der deutschsprachigen Presse e.V. 4 (4 * Sezugspreis vierteljährlich: Ausgabe A(ohne „Wochenschau“) in Münster zweimal täglich frei ins Haus gebracht 2 Mk. 10 Pfg.,— auswärts von der Post abgeholt 2 Mr. 10 Pfg, durch den Briefträger gebracht überall, wo nur einmal in Tage Briefbestellung stattfindet, 2 Mk. 52 Pfg. i Orten mit zwei= und mehrmaliger Bestellung 2 Ml. 82 Pfg.— Ausgabe 8(mit„Wochenschau") vierteljährlich 60 Pfg. mehr. Fernspr.: Redaktion u. Verlag Nr. 2448, 2440 u. 2450. (Michaelisplatz 9) Nr. 78. Zwei Ausgaben ugug. und Münsterische Volkszeitung. 45294 Mbomenten. Enzelgen: Der Raum für bis Anzeigenspalte, 20 mm breit, 2 2mm hoch, 25 Pf.; bei Anzeigen aus dem Münster 20 Pf., aus der Stadt Münster 15 Pf.(für Aktiengesellschaften 2c., Vereine und Behörden 25 Pf.: Reklamen: Der Raum für die Reklamespalte, S7mm breit, 2. 2mm hoch, 1 Mk.— Für Erfüllung von Platz= vorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druckfehler keine Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gilt als Kassenrabatt u. kann verweigert werden, wenn Zahlung nicht binnen 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt.— Gebühr für Beilagen nach Gewicht Erste Ausgabe. Französischer Geheimbefehl gegen veuische ArBoote. In der Denkschrift der Kaiserlich Deutschen Regierung über die Behandlung bewaffneter Kauffahrteischiffe vom 11. Februar 1916 sind die Ge heiminstruktionen der britischen Admiralität veröffentlicht, die sich auf die Benutzung und Instandhaltung der Bewaffnung auf Kauffahrtei=Schiffen, die zu Verteidigungszwecken bewaffnet sind, beziehen und auf dem am 3. November 1915 im Mittelmeer versenkten bewaffneten englischen Dampfer„Woodfield“ von einem unserer U-Boote erbeutet wurden. Unter anderem besagen diese Instruktionen, daß der armierte Dampfer auch dann das Feuer zu eröffnen hat, wenn das seindliche U-Boot noch keine entschieden feindliche Handlung, wie z. B. Abfeuern eines Geschützes oder Torpedos begangen hat. Am 29. Oktober 1916 ist uns auf einem französischen Handelsschiff die Geheiminstruktion des französischen Marineministeriums in die Hände gefallen, welche den gleichen Gegenstand behandelt. Aus dem Inhalt des Schriftstückes sind folgende Sätze von aktuellem Interesse: Man över im Falle des Angriffs... Sobald ein U-Boot, das aufgetaucht fährt, bemerkt wird, drehe man ihm das Heck zu, bringe die Maschinen zur Entwickelung höchster Geschwindigkeit und schlage, wenn man sich auf offenem Meer befindet, einen solchen Kurs ein, daß das U-Boot gezwungen wird, um näher heranzukommen, gegen die See anzulaufen, wodurch seine Geschwindigkeit herabgedrückt und seine Artilleriewirkung beeinträchtigt wird. Man eröffne das Feuer, sobald das UBoot sich in guter Schußweite befindet. Wenn das Schiff gejagt wird und das U-Boot infolge seiner größeren Geschwindigkeit näher kommt, zögere man nicht, bevor es zu nahe gekommen ist, umzudrehen und das U= Boot zu überlaufen. Wenn ein getauchtes U-Boot auf nahe Distanz bemerkt wird, bringe man seine Maschinen zur Entwickelung größter Geschwindigkeit und drehe auf das U-Boot zu oder von ihm ab, je nachdem man es weniger oder mehr als 6 Strich von vorn peilt. Wenn man ihm den Bug zudreht, bemühe man sich, es zu überlaufen. Wenn das getauchte U-Boot in genügend weiter Entfernung bemerkt wird, manövriere man so, als wenn man ein aufgetauchtes U-Boot vor sich hätte.“ * Der französische Geheimbefehl über die Angriffe auf unsere Unterseeboote bedeutet für uns keine Überraschung. Wir kennen die Geheimbefehle der englischen Marine, und es konnte ja keinem Zweifel unterliegen, daß die französische Admiralität die gleichen Instruktionen für die bewaffneten Handelsschiffe ausgegeben habe. Die deutsche Regierung hat die Geheiminstruktionen der englischen Admiralität bereits vor Jahresfrist am 11. Februar 1916 veröffentlicht, die auf dem am 3. Nov. 1915 im Mittelmeer versenkten bewaffneten englischen Dampfer „Boodfield" von einem Unterseeboot erbeutet wurden. In dieser Instruktion hieß es u. a., daß der armierte Dampfer auch dann das Feuer eröffnen solle, wenn das feindliche Unterseeboot noch keine entschieden feindliche Handlung, wie z. B. das Abfeuern eines Schusses, begangen habe. Das französische Aktenstück entspricht also vollkommen der englischen Instruktion, es ist ein neues Bild für die Tatsache, daß die Handelsschiffe der Cntente nicht zu Defensivzwecken bewaffnet werden, sondern zum Angriff, und daß sie somit als Kriegsschiffe verwandt werden. Es ist von Interesse, angesichts dieser Befehle auf die Verhandlungen mit Amerika hinzuweisen, die wegen dieser Schiffe geführt worden sind. Am 25. August 1914 gab der britische Botschafter in Washington die Erklärung ab, daß die bewaffneten Schiffe der Alliierten nur zur Verteidigung benutzt werden sollten und daß sie niemals schießen würden, wenn nicht vorher auf sie geschossen sein würde. Man muß sich klar machen, was es heißt, daß eine Regierung. die derartige Erklärungen abgibt, den Handelsschiffen Instruktionen erteilt, wie sie uns in die Hände gefallen sind. Die bestimmtesten Zusagen an die Neutralen sind kein Hinderungsgrund für sie, den Handelsschiffen die bestimmte Anweisung zum Anariff zu geben. Man kann in diesem Zusammenhang noch auf etwas anderes hinweisen. Am 9. August 1914 richtete die englische Regierung nach Washington eine Note, in der sie nicht weniger verlangte, als daß die Amerikaner die englischen bewaffneten Schiffe in amerikanische Häfen hineinließen und sie behandelten wie die unbewaffneten, daß dagegen deutsche Schiffe, die nach ihrer Bauart und ihrer Größe möglichverweise auf hoher See bewaffnet werden konnten, interniert werden sollten. Das ist wohl die schamloseste Forderung, die jemals von einem Lande erhoben worden ist. Tatsächlich lief beispielsweise die„Adriatik“ mit 4 Geschützen in Newyork ein, wohingegen von den Engländern verlangt wurde, daß die„Kronprinzessin Cecilie“ interniert werde. England versicherte dabei, daß die„Adriatik" trotz der 4 Geschütze ein friedliches Schiff sei, weil es eine große Anzahl von Passagieren an Bord habe und weil ein solcher Passagierdampfer weder Kriegsmaterial noch Reservisten an Bord hätte. Daraus ergibt sich die nichtunterinteressante Tatsache, daß England damals der Auffassung war. Passagierdampfer dürften Kriegsmaterial und Reservisten nicht an Bord haben. Auch daran hat sich die englische Regierung bekanntlich eine Lehre genommen, und die Passagiere geradezu als Deckung für die Beförderung von Kriegsmaterial benutzt. Im Zusammenhang mit der neuen englischen Kriegsgebietserklärung, die auch Dänemark und Holland betrifft, geben diese Befehle also ein außerordentlich sprechendes Material gegen die englische Haltung. Die neue Kriegsgebietserklärung trifft nicht nur deutsche Gewässer, sondern auch feindliche. Die Schiffahrtsstraßen zu neutrasondern auch neutrale. Die Schiffahrtsstraßen zu neutraDelfzyl. Wir haben bereits auf diese unerhörte Haltung Englands hingewiesen und sind nur gespannt, wie sich die Neutralen dazu verhalten werden. Als England 1914 die ganze Nordsee zum Kriegsgebiet machte, nahmen die Neutralen das hin. Als aber Deutschland die englischen Gewässer, also keinerlei neutrale Schiffahrtsstraßen, als Kriegsgebiet erklärte, machte das Rechtsempfinden der Vereinigten Staaten bekanntlich einen Salto mortale und trat uns entgegen. Jetzt müßten die Amerikaner eigentlich wieder umlernen und England entgegentreten. Warten wir es ab! Wenn im übrigen die Engländer hoffen, durch die Sperrung dieser Schiffahrtsstraßen durch Minen unsere Seeboote in die Häfen zu bannen, so irren sie sich. Es ist nicht das erste Mal, daß in diesen Schiffahrtsstraßen von den Engländern Minen geworfen werden. Die beabsichtigte Wirkung eber i stganz ausgeblieben und wird auch jetzt ausbleiben. Dienstag, 30. Januar 1917. Besorgnis in Frankreich vor einer deutschen Ossenside im Westen. Aus Genf wird uns gemeldet: Die Furcht vor einer vorzeitigen feindlichen Ofsensive im Westen beherrscht die Gemüter in Frankreich. Denn mit ihr würden die gegenwärtigen Verkehrswirren in ein unlösbares Chaos übergehen. Man denkt mit Schrecken an die wirtschaftlichen Folgen der ersten deutschen Angriffe vor Verdun im vorigen Februar zurück und besorgt, daß, wenn sich jetzt wiederholen sollte, was vor 11 Monaten passiert war, die Verkehrs- und Lebensmittelnot im Verein mit der Krisis der Kohlenbeschaffung eine Höhe erreichen würde, die ein Schrecken ohne Ende sein könnte. Was von in Genf lebenden Franzosen über die Zustände im Eisenbahnwesen, in den überfüllten Häfen von Marseilles, Le Havre, Cherbourg, Rochefort, in der Post, in zahlreichen Munitionsfabriken erzählt wird, spottet jeder Beschreibung. Der französische Lebensmitteldiktator Herriot, der bekanntlich vordem Bürgermeister von Lyon war, sieht sich plötzlich vor unerwarteten Schwierigkeiten in der Lösung seiner Aufgaben gestellt und hat bereits mit dem Rücktritt gedroht, falls ihm vom Minister für öffentliche Arbeiten und Verkehr nicht die geforderten Erleichterungen auf den Eisenbahnen gewährt werden. Der gute Herriot hatte nämlich vor seiner Ministerleidenszeit den Mund sehr voll genommen mit Vorschlägen und Kritiken(in Humberts„Journal“) und zeigt jetzt, daß von Worten zu Taten ein weiter Weg ist. Die Hauptschwierigkeit liegt, wie Freunde des Herrn Herriot in Genf erklären, in der zunehmenden völligen Unbrauchbarkeit des meisten Eisenbahnmaterials, für jes es in der Zeit der Streiks und der verdoppelten Arbeit in den Munitionslieferungen keinen Ersatz gibt. Man hat in Amerika neue Eisenbahnwagen und Lokomotiven bestellt, aber die Lieferung dürfte nicht vor dem nächsten Sommer zu erwarten sein. Käme es jetzt zu der großen feindlichen Aktion im Westen, dann würde nach der allgemeinen überzeugung die Lähmung im Eisenbahnverkehr alle bisherigen Vorstellungen von der Größe der Katastrophe in Schatten stellen. Mit Rücksicht auf diese Gefahr sind auch die zahlreichen Beurlaubungen der Soldaten rückgängig gemacht worden. Die wiederholte Bombardierung von Belfort und die Vorstöße der Deutschen bei Verdun vom 22. und 23. ds. Mts. haben Furcht und Schrecken wegen der Möglichkeit einer raschen Offensive unter den Gästen am Genfer See verbreitet. Der„Temps“ sucht seine Leser zu beschwichtigen, die in englischen Blättern so viel Stoff zur Beunruhigung finden. In ärgerlichem Tone schreibt er am 23. ds. Mts.:„Der Amsterdamer Berichterstatter der„Daily Chronicle" will aus guter Quelle erfahren haben, daß„Deutschland in diesem Augenblick eine gigantische Anstrengung macht, um den Sieg an der Westfront zu erringen. Erfindungen, die teuflischer sind als alles, was wir bisher gesehen haben, werden dort herangeschafft und ins Werk gesetzt, so daß sie den bevorstehenden Angriff den Charakter einer außerordentlichen Wildheit geben.“ Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen durch solche Meldungen(also englischer Blätter!), bei denen man sofort den deutschen Ursprung feststellen könnte(!!). Was der Feind nicht mit seinen regulären und besten Truppen erreichen kennte, das wird er mit seinem schäbigen Rest(!) erst recht nicht schaffen, mögen seine jetzigen Truppen sich auf noch so teuflische Maschinen stützen wollen. Vor nicht allzu langer Zeit ließen uns die Deutschen wissen, daß Hindenburg die Russen bis in den Winkel von Odessa hinein treiben würde. (So etwas stand nicht in deutschen, sondern in Pariser Blättern, auch im„Temps“!) Nun scheint dort Hindenburg nicht mehr zu fürchten zu sein. Die feindlichen Heere haben in Rumänien viele Soldaten verloren.“ Aha! Und darum soll das durch englische Meldungen eingeschüchterte Volk von Frankreich wieder Mut schöpfen. Wie oft hat sich gerade der„Temps“ schon in der Höhe der deutschen Verluste verrechnet? Der militärische Mitarbeiter der„Pall Mall Gazette“ schreibt in der Nummer vom 19. Jan.: Da die deutsche Kriegstheorie die Defensive geradezu haßt, fragt es sich, ob sie sich mit letzterer begnügen oder den Überschuß der strategischen Reserve aus Rumänien zu einem verzweifelten Schlag im Westen einsetzen wird. Mancherlei spricht für den letzteren Entschluß. Klar ist, daß der Krieg nicht unendlich dauern kann, und das dürfte das entscheidende Motiv sein. Deutschland könnte sich wohl einbilden, daß es, wenn es durch einen greifbaren Erfola bei Frankreich einen wirklichen Eindruck hervorbringt, den Verband geneigter zu Friedensverhandlungen machen würde— ein Gedankengang, der vom deutschen Standpunkt aus jetzt gerade nicht so ganz unverständlich ist. Wenn auch die Westfront von Anfang an sich für die Deutschen als verderbenbringend erwies, so spricht doch manches dofür, daß sie dort einen Schlau führen werden. Die Frage, wo Deutschland im Westen zuschlagen wird, wenn es überhaupt dort einen Stoß führen sollte, kann natürlich aus naheliegenden Gründen nicht eingehend erörtert werden. Offenbar hat aber die französische Linie von Soissons bis Compiégne, dem Paris nächstliegenden Punkt, eine Reihe von Vorzügen, denn ein dort errungener Erfolg würde dieselbe tiefgehende Beunruhigung erzeugen, wie Klucks Schlag im Jahre 1914. Außerdem würde der betrefefnde deutsche Heeresteil der Somme nicht zu fern sein, für den Fall, daß jener Schlag nicht die dortige Offensive des Verbandes lähmen sollte. Ein derartiger deutscher Schlag hat aber so wenig Aussicht auf Erfolg, daß es sich kaum lohnt, die Möglichkeit zu erörtern, denn höchstens würde ein feindlicher Vorstoß unsere Offensive auf kurze Zeit schwächen. Möglich ist es immerhin. Die Zeit kämpft eben gegen beide Parteien, und Deutschland dürfte sich dessen bewußt sein. Zeigen wir aber dieselbe Entschlossenheit und Opferfreudiakeit wie unsere Gegner, dann dürften alle seine Anstrengungen den endgültigen Ausgana nicht beeinflussen. Auch Oberstleutnant E. Pris rechnet im„Radical“ vom 12. 1. mit der Möglichkeit einer deutschen Offensive im Westen: Man muß den Fall, daß die französische Front an einer Stelle durchbrochen wird, ins Auge fassen und sogar als wünschenswert ansehn. Denn einmal muß doch ein Ende gemacht werden. Haben wir für diesen Fall gestaffelte Verteidigungslinien hinter der vordersten Stellung? Hat man Anweisungen gegeben, daß die der Durchbruchsstelle benachbarten Stellungen nicht verlassen werden, und daß aus den nächstliegenden Abschnitten Truppen herbeiströmen, um die Deutschen an der Einbruchsstelle wie mit einer Zange zu fassen? Man hat mich aufgefordert, die Militärs, die meine Artikel lesen, auf diese Möglichkeit aufmerksam zu machen. Der deutsche Abendbericht. Berlin, 29. Jan.(W2B.) Amtlich. Abends. Von keiner Front sind arößere Kampfhandlungen gemeldet. Der Krieg im Osten. Die Kämpfe an der Ostiront. Der Kriegsberichterstatter des Rußkoje Slovo“ drahtet seinem Blatte aus Riga, daß die Kämpfe an den Tirul=Sümpfen von unheimlicher Schrecklichkeit seien. Die feindliche Artillerie zielte ganz vorzüglich und bereite mit ihrem genauen Feuer der Jafinterie die Bahn durch unglaublich schwieriges Gelände zum Anuriff. Wo das Kampfgebiet unversehenerweise nach gab, gerieten ganze Abteilungen in die Sümpfe und konnten sich nicht mehr befreien. Sie mußten das schreckliche feindliche Artilleriefener 18 Stunden ertragen und erlitten furchtbare Verluste. Eine ganze Anzahl tapferer Regimentskommandinten büßten ihr Leben hier ein. In dem dichten Sumpsgestrüpp kam es bei Schneetreiben verschiedentlich zu sehr erbitterten Bajonettkämpfen. Es gelang dem Feinde, unsere Stellung in einer Tiefenausdehnung bis zu 4 Werst zu nehmen. Unsere Reserven und neuen Verstärkungen konnten die Lage noch nicht wiederherstellen. Die feindliche Offensive hat sich bereits auf einen Raum von 14 Werst ausgedehnt. „Utro Rossij“ meldet, daß die Kämpfe an der Moldau ihren Fortgang nehmen. Auf keinem Kriegsschauplatz seien jemals solche Strapazen zu überwinden gewesen, wie in den Moldau=Karpathen. Selbst die Kämpfe in den Karpathen im Winter 1914/15 erblassen an den Anforderungen an die Truppen gegenüber diesen Operationen. Die Vereisung des Geländes hat zugenommen und erschwert den Transvort an Munition sowie Proviant. Selbst Saumpferden ist der Transport noch eine Unmöglichkeit. Wilde Schneegestöber versperren der Infanterie, wie der Artillerie jede Sicht. Die Moldau Karpathen sind eine schnee= und eisstarrende Hülle geworden. Die russische Heeresleitung hat besondere Karpathenkorps gebildet, die sich zum überwiegenden Teil aus kaukasischen Truppen zusammensetzen und die Bewegung im Gebirge gewohnt sind. Nach und nach sollen hier alle kaukasischen Truppen zusammengezogen werden. Der Korrespondent der„Nobosti“ in Jassy hatte Gelegenheit, einen Blick in die Verhältnisse der Festung Galatz zu tun und schildert das dort Gesehene als trostlos. Die größten öffentlichen Gebäude der Festung und der Stadt sind durch das andauernde Artilleriefeuer vollständig zerstört werden. Nicht eine Kaserne, nicht ein Speicher, nicht einmal ein Kaffeehaus steht mehr. Mit jedem Tage nähert sich das wohlhabende Galatz dem Kriegstrümmerhaufen. Sämtliche Straßen sind aufgerissen und trotz aller Wiederherstellungsar. beit, zu der auch die vaar zurückgebliebenen Einwohner herbeigezegen werden, sind fast völlig unbenutzbar. In der Stadt gibt es fast nichts mehr zu kaufen. 12) Gasangriffe an der Aa. Außer den schweren Kämpfen beiderseits der Ala am 26. Januar reate sich der Russe am Abend noch an einer anderen Stelle der Front. Er hoftte mit Hilfe eines von ihm an der Rigaer Front noch nicht angewandten Mittels gewaltsam unsere Linien zu durchbrechen. nämlich mit Gas. Gegen 7 Uhr abends ließ er an der Straße Riga—Mitau zwei Gaswolken ab. Unsere trotz Kälte und starkem Schneegestöber aufmerksamen Horchposten wußten das laute Zischen. das von der russischen Stellung herkam. richtig zu deuten und veranlaßten Gasalarm. Jeder wußte, was zu tun war, und in mustergültiger Ordnung. als handle es sich um irgend eine Friedensmaßnahme, trafen alle ihre Vorbereitungen. Im Vertrauen auf die jedem zur Verfügung stebenden Gasschutzmittel waren unsere Braven des russischen Mißerfolges von vornherein sicher. Schon nach wenigen Minuten kroch eine fünf Meter hohe Nebelwand allmählich heran. Sie war so dicht, daß selbst abgeschossene Leuchtkugeln nicht wahrgenommen werden konnten. Träge zog diese gefährliche Wolke über unsere Stellungen hinweg. und nach kurzer Zeit folgte ihr bereits eine zweite erheblich dünnere Welle. Gleichzeitia setzte die feindliche Artillerie mit Trommelfeuer ein und überschüttete unsere Stellungen in wenigen Minuten mit 2000 Gasgranaten. Der Gegner mochte wohl glauben, unsere Stellungen ausgeräuchert oder Ratlosigkeit und Aufregung unter unserer Grabenbesatzung verbreitet zu haben. Aber in dieser Voraussetzung hatte er sich getäuscht. Mit ruhigem, wohlgezieltem Feuer wurde schon dem ersten feindlichen Jagdkommando Halt geboten. Daher wagte der Feind auch nicht, diese Unternehmung in größerem Maßstabe fortzusetzen. Er hatte nicht mit unseren hervorragenden Gasschutzmitteln gerechnet. die sich wieder einmal vortrefflich bewährten. Während dem Gegner diese Unternehmungen blutige Verluste brachten, hatten wir nicht einen Vergiftungsfall zu verzeichnen. Der Krieg mit Rumänien. ∆ Amsterdam, 29. Jan. Der Berichterstatter der„Times“ im rumänischen Hauptquartier meldet unter dem 24.: Einer der führenden rumänischen Generale, mit dem ich eine Unterredung hatte, teilte mir mit, daß die neue rumänische Front stark befestigt werde und daß die Neubildung des Heeres in vollem Gange sei. Alles gehe seinen geregelten Gang. Wenn das Wetter die Kriegshandlungen nicht behindere, würden wir morgen wieder Tausende von Mannschaften an die Front befördern können. Mittlerweile wird die Zeit ausgenutzt, um die Mannschaften vollständig in moderner Weise auszurüsten. Sie werden bald eine kräftige Hilfstruppe für die Verbündeten werden. Unsere Soldaten, saate der General. sind Bauern, die sich nicht mit dem Gedanken versöhnen können, daß ihre Dörfer in fremde Hände gefallen sind. Sie sind daher entschlossen, sie wiederzuerobern oder zu fallen.(Köln. Ztg.) Stockholm, 29. Jan.(BB.)„Rußkoje Slovo“ bringt die Nachricht, daß der Könial von Rumänien mit seinem ganzen Hofe Jekaterinoslaw im Süden Rußlands als Residenz für sein Exil gewählt habe, wo er den Palast Potemkins beziehen werde. Regierung. Parlament und Ministerien würden teilweise ebenfalls nach Jekaterinoslaw. teilweise nach Cherson übersiedeln.„Dien" zufolge befinden sich alle Banken aus Jasso bereits auf russischem Boden. Für Rumänien sei der Kurs mit 2,66 Ley für einen Rubel festgesetzt worden. Der See= und Handelskrieg. Christiania, 29. Jan. Über das Gefecht zwischen einem Unterseeboot und einem Hilfskreuzer erfährt„Tidens Tean“, daß das Unterseeboot in der Nähe der Sörinseln gesunken sei. Das Boot hatte in weiter Entfernung von der norwegischen Küste einen Kamof mit einem englischen Hilfskreuzer zu bestehen, wobei es stark beschädigt wurde. Es versuchte an Land zu kommen, sank jedoch, bevor das Fischerboot zu Hilfe kommen konnte. Während der Bergungsarbeiten ertrank einer der Offiziere des Unterseebootes. 12) Rotterdam, 29. Jan.(W7B.) Die„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ meldet aus London: Die„Times“ schreiben: Obwohl hierzulande noch keine Berichte darüber veröffentlicht sind, wird aus Telegrammen aus Skandinavien. die die Zensur durchgelassen hat. geschlossen, daß die britische Regierung in der Nordsee neue maritime Mai66. Jahrgang. Nr. 69. reaeln plane und daß dazu die Leguna eines Minenfeldes in der Höhe der jütischen Küste gehöre. Nach einer Meldung aus Kovenhagen erfahren die„Times“, daß die neue gefährliche Zone in der Nordsee auf die dänische Schiffahrt geringen Einfluß habe. Nur die Route nach Holland werde verlegt werden müssen. Das neue Minenfeld werde aber die dänische Fischerei sehr bebindern und es würde dadurch die Fahrt nach verschiedenen reichen Fischgründen erschwert. Man erwarte infolgedessen und infolge der bereits bestehenden Schwierigkeiten, mit denen die Fischerei zu kämpfen hat, ein weiteres Steigen der Fischpreise. Nach einem Telegramm aus Kovenhagen an die Exhange=Telegramm-Company erfährt die in Christiania erscheinende Zeitung„Daabladet", daß die neuen Maßregeln für vr." Handel von Skandinavien nach Rotterdam, der dadurch äußerst erschwert werden wird. von größter Bedeutung sein werden. Versenkt. London, 29. Jan.(WTB.) Lloyds melden, daß die norwegischen Dampfer„Hero".„Vidar“ und„Domstad“ versenkt wurden. Die Besatzungen wurden gerettet. Der russische Dampfer„Earet“ soll versenkt worden sein. Weiter wird gemeldet, daß der englische Dampfer„Jevinaton“(2747 Br.= Reg.=To.) versenkt worden ist. Der holländische Dampfer„Maasland“ landete 19 Mann der Besatzung des Dampfers„Tharaseland". der von einem deutschen U-Boot versenkt worden ist. Die Bestattung der Toten von„V 69“. Ymuiden, 27. Jan.(WTB.) Heute wurden mit großer Feierlichkeit und militärischen Ehren zwei der gefallenen Offiziere des deutschen Torpedobootes„V 69“, Flottenkommandant Schultz und Leutnant z. S. Faust, nach dem Bahnhof übergeführt, um in die Heimat, nach Wilhelmshaven und Dresden, gebracht zu werden. Leutnant z. S. Hannover und die übrigen gefallenen Seeleute wurden heute in Amuiden beigesetzt. Bei der Trauerfeier waren u. a. anwesend: Der kaiserlich deutsche Gesandte Dr. Rosen, der Marineattaché der deutschen Gesandtschaft im Haag v. Müller, Generalkonsul Freiherr von Humboldt, Legationssekretär Graf Hoyos, in Vertretung des österreichisch=ungarischen Gesandten Oberlentnant Mahr, in Vertretung des österreichisch-ungarischen Militärattachés, der österreichisch=ungarische Generalkonsul v. Kiralya, der deutsche Vizekonsul Bakker, mehrere hohe Offiziere der niederländischen Armee und Marine, sowie zahlreiche Mitglieder der deutschen Kolonie und Freunde Deutschlands aus dem ganzen Lande. Das deutsche Torpedoboot„V 69“ ist jetzt leer gepumpt. Es wurden im Schiffsraum keine Leichen gefunden. Die Besatzung besorgt selbst die Aufräumungs- und Reparaturarbeiten. Die amtlichen Berichte der Feinde. Amtlicher englischer Heeresbericht aus Ostafrika. Generalleutnant Hoskins übernahm den Oberbefehl als Nachfolger von Smuts am 26. 1. Nördlich und südlich des unteren Rufidschi und im Delta des Flusses weichen deutsche Abteilungen in der Richtung auf den Utembe=See vor unseren vorrückenden Kolonnen zurück. Kleine feindliche Abteilungen wurden mit hervorragenden enropäischen Offizieren in diesem Gebiet gefangen genommen. In der westlichen Zone ziehen sich starke feindliche Kräfte südlich aus der Richtung Mahenge über den Ruhudie=Fluß zurück. Eine vorgeschohene Abteilung dieser Kräfte war in Likuja, 55 Meilen nordöstlich von Songea isoliert und wurde nach einer eine Woche dauernden Einschließung und nach ernsten Kämpfen am 24. Jan. gezwungen, sich einer unserer Truppenkolonnen zu ergeben. Vier deutsche Offiziere, darunter der Offizier, der bisher die deutschen Südabteilungen befehligte, ferner 33 andere Europäer, 250 Askaris, ein 28 Mill.=Feldgeschütz und zwei Maschinengewehre kamen bei der Überaabe in unsere Hände. Weiter nördlich nimmt der Kampf in diesem Gebiet in der Nachbarschaft von Ifinga seinen Fortgang. Athen. 29. Jan.(WTB.) Havasmeldung. Der Minister des Lußern brachte am Samstag dem französischen Gesandien zur Kenntnis, daß entsprechend den Forderungen der Note der Entente vom 18. 12. General Kalaris der zurzeit der Ereignisse am 1. 12. und 2. 12. Kommandierender General des 1. Armeekorps war. des Kommandos enthoben wurde. Ferner wurde dem Gesandten mitgeteilt, daß die königliche Regierung vom König ermächtigt wurde, alle Verbindungen, die man als schädlich für die Staatsinteressen betrachte, aufzulösen, und daß die königliche Regierung gemäß der übernommenen Verpflichtung am Freitag zur Auflösung des Reservistenverbandes geschritten ist. England. Rotterdam, 29. Jan.(WTB.) Die„Nieuwe Rotter damsche Courant“ meldet aus London: Der Abgeordnet Anderson(Arbeiterparteis. der auch Mitglied der Regierungskommlission zur Festsetzung von Lebensmittelpreisen ist, hat in einer Rede in Leicester mitgeteilt, daß in allernächster Zeit das Kartensystem für die Ausgabe von Lebensmitteln eingeführt wird. Aus aller Welt. Wien, 29. Jan. Das„Volksblatt“ meldet aus Lugano: Telegramm der Mailänder Zeitungen aus Tokio über die letzten Sitzungen des japanischen Varlamens sind vom Zensor gestrichen. Nur der Ort und die Überschriften sind stehn geblieben. Sie lassen den Schluß zu, daß stürmische Debatten im Parlament stattgefunden haben im Anschluß an Erörterungen über die Bündnisfrage. Haag, 29. Jan.(WTB.) Das Kolonialdevartement erfährt vom Generalgouverneur von Niederländisch= Ostindien, daß bei dem letzten Erdbeben beinabe 800 Menschen getötet und verwundet wurden. Zu dem Anschlag auf den königlichen Zug. Madrid, 29. Jan.(WTB.] Havasmeldung. Die Blätter melden, daß die Polizei infolge des Anschlages ein Individuum verhaftet und durchsucht habe, das korrekt französisch und englisch sprach und einen Brief bei sich hatte, der in unentzifferbaren Ausdrücken geschrieben und aus Barcelona datiert war. Mehrere andere Verhaftungen stehen bevor. Die Polizei fand zwei Bleistücke von etwa 50 Kla. Gewicht, eine auf dem Bahnkörper, das andere nahe dabei. Der Minister des Innern habe sich bei einer Unterredung sehr zurückhaltend gezeigt, um die im Gange befindlichen Untersuchungen nicht zu durchkreuzen. Von der Internationale. Berlin, 29. Jan.(BB.) Im„Tageblatt“ wird zur Haltung der französischen Sozialisten gesagt, sie hätten bisher in der Frage der Kriegsziele und der Kriegsbeendigung einen Mangel an Mut und Klarheit gezeigt. während die deutsche Sozialdemokratie deutlich und mit Entschlossenheit sich aussprach. Zu der Ablehnung des Vorschlages der holländischen Mitglieder der internationalen Sozialdemokratie, eine Zusammenkunft von französischen und englischen Vertretern mit den bolländischen und belgischen Komiteemitgliedern zu veranstalten, wird dem „Vorwärts“ aus Amsterdam geschrieben: Die französische Partei lade durch diesen Beschluß eine furchtbare Veruntwortung auf sich. 1 der deutschsprachigen Presse e.V. Friedensbestrebungen. Eine Konferenz der Neutralen. Stockholm. 28. Jan. WTB.)„Svenska Daabladet“ erfährt im Auswärtigen Amte in Stockholm, daß die Nachricht von einer geplanten Neutralen=Konferenz in der Hauptstadt Schwedens richtig sei. Die Anregung sei von der schwedischen Regierung ausgegangen: der Zeitpunkt der Konferenz soll jedoch noch festgesetzt werden. Das genannte Blatt erinnert an den letzten amtlichen Bericht über die nordische Ministerzusammenkunft in Christiania, in dem von der Notwendigkeit die Rede war, daß möglichst viele neutrale Länder gemeinsam ihre Interessen wahrnehmen. Hierdurch sei wohl der Zweck der in Aussicht stehenden Konferenz angegeben. Amsterdam, 29. Jan.[K8.) Der Berichterstatter der „Times“ in Kovenbagen meldet, daß zwischen den Gesandten der neutralen Mächte vorläufig Besprechungen geführt werden, die einer später abzuhaltenden Konferenz über eine Anzahl aus dem Kriege sich ergebender Fragen gelten. Das Blatt„Politiken“, das mit der dänischen Regierung Fühlung hat, hält es nicht für unwahrscheinlich, daß auf dieser Konferenz auch über die Haltung der Neutralen während der Friedensverhandlungen und ihrer Beziehungen nach Friedensschluß beraten werden muß. Die vorerwähnten Besprechungen sind die Folgen der skandinavischen Konserenz im September vorigen Jahres. Wilsons energische Fortsetzung des Friedenswerkes. Lugano, 29. Jan.(WTB.] Nach einer Meldung der „Stampa“ will Wilson das Friedenswerk energisch fortsetzen und in einer neuen Note, deren Text unveröffentlicht bleiben soll, die Hilfe der europäischen und amerikanischen Neutralen eindringlich fordern, sowie die Gründe darlegen, die ihn veranlaßt haben, eine Reform des Seekriegrechts zu verlangen. Obgleich manche Ententemächte an der Botschaft Wilsons noch herumnörgeln, erkennen selbst hervorragende politische Gegner Wilsons, wie Taft und Root, die Friedensrede als wertvollen Beitrag zur pazifistischen Bewegung und indirekt zur Beendigung des Weltkrieges an. Lansina entwirft Seerechtsforderungen der Neutralen, die zunächst den amerikanischen Staaten zur Begutachtung unterbreitet werden sollen. ∆ Amerika und Japan. Von der italienischen Grenze, 29. Jan. In der„Tribuna“ weist Rastignac auf den Widerspruch in der Haltung Amerikas hin, das sich mehr als je zuvor auf den Kriea vorbereitet, während Wilson an Europa Friedensbotschaften richtet. Wilson selbst habe ungeachtet seiner Friedensbemühungen auf eine immer bessere Kriegsvorbereitung der Vereinigten Staaten gedrängt. Rastignac machte dann auf die gewaltigen Kriegsgewinne aufmerksam, die Japan durch seine Lieferungen an Rußland gemacht habe und die es in den Stand setzen, seine Rüstungen derart auszudehnen, daß es dem Einfluß jeder anderen Nation auf China ausschließen könne. Noch bevor Wilson in seiner Botschaft den europäischen Staaten die Annahme der Monroe=Doktrin empfahl, habe Javan dies für Ostasien, die Philippinen eingeschlossen, getan, was früher oder später zum Kampf zwischen den Vereinigten Staaten und Japan führen müsse. Dieser Hinweis genüge, um die Beziehungen zwischen dem gegenwärtigen europäischen Kirege und einem möglichen späteren Zusammenstoß, sowie dem Zweck der Botschaft Wilsons zu zeigen. Wenn man darin das Wort Menschlichkeit durch Japan ersetze, so habe man des Rätsels Lösung. Die menschenfreundlichen Grundsätze, die bei den Friedenserörterungen erwähnt würden. seien nichts anderes, als eine Maske für politische Berechnungen.(Köln. Ztg.) Frankreich. Die Nachmusterung in Frankreich. Bern, 29. Jan. (WTB.) Nach Besprechung mit dem Unterstaatssekretär Besnard und im Einvernehmen mit der Regierung setzte der Heeresausschuß der Kammer betreffs des Ausführungsantrages fest, daß nur die vor dem Kriege Zurückgestellten und für untauglich Befundenen nachgemustert werden sollen. Die Ausgemusterten sollen die gleiche Zahl von Mannschaften der ältesten Jahrgänge an der Front ersetzen, die im Innern des Landes für die Zwecke der Landesverteidigung beschäftigt werden sollen. Maßnahmen gegen die Lebensmittelnot in Frankreich. Bern, 29. Jan.(WTB.) Lyoner Blätter melden aus Paris: Der allgemeine Arbeiterverband in Frankreich fordert in einem Manifest an Regierung, Parlament und Öffentlichkeit schnelle und wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der Lebensmittelnot, welche durch die schlechte Ernte, die Tätigkeit der U.=Boote und die Saumseligkeit der Behörden sich zu äußerstem Ernste verschärfe. Das Manifest fordert u. a. Beschlagnahme und Bestellung unbebauter Ländereien sowie Entlassung der zur Territorialarmee einberufenen landwirtschaftlichen Arbeiter. Die Kohlennot in Frankreich. Bern, 29. Jan.(WTB.) Die Kohlennot in Paris dauert fort. Statt der täglich notwendigen 6000 Tonnen können nur 3000 Tonnen verteilt werden. Die Militärbehörde hat 1000 Lastautos und Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt, um die in Dieppe. Le Havre und Ronen lagernden Kohlen nach Paris schaffen und verteilen zu können. Es kam mehrfach zu neuen Kundgebungen, doch sind die Nachrichten darüber in der Presse außer der Überschrift von der Zensur gestrichen. Sturmszenen in der französischen Kammer. Bern, 28. Jan.(WTB.) Laut Lyoner Blättern ist aus der der Geheimsitzung folgenden öffentlichen sehr bewegten Kammersitzung nachzutragen: Der Sozialist Bon, der ständig unterbrochen wurde, forderte, daß die Verhandlungen der Geheimsitzung schnellstens bekannt gegeK Aus Kunst und Leben. Altmünstersches.] Die samiliengeschichtlichen Mitteilungen in dem Nachrufe zu Ehren des verstorbenen Geh. Oberregierungsrats v. Viehbahn ergeben die interessante Tatsache. daß Christoph Bernhard v. Galen sein Geschützmaterial aus der Viebahnschen Eisengießerei zu Gummersbach bezogen hat. Das Material muß nicht schlecht gewesen sein, denn die Münstersche Artillerie unter dem Obristen Moller war im ganzen Deutschen Reiche und über seine Grenzen hinaus so berühmt, daß sie dem streitbaren Bischof den Beinamer „Kanonenbischof“ eintrug. Nach dem briefadeligen Taschen buch(Gotha) 1909 hatte die Familie des Armeelieferanter auch sonstige Beziehungen zu Münster, vielleicht infolge der geschäftlichen. Sein Sohn Johann Heinrich, Herr auf Hob u. Mühlenhelle, Kal. Preuß. Appellationsger.=Rat, vermählt sich 1689 in erster Ehe mit Maria Christine Lageman, Tochter des Dr. fur. Franz Wilh. Lageman. Domkapitularischer Gograf zur Meest und Ratherr zu Münster(auf dem Herrensitze Uhlenkotten) aus seiner Ehe mit Maria Boichorst, Tochter des Syndikus A. Boichorst und der Maria Witton. Dem Sohne dieser Ehe. Moritz, gestorben als Staatsminister zu Berlin 1739, wurde wie dem Vater das Adelsprädikat verliehen. Ein Sohn des Joh. Heinrich aus zweiter Ehe(mit Johanna Dorothea Westarp aus Soest) war im siebenjährigen Kriege Kurfürstlich Hess. Regimentsquartier= meister und Kriegszahlmeister im Heere der Alltierten bei der Belagerung des von den Franzosen besetzten Münster und starb daselbst am 8. November 1858. Er ist der Vor fahr des jetzt Verblichenen, der sich in seiner 24jährigen Amtstätigkeit hierselbst um Münster. insbesondere um das Zustandekommen der Universität, große Verdienste erworben hat. [„Deutsche Wissenschaft im Schlepptan der Engländer“.] Seit einem halben Jahrhundert hängen die Naturforscher aller Kulturländer mit verschwindenden Ausnahmen am Schlepptau der Enaländer. Darwin und Lyell waren die Führer, dieser auf geologischem, jener auf biologischem Feld. Dieser unerhörte Siegeszug erklärt sich nicht etwa aus der wissenschaftlich unumstößlich exakten Basis der Theorien und Prinzivien der beiden englischen Forscher, sondern einesteils aus dem Mangel von etwas allgemein anerkannt Besserem und andernteils daraus, daß diese Theorien sowohl manchen Männern der Wissenschaft als auch dem großen Publikum außerordentlich gut in ihren Kram possen, resp. daß sie auf ihre materialistischen, egoistischen Neigungen wirken. Wenn, wie Darwin lehrt, der Kampf ums Dosein und die natürliche Zuchtwahl den Aufstieg der Arten bewirkten. so ist der Kampf aller gegen alle, insbesondere der Nationaltben würden, damit die Effentlichkeit die Unentschlossenbeit, Unvulässigkeit und Schwäche der Regierung kennen lerne. (Minutenlanger Lärm.) Bon schrie, Briand habe nichts getan. nicht einmal die Einheit unter den Alliierten verwirklicht.(Neuer Tumult und Zwischenrufe, besonders von den Sozilaisten, die erklärten. Bon spreche nur in seinem eigenen Namen. Benoist rief. Briand habe auf die wichtigsten Fragen nicht genatwortet. Seine Politik der Untätigkeit dürfe man nicht gut beißen. Bon wollte weiter sprechen, mußte aber unter lautem Lärm die Tribüne verlassen. Der Sozialist Bedoue verlangte größere Beständigkeit in der Entente=Diplomatie. Zur Lage in Griechenland äußerte Bedoue, man wolle dies kleine Land nicht zum Aufgeben der Neutralität zwingen, er wolle auch nicht, daß das Blut des kleinen Volkes für die Entente vergossen werde. Bei dieser Außerung erfolgte der Zuruf von der äußersten Linken: Wir verlangen Sanktion gegenüber Fournet. Der Konservative Monzie ging noch weiter und verlangte Sanktion gegenüber dem französischen Gesandten in Athen. Bedoue fuhr fort: Wir stimmen nicht der Regierung zu. sondern nur ihrer gemäßigten Politik. Briands Politik sank niemals auf jenen Grad der Erniedrigung, wie diejenige Delcassés.(Große Bewegung. Delcassé, der anwesend ist, bleibt unbeweglich sitzen.) Bedoue führt weiter aus: Ich zürne nicht meinem Kollegen Delcassé, sondern dem Minister des Außern Delcassé, der unser Land zu Bedingungen verpflichtete, die wir heute noch nicht kennen.(Stürmischer Lärm.) Nach weiteren Ausstellungen von der Rechten, die jedoch für die Regierung stimmen zu wollen erklärten, wurde die Tagesordnung unter andauernden Unruhen angenommen. Die nächste Sitzung findet Dienstag statt. Interpellation über die Kohlennot. Unsere Verbündeten. Berlin, 29. Jan.(WTB.] Der Bevollmächtigte des k. u. k. Kriegsministeriums beim königlich preußischen Kriegsministerium Oberst des Generalstabskorps Freiherr von Mor Merkel zu Sonegg und Morberg erhielt eine Verwendung im Felde. An seine Stelle tritt der k. u. k. Oberst des Generalstabs Ludwig Suendermann. Wien, 29. Jan. Kaiser Karl hat auf der Rückreise von dem Standort des deutschen Großen Hauptquartiers dem Zaren Ferdinand von Bugarien am 26. Januar einen zweistündigen Besuch in Bad Pöstien abgestattet und bei dieser Gelegenheit den österreichischen Feldmarschallstab überreicht. Polen. Warschau, 27. Jan.(WTB.) Die Feier von Kaisers Geburtstag begann gestern abend mit einem großen Zapfenstreich. Der Zug, bestehend aus einer Abteilung Ulanen, sämtlichen Spielleuten und dem Musikkorps der Warschauer Garnison und einer Landwehrkompagnie, begleitet von zahlreichen Fackelträgern, bewegte sich vom Sachsenplatz durch die Hauptstraße zum Schloß, wo auf dem weiten Platz unter der Leitung des Armee=Musik=Inspizienten, Professors Grawert mehrere Musikstücke vorgetragen und zum Schluß der große Zapfenstreich gespielt und das altniederländische Dankgebet gesungen wurde. Heute morgen fand Großes Wecken statt. Vormittags folgte Gottesdienst in der lutherischen Kirche und in der Kathedrale. Mittags fuhr Generalgouverneur v. Beseler mit großer Eskorte zum Sachsenplatz, wo Paroleausgabe stattfand und der Generalgouverneur eine Ansprache hielt. Nachmittags war im Generalgouvernement Festessen. Abends fand eine Festvorstellung im Großen Theater statt. Warschan, 27. Jan. Eine Versammlung der Schüler der obersten Klassen von 23 Mittelschulen in Warschau beschloß, sich an die Direktionen mit der Bitte um möglichste Beschleunigung der Maturitätsprüfung zu wenden, da die Schüler insgesamt in die volnische Armee eintreten wollen. Deutsches Reich. Berlin, 27. Jan.(WTB.) Dem Präsidenten des Reichstages Dr. Kaempf ist, laut„Berl. Tagebl.“ der Kronenorden 1. Klasse verliehen worden. Der Kaiser an Falkenhausen. Berlin, 28. Jan. (WTB.] Der Kaiser hat unterm 27. Januar an den Generalobersten v. Falkenhausen folgende Kabinettsorder gerichtet:„Ich wünsche Ihnen erneut Meine wärmste Anerkennung Ihrer Mir und dem Vaterlande während einer langen Reihe von Jahren und insbesondere jetzt als Armeeführer im Felde geleisteten vortrefflichen Dienste zu bestätigen. indem Ich Ihnen bierdurch meinen hohen Orden vom Schwarzen Adler nebst den Schwertern zum Großkreuz zum Roten Adlerorden mit Eichenlaub en soutoir verleihe. Ihr dankbarer König Wilhelm K.“ Des Kaisers Dank für die Hindenburgspenden. Berlin, 27. Jan.(WTB.) Dr. Graf v. Schwerin Löwitz hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Verwaltungsstelle der Hindenburaspende der deutschen Landwirte an Se. Majestät den Kaiser das nachfolgende Telegramm gerichtet und darauf von Se. Majestät die weiter folgende Antwort erhalten: Eurer Majestät habe ich die Ehre alleruntertänigst das hochersreuliche Ergebnis zu melden, welches der Aufruf des Feldmarschalls v. Hindenburg an die deutschen Landwirte zeitigte. In der kurzen Zeit von etwa 6 Wochen bis heute sind nach den bei der Verwaltungsstelle der Hindenburgspende der deutschen Landwirtschaft eingegangenen Meldungen bereits mehr als 1½ Millionen Kilogramm Schmalz, Speck und Fleischwaren für die Rüstungsarbeiter der deutschen Industrie gespendet worden. Ich bin der feiten Zuversicht, daß die Opferfreudigkeit der deutschen Landwirtschaft in dem Bestreben nicht nachlassen wird, den Rüstungsarbeitern das Aushalten in ihrer schweren Arbeit zu erleichtern. Die Antwort des Kaisers lautet: Ich danke berzlich für die bocherfreuliche Meldung von dem bisherigen guten Ergebnis der Hindenburgspende der deutschen Landwirte zur kräftigen Ernährung der für das Vaterland mit äußerster Anspannung tätigen Rüstungsarbeiter. Die Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit der deurschen Landwirtschaft werden auch weiterhin bis zur siegreichen Beendigung unseres Existenzkampfes nicht nachlassen in treuer Mitarbeit und Hilfe in den Nöten unserer Zeit. Wilbelm 1. R. Die neue volnisch=konservative Partei in Posen. Posen, 29. Jan. Die neue„Polnische Partei der Nationalarbeit im preußischen Staate“ hat soeben die Bestätigung ihrer Satzungen von der Behörde erlangt, ihren Vorstand gewählt und die Werbetätigkeit begonnen. Die Leitung der neuen Partei liegt in den Händen des Grafen Adam Zolltowski als Vorsitzenden. Weiter gebören dem Vorstande an Rittergutsbesitzer Dr. v. Charzanowski. Nach ihren Satzungen strebt die Polnische Partei der nationalen Arbeit die nationale Gleichberechtigung der Polen im preußischen Staate und möglichste Freiheit auf religiösem und staatsbürgerlichem Gebiete in voller Effentlichkeit und auf gesetzlichem Wege an und bezweckt insbesondere: 1. Die Entwickelung des Volks- und höheren Schulwesens, das in Anerkennung der Muttersprache des volnischen Volkes, die Rechte der Kirche und Familien in der Erziehung der Jugend zu berücksichtgen gewillz.-#t.rur, v#n######## 2. Die Weiterentwickelung und Forderung von Landwirtschaft. Handel, Industrie und Handwerk, wie, auch die weitere Aufbesserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter 3. Eine gerechte Verteilung der Steuern und offentlichen Freies Anbanungsrecht unter weitgebendstem Schutze des Privateigentums.. 66 5. Weitere Organisation sozialer Fursorge für die arbeitenden Klassen auf freierer Grundlage. Diese Ziele will die Partei durch eine Reihe Mittel erreichen, unter denen an der Spitze des Programms„die Pflege und Festigung des katbolischen Lebens und des nationalen Bewußtseins in den weitesten Kreisen der polnischen Bevölkerung Preußens" steht. Die neue Partei erklärt sich weiter bereit„zur Unterstützung einer von Verständnis für unsere Bestrebungen geleiteten Politik der Staatsregierung, sowie deutschen politischen Parteien und Staatsbürger“. Ebenso will die neue Partei„mit anderen polnischen politischen Körverschaften gemeinsam wirken, wofern nicht arundsätzliche Unterschiede bezüglich der politischen und sozialen Ziele und Mittel im Wege stehen". Das amtliche Parteiblatt ist die in Posen seit September vorigen Jahres erscheinende„Gazetta Narodowa“. Wie diese meldet, hat man in Berlin bereits mit Vorberatungen begonnen, um die gegenwärtige Ausschließung der polnischen Sprache beim Schulunterricht aufzuheben und die bisherige Zulassung der polnischen Sprache beim Religionsunterricht auf der Unterstufe der Volksschulen weiter zuzulassen. Aus der Stadt. Münster, 30. Januar. Aus dem Militär=Wochenblatt. Befördert: zum Major:* Hüger, Hauptmann und Batteriechef im FeldArt. Regt. Nr. 22; zum Oberleutnant:* Frhr. von Schorlemer, Leutn. im Drag.=Regt. Nr. 19; zu Leutnants der Res.: die Vizefeldwebel* Rinke(Münster) im Inf.=Regt. Nr. 178, dieses Regiments.* Rieke(Münster) im Gren.=##gt. Nr. 4, dieses Regiments,* Finke(Paderborn),# Bruamann (Siegen),* Hausmann(Detmold) im Ins.=Regt. Nr. 13, * Hummert(Lingen), die Vizewachtmeister* Wilke.* Peters(Münster),* Busch(Coesfeld). Arbeiterschaft und Hilfsdienstgesetz. In der am Sonntag nachmittag von den Arbeitervereinen und dem christl. Gewerkschaftskartell im Arbeitervereinshause abgehaltenen Versammlung, welche vom Präses, Kaplan geleitet wurde, berichtete Gewerkschaftssekretär Müller über das vaterländische Hilfsdienstgesetz. Nachdem er einleitend darauf hingewiesen, daß die Kriegslage dieses Gesetz notwendig gemacht habe, und daß es nunmehr auch Pflicht der organisierten Arbeiter sei, sich mit den Bestimmungen vertraut zu machen, ging er zur Erklärung der einzelnen Bestimmungen über und beantwortete die Fragen: Wer ist zum vaterländischen Hilfsdienst verpflichtet? Was ist vaterländischer Hilfsdienst? Wie geschieht die Heranziehung zum vaterländischen Hilfsdienst? Unter welchen Bedingungen ist ein Wechsel im Arbeitsverhältnis möglich? Was ist geschehen, um Schwierigkeiten bei der Durchführung zu verhindern und um evtl. Differenzen im Arbeitsverhältnis zu beseitigen? Hier wurden besonders die Aufgaben der verschiedenen Ausschüsse erläutert und durch praktische Beispiele klar zu machen versucht. Weiter wurde besonders auch die Rechtsstellung der Reklamierten erörtert. Bezal. der Lohnfrage sei es wohl möglich, daß hierbei noch Schwierigkeiten entstehen könnten. Indessen könne hier vieles durch kluges Vorgehen der Arbeiter verhindert werden. Wünschenswert sei es, daß möglichst viele Arbeiter freiwillig Arbeit in vaterländischen Hilfsdienstbetrieben annehmen. Dies entspreche auch dem Sinne des Gesetzes. Man erwarte, daß man ohne Zwang das vaterländische Hilfsdienstgesetz voll zur Durchführung bringen könne. Wenn man bedenke, was unsere Feinde mit uns vorhaben, dann gebe es für den organisierten Arbeiter nur den einen Gedanken in die Tat umzusetzen:„Wir werden alles tun und alle Kräfte anspannen, daß der Wunsch unserer Feinde vernichtet wird, und daß Deutschland und seine Verbündetn bald den vollen Sieg und Frieden erzwingen.“ — In der Aussprache wurde besonders darauf hingewiesen, daß durch die Mitarbeit der organisierten Arbeiter bei der Durchführung dieses Gesetzes und der Einführung von Artätenkrieg, folgerichtig, so ist die freie Liebe nicht verächtlich. nicht strafbar nicht nur erlaubt, sondern sie sind im Interesse des Fortschritts oberste Pflicht! Wohin das führt Leht jedes Kind. Darwin hat die Entwickelungstheorie nicht zuerst aufgestellt, sie bestand schon hundert Jahre vor ihm. Seine originelle Arbeit besteht nur in seiner Erklärung der Artenumwandlung. Diese steht in innigem Zusammenhang mit Lyells Postulat: Die geophysischen Kräfte haben an der Erdoberfläche seit Entstehung der ersten Lebewesen genau so gewirkt, wie in der Gegenwart. katastrophale Erdumwälzungen, wie sie Cuvier, Humboldt, L. v. Baer, Leop, v. Buch annahmen, gab es nicht. Dieses Prinzip ist sehr bequem. Wir brauchen nur das zu beobachten, was uns vor Augen liegt und daraus zu exemplifizieren. Die Vorgänge auf anderen, jugendlichen Gestirnen gehen uns nichts an. Die historischen Überlieferungen von einer allgemeinen Flut. der Untergang der Atlantis werden einfach ins Reich der Fabeln verwiesen. Die Tatsache, daß heute aus unorganischen Stoffen keine Lebewesen entstehen, die überwältigend große Konstanz der Arten gegenüber ihrer Veränderlichkeit werden einfach ignoriert. Die natürlichste Folgerung aus diesen Tatsachen rst doch die Annahme, daß die physischen Kräfte an der Erdoberfläche in früheren geologischen Perioden anders, zeitweise mächtiger gewirkt haben als jetzt. Aber davon will man nichts wissen. Das Chaos von unentwirrbaren Widersprüchen auf geologischem Gebiet ist größer als je. dennoch wird von dem Uniformitätsprinziv nicht abgewichen. Jetzt dürfte die Zeit gekommen sein, auch aus patriotischer Rücksicht, den wissenschaftlichen Vorrang der Engländer auf diesem Gebiet zu brechen, besonders für uns Deutsche. indem wir auf unsere Klassiker zurückgehen und auf ihren Anschauungen einen Neubau aufführen.(H. Habenicht.) Generalmajer und Dichter.] Dem im Felde stebenden Generalmajor Haevernick, der sich selbst in einem kleinen. in Mecklenburger Platt beschriebenen Werk über die ersten Kriegsmonate als ein auter plattdeutscher Schriftsteller erwiesen hat, ging zu Weihnachten von Hamburg aus ein plattdeutsches Büchlein des Bremer Dichters Geora Droste zu. Alsbald erfreute Generalmajor Haevernick diesen„Dichter der sonnigen Lebensauffassung“ den jahrelange Glindheit nicht verbittert hat, und der sich zu einem bedeutenden und im besten Sinne an Fritz Reuter gemahnenden niederdeutschen Dichter entwickelt dat. durch folgenden Brief:„Tschäh. Herr Droste, Sei möten sick ok mal'n Breiw ut'n Krieg arfallen laten, von'n unbekannten Soldaten.— Mi hett en unbekannten, öhersten fihr netten Herrn in Hambora Ehr Bank„Slusobr schenkt, un dat hett mi so vel Freud makt. dat ick Sei ok dovör danken will. Wat dett de leiw Gott vür schöne Tandaten nohmen, as bei Gei tuvsomen hatt hett! Sei hebben en gottbegnade Schriewort in Harten un Kopp. Wat möt dat vör Sei vör ne Freud sin, dat Sei anner Minschen so ne grote Freud maken kön'n!— Ick bew sihr knapp Tid, un mag hier gornix lesen, wat mi nich gliek fasthollen deit. Dat heit öbersten Ehr lütt Bauk dahn. Dat ligt hüt noch uv min' Schriewdisch mang militärisches Tügs. Na. Sei hebben ja so'n lütt Soldatenbild up'n Deckel, dardörch föllt dat hier denn nich so ov süß möst sick Ehr Bank am End grugeln.— Ick hev mi ok mal in plattdütsche Schriewerie versöcht und dorbi markt, dat dat gornich so ganz licht is.— Na. nu wünsch ick Sei un Ehr Famili en schönes niges Johr. De leiw Gott verlett Dütschland nich un schenkt uns en dütschen Freden, den wi bruken könen Sei wünsch ick fröhliche Arbeitskraft, dat Sei uns noch männigein nettes Bauk taurecht tippen könen. Schüßina! Ehr ergebenen Haevernick.“ Das„Taurecht=tivpen“ bezieht sich auf die Blindenschreibmaschine, auf der Droste alle seine Bücher schreibt und auf die der Dichter in dem SlusohrBändchen in einer kurzen, ergötzlichen Skizze zu sprechen commt. Ein Körnersund.] Aus Dresden wird gemeldet: Ein sehr wertvoller Körnerfund ist dem Direktor der Dresdner städtischen Sammlungen. Dr. Minde=Poet, in Polen gelungen. Er entdeckte in verschiedenen kleinen jüdischen Antiquariaten, die er nach Erinnerungen an die Zeit der sächsischvolnischen Könige durchstöberte, unter Makulatur eine große Anzahl von Briefen Christian Gottfried Körners, des Paters des Dichters. Es ergaben sich nach mühsamer Arbeit des Zusammenklebens der einzelnen Teile 20 vollständige Briefe von Körners Vater, davon acht Briefe an seinen Sohn Theodor, sieben an Schiller drei Briese an den ihm befreundeten Berliner Verlagsbuchhändler Partbey und zwei an seinen Vetter Weber: des weiteren ein Brief des Berliner Logenmeisters Kanzler an Minna Körner. Dieser wichtige Kund ist für die Dresdener Sammlungen erworben worden. (125jähriger Gedurtstag des Dichters von„Stille Nacht!“) 125 Jahre sind jetzt verslossen, da 1792 zu Oberndorf dei Salzdurg in Österreich Joseph Mohr gedoren wurde. Er wurde katholischer Priester. Auf einem amtlichen Gang über schneebedeckte Kluren am Vormittag des Weibnachts heiligen Abends 1816 dichtete er das am meisten gesungene Lied: „Stille Nacht, heilige Nacht“. Noch am Mittag komponierte Mohr's Freund, der Lehrer und Komponist Franz Gruber in Arnsdorf, die bekannte, liebliche Melodie zu dem schönen Liede. Am Nachmittag wurde das Lied zum ersten Male zur Christvesper in der Kirche zu Oberndorf von Mohr und Gruber gesungen und fand bald die weite Verbreitung die es bente bat. beiterausschüssen und Schlichtungsinstanzen langjährige Forderungen der organisierten Arbeiter erfüllt seien. Es sei auch wohl zu hoffen, daß diese Einrichtungen auch nach dem Kriege bestehen bleiben, weil man die Erfahrung machen werde, daß solche nur sozial versöhnend wirken. Nachdem noch bekannt gegeben worden war, daß der Arbeitsnachweis für den vaterländischen Hilfsdienst sich hier im Landeshause befindet, brachte Kaplan Tellen anläßlich des Geburtstages unseres Kaisers ein Hoch auf den Landesherrn aus. Mit dem Absingen der Nationalbymne schloß die Versammlung. Die Westfälische Frauenhülfe hat in Wongern a. d. Ruhr ein größeres Grundstück gekauft, um in den aufstehenden Gebäuden eine Unterbringung für Mädchen und Frauen zu schaffen. Es wird die Einrichtung den Charakter einer Arbeiterinnen=Kolonie bekommen. Ermutigt durch die an anderen Stellen gemachten Erfahrungen und gedrängt von der schreienden Not der Zeit, hat die Westfälische Frauenhülfe nun die Ausführung des Planes übernommen, sich für ein solches Unternehmen ins Werk zu setzen. Ihr Grundsatz ist die Freiwilligkeit. In der neu zu gründenden Arbeiterinnen=Kolonie stehen 150 Morgen Land zur Bearbeitung zur Verfügung. Es ist Platz für 10—12 Kühe, und die Absatzgebiete für Industrie sind nahe. Räumlichkeiten für eine Hausindustrie sind ebenfalls vorhanden, so daß rein äußerlich das Unternehmen auch wohl Bestand haben dürfte. Die Kriegs=Familienunterstützungs=Empfänger werden unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung über die anderweitige Festsetzung der Bürostunden der städtischen Verwaltung benachrichtigt, daß an den für die Auszahlung der Familien=Unterstützungen festgesetzten Zahltagen(1. und 15. jeden Monats) die Zahlstelle nach wie vor in der Zeit von vormittags 8 Uhr durchgehend bis nachmittags 6 Uhr geöffnet bleibt. Kath. Mädchenschutzverein Münster(Haushaltlehrstellen). Man schreibt uns: Ostern, die Zeit der Entlassung aus der Schule, ist nicht mehr fern, und da tritt an die Eltern die wichtige Frage heran:„Was soll unsere Tochter werden?“ In den letzten Jahren sind den Mädchen sehr viele Erwerbsmöglichkeiten gegeben. Es gibt aber keine Lebensstellung für die Frau, in der sie häusliche Kenntnisse und Tugenden entbehren könnte. Daher sollten die Eltern an erster Stelle dafür sorgen, ihre Tochter für deren eigensten Beruf, den Hausfrauenberuf, tüchtig zu machen. Der hiesige Mädchenschutzverein hat deshalb vor einigen Jahren eine Haushaltslehrstellvermittlung gegründet und weist fleißigen 14jährigen Mädchen Stellen an, in denen sie unter der Leitung einer tüchtigen Hausfrau in allen Zweigen des Haushalts ausgebildet werden. Die Lehrzeit dauert bei einem Anfangslohne von 6—10 Mk. monatlich 2 Jahre. Lehrkinder haben sich in großer Zahl gemeldet, jetzt gilt der Ruf den Hausfrauen in der Stadt und namentlich auf dem Lande, die es übernehmen wollen, ein Lehrkind auszubilden. Bevorzugt werden einfache Haushaltungen, in denen das Lehrkind unter persönlicher Leitung der Hausfrau steht. Wir richten die dringende Bitte an die deutschen Frauen, die in der Kriegszeit schon so Großes geleistet haben, sich recht zahlreich zu melden. Es gilt, unserm teuren Vaterlande Frauen heranzubilden, die durch hauswirtschaftliche Tüchtigkeit und Sparsamkeit dem Manne helfen, die Leiden des Krieges und dessen schlimme Folgen möglichst bald zu überwinden.— Alles Nähere durch die Leiterin der hausw. Stellenvermittlung. Frl. Lehrerin Großmann, Jägerstraße 18(Sprechstunden Freitags von 4½ bis 5½ Uhr im Bureau des Mädchenschutzvereins. Domplatz 37/38). ∆ Hausfrauenverein. Der erste Steckrübenkochabend fand bei allen Teilnehmerinnen durch die Reichhaltigkeit seiner vorzüglichen, schmackhaften Gerichte außerordentlichen Beifall. Sehen sie sich doch dadurch in der Lage ihren Familien eine reiche Folge verschiedenartiger, angenehmer Speisen vorzusetzen, ohne sie durch die Eintönigkeit des bisher wenig geachteten Gemüses, auf das wir jetzt hauptsächlich angewiesen sind, zu vermeiden. Rezepte sind Montaas und Mittwochs von ½10 bis 11 Uhr in der hauswirtschaftlichen Beratungsstelle, Stadtweinhaus, zu haben.— Der zweite Kochabend findet Mittwoch,(31. Januar) 8 Uhr abends in der Mittelschule statt. Eintritt 20 Pfa. Mitgliedskarte. Tellerchen und Löffelchen mitbringen. X Die Ortsgruppe Münster I des Deutschen Bundes abstinenter Frauen hält am Dienstag, 30. Jan., abends 8 Uhr, im Frauenbundhause, Domplatz, eine Versammlung ab, in der die Vorsitzende des Bundes, Fräulein von Blücher=Dresden, eine Urenkelin des Marschalls„Vorwärts" über„Eine wichtige soziale Frage“, sprechen wird. Gäste sind herzlich willkommen. X Im Westfälischen Kunstverein spricht heute(Dienstag, den 30. ds. Mts.). abends 7 Uhr, Professor Dr. Brinckmann von der Technischen Hochschule in Kaxlsruße über „Fürstentheater, Bürgertheater, Volkstheater". Der Vorrrag wird, wie wir bören, genau eine Stunde dauern und durch zahlreiche neue Lichtbilder erläutert werden, die uns in den eigentümlichen, oft so geheimnisvollen Betrieb des älteren, wie des modernen Thaters einführen sollen. Professor Brinckmann, der durch seine städtebaulichen Untersuchungen sich in der Gelehrtenwelt einen bervorragenden Namen, erworben hat, gilt als einer der glänzendsten wissenschaftlichen Redner, so daß wir einen besonderen Genuß von seinem Vortrag erwarten dürfen. Aus der Theaterkanzlet. Am Freitag, 2. Fehr., wird das Bremer Stadttheater mit Goethes„Torquato Tasso“ gastieren. X Hohes Alter. Im bohen Alter von 99 Jahren verschied die Mitbürgerin Frau Wwe. Bernb. Moser, Johanna geb. Groß. Ein erhebliches Schadenfeuer entstand am Montag morgen gegen 7 Uhr in dem mit Heu und Stroh stark gefüllten Viehhause des Gutsbesitzers Giesbert auf der Geist. Die städtische Brandwache rückte gegen 7½ Uhr mit der Dampf= und der Gasspritze zum Löschen aus, und ebenso beteiligten sich der dritte Löschzug der freiwilligen Feuerwehr von Münster und die Feuerwehr der Geist eifrig an den Löscharbeiten, die durch den Wassermangel infolge des Frostes außerordentlich erschwert wurden. Um des Feuers Herr zu werden, war es notwendig, von dem Bandherde aus über Acker und Chaussee hinweg eine Schlauchleitung herzustellen bis zu dem schräg gegenüberliegenden städtischen Pumpwerk IV, von dem das Wasser in hinreichender Menge bezogen werden konnte. Erst gegen Mittag war die Gefahr für die dicht danebenliegenden Gebäude, namentlich auch für das große Wohnhaus, beseitigt. Vieb ist glücklicherweise, soweit festgestellt werden konnte. nicht verbrannt, dagegen wurde sämtliches dort lagerndes Heu und Stroh vernichtet. * Stadtiheater. Der Jahrmarkt in Pulsnitz. Schwank von Walter Harlan.(Gastspiel des Großherzogl. Hoftbeaters Walter Harlan hat ein paar unterhaltsame Geschichtenbücher geschrieben und mit seinem Schauspiel„Das Nürnbergisch Ei“ einen schönen Erfolg erzielt. Die Theaterliteratur verdankt ihm weiter eine beachtenswerte„Schule de Lustspiels“, die der Dichter aus den praktischen Erfahrungen als Dramaturg am Berliner Lessinatheater heraus geschrieben hat. Diese Schule des Lustspiels enthält manche Erklärung zu dem um die gleiche Zeit entstandenen Schwank. Harlan will in allen Gußerungen der Schaubühne, also auch im Schwank, den tieferen Sinn des Lebens offenhart und gewahrt wissen. Das ist für diese leichteste Gattung der Bübnenkunst, in der Vernunft gern Unsinn wird, naturgemäß ein Bleigewicht, das auch den langatmigen Auseinandersetzungen in Harlans„Jahrmarkt in Pulsnitz“ auhängt und die an sich schon schwächliche Situationskomik nur ab und zu noch wirksam werden läßt. Die Handlung,„die Erlösung von der Glücksgier durch die Erkenntnis:— Gott sein ist Arbeiten— in der Seele eines Rentners und unbesoldeten Stadtrats zu Pulsnitz in Sachsen zu gestalten,“ ist dünn wie der Wasserfaden eines vereisenden Röhrenbrunnens. Harlan spannt selbst— um Bilder aus seinem Schwank zu gebrauchen— eine mit Gedanken überfeuerte Lokomotive vor einen leeren Kinderwagen, und sein Witz ist auch oft sehr aus dem Federhalter gekaut. Aber in der Gestaltung der Menschen erkennt man doch oft schon den Meister der im „Nürnberaischen Ei“, ein so seines Kunstwerk schaffen konnte, wie die Uhren seines Helden, des berühmten Nürnberger Goldschmieds Peter Henle. Und diese Lebenswahrheit halt auch den„Jahrmarkt in Pulsnitz“, namentlich wenn er so vortrefflich gespielt wird, wie Sonntag durch die Schweriner. Herr Felsina batte den fahrigen Stadtrat Aßmann in Wesen und Maske sehr geschickt angelegt und wußte das Interesse für den überspannten Sonderling durch eine glückliche Mischung künstlerischen Temperaments und kühler Überlegenheit den ganzen Abend dindurch auf die Hauptfigur zu sammeln. Dieser Erfolg ist um so höher anzuschlagen, da alle anderen Spieler mit ihm ebenbürtig wetteiferten. Die liebevolle Nichte Frau Röschen wurde von Frl. Burg mit einer so kalten, klaren Berechnung gespielt, daß sie den Zuschauern ebenso auf die Nerven fiel, wie ihrem„anergischen“ Böllosophen und Ehezemahl mit den Harmonikahosen,### Her zart Tor des Pe der gen echt eine Das sun scha gun Abe ein Bei 190 bis Ku bei Ka pre Ve all k5r 117 1¾ na De Ar 14 eil be G Fr tig B Li le ei be — der deutschsprachigen Presse e.V. Forauch dem achen bdem weis hause urtsaus. 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Der ruhende Pol in all des übermütigen Wirrwarrs listiger Flucht war Frl. Petermann mit der sachlichen, vornehmen Verständlichkeit der Schlüsselverwalterin und glücklichen Braut Aßmanns, ein gewiegter, kalter Juristentov. Herr Götz als Säurich, ein echter Jahrmarktskunstler, Herr Lorenz als Lemansky. eine böhmische Köchin voll derber Kraft Fräulein Knopp. Das Gegenspiel zu Aßmann hielt Herr Boger als der gesunde, ehrliche Filzfabrikant Nöthner mit großer Meisterschaft: sein letzter Abgang und seine warmherzige Verteidigung des Philisters war eine der besten Wirkungen des Abends, der insgesamt durch das vortreffliche Spiel zu einem kräftigen Erfolg wurde und den Darstellern lauten Beifall des überaus zahlreichen, fröhlich gestimmten Sonntagspublikums eintrug.. Ritteilungen des städtischen Kriegsausschusses. Die Eintragung in die Gem üsekundenliste muß bis heute(Dienstagl abend erfolgt sein. Außer in den bereits bekanntgegebenen Geschäften liegen Kundenlisten auf: bei Wiemann, Wilhelmstraße 21; bei Berbeide, Corduanenstraße 22. Aus den Provinzen. 12 Rinkerode, 28. Jan.(Kriegerverein.) Bei der Kaisersgeburtstagsfeier wurde auf Anregung des Vereinspräses und des Gemeindevorstehers beschlossen, unter den Vereinsmitgliedern eine Sammlung zu veranstalten, um allen Soldaten aus unserer Gemeinde ein Paket senden zu können. Beckum, 27. Jan.[Großer Brandschaden.) Ungefähr in der Mitte des Weges von Beckum nach Ahlen, 1½ Stunden von Beckum entfernt, dort, wo die alte Chaussee nach Ahlen im rechten Winkel nach Norden biegt, liegt unter schattigen Bäumen der alte Gutshof Pustekrey=Geisthövel. Das ganze Anwesen(Wohnhaus, Stallungen. Scheune mit Ausnahme des Schweinehauses wurde am Donnerstag gegen 1% Uhr ein Raub der Flammen. Unter Mitwirkung der eilig herbeigelaufenen Nachbarn gelang es, den großen Viehbestand, darunter 45 Kopf Rindvieh, und die gedroschenen Getreidevorräte, ebenso das Mobiliar zu retten. Mehrere Fuder ungedroschenen Getreides verbrannten in dem gewaltigen Feuer, das bis zum andern Morgen hoch aufflackerte. Bei den umsichtigen Rettungsarbeiten wurde der Gutsbesitzer Lücke durch herabfallende Ziegelstücke am Kopfe leicht verletzt. Der Brand ist verursacht durch ungeschicktes Hantieren eines Klempnerkehrlings mit der Lötlampe. Er war damit beschäftigt, die eingefrorene Wasserleitung aufzutauen. Dortmund, 29. Jan.[Großfeuer.] In der Dachpappenfabrik von Ranke brach heute nachmittag Großfeuer aus, das einen großen Umfang annahm. Das Feuer verursachte einen gewaltigen Rauch, der die ganze Umgegend einhüllte und verdunkelte. Es bestand Gefahr, daß die gesamten Fabrikanlagen dem Feuer zum Opfer fielen. Der verstärkten Feuerwehr gelang es. ein weiteres Umsichgreifen des Feuers zu verhindern. Ausgebrannt ist der Teil der Fabrik, in dem die sog. Teerblasen lagern. Der Brand ist durch Überhitzen und Überlaufen von Teer entstanden. 2 Gelsenkirchen, 29. Jan.(Bergwerksunglück.) Auf der Zeche„Wilbelmine Victoria“ 1—4, wurden infolge zu heftigen Aufsetzens der Förderschale drei Bergleute getötet und einer schwer verletzt. * Plaidt, 24. Jan.[Das gefundene Schwein.) Ein hiesiger Landwirt hörte, als er abends über die Landstraße ging, hinter sich ein eigentümliches Brummen, das bei näherem Zusehen aus der Kehle eines feisten Schweines stammte, das sich willig fangen und in den Hühnerstall einsperren lietz. Trotz aller Ankündigungen bat sich der Besitzer des Schweines nicht gemeldet: er scheint dasselbe gar nicht zu vermissen, und so wird der glückliche Finder die Erlaubnis erhalten, das Schwein zu schlachten. Vermischtes. * Erdbeben. Budapest, 29. Jan.(WTB.) In Agram wurde heute vormittag ein zehn Sekunden dauerndes Erdbeben verspürt, das keinerlei Schaden anrichtete. Nur an einigen Häusern zeigten sich in den Decken Sprünge. Auch in der Umgebung von Agram wurde ein ganz schwaches Erdbeben verspürt. * über die Miliniterplosion in der Fabrik von Massy bei Paris meldet Havas: Sonntag mittag entstand ein Brand in der Pulverfabxik von Massy Palaiseau. Das Feuer breitete sich sehr schnell aus und erreichte Lagen, in denen recht bedeutende Mengen von Sprengstoffen aufgehäuft waren. Direktor und Personal machten große Anstrengungen, um den Brand zu beschränken. Sie verließen das Gebäude erst in dem Augenblick der ersten Explosion, der bald zwei oder drei weitere folgten. Die Zahl der Opfer ist sehr gering. Drei Arbeiter wurden leicht verletzt, sieben getötet. Durch den heftigen Luftdruck wurde in recht weitem Umkreise an den Häusern Materialschaden an Dächern und Fenstern verursacht. * c Amtliche Feststellung der eingegangenen Zeitungen und Zeitschriften. Die neueste Liste des Postzeitungsamtes in Berlin enthält eine 32 Seiten starke Beilage, in welcher die Zeitungen aufgeführt werden, die während des Krieges ihr Erscheinen eingestellt haben. Es sind das nunmehr 1430 Zeitungen und Zeitschriften. Da in Deutschland bei Ausbruch des Krieges rund 13000 Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind, so haben etwa 12 Prozent ihr Erscheinen einstellen müssen. * ∆ Ein Hund als Burgwart. Auf einen originellen Einfall kamen die Bewohner einer der schönsten Burgen des Eifellandes. Der Burawart wurde eingezogen: die Herrschaften konnten von der Dienerschaft niemand entbehren. und wollten dem Publikum nicht die sonst gern gestattete Besichtigung der Bura vorenthalten. So kamen sie auf die Idee. einen der klugen, gut gearteten Hunde des Buraherrn als Führer abzurichten und zur größten Freude der Burgbewohner, wie auch jedes Fremden, versieht der Hund sein Amt mit tadelloser Treue. Er geht durch alle zu besichtigenden Burahöse. Terassen. Zinnen bis zum Turm. Oben wartet er einige Minuten, bis die Fremden die Aussicht bewundert haben und begleitet sie dann wieder zum Tor, wo er durch Bellen einen Diener berbeiruft und ihm das Amt. die Fremden herauszulassen, überträgt. Sport. Militärische Vorbereitung der Jugend und die Sportverbände. Dem in der letzten Wettkampfausschußsitzung des deutschen Reichsausschusses für Olympische Spiele ausgesprochenen Wunsche der Sportverbände, bezüglich der Ausbildung der Jugend den Turnvereinen gleichgestellt zu werden. ist jetzt durch einen Erlaß des preußischen Kriegsministeriums vom 29. Dezember entsprochen worden. Das Kriegsministerium hat in diesem Erlaß die mit der deutschen Turnerschaft hinsichtlich der militärischen Vorbereitung der Jugend getroffenen Vereinbarungen auch auf die Jugendabteilungen der Sportverbände, Vereine usw., ausgedehnt. Die Jugendabteilungen dieser Vereine mit mindestens 15 Mitgliedern können auf besonderen Antrag als geschlossene Abteilungen zur militärischen Vorbereitung der Jugend unter die Oberleitung der Stellvertretenden Generalkommandos und der militärischen Vertrauensmänner gestellt werden. Zu den Übungen dürfen nur Mitglieder vom 16. bis 22. Lebensjahre zugelassen werden. Die übungen sind dem zuständigen Vertrauensmann rechtzeitig mitzuteilen, auf dessen Aufforderung monatlich zweimal Marschübungen und übungen im Gelände auszuführen sind. Der Vertrauensmann kann jederzeit den Übungen beiwohnen und sich von den Leistungen überzeugen. Der Verein übernimmt mit der Meldung die Verpflichtung. die Mitglieder der Jugendabteilung nach dem vom Kriegsministerium erlassenen Bestimmungen und Anleitungen für den Heeresdienst vorzubilden. Führer und Mitglieder der Jugendabteilung sind unbedingt gegen Haftpflicht zu versichern. Als Vergünstigung wird Führern und Mitgliedern u. a. zugestanden: Postgebührenfreiheit(nicht für Stadtpostsendungen). Ausstellung von Dienstleistungszeugnissen für Führer und von Ausweisungen für die Jungmannen, Berücksichtigung von Wünschen der Führer und Jungmannen auf Einstellung in einen Truppenteil der Wafse, für die sie ausgehoben sind, soweit es die militärischen Verhältnisse zulassen. Briefkasten. A. W. Hier. über die Bestimmungen der Beförderung von Tauchbootbriefen geben die Postanstalten Auskunft. Muster zur Fertiastellung von Tauchbootbriefen(innerer und äußerer Umschlag) sind in den Schlaterräumen der Postanstalten ausgehängt.„ WBänster Söln Graßl N. N. Aschendor—Meunster—Koin—Brohi. Hauptredakteur Rudolf Strietholt.— Es verantworten: den redaktionellen Teil Paul Koene, die Reklamen und Inserate Anton Busch, alle in Münster.— Druck und Verlag der Aschendorffschen Buchhandlung in Münster. „Unsere PEAFINO 1 Zigäreite Ort. einschliesslich Kriegsautschlag Jrotr Steuererhöhung behalten unsere Zigareffen ihre alten anerkannfen Qualitäten. Georg A.Jasmatzi Aktiengesellschaft Decken Sie jetzt bald den Bedart. S Große Auswahl schwarz, blau und viele Farben, Damen-Jackenkleider, Backtisch-Jackenkleider. Mädchen-Jackenkleider. Auch große Bestände Frauengrößen für stärkere Figuren.—:: Sorgtältige Verarbeitung aus guten Stoffen, hauptsächlich gedlegene reinwollene Qualitäten. 28— 5/— 58— 4/8- 00— 02— 09— 78— 9022 bis 14528 VR Vorzöglich imprägnierte Mäntel und Mantelkleider, Kleidsame allerneueste Formen aus Seide, seldenähnlichem Mako, Halbseide, Alpaka, Covercoat, Reps. 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Heute 7½ Uhr in der Aula des Realgymnasiume Einmaliger heiterer Vortragsabend Joseph Plaut Literarisches! Musikalisches! Hopien-Paredien! Wer einmal richtig lachen will versäume den Besuch dieses Abends nicht. Bispingschen Musikalien-Handlung. Staft Karten. August Bolle wissenschaftlicher Ftllfslehrer Maria Bolle geb. Rütters — Vermählte.— Telgte, Münster, den 20. Januar 1917. Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, heute Morgen 11 Uhr unsere liebe Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante, die fer a. u. Franr Geismann Elisabeth geb. Becher zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Sie starb nach kurzem Krankenlager, wohlvorbereitet durch einen echt christlichen Lebenswandel und gestärkt duch den Empfang der hl. Sakramente im 63. Lebensjahre. wird dem Gebete der Gläuurch den Sebensjühre. Ihre liebe Seele bigen empfohlen. Münster, Minden, Rotthausen, Hamm, Appelhülsen, den 28. Januar 1917. Die trauernden Angehörigen. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 31. d. M., um 3½ Uhr vom Clemenshospital aus statt; das feierliche Seeleuamt am selben Tage, morgens 8½ Uhr in der St. Ludgeripfarrkirche. Gestern früh um 4 Uhr entschlief nach Gottes hl. Willen mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater, der Sattlermeister Kugust Breinnump. Er starb nach längeren Leiden, vorbereitet durch einen christlichen Lebenswandel, versehen mit den hl. Stergesakramenten, im 59. Lebensjahre, im 33. Jahre einer glücklichen Ehe. Amelsbüren, westlicher Kriegsschauplatz, Münster, Zabern, 29. Januar 1917. Die trauernden Angehörigen. Die Beerdigung findet statt zu Amelsbüren Mittwoch, den 31. Januar, morgens 9 Uhr, anschließend das Seelenamt. Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, am 28. ds. Mis. meine liebe Tochter unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante Karchen Mertens zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Sie starb nach längeren Leiden versehen mit den hl. Sterbesakramenten, im Alter von 22 Jahren. Die Seele der teuren Verstorbenen wird allen, besonders dem Priester am Altare im Gebete enpjohlen. Münster, den 23. Januer 1917. Die trauernden Angehörigen. Die Beerdigung findet statt Mittwoch, den 31. Januar, nachmittags um 3½ Uhr vom Sterbehause Krummestraße 39 aus. Das feierliche Seelenamt an demselben Tage, morgens um 3½ Uhr in der Gr. Agidit- Pfarrkirche.