der deutschsprachigen Presse e.V. Sazugsprets vierteljährtich: Rusgabe A(ohne „Wochenschau“) in Münster zweimal täglich frei ins Haus gebracht 2 Mk. 10 Pfg.,— auswärts von der Post abgeholt 2 Mk. 10 Pfg., durch den Briefträger gebracht überall, we nur einmal im Tage Briefbestellung stattfindet, 2 Mk. 52 Pfa., in Orten mit zwei= und mehrmaliger Bestellung 2 M. 28 Pfg.— Ausgabe 8(mit„Wochenschau“) vierteljährlich 60 Pfg. mehr. Fernspr.: Redaktion u. Verlag Nr. 2448, 2640 u. 2450. Geschäftostelle(Michaelisplatz 9) Nr. 76. Zwei Ausgaben ugng. und Münsterische Volkszeitung. 46272 Wbomenten. Enzeigen: Der Raum für die Anzugenspalte, 30 mm brett, Imm hoch, 25 Pf.; bei Anzeigen aus dem R.=Bz. Münster 20 Pf., aus der Stadt Münster 15 Pf.(für Aktiengesellschaften 2c., Vereine und Behörden 25 Pf: Reklamen: Der Raum für die Reklamespalte, 87mm breit, Zmm hoch, 1 Mk.— Für Erfüllung von Blatzvorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druskfehler keine Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gilt als Kassenrabatt u. kann verweigert werden, wenn Zahlung nicht binnen 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt.— Gebühr für Beilagen nach Gewicht Erste Ausgabe. Donnerstag, 29. März 1917. 66. Jahrgang. Nr. 224. Zendendurgs Gehelmis. Der deutsche Abendbericht. Berlin, 28. März.(WTB.] Amtlich. Abends: Im Westen für uns günstiges Gefecht bei Troi. klles, nordöstlich von Bapaume. In der Champagne und auf dem Ostufer der Maas lebhafte Feuertätigkeit. Aus dem Osten und von der mazedonischen Front sind besondere Ereignisse nicht zu melden. * Zur Kriegslage im Westen. Berlin, 28. März. (WTB.] Die deutschen Sicherungstruppen operieren weiter so geschickt, daß die Gegner im Unklaren bleiben, ob sie es mit Nachhuten zu tun haben oder ob sie der deutschen Heurtmacht gegenüberstehen. Die deutschen Sicherungen räumen dorl Trümmer und Stellungen. um den Gegner in den Wirkungsbereich der eigenen Artillerie zu locken und nehmen dann in raschem Ansturm die geräumten Positionen wieder, um sie bei erneutem Augriff wiederum preiszugeben. Zwei bei Villersfaucon von Longavesnes her anreitende englische Schwadronen wurden durch Artillerie=, Infanterie= und Maschinengewehrfeuer unter schweren Verlusten zur Umkeb: gezwungen Als dann die Enaländer nach Artillerievorbereitung einen umfassenden Angriff mit Infanterie, vier Eskadronen und vier Panzerkraftwagen ansetzten, wichen die deutschen Sicherungen geschickt in verschiedenen Richtungen aus, setzten sich wieder fest und brachten dem Feinde durch kenzeutrisches Feuer die schwersten Verluste bei. An anderen Stellen wurden die Angriffe schwächerer Abteilungen ebgewiesen. Von einer südlich von Nurlu aufgefahrenen Vatterie wurden zwei Gesckütze zum Schweigen gebracht, wie überhaupt die Bewegungen und Unterkünfte des Feindes nach wie vor durch Artilleriefeuer wirksam zerstört werden. Ein mit schwachen Kräften östlich von Auberive unternommener Angriff trug 40 Gefangene ein und brachte den feindlichen Graben in 900 Meter Ausdehnung in deutsche Hand. Nach planmäßiger Zerstörung wurde er unbemerkt und ungestört durch den Gegner wieder geräumt. Dagegen wurden feindliche Stoßtrupps, die in den Argonnen in die deutschen Stellungen einzudringen versuchten, umgehend wieder hinausgeworfen. In der gleichen Gegend zerstörte eine Minensprengung die feindliche Stellung in erheblicher Ausdehnung. Der österreichische Tagesbericht. Wien, 28. März.(WTB.) Amtlich wird verlautbart: Ostlicher Kriegsschauplatz, Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Keine besonderen Ereignisse. Front des Generalobersten Erzherzogs Josef. Südlich des Uz=Tales wurde in 3 Kilometer Breite eine russische Höhen stellung genommen und gegen drei starke Gegenangriffe behauptet. Die Bertte beläuft sich auf 150 Gefangene, 3 Maschinengewehre und 2 Minenwerfer. Gegen die Magyaros=Stellung stürmte der Feind gestern nachmittag abermals vergeblich an. In den Waldkarpathen erfolgreiche Vorfeldunternehmungen. Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Bei Stanislau drang ein Stoßtrupp in die seindliche Hauptstellung ein. Die Russen flüchteten. Sonst bei Tanwetter geringe Tätigkeit. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Zahl der in dem letzten Kampfe südlich Biali gefangenen Italiener hat sich auf 15 Offiziere und 500 Mann erhöht. In diesem Ranme ist das Artillerie= und Minenwerferfeuer sehr lebahft. Südöstlicher Kriegsschauplatz An der albauischen Frout stärkerer Geschützkampf. Der Chef des Admiralstabes der Marine. v. Höfer, Feldmarschallentnant. * Rom, 28. März.(W2B.) Meldung der„Agenzia Stefani.“ General Robertson, Chef des britischen Reichsgeneralstabes, war in der vergangenen Woche Gast des Oberkommandos. In Begleitung Cadornas besuchte er die italienischen Linien am unteren und mittleren Isonzo und begab sich an die Trientiner Front. Während des Aufenthaltes dort traf auch General Vergand aus dem französischen Hauptquartier als Vertreter des Generals Neville ein. General Robertson ist geradenwegs nach London zurückgereist. Vor der Abreise verlieh ihm der König das Großkreuz des Ordens vom hl. Mauritzius und Lazarus. Der Seekrieg. (2) Ausdehnung des englischen Seesperrgebiets. Haag. 28 März.(WTB.) Heute wird amtlich die neue Ausdehnung des deutschen Sperrgebietes mitgeteilt, gleichzeitig auch, daß das holländische Au wärtige Amt von der britischen Regierung die Mitteilung erhalten hat, daß mit dem 1. April das von England als gesperrt erklärte Meergebiet ausgebreitet wird. Von diesem Datum an umfaßt es mit Aussonderung der dänischen und niederländischen Heimgewässer den folgendermaßen abgegrenzten Bereich: Im Norden durch die Parallele zum 56. Grad nöedlicher Breite, westlich eines Punktes, der 3 Meilen von der jütländischen Küste liegt, im Westen durch eine Verbindungslinie wie folgt bestimmter Punkte: 56 Grad nördlicher Breite und 6 Grad östlicher Länge, ferner 54 Grad 45 Minuten nördlicher Breite und 4 Grad 30 Minuten östlicher Länge, schließlich 53 Grad 23 Minuten nördlicher Breite und 5 Grad 1 Minute östlicher Länge. Im Süden durch eine Linie, gezogen durch den letztgerannten Punkt und einen Punkt bei 53 Grad 25 Minuten nördlicher Breite und 5 Grad 5.5 Minuten östlicher Länge und weiter dann östlich den Grenzen der holländischen Heimgewässer folgend. Die Wirkung der deutschen U.Boote auf die englische Wirtschaft. " Das Liverpooler„Journal of Commerce“ berichtet in seiner Wochenschau aus Cardiff: Der zur Verfügung stehende Schiffsraum war knapper denn je. Erhebliche Unregelmäßigkeiten im Betriebe der Kohlenbergwerke machten sich bemerkbar. Die Statistik der Kohlenbergwerke, die im Februar still liegen, verrät den Ernst der Lage. Aus Swansea wird gemeldet: Der Kohlenhaudel weist nach amtlichen Mitteilungen der Hafenkammer einen gewaltigen Rückgang auf. Während im Jahre 1913 der Ein= und Ausfuhrhandel im dortigen Hasen 7231 250 Tonnen betrug, zeigte das Jahr 1916 eine Abnahme von nicht weniger ois 2675167 Tonnen, d. h. 108 v. H. Die Schiffsraumknappheit in Swansea wurde sehr stark verspürt. Der Handel hat durch die Frachtbeschränkungen schwer gelitDie freiwillige Rückverlegung unserer Westfront hat in Frankreich zuerst unbändigen Jubel bervorgerufen. Es mehren sich allmählich die Stimmen, die Wasser in den überschäumenden Wein tun. So schreibt neuerdings der Militärkritiker der„Pariser Bonnet Rouge“. General N.:„Wahrheit ist, daß der Feind zurückgeht. Es wäre verfehlt, heute schon darüber Freudenfeuer anzuzünden. Es ist weder nützlich noch wünschenswert, jene Triumphberichte der Mehrzahl unserer Journalisten abzudrucken. Wenn der Feind gemäß einem Plane, den wir nicht kennen, Städte, Festungen und Dörfer räumt, so dürfen wir nicht schreiben, wie es geschehen ist, daß wir„den Feind überflügelt haben“ und daß wir uns der Hauptstellungen bemächtigt haben. Die Begeisterung eines Volkes, das die Befreiung spürt, ist sicher angebracht. Aber die Sonne, die in die Gefangenenlager hineinleuchtet, bedeutet noch keineswegs die Freiheit. Man wird uns vorwerfen, daß wir in diesen Festesstunden mit einem solchen traurigen Bericht einen Schatten in das helle Licht der gemeinschaftlichen Freude werfen. Man möge mir verzeihen: ich kenne die Völker, die allzu rasch so wenig sichere Siege feiern, nud ich würde vornehmlich in dieser Periode diese der nationalen. Reorganisation vorziehen, daß meine Mitbürger die noch zu machende große Anstrengung nicht aus den Augen verlieren mögen. Welches ist nun das Ziel der ganzen strategischen Handlung Hindenburgs, dessen kühnes Manöver ganz die Art des Marschalls kennzeichnet. Will Hindenburg die Vernichtung der ganzen oder eines Teiles der gegnerischen Armeen erreichen? Als die Deutschen die Marne erreicht hatten, waren sie keineswegs Sieger. Unsere Armeen, die sie nicht erreichen konnten, werden an unserer Lage ebenso wenig ändern können. Wir können selbst bis zur Maas vorstoßen und vielleicht darüber hinaus, ohne daß wir etwas an unserer Lage ändern können, abgesehen von der großen Freude über das wiedergewonnene Gebiet, das der Feind unter seinem Joch hielt. Was wir in schlechten Zeiten gesagt haben, ist auch heute wahr. Es gibt keine Doktrin für den Mißerfolg, aber eine andere für den Sieg. Tatsache ist, daß Hindenburg manövriert. Welches ist sein Geheimnis, das wir heute nicht kennen. Für Hindenburg ist es von geringer Bedeutung, Gegenden zu behalten, die der Feind in keinem Falle zu annektieren gedenkt. Warum nun gerade jetzt diesen Rückzug? Ohne Zweifel werden wir es bald erfahren. Entweder, was auch möglich ist. wird nichts weiter kommen, dann wird der Rückzug nur als ein diplomatisches Manöver erscheinen, oder aber wir werden bald ein neues Vorbrechen des Feindes erleben: vielleicht im Osten, um das junge Rußland zu erdrosseln, ehe die neue Regierung Zeit gehabt hat, es zu organisieren, vielleicht im Westen, um noch einmal das Land zu bedrohen, das Deutschland als seinen Hauptfeind betrachtet: England: vielleicht im Süden, um Österreich Südtirol zurückzugeben, Triest zu sichern und in die reiche Lombardei einzufallen, schließlich vielleicht auch auf unserm rechten Flügel, um die Wege nach dem Elsaß zu versperren und eine neue Unternehmung gegen französisch Lothringen zu suchen. ten. Die gegenwärtige Lage im Bezirk von Swansea ist sehr ernst. Die meisten Kohlenbergwerke arbeiten nur 3—4 Tage in der Woche, da es an Schiffsraum fehlt. Nicht weniger als 18 Tage im Februar mußten die AnthrazitKohlenbergwerke feiern. Berichte aus Newcastle und Hull lauten ähnlich. „Weekly Dispatsch“ schreibt: Viele hoffen immer noch auf eine Verschlimmerung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands. Aber nach der Überwindung eines strengen Winters wird es wahrscheinlich bis zur nächsten Ernte durchhalten. Dazu werden ihm die eroberten zumänischen Weizenfelder erheblich vermehrte Zufuhren bringen. Auf Deutschlands Erschöpfung ist daher nicht zu rech nen. Unsere eigene Kartoffelkn appheit ist durch die deutschen U.Boote noch schlimmer geworden. Von Irland kommende Kartosselladungen wurden kurz vor dem Hafen Holy Hea versenkt. Der patriotische Londoner hat jetzt keine Saatkartoffeln für den Garten. In 6 Wochen werden die Kartoffeln von unseren Tischen verschwunden sein, unser Brot wird im Frühsommer verkürzt und in der Beschaffenheit verschlechtert werden. Die Revolution in Rußland. Petersburg, 28. März.(Frkft. Ztg.) Großfürst Nikolaj Nikolajewitsch reiste, wie aus Tiflis gemeldet wird, am 20. März ab. Seine Familie wird in einem Frauenkloster in Kiew Wohnung nehmen. Am 21. März begab sich eine aus Dumamitgliedern bestehende Abordnung im Auftrage der interimistischen Regierung nach dem Kaukasus, um dort die Ordnung wieder herzustellen und eine neue Verwaltung einzurichten. Dieser Abordnung gehören zwei sozialistische Deputierte an. Die Rückreise der sofort nach Eingang des telegraphischen Befehls in Sibirien freigelassenen politischen Gefangenen ersolgt auf Staatskosten. Der Havas=Agentur wird gemeldet: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in Wirklichkeit die sozialistische Revolutionspartei immer mehr die provisorische Regierung beherrscht, denn wenn die verfassunggebende Nationalversammlung nicht in Moskau, sondern, wie berits gemeldet, in Petersburg tagen und nicht erst in drei Monaten, sondern bereits Ende April zusammentreten soll, so ist es klar, welche Einflüsse in Petersburg vorherrschen. Die Havas=Agentur verschweigt auch heute nicht, daß die republikanische Bewegung unter dem russischen Landvolke immer mehr um sich greift. Die Revolutionsregierung und das Heer. Stockholm, 26. März.(Frankf. Ztg.). Der russische Befehlshaber an der Rigaer Front erließ folgenden bezeichnenden Armeebefehl: „Soldaten! Ihr werdet von Spionen des Feindes, die sich russische Uniformen verschafften, aufgefordert. den Offizieren den Gehorsam zu verweigern und den Krieg gegen Deutschland einzustellen, das gegen Rußland nichts Böses vorhabe. Gerüchte von einer Gefangennahme einer von Petersburg ausgesandten Abordnung sind unwahr. Von Petersburg ist überhaupt keine Delegation abgereist. Der starke Feind wartet nur die Schwächung des russischen Heeres ab, um im geeigneten Augenblick über uns berzufallen. Glaubt nicht den Verrätern des Volkes, die in Militäruniform diesen Geist aussäen. Auf eurer Klugheit und Standhaftigkeit beruht Rußlands Zukunft. Radko Dimitriew.“ Aus offiziösen Petersburger Meldungen geht hervor, daß die Dumamitglieder Jefremow, Maslennikow, Makogon, Oschubinski, Januschkewitsch und Filonenko im Auftrage der Interimsregierung nach verschiedenen Fronten abreisten. Der Abgeordnete Lebedew reiste nach dem Murmangebiet. (Der Aufruf Radko Dimitriews deutet darauf hin, daß die sozialistische Friedenspropaganda im Heere großen Umfang annimmt: um sie einzudämmen. verdächtigt der General ihre Träger als deutsche Spione. Blutbad in Zinland. Malmö, 27. März. Aus Erzählungen von Reisenden, die aus Finland gekommen sind. geht hervor, daß in Kronstadt blutige Kämpfe stattgefunden haben. Als die revolutionäre Bewegung die Stadt erreicht hatte, wurden Admirel Wiren und 30 Offiziere auf dem Unterlassen wir daher noch eine feierliche Beleuchtung. Aber freuen wir uns: denn jeder Schritt des Feindes nach rückwärts bringt uns der Entwirrung näher. Seien wir also geduldig und trachten wir danach, stärker denn je zu sein und bevor wir den Feind endgültig besiegen, müssen wir trachten, uns in erster Linie selbst zu besiegen und wie die gefährlichen Tiere den voreiligen Enthusiasmus zähmen.“ Unsere Rückzugsbewegung im Westen stellt auch die englischen Herrschaften vor eine Reihe von Rätseln. Die „Mornina Post“ behandelt die neugeschaffene Lage in ihrem Leitartikel vom 19. d. M. mit etwa demselben Gefühl der Unsicherheit, mit dem der englische Soldat dem Feinde auf das ihm unheimlich dünkende geräumte Gelände folgt. „Erfahren, wie die Deutschen in der Kriegführung sind.“ schreibt das Blatt,„hatten sie vorausgesehen, daß auf die fünf Monate=Schlacht an der Somme eine neue Schlacht gleichen Kalibers folgen würde, und demgemäß trafen sie ihre Vorbereitungen. Es ist jetzt erwiesen, daß der Feind nie die Absicht hatte, eine zweite Schlacht, die die Fortsetzung der ersten wäre, anzunehmen. Immerhin dürfen wir nicht übersehen, daß der Rückzug sein letztes Mittel war, und daß die deutschen Streitkräfte die Stellungen hielten, bis sie unhaltbar waren. Durch ihr Rückziehen sparen die Deutschen nun unstreitig Leute, wenn ein solcher Prozeß auch eine Herabsetzung der Moral nach sich zieht(was keineswegs der Fall ist). Aber der Feind hat den Vorteil, der Notwendigkeit zuvorgekommen zu sein, und hat nun genug Zeit zu seiner Verfügung, um alle Anstalten für die Zukunft zu treffen. Die bei weitem am meisten interessierende Frage ist jetzt: Was sind das für Anstalten? Die neue Linie, die um einige dreißig Meilen kürzer ist, als die alte, würde ebenso viele Divisionen weniger beanspruchen, die also für anderweitige Zwecke frei würden. Was für eine Verwendung hat der Feind ihnen vorbehalten, das ist die Frage. Darüber können wir uns naturgemäß nur in Mutmaßungen ergehen. Wir wissen, daß diese Streitkraft zur Verfügung steht, und daß zu diesen freigewordenen Divisionen eine Anzahl neugebildeter Formationen hinzukommen wird. Wir glauben auch, daß Deutschland sich genötigt sehen wird, in diesem Jahr auf irgendeine Weise eine Entscheidung heranzuführen. Das deutsche Oberkommando mag einen Angriff an einer andern Stelle der Westfront im Sinn haben, es mag einen Angriff im Osten vorbereiten, der Marschall von Hindenburg schon von jeher gelockt hat. Oder es soll nach Italien hinunter aehen. Möglicherweise will Deutschland auch dem Stellungskrieg ein Ende bereiten und zum Bewegungskrieg übergehen. Schließlich bleibt auch noch die Hypothese, daß Deutschland nach und nach immer weiter zurückgehen will, weil es des Glaubens ist, daß der Unterseebootkrieg eine Entscheidung auf See herbeiführen kann, die sich somit auf dem Lande erübrigen würde. Unsere Leser mögen sich danach ihre eigene Meinung bilden.“ Eins jedenfalls wird dem englischen wie dem deutschen Leser aus all diesen vagen Vermutungen klar geworden sein: daß nämlich Deutschland durch einen kühnen Schachzug wieder die Initiative an sich gerissen hat. Marktplatz vor dem Makaroffdenkmal hingerichtet. Am folgenden Tage wurde auch eine Tochter des Admirals Wiren erschessen. Zunahme der Unruhen in Rußland. Stockholm, 28. März.(WTB.) In der letzten Zeit mehren sich die Nachrichten. die erkennen lassen, daß die Verwirrung in Rußland zunimmt. Der Berichterstatter des„Svenska Dagbladet“ in Haparanda erfährt, daß es noch viel zu früh sei, irgendwelche Schlüsse über die Durchführung der Staatsumwälzung zu ziehen. Die Erörterungen zwischen den Arbeitern und der provisorischen Regierung seien sehr hitzig. In mehreren Fabrilen sei es sehr schwierig gewesen, die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bringen, da sie hierfür Bedingungen gestellt haben, die die Regierung nicht ohne weiteres gutheißen könne. Diese Umstände lassen neue Unruben erwarten. So haben die Arbeiter durchgesetzt, daß sie Waffen tragen dürfen, und in den Petersburger Fabriken treffen täglich erhebliche Mengen von Gewehren, Revolvern und Munition ein: doch seien die Soldaten der neuen Regierung treu und bilden die Mehrheit im Rate der Soldaten und Arbeiter.„Aftonbladet“ erfährt von einem amerikanischen Reisenden, der aus Rußland kam, Lebensmittel seien in Petersburg immer noch sehr knapp, außerdem könne man sich nicht denken, wie es auch mit dem besten Willen gelingen werde. den Eisenbahnverkehr wieder in Gang zu bringen, um die Städte ausreichend zu verpflegen. Den Londoner„Times“ wird aus Riga gemeldet, daß die Berichte aus Dorpat wenia befriedigend sind. Die dortigen Revolutionäre haben eine eigene Miliz und eine eigene provisorische Regierung gebildet und sich um die Vorschriften der städtischen Miliz und der provisorischen Regierung in Petersburg nicht gekümmert. Es ist infolgedessen ein Zustand von Anarchie entstanden. der zum Blutvergießen und zur Zerstörung von Eigentum geführt hat. Die sozialistische Arbeiterpartei veröffentlicht im Organ „Prada“ eine Entschließung des Zentralkomi? ecs. in der die Soldaten an der Front aufgefordert werden, die Schützengräben zu verlassen, um zum Feinde überzugehen. Die Resolution schließt mit den Worten:„Organisiert Euch unter unserem Banner! Nieder mit der Reoierung und nieder mit dem Krieg gegen Deutschland • Die russischen Bauernnuruhen. Kopen hagen, 28. März.(BB.) über Haparanda kommen aus Rußland Meldungen, daß in Rußland umfangreiche Bauernunruhen ausgebrochen sind. In den Dörfern des Gouvernements Saratow sind Gerüchte verbreitet, der Zar werde von einigen Kaufleuten und Politikern gefangen gehalten, die, indem sie das Blut der Bauern auf den Schlachtfeldern opferten, Millionen verdienten, während der Zar den Frieden wünsche. Auch die Soldaten wünschten den Frieden, während die Offiziere sich dem Abschluß des Krieges widersetzten. Zu Tausenden seien die Bauern nach Syfrau geströmt und hätten auf das dort liegende Reserve=Regiment solchen Einfluß ausgeübt, daß dieses Regiment schließlich zu den Bauern übertrat und sämtliche Offiziere ermordete. Auch nördlich Woronesch seien Bauernunruhen zum Ausbruch gekommen. Unter dem Ruf: Alles gehört den Bauern! sei ein Plünderungszug gegen die Güter eröffnet worden, von denen zahlreiche niedergebrannt worden seien. Mehrere Gutsbesitzer seien ermordet worden. Der Gouverneur von Woronesch befahl der in der Stadt liegenden Infanterie sowie den 16. Ulanen=Regiment, gegen die Bauern zu marschieren. Die Soldaten verweigerten jedoch den Gehorsam, töteten 6 ihrer Offiziere und verwundeten den Gouverneur selbst schwer. Der Heilige Stuhl und die Umwälzung. Aus der Schweiz, 27. März.„Corriere della Sera“ erfährt aus Rom der Heilige Stuhl habe noch keinerlei Mitteilung von der provisorischen Regierung erhalten, was nicht hindere, daß die kirchlichen Kreise die St. Petersburger Ereignisse günstig hinsichtlich der Entwickelunn des Katholizismus im Osten beurteilten. Das Verhältnis des Vatikans zur ZarenRegierung sei alles andere als herzlich gewesen. Der im März vorigen Jahres an Stelle Nelidoffs ernannte neue Gesandte sei bis heute nicht in Rom eingetroffen. Amerika. London, 28. März.(WTB.) Das große amerikanische Bankhaus Kuhn, Loeb u. Co. in Newyork hat bekanntgegeben, daß es infolge der Ereignisse in Rußland und anderer Vorfälle seine Unterstützung der Sache der Alliierten nicht länger versagen wird. (2) Die amerikanischen Kriegsvorbereitungen. Haag, 28. März.(WTB.) Die„Times“ vernehmen aus Washington: Die Regierung der Vereinigten Staaten hat drei wichtige Schritte getan, die den Ernst der Lage beweisen und andeuten, daß der Krieg an Deutschland erklärt werden soll: Das Kriegsdepartement hat das Land in 6 statt in 4 Heeresbezirke eingeteilt. Dadurch wird die Anwerbung und die Aufbietung aller Kräfte erleichtert. 14 National=Garderegimenter, die zu dem den Alliierten freundlichen Osten gehören, sind aufgeboten worden. Die Munitionssabriken, Eisenbahnen, Brücken und Schiffswerften werden streng bewacht. Hinzu kommt die schon bekannte Erhöhung der Mannschaftszahl im Heer und in der Marine. Man ist übrigens vollständig verblüfft darüber, daß General Boot, ein Freund Roosevelts, allgemein bekannt als der beste Soldat von Amerika, gestern von seinem Kommandoposten über den ganzen Osten abberufen worden und einen offensichtlich unwichtigen Posten im Südosten erbalten hat. England. Das Stimmrecht der Frauen in England. Amsterdam, 28. März.(WTB.) Dem„Algemeen Handelsblad“ wird aus London gemeldet: Der Premierminister werde heute im Unterhause mitteilen, daß die Vorschläge der Parlamentskommission für die Wahlrechtsreform angenommen habe und eine Gesetzesvorlage zu bringen beabsichtige. Es sei im Unterhause eine Mehrheit dafür vorhanden daß allen Frauen über 35 Jahre das Wahlrecht gegeben werden soll. Die Kartoffelknappheit in England. London, 28. März. Die„Times" teilen mit, daß in Großbritannien vom 1. April ab bis zur neuen Ernte 150000 Tonnen Kartoffeln zur Verfügung stehen, das ist genau die Hälfte des normalen Bedarses. Der Rückgang der englischen Fischerei.(TdA.) Earl of Dunraven erklärte nach dem„Daily Telegraph“ in einem Vortrag, zur Verbesserung der Versorgung Englands mit Fischen sei mehr erforderlich, als die vom Landwirtschaftsminister versprochene Einsetzung eines Ausschusses. Die Besorquis wegen der Ernährungsfragen sei allgemein. Die Fischerci hätte durch den Krieg vielleicht mehr gelitten, als irgendein anderer Erwerbszweig. Der vor dem Kriege 15 Millionen englische Zeniner betragende Fang sei im Jahre 1915 auf 6 Millionen zurückgegangen. Die Loyalität Indiens. Amsterdam, 28. März. (WTB.) Reuter meldet aus Delhi, daß die indischen Mitglieder des gesetzgebenden Beirats beim Vizekönig in der Schlußberatung über den Haushaltsplan des Kaiserreiches diesem in warmem Tone zugestimmt haben und daß viele von ihnen die Haltung des Volkes gegenüber den neuen Steuervorlagen als patriotisch begeistert geschildert hätten. Allgemein hätten sie die Willigkeit, an den Lasten des ganzen Reiches mitzutragen, beteuert. Der Vizekönig erkannte in der Schlußrede Indiens Angebot von 100 Millionen Pfund Sterling an die Regierung des Mutterlandes und die feste einmütige Haltung des Beirats an, betonte die Notwendigkeit allgemeiner Zeichnung der Kriegsanleihe und las eine Botschaft Lloyd Georges vor, der namens der englischen Regierung für die indische Hilfe und die unerschütterliche Loyalität Indiens in diesem Kriege für ideale Ziele dankt und daraus die Hoffnung auf ein besseres Verständnis zwischen allen Rassen und Völkern des britischen Reiches herleitet. Griechenland. Griechenland ohne Elektrizität. Aus dem Haag, 28. März.(Frkft. Zig.)„Daily Telegraph“ meldet aus Athen vom 26. März: Heute ist in allen Elektrizitätszentralen Griechenlands ein Streik ansgebrochen. Die Trambahnen und Eisenbahnen nach dem Piräus haben den Dienst eingestellt. Die Zeitungen, die elektrische Kraft benutzen, erscheinen nicht, und verschiedene kleinere Betriebe mußten schließen. Auf der großen Zentrale von Athen nahmen die Streikenden einige Zubehörteile der Maschinen fort, sodaß eine Wiederaufnahme des Betriebes mit anderen Arbeitern verhindert wird. Die Stadt Athen wird heute gänzlich in Dunkel gehüllt sein, da auch die Gasanstalten wegen Mangels an Steinkohlen schließen mußten. Aus aller Welt. Budapest, 28. März.(WTB.) Graf Tisza ist seit gestern unpäßlich. Infolge der Temperatursteigerung ist er gezwungen, voraussichtlich einige Tage das Zimmer zu hüten. Madrid. 27. März.(Frift. Ztg.) Die ungeheure Teuerung infolge maßloser Ausfuhr droht schlimme Folgen zu haben. Die bungernden, erbitterten Arbeiter mit Einschluß der Eisenbahner kündigen den Generalstreik an. Der Zipilgouverneur von Madrid ist zurückgetreten. Ottava, 25. März.(WTB.] Der Finanzminister teilte mit, daß die Zeichnungen auf die dritte kanadische Kriegsanleihe im Betrage von 150 Millionen Doll. auf 250 Millionen Doll. geschätzt werden. Buenos=Aires, 28. März.(W7B.) Reuter. Die Ausfuhr. von Getreide und Mehl aus Argentinien wurde verboten, um dem Lande die nötigen Vorräte zu sichern. Deutsches Reich. London, 28. März.(W2B.) Reuter. Den deutschen diplomatischen und konsularischen Beamten Chinas ist sicheres Geleit zugesichert worden. Donau—Oder—Elbe=Ranal. Aussia(Böhmen), 24. März. Heute hat hier die Gründungsversammlung des Österreichischen Arbeitsausschusses für den Großschiffahrtsweg Elbe—Oder—Donau stattgefunden. Der Obmann des Elbevereins, Dr. Loebl. berichtete über den Kanalplan und wies nach, daß diese Wasserstraße das südöstliche Europa aufs wirtschaftlichste mit Innerösterreich und Norddeutschland verbinde. Der Vollzugsausschuß beschloß. den Oder— Weichsel=Kanal in sein Arbeitsgebiet einzubeziehen. Reichsschutz für Mutter und Kind. Berlin, 28. März.(VTB.] Der Ausschuß des Reichstages für Bevölkerungspolitik setzte heute seine Beratungen über den Schutz für Mutter und Kind fort. Den Verhandlungen wohnte Fräulein Lueders als Vertreterin des Kriegsamtes bei. Aus diesem Anlasse wies der Vorsitzende darauf hin, daß zum ersten Male eine Dame als Vertreterin der Behörde in dem Ausschusse des Reichstages erschienen sei. In der Erörterung schilderte Fräulein Lueders ihre Erfahrungen über die Lage der in den Fabrikbetrieben beschäftigten Frauen. der deutschsprachigen Presse e.V. Wirtschaftsleben und Lebensmittelversorgung. Lieferung der Fleischzulage. In Ergänzung der W2B.= Verössentlichung vom 23. März über die Kürzung der Brotration wird amtlich bekannt gegeben: Vom 16. April ab wird, solange die Kürzung der Brotration nötig bleibt, allen nicht durch Hausschlachtung selbstversorgten Personen eine besondere Fleischzulage von 250 Gramm gegeben; Kinder bis zu 6 Jahren erhalten die Hälfte. Die Ausgabe erfolgt mittels besonderer Zusatzfleischkarten, die nicht freizügig sind, sondern nur für die örtliche Zulage gelten. Damit die Zulage zu einem besonders billigen Preise abgeben werden kann, sollen die Kommunalverbände Reichs= und Staatszuschüsse in Höhe von insgesamt 80 Pfa. für die Woche auf den Kopf der versorgungsberechtigten Bevölkerung erhalten, wovon 70 Pfa. jedem Kommunalverband unmittelbar zugewiesen werden, während der Rest von den Landeszentralbehörden zum Ausgleich je nach der Größe des besonders bedürftigen Bevölkerungsanteils an die Kommunalverbände verteilt sind. Preußen hat dieser Regelung bereits zugestimmt. die Zustimmung der übrigen Bundesstaaten wird eingeholt. Sollten irgendwo in der ersten Zeit noch Stockungen in der Lieferung der Fleischzulage entstehen, so ist Mebl als Ersatz zu liefern. Verstärkte Kartoffelzufuhren an die Bedarfsstellen. Wenn der Frost. der jede größere Kartoffelsendung unmöglich macht, jetzt endlich aufhören wird, hat die Reichskartofselstelle die Hauptaufgabe, den unter dem Kartoffelmangel der vergangenen Monate schwer leidenden Städtern mit äußerster Beschleunigung möglichst große Mengen Kartoffeln zuzuführen, damit die rege lmäßige Belieferung der Wochenration wieder ausgenommen werden kann. Die verstärkte Zufuhr von Kartoffeln an die Be.darfsstellen ist der Reichskartoffelstelle nur unter der Voraussetzung möglich, daß in den Lieferungsbezirken sofort erbebliche Mengen Kartoffeln zur Ablieferung greifbar gemacht werden. Zu genauen Berechnungen der einzelnen Lieferungsmengen ist vorläufig keine Zeit mehr: es war daher notwendig, ebenso wie im vorigen Frühjahr, die Lieferungskreise zu ermächtigen, von jedem Kartoffelerzeuger, der eine Anbaufläche über ein Viertel Hektar im Jahre 1916 gehabt hat, vier Dovvelzentner Kartoffeln für den Hektar seiner Anbaufläche ohne Rücksicht auf seinen Wirtschaftsbedarf abzufordern. In solchen Wirtschaften, wo die Kartoffeln schon sehr knapp geworden sind, kann dadurch unter Umständen eine Verkleinerung der Aussaatfläche herbeigeführt werden. Das ist bedauerlich. Alle Bedenken müssen aber gegenüber der unbedingten Notwendigkeit zurückstehen, wenn endlich mildes Wetter eintritt, schnell Speisekartoffeln heranzuschaffen. Für eine glatte Abwicklung des umfangreichen Eisenbahntransports ist nach Möglichkeit vorgesorgt. Es ist dringend nötig, daß auch jeder Landwirt mit allen Kräften dafür sorgt, seine Kartoffelpflichtmenge auf Abruf so rasch wie möglich abzuliefern. Deutscher Reichstag. Berlin, 28. März. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. Die zweite Beratung der Besteuerung des Personen= und Güterverkehrs wird fortgesetzt. P. K Mum Eiesz Zu§ 1 beantragen die Sozialdemorraten Streichung des zweiten Absatzes, der auch die elektrischen Straßenbahnen in die Steuer einbeziebt. 714 8 Abg. Schiele(konf.): Wir stimmen angesichts der Rotlage des Reiches der Besteuerung des Personen= und Güterverkehrs zu. Die Ablehnung indirekter Steuern durch die Sozialdemokraten wird nachgerade bedenklich, um so mehr als etwa 6 Milliarden für das Reich notwendig sind. Diese Summe durch direkte Steuern aufzubringen, würde eine Lahmlegung und Konfis kation des Unternehmergewinns bedeuten. Die Verkehrssteuer wird zwar keine vorübergehende Erscheinung sein, aber sie wird in Friedenszeiten in Verhindung mit den Bundesstaaten umgestaltet werden müssen. Eine besondere Belastung des Güterverkehrs ist bei den schon jetzt schlecht reutierenden Kleinbahnen zu erwarten. Hinzu kommt, daß künftig das Lastauto auf den Landstraßen eine empfindliche Konkurrenz für die Kleinbahnen werden wird. Daß auch die vierte Klasse herangezogen wird, halte ich für eine gerechte Maßnahme. Alle wollen wir doch beitragen zu den Lasten des Reiches. Die Freilassung des Pferdebetriebes bei Omnibussen. Droschken und Landfuhrwerken ist notwendig, da die Pferdehaltung geradezu unerschwingliche Kosten verursacht. Wenn die städtische Bevölkerung durch die Nah= und Straßenbahn=Steuer betroffen wird, so erfährt der Landbevölkerung durch die Abgaben für den Kleinund Nebenbahnbetrieb eine erhebliche Belastung. Bei einer künftigen Tarifreform muß Rücksicht genommen werden auf die Siedlungs= und Wohnungspolitik, namentlich im Interesse der Dezentralisation der Großstädte,(Beifall]. Abg. Müller=Julda(Ztr.): Ich bitte Sie, der Vorlage, wie sie aus der Kommission gekommen ist, zuzustimmen. Abg. List=Eßlingen(ntl.): Uns ist es nicht leicht geworben, der Verkehrssteuer zuzustimmen. Die enorme Finanznot des Reiches macht es aber notwendig, zu indirekten Steuern zu greifen. Unsere Aufgabe ist es, die Bevölkerung darüber aufzuklären, daß jeder zu den Lasten des Reiches beizutragen hat. Gewiß freue ich mich, wenn die Städter an die frische Luft fahren; sie können aber diese geringe Belastung schon tragen. Die Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes, auch des letzten Arbeiters, hat sich in den letzten Jahrzehnten wesentlich gebessert. Jeder kann sich ohne Schwierigkeiten einen Sonntagsausflug leisten und dann auch die wenigen Pfennige mehr bezahlen. Auf die Besteuerug des Nahverkehrs können wir nicht verzichten. Bis zu einer gewissen Grenze die Fahrkarte von der Steuer freizulassen, wäre immer eine Härte für die nächste Zone. Die Straßenbahnbesteuerung wird die Notwendigkeit mit sich bringen, eine 2½- oder 3=Pfennig=Münze zu prägen. Von einer Befristung des Gesetzes muß Abstand genommen werden. Abg.“Lic. Mumm(D. Fr.], befürwortet seinen Antrag als§ 1a einzufügen: Fahrkarten bis zum Preise von 35 Pfg. und Zeitkarten, sofern der Preis der Einzelfahrt bis zu 35 Pfennig beträgt, bleiben steuerfrei. Bei diesen Tarifsätzen handelt es sich insbesondere um den Verkehr von der Wohnung zur Arbeitsstätte, und diesen Verkehr sollte man nicht belasten, zumal es sich um die Elemente des Volkes handelt, die außerhalb der Großstadt ihre Ruhestunden in der Familie verbringen wollen. Staatssekretär Graf Roedern: Ich bitte, es bei den Kommissionsbeschlüssen zu belassen. Die Straßenbahnen sollen nur mit sechs statt mit zwölf Prozent herangezogen werden, was einen Ausfall von 17 Millionen bedeutet. Auch soll diese Besteuerung erst bei einer Tariferhöhung nicht beeinflußt werden. Den Verkehrs=Unternehmungen bleibt es unbenommen, die Steuer bei dieser neuen Tarifisierung zu verteilen. Ein 2½=Pfennig=Stück muß schon weger der Umgestaltung der Postgebühren geprägt werden. Sobald die Münzanstalten wieder in der Lage sind, für derartige Zwecke zu arbeiten, werden sie auch diese Münze schlagen. In absehbarer Zeit wird an eine Revision dieser Steuervorlagen nicht herangegangen werden. Ministerialdirektor Franken: An eine arundlegende Tarifreform werden die Einzelstaaten erst nach Friedensschluß herangehen können. Beim Straßenbahnverkehr darf nur ein Aufschlag genommen werden, der der Steuer entspricht. Abg. Stolle(SAG.): Trotzdem die Arbeiterfahrkarten steuerfrei bleiben, werden doch die Arbeiter und die minderbemittelte Bevölkerung von der Steuer besonders getroffen werden. Abg. Keil(Soz.): Wir beantragen, Zahlkarten bis zu 50 Pfo. freizulassen. Die vom Verkehr abgeschnittenen Teile des Landes darf man nicht weiter benachteiligen. Damit schließt die Aussprache. § 1 wird unter Ablehnung der Antröge angenommen.: ebenso f 2(Güterperkehr). 3 enthält die von der Abgabe freizulassenden Fehrkorten. Eine Aussprache findet nicht statt. Bei der Abstimmung über den Antrag Mumm betr. Freilassung der Fahrkarte bis zu 85 Pfa. bleibt das Ergednis zweiselhaft. Es findet Hammelsprung statt. Es stimmen für den Antrag 119. dagegen 118 Abgeordnete. Der Antrag ist somit angenom. men.(Beifall: große Heiterkeit.) Mit dieser Abänderung wird I S angenommen. Die nächsten Parographen werden unverändert angenommen. Die Etatsberatung im Herrenhause. □ Berlin, 28. März.(Eig. Meld.) Im Herrenhause gab es am Mittwoch wieder viele erstaunte Gesichter: Die Erwoxtung, daß der Kanzler persön lich kommen würde, erfüllte sich nicht. Herr v. Bethmann hatte auch diesmal den Eisenbahnminister v. Breitenbach mit seiner Vertretung deauftragt und behält sich offenbar vor, die Rosinen, die er in den Kuchen der großen Politik hineinzubacken beabsichtigt, erst in den nächsten Tagen im Reichstage zu bearbeiten. So verliert die Etatberatung im Herrenhause von vornherein viel von ihrer Spannung, um so mehr, als auch das zweite Schaugericht, der Streit zwischen den beiden preußischen Häusern, abserviert wird, ebe schadenfrohe Zuschauer noch ihre Freude daran haben können. Der neugewählte Vorsitzende der konservativen Fraktion, der Schwager des Kaisers. Herzog Ernst Günther, verliest eine Erklärung, wonach seine Freunde die Form der gegen das Abgeordnetenhaus erhobenen Vorwürfe bedauern und nachdrücklich Verwahrung dagegen einlegen. Wegen des Kriegszustandes versagt es sich die Fraktion, darauf einzugehen in dem Bewustsein, stets im Rahmen der Verfassung ihre Pflicht getan zu haben: Wahrung der Thronrechte, der Wohlfahrt des Volkes. sowie der Stärkung des Staatsgedankens und der Staatsgewalt: nicht im Gegensatz zu dem Reichsgedanken, sondern für ein starkes Deutschland, das die Rechte und Eigenart der einzelnen Bundesstaaten achten und schützen will. Auch die neue Fraktion. in der sich fast alle Nichtkonservativen zusammenfinden, hat in der Person des früheren Reichsschatzsekretärs und jetzigen Oberbürgermeisters von Berlin, Wermutb. einen neuen Vorsitzenden erhalten. der zum erstenmal seines Amtes waltet. Auch er beginnt damit, eine Erklärung zu verlesen, die ihr Bedauern darüber ausspricht, daß durch die Art, wie die Diätenvorlage im Herrenhause abgelehnt wurde, ein starker Mißton in die preußische innere Politik getragen worden ist. Die neue Fraktion erkennt in Übereinstimmung mit manchen Wünschen, die im Abgeordnetenhause laut geworden sind. in einzelnen Fällen die Notwendigkeit an, unsere öffentlichen Einrichtungen entschlossen fortzuentwickeln. Darunter verstebt sie einmal, daß die Zusammensetzung des Herrenhauses durch eine weitgebende Berücksichtigung der Erwerbsstände zu ändern ist, dann aber auch den breiten Schichten des Volkes Anteil an der Bestimmung der Geschicke des Staates gewährt wird. Herr Wermuth begnügt sich aber nicht, diese Erklärung zu verlesen, sondern begründet sie in einer mit mancherlei boshaften Spitzen geführten Rede. Der Wille zur Tat genüge nicht. er müsse auch bald in Paragraphen umgesetzt werden, jedenfalls in solchen Fragen. in denen schwerere innere Kämpfe nicht zu erwarten sind, als da sind: Wohnungsgesetz. Einfluß der Armeninteressen auf öffentliche Rechte, Schulrecht und so manches andere. Hauptsächlich aber kommt es dem Berliner Oberbürgermeister— und das ist begreiflich— auf eine Reservebehandlung der Selbstverwaltung an. Da hat er am eigenen Leibe traurige Erfahrungen gemacht. Daß eine Gemeinde Hunderte, ja Tausende von Malen jetzt im Kries= wo sie ohnehin genug zu tun und wenig Leute hat, zur Berichterstattung aufgefordert wird, läßt sich in der Tat mit dem von Herrn v. Loebell aufgestellten Grundsatz einer pileglichen Behandlung in der Selbstverwaltung nicht in Einklang bringen. Die Reden im Herrenhause haben den unleugbaren Vorzug in der Kürze, Dauerreden sind streng verpönt: trot des langen Rednerliste kommt man rasch vorwärts. Der Hallenser Professor Loening spricht gegen das Übermaß von Polizeiverordnungen. Ein alter Haudegen. General v. Kleist, möchte alle Schwierigkeiten der inneren Politik am liebsten mit dem Säbel durchhauen. Ihm ist es unfaßlich, wie man die Welt auch anders als vom Standpunkt des Kavallerieoffiziers betrachten kann. Er stellt daher den kühnen Satz auf, daß einem Preußen mit Ausnahme des Mordens und Stehlens jede Freiheit aestattet ist. Die Einführung des Reichstagswablrechts sei der erste Weg zur Republick. Der stock=konservative Graf Roon schlägt ungefähr in dieselbe Kerbe. während von der Oberbürgermeisterpartei einer gesunden Weiterentwickelung das Wort geredet wird. Darauf läuft schließlich auch eine Rede des Herzogs Erust Sintder hinaus, der sichtlich von seinem konservativen Vorredner abrückt und sich mancherlei aus den Reden des Reichskanzlers zu eigen macht. Ein Zwischenspiel bedeutet die Rede des alten Fürsten Radziwill, der alles das sagt, was die Polen im Reichstag und Abgeordnetenhaus schon längst bätten sagen müssen, den Dank für die Errichtung des neuen Polens und die Zusicherung, daß die preußischen Polen auch künftiabin els preußische Staatsbürger ihre Pflicht tun. Fürst Hatfeldt erkennt gern den Unterschied in der Tenart an, der aus diesen Worten hervorgeht. Und dann aebt es weiter wie in einem wohlvorbereiteten Theaterstück. Die Worte des Fürsten Hatzfeld werden sofort von Herrn v. Breitenbach— der bereits vorher den Reichskanzler warm gegen die Angriffe der konservativen Heißsvorne verteidigt hatte— aufgegriffen, der die allgemein überraschende Mitteilung macht, daß die preußische Rezierung sich entschlossen habe, mit Rücksicht auf die lange Dauer des Krieges, ihren bisberigen Standpunkt zu verlassen, während sie früher daran festgehalten hat, das den Polen in Aussicht gestellte Entgegenkommen erst nach dem Kriege in die Tat umzusetzen. Herr v. Breitenbach teilt mit, daß die Regierung bereits in Erwägungen über die Aufhebung des Enteignungsgesetzes sowie über Erleichterungen für den Gebrauch der polnischen Muttersprache eingetreten ist. Gleichzeitig wird erwogen, durch eine entsprechende Handhabung des Ansiedlungsgesetzes und durch Gewährung von finanziellen Staatsbeihilfen den volnischen Staatsbürgern die Möglichkeit zu geben, sich in ihrer Heimatprovinz anzusiedeln. Während die konservative Fraktion erklären läßt, daß sie sich an der Besprechung der polnischen Frage nicht zu beteiligen beabsichtigt, finden die Mitteilungen der Staatsregierung von der Linken her doch Widerspruch, so von dem Königsberger Oberbürgermeister Körte und noch schärfer von dem Posener Oberbürgermeister Wilms der mit einiger Ironie meint, bisher habe die Regierung stets gesagt, daß während des Krieges nichts geändert werden könne, jetzt auf einmal lage sie, daß doch etwas geänhert werden solle. Diese Praktik erinnere stark an das Kriegsernährungsamt. Die Weiterberatung wird dann. nachdem der Düsseldorfer Oberbürgermeister Oehler noch die Schwierigkeiten der Versorgung der Großstädte des Westens mit Lebensmitteln besprochen und besonders die Nachteile der bolländischen Einfuhrsperre für Westdeutschland hervorgehoben hat, auf Donnerstag vertagt. Die in der heutigen Sitzung des Herrenhauses von dem Vizepräsidenten des Staatsministeriums. v. Breitenbach, abgegebene Erklärung hat folgende Wortlaut: Namens der Staatsregierung teile ich mit, daß wir in Erwägungen eingetreten sind, die bald zum Abschlusse gelangen werden, über eine Aufhebung des Enteignungsgesetzes. Ferner werden Erleichterungen in dem Gebrauche der volnischen Muttersprache in Aussicht genommen. Andererseits wird auch erwogen, daß durch eine entsprechende Handhabung des Ansiedlungsgesetzes den polnischen Staatsbürgern die Möglichkeit gegeben wird zur Ansiedlung in ihrer Heimatprovinz. Ich hoffe, daß damit eine neue Zeit gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Wirkens unserer preußischen und polnischen Landsleute beginnen wird. Bei s 81a(Frachturkundenstempel) empfiehlt Aba. Dr. Pfleger einen Kompromißantrag, der die Rückvergütung der Stempelgebühren vorsieht, sobald die Güter von der Eisenbahn zur Wasserbeförderung und von da wieder an die Eisenbahn umgeladen werden. Der Antrag wird ohne Aussprache angenommen, ebenso der Rest der Vorlage. Es folgt die zweite Beratunn des Kohlensteuergesetzes. Hierzu beantragt die Kommission, folgende Resolutionen anzunehmen: a) die verbündeten Regierungen zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß 1. die Kohlenpreise ab Grube oder Verarbeitungsstelle aus Anlaß der Steuer nicht über den Betrag der Steuer hinaus erhöht werden: 2. daß die Gemeinden oder Gemeindeverbände von der Berechtigung zur Festsetzung von Höchstpreisen für Kohle oder sonstige Brennstoffe in weitestem Umfange Gebrauch machen: b) den Herrn Reichskanzler zu g#uchen, darauf hinzuwirken, daß bei den aus Anlaß der Verkehrssteuergesetzes bevorstehenden Tarisänderungen die Außenansiedlung der städtischen und gewerblichen Bevölkerung in Kleinhäusern mit Gärten und Land in den Zonen weiträumlicher Bebauung durch die Höhe und Gestaltung der Tarise im Nahverkehr begünstigt wird. Zu§ 6, der den Steuerbetrag festsetzt und gleichzeitig die Hausbrandkohle, die Gemeinden oder Gemeindeverbände für die Inhaber von Kleinwohnungen beziehen, bis zur Hälfte von der Steuer befreien will, liegt ein Antrag Albrecht u. Gen. vor, der festgesetzt wissen will, daß die Werke die Koblenpreise zuzüglich der Steuer für die Dauer des Krieges nicht über den Stand vom 15. Februar 1917 erhöhen dürfen, ferner daß die Werke an Gemeinden oder Gemeindeverbände die Kohle direkt zu ersten Verkaufspreisen liefern, wobei die Hausbrandkohle für die Minderbemittelten steuerfrei bleibt. Für den Bezug der Hausbrandkoble durch Minderbemittelte haben die Gemeinden die notwendigen Einrichtungen zu treffen. Im Falle der Ablehnung des Antrages wird der Eventualantrag gestellt, daß die Kohlensteuer für diese Hausbrandkoble zurückzuvergüten ist. Auch soll hinzugefügt werden, daß die Werke verpflichtet sind. nach vom Bundesrat aufzustellenden Grundsätzen Kohle für Hausbrandzwecke an Gemeinden oder Gemeindeverbände direkt und zu ersten Preisen zu liefern. Abg. Buck(Soz.]: Die bergbaulichen Interessenten begrüßen die Vorlage und rechnen schon mit ihr. Bei den jetzigen Preisen ist es nicht zu rechtfertigen, die Kohlen. die schon um 40 Prozent im Preise gestiegen sind um weitere 2 Prozent zu verteuern. Die städtischen Verwaltungen werden geradezu aufgefordert, die Preise für Gas, Wasser und Elektrizität zu erhöhen. Das Reich wird insbesondere durch den Kohlenverbrauch bei der Marine belastet, nicht zuletzt aber Gewerbe und Industrie. Wie soll ein Bäcker, der an Höchstpreise gebunden ist. die Mehrausgaben tragen? Das Reich sollte wenigstens den Verschleiß der Koblen übernehmen, um damit die vielen Zwischenstellen zwischen Erzeuger und Verbraucher auszuschalten. Ich bitte Sie. die Kohlensteuer abzulehnen.(Beifall bei den Soz. Abg. Stöve(natl.): Wir werden der Kohlensteuer zustimmen, wie sie aus der Kommission gekommen ist. Sie wird hoffentlich dazu dienen, daß die Industrie auch die Koblen mehr als bisher ausnutzt. Abg. Dr. Pfleger(Zentr.): Der sozialdemokratische Antrag will den Gemeinden den Bezug von Hausbrandkoblen auferlegen. In manchen Gemeinden, so im Mittelgebirge. wird nur Holz gebrannt. Schon aus diesem Grunde ist der Antrag für uns nicht annehmbar. Den Kleinhandel wollen wir auch nicht ausschalten: er muß vielmehr gefördert werden. Wir haben der Steuer nicht mit leichtem Herzen zugestimmt. Aba. Gothein(Kortschr. Bo.): Bei dieser Rotlage des Reiches mußten wir notgedrungen zur Kohlensteuer greisen. Den Vorzuo hat die Koblensteuer, daß sie billig eingezogen werden kann, und außerdem trägt das Ausland einen beträchtlichen Teil dieser Steuer. Gewis bestehen im Zwischenhandel viele Schäden: aber die Gewinne der Untergesellschaften der Kodlengruben werden in den Grubenpreis vom Gesetz einbezogen. Der von der Kammission beschlossene Zusatz. wonach die für aus Braunkodle dergestellte Preßkodle zu zahlende Steuer 15 Prozent betragen soll. bedeutet eine Liebesgabe an die Gruben von 10 Millionen Mark. Isch bitte diesen Passus wieder zu streichen. Abg. Wildarude(kons.): Mit der dreijöhrigen Befristung Lönnen wir uns wohl defreunden. Wir hoffen, daß die gauge Verdiltnise des Reiches durch eins Krieasentschädigl##n, die ie auch der Aba. Keil nicht zurückweisen wil. — dessern werden. Nach dem Kriene werden wir noigedrungen zu einer gründlichen Steuerreform kommen müssen. Ein Monovol ist abzulehnen. Die neue Steuer wird keineswegs eine übermäßige Belastung der Familien und der gewerblichen Betriebe mit sich bringen. Für eine vierköpfige Familie wird mit einer jährlichen Mehrausgabe von 5 bis höchstens 7 Mark zu rechnen sein. Das Brot wird noch nicht einen halben Pfennig verteuert. Wir bewilligen die Steuer als ein gutes Werk zum Segen des geliebten Vaterl. des. Abg. Henke(SAG.): Wir lehnen die Kohlensteuer ab. Das Gesetz ist eine Versündigung am Volke und ein Schlag ins Gesicht aller unter der schweren Zeit Leidenden. Abg. Buck(Soz.) tritt nochmals für den sozialdemokratischen Antrag ein. Nach weiteren Bemerkungen des Aba. Gothein schließt die Besprechung. 1 des Gesetzes wird angenommen, ebenso die 65 bis 5. Zu§ 6 erklärt Abg. Hoch(Soz.): Unser Antrag will verhindern, daß namentlich der arbeitenden Bevölkerung angesichts der Kohlennot die Hausbrandkoble verteuert wird. Auch der schmarotzerische Zwischenhandel soll ausgeschaltet werden: der Kleinkohlenhandel darf nicht brotlos gemacht werden. Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt und der erste Absatz des§ 6 angenommen. Bei der Abstimmung über den Zusatz:„Für aus Braunkohle hergestellte Preßkohle beträgt die Steuer 15 Prozent“ ergibt sich durch Hammelsprung, daß der Zusatz mit 105 gegen 111 Stimmen abgelehnt wird. Der§ 6 wird mit Streichung dieses Zusatzes angenommen, ebenso der Rest des Gesetzes. Auch die vorgeschlagenen Resolutionen gelangen zur Annahme. Damit ist die zweite Lesung der Steuervorlagen erledigt. Zur Geschäftsordnung macht Abg. Scheidemann darauf aufmerksom, daß seine Partei den heute abgelehnten Antrag bei der dritten Lesung wieder einbringen und namentliche Abstimmung beantragen werde. Darauf vertagt sich das Haus aus Donnerstag 11 Uhr. Tagesordnung: Notetat, dritte Lesung der Steuervorlagen. Etat des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes. Schluß nach 8 Uhr. Aus des Stadt. Rünster, 39. März. C Offentliche Versammlung. Die Kommission im Anschluß an den freiwilligen Hilfsdienst wird Freitag, den 80. März, nachmittags 6 Uhr. im Frauenbundhaus eine öffentliche Versammlung abhalten. in der über die zeitgemäßen Aufgaben der Arbeiterinnenfürsorge von berufener Seite gesprochen wird. Scharen von Frauen sind in den vaterländischen Hilfsdienst eingetreten, von dem aus der Schule entlassenen Kinde auswärts bis zur ledigen, verheirateten und verwitweten Frau reiferen Alters. Und wenn auch noch ein Überangebot an weiblichen Kräften besteht, so ist doch anzunehmen, daß je mehr die Männer zum Waffendienst einberusen werden, auch hier noch ein Wandel stattfindet und neue Scharen angefordert werden. Viele sind dadurch bereits aus der engen Gemeinschaft der Familie ausgetreten, andere haben weder Familie noch Schut, sie stehen allein. Eine neue Betätigung sozialcaritativer Art tritt auch an die Frauenwelt Münsters heran, und zwar: Sorge für das körverliche oder soelisch=sittliche Wohl der im Vaterländischen Ii#sdienst Arbeitenden, Rürsorge für deren RamilienmitW., besonders die Kinder, damit sie nicht durch die außerbäusliche Arbeit der Mutter an Leib und Seele Schaden nehmen. Der Ernst der Zeit ruft uns Frauen zu sozialpllegerischer Arbeit, überhören wir den Ruf nicht! Treten wir selbst mutig in diese Arbeit ein, wecken wir aber aus andere gereifte Persönlichkeiten, damit die notwendigen Kräfte bereitgestellt werden können und mit der steigenden Zahl von Arbeiterinnen, die für unser Vaterland, für uns ihre ganze Kraft aufbieten, Schritt halten. Aber nicht undorbereitet dürfen die Frauen an diese schwierigen Aufgaben herangeben, sondern die gegebene Gelegenheit, sich eingebend zu orientieren, wahrnehmen, und dazu dient zunächst der am Freitag stattfindende Vortrag von Frl. Heinen, Vertreterin der Frauenarbeitsnebenstelle Barmen. Die bewährte Rednerin steht schon seit Jahren opferfreudigen Herzens in der Praxis dieser sozialpflegerischen Tätigkeit und ist daber die berufene Führerin auf diesem Gebiete der neuen Liedesorbeit. Die in den sozial=cavitativen Vereinen Wirkenden, auch die gereiftere Jugend und alle, die belfen wollen, sich in großer Zabl zum Vortrag einfinden. Parssomn Vernnia=Camnlung, Das Grachats ung bat, wes banlend lestaeftelt werben laun, das der Februarsammlung übertroffen: die Bitte um einen tieferen Griff in den Geldbeutel zugunsten der Zwecke der Hilfs= und Beratungsstelle ist also nicht ungehört verhallt. Daß unter den Zehnpsennigstücken sich drei Zwanzig-Markscheine und Fünf=Markscheine in größerer Anzahl als sonst fanden, ist eine höchst erfreuliche und auch für die späteren Sammlungen zur Wiederholung sehr zu empfehlende Tatsache. Das Ergebnis der Januar=Sammlung ist aber durch die März=Sammlung dennoch nicht erreicht worden. Darum sei auf die am Sonntag, den 1. April. stattfindende nächste Sammlung nachdrücklichst zur Ausaleichung des Rückstandes hingewiesen. Am 1. April. dem Quartalsersten, kann der Geldbeutel in einem großen Teil unserer Bürgerschaft schon einen derberen Griff vertragen als im März. Am Sonntag vor Ostern, dem letzten Sonntag der Fastenzeit, dürfte auch mehr Neigung zum Almosengeben bestehen, als an andern Tagen, besonders wenn man durch das Almosen seine notleidenden Mitmenschen vor Zwangsfasten bewahren kann, die über Ostern hinausgehen Darum nochmals die berzliche Bitte: Gebe jeder den sammelnden Kindern so viel in ihre Büchsen, als eben in seinen Kräften steht, je mehr, desto besser— an Verwendungsmöglichkeiten fehlt es in Anbetracht der zahlreichen bedürftigen Kinder und Frauen sicher nicht. Keiner aber lasse die Kinder umsonst bei sich vorsprechen— die für Notleidende sammeln, schickt man nicht in den April. I Das Konzert von Heinrich Graf von Wesdehlen und Martin Weber zum Besten der Kriegshülfe, welches am Freitag abend 7½ Uhr in der Aula des Städtischen Gymnasiums stattfindet, wird als Einleitung wiederum die Sonate op. 30 für Violine und Klavier von Beethoven bringen und sodann das Präludium Lour und Gavotte für Violine von Bach. Den Mittelpunkt der in allem künstlerischen Darbietungen bilden die Toccata in C=dur und die Sonate in A-dur für Violine und Klavier von Bach bzw. Cäsar Frank, beides auserlesene Werke der edelsten Musik, die bei ihrer ersten Aufführung hier in dem Konzert am 11. d. M. begeisterte Zuhörer fanden. Um diesmal den Besuch des Konzertes und damit der Wohltätigkeit weitesten Kreisen zu ermöglichen, ist der Eintrittspreis auf 1.50 Mk. und für Schüler auf 1 Mk. bemessen. □ Der Sommefilm wird in eigenen Schülervorstellungen dreimal in der Zeit von 2—4½ Uhr nachmittags, im Tonbildtbeater, Ludgeristraße, vorgeführt. Zu diesen Vorstellungen haben nur Schüler und Lehrpersonen Zutritt. □ Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. Am Montag, 2. April ds. Is., wird Geheimrat Schenk im großen Hörsaal des Chemischen Instituts der Universität seinen zweiten Vortrag halten. Mitglieder des Vereins erhalten in der Musikalienhandlung von Kneer am Donnerstag und Freitag dieser Woche gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte eine Eintrittskarte unentgeltlich und eine Beikarte für 50 Pfa. für Familienangehörige. Von Samstag ab werden die noch übrigen Karten zum Preise von 1 Mark auch an Nichtmitglieder verkauft. * Tödlicher Unglücksfall. Auf der Weseler Straße spielten gestern nachmittag mehrere Kinder auf einer Mauer. Plötzlich gab diese nach, stürzte zusammen und begrub einen etwa 10jährigen Knaben unter sich. Trotzdem sofort Hilfe zur Stelle war, konnte der Knabe nur noch als Leiche unter dem Schutt hervorgezogen werden. * Mitteilungen des städtischen Kriegsausschusses. Die besondere Berechnung für Einwickelpapier usw. beim Verkaufe von Waren, für welche Höchst= oder Richtpreise festgesetzt sind, ist eine verschleierte Überschreitung solcher Preise und demzufolge strafbar. * Ablauf der Meldefrist für Aluminium=Gegenstände. Der Magistrat teilt uns hierzu mit: Die geringe Zahl der abgeholten Meldeformulare und die bislang nur sehr spärlich eingegangenen Bestandsmeldungen der beschlagnahmten Aluminium=Gegenstände beweisen, daß der weitaus größte Teil der Meldepflichtigen die unbedingt notwendige Anmeldung nicht bewirkt. Das überaus ungünstige bisherige Meldeergebnis läßt vermuten daß weite Kreise die der Beschlagnahme unterliege nden Aluminium=Gegenstände nicht abzuliefern gedenken. Umlaufende Gerüchte und zur Kenntnis der Behörde gelangte Privatunterhaltungen verstärken diese Vermutung, Ale anmeldepflichtigen Personen, insbesondere die Hausfrauen werden daher eindringlichst darauf hingewiesen, daß die Anmeldung und Ablieferung der beschlagnahmten fertigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenstände aus Aluminium vaterländische Pflicht ist. Es wird daher erneut darauf hingewiesen, daß die Meldepflicht mit dem 30. ds. Mts. abläuft, die vorgeschriebenen Meldeformulare sind bis zu diesem Tage einschließlich auch nachmittags von 8—6 Uhr— in der Botenstube im unteren Flur des neuen Verwaltungsgebäudes srechts vom Haupteingang, Clemensstraße), erhältlich sind und müssen bis zum 30. März abends ausgefüllt an den Magistrat zurückgelangt sein. Zur Meldung verpflichtet sind alle Personen(natürliche und juristische, einschließlich öffentlich=rechtlicher Körperschaften und Verhändel, ebenso Erzeuger und Händler, die fertige, gebrauchte oder ungebrauchte AluminiumGegenstände in Besitz oder Gewahrsam haben. Die Meldepflicht erstreckt sich auch auf kirchliche, stiftische, kommunale, im Eigentum des Reiches oder eines Bundesstaates befindliche Gegenstände. Da das Melde=Ergebnis bis zum 1. April 1917 der Metall=Mobilmachungsstelle mitgeteilt sein muß, und die vorliegnden Meldungen ein ganz unrichtiges Bild der im Stadtkreise Münster zweifellos vorhandenen erheblichen Bestandsmengen ergeben, werden Übertretungen der Meldepflicht gemäß§ 6 der Bekanntmachung über die Sicherstellung von Kriegsbedarf vom 24. Juni 1915 rücksichtslos bestraft werden. Wer in diesem für das Vaterland entscheidenden Zeitabschnitt die Sicherstellung des Heeresbedarfs durch Zuwiderhandlungen gegen notwendige Beschlagnahme=Verordnungen und Ausführungs=Bestimmungen gefährdet, hat auf Nachsicht nicht zu rechnen. Aus den Provinzen. A Hamm, 27. März.(Der Rindviebzuchtverband für die Provinz Westfalen) hielt hier heute unter dem Vorsitz des Frhru. von Wendt=Gevelinahausen seine diesjährige Generalversammlung ab. Den Jahresbericht erstattete Zuchtinspektor Schraeder=Münster. Beschlossen wurde in diesem Jahre eine Anzahl schwarzbunter Bullen in Fröndenberg zum Verkauf zu bringen, ferner 5—10 rotbunte Bullen, wenn möglich aus Holland einzuführen oder am Niederrhein aufzukaufen. Diese Bullen sollen im Hamm verkauft werden. Ein Vortag des Pros. Dr. Bömer=Münster über die praktische Bedeutung der Strohaufschließung wurde mit lebhaftem Interessen aufgenommen. Bei der Landwirtschaftkammer soll beantragt werden, in diesem Jahre wieder einen Herbstzuchtviehmarkt in Dortmund ab zuhalten. Vermischtes. * Nachen, 28. März. Hier wurde die Gründung eines Ortsverbandes des deutschen Caritasverbandes beschlossen. 6 * Zufall oder? Vor ungefähr zohn Jahren stellte ich aus Scherz dem neugebildeten französischen Ministerium durch Untereinanderstellung der Namen das Horoskop; es lautete:„Nix besonderes!" Die Vorhersage traf ein, denn das Ministerium wurde bald wieder Ainweggesegt, Ein gleicher Versuch mit den Namen des jüngst gebildeten französischen Ministeriums hatte folgendes Ergednis: Für die Deutschen. D antel Bincent Malvi S teeg Thierry Clem entel Vivi ant Thomas Lacage Magino: Fernand David Beur geots Ribot Painlevs Decdlesr Bielette „Das heißt Friedel“ Für die Franzosen. Pacaze Malvy Fernand David Biviant Clementel Daniel Bincent Diol ette Deplacs Thom as Mag inot Beurgeoic Painievs Ribet Thierry Steez „La fin de la guerre!“ (Das Ende des Kriegs.) Hesias, p# des aud buse beiten„Prophepihungen“## Denttebe. Seintich 91# MIKrORmaTCHIU der deutschsprachigen Presse e.V. P Handel und Industrie. X Essener Credit=Anstalt. Essen 28. März. In der heutigen Generalversammlung waren 67 Aktionäre erschienen, welche 32423400 Mark Aktienkapital vertraten, die Entlastung für das Rechnungsjahr 1916 erteilten und die satzungsgemäß ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder wiederwählten. Der Vorsitzende. Kommerzienrat Müller, widmete den kürzlich verstorbenen beiden Mitgliedern. Direktor Willers und Geheimrat Dr. ina. Gisbert Gillhausen ehrende Nachrufe und gedachte in Worten voll Dank und Wehmut der 30 Beamten der Credit=Anstalt, welche im vergangenen Jahre im Kampfe für unser Vaterland den Heltentod erlitten haben. Bezüglich des bereits veröffentlichten Jahresberichtes wurde hingewiesen auf die bei allen deutschen Banken gleichmäßige Verminderung der Debitoren und der Vermehrung der Kreditoren und Bilanzflüssigkeit, sowie auf den Mehrgewinn an Zinsen, Provision und Effekten. Der erzielte Mehrüberschuß wird zur Erhöhung der Dividende von 8 Prozent auf 8½ Prozent und des Vortrages um eine halbe Million auf 2159 444,10 Mark benutzt. Die Dividende ist vom 30. er. ab zahlbar. Direktor Jötten teilte noch mit, daß der erhöhte Gewinnvortrag eine weitere Rüstung für die Zukunft bilde, da man diese angesichts der Kriegszeit und der demnächstigen Übergangszeit zur Friedenswirtschaft noch nicht zu übersehen vermöge. Im eventuellen Falle könne der hohe Vortrag auch dazu dienen, die Dividende möglichst stetig zu machen. Von den vor dem Kriege beschäftigten männlichen Beamten seien 7335 Prozent zu den Fabnen einberusen und davon bis jetzt 16 Prozent gefallen und 25½ Proz. verwundet, vermißt oder gefangen. Mit Wirkung ab 1. Okt. 1916 sei allen Beamten mit einem Gehalt bis 6000 Mark die im Jahre 1915 gewährte Teuerungszulage verdoppelt. Das lausende Geschäftsjahr habe sich bisher in denselben Bahnen entwickelt, wie im Jahre 1916: es weise zunehmende Umsätze und weiteres Zuströmen fremder Gelder auf Direktor Jötten beabsichtige, nächstes Jahr aus dem Vorstande auszuscheiden, um in den Ruhestand zu treten, aber für die Credit=Anstalt weiter tätig zu bleiben und ihr seine Kenntnisse und Erfahrung zu widmen, wozu seine Wahl in den Aufsichtsrat in Aussicht genommen wird. Berlin als Zechenbesitzer. Berlin, 28. März. In der gestrigen nicht öffentlichen Sitzung der Berliner Stadtverordneten=Versammlung wurde dem Antrage des Magistrats entsprechend beschlossen, die Kure der Kohlenfelder der Gewerkschaft Röchling für die Stadt Berlin anzukaufen. Über den mehrfach erwähnten Ankauf von Kuxen der Bergwerksgesellschaft Trier ist der Stadtverordneten=Versammlung bisber keine Magistratsvorlage zugegangen. Es wurde aus der Versammlung hervorgehoben, daß bei der Zustimmung zu dem Ankauf von Röchlina gegenüber anderen Projekten die volle Freiheit der Entschließung sowolll hinsichtlich des Erwerbs selbst, als auch hinsichtlich der Preisfrage vorbehalten werde.— Der Feldbesitz Röchlina liegt zwischen Werne und Herbern und umsaßt 21 preußische Maximalfelder mit rund 46 Millionen Quadratmeter. Der Besitz bildet fast ein quadratisches Viereck. Das ganze Ge tet ist vorläufig in landwirtschaftlicher und forstwirtschaftlicher Benutzung. Der Kohlenvorrat beträgt bis zu einer Tiefe von 100 Metern rund 101 Millionen Tonnen obere Fettkohle mit einem Gasgehalt zwischen 29.5 und 35.8 v. H. Bis 1200 Meter Tiefe hat man auf Grund von Bohrungen den Vorrat auf 500 Millionen Tonnen geschätzt. Die Deckgebirgs=Verhältnisse sind, wenn die Überlagerung auch bis zu einer Tiefe von mehr als 1000 Meter heruntergeht, für den Kohlenbergbau günstig. Die Kohlenablagerung ist nach den geologischen Gutachten für den Berabau sehr günstig. Es kann nach den beramännischen Aufschlüssen im Nordosten des westfälischen Bezirks tatsächlich mit ruhiger Lagerung überwiegend gerechnet werden. Der Kohlenvorrat ist bis zur Tiefe von 1200 Metern schon derartig, daß vier große Doppelschachtanlagen mit einer Leistungsfähigkeit von 1 200 000 Tonnen je eine über 100jähriae Lebensdauer haben würden. Aus fachmännischen Kreisen wird uns versichert, daß der Röchlinasche Besitz zurzeit sowohl nach seiner Lage, seiner ungemein günstigen Form und auch nach dem Kohleninhalt das Beste darstellt, was in absehbarer Zeit käuflich sein durfte. Danach scheint auch der geforderte Preis von 8 400000 Mark nicht unangemessen.— Der„Berl. Lok.=Anz.“ meint: Nachdem der Erwerb von Röchlina nunmehr perfekt ist, kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß auch die Trierer Kohlenbergwerke in absehbarer Zeit in den Besitz Berlins übergehen werden. In der amtlichen Mitteilung wird zwar bemerkt, daß bisher eine Vorlage des Maaistrats über die Trierer Bergwerke der Stadtverordneten=Versammlung nicht zugegangen ist, doch gilt es als sicher, daß der Erwerb von Röchling nicht erfolgt wäre wenn nicht die Absicht bestehen würde, auch die Trierer Werke anzukaufen. Für Röchling war die Frist zur Entscheidung nur bis zum 1. April gestellt worden, und deshalb mußte gestern die StadtverordnetenVersammlung sich schlüssig werden. Hauptredakteur Rudolf Strietholt.— Es verantworten: den redaktio. nellen Teil Paul Koene, die Reklamen und Inserate Anton Busch, alle in Münster.— Druck und Verlag der Aschendorffschen Buchhandlung in Münster. Pencha-Pheutel Nur noch heute und morgen! Das größte Filmdokument des Weltkrieges: Das eseitsitss Wohnungs= u. Stellen=Anzeiger. Salzstrasse 25. Nur noch 2 Tage! Versetzungshalb. besser möbl. Zimmer mit voller Pension zu vermieten. Diplomat=Schreibtisch u. Dauerbrenner vorhand. Näheres in der Gesch. ds. Bl. 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Tages=Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Genehmigung der Bilanz für 1916 und Entlastung des Vorstandes. 3. Wahl von Vorstands= und Aufsichtsratsmitgliedern. 4. Verschiedenes. Die Bilanz nebst Gewinn= und Verlustrechnung ist in unserm Geschäftslokal zur Einsicht ausgelegt. Der Vorstand. Durch die glückliche Geburt eines gesunden * Töchterchens wurden hocherfreut Münster, den 28. März 1917. Landesökonomierat Becker und Frau Frida geb. Becker. Dem Herrn über Leben und Tod hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, gestern abend 11½ Uhr meine innigstgeliebte Frau, unsere gute, treusorgende Mutter Frau Hermann Schrder Caroline geb. Stadtmann zu sich in ein besseres Jenseits abzuberufen. Sie starb nach kurzem, schwerem Leiden, wohlvorbereitet durch einen christlich=srommen Lebenswandel, gestärkt mit den Heilsmitteln unserer heiligen Religion, im Alter von 49 Jahren und im 28. einer überaus glücklichen Ehe. Wir bitten, der teuren Verstorbenen im Gebete zu gedenken. Einen i. W., Deuten, westlicher Kriegsschauplatz, den 26. März 1917. In tiefer Trauer: Hermann Schröer und Kinder. Die Beerdigung findet statt Donnerstag, den 29. März, morgens um 9 Uhr, darnach das feierliche Seelenamt. Gardinen aufhängen. Matratzen, sowie Sofas aufarbeiten in und außer d Hause. J. Höner, Polsterer, Augustastraße 65.— Karte genügt.— Rosen, hochstämmig und niedrig, in den besten Sorten. Th. Strotkötter, Kreuzgasse 1. Guitarren Lauten Mandolinen Trommeln Trommelilöten Ziehharmonikas hat in größter Auswahl und jeder Preislage die M. Rheer“. Musikalienhandlung, Prinzipalmarkk 29. Wäscheanfertigungen durchweg zu alten bekannt billigen Preisen ohne Aufschlag. a° Joh. Heinr. Jansen. Geuer Rohten a. Ein größerer Posren in guten“ Qualitäten weit unter regulärem Preis eingetroffen. a“ C. Rütter sr., Dr.Simpen 11—16. Dr. Hohenkirch Spezialarzt für Beinleiden Bahnhosstr. 12 ist Lonntag den ganzen Tag anwesend. as Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, heute morgen 3¾ Uhr unsere innigstgeliebte, herzensgute Mutter, Grossmutter, Schwiegermutter, Schwsster, Schwägerin, Tante und Grosstante, die wohlschtbare Frau Fr. Ziock Wwe. Elisabeth geb. Austermann im gesegneten Alter von 76 Jahren, versehen mit den Tröstungen unserer hl. Religion, nach einem frommen und tätigen Leben in das bessere Jenseits abzuberufen. Mit der Bitte um stille Teilnahme und um ein frommes Gebet für die teure Verstorbene, die wir besondere den Priestern am Altare empfehlen. Münster i. W., Greven, Brambauer bei Dortmund, Steyl (Holland), Berlin, Dortmund, Bochum, Duisburg-Hochfeld, Arnsberg, Warendorf u. Milwaukee(Nord-Amerika), d. 27. März 1917. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Samstag, den 31. März, nachmittags 3½ Uhr vom Sterbehause Weselerstrasse 6 aus statt. Das feierliche Seelenamt wird Samstag morgen 9 Uhr in der Antoniuskirche gehalten. Statt jeder besonderen Anzeige. Auf dem Felde der Ehre starb am 20. März mein innigstgeliebter, einziger Sohn und Bruder, unser guter Enkel und Neffe Kriegsfreiwilliger im 11. Husaren=Regt. auf einem Beobachterposten infolg e eines Halsschusses im Alter von 21 Jahren. Wir bitten seiner im Gebete zu gedenken. In tiefer Trauer: Familie Beenen. Münster, Wesel, Rees östl. Kriegsschauplatz, Cöln, Laer, Goch. Die feierlichen Exequien werden in der MariaHimmelfahrtskirche zu Wesel gehalten am Montag, den 2. April, morgens 8 Uhr. Das Jahres=Seelenamt für den auf dem Felde der Ehre gefallenen Musketier Bernard Tippkötter findet statt Freitag, den 30. März, morgens 8 Uhr, in der Lamberti=Pfarrkirche, wozu srdl. eingeladen wird. sersehschee chuse gefalat, heute nache 1sz, Uhr meinen lieben unvergeßlichen Mann, unseren guten treusorgenden Vater, Bruder, Schwager und Onkel, den Gutsbesitzer Bernhard Wiggering=Holtrup Kombattant des Feldzuges 1870/71 zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Er starb nach längerem, mit musterhafter Geduld ertragenem Leiden, gestärkt durch den andächtigen Empfang der hl. Sterbesakramente, im 71. Lebensjahre. Wir empfehlen die Seele des teuren Verstorbenen dem Gebete der Gläubigen und besonders den Priestern beim hl. Meßopfer. Greven, Alzey, Altenberge, den 27. März 1917. Die trauernden Angehörigen. Die Beerdigung findet statt Freitag, 30. März, morgens 8 Uhr, gleich darauf das feierliche Seelenamt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Anzeige erhalten hahen, so bitten wir, diese als solche anzusehen. Das Sechswochen=Seelenamt für den auf dem Felde der Ehre gefallenen stud. phil. Alfred Stracke Unteroffizier im Ins.=Reg. 58, 11. Kompagnie findet statt Freitag, den 30. ds. Mts., morgens 8 Uhr in der Herz=Jesukirche, wozu freundlichst geladen wird. wetr gf, wega fesunlbsgse ein. Das Jahres=Seelenamt für den verstorbenen Rechnungsrat Hermann Maymann wird Freitag, den 30. März, morgens 9 Uhr in der Liebfrauen=Pfarrkirche gelesen, wozu frdl. eingel. wird. Danksagung. Für die uns beim Ztinschelden unserer unvergeßlichen Tochter, unserer guten Schwester bewiesene Tellnahme sprechen wir unsern innigsten Dank aus. Familie Gerd-Hfolling. Alverskirchen. Stadl Theater Zwei Gastspiele des Großherzogl. Hoftheaters Schwerin. Samstag, den 31. März 1917: Rosmersholm. Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrik Ibsen. anf. 4# Ende 10¼ Uhr. Sonntag, den 1. April 1917: Drama in 3 Aufzügen von Max Halbe. Ansang 7, Ende 97. Uhr. Gewöhnliche Preise. Vorverkauf von 10—1 Uhr an der Theaterkasse vom 30. ab. Schluß der schriftlichen Vorbestellungen am 29., abends 6 Uhr; diese Karten müssen am 30. von 10—1 Uhr abgeholt werden. Dertmunder Inhaber Hubert Thüsing, Alter Fischmarkt 11/12. Georg Hertel, der urkomische GroteskKomiker, nur noch einige Tage. Außerdem das vorzügliche Märzprogramm. Richard Bellack, ar mit neuem Repertoir. Kaiser-Panorama. Agidilstraße 5. (Filiale aus Berlin.) ag Vom 25. März bis 1. April: Unsere Marine in Südbelgien. Geöffnet v. 2 Uhr nachm. bis 8 Uhr abends. Eintritt 20 Pfg. Kinder 10 Pfg. Abonnement. Zwei Lehrerinnen aus dem Industriebezirk suchen für die Ferien(4.—24. April) Aufenthalt auf dem Lande, am liebsten auf Bauernhof. Bedienung und Aufwartung wird nicht verlangt, nur gute Kost. Gefl. Angeb. m. Vergütungsansprüchen an J. Kassel, Sterkrade. Kriegerfrau mit 5jähr. Jungen, in allen landwirtschaftlich. Arbeiten erfahren, sucht für d. Kriegszeit Aufenthalt auf dem Lande. Off. u. G G 858 an d. Geschäftsstelle ds. Bl. Anl. z.Gemüsebau 20 Pf. Part.bill. Thiele, Buchhdlg., Prinzipalm. 5. 83 an Damen u. Herren in Maschinenschreiben Stenographie Schönschreiben Buchführung Rechnen, sowie sämtlichen Handelsfächern. W. Astrupp jetzt Salzstraße 56 1 (wehr als zehnfsährige Unterrichtspraxis. Trauer-Anzeigen (auch Sonntage) Totenzettel, Dank- u. Besuchskarten in Buch- u. Steindruck Heinrich Buschmann, Buch- u. Steindruckerei Drubbel 17—18. Mütter Hl. Kreuz. Unser Mitglied Feau dreimner (Kellermannstr. 1) ist gestorben. Das Seelenamt ist Freitag 8 Uhr. Alle Mitglieder sind freundlichst eingeladen. Bömer, Pfarrer. 5 AR *