Christliches Tageblatt— ehnr epel.„Botamut Hestells. 1. Bürs angit don##lgda Esiv Heuz eund Go#“. Die einspaltige, Milltiueterzeile oder deren Rauy 10 Pfengig, 95h Vestelgebähr, betn eigegg7 e. e. gre e duer den Wenagen„Vile Wroß Uuldo Melllw g Perslame B, Bis,„Fgiagen unter B a k, Splerg, H. B. Ansland unter Streipan. 1. Jegztkonto Fannover G79. Egg9d9####.#eg gasod GtasSog##ol en Schluß der Anzeigenennnghme nachmtttage 3 Uhr. PostschecEinzelnummer 10 Pfg. Postscheakonto Hannover Glur.„Kinoergalbe Kandd„Tullfen Atel.“ konto Hannover GrPhr. Possche nit ven Genagen Ewur=Derz und „Aenwerhade und„Anses Klel.“ Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Poum 10 Bfennia. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter Wgie tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annghme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67877. Nr. 274. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Dienstag, den 24. November 1931. 13. Jahrgang. Man muß in dürren Leidenstagen So bald nicht von Verlassen sagen. Glaub's! wer nichts will als Gott allein, Kann nie von Gott verlassen sein. Tersteegen. Mimmgzz mmi Frankreichs Macht als deutsches Schicksal. Nach der Darstellung der französischen Presse verdankt Frankreich seine gegenwärtige finanzielle Stärke lediglich seiner Sparsamkeit und Arbeitsamkeit.— Es ist wohl wahr, daß der Franzose die von den Vorkriegsgenerationen übernommene Sparsamkeit trotz Sieg beibehalten hat. Doch ist dieses nicht die Folge bewußter Willensanstrengung, sondern vor allem die Wirkung seiner Geistesverfassung, von der er sich nicht lösen kann. Ueber die Arbeitsamkeit des Franzosen herrscht in Deutschland keine Meinungsverschiedenheit. Frankreich glaubt nun fest daran, daß sein Reichtum nicht durch die deutschen Tribute und seine Sparsamkeit, sondern allein durch seine Sparsamkeit und Arbeitsamkeit hervorgerufen sei. Die Lage Deutschlands sei dagegen durch die Verschendungssucht der Nachkriegszeit herbeigeführt worden. Wenn Deutschland der französischen Hilfe bedarf, um zu Kräften kommen zu können, so folgert die französische öffentliche Meinung, dann ist es nur recht und billig, daß das deutsche Volk ausreichende politische und wirtschaftliche Garantien gibt, um einen etwaigen Verlust des durch Sparsamkeit und Arbeitsamkeit erworbenen Goldes aus. zuschalten. „Mit den Deutschen allein werden wir Franzosen schon fertig. Wir wissen, wie wir sie behandeln sollen. Befinden sie sich allein uns gegenüber, dann schicken sie sich rasch in das Unvermeidliche und finden sich mit den fertigen Tatsachen ab.“ Und so ist es Laval gelungen, Amerika davon zu überzeugen, daß eine Einigung zwischen Deutschland und Frankreich über die Reparationen am leichtesten durch direkte Verhandlungen zu erreichen ist. Die Verhandlungen zwischen Berlin und Paris haben begonnen. Das Resultat ist noch nicht bekannt. Der „Temps“, der allgemein gut unterrichtet ist, schreibt in einer seiner letzten Nummern u. a. folgendes: „In diesen Tagen wird wahrscheinlich in bezug auf die Politik der Mitarbeit, von der allein Deutschlands Gesundung erwartet werden kann, ein entscheidender Schritt getan. Nach den vorliegenden Nachrichten wird nämlich Deutschland offiziell die Einberufung des beratenden Ausschusses erbitten, der im Youngplan zur Prüfung der deutschen Leistungsfähigkeit vorgesehen ist. Deutsche Zeitungen haben berichtet, daß eine wirkliche Einigung zwischen Berlin und Paris getroffen worden ist. Dieses trifft nicht zu. Zwei Fragen stehen zur Diskussion: Einmal das Recht Deutschlands, den im YoungPlan vorgesehenen beratenden Ausschuß einzuberufen, dann das weitere Recht Deutschlands, gleichzeitig einen Bankierausschuß zu bilden, der die Frage der kurzfristigen Kredite prüfen soll. Nach Beendigung der Arbeiten dieser beiden Komitees wird eine Konferenz der Signatarmächte des Youngplans stattfinden. Zwischen Deutschland und Frankreich besteht aber über das Arbeitsgebiet des ersten beratenden Ausschusses Meinungsverschiedenheit. Während Frankreich der Meinung ist, daß der im Youngplan vorgesehene Ausschuß sich lediglich mit der Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit vom Gesichtspunkt der Reparationen aus befassen, wünscht Deutschland, daß dieses Komitee in seinen Folgerungen auch die privaten Schulden berücksichtigen soll. In anderen Worten soll nach der französischen Thesis der beratende Ausschuß sich lediglich auf die ihm von Youngplan zugewiesene Aufgabe beschränken. Seine Empfehlungen sollen also nur die Reparationsfrage behandeln. Die deutsche Thesis geht dagegen dahin, daß der beratende Ausschuß auch die Folgerungen berücksichtigen soll, zu denen das Komitee der Bankiers gekommen ist. Danach wird die Rückzahlung oder Konsolidierung der kurzfristigen Schulden zu einem Hauptfaktor in der Beurteilung der deutschen Zahlungsfähigkeit. Die Schulden des Reiches würden demnach eine Priorität gegenüber den Reparationen haben. Frankreich wird sich der Erweiterung der Aufgaben des beratenden Ausschusses des Youngplanes und der Priorität der Privatschulden widersetzen. Es geht nicht an, daß die Reparationen für die Schulden geopfert werden sollen, die von internationalen Bankiers leichtfertiger Weise gewährt und von Deutschland in verschwenderischer Weise verbraucht worden sind. Frankreich wird sich von sseinen berechtigten Forderungen nicht abbringen lassen, auch wenn in Amerika und England Kreise vorhanden sind, die gern von Frankreich die Aufgabe seiner Forderungen erwarten, um das eigene Geld zu retten. Die französische öffentliche Meinung steht hinter der Regierung. Sie wird nicht zugeben, daß eine Regelung getroffen wird, die sich außerhalb der Bestimmungen des Youngplanes bewegt.“ E. F. K. brauchen wir Siedlungspfleger und=pfiegerinnen: Von G. v. Bodelschwingh. Sie sollen gleichsam die Tragbahre, die die letzten Schwächsten aufliest, mitführen, damit nur gar keins zurückbleibt. Friedrich der Große, Goethe, Freiherr vom Stein, Bismarck haben durch Wort und Tat nachdrücklich darauf hingewiesen, welche Bedeutung die Seßhaftigkeit für die Familie hat. Seßhaftmachung, Freiheit und Eigentum verbinden die Familie mit der Schöpfungswelt und dem Vaterlande und verbürgen die Gesundheit eines Volkes. Aber was ist aus dem Ziel geworden, das uns die Größten und Besten unseres Volkes gesteckt haben? Ungezählte in Stadt und Land haben sich voll Sehnsucht zu diesem Ziele aufgemacht. Aber sie sind nicht ans Ziel gelangt. Wohlfahrtseinrichtungen der verschiedensten Art haben sich an beiden Seiten des Weges niedergelassen und oft hochragende Gebäude errichtet. Alle sind mit den besten Absichten entstanden: Kranken=, Unfall=, Lebens= und Alters=Versicherungen, Krankenhäuser, Genesungsheime, Luftkuranstalten uff. uff. Keine dieser Unternehmungen hat die Absicht gehabt, die Wanderer auf dem Wege zum eigenen Heim bei sich festzuhalten, sie wollten vielmehr nur Raststätten auf diesem Wege sein. Aber was ist geschehen: Die selbständige, von der Sonne umstrahlte Heimstätte im Schatten der eigenen Bäume auf eigenem Grund und Boden wäre doch das beste Kindersanatorium gewesen, das froheste Jugendheim, die behagliche Zufluchtsstätte für Zeiten des Alters und der Invalidität, die sicherste Sparkasse und das wohlfeilste Krankenhaus. Denn in solchem Heim wären durch Sonne und Luft eines eigenen Hauses und Gartens nicht nur Krankheiten geheilt, sondern noch vielmehr Krankheiten des Körpers und der Seele wären verhindert worden und eine körperliche und seelische Volksgesundheit wäre aufgeblüht. Stattdessen ist nahezu unser gesamtes Volk in den verschiedenartigsten Wohlfahrtseinrichtungen rechts und links des Weges hängen geblieben, und ist dafür zu einer müden Masse von Mietern und unbefriedigten Rentenempfängern, statt zu einem frohen und seßhaften Volke geworden. Der Staat hat nicht rechtzeitig Polizeistunde geboten, um die Wanderer zum Verlassen der Herbergen und zur Fortsetzung ihres Weges zu veranlassen, und die Kirche hat die Bedeutung des fernen Zieles nicht erkannt, nicht durchdringend genug gewarnt, doch über dem geringen und flüchtigen Behagen der Gegenwart das mühsame, aber notwendige Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren. Während des ostafrikanischen Feldzuges hatte ich tief im Inneren an der Nord=West-Grenze unserer Kolonie meinen Dienst in einem Feldlazarett für eingeborene Soldaten. Wir waren schließlich wie eine Familie geworden. Als infolge des übermächtigen Druckes der vereinigten englischen und belgischen Kriegsmacht der Befehl zum Rückzug gegeben wurde, brach unser Lazarett als erstes auf. Die kämpfende und schützende Truppe folgte. Sechs Wochen sollte unser Marsch dauern, auf das rettende Ziel der ostafrikanischen Zentralbahn zu. Jetzt kam es darauf an, ob die Kraft unserer vielköpfigen Familie sich bewährte. Aus Stangen und zerschnittenen Ochsenhäuten machten wir Tragbahren und betteten unsere Verwundeten und Kranken darauf. Was irgend Kräfte hatte, humpelte nebenher. Wir waren nur zwei Weiße. Einer nahm die Spitze, der andere das Ende. Der, der am Ende marschierte, hatte eine leere Tragbare mit 4 frischen Trägern bei sich. Auf diese Bahre kam jedesmal der, der zu ermüden drohte. Oft eine Stunde und mehr dehnte sich unser Zug in die Länge. Aber Bedingung war: Keiner bleibt zurück. Wer müde wird, kommt auf die Bahre. Zweimal gab es mehrere Tage erquickende Rast, dann ging es weiter. So blieb unser Zug 6 Wochen lang guter Zuversicht, und bis auf einen tapferen jungen Soldaten, den wir auf S den Höhen von Urundi begraben mußten, kam unsere große Familie ans Ziel. Was ist demgegenüber aus ungezählten deutschen Familien geworden? Auf dem Wege zum gemeinsamen Ziel des eigenen Heims ist die Familie zersplittert. Rechts und links haben sich unterwegs hier der Vater, da der Sohn, dort ein anderes Mitglied des Zuges abgesondert. Wozu der mühselige weite Marsch, wenn man es vorher erträglich haben konnte. Im Krankenhaus rechts, im Altersheim links, im Luftkurort oben auf den Bergen, auf den Spiel= und Sportplätzen unten in den Tälern, in ungezählten Heimen für Freizeiten und Fortbildung jeglicher Art gab es Ablenkung, Erholung und Bereicherung die Fülle. Oder wollen wir uns noch länger der Tatsache verschließen, daß die einseitige Ausgestaltung des Wahren und Guten, daß in unseren Wohlfahrtseinrichtungen beschlossen ist, ohne das Gegengewicht und die Ergänzung durch die eigene Heimstätte geradezu eine unheilvolle Wirkung auf unser gesamtes Volksleben und zwar auf seine entscheidende Stelle, die Familie, ausgeübt hat? Wie schmiedete früher jede Krankheit, jeder Unfall, jede Feuersbrunst, jedes Hagelwetter, jede Seuche die Familie, Verwandtschaft, Freundschaft, Nachbarschaft uff. zusammen, um heute der Not zu wehren, die morgen jeden anderen treffen könnte! Aber was geschieht jetzt angesichts der aufs höchste gesteigerten Wohlfahrtspflege? Anstelle der tausendfachen Kräfte des Gemüts, der persönlichen Fürsorge und der persönlichen Hingabe tritt überall die unpersönliche kalte Kasse ein, legt dadurch die Familienkräfte lahm, ja, zerreißt vielfach den Familienzusammenhang in lauter Einzelexistenzen. Alle die Dienste, die sonst Familie, Verwandschaft, Freundschaft, Nachbarschaft usw. untereinander ausübten, und be' denen sie Erfahrungen und Kräfte zu gegenseitiger Stärkung austauschten, sind jetzt abgelöst worden durch ein Fürsorgewesen, das, je größer es wurde, desto mehr de zarten persönlichen Charakters entbehren mußte. Statt die Familie zum freiwilligen Sparen zu erziehen dadurch, daß man ihr als lockendes Ziel eine eigen Heimstätte erreichbar vor Augen stellte, um so jeder einzelnen Heimstätter zu einem Kleinkapitalisten auf ge sunder Grundlage heranzubilden, hat man ungezählte kleine Scheinkapitalisten geschaffen, die sich auf ihr in de verschiedenen Kassen zwangsweise angesammeltes Kapital verließen. Nicht nur ein irregeleiteter Großkapitalismus ist unser besonderes Unglück geworden, sondern ebenso sehr dieser Scheinkapitalismus, der durch die dürftige Ersatzhoffnung auf eine Kranken=, Invaliden=, oder Altersrente die Hoffnung auf das eigene Heim ersterben ließ. Dazu kommt noch ein Anderes: Ungezählte, die früher, umhegt von der Fürsorge der Familie, jeder Krankheit trotzten, fingen jetzt an, sich zu freuen, wenn die kleinste Krankheitsregung auftauchte, weil die Versorgung durch Kasse und Krankenhaus winkt, für die man schon so lange umsonst gezahlt hat. Welche unheilvollen Wirkungen damit auf die innerste Gesundheit, Lauterkeit und Rechtlichkeit des gesamten Volkslebens ausgeübt wurde, liegt für jeden, der denken und sehen kann, auf der Hand. Weil wir versäumten, den echten Kleinkapitalisten, d. h. den schaffens= und sparfrohen Familienvater auf seiner eigenen Heimstätte anzusetzen, ist es dahin gekommen, daß jetzt unser ganzer übriger Kapitalismus, auch der Kollektiv=Kapitalismus des Handarbeiters, der in unseren Wohlfahrtskassen niedergelegt ist, vom Zerfall bedroht wird. Unsere Lage wird aber dadurch noch ernster, daß der größte Teil der deutschen Familien zu schwach geworden ist, ohne besondere Stützen das Ziel der eigenen Heimstätte ernsthaft ins Auge zu fassen. In der steigenden Notlage, in der wir uns befinden, ertönt von allen Seiten der Ruf:„Zurück zur Scholle, nicht durch bezahlte fremde Hilfe, sondern vor allem durch unbezahlte eigene Hilfe der Familie. Nur dadurch kann die Familie noch zur eigenen Heimstätte kommen, wenn sie sich selber hilft.“ (Schluß folgt.) Amerikas Ausgleichszölle. Antwort auf die britische Einfuhrbeschränkung. — Washington, 23. November. „Associated Preß“ meldet aus Washington: Die Regierung wird die sofortige Erhebung von Ausgleichszöllen auf britische Einfuhrwaren entsprechend den Zöllen, die England auf amerikanische Erzeugnisse erhebt, anordnen. K Wie kann der Geldknappheit abgeholfen und der Zinsfuß gesenkt werden: Von Präsident i. R. Schubert in Stuttgart. Vor 8 Jahren schwammen wir im Geld: Die Kinder spielten auf der Straße mit Millionenscheinen, der Gehalt, den der Beamte morgens einnahm, mußte vor Abend zu Ware gemacht werden, weil die Papierscheine am folgenden Tag nur noch die Hälfte wert waren. Eine gräßliche Zeit! Diese Inflation! Und heute? Ein unerträglicher Mangel an Geld. Noch scheut sich die Regierung, diesem Mangel durch unbegrenzten Druck von Paviergeld abzuhelfen und dadurch eine neue Inflation herbeizuführen. Wie lange noch wird sie dazu im Stande sein? Der Geldhunger der Wirtschaft muß gestillt werden, wenn sie nicht vollends in den Abgrund versinken soll. Es muß Geld geschaffen werden. Zur Schaffung von Goldgeld fehlt es an dem hierzu erforderlichen Metall, zur ordnungsmäßigen Vermehrung der Banknoten an den entsprechenden Deckungsmitteln. Es werden verschiedene Vorschläge zu einer grundsätzlichen Aenderung unseres ganzen Geldwesens gemacht. Auf sie soll hier nicht näher eingegangen werden. Nur das eine sei bemerkt: Die Frage einer solchen Aenderung ist so wenig geklärt, daß in unserer überaus kritischen Zeit der Sprung in dieses ungeklärte Dunkel unmöglich gewagt werden kann. Die Durchführung einer derartigen Währungsänderung würde längere Zeit in Anspruch nehmen, unsere Wirtschaft verlangt aber eine sofortige, rasche Abhilfe. Eile tut not. Es bleibt nichts anderes übrig, als ein neues Papiergeld zu schaffen. Erstes Prinzip muß dabei aber sein, daß jede Art von Inflation vermieden wird. Es kann sich nur um ein solches Papiergeld handeln, das durch reale Werte vollständig gedeckt ist. Dies ist dadurch möglich, daß hierzu der Gebäudebesitz herangezogen wird. Und dazu kann die sog.„Entschuldungssteuer" benutzt werden, die jeder Besitzer eines älteren Wohngebäudes zu entrichten hat. Auf weitaus den meisten dieser Gebäude lasten Hypotheken. Nun soll das Reich jedem Gebäudebesitzer ein Darlehen gewähren, das dem 20=fachen Betrag der auf dem Gebäude lastenden Entschuldungssteuer entspricht. Dieses Darlehen wird in dem neu zu schafsenden Papiergeld, wir wollen es Entschuldungsmark (EM) heißen, ausbezahlt. Es muß dem Reich mit 5 Proz. verzinst und muß dazu verwendet werden, die auf dem Gebäude an vorderster Stelle lastenden Hypotheken zurückzubezahlen. An Stelle der auf diesem Wege getilgten Schuld wird das Reichsdarlehen hypothekarisch sichergestellt. Dabei darf an Entschuldungsmark nur ein solcher Betrag ausgegeben, bezw. in Umlauf gelassen werden, wie die Gesamtsumme der dem Reich zustehenden Gebäudehypotheken beträgt. Die EM ist also vollständig durch die Hypotheken gedeckt und somit ein ganz sicheres Zahlungsmittel; eine Inflation ist vollständig ausgeschlossen. Das Vorgehen soll an einem Beispiel erläutert werden. Ein Gebäudebesitzer hat ein Haus im Werte von 60 000 Mark, darauf lasten 30000 Mark hypothekarisch sichergestellte Schulden; er muß jährlich 500 RM Gebäudeentschuldungssteuer bezahlen. Das Reich gibt ihm ein Darlehen in EM von(20 mal 500 gleich) 10 000 Mark. Dieses Darlehen muß dazu verwendet werden, die an erster Stelle stehenden Schulden heimzubezahlen; an ihrer Stelle wird das Reichsdarlehen hypothekarisch sichergestellt. Das Reich verzichtet auf die Gebäudeentschuldungssteuer, dafür bezahlt der Gebäudeeigentümer an das Reich denselben Betrag als Zinsen. Da die Gebäude mit verschwindenden Ausnahmen hypothekarisch belastet sind, würde das Reich nur sehr wenig einbüßen, nämlich nur soviel, als auf die unbelasteten Gebäude an Entschuldungssteuer entfällt und auch S Heinrich von Kleist. Zu seinem 120. Todestage am 21. November. Von Margarete Zander. Am 21. November 1811 endete durch eine Kugel am Ufer des Wannsees bei Berlin das Leben eines der unglücklichsten Dichter, die je über deutsche Erde gegangen sind. Drei kurze Jahrzehnte nur umfaßte dieses Leben, doch sie waren erfüllt von einem solchen Uebermaß von Leid, Demütigungen und Enttäuschungen, daß des Dichters körperliche und seelische Kraft in jenem November des für sein Vaterland so dunklen Jahres vollkommen zerbrochen war. Erschüttert lesen wir in seinen letzten Briefen Worte, die uns einen Blick in sein Herz tun lassen:„Meine Seele fühlt sich zum Tode reif. Sie ist so wund, daß mir das Tageslicht weh tut.“ Und an anderer Stelle:„Ich bitte Gott um meinen Tod! Ich habe keinen anderen Wunsch, als bald zu sterben. Ich sitze wie an einem Abgrund, das Gesicht immer starr über die Tiefe geneigt, in der die Hoffnung meines Lebens untergegangen ist. Und an seine Schwester Ulrike schreibt er:„Du hast an mir getan, ich sage nicht, was in den Kräften einer Schwester, sondern in den Kräften eines Menschen stand, um mich zu retten. Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war. Und nun lebe wohl!“ So endete ein Leben, das dem deutschen Volke in kaum zehnjähriger Zeitspanne Meisterwerke von dauerndem Wert schenkte. Wir überblicken es mit schmerzlicher Frage: Welches waren die finsteren Mächte, die es überschatteten? An welchen tückischen Klippen ist es zerschellt? Folgen wir einen Augenblick den wirren Pfaden dieses Le#ens, dessen äußerer Verlauf sowie inneres Geschehen zugleich reich und unsagbar unglücklich war. In Frankfurt(Oder) wuchs der stille, verträumte Knabe auf als Sproß eines alten, vielleicht schon ermüdeten märkischen Adelsgeschlechts, das dem preußischen Staat viel tüchtige Offiziere und sogar einen hoch angediesem Ausfall könnte begegnet werden, wenn auch den Besitzern von nicht mit Hypotheken belasteten Gebäuden das Reichsdarlehen im 20=fachen Betrag der Entschuldungssteuer gewährt würde, wovon diese gewiß gerne Gebrauch machen würden. Nur wenn das Reichsdarlehen von dem Schuldner zurückbezahlt wird und infolgedessen derselbe Betrag an EM eingezogen werden muß, würde für das Reich ein Ausfall entstehen. Diese Voraussetzungen werden aber nur dann eintreten, wenn der Gesundungsprozeß unserer Wirtschaft wesentliche Fortschritte gemacht hat. Dann würden sich aber die Steuererträgnisse derart steigern, daß das Reich diesen Verlust decken könnte, zumal ja doch mit einem Aufhören der Gebäudeentschuldungssteuer in absehbarer Zeit gerechnet werden muß, wenn nicht auch unser Gebäudebesitz zugrunde gerichtet werden soll. Außerdem hätte das Reich ein Mittel in der Hand, den Prozeß der Rückzahlung der Reichsdarlehen zu verlangsamen, wenn es nämlich den Zinsfuß für die Reichsdarlehen immer etwas niedriger hält, als er sich auf dem offenen Kapitalmarkt für Darlehen von ähnlicher Sicherheit stellt. Damit wäre also der erste Zweck des Vorgehens, den Geldhunger unserer Wirtschaft zu stillen, erreicht. Eine weitere unausbleibliche Folge wäre aber auch eine weitgehende Senkung des Zinsfußes. Die mit der EM zurückbezahlten Kapitalien würden nach einer neuen Anlage geradezu hungern. Das Angebot von Kapital auf dem Geldmarkt würde enorm wachsen und damit der für das Kapital bezahlte Preis, d. h. der Zins, eine stark sinkende Tendenz bekommen. Das Reich hätte geradezu einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Gestaltung des üblichen Zinsfußes. Würde der allgemeine Zins für ähnliche Darlehen etwa auf 5 Prozent oder darunter herabsinken, so würde der Augenblick eintreten, daß die Reichsschuldner versucht sein könnten, ihre Reichsdarlehen zurückzubezahlen. Dann wäre der Zeitpunkt für das Reich gekommen, den Zins für die Reichsdarlehen herabzusetzen. Es gibt aber auch hier das schon oben Angeführte: Die Einnahmen des Reichs an Zinsen würden dadurch allerdings geringer werden, das würde aber um deswillen nicht wesentlich ins Gewicht fallen, weil eine so weitgehende Senkung des Zinsfußes nur eintreten wird, wenn sich die Wirtschaft so weit erholt hat, daß der Ausfall an Zinsen aus den Reichsdarlehen durch erhöhte Steuereingänge mehr als ausgeglichen würden. Der Einwand der„volkswirtschaftlichen Undurchführbarkeit“ gegen diesen Plan ist nicht stichhaltig.„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Aber Eile ist not. Das Ende der Tribute. — Berlin, 23. November. In einer Auslassung über die Bedeutung des deutschen Antrags auf Einberufung des Beratenden Sonderausschusses der Baseler Tributbank bemerkt der Londoner„Daily Expreß": Der Abgang Englands vom Goldstandard und die sicher bevorstehende Einführung von Zöllen haben es klargemacht, daß das Ende der Reparationen gekommen ist. Es ist möglich, daß Frankreich auf irgendeiner Formel für spätere Zahlungen besteht und daß die Maschinerie für diese Zahlungen intakt gehalten wird. Aber wenig Zweifel besteht darüber, daß im Reinergebnis nichts gezahlt werden wird.“ Aehnlich äußert sich die führende„Times“, die einen „wenigstens vorläufigen Verzicht“ auf Reparationen erwartet. Ob nun die Gläubigermächte, nachdem sie bereits riesige Leistungen aus Deutschland erpreßt haben, für die Zukunft endgültig oder zunächst nur für die Zeit der Wirtschaftsnot auf weitere Tribute verzichten werden, kann uns im Augenblick herzlich gleichgültig sein. Das entscheidende ist, daß Deutschland auch nach dem Hoover=Freijahr, alse vom 1. Juli 1932 ab, Tribute nicht zahlen kann und nicht zahlen wird! Mit dem deutschen Antrag auf Einberufung des B33.= Ausschusses beginnt ein neuer Abschnitt der Revarationssehenen Dichter, Ewald von Kleist, geschenkt hatte. Eintönig, streng und eng war die kindliche Umwelt, die ihn, der Sitte adliger Familien gemäß, unter der Dressur eines Hofmeisters umschloß. Nach dem frühen Tode der Eltern erschien die Wahl des Offiziersberufes, den Traditionen der Familie entsprechend, das Selbstverständliche. Kaum dem Knabenalter entwachsen, stand er in Potsdam dem Leben völlig unwissend und ratlos gegenüber. Doch schon hier in seiner kurzen Soldatenzeit zeigt sich seine konfliktreiche, grüblerische Natur. Seine Tätigkeit läßt ihn unbefriedigt. In seinem Herzen lebt ein Kampf auf zwischen Individuum und Disziplin, zwischen den Forderungen des Gemüts und denen der Pflicht. Mehr als ein Jahrzehnt später entschied er diesen Konflikt zugunsten des Ganzen, der Pflicht, und zwar in seinem letzten Werk, dem Prinzen von Homburg, und so wurde dieses Drama in tiefer Bedeutung das Resultat seines Lebenskampfes. Der zweiundzwanzigjährige Leutnant von Kleist aber entschied für die„Ordre des Herzens, des Gefühls.“ Er wandte dem Berufe der Ahnen den Rücken und kehrt zurück ins Elternhaus. Hier verlebt er eine kurze Zeit der Harmonie, des Friedens, die nur gestört wird von seinem leidenschaftlichen, krankhaft übersteigerten Wissens= und Bildungstrieb. Er studiert an der damaligen Universität Mathematik, Physik, Sprachen und Philosophie. Mit wildem Eifer arbeitet er sich in Kants Denklehre ein. Der Lichtblick dieser Frankfurter Zeit, ja, man möchte sagen, seines ganzen lichtarmen Lebens war seine Schwester Ulrike. In allen Wirrnissen stand sie ihm zur Seite; ihm zuliebe verließ sie die Heimat, um dem Lebensunkundigen, Hilflosen zur Seite zu stehen. Sie half ihm in seinen unaufhörlichen Geldnöten, bis ihr eigenes Vermögen aufgezehrt war und sie selbst zu seinem bitteren Schmerz und Selbstvorwurf, ihr Brot bei Fremden verdienen mußte. Auch in seiner Seelenpein half sie ihm, soviel sie es vermochte. Bei ihrer realen geschichte, nämlich der letzte. Der erste Abschnitt war ausgefüllt mit dem Raub der deutschen Handelsschiffe, der Kolonien und der deutschen Grenzbezirke. Im zweiten Abschnitt gab es Reparationsphantastereien und militärische Gewalthandlungen nach Art des Ruhreinbruches. Im dritten versuchte man es mit einer„wirtschaftlichen“ Lösung der Reparationsfrage, mit der Finanzierung der deutschen Tribute durch den Außenhandel. Nun ist auch dieses Experiment kläglich gescheitert. Unter schweren Leiden mußte die Welt erfahren, daß der deutsche Ausfuhrüberschuß die Gesamtheit der deutschen Verpflichtungen an das Ausland decken Damit aber ergibt sich, daß im Rahmen des Youngplans eine Lösung der Reparationsfrage nicht gefunden werden kann. Es handelt sich eben nicht mehr um die unaufschiebbaren und die geschützten, nur insoweit zu leistenden Tributzahlungen, als dadurch die deutsche Währung und Wirtschaft nicht untergraben wird, auch drehen sich die Verhandlungen nicht mehr darum, ob die von Deutschland in Reichsmark aufgebrachten Tribute ohne Erschütterungen in Francs oder Pfunde verwandelt werden können, sondern im Mittelpunkt der Untersuchungen steht jetzt die Frage, ob Deutschland neben der Verzinsung und Tilgung der Privatschulden überhaupt noch weitere Zahlungen leisten kann! Mit Recht hat deshalb die Reichsregierung in ihrem Antrag die Feststellung gemacht, daß ihre durch den Youngplan bedingte Erklärung, sie sei in gutem Glauben zu dem Schlusse gekommen, durch die teilweise oder vollständige Abführung der Reparationen müsse die Währung und die Wirtchaft Deutschlands gefährdet werden, der gegenwärtigen Sachlage nicht gerecht wird. In der Tat ist der ganze Mechanismus des Youngplans, obwohl sich dieser Tage Präsident Owen D. Young über das Werk seiner Konferenz sehr zufrieden äußerte, vollig veraltet und wertlos. Die neue Konferenz muß darum von einer neuen Grundlage ausgehen, namlich den Beträgen, die Deutschland vom Februar ab bereits für die Verzinjung und Tilgung seiner privaten Auslandsschulden aufbringen muß, also von der Prüfung der ubringen sind. Woher wir daher noch weitere Mittel nehmen ollen, um Reparationen zu leisten, ist und wird immer ein kätsel bleiben. Nun hat allerdings die französische Regierung, wie die Pariser Presse sich ausdrückt, den deutschen Antrag und seine Begründung„durchgehen lassen“, aber es ist doch sicher, daß sie französische Diplomatie in den neuen Konferenzen veruchen wird, von den Reparationen zu„retten“, was zu reten ist, und seien es auch nur leere Titel. Der Kampf, der sich damit abzeichnet, muß ausgetragen werden. Nachgiebigkeit wäre in unserer Lage das schlimmste, was uns begegnen könnte. Eine zweite Reparationekrise darf es nicht geben, und darum muß jetzt die Liquidierung der Tribute pechinnen. Der Beratende Sonderausschuß, der wol, noch in diesem Monat seine Arbeiten aufnehmen wird, setzt sich aus sieben Mitgliedern zusammen, die von dem Prästdenten der Deutschen Reichsbank, dem Gouverneur der Federal Reserve Bank in Neuyork und den Präsidenten der Notenbanken Englands, Frankreichs, Italiens, Belgiens und Japans ernannt werden. Ergänzt werden dürfte die Kommission noch durch je einen Vertreter Hollands, der Schweiz und Schwedens, also der Länder, die zwar keine Reparationen erhalten, dafür aber um so mehr Anleihen von Deutschland zurückzufordern haben. Die Aufgabe dieser Sachverständigen erschopft sich mit der Erstattung eines Gutachtens. Die deutsche Regierung oder die Gläubigerregierungen sind durch dieses Gutachten nicht gebunden, sondern für sie bilden diese Empfehlungen nur eine Verhandlungsgrundlage. Die Tagung des Beratenden Ausschusses stellt daher nur den Auftakt der Regierungskonferenz dar, die etwa im Dezember oder im Januar folgen dürfte. Was die Persönlichkeit der Sachverständigen betrifft, wird man wahrscheinlich die gleichen Männer berufen, die bereits der Wiggin=Kommission angehört und in dem aus dieser Kommission hervorgegangenen Layton=Bericht festgestellt haben, daß die Einkassierung deutscher Tribute und die gleichzeitige Abschließung der Märkte einen Wider spruch darstellt und eine Politik, die die Zerrüttung der Weltwirtschaft nur verschlimmern kann. Dieser Layton=BeDenkungsweise wurde es ihr schwer, an seine Rettung durch die Dichtkunst zu glauben Daher immer wieder ihr Bitten, daß er die Poesie endgültig aufgeben möge.„Ich dichte bloß,“ schrieb er ihr darauf,„weil ich es nicht lassen kann.“ Und als Anerkennung ihm nirgends zuteil werden will, ruft er ihr zu:„Werde nicht irre an mir, mein bestes Mädchen! Laß mir den Trost, daß einer in der Welt sei, der fest auf mich vertraut. Wenn ich in deinen Augen nichts mehr wert bin, so bin ich wirklich nichts mehr wert. Sei standhaft!“ Es liegt eine furchtbare Tragik darin, daß sie, die sonst immer wieder an ihn glaubte und ihm beistand, wenn auch alle anderen sich von ihm wandten, gerade bei seinem letzten Besuch, als er einem Ertrinkenden glich, versagt hat, indem sie ihm in gewiß erzwungener Kälte den Rücken kehrte und ihn verloren gab. Auf die Studienzeit in Frankfurt folgen Jahre voll Unrast und verzweifelten Suchens in der Welt nach einem Weg, den er gehen, nach einer Richtung und einem Ziel, für das er sich und seine hohen Gaben einsetzen könnte. Für kurze Zeit kehrt Ruhe und Glück bei ihm ein, als er in einem weltvergessenen Erdenwinkel, in einem Hüttchen auf einer Schweizer Insel den leisen Stimmen lauscht, in denen Gott durch die Natur zu ihm spricht. Der Dichter ist in ihm erwacht und erfüllt ihn mit glückseliger Schaffensfreude. Er schreibt hier das Drama„Die Familie Schroffenstein“ und entwirft den Plan zu dem köstlichen Lustspiel„Der zerbrochene Krug", das auf uns wirkt wie ein zum Leben erwecktes Bild eines holländischen Malers. Nach diesen fruchtbaren frohen Tagen kommen wieder Monate und Jahre, die beschwert durch Krankheit, fehlgeschlagene Hoffnungen, Entmutigung bis zur Verzweiflung. Er ist und bleibt„der Sänger, der nicht Heim noch Lorbeer sand". Oft streift der Tod an seinem Lager vorüber; manchmal scheint es, als wollte des Wahnsinne dunkle Hand sich verwirrend auf seine Sinne legen. Viel Die Sachverständigen könnten sich daher damit begnügen, diesen Bericht zu ergänzen, indem sie feststellen, daß mit der Abkehr Englands vom Goldstandard und der Auftürmung großer Schutzmauern um den englischen Absatzmarkt die Lage noch schlimmer glworden ist.— Die Richtschnur für die nun beginnenden Auseinandersetzungen muß die Erkenntnis bilden, daß es nur noch einen Weg zur Gesundung der Weltwirtschaft gibt: den endgültigen Verzicht auf weitere Tribute. Das Tousche Echr! London wertet den deutschen Schritt als Anfang vom Ende der Reparationen. Der deutsche Antrag auf Einberufung des Beratenden Sonderausschusses wird von der Presse der führenden Länder eingehend auf seine Bedeutung hin untersucht. Von den rechtsstehenden Berliner Zeitungen bezeichnet die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ unsere Position als die eines Verzweifelten, wenn auch nicht die schlechteste. Die„Börsenzeitung" betont, eine Wiederaufnahme der Tributzahlungen könne nicht in Frage kommen. Der„Tag“ fragt, ob Deutschland nicht schon den Zeitpunkt für die grundsätzliche Erklärung, keine Tribute mehr zahlen zu können, verpaßt habe. Der„Börsen=Courier“, die„Vossische Zeitung“ und das „Tageblatt“ verweisen u. a. darauf, wie sehr sich die wirtschaftliche Lage seit der Young=Konferenz verschlechtert hat. Entscheidend sei, so bemerkte auch die dem Kanzler nahestehende„Germania“ und ferner der„Vorwärts", daß der Sonderausschuß sich über den im Youngplan vorgesehenen Aufgabenkreis hinaus auch mit der Prufung der Gesamtlage beschäftigen muß. Die englische Presse ist nahezu einmütig der Auffassung, daß weitere deutsche Tributzahlungen vorerst nicht geleistet werden. Der deutsche Antrag sei ein ernster auf dem Wege internationaler Aktionen bezüglich des verworrenen Komplexes der Reparationen, der Kriegs= und der Privatschulden. In ähnlichem Sinne spricht auch Sir Walter Layton, der Vorsitzende der Wiggin=Kommission, von der Ausschußtagung als von einem Auftakt. Die konservative„Morning Post“ findet durch den deutschen Antrag die Befürchtungen über Deutschland bestätigt und betont nochmals, daß erst die Tributverschuldung Deutschland veranlaßt hat, in Amerika und England Geld zu borgen. „Daily Expreß“ spricht von einem deutschen SOS.-Ruf und bemerkt dazu, es liege in jedermanns Interesse, daß Deutschland davor bewahrt werde, der Seuchenherd des Kontinents zu werden. Das Ende der Reparationen sei gekommen.„Times“ macht darauf aufmerksam, daß eine Einigung über die kurzfriftigen Kredite nur zu erreichen ist, wenn die Regierungen wenigstens vorläufig auf Reparationsansprüche verzichten. Hoovers Schuldenfreijahr sei zu spät gekommen. „Financial Times“ wertet den deutschen Schritt als„unbedingt notwendig und geeignet, Befriedigung auszulösen.“ Die französischen Zeitungen bemühen sich, Fortschritte über den Youngplan hinaus zu erschweren. „Echo de Paris“ schreibt, die Reichsregierung habe zwar die Formeln des Youngplans benutzt, aber sie habe doch auch klar zum Ausdruck gebracht— und das sei entscheidend— daß der Youngplan veraltet sei. Praktisch hätten die Reparationen für Deutschland zu existieren aufgehört. „Excelsior beschwört die französische Delegation, die Debatte ja nicht über den Rahmen des Youngplans hinausgehen zu lassen.„Figaro“ wundert sich, daß die französische Regierung den deutschen Antrag ohne Protest habe hingehen lassen. Ein Sprichwort sage:„Wer nichts erklärt, stimmt zu.“ Stillhaltekonferenz in Berlin. Unter Beteiligung von elf Gläubigerausschüssen.— Einladung bereits erfolgt. — Berlin, 23. November. Von unterrichteter Seite werden die von einzelnen Zeitungen veröffentlichten Meldungen, wonach der Beratende Beide Fragen, so wird erklärt, haben formal überhaupt nichts miteinander zu tun und können auch nicht in gemeinsamen Verhandlungen von den gleichen Sachverständigen behandelt werden. Dies ist schon deshalb unmöglich, weil voraussichtlich die Besprechungen über die Stillhaltefragen zunächst in Berlin erfolgen werden. So hatte der deutsche Schuldnerausschuß die Vertreter der beteiligten Gläubigerländer bereits zu Besprechungen über die weitere Regelung der privaten Schulden nach Ablauf des Stillhalteabkommens nach Berlin eingeladen. Bei diesen Verhandlungen ist Deutschland durch den sogenannten Schuldnerausschuß, das ist der frühere Bankenausschuß, vertreten. Außer diesem Ausschuß werden Vertreter der Reichsbank und der Golddiskontbank teilnehmen. Eingeladen sind die 11 Ausschüsse der privaten Gläubiger, d. h. die Bankenvertreter von Amerika, Belgien, Tschechoslowakei, Dänemark, England, Frankreich, Holland, Italien, Norwegen, Schweden und Schweiz. Stewart Amerikas Vertreter im Ausschuß Nach einer aus Neuyork vorliegenden Meldung hat der Gouverneur der Bundesreservebank, Harrison, auf Grund eines Ersuchens der B33. den Vorsitzenden des Direktorenrates von Case Pomeroy and Co., Walter W. Stewark, zum amerikanischen Mitglied des Beratenden Sonderausschusses ernannt. Walter W. Stewart wird am 28. November nach Basel abreisen. Stewart wird in Bankkreisen als einer der Befähigtsten für die ihm übertragene Aufgabe bezeichnet. Er gehört keiner besonderen Bankgruppe oder politischen Gruppe an und gilt als vollkommen unabhängig. Er hat an allen wichtigen Wirtschaftskonferenzen der letzten Jahre teilgenommen, so zum Beispiel bei der Formulierung desjenigen Teils des Youngplanes, der sich mit der B33. befaßt. nach Basel. Als Vertreler Deutschlands am 7. Dezember. — Beirlin, 23. November. Der Reichsbankpräsident hat gemäß Ziffer 127, 128 und 129 des Youngplanes Herrn Carl Melchior, Hamburg, zum Mitglied des am 7. Dezember zusammentretenden Beratenden Sonderausschusses zur Prüfung der Leistungsfähigkeit Deutschlands, ernannt. Wie„Echo de Paris“ zu wissen glaubt, soll nach Einvernehmen zwischen Finanzminister Flandin und dem Gouverneur der Bank von Frankreich, der frühere Untergouverneur der Bank von Frankreich, Biot, zum französischen Delegierten ausersehen worden sein. ist befriedigt. Die deutsche Note am die B3Z. ist in amtlichen Kreisen in Washington gut ausgenommen worden, da sie den Stein nunmehr ins Rollen gebracht hat. Als besonders ermutigendes Zeichen weist man auf die Besserung des Marklurses hin. Diese Kursfestigung sei gleichzeitig eine Bestätigung der seit dem Lavalbesuch gehegten Erwartung, daß. wenn Deutschland und Frankreich sich über die Inangriffnahme der Revision der Reparationen einigten, die allgemeine Flucht aus der Mark sich legen werde. Den amerikanischen Vertreter im BJZ.=Ausschuß, Stewart, hält man hier als für seine Aufgabe sehr geeignet. Für die Abdeckung großer Kredite werde man nach Klärung der Reparationsfrage einen Weg finden. Man dürfe nicht vergessen, daß nach den Beobachtungen durchaus unvoreingenommener Amerikaner Deutschlands industrielles System gesund und kräftig sel. Auch aus diesem Grunde bestehe keine Veranlassung zu einer allzu deprimierten Stimmung und zu einer Flucht aus der Mark, wenn auch der bevorstehende Teil des Weges schwer und dornig sei. Am die Kurzkredite. Wiggins kommt nach Berlin. — Neuyork, 23. November. Das Komitee Neuyorker Banken hat die Einladung des Ausschusses deutscher Privatbanken, einen Vertreter zu einer Konferenz nach Berlin zwecks Besprechung des Problems der deutschen Kredite, zu entsenden, angenommen. Wiggin wird als Vorfitzender des Komitees teilnehmen. Bei den Stillhalteverhandlungen in Basel führte Wiggin den Vorsitz des Sachverständigenausschusses, der auf empfehlung der Londoner Konferenz eingesetzt wurde. Dieser Ausschuß hat den Bericht des englischen Vertreters Layton angenommen, der zur Grundlage des Stillhalteabkom= mens wurde. Wiggins Aufgabe in Berlin wird es sein, den Standpunkt der amerikanischen Privatgläubiger zur Geltung zu bringen, die ein Primat der Reparationen vor der privaten Verschuldung nicht anerkennen und durch deren Einfluß das Hoover=Moratorium verkündet wurde. 300000 Schilling zur Information Nachspiel zum Zusammenbruch der Creditanstalt. Eine von der„Stunde" in Wien gebrachte Meldung, zu der von der„Arbeiterzeitung“ nähere Ausführungen gebracht wurden, hat in der östereichischen Hauptstadt erhebliches Aufsehen erregt. Nach dieser Meldung soll von der seinerzeitigen Leitung der Creditanstalt unmittelbar vor Bekanntwerden ihrer Zaylungsunfähigkeit, beschlossen worden sein, die Oeffentlichkeit durch geldliche Zuwendungen an Zeitungen und Journalisten in Ruhe zu halten, und daß zu diesem Zweck 300 000 Schilling einem höheren Staatsbeamten zur Verteilung übergeben worden seien. Die Wiener Blätter fordern sofortige Untersuchung dieser schweren Anklage seitens der Behörden sowie Stellungnahme der Journalistenvereinigungen zu der Pauschalverdächtigung. Wie einige Zeitungen erfahren, hat die Staatsanwaltschaft bereits entsprechende Weisungen beim Justizministerium eingeholt. Der Vorfall soll auch im Nationarrat zur Sprache gebracht werden. Das Demenki. Wie die Direktion der Kreditanstalt mitteilt, entsprechen die Mitteilungen über einen angeblichen Bestechungsfonde der Creditanstalt nicht den Tatsachen, vielmehr ergibt sich aus den vorliegenden Unterlagen und den gepflogenen Erhebungen folgender Sachverhalt: Mit Rücksicht auf die bedeutenden Interessen des Auslandes an der Creditanstalt war es unbedingt notwendig, daß das Ausland und dessen Finanzzentren über die Lage der Creditanstalt und deren Konzerne fortlaufend, ausführlich und richtig informiert wurden. Zur Bestreitung der damit verbundenen namhaften Auslagen hat die Creditanstalt in den ersten Tagen nach dem Ausbruch der Krise des Instituts den Betrag von 300 000 Schilling verwendet. Es handelt sich bei dieser Aktion demnach um die Durchführung eines umfengreichen Informationsdienstes. erschlagen. Mehrere Personen verletzt. — Aachen, 23. November. Bei einer Versammlung der NSDAP. im Burtscheider Kurhaus, zu der auch etwa 100 Kommunisten erschionen waren, kam es zu einer Schlägerei. Als die Polizei eingriff. waren bereits zehn Personen verletzt. Die Verletzungen sind nur leichter Natur. Die Ruhe war kaum wiederhergestellt. als den Polizeibeamten mitgeteilt wurde, daß an einer anderen Stelle der Stadt eine politische Schlägerei im Gange sei. Die Beamten fanden dort zwei schwerverletzte Nationalsozialisten in ihrem Blute liegen. Einer der Verletzten. der 23jährige Nationalsozialist Geurten aus Aachen, ist bereits gestorben. leicht bewahrte jene selbstmörderische Kugel am Wannsee ihn vor dem Schicksal Hölderlins und Schumanns, in langer geistiger Umnachtung zu leben! Seltsam, der Gedanke an den Tod ist der„ewige Refrain seines Lebens“, auch in guten Tagen.„Laßt uns etwas Gutes tun und dabei sterben!“ schreibt er einem Freund. Zweimal entrinnt er nur mit knapper Not dem Tode, da er infolge eines Versehen von den Franzosen als deutscher Spion verhaftet worden war und erschossen werden sollte. Später kommt er nach Königsberg, will den Dichter in sich niederkämpfen und wird Beamter. Doch nicht lange erträgt er den Zwang. Er muß sich von dem befreien, was angesichts des furchtbar geknechteten Vaterlandes in ihm gärt und tobt. Und dies kann er nur als Dichter. Er ist grenzenlos einsam in Königsberg; niemand in seiner Umgebung ahnt das verzweifelte seelische Ringen, das fast fanatische Leiden um Deutschland. Und wieder gibt er die Stellung auf und zieht ruhelos in die Ferne, mit verdüstertem Gemüt, verwirrt und gramvoll. Endlich, nach fast völligem körperlichen und seelischen Zusammenbruch, stiehlt sich ein letzter Sonnenstrahl des Glücks in sein Leben. Der Dreißigjährige, dem alles bisher fehlgeschlagen war, der stets ein Spielball unglückseliger, ihm feindlicher Umstände zu sein schien, dem noch nichts im Leben gelungen war, verlebte in Dresden eine Zeit voll schaffensfroher Tage. Man nahm ihn voll Freude in dem künstlerisch sehr interessierten Körnerschen Freundeskreis auf. Auch auf Wielands Gut Osmannsstädt war er ein geliebter und geschätzter Gast. Er fand in diesen Kreisen viel entscheidende Anregung für die großen Werke seiner letzten Zeit. So schien sich alles aufs glücklichste zu fügen. Dennoch stand er bald wieder unverstanden und vereinsamt da. Man ließ den gütigen und liebenswürdigen Menschen gelten— dem Dichter versagte man die Gefolgschaft. Seine Personen, die er schuf„urgemäß dem göttlichen Gedanken“, waren einerseits zu kompliziert, andererseits zu naturwahr; man lehnte sie ab. Die kühne Gewalt seiner gedankenreichen Sprache, die unserem Ohr wie Musik klingt, fand bei den Freunden keinen Widerhall. Der alte Körner sprach aus, was die meisten dachten:„Ich liebe es nicht, daß man seine Dichtung an die wirkliche Welt anknüpft. Wie bald ist er durch seinen Sohn zu anderer Meinung bekehrt worden! In Kleists Dresdener Zeit fällt auch die für ihn fastuntragbar schwere Ablehnung, die er von Goethe erfährt. Nietzsche hat das Mißverstehen zwischen den beiden Großen mit dem tiefen Wort erklärt:„Was Goethe bei Kleist empfand, war sein Gefühl des Tragischen, von dem er sich abwandte; es war die unheilbare Seite der Natur. Er selbst war konziliant und heilbar.“— Der Dichter Kleist geht auf die Verwirrung des Gefühls aus,“ hatte der Alte von Weimar gesagt, der damals selbst nicht schmerzlos von der Verwirrung zur Klarheit fand. Er, der später sogar einen Lord Byron verstand, hätte wohl auch für Kleist Verstehen gehabt, wenn dessen Unglückestern ihn nicht gerade zu jener Zeit zu ihm geführt hätte. Als Kleist von Dresden nach Berlin zurückkehrte schien er körperlich und geistig völlig durchmüdet. Er hatte den hohen Flug in die Welt gewagt und kehrte mit gebrochenen Flügeln heim. Der Glaube an seine Sendung war aufs tiefste erschüttert; dunkel lag die Zukunft vor ihm. Sein verdüsterter Geist wurde zwischen Glauben und Zweifel hin und her geworfen: ein Ende drohte. Und doch hebt er sich noch einmal aus der schweren seelischen Krise, um seine Meisterwerke zu schaffen. Was ihm dazu die Kraft gibt, ist das leidenschaftliche nationale Erwachen, das in dem zertretenen und geknechteten Preußen anbricht. Ueberall sieht er zuh verbissene Aufbauarbeit; tausend Stimmen sammeln sich zum Ausbruch lang unterdrückten Hasses. Da stimmt als erster Kleist mit fortreißender Kraft das Freiheitslied an: er schenkt seinem Volk zwei herrliche Dramen, das finstere, wild patriotische, das so deutlich das Ringen zwischen den Deutschen und Franzosen seiner Zeit darstellt, und das frische und helle, das wie ein Symbol großer Zeitenwende ist; die Hermannsschlacht und den Prinz von Homburg. Keins seiner Dramen hat Kleist je aufgeführt gesehen. ja, für die Hermannsschlacht fand er keinen Verleger, obwohl er, der ganz Arme, schrieb:„Ich schenke es den Deutschen; jede Bedingung ist mir gleichgültig.“ Das Drama des Preußentums, dessen Problem tief aus der eigenen Entwicklung geschöpft war, hat der Sohn des märkischen Adels mit fieberndem Herzen in wenigen Wochen geschrieben. Auch dieses fand kein Interesse, keine gnädige Aufnahme. Die Königin Luise, die wahrscheinlach Verständnis dafür gehabt hätte, da sie dem Dichter mit Anteilnahme begegnet war, war kurz vor der Vollendung gestorben. So war ihm alle Hoffnung zerschellt; ausgestoßen, mißachtet und verkannt fühlte er sich. Er war ganz arm geworden, litt Not am Notwendigen, Täglichen. Seine Kraft war völlig verzehrt. Die letzten wirren Pfade seines Lebens führen in dunkle Verzweiflung:„Er schließt sein Lied. Er wünscht mit ihm zu enden— Und legt die Leier tränend aus den Händen.“ Ganz vereinsamt, öde und traurig ist sein Leben geworden; da führt ihn zuletzt ein unergründliches Schicksal mit jener unglücklichen, kranken Frau zusammen, die den Gestrandeten bittet, mit ihr gemeinsam in den Tod zu gehen. In diese selbe Zeit— es sind schwermutsvolle, dunkle Novembertage— fällt sein letzter Besuch bei der Schwester in Frankfurt. Sie, Ulrike, die allzeit getreue, die letzte, die an ihn glaubte, wendet sich von ihm, überhäuft ihn mit Vorwürfen, sieht in ihm eine Schande für die Familie. Seine gänzlich ermattete Seele erträgt diesen Schlag nicht mehr. Das Leben hat ihn verloren., Wir kennen das Ende. Ein einsamer Hügel am Wannsee erzählt von den Irrwegen eines armen Menschenlebens. Herrliche Werke aber, die den schwachen, irdischen Leib überdauern, zeugen von einer großen und reinen Seele. Der Konflikt im Osten. Eine Untersuchungskommission für die Mandschurei? — Paris, 23. November. Der Völkerbunds###t beschloß in öffentlicher Sitzung, den sapanischen Vorschlag auf Entsendung einer Untersuchungskommission, der auf allgemeine grundsätzliche Billigung gestoßen ist, unter den Ratsmitgliedern naher zu prufen, um festzustellen, ob eine den beiden Parteien Genugtuung gebende Formel gefunden werden kann. Eine neue öffentliche Sitzung ist unter diesen Umständen nicht anberaumt worden. China fordert Verhandlungen. Eine chinesische Note an Japan verlangt von neuem die Eröffnung direkter Verhandlungen über die Zurücknahme — sapanischen Truppen in die mandschurische EisenbahnTsitsikar soll geräumt werden. Staatssekretär Stimson brachte dem japanischen Botschafter gegenüber die Auffassung zum Ausdruck, daß die Besetzung von Tsitsikar durch die Japaner gefährliche Komplikationen befürchten lasse, da Tsitsikar bereits zur russischen Einflußsphäre zu rechnen sei. Wie Reuter berichtet, hat der japanische Botschafter in Washington den amerikanischen Staatssekretär Stimson davon benachrichtigt, daß die japanischen Truppen sich in kurzer Zeit aus der Gegend von Tsitsikar zurückziehen werden. Truppen seien bereits nach Tschengbatan ausgebrochen, die anderen würden zu gelegener Zeit nach Süden entsandt werden. Hailun von den Japanern besetzt. Tokio, 22. November. Nach einer Mitteilung des Kriegministerium ist es den japanischen Truppen gelungen, ohne große Mühe Hailun zu besetzen. Die Besetzung sei erfolgt, da General Ma die japanischen Truppen bedroht habe. Pensionskürzung. Beginn der Abstimmungen.— Vornahme von Aenderungen. Der Haushaltsausschuß des Reichstags nahm wesentliche Teile des Pensionskürzungsgesetzes an, mit dem er sich gegenwärtig beschäftigt. Als Grundlage der Beratungen diente der alte Regierungsentwurf für die Pensionskürzung, der zum Teil in die Notverordnung vom Oktober übernommen worden ist. Der Ausschuß nahm der Reihe nach die ersten fünf Paragraphen des Gesetzentwurfes an, die den Zweck und den Umsang der Kürzungsvorschriften umschreiben. Es wurden verschiedene Aenderungen vorgenommen. So wurde bei Paragraph 5 beschlossen, daß nur bis zur Hälfte von 4000 Mark jährlich das Anrechnungseinkommen für eine Kürzung des Ruhegeldes außer Betracht bleibt. Im Gesetzentwurf war das kürzungsfreie Anrechnungseinkommen auf 6000 Mark angesetzt. Die Weiterberatung wurde danach auf acht Tage ausgesetzt. Osthilfe=Notrerordnung. Protest der Genossenschaften.— Kritik der deutschnationalen Reichstagsfraktion. — Berlin, 23. November. Die dem Reichsverband der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften— Raiffeisen— angeschlossenen Verbände und Zentralgenossenschaften, soweit sie sich in das Osthilfegebiet erstrecken, legten in einer den zuständigen Stellen bereits zugegangenen Entschließung ihre Stellungnahme zu der Osthilfe=Notverordnung dar. In dieser Entschließung wird u. a. ausgeführt, die Notverordnung mache einen nichtgerechtfertigten Unterschied zwischen Hypothekar= und Peronalkredit. Während sie den ersteren in weitgehender Weise schütze, gebe sie den Personalkredit und damit die wichtigste Grundlage für die Tätigkeit der landwirtschaftlichen Genossenschaften völlig preis: sie rühre damit an die Wurzel des Bestandes des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, dessen Gesunderhaltung auch für den Aufbau der östlichen Landwirtschaft notwendiger sei denn je. Ebenso befaßte sich auch die deutschnationale Reichstagsfraktion mit der Osthilfe=Verordnung. Dabei wurde ausgeführt, die gesamte Osthilfe habe bisher etwa 52000 Anträge bearbeitet, aber nur 700 Fälle saniert. Jeder sanierte Fall habe etwa 3000 Mark Verwaltungskosten verursacht. Gefordert wird von der Fraktion die sofortige Durchführung wirklich entscheidender Maßnahmen auf der Grundlage des Entschuldungsplans Dr. Hugenbergs.— — Reichspräsident von Hindenburg hat mit einem Erlaß an die Wehrmacht für die ihm durch Ungarn zuteilgewordene Ehrung gedankt. Die Politik der RSDAP. Erklärungen Dr. Goebbels über die politische Lage. — Berlin, 23. November. In einer Massenversammlung der Nationalsozialisten im Berliner Sportpalast gaben Dr. Goebbels und EsserMünchen nach voraufgegangenen Besprechungen mit dem Führer Erklärungen über die Politik der Nationalsozialisten ab. Dr. Goebbels führte u. a. aus: „Die nationalsozialistische Bewegung hat niemals weniger daran gedacht. ihre Programm und ihre alten Linien „aufzugeben“ als jetzt, da sie schon fast vor der Macht steht. Wenn die nationalsozialistische Bewegung sich dazu bereit fand, sich in Harzburg mit anderen Parteien und Verbänden auf einer taktischen Linie zu finden, so unterließ sie es doch nicht, schon acht Tage später in Braunschweig das alte und unabänderliche Programm erneut zu unterstreichen. Wo steht das geschrieben, daß die augenblicklich amtierende Regierung ein„göttliches Anrecht“ auf die Macht hat? Die Macht ist sozusagen der Wanderpokal zwischen denen, die sich um die Macht bewerben, und wenn der, der den Wanderpokal besitzt, ihn leistungsfähig nicht mehr verdient, wird er ihm vom besseren Konkurrenten genommen werden. Der Nationalsozialismus wird schon Mittel und Wege finden, um an die Macht zu kommen. Auch das Zentrum braucht sich da keine Sorgen zu machen. Wenn das Zentrum heute noch sagen kann, sein Turm stände unerschuttert, so nur deshalb, weil wir uns bisher sehr ausgiebig mit den anderen bürgerlichen Parteien befassen mußten. Das ist nun zu Ende.“ von Loebell F. — Brandenburg, 23. November. Im 77 Lebensjahre starb auf seiner Domkurie in Braudenburg Friedrich Wilhelm von Loebell. Herr von Loebell wirkte in den Jahren von 1907 bis zum Rücktritt des Fürsten Bülow 1909 als Unterstaatssekretär in der Reichskanzlei. 1914 wurde er preußischer Innenminister. Als solcher erwarb er sich die Achtung aller Parteien. 1917 trat er zurück und wurde nunmehr Oberpräsident von Brandenburg. 1919 nahm er seinen Abschied und trat an die Spitze des Reichsbürgerrats. Im Jahre 1925 rief er den Reichsblock ins Leben, der die Wahl des Generalfeldmarschalls von Hindenburg zum Reichspräsidenten durchsetzte. Louis Loucheur* — Paris, 22. November. Der ehemalige Minister und Abgeordnete Louis Loucheur ist am Sonntag nachmittag gestorben. Er war von Hause aus Ingenieur und wurde erst im Jahre 1917 durch Painlevé in die politische Laufbahn eingeführt. Während des Krieges versah er zunächst das Amt eines Unterstaatssekretärs im Rüstungsministerium, um sodann auf dem gleichen Arbeitsgebiet zum Minister aufzurücken. Nach dem Kriege wirkte er an der Seite Clemenceaus. An dem Versailler Vertragswerk wirkte er mit und wurde mit der Leitung des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete betraut. Später gehörte er verschiedenen Kabinetten an und hat die Ministerien für die„befreiten Gebiete“, Handel, Marine, Post, Finanzen, Arbeit und Wirtschaft geleitet. In der Kammer gehörte er der radikalen Linken an. Am Dienstag Preußischer Landtag. — Berlin, 23. November. Der Preußische Landtag tritt am Dienstag zusammen Auf der Tagesordnung stehen u. a. der Bericht des Untersuchungsausschusses über die Finanzgeschäfte der Preußenkasse zum Falle der Kreditgewährung an den Deutschen Verlagsverein in Düsseldorf und zum Falle PreußenkasseLandbund, sowie der Bericht des Untersuchungsausschusses in der Angelegenheit des Volksbegehrens gegen den Young= plan. Der Landtag, der in diesem Tagungsabschnitt auch die Verschärfung der Geschäftsordnungsbestimmungen zu beraten hat, wird voraussichtlich bis zum 28. November zusammenbleiben. Am Mittwoch oder Donnerstag wird die Wahl des neuen Präsidenten erfolgen. General von Mudra F. dam M. seinem Heim in Schwerin-Zippendorf starb der aus .##ege bekannte Armeeführer General der Infanterie von zudra an den Folgen eines Herzschlags. General Sämpster un Hage 11.z Lebenssahr. General von Mudra gannen.f nar im Westen, vor allem in den Ar50prozentige Wertzölle. Sofort nach dem Inkrafttreten des Antidumpinggesetzes hat das britische Schatzamt die erste Zollnotverordnung herausgegeben. Diese Verordnung legt einen Wertzoll von 50 Prozent aus eine umfangreiche Liste von Waren. Die Liste enthält mehrere hunder! Artikel. Nach Ansicht des Handels. amts sind alle diese Artikel in letzter Zeit über den normalen Bedarf hinaus nach England eingeführt worden. Bisher 37 Tote in Bentley. — London, 22. November. Die Zahl der Todesopfer bei dem Grubenunglück in Bentley hat sich inzwischen auf 37 erhöht. Außerdem werden noch fünf Bergleute vermißt. Verschiedenes. Neue Kantorei=Weihnachtsplatten. Im Gegensatz zu den Veröffentlichungen des vorigen Jahres, die sich ausschließlich auf die Weihnachtsmusik des 16. Jahrhunderts beschränkten, bevorzugt die Kantorei(Berlin=Steglitz) in diesem Jahr Tonsätze lebender Komponisten. Kurt Fiebig, dem kürzlich der Preuß. Staatspreis für Komposition(Mendelssohn=Preis) zuerkannt wurde, ist mit vier Weihnachtsliedsätzen(u. a.„Kommet, ihr Hirten", „Nun singet und seid froh") vertreten; von Heinrich Kaminski wurde„O Jesulein süß“ ausgenommen. Daneben sind vor allem noch die volkstümlichsten Adventslieder und Arien für Tenor(Prof. Georg A. WalterStuttgart) mit Flöte und Orgel aus Bachs Weihnachtsoratorium zu erwähnen. An die Leser des Mit großer Freude können wir melden, daß unser Heimathaus vor 8 Tagen gerichtet wurde. Alles, was wir bis dahin an Mitteln nötig hatten, ist durch die mithelfende Liebe unserer Freunde gedeckt worden. Mehr als 1000 einzelne Gaben sind eingegangen. Die Hauptaufgabe bis zur Vollendung des Baues liegt freilich noch vor uns. Aber auch 9000 Leser sind noch da, auf deren Mitwirkung wir nach dem frohen Anfang der ersten 1000 Leser noch hoffen dürfen. Auf die mannigfachen an uns ergehenden Anfragen gibt der in dieser Nummer veröffentlichte Aufsatz einen Teil der Antworten wieder. Vielleicht nimmt sich der eine oder andere Leser die Zeit, das in diesem Aufsatz zur Sprache gebrachte still zu überdenken, um, auch wenn er persönlich nicht zu uns kommen kann, doch seinem Herzen nach in die Schar der Heimat= und Siedlungshelfer einzutreten. Augenblicklich ist unser vorläufiges Heimathaus so besetzt, daß eine weitere Aufnahme unmöglich ist, doch bietet sich neuer Raum dar, sobald unser eigentliches Heimathaus vollendet ist. Heute haben wir die kleine Gästeherberge abgesteckt, von der das letzte Mal berichtet wurde. Sie soll, wie gesagt, zugleich als Muster eines Einfamilienhauses dienen. Wir hoffen nach weiteren Berechnungen sie für 1800,— Mark aufzurichten. Ein verborgener Freund unserer Arbeit schenkte uns aber für dieses Häuchen mehr, als wir nötig haben werden, nämlich 2000,— Mark, so daß auch schon ein Teil der bescheidenen Einrichtung gedeckt ist. Einschließlich dieser Gabe gingen weiterhin ein: 17 Gaben zu 1,—= 17,—; 4 zu 1,50= 6,—; 20 zu.— = 40,—; 3 zu 2,50= 7,50; 16 zu 3.—= 48,—; je 1 zu .50; 4,93; 16 zu 5,—= 80.— jje 1 zu 5,10;.—;.—; 4 zu 10.—= 40,—; se 1 zu 14,80; 16,—; 38,50; 43.—; 200,— Mk., zusammen 579,33 Mk., insgesamt bisher 5 493,12 Mk. Allen lieben Heimathelfern, den bekannten und unbekanten, herzlichen Dank und Gruß! Dünne, Kr. Herford, den 11. 11. 1931. G. v. Bodelschwingh. Postscheckkonto: G. v. Bodelschwingh, Hannover 48 273. Bethel. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Montag, 8¼ Uhr Männerchor in„Ephrata“. Mittwoch, 8¼ Uhr in Gosen eine„Polarfahrt“(Karten 25 Pfg. in„Ephrata“) Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann: alle in Betbel. Poss Bestelischein Der Unterzeichnete bestellt hiermit 1 Eremplar des Aufwärts. Für Monat nm 193" Der Bezugspreis wolle von mir erhoben werden. Ich wünsche die Zeitung zugestellt zu erhalten“). Ich werde die Zeitung abholen“). ArbeitsMethoden Alleinvertretung: Emn Bieiann Leichtlungenkranke Erholungsbedürftige finden liebevolle Aufnahme bei eitgem. Preise. Liegehalle am Walde, Zentralheizung usw. Kurheim Frau Dr. Brandner, St. Blasten. Bielefeld Teleton 6076 Rlbrechtstraße 25 Carl Lepper Bielefeld, Gehrenberg 23 Fernsprecher 976. Spezialhaus für erstklassige und solide Schuhwaren jeder Art. Stets billige Preise.