Erscheint wöchentlich sechomal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgedühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Stretfbaud.95(nukl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Christlücbes Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und Haus“, „Rudengeldek zund„IAnsen Biei. Anzeigenpreis: oder deren Raum 10 Pfennig, Rerlame 30 Schluß der Anzeigen=Aunghme 2 B s te, tausenz 15 Mit. üigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. konto Hannover 67377. Postscheck18 Nr. 270. — Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Mittwoch, den 16. November 1932. 14. Jahrgang. Ach Gott, wenn mir das kommet ein, Was ich mein Tag begangen, So fällt mir auf das Herz ein Stein Und bin mit Furcht umfangen. Ja, ich weiß weder aus noch ein Und müßte stracks verloren sein, Wenn ich dein Wort nicht hätte. Barth. Ringwaldt. UMMM MMMNMNEIN NMNMINAMMMMNMMMNMMMNMMMMN Landes=Buß= und Beitag. Wir haben gesündigt und unrecht getan, sind gottlos und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten gewichen. Dan. 9, 5. „Da unser Meister und Herr spricht„Tut Buße!“, will er, daß das ganze Leben dieser Gläubigen auf Erden eine stete oder unaufhörliche Buße sein solle.“ So lautet die berühmte erste These Dr. Martin Luthers. Also jeder Tag, nicht irgendein besonderer im Jahr soll für den Christen ein Bußtag sein? Und dennoch feiern wir Buß= und Bettag? Ja, wer allerdings meint, es sei genug, wenn er am Bußtage einmal an seine Sünde denke, sein Unrecht vor Gott von ganzem Herzen bereue, auch wohl ernstliche Vorsätze der Besserung fasse und dann doch wieder am nächsten Tage in dem alten Leben untertauche, der hat jedenfalls nicht im Sinne der Väter gehandelt, die diese Ordnung für unser Land schufen. Denn beim Bußtag handelt es sich— wenigstens in einem großen Teil von Mittelund Norddeutschland— um einen Landesbuß= und bettag, und dabei sollen wir, wie es in einer alten württembergischen Verordnung zum Bußtag heißt, auch die bestimmten Sünden in Land und Gemeinde namhaft machen. Das Bewußtsein, daß wir gemeinsam für alles verantwortlich sind, was im Volke geschieht, sollte am Bußtage geweckt werden. Wer das will, der lese für sich und sein Volk betend, wie Daniel für sein Volk gefleht hat. Geklagt wird heute genug, gescholten auf die Behörden, die Regierungen, die Parteien. Der eine schiebt dem andern die Schuld an den Nöten der Gegenwart zu. Wir haben uns nachgerade daran gewöhnt, aber wer denkt an seine Mitschuld? Wer sagt wie Daniel:„Ja, Herr, wir, unsere Könige, unsere Fürsten und unsere Väter müssen uns schämen, daß wir uns an dir versündigt haben. Wir beteten auch nicht, Herr, unser Gott, damit wir uns von unseren Sünden bekehrten und Deine Wahrheit vernähmen!" Wir bleiben bei dem„Wir", stellen uns als schuldig mit in diesen Kreis der Verantwortlichen hinein und fragen uns: Haben wir an dem Platz, den Gott uns zugewiesen, in dem Beruf, in dem wir stehen, bei den Aufgaben, die uns im Haus, in der Gemeinde, im Staat zugeteilt sind, getan, was wir vor Gott zu tun verpflichtet waren? Haben wir der Unwahrhaftigkeit widerstanden, der Gerechtigkeit geholfen, soviel wir konnten? Haben wir allen unseren Volksgenossen die Freundlichkeit, das Entgegenkommen, die Hilfsbereitschaft gezeigt, für sie willig die Opfer gebracht, die die Not des Tages von uns forderte? Ihr Familienväter, eure Familie ist ein Teil des Volkes, und zwar der Teil, der euch anvertraut ist. Ihr Lehrer, Euch ist ein Stück von dem kleinen Volke übergeben, was habt ihr für es getan? Und wie war es bei denen, denen eine ganze Gemeinde, eine Stadt, eine Menge von Arbeitnehmern, Helfern und Gesellen, Kranken und Gesunden anvertraut war? Haben alle diese Menschen in dieser schweren Zeit ermunternde, stärkende Worte gehört? Oder habt Ihr den Mißmut, der aus dem Unglauben unseres Herzens stammt, weitergegeben und damit wer weiß wieviel Unheil gestiftet?. Wohin wir den Blick wenden, wir haben illen Grund, den Landesbußtag— jeder für sich und sein Volk— betend zu begehen. Wir haben alle das vergebende Erbarmen unseres Herrn Christi, die aufhelfende Hand Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes bitter sölg damit durch diesen Bußtag wirklich ein Neues in uns und um uns geschaffen werde. Simon. Gegensätzen Trotz dieser nach außen eine MehrDie Tage eine Woche nach der In dem Artikel„Die Bilanz des 6. Novembers“ ist im „Aufwärts“ schon zum Ausdruck gebracht worden, daß die Wahl uns statt einer Klärung wiederum einen arbeitsunfähigen Reichstag gebracht habe. Dieser Auffassung hat die weitere Entwicklung in der verflossenen Woche recht gegeben. Der negative Wahlsieg der Reichsregierung, bestehend in der unmöglich gewordenen schwarz=braunen Mehrheitsbildung, hat die Lage nur noch verworrener gemacht. Die Todfeindschaft zwischen, um die langen Parteinamen zu vermeiden, Hitler und Hugenberg einerseits und der Sozialdemokratie andererseits lassen in Verbindung mit den weltanschaulichen, wirtschaftlichen und sozialen andere Koalitionen wohl schwerlich zu. angedeuteten Schwierigkeiten wurden, kaum sichtbar, Fäden gesponnen, um heitsbildung zu ermöglichen. Gregor Strasser, wohl der bedeutendste, wenn nicht alleinige staatsmännische Kopf in der Hitlerpartei, zeigte sich geneigt, in ein„Kabinett der nationalen Konzentration“ ohne Herrn von Papen als Reichskanzler einzutreten. Von anderer Seite, die enge Verbindung zu den Christlichen Gewerkschaften hat, wurde stark die Möglichkeit erwogen, mit den Nationalsozialisten und den kleinen Gruppen die Ausschaltung Hugenbergs zu ermöglichen. Man nahm dabei an, daß, wenn Koalitions= und Arbeitsrecht gesichert würden, mit einer Tolerierung durch die Sozialdemokratie vielleicht, um„Schlimmeres zu verhüten“, gerechnet werden könnte. Alle diese zarten Hoffnungen sind grausam durch Adolf Hitler zerstört worden, der am Freitag nicht nur für sich jede Teilnahme an einer Regierung mit anderer Führung und jede Verhandlung ablehnte, sondern auch seinen Unterführern in schärfster Form beides verbot. Dadurch ist die Lage dahin geklärt, daß jegliche Mehrheitsbildung nach menschlichem Ermessen unmöglich geworden ist bis auf ein taktisches Zusammengehen der Radikalen von rechts und links. Diese negative Klärung hat jedoch eine undurchsichtige Nebelschicht aufziehen lassen. Kein Mensch weiß heute, genau eine Woche nach der Wahl, ob und wie es ein Entrinnen aus dieser Sackgasse gibt. Zwar ist in verschärfter Form noch sichtbarer geworden, daß der Reichskanzler von Papen fast neun Zehntel der Reichstagsmitglieder als unversöhnliche Gegner gegen sich hat. Die Zentrumsparteien lehnen den„Renegaten“ Papen ab. Die Nationalsozialisten bekämpfen ihn und jeden anderen Reichskanzler, der nicht Adolf Hitler heißt. Die Sozialdemokraten fordern Papens Entfernung, weil ihnen Koalitions= und Arbeitsrecht und noch einiges gefährdet erscheint, während die Kommunisten ihre Ungnade jeden fühlen lassen, der nicht auf den Sowjetstern geschworen hat. Bei dieser Lage gehört kein Prophetentalent dazu, vorauszusagen, daß der Reichskanzler bei seinen Verhandlungen, die er im Auftrage des Reichspräsidenten mit den Parteihäuptlingen führt, ohne Erfolg bleiben wird, Papen hat abzutreten! Das ist die Forderung von den Kommunisten bis zum Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband. Diese innerpolitischen Schwierigkeiten werden noch verschärft durch die gegensätzliche Einstellung der Länderregierungen gegen die Pläne der Reichsregierung, die durch eine Reform der Reichsverfassung eine autoritäre Staatsführung sicherstellen will. Die Länder, insbesondere Bayern, fürchten um ihre Reservatrechte, wobei man nicht ganz den Gedanken unterdrücken kann, daß man Länderrechte sagt, nebenbei aber auch an parteipolitische Interessen denkt. Die leitenden Ministerpräsidenten sind ja nicht nur Staatsmänner, die über den Parteien stehen, sondern sie sind die Auserwählten ihrer Parteien. Alles das hat die Lage so besorgniserregend gestaltet, daß man nur mit Bangen an die nächste Zukunft denken kann. Angesichts dieser Lage entsteht die Frage, ob, bei aller Wertschätzung der Persönlichkeit Papens, es ein glücklicher Gedanke des Reichspräsidenten war, in seiner vornehmen und edlen Denkart dem Reichskanzler die Verhandlungen mit den Parteiführern zu übertragen. Wir haben Verständnis dafür, daß der Reichspräsident v. Hindenburg keine große Neigung verspürt, nach den Erfahrungen vom 13. August selbst mit Hitler zu verhandeln, besonders dann nicht, wenn Hauptmann Röhm sich in seiner Begleitung befindet. Aber wenn Papens Bemühungen scheitern, dann wird Hindenburg doch eingreifen müssen, da er sicher gewillt ist, alle Möglichkeiten zu erschöpfen, ehe er seine schweren und einschneidenden Maßnahmen trifft. Allerdings kann man dann die Frage aufwerfen, ob es noch einen Sinn hat, daß der Reichspräsident selber eingreift, wenn von vornherein feststeht, daß Hitler ablehnt. Kann man Hindenburg einen solchen Schritt zumuten? Es ist ein Elend mit dem Starrsinn der Parteien und dem Ehrgeiz einzelner Führer, die eher Deutschland zugrunde oder durch ein Meer von Blut und Tränen gehen lassen, wenn nur ihrer persönlichen Eitelkeit Rechnung getragen wird. Ob solchen Führern nie der Gedanke kommt, daß dasselbe Volk, das heute „Hosianna“ ruft, morgen„Kreuzige ihn“ schreien kann? Wenn die Parteien nicht zur Vernunft kommen, wenn ihre Führer nicht endlich sich zu dem Willen aufraffen, des Volkes Wohl, des Vaterlandes Bestes über ihren Parteienklüngel zu stellen, dann stehen wir jetzt nahe dem Zeitpunkt, wo nur durch eine einzige Handlung, die anzu deuten schon eine schwere Verantwortung bedeutet, der allerletzte Rettungsversuch gemacht werden kann. Damit kommen wir zu dem großen Rätselraten: Was wird Hindenburg tun, wenn alle Bemühungen, eine Lösung zu finden, scheitern? Gerüchte durchschwirren die Luft, bezw. füllen die Spalten der Sensationspresse. Ob der Reichstag schon vor seinem Zesammentritt aufgelöst wird? Ob die Verfassungsreform mit einer erheblichen Aenderung des Wahlrechts durch Notverordnung erlassen und damit ein kleiner Staatsstreich inszeniert wird? Diese und ähnliche Fragen werden immer wieder gestellt. Wir wollen an diesem Raten nicht teilnehmen, sondern daran erinnern, daß wir als Staatsoberhaupt einen Mann haben, der sich weder durch Drohungen noch von sonst was beeinflussen läßt, sondern nur handelt, wie er es vor seinem Gewissen, vor Gott und dem deutschen Volke verantworten kann. Hindenburg wird seine Entscheidungen treffen, wenn die Parteien sich seiner Mitarbeit versagen. Nur möge die Opposition von heute dann nicht heulen, wenn ein eiserner Wille ihr den Weg vorschreibt, den sie, wenn auch widerwillig, wird gehen müssen." W. W. Brief aus Baden. Ueber kein noch immer unbekannt Ding wird ti#chdem soviel geredet und geschrieben wie über unser badisches Konkordat. Wie eine Bombe schlug ja die Nachricht ein, im Bodenseekloster zu Hegne sei unter Mitwirkung des einstigen Nuntius und Konkordatsfachmanns Pacelli zwischen ihm als dem Vertreter des päpstlichen Stuhles und dem badischen Staatspräsidenten der vorläufige Abschluß erfolgt und das Konkordat, wie man das heißt: paraphiert worden. Begreiflicherweise hätte das niemand erfahren sollen. Ein findiger Zeitungsschreiber erfuhr aber doch davon, und so kam die Geschichte in die Oeffentlichkeit. Sehr richtig hatte der Landesführer der badischen Deutschnationalen, Geh. Oberkirchenrat D. Mayer, dieser Tage geschrieben, dem Manne gehöre eine öffentliche Anerkennung! Denn von der Stunde des Bekanntwerdens an wandte sich das Blatt und wie welke Herbstblätter fallen die schönen Wunschträume vom Baum der Zentrumshoffnung, vom Baum aber auch der katholischen Kirche selber. Herbe Klagen meinte darauf der badische Erzbischof anstimmen zu müssen, der in dem nunmehrigen Verlauf der Angelegenheit so etwas wie eine Treulosigkeit der staatlichen Seite und politischen Verhandlungsführer erblickt. Als sei der doch gut in der Wolle gefärbte derzeitige badische Staatspräsident daran schuld, mußten sich die Landtagssozialisten einem Parteibefehl beugen und wollten sie nun trotz ursprünglich gegenteiliger Einstellung mit einemmal nichtsmehr von einem Konkordatsabschluß wissen! Und ebenso fiel auch der andere Motor aus: die freilich der Zahl nach weniger bedeutungsvolle Deutsche Volkspartei. Innerlich hatte sie sich ohnehin schon immer freie Hand vorbehalten, und ihr Vertreter in der Regierung, Finanzminister Dr. Mattes, behandelt die Konkordatsfrage überhaupt nicht nur politisch, sondern auch von seinem eigenen evangelischen Empfinden her.(Nebenbei: eine sehr erfreuliche Tatsache, einen bewußt evangelischen Minister in der badischen Regierung zu wissen!) So hat sich also seit unserem letzten Brief das Blatt gewandelt, und dem Landtag, der mehr als einmal zu hören bekam, es könne bloß„Ja!“ oder„Nein!“ gesagt, aber nichts mehr im einzelnen geändert werden, wird aller Wahrscheinlichkeit nach vorerst überhaupt kein Entwurf mehr vorgelegt werden. Die katholische Kirche kann freilich warten und sie wird zu einer günstigeren Stunde wieder auf dem Posten sein! Unter diesen Umständen brauchen wir uns auch nicht mehr den Kopf über den so geheim gehaltenen Inhalt zu zerbrechen. Hier wollen so viele immer wieder etwas Neues wissen. Und abermals ist es nicht mehr vonnöten, die Lage der Evangelischen Kirche mit dem Konkopdat in Zusammenhang zu bringen. Gewiß: bei einem Abschluß mit der katholischen Kirche hätte ganz Er5 # 1 Nr. 269— Seite e 2 Mittwoch, 16. November 1932 6 fig die Evangelische Kirche auch mittun müssen. mirnte es nimmermehr darauf ankommen lassen, die lische Kirche gegebenenfalls als die einzig staatlich erkannte“ Kirche gelten zu lassen und sich zufrieden „u geben mit den„Brocken, die von des Reichen Tische fielen." Es wäre ganz sicher nur herzlich wenig gewesen! Kommt aber katholischerseits überhaupt kein Konkordat zur Vorlage und zum Abschluß— nun, von sich selber aus wird die evangelische Kirche keinen Staatsvertrag beantragen. Sie lebt zudem aus ganz anderen Kräften und geht nicht daran zugrunde, kann sogar nur dabei gewinnen, strömen ihr diese Kräfte aus dem Quellschacht des Glaubens zu, ohne weitere staatliche Verbürgung! Das zeigt zur Zeit auch das Verhalten der badischen Lehrerschaft. Ohne Konkordatszwang erteilt sie mit der Pfarrerschaft gemeinsam den Religionsunterricht, und man hat eigentlich nie gehört, im ganzen betrachtet wäre diese Lösung der Religionsunterrichtsfrage beanstandet worden. Ein ganz verschwindend kleiner Teil der evangelischen Lehrer nur hat überhaupt von der Freiheit Gebrauch gemacht, den Religionsunterricht und seine Erteilung abzulehnen. Schon mit dem bloßen Auftauchen des Konkordates am politischen Himmel trüben sich die Beziehungen zwischen Lehrerschaft und Kirche. Das hat sich auf der Zusammenkunft und in der Erklärung des Bezirkslehververeins Durlach gezeigt!. Bei uns in Baden ist nun einmal der Staat, und nicht die Kirche, bisher der Rechtsträger des Religionsunterrichtes gewesen. Die Kirche hatte dagegen dem Staat durch Festsetzung des Lehrstoffes und durch Prüfung des Religionsunterrichtes für eine möglichst gute religiös=sittliche Erziehung der jungen Staatsbürger zu sorgen. Und besser könnten die Verhältnisse auch nicht durch ein konkordatsmäßiges Aendern der Rechsträgerschaft werden. Denn Treue und Gewissenhaftigkeit sind von weit ausschlaggebenderer Bedeutung Darin sind sich doch schließlich alle Beteiligten einig! Eine andere Schulfrage wurde bei uns durch die Südwestdeutschen Schulblätter, dem Fachblatt der badischen Philologen, aufgeworfen. Es handelt sich dabei durchaus nicht etwa um eine bloß badische Angelegenheit; es wird dort gegen die zu häufigen Neueinführungen von Schulbüchern oder von Neuauflagen Stellung genommen. Die Elternklagen sind überall bekannt. Nun verraten aber die genannten Blätter als Ursache des großen Bücherwechsels mitunter„eine große Flüchtigkeit und Hast und die Absicht, das Buch herauszubringen, koste es, was es wolle"! Das läßt tief blicken, von solcher Seite solche Urteile! Allein nicht nur die Schule hat herbe Röte! Gerade jetzt kommen auch wieder aus besonderen Industriezweigen solche Rufe. In Baden wendet sich soeben die Webwarenindustrie hilfesuchend an die Regierung. Ueber 33 v. H. aller ihrer früher beschäftigten Kräfte ist heute brotlos, und die andern, die es nicht sind ssind trotzdem nicht voll beschäftigt. Die Betriebe arbeiten mit Verlust! Einen anderen Schaden erfährt man bei J. G. Farben in Mannheim. Dort wurden große und wichtige Erzeugungsgeheimnisse und Geheimherstellungen der bekannten und bedeutsamen Fabrik gestohlen und in die Hände des Auslands gespielt. Ueberhaupt die Herren Diebe! Da kenne sich einer aus! Denn nicht immer ist es die Sucht na chWerten, die sie zu ihrem lichtscheuen Treiben veranlaßt. Unsere Leser lasen vielleicht von dem Kirchenraub im Fridolinsmünster im oberbadischen Säckingen. Wertvolle Schätze aus dem Frühmittelalter verschwanden dort auf noch nicht geklärte und vielleicht überhaupt nicht klärbare Weise— und ebenso Wertvolles ließen die Diebe liegen oder sorgten durch Wegwerfen, daß man des Verlorenen zum Teil wieder habhaft werden konnte. Warum dies?— Erkannte man an dem auf diese Weise wieder aufgefundenen Agnesenkreuz den geringen Metallwert? Und hannte man den Altertumswert einer daran befindDer zwölfjährige Freistaat Danzig. Zum 15. November. Von M. Schmidt=Zander. Manch eine schöne deutsche Stadt hat mir von meines Volkes Geschichte und Schicksal erzählt. In manch einem ehrwürdigen Dom habe ich gestanden und still über die in Stein gebannte Gottverbundenheit längst vergangener Geschlechter nachgesonnen. In Nord und Süd bin ich bewundernd durch stolze Tore, über kühn geschwungene Brücken, durch still verträumte Gassen und dunkel geheimnisvolle Kreuzgänge geschritten. Und immer versank Alltagsleid und Tagesnot über dem frohen Stolz auf Deutschlands Schönheit. Doch nur eine Stadt gibt es unter allen, bei deren Namen das Herz brennt in Liebe und Leid— Danzig! Ist es, weil dieses Wort so schmerzvoll innigen Heimatklang hat? Ist es, weil Glokkenstimmen, die aus weiter Ferne wie aus verschütteter Tiefe zu mir dringen, das eine Wort läuten: verloren, verloren? Durch die alten Gassen, die die ehrwürdige MarienKirche wie in einem Kranz umschließen, schritten einst die Ahnen, liefen die eignen munteren Kinderfüße. Weißt du noch, wie die behäbig breiten Beischläge mit den dicken Steinkugeln dich zu munterem Spiel lockten? Wie du durch die geräumige kühle Diele die kunstvoll gewundene breite Treppe hinaufsprangst? Wie du schönheitstrunken hinausblicktest auf spitzgieblige, stille Hausgesichter, auf trotzig wehrhafte Tore, auf dieses ganze wundervolle Stadtbild, das Bürgerstolz und Kunstfreudigkeit einst geprägt haben! Man muß bei nächtlicher Stille dem B# uralten Brunnens vor dem Artushof gelauscht haben, um von der Harmonie dieses Platzes überwalligt zu werDer Schluß des Artikels„Sozialversicherung und Arbeitsbeschaffung“ folgt in der nächsten Nummer. lichen sogenannten Alsengemme wirklich nicht? Fragen über Fragen! Durchaus nicht nur für den Staatsanwalt bestimmt, sondern nicht minder für den, der in die Tiefe der Menschen= und der Volksseele blicken möchte und sich hier nicht mehr zurechtfindet. Und wie verstummt erst recht alle Psychologie bei einem Vorkommnis in dem Freiburger Gefängnis, wo ein plötzlich tobsüchtig gewordener Sträfling zwei seiner Mitgefangenen totschlug und einen dritten schwer verletzte! Manche Fragen treten im Augenblick wieder einmal hinter jene andere und durch den 6. November naheliegenden Frage zurück: Wie haben wir in Baden diesmal gewählt? Um es kurz zu sagen: Genau so, wie überall im Reich! Will heißen: In allen Amtsbezirken unseres Landes hat Hitler an Stimmen verloren. Bis in die Tausende ging da und dort der Verlust. Sein Erscheinen in der Landeshauptstadt vor rund 30—40000 Menschen in einem überfüllten Riesenzelt und einer äußerlich eindrucksvollen Versammlung wenige Tage vor der Wahl hat dem Rückfluten keinen Abbruch leisten können. So verloren also die Nationalsozialisten 63184, nach einer anderen Mitteilung sogar 63671 Stimmen und von ihren 7 badischen Reichstagssitzen einen. Die„Rückwanderer", soweit nicht auch sie unter den um 80 000 weniger Wählern zu suchen sind, begaben sich z. T. zu den Kommunisten, die mit 16589 Mehrstimmen gegen das letzte Mal jetzt 169 132 Stimmen erhielten und den Sozialdemokraten den dritten Platz wegnehmen konnten. Sie senden wie bisher wieder 2 Abgeordnete in den Reichstag: Hermann Remmele an der Spitze. Ein anderer Teil der Nationalsozialisten blieb im bürgerlichen Lager hängen und zeigte, der Bürgerstand besitze trotz allem, was von sozialistischer und nationalsozialistischer Seite gegen ihn gesagt wurde und wird, noch immer Anziehungskraft und Dasensrecht genug! Es erhielten die Deutschnationalen einen Zuwachs von über 9000 Stimmen und kamen auf 47000 Stimmen. Ob sie ihren bisherigen Abgeordneten Dr. Hanemann auf einer Reichsliste nach Berlin haben bringen können, steht heute noch nicht fest. Die Deutsche Volkspartei hat ebenfalls stark Zuwachs erhalten. Sie brachte es auf 23 567 Stimmen, d. s. um 8 623 mehr als bei der letzten Wahl. Leider ist der sehr befähigte Bewerber, Kaufmann Wilser aus Karlsruhe, nicht gewählt, da er nicht, wie im Sommer Dr. Zapf, auch auf der Reichsliste stand. Ebenso wie die Nationalsozialisten verloren die Sozialdemokraten von ihren 172396 Stimmen weit über 18000, großenteils wohl auch an die Kommunisten. Ihre Abgeordnetenziffer blieb gleich, nämlich 2, und wird von Adam Remmele, dem früheren Unterrichtsminister, dem Bruder des Kommunistenführers wieder gekrönt. Auch das Zentrum verlor auffallend viel Stimmen. 39 500 weniger bekam es als im Sommer. Es brachte nur noch 329 600 Stimmen auf und verlor dadurch einen Sitz im Reichstag. Christlicher Volksdienst und Staatspartei hielten sich ungefähr im gleichen Rahmen, erstgenannter konnte nach Württemberg soviele Reststimmen abgeben, daß sie zusammen für den Volksdienstführer Simpfendörfer zum Sieg reichten. Die Wirtschaftspartei, die in Baden nie eine besondere Bedeutung hatte, verlor von ihren Sommerstimmen noch fast 2000 und steht heute nur auf 3500 Stimmen.— Was aber Reichskanzler von Papen mit diesem Reichstag zuwege bringen kann, wird in Baden genau so zweifelhaft und rätselvoll empfunden, wie anderweitig im Reiche auch!— G. — Bei einem Bombenanschlag auf das Lausanner Rathaus wurden fünf Personen verletzt. — Im Hafen von Amsterdam ist ein holländischer 15 000Tonnen=Dampfer ausgebrannt. den, den höchster baukünstlerischer Takt über den reinen Zweckgedanken hinausführte. Man muß an Wintertagen an der Nottlaubrücke gelehnt haben, wenn die weißen Möwen zierlich von einer Eisscholle zur andern springen, wenn das finster drohende Krahntor eine Schneehaube trägt u. die Wintersonne dem dicken Turm von St. Marie einen Strahlenmantel umhängt! Wo sind wie hier mit so erstaunlicher Sicherheit u. Gestaltungskraft die Straßenbilder harmonisch gegliedert u. zu einem Ganzen zusammengestimmt. Doch man erfaßt nur die Hälfte von Danzigs Schönheit, wenn man die künstlerische Schönheit des Stadtinneren preist. Vor seinen Toren liegt, lieblich gebettet in einen Kranz bewaldeter Höhen, das achthundert Jahre alte Zisterzienserkloster von Oliva. Am Randes des Waldes ruhen alte Patrizierhöfe, deren herrliche Gärten noch von dem Reichtum einstiger Geschlechter erzählen. Auf einem von ihnen wurde Arthur Schopenhauer gedoren. Von den Höhen blickt man über fruchtbare Felder hinweg auf das sich weithin dehnenve blaue Neer. Ein unvergeßlicher Andlick— Man wird stolz und doch ehrfürchtig still, wenn man Danzigs gedenkt, denn diese Stadt glüht noch von ihrer wechselvollen und schicksalvreichen Vergangenheit. Hier faßten die ersten Sendboten aus Deutschland Fuß; bereits im Jahre 997 wird der Ort Gedanum genannt. Vor siebenhundert Jahren war die bürgerliche Gemeinschaft zu einer Stadt erstarkt, die durch zähen Bürgerfleiß und kühnen Unternehmergeist schnell eine hohe Blüte erreichte. Der deutsche Ritterorden, der das Weichselland bis weit hinein in den Osten kolonisiert und hier eine der bedeutendsten Staatsgründungen des Mittelalters vollbracht hatte, streckte die Hand nach der reichen Hasestadt aus. Nach dem Zerfall des Ordens kam sie unter polnische Oberhoheit und hatte im Auf und Nieder der Zeiten bald reiche und glückliche Jahre, bald PerioHerriots Vorschlage — Paris, 15. November. Die Nachrichtenagentur Havas veröffentlicht einen amtlichen Auszug aus dem Abrüstungsmemorandum der Regierung Herriot, das in den nächsten Wochen die Abrüstungskonferenz beschäftigen wird. Die französischen Vorschläge, so heißt es in dieser Veröffentlichung, hätten nicht den Zweck, frühere Vorschläge anderer Delegationen zu ersetzen, namentlich nicht die Vorschläge Hoovers. Es sei immer deutlicher geworden, daß die Herabsetzung der Rüstungen unter den im Artikel VIII des Bölkerbunds. statuts vorgesehenen Bedingungen nicht erhofft werden könne, wenn man nicht auf die besonderen Situationen eines jeden Staates Rücksicht nehme und insbesondere auf das Bestreben der Regierungen, diese Herabsetzung mit den bestehenden oder noch zu schaffenden Sicherheitsbedingungen zu verbinden. Entsprechend der Anregung des amerikanischen Präsidenten sei ein wesentliches Ziel der Abrüstungskonferenz die Verstärkung der Verteidigung durch Herabsetzung der Angriffskräfte. Verschiedene Vorschläge, namentlich der von Sir John Simon hätten nun die Bedeutung dieser qualitativen Abrüstung auf das Material beschränkt. Angesichts der hier aufgetauchten Schwierigkeiten schlage Frankreich vor, eine Gesamtlösung ins Auge zu fassen, dadurch, daß man etappenweise die Form einer militärischen Organisation suche und verwirkliche, die unter den gegebenen politischen und technischen Umständen. die für jede Gegend besonderen Chacakter trügen, eine Angriffspolitik erschweren würden. Nur auf diesem Wege glaube Frankreich eine gerechte Lösung für die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung durch die allmähliche Angleichung der Militärstaaten an einen Verteidigungstyp und durch eine gleiche Beteiligung an den Lasten und Vorteilen der„Gemeinsamen Aktion“, die im Bölkerbundsstatut vorgesehen sei, finden zu können, wobei jeder Gedanke an eine Aufrüstung ausgeschaltet sei. Auf Grund dieser verschiedenen Erwägungen lege die französische Delegation eine Gesamtheit von Vorschlägen vor, damit vorbehaltlich der allgemeinen Abmachung. die für alle Mächte die Verpflichtungen zur Beschränkung, Herabsetzung und kontrolle der Rüstungen definieren werde, eine Reorganisierung für Europa vorgesehen werde, die geeignet wäre, in Europa das Problem der Herobsetzung der Rüstungen sowohl von seiner politischen wie von seiner kechnischen Seite aus zu lösen. Das französische Memorundum spreche die Hoffnung aus, daß die Mächte, die an diesen Abmachungen nicht teilnehmen werden, deren Durchführung doch ermoglichen werden in dem sie sich bereit finden, den Garantien aus den sie schon bindenden Fakten ihre volle Wirkung zu verleihen: Antikriegspakt und Völkerbundsstatut Ohne diese Voraussetzung würde der vorliegende Plan undurchführbar sein. Unter Berufung auf die Erklärung Stimfons, daß kein Unterzeichner des Kellogg=Antikriegspaktes gegenüber ein Angreifer neutral bleiben könne, habe das erste Kapitel#### französischen Vorschlages zum Zweck, diesen Grundsatz durch, alle Mächte bestätigen und präzisieren zu laffen. Die Mächte müßten insbesondere im Falle eines Verstoßer gegen den Antikriegspakt ihre wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zu dem Angreiferstaat abbrechen. Alle vertragschließenden Teile müßten dem allgemeinen Schiedsgericht beitreten. Falls einer der vertragschließenden Teile sich weigere, könnte der andere vertragschließende Teil den Völkerbundsrat damit befassen, der mit Stimmenmehrheit über die zu treffenden Maßnahmen zu beschließen hätte. Die vertragschließenden Teile würden zur Durchführung dieser Entscheidung Hilfe leihen. Die Heere der vertragschließenden Teile, heißt es in dem Plan weiter, werden allmählich auf den einheitlichen Typ eines nationalen Heeres mit kurzfristiger Dienstzeit und beschränktem Effektiobestand gebracht. Um die Gleichheit in der Verteidigung zu gewährleisten, wird festgesetzt, daß bei der Abschaffung der Effektivbestände gemäß Artikel VIII des Völkerbundsstatuts die besonderen Bedingungen eines jeden Staates berücksichtigt werden, so numentlich„die Angleichheit und Verschiedenheit der Pe####ierungsquellen". Ebenso den bitterer Not zu durchleben. Fester Wille, eiserner Fleiß und einiges Zusammenstehen halfen immer wieder durch. Ein Kampfruf, von Hans Hasentödter 1577 gedichtet, läßt das heiße Ringen um Behauptung in jenem unruhvollen Jahrhundert ahnen: „O Dantzig, halt dich feste, du vielberühmte Stadt! Betracht jetzund dein Beste, und geh nicht lang zu Rat. Mit vielem Kontvahieren wird es nicht werden gut; Der Feind will dich vexieren, drum tu nicht mehr Und faß eines Mannes Mut. ltraktieren, Dem Feind tu widerstreben, laß dich nicht weiter ein, Tust du dich ihm ergeben, so wird's dir bringen Pein. Das wirdst du wohl erfahren, wenn du halb türkisch bist, Dafür will bewahren zu vielen tausend Jahren Der lieb Herr Jesus Christ.“ Im Jahre 1793 kam die Königin unter den Ostfeestädten endlich zu Preußen. Doch bald hieß es wieder. das stolze Wappen, in dem zwei Löwen eine goldene Krone über zwei Kreuze halten, hoch und rein durch Krieg, Not und Erniedrigung tragen. Die schweren Bedrückungsjahre, in denen Danzig französischer Waffenplatz unter dem napoleonischen General Rapp war und die viel bürgerlichen Wohstand vernichtete, sind in alten Danziger Familien noch heute unvergessen. Doch dann ham ein Jahrhundert voll Frieden und fast unvorstellbarer wirtschaftlicher Blüte und kulturellen Aufschwungs. Doch wer vermag zu entscheiden, ob der Glanz des jungen Kaiserreichs vielleicht zu blendend wurde? Ob der Lebensrhyihmus laut und lärmend leiseve Stimmen übertönte, so daß ein geheimes Knistern im Bau, ein Grollen aus der Tiefe überhört wurde? Schwere, dunkle Weltkriegsjahre! Danzig trug sie schicksalverbunden, als leidverkettetes deutsches Volks Mittwoch, 16. November 1932 Nr. 270— Seite 3 werde die militärische Ausbildung berücksichtigt werden müssen, die den politischen Verbänden erteilt werde, ferner die Bedeutung der Polizei. Diese Nationalheere würden kein starkes mobiles Material besitzen. Was die erste Hilfe zugunsten eines vertragschließenden Staates betrifft, so sehe man die Spezialisierung beschränkter Elemente vor(Truppenkontingente, welche eine mehr oder weniger lange Dienstzeit absolvieren und mit Materialien ausgestattet sein würden, die den Nationalheeren verboten seien). Diese Elemente würden dem Völkerbund zur Verfügung gestellt und stünden bereit, beim ersten Appell in Tätigkeit zu treten. Weitere Bestimmungen beträfen unter der Kontrolle des Völkerbundes in jedem Staate vorzunehmende Aufstapelung von mobilen Kriegsmaterialien(das dem angegriffenen Staat zur Verfügung gestellt werden würde), also eines Materiaks, dessen Aufbewahrung durch das allgemeine Abkommen erlaubt, aber den nationalen Streitkräften mit kurzfristiger Dienstzeit verboten sein würde; ferner die allmähliche Vereinheitlichung der Kriegsmaterialien, deren Herstellung kontrolliert würde und allmählich international organisiert werden würde. Ferner die Organisierung der ständigen und regelmäßigen Kontrolle der Durchführung dieser Verpflichtungen zwischen den vertragschließenden Teilen. Die Durchführung dieses Programms werde etappenweise vor sich gehen. Bezüglich der Flottenstreitkräfte faßt der Plan für den Fall, daß den Signatarmächten die Möglichkeit gegeben werden soll, bei Erhaltung des gegenwärtigen Relativitätskoeffizienten, die Tonnage in möglichst weitem Ausmaß herabzusetzen, den Abschluß eines Mittelmeerpaktes unter den interessierten Staaten ins Auge, der ihnen ausreichende Garantien für gegenseitigen Beistand geben würde. Bezüglich der Rüstungen zur Luft schlägt die französische Delegation den Abschluß eines Abkommens zwischen allen über Flugzeuge verfügenden europäischen Staaten vor zwecks Schaffung der„Europäischen Lufttransportunion“. Ebenso tritt es für die Schaffung— wenigstens in Europa— einer internationalen Luftstreitmacht ein, deren Personal aus Freiwilligen der verschiedenen Nationalitäten nach einem noch zu bestimmenden Kontingentierungsschlüssel rekentiert werden würde. 0„c in Tresben Die Arbeitslosigkeit das Kernproblem.— Für vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Ländern. — Dresden, 15. November. Reichskanzler von Papen stattete der sächsischen Regierung einen offiziellen Staatsbesuch ab. In Begleitung des Kanzlers befanden sich der Reichspressechef. Ministeriatdirektor Marcks, der Beauftragte der Reichsregierung bei den Ländern, Freiherr von Lersner, und Ministerialraf Pukaß aus der Reichskanzlei. ##. Der Kanzler wurde am Bahnhof von Ministerpräsident Schieck in Begleitung von Ministerialdirektor Dr. Schettler und Ministerialrat Wilisch empfangen. Außerdem hatten sich zum Empfang der Wehrkreiskommandeur Generalleutnant von Gienanth, der Präsident des Landesfinanzamts Schroeder und der Präsident der Reichsbahndirektion Dresden, Dr. Domsch, eingesunden. Der Ministerpräsident begab sich mit seinen Gästen sofort nach dem HauptministerialgeHäude, Hier hatten sich im großen Sitzungssaat die Minister Dr. Mannsfeld, Richter und Dr. Hedrich sowie alle Ministerialdirektoren eingefunden. Ministerpräsident Schieck ging auf die schwebenden politischen Fragen ein und bemerkte zur Frage der Reichsreform, die sächsische Regierung sei zur Mitarbeit auf der Grundlage bereit, daß dem Reich das gegeben werde, was es zur Erhaltung und Festigung seiner Autorität nach außen und innen brauche. Andererseits müsse im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung des Reiches und aller seinen Glieder dus Eigenloben der Länder unter genauer Begrenzung der beiderseitigen Zuständigkeiten gewährleistet und den Ländern die Mitarbeit an der Gesetzgebung und Verwaltung im Reich ermöglicht werden. Ministerpräsident Schieck dankte alsdann dem Kanzler für das bei den bisherigen Besprechungen der außergewöhnlichen Notlage Sachsens entgegengebrachte Verständnis und überreichte dem Kanzter eine Denkschrift für die durch die langanhaltende Wirtschaftskrife geschaffene außergewöhnliche Lage in Sachsen, deren besondere Beachtung er dem Kanzler nahelegte Der Ministerpräsident stellte weiter fest, daß zarte Keime einer Entwicklung zum Besseren in einigen Zweigen der Wirtschaft vorhanden seien, nicht zuletzt im Vertrauen auf den ernsten Willen der Reichsregierung, die Frage der Arbeitslosigkeit mit Entschlossenheit anzupacken. Diese Keime gelte es jetzt zu pflegen durch Erleichterungen in der Kreditbeschaffung. Wenn Sachsen in dieser Zeit höchster Not nicht im Stich gelassen werde, so müsse er zum Wohle des gesamten Deutschlans wieder der Roverschufrgediet an wirtschafttichen glied. Unerhört zäher Opsermut treuer Wächter schützte die Stadt vor russischer Belagerung und Einnahme. Der schwarze Tag von Versailles zerbrach diese durch Volkstum, Geschichte und Blut festgeschmiedete Schicksalsgemeinschaft. Am 15. November 1920 trennte der Feindbund Danzig vom Deutschen Reich und erklärte es zum Freistaat. Polen vertrat von nun an seine außenpolitischen Interessen: Polen verwaltet seine Eisenbahnen; Polen mit Danzigern zusammen bilden den Ausschuß für den Hasen und die Wasserwege; Polen errichtete in Danzig eine eigene Post, die der Danziger Post schweren Abbruch tut. Danzig ist dem polnischen Zollgebiet angeschlossen. Auf der Westerplakte, einer vor der Stadt liegenden kleinen Landzunge, haben die Polen ein großes Munitionslager angelegt. Die Grenze der polnischen Staates geht mitten durch den schönen Zoppoter Wald: Grenzchikanen hören hier nicht auf. Auf der jenseits der Danziger Bucht liegenden, einst ganz von deutschen Fischern bewohnten Halbinsek Hela sind schwere polnische Befestigungswerke errichtet worden, und Hela wurde entdeutscht— kürzlich hat der letzte deusche Lehrer Hela verlassen müssen! Hinter Zoppot und dem Vorgebirge Adlerehorst ist aus dem Fischerdorf Gvingen mit französischem Geld eine polnische Fabrikstadt mit gewaltigen militärischen Hafenanlagen erbaut worden, um den Danziger Hafen zum Erliegen zu bringen. Einige Zahlen mögen beweisen, wie die Früchte dieses haßerfüllten Planes reifen: Der Güterumschlaß des Seeverkehrbetrug 1928 in Danzig 8615680 Tonnen, in Gdingen 957 349 Tonnen; im Jahre 1900 dagegen in Danzig 0 460 600 Tonnen und in Edingen 3702 300 Tonnen. Zwölf Jahre Freistaat unter polnischer Faust haben genügt, wirtschaftlichen Aufbau und Blüte zu vernichten. Immer mehr Handelehäuser, Fabriken und Werften und kulturellen Gütern werden, das es viele Jahrzehnte hindurch gewesen sei. Dann werde der sächsische Staat die ihm geographisch und geschichtlich gestellte Aufgabe, Mittler zwischen dem deutschen Norden und Süden zu sein, auch weiterhin in unverbrüchlicher Reichstreue erfüllen können. Nach der Reve des Ministerpräsidenten Schieck stattete Reichskanzler von dem Ministerpräsidenten seinen Dank für die Begrüßung ab und wiederholte das Bekenntnis, daß die Reichsregierung vor allem und ganz auf föderalistischem Boden stehe. Wenn auch, so fuhr der Reichskanzler fort, in Zukunft es die besondere Sorge der Reichsregierung sein wird, den Ländern unter genauer Abgrenzung der beiderseitigen Zuständigkeit die Mitarbeit an der Gesetzgebung und Verwaltung im Reiche zu ermöglichen, so wird es nicht weniger wichtig sein, die Autorität des Reiches und seiner Regieung maich innen und außen in vollem Umfange zu wahren. Der Reichskanzler wies dann auf die Bemühungen der Reichsregierung zur neuen Belebung der Wirtschaft hin. Der Ruf der Reichsregierung habe gerade in Sachsen vielfach Widerhalt gefunden. Da die Wirtschaftspolitik des Reiches im besten Sinne eine Mittelstandspolitik sein solle, so habe die Reichsregierung nicht gezögert, auch Sachsen entsprechend seiner bedrängten Lage besondere Hilfe angedeihen zu lassen, vor allem darch Einbeziehung einiger Teile Sachsene in das Osthilsegebiet und durch Errichtung einer Geschäftsstelle der Industriebank in Dresden. Des weiteren habe sich der Reichskanzler bereit erklärt, bei einer Kreditgewährung an die sächsische Wirtschaft mitzuwirken. Allerdings seien die Verhandlungen darüber noch nicht abgeschlossen. Die leichte Besserung, die schon heute auf manchen Gebieten des Wirtschaftslebens verspürt werde, so schloß der Reichskanzler, sei eine zarte Pflanze, die mit der Sorgfalt äußersten Vertrauens gehegt und gepflegt, nicht aber mit dem mitleidslosen Absatz gehässiger Parteipolitik zertreten werden sollte. Die Reichsregierung werde dafür sorgen, daß der Gesundungsprozeß der Wirtschaft nicht durch Leidenschaften des politischen Unverstandes gestört werde. Nur vertrauensvolle Zusammenarbelt könne den Ländern ihre grundgewachsenen staatlichen und kulturellen Junktionen erhalten und dem Reiche seine alte Kraft und Stärke wiedergeben. Im Anschluß an den Begrüßungsakt inr Staatsministezum fand im Lanstagsgehände ein Presseamnfang statt. Auch hier hielt der Reichskanzler eine kurze Ansprache und beertusctere schiedene Fragen, die sich besonders nut Dann kapde o und dem Wirtschaftsprogramm befaßten. stalt, haheu Begrüßung durch die Stadt ler begrüßte, sagte ur..e; mest Dr: Külz, der den Kang # Heben Sie den deutschen Städten wieder Lebensmöglichreiten, machen Sie die Selbstverwaltung aus dem Martyrium, das sie jetzt ist, wieder zu einer Stätte, wo der unc i Wiederaufbanwille sich auch wirklich in die Ansantet umsetzen kann, weisen Sie in der Reichsreform n G e m e i n d e n i m G e s a m t o r a a n i s m u s d e s d e u t s c h e n G e meinschaftslebens wieder den Platz zu, der ihnen im Interesse des Volksganzen gebührt. „„Hierauf zeichnete sich der Reichskanzler in das Goldene Buch der Stadt ein. Den Abschluß des Kanzlerbessichs bildete ein Tee=Empfang, zu dem die Spitzen des Landtags sowie der Behörden und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eingeladen waren. Im Anschluß daran trat der Kanzler die Rückreise nach Berlin an. Reichstag erst am 6. Einberusung des Reichswahlausschusses für Sonnabend erwartet — Berlin, 15. November. Gegenäber den seit einigen Tagen umlaufenden Gerüchten über eine Reichstagseinberusung sofort nach Fest. stellung des amtlichen Wahlergebnisses verlautet von unterrichteter Seite, daß Reichstagspräsident Göring nicht die Absicht hat, den Reichstag vorzeitig einzuberufen. Präsident Göring werde den Reichstag bestimmt erst für den 6. Dezember, dem verfassungsmäßig lehzten Termin, einberufen. Der Reichswahlausschuß dürfte zur Verkündung des endgültigen amtlichen Ergebnisses der letzten Reichstagswahl am kommenden Sonnabend, den 19 November, in Berlin zusammentreten. Bis zum 17 November sollen die einzelnen Wahlkreise ihre endgültigen Schlußergebnisse nach Berlin melden. In unterrichteten Kreisen ist man der Ansicht, daß es nicht als ausgeschlossen gelten darf, daß eine weitere Berichtigung des Wahlergebnisses erfolgt. Es fehlten nämlich der Zentrumspartei nur noch 398 Stimmen für einen weiteren Sitz auf der Reichsliste. Es sei durchaus möglich, daß dieser geringe Stimmenrest sich bei den sorgfältigen Schlußberechnungen noch herausstellt. In diesem Falle würde der neue Reichstag aus 584 Mitgliedern bestehen. Verhandlungsprogramm Hinzuziehung auch der SpD. Ueber die Haltung der Reichsregierung gegenüber dem Reichstag erklärte Reichskanzler von Papen einem Journalisten gegenüber, ob sich das Regierungsprogramm mit dem Reichstag durchführen lasse, werde sich vermutlich bei den Parteiführerbesprechungen im Laufe dieser Woche ergeben. Er sei fest entschlossen, die Verwirklichung einer nationalen Konzentration anzustreben. Es müsse sich doch ermöglichen lassen, daß zwischen dem Führer der Nationalsozialisten und ihm eine offene Aussprache herbeigeführt werde. ### bel der Reichskanzler mitgeleilt, daß er auch die Führer der Sozialdemokratie hinzuziehen werde. Erst auf Grund des Ergebnisses der Besprechungen werde der Reichspräsident seine weiteren Entscheidungen treffen. Der Wille der Reichsregierung sei, alles zu versuchen, um ein arbeitsfähiges Parlament zu schaffen, damit dem Volke die Mögsichkeit zurückgegeben werde, seine Stimme wirklich zur Geltung zu bringen. schließen ihre Tore. Der Hasen ist nur noch Tranfitplatz für fremdes Gut, hauptsächlich für Kohle, ohne daß Danzigs Handel hiervon Vorteil hätte. Die völlig unsinnige Grenzziehung, die das Hinterland, das immer mit Danzig eine Wirtschaftseinheit, ja in jeder, auch in kultureller Beziehung ein untrennbares Ganzes bildete, von Danzig losriß, schafft ein erschütterndes Trümmerseld. Zu der wirtschaftlichen Not tritt der seelische Druck. Traurige Schwete liegt über Land und Leuten, die, bedrüngt von fremdem Volkstum, unter Vereinsamung und Teilnahmslosigkeit der Brüder im Reich leiden. Schon spricht man vom„brechenden Widerstandswillen". Wen darf es wundern? Jeder in Danzig kennt und zittert vor der brutalen, zielsicheren Machtgier der Polen, vor dem systematischen, haßerfüllten Andrängen der slawischen Flut. Es würde zu weit führen, wollte ich hier im einzelnen die ruffiniert schlauen Mittek shizzieren, die Polen anwendet, um in Danzig Fuß zu fassen. Bekannt sind die provozierenden Reden offizieller polnischer Vertreter auf Tagungen in Danzig selbst, ist dus empörende Verhalten polnischer Soldaten auf dem Danziger Buhnhof und volnischer Matrosen im Danziger Hasen. Bekannt ist vielleicht auch die polnische Geographentagung in dingen, die, ebenso wie der Besuch des ehemaligen polnischen Ministerpräsidenten Paderewoki in Neuyork, völlig in den Dienst der Weltpropaganda gestellt wurde, um dem Ausland an Hand von gefälschten geschichtlichen Tatsachen Polens Recht auf den Raub Danzigs zu demostvieren. Aber neben diesem offenen Schrei nach der Vergewaltigung der alten deutschen Kulturstadt lausen andre heimliche und vielleicht wirkungsvollere Mittel. Ich enwähne nur einige: Unzählige Zeitungen und Zeitschriften für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, in deren Spalten in raffiniertester Weise für Polen geworben und gegen Deutschland geheßt wird, finden ihren Wag nuch Danzig Die Zum dritten Male seit der Inkraftletzung der neuen Kirchenverfassung fanden im Bereiche der evangelischen Landeskirche altpreußischer Union Kirchenwahlen statt. Aus ihnen gehen die Mitglieder der kirchlichen Körperschaften hervor, in deren Hand dir Selbstverwaltung der einzelnen Kirchengemeinden liegt Die Bedeutung dieser Wahlen greift aber über die Einzelgemeinden hinaus, de die Gemeindekörverschaften die Mitglieder der Provinzialfmode und hinein. Die polnische Jugend wird in der Stadt selbst in Wehrverbänden ausgebildet und in sog. polnischen Häusern durch entsprechende Filme, Theaterstücke, Vorkräge immer wieder in dem Sinne unterhalten, daß ihre Heimat Polen sei, in die sie, d. h. Danzig, zurückkehren müßten. Zu Weihnachten erhalten polnische Kinder in Danzig aus Polen Pakete. Wenig bekannt ist vielleicht auch, wie umfassend die literarische Propaganda, die teilweise in französischer Sprache erscheint— in Paris unterhält sie extra ein Büro— im Ausland arbeitet und Bei den über die Geschichte des Ostens und Danzig wenig unterrichteten Ländern leider auf günstigen Boden fälkt. Um so mehr ist es Pflicht des ganzen deutschen Volkes, sich der Erreichung des polnischen Zieles mit geschlossener Kraft entgegenzustellen. Um zu Großes wird gerungen, als daß nicht leidenschaftliche Abwehr gefordert werden muß. Die eigene deutsche Not darf nicht den Blick trüben für das namenlose Leid, das der Osten um Deutschland trägt. Dr. Keyser, der Direktor des Landesmuseums in Oliva bei Danzig schreibt:„Der Kampf gegen die Friedensschuld an der Weichsel war dieher nur das Werk einzelner. Er muß gleich dem Kampf gegen die Kriegsschuldtüge zur gemeinsamen Aufgabe aller Deutschen werden. Denn nur dann wird sich die Wahrheit durchsetzen, die den drutschen Osten defreien wird.“ Hiaweis. Jen stammt auch Dr. Thompson's SchwanSeifenputver. Schon sett über 50 Jahren ist es bewährt und von jeder erfahrenen Hausfrau begehrt. Seine Wasch= und Reinigungs=Kraft ist unübertroffen. Schwanpulvor ist äußerst preiswert und sparsam. Ein Paket hoftet nur 24 Pfg., ein spöken, Haßen 74 ur Vd. Dazn Seisiz zun Bleichen und Klav Paket 1- pg. Besser, schonenver und sparsamer ale mit Schwanpulver waschen und scheuern geht nicht. Aus diesem Grunde h. Schwanpalver heutr erst recht modern. Nr. 270— Seite 4 Mittwoch, 16. November 1932 durch diese die Abgeordneten der Generalsynode zu wählen haben. Von den Vorwahlen unterscheidet sich die neue Kirchenwahl durch das erstmalige Auftreten der Gruppe„Deutsche Christen“, die den Nationalsozialisten nahesteht. In Berlin liegen zunächst nur Teilergebnisse vor. In Köln erhielten: Einheitsliste 107 Sitze, Unpolitische Liste 73 Sitze, Deutsche Christen 65 Sitze, Religiöse Sozialisten 40, Positive Vereinigung 18, Ueberparteiische Gemeindevertretung 35, Deutschevangelische Liste für Evangelium und Volkstum 19, Erneuerungsgruppe 14, Vereinigung der landeskirchlichen Gemeinschaften 13, Evangelium und Volkstum 5, Freunde der Freien Evangelischen Volkskirche 11. Bei den Kirchenwahlen in Ostpreußen erhielten unter Berücksichtigung der Einheitsliste in verschiedenen Städten die Liste für Evangelium und Volkstum 45 v.., die Deutschen Christen(nationalsozialistische Liste) ebenfalls 45 v.., und der Bekennerbund sowie kleinere Gruppen insgesamt 10 v. H. der Stimmen. In der Stadt Königsberg fand ebenfalls in einer Anzahl von Gemeinden eine Wahl statt, soweit nicht Einheitslisten aufgestellt waren. Dabei erhielten ohne Berücksichtigung dieser Einheitslisten die Liste für Evangelium und Volkstum 220 Sitze, die Liste des Bekennerbundes 43 Sitze und die Liste Deutsche Christen 151 Sitze, oder 54, 10 und 36 vom Hundert. Die Wahlen haben vor aller Welt klar bewiesen, daß die Bevölkerung des Saargebiets das Treiben der hinter dem„Saarbund“ stehenden Separatisten-Kreise eindentig ablehnt. Die Wahlergebnisse stellen sich, wie nicht anders zu erwarten war, wieder einmal als ein glänzendes Bekenntnis der Saarbevölkerung zum Deutschtum dar. Im ganzen sind in den 346 Gemeinden 4301 Gemeindevertreter und in 7 Kreisen 205 Kreistagsabgeordnete gewählt worden. In den Kreisen und in 339 Gemeinden hat die „Unabhängige Arbeiter= und Bürgerpartei“ überhaupt keinen Vertreter erhalten. Trotz größter Anstrengungen ist es ihr lediglich in sieben Gemeinden gelungen, je einen Bewerber durchzubringen. Sie hat also von 4301 gewählten Gemeindevertretern nur sieben Mandate erreicht. Nach diesem Ergebnis kann sich jeder selbst ein Bild machen, wie ungefähr die Volksabstimmung, die im Jahre 1935 über die Rückgliederung des Saargebiets an das Deutsche Reich entscheiden soll, ausfallen wird. Im übrigen ist das auffallendste Moment das starke Anwachsen der nationalsozialistischen Mandate. Die Nationalsozialisten sind seit der letzten Kreistagswahl, wo sie in allen Kreisen zusammen sieben Sitze eroberten und zum rößten Teil überhaupt keine Liste aufgestellt hatten, auf 3 Sitze angestiegen. Berlin=Spandau. Der Kursus steht unter dem Gesanitthema„Die Gemeinde als Aufgabe“. Es werden folgende Einzelthemen behandelt werden:„Der Begriff der evangelischen Kirche":„Was heißt Wort Gottes?";„Die lebendige Gemeinde";„Die Verantwortung des Pfarrers gegenüber den Gegenwartsfragen“. Anmeldungen werden bis zum 20. Januar 1933 an die Abt. Volksmission(Apologetische Zentrale) des Zentralausschusses für Innere Mission, Berlin=Dahlem, Zietenstraße 24, erbeten. Lokal= und Provinzialnachrichten. — Bielefeld. Auf den Familienabend des Hausfrauenvereins am Donnerstag im Kyffhäuser, abends 8¼ Uhr, der zum Gedächtnis unserer Gefallenen veranstaltet wird, weisen wir an dieser Stelle noch einmal besonders hin. Eintritt 30 Pfg. Kirchennachrichten für Zion. Buß= und Bettag, den 16. November 1932. 8½ Uhr: Pastor Frick; 9 Uhr: Pastor Brandt; 10 Uhr: Pastor von Bodelschwingh; 16½ Uhr in Sarepta: Beichte und Abendmahl: Pastor Wilmanns. Die Kirchenwahlen in Berlin. — Berlin, 15. Novemb. Bei den Kirchenwahlen erhielten in Groß=Berlin nach dem vorläufigen Gesamtergebnis: Positive 2127, Volkskirchlich=Evangelische Vereinigung 160, Liberale 455, Kirchlich=Unpolitische 900, Deutsche Cristen 1496. Religiöse Sozialisten 27 Sitze. Unterzeichnung des Vertrages mit der evangelischen Kirche Badens. — Karlsruhe, 15. Nov. Vertreter des badischen Staates sowie Kirchenpräsident D. Wuerth und Oberkirchenrat D. Friedrich unterzeichneten das Vertragswerk mit der evangelischen Landeskirche, das alsbald dem Landtag bzw. der evangelischen Landessynode zur endgültigen Beschlußfassung zugeleitet wird. Treubekenntnis der Saar Bölliger Mißerfolg der Separatisten. — Saarbrücken, 16. November. In bewundernswerter nationaler Geschlossenheit ist die saarländische Bevölkerung bei den Gemeinde- und Kreistagswahlen am letzten Sonntag von dem verräterischen Treiben der franzosenfreundlichen Separatisten abgerückt. Noch einmal vor der im Friedensvertrag vorgesehenen entscheidenden Volksabstimmung im Jahre 1935 ist der Welt der unumstößliche Beweis geliefert worden, daß das Saarland trotz des großen ungeheuren politischen und wirtschaftlichen Drucks treu zu dem deutschen Mutterland hält und es auch in Zukunft tun wird. Bei diesen Wahlen war zum ersten Male wieder der sogenannte„Saarbund“, eine von französischen Grubenangestellten und einem Häuflein separatistischer Franzosenfreunde ins Leben gerufene Organisation, in Erscheinung getreten, wobei der„Saarbund“ um seinen wahren Charakter zu verbergen, diesmal unter dem Namen einer„Unabhänaigen Arbeiter= und Bürgerpartei“ aufgetreten ist. S DAS SINNIGSTE WEIHNRCHTS-GESCHENK IST EINE PHOTOGKATTHTE SIE SCHAFFT FREUDE UND HAT DAUERNDEN WERTI PHOTOGRAPHISCHES ATELIER ERNST LOHÖFENER GUTERSLOHERSTRASSE 180 FERNSPRECHER 363 Neu! Neu! Saat und Segen in der Arbeit von Bethel Ein Rückblick auf die Zeit seit dem Tode des Anstaltsvaters von v. Bodelschwingh Zweite, vermehrte und veränderte Auflage 1932 Rartoniert Nlk..30(Dorto Mk..30) Zur Einführung: Die Zeit von 1910—1932— um diesen Zeitabschnitt handelt es sich tier in der Hauptsache— ist auch für Bethel an äußerem und innerem Erleben überreich gewesen. Sie verdient es darum wohl, aus der Erinnerung auch der kommenden Geschlechter nicht ganz ausgelöscht werden. Doch kann der Ruckblick nur die bedeutsamsten Ereignisse ins Auge fassen. Auch beschränkt sich der Bericht— darauf sei ausdrücklich aufmerksam gemacht— auf die Arbeit der Anstalt Bethel im engeren Sinne und auf die gemeinsamen Aufgaben, welche der Gesamtheit der hier vereinigten Anstalten zuge wachsen sind. Lob und Kritik schweigen auf den Blättern. Sie wollen nur ganz schlicht erz hlen, was wir erlebt haben. Diese Erzählung aber stellt sich unter den rchtenden Ernst des Wortes: „Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert." Da bleibt für Sattheit und Sicherheit kein Raum. Da wird immer wieder der Schmerz wach über so vieles, was versäumt und verkehrt gemacht wurde. Nicht als die Besitzenden und Könnenden reden wir von unserer Arbeit, sonoern als die Lehrlinge, die„es noch nicht ergriffen haben.“ Nichts als ein demütiger Preis der Barmberzigkeit Gottes sollen die Blätter sein. Denn das Bekenntuis einer auf Grund des Wortes Jesu arbeitenden Gemeinde kann nur lauten: „Von Gottes Gnade din ich, was ich bin, und Seine Guade an mir ist nicht vergeblich gewesen.“ Empfohlen und zu beziehen durch: Buchhandlung der Anstalt Bethel, Bethel b. Bielefeld Postscheckkonto: Hannover 65093. Verschiedenes. Goldene Hochzeit im Dillkreis. Herr Kirchenvorsteher Wilh. Kroh und Ehefrau in Wissenbach(Dillkreis) konnten in voller körperlicher und geistiger Frische das seltene Fest der Goldenen Hochzeit am 5, d. M. begehen. Herr Kroh ist im 83. und seine Gattin im 71. Lebensjahre. Neben vielen kirchlichen und Gemeindeämtern bekleidete Herr Kroh über 45 Jahre lang auf der Eibelshäuserhütte den Posten eines Verwalters.— Die kirchlichen Behörden sowie die früheren Arbeitgeber, Freunde und Verwandte nahmen Veranlassung, dem Jubelpaare zu dem wichtigen Tage durch allerlei Zeichen der Liebe ihre Anteilnahme zu bekunden. Da der Aufwärts in der Familie des Jubelpaares Hausfreund ist, nimmt die Lesergemeinde unseres Blattes sicher auch gerne Anteil an der Freude, die dem Hause zuteil wurde. Oskar Joh. Mehl, Trostworte beim Heimgang unserer Lieben. Mit Bildern von Rudolf Schäfer. 32 Seiten, vornehmste Ausstattung. Gustav Schloeßmanns Verlagsbuchhandlung(Gustav Fick), Leipzig, Seeburgstr. 100. Preis 1,— Mark. Während wir seit langem wohlfeile Verteilbüchlein für Taufen und Trauungen haben, fehlte bis jetzt eine entsprechende Schrift für Todesfälle. Diesem Mangel ist nunmehr abgeholfen. Pfarrer Mehl, der bekannte Liturgiker, hat sich der Aufgabe unterzogen, aus Bibel und Gesangbuch, aus Dichtern und Denkern das Schönste und Tröstlichste herauszusuchen: Ein bleibender Immortellenkranz, der sicherlich vielen willkommen sein wird. 6. Pastorenlehrgang der Abteilung Volksmission im Zentralausschuß für Innere Mission(Apologetische Zentrale) vom 31. 1. bis 3. 2. 1933 im Ev. Johannesstift, Kirchennachrichten für Schildesche. Mittwoch, den 16. November 1932(Buß= und Bettag): 10 Uhr vorm. Pastor Neuhaus, Abendmalsfeier. — Predigttexte. Am Buß= und Bettag wird in den drei Gottesdiensten über Apost.=Gesch. 3, 9 bis 26 gepredigt werden. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Dienstag, keine Bibelstunde. Buß= und Bettag 8 Uhr abds. in Gosen Vortrag von Herrn P. Kirschsieper:„Die Frage unserer Zeit nach Gott“. Herzliche Einladung an alle Mitglieder und Familien und Freunde. — In dieser Woche sollen folgende Abendmahlsfeiern gehalten werden: Buß= und Bettag um 16½ Uhr in Sarepta. Sonnabend vor Totenfest um 19,10 Uhr in Zion und Totenfest im Anschluß an den 9 Uhr=Gottesdienst in Sarepta. Die Beichte findet bei allen drei Feiern jedesmal unmittelbar vorher statt. Anzeigen aus Bethel. — Da alljährlich die Bestellungen in Näharbeiten kurz vor dem Weihnachtsfest sich sehr häufen, bitten wir hiermit unsere verehrte Kundschaft, die uns zugedachten Aufträge zwecks Anfertigung von Damen=, Herren= und Kinderwäsche, Bettwäsche usw. doch schon bald hereinzugeben, damit pünktliche Lieferung erfolgen kann. Ophir, vereinigte Verkaufstellen der Anstalt Bethel. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. Christk. Damenheim Lindhorst(Sch=Lippe) bietet von 2,25 Mark täglich an gemütlichen Daueraufenthalt. Donnerstag den 17. Hovember 1932 beginnt unser Grramel Senderver kauf Ophir vereinigte Verkaufstellen der Hnstalt Bethel. Für alle und alle Abseif-Arbeiten Marke Schian verwenden. Es ist billig und sparsam. Paket 24 Pfg., Doppel-Paket nur 44 Pfg. Schwan-Pulver ist mild u. gibt eine gute, schonende, reinigungskräftige Lauge. Zum Bleichen und Klarspülen der Wäsche Seifix, Paket 14 Pfg. Sb-615 Täglich frische Seefische Räucherwaren, Marinaden, Dellkatessen Fischhandlung Martha Lassahn, Bielefeld Telefon 4875 Gütersloherstr. 30 Lieferung frei Haus Th. Petzold’s Tropfen das alterprobte, viel fausendmal bewährte Mitte bei verdauungsschmerzen, Hopfschmerzen, Nierenleiden Originalpackung mit Bild. Preis.80 Mk. Zu haben in den Apotheken. Alleinhersteller: Chem. pharm. Laboratorium Teutoburg Gustav Vinnen, Bielefeld Der Hausfrauen=Verein Bielefeld veranstaltet am Donnerstag, dem 17. November, abends 8¼ Uhr im großen Saale des Kyffhäuser einen Familienabend der dem Andenken der im Weltkriege Gefallenen und der Erinnerung an die Leistung unserer heimischen Regimenter dienen soll. Lichtbildervortrag: Wo ruhen unsere Gefallenen? Vortragender: Der Vorsitzende des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge Herr Kühn. Konzert der Stahlhelmkapelle Vortragsfolgen, die zum Eintritt berechtigen, zum Preise von 30 Pfennig sind im Verkehrsamt, der Geschäftsstelle des Hausfrauenvereins, Haus der Technik(9½—1 Uhr), der Pfefferschen Buchhandlung und an der Abendkasse zu haben.