der deutschsprachigen Presse.V. Gezugspreis vierteljährlich: Ausgabe A(ohne „Wochenschau“) in Münfter zweimal täglich frei ins Haus gedracht 2 Ml. 10 Pfg.,— auswärts von der Post abgeholt 2 Mr. 10 Pfg., durch den Briefträger gebracht überall, mo nur einmal im Tage Briefbestellung stattfindet, 2 Mk. 52 Pfg. in Orten mit zwei= und mehrmaliger Bestellung 2 Mk. 82 Pfg.— Ausgabe 8(mit„Wochenschau") vierteljährlich 60 Pfg. mehr. Fernspr.: Redaktion u. Verlag Nr. 2445, 2440 u. 2450. Geschäftestelle(Michaelisplatz 9) Nr. 76. Zwei Ausgaber tägich. und Münsterische Volkszeitung. 45267 Abomenten. Anzeigen: Der Raum für die Anzeigenspalte, 30 mm breit, 2, 2mm hoch, 25 Pf.; bei Anzeigen aus dem.=Oz. Münster 20 Pf., aus der Stadt Münster 15 Pf.(für Aktiengesellschaften 2c., Vereine und Behörden 25 Pf.: Reklamen: Der Raum für die Reklamespalte, 87mm breit, 2,2mm hoch, 1 Mk.— Für Erfüllung von Platzvorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druckfehler keine Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gilt als Kassenrabatt u. kann verweigert werden, wenn Zahlung nicht binnen 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt.— Gebühr für Beilagen nach Gewicht Zweite Ausgabe. Mittwoch, 24. Januar 1917. Wilsons Botschaft. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat an den Senat eine auch den Großmächten übermittelte Botschaft gerichtet, die für deutsche Gemüter etwas befremdlich klingt und mehr an ein Referat für einen Konareß der Friedensgesellschaft erinnert, als an eine auf ein praktisches Ziel zusteuernde Maßnahme. Wilson wendet sich an das amerikanische Volk, aui dieses ist die Wirkuna berechnet, aber wenn wir das bei der Beurteilung in Rechnung stellen und wir darauf verweisen daß er die Pote den Großmächten übermittelt hat, und zwar mit wohlüberlegter Absicht, weil diese Absichten und Pläne einwirken sollen auf die Gestaltung des Friedens, durch den sie diesen Krieg beenden werden. Dieses praktische Ziel ist freilich wohl kaum das einzige, das Wilson verfolgt. Vielmehr ist ein gut Teil Idealismus dabei, de#' er schon bei seiner Kandidatur für die Präsidentschaft bekundet hat. Damals zeigte er sich als Schützer des Weltfriedens, sprach vom ewigen Frieden, von dem er träumte. Jetzt nach seiner Wahl wird er die Verpflichtung fühlen, nicht bloß seinem Versprechen gemäß, sondern auch seinen idealistischen Anschaunngen entsprechend. seinen Kandidatenreden Präsidentenworte folgen zu lassen. Präsident Wilson wird es verstehen, daß uns der Gebanke an einen Frieden, d. h. an den Frieden, der den gegenwärtigen Krieg beendet, näher liegt, als die Gründung eines Friedenschutzes nach Abschluß dieses Krieges, nicht als ob wir nicht auch alles Interesse daran hätten, den kommenden Frieden zu einem dauernden zu gestalten. Garantieen für ein Aufrechterhalten zu gewinnen: im Gegenteil, diese Sicherung des kommenden Friedens ist für uns eine ungemein wichtige Angelegenheit, und wir werden alles daran jetzen, schon beim Friedensschluß die Grundlage für seine Dauer zu schaffen. Da Präsident Wilson ebenfalls auf die Dauer des Friedens einen so hohen Wert legt und schon jetzt seine Meinung über den Weg zur Sicherung niederlegt, so geben wir uns der Hoffnung hin, daß er auch für unsere Wünsche volles ständnis haben wird, auch wenn wir das Ziel vielleicht auf einem etwas anderen Wegc zu erreichen suchen, als er es heute, fernab von den Geschehnissen dieses Krieges, versucht. Der Präsident der Vereinigten Staaten meint in seiner Botschaft, daß er sich sehr deutlich und genau ausgesprochen habe. Er hat allerdings seine Theorie und seine Ideale in ziemlich ausführlicher Form niedergelegt, und dieses Ziel, die Schaffung einer mit überlegener Gewalt ausgestatteten Friedensliga ist unverkennbar, aber der Idealismus des Professors hat die Politik des Präsidenten fortgerissen und Darlegungen entstehen lassen, die eher rechtsphilosophische Expektorationen, als ein politischer Akt sind. Wir haben auch an solchen mehr akademischen Erörterungen lebhaftes Interesse, und der dabei zutage getretene Idealismus eines Friedensfreundes soll in Ehren gelten. Aber kann man es uns verdenken, daß wir unser Augenmerk mehr auf die greifbare Tatsache richten, daß wir die Verhältnisse sehen wie sie sind, die Verhältnisse, die wir nicht geschaffen, deren Folgen wir aber in hartem Kanpfe zu ertragen haben. Wilson sagt, daß der Krieg ohne Sieg beendet werden müsse, denn beide kriegführenden Parteien hätten sich zu dieser Auffassung bekannt. Das ist uns neu, und wir fürchten, daß Präsident Wilson die Antwort der Entente auf unser Friedensangebot sehr gründlich mißverstanden hat, wenn er derartiges herausliest. Alle ihre Bedingungen haben unsere militärische Vernichtung zur Voraussetzung und haben eine absolute Verkümmerung unseres Staatswesens zur Folge, während unsere Verbündeten zum Teil vollkommen vernichtet werden sollen. Gebietsteile von Deutschland, wie von Landesteilen unserer Verbündeten werden in weitem Umfange gefordert. Kann die Entente auch nur einen Augenblick daran denken, daß sie eine derartige Erdrosselung der Mittelmächte ohne Sieg erringen könnte? Und kann Präsident Wilson weiter verkennen, daß wir nur in unserem Siege eine Sicherheit gegen diese Vernichtungsarbeiten unserer Feinde erblicken können. Der Grundsatz von der ba###e of power von englischer Seite wie vom Deutschen Reichstag verworfen worden. Es muß anstatt dieses künstlichen Gebildes eine reale Sicherheit geschaffen werden und diese Sicherheit gegen einen Überfall können wir nur gewinnen durch den Sieg. Präsident Wilson selbst spricht ja von der Vermeidung von Koalitionen und die Völker müßten es unterlassen, sich in Bündnisse zu verwickeln, die sie in einen Wettbewerb um die Macht hineintreiben, in eine noch von Intrigen eigennütziger Nebenbuhlerschaft und ihre eigenen Angelegenheiten durch Einflüsse verwirren, die von außen hereingetragen werden. Wenn diese Worte auf tatsächliche Begebenheiten hindenten sollen, was doch ihr Zweck sein muß, dann enthalten sie nur eine Zustimmung der Einkreisungspolitik König Eduards und des daran anschließenden Systems der englischen Politik der Verabredungen und Konventionen. Diese Politik aber war es, die zum Kriege führte, während Deutschland einen vierzigjährigen Frieden hielt und nichts tat, ihn zu beenden. Wilson wird sich erinnern, daß Lloyd George selbst ein Jahr vor dem Kriege eine Rede hielt, in der er sagte, daß ein Land mit drei offenen Grenzen eine starke militärische Macht haben müsse, um sich zu schützen und um seinen Frieden zu erhalten. Die Vereinigten Staaten befinden sich in anderet Lage und haben darum wohl nicht das volle Verständnis für die Notwendigkeit, sich nach allen Seiten gegen Angriffe zu schützen. Aber ganz ausgeschlossen ist bei ihnen ja auch nicht die Möglichkeit, daß sie ihre Grenzen schützen müssen, und Präsident Wilson wird dann, selbst bei den x# von allen Seiten bedrohten Grenzen der Vereinigten Sta#ten erkennen müssen, daß man zu seinem Schutze auch reale Faktoren haben muß. Wenn wir auch die philosophischen Gedankengänge und den Idealismus, der in solchen, Friedensbestrebungen zum Ausdruck kommt, in Ehren halten, so kennen wir doch auch ein altes Wort, das auch seinen tiefen Sinn und seine Bedeutung für den Frieden hatte: st vis pacem para bellum (Wenn du den Frieden willst, rüste dich für den Kriea). Wir alle wissen sicherlich die Güter des Friedens zu schätzen und würden seine dauernde Sicherung als einen unschätzbaren Gewinn im Leben der Völker preisen. Der Reichskanzler hat sich auch in einer seiner Reichstagsreden bereit erklärt, sogar an die Spitze einer Friedensliga zu treten, aber er hat auch die Bedingungen gesagt, die vorher erfüllt sein müssen. Präsident Wilson wird vielleicht diese Vorbedingungen nachlesen und erkennen, daß die Entente sehr weit davon entfernt ist, sie zu erfüllen. In der Botschaft Wilsons werden dann auch eine Reihe von Fragen erörtert, die in dem Abschluß des Friedens selbst von Bedeutung sind, zunächst die Feststellung, daß Wilson an Friedensverhandlungen nicht teilnehmen will, vielmehr seine Beteiligung erst in Aussicht stellt und auch fordert, für die Verhandlungen zur Sicherung eines dauernden Friedens, also zur Einrichtung einer Liga oder eines Friedensschutzbundes. Damit begegnet er unserer Auffassung. Wir sind mit ihm der Meinung, daß die Kriegführenden den Krieg beenden müssen durch Verhandlungen unter sich, im übrigen fordert er mancherlei, dem wir durchaus beistimmen können, während diese Forderungen mit der Politik unserer Geaner im schroffsten Gegensatze stehen. Gleichheit der Nation. Gleichheit der Rechte von Kleinen und Großen, Freiheit der Meere, das alles sind Forderungen und Grundsätze, die wir anerkennen und befolgen, die aber von der Entente und vor allem von England rücksichtssos cit Füßen getreten werden. Der Ranb der dänischen Flotte, die Unterwerfung freier Völker, der Rau## von Landesteilen, all das ist eine ununterbrochene Kette in der Geschichte Englands und sie reicht bis auf den heutigen Tag durch die unerhörte Bedrohung Griechenlands und die Besetzung seiner Inseln und seines Gebietes. Die Freiheit der Meere ist unser Kampfziel, und die Neutralen müssen sich diesem Kampfziele anschließen, sobald sie es klar erkennen. Wilson fordert den Zugang zum Meere für alle großen Länder. Er scheint dabei auf die Frage der Meerengen anzuspielen. Aber wenn er dabei Konstantinovel im Auge hat. so widerspräche er dem Nationalitätenprinzip, das er sonst aufstellt. Im übrigen ist auch diese Forderung in erster Linie gegen England gerichtet, denn England sitzt vor den Dardanellen, sitzt in Gibraltar und Suez. in Malta und Cypern. in Eden und Singapore und hält so die Meere geschlossen. Wir können nicht heute auf alle Einzelheiten der ausführlichen Botschaft eingehen, nur eins noch. Wenn Wilson von Polen spricht, von der auch von ihm anerkannten Freiheit dieses Landes, dann dürfen wir darauf verweisen, daß er für Polen Wünsche ausgesprochen hat, daß Rußland Polen bedrückte und daß einzig wir und unsere Verbündeten dem Lande durch die Tat geholfen. So sehen wir, daß die meisten Araumente Wilsons auf die Praxis angewandt, die Entente treffen. Mag Wilsons Botschaft bedeutende praktische Erfolge nicht haben, das Ziel. einen dauernden Frieden zu schafsen, ehren wir, denn es ist ja auch unser Ziel, das wir auf dem Wege, den wir für richtig halten, zu erreichen hoffen. * Blätterstimmen der seindlichen Presse. Rotterdam, 24. Jan.(BB.) Reuter meldet aus London: Die Londoner Presse hat die Rede des Präsidenten Wilson nicht sehr freundlich begrüßt. Sie bezeichnet Wilsons Absichten, so erhaben sie immer sein mögen, als vollstäudig unausführbar. Der Gedanke an einen Frieden ohne Sieg müsse abgelehnt werden. Nur ein Sieg der gerechten Sache könne einen dauerhaften Frieden sichern und sei darum unabweisbar notwendig.„Daily Chronicle“ sagt, Wilsons Plan beruhe auf der Annahme der Ehrlichkeit der einzelnen Teilnehmer aus dem Völkerfriedensbund. Die Vereinigten Staaten muten England zu, auf die eigenen Verteidigungsmittel zu verzichten, aber man müsse fragen, ob Amerikas Schutz genüge, wenn Deutschland England angreift.—„Morninapost“, schreibt: Wilion schiebt eine Intervention vor, die die Amerikaner während des Bürgerkrieges und während des spanischen Krieges zurückgewiesen haben. Indem Wilson die Neutralität Belgiens verletzen ließ, gab er zu, daß eine Nation das Recht habe, ihre Verpflichtungen zu brechen. Das wird für seine jetzigen Pläne verhängnisvoll.— Die„Times“ meinen, wenn die Vorschläge Wilsons angenommen würden, würden die Mittelmächte die Verträge einfach als Fetzen Pavier ansehen. Man würde nur dem Feinde in die Karten spielen.—„Daily News“ faßt ihre Ausführungen dahin zusammen: Wilsons Botschaft wird der Verwirklichung der Hoffnung Europas eher einen weiteren Antrieb geben, als sie verzögern. Wir müssen indessen abwarten, ob wir, wie Wilson glaubt, einer Friedenskouferenz und der Bildung eines dauernden Bundes der Nationen näher gekommen sind. —.„Daily Mai!“ sagt: Sie deckt sich hauptsächlich mit der päpstlichen Erklärung über die zukünftige internationale Moral. Eine Nußerung der Sympathie für die, die ihr Blut für die Freiheit vergossen haben, sucht man darin vergebens. Es wäre interessant zu wissen, wie nach Wilsons Ansicht Deutschland jemals gezwungen werden könne, Verträge zu achten. Wenn der Präsident von einer Beendigung des Krieges ohne Sieg spreche, so könne England ihn nur um seine Weltfremdheit beneiden. Zu abstrakten Debatten habe man keine Zeit. Man müse zuerst die Welt befreien. Genf. 24. Jan.(TU.) Die Pariser Blätter betonen, daß die besondere Wichtigkeit und die hohe geschichtliche Bedeutung der Botschaft Wilsons anzuerkennen sei, meinen aber, so wie er gemacht sei, sei der Vorschlag ein unausführbarer Traum, da er alle Fragen als gelöst voraussetze, die Europa gegenwärtig verfeinde. Sie unterschreiben im allgemeinen die Formel für künftige Friedensgrundlagen, indem sie erklären, daß Wilsons Auffassung von Gerechtigkeit und Freiheit auch die der Alliierten sei, aber sie stellen einen ausdrücklichen Vorbehalt hinsichtlich eines Friedens ohne Sieg auf und bestehen auf die notwendigen und unbedingten Wiederherstellungen.—„Petit Parisien“ schreibt: Man könne nicht zulassen, daß der Feind aus den gegenwärtigen Ergebnissen mit Ehren hervorgehe, die er sich zuzuschreiben nicht unterlassen werde. Es scheine, daß Wilson hier, wie schon früher, angegriffene und angreifende Staaten auf eine Linie stelle, während sich ihm doch leicht der Unterschied aufdringen müsse. Die Schweizer Presse. Bern, 24. Jan.(TU.) Zur Friedensbotschaft schreibt das„Berner Tageblatt": Streng genommen ist das Bedeutungsvollste an der Botschaft Wilsons die Aufstellung des Grundsatzes von der Freiheit der Meere. Mit der radikalen Lösung, wie Wilson offensichtlich vorschlägt, können die Neutralen restlos einverstanden sein. Auch Deutschland würde zweifellos anerkennen, daß es auf der Grundlage der neutralen großzügigen Vorschläge verhandeln könne. 4 Genf. 24. Jan.[KG.) Laut einer„Herald“=Meldung aus Newyork beantragte im amerikanischen Senat Senator Stone im Anschluß an Wilsons Friedenskundgebung eine Tagesordnung, die den Präsidenten zu einer neuen Friedensaktion bei den Kriegführenden auffordert. 4 Gemeinsame Kundgebung der Entente auf Wilsons Friedenonote. Genf, 24. Jan.(KG.)„Journal de Tebats“ kündigt offiziös eine gemeinsame Kundgebung der Eutente=Regierung auf die neue Friedenskundgebung Wilsons an. Die Verhandlungen zwischen den Kabinetten der Entente seien bereits eingeleitet. Der Krieg mit Rumänien. * Wird Galatz umgangen? Genf, 24 Jan.(KG.) Der Pariser„Matin“ meldet aus Petersburg, der Feind beginne, Galatz zu umgehen. Die militärische Bedeutung Galatz' für die russische Armee werde dadurch täglich geringer. Der Krieg im Orient. Italienische Rückzugosiege in Tripolis. Rom, 21. Jan. Das italienische Kolonialministerium teilt mit: Die zur Verfolgung des am 16. Januar geschlagenen Feindes entsandte Kosonne des Generals Latini erreichte ihn am 17. bei Aoileh, wo er sich zu erbittertem Widerstande vorbereitet hatte. Trotz heftigen Sandsturmes, der den Kampf sehr schwierig machte, entwickelte sich zwischen Mittag und drei Uhr nachmittags ein Gefecht. Der Feind wurde vollständig in die Flucht geschlagen und zoa sich nach Osten und Süden zurück. General Latini hatte damit das ihm vom Gouverneur von Tripolitanien bezeichnete Ziel erreicht, die Zuara bedrohenden Rebellen zu schlagen. Er kehrte, nachdem er ihnen schwere Verluste beigebracht hate, mit seinen Truppen nach Inara zurück. Die letzten Nachrichten besagen, die Rebellen hätten am 16. Jan. 700 Tote und 1000 Verwundete, am 17. Januar 120 Tote und etwa 300 Verwundete gehabt. Unsere Verluste sind leicht. Der See= und Handelskrieg. Menschliches Verhalten eines deutschen U. Bootskommandanten. Kopenhagen, 23. Jan.(WTB.) Vor dem hiesigen Seehandelsgericht fand heute das Seeverhör wegen der Versenkung des dänischen Dampfers„Tuborg“ statt. der auf einer Pflichtreise mit Kohlen vom Tyne nach Gibraltar unterwegs gewesen war. Wie die Blätter berichten, wurde im Verhör allseitig das menschliche Verhalten des deutschen Tauchboots=Kommandanten rühmend hervorgehoben. Nach der Versenkung des Dampfers hatte das Unterseeboot die Boote mit der Besatzung sieben Stunden im Schleptau. Gegen abend tauchte der norwegische Dampfer„Cuba“ auf, der von dem-Boot durch einen Warnungsschuß angehalten wurde. Als der Kapitän mit den Schiffspapieren sich an Bord des-Bootes einfand, erklärte der Kommandant, daß er eigentlich den Dampfer versenken müsse, der seit einem halben Jahre zwischen England und Frankreich hin und her fahre und sich jetzt auf der Rückreise mit Ballast nach England befinde. Er wolle aber die Dampferbesatzung nicht auf dem Meere in der Nacht hilflos ihrem Schicksal überlassen und werde daher den Dampfer freigeben. Der norwegische Kapitän mußte sich aber schriftlich an Eidesstatt verpflichten, die dänische Besatzung an Bord zu nehmen und niemals, weder er persönlich noch sein Dampfer mit Bannware für die Alliierten zu fahren. Darauf wurde der Dampfer von dem -Boot freigegeben. Vorsichtsmaßregeln gegen die deutsche.Bootgefahr. Genf, 24. Jan.(BB.)„Petit Parisien“ meldet: Wie amerikanischen„Blättern zu entnehmen ist, ist die englischamerikanische Schiffahrt auf eine einzige Linie Liverpool=Halifar beschränkt, angeblich weil es leichter sei, alle Vorsichtsmaßregeln gegen=Boote auf einer einzigen Linie zu vereinigen. Was Eugland von den Handels=Unterseebooten erhofft. Kopenhagen, 21. Jan.(BB.) Der Londoner Berichterstatter von„Sozialdemokraten“ meldet: Gelegentlich eines vor einigen Tagen in London abgehaltenen Banketts äußerte Sir Jos. Compton Rickett, daß die Lebensmittelnot Englands nur dann behoben werden könne, wenn sofort mit dem Bau großer Frachtunterseeboote unbegrenzten Tonneninhalts nach deutichem Muster begonnen werden würde. Versenkt. Bern, 23. Jan.(WTB.]„Temps“ berichtet, daß der spanische Dampfer„Armandi" versenkt und die Besatzung gerettet worden ist.— Nach Pariser Blättern ist der Dreimaster„Brenn“ vor Rochelle versenkt worden. Die Besatzung wurde gerettet. In St. Nazaire ist die Besatzung des versenkten dänischen Dampfers„Klampenburg“ eingetroffen. Bern, 23. Jan.(WTB.] Lyoner Blättern zufolge ist die Bemannung des versenkten schwedischen Tampfers „Gaeta Santoma“ eingetroffen. Der Krieg im Westen. * Englischer Heeresbericht vom 22. Jan. Es wird gemeldet, daß der Feind gestern abend einen Angriffsversuch nördlich von Arras unternahm, der unter Verlusten fehl schlug. Der Feind gelangte nicht in unsere Gräben. Ein anderer Versuch gegen unsere Gräben nordöstlich des Waldes von Ploegsteert hatte ebenfalls keinen Erfolg. Wir brachten einige Gefangene als Ergebnis einer Patrouille ein. Bombenkämpfe und Artillerietätigkeit auf beiden Seiten nördlich der Somme und in der Umgebung von Serre und Ploegsteert. Gegenüber von Arras bewirkte unsere schwere Artillerie eine Explosion in den feindlichen Linien. Rußland. Bemerkenswerte russische Disziplinlosigkeit. Berlin, 23. Jan. Gefangene Russen des 17. sibirischen Schützen=Regiments sagen aus: Das 17. und 18. sibirische Schützen=Regiment war bei den letzten Kämpfen am Brückenkopf von Riga für den ersten Angriff bestimmt worden. Sie weigerten sich, vorzugehen, da das erste Bataillon des 17. sibirischen Schützen=Regiments nicht angreisen wollte. Die Offiziere des Bataillons machten keinen Versuch, ihre Leute umzustimmen und taten auch sonst keine Vorbereitungen zu einem Angriff. Sie blieben vielmehr in ihren Stellungen, so. als ob nie ein Angriffsbefehl gegeben worden wäre. Darauf wurden die sibirischen SchützenRegimenter 17 und 18 durch die sibirischen Schützen=Regimenter 19 und 20 abgelöst und kamen in Reservestellungen. Dort wurde das er ste Bataillon des 17. sibirischen Schützen=Regiments durch die drei anderen Bataillone desselben Regiments entwaffnet. Dies gelang aber erst nach 1½tägigen Verhandlungen, da die Mannschaften des., 3. und 4. Bataillons sich weigerten, auf ihre Kameraden zu schießen. Hierauf wurden noch an demselben Tage 21 Leute des ersten Bataillons kurzer Hand erschossen. 40 weiteren Mannschaften steht noch dasselb: Los bevor. Das ganze Bataillon wurde darauf ohne Waffen in das Innere des Landes transportiert. Schweden. Stockholm, 23. Jan.(W2B.] In der Ersten Kammer hob Trygger, der Führer der Rechten, die Verdienste der Regierung hervor. die dazu beigetragen hätten, daß Schweden sich dem Kriege habe fernhalten können, und bewirkt hätten, daß Schweden in anderen neutralen Ländern als Vorbild anerkannt und geachtet sei. Wenn irgend eine Macht veriuchen sollte. Schweden zum Verlassen seiner Neunralität zu zwingen, sollte sie bedenken. daß sse dann einem Volke begegnen würde, das seine Selbständikeit b is zum Außersten zu verteidigen wisse. An dem Entwurf des Haushaltes übte der Redner in gewisser Hinsicht Kritik. Der Führer der Liberalen, Kwarnzeliner erklärte, die liberale Partei schließe sich der unerschütterlichen Neutralitätspolitik der Regierung an und sei überzeugt, daß die Regierung den ehrlichen Willen habe, diese auch fernerhin aufrechtzuerhalten. Weitere Redner der Liberalen und Sozialdemokraten übten ebenfalls Kritik am Budget und an der inneren Politik: dagegen sprachen sie mit Genuatuung von den Plänen der Preisregulierung. Nachdem die Kritiken vom Finanzminister beantwortet waren, wurde die Sitzung geschlossen. Friedensbestrebungen. Briand über die Kriegsziele Frankreichs. Genf, 24. Jan.(BB.) Auf einer Versammlung der Delegierten der französischen Arbeitersyndikate erwähnte der frühere Minister Sembat eine Außerung Briands über die Kriegsziele Frankreichs und seiner Verbündeten: Nicht die Zerschmetterung Deutschlands ist unser Ziel, aber wir müssen endlich erfahren, was die Mittelmächte vorhaben. Der Wunsch. Frieden zu erlangen, genügt noch nicht, ihn herbeizuführen. 66. Jahrgang. Nr. 55. Kongreß der englischen Arbeiterpartei. London, 23. Jan.(WTB.] Reuter. Heute ist der Kongreß der Arbeiterpartei in Manchester eröffnet worden. 700 Dezegierte, darunter Minister Henderson, waren erschienen. Man erwartet eine wichtige Aussprache über den Krieg. Deutsches Reich. Deutsche Gefangene im gejährlichsten Kriegsdienst Englunds. Berlin, 23. Ja des„B..“ mitteilt, müssen die deutschen Gefangenen, seit die Engländer bei Transloy stehen, im Druck der schlimmsten Zwangsmaßregeln Granaten an die feindlichen Geschütze herbeischleppen. Auch diese Handlung schreit nach Vergeltung. Zusammentritt des bayrischen Landtages. München, 23. Jan.(WTB.) Der bayrische Landtag wird am 31. 1. zu einer außerordentlichen Tagung zusammentreten. Dem Vernehmen nach wird die Regierung verschiedene Gesetzesvorlagen einbringen, so wie die„Münchner Neuesten Nachrichten“ mitteilen, ein Richterschutzgesetz, ein Diszipliuargesetz für Gemeindebeamten, ein Gesetz für die finanzielle Ausgestaltung des Kriegswucheramtes, ferner eine große Kreditvorlage für den Ausbau des Donau=MainKanals. Ausgezeichnete Beziehungen zwischen Bayern und dem Hl. Stuhl. München, 23. Jan.(WTB.) Der neuernannte päpstliche Nuntius am bayrischen Hofe, Monsignore Aversa, ist heute mittag vom König in feierlicher Audienz empfangen worden. Der Nuntius versicherte in einer Ansprache an den König, daß seine Bestrebungen dahin zielen würden, daß die Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl und der bayrischen Regierung dem aufrichtigsten Einvernehmen entspringen. Der König gab seiner Überzeugung Ausdruck, daß Monsignore Aversa die ausgezeichneten Beziehungen zwischen Bayern und dem päpstlichen Stuhl auch weiterhin so eng erhalten werde, wie sie bisher gewesen seien. Aversa werde darin stets die Unterstützung der bayrischen Regierung finden. Darauf wurde der Monsignore von der Königin empfangen. Unsere Verbündeten. Kundgebung der Parlamentspräsidenten der verbündeten. Reiche. Berlin, 23. Jan.(WTB.] Zum Besuche der Parlamentspräsidenten wird noch gemeldet: Gestern abend fand in den Räumen des Präsidentenhauses des Reichstages ein Empfang im Familienkreise statt. Bei dieser Gelegenheit übergaben die Parlamentspräsidenten der verbündeten Reiche dem Präsidenten Dr. Kaempf mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Kundgebung: Bei dem Verlassen der deutschen Reichshauptstadt drängt es uns, in kurzen Worten zusammenzufassen, was uns bei unserem nunmehr abgeschlossenen Besuche bewegt hat. Unsere Zusammenkunft erfolgte zu einem Zeitpunkte, wo die Völker unseres Bundes auf die Verkündigung der Eroberungsziele unserer Feinde mit der erneuten einmütigen Bekräftigung ihres Siegeswillens geantwortet haben. Welche Opfer die kommenden Kämpfe auch fordern mögen, sie werden dargebracht werden, in gerechter Verteidigung gegen den Feind der seine Raub= und Vernichtungspläne ohne Scham enthüllt hat. Fest und kraftvoll stehen unsere Völker bereit, diesen neuen Ansturm zu wehren. Heer und Heimat vereint in gleichem unerschütterlichen Entschluß zu kämpfen, bis der Siegerstritten ist. Indem wir dieses aussprechen, wissen wir daß der Herzschlag unserer Völker mit unseren Worten ist. Alle unsere Gedanken aber sind hingewandt zu unseren im Kampf und Tod getreuen Heldensöhnen. Ihnen bringen wir gemeinsam den Gruß der Heimat dar. Präsident der bulgarischen Sohranje: Dr. D. Watschoff, Präsident des österreichischen Reichsrates: Dr. Jul. Syl vester, Präsident des osmanischen Parlaments: Hadii Adil, Vizepräsident des ungarischen Abgeordnetenhauses: Elemer v. Simonsite. Als die Präsidenten sich heute nach Besichtigung des Reichstagsgebäudes von Exz. Dr. Kaempf bei einem Frühstück im engsten Kreise verabschiedeten, kam dieser auf die obige Kundgebung zurück und dankte in den herzlichsten Worten. Er schloß sch den in der Kundgebung enthaltenen Ausführungen aus vollem Herzen an und brachte seine Huldigung dar den Heeren der verbündeten Staaten, die mit unverbrüchlicher Tapferkeit an so vielen Fronten zu Wasser und zu Lande vereint und siegreich gegen den An sturm unserer Feinde Ehre und Freiheit unserer Länder verteidigen, sowie den genialen Führern, die so viele in der Geschichte bisher unerreichte Schlachten geschlagen haben. Er gedachte aber auch der Opfer des Krieges an der Front und in der Heimat und gab der Überzeugung Ausdruck, daß auf ihnen die Zukunft und das Glück der verbündeten Reiche sich aufbauen werde. Heute abend verlassen die Präsidenten nach fünftägigem Aufenthalt Berlin und werden sich zu Sr. Mejastät ins Große Hauptquartier begeben. 8 Kriegsteilnehmer aus akademischen Berufen. Die Anrechnung der Kriegszeit. Durch Beschluß des. Staatsministeriums ist bestimmt worden, daß den in den Staatsdienst tretenden Akademikern der Kriegsdienst auf ihr Dienstalter angerechnet werden soll. Sie sollen darin möglichst so gestellt werden, wie wenn es nicht zum Kriege gekommen wäre. Das Dienstalter wird also vordatiert, und bei der Bedeutung des Dienstalters für die Beförderungs=, Besoldungs= und Pensionsverhältnisse eines Beamten hat diese Maßnahme einen wesentlichen Ausgleich zur Folge. Bezüglich des Studien= und Ausbildungsganges kommen Anordnungen in Betracht, die nicht nur den eine staatliche Anstellung Erstrebenden, sondern auch den in freie Berufe mit akademischer Vorbildung Übergehenden zugute kommen. Es handelt sich hierbei um Abkürzung der Ausbildungszeit und der Studienzeit. Für die Arzte ist durch Beschluß des Bundesrats zugelassen, den Kriegsdienst auf das vorgeschriebene praktische Jahr anzurechnen, soweir nicht schon eine Anrechnung auf die Studienzeit stattgefunden bat. Für solche, die Rechtsanwälte werden oder in den höheren Justiz= oder Verwaltungsdienst treten wollen, sollen durch die dem Landtage vorgelegten Gesetzentwürfe die Ressortchefs ermächtigt werden, den Vorbereitungsdienst wie die Zeit des Kriegsdienstes bis zu einem Jahre abzukürzen. Ebenso ist binsichtlich der künftigen Oberlehrar eine Anrechnung des Kriegsdienstes auf die vorgeschriebene praktische Ausbildungszeit bis zu einem Jahre in Aussicht genommen. Gleiche Anordnungen sind für den Vorbereitungsdienst der höheren Baubeamten in Vorbereitung. Was die Berücksichtigung des Krieasdienstes für die Studienzeit durch eine Abkürzung der letzteren anlangt, so wird erwogen, eine Anderung der Reichsgesetzgebung herbeizuführen, die es ermöglicht, den Kriegsdienst bis zu einem Jahre auf das Studium der Juristen anzurechnen, wobei daran gedacht ist, die Semestervorlesungen durch Herbstferienkurse zu ergänzen und zu verstärfen. der deutschsprachigen Presse.V. 1— Für die studierenden Mediziner ist durch Bundesrats. beschluß die Anrechnung des Kriegsdienstes auf das Studium bis zu einem halben Jahre zugelassen worden, unter der Voraussetzung, daß nicht schon eine Anrechnung von Militärdienst gemäß§ 7 oder§ 23 der Prüfungsordnung für Arzte stattgefunden hat. Gegenwärtig schweben Erwägungen, die anzurechnende Kriegsdienstzeit auf ein Jahr zu erhöhen. Ebenso ist für die Studierenden der Zahnheilkunde die Anrechnung des Kriegsdienstes auf das Studium in Vorbereitung. Für die Studierenden der Pharmazie ist die Anrechnung des Kriegsdienstes auf die Gehilfenzeit und für die Studierenden der Nahrungsmitelchemie die Anrechnung auf die vorgeschriebene praktische Tätigkeit in Erwägung geidgen. Bei den Studierenden der Philosophischen Fakultät und bei den Theologen kann eine Verkürzung der Studienzeit wohl nicht in Frage kommen, weil diese jetzt schon nach den gemachten Erfahrungen nicht ausreicht. Hier wird daher dafür zu sorgen sein, daß die Kriegsteilnehmer möglichst mit der gesetzlichen Mindestzeit von sechs Semestern auskommen. Was schließlich die Studierenden der Technischen Hochschulen anbetrifft, so ist die Anrechnung des Kriegsdienstes auf das Studium bis zur Dauer eines Semesters zugelassen. Im übrigen werden sämtliche Fakultäten und Hochschulen sich bemühen, den Kriegsteilnehmern ihr Studium zu erleichtern, namentlich auch diejenigen zu fördern, deren Studium durch den Krieg unterbrochen worden ist, und die dadurch vieles von dem früher Gelernten vergessen haben. Was für den Kriegsdienst bestimmt ist, kann zwar nicht ohne weiteres auch für den vaterländischen Hilfsdienst gelten. Für diesen werden besondere Bestimmungen getroffen werden müssen. Auch hier aber wird das Bestreben dahin gehen, nach Möglichkeit die Nachteile auszugleichen, die junge Leute erleiden, welche dem Vaterlande dienen. Aus den Provinzen. Fredeburg, 19. Jan.(Senkung eines Gelände. stückes.] In dem oberhalb des Schützenhofes gelegenen Walde hat sich laut„Mesch. Ztg.“ in den letzten Tagen, ohne aß irgend jemand etwas davon bemerkt hatte, ein etwa 130 Meter langes und 25 Meter breites Geländestück um zwei bis drei Meter gesenkt. Hervorgerufen ist dieses Ereignis vermutlich durch die seit Jahrzehnten getriebene Gewinnung von Schiefer, der hier in den Bergwerken Magog und Bierkeller zutage gefördert wird. Die Senkung der Fläche hat sich so gleichmäßig vollzogen, daß die aufstehenden hohen Fichten unberührt und unbeschädigt stehen geblieben sind, nur an den Rändern der Einsenkung haben sie sich etwas zur Seite 41e3.— Vermischtes. * Vor einem=Jahre. 24. Januar 1916. In Ilandern wurden die feindlichen Stellungen unter kräftiges Feuer genommen, in Nieuport wurden Templerturm und Katbedrale. die dem Feinde gute Beobachtungsstellen boten, umgelegt: bei Neuville wurden feindliche Gräben angegriffen und Gefangene gemocht. In Montenearo ging alles weiter glatt von statten, alle gegenteiligen Meldungen wurden als erfunden bezeichnet; auch Gegenden, in welche die österreichischen Truppen nicht kamen, boten ihre Waffenstreckung an. * Der Millionenschwindel der Frau Kupfer. Die wegen großer Schwindeleien verhaftete Frau Kupfer kam mit fast leeren Händen von Leipzig nach Berlin. Um hier etwas anfangen zu können, hatte sie sich von einem Leipziger Freunde 400 Mark geborgt. Sie wohnte zunächst in einem kleinen Hotel in der Dorotheenstraße, nahm eine Maschinenschreiberin an, mietete im Bürohaus Börse eine kleine Stube und kaufte Kunsthonig ein, den sie mit einem geringen Nutzen in Hotels in der Dorotheenstadt weiter verkaufte. Dann kamen Brotkartentaschen und auch andere Nahrungsmittel dazu. Die Steotypistin ließ ihr Gehalt stehen und in dem kleinen Betrieb mitarbeiten. Als erst 1000 Mark vorhanden waren, sanden sich auch andere Leute, die mehr hineinsteckten, bald bis zu 10000 Mark. Das kleine Zimmerchen genügte nicht mehr. Frau Kupfer zog mit ihrem Büro nach der Bülow= straße. Dann kam die Gesellschaftsgründung durch den „Notariatsakt“. Dieser enthielt die Namen von fünf hervorragenden Männern mit Gesamteinlagen von 2750000 Mark. Frau Kupfer selbst beteiligte sich mit 680 000 Mark. Der „Notariatsakt“ schien ganz in Ordnung zu sein, auch die handelsgerichtliche Eintragung war bewirkt. Frau Kupfer hatte mit dem Gericht, bei dem sie den Offenbarus gseid leistete, genug zu tun gehabt, um in allen diesen Dingen Bescheid zu wissen. Die Geldgeber kümmerten sich auch nicht eingehender darum, weil ihnen die großen Namen mit der großen Summe genügten. Später kam hinzu, daß Frau Kupfer große Heereslieferungen vorspiegelte und gefälschte, mit unleserlichen Namen versehene Abschlüsse auch vorzeigte. Die hohen Zinsen und Gewinne. die sie pünktlich zahlte. taten dann noch das übrige, um immer neue Geldleute anzulocken. Nur wußte man nicht recht, wie Frau Kupfer alle die Waren, die sie angeblich vertrieb, sich zu verschaffen wußte. In Geschäftskreisen wurde gemunkelt, daß große Mengen von Auslandswaren durch Schiebung von ungetreuen Angestellten von Kriegsgesellschaften eingeschmuggelt würden. Diese Angestellten sollten unbefugt Einfuhrzettel ausstellen. Ein solches Gerücht kam auch zur Kenntnis der Polizei, die bei den Nachforschungen auf Frau Kupfer stieß, die ebenfalls mit diesen angeblichen Schiebungen in Verbindung gebracht wurde. Alle Redereien erwiesen sich als völlig grundlos. Um das feststellen zu können. hatte die Polizei auch die ganzen Geschäftspapiere der Frau beschlagnahmt und geprüft und Mutter und Tochter eingehend vernommen. So kam es an den Tag, welcher Art der Betrieb der unternehmenden Frau war. Von großen Warensendungen und einem großen Warenlager in der Bulowstraße war gar keine Rede. Daß die Verhaftete mehr als ihren großen Aufwand aus den Geschäften für sich herausgezogen hätte, ist nach den bisherigen Ermittelungen wohl nicht anzunehmen. Anzeigen von Geschädigten liegen bisher auch noch nicht vor. Wohl aber steht fest, daß mancher Einleger sein sehr gutes Geschäft bei Frau Kupfer gemacht hat. Von einigen weiß man schon, daß ihr Gewinn, den sie ausgezahlt erhielten. höher ist als die Einlage, die sie gemacht haben und wieder zurückbekamen. In diesen hohen Gewinnen stecken die 2½ Millionen, die jetzt den letzten Einlegern fehlen. Montag vormittag nahm die Kriminalpolizei in der Wohnung der Kupfer am Kaiserdamm 14 eine Haussuchung vor, bei der sich 450 000 Mark in barem Gelde vorfanden. Wie es sich ferner herausstellte, hatte Frau Kupfer bei der Kommerz= und Diskontobank nur ein sogenanntes Debetkonto, das aus beliehenen Wertpap eren bestand. In aleicher Weise arbeitet; sie mit vier weiteren Banken und legte sich in letzter zeit auch ein Girokonto bei der Reichsbank zu. Die Einleger sind zu einem Teile Persönlichkeiten aus der Aristokratie und der Hochfinanz. Für die Hergabe von Geldern zahlte Frau Kupfer 10 Prozent und mehr Zinsen. +- Ihr Glück. Clemenceau leistet sich in seinem „Gefesselten“ folgendes Urteil über den Deutschen:„Der Boche besitzt keine Intelligenz. Das ist sein wunder Punkt. Er ist im höchsten Grade unintelligent und ohne moralische Stärke. Damit fehlt ihm das Zeug zu einem Sieger.“— Trefsend bemerkt die Pariser Tageszeitung„'Oeuvre“ bei Wiedergabe dieses Verdiktes:„Ach, du lieber Gott, welch ein Glück für uns. Denn wenn die Deutschen auch noch Intelligenz und moralische Stärke hätten, was sollte da wohl aus uns in diesen zwei Jahren geworden sein!“ * Der seine Spürsinn eines gezähmten Wildschweines. Im Mai vorigen Jahres fand, nach der„Deutschen Jägerzeitung", ein Förster einen Frischling und nahm ihn in Pflege. Nach zwei Tagen folgte das Wildschweinkind auf Schritt und Tritt der Förstersfrau, bald auch dem Förster. Die Fährte des Försters nimmt das jetzt 140 Pfund schwere Tier auf und hält sie sicherer als ein Hund. Auch wenn der Herr mit dem Fahrrad fortfährt und„Fritze" zu früh aus seiner Haft befreit wird, holt er den Menschen in einer halben Stunde freudig grunzend ein. Wenn der Frischling besonders eifrig nach Fraß brach, so gelang es nie, ihn durch Einschlagen einer anderen Richtung irrezuführen. Sein Spürsinn übertrifft den des Hundes. Handel und Industrie. Köln. 23. Jon.[W23.) Der Aufsichtsrat der Vereinigten Stahlwerke der Lyppen= und Wissener Eisenhütten=Aktiengesellschaft hat das Ersuchen des Generaldirektors Oberbürgermeisters a. D. Haumann um Entlassung aus seinem Amt zum 1. 7. genehmigt. Der technische Direktor der Gewerkschaft, Große, übernimmt am 1. 7. dessen Geschäfte. Briefkasten. T. Hier. Der junge Mann muß bei seinem Truppenteil seine Einstellung als Fahnenjunker erbitten. Sollte bei seinem jetzigen Truppenteil eine Stelle als Fahnenjunker nicht frei sein, so kann eine Versetzung zu einem anderen Truppenteil erfolgen. Die Fabnenjunker müssen aus Kreisen sein, in denen der Adel der Gesinnung zu Hause ist: sie müssen neben der erforderlichen Bildung von durchaus königstreuer und vaterländischer Gesinnung sein und die Gewähr bieten, ein würdiges Mitglied des Offizierkorps zu werden. Die Kommandierung zum Generalstab kommt erst später in Frage. Gewöhnlich werden nur Oberleutnants— nicht die jüngsten— kommandiert. Ausnahmen finden nur statt, wenn jemand auf der Kriegsakademie den Ehrendegen erhalten bat, oder wenn ganz besonders empohlene Offiziere zwar die Akademie nicht besucht aber einen Ersatz bietenden Bildungsgang genommen und ein verhältnismäßig vorgeschrittenes Lebensalter erreicht haben. Selbstverständlich kommen für derartige Kommandos immer nur die befähigtsten Offiziere in Betracht. P. P. 128. Bewerberinnen, die gesund sind, insbesondere ein gutes Seh- und Hörvermögen haben und unbescholten sind, können als Hilfsschaffnerin bei der Eisenbahnverwaltung Beschäftigung finden. Die Ausbildung dauert etwa 4 bis 5 Wochen. Nach der Ausbildung erfolgt eine Prüfung, die sich auf Elementarschul=Kenntnisse und die während der Ausbildung erlernten Bestimmungen erstreckt. Die Hilfsschaffnerinnen erhalten während der Ausbildung.80 Mark täglichen Lohn: nach Einstellung in den Fahrdienst treten noch täglich 85 Pfa. Fahrgelder hinzu. P. K. Hier. Als Dienstherrin sind Sie verpflichtet, für die Breuchbarkeit und gefahrlose Beschaffenheit der von den Dienstboten zu benutzenden Gegenstände zu sorgen. Die schadhafte Leiter durfte also überhaupt nicht oder nur unter Beobachtung der zur Abwendung einer Gefahr erforderlichen Vorsichtsmaßregeln von dem Mädchen benutzt werden. Für die eventuellen Folgen des Unfalles können Sie haftbar gemacht werden. Hauptredakteur Rudolf Strietholt.— Es verantworten: den redaktionellen Teil Paul Koene, die Reklamen und Inserate Anton Busch, alle in Münster.— Druck und Verlag der Aschendorffschen Buchhandlung in Münster. 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