Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechomal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Stretfband.65(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67877. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Auser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig Reklame 30 Pfg. Beilagen unter Wgje tausend 15 Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. konto Hannover 67377. 915 Nr. 269. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Dienstag, den 17. November 1931. 13. Jahrgang. Waß dich vom Werk als Sklav' nicht treiben, Der Geist ein Herr des Werks muß bleiben. Tersteegen. MiigMMMMMMMMN Die erste Etappe dess freiwilligen Arbeitsdienstes. Von Dr. Herbert Jagow=Berlin. „Die jüngste Notverordnung enthält bekanntlich einen Absechnitt„Landwirtschaftl. Siedlung, vorstädtische Kleinsiedllung und Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose““, der eine Erweiteung der Möglichkeiten des freiwillligen Arbeitsdienstes bringt. Damit wird die Aufmerksamtkeit der Oeffentlichkeit wieder auf den Arbeitsdienst geleenkt. Man fragt jetzt mit Recht, welche praktischen Wirrkungen die Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes bisher gehabt hat. Man hat nicht erwartet, daß sich gleich Hunderttau=sendde von Erwerbslosen zur Verfügung stellen. Das wäre auchh gar nicht wünschenswert. Der Dienstpflichtgedanke wurrde gerade auch darum vom Gedanken der Freiwilligkeitt abgelöst, weil zunächst einmal einer Auslese die Mögglichkeit geschaffen werden soll, Pionier auf diesem an Schywierigkeiten überreichen Wege zu werden. Man muß dem Arbeitsdienst ein organisches Wachstum wünschen, wennn Fehlschläge vermieden werden sollen. Die Freiwilligkkeit erleichtert die Bildung gesinnungsverwandter Gemeiinschaften; diese halten eher durch, sie lösen die Fühverffrage leichter und leisten auch die Erziehungsaufgabe bessser, die zum Wesen des Arbeitsdienstes gehört. „Die vom Gesetzgeber getroffene Regelung des Arbeitsdiemstes hat sich im wesentlichen bewährt, wenn auch die zur: Verfügung gestellten Mittel sehr knapp sind. Die Bedenkken in Arbeiterkreisen, die fürchteten, daß der Arbeitsdiemst die Tarife verschlechtern und Arbeiten vorwegnehmenn werde, die sonst im freien Arbeitsverhältnis würden geleeistet werden müssen, sind geringer geworden. Nur in Einzzelfällen führte diese Sorge in Kommunen und Arbeittsämtern zu einer gewissen Engherzigkeit in der Genehhmigung. Da die meisten Projekte ländlicher Natur sindd(Meliorationen, Oedlandkultur, Wegebau, Flußregulierrung u. dergl.), gilt es besonders, das berechtigte Intereesse der Land= und Forstarbeiter im Auge zu behalten, die mit mehr als 100 000 Erwerbslosen schwer durch die Kriise getroffen sind: in vielen Fällen bedarf es in der Tatt sehr forgfältiger Prüfung, ob wirklich keine Aussicht bestteht, daß die Projekte in den nächsten Jahren etwa auf denm Wege von Notstandsarbeiten(die ja nicht zum„freiwillligen Arbeitsdienst“ gehören) durchgeführt werden. Eini Mangel liegt u. E. in der Begrenzung des freiwilligen Arbbeitsdienstes auf 20 Wochen. Gerade Organisationen, die schon vor der gesetzlichen Regelung begonnen haben, maachten die Erfahrung, daß der Dienstwillige in zahlreichenn Fällen nicht mehr zurück will, und müssen nun versuchhen, ihn mit eigenen Mitteln weiter durchzuhalten. (Ein Rundgang über das Feld des freiwilligen Arbeitsdiennstes ergibt folgendes Bild: Die schon vor der Arbeitsdiennstverordnung in Angriff genommenen praktischen Arbeitten werden weiter geführt. Sie verfolgen größtenteils dass Ziel der Siedlung. Die evangelische Siedlerschule Dieestelow und ihr katholisches Gegenstück, beide in Mecklenbberg, haben in diesem Jahre voll mit ihrer Arbeit eingeseetzt. Der Sigmarshof(Westfalen), eine Schöpfung der: Anstalt Bethel, der der Umschulung jugendlicher Erwerrbsloser von der Industrie zur Landwirtschaft dient, bettreut zur Zeit mehr als 220 Jungen, gegenüber 35 bis 40 jim Vorjahr. Der größere Teil der Sigmarshofer wird für: den Osten angesetzt, während die mecklenburgischen Sieedlerschulen sich stark auf die Siedlung Süddeutscher in Norddeutschland eingestellt haben. Ueber die spätere Bettreuung, die Führerfrage in den Arbeitskolonnen, die Verrschiedenartigkeit des ländlichen und städtischen Arbeittsbegriffes liegen weitgehende Erfahrungen vor. Als unggelöst wird die Frage angesehen, woher die umgeschulteni jungen Männer ihre Frauen bekommen; bekanntlich scheeitert die Siedlung häufig an der Frau. (Diese Schwierigkeit hat dazu geführt, daß die Evangeliisch=soziale Schule(Spandau) begonnen hat, neben den mäinnlichen jetzt auch weibliche Erwerbslosenlager einzurichhten. Sie versucht, rund 500 Evwerbslose über den schnweren Winter zu bringen, darunter zahlreiche Wohlfahhtserwerbslose. Im Anfang war die Absicht dieser Lagerr nicht die, für die Landwirtschaft umzuschulen; die Erfahyrung hat jedoch gezeigt, daß ein großer Teil der Indusstriearbeiterschaft Freude an landwirtschaftlicher Arbeit bekkommt und die eigenen Berufsaussichten so ungünstig beutrteilt, da.##sendgültig zur Landwirtschaft übergehen mochte. Arbeitsgelegenheit soll durch Verdrängung der polnischen Schnitterkolonnen geschaffen werden. Auch die Artamanenbewegung ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Mit dem Ziel der Ueberwindung der Klassengegensätze wirkt der Jungdeutsche Orden durch seine Landnehmerbewegung(Freikorps der Arbeit). In Bautzen sind, um ein Beispiel zu nennen, 120 Mann zur Regulierung des Albrechtbaches eingesetzt; von ihnen rekrutieren sich 25 Prozent aus Anhängern des Nationalsozialismus und linksradikaler Parteien. Hunderte von Bewerbern mußten auf später vertröstet werden. Die Stahlhelm=Selbsthilfe hat an einer Reihe von Orten eingesetzt. In Leipzig hat das Reichsbanner mit freiwilligem Arbeitsdienst begonnen. Viel beachtet wird der„Bund f. freiwilligen Volksdienst“, den Konsul Dr. Wendler in Reutlingen(Württbg.) ins Leben gerufen hat; in der Kameradschaft Friedrich List arbeiten 60 Dienstwillige am Aufbau einer Siedlung. Auch Studenten werden als Arbeitsdienstwillige anerkannt. 200 Leipziger Studenten arbeiteten in Oberschlesien(Flußregulierung gegen Hochwassergefahr). Die Stuttgarter und Hohenheimer Studentenschaften riefen zur Rotbachregulierung im Oberamt Crailsheim auf. 65 Mann, je zur Hälfte Tübinger Studenten und Erwerbslose, chaussieren bei Münsingen einen Waldweg. Heidelberger Studenten arbeiten zusammen mit Bauernsöhnen im Schwarzwald. Eine Reihe der großen konfessionellen Verbände— die christlichen Jungmännervereine, die charitativen Organisationen usw.—, die auf dem Gebiete der sozialen Arbeit und Wohlfahrtspflege, der Schulung und Erziehung eine jahrzehntelange Erfahrung besitzen, stellen frühere. Arbeiten auf freiwilligen Arbeitsdienst um und stehen in weitergreifenden neuen Plänen. Gerade die Gründlichkeit, der Austausch der gegenseitigen Erfahrungen, die Durchführung auch kleinerer örtlicher Projekte dürften ihre Stärke sein. Im Rahmen der Winterhilfe der freien Wohlfahrtspflege werden Suppenküchen, Kleidersammlungen, Fortbildungskurse und dergleichen im Arbeitsdienst durchgeführt werden. Daß sich auf diesem Wege die Arbeitslosen an den für sie bestimmten FürsorgeMaßnahmen selbst aktiv beteiligen, ist von großem psychologischen Wert. Unter Führung von Pfarrern werden in einer westdeutschen Provinz Lehrwerkstätten für erwerbslose Jugendliche eingerichtet, Landparzellen, die von einem Bergwerksverein zur Verfügung gestellt sind, werden in Bearbeitung genommen, Waldgelände wird für die Schaffung von Jugendlandheimen urbar gemacht. Es ist der Zweck der„Reichsberatungsstelle für den freiwilligen Arbeitsdienst“, die der Kirchlich=soziale Bund in Spandau(Johannesstift) ins Leben gerufen hat, die verschiedenen Träger des freiwilligen Arbeitsdienstes anzuregen, zu ermutigen und einen fortlaufenden Erfahrungsaustausch zu unterhalten.— Mögen aus dem freiwilligen Arbeitsdienst, der eine harte Schule für viele ist, Menschen dereinst in das Leben der Wirtschaft hineinwachsen, die von einem neuen Sinn der Arbeit wissen und sie wieder verstehen und tun als Dienst am Nächsten, am Volk. Von Theodor Haug, Tübingen. Der Aufwärts hat sich die nötige, aber überaus schwierige und undankbare Aufgabe gestellt, nicht einer Partei zu dienen, sondern politische Fragen in christlichem Sinn zu erörtern und zur politischen Verständigung unter den evangelischen Christen beizutragen. Das führt dazu, daß die Geister in seinen Spalten immer wieder ziemlich heftig aufeinanderprallen, auch, wenn sie„nur einige sachliche Erwägungen“ anstellen. Darum ist es wohl angebracht, sich über die heute so viel besprochene Sachlichkeit Gedanken zu machen, soweit sie für politische Erörterungen in Betracht kommen. Nur so wird ihre Möglichkeit und Grenze deutlicher. Ich stelle vier Sätze auf, die ich in der Hauptsache aus den Auseinandersetzungen belege, die in den letzten Wochen im Aufwärts über die Entscheidung des Christlichen Volksdienstes bei der letzten Reichstagssitzung geführt wurden(Nr. 247, 252, 258 260). 1. Sachlichistes, dievorhandenen Gegensätze anzuerkennen. Wir haben mit der Tatsache zu rechnen, daß es in der evangelischen Christenheit Deutschlands heute drei Gruppen gibt. Einmal die mit der nationalen Bewegung Verbundenen; sie sind zahlenmäßig in starker Mehrheit. Dann die hinter dem Volksdienst Stehenden, zu ihnen gehören noch viel Unsichere und Schwankende. Endlich die religiösen Sozialisten; sie sind eine kleine, aber nicht bedeutungslose Schar, die im Aufwärts selten zu Wort kommt. Das ist eigentlich schade, 20 da sie auch etwas zu den strittigen Fragen zu sagen hat. e Doch beschränke ich mich hier auf die ersten beiden Gruppen. Wer sie aufmerksam beobachtet, insbesondere, wer neben dem Aufwärts regelmäßig eine Volksdienstzeitung liest, kann ohne Schwierigkeiten feststellen, daß zwischen#. ihnen tiefgreifende, durchgehende Meinungsunterschiede S bestehen. Die einen sagen: Brüning ist zur Zeit der fähigste Mann, den wir haben;„er 0 ist seiner Aufgabe gewachsen". Die andern: Er treibt„Katastrophenpolitik“ und muß daher gestürzt werden. Die 0 einen: Harzburg war eine Enttäuschung, ein unnatürlicher Pakt Hitlers mit den„Sozialreaktionären“, die dort vertretenen Parteien sind„unter sich völlig uneins". Die andern: Harzburg war ein ,großes nationales Erleb= 20 nis“, ein Zeichen für den„Aufbruch der Nation“; die nicht zu leugnenden Unterschiede in den Auffassungen der ein““ zelnen Gruppen sind belanglos. Die einen sehen in dem □ Feldgottesdienst in Harzburg eine schlimme Verirrung, ja, eine Versündigung am wahren Christentum, die andern einen Höhepunkt religiöser Weihe für eine gottwohlgefällige Sache. Die einen urteilen: Eine Rechtsregierung ist in der heutigen parteipolitischen Lage unmöglich. Die andern: Eine Rechtsregierung ist möglich und das einzig richtige. Die einen meinen: Eine Rechtsregierung bedeutet„Abschaffung des Tarifrechts“ und damit eine„Politik, die die Schwachen heranzieht und die starken laufen läßt". Die andern: Hugenberg wird gerade den Arbeitern Arbeitsmöglichkeit und Befreiung bringen. Die einen glauben, das Reden gegen die Revision, das Sichaufbäumen gegen die Kriegsschuldlüge, die schon oft widerrufen sei, habe gar keinen großen Wert; wir müßten als besiegtes Volk in ganz langsamen, überaus mühseligen Schritten unter Rückschlägen um jeden Fußbreit kämpfen, wir hätten keine andere Wahl, als eben zu verhandeln. Die andern versprechen sich von der„Abschüttelung der Kriegsschuldlüge, die noch immer vergiftend auf uns lastet, und uns zu entmannten Parias der Welt macht“, eine entscheidende Aenderung unserer Lage. Sie sind der Ueberzeugung, wenn wir nur„Befreiung von der Schuldknechtschaft, von der Sklaverei durch das Ausland" wollen, dann werden wir über„die schönen Reden der Diplomaten“ hinauskommen und die Auswirkungen entschiedenen nationalen Wollens sehen. Die einen fürchten, mit dem Sieg des dritten Reiches werden die Parteikämpfe erst recht kommen. Die andern sagen:„Der Aufbruch der Nation wird jede Parteipolitik wegfegen“.— Dem Volksfreund tut das Herz weh ob dieser Zerklüftung. Aber sie ist da. Wir haben diese Gegensätze zu sehen, und jeder Versuch, sie zu verwischen, ist im gegenwärtigen Zeitpunkt unsachlich. 2. Sachlichistes, Verdächtigungen zulas. sen. Von Haus aus bedeutet sachlich sein für die meisten Menschen nur eine Gelegenheit, ihre eigene Sache zu vertreten. Und das geht ohne Verdächtigung des Gegners nicht ab. Natürlich sehr oft unbewußt und nicht in grober Form. Dafür sind die oben angeführten Artikel ein schlagender Beleg auf beiden Seiten. Mumm regt sich darüber auf, daß die Rechtsradikalen den Reichstag verließen und dadurch die Arbeit für die Kriegsbeschädigten und den Panzerkreuzer B gefährdeten. Er sagt in dem Augenblick nichts davon, daß diese kleinen Ziele um des großen Ziels vernachlässigt wurden, das die Rechtsparteien erstreben; und dadurch verdächtigte er sie bei den Lesern, als hätten sie nicht vaterländisch, nicht sozial gehandelt. Seine Gegner haben diese Schwäche sofort erkannt und ausgenützt. Ein Rechtsradikaler schreibt: Hitler will Deutschland retten, aber nicht das Regiment des Zentrums und der Sozialdemokraten. Es wäre für den Volksdienst gut gewesen, er hätte auch so gedacht und gehandelt.“ Woher weiß der Mann, daß es dem Volksdienst nicht genau ebenso um Deutschland geht und nicht um irgendeine Partei? Oder:„Der Volksdienst hat sich vorhei einige Versprechungen geben lassen, wegen größerer Wah rung evangelischer Belange, weil er wohl die Belastung empfand, die ein so entschiedenes Eintreten für das im Reich und in Preußen unumschränkt herrschende, sozialistisch gebundene Zentrum im Lande für ihn mit sich bringen mußte.“ Hier ist dem Schreiber wieder eine unberechtigte Verdächtigung in die Feder geflossen. Warum soll der Volksdienst diese Forderung nicht aus sachlichen Gründen gestellt haben, ohne Rücksicht auf Wahlpropaganda? Die Verfasser parteipolitischer Aufsätze tun häufig so, als könnten sie dem Gegner bis ins Herz sehen und behaupten kühn drauf los. Gewiß hat der Politiker viel Schein und Maske zu entlarven. Aber es darf nicht soweit kommen, daß wir überhaupt nicht mehr recht hören und lesen, was der andre eigentlich sagt. Und wir dürfen nie ohne ernsten Grund dem Gegner Absichten unter stellen, die er nicht geäußert hat. Sonst verdächtigen wir ihn. Wir zerstören, statt aufzubauen. Das ist unsachlich. 3. Sachlich ist es Entgleisungen zu entschuldigen. Im Eifer des Gefechts gibt es immer Splitter. Wer so viel redet und schreibt wie der Parlamentarier, dessen Worte darf man nicht auf die Goldwage legen. Wie kam Mumm zu seiner als unbillig empfundenen Verdächtigung? Ich denke mir so: Er hat die Früchte dieses Auszuges aus dem Reichstag in seiner Arheit zu spüren. Man kann sich wirklich ärgern, wenn bedrängte Kriegsbeschädigte nicht zu ihrem Recht kommen und andere wichtige Beschlüsse nicht gefaßt werden können, weil eine Partei nicht mittut. So hat ihm der Gedanke an das Nächstliegende die Feder geführt. Das ist verständlich. Oder warum hat der Nationalsozialist so temperamentvoll auf den Volksdienst losgehauen? Ich nehme an, er kann aus seinem nationalen Wollen heraus nicht begreifen, daß ernste vaterländisch gesinnte Menschen auch anders entscheiden wie er, und dann sind ungeschickte Aeußerungen von Volksdienstlern ihm eine Bestärkung seiner Ansicht. Es wäre viel gewonnen, wenn wir im politischen Leben, wenigstens soweit wir Christen sind, Entgleisungen nicht vergrößerten, sondern entschuldigten im Bewußtsein, daß uns selbst immer wieder Aehnliches begegnet. Das ist sachlich. 4. Sachlich ist es endlich, an der Ueberbrükkung der vorhandenen Gegensätze zu arbeiten. Wer das tut, faßt eine unendlich schwierige Aufgabe an. Wir sind, mehr als die meisten wissen, durch Umgebung, Erziehung und Lebensführung bestimmt und können nur schwer aus dem Kreis heraus, in dem wir uns bewegen. Wir legen an die andern unsere Maßstäbe an. Und wenn wir die Einsicht und den Willen zum Verstehen haben, geht nicht selten im entscheidenden Augenblick unser Temperament mit uns durch. Trotz allem besteht bei uns Christen am ehesten Aussicht auf ein Verstehen und auf eine gewisse Annäherung, wenn wir uns bewußt bleiben, daß wir als Brüder und Schwestern zusammengehören, nicht bloß deshalb, weil wir Glieder eines Volkes sind, sondern weil wir einen Vater im Himmel haben, weil Christus auch die politischen Leidenschaften— sie gehören zu den schlimmsten— dämpfen kann, und alle, die ernst mit ihm verbunden sind, in die Wahrheit hineinleiten, Schritt für Schritt.— Es ist leicht möglich, daß ich trotz meines Bemühens, sachlich zu sein, erst wieder da und dort nicht sachlich genug war. Dann möge man es verzeihen und daraus ersehen, wie schwer die Sachlichkeit ist. Volle Sachlichkeit gibt es auf Erden nicht! Evangelische Kirche und Nationalsozialismus. In Nr. 260 des Aufwärts tvitt Frau H. Simpfendörfer meinen Ausführungen: Evangelische Kirche und Nationalsozialisten entgegen. Art und Inhalt der Entgegnung machen meine Antwort nötig. Frau H. S. hat meinen Aufsatz offenbar oberflächlich oder nicht mit jenem nüchternen Sinn gelesen, den er erfordert hätte. Schon die Ueberschrift hat sie nicht genau gelesen, also auch nicht verstanden. Ich habe micht nicht mit dem sogenannten Nationalsozialismus und seinem Schrifttum beschäftigt. sondern mit den Nationalsozialisten, wie ich sie in der Gemeinde, im täglichen Leben und im Gottesdienste vorfinde. Auch ist erst recht nicht mit einer Silbe der Partei als solcher gedacht, geschweige, daß ich mich mit großer Wärme, ja, Leidenschaft für die Partei eingesetzt hätte. Der Philosoph G. W. Fr. Hegel. Zum 100=jährigen Todestage am 14. 11. 1931. Zur Vorfeier dieses Tages hat in Berlin ein HegelKongreß stattgefunden, auf dem die hervorragendsten Hegelkenner des In= und Auslandes sich eingefunden hatten, um ein Gesamtbild des Hegelschen Systems in all seinen Zweigen erstehen und in seiner Bedeutung für die Gegenwart erscheinen zu lassen. Daraus geht klar hervor, daß der große Philosoph, obwohl er vor 100 Jahren gestorben, noch nicht tot ist, sondern noch fortlebt, und man hat gerade von unserer Zeit mit Recht gesagt, so wie Kant seine Renaissance im Neukantianismus hat, so habe auch Hegel in unserer Zeit eine Auferstehung erlebt. Hegel wurde am 27..1770 in Stuttgart geboren. Seine Philosophie ging aus von Kant und beruhte auf der absoluten Identität zwischen Wissen und Sein. Der große Schwabe, ausgerüstet, mit der spekulativen Begabung seines Volksstammes(dem auch der Theosoph Oetinger und der Philosoph Schelling angehörten) traute sich mit seinem tiefen Forschersinn und seiner glühenden Phantasie zu, das Höchste zu wagen und alle Rätsel des Lebens in seinem grandiosen System zu lösen, und die Einheit des Denkens und Seins zu beweisen, indem er das Leben der Welt als den unendlichen dialektischen Prozeß des sich selbst denkenden absoluten Geistes darstellte. Als ein zweiter Aristoteles trug er, wie Treitschke sagt, in den mächtigen Rahmen seines Systems mit ungeheurem Fleiß die Ergebnisse der gesamten Erfahrungswissenschaften seiner Zeit ein, so daß die ganze Welt der Natur, der Geschichte, des Rechts und der Religion ihre Stelle angewiesen erhielt. Hervorragend war er, der der romantischen Schule nahestand, auf dem Gebiet der Aesthetik. Was er hier sagte, war groß und tief, so daß später und auch noch heute alle ernsten Aesthetiker(wie Rosenkranz und Dr. Vischer) sich bewußt oder unbewußt an ihn anlehnen. Noch fruchtbarer war seine Rechtsphilosophie. Er war der erste politische Kopf unter den deutschen Philosophen. Er sah den Staat an als den verwirklichten sittlichen Willen. Damit beseitigte er die Lehre des Naturrechts sowahl wie die Romantik und erzog die Deutschen zu Wie mir des weiteren auf Grund meines Aufsatzes Preisgabe des mir anvertrauten Erbes eines Martin Luther vorgeworfen werden kann, ist mir unverständlich. Habe ich doch gerade die seelsorgerliche, ja, missionarische Aufgabe der evangelischen Kirche gegenüber den Nationalsozialisten gewahrt und mit Genugtuung festgestellt, daß ihr Führer das Kreuz Christi nicht ablehnt, sondern es nur aus den Händen von Menschen befreit wissen will, die es zur Erringung der Macht mißbrauchen. Abstoßendes, Unerlöstes habe ich wohl bei den Nationalsozialisten festgestellt. Davon gibt es bei allen anderen Christen auch genug. Unbestreitbar aber finde ich bei den Nationalsozialisten das Reich Gottes bejahende Kräfte, wenn ich ihren Riesenkampf gegen den jüdischen Mammonsgeist, unbiblische Machtansprüche der römischen Kirche und den alles Ueberirdische verneinenden Bolschewismus betrachte. Daran können mich auch die unsachlichen Zwischenrufe nationalsozialistischer Redner im Reichstag nicht irre machen. Sie zielen am echten christlichen Leben vorbei und treffen nur ungesunde Auswüchse der christlichen Frömmigkeit. Es sind überdies im Kampf gefallene Ausdrücke und als solche zu werten. Mit feierlichem Ernste aber erhebe ich Einspruch gegen die Gleichstellung des Nationalsozialismus und Bolschewismus durch Frau H.., welche es übers Herz bringt, den Nationalsozialismus als„obersten der Teufel“, Beelzebub, zu bezeichnen. An dieser Verfluchung des Nationalsozialismus gemessen, nehmen sich die Zwischenrufe einiger nat.=sozialist. Abegordneter beinahe harmlos aus. Gerne will ich hoffen, daß„Simpfendörfer“, der Name der Verfasserin der Entgegnung, nicht auf Inspiration aus dem Lager des„Christl. Volksdienstes“ hinweist. Sonst hätte meine Gegnerin der jungen Partei einen sehr gefährlichen Schlag versetzt. H. Hoffmann, Pfarrer, Gleina, Zeitz Land. Ländliche Siedlung. Zum pceußischen Staatskommissar für Siedlungswesen ist Ministerialdirektor Bollert, der bisherige Leiter der Siedlungsabteilung des preußischen Landwirtschaftsministeriums, ernannt. Die Richtlinien Preußens zur Durchführung der ländlichen Siedlung im Jahre 1932 sind nach Besprechungen mit den Reichsbehörden fertiggestellt und werden demnächst veröffentlicht. Sie sehen eine wesentliche Verbilligung, vor allem durch Einschränkung der Gebäude, größtmöglichste Ausnutzung der alten umzubauenden Gutshäuser und durch Mitarbeit des Siedlers bei der Herrichtung der Stellen, vor. Man rechnet mit Anzahlungen besonders in den eigentlichen Ostprovinzen von nur noch 1000 bis 2000 RM für 60 Morgen=Vollbauernstellen, einschließlich des notwendigsten Inventars. Auf diese Weise sollen in größerem Umfange auch städtische Erwerbslose zur landwirtschaftlichen Siedlung herangezogen werden, soweit sie vom Lande stammen. In geeigneten Fällen durch Einschaltung des freiwilligen Arbeitsdienstes geplant. Das Projekt des Evangelischen Siedlungsdienstes, im kommenden Jahre 1000 Arbeiter aus dem rheinisch=westfälischen Industriegebiet in ihre Heimat Ostpreußen zurück zusiedeln, wird auf amtlichen Behördenkonferenzen in den nächsten Wochen entscheidend vorbereitet. Dr. Schultz=Bielefeld. der Bakterienfilter in der Westentasche desinfiziert Hals und Mund! einer staatsbürgerlichen Gesinnung. In ähnlicher Weise wie Kant mit seiner Pflichtenlehre, hat Hegel mit der in historischem Sinne ausgebildeten Philosophie und Ethik des Rechts eine große wissenschaftliche Tat vollbracht, wenn er auch die Idee des Staates manchmal bis zur Omnipotenz überspannte. Gleich Herder erkannte er in jedem Volke einen besonderen Gedanken Gottes und sprach die Wahrheit aus, daß die Geschichte eines Volkes, wenn sie auch zuweilen einen Zickzackkurs einschlägt, doch schließlich ein Fortschritt im Sinne der Freiheit ist. Weitreichend war auch sein Einfluß auf die Naturphilosophie und Religionsphilosophie, obwohl ihm in jener Alexander von Humboldt und in dieser Schleiermacher sich überlegen zeigten. In der Religionsphilosophie gingen seine Schüler sehr weit auseinander, die einen zur Rechten(z. B. Daub, Marheinicke), die andern zur Linken) besonders Dr. Fr. Strauß, der bei dem Pantheismus landete). Man hat auch Hegel diesen oft untergeschoben, aber einer der gründlichsten neueren Kenner des Hegelschen Systems, Lasson, betont:„Hegel ist niemals Pantheist gewesen, und seine Auffassung des Christentums ist zu jeder Zeit der von Strauß gerade entgegengesetzt und bis an sein Lebensende eine mehr mystische gewesen. Etwa 20 Jahre hindurch, bis 1840, ist die Philosophie Hegels auf den preußischen Universitäten in unbeschränkter Herrschaft gewesen. Dann aber, nachdem man aus dem Rausche des Idealismus zur Ernüchterung kam, hatte man einen Widerwillen gegen alle Spekulation und wandte sich der naturwissenschaftlich=materialistischen Richtung zu. In unserer Zeit aber bahnt sich wieder eine Renaissance an, die zu einer neuen Würdigung Hegels geführt hat, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Holland, England und Italien, so daß ein internationaler Hegelbund entstanden ist, unter dessen Führung die Säkularfeier in Berlin am 18. 10. statfand. St. Ein neues altes Bettagslied. Kirchenlieder dichten und den Anspruch erheben, daß solche Lieder nun auch wirklich den Eingang in die Gesangbücher und durch sie in die singende Gemeinde finOstasien vor dem Rat. — Berlin, 16. November. Unter dem Vorsitz des französischen Außenministers Briand versammeln sich am heutigen Montag in Paris nochmals Vertreter der dem Völkerbundsrat angehörenden Mächte, um die Beilegung des chinesisch=japanischen Konflikts— oder sagen wir richtiger: die Beendigung des Mandschurei krieges— vorzubereiten. Deutschland ist in diesen Verhandlungen bisher wenig hervorgetreten. Während andere Regierungen zu den Mandschureiverhandlungen durchweg ihre Außenminister entsandten, begnügte sich die Reichsregierung mit der Vertretung durch einen Gesandten. Erstmals in der neuen Ratssitzung weist die deutsche Delegation eine stärkere Besetzung auf, indem ihr auch Staatssekretär Dr. von Bülow, der sowieso in der Reparationsfrage in Paris zu tun hat, angehört. Diese Einstellung Deutschlands hängt damit zusammen, daß gegenwärtig für die deutsche Politik die Neuregelung der Tributfrage und die Umwandlung der kurzfristigen Auslandsverschuldung in Anleihen im Vordergrund stehen. Im übrigen aber bringt das deutsche Volk den Vorgängen in Ostasien ein sehr lebhaftes Interesse entgegen. Als ein Land, dessen Rechte wiederholt mit Füßen getreten sind und das noch heute eine ganze Reihe Forderungen an die Welt zu stellen hat, haben wir weitgehend Verstandnis für den Freiheitswillen Chinas. Aber wir würdigen auch die Schwierigkeiten, mit denen Japan zu kämpfen hat, das gleich uns ein Volk ohne Raum ist. Unserer Auffassung nach wird man daher die Probleme des Fernen Ostens niemals durch formal=juristische Methoden lösen können, sondern auch hier bedarf es einer konstruktiven Friedenspolitik, muß man sich mehr oder weniger aus dem Bann von Buchstaben lösen, die mit dem Schwert geschrieben wurden. Das ist die eine Seite des MandschureiKonflikts. Daneben bilden die Vorgänge in Ostasien eine so wuchtige Anklage gegen das System ungleicher Sicherheit, daß das von der deutschen Politik— und sei sie noch so sehr von der Tributfrage überschattet— unmöglich übersehen werden darf.„Ein entwaffneteLand ist eine Versuchung für seine Nachbarn“ hat diese Tage Reichswehrminister Groener im Gespräch mit einem amerikanischen Journalisten geäußert. Der Kanonendonner in der Mandschurei und das Krachen der Fliegerbomben „mitten im Frieden“ geben dieser Erklärung ein vielfältiges und starkes Echo. Nicht daß bei anders gelagerten Verhalt nissen japanisch=chinesische Differenzen ausgeblieben wären aber sehr wahrscheinlich wäre doch die Form der Auseinandersetzung eine wesentlich andere und ungefährlichere gewesen. Daß der Völkerbund in langen Sitzungen den Zusammenstoß in der Mandschurei studiert, aber nichts getan hat, durch das der Frieden wiederhergestellt worden ist und neue Kämpfe verhindert wurden, muß Deutschland erst recht zu einem unerbittlichen Mahner machen, der nicht ruht, bis er sich die Gleichberechtigung im vollen Umfange zurückerkämpft hat. Was nun die Bemühungen des Pölkerbundes im einzelnen betrifft, hofft man jetzt in Paris auf eine Einigung dahin, daß der Völkerbundsrat das Recht erhält, eine Sachverständigen kommission zur Prüfung der„An archie in der Mandschurei“ in das Kampfgebiet zu entsen den, die an Ort und Stelle Untersuchungen anstellen soll Die Mitglieder der Kommission sollen unter den Militärattaches der Völkerbundsmächte in Tokio ausgewählt werden. Die Kommission soll auch die Aufgabe erhalten, neben den eigentl! n Feststellungen über die Situation auch die Verhandlungen zwischen dem japanischen Oberkomma in der Mandschurei und den chinesischen Behörden über die Räumung zu überwachen und zu kontrollieren. Parallel neben diesen Verhandlungen mehr lokaler und administrativer Art sollen dann aber direkte diplomatische Verhandlungen zwischen Japan und China ausgenommen werden. Die beiden Parteien sollen sich vor dem VölK den, kann man niemand verwehren. Es müßte aber solch ein Dichter eine wirkliche Berufung und eine hervorragende Begabung haben, wenn es ihm gelingen sollte, den überreichen Schatz des evangelischen Psalters um ein Lied zu vermehren, das unserer leiderfüllten und nach neuen Wegen zum alten Gott, nach neuen Möglichkeiten, das Evangelium zum gott=losen Volk zu bringen, trachtenden Gegenwart etwas Großes zu sagen hätte. Etwas anderes ist es, wenn zu einer Melodie von kirchlicher Weihe und mufikalischer. Würde, die eines gangbaren Textes entbehrt, die für den gottesdienstlichen Gebrauch passenden Worte gefunden werden sollen. Eine solche Weise von höchster Kraft und Schönheit ist die des altniederländischen Volksliedes„Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten". Aber so werwoll die Melodie ist und bleibt und so wertvoll der Text für die im sechzehnten Jahrhundert gegen Spanien um ihre Freiheit ringenden Niederländer war, so geht es heute doch nicht recht an, bei deutschen vaterländischen Feiern das geschichtlich bedeutsame Lied anzustimmen oder es gar in der Kirche zu singen. Ein Kriegslied ist ein Kriegslied. man mag seinen Sinn noch so geschickt umdeuten und es an heilige Stätten verpflanzen. Dem geläuterten hymnologischen und liturgtschen Geschmack ist es deshalb unmöglich, das Lied in der— bis auf den unerträglichen Reim„haltet und waltet“— guten Uebersetzung Joseph Weyls(1821—93) anders denn als historisches Dokument zu verwenden. Ebenso befriedigt die Bearbeitung durch Karl Budde nicht ganz, einmal dichterisch und sodann, weil er dem Lied durchaus den Charakter des Kriegslie. des gelassen hat. Gegenwärtig handelt es sich darum, die Melodie für das in Vorbereitung stehende neue schweizerische Kirchengesangbuch zu„retten". Der Verfasser des Entwurf hat einen namhaften religiösen Schweizer Dichter, eines Bettagstext dafür zu schaffen; doch der schneidet, statt zu leimen, wohl lieber mit Goethe aus ganzem Holze und wies den Auftrag ab. Hemnach ging die Aufforderung an mich, die Sache zu versuchen. Ich sah gleich ein, daß sie einen tüchtigen Haken hat, nämlich dann, wenn man nicht auf die kunstvollen, aber die freie Entfaltung der Gedanken erheblich einschränkenden Binnenreime des niederländischen Originals verzichten will. Und diesen kerbundsrat formell verpflichten, innerhalb einer„vernünftigen“ Frist ein greifbares Resultat zu erreichen. Angenommen, daß jetzt eine solche Einigung zustanvekäme, so wäre damit der Mandschurei=Konflikt selbst noch nicht gelöst. Das Schwergewicht der Verhandlungen würde sich lediglich von Genf nach Ostasien verlagern. Man kann es daher als sicher annehmen, daß der Mandschurei=Konflikt noch geraume Zeit die Diplomatie beschäftigen wird. Und in dieser Zeit kann sich jeden Tag ein neuer Zwischenfall ereignen, da sich ja die Truppen in nicht gerade großer Entfernung bewaffnet gegenuberstehen und die Erregung der Bevölkerung unvermindert groß ist. Artilleriekampf um Japanisches Ultimatum.— Verschärfung der russisch= japanischen Beziehungen. — Peking, 16. November. Aus der Mandschurei kreffen neue Alarmnachrichten ein. Der japanische Oberkommandierende gab die Erklärung ab, die Japaner hätten Beweise dafür in Händen, daß der chinesische General Ma von russischen Truppen unterstützt werde. Daraufhin unternahmen die Japaner in Verbindung mit dem ihnen ergebenen chinesischen General Tschang Hai Peng einen Vorstoß in Richtung auf Tsitsikar. Im Verlaufe dieses Vormarsches ist es zu heftigen Zusammenstößen mit den Truppen des Generals Ma gekommen. Um Tsitsikar soll ein wilder Artilleriekampf toben. Die Angriffe der Japaner sollen von den Chinesen zurückgeschlagen sei, auch sprechen neuere Meldungen von Angriffen der chinesischen Kavallerie gegen die japanische Flanke. Der Oberbefehlshaber der japanischen Truppen in der Mandschurei, General Honjo, hat vom Kriegsministerium Anweisung erhalten, mit dem chinesischen General Ma Verhandlungen einzuleiten, die sich auf folgende vier Punkte beziehen sollen: 1. Ma soll die um Tsitsikar und Angantschi stehenden Truppen auf ihre ursprüngliche Stellung zurückziehen und in Tsitsikar nur die übliche Besatzung lassen; 2. keine Truppenabteilung darf südlich der Ostchinesischen Bahn verbleiben; 3. die Eisenbahn Taoman—Angantschi wird von dem Ordinary Railway=Board verwaltet werden. Das chinesische Militär darf sich nicht in diese Verwaltung einmischen. Würde es dies doch tun, dann würden die Japaner das Recht erhalten, jede von ihnen für nötig gehaltene Maßnahme zu ergreifen; 4. alle Bedingungen müssen bis zum 25. November erfüllt werden. Von russischer Seite werden die Meldungen über das Eingreifen bolschewistischer Truppen in den Kampf in der Mandschurei als unwahr zurückgewiesen. Die„Central Daily News“ von Nanking meldet, daß sapanische Truppen Angankschi genommen hätten. Dem gleichen Blatt zufolge sollen ein Brite und ein Franzose in der französischen Konzession von Tientsin durch verirrte Kugeln während des chinesisch=japanischen Zusammenstoßes an der Grenze zwischen der Chinesenstadt und der sapanischen Konzession getötet worden sein. Die japanische Presse übt heftig Kritik an dem Verhalten des Völkerbundes und lehnt eine Räumung der Mandschurei mit der Erklärung ab, bei einer solchen Maßnahme würden nur die Räuberbanden das Uebergewicht erlangen. Die Absicht des Völkerbundes, eine neutrale Kommission zur Untersuchung der Lage zwecks beschleunigter Räumung einzusetzen und die Unterbreitung des Vertrages von 1915 an ein Schiedsgericht vorzuschlagen, komme für Japan überhaupt nicht in Frage. Nach allgemeiner japanischer Ueberzeugung auf Grund früherer Erfahrungen wäre der Konflikt ohne Eingreifen des Völkerbundes längst durch direkte Verhandlungen zwischen Tokio und Nanking erledigt. ? Nach einer Erklärung des spanischen Außenministers soll in der ersten Hälfte des Dezember die Präsidentenwahl tartirnden Verzicht würde einem mancher verdenken. Es galt also den erneuerten Inhalt in eine festumrissene Form gießen und sich vor der Gefahr hüten, ein Knecht des Reimes zu werden, statt ihn zu meistern. Ob mir der Versuch gelungen ist? Ich möchte die Entscheidung nicht selbst treffen, schon um nicht der schwachen Liebe gegen das eigene Kind geziehen zu werden, sondern neben den Hymnologen vom Fach das singende Kirchenvolk um ein Urteil bitten. Wenn das neue alte Lied zum Beispiel am kommenden Buß= und Bettag da und dort vervielfältigt und von der Gemeinde gesungen würde, ließe sich wohl am besten erkennen, ob es wert ist, dem Kirchenliederschatz einverleibt zu werden. Ich weiß selber gut genug, wo ich, vom Zwange des Reimes befreit, zwar nicht dem Gedanken, aber der Form nach einen etwas anderen Weg eingeschlagen hätte. Wenn ich nun meinen Versuch der großen„Aufwärts“=Gemeinde unterbreite, so wäre ich dankbar für freundliche Worte der Ermunterung oder der Kritik im Interesse der guten Sache. Zuschriften aus Deutschland aber, bitte, mit Auslandsporto! Dies mein Vorschlag des Buß= und Bettagsliedes: Wir treten zum Beten Vor dich, unsern Herren, Verirret, verwirret, Von Schulden beschwert. Wir sollten dich ehren, Zu dir uns bekehren; Vrik Gottes noch zu heißen, wir sind es nicht wert. Dem Volke die Wolke Zieh weg von den Blicken, Und stärke zum Werke Die Kraft und den Mut. Zum Guten uns schichen, " Die Schwachen erquicken, Sind Taten, die dein heiliger Geist in uns tut. Dein Treue erneue Den Geist und die Sinnen, Dein Gnade führ grade Zum Licht uns hinan! Der Feind weicht von hinnen, Den Sieg wir gewinnen Und preisen, was du Großes an uns hast getan. Goldern(Schweiz) Rudolf Burchhardt. Die Wähnn i Wessen. Außerordentlicher Erfolg der Nationalsozialisten. — Darmstadt, 16. November. Selten hat eine Landtagswahl in einem der kleineren deutschen Länder derart die Aufmerksamkeit des gesamten Reiches auf sich gezogen wie diesmal die Neuwahl des Hessischen Landtags. Bestimmend dafür ist das Herannahen der Landtagswahl in dem größten deutschen Lande, in Preußen. Und die Tendenz dieser, auch für die Reichspolitik bedeutsamen Wahl kann man bereits jetzt zu einem Teil aus der Umschichtung der Wählermassen erkennen, die sich jetzt bei den Wahlen in anderen Reichsteilen ankündigt. Daß die Landtagswahl in Hessen starke Veränderungen bringen würde, stand bereits fest, ehe überhaupt die Urnen aufgestellt worden waren. Das bisherige Landesparlament Hessens war 1927 gewählt worden, also zu einer Zeit, wo das politische Gesicht Deutschlands ganz andere Züge zeigte als heute. Zur Illustration genügt der Hinweis, daß 1927 die Nationalsozialisten, die jetzt selbst im kleinsten Dorf stark vertreten sind, den Wahlkampfplatz überhaupt noch nicht betreten hatten. Merkwürdigerweise haben die großen politischen Fragen, um die in Deutschland seit Monaten der Kampf geht, und deren Lösungsmöglichkeiten die Gemüter erhitzen, nicht verhindert, daß 1931 in Hessen noch mehr Parteien um die Gunst der Wähler geworben haben als 1927. Waren es damals 8 Parteien, die Listen eingereicht hatten, dann betrug diesmal die Gesamtzahl sogar 13, und dabei ist diesmal die Wirtschaftspartei noch ausgefallen, weil die von ihr eingereichten Listen als den gesetzlichen Bestimmungen widersprechend zurückgewiesen worden waren. Als eine lokale Besonderheit der hessischen Wahl verdient Erwähnung, daß für den Ausfall die Stimmabgabe des flachen Landes entscheidend war; wohnen nach der Statistik doch mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten in Ortschaften mit weniger als 3000 Einwohnern. Daß es so den Parteien, die übrigens sämtlich ihre erste Rednergarnitur eingesetzt haben, nicht leicht geworden ist, an die Wähler heranzukommen, liegt auf der Hand. Bei den lebenskräftigen Parteien wurden diese Schwierigkeiten aber dadurch überwunden, daß allenthalben überzeugte Freunde vorhanden waren, die keine Mühe und keine Arbeit scheuten, um die Massen aufzurütteln und das Heer der Nichtwähler, dem 1927 noch 45,5 Prozent der Stimmberechtigten angehörten. in Bewegung zu setzen. Das ist diesmal in weitgehendem Maße gelungen, betrug doch die Wahlbeteiligung durchweg 80 bis 90 Prozent. In verschiedenen Städten und Gemeinden hatten bereits in den Mittagsstunden mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten ihr Stimmrecht ausgeübt. In mehreren Orten waren um die Mittagszeit sogar bereits 80 Prozent der Wähler an der Urne gewesen. Zu Zwischenfällen ist es während der Wahlhandlung nicht gekommen. Auf dem Lande war die Wahlbeteiligung gleichfalls außerordentlich stark. Es geht eben in Deutschland nicht mehr darum, ob hier und dort diese oder jene Koalition ans Ruder kommen soll, sondern wir sind jetzt in einen Auseinandersetzungsprozeß geraten, in dem sich die Geister scheiden und neue Fronten entstehen. Der Blick muß jetzt, gleichgültig od ein neuer Landtag oder ein neues Kommunalparlament gewählt wird, immer auf das Ganze gerichtet werden. Wir müssen heraus aus dem Wirrwarr der Parteienvielzahl und die handlungsfähigen Gebilde schaffen, die Notzeiten wie die unsrige erfordern. Insgesamt waren in Hessen 70 Abgeordnete zu wählen, und zwar entfiel auf je 20000 Staatsbürger ein Abgeordneter. Im alten Landtag hatten das Zentrum und die Sozialdemokraten mit 37 Abgeordneten die Mehrheit. Die Staatspartei, deren Mitglied Korell als Arbeitsminister der alten Regierung angehört, war offiziell an der hessischen Staatsregierung nicht mehr beteiligt. Am Ruder war diese Koalition durch die verschiedenen Wahlen hindurch mehr denn zehn Jahre. * Das Frankfurt a.., 15. November. Das amtliche Wahlbüro teilt folgendes berichtigtes Gesamtergebnis der Landtagswahl in Hessen mit(die Zahl in Klammern hinter Mandate bezeichnet die Zahl der letzten Mandate der Partei nach der Landtagswahl von 1927): Der Volksentscheid in Braunschweig. Negatives Ergebnis des Volksentscheids. Der Volksentscheid hat, wie mit Sicherheit vorauszusehen war, zu einem durchschlagenden Mißerfolg der Veranstalter(Kommunisten) geführt. Bei einer Zahl von 352724 Stimmberechtigten hätte die erforderliche Mehrheit 176363 Stimmen betragen müssen, während in Wirklichkeit nur 41289 Jastimmen erzielt wurden, das sind 11,7 Prozent der Stimmberechtigten. Die abgegebenen Jastimmen verteilen sich auf die einzelnen Bezirke des Landes Braunschweig folgendermaßen: Stadt Braunschweig 19326, Landkreis Braunschweig 2560, Kreis Wolfenbüttel 4981, Kreis Helmstedt 3752, Kreis Gandersheim 3537, Kreis Holzminden 2978, Kreis Blankenburg 4155, zusammen, wie oben gesagt, 41289 gegen 36079 Jastimmen beim Volksbegehren am 28. Juni. Vollstreckungsschutz=Verordnung Landgemeinden und Osthilfe.— Dr. Gereke über die Iinanzentwicklung. — Stettin, 16. November. Anläßlich einer Tagung des Provinzialverbandes der ommerschen Landgemeinden machte der Präsident des Deuthen Landgemeindetages, Landrat a. D. Dr. Gerere=Pressel, ingere Ausführungen über den Kampf der Landgemeinden. n Pommern, so führte er aus, rühre die Notlage der Landmeinden daher, daß die Mehrzahl der Landgemeinden auf e Steuerkraft der Landwirtschaft angewiesen sei. diese Steuerkraft sei jedoch mehr und mehr zurückgegangen. hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft seien daher unerGegenüber dem neuen Ostkommissar Minister Schlangeschöningen, so führte Redner weiter aus, musse man den Bunsch aussprechen, daß mit größerer Beschleunigung alr sher durchgreifende Sanierungsmaßnahmen fur den Osten urchgeführt würden. Leider mache man sich in vielen Großäbten, insbesondere auch in der Reichshauptstadt, noch kein enügend klares Bild von der tatsächlichen Notlage, die uf dem Lande herrsche und die sich besonders auf die Hausaltspläne der Landgemeinden so nachteilig ausgewirkt habe. Wenn es heute nahezu zur alltäglichen Erscheinung gevorden sei, daß Güter jeder Größenklasse zwangsversteiger ürden, dann müsse man auch vom Standpunkt der ländchen Kommunalwirtschaft darauf hinweisen, daß hier hnellste Hilfe geboten sei. Vieles sei schon versäumt worEin Handarbeits-Kursus durch unseren neuen Band för 1,98 Mk. Allerlei künstlerische Handarbeiten • Sp onthäft, eirka 200 Vorlagen eller Arten Handarbeiten, Erenthan: wie Deckchen, Tischdecken, Kissen, Kaffee- u. Teewürmer. Ueberhandtlicher, Vorhünge, Lampenschirme, DamenTaschen, Buchhüllen, Kleider und Blusen, Stickereien, Motive, entzückende Arbeiten für unsere Kleinsten usw. 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Natürlich genüge dieser Schutz noch in keiner Weise, um durchgreifenden Wandel zu schaffen, sondern er müsse seine notwendige Ergänzung finden in einer über den bisherigen Rahmen hinausgehenden Kommunallastensenkung. In denjenigen Kreisen, in denen diese kommunale Lastensenkung bereits praktisch durchgeführt worden sei, lasse sich eine gewisse allgemeine Erleichterung nicht verkennen. In der Provinz Pommern seien bisher nur wenige Grenzkreise in die kommunale Lastensenkung einbegriffen worden. Das müsse geändert werden. Die Aussichten dafür seien nicht ungünstig. Zum Schluß behandelte Präsident Dr. Gereke noch das Anwachsen der Wohlfahrtslasten, die kommunale Kulturpolitik und die außerordentlich hohen Wegelasten. Vor einem Lobau der ländlichen Zwergschulen warnte Redner. Eine derartige Maßnahme sei nicht nur mit großen Härten verbunden, sondern sie sei auch geeignet, das kulturelle Niveau auf dem Lande erheblich herabzudrücken. Lebensraum für Deutschland. Adolf hitler über die Aufgaben der nationalsozialistischen Bewegung. — Darmstadt, 16. November. In einer Rede über die Aufgaben des Nationalsozialismus erklärte Adolf Hitler, der Führer der NSDAP., die Grundaufgabe der nationalsozialistischen Bewegung sei nicht die Lösung von Tagesfragen, sondern die geistige Vorbereitung des deutschen Menschen, der die Schicksalsfrage unseres Volkes, Lebenscaum für uns zu schaffen, lösen müsse. Notwendig sei die Wiedergewinnung der Beziehung zum Boden, deren Verlust uns geistig entwurzelt habe. Letzten Endes werde das Volk bestehen, das außer Güte und Billigkeit seiner Leistungen auch Kraft genug besitze. sich durchzusetzen. Die Völker, die dies könnten, würden zur Wirtschaftsautarkie kommen, und ein Volk, das das nicht könne, werde zur Schaffung des notwendigen Ledensraumes das Schwert in die Waage werfen müssen. Der Nationalsozialismus sei der Wall gegen den Bolschewismus. Die Demokratie verstecke sich hinter einer Mehrheit, die nicht verantwortlich zu machen sei, und lösche das Gefühl des einzelnen für die Verantwortungspflicht für seine Handlungen aus. Ueberwindung der heutigen Demokratie sei Voraussetzung für den Aufstieg. Korfanty klagt an. Er bestätigt die Gewalttaten in Ostoberschlesien und die staatliche Unterstützung der Aufständischen. In dem großen politischen Prozeß gegen die Gefangenen von Brest-Litowsk begann die Vernehmung der Entlastungszeugen. Dabei gestalteten sich die Aussagen der führenden Politiker der polnischen Rechten Trompczynski, des ehemaligen Senats- und Seimmarschalls, und Korfanty, des Widersachers Pilsudskis in Ostoberschlesien, überaus sensationell. Trompczynski schilderte klar und bestimmt verschiedene Verfassungsübertretungen der Regierung Pilsudski und erklärte, daß er ihretwegen zur Zeit, als er noch Seimmarschall gewesen sei, dem Staatspräsidenten persönlich Vorhaltungen gemacht habe. Dieser habe ihm darauf geantwortet, daß man sich dem Willen Pilsudskis,„einer Persönlichkeit, wie sie nur alle zweihundert Jahre vorkomme“, unterwerfen solle. Trompczynski erklärte weiter, daß er seinerzeit, als die Verfassungsverletzungen erfolgt seien, den Staatspräsidenten nicht zur Verantwortung habe ziehen wollen, um Polen einen Skandal zu ersparen. Inzwischen seien aber die Verfassungsübertretungen zu einem Syftem ausgeban! worden. Zu stürmischen Szenen führte die Vernehmung Korfankys. Korfanky schilderte die Lage in Ostoberschlesien und bestätigte, daß sich der Aufständischenverband, an dessen Spitze der Wojewode Graczynski stand, zahlreicher Terrorakte schuldig gemacht hat. Infolge der besonderen staatsrechtlichen Stellung der deutschen Minderheit hätten die polnischen Vertreter in Genf einige solcher Terrorfälle zugestehen müssen. Korfanky wies weiter darauf hin, daß dieser gleiche Aufständischenverband aus staatlichen Geldern Unterstützungen erhalte, die in die Hunderttausende gingen. Dramatisch gestaltete sich die Szene, als einer der Verteidiger bemerkte, daß in der Anklageschrift Korfanty beschuldigt werde, in Diensten Deutschlands gestanden zu haben. Korfanty erwiderte in höchster Erregung, daß er zu denen gehöre, die für Polen unter Einsatz ihres Lebens etwas geleistet hätten. Er habe auch in preußischen Gefängnissen gesessen, aber dort habe man ihn nicht so behandelt wie in BrestLitowsk. Der Vorsitzende unterbrach ihn mit den Worten:„Ich lasse derartige Kundgebungen nicht zu!“ Darauf entgegnete Korfanty:„Das ist keine Kundgebung, das ist die Wahrheit!“ Unter allgemeiner Bewegung verfügte der Vorsitzende eine kurze Verhandlungspause. Einsprüche gegen Präferenzen. Inkrafttreten der Verträge mit Ungarn und Rumänien verschoben. Die von Anfang an vorhandenen Schwierigkeiten in der Frage des Inkrafttretens der Präferenzverträge(Vorzugszollabkommen) mit Ungarn und Rumänien haben jetzt die Inkraftsetzung der beiden Abkommen zu dem ursprünglich bestimmten Termin verhindert. Die notwendige Zustimmung der meistbegünstigten Staaten konnte nicht erreicht werden. Etwa 20 Länder haben von ihrem Einspruchsrecht keinen Gebrauch gemacht, darunter Frankreich, Belgien und Brasilien. Rußland, die Vereinigten Staaten und Dänemark wollten nur zustimmen, wenn man ihnen ähnliche Vorzüge einräumte, was aber nicht möglich war, da der Abschluß von Präferenzverträgen sonst überhaupt seinen Zweck verliert. Direkten Einspruch erhoben die Tschechoslowakei, Argentinien und die Türkei. Die Prager Regierung stellte die Forderung, daß ihr von Deutschland Vorzugszölle für Gerste und Malz zugestanden werden und wollte ihre ablehnende Haltung aufgeben, falls vor dem 15. November ein günstiges Verhandlungsergebnis zwischen Prag und Berlin erreicht werden könnte. Sie hat später diese Terminsetzungen wieder fallen gelassen unter Aufrechterhaltung ihrer Präferenzwünsche. Deutschland wird sich nun mit der ungarischen und der rumänischen Regierung erneut an den Verhandlungstisch setzen, um darüber zu beraten, wie man wenigstens zu einer teilweisen Inkraftsetzung der Verträge kommen kann. Das zweigeteilte ungarische Abkommen, das in seinem zweiten Teile die Einfuhr von 6000 bis 7000 Stück Rindern und 80 000 geschlachteten Schweinen vorsieht, wird bereits vor Abschluß der neuen Verhandlungen praktischen Wert geAm Samstag morgen 8 Uhr erlöste Gott der Herr meinen geliebten Mann, unsern herzensguten Dater, Bruder, Schwager und Onkel Amtsobersekretär Theodor Gesing im Alter von 44 Jahren von seinem langen, schweren Teiden. In tiefem Schmerz Frau Pauline Gesing geb. Waimann Hildegard Gesing Wiltraus Gesing. Bielefeld, den 14. November 1931 Grünstraße 32. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 17. November um 3 Uhr von der Zionskirche in Bethel zum Gadderbaumer Friedhof statt. Dorfeier um ½3 Uhr. Don Beileidsbesuchen bitten wir Abstand nehmen zu wollen. Kaiser=Proklamation in Mulden Für heute erwartet.— Fortgang der Kämpfe am NonniFluß. — London, 16. November. Die englische Nachrichtenagentur Reuter gibt Meldungen aus Peking wieder, wonach die bereits angekündigte Wiedererrichtung eines chinesischen Kaiserreiches noch im Laufe des heutigen Montags in Mukden erfolgen soll. Unterstützt werde die Kaiserproklamation durch Japan. So soll auch ein sapanischer Offizier den jungen Exkaiser regelrecht aus Tientsin an Bord eines japanischen Zerstörers entführt und nach Dairen gebracht haben, von wo dann Exkaiser Hsuan Tung schleunigst nach Mukden weitergefahren zu sein scheint. Von japanischer Seite wird allerdings dieser Darstellung widersprochen. An der Nonni=Brücke ist der Kampf auch während des Wochenendes weitergegangen, nachdem der chinesische General Ma das ihm überreichte Ultimatum der Japaner abgelehnt hatte. Die Feldbefestigungen der Truppen des Generals Ma erstrecken sich über 5 Kilometer und sind mit 30 Feldgeschützen, zahlreichen Minenwerfern und Maschinengewehren ausgestattet. Auf beiden Flügeln stehen starke Kavallerie=Abteilungen. Die Japaner haben aus dem Süden Verstärkungen herangeschafft und bereiten offenbar den Sturm auf Tsitsikar vor. Sollte Tsitsikar von den Japanern besetzt werden, dann würde damit der Konflikt die allergrößten Ausmaße annehmen, denn mit der Einnahme Tsitsikars durch die Japaner würde Rußland direkt beteiligt werden, weil dann dieser wichtige Punkt der ostsibirischen Eisenbahn, die gemeinsam von den Chinesen und Russen verwaltet wird, in die Hände der Japaner gelangen würde. Russische Note an Japan. — Moskau, 16. November. Der Leiter der russischen Außenpolitik, Litwinow, übergab dem japanischen Botschafter eine Erklärung zur Weiterleitung nach Tokio. Darin heißt es, mit dem Gefühl äußersten Bedauerns stelle die Sowjetregierung fest, daß japanische Militärkreise Erfindungen über die Unterstützung dieses oder jenes chinesischen Generals durch Rußland verbreiten. „Die Sowjetunion— so fährt die Erklärung dann fort— macht die japanische Regierung auf diese gewissenlose sowjetfeindliche Kampagne aufmerksam, die gewisse Militärkreise der Mandschurei systematisch durchführen und die die Beziehungen zwischen Japan und der Sowjetunion komplizieren. Die Regierung der Sowjetunion hält es im Zusammenhang damit für zeitgemäß, an die Versicherungen des japanischen Botschafters zu erinnern, daß die Interessen der Sowjetunion durch die Ereignisse in der Mandschurei keinerlei Schädigung erfahren werden. Sie muß um so mehr daran erinnern, weil Informationen vorhanden sind, daß das japanische Kommando die Ueberschreitung der Ostchinabahn im Bezirk Tsitsikar und eine Lahmlegung des Eisenbahnverkehrs vorbereitet, was der Sowjetunion materiellen Schaden zufügt. Die Sowjetregierung rechnet damit, daß die Versicherungen, die die sapanische Regierung abgegeben hat. in Kraft bleiben und nicht verletzt werden.“ Die Verhandlungen mit Rußland Drei Kommissionen gebildet. Amtlich wird mitgeteilt: Ausgehend von dem Wunsche, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Rußland zu erweitern, sind die deutsch=russischen Wirtschafts verhandlungen aufgenommen worden. Für die Erörterung und Ausarbeitung der erforderlichen Maßnahmen sind drei Kommissionen gebildet worden: 1. eine Kommission für landwirtschaftliche Waren, 2. eine Kommission für nichtlandwirtschaftliche Waren, 3. eine Kommission für Spezialfragen. Die Arbeiten in den Kommissionen werden unverzüglich aufgenommen werden. Konferenz der Innenminister. Gerüchte über ein Verbot der Kommunistischen Partei. Am Dienstag treten die Innenminister der deutschen Länder im Gebäude des Reichsinnenministeriums zu einer Konferenz zusammen. Es ist das die erste Konferenz der deutschen Innenminister unter dem Vorsitz des Ministers Groeners. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildet die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe und Ordnung. Im Rahmen dieser Konferenz werden daher auch die vielen blutigen Zusammenstöße der letzten Zeit erörtert werden müssen. Heute vormittag verschied nach längerem Teiden unser Amtsobersekretär Herr Cheodor Gesing Unermüdliche Arbeitskraft, treue Pflichterfüllung, regstes Interesse für alle Angelegenheiten der Gemeinde machten ihn uns wert. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Gadderbaum, den 14. November 1931. Die Amts- und Gemeindeverwaltung Heidschnuckenlammfleisch Postpaket ½ Braten, ½ Kochfleisch.50 Mk. einschl. Porto und Verpackung gibt ab die Arbeiter-Holonie, Freistatt, Kr. Sulingen(Prov. Hannover.) So haben dieser Tage Führer er.=A. bei Hindenburg um einen Empfang nachgesucht, um ihm Material zu den Ueberfällen auf Nationalsozialisten zu unterbreiten. Vom Reichsministerium des Innern wird dazu unter Ablehnung mündlicher Erörterungen mit der.=A. erklärt, nach Ansicht des Reichsministers sei dieses Material den zuständigen Stellen bereits bekannt. Aus Anlaß der Ministerkonferenz werden nun von den verschiedensten Seiten Mutmaßungen über die eventuellen Beschlüsse der Minister angestellt. So ist von einer Ausdehnung des in einzelnen Ländern bestehenden Demonstrationsverbots auf das ganze Reich die Rede. Bekanntlich sind derartige Pläne auch früher schon erörtert worden. Ferner wird von einem allgemeinen Uniformverbot gesprochen. Was an diesen Gerüchten Wahres ist, läßt sich im Augenblick noch nicht nachprüfen. In politischen Kreisen nimmt man an, daß Maßnahmen der Reichsregierung nach der einen oder anderen Seite nur soweit erfolgen werden, als sich darüber eine Einigung mit den Länderregierungen herbeiführen läßt. Zu den von einigen Zeitungen wiedergegebenen Meldungen, wonach auf der Konferenz der Innenminister die Frage eines Verbots der Kommunistischen Partei behandelt werden soll, erfährt ein Nachrichtenbüro, daß im Reichsinnenministerium von diesen Plänen nichts bekannt sei.. 6 4 M 100 Nach der Ministerkonferenz, also nach dem Bußtag, sonl dann die Aussprache zwischen Groener und dem preußischen Ministerpräsidenten Braun stattfinden, die sich anläßlich des Rundfunkkonflikts als zweckmäßig erwiesen hat Verschiedenes. 57. Landestagung des Sittlichkeitsbundes vom Weißen Kreuz. Am Buß= und Bettag ist in Hagen die 57. Landestagung des deutschen Sittlichkeitsbundes vom Weißen Kreuz in Rheinland und Westfalen für Männer und junge Männer. Aerzte, Pfarrer, Berufsarbeiter und freie Mitabeiter dienen mit Vorträgen und Referaten. Am Vormittag ist Festgottesdienst und Feier des Heiligen Abendmahles. Der Tagungsplan kann von Herrn Adolf Hymmen, Hagen i.., Hugo Preußstraße 14, bezogen werden. Lokal= und Provinzial nachrichten. — Ein Gang durch Alt=Bielefeld. Ein guter Kenner der Bielefelder Stadtgeschichte, Herr Bungeroth=Bethel, wird morgen, Dienstag abend um 8 Uhr im Vortragssaal der geschichtlichen Abteilung des Städt. Museums, Wertherstraße 3, einen Lichtbildervortrag halten über das Thema:„Ein Gang durch Alt=Bielefeld. In Form eines Spazierganges wird Herr Bungeroth von der Geschichte Bielefelds seit dem Mittelalter erzählen. Der Vortrag wird eingestimt sein auf die bekannten Verse SchönaichCarolaths: „Mondschein und Giebeldächer In einer deutschen Stadt; Ich weiß nicht, warum der Anblick Mich stets ergriffen hat.“ Die in den letzten Jahren in Zeitungen und Zeitschriften erschienenen, hochinteressanten, auf Sachkenntnis gegründeten und von Heimatliebe durchglühten Aufsätze des Herrn Bugeroth lassen erwarten, daß sich der Lichtbildervortrag am Dienstag abd. besonders interessant gestalten wird. Er ist in erster Linie für die Bewohner Bethels gedacht. Als Eintrittsgeld werden 20 Pfennig erhoben. 50 Jahre deutsche Sozialpolitik. Die Christliche Arbeiterhilfe veranstaltet am Dienstag, den 17. 11., abends 7,45 Uhr im Haus der Technik=Bielefeld eine Kundgebung: „50 Jahre deutsche Sozialpolitik.“ Außerdem wird die Geschäftsführerin der Christlichen Arbeiterhilfe Westdeutschlands, Frl. Sandforth, Köln, eine Ansprache halten: „Die Aufgaben der Christlichen Arbeiterhilfe. Die Kundgebung selbst wird von gesanglichen Darbietungen von Frl. Braun, Begleitung Kapellmeister Neiger vom Stadttheater Bielefeld umrahmt. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 40 Pfennig., an der Kasse 50 Pfennig. Da sich erfreulicherweise Frl. Braun, sowie Kapellmeister Neiger uneigennützig in den Dienst der Sache stellen und ebenfalls Herr Kemp, Obertorwall den Flügel zur Verfügung stellt, so soll der Gesamtertrag der Winterhilfe der Christlichen Arbeiterhilfe zufallen. Bethel. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Montag, 8¼ Uhr Männerchor in„Ephrata“. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitin: Dr H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Betbel. Leichtlungenkranke u. Erholungsbedürftige finden liebevolle Aufnahme bei zeitgem. Preise. Liegehalle am Walde, Zentralheizung usw. Kurheim Frau Dr. Brandner, St. Blasten. Feinste Tischbutter! 9 Pfd. netto 12.80 Mk. fr. Nachn. Reddinglus, Loga. Gesucht zum 1. Jan. 1932 für ein evang. 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