Beungenret.=1 Christliches Tageblatt Pgeier, auge. Speisanig ehslaee Vendienessit mitt den Beilagen„Fü Gerz und Sgus“, Sglah der Amsaernschnchne nachmitagt 3 Udr. Hosschelt engenummer uo wig, Vonigeaone Donnoper uste.„Kindergabe und„Unsev Liel."..., Aonz igs gsge Sühe Eesesteil mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Ausev Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 2 a je tausend 15 Mi. „— konto Hannover 67377. Nr. 259. 13. Dein wahrer Freund ist nicht, wer Dir den Spiegel hält Der Schmeichelei, worin Dein Bild Dir selbst gefällt,— Dein wahrer Freund ist, wer Dich sehen läßt die Flecken Und sie Dir tilgen hilft, eh' Feinde sie entdecken. Rückert Umschau. — 30 Milliarden Auslandsschuld.— Das Stillhalteproblem.— Vor einem zweiten Versailles?— Vernunft wider Unvernunft!— Tschechisch=österreichische Zollunion?— Konservativer Wahlsieg in England.— Der Bericht des Baseler Sachverständigen=Ausschusses (Layton=Bericht) bezifferte in seinem Anhang die kurzfristige Verschuldung Deutschlands auf acht Milliarden und die langfristige auf 9 Milliarden Goldmark. Beide Zahlen stützten sich auf amtliches deutsches Material. Daraufhin hielt es der ehemalige Reichsbankpräsident Dr. Schacht für seine Pflicht, in seiner bekannten Harzburger Rede vor aller Welt zu erklären, daß die deutsche Auslandsverschuldung wesentlich höher sei. Prompt setzte ein gewaltiger Sturm der Entrüstung gegen Schacht ein, der in der gesamten Presse seine Kreise zog. Man entsinnt sich noch lebhaft der ungemein scharfen Polemik, mit der auch der Reichsfinanzminister Dr. Dietrich gegen Schacht zu Felde zog. Nunmehr verbreitet der Handelsdienst des amtlichen Wolffschen Telegraphenbüros die Meldung, daß die kurzfristige Verschuldung Deutschlands nicht weniger als 12 Milliarden und die langfristige 11,5 Milliarden Goldmark betrage. Wozu also der geräuschvolle Lärm gegen Dr. Schacht, wenn man hinterher die Richtigkeit seiner Angaben doch amtlich bestätigen muß? — Es stärkt das Vertrauen des Volkes zur gegenwärtigen Staatsführung keineswegs, wenn die amtlichen Angaben über unsere Auslandsverschuldung in kürzester Frist eine Korrektur zu unseren Ungunsten von 6,5 Milliaden Goldmark erfahren. Aber das ändert nun leider alles nichts an der erschütternden Tatsache, daß eine Auslandsverschuldung von insgesamt 29 bis 30 Milliarden auf dem Rücken des deutschen Volkes lastet. Das ist das Facit einer Erfüllungspolitik, wie sie all die letzten zwölf Jahre hindurch hemmungsloser nicht betrieben werden konnte. Nicht nur verantwortungsbewußte Kreise des deutschen Volkes, sondern auch namhafte ausländische Wirtschaftskenner und Nationalökonomen haben immer wieder darauf hingewiesen, daß unsere Tributverpflichtungen letzten Endes nur durch eine entsprechend erhöhte deutsche Ausfuhr unter gleichzeitiger scharfer Einfuhrdrosselung abgegolten werden könnten. Beides wäre natürlich den Handelsinteressen des Auslandes schnurstracks zuwider gelaufen. Indem nun die deutschen Staatsmänner der Nachkriegszeit mehr Rücksicht auf diese Geschäftsinteressen der ausländischen Lieferanten als auf die Belange des deutschen Volkes nahmen und Milliarden um Milliarden pumpten, um den Tributdiktaten gerecht zu werden, hat sich jener Schuldenberg von 29 bis 30 Milliarden aufgetürmt, deren Verzinsung allein das deutsche Volk schon viel brutaler belastet als die Tribute selbst. Und wenn sich die gegenwärtige deutsche Reichsregierung rühmt, die erste Regierung zu sein, die ohne neue Auslandsschulden das Tributproblem zu lösen versucht habe, so ist demgegenüber festzustellen, daß eine Hereinnahme neuer Auslandsschulden einfach unmöglich war, weil allmählich auch der kurzsichtigste ausländische Geldbesitzer eingesehen hat, daß ein derartig mit Lasten bepacktes Volk unweigerlich dem Zusammenbruch entgegengeht. Lediglich aus diesem Grunde und der damit verbundenen Gefahr der Bolschewisierung Deutschlands ist das Hooverjahr Ereignis geworden, und nur aus diesem Grunde wird„still gehalten", d. h. haben sich die ausländischen Gläubiger bereit erklärt, ihre Guthaben in Deutschland bis zum Februar des kommenden Jahres stehen zu lassen. Was aber dann? Unabsehbar wären die Folgen, wenn nach Ablauf der Stillhaltefrist im Februar der größte Teil unserer 30 Milliardenschuld an das Ausland zurückgezahlt werden müßte. Wir würden nicht nur am Ende der unseligen Erfüllungspolitik, sondern zugleich am Grabe Deutschlands stehen! Und Moskau feierte einen seiner höchsten Triumphe! Man kann also die Sorgen unserer Reichsregierung sehr wohl verstehen, mit denen sie dem Februar entgegensieht. Und man wird sich der schweren Verantwortung bewußt, die auf den Beratungen des Stillhalteausschusses lastet. Aber auch der Stillhalteausschuß wird nichts anderes vermögen, als bestenfalls einen Abzahlungsplan auszuarbeiten, der die Zurückzahlung der Schulden auf eine Reihe von Jahren verteilt. Selbst die Lösung dieser Aufgabe bereitet die denkbar größten Schwierigkeiten, da hierbei als einer der wichtigsten Faktoren die künftige Entwicklung der weltwirtschaftlichen Lage in Betracht zu ziehen ist. Ein reichlich unsicheres Beginnen! Eins jedenfalls steht fest: daß wir im Februar den sich aus unserer Auslandsverschuldung ergebenden Verpflichtungen genau so wenig gerecht werden können wie den politischen Tributforderungen, die nach Ablauf des Hooverjahrs im kommenden Juli— rein theoretisch wenigstens— wieder wirksam werden. Bis dahin wird Deutschland noch manche Kämpfe, hauptsächlich mit Frankreich, auszustehen haben. Und es wird sich zeigen, ob die deutsche Regierung stark genug bleibt, um dem französischen Druck gegenüber das nackte Lebensinteresse des deutschen Volkes erfolgreich zu verteidigen— oder ob das hochdramatische Wettrennen zwischen dem zügellosen französischen Machtwillen und den letzten Resten deutschen Lebenswillens durch das tragische Versagen der deutschen Staatsführung zugunsten Frankreichs entschieden wird. Die Verlautbarungen aus Paris, wonach Frankreich einen etwaigen deutschen Schritt zwecks Einberufung einer neuen Tributkonferenz nur unter der Bedingung gutheißen und unterstützen würde, wenn Deutschland auf dieser Konferenz„tatsächliche Garantien“ für die Erhaltung des Versailler status quo geben und außerdem der französischen Abrüstungsthese zustimmen würde, zeigen deutlich genug, wohin die Reise Lavals auch nach seinem Besuch in Berlin und Washington geht. Auch Frankreich weiß, daß eine Wiederaufnahme der Tributzahlungen, wie sie das Youngdiktat vorsieht. nach Ablauf des Hooverjahres für Deutschland eine Unmöglichkeit ist. Gleichwohl widersetzt es sich mit aller Leidenschaft einer Verlängerung des Hoovermoratoriums. Es will eben in brutalster Weise die deutsche Tributkrise auf die Spitze treiben, um uns endgültig auf die Knie zu zwingen und seinen imperialistischen Wünschen genau so gefügig zu machen, wie ihm das mit Oesterreich geglückt ist. Deutschland aber braucht trotz allem nicht den Weg Oesterreichs zu gehen, wenn es sich seiner Schlüsselstellung mitten im Herzen Europas bewußt wird und endlich statt der hundertprozentig gescheiterten frankophilen Illusionspolitik eine nüchterne Realpolitik betreibt, die einzig und allein in der wachsenden Front der Vernunft wider die Unvernunft von Versailles zu suchen und zu finden ist. Auch die bereits in der letzten „Umschau“ zitierte Neapeler Rede Mussolinis ist ja nichts anderes als eine einzige Demonstration gegen die Friedensdiktate und gegen den unhaltbaren europäischen status quo, wie ihn fanatischer Haß und sadistische Verblendung in Versailles geschaffen haben. Es wäre zu wünschen, daß Grandis Reise nach Berlin fruchtbarer gewesen ist, als seinerzeit die Reise Brünings und Curtius' nach Rom und eine weitere Verbesserung der deutschitalienischen Beziehungen ergeben hat. Dieser Wunsch ist um so herzlicher, als Deutschland nach Lage der Dinge der diplomatischen Unterstützung durch Italien sowohl im Kampf gegen Versailles als auch gegen die französische Rüstungsthese sicher sein darf. Wie gefährlich sich die imperialistischen Machenschaften Frankreichs auch in Mitteleuropa auszuwirken beginnen, beweist der zwar amtlich dementierte, aber von anderer Seite bestätigte französisch=tschechische Plan, nach dem kläglischen Scheitern des deutsch=österreichischen Zollplanes eine tschechisch=österreichische Zollunion ins Leben zu rufen, die nicht nur den wirtschaftlichen Untergang Oesterreichs, sondern auch eine weitere bedeutsame Etappe in dem französischen Eroberungszug gegen Mitteleuropa bedeuten würde. Hinzukommt, daß die Gerüchte über österreichische Verhandlungen in Paris hinsichtlich einer Verpachtung oder gar eines Verkaufes der österreichischen Bundesbahn an Frankreich nicht verstummen wollen. So beginnt das Briandsche Paneuropa immer greifbarere Gestalt anzunehmen und über die Schienenstränge urdeutschen Landes gegen das Herz Europas vorzustoßen. Es ist selbstverständlich, daß sich durch diese alles andere als friedliche Paneuropapolitik auch Italien in wachsendem Maße nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch bedroht fühlt. Aber auch England dürfte allmählich eingesehen haben, was die Stunde geschlagen hat. Der überwältigende Wahlsieg der englischen Konservativen ist ja eigentlich nichts anderes als die Frucht der Erkenntnis, daß sich das englische Staatsschiff in höchster Not befindet und daß es der Anspannung aller nationalen Kräfte bedarf, um der so jäh auch über England hereingebrochenen Krise Herr zu werden. Es ist nicht zu bestreiten, daß die konservativen Kreise Englands von jeher stark zu Frankreich hinüberneigten. Und es ist nicht verwunderlich, daß Frankreich nach dem Sieg der englischen Konservativen sich wieder starke Hoffnungen hinsichtlich einer Neuauflage der„entente cordiale“ macht. Aber wir glauben dennoch, daß die Ereignisse der letzten Monate gerade auch die englischen Tories davon überzeugt haben, wo der große Schädling Europas sitzt und daß es auch dem britischen Weltreich zum Verhängnis gereichen würde, wenn man diesen Schädling weiter wie bisher seine wahnwitzigen Machtinteressen verfolgen ließe, ohne ihm— wenn auch„in aller Freundschaft“— in den Arm zu fallen. Aus diesem Grunde halten wir die französischen Hoffnungen auf einen bevorstehenden Kurswechsel der englischen Außen politik zumindest für verfrüht. Aber wie dem auch sei, Deutschland hat in jedem Falle— zumal nach den letzten Auslassungen des von Amerika zurückgekehrten Laval— alle Veranlassung, auf der Hut zu sein. Wir stehen dicht vor einem zweiten Versailles! H. Diener des Staates! „Der König ist der erste Diener des Staates“, sagte ein preußischer König einst von sich und ich glaube, daß in unserer Zeit der Beamte nichts mehr sei, als damals der König. Dieser Glaube müßte erschüttert werden, wenn man annehmen könnte, hinter den Ausführunger von Herrn Obersteuerinspektor Eggers in Nr. 248 d. Zeitung unter dem Titel„Um die Kaufkraft des Beamten“ stände mehr als nur ein Bruchteil der Beamtenschaft. Der Beamte ist des Staates wegen da. Wenn man den vorgenannten Artikel liest, muß man glauben, es sei umgekehrt. Und das Schlimmste, jeder, der nicht der Beamtenschaft selbst angehört, gewinnt den Eindruck, daß hier eine lebensfremde und wirtschaftsfeindliche Kaste um ihr Wohlergehen, das möglichst durch keine Maßnahme eingeschränkt werden möchte, kämpft. Es liegt mir fern, die Verdienste der Beamtenschaft um den Staat verkleinern, oder ihre Rechte schmälern zu wollen. Eins aber müssen wir Arbeiter, wir Angestellten und freien Berufe verlangen, daß die Beamten, wenn es uns allen schlecht geht, sich auch eine Einschränkung auferlegen lassen, ohne in Gedanken mit der„Waffe des Streikrechts“ zu spielen. Anscheinend gibt es Beamte, die die privaten Arbeitnehmer um diese zweischneidige Waffe beneiden. Recht gut ist es, wenn die Organisation gegen die Notverordnung nichts erreichte, denn eine Staatsbeamten=Organisation ist überflüssig, um nicht zu sagen gegen Treu und Glauben. Bietet der Staat Gehalt, Pension, soziale Zulagen, geregelte Aufstiegsmöglichkeiten, Schutz gegen Arbeitslosigkeit, so verlangt er dagegen nur„Pflichterfüllung“ bis ins Kleinste. Es liegt also ein für alle Teile feststehendes, geregeltes Vertragsverhältnis vor. Wozu Organisation? Wir wissen alle, daß von jedem Arbeiter und Angestellten Pflichterfüllung bis ins Kleinste zumeist in einem schärferen Arbeitstempo als bei der Behörde heute verlangt wird. Dagegen wird ihm bei Weitem nicht das geboten, wie dem Beamten. Um kurz auf die Minderung der Kaufkraft durch Gehaltskürzung einzugehen, so muß ich sagen, daß der Reallohn nicht in demselben Maße gesunken ist, denn der Lebenshaltungsindex ist vom Juli 1930 bis Juli 1931 um ca. 10 Prozent herabgegangen. Es geht nicht an, mit der Notlage der Beamtenbanken und der Beamtenwirtschaftsunternehmungen die Not der Beamten begründen zu wollen. Wenn, wie Herr Eggers schreibt, die Beamten schon in den letzten Jahren gezwungen waren, Kredite aufzunehmen, um„angemessen“ leben zu können, so bin ich der Ueberzeugung, daß es besser gewesen wäre, man hätte sein Lebenshaltungsniveau bei Zeiten herabgesetzt und nicht hartnäckig auf diesem„unangemessenen“ Stande beharrt. Durch Kredite kann man seinen Lebensstandard nicht finanzieren. Diese Erscheinung ist nicht vereinzelt in der Hauswirtschaft aufgetreten, nein, fast die gesamte Privat= und Staatswirtschaft leidet an demselben Krebsschaden. Das „Ueber die Verhältnisse", leben war in Deutschland Mode geworden und es konnte gar nicht anders sein, nur eine autoritative Stelle mußte mit dem Sparen anfangen. Und das ist das Wichtigste, nicht die Millionen, die durch die Beamtengehälter=Kürzung im Effekt erspart werden, sondern die psychologische Wirkung der Tatsache, daß der Staat spart, ist ausschlaggebend. Dienen und haushalten! — Dienen soll der Staat dem ganzen Volke und mit seinem Vermögen muß er haushalten in dieser ernsten Zeit. An der Beamtenschaft ist es, diese notwendige begonnene Maßnahme erfolgreich durchführen zu helfen, die Zeichen der Zeit zu erkennen, die dem Staat eine große Zukunkt verheißen und wahre Diener des Staates zu sein. W. K. 864 Muß Gold der Garant unseres Besitzes und unsrer Zahlungsmittel sein: In Nr. 251 des„Aufwärts“ schreibt Th:„Das Gold wäre, gerecht verteilt, immer die beste Währungsgrundlage, da dieses Edelmetall sich nicht beliebig vermehren läßt; also durch die Knappheit jede Währungsinflation verhindert.“ Der Verfasser fügt hinzu:„Wie wir auf allen Gebieten die Ungerechtigkeit überhandnehmen sehen, so ist die ungerechte Verteilung des Goldes auch eine Folge der Ungerechtigkeit, also der Sündhaftigkeit.“ Was Th. unter einer„gerechten Verteilung“ versteht, wird leider ebensowenig verraten, wie angedeutet wird, wie sie anzustreben ist und ob sie, wenn auch nur annähernd, erreichbar ist. Soll der letzte Satz nicht eine Phrase bleiben, so regt er zum Nachdenken über die Frage der überschrift an. Mit der Verklausulierung von der„gerechten Verteilung“ könnte Th. statt des Goldes in seinem ersten angeführten Satz als noch bessere Grundlage der Währung das Platin genannt haben. Warum muß es denn gerade Gold sein? Müssen wir uns damit abfinden, weil kein Mensch es ändern kann, daß Gold die beste Währungsgrundlage ist? Müssen die Versuche, statt des Goldes ein anderes Währungsmittel zu setzen, unweigerlich scheitern? und warum? Man wird vermutlich nicht vom Golde zu Platin (oder einem andern Edelmetall) übergehen, trotzdem es durch seine Knappheit jede Währungsinflation verhindert. Es hätte vermutlich auch wenig Zweck, die Geldscheine statt auf Grund einer Menge Goldes auf Grund von vorhandenem Platin zu drucken und in Umlauf zu geben. Wenn auch die beliebige Vermehrung ausgeschlossen ist, so doch nicht die beliebige Verschiebung, die es zur „ungerechten Verteilung“ kommen läßt. Wenn nur das Gold uns den Wert unsres Vermögens und unserer Zahlungsfähigkeit garantiert, dann hat Th. ganz recht, wenn er in dem angeführten Artikel darauf hinweist, daß Frankreich(über die größte Goldmenge verfügend) zu jeder Zeit unserer Währung den Todesstoß geben könnte. Aber das Chaos würde doch nur dann kommen, wenn nach Fortfall des Goldes nichts anderes für uns als Garant unsres Besitzes und unsrer Zahlungsmittel sein könnte. Ist nicht gerade das Gold, welches sich im Auslande befindet(und es wird uns je länger, desto mehr entzogen) und das doch zugleich, ganz egal, ob wir oder andere darüber verfügen, Währungsgrundlage ist, für uns eine Bedrohung mit der Inflation, d. h. einer Entwertung unserer Zahlungsmittel? Wir brauchen ja nur den Versuch zu machen, mit unsern zu angeblich 29%„gedeckten“ Banknoten in Frankreich Gold zu kaufen; würde uns wohl für eine Million unserer(angeblich durch Gold„gedeckten") Reichsbanknoten eine Million Reichsmark in Gold gegeben werden? Die Bank von Frankreich würde uns etwas flöten, wenn wir auf diese Weise versuchen wollten, die Golddecke unserer in Umlauf befindlichen Zahlungsmittel etwas zu vergrößern. Vielleicht(?) bekämen wir die Hälfte, vielleicht auch weniger oder auch nichts, je nachdem uns zu Gemüte geführt werden sollte, wie sehr unser Geld bei einem solchen Versuch auls Inflationsgeld angesehen wird.(Das stimmt nicht. Jeder, der eine Million Reichsmark besitzt, kann sie nach dem normalen Wechselkurs in Frank umwechseln und dafür Goldbarren in der Bank von Frankreich kaufen. Vielleicht nimmt die Bank von Frankreich sogar die Mark gegen Ersatz der Wechselunkosten. Wir könnten von der Bank von Frankreich soviel Gold kaufen, wie wir wollen, wenn wir genügend Marknoten drucken könnten, ohne die Golddeckung so tief zu senken, daß der Wechselkurs fällt; oder Arbeitswoche für evangelischen Religionsunterricht. Die Gesellschaft für evangelische Pädagogik konnte kürzlich in Spandau ihre dritte Arbeitswoche für Religionsunterricht halten. Dankbar haben es die Teilnehmer vermerkt, daß es da nicht bloß um Einzelfragen, sondern um die bewegenden Grundgedanken der Gegenwartstheologie und des Gegenwartsgeschehens ging. Das Wort Gottes, voriges Jahr Leitgedanke des Theologentages, beleuchtete Professor Schreiner als das Kernstück unseres religiösen Lebens und Denkens. Erst seit dem Kriege reden wir wieder von ihm. Vorher nahmen die einen unbesehen die Bibel als Gottes Wort, wohl gar als wörtlich eingegeben; sie klammerten sich an einzelne Bibelworte und atomisierten„das Wort" im Worte. Die andern zerschlugen mit ihren Forschungen diesen Bibeldogmatismus, sie zerlegten die Bibel und atomisierten die lebendige Quelle in„Quellen“. Von der Erkenntnis aus, daß Glaube Voraussetzung unserer Stellung zur Bibel ist, führte zuerst die dialektische Theologie zu einer neuen Beugung vor dem Herrn, der uns „beruft“ und„beansprucht". Gott selbst bleibt uns verhüllt, sein Wort dringt nur durch Vermittlung zu uns. Darum muß immer unterschieden werden Wort Gottes, das er selbst durch Menschen spricht, und Zeugnis vom Worte Gottes, das die Menschen geben. Weil das Wort immer im Zeugnis verborgen ist,— das Hauptzeugnis ist die Bibel— so gibt es Mißverständnisse, aber darum gibt es auch das Wagnis des Gebets, des Vertrauens auf ein wahrhaftiges Gottes wort im wahrhaftigen Menschenwort. Ebenso— das zeigte Lie. Künneth— steht es um das „Wunder"; denn nicht ein außergewöhnliches Geschehen ist Wunder, sondern Offenbarung Gottes an die gefaltenen Menschen. Alles Geschehen wird zum Wunder, wenn der Mensch darin ein Wort Gottes hört. Es ist mit hineingestellt in die Mißverständlichkeit alles Irdischen, es kann nicht bewiesen werden und wird gerade darum dem Glaubenden zu einem neuen Zeugnis der Alleinwirksamkeit Gottes. wenn der Markkurs so hoch steigt, daß die Fracht des Goldes von Paris nach Berlin hereinkommt. Die Bank von Frankreich läßt den Goldkauf sogar dadurch unterstützen, daß Goldbarren in billigere Teile zerschnitten werden für solche, die den Preis eines ganzen Barrens, ca. 200000 Franks, nicht erschwingen können.— Die Schriftleitung.) Wenn es wirklich so ist, daß das, was nicht zu Gold gemacht werden kann, keinen Wert haben soll, dann ist nicht nur das Gold, sondern in Wirklichkeit vielmehr der Besitzer des Goldes der Garant dessen, was wir besitzen, kaufen oder verkaufen. Nun ist es doch so, daß der Staat, in dem wir leben, uns den Wert unsres Besitzes und unsrer Zahlungsmittel zu garantieren hat. Wie wenig er das heute tut, zeigen die täglichen Zwangsverkäufe, bei denen der bisherige Besitzer oft über die Hälfte seines Wertes einbüßt. Das ist ein Kapitel für sich, hängt aber auch damit zusammen, daß wohl etwas da ist, daß es aber nicht zu Gold gemacht werden kann. Will der Staat aber seinen Bürgern Wert des Besitzes und der Zahlungsmittel garantieren, dann ist es ein Unding, es mit etwas tun zu wollen, was er selbst kaum besitzt, und was er sich immer selbst erst borgen muß. Es dürfte klar sein, daß Gold als Währungsgrundlage, wenn es sich nicht in unserem Besitz befindet, ganz leicht eine Entwertung unseres Geldes herbeiführen kann; die Goldwährung ist der sicherste Weg zu einer Inflation bei dem Volk, das vom Gold verlassen ist und immer mehr verlassen wird. Wir brauchen uns nur an die Inflationsjahre zu erinnern, wo wir doch die Währung des Goldes hatten, an das wir mit unseren Papierlappen nur nicht herankommen konnten. Nebenbei darf auch bemerkt werden, daß unser damaliges Geld(eine Billion Papiermark= eine Goldmark) zu einem reinen Inlandsgeld geworden war, das Ausland nahm unsere Millionenmark einfach nicht an.(Das Ausland nahm sie wohl an, aber nur zu horrenden Preisen, das ist eben „Inflation".— Die Schriftleitung.) Ein Beispiel: Ein Großbauer entlohnt seine Arbeiter mit dem, was er hat; er gibt ihnen Gutscheine, mit denen sie sich von seinen Vorräten Korn, Kartoffeln, Fleisch, Milch usw. besorgen können und Wohnung nebst Brand erhalten. Da wird dem Bauern eingeredet, er müsse in Gold entlohnen, in Gold, das er sich für seine Erzeugnisse bei einem Goldbesitzer in der Stadt eintauschen könne. Der Großbauer geht darauf ein, und— da die Goldbesitzer einig sind(Diese„Einigkeit“ beruht bei steigenden Wechselkursen darauf, daß die Warenpreise sich nicht sofort angleichen. Andernfalls hat auch der Bauer keinen Schaden.— Die Schriftleitung.) kann er seine Erzeugnisse nicht los werden, es sei denn, den Zentner Weizen für eine halbe Goldmark usw. Wie lange wird es dauern, bis der Bauer ausgewirtschaftet hat? Man setze an Stelle des Bauern im Beispiel das Deutsche Reich, das seinen Arbeitern Arbeit und Brot verspricht, und die Notwendigkeit, daß alles auf Gold basieren müsse, wird wenig einleuchten. Der Staat sind bekanntlich nicht die paar obersten Staatsverwalter, sondern sind wir alle zusammengehörenden Staatsbürger. Können wir uns wirklich nicht ohne Hilfe des das Gold besitzenden Auslandes den Wert unsres Besitzes und unsrer Zahlungsmittel gewährleisten? Warum wollen wir dann nicht feierlich den Besitzer der größten Goldklumpen, etwa Pierpont Morgan eventuell„u. Comp.“, zu unserem Fürsten und Regenten erwählen? Vielleicht wird es noch einmal dahin kommen, daß die Goldbesitzer ihre Barren in den Tresors für nicht gesichert genug halten und sie deshalb auf eine einsame Insel des Diese Grundhaltung der neuen Theologie versuchte Prof. Wichmann für den Unterricht zu vereinigen mit den heutigen Bildungszielen. Der Unterricht bietet dem Kinde Werte an, er kann das Christentum als höchsten Wert herantragen. Daß der Mensch sich diesem Werte hingibt, kann kein Religionslehrer machen; hier muß er dem Wirken Gattes Raum geben. Kann aber— so fragte Professor Bohne— das Wort Gottes als„Wort" vorgetragen werden, ohne daß der Anschein entsteht, als sei der Mensch in der Lage, sich für oder wider Gott zu entscheiden? Es ist nicht Gottesbegegnung, wenn jemand Christus in seine Wertanschauung einordnet. Wir bleiben vor dem unauflösbaren: Schaffet mit Furcht und Zittern, daß Ihr selig werdet, denn Gott ist's,... Die zweite Hälfte des Lehrgangs war praktischen Ge genwartsforderungen gewidmet. Prof. Brunstäd, Theologe, Philosoph und Volkswirtschaftler, legte den Grund unserer Rechtsanschauungen dar. Er stellte heraus, daß Person und Eigentum unlöslich verbunden seien, da Freiheit nur bestehe, wenn der Mensch seine leiblichen Bedürfnisse befriedigen könne, also die Mittel dazu in seinem Besitz habe. Aber die Persönlichkeit lebe nur im Bezug zur Gemeinschaft im Recht. Eigentum als Gabe Gottes sei nicht Mittel der Selbstherrlichkeit, um allen ihr Recht zu sichern, sei Wirtschaft nötig. Wie sich diese Wirschaft zu gestalten hat, kapitalistisch oder sozialistisch, dafür gibt es keine christliche Einheitslösung— schon der Gegensatz des zweiten Redners, des religiösen Sozialisten Prof. Völger, zum Hauptredner zeigte das. Keinesfalls aber darf der Glaube sich von der Gestaltung der Wirtschaft zurückziehen. Darum wandte sich auch die Aussprache lauter drängenden Einzelfragen zu, für die der Redner oft schlagenden Rat bereit hatte. Oberschulrat Schlemmer begründete die Notwendigkeit des Staates als einer Erziehungsmacht neben den naturgegebenen Erziehungsmächten, deren Grenzen er erläuterte. Er kam zu der Forderung, daß der Religionsunterricht als Teil der Schule dem Staate sich eingliedern müsse und jedenfalls niemals den Staat bekämpfen dürfe, selbst wenn die Kirche dies tun müßte. Ergänzend Ozeans schaffen; vielleicht könnte auch das Wunder geschehen, daß die Insel mit ihren Schätzen mitten ins Meer sänke, begleitet von dem anderen„Wunder“, daß Schaffen und Essen, Kaufen und Verkaufen ruhig ihren Gang in der Welt weiter fort gingen. Aber wir wollen nicht auf das Wunder der Goldversenkung warten, sondern wir sollten schon heute dem Golde und seinen Besitzern die Macht nicht mehr einräumen, den Wert unserer Zahlungsmittel zu bestimmen. Ja, wer sollte ihn denn bestimmen, wenn nicht der Goldbesitzer? Nun, ich meine, der Staat, der sich nicht stützt auf das Gold, das er nicht hat und das er nicht festhalten kann, wenn Mächtigere(das sind heute die Goldbesitzer) es ihm entziehen wollen, sondern der sich stützt auf die Schätze, die in seiner Mitte sind, und die ihm nicht weggetragen werden können. Doch ich wollte eigentlich nicht darüber schreiben, wer unsere Zahlungsweise und wie er sie anzuordnen hat, es lag mir zunächst daran, dem Leser vorzuhalten, daß unbedingt keine Notwendigkeit vorliegt, das Gold als die einzig richtige Währungsgrundlage und als den einzig zuverlässigen Wertmesser anzunehmen. Voget, Volkmarsen. und Ostbank. Geheimrat Hugenberg vor dem Untersuchungsausschuß des Landtags. — Berlin, 4. November. Vor dem Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages, der die Geschäfte der Preußenkasse nachprüft, äußerte sich Geheimrat Hugenberg über die Geschäfte der Landbank und der Ostbank. Bei der ganzen Entwicklung müsse man feststellen, so führte Geheimrat Hugenberg aus, daß es heute infolge der Mißwirtschaft, die, vom Staate ausgehend, sich in unserem ganzen Wirtschaftsleben zeige, nicht mehr viel Unternehmungen gebe, die nicht vom Konkurs bedroht seien. „Was nun die Fälie Landbank und Ostbank betrifft, so scheinen sie mir,“ fuhr Dr. Hugenberg fort,„das typische Beispiel dafür zu sein, wie gerade durch die Einflüsse des Staates, des preußischen Staates, an sich gesunde Unternehmungen in die Konkursbedrohtheit hineingetrieben wurden, und wie derselbe Staat, der an dieser Entwicklung schuld war, genötigt war, das von ihm selbst angerichtete Unheil wiedergutzumachen und seinerseits zur Rettung dieser Unternehmungen zu schreiten.“ Eingehend schilderte Geheimrat Hugenberg dann seine persönlichen Beziehungen zu der inneren Kolonisation und zu den Instituten. Die Ostbank sei tatsächlich ein nach Osten ausgestreckter Arm der Seehandlung gewesen. Die praktische Leitung der Ostbank habe die Seehandlung in Händen gehabt. Aus politischen Gründen habe sie den Ak tienbesitz verkauft. Die Landbank wäre ein absolut lebensfähiges Unternehmen gewesen, wenn der Staat ihr die gleichen Kredite wie den übrigen Siedlungsgesellschaften belassen hätte. Kennzeichnend für das Verhalten des Fiekus lei, daß er die Aktien zu einer Mark erworben und erst nach einem Anfechtungsprozeß den Aktionären zehn Mark pro Aktie gezahlt habe. Während der Fragestellung kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Geheimrat Hugenberg und dem sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Kuttner. bei Schleicher. — München, 4. November. In Richtigstellung einer Zeitungsmeldung über die Unterredung des Führers der Nationalsozialisten Adolf Hitler mit General von Schleicher vom Reichswehrministerium erklärt Adolf Hitler, es sei unwahr, daß er versprochen habe, sofort nach Uebernahme der Regierung durch die Nationalsozialisten die Selbstschutzabteilungen aufzulösen, auf die Besetzung der Polizeipräsidentenposten in den Großstädten zu verzichten und keine radikalen Parteimitglieder in verantwortliche Stellen aufzunehmen. wies Studienrat Faerber darauf hin, daß der Staat in seiner Schulhoheit auch die inneren Grenzen sehen müffe. Der Religionslehrer kann nicht sich nur an den Staat gebunden, nur dem Staat verantwortlich fühlen. Jeremia war ein Feind seines Staates, der sich versündigte, aber nicht ein Feind seines Volkes. So zeigte der Schluß der Tagung noch einmal die ewige Zwei=Deutigkeit des Religionsunterrichts, die die ganze Arbeitswoche durchzog und die uns Religionslehrer immer wieder beunruhigt und wach hält W. D. D. Kräftige, aber wahre Worte richtet der„Volkserzieher“(Schriftleiter Wilh. Schwaner, Rattlar, Post Willingen, Waldeck) an die deutschen Rauch= und Rauschhelden.„Man wird auch innerlich ein anderer— ein freier Mensch, wenn das Blut rein gehalten wird von Rauch= und Rauschgiften!— Wie kann man klare und reine Gedanken und Gefühle haben, wenn die Nerven zittern vom allzumatten Widerstand gegen die Genußteufel der Kultur?! 8 Milliarden— 8000 000 000! — Mark vergeudet Deutschland alljährlich noch an Rauch= und Rauschmitteln, an Tabak, Zigarren, Zigaretten, an Wein, Likör, Schnaps und Bier.— Jeder, der dazu auch nur mit einer einzigen Mark beiträgt, ist mitschuldig an dem wirtschaftlichen, politischen, rassischen, religiösen und moralischen Zusammenbruch unseres Volkes. Und keineswegs hat er als Teilnehmer an dieser verbrecherischen Verschwendung ein Recht, auf andere Parteien, Bekenntnisse, Klassen, Stände, Rassen und Völker zu schimpfen.— Da fangt an, Ihr Herren Altund Neuformer in Stahlhelm, Kyffhäuserbund, Tannenbergbund, Hitlergarde, Reichsbanner und Rotfront! Da geben Sie vor allem das gute Beispiel, Sie Herren in Regierung, Parlament und Gemeindebehörde. Es ist Ihre heilige Pflicht— nicht„verdammte Pflicht“!— hier mit gutem Beispiel der Enthaltung und Sparsamkeit voranzugehen! Tut Ihr es nicht, so werdet Ihr schon bald durch die Fanfaren der großen Revolution zu viel stärkeren Entfettungen gezwungen werden. Kensereng Dädci um Wdesch. Unter Hinzuziehung Briands.— Bericht im Ministerrat. — Paris, 4. November. Die Mitglieder des französischen Kabinetts nahmen einen Bericht des Ministerpräsidenten Laval über seine Besprechungen mit dem amerikanischen Präsidenten Hoover entgegen. Die amtliche Mitteilung über diese Sitzung ist kurz und gibt über die weitere Entwicklung der Dinge keinen Aufschluß. Nach dem Communiqué berichtet Laval über die Mission, die er in Amerika durchgeführt hat, worauf der Justizminister den Ministerpräsidenten im Namen des Kabinetts dazu beglückwünschte,„daß er seine Mission in einer unter den gegenwärtigen Umständen besonders nützlichen Weise durchgeführt und die freundschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich bestätigt hat.“ Finanzminister Flandin unterbreitete dem Ministerrat den endgültigen Text des Gesetzentwurfes für die Durchführung des neuen Abschnittes des Wirtschaftsprogramms. Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten wurde beschlossen, den Zeitpunkt des Zusammentrittes des Parlaments auf den 12. November festzusetzen. Nach dem Ministerrat hatte Ministerpräsidens Laval eine Unterredung mit dem von Berlin zurückgekehrten deutschen Botschafter von Hoesch. Kurze Zeit später weilte Botschafter von Hoesch nochmals beim französischen Ministerpräsidenten, und zwar war zu dieser Aussprache auch der Minister des Auswärtigen, Briand, eingeladen worden. Beachtenswert ist, daß von der Umgebung Lavals auch heute wieder betont wird, es treffe nicht zu, daß die Einberufung einer internationalen Konferenz nach Biarritz beschlossene Sache sei. Die Konferenzpläne seien vielmehr völlig abhängig von den Fortschritten der neuen deutsch=französischen Fühlungnahme.„Matin" bekundet hierbei eine Verstimmung darüber, daß Deutschland noch keinen endgültigen Plan für die Neuregelung der Reparationen und die Tilgung der kurzfristigen Kredite vorgeschlagen hat * Vorarbeit für die Wirtschaftskommission Konstituierung der deutschen Abteilung in der Reichskanzlei. In der Reichskanzlei konstituierte sich unter Vorsitz des Reichskanzlers die deutsche Abteilung der deutsch=französischen gemischten Wirtschaftskommission. Im Hinblick darauf, daß in etwa zehn Tagen die Gesamtkommission in Paris zusammentreten soll, hielten Regierungsvertreter und Sachverständige eine Aussprache über die Aufgaben der deutschen Delegation ab. Dr. Brüning eröffnete die Beratungen mit einer kurzen Rede. Wie verlautet, sollen folgende vier Ausschüsse eingesetzt werden: für Handelspolitik und den Ausbau der Handelsverträge; für Verkehr; für Wirtschaftsverflechtung(Kartellwesen); für die Beziehungen zu dritten Staaten. * Heute Kabinettssitzung über von Hoeschs Bericht. — Berlin, 4. November. Das Reichskabinett wird sich nach der..Z. heute in einer Ministerbesprechung mit der Unterredung beschäftigen, die der französische Ministerpräsident Laval am Dienstag mit Botschafter von Hoesch geführt hat. Der Botschafter hat sofort einen sehr langen telegraphischen Bericht über seine Eindrücke nach Berlin übermittelt, der während der Nacht dechiffriert wird und die Grundlage der Kabinettsberatungen bilden wird. Die deutschen Ausschüsse für die deutsch-französische Kommission. Wie mitgeteilt wird, gliedern sich die nunmehr eingesetzten deutschen Ausschüsse der deutsch=französischen Wirtschaftskommission wie folgt: Ausschuß für Handelsvertragsfragen. Vorsitzender: Ministerialdirektor Posse; Mitglieder: Reichsminister a. D. Hamm(Deutscher Industrie= und Handelstag), Reichsminister a D von Raumer, von Schorlemer(Landwirtschaft), Lemmer und Tarnow(Gewerkschaften). Ausschuß für private Wirtschaftsvereinbarungen. Vorsitzender: Clemens Lammers vom Reichsverband der Deutschen Industrie; Mitglieder: Geheimrat Bücher von der AEG., Direktor Lange vom Verein Deutscher Maschinenbauanstalten, Generaldirektor Dr. Poensgen von den Vereinigten Stahlwerken und der Gewerkschaftsführer Schmitz von den Christlichen Gewerkschaften. Ausschuß für Verkehrsfragen. Vorsitzender: Graf Roedern. Ausschuß für deutsch-französische Interessengemeinschaften. Vorsitzender: Abr. Frowein(Reichsverband der Deutschen Industrie); an bekannten Persönlichkeiten gehören ihm u. a. an: Otto Wolff=Köln und der Hamburger Bankier Dr. Melchior. Ausschuß für gemeinschaftliche deutsch-französische Zusammenarbeit im Auslande. Vorsitzender: Reichsminister a. D. Dr. Hermes; Mitglieder: Direktor Schnitzler von den J..=Farben, der Mannheimer Industrielle Vögele, Ingenieur Schweitzer(Afa=Bund). Die Ausschüsse werden vor der Reise nach Paris wahrscheinlich noch einzeln zusammenkommen, um ihre Arbeitsmöglichkeiten zu besprechen. Das eigentliche Arbeitsprogramm wird jedoch erst bei der Pariser Konferenz festgelegt werden. Im Anschluß an die Pariser Gemeinschaftstagung beginnt dann die praktische Arbeit und zwar in der Form, daß ein Teil der Ausschüsse ständig in Berlin, der andere ständig in Paris tagt. Beginn der Beratungen. der deutschen Mitglieder des deutsch-französischen Wirtschaftskomitees. Unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning versammelten sich zum ersten Male die deutschen Mitglieder und Sachverständigen der deutsch=französischen Wirtschaftskommission. Nachdem der Reichskanzler den Sachverständigen für ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an den Aufgaben der Kommission gedankt hatte, führte er u. a. folgendes aus: Der Gedanke der Einsetzung der deutsch=französischen Wirtschaftskommission verdanke Entstehung und Ausgestaltung den Zusammenkünften der deutschen und französischen Minister in Paris und Berlin. Hatte die Kommission ihren Ursprung somit auf politischem Boden, so beschränkte sich ihr Aufgabenkreis auf wirtschaftliche Fragen. Hier allerdings finde sie ein weites Feld. Die Sachverständigen könnten alle wirtschaftlichen Probleme in Angriff nehmen, die ihnen geeignet erschienen, um die Zusammenarbeit und das Verständnis zwischen den beiden Nationen zu fördern. Dabei sei zu betonen, daß die Arbeiten der deutsch-französischen Wirtschaftskommission sich gegen kein drittes Land richteten. Die Sachverständigen dürften die ihnen obliegende Tätigkeit nicht als eine vorübergehende betrachten, die in wenigen Wochen bereits zu einem endgültigen Ziel geführt haben werde, sondern sollten ihre Aufgabe in einer ständigen gegenseitigen Fühlungnahme und Zusammenarbeit erblicken, die nach und nach alle Fragen in ihren Bereich ziehen könne, die im Rahmen dieser Gemeinschaft gelöst werden könnten. Der Reichskanzler gab sodann die Gliederung der Ausschüsse und ihrer Arbeitsgebiete bekannt. :: Die Reichsarbeiler gegen den Schiedsspruch. Dem Reichsarbeitsministerium ist die Erklärung der am Tarifvertrag für die Reichsarbeiter beteiligten Gewerkschaften zugegangen, daß sie den kürzlich gefällten Schiedsspruch, der eine Herabsetzung der Stundenlöhne um 2 bis 6 Pfennig vorsieht, ablehnen. der Osthilfe. Schlange-Schöningen wird Reichskommissar.— Mit erweikerten Vollmachten. — Berlin, 4. November. Als Ergebnis der letzten Besprechung über die Osthilfe wird in den nächsten Tagen eine Verordnung erscheinen, durch die das Durchführungsverfahren geändert wird. Das wesentliche dabei ist, daß dem Ostkommissar größere politische Vollmachten erteilt werden, und zwar in der Form, daß er ein Anweisungsrecht bekommt, so daß er in Zukunft ebenso unter selbständiger Verantwortung handeln kann, wie der Siedlungskommissar. Im Anschluß an diese grundsätzliche Neuordnung dürfte auch die persönliche Frage geregelt werden, die bekanntlich schon seit einigen Wochen in der Schwebe ist. Es ist nunmehr sicher damit zu rechnen, daß der Reichstagsabgeordnete Schlange-Schöningen zum Reichskommissar für die Osthilfe ernannt werden wird. Er krikt damit gleichzeitig als Minister ohne Amtsbereich in das Reichskabinekt ein. * Gesandter von Moltke in Berlin. Der deutsche Gesandte in Warschau, von Moltke, befindet sich zur Zeit in Berlin, um mit der Reichsregierung die Möglichkeit und die Aussichten etwaiger neuer deutschpolnischer Verhandlungen zu erörtern für die Reichspost. — Berlin, 4. November. Im Lohnstreit der Reichspost wurde durch die Schlichterkammer ein Schiedsspruch gefällt, durch welchen die Stundenlohnsätze der über 24 Jahre alten Arbeiter um zwei bis vier Pfennige gesenkt werden. Die sich auf Grund der neuen Stundenlöhne ergebenden Kürzungen des katsächlichen Lohnes sind bei den einzelnen Lohagruppen für die bereits in Arbeit stehenden Arbeiter entsprechend begrenzt. Die Neuregelung tritt am 8. d. M. in Kraft und kann erstmalig zum 31. März 1932 gekündigt werden. Die englischen Gemeindewahlen. — London, 4. November. Nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen der englischen Gemeindewahlen hat die Arbeiterpartei auch bei dieser Gelegenheit eine neue große Niederlage erlitten. In London haben die Konservativen 425 Sige gewonnen, während die Arbeiterpartei 92 Sige verloren hat. In Biimingham nahmen die Konservativen der Arbeiterpartei 9 Sitze ab. Alle 24 sozialist'schen Kandidaten unterlagen. In Derby verlor die Arbeiterparte: 13, in Birkenhead 12 und in Sioke 11 Sitze; dam t verliert'e Arbeiterpartei in den drei Städten ihre Mehrheit. Franzosen=Flugzeug landet in der Der Pilot, ein Fliegeroffizier, verhaftet. Ein französisches Flugzeug überflog mehrere Ortschafken der Südpfalz. Gendarmerie nahm mit Kraftfahrzeugen sofort die Verfolgung auf. Das Flugzeug landete schließlich auf dem Ebenberg bei Landau. Es handelt sich um ein französisches Militärflugzeug,„Nieuport=Delage Nr. R. 522“. Der Insasse, ein französischer Fliegerleutnant, wurde vorläufig festgenommen und nach der Gendarmeriestation Landau gebracht, wo Beamte der Ilugüberwachung erwartei werden. Der Flieger gab an, er sei in Straßburg zu einem Fluge nach Weißenburg aufgestiegen und habe sich verflogen. Das Flugzeug wurde sichergessellt. Gandhi bei Macdon * Der britische Ministerpräsident, donald empfing Gandhi in Audienz. Den Gegenstand der Unterredung bildete die Konferenz am Runden Tisch. Der Jrak tritt dem Kellogg=Pakt bei. * König Fessal vom Jrak hat einer aus Bagdad eingetroffenen Meldung zufolge den Beitritt des Kellogg=Pakt gebilligt. Rückkehr zum Voungplan? Lavals Programm: dauerndes Abkommen auf der Grundlage der bestehenden Verträge. Mit Spannung sieht man jetzt, nachdem der französische Ministerpräsident Laval dem Kabinett über seine Besprechungen mit dem amerikanischen Präsidenten Bericht erstattet hat, der Auswirkung dieser Reise entgegen. Die Hoffnung allerdings, daß diese Auswirkungen in einer wirklichen Endlösung der Tribut= und der Schuldenfrage bestehen wird, ist kaum noch vorhanden. Immer deutlicher zeigt sich, daß Frankreich, wie der„Temps“ sich ausdrückt, das Problem der Zahlungsfähigkeit Deutschlands nur im Rahmen des Youngplanes„lösen“ will, und zwar ohne neue Hoover=Freijahre. Ueber die Möglichkeit einer Gläubigererkonferenz in Biarritz liegen einander widersprechende Meldungen vor. So will man in Paris von der Einberufung einer solchen Konferenz nach Biarritz noch nichts wissen, in Washington dagegen hält man eine solche Konferenz aller wichtigeren, an der internationalen Schuldenfrage interessierten Regierungen durchaus für wahrscheinlich. Zunächst müsse jedoch das Ergebnis der neuen deutsch=französischen Fühlungnahme abgewartet werden. Ueber die weitere Entwicklung der Dinge äußert sich die Londoner„Times“ in einem Leitartikel, in dem das Blatt ausführt: „Es ist klar, daß Laval den kühnen Versuch machen wird, das Problem der' utsch=französischen Beziehungen zu lösen. Nach seinem Besuch in Washington weiß er, daß er freie Hand hat. Laval ist im Begriffe, den Versuch zu machen, ein dauerndes Abkommen mit Deutschland auf der Grundlage der bestehenden Verträge von Versailles und vom Haag zu erreichen. Ueberdies will er, wie er angekündigt hat, der jetzigen Wirt“ aftskrise angemessene Berucksichtigung zuteil werden lassen. Er weiß, daß Deutschland im Juli nächsten Jahres bestimmt nicht in der Lage sein wird, die suspendierten Peparationszahlungen in ihrer Gesamtheit wieder aufzunehmen. Doch selbst, wenn Deutschland dazu fähig wäre, würde dies die Lage des Geldmarktes noch mehr in Unordnung bringen.“ Aber hier muß man die Auslassung der„Times" bereits unterbrechen. Wie kann von einem kühnen Versuch gesprochen werden, wenn es sich um ein Abkommen auf der Grundlage der bestehenden Zwangsverträge handelt? Sind es nicht gerade die Verträge von Versailles und vom Haag— die eben gar keine Verträge, sondern brutale Diktate sind—, die einem dauerhaften Abkommen entgegenstehen? Und daher wird es einen deutsch=französischen Ausgleich und damit ein Wiederaufleben der europäischen Staats= und Wirtschaftswelt erst dann geben, wenn die Staatsmänner den Weg freimachen, für die Ueberwindung der alten Verträge! Wenn daran zunächst nicht gedacht wird, dann sind eben auch der Auswirkung der französisch=amerikanischen Aussprache engste Grenzen gezogen. Daß Deutschland natürlich am 1. Juli 1932 Zahlungen in alter Höhe nicht wird leisten können, ist inzwischen auch in Frankreich kein Geheimnis mehr. Wie man hört, denken die Franzosen daran, den neuen Zahlungsplan im Rahmen der ungeschützten Annuitäten, deren Höchstgrenze 660 Millionen Mark beträgt, zu halten und den Tribut vornehmlich in Gestalt von Sachlieferungen entgegenzunehmen. Das ist eine Erleichterung gegenüber dem alten Youngplan, ein höchst bedenklicher Plan aber insofern, als wir es hier mit einem letzten Experiment zu tun haben würden, ob nicht etwa doch noch durch eine bloße Verringerung der Ansprüche die unvermeidliche Streichung der politischen Schulden und Tribute hinausgeschoben werden kann. Sallte es zutreffen, daß Frankreich noch darauf hofft, für dieses „Entgegenkommen“ Zugeständnisse Deutschlands zu erlangen. dann wäre die Welt um ein neues Beispiel für die Verkennung und Verschlimmerung der europäischen Krankheit durch Frankreich reicher. Für Deutschland wäre ein solches Kompromiß jedenfalls untragbar! Offenbar verkennt man das auch in England nicht S. schreibt z. B.„Financial News“: „Abgesehen davon, daß, wie frühere Erfahrungen lehren, der unter solchen Bedingungen gewährte Beistand Frankreichs nur vorübergehend und unzureichend ist, gibt es tatsächlich überhaupt keine Zugeständnisse mehr, die Dr. Brüning noch machen könnte. Bisher rechtfertigt nichts die Annahme, daß die französische Regierung das deutsche Problem in seiner Gesamtheit in einigermaßen großzügiger Weise zu behandeln gedenkt, und doch ist dies der einzig mögliche Weg. Nur uneingeschränkter Beistand Frankreichs nicht in der einen oder anderen Einzelheit, sondern im Hinblick auf die Wiederherstellung des deutschen Wirtschaftssystems in seiner Gesamtheit kann das Vertrauen wiederherstellen. Ohne Vertrauen wird es keine Erholung geben.“ Man sieht also, daß die Neuregelung der Tribut= und Kriegsschuldenfrage uns noch harte Kämpfe bringe; wird, wenn sie zu einer Lösung dieser Probleme führen soll. Die Reichsbank am Altimo. Notendeckungsgrenze: 26,9 Prozent. In der Ultimowoche Oktober hat sich die Kapitalsanlage der Reichsbank nach dem letzten Wochenausweis um 448,7 Millionen auf 4351,9 Millionen Mark erhöht. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen sind 383,8 Millionen Mark in den Verkehr abgeflossen. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 12,2 Millionen auf 1275.3 Millionen Mark vermindert, Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 26,9 Prozent gegen 29,4 Prozent in der Vorwoche. Versammlungsverbot in Kraft. Runderlaß des preußischen Innenministers über die Handhabung des Verbots. — Berlin, 4. November. Das vom preußischen Innenminister erlassene Verbot aller Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel ist bereits in Kraft getreten. Die Verordnung bestimmt auf Grund des Artikels 123. Absatz 2, der Reichsverfassung, daß Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit in Preußen bis auf weiteres verhoten werden. Dieses Verbot bezieht sich jedoch nicht auf gewöhniiche Leichenbegängnisse, auf die bergebrachten Züge von He hzeitsgesellschaften, kirchliche Pro zessionen, Bittgänge und Wallfahrten sowie auf die hergebrachten Leichenparaden oer privilegierten Kriegervereine. Für völlig unpolitische Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel können auf mindestens drei Tage vorher gestellte Anträge von den Regierungspräsidenten— in Berlin vom Polizeipräsidenten— Ausnahmen zugelassen werden. Zuwiderhandlungen gegen das Verbot werden auf Grund der Notverordnungen zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März und 6. Oktober d. J. bestraft. In einem Runderlaß des preußischen Innenministers uu dieser Verordnung werden die Polizeibehörden ersucht, für die nachdrückliche Durchführung des Verbots und Bestrafung von Zuwiderhandlungen Sorge zu tragen. Soweit Ausnahmen zugelassen sind, sollen die Landespolizeibehörden von dieser Ermächtigung nur nach genauer Prüfung der Umstände des einzelnen Falles und nur insoweit davon Gebrauch machen, als auch der Charakter der Veranstaltung eine sichere Gewähr für einen ruhigen Verlauf biete. Studentenschaft gegen Sturmszenen bei der ersten Vorlesung des Professors Dehn. — Halle, 3. November. Der Kampf der Deutschen Studentenschaft Halle gegen den Theologieprofessor D. Dehn führte bei der ersten Vorlesung Dehns am Dienstag zu Sturmszenen vor und in der Universität. Dort hatten sich etwa 1000 Studenten versammelt. Vor dem bis zum Beginn der Vorlesung verschlossen gehaltenen Hörsaal Dehns standen mehrere 100 Studenten, von denen nur etwa 100 Einlaß fanden, davon nur etwa ½ Theologen. Als sich Dehn in Begleitung des Rektors zum Hörsaal begab, mußte er ein Spalier von Studenten passieren, die den Arm zum Hitlergruß erhoben. Im Hörsaal selbst wurden der Rektor und Dehn wider Erwarten mit lebhaftem Getrampel empfangen, das indessen während des ganzen Kollegs anhielt und die Vorlesung Dehns unmöglich machte. Als ein Theologe um Ruhe für sachliche Arbeit bat, kam es zu stürmischen Gegenkundgebungen. Es wurden studentische Kampflieder. gesungen, die die Ausführungen Dehns unverständlich machten. Der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft Halle erklärte schließlich dem Rektor, er könne die Studenten nicht mehr halten. Der Rektor erwiderte, man möge ihn nicht zu Maßnahmen zwingen, die er selbst bedauern müsse. Die auf dem Flur stehenden Studenten drangen in diesem Augenblick unter dem Ruf:„Dehn raus!“ in den Hörsaal ein. Unter ungeheurem Tumult erschien nunmehr Polizei im Universitätsgebäude. Neben dem Pult Dehns nahmen ein Hauptmann und sechs Beamte Aufstellung. Der Rektor sicherte Zurückziehung der Polizei aus dem Hörsaal zu, wenn Dehn in Ruhe angehört werde. Der Tumult verstärkte sich jedoch derart, daß Dehn während der letzten Minuten des Kollegs schweigen mußte. Der Rektor erklärte die Vorlesung für beendet und forderte die Studenten auf, den Hörsaal zu räumen. Dehn und der Rektor verließen dann unter polizeilichem Schutz den Hörsaal und mußten bis zum Dozentenzimmer ein Spalier„Pfui“=rufender Studenten passieren. Protestanten unter den Staatsmännern Europas. Daß der deutsche Reichspräsident von Hindenburg aus altem evangelischem Geschlecht stammend treu zu seinem evangelischen Glauben steht, ist bekannt. Weniger bekannt dürfte wohl sein, daß in den weitaus zum größten Teile katholischen Frankreich der jetzige Präsident der Republik Doumer, ebenso wie der vorige, Doumergue, Protestant ist, so daß die kleine Minorität der französischen Protestanten zweimal nacheinander aus ihren Reihen das Oberhaupt der Republik gestellt hat. Daß die nordischen Republiken Esthland und Finnland, die fast ganz der ev.lutherischen Kirche angehören, auch evangelische Staatspräsidenten haben, ist dort selbstverständlich. Aber zu verwundern ist es, daß auch Staaten, die zum größten Teile katholisch sind, wie z. B. Ungarn und die Tschecho=Slowakei, Protestanten an ihrer Spitze haben. So gehört der Reichsverweser von Ungarn, der frühere Admiral Horthy, der evangelischen Kirche an, ebenso wie der frühere Ministerpräsident Graf Bethlen. Auch in Böhmen(TschechoSlowakei) steht an der Spitze als Staatspräsident des überwiegend katholischen Landes ein Protestant, Professor Masaryk, der mit 30 Jahren von der katholischen zur evangelischen Kirche übertrat und vor 1918 viel darum erduldet hat. St. Lie. Helmuth Schreiner an der Universität In diesen Tagen verabschiedete sich der Stiftsvorsteher im Evangelischen Johannesstift in Berlin=Spandau, Pfarrer Lic. Dr. Helmuth Schreiner, der einen Ruf als Professor der praktischen Theologie an die Universität Rostock erhalten hat, von seiner bisherigen Wirkungsstätte. Lic. Schreiner, der gebürtiger Hesse ist, kam im Jahre 1926 von Hamburg an das Evangelische Johannesstift, dieses große soziale Werk, das eine Ausbildungsstätte für Diakonen, Erziehungsanstalten, Heime für psychopathische Kinder, für Alte und Sieche, und Schulungseinrichtungen der verschiedensten Art umschließt. Dr. Schreiner hat das nach dem Kriege stark erschütterte Stift in den 5 Jahren seiner dortigen Wirksamkeit innerlich und äußerlich wieder gefestigt und zielbewußt ausgebaut. Auf wissenschaftlichem Gebiet hat er sich insbesondere pädagogischen und religionspädagogischen Fragen gewidmet. Schreiner gilt als einer der fähigsten Theologen der jüngeren Generation. Verschiedenes. Die 44. Jahrestagung des westdeutschen Sittlichkeitsvereins soll in Bielefeld abgehalten werden. Im Festgottesdienst predigt Pastor Raeder=Berlin. Eine Reihe von Fachreferaten über Sittlichkeitsfragen werden gehal ten z. B. von Studentenpfarrer Kunze=Leipzig, Pastor Dr. Wagner=Hamburg, Staatsanwaltschaftsrat Dr. KlannBielefeld, Pastor Engelmann=Berlin. In einer Versammlung von Pfarrern und Gemeindevertretern spricht Oberarzt Dr. med. Wichern=Bielefeld über das Thema „Sexualnot und Kirche". Dr. med. et. phil. HarmsenBerlin spricht vor Lehrern und Erziehern über„Die biologische Lebensfrage unseres Volkes— eine Erziehungsfrage?" Den Jahresbericht erstattet Prof. Dr. SellmannHagen. Der Westdeutsche Sittlichkeitsverein hält es für eine wichtige Aufgabe, die Sittlichkeitsgesetzgebung mit vorzubereiten und bei der Durchführung mitzuhelfen. Deshalb ist kürzlich in der Schriftenreihe„Reinheit und Kraft“, die er herausgibt, das Gaststättengesetz vom 28. April 1930 erschienen, das nicht nur den Text dieses Gesetzes, sondern auch die Ausführungsbestimmungen und Erklärungen dazu enthält. Kirche, Schule, Mission. Ein führender Missionsmann gestorben. Im rüstigsten Alter ist einer der führenden Männer der evängelischen Mission, Missionsinspektor O. Oettli, an einer rasch verlaufenen Lungenentzündung gestorben. Sein Tod bedeutet für die Baseler Missionsgesellschaft, der er 22 Jahre hindurch als Referent für die Afrika=Arbeit gedient hat, einen schweren Verlust. Auf einer Reihe internationaler Missionskonferenzen hat der Verstorbene die Sache der deutschen Mission weitblickend vertreten. Bethel. Andreas=Hofer=Film. Die Karten bitte möglichst im Vorverkauf nehmen, damit an der Kasse kein Gedränge, entsteht.— Der Film lief am Sonntag mit großem Erfolg in Eckardtsheim. — Christlicher Verein junger Männer. Heute kein Jungmännerkreis, weil Film. — Christlicher Verein junger Mädchen. Donnerstag abend: Singekreis im Vereinssaal. Donnerstag abend: Lautenchor im Gruppensaal. — Donnerstag abend 3½ Uhr in Gosen Blaukreuzstunde Jedermann ist herzlich eingeladen. Hospize und Haus Vergblick, Luftkurort Ilsenburg, freundl., ruh., sonniges Heim im Har= unterhalb des Brockens Behagl. einger. Zimmer mit Halg, unterh.,, des Brodens. Behagl, einger. Emmmet mit und ohne Pension. M ti#e Preise. Ausf. Auskunft erteilt Tabea Sprick(vorm Frau Pastor M. Sprick). Heidelberg, Christliches Hospiz Wartburg(früh. 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