2 Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Füro Ausland unter Streifband.90(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover G87. mit den Bellagen„Für Herz und „Rndengabder wuch„Josen Riei. Anzeigenpreis: einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter Waje tausend 15 Mt. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkouto Haunober 6707. Nr. 214. 14. Jahrgang. Umsonst sucht dann der Sünder Vor deiner Macht zu fliehn: Herr, alle Menschenkinder Willst du zur Rechnung ziehn. Du rufst, und sie erscheinen Vor deinem großen Thron. Den Sündern und den Deinen Gibst du gerechten Lohn. Der einzige Unparteiische Es ist kein Ansehen der Person vor Gott.(Röm. 2, 11.) Es ist kein Ansehen der Person vor Gott! Wer dieses Wort ernst nimmt, schaut in Gottes Angesicht. Ein helles, blendendes Lichte leuchtet ihm von da entgegen. Ein Licht, das in den Staub wirft, und ein Licht, das aus dem Staub erhebt. Gericht und Gnade. Es gehört zur Herrlichkeit Jesu, daß die Unparteilichkeit Gottes ir ihm erschienen ist. Auch von ihm aus leuchtet sie in die Welt als Gericht. Da kommt der angesehene Lehrer, der Sohn Abrahams, der Mann, der sich seine Frömmigkeit in heißer Arbeit errungen hat. Rasse, Gelehrsamkeit, Tugend, wie drei Panzer, die die Person umhüllen, ja„Ansehen schaffen unter den Menschen, aber vor Jesus sind sie nichts,„es sei denn daß jemand von neuem geboren werde"(Joh. 3, 1 ff). Stellen wir uns auch unter das Gericht dieses Wortes? Wer daran vorbeigeht, der geht an Gott vorbei, er mag so viel von Gott reden, wie er will, er redet Träume, aber er redet nicht aus dem Wahrhaftigen. Und doch wagt man es auch unter Christen, dem Vorzug der Rasse das Wort zu geben. Es geschieht überall und immer wieder. Lies Victor Hugo über Frankreich als das schlagende Herz der Welt, Dostojewskij über die Tiefen der russischen Seele. Lausche bei den Briten auf ihre geheimste Ueberzeugung„wir sind das auserwählte Volk“. Und:„Am deutschen Wesen muß die Welt genesen“, so heißt's bei uns in immer neuen Variationen. So aber weicht man dem Licht aus, ja, man lästert ihm ins Angesicht. Uns, gerade uns mußt du ansehen. Aber es hilft nichts, alle Sicherheiten fallen; nicht die Zugehörigkeit zu einer Rasse, auch nicht die zu einer Kirche, auch nicht die zu einer bestimmten Richtung in der Kirche, auch nicht die geheimste Sicherheit, die deiner Freundschaften, der Menschen, die dich als etwas ansehen. Nichts gilt. So wahr Gott Gott ist, muß es stehen bleiben. Es gilt kein Ansehen der Person vor ihm. Kein Ansehen der Person vor Gott! Gnade um Gnade, die aus dem Staub erhebt. Ein Weib, eine Samariterin, die Geschichte eines tiefgefallenen Lebens enthüllt sich vor Jesus(Joh. 4, 1 ff.). Dreifach ist das Ansehen vor Menschen zerrissen. Ein Weib, damals wenigstens das geringer geachtete Geschlecht, mit dem ein Rabbi nicht redete. Dazu die verdorbene Mischrasse der Samariter und eine dunkle— welch eine dunkle— Lebensgeschichte! Ihr aber wird das höchste geschenkt, die Offenbarung des Christus;„denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott“ Nur das eine sieht der Herr, die Seele, die seiner bedarf. Wann können auch wir das wunderbare Licht der Gnade gerade an Gottes Unparteilichkeit wahrnehmen? Dann, gerade dann, wenn uns alle die Dinge, die uns vor Menschen Sicherheit verleihen, unsicher geworden sind. Wenn uns nichts anderes übrig geblieben ist als die Seele, die weiter nichts weiß, als daß sie Gottes bedarf. Dann danken wir in der Armut eben dafür, daß er weiter nichts von uns will als eben diese Bedürftigkeit, dieses Bewußtsein unserer Schuld, und eben dafür die ganze Herrlichkeit seiner Gnade in dem Gekreuzigten und Auferstandenen offenbart. Gottes Unparteilichkeit! Können wir nun auch unpar. parteiisch sein, wenn uns Gottes Unparteilichkeit ergriffen hat?„Aufrichtig zu sein, kann ich versprechen,“ sagt Goethe,„unparteiisch zu sein aber nicht.“ Dieses menschlich wahre Wort behält seine Wahrheit auch für den Christen. Immerhin dazu kann uns das Licht der Unparteilichkeit Gottes helfen, daß wir uns schämen, wenn wir die fleischliche Parteilichkeit an uns entdecken, und daß wir durch alles parteiische Wesen hindurch unter allen Hüllen der Rassen, der Stände, der sozialen, der kirchlichen Unterschiede nach dem Menschen ausschauen, der Gottes bedarf. W. m. vorgeht. „Wenn zwei weltanschaulich so sehr verschiedene Gruppen wie Zentrum und Nationalsozialisten zusammenkommen, wenn Männer wie Göring und Brüning, die sich doch aufs heftigste bekämpft haben, sich an den Verhandlungstisch setzen können, dann müßte doch auch eine Einigung über ein sachliches nationales Programm, über das klare Ziel der Rettung aus dem Elend zu erreichen sein. Auf diese Einigung wartet das Volk.“ Mit diesen Worten schließt ein Abschnitt in der„Rheinisch=Westfälischen Zeitung“, der sich mit der augenblicklichen politischen Lage beschäftigt und einer Einigung des Nationalsozialismus mit der Regierung v. Papen das Wort redet.„Muß eine Politik nur deshalb falsch sein, weil sie von andern gemacht wird?“ so wird dort gefragt. Das gleiche sagten wir auch hier, als v. Papen die Regierung übernahm und es so schien, als solle sich seine Politik ganz in dem Rahmen dessen bewegen, was von den Nationalsozialisten seit Jahr und Tag gefordert war. Da sprachen wir es aus, wie wünschenswert es sei, wenn einmal eine große Partei sich damit zufrieden geben würde, daß ihre Wünsche und Forderungen auch von einer Regierung durchgesetzt würden, deren Mitglieder sich nicht ausdrücklich zu ihrer Partei bekennen. Inzwischen haben sich die Verhältnisse aber so weit geklärt, daß man die Unterschiede sieht, die doch zwischen dem bestehen, was der Nationalsozialismus will und mit ihm auch noch weitere Schichten des Volkes, und dem, was der Reichskanzler v. Papen will, und den Methoden, mit denen er „das klare Ziel der Rettung aus dem Elend“, wie die Rh. W. Ztg. sagt, zu erreichen sucht. Um dieses klare Ziel der Rettung aus dem Elend handelt es sich laugenblicklich sowohl bei allen Parteirichtungen wie auch der parteipolitisch nicht gebundenen Regierung v. Papen. Weil sie nun zur Zeit die Macht im Staate in der Hand hat, sind ihr die Möglichkeiten gegeben, den Zuständen ein Ende zu machen, von deren Aenderung eine gesicherte und ruhigere Zukunft erwartet wird. Die in diesen Tagen bekanntgegebenen Zahlen der Arbeitslosen lassen erkennen, daß nicht einmal in der Periode, die durch die Erntearbeiten immer die Arbeitsreichste wird, die Zahl der Arbeitslosen geringer geworden ist. An den Stellen, die mit den praktischen Verhältnissen zu tun haben, verspricht man sich auch nach dieser Seite hin nichts von den Maßnahmen, die die Regierung jetzt getroffen hat. Es sind uns in diesen Tagen schon mancherlei Zuschriften zugegangen, die Berechnungen über die Wirkung der neuen Verordnungen aufstellen, nach denen sowohl die geplanten Subventionen bei Mehreinstellung von Arbeitern, wie auch die Lockerung der Tarife wahrscheinlich die entgegengesetzte Wirkung von dem haben werden, was die Regierung von ihren Verordnungen erhofft. Auf manche Einzelheiten wird hier wohl in nächster Zeit noch näher eingegangen werden müssen. Für den Fall, daß die Regierung v. Papen länger am Ruder bleiben muß, wäre ihr dringend zu empfehlen, sich den Stimmen nicht zu verschließen, die ihr Ratschläge erteilen, welche auf einer anderen Linie liegen als der, die die Wirtschaft nach den alten Formen dirigieren will, zu denen die Mehrzahl des Volkes kein Vertrauen mehr hat. Als wir vor einigen Wochen hier bedauerten, daß die Wirtschaftsauffassungen Dr. Hugenbergs und der Nationalsozialisten so weit auseinander gingen, mahnte uns eine Leserin, die sich auch ihre Gedanken macht über die Bedeutung der Wirtschaftsform für den Staat, zur Nüchternheit. Da sie diese ihre Gedanken schlicht und verständlich darlegt, geben wir einen Teil ihrer Ausführungen im Rahmen unserer heutigen Betrachtung wieder. Wenn die Verordnungen der Regierung nicht in allernächster Zeit zu Erfolgen führen, die von allen Volksgenossen anerkannt werden müssen, dann bleibt es nicht aus, daß die Frage: sozialistische Wirtschaft oder Privatwirtschaft zur Entscheidung gebracht werden wird. Es schadet deshalb nicht, wenn man beizeiten versucht, sich über das Für und Wider in der Sache möglichst klar zu werden. Die Leserin schreibt: „Die sozialistischen Parteien mit Einschluß der Nationalsozialisten haben eine Einstellung zum Staate, die in dem Gebilde, das sie errichten wollen, ein Ideal erblickt.— Sie tun es im guten Glauben und versprechen dieses Ideal im guten Glauben ihren Anhängern. Wenn wir erst die Macht haben— dann! Dies Ideal ist aber unerreichbar, weil Menschen immer Menschen bleiben werden und kein Systemwechsel die Menschen ändern wird. Wenn man den Staat baut, muß man mit Menschen rechnen, nicht mit Idealgestalten. Darum wünschen wir den Staat stark, geordnet, mit hingebendstem Pflichtgefühl und tiefster Verantwortung geleitet, aber alles in den Grenzen des Möglichen. Den Systemen der letzten 14 Jahre machen wir es zum Vorwurf, daß sie„dem souveranen Volk“ Unmögliches vorgaukelten und es sich an dieser Souveränität berauschen ließen, statt ihm Brot vorzusetzen. Was sind denn die Unterschriften unter den Vertrag von Versailles, den Dawesplan, den Youngplan anderes als unmögliche Versprechungen, mit denen das souveräne Volk benebelt wurde? Es gilt Unklarheiten zu vermeiden, wie sie auch im nationalsozialistischen Programm stehen. " Eine dieser Unklarheiten ist z. B. die Brechung der Zinsnnechtschaft. Beim Durchlesen des Federschen Programmes stürmt einem eine Menge begeisterter Worte entgegen, ein bestimmter Weg wird nicht gezeigt. Feder sagt an anderer Stelle, wenn jemand einem andern Geld geborgt habe und er habe es zurück erhalten, dann sei damit Leistung und Gegenleistung abgeschlossen. Wie würde es nun sein im gewöhnlichen Leben? Sagen wir die Waschfrau Weiß hat sich 1000 Mark gespart in jahrelanger, treuer Arbeit. Sie gibt dieses Geld dem Bekannten Braun, der damit ein kleines Gemüsegeschäft eröffnet. Nach zehn Jahren zahlt er ihr die 1000 Mark mit einem schönen Dank zurück, nachdem er mit diesen 1000 Mark sein Geschäft hoch gebracht hat. Oder, in anderer Form: Ein Fabrikant ist genötigt, Geld aufzunehmen, sagen wir 100000 Mark, um seine Fabrik zu erneuern und umzustellen. Dieses Geld stammt letzten Endes von hundert Waschfrauen, Schneiderinnen, Lehrern, Handwerkern, Gärtnern usw. Nachdem er seinen Zweck erreicht, seinen Markt erobert und sein Geschäft gemacht hat, zahlt er nach 10 Jahren die 100000 Mark zurück mit verbindlichem Dank. Jeder der 100 kleinen Sparer nimmt sie wieder an sich. Wenn sie nicht wissen, was sie damit sollen, leihen sie sie wieder aus, dieses Mal hoffentlich einem Freunde oder einer christl. Anstalt, oder sie verbrauchen das Geld für sich, oder sie stecken es in den Strumpf. Wie ist das Benehmen der Geldnehmer zu beurteilen, die mit dem Gelde gewirtschaftet haben? Stehen nicht auch hier für abgefeimte Geschäftsleute Türen weit auf, um sich mit zinslosem Gelde zu bereichern? Hier würde Eigennutz vor Gemeinnutz gehen. Dies ist nicht aus Liebe zum Zins geschrieben. Es ist nur unklar, wie man Geld in Umlauf bringen will, wenn man dem Verleiher keinen Anteil gibt. Wucherzins, wie er in den letzten Jahren gang und gebe war, muß gebrandmarkt werden. Ueber 5% wurde im alten Deutschland als Wucher angesehen. Unser wirtschaftliches Leben ist äufgebaut mit Werten, die beweglich sind. Sie ermöglichen dem einen Arbeit, dem andern Unterhalt durch Darbietung des Vermögenswertes einerseits, des Zinses andererseits. Diese Werte sind im allgemeinen durch ehrliche Arbeit und Sparsamkeit erworben oder ererbt, manchmal leider auch betrügerisch erschwindelt. Das Letztere liegt nicht an irgendeinem System, sondern am Menschen. Es wird immer Schufte und Betrüger geben, die sich zu Nutze machen werden, was sie auch Irdisches finden:„den Erdenrest zu tragen peinlich.“ Was soll, mit dürren Worten, an Stelle des jetzigen Wertaufbaues treten? Hoffentlich nicht noch mehr Versicherungswesen, das aufgebläht, wie es heute ist, nur entsittlicht, entkräftet und jedem die persönliche Verantwortung nimmt. Auch wenn die Berthold Ottosche staatliche Buchung eingeführt würde, müßte auch dann gerechnet werden mit dem Minus der Begehrlichkeit, mit dem Plus des Unternehmergeistes. Die schönsten Systeme ließen sich aufbauen ohne den Menschen, der immer alles in Verwirrung bringt! Heute fehlt ja nun der Raum, um auf einzelnes dieser Ausführungen noch näher einzugehen. Gottfried Feder und Berthold Otto und ihre Anhänger würden sicher manches dazu zu sagen haben. Der Kernpunkt der Ansicht ist der, daß die Staats= oder Unternehmermacht, die doch schließlich auch nur aus Menschen gebildet wird, in Ordnung bringen soll, was der Mensch in Verwirrung bringt. Man mag die Dinge nach allen Richtungen menschlichen Wollens und Könnens durchdenken, so bleibt doch zuletzt nur immer der Kampf um das Problem. Auch wenn man zugeben will, daß die Ursache der schlimmen Lage Deutschlands darin liegt, daß die Herbeiführung der Revolution, die Beseitigung der Monarchie, die Unterzeichnung des Versailler Diktats und der nachfolgenden Verträge aus der illusionistischen Hoffnung heraus möglich wurden, einem„souveränen“ demokratischen Volke würde die„moderne“ demokratische Welt mit größter Nachsicht und Hilfsbereitschaft begegnen und gemeinsam mit ihm die neue Welt des Friedens und des Menschenglückes aufbauen, so muß andererseits doch auch gesagt werden, daß gegenüber den Wirtschaftsmethoden und der sozialen Einstellung der führenden Schichten des alten Staates ein Mißtrauen und eine Gegnerschaft bestand, der doch nicht alle Berechtigung abgesprochen werden kann. Man braucht da nur an die schweren Kämpfe der Arbeiter, nicht nur der sozialistischen, um jeden Pfennig Mehrlohn; an den vergeblichen Kampf der Bodenreformer um ein Bodenrecht, das eine gesunde Siedlungs= und Wohnungspolitik ermöglicht, und nicht zuletzt an die Kämpfe, die um die Linderung und Beseitigung der Not der Krüppel, der Schwachen, der Epileptiker, der Wanderer und Arbeitslosen geführt werden mußten, zu denken. Weil wir fast unser ganzes Leben lang in diesem Kampf gestanden haben, meinen wir auch, nicht müde werden zu dürfen im Suchen nach neuen Wegen zur Gestaltung des sozialen Lebens in Deutschland, und wir müssen die Leser schon um Nachsicht bitten, wenn wir in dieser Zeit, die ganz bestimmt ernste Entscheidungen auf diesem Gebiete bringen wird, immer wieder bitten, zu prüfen, wie am schnellsten und 6 839 Nr. 214— Seite 2 Sonntag, 11. September 1932 sichersten gerechtere und gesundere Zustände herbeigeührt werden können. Dabei sind wir uns ganz bewußt, daß diese materiellen Güter, um die es hier geht, nicht des Lebens höchstes Glück sind. Aber schließlich geht es bei dem meisten Streit im Volk, in der Politik, in der Welt um diese Dinge und der Politiker oder Staatsmann oder Wirtschaftsführer wird die segensreichste Arbeit leisten, dem es gelingt, diese Ursachen des Streites am weitgehendsten zu beseitigen. Zwischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum haben Besprechungen stattgefunden, an denen besonders die Wirtschaftspolitiker der beiden Parteien teilgenommen haben. Daraus ist zu schließen, daß Wirtschaftsfragen in den Vordergrund der zukünftigen politischen Auseinandersetzungen gerückt werden. Ob es zu einer Auflösung des Reichstages kommen wird, steht bis zu der Stunde, wo wir dies schreiben, noch nicht fest. Die Parteien scheinen aber schon bestimmt damit zu rechnen. Wenn dann aber die Neuwahlen nach dem verfassungsmäßig festgelegten Zeitpunkt stattfinden sollen, müßten die Notverordnungen der Regierung bis dahin schon eine außerordentlich günstige Wirkung gehabt haben, wenn die Regierung Aussicht haben soll, durch die Wahlen eine verfassungsmäßige Mehrheit im Reich für sich zu gewinnen. Es hat nicht viel Wert, jetzt Mutmaßungen darüber aufzustellen. Gut ist es, wenn man bei all den Ungewißheiten den Mut behält, sich aus einer Not in die andere zu hoffen. zur Kreisleform — Berlin, 10. September. In Fortsetzung seiner Beratungen verhandelte der preußische Staatsrat über die im Verordnungswege erfolgte Neugliederung der preußischen Landkreise. Der Verfassungs= und der Gemeindeausschuß hatten dazu einen Antrag vorgelegt, in dem die Zweckmäßigkeit der Zusammenlegung und Aufteilung von Landkreisen als Sparmaßnahme anerkannt, jedoch eine schleunige Nachprüfung der Verordnung dahin für erforderlich erachtet wird, inwieweit die vorgebrachten Beschwerden der verschiedenen Bevölkerungskreise berechtigt seien und inwieweit ihnen abgeholfen werden könne. "„Dem Staatsministerium wurde eine Entschließung zur Belucksichtigung empfohlen, in der eine Aenderung der Bestimmungen über die Auseinandersetzung bei den Provinzen vorgeschlagen wird. Danach soll insbesondere auf eine zweckmäßige Verwendung der vorhandenen Beamten Bedacht genommen werden; sie sollen verpflichtet werden, in den Dienst des übernehmenden Provinzialverbandes überzutreten. In der Aussprache erklärte ein Vertreter des Innenministeriums, das der Schwerpunkt der Ersparnisse bei der Kommunalverwaltung liege; es würden immerhin einige Millionen erspart. Die Wünsche der Angestelltenverbände würden nachgeprüft werden. Hierauf wurde der Ausschußantrag gegen die Kommunisten angenommen. Hinsichtlich der Bildung der Sondergerichte nahm der Staatsrat mit 32 gegen 28 Stimmen einen Antrag an, der die Staatsregierung ersucht, in den Fällen, in denen die Straftaten vor dem 10. August 1932 begangen wurden und in denen die Sondergerichte zur Verurteilung gelangt sind, die Strafvollstreckung auszusetzen und die in Haft Befindlichen sofort freizulassen. Mit derselben Mehrheit fand auch ein Zentrumsantrag Annahme, wonach vor dem 10. August 1932 begangene Straftaten nicht mehr vor den Sondergerichten verhandelt werden dürfen. :: Präsident Federzoni bei Hindenburg. Der Reichspräsident empfing den Präsidenten des italienischen Senats, Luigi Federzoni, der von dem icalienischen Botschofter bealeitet war. Hindenburg für Papen Reichstagsauflösung gilt nach wie vor als wahrscheinlich. — Berlin, 10. September. Amtlich wird mitgeteilt: Reichspräsident von Hindenburg empfing das neugewählte Präsidium des Reichstags, den Präsidenten Göring und die Vizepräsidenten Esser, Graef-Thüringen und Rauch. Reichstagspräsident Göring stellte das neue Präsidium vor; der Reichspräsident dankte für den Besuch und sprach den Herren seine besten Wünsche für die Erfüllung ihrer Aufgabe aus. Hieran schloß sich eine kurze Aussprache über die politische Lage. Wie über diese amtliche Mitteilung hinaus weiter bekannt wird, nahm der Empfang des Reichstagspräsidiums, dem auch Staatssekretär Dr. Meißner beiwohnte, etwa 20 Minuten Zeit in Anspruch. Nach der Vorstellung wurden zunächst die üblichen Höflichkeiten gewechselt, wonach dann Präsident Göring auf die politische Lage einging. Präsident Göring nahm in dieser Aussprache dahin Stellung, daß der Reichstag auch in seiner jetzigen Zusammensetzung arbeitsfähig und eine Möglichkeit für die Zusammenarbeit des Reichspräsidenten und des Reichstags gegeben ist.=s-„ Abweichend von dem Präsidenten Göring äußerte sich der deutschnationale Vizepräsident Graef=Thüringen dahin, nach seiner Auffassung sei das Reichstagspräsidium nicht berechtigt, mit dem Reichspräsidenten politische Verhandlungen zu führen. Er könne deshalb für seine Person nur erklären. daß er gegen eine Rückkehr zum parlamentarischen Satter, sei und die Form der jetzigen Regierungsbildung Zum Schluß äußerten die Mitglieder des Reichstagspräsidiums noch den Wunsch und die Bitte, der Reichspräsident möge, bevor er irgendwelche Entscheidungen treffe, mit den. Führern der politischen Parteien nochmals Fühlung Wie es heißt, hat dann Reichspräsident von Hindenburg zu verstehen gegeben, daß er nicht bereit ist, irgendwelche Jugeständnisse für eine Kabinektsumbildung zu machen oder sich gar vom Reichskanzler von Papen und seinem Kabinekt zu trennen. angenommen wurde, hat also der Empfang des Reichstagspräsidiums durch den Reichspräsidenten eine Aenderung der politischen Lage nicht gebracht. Aehnlich dürften sich die Linge entwickeln, wenn Reichspräsident von Hindenburg vor der letzten Entscheidung nochmals die Führer der Parteien empfangen sollte. Die politische Lage ist damit shon, aeslaß. daß Reichspräsident und Reichskanzler enttag sich anschid Reichstag aufzulösen, wenn der Reichshm getroffenen segen das Kabinett von Papen und die von wirde sich jetzt als gure hmen Stellung zu nehmen. Es Warde sich seg usb nut noch darum handeln, ob der Reichsgen die Entscheagg Plenarverhandlunsofartigs Absti vertagen, oder ob er es auf die efollige Abstimmung und Auflösung ankommen lassen Während des Empfangs des Reichstagspräsidiums durch den Reichspräsidenten hatte sich in der Wilhelmstraße eine senge eingefunden. Die Polizei mußte dann allmählich die Wilhelmstraße von der Menge frei machen, ungl immer neue Schaulustige eintrafen, die nicht glaubten, Besprechung zwischen Hindenburg und den Mitgliedern des Prasidiums bereits beendet sei. Cassell zum Wirtschaftsprogramm Stockholm, 10. September. „Der bekannte Nationalökonom Professor Gustaf Cassel steul im„Svenska Dagbladet“ eine eingehende Untersuchung über das Wirtschaftsprogramm der deutschen Regierung an und schreibt dazu: „Natürlich kann man sich Einzelheiten gegenüber im Zweisel fühlen, und das ganze mutet als ein gewagter Eingriff in den normalen Gang des Wirtschaftslebens an. Doch die Lage in Deutschland ist alles andere als normal. Persönliche Erinnerungen an Reinhard Mumm. Es war im Jahre 1900, als die evangelischen Jünglingsvereine ihren Kongreß in Kassel abhielten. Um jene Zeit war, besonders in Westdeutschland, die christliche Gewerkschaftsbewegung in aufsteigender Entwicklung begriffen. Im katholischen Lager war, dank der verständnisvollen Einstellung der Kirche, der fördernde Stützpunkt dieser Bewegung. Auf evangelischer Seite dagegen stieß man überall auf Abneigung oder offene Gegnerschaft. Die Kirche stand den sozialen Nöten des Arbeitnehmerstandes teilnahmslos gegenüber. Dem Winke von oben folgend, glaubte die evangelische Geistlichkeit keine Veranlassung zu haben, eine fördernde Einstellung gegenüber der christlichen Gewerkschaftsbewegung einnehmen zu müssen. Nur wenige Männer gab es, die furchtlos sich des viertes Standes annahmen und nicht müde wurden, der Kirche sowohl wie dem Staat ins Gewissen zu rufen, daß es Pflicht sei, sich der Armen und Bedrückten anzunehmen, und daß es durchaus berechtigt sei, wenn die Arbeiter in ihren Organisationen zur Selbsthilfe griffen, um auf diesem Wege selbst Einfluß zu gewinnen auf die geistige, wirtschaftlche und soziale Hebung des Arbeiterstandes. Unter den wenigen Männern, die nicht nur im warmen Studierzimmer Freunde der christlichen Gewerkschaften waren, sondern öffentlich geradezu leidenschaftlich den Kampf gegen soziale Verständnislosigkeit und gegen das Scharfmachertum jener Zeit führten, gehörten in erster Linie D. Adolf Stöcker und D. Ludwig Weber. Einige junge Geistliche griffen zwar auch mit großer Begeisterung in diesen Kampf ein, endeten aber zum Teil dort, wo man sie am liebsten nicht gesehen hätte. Einer dieser jüngeren Geistlichen war der uns damals persönlich noch unbekante Lizentiat Reinhard Mumm, der als Schüler und treuer Anhänger Stöckers, ausgerüstet mit einem großen Wissen, einer nie ermüdenden Arbeitskraft und einer ihn zu einer star. ken Persönlichkeit machenden charakterlichen VeranlaIn einem Lande, das mehr als fünf Millionen Arbeitslose hat, ist man eben zu regelrechten Krastmußnahmen gezwungen, um aus dem Sumpf herauszukommen. Es gibt keinerlei Erfahrungen, wie man eine solche Lage behandeln soll. Man muß daher elwas wagen, wenn es einen Sanierungsplan gibt. sich iedach erhens Regierungsprogramm unterscheidet haffnungen. der unübersehbaren Masse vollkomlich norgele enstruktionen, die in Deutschland tägtch Vergelegt werden mit dem Anspruch, eine Lösung der Wirtschaftsprobleme darzustellen." Im einzelnen auf das Wirtschaftsprogramm in der wirtschaftlichen Situation Deutschlands eingehend, bezeichne Professor Cassel die Aussichten für eine kräftige Produktionserhöhung in Deutschland als ungewöhnlich gut. Die Entlassungen bei der Bahn Empfang der Vertreter der Gewerkschaften der Eisenbahnarbeiter durch den Reichsverkehrsminister. — Berlin, 10. September. " Der Reichsverkehrsminister empfing die Vertreter der entisprechend ihnen d Wünschen mit 1h in die Frage der Entlassung von Eisenbahnarbeitern zu vesprechen. Der Minister erklärte, daß üiber Wege zur Milderung mit der Die Reichsbahn werde nunmehr durch die ihr aus den Steuergutscheinen zufließenden Mittel in den Stand gesetzt, zurückgestellte Arbeiten wiederaufzunehmen. Sie werde nicht unereehe baue au s lassen, bei denen ein nich. unrrhrdlicher Teil der zur Enklassung vorgesehenen ...., über den 1. Okkober hinaus Beschäftigung finden Die Gewerkschaften vertraten die Auffassung, daß insbesondere durch Einlegung von Feierschichten die Entlassungen weiter eingeschränkt werden könnten. Der Reichsversagte zu, diese Frage im Benehmen mit der Reichsbahn sosort zu prüfen. Reichsschlichterkonferenz in Karlsruhe — Karlsruhe, 10. September. Reichsarbeitsminister Dr. Schäffer hielt in Karlsruhe eine Besprechung mit den Schlichtern aus dem ganzen Reiche Gegenstand der Besprechungen waren die sozialpolitischen Maßnahmen in dem neuen Wirtschaftsplan der Reichsregierung, insbesondere die Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September, die den Schlichtern wichtige Aufgaben zuweise. Der Minister und seine Sachberater erläuterten den Inhalt und die Absichten der neuen Regelung und nahmen Anregungen aus den Kreisen der Schlichter entgegen. Im Anschluß an die Besprechung stattete der Reichsarbeitsminister dem badischen Ministerpräsidenten Dr. Schmitt und dem badischen Innenminister Besuche ab. Dienstag Parteiführerempfang — Berlin, 10. September. Wie verlautet, wird Reichspräsident von Hindenburg am Dienstag und Mittwoch nächster Woche je zwei Vertreter der Nationalsoziglisten und des Zentrums und einen Verlleter der Bayerischen volkspartei empfangen. Die politische Ausiprache im Reichstag dürfte nunmehr erst am Mittwoch #. Nach dem Empfang des Reichstagspräsidiums fand im Reichslug eine neue interfraktionelle Besprechung statt, bei der die Nationalsozialisten durch die Abgeordneten Dr. Frick ##. Dr. Goebbels, das Zentrum durch die Abgeordneten Maneriche Stegerwald und Dessauer und die vertreten waren Bizepräsidenten Nauch gung, die Aufmerksamkeit weit über die christlich=sozialen Kreise hinaus auf sich lenkte. Groß war daher unsere Freude, als auf dem eingangs erwähnten Kongreß gelegentlich einer Aussprache über die Frage, wie insbesondere die Arbeiterjugend für die Jünglingsvereine zu gewinnen sei, der jugendliche Liz. Mumm das Wort ergriff und in seiner uns später wohlbekannten packenden Art sich für die christlichen Gewerkschaften einsetzte. Es mag, so führte Mumm aus, peripherisch erscheinen, auf diesem Nationalkongreß der Jünglingsvereine auf die große Bedeutung der christlichen Gewerkschaftsbewegung hinzuweisen. Aber wir können und dürfen auch in unserer christlichen Jugenbewegung nicht an den wirtschaftlichen Sorgen und Nöten des Arbeiterstandes vorübergehen, wenn wir die Arbeiterjugend nicht verlieren wollen. Gerade die soziale Frage steht in so enger Verbindung mit den hier erörteren Aufgaben, daß man nicht achtlos an ihr vorbeigehen kann. Nun folgten Ausführungen über die christlichen Gewerkschaften, abschließend mit einem warmen Apell an die Versammelten, mitzuhelfen, damit die evangelischen Arbeiter in ihren christlichen Berufsorganisationen einen stärkeren Rückhalt für ihr wirtschaftliches Vorankommen finden könnten. Mumm hatte in ein Wespennest gestochen. Der schwache Beifall und die teilweise erregten Antworten der nachfolgenden Diskussionsredner zeigten, daß Mumm in damaliger Zeit, mit jener Verständnislosigkeit zu tun hatte, deren Bekämpfung er sich dann zur Lebensaufgabe gemacht hat. inn ihm auch auf dieser Tagung, auf der wir Mumm persönlich kennenlernten, ein württembergischer Vertreter zurief:„Verschonen Sie uns auf unseren Kongressen mit Ihrer sozialen Frage,“ so ließ sich Reinhard Mumm doch nicht beirren. Sein eigener Geist und Wille, stark geworden in der Schule Adolf Stöckers, trieben ihn immer stärker in die soziale Tätigkeit hinein; und der christlich=nationalen Arbeiterbewegung war Mumm seit jener Zeit ein zuverlässiger Freund, und zwar, wie Fritz Valtrusch in einem Nachruf schreibt, in allen Situationen. Reinhard Mumm, der zwischendurch keine Gelegenheit versäumte, das Verständnis für die chriftlichen Gewerkschaften besonders auch in den Kreisen der Nichtarbeiter zu wecken, erkannte sehr bald, daß der gesunde Fortgang der Bewegung im wesentlichen eine Führerfrage sei. Vor 30 Jahren war meines Wissens Franz Behrens der einzige berufstätige evangelische Arbeiterführer. Mumm sagte damals in einer Rede, ich glaube, es war auf einem kirchlich=sozialen Kongreß:„Jede Bewegung ist das wert, was ihre Führer wert sind. Sein Bemühen galt deshalb ihrer Bedeutung wegen dieser Frage, der Heranbildung geeigneter Arbeiterführer. Auf katholischer Seite war man uns auf diesem Gebiete weit voraus. Im Jahre 1903 machte Mumm den ersten Versuch. Noch heute erzählt man, daß dieser erste, in Berlin unter Mumms Führung durchgeführte soziale Ausbildungskursus einen erfolgreichen Verlauf genommen habe. Eine größere AnTeilnehmer sahen wir später berufsamtlich in der christlich=nationalen Gesamtbewegung. Weitere Kurse folgten, bis auch diese Veranstaltungen bodenständig wurden und von 1907 ab alljährlich in Bethel Aufnahme fanden. Wenn wir unter Führung unseres unvergeßlichen Dr. Jaegers die Bibelwoche und die volkswirtschaftlichen Kurse vorbereiteten, dann wußten wir, daß wir einen großen Teil der zu leistenden Arbeit auf die Schultern unseres Freundes Mumm legen durften. Auch später, als im Jahre 1912 unter Emil Hartwigs Leitung die Evangel.=soziale Schule in erweiterker Form die Arbeit fortführte, war Mumm stets führend dabei. sagen, daß von den etwa 500 evangelischen Arbeiter= und Gewerkschaftssekretären die meisten als ler zu betrachten sind. Aber nicht nur Leyrer ist Mumm uns gewesen, sondern auch Freund und Berater. Das ist ja das Große, daß dieser vielbeschäftigte Mann für jeden Zeit sand, der sich hilfesuchend an ihn wandte.— So gehört unser nunmehr verstorbener Freund mit Stöcker, Weber, Franz Behrens u. a. zu den großen Bahnbrechern für die christlich=nationale Arbeiterbewegung im evangelischen Volksteil. Wenn heute die von ihm so stark gesörderte Bewegung einen necht beachtenswerten evangelischen Flügel hat, dann verdanken wir das dem Vorkämpfer Mumm, der, man mag daraus die Sonntag, 11. September 1932 Bracht zur Verwaltungsreform — Berlin, 10. September. Der stellvertretende Reichskommissar für Preußen, Dr. Bracht, sprach im Rundfunk über alle deutschen Sender über die Verwaltungsreform in Preußen. Redner erklärte, die Auflösung von 60 Amtsgerichten und 58 Landkreisen sowie die organisatorische Neuordnung der Verwaltung seien nur ein Teilgebiet der notwendigen Reform an Haupt und Gliedern, die im Reich, in den Ländern und in den Gemeinden durchgeführt werden müsse. Jetzt handele es sich darum, für die Vereinfachung des gesamten Staatswesens den Grund zu legen. Als dringende Aufgabe der Gegenwart bleibe die Reform der Selbstverwaltung in Verbindung mit einer Reform des Finanzausgleichs bestehen. Erst die Auflösung ganzer Behörden schaffen gründliche und bleibende Ersparnisse. Abstriche an Einzelausgaben seien zwecklos. Es sei dafür gesorgt worden, daß die bei den aufgelösten Aemtern frei werdenden Beamten und Angestellten soweit als möglich bei anderen Behörden untergebracht werden. Das sei zu verantworten, betont Dr. Bracht dann weiter, weil eine wesentliche Ersparnis in dem Wegfall der sachlichen Ausgaben liege. Der neue Etat werde bereits ein Bild von den Ersparnissen geben. Das Ziel der Reform sei die Erzielung von Ersparnissen in den Ausgaben und im Zusammenhang damit eine möglichst weitgehende Dekonzentration in den Verwaltungsaufgaben, durch die Einzelfälle ohne grundsätzliche Bedeutung soweit als möglich im örtlich zuständigen Bezirk zu erledigen sind. Das Schwergewicht der allgemeinen Landesverwaltung liege jetzt beim Regierungsprasidenten, während der Oberpräsident der Vertrauensmann der Staatsregierung für die ganze Provinz sei. gescheitert England ist anderer Meinung als Frankreich.— Unzufriedenheit in Paris. — Paris, 10. September. Der französische Ministerpräsident Herriot, der seinen stellvertretenden Kabinettschef Marcel Ray mit dem Entwurf der französischen Antwort auf die deutsche Wehrdenkschrift nach London entsandt hat, hat in London wenig Erfolg gehabt. Obwohl amtliche Mitteilungen noch nicht vorliegen, kann man aus den Aeußerungen der Presse bereits entnehmen, daß England keine Neigung hat, mit Frankreich durch dick und dünn zu gehen. Paris beeilt sich deshalb, zu betonen, die Antwort auf die deutsche Note werde eine rein französische sein und die übrigen Unterzeichner des Versailler Vertrages in keiner Weise verpflichten. Das ist das genaue Gegenteil der bisherigen Pariser Darstellung, nach der Frankreich die deutsche Denkschrift zugleich auch im Namen der übrigen Mächte beantworten wollte! Der Londoner Berichterstatter des„Echo de Paris“ glaubt, daß die Antwort der britischen Regierung auf folvier Anregungen hinauslaufen werde: 1. Deutschland solle grundsätzlich die Gleichberechtigung erhalten. 2. Die deutsche Regierung solle sich aber verpflichten, davon keinen Gebrauch zu machen durch Heraufsetzung ihrer Rüstungen. 3. Ein allgemeines Abkommen über das Sicherheitsproblem solle vereinbart werden. 4. Die ehemaligen Alliierten, in erster Linie Frankreich, sollen sich zu gewissen Abrüstungsmaßnahmen im Sinne des Hooverschen Abrüstungsplanes verpflichten. Die Haltung Italiens Die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung der Prüfstein des Völkerbundes. In einer längeren Meldung des römischen Berichterstatters der konservativen„Morningpost“ heißt es, daß die italienische Politik vor neuen schweren Entscheidungen stehe. die möglicherweise zum Austritt Italiens aus dem Völkerbund führen könnten, obwohl Italien alles tun wolle, um diesen Schritt zu vermeiden. Verbundenheit sehen, von 12 Arbeiter= u. Gewerkschafts. sekretären zur letzten Ruhestätte getragen wurde. Als junger Freund und Schüler Adolf Stöckers war Reinhard Mumm in der christlich=sozialen Bewegung tätig. Auch auf diesem politischen Gebiet soll kein Ueberblick über Mumms gesamtpolitisches Wirken gegeben werden, sondern nur ein Hinweis auf gemeinsam Erlebtes. Es war selbstverständlich, daß Mumm als Stöckers Mitarbeiter insbesondere auch im Siegerlande für die christlich=soziale Sache stritt. Den Siegerländern wohl bekannt, wurde Reinhard Mumm nach Stöckers Tode bei der Ersatzwahl für den Reichstag der christlichsoziale Kandidat. Wir jungen Arbeiter= und Gewerkschaftssekretäre ließen es uns nicht nehmen, in den Wahlversammlungen für seine Wahl zu werben. Seine Hauptgegner waren die Liberalen, die nicht nur mit den häßlichsten Wahllügen den Gegner zu schädigen suchten, sondern durch Anwendung von Drohungen die Arbeiter hinderten, die christlich=sozialen Versammlungen zu besuchen oder für diese Partei den Stimmzettel abzugeben. Ich erinnere mich, daß nach einer solchen Versammlung, spät in der Nacht, auf dem Wege nach Siegen die christlichsozialen Arbeiter durch einen Boten uns sagen ließen, sie hätten nicht kommen dürfen. In einer anderen Versammlung schloß der Vorsitzende mit einem Hoch auf die christlich=soziale Partei die Versammlung. Die zahlreich anwesenden Arbeiter stimmten in dieses Hoch nicht ein, aber die leuchtenden Augen verrieten, daß man im Herzen dabei war. Anders lagen die Dinge im Minden= Ravensbergerland. Eine politische Abhängigkeit der Arbeiter, wie im Siegerland, kannte man hier nicht. Die christlich=soziale Partei fand starken Zulauf. Mumm war uns kein Unbekannter mehr. In mehreren Gewerkschaftsversammlungen hatte er zu den Tabakarbeitern und anderen Berufsangehörigen gesprochen. Auch in den christlich=sozialen Versammlungen, in denen er sich manche Freunde erwarb, war er ein gern gesehener Redner. Als Das störende Element in der europäischen Politik sei die Haltung Frankreichs, das zwar internationale Friedens. pakte unterzeichne, andererseits aber seine Sicherheit durch Beibehaltung seiner militärischen Vorherrschaft schützen wolle und den Völkerbund zu seinen Sonderzwecken ausnütze. Italien betrachte den deutschen Anspruch auf Rüstungsgleichheit als den Prüfstein, es sei der Ansicht, daß eine Ableh. nung dieser Forderung durch Frankreich einen Bruch des Versailler Vertrages bedeute. In einem Leitartikel weist die„Morningpost“ auf die großen Gefahren hin, die sich aus einem italienisch=französischen Gegensatz ergeben würden. Das Blatt hofft, daß es gelingen werde, diese Entwicklung zu vermeiden. Gleichzeitig sagt die„Morningpost“, daß man den deutschen Forderungen Rechnung tragen müsse, fügt aber hinzu, daß man ein etwaiges Einvernehmen zwischen der deutschen Reichswehr und Rußland nicht außer Betracht lassen dürfe". Enteignungen in Spanien Von der Nationalversammlung beschlossen.— Entschädigungen werden nicht gezahlt. — Madrid, 10. September. Die spanische Nationalversammlung nahm ein Ergänzungsgesetz zur Agrarreform an, das von größter Bedeutung ist. Der genaue Text des Gesetzes wird noch festgelegt werden, doch bestimmt es, daß samtliche Landgüter der ehemaligen Granden von Spanien entschädigungslos enteignet werden. Ministerpräsident Azana legte den Standpunkt der Regierung dar und führte aus, daß es sich um eine revolutionare Maßnahme handele, die zum Wohl der Republik nötig sei. Spanien müsse von Grund auf neu aufgebaut werden, und so sei es nicht zu vermeiden, daß soundsoviele darunter leiden müßten. Die Opposition, die schärfsten Protest einlegte, ist zahlenmäßig viel zu schwach, um etwas ausrichten zu können. Mit dem von der Nationalversammlung angenommenen Ergänzungsgesetz hat die spanische Agrarreform, die sich bisher in gemäßigten Grenzen bewegte, urplötzlich einen scharfen revolutionaren Charakter erhalten, um so mehr, als kürzlich erst beschlossen wurde, die Landgüter der Putschteilnehmer entschädigungslos zu enteignen. Jetzt werden auch die Güter solcher Personen vom Staate übernommen, denen keinerlei feindliche Haltung gegen die Republik nachgewiesen zu werden braucht. Man setzt nur voraus, daß sie selbstverständlich feindlich gesinnt seien. Veranlassung zu der neuen Gesetzesbestimmung ist der Putsch des Generals Sanjurjo. England und die französische Note — London, 10. September. Entgegen anderslautenden Darstellungen wird von englischer Seite anknüpfend an einen Besuch des französischen Botschafters de Fleuriau beim britischen Außenminister Sir Simon darauf hingewiesen, daß der Entwurf der franzözösischen Antwort auf die deutsche Wehrdenkschrift in London lediglich zur Information, nicht aber zur Einholung der Meinung der englischen Regierung überreicht worden ist. Schule und — Berlin, 10. September. Das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat in einem besonderen Erlaß an die Provinzialschulkollegien und die Regierungen darauf hingewiesen, daß er seinerzeit vom Kultusminister Boelitz herausgegebene Erlaß vom 18. Dezember 1921 durch die dazwischenliegenden Erlasse nicht aufgehoben ist. Im Sinne dieses Erlasses gibt der mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftrate Staatssekretär Dr. Lammers der Erwartung Ausdruck, daß die Anstaltsleitungen der Schulen sich mit aller Wärme der Bestrebungen der Schulgruppen des Vereins für das Deutschtum im Auslande annehmen werden. deshalb im Jahre 1908 auf Grund eines Wahlkompromisses zwischen den Konservativen und Christlichsozialen die letzteren für die Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus einen Kandidaten zu nominieren hatten, stellten die Minden=Ravensberger Reinhard Mumm auf. In vielen Versammlungen trat Mumm als Redner auf. Seine Gegner versuchten auch hier, sich an ihm zu, reiben. Aber Mumms Schlagfertigkeit und Wissen ließ sie oftmals verstummen. Gewählt wurde Mumm nicht, da die Sozialdemokraten mit ihren Wahlmännerstimmen den Ausschlag zugunsten eines freisinnigen Kapitalisten gaben und diesen dem wirklichen Arbeiterfreund vorzogen. Wie mir später ein sozialdemokratischer Führer in Bielefeld sagte, waren Weltanschauungsfragen für die Sozialdemokraten maßgebend gewesen. Die christlichsozialen Freunde in Minden=Ravensberg hatten allerdings diesen Ausgang der Wahl nicht erwartet, sie hätten zu gern ihren Führer Mumm im Landtag für christlichsoziale Ziele und Aufgaben wirken sehen. Eine Trennung hatte diese Wahlniederlage jedoch nicht zur Folge. Mumm kam nachher ebenso häufig ins Minden=Ravensberger Land und unsere Freunde freuten sich immer, seinen Reden lauschen zu können. In den Hauptvorstandssitzungen, die im Laufe der Jahre häufiger stattfanden, wachte Mumm über die Wahrung der christlich=sozialen Grundsätze, wie sie von Adolf Stöcker aufgestellt waren. Gewiß wollten wir, die wir Jahrzehnte seine Weggenossen waren, selbstverständlich keineswegs an diesen Grundsätzen rütteln. Aber es gab Fragen, die wir unter Beurteilung der jeweiligen Zeitverhältnisse, auch vielleicht aus praktischer Erfahrung heraus anders sahen als unser Freund Mumm. Dann pflegte er wohl zu sagen: Adolf Stöcker würde, wenn er noch unter uns wäre. so und so entscheiden, wie überhaupt Reinhard Mumm, wie Pastor D. Philipps ihm am Sarge nachrief, das Erbe Adolf Stöckers treu verwaltet hat. Ja, an der christlich=nationalen Arbeiterbewegung und an der christlich=sozialen Partei hing unser verstorbener Freund. Wie schwer es ihm wurde, rein formell Nr. 214— Seite 3 in Grundsätzliche Einigung mit Rom bereits erzielt.— Verhandlungen auch mit der evangetischen Kirche. e— Karlsruhe, 10. September. Der Aosalug eines Konkordats in Baden steht unmittelbar bevor. Kultusminister Dr. Baumgartner hatte sich mit einem hohen Vertreter der Freiburger Kirchenbehörden Anfang August nach Rom begeben. Dieser Reise hatte sich auch der Führer der badischen Zentrumspartei angeschlossen. Die Verhandlungen zwischen dem Kardinalstaatssekretär Pacelli einerseits und den badischen Regierungs=, Kirchen= und Parteivertretern andererseits haben nun zu einer grundsätzlichen Einigung geführt, der das badische Staatsministerium bereits im wesentlichen beigetreten ist. Der in Kürze zusammentretende Badische Landtag wird sich also bereits mit der Konkordatfrage zu befassen haben. Auch mit der evangelischen Kirche sind Verhandlungen aufgenommen worden mit dem Ziel, auch mit ihr zu einem entsprechenden Vertragsabschluß zu kommen. Wieder billigeres Fleisch für Erwerbslose — Berlin, 10. September. verlautet, soll ab 1. Oktober die Frischfleischverbilligungsaktion für Erwerbslose wieder in Gang gesetzt werden. Vorgesehen ist, daß das Fleisch für Erwerbslose um 20 Pfennig je Pfund verbilligt wird. Die Frischfleischverbilligung, die nur in den Sommermonaten ausgesetzt war, hat sich gut bewährt und sich besonders als eine wirksame Hilfe für die Erwerbslosen erwiesen. Außerdem stellte sie eine wesentliche Entlastung der Schlachtviehmärkte dar. in Amerika Bereits 37 Tote geborgen. — Neuyork, 10. September. Zwischen East River und Rikers Island explodierte die private Dampffähre„Observation", die 150 Arbeiter an Bord hatte. Die Explosion erfolgte gerade, als sich die Fähre in der Mitte des Flusses befand. Die Gewalt der Explosion war so stark, daß viele Passagiere direkt zerrissen wurden. Die Fähre sank innerhalb von drei Sekunden. Von den Unglücklichen, die im Wasser nach Rettung schrieen, wurden zahlreiche durch das kochendheiße Wasser des Kessels verbrüht. Bisher wurden 37 Leichen geborgen. 75 Personen sind in die Krankenhäuser eingeliefert worden, davon 20 mit schwerer: Verletzungen. Der Kapitän befindet sich unter den Toten. Die„Observation war früher eine Privatjacht, die 1939 zu einer Fähre umgebaut worden ist. * Auf Antrag der polnischen Regierung sind vom Haager Gerichtshof neue Termine für die Behandlung der Klage des Fürsten Pleß festgesetzt worden. Das mündliche Verjahren dürfte nunmehr kaum noch in diesem Jahre zum Abschluß kommen. Den Kalenner makei de Luüie, dat Wiär maket de Herrsoft. Son lück biäden kann man owwer doch vörut wiäten, wat wie fö Wiär kriegt. Dao hät man son Ding fö, dat hält Wiärglaß oder os däl Lude inne Stadt sägget„Barometer“. Son Wiärwicker wieset Di jümmer, wat fö Wiär et gifft. Briucks Diu nich auk son Ding? Ick häwwe ne Masse billige owwer doch guote von düsse Dinger. Brillen-Bruning, ick waune Bahnhoffstraote 12, wenne vonne Bahn kümms, uppe linke Siäden. gesehen, das aufzugeben, was er über zwei Jahrzehnte vertreten hatte, mögen die Freunde aus folgendem ersehen: Als nach dem Zusammenbruch November 1918 die politisch rechts gerichteten Kreise unter dem Eindruck standen, der das Land überflutenden sozialdemokratischen Welle gegenüber sei ein Zusammenschluß der Rechtsparteien notwendig, haben auch die Vertreter der christlich=sozialen Partei an der Schaffung einer großen, auf christlich=sozialem und nationalem Boden stehenden Rechtspartei mitgearbeitet. Meine Aufgabe war es, auf schriftlichem Wege die Zustimmung unseres Hauptvorstandes einzuholen. D. Mumm antwortete nicht. Auf meine spätere Frage nach seiner Auffassung antwortete „Ich kann das Erbe Stöckers durch meine Abstimmung nicht preisgeben. Man merkte es Mumm an, wir schwer es ihm wurde, wenn auch nur formell, die christlich=soziale Partei aufzugeben. Und wenn man heute in dem Wandel der Zeiten an diesen Entschluß zurückdenkt, darf man sich eingestehen, daß die damalige Aufgabe der christ. lich=sozialen Partei zwar unter den obwaltenden Verhältnissen verständlich, politisch gesehen aber ein Fehler war. Nun ist Reinhard Mumm heimgegangen. Am 60. Geburtstag von Franz Behrends deutete er mir an, daß er seines leidenden Zustandes wegen sich bald aus der öffentlichen Arbeit zurückziehen müsse. Schneller als wir dachten, kam sein Abschied von uns allen. Wilhelm Wallbaum. Hinweis. Die Haushaltungsschule im Marthahaus des Diakonissenhauses„Elisabethenstift" in Darmstadt. Stiftsstraße 14, beginnt laut heutiger Anzeige zum 1. Oktober 1932 wieder mit neuen Lehrgängen, auf die wir besonders hinweisen. Die Schule will cvangelischen Mädchen Gelegenheit geben, sich in allen Zweigen eines einfachen bürgerlichen Haushaltes auszubilden. Sie sieht es als ihre Hauptaufgabe an, ihre Schülerinnen an Ordnung, Einfachheit und Sparsamkeit, an Reinlichkeit, Pünktlichkeit und Fleiß zu gewöhnen, zur Erfüllung der Pflichten einer Hausfrau geschickt zu machen und zu christlichen Charakteren zu fördern und zu festigen. Nr. 214— Seite 4 AAustenkate“ der Inandschurei, General Honso, isr lupanischen Trupben in sten Kriegsrats ernannt worden. dun Mitglied des oberKirchennachrichten für Zion. Der Nazareth=Wochenschluß findet nicht um 20½ Uhr sondern pünktlich um 20 Uhr statt. Kirchennachrichten für Schildesche. Sonntag, den 11. September 1932. 8 Uhr vorm. Frühgottesdienst, Pastor Dahlmann; 9 Uhr vorm. Kinderlehre für die Lonfirmierten von Herrn Pastor Dahlmann; 9 Uhr vorm. KinVerkehre für die Konfirmierten von Herrn Pastor Neuhaus; stunde im Hellingskamg.... Uhr abends Bibelstunde im Gemeindehauser 1992 8½8 Uhr Bethel. Predigttexte. Am 16. Sonntag nach Trinitatis wird in den drei Gottesdiensten über Jak. 4, 4b—10 gepredigt werden. Sonntag, 11. September 1932 — Christlicher Verein junger Mädchen. Sonntag nachmittag: Treffen am Betheler Senneheim. Montag abend 8 Uhr: Turnen und Gymnastik. — Christlicher Verein junger Männer. mesoiat... 9½ Uhr die Heidefahrer am Feuer. Montag 8¼ Uhr in„Ephrata“ wieder Männerchor. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. unmöglich! Erinnerungen und Erfahrungen von Schwester Eva von Tiele=Winckler. In Leinwand geb. RM6.—. Zu beziehen durch die Buchhandlg. W. Gauer, Wiedenesi=Rheinland Postscheckkonto Köln 40411 G. Steinmann Orgel-.Harmoniumbau Vlotho-Wehrendorf Harmoniums in allen Größen und Preislagen nach den Grundsätzen der neuzeitigen Orgelreform von 150.— RM an. Reparaturen sowie Stimmen gebrauchter Instrumente. Katalog kostenlos. Gebrauchte Harmoniums sowie Klaviere stets am Lager. 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