Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sochsmal.— Preis monatlich.25 und Aims tgnts te#####et eigenen Postamt boßtallt.— Nürs Einzeinummer 1s Bio. ud.95(inkl. Postgas). Prets# Postscheckkonto Dounsser GI6T7. der mit den Bellagen„Für Herz und Haus“, „Rudenonde! vnh Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfenntg, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter W g je tausend 15 Mi. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittggo 3 Uhr. Postscheckkouto Haunover GUT. 1 Nr. 286. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Dienstag, den 8. Dezember 1931. 13, Jahrgang. Ein großer Teil unserer Fehler kommt daher, daß wir uns nicht genug in der Gegenwart Gottes halten. Franz von Sales. IIMM MMM RMMMMMMNE MN MMNM MMMMMMMMNMNMINMNGINREEMI Gestehungskostenkrise! Es ist die Tragik der Regierung Brüning, daß sie trotz aller energischen Bemühungen sich immer wieder vor neue unerwartete Schwierigkeiten gestellt sieht. Auch als Gegner muß man es dem Reichskanzler Brüning bestätigen, daß er wie kein anderer Reichskanzler der deutschen Republik Tatkraft und Energie gezeigt hat. Aber gerade diesem Mann mußte der äußere Erfolg versagt bleiben und ausgerechnet unter seiner Leitung geht es in die bitterste Notzeit hinein. Kaum ist der Finanzkrise notdürftig Einhalt getan und schon entstehen aus der Goldwährungskrise neue und schwere Aufgaben. Die deutsche Exportwirtschaft ist in der derzeitigen Krise das Rückgrat unserer Volkswirtschaft. An dem Produktionsrückgang ist gegenüber dem Höchststand des Jahres 1929 der Binnenmarkt mit 33½ Proz. beteiligt, während der Exportmarkt mit—2 Proz. beteiligt ist. Von einer Schrumpfung des Exportmarktes konnte bisher kaum die Rede sein. Natürlich muß man zum Vergleich die Mengen heranziehen und nicht die Werte, da das Preisniveau in der Zwischenzeit erheblich herabgesunken ist. Die Entwertung der Valuten von rund 25 Staaten wird aber üble Rückwirkungen auf unsere Exportwirtschaft zeitigen. Hat einmal die Exportwirtschaft manchen bösen Währungsverlust einzustecken, so erfordert zum andern die Marktlage in jenen 25 Staaten eine Senkung der deutschen Warenpreise, wenn diese Märkte der deutschen Wirtschaft nicht ganz verloren gehen sollen. Noch sind die Exportziffern der Monate September und Oktober für Deutschland sehr günstig gewesen. Wir dürfen aber nicht übersehen, daß dieses günstige Ergebnis nur dadurch zustande gekommen ist, daß die deutschen Lieferanten schleunigst alle die vor dem Währungszerfall hereingenommenen Aufträge zur Erledigung bringen. Man befürchtet, daß die Entwertung sich fortsetzen könne und will sich möglichst vor dem dadurch entstehenden weiteren Verlust schützen. Die Ankündigung der bevorstehenden Einführung der Schutzzölle in England hat viele englische Importeure veranlaßt, sich mit deutschen Waren reichlich einzudecken. Von Solingen wird berichtet, daß in den Tagen vor der Einführung der neuen Zölle sogar Flugzeuge zum Transport hochwertiger Stahlwaren in Anspruch genommen wurden. Diese Momente können uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir mit der unbedingten wesentlichen Einschrumpfung des Exportmarktes zu rechnen haben. Von vielen Firmen wird berichtet, daß sie seit der Abkehr Englands vom Goldstandard kaum noch neue Aufträge aus den von der Goldwährungskrise betroffenen Ländern hereinnehmen konnten und so wird um die Jahreswende die Schrumpfung des Exportmarktes fühlbar in Erscheinung treten, da bis dorthin die alten Lieferungsverpflichtungen abgewickelt sind. Die Regierung Brüning hat die Gefahr, die unserer Exportwirtschaft aus dieser Entwicklung droht, wohl erkannt und dieser Erkenntnis ist die Einberufung des Wirtschaftsbeirats zu verdanken. Die Aufgabe dieses Wirtschaftsbeirats war, über die Senkung der Gestehungskosten zu beraten und Richtlinien über die zu treffenden Maßnahmen aufzustellen. Die wichtigste Aufgabe war aber die Vermittlung eines gütlichen Ausgleichs zwischen den Interessen der Arbeitnehmer und denen der Arbeitgeber. Es war vor allem den Vertretern der Arbeitnehmer nahezubringen die Einsicht, daß Lohnsenkungen eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit sind. Die eine Aufgabe hat der Wirtschaftsbeirat wenigstens insofern erfüllt, als er seine Arbeit mit der Festlegung von Leitsätzen abschließen konnte. Diese Leitsätze selbst haben manche Enttäuschung gebracht, da in ihnen nichts enthalten war, was nicht schon von den Volkswirtschaftlern bereits gefordert wäre. Es hat deshalb keinen Zweck, sich mit diesen Leitsätzen zu befassen, da die Reichsregierung nicht daran denkt, sich den Inhalt der Leitsätze unbesehen zu eigen zu machen. Ist also diese eine Aufgabe recht dürftig gelöst, so ist die zweite Aufgabe ungelöst geblieben. Das bedeutet nicht, daß die Beziehungen zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern sich verschärft hätten. Angesichts der wachsenden Zollmauern und der sich fortpflanzenden Pfundkrise sieht die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer ein, daß an durchgreifenden Lohnsenkungen nicht vorbeizukommen ist. Anderseits betonen die Arbeitgeber, daß mit Lohnsenkungen allein nichts erreicht wird, wenn nicht die anderen Kalkulationsfaktoren eine wesentliche Umgestaltung erfahren. Hier berühren sich die Interessen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber. Die Arbeitnehmer fordern eine allgemeine Preisherabsetzung zur Verbilligung der Lebenshaltung, und die Arbeitgeber die Verminderung aller Gestehungskosten, um die geforderte Preisherabsetzung vornehmen zu können. Unter den anderen Gestehungskosten versteht der Arbeitgeber: Steuern, soziale Lasten, Tarife der Eisenbahn, der Wasser= und Elektrizitätswerke und der Post. Hiermit sind die Ursachen der Gestehungskostenkrise gekennzeichnet. Wenn die Regierung den Sozialdemokraten und den Gewerkschaften zu verstehen gibt, daß eine Erhöhung der Umsatzsteuer auf 2 Proz. und eine neue Gehaltskürzung von 10—12 Proz. gerade ausreichen würde, um das neue Loch in dem so oft sanierten Staatssäckel zu stopfen, so sieht man schon, daß Steuersenkungen nicht in Betracht kommen. Im Gegenteil wird die erhöhte Umsatzsteuer den Vorteil der Lohnsenkung zu einem guten Teil im ungünstigen Sinne ausgleichen. Reichsbahn und Post haben unter der schlechten Wirtschaftslage so zu leiden, daß an Tarissenkungen nicht gedacht werden kann. Die Regierung steckt in einer verzwickten Lage und mit Recht fürchten die Arbeitnehmer, daß die Regierung als durchgreifendste Maßnahme eine Lockerung des Tarifwesens beschließen wird. Die Arbeitgeber werden in ihrer Not nach jedem Strohhalm greifen, der sich ihnen bietet. Sagte doch in diesen Tagen Herr Krupp von BohlenHalbach, daß es bei vielen Unternehmungen nur noch um Monate und Wochen geht und der Zusammenbruch ist da. Man wird den Eindruck nicht los, daß es schon zu spät ist, um das Unheil abzuwenden. Die Exportwirtschaft wird nicht mehr in der alten Weise in Gang kommen. Sie würde auch nicht mehr in Gang kommen, wenn man die Gestehungskosten gleichmäßiger senken würde, denn niemals wird man eine solche krasse Senkung bei gleichzeitiger Beibehaltung des Goldstandards erreichen wie notwendig wäre. Die Zollpolitik Englands und anderer Länder wird unter allen Umständen hemmend wirken. Die neuen Notverordnungen müßten erkennen lassen, daß man in Rechnung gestellt hat, daß die Schrumpfung des Exportmarktes zum Teil überhaupt nicht aufzuhalten ist und zum anderen Teil nicht aufgehalten werden kann, weil die derzeitige Wirtschafts= und Finanzpolitik zu sehr auf kurze Sicht eingestellt ist. Es müßten sich Merkmale dafür finden, daß man verstärkte Aufmerksamkeit dem Inlandsmarkt zuwendet und schärfste Beschränkungen jeder unerwünschten Einfuhr vorsieht. Wer wagt aber zu hoffen, daß die neuen Notverordnungen diesen angeführten Umständen hinreichend Rechnung tragen? Trotz der Notverordnungen wird die Gestehungskostenkrise fortbestehen und sehr leicht könnte diese Gestehungskostenkrise sich zu einer Regierungskrise ausweiten. Hat die Regierung den Mut, sich den gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Einflüssen zu widersetzen, so wird sie schneller stolpern als wenn sie die wirtschaftlichen Notwendigkeiten um dieser Einflüsse willen übersieht. Im letzteren Falle aber wird der wirtschaftliche Zusammenbruch desto gründlicher sein. Th. Grabe der Erfüllungspolitik? Brünings Politik scheint Schiffbruch zu leiden. Der deutsche Reichskanzler wollte durch Einsparungen und Opfer den Reichshaushalt ausgleichen und Frankreich davon überzeugen, daß wir auf die Dauer keine so hohen Tribute bezahlen können. Beide Ziele hat er nicht erreicht. Der Haushalt weist noch immer trotz der wiederholten gegenteiligen Ankündigungen ein erkleckliches Defizit, über dessen Höhe man sich streitet, auf. Eine wesentliche Herabsetzung der Reparationslasten ist in absehbarer Zeit nicht zu erhoffen. Es wäre aber falsch, Brüning allein für die Erfolglosigkeit der Revisionsbemühungen verantwortlich machen zu wollen. Laval, der bedächtige und vorsichtige französische Ministerpräsident, hat ein gerüttelt Maß Schuld. Er hat die geschichtliche Stunde für die französisch=deutschen Beziehungen nicht verstehen wollen oder können. Wie Shylock hat er auf seinen Forderungen bestanden. Mit seiner letzten Kammerrede, die in der ganzen Welt Beachtung gefunden und den Geist, den das französische Volk beseelt, offenbart hat, hat er die Tür für eine Revision des Young=Planes zugeschlagen. Was er dem deutschen Volk an Erleichterungen in Aussicht stellt, ist zuviel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Dennoch stimmen ihm die französischen Zeitungen fast ausnahmslos zu. „Le Temps“ schreibt als Kommentar zu der Rede u. a. Dinge, die an Selbstberäucherung oder Pharisäertum grenzen, „Die Rede, die der Ministerpräsident Laval in der Kammer gehalten hat“, führt dieses Blatt aus,„hat klar und eindeutig die Situation Frankreichs dargelegt. Die offenen Worte waren nötig, weil in der internationalen Presse nach Rückkehr des Herrn Laval Behauptungen aufgestellt worden sind, die dazu angetan waren, Verwirrungen über die wahren Ziele der französischen Politik zu stiften. Wenn man auch die Angriffe der sozialistischen und kommunistischen Blätter vernachlässigen kann, die Frankreich als imperialistisch und militaristisch hinstellen,— im übrigen eine gehässige Lüge, die die deutsche Propaganda unaufhörlich wiederholt und für ihre Zwecke ausbeutet— so kann man doch nicht perfide Behauptungen, die im Schein der Großmut gemacht werden, außer acht lassen. Wenn Frankreich sein gutes Recht fordert, werden seine Absichten verdächtigt. Man behauptet, daß es die politische, militärische und wirtschaftliche Hegemonie herbeiführen wolle. Jedenfalls hat man oft den Eindruck, daß andere Nationen— darunter auch solche, die an unserer Seite im Weltkrieg gekämpft haben — Frankreich seinen Sieg, seine wirtschaftliche Lage nicht gönnen. Wenn von Hilfe und Mitarbeit gesprochen wird, wird dieses mit dem Hintergedanken getan, Frankreich der Reichtümer zu entblößen, die es dank seines Fleißes ersparen konnte: wenn von Abrüstung die Rede ist, will man damit die Entwaffnung Frankreichs erringen. Alle Regierungen, die seit 10 Jahren die auswärtige Politik Frankreichs führen, sind auf diese Gedankengänge gestoßen. Sie haben feststellen müssen, daß alle Initiativen, die von Frankreich ausgegangen sind, als Bemühungen gedeutet worden sind, die französische Hegemonie herzustellen. Anstatt die französischen Initiativen zu unterstützen, zum Wohle aller Völker, hat man deren Verwirklichung zu vereiteln versucht. Das ist der wahre Grund, weshalb das Werk des Friedens nur mühevolle Fortschritte macht. Nicht bei uns, sondern bei den anderen ist die Schuld für den gegenwärtigen Zustand zu suchen(!). Man wird verstehen können, daß wir in dem Augenblick, in dem wir dazu gebeten werden, Opfer zugunsten Deutschlands zu bringen, um unsere Interessen besorgt sind und unsere Rechte wahrnehmen wollen. Herr Laval hat in der Kammer mit Recht erklärt, daß Frankreich keine Völker zu beherrschen suche, und daß kein Mensch daran denke, die nationalen Quellen in den Dienst eines Angriffs zu stellen. Kann nun Deutschland— zum letztenmal— gerettet werden? Als die tiefste Ursache der gegenwärtigen deutschen Krise hat der Ministerpräsident die Art und Weise bezeichnet, wie die Reichsfinanzen geführt worden sind. Wenn die Welt daran interessiert ist, daß Deutschland seine Zahlungsfähigkeit wieder erlangt, dann kann nicht ernstlich verlangt werden, daß dieses auf Kosten seiner Gläubiger erreicht wird. Außerdem kann sich Frankreich nur für die Gewährung einer Schonzeit einverstanden erklären. Eine Revision kommt aber nicht in Frage. Eine Ermäßigung der Zahlungen kann nur in dem Maße in Betracht gezogen werden, wie die Alliierten unsere Kriegsschulden ermäßigen. Die ungeschützten Zahlungen müssen auf alle Fälle geleistet werden. Auch wird Frankreich nicht zugeben, daß die Privatschulden den Vorzug vor den Reparationszahlungen erhalten. Wir sind bereit, Deutschland zu retten, venn unsere Rechte unangetastet bleiben.“ Und so tritt die bange Frage an uns heran: Wie wird das deutsche Volk die kommenden Monate, die vielleicht schwerer sind als die Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege, überstehen? E. F. K. Vertrauen als Voraussetzung der Wirtschaftsbelebung. Von Wilhelm Kalkkuhl, Leiter der Abteilung für Angestellte des Arbeitsamtes Hagen. Es wäre zwar vermessen, zu leugnen, daß es in vielen Fabriken und Kontoren, Werkstätten und Kaufläden, kurz, an mancher Stätte der Arbeit öde und still geworden, und doch ist bei objektivem Studium der Sachlage erkennbar, daß es im tiefsten Grunde der wie ein verzehrendes Feuer um sich fressende Fatalismus und die Schwarzseherei sind, die die Lebensenergien der Wirtschaft und des Volkskörpers weiter zersetzen und auflösen. Gleichviel, ob der Arbeitsplatz, Beschäftigung und Verdienst verloren ist, oder ob man ihn noch besitzt, ob die Existenz des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers noch gewährleistet erscheint oder nicht, in den Fabriken, in den Werkstätten, in den Läden und Kontoren, in den Direktionen, Verbänden arbeitnehmerlicher und arbeitgeberlicher Art, am Stammtisch und auf der Eisenbahn, überall ist man sich einig darin, daß die Verhältnisse äußerst 669 9 M schlecht und unerträglich sind, und daß, wenn die Entwicklung so weitertreibe, die Katastrophe unausbleiblich sei. Mit diesem Miesmachertum hat unser Volk sich in eine Not= und Angstpsychose übelster Art hineinmanöveriert, in eine Psychose, die jeden Willen zur Behauptung der Existenz gelähmt und jeden Glauben an eine wirtschaftliche Gesundung ertötet hat. Soll in Industrie, Handel und Gewerbe neues Leben erstehen, dann ist notwendig, daß zunächst der verzweifelten Haltung unseres Volkes Einhalt geboten wird. Anstelle der üblen Schwarzmalerei muß wieder die gesunde, lebensbejahende Hoffnung treten. Nur eine auf Vertrauen eingestellte Haltung kann Ansätze zu einer neuen wirtschaftlichen Entwicklung zeitigen. Hoffnung und Glaube an die wirtschaftliche Wiedergesundung sind zunächst die Faktoren, die Bewegung im Handel und damit auch Beschäftigung im heimischen Gewerbe und in der Industrie schaffen können. In dieser Erkenntnis fördert auch die öffentliche Angestelltenvermittlung unter den stellungslosen Angestellten mit allen Mitteln die Erhaltung des Arbeitswillens und die Hoffnung auf den wirtschaftlichen Wiederaufstieg. Jede wirtschaftliche Belebung setzt die Stärkung und Erweiterung der konsumierenden Schicht voraus und deshalb ist es auch angesichts des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts geboten, soweit es im Rahmen des Möglichen liegt, Stellenlose als Aushilfskräfte zu beschäftigen. Und nicht nur das. Bei Prüfung der Möglichkeiten und des Nutzeffektes der Winterhilfe, die bisher ohne Zweifel Anerkennenswertes geleistet hat, tritt die Frage in den Kreis der Betrachtung, ob nicht die wirksamste und billigste Winterhilfe die Beschäftigung eines arbeitslosen Menschen ist, eines Menschen, der infolge längerer Ausschaltung aus Arbeit und Verdienst das stärkste Bedürfnis nach den Artikeln des täglichen Bedarfs hat und der demnach für die Kaufkraftvermehrung und die Konsumsteigerung ernsthafte Bedeutung hat. Arbeitbereitstellung ist sicherlich die fruchtbarste Winterhilfe. Jedes in bezug hierauf gebrachte Opfer wiegt volkswirtschaftlich gesehen, den Wert der Winterhilfe aller Art auf. Bei den Arbeitsämtern suchen männliche und weibliche Angestellte in erheblicher Anzahl durch deren Fachstellenvermittlungen Beschäftigung. Es handelt sich überwiegend um kaufmännisches Verkaufs= und Büropersonal. Wenn die öffentlichen Mittel entlastet und eine Neubelebung der Kaufkraft erreicht werden soll, müssen die notwendigen Kräfte nur dem Bestande der Unterstützung beziehenden Stellenbewerber entnommen werden. In Erwägung aller wirtschaftlichen und sozialen Belange muß auch Stellung genommen werden zum Doppelverdienst. Soll die Arbeit nach volkswirtschaftlichen, sozialen Gesichtspunkten verteilt werden, und soll es zu einer Belebung der Kauskraft kommen, dann müßten Arbeitgeber und Arbeitnehmer ganz anders als bisher darauf halten, daß die Doppelverdiener den wirtschaftlich Schwächeren Platz machen. Im Durchschnitt gesehen, ist bei den arbeitslosen Angestellten ein starker Wille zur Selbsthilfe feststellbar. Dieser Kraft droht jedoch die Gefahr des Versagens, wenn von Arbeitgeberseite dem arbeitslosen Angestellten bezüglich seiner Tüchtigkeit und charakterlichen Eigenschaften mit Mißtrauen begegnet wird. Verdient das neuerdings von dem Industrieführer Geheimrat Duisberg ausgesprochene Wort„Vertrauen ist Voraussetzung der Wirtschaftsbelebung“ Glauben, dann kann und darf diese Adrienne. Von Wilhelm Schaper. Die Batterie war im Süden der Woèvre=Ebene in Stellung. Am Rande eines wundervollen Waldes, der damals noch undurchdringlich war. Es war ein verhältnismäßig ruhiger Frontabschnitt. Nur hin und wieder Störungsfeuer. Sonst nichts. Meine Kameraden, die schon länger dort waren, hatten den Wunsch, in dieser „Sommerfrische“ das Ende des Krieges zu erleben. Sie hatten die Schrecken des Kampfes an anderen Frontabschnitten reichlich zu spüren bekommen. Ich war erst einige Wochen bei der Batterie. Täglich mußte ich Befehle von dem Regimentsstab holen, der in dem Landstädtchen Th. lag. Das war gerade kein kriegerischer Dienst. Doch mußte ich dabei ein Dorf durchreiten, das öfter unter dem Feuer der französischen Artillerie lag. Deshalb war ein Heldenkeller gebaut, in den alles flüchtete, sobald das Schießen einsetzte. Sämtliche Einwohner waren auf der heimatlichen Scholle geblieben. Obwohl der Granatensegen bisher nur Kirche und Pfarrhaus, die allein auf einer Anhöhe standen, vollkommen zerstört hatte, fühlte sich niemand in seiner Klause sicher. Da nun aber bisher nur in den Abendstunden die Granaten angeheult kamen, ging das Dorfleben am Tage seinen gewohnten Gang. Die Kinder, es waren nur wenige, spielten munter auf der Dorfstraße. Wenn ich auf meinem hochbeinigen Oldenburger dahergeritten kam, begleiteten mich immer einige Buben und Mädchen. Mittlerweile hatte sich sogar eine Freungschaft angebahnt. Besonders die kleine Adrienne fiel mir auf; ein hlondhaariges, dunkeläugiges Kind, das wohl 7 Jahre alt sein mochte; sauber und bescheiden, wie es sonst nicht die Art der kleinen Franzosen war. Einmal überraschte ich die Kinder bei einem entzüchenden Singspiel. Adrienne mußte mir die Weise vorsingen. Ich erinnere mich leider nur noch der Schlußreinte: Saint Joseph passa par Ia. I'a dit, que faites-iu là? je suis à faire un petit feu, Pour chauffer les pieds de Dien. (Sankt Joseph ging vorbei. Er fragte mich:„Was machst du da?“ sich zur Pflicbt, für den„Aufwärts" zu werben? Parole sich nicht nur auf die Kunden beschränken, sie muß auch für die Arbeitskraft bezw. für die arbeitslosen Angestellten Gültigkeit haben. Obgleich die Vermittlungstätigkeit der Abteilungen für Angestellte sich relativ im Rahmen der Ergebnisse besserer Konjunktur gehalten hat, so würde doch trotz der schwieriger gewordenen Wirtschaftslage die Entlastung des Arbeitsmarktes für Angestellte fühlbarer werden, wenn die nach unparteiischen, wirtschaftlichen und beruflichen Gesichtspunkten arbeitende öffentliche Fachstellenvermittlung in Fällen vorkommender Vakanz noch in stärkerem Maße benutzt würde, als das bisher geschehen ist. Wenn Zeit Geld ist, und die Rationalisierung in Zeiten verminderten Ertrages und notwendiger schärfster Kalkulation ihre Berechtigung haben sollen, dann ist auch in Fällen des Personalbedarfs die Benutzung der öffentlichen Fachstellenvermittlung, die für den Auftraggeber jede unnütze Zeit und Kraftaufwendung ausschließt, ihrer Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit wegen geboten. Schließlich ist die öffentliche Angestelltenvermittlung, wirtschaftlich und kulturpolitisch gesehen, ein Instrument des arbeitsmarktlichen Ausgleichs, der Intensivierung der Wirtschaft und Ethisierung des Berufslebens. Als Glied der Sozialpolitik verfolgt sie die Stärkung der Volkskraft und Förderung des Arbeitswillens. Wie es das Ziel der Unfall= und Krankenversicherung ist, Unfälle und Krankheit zu verhüten, so erstrebt die öffentliche Arbeitswirtschaft durch Hinwendung zu dem breiten Ursachengebiet planvoll die Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Hieran durch Stärkung des Vertrauens, Bereitstellung von Arbeitsmöglichkeiten und Benutzung der öffentlichen Angestelltenvermittlung mitzuwirken, ist für Industrie, Handel und Gewerbe eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit. einmal: Zum„Fall Dehn“ In der Zuschrift von Pastor Klingenberg=Müritz„Zum Fall Dehn“ in Nr. 271 des„Aufwärts“ ist bedauerlicherweise, sicherlich aus Unkenntnis der Tatsachen, eine so unrichtige Darstellung der Berufung von Pfarrer D. Dehn gegeben worden, daß sie dringend einer Berichtigung bedarf. Es sollen kurz die einzelnen Punkte, auf die es hier ankommt, herausgestellt werden. 1. Bei der Berufung nach Heidelberg war Pfarrer D. Dehn Kandidat der Fakultät. Nachdem die Fakultät auf den Druck der nationalsozialistischen Studenten hin ihn nachträglich für Heidelberg für ungeeignet erklärt hatte, sagte Dehn seinerseits in Heidelberg ab. Bekannt ist, daß sich Professor Martin Dibelius=Heidelberg in einem Sondergutachten nachdrücklichst für Dehn und gegen das Vorgehen der Fakultät geäußert hat. Außerdem haben 27 ordentliche Professoren aller Fakultäten nach Prüfung des Materials sich gegen den Rückzugsbeschluß der Fakultät erklärt. 2. In Halle waren vom Kultusminister entgegen den Wünschen der Fakultät zwei ausgesprochene religiöse Sozialisten für den Lehrstuhl der Praktischen Theologie vorgeschlagen worden. Da die Fakultät diese beiden KanIch bin dabei, ein Feuer zu machen, Um Gott die Füße zu wärmen.) Dieses wundersame Lied der Kleinen begleitete mich. Und in der Nacht darauf, wie ich im Graben Fernsprecherdienst hatte, klang mir noch immer die sinnige Weise in den Ohren. Etwa 14 Tage später, am 1. Adventssonntag, trug mich mein Schwarzer wieder durch das schöne Land. Die Abendsonne hatte die Berge in Rot und Gold getaucht. Und es lag ein Sonntagsfrieden über der Weite, der alles vergessen ließ. Die Gedanken wanderten in die Heimat. Dort wurden jetzt gewiß am Adventshranz die Kerzen angezündet. Und Frau und Kinder dabei die alten, trauten Weisen singend. Die Sehnsucht bekam Flügel. Die Gedanken kamen und gingen. Die bangen Sorgen! Jedoch fiegt schließlich die Erkenntnis: auf Advent folgt immer Weihnacht! Allmählich hatten sich düstere Nebelschleier herabgesenkt, die das herbstliche Land in schwermütigen Ernst tauchten. Bald hatte ich das Dorf N. erreicht. Meine kleinen Freunde und Freundinnen tummelten sich auf der Dorfstraße. Ich ritt— wie immer— in weiser Vorsicht dicht an der Häuserreihe entlang, die nach der Front zu lag. Da —— der bekannte Abschuß der Batterie! Blitzschnell war ich aus dem Sattel, mich in einen Torbogen drückend, das treue Pferd zu mir her zerrend. Aber die Kinderschar! Dieser war das Geheul wohlbekannt. Mit dem Schrei: „Voilà, les canons des Prussiens!“(sie wußten es nicht anders) hasteten sie dem Heldenkeller zu. Adrienne hatte die Gefahr nicht so schnell erkannt. Sie war die letzte. Da— mein Herz schien stillzustehn. Ein entsetzlicher Knall. Dreck und Splitter wirbelten auf. Eine undurchdringliche Wolke von Staub und Dampf. Als sich diese etwas gelichtet hatte, ließ mich ein Bild des Grauens erschauern.——— Adrienne lag im Staube der Straße, die kleinen Hände hilfesuchend ausgestreckt. Pferd und alles vergessend stürzte ich zu dem Kind. Wie ich es aufhob, öffneten sich noch einmal die wundervollen Augen. Ein Blick traf mich, den ich nie vergessen werde. Dann ging die kleine Seele hinüber in die Ewigkeit. Auf dem kleinen blassen Gesicht lag der Ausdruck des Friedens. Nichts Verzerrtes. Nur Hohes, Heiliges. didaten ablehnte, schlug der Minister als Vermittlungsvorschlag Pfarrer D. Dehn vor, der ja seit Jahren keine Beziehungen zur sozialdemokratischen Partei mehr hat und sich auch theologisch von der Gedankenwelt des religiösen Sozialismus weit entfernt hat. Die Fakultät in Halle hat sich von Anfang an, obwohl Dehn nicht der Kandidat der Fakultät war, mit dieser Lösung einverstanden erklärt und ist bis heute im Gegensatz zur Heidelberger Fakultät bei ihrer ersten Stellungnahme geblieben. Sie hat in den Kämpfen der Studentenschaft gegen Dehn ihn als Fakultätsmitglied in Schutz genommen, so daß ein Anlaß zum Rücktritt hier nicht vorlag. Von einer „unlauteren Weise“, auf die Dehn in seine Professur gekommen sei, kann hier wirklich nicht die Rede sein. Es ist das Recht des Kultusministers, seinerseits Berufungen vorzunehmen, und es ist von diesem Recht auch früher nicht selten Gebrauch gemacht worden. Der Sinn dieses Rechtes ist der, daß durch ein Eingreifen des Ministers gelegentlich in einer Fakultät bisher nicht vertretene Richtungen zur Geltung gebracht werden können. Es ist nicht richtig, daß der derzeitige Kultusminister in solchen Fällen sich nur von der Parteidoktrin hat leiten lassen— dies trifft ja auch bei Dehn nicht zu. Gleichzeitig mit der Berufung Dehns wurde übrigens der bekanntlich rechts stehende Professor D. Gogarten gegen den einstimmigen Beschluß der Breslauer Fakultät berufen. Obwohl Gogarten in Breslau wirklich aufoktroyiert worden ist, hat sich dort in der Studentenschaft kein Widerspruch geregt, wie es ja auch gar nicht das Recht der Studentenschaft ist, zur Berufung von Dozenten Stellung zu nehmen. Wer bei Kenntnis dieser Tatsachen aus nächster Nähe und eigener Anschauung den Kampf der Studentenschaft gegen die Berufung Dehns kennt, wird sie zum mindesten von dem Vorwurf der Unsachlichkeit nicht freisprechen können. Pfarrer Jänicke, Halle a. S. * Eine kurze Erklärung zur Klärung. 1. Es ist m. E. nichts einzuwenden gegen D. Dehns jetzige oder frühere parteipolit. Einstellung, auch nichts gegen seinen urchristlichen Pietismus, wenn derselbe freilich in seiner naiven Weltfremdheit auch zu argen Mißdeutungen wie in Magdeburg oft Anlaß geben kann. und wird. Das sind seine persönlichen Gewissensangelegenheiten. 2. Es kann aber m. E. gar nicht genug bedauert werden, daß nun je länger je mehr die theologischen Professoren vom jeweiligen Kultusminister und nicht von den Fakultäten berufen werden. Der Grundsatz politischer Neutralität wird damit für die evangelische Theologie und Kirche immer mehr gefährdet und einer Ueberflutung der Kirche mit parteipolitischer Machtpolitik wird Tür und Tor geöffnet. Man kann den jeweiligen sozialistischen, faschistischen, kommunistischen oder völkischen Kultusministern es nicht verdenken, wenn sie es versuchen, auf solche Weise Einfluß auf die Kirche zu gewinnen. Aber evangelische Männer, mögen sie heißen wie sie wollen, und stehen, wo sie wollen, sollten sich dazu nicht bereit finden, weil sie damit der evangelischen Kirche als politisch neutraler Volkskirche schaden. 3. Mein Vorwurf richtet sich auch gegen die Fakultäten. Die Rücksicht auf die parteipolitische Einstellung der Studentenschaft(Heidelberg) oder auf den Willen des Kultusministers(Halle und Breslau) kann wahrlich nicht der theologischen Wissenschaft zur Ehre und der evangelischen Sache zum Segen gereichen. Klingenberg. Wie ich das Kind der Mutter übergab, wollte mich der Schmerz überwältigen. Erst die barsche Stimme des Ortskommandanten brachte mir zum Bewußtsein, daß ein Soldat sich unbedingt in der Gewalt haben muß. Tief ergriffen setzte ich meinen Ritt fort. Die Dämmerung sank hernieder. Als ich den Wald erreichte, war es klar geworden. Rund um mich her tönte ein geheimnisvolles Rauschen. Alles schien von Wehmut erfüllt zu sein. In wundersamer Pracht leuchteten die Sterne. Aber sie konnten mir auch keine Antwort auf das„Warum“ geben. Biographisches. Hermann Oesers Briefwechsel mit seiner späteren zweiten Gattin trägt, bei Salze, Heilbronn(4,—), herausgekommen, den Titel:„Ingenuina“. An seinen Gedanken reich, getreues Spiegelbild einer tiefen Liebe, läßt er, gerade weil er wirklicher Niederschlag verflossenen Lebens ist, den Abstand von uns deutlich hervortreten und macht das Andersartige unserer Einstellung zu manchen Wirklichkeiten des Lebens deutlich bewußt. „Aus Pauline Braters Mädchenjahren", stellt eine willkommene Ergänzung zu Agnes Sappers Braterbuch dar, stammt von Else Pfaff,(Beck, 3,60 M) und schildert — halb Mär, halb wahr— das Werden jener reisen und zielklaren Frauengestalt. Die bedeutsamen Jahre 1845 bis 1849 stellen den Hintergrund. Es quillt Leben in dem Buch. Fäden spinnen sich nicht nur rückwärts, sondern in die Fragen eigener Lebensbewältigung hinein. Eine schlichte lebendige Biographie von„Toni Schumacher“ bringt der Quell=Verlag durch Anne Roosdrütz heraus. Unterhaltend, warmherzig, lebensgetreu. Es wird viel Dank ernten und Segen stiften. Ein Musikerleben, in biographisch lebendiger, auch musikalischen Laien eindringlicher und verständlicher Form ist„Brahms“ von S. Ch. von Sell(Steinkopf,.50.). Gerade dieser Mann mit seiner Gemütstiefe und seiner Adelung des Schmerzes und der herben Schwere lachte zur Nachgestaltung seines Lebens, und das Werk darf darum besonders viele Leser erwarten. *„ grunnnn. Empfang der englischen Presse.— Rosenberg in London. Der Führer der nationalsozialistischen Bewegung, Adolf Hitler, empfing in Berlin Vertreter der englischen Presse und unterrichtete sie über die Ziele der nationalsozialistischen Politik. Sämtliche in Berlin tätigen englischen Journalisten drahteten ihren Blättern ausführliche Berichte über den Verlauf dieser Unterredung. Danach führte Hitler aus, der Nationalsozialismus werde durchaus auf gesetzlichem Wege vorgehen. Praktisch liege die Macht für den Nationalsozialismus schon in Reichweite, und daher wäre es schon eine Dummheit, wolle sich die NSDAP. auf ungesetzliche Handlungen einlassen. In diesem Zusammenhang erwähnte Adolf Hitler auch das Boxheimer Dokument, wobei er bemerkte, für die privaten Taten der 700000 Nationalsozialisten, könne er unmöglich verantwortlich gemacht werden. In der Partei entscheide im übrigen allein sein Wille. Was die Außenpolitik betreffe, sei das deutsch-französische Verhältnis durch die Haltung Frankreichs bedingt. Eine Erpressungspolitik gegenüber Deutschland führe zum Ruin und könne von Deutschland nicht geduldet werden. Deutschland sei nicht Karthago, und Frankreich sei nicht Rom. Eingehend äußerte sich Hitler ferner über die Netwendigkeit einer draftischen Verminderung der deutschen Einfuhr. Verzichte Deutschland auf die Einfuhr unnötiger ausländischer Lebensmittel, dann würde so eine Summe von etwa einer Milliarde Mark im Lande bleiben, die den heimischen Markt um etwa sechs oder sieben Milliarden Mark beleben würde. Wie die Einfuhr, so müßten auch die gesamten Staatsausgaben auf ein Mindestmaß herabgeschraubt werden. Im Verlaufe des Presseempfangs richtete ein Vertreter der„Times“ die Frage an Hitler, wann der Tag des Dritten Reichs kommen werde. Hitler erwiderte, bis zur Uebernahme der Macht durch die Nationalsozialisten allein oder,„was wahrscheinlicher sei, zuerst auf der Grundlage einer Zusammenarbeit mit anderen Parteien“ würden vielleicht noch zehn Monate vergehen. Nach einer anderen Darstellung soll die Antwort gelautet haben:„In den allernächsten Tagen, in einem Monat, vielleicht auch erst übers Sobru Die„Times" selbst, die ihrem Bericht die Ueberschrift gab:„An der Schwelle der Macht“, bemerkt dazu, nach ihrer Ansicht werde es wahrscheinlich in fünf Monaten soweit sein. Der Korrespondent der konservativen„Morning Post“ hebt hervor, wenn Hitler auch die gegenwärtige Regelung der Reparationen öffentlich anklage, habe er die Möglichkeit, daß Deutschland zahlen würde, nicht ausgeschlossen. Eine nationalsozialistische Regierung würde jedoch nur das unterzeichnen, wovon sie wüßte, daß sie es ausführen könnte. Aus Hitlers Bemerkungen sei klar geworden, daß ihm nur eine Reparationsregelung annehmbar erschien, die in wenigen Jahren abgetragen werden könnte. * Fühlungnahme mit England. — London, 7. Dezember. Hitlers engster Mitarbeiter, der Chefredakleur des„Völkischen Beobachlers", Rosenberg, weilt seit einigen Tagen in England. Ein Vertreter der„Daily Mail“ ersuchte um eine Unterredung. in deren Verlauf Chefredakteur Rosenberg u. a. ausführte, Deutschland werde seine Handelsschulden bezahlen. Eine Katastrophe müsse aber eintreten, wenn auch die Reparationen und die Kriegsschulden einkassiert werden sollten. Eine neue Friedenskonferenz werde bald kommen. Sie werde das Reparationsproblem den Probiemen der Weltkrise aupassen müssen. Drei Biographien, ganz artverschiedener und doch im innersten von derselben Herzenskraft geformter Theologen, nenne ich zuletzt: Wichern— Kaftan— Borchert. Von Wicherns Werk und Leben brachte Gerhardt in der Agentur den Abschlußband der Trilogie:„Ausbau und Ende“(12,50+), Wicherns Kampf um Reformen(z. B. in der Gefängnisfrage) und das Ringen der Inneren Mission um den großen Block: Soziale Frage. Der Feuergeist im Staatsdienst mit den zermürbenden Komplikationen der Arbeit zwischen Kompetenzen und Beharrungen. Die große Krisis, in die die Arbeit des Zentralausschusses für I. M. heute hineingeschleudert wurde, macht ein Zurückgehen und Neufundamentieren auf dem eigentlichen Wichern besonders eindringlich nötig. Gebhardts Werk enthält dazu ganz neue und bisher unausgeschöpfte Möglichkeiten. Was diesen Schlußband aber so dem Herzen naherückt, ist die si in ihm entfaltende und das Ende überschattende Tragik des geistigen Dunkelwerdens aus diesen ganz Großen auf dem Gebiet evangelischer Liebestätigkeit und Lebensbewältigung. Theodor Kaftans„Erlebnisse und Beobachtungen“ zeigen einen lutherischen Norddeutschen von Format, sachlich, nüchtern, immer lebendig und bewegend und glaubenstrotzig im Vätersinn. Welche Fülle von Fragen umfaßt und erschließt dies Werk(Bertelsmann, 12.—). Und zwar so, daß klar wird, der Mensch ist da, um diesem Leben zu dienen, nicht das Leben mit seinen Fragen, um ihn zu entfalten. Das Subjektive wird Transparent für die aus der Wirklichkeit aufsteigenden Lebensforderungen an Kirche und Gemeinde,— Theologenschaft und— Kirchenregiment. Da gibt es zu lernen! Aehnlich liegen die Dinge bei Borcherts„Aus siebzig Jahren“(Wollermann, 7,50). Hier schwingen durch die Lebenssphäre Mitteldeutschlands, aber auch von Niedersachsen her entscheidend bedingt, dieselben großen Fragen. Nur redet hier zugleich mit der Herzensverwandtschaft der literarische Gestalter, der Pädagoge und stille Former so unübertroffener Werke wie des„Goldgrund des Lebens Jesu". Seine Lebenserfahrungen sind bedeutsam und wir Jüngeren, die wir wissen, daß wir auf den Schultern der Alten stehen, tun gut, Kopf und Herz zu öffnen in Bereitschaft des Lernens und— Handelns. Eckart. „News Chronicle" widmet der Anwesenheit Rosenbergs ebenfalls einen Artikel. Wenn die Hoffnungen der Nationalsozialisten in Erfüllung gingen, meint das Blatt, dann werde Hitlers Adjutant der jüngste Außenminister sein, den Deutschland je hervorgebracht habe. Rosenbergs Aufenthall in London habe den Zweck, die Einstellung der englischen öffentlichen Meinung zu erkunden. Rosenberg sei gekommen, um seine Freunde zu befragen. Er habe aber ausdrücklich bemerkt, daß es sich bei diesen Freunden um private Personen handele, nicht aber um Mitglieder der Regierung. Auch habe er in Abrede gestellt, den Gouverneur der Bank von England gesehen zu haben. * NSDAP für deutsch=englischitalienische Zusammenarbeit. Rosenbergs politische Arbeit in London.— Er versucht die englische Zustimmung für eine Hitlerregierung zu erlangen. London, 6. Dez. Alfred Rosenberg, der Hauptschriftleiter des„Völkischen Beobachter", verläßt London am Sonntag abend. Während seines hiesigen Besuches hat er Lord Lloyd, den die englischen Faschisten als ihren zukünftigen Führer ansehen, und Walter Elliot, den finanziellen Unterstaatssekretär im Schatzamt, sowie Vertreter des Bankhauses Henry Schröder gesprochen. Mit anderen Mitgliedern der Konservativen Partei und Mitgliedern des Ober= und Unterhauses seien ernste Besprechungen in dem konservativen Carlton= und dem Junior Carlton=Klub gepflogen worden, wo er auch Personen gesehen habe, die an der russischen Frage besonders interessiert seien. „Sunday Referee“ gibt den Zweck des Besuches Rosenbergs dahin wieder, daß er sich die Zustimmung der englischen Konservativen zu einer Hitler=Brüning=Koalition habe sichern wollen, wogegen diese Koalition oder eine Hitler=Regierung die Priorität der englischen kurzfristigen Kredite und Anleihen anerkennen würde.„Reynolds News“ erläutert die Mission des Herrn Rosenberg dahin, daß er den englischen Bankiers im einzelnen die Pläne Hitlers zur Sicherstellung der privaten Schuldverpflichtungen erläutert und deren Zustimmung erhalten wollte. Er habe sich außerdem vergewissern wollen, welche englischen Finanziers bereit seien, den Fachismus zu unterstützen. Die englische Presse bringt noch eine Reihe von Aeußerungen Rosenbergs, in denen er die Absichten der Hitlerpartei darlegt. Er betont dem„Sunday Referee“, gegenüber: Die Nationalsozialisten wollen nicht die Weimarer Verfassung ändern. Ihr Ziel sei es, im Reichstag eine Mehrheit zu erhalten, um die persönliche Führung durch Hitler auf die Dauer von zehn Jahren sicherzustellen. Rosenberg bedauerte, daß seit den Tagen des Lord Salisbury stets irgend etwas zwischen Deutschland und England getreten sei. Heute aber sollten nach seiner Ansicht beide Länder zusammen gegen den Bolschewismus arbeiten. Die Nationalsozialisten hätten an sich keine franzosenfeindliche Politik, aber da die französische Politik deutschfeindlich wäre, so müsse man nach Unterstützung gegen die französischen Forderungen aussehen. Wenn die Nationalsozialisten sich Italien näherten, so geschehe es, um dessen Unterstützung zu erhalten, und sie erblickten in einer solchen Freundschaft eine Stärkung des Friedens. Südtirol sei eine Frage von geringerer Bedeutung. Die Wahlen in Stuttgart. Verdoppelung der nationalsozialistischen Stimmen. Stuttgart, 6. Dez. Bisher liegt von den württembergischen Gemeinderatswahlen lediglich das Endergebnis aus Stuttgart vor. Das Ergebnis ist folgendes: Kirchensprengung in Nach einer Meldung eines Berliner Blattes ist die Erlöser-Kathedrale, eines der bedeutendsten Bauwerke Rußlands, durch Dynamit in die Luft gesprengt worden. Die gewaltige Explosion wurde in der ganzen Stadt verspürt. Die Polizei hatte das ganze Stadtviertel abgesperrt. An die Stelle der Kathedrale soll das Sowjet-Hongreßgebäude errichtet werden. Vertrauen für Dingeldey. — Hannover, 7. Dezember. In der Sitzung des Zentralvorstandes der Deutschen Volkspartei wurde mit 530 gegen 14 Stimmen eine Entschließung angenommen, in der die Ausführungen des Parteiführers über die politische Lage und den Kurs der Partei gebilligt werden. Dem Parteiführer wird volles Vertrauen ausgesprochen. Der Zentralvorstand, so heißt es in der Entschließung weiter, ist der Auffassung, daß die Rettung Deutschlands aus seiner heutigen bedrängten Lage nur in der Abkehr von der Sozialdemokratie erfolgen könne. Er halte die Bildung einer auf die breiten nationalen Kräfte des deutschen Volkes gestützten Reichsregierung für dringendes Erfordernis. Tribute völlig unberechtigt Kundgebung der gewerkschaftlichen Spitzenverbände Deutschlende. — Berlin, 7. Dezember. Die Spitzengewerkschaften der Arbeiter, Angestellten und Beamten veröffentlichen unter Hinweis auf die am heutigen Montag beginnende Tagung des Beratenden Sonderausschusses der B5Z. eine Kundgebung, in der es heißt: „Seine Pflicht ist, die Folgerungen aus der Erkenntnis zu ziehen, daß die Deutschland auferlegten Reparationsverpflichtungen, eine der wesentlichsten Ursochen für die weltwirtschaftlichen Störungen der Nachkriegszeit geworden sind. Sie haben die Erschütterungen des internationalen Kreditsystems herbeigeführt. Die Wiederherstellung des Vertrauens und der Wiederaufbau des internationalen Kredits ist die zentrale wirtschaftliche und polikische Aufgabe. Die Reparationsleistungen haben das Maß der durch den Krieg verursachten Schäden längst überschritten. Damit ist ihnen jede moralische und wirtschaftliche Berechtigung entzogen. Sie sind heute nur noch ein hemmnis der wirtschaftlichen Entwicklung der Welt. Ihre Beseitigung ist ein Gebiet wirtschaftlicher und staatsmännischer Einsicht. Zur Wiederherstellung des internationalen Vertrauens ist aber auch die Beruhigung der inneren Lage Deutschlands notwendig. Die große Not des Volkes, die Massenarbeitslosigkeit und die Verarmung der Mittelschichten bereiten cutschland den Boden vor für die Verzweiflungsstimmung, die dem heimlichen Bürgerkrieg täglich neue Nahrung zuführt. Es sind zumeist die ärmsten Söhne des Volkes, die in diesem sinnlosen Kampf fallen, blühende Jugend, die in beruflicher Kameradschaft zusammenwirken könnte, Arbeitslose, in deren Herzen das gemeinsame Elend Verständnis füreinander wecken sollte. Die Gewerkschaften der Arbeiter, Angestellten und Beamten verurteilen diesen volksverhetzenden Bruderkampf und fordern die Regierung auf, die ganze Autorität des Staates einzusetzen, um zu erreichen, daß die innerpolitischen Auseinandersetzungen ausschließlich mit geistigen Waffen geführt werden.“ * Ankunft der deutschen Delegation. — Basel, 7. Dezember. Die deutsche Abordnung für die Beratungen des Sonderausschusses bei der B33. ist in Vasel eingetroffen. Sie steht unter der Leitung des Bankiers Melchior. Melchior ist begleitet von Ministerialrat Berger, dem Sachbearbeiter für Tributfragen im Reichsfinanzministerium, sowie einigen seamten der Reichsbank und des Statistischen Reichsamtes. Die Adordnung hat im Hotel Euler in der Nähe der B33. Wohnung genommen. An der Baseler Tagung des Beratenden Sonderausschusses der B33. nehmen teil: Professor Beneduce=Italien, Staatsminister Francqui=Belgien, Sir Walter Layton=London, Dr. Melchior=Hamburg, Direktor Hohara=London, Professor Charles Rist=Paris, Dr. Stewart=Neuvork. Frankreich ist unzufrieden. Keine Delegation zur Zollverhandlung nach London? Nach einer Havasmeldung hat die französische Regierung Mitteilungen über die Tendenz der englischen Antwort auf den französischen Vorschlag direkter Zollverhandlungen erhalten. Der Wortlaut liege in Paris noch nicht vor, es bestehe aber nur wenig Aussicht darauf, daß gegenwärtig eine gänstige Lösung zu erzielen sei. Es wird für wahrscheinlich gehalten, daß die französische Regierung unter diesen Umständen vorläufig von der Entsendung einer Delegation zu Verhandtungen nach London Abstand nehmen wird. Wie Havas berichtet, soll sich die engkische Regierung in ihrer Antwort auf die französische Anregung über die Aufnahme von französisch=englischen Zollverhandlungen zwar grundsätzlich mit dei Aufnahme freundschaftlicher Verhand lungen einverstanden erklärt, jedoch hervorgehoben haben, daß solche Verhandlungen verfrüht erschienen, da gegenwartig eine Aenderung an dem neu eingeführten englischen Zolltarif nicht im Bereiche der Möglichkeit liege. wirksame Abrüstung. Moßolini gegen Versailler Vertrag. Den Besuch Grandis in Washington und seine Besprechungen mit Hoover behandelte der italienische Ministerpräsident in der Wiener„Neuen Freien Presse". Der Besuch, so erklärt Mussolini, galt der Darlegung des itallenischen Standpunktes in der Weltkrise und der Botonung der italienischen Bestrebungen zur Förderung des Friedens und einer wirksamen Abrüstungspolitik. Diese beiden Hauptprobleme der Zeit erfordern die Zusammenardeit aller Staalsmänner. Italien betrachtet die Abrüstung als erste Voraussetzung für künftige Verhandlungen. Es ist bereit, das Rüftungsseierjahr zu verlängern. Die Unzufriedenheit mit der europäischen Lage ist mannigfaltiger Natur. Der Vertrag von Versailles, mit dem Europa beschweet ist, verlegt jedem Fortschritt den Weg; aber ehe wir an die Erörterung dieser Schwierigkeiten gehen, müssen wir unser Bemähen darauf konzentrieren, einen pr liehen Pion zur Verminderung der Mikttärausgeden zu finden, die an den Energien fast aller Völker zehren. in Er erwartet baldige Regelung in der Indienfrage. Gandhi ist auf dem Nordbahnhofe eingetrossen. Er erklärte vor einer Versammlung, die von ihm in Indien verfolgte Politik des Verzichtes auf Gewalt sei, wenn sie von einer Volksmasse durchgeführt werde, das stärkste und wirtsamste Kampfmittel und zugleich menschlicher als eine mit Waffen ausgeübte Macht; denn sie bringe niemandem den Tod. Hinsichtlich des Ergebnisses seiner Reise nach England erklärte er, er verlasse England zwar mit leeren Händen, glaube aber nicht, daß man alle Hoffnung auf eine baldige Regelung aufgeben müsse. Die Bevölkerung Indiens werde Englands Herz durch ihre Leiden rühren. Der Stahlhelm in Bielefeld. Schon länger hatte der Stahlhelm die Absicht gehabt, auch einmal in Bielefeld eine größere Tagung zu veranstalten. Das wurde nun in diesen Tagen zur Wirklichkeit. Die Veranstalter sehen es gewöhnlich schon als gutes Zeichen an, wenn gutes Wetter ist. Davon war die Tagung des Stahlhelms nun besonders begünstigt. Es waren zwei Dezembertage mit so angenehmer Witterung, wie das selten in dieser Zeit in Bielefeld der Fall ist. So sahen die Straßen ein von Uniformen stark belebtes Bild. Tausende strammer deutscher Männer hatten sich in Bielefeld eingefunden, die zum Teil schon an den Veranstaltungen am Sonnabend abend in der Ressource und auf dem Johannisberg teilnahmen. Am Sonntag war Gottesdienst, Fahnenweihe, Konzert auf dem Schillerplatz, am Nachmittag Kundgebung in der ganz gefüllten Ausstellungshalle und des Abends kameradschaftliches Zusammensein auf dem Johannisberg. Zu längeren Berichten über alles fehlt uns der Raum. Der Höhepunkt war wohl auch die Kundgebung am Nachmittag. Für Minden=Ravensberg hatte es etwas zu bedeuten, daß nun auch der Führer des Stahlhelm, Herr Franz Selte, einmal in Bielefeld als Redner auftrat. Parteipolitische Größen aller Richtungen haben sich schon in der großen Ausstellungshalle hören lassen. Da der Stahlhelm bisher darauf verzichtet hat, als parteipolitische Richtung sich zu betätigen, gaben die politischen Wahlen den Führern des Stahlhelm kaum Gelegenheit, hier aufzutreten. Schon der Einmarsch der Stahlhelmer auf die schwarzweiß=rot geflaggte Bühne und der Einzug der Fahnenabteilung unter den Klängen der alten Märsche machte einen guten und gewaltigen Eindruck, der sich doch etwas unterschied von den rein politischen Aufzügen. Als erster Redner trat der Bezirksführer des Stahlhelm, Dr. Lehmann, Bad Oeynhausen, an das Rednerpult. Er begrüßte die Gäste, die Kameraden und besonders den obersten Führer, Herrn Franz Seldte, und begründete in einer kurzen Rede die Berechtigung der Tagung und die Notwendigkeit des Daseins und der Arbeit des Stahlhehm. Der Weg des Stahlhelm sei ein Weg des Kampfes und des Opfers. Unserer entnervten Zeit müsse wieder deutlich gemacht werden, daß das Leben Kampf ist. Die Versammlungen des Stahlhelm sind Rufe an das sittliche Gewissen. Wir Frontsoldaten klopfen an die Pforten der Zukunft. Wir wollen keinen Anschluß nach Westen, das bedeutet Zersetzung; wir wollen keinen Anschluß nach Osten, das bedeutet Zerstörung; wir wollen ein freies Volk, einen selbständigen Staat. Das zu erreichen sind wir bereit, der Welt zu zeigen, was germanische Dämonie, aber auch, was germanische Zucht ist. Ein wirkungsvoller Sprechchor bekräftigte die Ausführungen Dr. Lehmanns durch den deutschen Schwur: „Wir wollen frei sein wie die Väter waren.. Dann trat Franz Seldte auf. In der Bielefelder Ausstellungshalle haben sich schon glänzende Redner hören lassen. Aber die natürliche Schlichtheit, mit der Seldte seine Gedanken vortrug, die Gradheit und Offenheit, mit der er über die Not des Vaterlandes sprach und die Aufgaben und Ziele des Stahlhelms darlegte, ließ es schon verstehen, daß es diesem Mann und seinen Kameraden, die mit ihm in der Führung stehen, gelungen ist, als Offizier des Kriegsheeres Hunderttausende alter Frontsoldaten um sich zu sammeln und durch sie den alten preußischen Gedanken der Kameradschaft, des Opfers und der Wehrhaftigkeit im deutschen Volke aufrecht zu erhalten, trotz der Zersetzungs= und Entnervungsarbeit, die ein volksfremder neuzeitlicher Geist in weiten Kreisen des Volkes getan hat. Der Redner betonte, daß Nähe der Stätte, wo auf waldumrauschtem Berge das Nähe der Städte, wo auf waldumrauschtem Berge das Schwert Hermann des Cheruskers emporragt als das Symbol der Kräfte, die auch unser jetzt so geknechtetes Vaterland einst wieder aufrichten müssen zu einem Staat, für den es sich lohnt, Gut und Kraft und Blut und Leben einzusetzen. Seldte betonte, daß der Weg des Stahlhelm bisher ein harter Weg gewesen sei, und daß man auf diesem Wege zum harten Kämpfer geworden sei, der nicht mehr gewillt sei, sich von anderen Mächten auf die Seite drücken zu lassen. Er werde nie zur politischen Partei werden, aber in den entscheidendsten Fragen, wo es sich um das Schicksal des Vaterlandes, um das Schicksal von Kind und Kindeskind handele, werde er mitreden. Er kämpfe niemals gegen den Staat, aber gegen eine Bonzokratie, die persönliche und parteipolitische Interessen dem Allgemeininteresse überordnete. Aus schweren Anfängen am 13. November 1918 sei die machtvolle Organisation geworden und diese verkaufe ihr Erstgeburtsrecht nicht gegen ein Linsengericht. Die Erneuerung des deutschen Menschen sei eine Hauptaufgabe, die Erziehung eines Menschen, der sich seiner Verantwortung einem ewigen Gott und seinen Mitmenschen gegenüber ganz bewußt ist. Der Mann aus dem Volke, der die Stütze des Staates in der Politik und in der Wirtschaft ist, muß die gleichen Rechte und menschliche Achtung genießen, wie der, dem besondere Gaben für die Führung geschenkt sind. Freie Menschen in einem freien Vaterlande. Das ist es, was wir erstreben. Und der Kampf darum soll nicht noch einmal 13 Jahre dauern. Der Rede Seldtes folgte noch eine Fahnenweihe. Schluß der Kundgebung erklangen der erste und vierte Vers des Deutschlandliedes und nach dreimaligem begeistertem Front=Heil vollzog sich der Ausmarsch der Fahnen und der uniformierten Stahlhelmer in gleicher Weise wie der Aufmarsch. Der Abend vereinigte die Stahlhelmer mit den Gastgebern und Freunden in einem familiären Beisammensein in den Sälen des Johannisberges. Lokal= und Provinzialnachrichten. — Bielefeld. Hans Grimm las in Bielefeld. General Friedrich konnte am Mittwoch abend im Namen des Kolonialvereins einen großen Kreis von Zuhörern in der Eintracht begrüßen, der gekommen war, um Hans Grimm zu sehen und zu hören. Ihm wurde ein warmer Empfang bereitet und General Friedrich dankte ihm besonders herzlich, daß er in dieser Zeit nach Bielefeld gekommen sei, um auch hier für ein größeres und starkes Deutschland zu werben. Aus den drei Abschnitten, die Dr. Hans Grimm dann las, leuchtete ohne weiteres der Gedanke durch, dem sein Lebens= und Schaffensziel gilt, einem selbstbewußten, nationalen Deutschland den Weg zu bereiten. Der erste war eine ergreifende Szene aus dem Farmerleben in Afrikas Steppen, der zweite eine lustige Skizze vom Kamelhengst Dernburg und der dritte ein kurzes Lebensbild des Dichters selbst. Nach zweistündigem, gespannten Zuhören dankte ihm die Versammlung herzlich. Es sei hier noch einmal an das Hauptwerk des Dichters erinnert„Volk ohne Raum“, das jetzt in einer Volksausgabe für 8,50 Mark vorliegt und auf das schon einigemal empfehlend Hingewiesen wunde. Weihnachtsbitte. Ueberall erklingen jetzt wieder die lieben alten Weihnachtslieder. Wir bitten alle unsere Freunde recht herzlich, trotz der Not der Zeit auch in diesem Jahre unserer großen Kinderschar zu gedenken. Gaben jeder Art sind uns herzlich willkommen. Gott der Herr aber segne uns alle in dieser Weihnachtszeit. Der Vorstand des Johannesstiftes i. A. Siebold, Baurat Geldspenden werden erbeten auf unser Postscheckkonto 14051 Hannover, Johannesstift Schildesche. Weltee Schnee liegt auf einem stillen Grab, wo Sommers blüht der Flieder. Es legte seinen Wanderstab ein Pilger Gottes nieder. Nun kam des Winters eisge Zeit mit Kerzenschimmers Seligkeit. Doch, lieber Krüppelvater Du, Gott schenke Dir des Himmels Ruh. Wir denken heute trauernd Dein. Herr, laß ihn nicht vergessen sein, erweck uns Freunde nah und fern, die in der Weihnachtszeit so gern uns Licht und Trost und Liebe spenden mit ihrer Liebe offnen Händen. Angerburg Ostpr. Lic. Braun, Pfarrer. Für die durch den Heimgang ihres treusorgenden, hochbetagten Krüppelvaters Sup. D. H. Braun im Frühling 1931 verwaiste große Schar von fast 1000 Krüppeln in Angerburg, Sieche, Blinde, Taubstumme, Schwachsinnige etc. erbittet auch zu diesem Weihnachtsfest in schwerster Notzeit Gaben der Liebe, als Licht, Trost und Freude in tiefster Leidensnacht Der Anstaltsleiter Lic. Braun, Pfarrer. Postscheckamt Königsberg Nr. 2423„Krüppelanstalten Bethesda", Angerburg Ostpr. Weihnachtsbitte! Gedenket, die Ihr gesund seid und gesunde Kinder habt, um des Christkindes willen an die 1200 Schwachsinnigen, Blöden, Lahmen, Krüppel und Psychopathen in Wittekindshof bei Bad Oeynhausen(Westf.). Die knappen Pflegegelder gehen verspätet, spärlich oder gar nicht ein, hohe Zinsen sind aber pünktlich zu zahlen. Dennoch möchten wir die Weihnachtshoffnungen unserer Pfleglinge nicht enttäuschen. Pakete, Kleidungsstücke, Spielsachen und Geldgaben sind herzlich willkommen. Letztere erbeten auf Postscheckkonto Amt Hannover Nr. 4652 der Anstalt Wittekindshof bei Bad Oeynhausen. Pastor Th. Brünger, Anstaltsvorsteher. Weihnachtsbitte. der Heilerziehungs= und Pflegeanstalt Scheuern bei Nassau a. d. Lahn. Notzeit und Notverordnungen haben auch in unsere Anstaltswirtschaft einschneidend und besorgniserregend eingegriffen. Dessenungeachtet erwarten unsere 675 Schwachsinnige und Epileptiker Weihnachtsfreude in Weihnachtsgaben! Wer hilft mit, daß sie nicht ganz enttäuscht werden? Wir bitten um Gaben für die Weihnachtsbescherung und danken im Voraus im Namen unserer Kinder! Der Anstaltsvorstand: Der Direktor und Hausvater: Martin, Dekan, Todt. Vorsitzender. Das Postscheckkonto der Anstalt ist 4000 bei dem Postscheckamt Frankfurt a.., das Bankkonto 259 bei der Nass. Landesbank Nassau a. d. Lahn. Bethel. — Versammlung der Konfirmierten: der Knaben am Montag, den., der Mädchen am Mittwoch, den 9. Dez. abends 8 Uhr bei Pastor Wilm. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Montag, 8¼ Uhr Männerchor in„Ephrata“. Gaben für Spinnerei=Block=Weihnachten noch dringend erbeten. Siehe letzten Monatsplan. — Christlicher Verein junger Mädchen. Dienstag abend 8½ Uhr: Kreuzrüste im Gruppensaal. Mittwoch abend 8 Uhr: Aufnahme neuer Mitglieder im Vereinssaal. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannoter 67377,„Aufwärts“, Christliches Tageblatt, Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3919, Amt Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. ∆ 40 80 ist ein hochwertiges Naturmittel und besitzt die Eigenschaft den erhöhten Blutdruck herabzusetzen, daher äußerst wirksam gegen Arterienverkalkung und Hämorrhoiden, gut gegen Magen= und Darmstörungen, Nieren=, Blasen=, Gallen= und Leberbeschwerden, Würmer, bei Zucker, Gicht, Rheumatismus und Asthma sehr zu empfehlen. Schon vor 3000 Jahren gebrauchten die oriental. Völker den Knoblauchsaft gegen viele Krankheiten und sollte dieses hochwertige Naturmittel deshalb in keiner Familie fehlen. Preis pro Flasche für ca. 4 Wochen reichend Mk..50. Bei geschlossener Bestellung von 5 Flaschen. liefere ich die 6. Flasche gratis franco Nachnahme. Otto Radatz, Bad Oevuhausen 4. Hosi=Besielischein Der Unterzeichnete bestellt hiermit 1 Eremplar des Aufwärts. 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