Über 800 gefangene Franzosen.— Wieder erhebliche Verluste der Engländer. Ein großes Munitionslager bei Vendresse zur Entzündung gebracht.— Erfolgreiche Vorstöße an verschiedenen Stellen der Ostfront. Der amerikanische Senat erklärt den Kriegszustand. Washinton, 5. April.(W2B.) Renter. Der Senat hat mit 82 gegen 6 Stimmen die Resolution, die den Kriegszustand erklärt, angenommen. * Die„Times“ wußten schon vorher zu melden: Es steht außer Zweifel, daß die Kriegsresolution im Repräsentantenhause nach mehrtägiger Debatte mit überwältigender Mehrheit angenommen wird. Die Deutschen und ihre Anhänger sind in völliger Verwirrung. Die„Staatszeitung“ gibt ihren Lesern den Rat. Amerikaner zu sein, während Hearst seine Jingorolle wieder aufnimmt. Hearst spricht sich übrigens gegen ein Zusammenwirken mit den Ententemächten aus. Der Unterstaatssekretär des Marine=Departements Franklin Rooseveld teilte amtlich mit, daß Maßregeln für ein sofortiges Zusammenwirken mit England und Frankreich getroffen sind. Nach einer Londoner Devesche des„Algemeen Handelsblad“ ist das Repräsentantenhaus durch seine Geschäftsordnung in der Lage, die Resolution schnell zu erledigen. Rotterdam, 5. April.(WTB.) Über die Senatsberatung meldet eine Reuter=Privat=Depesche noch folgende Einzelheiten: Der Kapitän Afolette, der vorgestern die Vertagung der Beratung auf gestern durchgesetzt hatte, war gestern nicht anwesend. Die Beratung wurde eröffnet von Hitchrock, der ausführte, daß die Zeit der Worte vorüber und der Augenblick zum Handeln gekommen sei. Der Präsident habe klar und überzeugend die Gründe dargetan, die den ersten Schritt erforderlich machten. Der Antrag bezwecke, gegen die kaiserlich-deutsche Regierung Krieg zu führen, und lege die Verantwortung für den Krieg völlig auf die Schultern der deutschen Regierung, die den Vereinigten Staaten gegenüber zahlreiche Kriegstaten begangen habe. Die Annahme des Antrages bedeutet zweifellos die Kriegserklärung.„Wir wollen,“ so sagte er weiter,„keine Kriegseroberung oder Entschädigungen, wir haben keine historischen Feindschaften auszutragen. Wir wollen unser Geld und Blut ohne Nebengedanken an Gewinn vergießen,(!) wir gehen in den Krieg, um unsere Ehre und Unabhängigkeit als großes Volk zu behaupten und die Menschheitsrechte zu verteidigen. Ich war dem Kriege abgeneigt und habe meinen Einfluß gegen den Krieg eingesetzt, sogar noch, als ich wußte, daß das Volk nach Krieg schrie und die Mehrheit des Kongresses dafür war. Ich suchte den Präsidenten auf und bat ihn, noch länger an der Politik der bewaffneten Neutralität zu verweilen, aber der Präsident besaß Informationen, die das unmöglich machten. Jetzt ist das Land und der Kongreß bereit. und wenn auch noch nicht abgestimmt wurde, so ist die Entscheidung doch schon gefallen. Der Krieg ist sicher.“ Swanson sagte, nachdem er eine Aufzählung der versenkten amerikanischen Schiffe gegeben, und weitere angebliche Übeltaten der Deutschen angeführt hatte, daß die Verschwörung des Staatssekretärs Zimmermann niederträchtig war.“ Was konnte Deutschland noch weiter tun, um den Krieg gegen die Vereinigten Staaten zu entfesseln? Wir können den Krieg nicht vermeiden.“ Senator Lodge sagte zur Unterstützung des Antrages: Die Vereinigten Staaten müßten die deutschen Schiffe in den amerikanischen Häfen beschlagnahmen und sie verwenden, um durch sie die durch deutsche U-Boote versenkten Schiffe zu ersetzen. Lodge richtete dann einen Appell an Demokraten und Republikaner: Sie müßten ihre Parteistreitigkeiten jetzt bekseite schieben. Er betonte die Notwendigkeit einer allgemeinen Wehrpflicht und das Zusammenarbeiten mit der Entente. Diese bekämpfe einen Feind der jetzt auch der Feind der Vereinigten Staaten wäre. Vorläufig könne Amerika keine großen Armeen über See schicken. Es würde ihn aber freuen, wenn man— 10000 Mann absenden könne, damit die amerikanische Flagge vorläufig auf den französischen Schlachtfeldern wehe. Der schlimmste von allen Kriegen wäre ein Wasserkrieg.„Wenn wir kämpfen wollen, müssen wir kämpfen für das, was uns heilig ist. Wir gehen in diesen Krieg, um die menschliche Freiheit, die Demokratie und die moderne Zivilisation zu schützen. Wir bekämpfen eine Nation, die die Bewohner der eroberten Länder in Knechtschaft fortführt, die bei ihren Bemühungen, die Menschen zu beseitigen, vor keinem Unrecht zurückschreckt und keinen Vertrag innehält. Durch den Sieg, den wir erringen wollen, wollen wir den Frieden der Welt auf Freiheit und Demokratie begründen, einer Welt, die nicht durch eine preußische Militärautokratie, sondern durch den Willen der freien Völker beherrscht werden soll. Wir werden dann imstande sein, zu sagen, daß wir mitgeholfen haben, jenen großen Segen der Menschheit zu bringen und daß wir nicht vergeblich gekämpft haben.“(Beifall.) Der Senator Wardanman war der erste, der erklärte, daß er gegen die Entschließung stimmen würde. Stone erklärte sich ebenfalls gegen die Entschließung, aber beide sagten, daß sie die Regierung sofort unterstützen würden, wenn Krieg da sei. Darauf sprachen auch Mac Cumber und Morries gegen den Antrag, betonten aber, daß, sie, wenn der Krieg komme, sich loyal verhalten würden. * Berlin, 5. April.(W2B.) Für den Jubel der Ententepresse über die Botschaft Wilsons bringen die Blätter Beweise aus Lodon. Paris und Rom. Zu den Überschwenglichkeiten gehört es, wenn ein italienisches Blatt sagt, die gesamte gesittete Welt habe sich nun gegen Deutschland erklärt, das in seiner barbarischen Kriegführung sich selbst von der Menschheit losgesagt habe, ebenso daß einige Pariser Blätter meinen, daß mit dem Anschluß Amerikas der eigentliche Kreuzzug der Menschheit gegen das Barbarentum beginnen werde. Ein englisches Blatt sagt, niemals seien in der Weltgeschichte zwei derartige Erklärungen erfolgt, wie die, welche in den letzten Tagen in Rußland und Amerika vernommen worden seien. Wilson, der sich noch vor wenigen Monaten, als man in Paris glaubte, daß Hugbes gewählt sei. die grausigsten Schmähungen seitens Frankreichs gefallen lassen mußte, erlebt jetzt die Genugtuung, sich von allen französischen Blättern als der unerbittliche Mann des Rechts gefeiert zu sehen. Dabei verkennen aber einige Blätter nicht, daß Wilson nicht in Erwägung gezogen habe, daß das deutsche Volk schwerlich Verständnis für die von Wilson gemachte Unterscheidung zwischen dem preußischen Militarismus und dem deutschen Volke haben werde. über die Auswüchse der Kriegsbegeisterung in manchen Teilen Amerikas sagt die Berliner Morgenpost: Wir kennen diese Kriegsbegeisterung und ihre Macher zur Genüge und wir können das mißleitete amerikanische Volk nur bedauern, daß es den durch ihre Riesengewinne am Kriege interessierten Kriegshetzern zujubelt, wenn sie es auf die Schlachtbank zu führen im Begriffe sind. In der„Kreuzzeitung" heißt es: Wer noch davon zu reden wagt, daß die Demokratie der Frieden und die Gerechtigkeit sei, gehört zu den Unbelehrbaren. Im Vorwärts heißt es: Nach der Darstellung Wilsons muß es scheinen, als waren wir eine asiatische Desvotie des Altertums, in der ein ganzes Volk für die Zwecke einer einzigen Familie geopfert wird. Um diese Übertreibung zurückzuweisen, genügt es daran zu erinnern, daß der amerikanische Großes Hauptauartier, 5. April.[W28.) Westlicher Kriegsschauplatz, Der heftige Artilleriekampf zwischen Leus und Arras hielt auch gestern an. Nördlich der Straße Péronne setzten nach mehrmals gescheiterten Vorstößen die Engländer abends zu einem neuen Angriff starke Kräfte ein, denen unsere Truppen wieder erhebliche Verluste zufügten und dann auswichen. Südwestlich von St. Quentin wirkte die französische Artillerie mehrere Stunden gegen von uns geräumte Gräben. die anschließend kampflos von der französischen Infanterie besetzt wurden. Bei Laffaux wurde ein Vorstoß der Franzosen zurückgewiesen. Unsere Batterien brachten ein Munitionslager bei Vendresse(nördlich der Aisne) zur Entzündung. Erderschütterung und Knall wurden bis 40 Kilometer hinter der Front wahrgenommen. Ein wirksam vorbereitetes und kräftig durchgeführtes Unternehmen nördlich von Reims ist gelungen. Wir brachten dem Feinde eine blutige Schlappe bei und machten über 800 Gefangene. Botschafter in Berlin Gerard erst vor ein paar Wochen gesagt hat: Seit dem Jahre 1870/71 seien die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten nie so gut gewesen, wie gegenwärtig. Und damals tobte schon seit 2½ Jahren der Krieg, von dem Wilson jetzt sagt, er sei von dem autokratisch regierten Deutschland vom Zaun gebrochen worden. Und dann noch Freundschaft? An ihren Freunden sollt ihr sie erkennen! Der österreichische Tagesbericht. Wien, 5. April.(WTB.) Amtlich wird verlautbart: Ostlicher Kriegsschauplatz. Außer einigen mit Erfolg ausgeführten StoßtruppsUnternehmungen nichts zu melden. Italienischer Kriegsschauplatz. Bei klarer Sicht im allgemeinen lebhaftere Artillerieund Fliegertätigkeit als in den letzten Tagen. Unsere weittragenden Geschütze beschofsen mit anter Wirkung eine feindliche Truppenparade östlich von Cormon. Italienische Marineflieger warfen auf Nabresina und Sistiana Bomben ab. Unsere Ortschaften im Etschtal und Arco standen abermals unter Artilleriefeuer. Im letzteren Orte wurde die Pfarrkirche beschädigt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Im Bereich unserer Truppen keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Cheis des Generalstabes: v. Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Der bulgarische Tagesbericht. Sofia, 5. April.(WTB.) Generalstabsbericht vom 4. April: Mazedonische Front: Auf der ganzen Front schwaches Artilleriefeuer. Im Wardartal Gewehr= und Maschinengewehrfeuer zwischen Posten südlich von Gewaheli. Feindliche Patrouillen, die sich unseren Posten zu nähern versuchten, wurden durch unser Feuer verjagt. Rumänische Front: Nichts Neues. Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 5. April. Amtlicher Heeresbericht vom 4. April: Diala=Front: Die Engländer und Russen setzten ihren Rückzug vor unseren Linien fort. Kaukasus=Front: Auf dem linken Flügel wurden an zwei Stellen starke Aufklärungs=Abteilungen des Feindes zurückgeworfen. An den anderen Fronten kein wichtiges Ereignis. Die amtlichen Berichte der Feinde. Französischer Heeresbericht vom 4. April, nachmittags: Estlich und westlich von der Somme sind wir an der ganzen gestern von uns angegriffenen Front vorgedrungen. Unsere Erkundungsabteilungen drangen über Dallon hinaus bis in die südwestlichen Vorstädte von St. Quentin vor. Nordöstlich von Castres erreichten unsere Truppen den Südrand von Grugies. Auf unserer Rechten wurde das Dorf Moy=sur=Oise völlig erobert. Der Feind übte mit seiner Artillerie lebhaft Vergeltung, besonders gegen die Gegend von Essigny. Südlich von der Aillette dauerten die Kämpfe an den Dorfrändern von Lafaua und im Dorfe selbst fort, in das wir trotz des erbitterten Widerstandes des Feindes, der jeden Fuß breiten Boden verteidigt, eindrangen. Südlich von Vauveny brachen sich deutsche Gegenangriffe an unserem Feuer, das den Angreifern schwere Verluste beibrachte. Wir wiesen zwei feindliche Angriffsversuche gegen unsere kleinen Posten nordwestlich von Prosnes und östlich von Auberive mühelos ab. Von dem Reste der Front ist nichts zu melden.— Abends: Während des Tages fuhren unsere Truppen trotz heftigen Schneesturmes und des durchweichten Bodens fort, den Feind auf der ganzen Front von der Somme bis zur Oise zurückzudrängen und warfen ihn bis hinter die sehr wichtige Stellung zurück, die durch die Dörfer Grugies, Urvillers und Moy bezeichnet wird, und von unsern Truppen glänzend genommen wurde. Nördlich des Gehöftes Folie verließen die Deutschen, in Verwirrung gebracht durch den unwiderstehlichen Angriff unserer Soldaten, überstürzt drei Grabenlinien mit den davor befindlichen Drahtverbauen, wobei sie Verwundete zurückließen. Bedeutendes Material, drei 15 Zmtr.=Haubitzen und mehrere Trainwagen fielen uns in die Hände. Südlich der Ailette keine Anderung der Lage. Die Artillerietätigkeit in der Gegend von Maraival und Lafaux war heftig. In der Woevre=Ebene nahmen unsere schweren weittragenden Geschütze feindliche Abteilungen unter Feuer, deren Vorhandensein am Bahnhof von Vigneulles. gemeldet wurde. An der übrigen Front Beschießung mit Unterbrechungen. In den Vogesen wurde ein deutsches Flugzeug durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze zum Absturz gebracht. Belgischer Bericht vom 4. April. Feld= und Grabenartillerie war Tag und Nacht in der Richtung auf Dixmuiden, das Färmannshaus und Hei Sas tätig. Der Feind beschoß Ramscapelle. Ostlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Südlich von Riga brachen unsere Stoßtrupps in die russische Stellung ein, sprengten einige Unterstände und kehrten mit Gesangenen und Beute zurück. Bei Czeviel südlich von Brody holten unsere Stoßtrupps bei einem Vorstoß 41 Gefangene und ein Maschinengewehr aus den feindlichen Gräben. Front des Generalobersten Erzherzogs Josef. Keine wesentlichen Ereignisse. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Aus dem rechten Sereth=Ufer bei Garleasea drangen Erkundungsabteilungen in einen russischen Stützpunkt und kehrten mit 30 Gefangenen und zwei Minenwerfern in die eigenen Linien zurück. Mazedonische Front Auf der Crvena=Stena westlich von Mona# stir wurden den Franzosen einige aus den letzten Kämpien verbliebene Gräben wieder entrissen. Der Erste Generalqnartiermeister Ludendorff. Bericht der französischen Orient=Armee vom 3. April. Gewehr= und Geschützfeuer in der Gegend nördlich von Monastir und zwischen den Seen.— Der Feind warf mehrere Fliegerbomben auf das Hospital von Vertekop. Britische Flieger bewarfen mit Erfolg Fahrzeugschuppen von Hudovo und stellten Brände und Explosionen fest. Die Revolution in Rußland. Petersburg, 5. April.(WTB.) Ministerpräsident Fürst Lwow teilte einer Abordnung mit, daß Frauen an den Wahlen für die konstituierende Versammlung teilnehmen werden. Petersburg, 5. April.(WTB.) Meldung der Petersburger Telegraphen=Agentur. Die Regierung hat einen von allen Ministern unterzeichneten dringenden Aufruf an die Arbeiter der metalkurgischen Fabriken des südlichen Rußlands gerichtet, in dem sie aufgefordert werden, die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufzunehmen. In dem Aufruf beißt es: Vergeßt nicht, daß der Feind seinen Bedarf unaufhörlich vermehrt. Helft euren Brüdern in den Schützengräben, den Gegner zu vertreiben und die Freiheit Rußlands zu befestigen. Die provisorische Regierung hat angeordnet, daß 500 Geiseln feindlicher Staatsangehörigkeit, die im feindlichen Gebiet bei den verschiedenen Offensiven der russichen Truppen gefangen genommen wurden, wieder in Freiheit gesetzt werden sollen, da sie die Gefangennahme von Personen, deren einziges Vergehen die Treue gegen ihr Vaterland darstellt, für nicht gerechtfertigt ansieht. (e: Stockholm,(BB.] Der berüchtigte Mönch Iliodor, der Feind Rasputins, der gegenwärtig in Amerika eine Filmgesellschaft begründet, kündigt in Petersburger Zeitungen telegraphisch seine bevorstehende Rückkehr an. Er wolle die Kaiserliche Familie in„glühenden Massen ertränken.“ Er werde sofort seine Memoiren unter dem Titel„Der heilige Teufel" veröffentlichen. Sofia, 5. April.(Köln. Ztg.) Die Zeitung„Mir“ bringt einen beachtenswerten Leitartikel über den inneren Kampfin Rußland. Nach einem geschichtlichen Rückblick über die innere Entwicklung Rußlands heißt es, es sei ein Irrtum zu glauben, daß die Revolution beendet sei. Die Etikette des alten Regimes könne schnell entfernt werden; die innere Wandlung aber brauche Zeit. Der Kampf, der jetzt zwischen den radikalen und gemäßigten Elementen geführt wird, schwächt, so wird weiter ausgeführt, die Lage der Gemäßigten, welche die Revolution durchführen wollen, aber auch sogleich zur Fortsetzung des Krieges sich bekennen, weshalb auch der Verband behauptet, die jetzt bestehende Regierung sei für die Fortsetzung des Krieges. Nach den Wiener und Berliner Reden aber kann der Verband die Mittelmächte nicht mehr als Stützen des Zarismus hinstellen. Den Russen selber muß das klar werden, und das erschwert Miljukows und Lwows Stellung zum Kriege; denn sie können über die Radikalen nur siegen, wenn sie für den Frieden eintreten. Aber Rußland wird keinen Separatfrieden schließen. Kommt der Friede, so wird er gemeinschaftlich geschlossen. So wie Rußland und der Verband einsehen, daß Rußland nicht gleichzeitig zwei Kriege führen kann, nach innen und nach außen, muß der Friedenswunsch die Oberhand, gewinnen. Rußlands Lage kann dann als Entschuldigung dafür dienen, daß der Verband den Krieg nicht bis zum endgültigen Siege habe führen können. Ein Ablommen über die Zukunft der Romanow. Stockholm, 4. April. Wie der Vertreter des„Hamburger Fremdenblattes" vernimmt, kam zwischen dem Petersburger Arbeiterrat und der Interimsregierung ein Abkommen über die Zukunft des Zaren und dessen Familie zustande. Die Überführung ins Ausland geschieht, sobald die Volksstimmung einigermaßen beruhigt ist, unter allen erforderlichen Maßregeln für die persönliche Sicherheit der Mitglieder des Kaiserhauses. Die=Reise geschieht in Anbetracht des gefährdeten Seeverkehrs nicht über einen Hafen der Murmanküste, sondern durch Skandinavien. Überhaupt erscheint die Übersiedelung nach England fraglich, obwohl schon jetzt eine Abordnung englischer Offiziere in Zarskoje Sselo den Auftrag erhielt, die persönliche Freiheit des Zaren zu verbürgen. Wie ich erfahre, knüpften die drei nordischen Regierungen im Namen ihrer Staatsoberhäupter an die inzwischen vollzogene offizielle Anerkennung der vorläufigen russischen Regierung gemeinsam die Bedingung eines freien Geleits für die Zarensamilie bis zur schwedischen Grenze. Miljukow erhielt zu der Vereinbarung die Zustimmung des Arbeiterrats durch Tscheidses Dazwischentreten. In Anbetracht der bevorstehenden Entlassung zahlreicher Zivilgefangener aus Rußland wird demnächst in Haparanda ein deutsches Konsulat eröffnet werden. Standrechtliche Erschießung russischer Offiziere. Stock= holm, 4. April.(EK.) Der persönliche Adjutant des Zaren General Wojeikow, der die Behauptung aufgestellt hat, der frühere Kaiser habe den Deutschen die rusfische Front öffnen wollen, setzt seine Enthüllungen fort und erhebt gegen eine ganze Anzahl russischer Offiziere schwere Anklagen. Auf Grund der von General Wojejkow gemachten Angaben sind bereits mehrere bundert(l) russische Offiziere abgeurteilt und standrechtlich erschossen worden. Der Seekrieg. London, 5. April.(WTB.) Die Admiralität teilt mit: Ein Minensucher alten Typs ist auf eine Mine gelaufen und gesunken. 24 Mann der Besatzung werden vermißt. London, 5. April.(WTB.) Meldung des Reuterschen Büros. Ein weiteres Boot des Dampfers„Alubiekcastle“, 5900 To., der am 19. März torpediert wurde, ist mit 19 Überlebenden aufgefunden worden. Diese wurden in Newyork gelandet. Von den an Bord des Dampfers befindlichen Personen wurden zusammen 116 gerettet und 13 getötet. 25 werden vermißt. Kovenhagen, 5. April.(WTB.)„Berlingste Tidende" meldet aus Bergen: Die Bergener Handelsflotte erlitt im März einen Verlust von 17 Schiffen von zusammen 29000 Tonnen. Ein Bergener Dampfer brachte in Bergen die Besatzung des torpedierten englischen Fischdampfers„Petrelle“ aus Grimsby ein. Die Besatzung war erschöpft, als sie von dem norwegischen Dampfer ausgenommen wurde. über die Verluste der englischen Handelsflotte bringt die„Köln. Ztg.“ die 13.Liste, die mit 155 Schiffen mit etwa 421142 Tonnen abschließt. Die Listen 1—12 enthielten 1245 Schiffe mit etwa 2947 475 Tonnen, so daß sich ein Gesamtverlust ergibt von 1400 Schiffen mit etwa 3368617 Tonnen. Da zu Beginn 1914 die englische Handelsflotte aus 11328 Schiffen über 100 Tonnen Raumgehalt bestand, beträgt der Verlust bei dem Untergang— durch Torpedierung. Mine oder aus andern, mit dem Kriege nicht zusammenhängenden Ursachen— im Verhältnis zum damaligen Bestand bei 1400 Schiffen 12½ Prozent. Betrachtet man das Verhältnis des vernichteten zum vorhandenen Laderaum, so gestaltet sich die Lage für England wesentlich ungünstiger. Der Laderaum betrug 1914 21045049 Tonnen; ein Verlust von 3368617 Tonnen macht also 16 Prozent des ganzen Raumes aus. Ein englisches Torpedoflottillen=Flaggschiff torpediert. Amsterdam, 5. April.(Köln. Ztg.) Das Haager Korrespondenzbureau erfährt von gut unterrichteter Seite, daß der englische Zerstörer„Laforey“, das Flaggschiff der Zerstörerflottille von Dover, am 23. März 5 Seemeilen nordwestlich vom Kap Gris Nez torpediert worden und gesunkenist. Von den Kriegsschauplätzen. Wien, 4. April. Nach der militärischen Wochenübersicht der Blätter wuchs an der italienischen Front während der stillen Zeit des ersten Vierteljahres die Zahl der Gefangenen auf 57 Offiziere, 2887 Mann, die Beute auf 2 Geschütze, 31 Maschinengewehre und 7 Minenwerfer an. Konstautinopel, 3. April.(WTB.) Bei einem am Nachmittag von dem Großwesir in seiner Eigenschaft als Haupt der Partei für Einheit und Fortschritt den Parteimitgliedern gegegebenen Tee hielt Enver Pascha, der von einem Besuche im deutschen Hauptquartier von der Westfront zurückgekehrt ist, eine Ansprache, in der er die mili tärische Lage schildert, die, wie er sich ausdrückte, sehr befriedigend und beruhigend an der West= und Ostfront sei. Hinsichtlich des deutschen Rückzuges erklärte der Minister, dieser sei eine Maßnahme, die an Wert einem Siege gleichkomme. Die Ausführungen des Ministers machten einen großen Eindruck. (21 Die Kriegslage. Berlin, 5. April. Seit der Zurücknahme unserer Front haben sich wesentliche Anderungen in der Kampffront auf dem geräumten Gebiet noch nicht ergeben. Zwischen Arras und der Aisne hat die Front noch keine starre Form angenommen, sondern ist beweglich geblieben. Die Engländer, die bis in den letzten Tagen des März sehr vorsichtig nachrückten, versuchen jetzt, mit mehr Nachdruck vorwärts zu kommen. Pahrscheinlich haben sie ihre Vorwärtsbewegung von dem Heranbringen starker Artillerie und Munition abhängig gemacht. Wenn sie aber nun von großen Erfolgen sprechen, so ist dementgegenzuhalten, daß ihnen immer nur sehr schwache Streitkräfte gegenüberstanden. Am wenigsten Boden haben die Engländer auf dem nördlichen Flügel gewonnen. An der Straße Bapaume— Cambres schoben sie ihre Linie einen Kilometer vor. Südlich in der Gegend von Epehy—Conssoy—Templeux und vor allem auf dem südlichen Flügel, bei St. Quentin, setzten sie erhebliche Kräfte ein. St. Quentin scheint das Hauptziel ihrer Angriffe zu sein, ebenso wie das der Franzosen. Die Engländer sind bis auf 3½ Kilometer an die Stadt herangekommen. Inzwischen haben die Franzosen sich zwischen Somme und Aisne ebenfalls vorgearbeitet bis zu dem Orte Ourvillers—Grudis. Sie stehen mit dem linken Flügel ebenfalls 2—3 Kilometer vor St. Quentin. Tadurch ist St. Quentin in die Kampflinie einbezogen. Es ist weiter abzuwarten, ob englische und französische Granaten hier das gleiche Zerstörungswerk vornehmen werden, wie in Bapaume und Peronne. Auf den übrigen Teilen des Kampfgebietes haben sich erhebliche Veränderungen noch nicht vollzogen. Aus aller Welt. Zürich, 5. April.[KG.) Der„Tagesanzeiger“ meldet aus Turin: Giolitti ist zum 3. April in das italienische Hauptquartier berufen. Kopenhagen, 4. April.(WTB.)] Nach der„Berlingske Tidende“ sagte„Nya Daglicht Allehanda“ anläßlich der Meldung des„Sozialdemokraten", daß Branting vor seiner Abreise nach Petersburg dem Minister des Außeren einen Besuch abstattete und dieser ihm Glück zur Reise gewünscht habe: Diese Meldung sei im höchsten Maße illoval. Der Minister des Außern hatte keineswegs den Besuch Brantings veranlaßt und daß das Blatt das letztere und die Höflichkeit des Ministers mißbrauche, stärke nur den Verdacht, den man mit den Absichten der Reise Brantings habe. Deutschen Wien, 5. April.(WTB.] Wie die„Neue Freie Presse“. hört, nahmen die Besprechungen zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem österreichisch=ungarischen Minister des Außern, Grafen Czernin. einen sehr befriedigenden Verlauf und haben wie immer zu einer vollkommen einheitlichen Auffassung in allen Fragen geführt. Die Junggesellensteuer. Berlin, 4. April.(B8.) Nach Annahme porlamentarischer Kreise steht die preußische Finanzverwaltung dem Gedanken der Einführung einer Junggesellensteuer durchaus wohlwollend gegenüber und läßt das einschlägige Material bearbeiten. Aber wobl erst nach dem Kriege dürften die Vorarbeiten zu einem Gesetzentwurf heranreisen. Im Zusammenhang damit werden auch Steuererleichterungen für kinderreiche Familien erwogen. der deutschsprachigen Presse e.V. 0 Der Landwirtschaftsminister und der Deutsche Bauernbund. Von Zeit zu Zeit fühlt der„Deutsche Bauernbund" das besondere Bedürfnis, zu zeigen, daß er eine sehr eigenartige Vertretung der Landwirtschaft ist und über ihre Interessen eine ebenso unrichtige Meinung besitzt wie über ihre Auffassung und Ansichten. Er zeigt das gegenwärtig in seiner Stellungnahme zum preußischen Landwirtschaftsminister und zu der gegen Freiherrn von Schorlemer veranstalteten Hetze. In verschiedenen, natürlich linksliberalen Zeitungen, wie der „Voss. Zta. hat der Generalsekretär des Bundes Dr. Böhme sich ganz im Sinne dieser Presse ausgelassen, und die„Frift. Ztg. bringt jetzt einen Aufsatz aus dem„Deutschen Bauernbund“. dem Organ dieser Vereinigung. ans Tageslicht, in dem dem Landwirtschaftsminister eine ganze Reihe von Vorwürfen gemacht wird über Maßnahmen, die ihm angeblich das Vertrauen der Landwirte genommen haben. Um darzutun, wie leichtfertig und unberechtigt die Vorwürfe gegen Herrn Freiherrn von Schorlemer erhoben werden, geben wir den Teil, den die„Frkft. Zta.“ mit Vergnügen aus dem Deutschen Bauernbund übernimmt, hier wieder: „Das ist es.“ so heißt es da.„was Herrn von Schorlemer immer wieder vorgeworfen werden muß, ein Nichtverständnis für die kleine Landwirtschaft, und in diesem Sinne hat er, solange er nicht ausgeschaltet war, auch die Maßnahmen des Reichsamts des Innern beeinflußt. Wir nennen die Beschlagnahme der Gerste, die bei den Großbetrieben nur zu demselben Prozentsatz erfolgt wie bei den Kleinbetrieben, obwohl die Großbetriebe wenig Vieb auf größerer Fläche haben. Die Verteilung der Kleie erfolgte nicht nach dem Viehbestand, sondern nach den Interessen des Großgrundbesitzes. Der furchtbaren Futternot und dem Streumangel des Jahres 1915 wurde nicht rechtzeitig durch die Erschließung der Privatwälder abgeholfen. Dafür wurden die Kartoffelrreise im Frübjahr 1915 derartig in die Höhe gesetzt, daß Preise bis zu 8.80 Mark erzielbar waren. Die Folge war der Haß der städtischen Bevölkerung gegen die Landwirtschaft und der Riß, der dadurch von neuem in unser geeintes Volk hineinkam. Von bäuerlicher Seite waren derartige wahnsinnige Preise nicht gefordert worden. Die maßlosen Preise für Saatgut, die auch in erster Linie dem Großarundbesitzer dienen, sind auch heute noch nicht beseitigt. Der Widerstand gegen eine Höchstpreisfestsetzung “ lag und liegt ebenfalls in erster Linie bei dem Landwirtschaftsminister. Der Höbepunkt der Bauernfeindlichkeit wurde aber erreicht durch die Wiedereinbringung des Fideikommißgesetzes mit dem berabgesetzten Stempel. Neue Privilegien sollten den feudalen Schichten zuteil werden. Dem Großkapital wurde der Wea in die Landwirtschaft dadurch gebahnt, daß für die Gründung von Stammgütern keine Zeitdauer festgesetzt ist. Alle diese Gründe machen es verständlich, wenn in den wirklich aufgeklärten Teilen der Landbevölkerung von einem Vertrauen für Herrn von Schorlemer nicht die Rede ist.“ Man sagt kaum zuviel, wenn man feststellt, daß nicht einer dieser Angriffe gegen den Landwirtschaftsminister berechtigt ist. Zum Teil sind die aufgestellten Behauptungen unrichtig, zum Teil treffen sie den Landwirtschaftsminister gar nicht, weil er nicht zuständig ist. So wenig verlockend es ist, auf die Behauptungen von Leuten einzugehen, die sich nicht einmal die Mühe geben, sich zu unterrichten, möchten wir doch auf einige Einzelheiten eingehen, um zu zeigen, daß diese Angriffe nicht auf einer sachlichen Behandlung der Angelegenheit beruben. Der Artikel des Bauernbundes nennt zuerst die Beschlagnahme der Gerste. die bei Großbetrieben zu demselben Prozentsatz ersolge, wie bei den kleinen Betrieben. Die Angabe ist unrichtig. Die kleinen Betriebe sind vielmehr dadurch bevorzugt, daß sie bei einer Ernte bis zu 40 Zentnern von der Lieferungspflicht insofern befreit bleiben, als ihnen im Falle der Lieferung weniger als 20 Zentner verbleiben würden. Die kleinen Betriebe bleiben damit von der Beschlagnahme ganz frei. Der zweite Vorwurf betrifft die Verteilung der Kleie, die nicht nach dem Viehbestande, sondern nach den Interessen des Großarundbesitzes erfolge. Man beachte hier die unklare Fassung des Vorwurfs. Die Verteilung der Kleie erfolgt nach den Viehbeständen und nach der abgelieferten Getreidemenge. Eine Verteilung lediglich nach Maßgabe des Viehbestandes würde allerdings auch unseres Erachtens richtiger sein, und das Zentrum hat eine solche Verteilung auch energisch gesordert. Aber— und darauf kommt es in diesem Falle ja allein an—. der Landwirtschaftsminister ist für die Verteilung der Kleie nicht zuständig das ist vielmehr Sache des Kriegsernährungsamtes und der Reichsgetreidestelle, sowie der Futtermittelstelle. Weiter soll der Landwirtschaftsminister die Privatwälder zur Abhilfe des Streu= und Futtermangels nicht rechtzeitig erschlossen, dafür aber die Kartoffelpreise bis zu 8.80 Mark gesteigert haben, wodurch er der Landwirtschaft den Haß der städtischen Bevölkerung zugezogen haben soll. Die Erschließung der Privatwälder ist wohl kaum Sache des Landwirtschaftsministers, vielleicht haudelt es sich um einen Drucksehler und es soll heißen, der fiskalischen Wälder. Diese sind geöffnet, aber diese öffnung bat leider, woran ja auch nicht zu zweifeln war, nicht so viel Nutzen gebracht, daß die Futtermittelnot ein Ende genommen hätte, zumal sie in der futterarmen Zeit, im Winter, nicht nennenswerte Futtermittel liefern." Für die Festsetzung der Kartoffelpreise kann man wiederum den Landwirtschaftsminister nicht verantwortlich machen, weil er hier nicht zuständig ist. Das gleiche gilt für die hohen Höchstpreise für Saatgut. Hier müssen wir aber auf einen Widerspruch beim Deutschen Bauernbund" aufmeeksam machen. Im folgenden Satze wird nämlich gesagt, daß der Widerstand gegen eine Höchstpreisfestsetzung in erster Linie bei dem Landwirtschaftsminister liege. Die teuren Höchstpreise für Saatkartoffeln im Jahre 1915 soll er also gemacht, gleichzeitig aber Höchstpreise bekämpft haben. Nun aber zu dem„Höbepunkt der Bauernfeindlichkeit". dem Fideikommißgesetz. Das Fideikommißgesetz enthält in seinem zweiten Teil das Stammautgesetz, und dieses Gesetz bildet geradezu einen Höhepunkt der Bauernfreundlichkeit, weil nichts geeigneter ist, den bäuerlichen Besitz zu festigen, als die Gründung von Stammgütern. Weiter sagt der Bauernbund, dem Großkapital sei der Weg in die Landwirtschaft dadurch gebahnt, daß für die Gründung von Stammgütern keine Zeitdauer festgesetzt ist. Diese Zeitdauer ist in der Kommission längst vor Erscheinen des Artikels im„Deutschen Bauernbund" festgesetzt worden, und der Landwirtschaftsminister hat sich dieser Festlegung nicht widersetzt. Man sollte meinen, daß der Verfasser dieses Artikels darüber unterrichtet sein müsse. Wenn er es war, wie kann er dann dem Landwirtschaftsminister die Absicht unterstellen, dem Großlapital den Weg in die Landwirtschaft zu bahnen, was so viel bedeuten soll, wie das„Bauernlegen“ zu fördern. Wenn er aber nicht darüber unterrichtet war, dann besitzt er eine Leichtfertigkeit, die selbst dem Deutschen Bauernbund Veranlassung geben müßte, den Mann abzuschütteln. So also sehen die Anschuldigungen gegen Freiherrn von Schorlemer aus. Der Artikel des„Deutschen Bauernbundes“ gibt aber noch außerdem Veranlassung zu einigen allgemeinen Bemerkungen. Der Deutsche Bauernbund versicherte in seinem Artikel. wenn Herr von Schorlemer Gelegenheit nehmen wollte, sich ein wenig in den Kreisen der mittleren und kleineren Landwirte umzusehen, dann würde er erfahren, daß„von einem Vertrauen zu seiner Person überhaupt nicht gesprochen werden kann"; und an anderer Stelle heißt es,„in den wirklich aufgeklärten Kreisen der Landbevölkerung könne von einem Vertrauen für Herrn v. Schorlemer nicht die Rede sein“. Sehen wir zu, mit welchem Rechte der Deutsche Bauernbund das sagt. Der Deutsche Bauernbund, der anscheinend annimmt, daß man im Kriege vergessen habe, wer er eigentlich ist, hat vielleicht— wir wollen ihn nicht zu gering einschätzen— etwa 20000 Mitglieder. Davon mag— wir wollen wiederum nicht zu niedrig greifen— die Hälfte wirklich der Landwirtschaft angehören. Die anderen landwirtschaftlichen Organisationen aber. die als wirkliche Vertretungen der Landwirtschaft anzusprechen sind und dem Landwirtschaftsminister ihr volles Vertrauen entgegenbringen, die Vereinigung der deutschen Bauernvereine und der Bund der Landwirte, umfassen die dreißigfache Zahl an Mitgliedern, etwa 600 000. Dagegen verschwindet der Deutsche Bauernbund also fast noch mehr, als er es seiner inneren Bedeutung nach tut. Die„Frankf. Zta.“ sieht demnach wohl ein, worauf sie hereingefallen ist: oder aber man wird einsehen, womit die „Frankf. Ztg. die Effentlichkeit hereinlegen wollte. Wenn sie meinte,„mit dem bequemen Mittel, die Angriffe auf den Landwirtschaftsminister auf politische Beweggründe zurückzuführen, wie es Herr v. Schorlemer und der enge Kreis seiner Verehrer zu tun pflegen, sei im vorliegenden Falle nichts anzufangen“. so glauben wir, mit mehr Recht von dem engen Kreise seiner Gegner mit allerdings großen Propagandamitteln sprechen zu können. Die Sachlichkeit der Angriffe gegen ihn fehlt nach wie vor aänzlich. Zunächst waren es allgemeine Redensarten, wie Behinderung der Durchführung der Lebensmittelverteilung usw., dann waren es angeblich einige Maßnahmen zu ungunsten der Konsumenten, und nachdem das widerlegt ist, kommt jetzt der Bauernbund mit der neuen Entdeckung, daß es Maßnahmen zu ungunsten der kleineren und mittleren Landwirte sind, die das Schuldkonto des Landwirtschaftsministers ausfüllen. Klar waren sich die Gegner des Ministers also noch nicht, was ihm vorzuwerfen sei, als der Angriff begann. Und das spricht für die wahren Beweggründe deutlich genug. Griechenland. Ein neuer Mordauschlag gegen den König von Griechenland. Genf, 4. April.(BB.) Die letzte Nummer des Athener Blattes„Neologes" enthält aufsehenerregende Mitteilungen über eine von venizelistischer Seite angezettelte Verschwörung gegen das Leben des Königs Konstantin von Griechenland. Von der venizelistischen Regierung wurden vor einigen Wochen drei Offiziere in geheimer Mission nach Altgriechenland gesandt. Unter diesen Offizieren befand sich auch ein Neffe des venizelistischen Kriegsministers General Danalis. Es wurden ihnen versiegelte Informationen mitgegehen, die sie erst bei der Landung in Kerazini öffnen durften, dem griechischen Hafenort, wo die Flotte der Entente vor Anker liegt. Als die Offiziere in Kerazini anlangten, und die erhaltenen Befehle öffneten, fanden sie, daß sie mit der Aufgabe betraut worden waren. König Konstantin zu ermorden. Während seine beiden Kameraden in Kerazini Anstalten und Vorkehrungen trafen, um den verbrecherischen Anschlag auszuführen, bekam der Neffe des Generals Danglis, Leutnant Hapajani, Gewissensbisse. Er fühlte, daß er nicht den Mut haben würde, den Anschlag auszuführen. Er fuhr deshalb heimlich nach Athen, wo er dem Kronprinzen Georg den ganzen Plan des Anschlages enthüllte. Die anderen beiden Offiziere schöpften, als sie von seiner Reise erfuhren, sogleich Verdacht, daß ihr Vorhaben verraten worden sei, und kehrten eiligst nach Saloniki zurück. Das Athener Blatt erklärt, sehr wahrscheinlich sei, daß dieses vereitelte Komplott im Einvernehmen mit dem General Sarrail von Venizelos geschmiedet wurde. Es scheint, daß die griechische Frage in Frankreich wieder in den Vordergrund rückt. Es ist besonders von der Bedrohung des Sarrail=Heeres im Rücken durch die Griechen, die Rede, obwohl diese ihr ganze Heer nach dem Pelevonnes abtransportiert haben, und offenbar ist wieder einmal irgend ein Anschlag auf das unglückliche Land in Vorbereitung. Aus der Stadt. Münster, 5. Aprli. Von der Universität. Der Privatdozent Prof. Dr. Aug. Thienemann hat einen Ruf als ordentlicher Professor an die Universität München erhalten. Herr Thienemann hat, wie wir erfahren, den Ruf abgelehnt. * Das Verdienstkrenz für Kriegshilfe erhielt der Direktor des Königl. Paulinischen Gymnasiums, Geheimer Studienrat Dr.* Widmann, der Berater des akademischen Hilfsbundes für kriegsbeschädigte Studenten. Vom Kriegsbekleidungsamt erhielten es: Rechnungsrat*; Kruse. Inspektor* Zickler, die Packmeister* Köntgens und* Stuer. Kriegsanleihe und Landwirtschaft. Die Landwirte werden mit uns übereinstimmen, daß sie in diesem Krieg meist in finanziell, günstige Lage gekommen sind. Frühere Schulden und Hypotheken konnten sie tilgen und abtragen. manch schönen Gewinn verzinslich zur Bank oder zur Sparkasse bringen. Mit Stolz und Genugtnung kann der Bauer auf Haus und Hof. Gut und Acker blicken. Seine ertragreiche Scholle ist ihm dank der Opferfreudigkeit unserer Söhne an der Front unversehrt geblieben. Dankbar muß er es anerkennen, wem er seinen Wohlstand verdankt. Und er weiß auch, daß dieses sein Glück ihn verpflichtet dem Vaterland gegenüber. Wir zweifeln nicht, daß alle unsere Landwirte sich das sprechende Bild des Aufrufes, das dieser Tage alle deutsche Zeitungen gebracht haben, wo mit zufriedener Miene der Bauer in seiner Stube zur Feder greift und dem Vaterland, das zur Kriegsanleihe=Zeichnung ruft, seinen Tribut entrichtet, indem er freudig der Zeichnungs=Aufforderung nachkommt, als nachahmungswertes Beispiel in Herzen nehmen werden. Für jeden deutschen Bauer muß es Ehrenpflicht sein, des Vaserlandes zu gedenken und von seinem Gewinn einen möglichtt großen Teil der Kriegsanleihe zuzuführen. Mit dem Kriegsanleihe=Schein, deutscher Bauer, schaffst du dir auch weiter den besten Schutz für deine Scholle. Der kühlte Frühling 1917. Über den kühlen Frühling schreibtt der Niederrheinische Wetterdienst Aachen=Essen: „Die Mitteltemperatur des vergangenen März betrug zu Essen nur 1.7 Grad und nicht weniger als 18 Tage des Monats brachten uns Frost. Den stärksten Frost,—7,8 Grad, hatten wir in der Nacht vom 7. zum 8. Seit langen Jahren war der diesjährige März nicht nur der kälteste, sondern auch kälter als eine ganze Anzahl von Januar- und Februar=Monaten der letzten Jahre. Die Niederschlagsmenge belief sich nach Messungen am Meteorologischen Observatorium Essen auf 61 Millimeter; sie war also nur wenig geringer als der Monatsdurchschnitt. Auch in den ersten Tagen des Aprilk sind in ganz Mitteleuropa die Temperaturen für die Jahreszeit noch außergewöhnlich niedrig. Nur im Osten macht sich vom Balkan her seit einiger Zeit eine langsame Erwärmung bis nach Polen hinauf bemerkbar. Es ist auch in diesen Tagen im Westen noch keine stärkere oder anhaltende Erwärmung warscheinlich. Die Witterung bleibt vorerst noch veränderlich. Die Sache steht heute so: je mehr Geld wir aufbringen, desto fester können wir den Krieg fuhren, desto mehr Granaten machen, desto mehr Schiffe bauen, desto besser verpflegen wir unsere Coldaten desto lauter schreien wir unseren Feinde zu, daß wir siegen wollen und werden. Denken Sie an die Opfer! An die Toten, an die Verstümmelten, an die Trauer in Millionen Familien! Und wir? Und Sie? Wir leben und schaffen im geschützten Land, kein Haar ist uns gekrümmt, wie im Frieden. Mit dem Essen ist es ein bissel knapp, hat aber immer noch gelangt. Soll ich Ihnen denn mit Gewalt einbläuen, daß es ganz einsach Ihre Pflicht ist, Kriegsanleihe zu zeichnen. Vaterlandspflicht und Christenpflicht; daß Sie gar keine Opfer bringen, sondern ein gutes Geschäft machen sollen? Soll ich Ihnen noch mal sagen daß es auch auf die kleinen Geldbesitzer, ja gerade auf die keinen ankommt, daß viele Wenig ein großes Viel machen, daß ein Hausen Fäden zusammengedreht einen Strick bilden, den nie mand zerreißen kann, und daß wir den Soldaten zeigen müssen: wir stehen zu euch!, daß wir wegen Mangel an Geld den Krieg nicht aufgeben dürfen, ohne uns bis in die tieffte Seele schämen zu müssen, daß wir im Gegenteil unsere Ehre darein zu setzen haben, den tapferen Soldaten, dem Hindenburg dem Kaiser, dem Reich zu helfen. ∆ Diebstähle. Ein tragendes Schwein wurde in der Nacht zum Mittwoch dem Wirt Neuhaus an der verlängerten Kanalstraße gestohlen. Die Diebe hatten das Tier im Stal abgeschlachtet, neun Ferkel fand man morgens tot auf dem Hof. Von den Dieben fehlt jede Spur.— Auf der Goldstraße wurde einem Anwohner in der selben Nacht eine Ziege und ein Kaniuchen aus dem Stall gestohlen. Sport. * Wettkämpfe im Wehrturnen 1917. Die Wertung geschieht, wie im vorigen Jahre, nach Punkten auf Grund einer dazu aufgestellten Wertungstafel. Überpunkte werden gewertet. Zu den Gruppenkämpfen wird nur zugelassen, wer sich bei den weiteren Ausscheidungskämpfen an dem Fünfkampf beteiligt. Zu den engern Ausscheidungskämpfen ist zuzulassen, wer die in der Wertungstafel aufgestellte Pflichtleistung bei allen Übungen des Fünfkampfes bei den weiteren Ausscheidungskämpfen erfüllt hat. Zu den Endkämpfen sind 10 von 100 von den Teilnehmern an den engern Ausscheidungskämpfen in der Reihenfolge der Anzahl der erreichten Punkte zuzulassen. Die Sieger im Fünfkampf bei den Endkämpfen erhalten in der Reihenfolge ihrer Leistungen(Anzahl der Punkte) Denkmünzen aus Eisen oder Ebrenurkunden. Die besten Leistungen im Entfernungsschätzen werden durch besondere Ehrenurkunden ausgezeichnet. Die Jungmannen der siegreichen Mannschaften bei den Gruppenwettkämpfen erhalten Eichenbrüche. Bei den Gruppenwettkämpfen gelten die Bestimmungen des Zentralausschusses für Volks= und Jugendspiele, nur beim Fußballspiel wird nach den Bestimmungen des Deutschen Fußballbundes gespielt. Bei der Durchführung der Wettkämpfe sind die Interessen der Kirche und Schule, sowie berechtigte Wünsche landwirtschaftlicher und gewerblicher Kreise zu berücksichtigen. Über die erforderlichen wirtschaftlichen Maßnahmen, Eisenbahnfahrten, Bewilligung von Geldmitteln usw. ergehen noch besondere Verfügungen. Handel und Industrie. Von der Berliner Börse. Berlin, 5. April.(WTB.) Wenn sich auch wegen der bevorstehnden viertägigen Unterbrechung des freien Börsenverkehrs das Geschäft in ziemlich engen Grenzen hielt, so blieb doch die feste und zuversichtliche Grundstimmung unverändert bestehen. Die Kursveränderungen nach oben waren nicht bedeutend, erheblich bei Zeitzer, Chemische Scheidemantel, Rheinmetall, Westfälische Stahl, Poege, Chemische Hönn ingen und bei einigen anderen. Schifffahrtsaktien bewährten gleichfalls ihre feste Haltung. Von russischen Werten behaupteten Banken, Prioritäten und Anleihen ihre in den letzten Tagen erzielten Steigerungen gut. Am Rentenmarkt hat sich nichts verändert. Die Devisenkurse sind unverändert. In Abetracht der bevorstehenden mehrtägigen Unterbrechung des Verkehrs war das Geschäft am Produktenmarkt bedeutungslos und da nur das allernotwendigste gekauft wurde, im allgemeinen wenig verändert. Erwähnenswert rege begehrt waren Saathülsenfrüchte, namentlich Erbsen, doch genügt das Angebot nicht der Nachfrage. Hauptredakteur Rudolf Strietholt.— Es verantworten: den redaktionellen Teil Paul Koene, die Reklamen und Inserate Antor Busch, alle in Münster.— Druck und Verlag der Aschendorffschen Buchhandlung in Münster. Deutsche Frauen und Mädchen! Bringt Euere goldenen Ringe und Armbänder der Goldankaufsstelle! 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März 1917 starb den Heldentod fürs Vaterland in ..... i n f o l g e e i n e s G r a n a t s c h u s e s u n s e r i n n i g s t g e liebter, hoffnungsvoller, einziger Sohn, unser herzensguter Bruder, Vetter, Schwager und Nefte Konrad Meinnenz Sanitäts-Unteroffizier im Feldartillerie-Regiment No. 22 Inhaber des Eisernen Kreuses 2. Klasse im Alter von 23 Jahren. Wir bitten um stille Teilnahme und um Geber für den lieben Verstorbenen. es andächtigee Die trauernden Eltern nebst Geschwistern und Angehörigen. Mänster, Berlin, Rinkerode, Hamm, Kamen, den 4. April 1917. Das feierliche Beeienamt findet statt Osterdienstag, 16. April, morgens 9 Uhr, in der St. Maurits-Plarrkirche. Schüler höherer Lehranstalten erhalten Nachhilfeunterricht. Anfr. u. E F 1154 a. d. Gesch. Schülerin(Oberlyz.) wünschl franz. Konversation. Offerten mit Preisangabe u. O P 1162 an die Gesch. „Verein Münster“ Militär=Anwärter. Die Beerdigung des verstordenen Kameraden Wiegmann findet Freitag, d. 6. April, nachmittags 3½ Uhr, von Gartenstr. 47 aus statt. Der Vorstand. Nach Gottes heiligem Willen entschlief sanft heute nachmittag 2 Uhr mein innigstgeliebter Gatte, unser lieber Schwager u. Onkel der Marine-Ingenleur a. D. Albert Schlichter Ritter des Kronen-Ordens IV. Klasse. Er starb wohlvorbereitet durch einen christlich- frommen Lebenswandel und gestärkt durch den öfteren Empfang der heil. Sakramente im 68. Lebensjahre, gettergeben im Herrn. Die Seeie des teuren Verstorbenen empfehlen wir der christlichen Fürbitte, besonders den Priestern am Altare. Ibbenbüren, den 4. April 1917. Namens der krauernden Hinterbliebenen: Frau Elisabeth Schlichter geb. Werchmöller. Die Beerdigung findet statt Dienstag, den 10. April, vormittags 9¼ Uhr, vom Sterbehause Ledderstraße aus; gleich darauf das felerliche Seeienamt. * 1 *