Anzeigenpreis:= Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mi. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67 377. Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifdano.95(inkl. Postgeld). Bid#- a bch stonte de Einzelnummer 10 Pfg. vostscheatonto Preis der Sannever 67877. mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Aufer Ziel.“ r. 284. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Sonnabend, den 5. Dezember 1931. Das Mittelmäßige nur ist des Guten Feind, Das Schlechte nicht, weil Schlecht und Gut sich nie vereint. Rückert. MMMMMMMMNAMMMMMMMMMNMMMMM Nicht Paneuropa, sondern Mitteleuropa! Ganz Europa ist heute auf Frankreichs Kredit angewiesen, die Generalstäbe fast aller osteuropäischen Staaten werden von Paris aus dirigiert, die meisten Außenministerien befolgen die vom Quai'Orsay ausgehenden Anweisungen... praktisch ist Paneuropa also schon Wirklichkeit, ein Paneuropa von Frankreichs Gnaden, das seinen Machtwillen auf die Bajonette der Ententetruppen stützt. Doch ist der Kreis noch nicht ganz geschlossen, zwei Großstaaten fehlen noch: Deutschland und Italien. Deutschland allerdings ist völlig abhängig von der französischen Hochfinanz, wehrlos muß es sich jedem Diktate seines westlichen Nachbars fügen. Italien aber ist der ernsthafte Gegenspieler Frankreichs bei seinen imperialistischen Zielen, die es in Europa zu verwirklichen hofft. Jede deutsche Politik muß sich gegen ein Paneuropa unter den heutigen Zuständen wenden, wenn sie nicht Deutschland zu einem Vasallenstaat des franko=afrikanischen Imperiums herabwürdigen lassen will. Aber dem negativen Ziele: gegen Paneuropa, muß auch ein positives gegenüberstehen. Dieses positive Ziel kann nur heißen: für einen mitteleuropäischen Bund. Deutschlands Zukunft liegt im Südosten Europas. Der mitteleuropäische Raum wird bestimmt von den Stromgebieten des Rheins, der Donau und der Weichsel. rst wenn diese drei Stromgebiete einem Staatsverband angehören, wird ein lebensfähiges Mitteleuropa möglich sein, das die ihm eigenen Wirtschaftsmöglichkeiten glänzend ausnutzen kann. Die Gebiete, die heute staatlich zu den neugeschaffenen oder vergrößerten Staaten der Tschechoslowakei, Südslawiens, Deutschösterreichs, Ungarns, Rumäniens und eines Teiles Polens gehören, bilden eine Einheit und sind aufeinander angewiesen. Das wußten die Ententepolitiker wohl, als sie die unglaubliche staatliche Zerrissenheit in Osteuropa schufen. Die Tatsache, daß man vor dem Kriege dort teilweise eine recht unglückliche und gegen die Nationalitäten gerichtete Politik trieb, machten sich die Leute der Entente zunutze, die das politische Bild Ost= und Mitteleuropas neu zu gestalten hatten.„Selbstbestimmungsrecht der kleinen Völker“ war die Losung, die man begierig aufgriff, um noch kompliziertere Zustände zu schaffen, als die vor dem Kriege. An die Stelle des einen habsburgischen Nationalitätenstaates traten jetzt deren vier, die dominierenden Staatsvölker unterdrücken die anderen Nationalitäten, ohne auf das proklamierte Selbstbestimmungsrecht der Völker irgendeine Rücksicht zu nehmen. Mitteleuropa ist zerrissen, und die Einzelstaaten richten ihre Politik nach den Instruktionen aus Paris, dessen treuste Vasallen sie sind. Gewaltige Armeen werden nach französischem Muster eingerichtet, unter der Aufsicht französischer Inspekteure. Osteuropa ist der Vorposten der französischen Politik gegen Deutschland und Italien. Dennoch bleibt es eine Tatsache, daß das übrige Mittel=Osteuropa mit Deutschland eine Einheit bildet, daß beide aufeinander angewiesen sind und ohne einander kaum existieren können. Nehmen wir das Beispiel der Tschechoslowakei: Die Ausfuhr dieses Staates an die deutschen Nachbarstaaten betrug 1927 44 Prozent, die an Frankreich dagegen nur 2 Prozent. Mit den anderen südosteuropäischen Staaten ist das Verhältnis ähnlich. Will man weitere Beweise für die Verbundenheit Mitteleuropas(wozu in diesem Falle auch ein Teil des südosteuropäischen Raumes zu rechnen ist), so vergegenwärtige man sich die Tatsache, daß die Erzeugung der wesentlichen Wirtschaftsprodukte dem Verbrauchsquantum entspricht, bezw. sogar etwa 8 Prozent höher ist. Das ist der Fall bei Kohle, Roggen, Hafer, Gerste, Mais, Weizen und Eisen. Das zerstückelte Mitteleuropa ist in diesen Produkten völlig autark, es ist nicht auf andere Staaten angewiesen und könnte die stärkste wirtschaftliche Großmacht Europas sein, wenn es nicht politisch uneinig wäre. Die südosteuropäischen und mitteleuropäischen Staaten sind vorwiegend Agrarstaaten, sie könnten das deutsche Industriegebiet mit den fehlenden Landwirtschaftsprodukten versorgen, das seinerseits ein geeignetes Absatzgebiet für seine Industrieprodukte fände. Die Erwerbslosen könnten auf dem teilweise noch unbesiedelten Land angesiedelt oder bei Straßenbau und anderen Anlagen verwendet werden, in Südosteuropa könnten sie Arbeit und Brot finden. Auch die deutsche Landwirtschaft würde nur in unwesentlichen Fällen unter der Konkurrenz der osteuropäischen Agrarstaaten leiden. Deutschland könnte in weitgehendem Maße sich von der Weltwirtschaft lösen, wenn der Raum, der von Natur aus zusammengehört, auch wirtschaftspolitisch wieder eine Einheit bildet. Es könnte auch die Arbeitslosenfrage lösen. Als Deutschland den Vorstoß in der Richtung der Zollunion versuchte, da hatte Frankreich seine Vasallen auf seiner Seite. Die meisten südosteuropäischen Staaten stellten das Wohl Frankreichs höher als ihre eigene glückliche Zukunft. Deutschland hatte die erste Schlacht um Mitteleuropa verloren. Damals war aber die Haltung der deutschen Nationalität in den mittel= und osteuropäischen Staaten interessant, die die treuen Bundesgenossen der deutschen Mitteleuropaorientierung waren. Daß dennoch der Zollunionsversuch mißlungen ist, lag an der Hartnäckigkeit Frankreichs und Italiens. Denn auch Italiens Interessensphären liegen im südosteuropäischen Raume. Italien und Frankreich erkannten wohl, daß die deutsch=österreichische Zollunion auch den Zollverband mit Ungarn, vielleicht auch mit Südslawien und Rumänien zur Folge gehabt hätte. Darum der erbitterte Kampf, sprach doch Italiens Vertreter im Haag, daß der Zollanschluß Oesterreichs an Deutschland den Krieg bedeuten würde... und das vor einer juristischen Konferenz!! Wenn die Lage heute auch noch so ungünstig ist, der Zusammenschluß Mitteleuropas zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet muß kommen. Hoffentlich sieht man das auch in Prag ein, ehe es zu spät ist.... Fsuttel Sckeit Wohl alle haben von dem neuesten Fall Eckert gehört, der zur KPD. übergetreten ist, nachdem er von der Sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen worden war. Der Badische Oberkirchenrat hat Eckert vom Amte suspendiert und ein Dienstgericht gegen ihn zwecks Entfernung aus dem Pfarramt beantragt, das am 11. Dezember zusammentreten wird. In einer von der Bezirksleitung der Kommunistischen Partei, Bezirk Baden=Pfalz, herausgegebenen Broschüre„Kirche und Kommunismus, Stadtpfarrer Eckert, Mannheim, kommt zur KPD.“, erfahren wir Näheres über den ganzen Vorgang: Der Schritt Eckerts ist nach langen und schweren Kämpfen erfolgt. Er selbst bekennt in einer Rede, die er am 2. Oktober zu Mannheim hielt: „Es fällt mir schwer, mich von den sozialdemokratischen Massen zu trennen. Aber die Sozialdemokratie hat keinen Funken revolutionärer Ideen mehr in sich. Die kämpferische Idee ist allein bei der KPD. lebendig. Hätte ich anders gehandelt, hätte ich das Proletariat im Stich gelassen. Wenn ich in dieser Stunde hineinschreite in die Reihen der KPD., so weiß ich, daß dieser Weg furchtbar schwer sein wird, daß viel Widerwärtiges und Mißtrauen mir begegnen werden. Aber das schadet nichts. Einer muß beginnen. Christentum und Kapitalismus müssen auseinander.“ Wir erfahren in dieser Rede allerlei über die inneren Verhältnisse der SPD. Die SPD. ist nach Eckert keine revolutionäre Partei mehr, der Kampf der SPD. gegen den Faschismus endige mit einem politischen Fiasko. Gegen die Sozialdemokratie gebraucht Eckert scharfe Worte: „In seiner Sitzung vom 2. Oktober hat mich der Vorstand des badischen Unterbezirkes der SPD. nach beinahe 20=jähriger Mitgliedschaft und Mitarbeit aus der Partei ausgeschlossen wegen„Zellenbildung" und„groben Vertrauensbruchs“! Die„Zellenbildung“ bestand darin, daß ich mit anderen Genossen zusammen das Publikationsorgan der SPD.=Opposition, die„Fackel“, systematisch verbreitete, die„Freie Verlagsgesellschaft“ unterstützte und zu der von Seydewitz nach Berlin einberufenen Reichskonferenz zu fahren beabsichtigte.„Vertrauensbruch“ gegen den Vorstand der SPD war es, daß ich an einer Zusammenkunft oppositioneller Genossen in Heidelberg teilnahm und in Mannheim nach einer vom SPD.=Parteiapparat gesprengten Mitgliederversammlung, die in ihrer Mehrheit auf meiner Seite stand, mit den zu einer neuen Partei drängenden Genossen in einem öffentlichen Lokal verhandelte. Die angegebenen formalen Gründe sind natür13. Jahrgang. 2 Die bestehenden Grenzen, die die Staaten voneinander trennen, werden ihre Bedeutung bei der Verwirklichung des Zusammenschlusses natürlich verlieren, an 20 ihre Stellen müssen Grenzen treten, die den völkischen er Verhältnissen entsprechen— soweit dies möglich ist. Eine kulturelle und Verwaltungsautonomie muß den Min r derheiten gegeben werden, die innerhalb anderer Nationalitäten wohnen. Wenn das deutsche Element auch die Mehrheit in dem deutschen Wirtschaftsstaatengebilde haben würde, die anderen Nationalitäten müssen völlige □. Freiheit genießen. Der Kern Mitteleuropas allerdings 0 kann nur ein straffes, föderalistisches Deutschland aller 5 Deutschen Mitteleuropas sein, das aber auf die Nationa= c litätenpolitik, wie sie teilweise vor dem Kriege geführt wurde, verzichten wird.— Das kann Deutschlands und Mitteleuropas einzige Antwort auf Briands Paneuropa sein! Rein geopolitisch gesehen gehört auch Elsaß=Lothringen, Luxemburg und kleine Teile des heutigen Belgiens zu Paneuropa. Aber auch die Niederlande gehören zum mitteleuropäischen Raum. Wenn auch die Schicksalsverbundenheit auf wirtschaftlichem Gebiet nicht so stark ist, wie die Mittel= und Südosteuropas mit Deutschland, so ist doch die Bedeutung des deutschen Hinterlandes für die niederländischen Häfen bekannt. Dazu kommt die Tatsache, daß das Volkstum der Niederländer mit dem der Deutschen eng verwandt ist. Der Feind, den beide Völker gemeinsam haben, ist das Franzosentum, das seine Romanisierungsbestrebungen noch längst nicht aufgegeben hat. Erst die Verwirklichung Mitteleuropas kann zeigen, ob sich auch die Niederlande und Ostseeländer nach Mitteleuropa orientieren werden. H. W. Röhrig. lich nicht ausschlaggebend gewesen bei dem Vorgehen gegen mich, sie sollen nur die eigentlichen Ursachen meines Ausschlusses verdecken. Der allgemeine Hinauswurf der oppositionellen Wortführer aus der SPD sollte die Partei verhandlungs=, koalitions= oder wenigstens doch weiterhin tolerierungsfähig machen für die Regierung Brüning. Am Tag nach dem Ausschluß von Seydewitz und Rosenfeld waren die Führer der SPD bei Brüning, um mit ihm über den Preis zu verhandeln, für den die SPD. gewillt sei, auch weiterhin die Sanierung des kapitalistischen Systems auf Kosten der werktätigen Massen zu dulden und dadurch erst zu ermöglichen. " Man schloß die Genossen, die seit einem Jahrzehnt die verkehrte Taktik der SPD. bekämpfen, die endlich Schluß mit der Tolerierungspolitik verlangten, aus. Man wollte die unbequemen Mahner los werden. Man fürchtete ihre Meinung, ihren Ruf zur revolutionären Entschiedenheit. Darum unterband man systematisch die Meinungsfreiheit in der Partei. Der Vorstand der SPD., der„Retter der Demokratie“, übte mit den Mitteln einer unaufrichtigen und verdeckten Sekretariats= und Presseregie eine rücksichtslose Diktatur zur Unterdrückung jeder wirkungsvollen Opposition in der Partei aus. In den 5 Jahren, in denen ich im hiesigen Parteiverein mitarbeite, habe ich beispielsweise so wenig wie ein anderer oppositioneller Genosse weder in einer allgemeinen Mitgliederversammlung, noch in einer Zahlstelle, die politisch taktische Meinung der Opposition grundsätzlich in einem Referat vertreten können!“ Zu Seydewitz und Genossen, mit denen Eckert vorher eng verbunden war, wollte er nicht gehen, weil er die Meinung hat, daß die Entscheidung und der Sieg des Kommunismus vielleicht schon in der nächsten Zeit erfolgt. Darum glaubt er, der KPD. sich anschließen zu müssen. Als Pfarrer gab er dabei folgende Erklärung ab: „Ich bin der KPD. nicht als Pfarrer, sondern als revolutionärer Marxist beigetreten, um in ihr für die Befreiung der Arbeiterklasse zu kämpfen. Andererseits wurde mein Eintritt in die KPD. nicht davon abhängig gemacht, daß ich meine Weltanschauung und mein Pfarramt aufgeben müßte. Die KPD. wird genau so wenig den christlichen Arbeitern um ihrer Weltanschauung wegen den Eintritt in die Partei versperren, wenn sie ehrlich gewillt sind, in den Reihen der KPD mitzukämpfen. Mich wird mit den Freidenkern trotz der Verschiedenheit unserer weltanschaulichen Einstellung der und di Kp1. 0 entschiedlne Kampf zum Sturz der kapitalistischen Welt vereinigen.“ Auf diese Erklärung Eckerts hin gab der Vertreter der KPD. in dem Namen der KPD. folgende grundsützliche Erklärung ab: „Im Auftrage meiner Partei möchte ich einige grundsätzliche Bemerkungen zu jenem Problem machen, das heute weit über den Rahmen Mannheims hinaus unter den Werktätigen äußerst lebhaft diskutiert wird. Es ist die Stellung der Kommunistischen Partei zur Religion und Kirche. Als Marxisten betrachten wir alle heutigen Religionen und Kirchen stets als Organe des gegenwärtigen kapitalistischen Staates, der bestehenden kapitalistischen Gesellschaft, die zum Schutze der Ausbeutung und der Betäubung der Arbeiterklassen dienen. Wir wissen jedoch, daß die Wurzel der Religionen sozialer Natur sind. Die Furcht ist es, die die Götter erzeugt hat. Wir werden nach dem Siege der proletarischen Revolution Arbeit und Brot für alle schaffen. Wir werden jedoch dann den Grundsatz verwirklichen:„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Dann zitiert er Lenins Worte, die dieser bereits 1909 geschrieben hat: „Wenn ein Geistlicher zwecks gemeinsamer politischer Arbeit zu uns kommt, und gewissenhaft Parteiarbeit leistet, ohne gegen das Parteiprogramm aufzutreten, so können wir ihn in die Reihen der bolschewistischen Partei aufnehmen, denn der Widerspruch zwischen dem Geiste und den Grundlagen unseres Programmes und der religiösen Ueberzeugung des Geistlichen könnte unter solchen Umständen ein nur ihn allein angehender persönlicher Widerspruch sein, eine politische Organisation kann aber nicht ihre Mitglieder daraufhin prüfen, ob nicht zwischen ihren Anschauungen und dem Programm der Partei ein Widerspruch besteht.... ... Und würde zum Beispiel ein Geistlicher in die bolschewistische Partei eintreten und als seine wichtigste und fast ausschließliche Arbeit eine aktive Propaganda religiöser Anschauungen in der Partei betreiben wollen, so müßte die Partei ihn aus ihrer Mitte unbedingt ausschließen. Wir müssen alle Arbeiter, die den Glauben an Gott noch bewahrt haben, zu der Kommunistischen Partei nicht nur zulassen, sondern sie mit verdoppelter Energie heranziehen; wir sind unbedingt gegen die geringste Verletzung ihrer religiösen Ueberzeugung, aber wir wollen sie heranziehen, um sie im Geiste unseres Programmes zu erziehen, nicht aber, damit sie aktiv gegen dieses kämpfen.“ Diese großen und bedeutungsvollen Worte unseres Meisters Lenin haben nach wie vor für uns eine grundsätzliche Bedeutung. Wenn der Genosse Eckert und die übrigen ehemaligen sozialdemokratischen Funktionäre und Arbeiter, die sich von der SPD. getrennt haben, jetzt Schulter an Schulter innerhalb der KPD. auf der Grundlage unseres Programms und auf der Grundlage unserer bolschewistischen Grundprinzipien aktiv mit uns zusammen kämpfen, um den Leidensweg der deutschen Arbeiterklasse und des werktätigen Volkes abzukürzen, sind sie uns als vollberechtigte und gleichberechtigte Mitglieder in unseren Reihen auf das herzlichste willkommen.“ Wir sehen aus diesen Erklärungen, daß die KPD. in keiner Weise ihre Stellung zur Religion und zur Kirche geändert hat und ändern will. Sie nimmt eben Eckert nicht auf als Geistlichen, sondern als bolschewistischen Agitator. Sollte er sein früheres Motto:„Durch sozialistischen Kampf zum christlichen Glauben“ durchzuführen versuchen, so würde ihm die KPD. dies nicht erlauben. Vier Monate unter dem Liktorenbündel. (Schluß.) Vor allem jedoch ist nötig, daß man sich selber prüfe, um zu erfahren, warum man einen Diktator wolle. Wünscht man ihn zur Entlastung eigener Verantwortung? Begehrt man seiner, auf daß die anderen endlich einmal so richtig zahm gemacht würden? Keiner vergesse, daß eine Diktatur im Sinne des Duce eine ganz starke Freiheitsbegrenzung für jeden bedeutete, stehe er oben oder unten. Die Persönlichkeitskultur hat in seinem Staate keinen Platz. Nicht einmal das Briefgeheimnis wird geachtet. Und wer möchte auf jene geistige Freiheit verzichten, ohne die kein hohes Schaffen in Wahrheit und Tapferkeit möglich ist? Und dann vergesse man eines nicht: das italienische Volk ist von einer rührenden Bedürfnislosigkeit. Wie oft habe ich es gesehen, wie ein Arbeiter sich als Abendessen vier kalte Kartoffeln kaufte, dazu ein Glas Wein um ein paar Pfennige trank und selig dabei war. In einem sizilischen Fischerdorf erlebte ich fünf Jünglinge, die auftraten wie große Herren, zusammen zwei Flaschen Bier tranken, 50 Gramm Wurst, 2 Pfund rohe Bohnen und ebensoviel Brot aßen und sich dann gegenseitig bewundernd anschauten ob ihres Mutes, sich einen solchen Genuß zu leisten. Und dabei sagte die Wirtin, man könnte glauben, die Majestät aus Rom sei gekommen. Fast immer habe ich fröhliche Gesichter gesehen, auf den Landstraßen singende Bauern getroffen und in den Werkstätten fröhliches Geplauder gehört. Auch bei italienischen Offizieren stieß ich auf solche Anspruchslosigkeit. Sie scheint mir, wenn natürlich auch in Abstufungen, durch das ganze Volk hindurchzugehen. Ist es nicht einleuchtend daß man mit einem Volk mit dieser Haltung leichter über Krisen hinwegkommen kann, als mit unserem eigenen? Man braucht mir nicht zu sagen, es gehe nicht an, die Ansprüche unserer Volksgenossen auf die Stufe der italienischen herunterzudrücken, das weiß ich selbst schon darum, weil wir die italienische Sonne nicht haben, die gar nicht unwesentlich an der Lösung der sozialen Frage mitarbeitet. Nur soll man dann auch die nötigen Klar sagt der Vertreter der KPD.— und hier begreifen wir nicht, daß Eckert, der doch zweifellos ein religiöser Mensch ist, dagegen nicht protestiert—„Wir wissen jedoch, daß die Wurzeln der Religionen sozialer Natur sind. Es ist die Furcht, die die Götter erzeugt hat.“ Gegen diese Worte müßte doch jeder Christ und jeder, der noch einigermaßen an Gott glaubt, protestieren. Die KPD. sagt ganz offen:„Wir wollen die Zersplitterung der Kräfte des wirklich revolutionären, ökonomischen und politischen Kampfes durch zweitrangige Meinungen nicht zulassen, die durch den Gang der ökonomischen Entwicklung selbst überholt werden.“ Also für die KPD. gilt die Frage der Kirche und Religion im gegenwärtigen Stadium als zweitrangige Meinung. Durch den Gang der ökonomischen Entwicklung wird es soweit kommen, daß einmal jede Religion überholt wird. Wenn nach dem Siege der proletarischen Revolution Arbeit und Brot für alle da und der Himmel auf Erden ist, dann wird die Religion nach der Meinung der KPD. als überflüssig und überlebt aufhören. Sieht Eckert hier wieder nicht das harte Joch, durch das er gehen muß, wenn die KPD. ihn aufnimmt und duldet? Klar geht aus alledem hervor, daß Eckert nicht als religiöser Mensch in die KPD. geht, um die Massen für Christus zu gewinnen, wie er es bei der Sozialdemokratie versuchte, sondern nur als bolschewistischer Agitator, der der Weltrevolution zum baldigen Siege verhelfen möchte. Kann es da noch Wunder nehmen, daß der bad. Oberkirchenrat gegen Eckert das Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Amtsenthebung eingeleitet hat? Nachdem bei dem vorigen Fall Eckert die Sozialdemokratie überall die Werbetrommel gerührt und man besonders seine segensreiche Arbeit in Mannheim ins Feld geführt hat, hat diesmal der Gemeindekirchenrat in Mannheim den einstimmigen Beschluß gefaßt: „Der Uebertritt des Herrn Pfarrer Eckert zur Kommunistischen Partei und die Art, wie er ihn vollzogen hat, hat in der evangelischen Gesamtgemeinde Mannheims tiefste Beunruhigung und Erregung hervorgerufen. Es wird nirgends verstanden, daß ein evangelischer Pfarrer Mitglied und Anwalt einer politischen Partei wird, die der Kirche hemmungslos feindlich gegenübersteht und an der die Gottlosenbewegung ihren stärksten Rückhalt hat. Der Kirchengemeinderat, der als verantwortlicher Vertreter der Gesamtgemeinde von seinen Mitgliedern aus diesem Anlaß aufgerufen worden ist, ist zu der Erkenntnis gekommen, daß ein Diener der evangelischen Kirche nicht zugleich ein Diener der Kommunistischen Partei sein kann. Die tief ernste und gründliche Aussprache mußte zu dem einmütigen Ergebnis führen, daß Pfarrer Erwin Eckert im Amt als Pfarrer in Mannheim nicht mehr tragbar ist.“ Bemerkenswert bei diesem Beschluß ist, daß die Freunde Eckerts, also die Religiösen Sozialisten, trotz mehrfachen Ersuchens durch den Vorsitzenden nicht zu der Sitzung kamen. Entweder sind sie von Eckert abgerückt, weil die Sozialdemokratie ihn aus der Partei ausgeschlossen hat, oder sie mußten von vornherein den Antrag auf Dienstenthebung für gerecht erklären. Freilich, mannhafter wäre es gewesen, wenn die Betreffenden in der Bei Erkältungskrankheiten, bei Schmerzen rheumatischer, gichtischer und nervöser Art haben sich Togal=Tabletten hevorragend bewährt. Togal beseitigt die Krankheitsstoffe auf natürlichem Wege! Fragen Sie Ihren Arzt!— In allen Apotheken Mk..40. 12,6%% Lith., 0,46% Chin., 74,3% Aeid. ape. salle. Folgerungen ziehen und nicht ein Volk gleich dem anderen setzen. Zum Schluß sei noch ein Wort über das Verhältnis des faschistischen Staates zur katholischen Kirche gesagt. Ich konnte als Zeuge gewaltiger Prozessionen feststellen, welche Macht die Kirche in Italien immer noch darstellt, wie sie nicht bloß die Frauenwelt beherrscht, sondern auch Männer, viele junge Männer zu ihren treuen Gliedern zählt. In Palermo fand am 31. Mai eine Prozession statt, die man als Parade der kirchlichen Armee werten durfte und die hinter Musikkapellen und heiligen Fahnen ungeheure Scharen wohlgegliedert zeigte. Und nun nahm auf einmal in den ersten Junitagen der schleichende Konflikt zwischen Staat und Kirche akute Formen an. Die Versammlungsräume katholischer Jugendorganisationen wurden geschlossen, und es schien zum Schlimmsten kommen zu sollen. In letzter Stunde, als schon alles zur Fronleichnamsprozession gerüstet war, traf die Verfügung des Papstes ein, den öffentlichen Umzug zu unterlassen. Das war zweifellos die Geiste eines Mannes, der ausdrücken will, wie ungeschützt, ja, wie verfolgt sich seine Sache fühle. Nun ist ja dieser Streit, der um die kathol. Aktion entbrannt war, durch einen Kompromiß beigelegt worden. Aber niemand, der von den Wesenheiten des faschistischen Staates und der katholischen Kirche etwas weiß, wird annehmen, daß nun für immer schöner Friede sei. Beide Größen erheben den Anspruch auf die ganze Seele, mag auch die eine Größe die andere als Werkzeug willkommen heißen. Der Duce kann die Kirche als seelenformende Macht der Disziplin nicht entbehren, und selbst wenn er es könnte, wäre die Kirche mit ihrem ganzen Einfluß dennoch da. Der Vatikan bedarf des Staates als seines Armes. Mussolini setzt seinen Staat als Erstes, Unbedingtes und die Kirche als ein Zweites. Für den Papst ist seine heilige Kirche die absolute Größe, für ihn kann, will er nicht die Wesensgrundlage aufgeben, der Staat nur ein Zweites sein. Der Kampf zwischen Papsttum und Kaiser ist in anderer Form, aber inhaltlich unverändert, wiederum entbrannt. Daran ändert der Lateranvertrag wie auch die neugeschlossene Vereinbarung nichts. Immer wieder werden der Duce und der heilige Vater hervortreten und mit großen, grundsätzlichen ErSitzung zu dem Fall Stellung genommen hätten. Man scheint bei den Religiösen Sozialisten überhaupt zuerst in großer Verlegenheit gewesen zu sein. Ihre erste Sitzung ließ Eckert noch im Amte als Vorsitzenden und Schriftleiter, wenn man ihm auch noch andere Genossen zur Seite gab. Es ist anzunehmen, daß die offizielle Parteileitung der SPD. mit diesem Beschluß nicht zufrieden war, denn nach einigen Tagen wurde erklärt, daß anstelle von Eckert Genosse Göhring die Vorstandschaft übernommen habe. Man habe es nicht für tragbar gefunden, daß Echert als Mitglied der KPD. Vorsitzender der„Religiösen Sozialisten“ bleiben dürfe, nachdem die meisten Mitglieder der SPD. sind. Die KPD. hofft, wie aus der Broschüre hervorgeht, daß Eckert nach seiner Amtsenthebung auch aus der Kirche austritt. Dann müssen nach der Auffassung der KPD. ihn auch die religiösen Sozialisten aus ihrer Partei ausschließen, weil bei ihnen Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche Bedingung ist. Inzwischen entwickelte sich die Sache weiter. 8 Tage später— am 10. Oktober— machte Eckert in Stuttgart weitere Ausführungen, besonders im Hinblick darauf, daß inzwischen das Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung gegen ihn eröffnet war. Er selbst hat wohl keinen Zweifel mehr darüber, daß er diesmal sein Pfarramt verliert, so daß er sich jetzt keine Hemmungen mehr anzulegen braucht. Nur so kann man sein restloses Eingehen in die KPD. und seine scharfen Angriffe gegen die Kirche verstehen. Interessant ist es, wie Eckert in dieser Versammlung auf die Bedingungen der KPD. vom 2. Oktober reagiert. Er unterwirft sich vollkommen dem Diktat. Er erklärt: „Warum ich zur KPD. gegangen bin? Nicht um dort als Pfarrer zu wirken, sondern um dort einer von den vielen Tausenden und Millionen zu sein, die es nicht mehr tragen können, daß Ungerechtigkeit und Gemeinheit das Leben der Menschen zerstört. Ich bin zur KPD. gegangen, weil ich glaube und überzeugt bin, aus marxistischer Erkenntnis und heißem Glauben an die Kraft des Guten, daß nur in der kommunistischen Bewegung der ganzen Welt die Kräfte sich zusammenfinden, die einmal imstande sein werden, diese ganze heutige Unmöglichkeit hinwegzufegen, die imstande sein werden, eine gerechte Ordnung aufzurichten, eine Ordnung, in der jene, die nicht arbeiten, nicht essen werden, eine Ordnung, in der das Kriegsgeschrei verstummen, in der Friede und Gemeinschaft unter den Menschen sein wird"(Lebhafter, lang anhaltender Beifall). Dann spricht er davon, daß das Zentralkomitee der KPD. in Berlin, als er dort seinen Eintritt erklärte, ihm sagte:„Jawohl, wir verlangen nicht, daß Du Deine Weltanschauung und Dein Pfarramt aufgibst!“(dabei übersieht er aber, daß nach den Mannheimer Bedingungen es ihm verboten ist, es als seine wichtigste Aufgabe zu betrachten, als Pfarrer eine aktive Propaganda religiöser Anschauungen in seiner Partei zu betreiben). In obigen Erklärungen versichert er also, daß er nicht als retigiöser Mensch in der KPD. wirken wolle. Auf den Vorwurf, wie kann man als Pfarrer zu einer Partei gehen, die die Kirche bekämpft, nimmt er die kommunistische Gottlosenbewegung in Schutz und bringt es fertig, die Worte zu sprechen:„Wer ist denn schuld an der Gottlosenbewegung? Wer ist denn schuld, daß das Proletariat nichts mehr von der Kirche hält? Das Proletariat ist nicht schuld.“ Also ist die Kirche schuld. Hier staunt man wieder, wie wenig Eckert als Theologe seine Bibel und die Welt= und Kirchengeschichte kennt, daß er kein Verständnis für das Satanische in der Welt hat. Nicht die Kirche, sondern eben diese satanischen Mächte sind schuld an der Gottlosenbewegung. Eckert wird wohl den Austritt aus wägungen und Ansprüchen die Welt aufhorchen machen, immer wieder werden die beiden Geschichtsgewalten groß gegeneinander anspringen und immer wieder wird eine neue Vereinbarung mit neuen Versöhnungsworten getroffen werden. Keine der beiden Mächte kann heute oder in absehbarer Zeit die volle Austragung des uralten Streites wollen, weil keiner die Folgen verantworten könnte, die sich daraus ergäben. Italien ist in vielem anders geworden, als es vordem war, zielklarer, zusammengefaßter und in irdischem Sinne gläubiger. Freilich sind noch nicht alle kranken Stellen ausgebrannt, noch zeigt der schlanke Leib des Landes etliche Schwären. Im Süden namentlich, doch auch in oberitalienischen Großstädten, habe ich, offen sich breitmachend, den Kinderbettel vorgefunden. Aber auch der Tierquälerei bin ich schmerzend oft begegnet, ich könnte hier erschütternde Berichte geben. Wohl will Mussolini dieser Schande wehren und kurzweg hat er ausgesprochen, wer Tiere quäle, sei kein Italiener. Aber da jenes innere Verhältnis zum Tier fehlt, das die Mißhandlung ausschließt, wird er, trotz der Unterstützung durch Tierschutzvereine, die es neuerdings auch gibt, schwere Arbeit haben. Was die katholische Kirche in Italien— und darum sei sie angeklagt— in vielen Jahrhunderten versäumt hat, kann der Faschismus nicht geschwind in ein paar Jahren nachholen. Er hat an so manchem schwer zu tragen, was ihm Schuld und Schicksal als Erbgut hinterließen. Wo er ernst mit solcher Belastung ringt, verdient er die Anerkennung auch derer, die nicht mit ihm gehen können. Wer von unseren deutschen Landsleuten daran geht, Italien und die Italiener genau so kritisch zu betrachten wie sein Deutschland und seine Deutschen, der mag wohl manches dankend übernehmen, was im fremden Lande aufgeblüht ist und in seinem eigenen Wurzel schlagen kann. Er wird aber auch manches abzulehnen haben sei es um der Unübertragbarkeit des Beobachteten willen oder aus Gründen seines christlichen Gewissens, das eine heidnische Staatsgesinnung— denn um die handelt sich's beim Faschismus, ablehnt und die Methoden der Gewalt von sich weist. August Springer=Ludwigsburg. der Kirche vollziehen, wenn er seines Amtes enthoben wird. Darüber spricht er:„Wenn man mich jetzt meines Amtes enthoben hat, wenn man mich nicht mehr auf die Kanzel läßt, wenn man mir das Recht abspricht. Pfarrer zu sein als Kommunist, dann schließt man mich damit auch aus dieser Kirche aus. Nicht ich gehe aus der Kirche heraus, man schließt mich aus, der ich im Innersten meiner Seele getroffen bin von den Wirklichkeiten des Lebens. Ich habe früher und jetzt soviel von Gott gesprochen, daß ich aus innerster Verbundenheit gekämpft habe, damit die Menschen aufwachen aus ihrer Gleichgültigkeit. Man schließt mich aus, der sich bemüht hat, die jungen Menschen zu erziehen, damit sie Kämpfer werden für den Geist der Gerechtigkeit und des Friedens und der Liebe.“(Hier erfahren wir, was Eckert unter dem Christentum versteht, wenn er die jungen Menschen nur für Gerechtigkeit, Frieden und Liebe erziehen will).„Man schließt mich aus, und damit auch alle diejenigen, die mit mir geglaubt haben, daß man innerhalb der Kirche Gott dienen kann. Und damit hat die Kirche etwas getan, von dem sie noch gar nicht weiß, wie sich das auswirken wird. Die Kommunistische Partei Deutschlands, die Gottlosen, haben mich als Pfarrer, so wie ich bin, genommen und getragen und haben mich zu verstehen gesucht, aber die Kirche, die kann mich nicht als Kommunisten tragen, weil sie christlich ist und duldungsvoll!“ Eckert will keine neue Kirche gründen, er bekennt: „Ich werde keine neue Kirche gründen, o nein, ich werde ganz einfach den Kampf eines Kommunisten führen, um die Befreiung der Brüder und Schwestern, die leiden. Wenn man mich ausschließt, weil ich als Pfarrer durch die Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei so ungefähr gottlos geworden sei“(das ist unwahr, kein Mensch erklärt Eckert für gottlos, aber man erklärt, daß er nicht mehr tragbar sei für das Amt als evangelischer Geistlicher.),„wenn man mich ausschließt und es als Gottlosigkeit empfindet, daß ich als Kommunist auf der Kanzel stehe, dann ist für mich das Wort Gottes so mißbraucht, daß ich es gar nicht mehr in den Mund nehmen möchte. Brüning bei Hindenburg. Vortrag über die Katinetisberatungen.— Könserenz der Zinanzminister. — Berlin, 4. Dezember. Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichskanzler Dr. Brüning und nahm einen Bericht über den Fortgang der Kabinettsberatungen am Wirtschaftsprogramm entgegen. Gleichzeitig fand im Reichsfinanzministerium unter dem Vorsitz des Reichsfinanzministers Dietrich eine Konferenz der Finanzminister der Länder statt. Die Verhandlungen wurden durch ein Referat des Reichsministers der Finanzen, der die derzeilige Lage der Reichsfinanzen darstellte, eingeleitet; dem Referat folgte eine eingehende Aussprache, an der sich die Finanzminister aller Länder beteiligten. Die Verhandlungen, die vertraulich waren, sollen den abschließenden Beratungen des Reichskabinetts als Unterlage dienen. Einigkeit bestand darüber, daß die öffentlichen Haushalte um jeden Preis in Ordnung zu bringen sind. Ueber den Inhalt der neuen Notverordnung hört man jetzt noch, daß das Kabinett auch über eine Herabsetzung des steuerfreien Existenzminimums verhandele. Weiter soll die Notverordnung im Interesse der Förderung der Pfennigrechnung die Einführung einer neuen Münze, nämlich eines Vier=PfennigStückes, vorsehen. Die amtlichen Kreise hüllen sich jedoch nach wie vor in Stillschweigen, so daß die Richtigkeit der vielen Mutmaßungen über die Winter=Notverordnung nicht nachzuprüfen ist. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß vor der Verabschiedung der Notverordnung auch noch eine Aussprache des Kanzlers mit Vertretern der sozial demokratischen Fraktion stattfinden wird. Ein Termin für diese Besprechung, die nach den Meldungen einzelner Blätter bereits am Donnetstag stattfinden sollte, ist aber noch nicht festgesetzt. Inzwischen richtet sich das Interesse auch auf die am Montag in Basel beginnende Tagung des Beratenden Sonderausschusses der Bank für internationalen Zahlungsausgleich. Die Aufgabe dieses Ausschusses ist die Nachprüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit. Im Hinblick auf diese Konferenzen verdient auch ein Artikel der Londoner„Morning Post“ Beachtung, in dem ausgeführt wird, daß eigentlich nur eines von beiden möglich ist, entweder Tribute oder Schuldentilgung. Im einzelnen führt das Blatt dabei aus: „Die wirtschaftliche Lage Deutschlands macht gegenwärtig keine solchen dramatischen Schritte erforderlich, wie das Schuldenmoratorium des Präsidenten Hoover vom letzten Juni und die plötzliche Einberufung der Londoner Konferenz im Juli. Aber trotzdem wird die größte Behutsamkeit notwendig sein, wenn eine Katastrophe verhindert werden soll.“ Der Verfasser erinnert daran, daß die bisherigen Reparationszahlungen Deutschlands nur mit Hilfe der kommerziellen Kredite möglich waren, und fährt dann fort:„In den letzten Monaten hat Deutschland es fertiggebracht, eine günstige Handelsbilanz von vier Milliarden Mark im Jahr aufzubauen. Aber so groß dieser Betrag auch ist, so reicht er doch bei weitem nicht aus, eine Zurückziehung der Kredite auszugleichen, die eintreten würde, wenn die ausländischen Gläubiger die Stillhaltevereinbarungen nicht erneuern. Die Gläubiger sind im allgemeinen gewillt, diese Vereinbarungen zu verlängern und ihre Kredite in Deutschland zu lassen. Aber bevor sie der Erneuerung zustimmen, müssen sie wissen, wann und in welcher Höhe die deutschen Reparationszahlungen wieder ausgenommen werden sollen. Eine Verlängerung der Kredite wäre zwecklos, wenn die Reparationen in einer derartigen Höhe festgelegt werden würden, daß sie zu einem späteren Zeitpunkt einen Zusammenbruch Ich werde, ganz ohne von diesen Dingen zu sprechen, in der Kommunistischen Partei meine Arbeit tun und kämpfen, und ich bin überzeugt, daß ich damit vielleicht mehr Gottesdienst— um das zu sagen!— tue, als wenn ich vielleicht weiter nur von Gott hätte reden können.“ Tragisch ist der Schluß, und hier muß man staunen über den Idealismus und über die Blindheit, daß Eckert die Dinge nicht sieht, wie sie wirklich sind, er ist eben reiner Illusionist und darum muß er uns leid tun. Wie hätte Gott ihn gebrauchen können, wenn er sich den klaren Blick bewahrt hätte! Er schließt seine Stuttgarter Rede mit den Worten:„Sie müssen nicht denken, daß der Weg, den ich gegangen bin, einfach war und einfach sein wird. Aber ich freue mich auf diesen Weg, freue mich, weil ich die Ueberzeugung habe, daß mein Leben nicht besser eingesetzt werden kann, als bei den Kommunisten, als da, wo es sich darum handelt, den Massen zu helfen, die leiden, die Kinder zu sättigen, die hungern, die Frauen zu unterstützen, die krank sind, als da, wo es sich darum handelt, die Leidenden zum Licht, die Unterdrückten durch Kampf zum Sieg zu führen. Mein Leben kann keinen besseren Inhalt haben als den, entschlossen mitten im Proletariat zu kämpfen um Freiheit und Sozialismus, um ein menschenwürdiges Dasein, um Frieden und Gemeinschaft auf dieser Erde.“(Minutenlanger Beifall. Die Massen erheben sich und singen spontan die Internationale.) Sieht Eckert wirklich nicht, wie die Dinge liegen? Glaubt Eckert wirklich, was die KPD. am Schluß der Broschüre schreibt:„Die Sowjet=Union ist das einzige Land, das keine Krise kennt. Dort unter der proletarischen Diktatur vollzieht sich der gigantischste Aufbau, den je die Weltgeschichte erlebte.“ Die Berichte aus Sowjetrußland mit der großen Hungersnot lauten jedenfalls ganz anders. Auch daß Eckert, der sonst so gegen jede Autorität sich auflehnt, ohne weiteres für die Diktatur schwärmt und sich ihr unterwirft, kann man nicht verstehen. Eckert ist in die KPD. gegangen, aber ob er bei ihr bleiben wird und wo er noch enden wird, wird die Zukunft zeigen. H. Sch. Deutschlands beingen müßten. Es kann dem Gläubiger A nicht zugemutet werden, auf seine Rechte nur zum Vorteil des Gläubigers B zu verzichten, besonders wenn, wie im vorliegenden Falle, B ohne den Beistand des Gläubigers A in der Vergangenheit nichts erhalten hätte und in der nahen Zukunft nichts erhalten würde. Gläubiger A sind in der Hauptsache Großbritannien und Amerika, Gläubiger B in der Hauptsache Frankreich. Das ist die Lage, der der am Montag zusammentretende Baseler Ausschuß gegenübersteht. Einer nach dem andern. Gesamtbetrieb von Henschel u. Sohn, Kassel. wird stillgelegt. — Kassel, 3. Dezember. Die Firma Henschel u. Sohn, .=., Kassel, eine der größten Lokomotivfabriken Deutschlands, hat am Donnerstag beim Regierungspräsidenten in Kassel den Stillegungsantrag gestellt und mitgeteilt, daß sie infolge der trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse gezwungen sei, nach Ablauf der vierwöchigen gesetzlichen Sperrfrist den gesamten Betrieb am 31. Dezember 1931 stillzulegen. Bei Henschel u. Sohn sind zur Zeit noch 1700 Arbeiter und 450 Angestellte im Betrieb tätig, so daß am 31. Dezember also 2100 Menschen Arbeit und Brot verlieren „Nur noch einige Wochen“. Rosenberg in London.— Hitler geht nicht dorthin. — London, 8. Dezember. Der„Evening Standard“ meldet, daß Herr Rosenberg, die rechte Hand Hitlers, in auswärtigen Angelegenheiten sich zurzeit in London aufhält. In Verbindung hiermit erklärt der„Evening Standard", daß Hitler nicht nach London kommen werde und daß im Augenblick keine Aussicht auf eine Hitler=Brüning=Koalition bestehe. Da Hitler 10 Jahre gekämpft und gewartet habe, könne er auch noch einige weitere Monate oder Wochen warten. Mit einer französischen Gruppe habe Hitler nicht verhandelt. Zollkampf. Abschluß neuer Handelsverträge erst nach Einigung mit den Dominien. — London, 4. Dezember. Wie der Unkerstaatssekretär im britischen Handelsministerium, Colville, bekanntgab, wird die englische Regierung keine endgültigen Abmachungen mit fremden Staaten treffen, welche die kommenden Vereinbarungen mit den Dominien gefährden könnten. Diese Ausführungen Colvilles bedeuten, daß die Zollbesprechungen Englands mit Frankreich, Belgien, Deutschland und Holland nur auf regelungen hinauslaufen können, und daß sich England für seine Verhandlungen mit den Dominien die Hände freihält. Die französisch=belgischen Zollverhandlungen werden voraussichtlich am Montag beginnen. Die französische Delegation, bestehend aus vier hohen Beamten des Finanzministeriums, des Handelsministeriums, des Außenministeriums und des Ackerbauministeriums. wird Sonntag nach London abreisen. Was seni Wriden! Pfund etwas erholt. Der weiteren Kursabschwächung des englischen Pfundes folgte eine Erholung. Ob es sich bei der Befestigung um mehr als eine natürliche Reaktion auf den vorangegangenen Verfall handelt, läßt sich noch nicht genau übersehen. Zur amtlichen Notiz stellte sich das Pfund auf 14,20(13,72) Mark.„Financial News“ führt diese Erholung des Pfundes übrigens auf das Eingreifen einer Großbank zurück. Die Faktoren, die gegen das Pfund arbeiteten, seien jedoch noch am Werke. Genossenschaften und Industrie. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit. — Essen, 4. Dezember. Der Gesamtausschuß des Reichsverbandes der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften— Raiffeisen— befaßte sich auf einer Tagung gemeinsam mit den Vertretern der westdeutschen Industrie und den Vertretern der Konsumenten mit der Frage einer„Zusammenarbeit der landwirtschaftlichen Genossenschaften mit Handel und Verbraucherorganisationen“. Die Aussprache ergab eine Bejahung der Gemeinschaftsarbeit auf allen Absatzgebieten. Es wurde festgestellt, daß alle Bemühungen um Produktionssteigerung durch einen fehlenden Zollschutz illusorisch gemacht werden. Besondere Kritik erfuhr der„Sortenwirrwarr“ in der landwirtschaftlichen Produktion. Anläßlich dieser Veranstaltung sprach der Präsident des Reichsverbandes, Reichsminister a. D. Dr. Hermes, bei einem Presseempfang über die gegenwärtige Lage der Landwirtschaft. Nach einer Schilderung der immer stärker werdenden Not der bäuerlichen Wirtschaft in Nordvest=, West= und Süddeutschland ging Dr. Hermes auf die Wirkungen der Osthilfe=Notverordnung ein. Subventionen, so führte er aus, könnten dauernde Erleichterungen für die Landwirtschaft nicht schaffen. Vielmehr müsse sie bestrebt sein, wieder Eigenkapital zu bilden und selbst für die Verbesserung ihrer Produktion zu sorgen. Die Landwirtschaft habe wie kein anderer Wirtschaftszweig Interesse an der Unantastbarkeit des Privateigentums, ein Grundsatz, der von der Notverordnung verletzt werde. Durch die Notverordnung sei die Möglichkeit gegeben, zu Gunsten einzelner landwirtschaftlicher Betriebe die Rechte der Gläubiger einfach zu vernichten. Der Kreditapparat in seiner Gesamtheit dürfe nicht gefährdet werden, wie es die Notverordnung zur Folge haben müßte. Im weiteren Verlauf der Tagung wurden neue Revisionsgrundsätze für das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen verabschiedet, wonach eine Revision sich nicht auf formelle Feststellungen beschränken darf, sondern die gesamte Geschäftsführung erfassen muß. Die Bestimmungen gehen sogar soweit, daß der Verband eine Genossenschaft ausschließen kann, die sich weigert, den Feststellungen der Revisionen zu entsprechen. Hinweise. Die Wirkung der Togal=Tabletten bei Rheumatismus, Gicht und Erkältungskrankheiten wurde nach einer Abhandlung in der medizinischen Fachzeitschrift„Fortschritte der Medizin“ in einem Berliner Militärlazarett erprobt. Das Resultat erwies, sich nach den uns gemachten Mitteilungen als überaus befriedigend, so daß die Behandlung obengenannter Krankheitserscheinungen mit den Togal=Tabletten durchaus empfehlenswert erscheint. Unserer heutigen Gesamtauflage liegt ein Bücherprospekt des Quell=Verlages der Ev. Gesellschaft bei, auf den wir auch an dieser Stelle empfehlend hinweisen. Kirchennachrichten für Zion. Sonntag, den 6. Dezember 1931(2. Advent). 8½ Uhr: Adventsgottesdienst Pastor Vischer; 9 Uhr. Pastor Kirschsieper, anschließend Beichte und Abendmahl; 10 Uhr: Pastor Frick; 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Adventsgottesdienste: Dienstag 19½ Uhr: Pastor Vischer; Donnerstag 10½ Uhr: Pastor Vischer. Kirchennachrichten für Schildesche. Sonntag, den 6. 12. 1931: 10 Uhr vorm. Hauptgottesdienst, Pastor Hopmann; 1½ Uhr: Kindergottesdienst; 5 Uhr: Pastor“ Neuhaus, Abendmahlsfeier. Freitag, den 11. 12. 1931: 8 Uhr: Adventsgottesdienst, Pastor Hopmann, Abendmahlsfeier. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Freitag, 8¼ Uhr Mitgliederversammlung in Gosen. Adventlich gestaltet. Streichquartett, Flötenspiel, Gesang, Deklamationen, Ansprache. Anzeigen aus Bethel. Hinweis! Dienstag, den 8. Dezember, und Mittwoch, den 9. Dezember, veranstalten wir im großen Saal des Hauses Gosen eine Ausstellung neuzeitlicher Strickkleidung, verbunden mit einem gleichzeitigen Verkauf der dort ausgestellten Waren. Es bietet sich Ihnen hiermit eine besondere Gelegenheit, schöne Pullunder und Pullover, moderne Westen für Damen und Herren, handgewebte Vorleger und Damenwesten, sowie Strickkleider, welche als Weihnachtsgeschenboim ner viel Freude bereiten, zu vorteilhaften Preisen e, Kuaufen. Wir kaden Sie dazu herzlich ein. Ophir, vereinigte Verkaufstellen der Anstalt Bethel. Unsere Weihnachtsausstellung ist eröffnet. Bis zum Weihnachtsfeste sind unsere Verkaufszeiten auch an den Sonnabenden von 8 bis 12 und von 14 bis 19 Uhr. Bei dieser Gelegenheit bringen wir unsere neuzeitlich eingerichtete Einrahmerei, in der auch bei uns nicht eingekaufte Bilder gerahmt werden, in empfehlende Erinnerung. Ophir, vereinigte Verkaufstellen der Anstalt Bethel. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitin: Dr H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Betdel. EIN GUTES BEISPIEL! Nelcher Jubel am Weihnachtsabend, wenn trohe Menschen sich beschenken! Wie zufrieden aber ist man erst, wenn man sich sagen dart, man hat gut eingekauft und alles hat längst nicht so viel gekostet. Vaters molliger Mantel, der Anzug des Sohnes, die„Kieler“ der Jungens - kurz: alles was der liebe Weihnachtsmann aus unserem Hause brachte, war sooo billig ###en Sie sich dieses Boi.######### Lalten Sie sien diefel Beispiel zum Besten dienen: für Sie ist es nicht weniger vorteilhaft, Ihre Caben bei uns zu kaufen!) Sonntag, den., 13. und 20. Dezember 1931 ist unser Geschäft Herren-Ulster aus modernen trogfähigen Stoffen, in allen— Formen von Aie 95 Ulster-Paletot 2 reinwollene Stoffe, ganz auf Kunstseide searbeitet........... von SO.# Herren-Wettermäntel In den verschiedensten Stoffarten und# Farbiögen........... von#####e on Herren-Anzüge„ in Sakko- sowie Sportform, fesche Mu... 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Advent, Advent, o Gnadenzeit, Du bringst den Himmel wieder, Es steigt der Herr der Herrlichkeit Von seinem Thron hernieder. Ihr Lieder klingt, ihr Lichter brennt: Es ist Advent. Kaum sind die Trauerklänge des Totensonntags verhallt, da erfüllt leises, geheimnisvolles Raunen und Singen die Lüfte. Adventsglocken klingen, nach all dem Sterben verkünden sie neue Freude, neues Leben. Durch das graue Dunkel des Novembers leuchten mit mattem Schein die Adventslichter; ein erstes seliges Ahnen kommender Weihnacht. Kinderaugen leuchten und jubelnde Lippen singen vom Christkind und frohem Weihnachtsglauben. Und die brennenden Kerzen mahnen an vergangene Tage, wo auch wir noch selige Kinder waren zur Adventsund Weihnachtszeit.— Adventszeit in den Tagen der Kindheit.— Da saßen wir, wenn hinter dem schwarzen Walde der graue Tag müde herabgesunken war und die Nacht heraufschwebte, bei den Eltern und Geschwistern im Wohnzimmer. Lustig brutzelten die Aepfel auf der Ofenplatte, mit köstlichem Duft den trautend Raum erfüllend, und der kleine Wasserkessel sang sein altes Lied. Und dann erzählten die Eltern vom Christkind, wie es nun zur Weihnachtszeit wieder vom Himmel herniedersteige und durch die Lande fahre, um nach den braven Kindern zu sehen. O Kinderherz, wie lauschtest du der Kunde, wie erfüllte sie dein ganzes Innere mit dem wonneseligen Gefühl unaussprechlichen Glückes.— Frohe Adventslieder erklangen dem lieben Christkind zum Gruß. Und zuletzt schwebte, ein wenig schüchtern und zaghaft zwar, noch wie aus weiten Fernen kommend, aber doch schon so frohlockend und beseligend, das alte traute: O du fröhliche, o du selige, durch den Raum. Wie jubelten da frohe Kinderstimmen in der beglückenden Vorahnung kommender, seliger Weihnacht.— Langsam und stetig sank die Dämmerung. Sterne blitzten auf, groß und hell. Des Mondes silberner Kahn schwamm auf weißblauem Gewölk und lugte neugierig ins Zimmer. Ein Lichtschein huschte über den Weg. Ob es vielleicht das Christkind war?— Sehnende Kinderaugen preßten sich vor die Fensterscheiben und suchten das Dunkel der hereinbrechenden Nacht zu durchdringen.—— Immer dunkler wurde es, und endlich zündete Mutter die Lampe an, jene alte ehrwürdige Petroleumlampe, deren mildes Licht sich so innig um die alten Möbel schmiegte.—— O selige Tage des Advents im Paradies der Jugend, ihr Stunden voll märchenhaften Zaubers und frommer Erwartung, wie leuchtende Sterne steigt ihr wieder empor am grauen Horizont des Lebens.— Advent. Klingt das nicht wie leises Hoffen, geht nicht ein Aufhorchen durch die geschäftige Welt, schlagen nicht des Lebens Pulse langsamer?— Wie von Engelshänden getragen, senkt sich aus lichten Höhen Adventsfrieden auf die ruhelose Erde.— Adventszeit mahnt an die tiefen, innigen Bilder Gebhardts, Uhdes und Steinhausens, welche die großen Heilswahrheiten des christlichen Glaubens unserem deutschen Gemüt besonders nahe bringen wollen. Und gibt es wohl eine trautere Zeit für das Innenleben des deutschen Herzens und der deutschen Familie wie die Advents= und Weihnachtszeit? Das Adventsbäumchen oder der Adventskranz, von den Kindern des Hauses aus frischem Grün des deutschen Waldes selbst verfertigt, schmücken das Zimmer. Lichter brennen, Lieder klingen.— Und doch, müssen wir nicht all das, was in diesen Tagen und Wochen auf uns eindringt, wieder so recht von neuem verstehen lernen? Lasset uns wieder werden wie die Kindlein. Sie singen und jubeln vom Christkind, ihr kindlicher Geist ist auf das Irdische gerichtet, er mag noch nicht das große Geheimnis der lichterund liederumwobenen Advents= und Weihnachtszeit zu ergründen. Sollten wir, denen dies himmlische Wunder bis in seine tiefsten Tiefen offenbar ist, da etwa zurückstehen?— O Erdenmensch, der du von der Not und dem Leid des Lebens gebeugt wurdest, schaue in die leuchtenden Augen deiner Kinder und freue dich mit ihnen. Singe dem großen König der Ehren aus vollem Herzen, ihm, der auf die dunkle Erde kam für dich,— ja, glaub und fasse es, er kam und starb für dich.—— Adventszeit ist Lichtzeit inmitten trüber, dunkler Wintertage, Freudenzeit inmitten der Sorgen und Kümmernisse des Lebens, Gnadenzeit für hungernde und dürstende Seelen, inmitten einer Welt der Sünde und des Todes. Ueber alle will sie ihr helles Licht ausgießen, allen will sie verkünden: Siehe, dein König kommt zu dir. Niemand ist davon ausgeschlossen, der sich mit einfälltigem Herzen ihrem stillen Zauber ergibt. Freilich, es ist nicht damit getan, daß die Kerzen brennen und die Lieder erschallen. Sehnsucht nach dem großen Adventskönig muß uns erfüllen, unsere Herzen müssen brennen, ihm zu begegnen. Und wer schenkt uns dieses sehnende Verlangen? Er selber muß es in uns wirken. Wir werden es reichlich und köstlich erfahren, wenn wir ihn ernstlich darum bitten und uns von den Propheten, jenen alttestamentlichen Führern, die schon vor mehr denn zweitausend Jahren heilige Worte der Weissagung fanden, willig hineinführen lassen in die weltengroße Offenbarung des Neuen Testaments, die uns den Heiland, das Licht der Welt, schauen läßt. Wir werden erkennen, daß Adventsglocken Werbeglocken sind für das Heil einer jeden Menschenseele. Unter ihren Klängen wird die Herrlichkeit der Liebe Gottes wie ein heller Licht= und Freudenstrom unsere traurigen Herzen durchfluten, und am Weihnachtsfeste werden wir Ich wandre still und einsam Im herbstlich braunen Wald. Das Laub rauscht unterm Fuße, Die Luft ist stumm und kalt. Kein Vöglein läßt sich hören, Sie zogen weithin fort; Die Sonne war ihr Leitstern Zum südlich warmen Ort. Verwelkt sind Blatt und Blüten Sie fielen matt herab. Die Erde nahm sie alle Zu sich ins kühle Grab. Wer hieß euch grünen, blühen Dort hoch in luftger Höh, Und läßt Euch sterben, fallen, Und dennoch auferstehn Aus Stoff, von Euch gegeben“ Der Erde, mit dem Tod, Aus dem ihr wiederkommet Dereinst ums Morgenrot? Da tönet leis ins Ohr mir Die Frage: Ach, wie lange Willst noch hienieden weilen? Wird's nicht darum dir bange? Mein Herz drauf sagt die Antwort: Es gibt ein Auferstehn Auch Dir, o Mensch; drum hoffe Auf einstges Wiedersehn. Oberlahnstein Adolf Deinet. mit unserm großen deutschen Reformator jubeln und singen: Er ist auf Erden kommen arm, daß er unser sich erbarm, und in dem Himmel mache reich, mit seinen lieben Engeln gleich. Halleluja!— Adventszeit— Lichtzeit— Gnadenzeit.— F. S. Wer war Jesus? Hat Jesus gelebt? Arthur Drews bestreitet es. Für ihn ist die ganze Jesusgeschichte Erfindung. Also das, was Otto Borchert in seinem„Goldgrund“ als Unmöglichkeit nachweist. Jesus hat gelebt! Wir halten es mit Lavater, der als Sterbender auf einen Zettel schrieb:„Zahllos und schrecklich sind die Zweifel des denkenden Christen; aber sie alle besiegt die Unerfindbarkeit Christi.“ Denn—„so erfindet man nicht!“. Die Evangelisten haben das Leben Jesu nicht erdichtet, sie„haben ein Original kopiert“. Sie haben ein Bild gezeichnet, das allen übrigen Vorbildern moralischer Vollkommenheit jener Zeit direkt entgegengesetzt ist. Wie hat Jesus gelebt? Wir reden soviel von Jesus und haben so wenig Ahnung, wie sein Leben verlief! Wir erkennen im allgemeinen einzelne Bruchstücke seines Lebens, einzelne Worte, einzelne Taten. Aber kennen wir auch nur einigermaßen die Geschichte des Lebens Jesu? Haben wir nicht zu wenig Kenntnis von dem äußeren und inneren Verlauf dieses einzigartigen Menschengeschehens und von den tatsächlichen profanen und kulturellen Hintergründen, vor denen es sich abspielte? Wenn Kierkegaard recht hat mit seinem kühnen, bitteren Ausruf:„Alle nennen wir uns Christen und haben keine Ahnung, was ein Christ ist!“—, muß dann nicht der eigentliche Grund hierfür darin gesucht werden, daß wir nicht wissen, wer und was Christus war, daß wir das Leben Jesu nicht kennen? Fürwahr, wirkliche Christen sind wir doch nur dann, wenn unser Leben Aehnlichkeit hat mit dem Leben dessen, nach dem wir genannt sind; wenn wir seines Geistes sind; wenn wir seine Art an uns haben; wenn wir„seinen Fußtapfen nachfolgen"; wenn wir transparent sind für seine Herrlichkeit! Er in uns, wir in ihm! Sein Leben— unser Leben! Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Was nennen wir ihn Herr und Meister, und tun doch nicht, was er uns gebietet und was er uns vorgelebt hat? Man redet von christlichem Glauben, christlicher Sitte, christlicher Schule, christlicher Politik, christlicher Kultur, christlichen Staaten, troßdem in all dem von Christentum oft so wenig zu verspüren ist, daß man fragen muß: Wie denkt ihr euch eigentlich Jesus Christus? Es gibt ein Wort im Evangelium, das wir nicht ernst genug beachten können; es heißt:„Nicht alle, die zu mir Herr, Herr! sagen, werden in das Himmelreich kommen, sondern, die den Willen tun meines Vaters im Himmel!“ Was der Wille des Vaters im Himmel ist, können wir nur bei dem lernen, der vom Himmel kam und dessen Speise es war, des Vaters Willen zu tun. Leben=Jesu=Forscher wüssen wir werden! Was nützt uns unsere ganze berühmte Bildung, wenn wir den nicht genau kennen, ohne den alles keinen Wert hat? Ich fühle die Pflicht, hiermit auf ein Werk hinzuweisen, das mir geholfen hat, Jesus so zu sehen, wie er war. Ganz so: mit beiden Füßen auf der Erde stehend und doch eins mit dem Vater, der ihn sandte— so zeichnete ihn das große Werk von Friedrich Oehninger:„Das Leben Jesu.“ Friedrich Oehninger war s. Zt. Pfarrer in Laufen am Rheinfall und ist vor allem bekannt durch seine„Geschichte des Christentums“, die im 70. Tausend vorliegt. Sein „Leben Jesu“ erschien erstmals vor 30 Jahren, ist aber längst nicht veraltet. Ich würde es hier sonst nicht empfehlen. Es ist erst im 26.—30. Tausend vorhanden, verdient aber die höchste Beachtung der Geistlichen und Laien. Es verfolgt keinen rein fachwissenschaftlichen Zweck, ist aber wissenschaftlich stark fundiert. Die Sprache ist sehr klar, einfach und unzweideutig. Die geistigen Beleuchtungen sind oft überwältigend. Das Werk stellt im großen Ganzen eine Art Evangelienharmonie dar, deren Chronologie vielleicht da und dort angefochten werden kann, immer aber einen hohen Grad der Wahrscheinlichkeit für sich hat. Das wertvollste Ergebnis seines Studiums war für mich das Erkennen des Weges, den Jesus gegangen ist: wie die anfängliche Volksbegeisterung rasch ihren Höhepunkt erreicht, um dann unter vereinzeltem Aufflammen fortan mehr lokal und zurückhaltend sich zu zeigen; wie nach der Speisung der 5000 der Abfall der Nationalisten, Idealisten, Materialisten und Moralisten eintritt und Jesus in der zweiten Hälfte seiner Wirkungszeit mehr und mehr seine Hauptaufgabe erblickt in der Schulung und Vorbereitung der zwölf erwählten Apostel für ihre zukünftige Sendung und Stellung.— Recht willkommen war mir das öftere Eingehen auf besonders landläufige Kritiken bestimmter Berichte vonseiten Ungläubiger und Theologen. Die Schilderungen der kulturellen, wirtschaftlichen, religiösen und politischen Lage jener Zeit ist äußerst hilfreich. Gegenwärtig leistet mir das Buch bei der Behandlung der Passionsgeschichte mit Zwölfjährigen in der Schule den allerbesten Dienst. Trotz seines teilweise apologetischen Charakters ist das Werk vorwiegend evangelistischer Natur und darum ein Volksbuch im besten Sinne. Der einfache Leser und der gebildete Leser kommen beide auf ihre Rechnung. Der eine wie der andere werden zur Stellungnahme und zum Weiterdenken geradezu gereizt. Sie vernehmen das alte Evangelium und erleben es doch völlig neu! Und darin erblicke ich den Hauptwert des Oehningerschen Werkes: man erlebt„das Leben Jesu“ tieferschüttert mit. Dabei waltet stets das befriedigende Gefühl, keine romanhafte Dichtung vor sich zu haben, sondern die überzeugende Quellenzusammenstellung eines lauteren Historikers. Das Werk überzeugt von dem Urteil des Verfassers im Vorwort:„An Gründen, zu glauben, fehlt es wahrlich nicht; aber man muß auch wollen. Die Wollenden sind die Erwählten.“ „Das Leben Jesu"=Buch hat 500 Seiten; 80 ganzseitige gute Kunstdruckbeilagen(meist nach bed. Meistern), 30 Textabbildungen(Landschaften, deren Clichees z. T. durch neue ersetzt werden sollten), ist 17:24,5 groß und in feinem blauem Ganzleinenband und Halbleder käuflich. Auf meine Veranlassung hat der Verlag(Carl Hirsch, Konstanz, Baden und Kreuzlingen, Schweiz) vor kurzem den Preis um.— Mark herabgesetzt; er beträgt jetzt .— Mark bezw. 10.— Mark. Es ist schwierig, aus dem vielseitigen Buch, das Quellensammlung, Apologetie, Kulturschilderung und evangelistische Verkündigung in einem ist, nur einen kurzen Abschnitt zur Probe herauszunehmen. Doch soll es geschehen. Der folgende Abschnitt steht in dem Kapitel„Apostelwahl und Bergpredigt“(S. 135): „Da standen sie nun, die Zwölfe, im hellen Morgenlicht, eine Gruppe für sich bildend, bestimmt, einst die Welt zu belehren und zu bekehren. Sollten sie wirklich dazu geeignet sein, die ungeschulten Fischer? Keiner von ihnen hatte ja studiert; der Gebildetste unter ihnen war wohl der Zöllner Matthäus. Warum erwählte Jesus nicht Gelehrte und Aelteste, Reiche und Angesehene, Leute wie Nikodemus, den Obersten der Juden und den Meister in Israel, oder wie den Hauptmann von Kapernaum? Alle menchlichen Mittel, Staatsklugheit und Macht, Beredsam keit und Reichtum hat Jesus verschmäht für sein großes Werk heranzuziehen und ungeeignet erscheinende junge Fischer gewählt. Die Geschichte kennt nichts, das gewagter erscheinen kann. Um die Welt zu retten und zu heiligen hat Jesus nur seinen Geist und er erwählt deshalb Menschen, die am willigsten und fähigsten sind, dieses Geistes Träger zu sein. Gelehrsamkeit, Glück und hohe Stellung in der Welt, eigene Gerechtigkeit usw. könnte sie nur hindern, dem Wort und Werk Jesu sich ungeteilt hinzugeben. Die Apostel waren nicht so ungeeignet, wie es scheinen mochte; sie waren rechte Schüler der göttlichen Einfalt und Wahrheit; ihre Botschaft war nicht sowohl an den Verstand, als an Herz und Gewissen der Menschen gerichtet; ihr Führer sollte nicht Rabbinenweisheit und Schulgelehrsamkeit, sondern der heilige Geist sein; ihre ganze Wissenschaft sollte zugleich heilige Praxis sein und in Demut einzig von den Lippen Jesu gelernt werden.“— Hermann Leitz. Wir treten zum Beten... (Altes und neues Liedgut.) Es ist bezeichnend, daß das wertvolle Gut des evangerischen Chorales neben dem religiösen und ursprünglichen Volkslied zu den Geistesgütern unseres Volkes gehört, die den Wechsel der Zeiten überdauern, weil sie eben überzeitlich aus ewigen Quellen fließen. Alles Irdische ist vergänglich und damit auch die Formen unseres staatlichen und völkischen Lebens. Lieder, die wir als „unzeitgemäß“, empfinden, sind der beste Prüfstein für unsere geistige Wandlung. Ist die Melodie wenig wertvoll, dann verschwinden sie„sang= und klanglos“. Ist sie aber ein„himmlisch Gut“, also über den Zeiten stehend, dann entsteht die Spannung zwischen dem Komponisten und dem Dichter, die auf„Ehescheidung“ drängt.„Was Gott zusammengefügt, soll der Mensch nicht scheiden.“ Niemand wird auf den Gedanken kommen, z. B. das Lied:„Ein feste Burg ist unser Gott“ irgendwie zu trennen. Im Zeitenwechsel gibt es drei Wege, um die Spannung zwischen Wirklichkeit und einer Ausdrucksform dieser Wirklichkeit: Gesang, zu überwinden. 1. Man geht zurück auf das älteste, unteilbare Liedgut. 2. Man schafft Text und Melodie schöpferisch neu. 3. Man unterlegt wertvollen Melodien einen neuen Text. Es ist aber dann nicht zu vermeiden, daß der dritte Weg die Herkunft aus einer andern„Ehe“ nicht verleugnen kann. Das heißt die Bereicherung an Liedgut auf dem dritten Wege darf nur eine Notlösung sein. Es besteht keine Garantie, ob sie als unteilbares Ganzes ins Volksbewußtsein übergeht. Eine Zwischenlösung ist durch Hinzufügen eines oder mehrerer Verse möglich, wie z. B. beim Deutschlandlied: Deutschland, Deutschland über alles Und im Unglück nun erst recht, Nur im Unglück kann die Liebe Zeigen, ob sie stark und echt. Und so soll es weiter klingen Von Geschlechte zu Geschlecht: Deutschland, Deutschland über alles, Und im Unglück nun erst recht! In der Zeit unmittelbar nach dem Kriege flüchtete man, wenigstens in Kreisen der Jugendbewegung, zurück zum altdeutschen Lied. Neues Liedgut brachten die politischen Strömungen.(Horst=Wessel=Lied u..) Ein Zeichen der Ueberbrückung von alt zu neu sind die Umdichtungsversuche wertvoller Lieder der Vergangenheit. So ist die neue Textgestaltung zu dem Lied:„Wir treten zum Beten", als wertvoller Versuch zu begrüßen, denn tatsächlich ist der alte Text heute nicht mehr sangbar.(Aufwärts Nr. 269.) Doch sei mir gestattet auf eine wesentliche Unklarheit im ersten Vers hinzuweisen.(Die Erkenntnis dieser Unrichtigkeit geht über den Rahmen einer persönlichen Mitteilung an den Herrn Verfasser hinaus.) Wenn es heißt: „Wir sollten dich ehren, zu dir uns bekehren, Volk Gottes noch zu heißen, wir sind es nicht wert", so kann doch die Aufforderung zum„ehren und bekehren“ an das„Volk Gottes" wohl nur aus der Gleichsetzung deutsches Volk gleich„Volk Gottes“ geschehen sein. Weite Kreise unserer nationalen Bewegungen kommen nicht zur rechten Gotteserkenntnis, weil sie nicht klar sind über die wahren Grenzen zwischen dem„Volk Gottes“, das der Herr aus allen Nationen beruft, und dem eigenen Volk. Wer zum Volke Gottes gehört, kann wohl in der täglichen Buße stehen, aber Bekehrung und Wiedergebürt läßt sich nicht wiederholen. Weiter erscheint mir, dem ursprünglichen Charakter des Liedes entsprechend, der vaterländische Grundton nicht stark genug angeschlagen zu sein. Zum Vergleich möchte ich einen andern Lösungsversuch bringen, wie er im Liederbuch:„Singet fröhlich, singet!"(Eisenach, Neulandverlag) steht. Hier dichtet Max Liebermann v. Sonnenberg f: „Wir beten in Nöten zu Gott, dem Erretter: Herr lindre und mindre das schwere Geschick. Wir treiben wie Blätter in Sturmesnot und Wetter, O gib uns das Land unsrer Väter zurück! Kein Teufel soll Zweifel im Herzen uns säen, Den Glauben uns rauben ans ewige Recht. Die Welt mag vergehen, das Recht bleibt bestehen, So lehren wir's treulich das junge Geschlecht. Herr, höre: Ich schwöre dem Volk und dem Lande Ohn' Wänken und Schwänken zu halten die Treu! Einst tilgst du die Schande und lösest die Bande, Die Rache ist dein. O Herr, mach uns frei!“ Der charakteristisch, wuchtige Schlußsatz:„O Herr, mach uns frei!“ darf bei einer Umdichtung dieses Liedes nicht sehlen. Das erwähnte Liederbuch enthält Beiträge aus den Gruppen—3 und bietet somit ein wertvolles Spiegelbild von altem, neuem und umgedichtetem Liedgut deutscher und evangelischer Prägung. Eine erfreuliche Bereicherung hat auch die Neuausgabe der„Reichslieder“ erhalten(2401.—2450. Tausend der Gesamtauflage). Neben den altbewährten Stammliedern der deutschen Gemeinschaftsbewegung findet sich diese Anpassung an deutsche Gegenwartsnöte: „Vater, segne du uns alle, Schirm dein Volk mit gnäd'ger Hand. Zu dir auf mit frommem Schalle, Singt das ganze(?) Vaterland. Gib uns Brot und edlen Frieden, Fleiß'ges Tun für jede Hand, Daß zu deiner Ehr' hienieden Froh sich rege jeder Stand. Schenke ihnen Treu und Klarheit, Die zu Führern wir erwählt, Daß das helle Licht der Wahrheit, Nie in ernster Stunde fehlt. Und gib uns Geduld zu tragen, Wenn das Herz in Unruh schlägt, Laß den Mut uns nie verzagen, Wenn uns Sorg' um Deutschland quält. Wahre unsres Reiches Einheit, Ende Zwist und Niedertracht. Gieße in die Seele Reinheit, Daß kein Haß uns uneins macht. Scheuche du von unsern Grenzen, Neid'ger Feinde Uebermacht, Halte du ob Kreuz und Kränzen, Der Gefall'nen treue Wacht. So laß unsres Volkes Leben, Ernste Vorbereitung sein, Wenn wir einst zu dir entschweben, Einzugehn in deinen Schein. Wollest Mild und Gnad bescheren, Hilf uns in den Himmel ein, Daß wir mit verklärten Chören,“ Dir das Hosianna weihn. (Mel.: Herz und Herz vereint.) Hans Joachim Moser. Es ist ja ein Wunder, daß unser Volk heute noch am Liede seine Freude hat. Sorgen wir nur, daß immer mehr das Gute das Schlechte verdrängt. Solange wir noch gute Lieder singen, können wir nicht sinken! „ Georg Wehnert. und In mancher Hinsicht sind die Kirchen mit ihren Organisationen und mit ihren Aeußerungen in all' die Schwierigkeiten verflochten, welche die große Wirtschafts= und Sozialkrise aller Länder mit sich bringt. In der allgemeinen Verwirrung und Unsicherheit des Wirtschafts= und Kulturkampfes klare Grundgedanken herauszuarbeiten, welche maßgebend sind für die soziale Arbeit und Stellungnahme der evangelischen Kirche, tut not. In diesem Zusammenhang wird auf eine Arbeitswoche für Theologen hingewiesen, welche von der Evangelischsozialen Schule unter Leitung von Professor Brunstäd vom 20.—25. Januar 1932 stattfindet. In der Folge dieser alljährlich stattfindenden Lehrgänge wird diesmal die Krise des Kapitalismus, die Fragen des Faschismus und Bolschewismus, sowie die Wirtschaftslage und sozialen Verhältnisse der Vereinigten Staaten Gegenstand der Erörterungen sein. Es gehört hinzu im Rahmen solcher Erörterungen die grundlegenden geistigen Kräfte, die heute miteinander kämpfen, zu beachten. Deshalb werden im Zusammenhang damit der Gottlosenbewegung, ihren Formen und Wirkungen ebenfalls gründliche Arbeitsgemeinschaften gewidmet. Nach der Einleitung des Lehrganges durch Professor Brunstäd über die Krisis des Kapitalismus wird Reichsminister Dietrich über die Stellung Deutschlands in der Weltwirtschaftskrisis sprechen, woran sich des weiteren Berichte und Aussprachen über die Wirtschaftslage und sozialen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten anschließen. Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden hierzu aus eigenem Erlebnis beitragen. Ueber Sowjetrußland spricht Professor Dr. Hoetzsch grundlegend, während Dr. Hoeffding von der amerikanischen Handelsbotschaft, Berlin, über den=Jahres=Plan, Professor Auhagen über die sozialen Veränderungen durch die Agrarrevolution berichten. Die Verfassung und Entwicklung des Faschismus wird grundsätzlich behandelt von Generaldirektor Glum der Kaiser=Wilhelm=Gesellschaft, Berlin; anknüpfend hieran wird über die praktischen Verhältnisse italienischen Lebens ein Vertreter der Add. Com. R. Amb. italia=Berlin zu Worte kommen. Eine besondere Gruppe im Rahmen dieser Arbeitswoche bilden die Verhandlungen über Bolschewismus und Gottlosenbewegung, welche den Uebergang bilden zu einem anschließenden=Tage=Kursus der Apologetischen Schule über Kirche und Gottlosenbewegung. Die Kursuskosten belaufen sich auf 35.— Mark für Verpflegung und Unterkunft. Kursuspläne sind erhältlich und Anmeldungen sind zu richten bis spätestens 16. Jan. an die Geschäftsstelle der Evangelisch=sozialen Schule, Spandau=Johannesstift, Stöckerhaus. Zehn Jahre Arbeit im Eichenkreuz Die jährliche Herbstsitzung des Eichenkreuz=Turnrates gab diesmal Anlaß, der zehnjährigen Wiederkehr jenes Septembertages 1921 zu gedenken, an dem es in Auswirkung der denkwürdigen Kasseler Pfingsttagung erstmals zur organisatorischen Zusammenfassung der Leibesübungen im evangelischen Jungmännerwerk Deutschlands kam. Ganz naturgemäß gestaltete sich infolgedessen der Ueberblick über die Lage, mit dem der Vorsitzende die Sitzung an der Reichslehrstätte des Eichenkreuz in Kassel eröffnete, zu einem Rückblick auf zehn Jahre eines tapseren und kühnen Weges grundsätzlicher Abkehr von den Modeströmungen im deutschen Sportleben der Gegenwart, also insbesondere eines Kampfes gegen Sensationssport und Rekordsucht und einer bewußten Erziehung zu volkstümlicher und jugendgemäßer Breitenarbeit auf dem Gebiete der Leibesübungen werktätiger Jugend. Der Bericht von Reichswart D. Stange griff aus den Ereignissen des letzten Jahres vor allem ein Dreifaches heraus: Er gedachte der im Laufe des Sommers erfolgten Inkraftsetzung des neuen Eichenkreuzgesetzes, mit dem die planmäßige Aufbauarbeit der letzten zehn Jahre in gewisser Weise zum Abschluß gekommen ist. Indem gleichzeitig der 3. Band des Handbuches für das evangelische Jungmännerwerk Deutschlands erschienen ist, bietet sich damit eine wertvolle Handreichung zur inneren Vertiefung der Eichenkreuzarbeit auf biblischer Grundlage. Besonders eingehend wurden schließlich auch die Einblicke in das Sportleben der großen amerikanischen Jungmännerarbeit die die Teilnahme an der 20. Christlichen Jungmänner=Welttagung in Nordamerika bot, erörtert, da an ihnen besonders deutlich werden kann, wie verwüstend der Sport innerhalb einer Jugendarbeit werden kann, wenn er nicht äußerlich und innerlich tief in die Gesamtaufgabe der Jugendführung eingefügt ist. Das Eichenkreuz war innerhalb der deutschen Abordnung bei den Weltkonferenzen auch noch durch Bundesturnwart Handrick=Schlesien und Bezirksturnwart Gottschalk=Kassel vertreten und konnte so in die Auseinandersetzungen auf diesem Gebiet nachdrücklich mit eingreifen. Wenn sich die Verhandlungen des Reichsturnrates im übrigen bereits mit der Vorbereitung der 2. Deutschen Eichenkreuztagung zu Pfingsten 1932 in Kassel beschäftigten und dafür die Ausschreibungen im einzelnen festlegten, so lag es doch in der Sache, daß alle Gedanken und Pläne immer wieder zunächst durch den Blick auf den bevorstehenden Notwinter deutscher Jugend festgehalten wurden. Man war sich bewußt, daß hier eine besondere Verantwortung des Eichenkreuz erwächst. Wenn unter der Last deutscher Not die Auswüchse des modernen Sportlebens vielfach zusammenbrechen müssen, so wird die Stunde einer Arbeit gekommen sein, die auf dem Boden der Leibesübungen planmäßig die Ertüchtigung des jungen Menschen ohne Rücksicht auf Rekordleistungen betreibt und Turnen wieder als„Arbeit im Gewande jugendlicher Freude" vertehen lehrt. Das Eichenkreuz hat deswegen an dem umfassenden Dienst für Arbeitslose, den die evangelischen Jungmännerbünde in den letzten Monaten durchführen konnten, seinen vollen Anteil.— Einen wichtigen Teil nahm schließlich die Frage der Leibesübungen auf dem Lande ein, an denen als Vertreter des Landesausschusses beim Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen gastweise Dr. Heyn teilnahm. Bei der starken Ausbreitung, die das deutsche evangelische Jungmännerwerk gerade auch unter der ländlichen Bevölkerung aufweist, und bei dem erfreulichen Aufblühen der Bauernburschenarbeit in verschiedenen Teilen des Reiches fällt dem Eichenkreuz für den planmäßigen Ausbau der Leibesübungen unter der Landbevölkerung eine hervorragende Aufgabe zu. Kriegsgefahr und christliches Gewissen. Anläßlich der Kriegsgefahr in der Mandschurei hat der Weltbund der Christlichen Jungmännervereine, der in 54 nationalen Landesverbänden rund 1,7 Millionen Mitglieder umfaßt, seine Landesvereinigungen in China und Japan auf telegraphischem Wege aufgerufen, ihren Einfluß für eine Beilegung des Konfliktes durch friedliche Mittel geltend zu machen; sie sollen zur Geduld mahnen und sich in der Fürbitte für die Erhaltung des Friedens mit dem Weltbund vereinigen. Das Telegramm ist von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Weltbundkomitees, Pfarrer D. Köchlin=Basel, und dem Generalsekretär Gethmann unterzeichnet. Bücher und Zeitschriften. Die hier angezeigten Bücher sind zu beziehen durch die Buchhandlung der Anstalt Bethel. Das Arbeitslager. Die in dem vorl. Buche von Prof. Eugen Rosenstock und K. D. v. Trotha zusammengefaßten Berichte sind ein wichtiges Dokument unserer Zeit. Es ist die erste Schrift, die das ganze Tatsachen= und Erfahrungsmaterial über die bekannten schlesischen Arbeitslager zusammenfaßt, die seit Jahren den Gedanken des Arbeitsdienstes praktisch verwirklichen. Was der einzelne Teilnehmer sieht und erlebt, wird ebenso authentisch festgehalten wie die organisatorische Durchführung und die geistige Zielsetzung der ersten Gruppenlager. Nicht aus ökonomischen, politischen oder pädagogischen Zweckgründen wurden die Arbeitslager ins Leben gerufen, sondern um Arbeiter, Bauer und Student in positiver Tätigkeit zusammenzuführen und praktische Bewährung an die Stelle theoretischer Diskussion zu setzen. Hier im Aufwärts sind schon Berichte von Teilnehmern an solchen Arbeitslagern erschienen. Wer sich gründlich mit der Sache beschäftigen will, findet in dem Buche Erfahrungen und Urteile von Leuten, die versucht haben, vom Plane zur Tat zu schreiten. Es ist im Verlage von Eugen Diederichs in Jena erschienen und kostet kart. 4,60 Mark. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannoter 67377,„Auswärte", liches Tageblatt Bethel b. Bieleseld. Fernruf 3911/3919. Amt Bieleseld. Druch und Verlag: Anstalt Bethel.