= Bezugspreis= Christlicbes Tageblatt= Anzeigenpreis:= mit den Beilagen„Für Herz und Haus“. Reklame 30 bfg., Heilagen unter Waone, tansend. 15. Ml. Sihselaune D Vsck, Voshlclale Handon= Kik.„Kindergabe“ und„Ansev Dheu. Luig Hanonar Phr. 441. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und Haus“, „Aemerpalbe und„Ansen Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25gte, tausend. 15 Mk. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 249. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bieleseld), Sonnabend, den 24. Oktober 1931. 13. Wer einen Tag der Welt nichts nützt, hat ihr geschadet, Weil er versäumt, wozu ihn Gott begnadet. Rückert. Der Friede mit dem Vatikan. Ende September ist der Streit zwischen der italienischen Regierung und dem Vatikan beigelegt worden. Nachdem wir Abstand zu den damaligen Ereignissen gewonnen haben, dürfte es nicht ohne Interesse sein, Rückschau zu halten, zumal es sich um eine hochwichtige Frage, um die„Erziehung der Jugend, handelt. Im Frühjahr dieses Jahres fanden in Italien Kundgebungen gegen den Vatikan statt. Fast in allen Großstädten kam es zu Ausschreitungen. In Rom selbst sind Schwarzhemden in die Geschäftsstellen der Katholischen Aktion eingedrungen, haben die Leute, die zufällig dort waren, verprügelt und Möbel und Wandschmuck, darunter Bilder des gegenwärtigen Papstes Pius XI. auf die Straße geworfen. Die Polizei, die Carabinieri, ist nicht dagegen eingeschritten. Diese Kundgebungen waren die Auswirkungen der wiederholten Behauptungen der faschistischen Presse, daß die„Katholische Aktion“, die vom Papst selbst gegründet wurde, um das gesamte Leben mit katholischem Geist zu durchdringen, den Geist der Fuorusciti(derjenigen also, die im Ausland leben, weil sie gegen den Faschismus eingestellt sind), fördere und pflege. „'Osservatore Romano“(Der Römische Beobachter), das amtliche Blatt der vatikanischen Stadt, geißelte die Kundgebungen und behauptete seinerseits, daß die Enthüllungen der faschistischen Presse über die antifaschistische Tätigkeit der katholischen Aktion erfunden seien. Durch die Hetze beabsichtige man lediglich, die Arbeit der Aktion an der katholischen Jugend lahmzulegen. Am 30. Mai beschloß die italienische Regierung die Schließung sämtlicher Heime der„Katholischen Jugend", die eine Unterorganisation der Katholischen Aktion war. Der Papst protestierte gegen diese Maßnahme und erklärte, daß die Ausschreitungen„die Auswirkungen einer Erziehung seien, die die Antithese der christlichen und bürgerlichen Erziehung sei, weil sie den Haß, die Mißachtung und die Gewalttätigkeit predige.“ In einer Note an die italienische Regierung verlangte der Papst Ersatz der Schäden, Zurückziehung der Anordnung zur Schließung der Heime der„Katholischen Jugend“ und formelle Entschuldigung über die Ausschreitungen. Die italienische Regierung lehnte die Forderungen des Vatikans ab. Es kam zum Krieg. Der Papst griff zu einer Enzyklika und verkündete urbi et orbi, daß der Geist des Faschismus mit dem katholischen Glauben unvereinbar sei. Zwei Monate später kam es zum Frieden. Kein Vertrag wurde aber veröffentlicht, keine Unterschrift geleistet. Nur die Abendzeitungen meldeten, daß eine Einigung zwischen Mussolini und Vatikan getroffen worden sei. Die Friedensbedingungen wurden bekannt. Sie bedeuten eine Kapitulation des Vatikans vor dem Faschismus. Die Statuten der Katholischen Aktion wurden abgeändert, ihre Aufgabe wurde beengt, die Zentralleitung in Rom abgeschafft. Nunmehr ist die Katholische Aktion nicht mehr eine Organisation zur Durchdringung des gesamten Lebens mit katholischem Geist, sondern eine Art katholischer Kongregation unter der Leitung des zuständigen Bischofs. Und so hat die italienische Regierung es verstanden, die Jugenderziehung in ihren Händen zu behalten. Wie kommt es aber, daß der Vatikan in so kurzer Zeit eine Wendung zu Gunsten der„heidnischen Anbetung des Staates“ vollzogen hat? Verschieden sind die Antworten, je nach dem Kreise, von dem sie ausgehen. Einige meinen, daß der Papst eingesehen habe, daß ein Kampf gegen den Faschismus mehr Nachteile als Vorteile bringt. Andere behaupten dagegen, daß die Kapitulation vor dem Faschismus eigentlich eine Kapitulation vor der hohen Geistlichkeit gewesen sei, die samt und sonders profaschistisch sei. Kenner Pius' XI. behaupten, daß der Papst, der eigenwillig und temperamentvoll sein soll, mit seiner Enzyklika nicht im geringsten daran gedacht habe, das Band mit dem Faschismus zu zerschneiden. Er entstammt einer Familie, Ratti, die von jeher vaterlandsliebend gewesen ist und sei deshalb nicht dafür, die Differenzen mit Italien zu überspitzen. Eingeweihte führen dagegen aus, daß Jesuiten die Hände im Spiele gehabt haben. Bekanntlich stehen die italienischen Jesuiten auf Seiten Mussolinis, und es ist deshalb nicht ausgeschlossen, daß lediglich ihrem großen Einfluß die schnelle Beilegung des Konfliktes zuzuschreiben ist. Wie es auch sein mag, die Macht des Vatikans befindet sich in Italien im Rückzugsgefecht. Nur in Deutschland dringt sie unaufhaltsam vor. Bis wann? E. F. K. „—„ Zwischenbilanz des Revisionskampfes. „Wir sind die erste Regierung gewesen, die aus eigener Kraft und nicht aus Anleihen erfüllt hat. Es zeigte sich dabei, daß es so mit den Reparationen nicht geht. Entweder gibt man uns das Geld, um es in Reparationen wieder zurückzuzahlen— und das hat auch einmal ein Ende— oder man gibt uns die Freiheit, die Reparationen mit einem riesigen Ausfuhrüberschuß zu bezahlen, und auch das können die Völker nicht vertragen. Wenn man an das Erfüllen ohne ausländische Kredithilfe geht, so wird sich zeigen, daß es nicht möglich ist, in dieser Form und Höhe Reparationen zu bezahlen.“ In diesen kurzen Sätzen hat der Kanzler die Methode seines Revisionskampfes klar ausgesprochen. Wenn der Reichstag kurz darauf die Mißtrauensanträge gegen das Kabinett Brüning abgelehnt hat, so ist dieses nicht nur von innenpolitischer Bedeutung. Brüning hat sich gleichzeitig auch gegenüber den Revisionsgegnern des Auslandes festgelegt. Das ist von grundlegender Bedeutung. War doch mit der Einsetzung eines deutsch=französischen Studienausschusses für die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen beider Länder ein diplomatisches Ringen zum Abschluß gebracht, wie wir es seit 1918 nur noch einmal im Ruhrkampf erlebt haben. Damals exwies sich der passive Widerstand als ungeeignetes Kampfmittel, wenn man nicht den fortschreitenden Uebergang zum aktiven Widerstand im Auge hatte. Und daran hatten nicht nur radikalpazifistische Kreise, sondern auch diejenigen kein Interesse, die mit den Fremden nun einmal die Micumverträge geschlossen haben. Auch in den letzten Wochen herrschte Beunruhigung darüber, ob nicht der deutsch=französische Ausschuß ähnliche Wege gehen wird. Es schien, als sei Briands„Paneuropa“ auf dem Marsche. Es schien, als wolle man sich der französ. Golddiktatur beugen, um des Linsengerichtes volkswirtschaftlicher Vorteile willen. Es schien, als wolle man sich einen wirtschaftlichen Konkurrenzkampf gegen England finanzieren lassen, der nur mit ähnlichen Mitteln, wie sie England im Augenblick verwendet, nämlich inflationistischen, gewonnen werden kann. In der Ferne erstand das Spiegelbild einer deutschfranzösischen Zoll= und Münzunion. Damit wäre die neue Mitteleuropapolitik, die mit dem deutsch=österreichischen Zollunionsplan ein nicht gerade glückliches Debut gab, der französischen Kontinentalpolitik geopfert. Wäre das wirklich notwendig gewesen? Unsere Lage zwingt uns nicht zur Kapitulation. Gewiß, den Zollunionsplan haben wir aufgeben müssen. England ist vorläufig ausgeschaltet. Frankreichs Kreditpolitik hat die Freunde von Chequers in finanzpolitische Bedrängnis gebracht. Das ist die Rache für den Hooverplan. Aber auf der anderen Seite stehen doch folgende Tatsachen: 1. Frankreich ist es nicht gelungen, Mitteleuropa unter Ausschluß Deutschlands zu„organisieren“. Die mitteleuropäische Frage ist offengeblieben und kann von Deutschland und England zu neuen Vorstößen benutzt werden. 2. Frankreich ist nach wie vor isoliert. England machte die französische Kreditpolitik durch Aufhebung des Goldstandards, der die gleiche Maßnahme in den skandinavischen Staaten folgte, vorläufig unwirksam. 3. Deutschland hat ein Stillhalteabkommen bekommen, und zwar ohne politische Konzessionen. Der Laytonbericht des Baseler Stillhaltekomitees dürfte die Grundlage für weitere Schritte Amerikas zur Befriedung Europas bieten, erklärt er doch den Youngplan für völlig unerfüllbar, kommt also zu dem Schlusse, den der Kanzler mit der Methode seiner„Erfüllungspolitik“ hat erzwingen wollen. 4. Vorläufig schützt uns der Hooverplan vor weiteren Erpressungen. Gefahr für den Revisionskampf droht dem Kanzler im Augenblick nur von der innenpolitischen Seite. Sie ist durch den parlamentarischen Sieg nicht endgültig abgewehrt. Die Gefahren sind außerparlamentarische. Unter diesem Gesichtspunkt wird man die Tatsache beurteilen müssen, daß Reichspräsident von Hindenburg persönlich den Vorsitz in einem„Wirtschaftsbeirat“ der Reichsregierung übernommen hat, in dem sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darüber einigen sollen, wie die Lasten des Revisionskampfes und der Wirtschaftskrise gerecht verteilt werden sollen. Erleichterung wäre wohl vorübergehend von einer Kapitulation vor Frankreich zu erwarten. Der Wille zur Freiheit ist gleichbedeutend mir dem Willen zur Armut. Und daran fehlt's, und deshalb wächst der Radikalismus, die andere bei ständiger Vermeidung der Reichstagsauflösung außerparlamentarische Gefahr für Brüning. Es fehlt daran bei denen, die diese Armut müßten freiwillig auf sich nehmen, um dem Volke den„moralischen Eindruck einer Opfergemeinschaft ohne Lücken“ zu vermitteln. Oder was soll man dazu sagen, wenn die schwerindustrielle„Rheinisch=Westfälische Zeitung" die Volksdienstanträge auf Herabsetzung der Großgehälter in der Privatwirtschaft als„bolschewistisch" bezeichnet. Auch deshalb wächst der Radikalismus, auf der anderen Seite natürlich. Das nächste Jahr wird für jede deutsche Regierung, die ernstlich, ohne Rücksicht auf die interessenpolitischen Wünsche einzelner Wirtschaftsgruppen — auch des gewerkschaftlichen Kollektivismus— den Kampf um die Revision der Verträge führen will, die zweite Phase des Reparationskampfes bringen. Der französische Ministerpräsident ist unterwegs nach Amerika. Die Abrüstungskonferenz steht bevor. Eine Reparationskonferenz ist nicht mehr allzu ferne. Wird Deutschland durchhalten können? Werden sich alle Schichten des Volkes zu der Losung„Arm, aber frei!“ bekennen? Oder müssen wir kapitulieren, weil die Macht der Wirtschaftsgruppen stärker ist als die der Staatsführung? Müssen wir kapitulieren, weil die innerpolitische Entwicklung schließlich doch zu dem von den radikalen Führern so laut verkündeten„unaufhaltbaren“ Zusammenstoß führen wird, der uns auf jeden Fall in eine jahrelange außenpolitische Ohnmacht stürzt. Wer die Antwort der verschiedensten Gewerkschaftsrichtungen auf gewisse Kundgebungen der Harzburger Tagung verstanden hat, weiß, wie die Front ungefähr laufen wird. Und wer tiefer blickt, ahnt auch. daß das Ringen um die Führung in der„Nationalen Opposition“ auch noch erst durch eine Machtprobe entschieden werden müßte. Es wird alles darauf ankommen, ob es der Staatsführung gelingen wird, den Egoismus der Einzelnen, Gruppen und Parteien zu bändigen. Das verlangt eine starke Staatsführung, die, im Besitze überlegener Machtfaktoren, alle anderen Machtgruppen im Staate in ihre Gefolgschaft zwingt und so die große nationale Sammlung betreibt, die mit den von Herrn Dingeldey geübten Praktiken der parlamentarischen Taktik vergeblich versucht worden ist. Nur eine Regierung, die auf so breiter Basis operiert, wird über die Stoßkraft verfügen, der es zur erfolgreichen Fortsetzung des Revi sionskampfes bedarf. Otto Kühbacher=Düsseldorf. Spanien vom Bolschewismus Die neuesten Ereignisse in Spanien, der Rücktritt Zamoras und Mauras und Spaniens Kampf gegen die Kirche und Jesuiten bestätigen die Vermutungen, die sich in den ersten Tagen der spanischen Republik aufgedrängt haben: die Bedrohung Spaniens durch den Bolschewismus. Angefangen hat diese am 10. Mai, als in Madrid 10 Klöster in Brand gesteckt wurden und die Regierung untätig zusah. Schon damals, als in den Arbeiterbezirken die roten Fahnen mit Hammer, Sichel und Sowjetstern wehten, zeigte sich das Schreckensbild eines Sowjet=Spanien am Horizont. Die gemäßigte republikanische Regierung beugte sich der radikalen Richtung, Alcala Zamora, der Präsident der Republik, verfiel in den Fehler, der Straße Zugeständnisse zu machen. Leichtfertig übersah er das Gefährliche dieses Beginnens, als man ihm vorhielt, warum die Regierung das Umsichgreifen der Brandstiftungen nicht verhinderte, antwortete er achselzuckend, um das zu erreichen, hätte er ein Heer von der Größe des französischen zur Verfügung haben müssen. Bei einigem guten Willen wäre die Regierung aber leicht in der Lage gewesen, die Ausschreitungen zu verhindern. Sie tat es nicht, der Weg kommunistischer Agitation war geebnet, die Entwicklung ging in den einmal betretenen Bahnen weiter. Der unmittelbare Grund zu Zamoras Rücktritt, die Annahme des Art. 24 der Verfassung, der erklärt, daß Spanien keine staatliche Religion habe, und der die Jesuiten des Landes verweist und ihr Eigentum, das recht beträchtlich ist, dem Staat verschreibt, ist genau die Forderung, die die Mitglieder eines politisch=wissenschaftlichen Clubs freimaurerischer Observanz am 16. Mai an die Regierung gestellt haben. Damals wurde diese Forderung mit 226 gegen 116 Stimmen abgelehnt— und nach 4 Monaten ist sie angenommen worden. Damit ist der Weg für den Kommunismus frei, der kulturellen Auflösung, die sich z. B. in der Lockerung der Ehe zeigt, wird die politische folgen. Die heutige spanische K de* Wprs Republik verläßt den Boden konfessionell=christlicher und demokratischer Gesetze. Der Kampf gegen Kirche und Jesuiten ist mehr als nur die Auflehnung gegen die Macht und den Machthunger letzterer— es ist der Beginn der Auflösung von Sitte und Ordnung. Denn, um gerecht zu sein, darf nicht vergessen werden, daß die Jesuiten bei manchen Fehlern auch sehr viel Gutes geschaffen haben. Spanien verdankt ihnen seine kulturelle und vor allem seine wissenschaftliche Höhe. Der Rücktritt des kirchenfreundlichen Ministers, und daß alle die Abgeordneten, die der Kirche wohlwollend gegenüberstanden, die Nationalversammlung verließen, lassen für Spanien schwere Stunden erwarten. Werden sich die Spanier ohne Unterschied der Meinungen in der Bekämpfung des kommunistischen Feindes zusammenfinden? Es ist kaum anzunehmen. Man hat, als es noch Zeit gewesen wäre, in dem Drange, alle Ueberreste des monarchistischen Systems zu vernichten, den gefährlichsten Feind der jungen Republik zu wenig beachtet. Die kommunistischen Agitatoren, die nach Spanien strömten, hatten zu leichte Arbeit und ein zu verlockendes Ziel: Ein rotes Spanien im Westen und ein rotes Rußland im Osten als wirksame Ausgangspunkte der Eroberung Europas. Die nächsten Tage und Monate werden die Entscheidung bringen, ob dieses Ziel erreicht wird— die Zersplitterung Spaniens in halbautonome Landesteile wird die Aufgabe wesentlich erleichtern. Walter Naag. Fort mit der Mineralwassersteuer Diese im Jahre 1930 eingeführte Steuer war ein schwerer Schlag nicht nur für die in Betracht kommenden Gewerbezweige, die durch sie vielfach geradezu erdrosselt wurden; sie war auch ein schwerer Schlag für alle Bestrebungen, die durch Darbietung alkoholfreier Getränke den Schäden des Alkoholismus entgegenwirken wollten. Jetzt endlich scheint der Augenblick zu nahen, wo sie beseitigt werden wird. Der Reichstag hat in seiner Sitzung vom 16. Oktober, so gut wie einstimmig, einen Antrag D. Strathmann und Genossen(Chr. Volksdienst) angenommen, der die Reichsregierung auffordert, die Mineralwassersteuer durch Notverordnung auf zuheben. Diese Aufhebung ist in fiskalischer Beziehung völlig unerheblich. Denn statt der veranschlagten 40 Millionen brachte sie nur 15; davon gehen aber noch die sehr beträchtlichen Erhebungskosten ab. Weiter ist zu beachten, daß die durch diese Steuer bewirkte Drosselung der fraglichen Gewerbe sehr hohe Beträge an Einkommen= und Umsatzsteuer verloren gehen— so daß sie in Wirklichkeit wayrscheinlich überhaupt keinen Ertrag liefert, wenn sie nicht gar mehr kostet, als sie einbringt. Daher ist auch von ihrer Aufhebung keine schädliche Rückwirkung auf den Revisionskampf zu erwarten, sofern uns etwa die Tributgläubiger entgegenhalten könnten, Deutschland beginne bereits mit Steueraufhebungen. Wir möchten daher der Erwartung Ausdruck geben, daß die Reichsregierung der Aufforderung Rechnung tragen wird. Beamtenstreik in Warschau. Wegen der unregelmäßigen Gehaltszahlungen. Die Beamten und Angestellten des Magistrats Warschau sind in einen 24stündigen Streik eingetreten. Nur die städtische Gasanstalt und die Straßenbahn arbeiten normal. Die Beamten begründen ihren Schritt damit, daß sie seit längerer Zeit ihr Gehalt nur ratenweise und mit bedeutenden Verspätungen gezahlt erhalten und daß alle ihre Bemühungen um Abstellung dieses Mangels fruchtlos gewesen seien. Sollte der heutige Proteststreik nicht das gewünschte Ergebnis haben, so ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die städtischen Beamten und Angestellten in der nächsten Woche in einen allgemeinen Streik eintreten. Tagung der Mädchen=Bibelkreise Westfalens. Am 17. und 18. Oktober fand in Bethel eine Tagung der Mädchen=Bibelkreise(..K) Westfalens statt. 120 junge Mädchen und Kreisleiterinnen hatten sich angemeldet, so daß die in der Aufbauschule vorgesehene Tagung in den Remter, das große Studentenspeisehaus, verlegt werden mußte. Den Bibelkursus am Sonnabend und Sonntag hatte der Reichswart der Bewegung, Fräulein Lawton aus Leipzig übernommen. Das Thema hieß:„Der Anspruch Gottes“ mit Zugrundelegung des 1. Gebotes: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir.“ Fräulein Lawton führte das Thema in packender Weise aus und brachte den jungen Menschen Gottes Absolutheitsanspruch ergreifend nahe. Gottes Anspruch an uns gründet sich auf sein Wesen, darauf, daß Er'der Einzige, der Ewig=Seiende, der Barmherzige und Helfende ist. Wie können wir ihn erkennen, er ist doch als der große Gott wie ein verzehrendes Feuer? Er offenbart sich uns in der Verhüllung Jesu Christi. Christus aber war eins mit dem Vater. Er konnte von sich sagen:„ Ich bin die Wahrheit",„ich bin das Licht; ich bin das Leben“,„ich bin das Brot“, Gott faßt seinen Anspruch an uns in das Eine zusammen:„Ich bin der Herr!“. An dieser Offenbarung erkennen wir unsere Sündhaftigkeit und Schuld an dem Bild des großen und einzigen„Herrn" alle geheimen Götzen unseres Lebens. Gottes Anspruch läßt uns nicht die Möglichkeit einer gleichgültigen Stellung ihm gegenüber, seiner Forderung gegenüber gibt es nur ein Entweder=Oder. Wir danken es unserer Zeit mit ihrer gottfeindlichen Einstellung, daß sie auch uns zur Entscheidung zwingt. Der Ruf der Gottlosen ist eindeutig und klar, möchte doch auch unser Leben klar zu erkennen geben, wem wir folgen, was für einen Herrn wir haben! Unser Ruhm ist, wenn die Menschen; spüren, daß wir unter dem Herrschaftsanspruch eines unsichtbaren Herrn stehen.“— Am Sonntag morgen fand gemeinsamer Kirchgang statt zur Zionskirche, wo P. Wöhrmann über das Gleichnis vom Parade zu Ehren Die Ankunft in Neuyork.— Ansprache Lovals.—„Wiederherstellung der Ruhe und des Gleichgewichts. — Neuyork, 23. Oktober. Der Ozeandampfer„Jele de France" hat nach einer Fahrt durch stürmisch bewegte See 3 Uhr morgens amerikanischer Zeit den Hafen Neuyork erreicht. Der Beginn des offiziellen Empfangsprogramms war auf 8 Uhr amerikanischer Zeit angesetzt. Bis dahin verblieb Ministerpräsident Laval auf dem Dampfer. Kurz vor der Ankunft des Schiffes in Neuyork sandte Präsident Hoover ein Telegramm an Laval, in dem es hieß: „Während Sie sich den Gestaden Amerikas nähern, habe ich das große Vergnügen, Ihnen das herzlichste Willkommen Amerikas in meinem eigenen Namen und dem meiner Landsleute auszudrücken. Laval erwiderte das Telegramm von Bord der„Isle de France" und führte dabei aus, er hoffe ernstlich, daß sein Besuch in Washington die Zusammenarbeit Frankreichs und Amerikas für das Heil der Welt stärken werde. Als Ministerpräsident Laval das Schiff verließ, hatten sich in den Straßen Tausende und aber Tausende aufgestellt, die Zeuge der Ankunft der Franzosen sein wollten; auch die Fenster der Hochhäuser waren sämtlich von Schaulustigen besetzt. Auf dem Broadway gab es ein prächtiges militärisches Schauspiel. Abteilungen des Heeres und der Marine waren mit klingendem Spiel aufmarschiert, um Laval militärische Ehren zu erweisen! Am Landungssteg hatte Staatssekretär Stimson zur Begrüßung Aufstellung genommen. Als das Boot, das den Ministerpräsidenten Frankreichs an Land brachte, sich näherte, feuerte eine Batkerie elf Salutschüsse ab. Besser hätte wohl nicht illustriert werden können, daß der französische Ministerpräsident, dessen Beauftragte vor einigen Jahren noch als Bittsteller kamen, um ein günstiges Schuldenabkommen bemüht, diesmal als ebenbürtiger Partner mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten verhandeln wird! Nach der Landung am Battory Place wurde Laval unter begeisterten Zurufen der tausendköpfigen Menge nach der City-Hall geleitet, wo er von Bürgermeister Walker im Namen der Stadt Neuyork feierlichst bewillkommnet wurde. Laval führte in französischer Antwortrede aus, er komme von einem Lande, das entschlossen sei, mit Amerika zur Wiederherstellung der Prosperität zusammenzuarbeiten. Eine schwere Krise sei hereingebrochen, welche die Entwicklung Amerikas und der anderen Länder unterbrochen habe. In einer vom Zweisel zerrissenen Welt müßlen die beiden großen Demokratien zusammen Methoden suchen und anwenden, die die Ruhe und das Gleichgewicht wieder herstellen werden. Laval in Washington. Das Verhandlungsprogramm.— Die Grenzen des amerikanischen Entgegenkommens. Nach einem anscheinend reichlichen Austausch von Depeschen und Begrüßungstelegrammen ist der französische Ministerpräsident Laval gegen 3 Uhr morgens amerikanischer Zeit mit der„Isle de France“ in Neuyork eingetroffen. Da diese frühe Morgenstunde feierlichen Empfangen, wie sie Laval zugedacht waren, wenig günstig war, vertagte man die offizielle Begrüßung um funf Stunden und holte dann alles nach. Die Augen der Welt sind nun für einige Tage auf Amerika gerichtet. Wichtigste Fragen stehen zur Debatte: die Probleme der Sicherheit und Abrüstung— wobei freilich die wirkliche Problematik der europäischen Sicherheit in Frankreich noch das geringste Verständnis gefunden hat— die Zukunft der interalliierten Kriegsschulden und der deutschen Tribute, und schließlich können die Geschäftsführer der beiden geldstärksten Länder in der jetzigen Situation auch nicht an der Währungskrise vorbeigehen Weinstock und den Reben sprach, das ganz in den Rahmen der Tagung sich einfügte. Nachmittags fand für alle auswärtigen Teilnehmer eine Führung durch Bethel statt. Anschließend war Missionsstunde, zu der auch die jüngeren Schülerinnen geladen waren. Die Tagung zeigte wieder klar und deutlich, was in heutiger Zeit doppelt zu begrüßen ist: Die Bewegung der..K. stellt sich mit den jungen Menschen lebendig in die Gegenwart hinein, für die sie im Worte Gottes Lösung und Hilfe sucht. So ist sie unserer weiblichen Jugend rechte Wegweisung in einer wirren und ratlosen Zeit. Ilse Dustmann, Vlotho, Weser. Westfälische liturgische Konferenz. Stellungnahme zum neuen Agendenentwurf. Der Vorstand der Westfälischen liturgischen Konferenz beschloß in einer Sitzung, die kürzlich in Bielefeld stattfand, an Stelle von Superintendent Kuhlo=Hüllhorst, der sein Amt niedergelegt hatte, Konsistorialrat HymmenMünster zum 1. Vorsitzenden und Superintendent MöllerOldendorf zum 2. Vorsitzenden zu wählen. Den Hauptinhalt der Beratungen bildeten die Entwürfe zu dem„Kirchenbuch für die Hand der Gemeinde", das von der Niedersächsischen, Westfälischen, Rheinischen und Hessischen liturgischen Konferenz herausgegeben werden soll und in, zwischen schon im Druck ist. Pfarrer Hoyer, der Schriftführer der Niedersächsischen liturgischen Konferenz, legte die Entwürfe vor, die die einstimmige Billigung des Vorstandes fanden. Besonders wurde auch die darin vorgesehene Neugestaltung der Kindergottesdienstliturgie an Stelle der völlig unbrauchbaren alten begrüßt. Das Handbuch wird den Vorzug haben, daß ohne eine Aenderung der durch die neue preußische Agende vorgesehenen liturgischen Ordnung Liturgien dargeboten werden für alle Gelegenheiten des Kirchenjahres, die den Ergebnissen der gesunden liturgischen Arbeit der letzten Jahre gerecht werden. Man erwartet auch, daß durch das Handbuch endlich ein Weg geboten wird, auf dem dem ganzen deutschen Die Bedeutung dieser Fragen, von deren rechtzeitiger Lösung es abhängt, ob die europäische Wirtschaft und der darin tätige Mensch noch einmal bessere Tage erleben wird, rechtfertigt die Aufmerksamkeit, mit der auch die bei den Besprechungen in Washington nicht vertretenen Länder wie Deutschland, England und Italien die Aussprache des amerikanischen Präsidenten mit dem Chef der französischen Regierung verfolgen Hinsichtlich der Einschätzung der Aussprache Lavals mit Hoover kann man der Londoner„Times“ darin beistimmen, daß die Bedeutung dieser Begegnung dadurch nicht gemindert wird, daß endgültige Entscheidungen kaum sofort fallen werden.„Von beiden Seiten", so fährt die„Times“ dann fort,„ist verkündet worden, daß es sich nur um einen Meinungsaustausch handelt. Aber dieser Meinungsaustausch soll ausführlich und freimütig sein. Im Gegensatz zu den Londoner Besprechungen im Juli und den Berliner Besprechungen im September, wo alles erörtert wurde, nur nicht die allerwichtigsten Fragen, wird diesmal die Erörterung nicht eingeschrankt werden. Diese Gewißheit ist außerordentlich ermutigend, Reparationen, Kriegsschulden, Abrüstung, die Bedeutung des Kellogg=Paktes und die französische Sicherheit werden besprochen werden von den Führern der beiden Staaten, die gegenwärtig am besten in der Lage sind, allen anderen voranzugehen. Das besondere Interesse, mit dem die britische Regierung den Washingtoner Besprechungen folgen wird, geht aus dem Pariser Besuch Lord Readings vor 14 Tagen und seiner Abschiedsbotschaft bei der Abfahrt Lavals und aus der beschleunigten Rückkehr des britischen Botschafters in Washington auf seinen hervor. „Times“ verbreitet sich sodann darüber, daß Frankreich von dem wirtschaftlichen Elend, das in Deutschland und den anderen vormals feindlichen Staaten am größten sei, verhältnismäßig unberührt geblieben sei, daß aber Frankreich und die Vereinigten Staaten jetzt auch anfingen, ernste Nachteile infolge der allgemeinen Depression zu erleiden. Das Blatt glaubt, die wichtigste Rolle bei den politischen Erörterungen werde die Frage bilden, welche Haltung die Vereinigten Staaten im Kriegsfalle gegenüber dem Angreifer einnehmen würden, bei den wirtschaftlichen Erörterungen dagegen die Frage Annullierung oder eines weiteren Aufschubs der Kriegsschuldenzahlungen. Bisher haben alle Regierungen der Vereinigten Staaten jede Hineinziehung in europäische Angelegenheiten abgelehnt und in Konsequenz dieser Haltung seinerzeit auch den von Clemenceau propagierten Garantievertrag für Frankreich abgelehnt. Wenn jetzt Laval mit seinem Gedanken des Konsultativvertrags in Amerika auch nur einigen Anklang finden sollte, dann würde das eine völlige Abkehr der Vereinigten Staaten von der Politik der letzten zwölf Jahre bedeuten Denn was verbirgt sich unter dem sogenannten Konsultativpakt? Doch nichts anderes als die Verpflichtung der Vereinigten Staaten, im Interesse der Beruhigung Frankreichs im Kriegsfalle mit Paris Fühlung zu nehmen und an Repressalien gegen den„Friedensstörer" teilzunehmen. Angesichts dieser weitgehenden Konsequenz dürfte die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Preß gut beraten gewesen sein, wenn sie Laval mit der Feststellung empfing, die Vereinigten Staaten seien nicht in der Lage, Versprechungen hinsichtlich der Sicherheit Frankreichs zu machen, und wenn sie ferner dann zum Ausdruck brachte, daß die Sanierung der Weltwirtschaft die einzige Grundlage der Besprechungen: bilden muß. Eine andere Haltung ware nicht nur unverständlich— da ja der Kongreß sich kaum zu einer Garantieleistung bereitfinden würde— sondern auch unlogisch, da jo die Sicherheit in Europa nicht von juristischen Formeln und amerikanischen Verpflichtungen abhängt, sondern lediglich davon, daß die europäischen Staaten durch eine Politik der Gerechtigkeit und der Befriedung selbst den Weg zum wirklichen Frieden finden! :: R ü c k k e h r B r a u n s. D e r p r e u ß i s c h e M i n i s t e r p r ä s i d e n t Braun wird voraussichtlich Mitte nächster Woche nach Berlin zurückkehren. Es wird dann auch die Entscheidung in der Frage der Neubesetzung des Postens des preußischen Finanzministers fallen. evangelischen Kirchenvolk ohne die üblichen Programme mehr oder weniger gelungener Feiern zu einer festen und schönen gottesdienstlichen Sitte verholfen wird. Der Vorstand nahm im Verlauf der Besprechung einstimmig folgende Erklärung an, die der Agendenkommission der preußischen Landeskirche übermittelt werden soll: „Der Vorstand der Westfälischen liturgischen Konferenz richtet an die Agendenkommission der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union die dringende Bitte, aus dem vorliegenden Entwurf des musikalischen Anhangs alle musikalischen Stücke aus dem Jahre 1822(Bortniansky und Aehnliche) als musikalisch wertlos und der echten liturgischen Haltung abträglich zu beseitigen und ausnahmslos durch bewährtes kirchenmusikalisches Gut aus den früheren Zeiten zu ersetzen. Begründung. In allen Kreisen, die der liturgischen Erneuerungsbewegung aufgeschlossen sind, sucht man durch Zurückge hen auf die frühen musikalischen Formen echter liturgischer Haltung den Weg zu bereiten. Wenn die neue Agende hier an dem schlechten Erbe des 19. Jahrhunderts festhielte, anstatt es durch das wertvolle Erbe klassischer Zeiten zu ersetzen, so entstünde ein verhangnisvoller Riß zwischen der offiziellen Agende der größten evangelischen Landeskirche und der gesamten liturgischen Arbeit der Gegenwart. Es würde zugleich der ersehnten stärkeren liturgischen Einheit der deutschen evangelischen Landeskirchen der Weg verbaut, da gerade diese minderwertigen Weisen ein Sondergut der Altpreußischen Union bilden. Die Schwierigkeit, daß die Gemeinden sich umstellen müssen, muß mit in Kauf genommen werden, wenn nicht ein größerer und nicht wieder gut zu machender Schade entstehen soll.“ Die nächste Tagung der Westfälischen liturgischen Konferenz soll am 9. November in Gütersloh stattfinden. D. Hymmen wird einen Vortrag halten über„Die neue Agende". Dei Ral vertagl fich! Beschlüsse zum Ostasienkonflikt. Genf, 23. Oktober. In öffentlicher Sitzung hat der Völkerbundsrat sich abermals mit dem mandschurischen Konflikt beschäftigt und mit Ausnahme der Vertreter der beiden an dem Konflikt beteiligten Länder Japan und China eine Entschließung angenommen, die an die Verpflichtungen erinnert, die die beiden Länder in der einstimmig angenommenen Entschließung des Rates vom 30. September dieses Jahres auf sich genommen hätten. Der Rat fordert daher die japanische Regierung auf. sofort mit der Räumung zu beginnen und sie progressiv fortzusetzen, damit der völlige Rückzug bis zur nächsten Tagung des Rates vollzogen werden kann. Der Rat fordert die chinesische Regierung auf, im Hinblick auf die Wiederinbesitznahme des geräumten Gebietes alle Maßnahmen zu ergreifen, die die Sicherheit des Lebens der japanischn Staatsangehörigen, die dort wohnen, und den Schutz ihres Eigenkums sicherzustellen. Er fordert im übrigen die chinesische Regierung auf, den Behörden, die sie mit dieser Maßnahme beauftragt, Vertreter anderer Staaten beizuordnen, damit diese die Ausführung der Maßnahmen, um die es sich handelt, verfolgen können. Der Rat empfiehlt den beiden Regierungen, nach der Räumung direkte Verhandlungen über alle Streitfragen einzuleiten und eine Schlichtungskommission einzusetzen. Der Rat beschließt, sich bis zum 16. November zu vertagen. Er wird an diesem Tage eine neue Prüfung der Lage vornehmen. Zu den Verhandlungen erklärten die Vertreter Japans und Chinas übereinstimmend, daß sie noch nicht endgültig zu dieser Entschließung Stellung nehmen könnten. Briand vertagte darauf die Sitzung auf Freitag nachmittag. * Bombenanschlag auf das japanische Generalkonsulat in Amoy — Tokio, 23. Oktober. Nach einer Mitteilung der japanischen Telegraphen=Agentur„Shimbun Rengo“ wurde am Donnerstag in Amoy ein Bombenanschlag auf das japanische Generalkonsulat verübt. Unbekannte Täter warfen eine Bombe in das Gebäude, wodurch der chinesische Pförtner des Konsulats getötet und drei Japaner verletzt wurden. auf Cypern. Anti-Englandpropaganda durch griechische Nationalisten. Die Lage sehr ernst. Wie Reuter aus Malta meldet, ist es infolge der nationalistischen Agitation für die Vereinigung mit Griechenland auf Cypern zu Unruhen gekommen, so daß der Gouverneur von Cypern den Gouverneur von Malta um Unterstützung durch Kriegsschiffe gebeten hat. Die Lage in Nicosia soll sehr ernst sein, und man befürchtet, daß die Bewegung sich noch weiter ausbreiten wird. Nach einem inoffiziellen Bericht sollen sich große Volksmengen für Griechenland erklärt haben. In Kairo verlautet, daß zwischen den Regierungen von Cypern und Aegypten bereits ein Meinungsaustausch über die militärische Unterstützung Cyperns im Hinblick auf die Unruhen stattgefunden hat. Deutsche Vorträge in Amerika. Generaldirektor Dr. Cuno für internationale Zusammenarbeit in der Schiffahrt. — Neuyork, 23. Oktober. Im Rahmen einer von der Columbia=Universität veranstalteten Vortragsserie sprach Generaldirektor Cuno von der Hamburg=Amerika=Linie über die Krise in der Schiffahrt. Dr. Cuno erklärte, daß der niedrigste Stand im Transatlantik=Verkehr wahrscheinlich bisher noch nicht erreicht sei. Dabei vergrößere sich die Tonnage noch ständig durch Neubauten. Er bezweifle den Wert staatlicher Subventionen für die Besserung der gegenwärtigen Lage in der Schiffahrt und betonte, daß die deutsche Schiffahrt keine Subventionen erhalte. Nach seiner Auffassung widersprächen Subventionen den Grundsätzen des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Zur Behebung der Schwierigkeiten in der Schiffahrt schlug Dr. Cuno vor, daß über das jetzige Konferenzsystem hinaus die auf gleichen Verkehrsgebieten tätigen Schiffahrtslinien zu nationalen und internationalen Vereinigungen kommen sollten, wobei allerdings die Einzelflaggen beibehalten werden müßten. Dr. Cuno verlangte ferner ein internationales Abkommen für die Abschaffung aller veralteten Schiffe und Beseitigung jeder staatlichen Einmischung in die Schiffahrt, namentlich durch Subventionen. Dr. Cuno betonte sodann, daß die deutsche Schiffahrt nach dem Kriege stets ihre Bereitwilligkeit bezeugt habe, mit der Schiffahrt anderer Länder und besonders mit der amerikanischen zusammenzuarbeiten. Präsident Hoover habe durch seinen Moratoriumsplan die enge wirtschaftliche Verbindung Europas mit Amerika betont. Die Gedanken Hoovers müßten von beiden Kontinenten weiter verwirklicht werden. Dr. v. Siemens sprach in der gleichen Vortragsserie über die Elektro=Industrie. Er gab eine Uebersicht über deren internationale Lage. Die Rationalisierungsmaßnahmen der deutschen Industrie, die er begründete, seien zum Teil durch den Druck der Arbeiterschaft erzwungen worden, die auf hohe Löhne hindrängte. Die deutsche Wirtschaft stehe im Kampfe für das Prinzip des Individualismus gegen das 4 nzip des Sozialismus bzw. des Kommunismus. empfängt Grandi. Das Programm für den Besuch.— Vertrauen zu Deutschland. — Berlin, 23. Oktober. Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, wird der italienische Außenminister Grandi Freitag abend um 23 Uhr Rom verlassen und Sonntag vormittag in Berlin eintreffen. Am Montag wird Minister Grandi vom Reichspräsidenten von Hindenburg empfangen werden. Reichskanzler Dr. Brüning gibt Sonntag abend zu Ehren des italienischen Gastes ein Festbankett. Für Montag ist u. a. auch noch ein großer Empfang in der italienischen Botschaft vorgesehen. Ueber die Bedeutung des italienischen Gegenbesuches in Berlin schreibt„Popolo'Italie":„Glücklicherweise hat Deutschland in der Tiefe seiner nationalen Seele die Energie gefunden, um nicht zu verzweifeln. Dieser Wille, verbunden mit der Festigkeit Hindenburgs, hält Geister und Hoffnungen hoch. Wir sind der Ansicht, daß das beste Mittel, um Europa Vertrauen wiederzugeben, das ist. Deutschland Vertrauen zu schenken. Der allgemeine Frieden kann nur in der Weise erreicht werden, daß er alle drei große Kulturen, die auf dem europäischen Kontinent sich entfalten, der französischen, italienischen und deutschen, gegeben wird. Der Waffenstillstand für alle wird die Sicherheit für alle sein. Es ist klar, daß die Grundsätze von Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit auch auf die Nationen angewendet werden können. Grandis Reise wird zur Rückkehr des Vertrauens und der Zusammenarbeit beitragen. Keine neue . Die Erhöhung der Studiengebühren in Preußen. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, entbehre die von einer Zeitung gebrachten Mitteilungen über ein bevorstehende neue Kürzung der Beamtengehälter in Preußen im Ausmaße von acht bis zehn Prozent jeder Begründung. Auch die Behauptung, der Rücktritt des Minister: Dr. Höpker=Aschoff stehe mit dieser Frage in Zusammenhang, sei unzutreffend. ... Zu der Erhöhung der Studiengebühren an den preußischen Universitäten wird mitgeteilt, minderbemittelten begabten Studenten werde im kommenden Wintersemester in stärkerem Umfange als bisher Befreiung von den Hochschulgebühren bewilligt werden können. Außerdem sei eine Erleichterung dadurch geschaffen worden, daß die Gebühren nicht wie bisher in zwei, sondern in vier über das Semester verteilten Raten gezahlt werden dürfen. Die Unterrichtsverwaltung sehe diese Gebührenerhöhung als eine Notmaß nahme an und hoffe, möglichst bald wieder zu den niedrigeren Gebühren zurückkehren zu können. .. s Die Fehde zwischen den Führern der arbeiterparte lichen Opposition in England und ihren früheren, in der Re gierung verbliebenen Kollegen hat zu scharfen Auseinander letzungen geführt, bei denen von„absichtlichen Lügen" un ahnlchen Dingen die Rede ist. Die Verschuldung der Gemeinden Der Gesamtbetrag der kurzfriftigen Schulden auf 1,7 Milliarden Mark geschätzt. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, sind die Ermittlungen über die Berechnung der kurzfristigen Verschuldung der öffentlichen Hand noch nicht zum Abschluß gekommen. Besonders schwierig ist die Errechnung bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden. Nach den bisherigen Schätzungen beträgt die kurzfristige Verschuldung der Gemeinden einschließlich der kurzfristigen Kassenkredite ungefähr 1,5—1,7 Milliarden Mark. Zu der Hilfsaktion für die Gemeinden wird mitgeteilt, wenn das Reich den Gemeinden insgesamt 230 Millionen Mark bereitstelle, um die Wohlfahrtserwerbslosen in den Gemeinden zu unterstützen, dann könne man nicht sagen, daß diese Unterstützung auf der anderen Seite durch neue Belastungen wettgemacht würde. Für diese neuentstehenden Lasten und für die ausfallenden Länderüberweisungen seien den Gemeinden andererseits die wie bisher aus der Hauszinssteuer entnommenen Beträge für den Wohnungsbau freigestellt worden. Bei der gegenwärtigen angespannten Lage unserer Finanzen könne nach Auffassung des Reichsfinanzministeriums auf keinen Falt davon gesprochen werden, daß alle Sparmöglichkeiten erschöpft seien. Es würden sich zweifellos bei eingehender Nachprüfung noch weitere Sparmöglichkeiten finden lassen. Beinahe 4,5 Millionen Personen erwerbslos. — Berlin, 23. Oktober. Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 1. bis 15. Oktober 1931 betrug die Zahl der Arbeitslosen am 15. Oktober rund 4484 000. Sie hat seit dem letzten Stichtage um cund 129000 zugenommen gegenüber rund 113 000 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Jahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung hat infolge der Kürzung der Unterstützungszeit um rund 200 000 auf 1 143 000 am 15. Oktober abgenommen. In der Krisenfürsorge wurde mit einer Zunahme um rund 150 000 eine Belastung von rund 1 290 000 Hauptunterstützungsempfängern erreicht. Die allgemeine Entwickelung am Arbeitsmarkt zeigt keine wesentlichen Kennzeichen, bestätigt vielmehr das aus den letzten Berichten gewonnene Bild: In der Landwirtschaft und in einzelnen Verbrauchsgüterindustrien die übliche Herbstbeschäftigung, wenn auch meist in etwas verringertem Ausmaße, in den meisten Produktionsgüterindustrien weitere Abschwächung des Beschäftigungsgrades — In der tschechischen Ortschaft Nizui Slavkov brach ein Großfeuer aus, dem 55 Wohngebäude mit Scheunen und Ställen zum Opfer fielen. Bei dem Feuer kam auch ein Kind um. Etwa 80 Familien sind obdachlos. Mißtrauensanträge abgelehnt. Mit 225 gegen 195 Stimmen.— Neue Landtagssitzung nächste Woche. Der Preußische Landtag, der am Freitag bis zum 23. November vertagt werden dürfte, führte erneut eine ganze Anzahl von Abstimmungen durch. Die von den Deutschnatiotialen und den Kommunisten eingebrachten mißtrauensanträge wurden dabei in gemeinschaftlicher Abstimmung mit 225 gegen 195 Stimmen abgelehnt. Der am Vortage vor dem Landtagsgebäude verhaftete nationalsozialistische Abgeordnete Hinkler konnte an der Sitzung wieder teilnehmen, da auf Vorstellungen des Landtagsvizepräsidenten Dr. von Kries hin die Freilassung angeordnet worden war. Erfolgt war die Verhaftung in Durchführung eines Vorführungsbefehls des Landgerichts Naumburg. Eine Erweiterung erfuhren die dem Landtag vorliegengen Anträge zu Beginn der Sitzung noch durch die Einbringung eines deutschnationalen Mißtrauensantrages gegen den Landwirtschaftsminister Dr. Steiger. Ueber diesen Mißtrauensantrag muß nach Art. 57 der Verfassung binnen 14 Tagen abgestimmt werden. Der Landtag wird daher voraussichtlich schon in der nächsten Woche zu einer neuen Tagung zusammentreten, um diesen Mißtrauensantrag zu behandeln In Durchführung der Abstimmungen fanden dann auch Anträge des Hauptausschusses Zustimmung, die die Regierung ersuchen, im Einvernehmen mit dem Reichskabinett in den UnwetterschädenGebieten im Einzelfall nach Möglichkeit durch Steuersenkungen bzw. Niederschlagungen zu helfen und auf die Gemeinden im gleichen Sinne einzuwirken, desgleichen eine Streichung der halbamtlichen Verzugszinsen vorzunehmen, ferner nach Möglichkeit verbilligtes Saatgut zur Verfügung zu stellen. Ohne Aussprache wurde Anträgen des Geschäftsordnungsausschusses zugestimmt, die Genehmigung zur Strafverfolgung von Abgeordneten in 32 Fällen zu versagen. Darunter befand sich auch ein Antrag auf Genehmigung zur Durchführung einer Privatklage gegen den Abg. Ministerpräsidenten Braun wegen Beleidigung. In der Aussprache über das Grubenunglück auf Zeche Mont Cenis und Anträge des Handelsausschusses über das Grubensicherheitswesen erklärte Abg. Sobottka(Komm.), seine Fraktion habe bereits im November 1930 einen Gesetzentwurf zum Schutze der Bergarbeiter eingebracht. Abg. Harsch(Ztr.) sprach den Opfern der Katastrophe auf Mont Cenis namens seiner Partei herzliche Anteilnahme aus. Die Wetterkontrolle lasse noch zu wünschen übrig, und auch das Antreibersystem bestehe trotz Abstreitens weiter. Abg. Langer-Oberhausen(DVP.) bedauerte gleichfalls das Unglück auf Mont Cenis und wünschte ausreichende Hilfe für die Betroffenen sowie Bestrafung der etwaigen Schuldigen. Der deutsche Bergbau leide schwer unter dem Dumping der englischen Kohle. Die Abstimmungen. Die zurückgestellten Abstimmungen begannen mit der bereits oben mitgeteilten Ablehnung der Mißtrauensanträge gegen das Staatsministerium. Danach wurde der kommunistische Mißtrauensautrag gegen Kultusminister Grimme mit 225 gegen 192 und der kommunistische Mißtrauensantrag gegen den Minister des Innern Severing— unter Nichtteilnahme der Wirtschaftspartei an der Abstimmung— mit 226 gegen 176 Stimmen abgelehnt. Im Fortgang der Abstimmungen wurden dann noch zahlreiche Anträge erledigt. Abgelehnt wurde u. a. die kommunistische Forderung auf Amtsenthebung des Berliner Polizeipräsidenten und der deutschnationale Antrag die Maßnahmen des Innenministers gegen drei Polizeioffiziere, die sich am Volksentscheid beteiligt haben, zu mißbilligen. Zum Schluß seiner Sitzung lehnte der Preußische Landtag noch mehrere Anträge ab, die sich gegen die Notverordnungen richteten. Angenommen wurde eine Entschließung auf Beseitigung der Beförderungssperre. Gebilligt wurde die Bürgschaftsübernahme zugunsten der Landesbank der Rheinprovinz mit 242 gegen 158 Stimmen, ebenso die Verordnung über die Wahl der besoldeten Magistratsmitglieder im Bereich der Städteordnung für die Provinz SchleswigHolstein und die Strafverfolgung von 17 Abgeordneten. Eine große Mehrheit fand der Antrag des Handelsausschuifes auf neue Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit garbeiter. Nachdem danach in längerer Geschäftsordnungsdebatte noch vereinbart worden war, die Debatte über den deutschnationalen Mißtrauensantrag gegen Landwirtschaftsminister Steiger gleich in der Freitagssitzung zu beginnen, vertagte sich der Landtag auf Freitag. Keine Landtagsauflösung in Anfechtungsklage beim Staatsgerichtshof. — München, 23. Oktober. Die Vollsitzung des Landtages bestätigte in einer Nachtsitzung die Beschlüsse des Verfassungsausschusses und lehnte die Anträge der Deutschnationalen, der Nationalsozialisten und Kommunisten auf Auflösung des Landtages endgültig ab. Dagegen wurde mit verfassungsmäßiger Mehrheit die Ausscheidung der 15 Landesabgeordneten beschlossen, deren Wahl nach dem Staatsgerichtshosurteil auf Grund ungültiger Bestimmungen des Landeswahlgesetzes erfolgt war. Die Nationalsozialisten und Deutschnationalen werden gegen diese Beschlüsse Anfechtungsklage beim Staatsgerichtshof einreichen, weil nach ihrer Auffassung der Landtag mit 113 Mitgliedern nicht mehr der Verfassung entspricht, die ausdrücklich bestimmt, daß der Landtag aus 128 Mitgliedern besteht. Sitzung des Reichsrats. — Berlin, 23. Oktober. In seiner Donnerstag=Sitzung verabschiedete der Reichsrat den Gesetzentwurf über den gewerblichen Rechtsschutz. Die letzte Revision der Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutze des gewerblichen Eigentums hat Aenderungen notwendig gemacht, die sich auf Einzelfragen beschränken. Reichsstädtebund beantragt: Umsatzsteuerbefreiung für Lieferungen an Notstandsküchen. Zur Linderung der Not der Erwerbslosen, der Wohlfahrtsempfänger und sonstigen Unterstützungsberechtigten haben sich die Gemeinden veranlaßt gesehen, Notküchen einzurichten, um das unerträgliche Los dieser Bevölkerungskreise für den kommenden Winter zu erleichtern. In dankenswerter Weise haben sich vielfach die Lieferanten in den Gemeinden berctt erklärt, diese Maßnahmen zu unterstützen, indem sie alle Waren, die in der Notküche Verwendung finden, zum Selbstkostenpreise liefern. Um den Hilfsbedürftigen das Essen so billig wie nur irgend möglich liefern zu können, hat jetzt der Reichsstädtebund den Reichsfinanzminister in einer Eingabe gebeten, die Finanzämter anzuweisen, die Einnahmen der Lieferanten für Lieferungen an Notküchen der Gemeinden oder der freien Wohlfahrtspflege von der Umsatzsteuer zu befreien. Schnellgericht in Kiel. Das erste Schnellgerichtsverfahren gegen die meuternden Matrosen. — Kiel, 23. Okt. Am Donnerstag begann vor dem Schnellgericht im Holtenauer Lotsenhaus das Verfahren gegen die deutschen Seeleute, die während des Aufenthaltes in russischen Häfen einen wilden Streik durchgeführt hatten. Die angeklagten fünf meuternden Heizer des Hamburger Dampfers„Asta“ wurden auf Grund des § 101 der Seemannsordnung(gemeinsame Verweigerung des Gehorsams) zu je zwei Monaten Gefängnis und Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Der Haftbefehl wurde aufrecht erhalten, weil besonders im Hinblick auf eine mögliche russische Unterstützung Fluchtverdacht vorliege. Frankreichs Gold in Mitteleuropa. 60 Millionen=Schilling=Kredit für Österreich. — Wien, 22. Oktober. Auf Grund der vom Minister a. D. Juch in Paris geführten Verhandlungen hat sich die Bank von Frankreich bereit erklärt, der österreichischen Nationalbank über die..Z. einen Kredit von 60 Millionen Schilling in Devisen zur Verfügung zu stellen. 3 Toke in einem Stickstoffwerk. — Trostberg, 23. Oktober. Bei den Bayerischen Stickstoffwerken wurde ein Fabrikarbeiter, der in einen eisernen Kalkbunker stieg, von den Gasen betäubt, ebenso ein nachfolgender Meister und ein weiterer Fabrikarbeiter. Die mit Sauerstoffapparaten arbeitenden Rettungsmannschaften konnten wohl die drei sofort an die Luft bringen, doch waren alle Wiederbelebungsversuche erfolglos. Verschiedenes. „Um die Seele des deutschen Volkes.“ Der Westfälische Kampfbund, der sich die Neugewinnung der Männerwelt für das Evangelium und die Kirche zur Aufgabe gemacht hat, veranstaltet am 8. November in Gelsenkirchen seine diesjährige Kampfbundtagung. Die Tagung beginnt mit einem Festgottesdienst in der Altstadtkirche. Am Nachmittag spricht Generalsuperintendent i. R. O. Zöllner, Düsseldorf=Oberkassel, über das Thema:„Die Kirche im Ringen um die Seele des deutschen Volkes“. Hindenburg in der holländischen Presse. In der holländischen Presse hat es besondere Beachtung gefünden, daß, wer Hindenburg in Berlin sehen will, ihn am sichersten in der Kirche finden kann. Aus einem deutschen Blatt werden die Worte wiederholt, ob die protestantische Christenheit sich dessen bewußt sei, was es bedeutet, daß ein gläubiger protestantischer Christ an der Spitze von Deutschland steht, der Sonntag für Sonntag sein Herz der Wortverkündigung öffnet und sich in seinem Tun und Lassen vor Gott verantwortlich weiß. * Das Tier in der Mode. Durch die Presse ging ein Aufruf der Tierschutzfreunde, in dem auf die von der neuen Mode eingeführte Verwendung von Vogelfedern für Damenhüte und auf die damit verbundenen Gefahren für viele Vogelarten hingewiesen wurde. Es wird allerdings stimmen, daß ein großer Teil der heute verwendeten Federn nicht von teuren und seltenen Vögeln stammt, sondern von Hühnern, Gänsen usw. Schon die schwache Kaufkraft des Publikums zwingt zu diesen billigeren Federn. Trotzdem dürfte der Vorschlag der Zeitschrift„Ethik“ noch viel mehr beachtet werden, wo es heißt:„Die große Mode des Pelzetragens, unter deren Einfluß sich heute jeder Portokassenverwalter und jede Barmaid mit ein paar Tierfellen behängen muß, würde bald im Sande verlaufen, wenn Frau Geheimrat K. in Frankfurt a.., die große Schauspielerin Y. in Berlin und die ehemalige Fürstin von Z. in Schlesien erklären würden: Wahre Vornehmheit trägt heutzutage nichts mehr vom lebendigen Tiere. Man glaubt gar nicht, wie einfach es ist, solche Massenhypnose zu wecken, und es ist gar nicht nötig, eine Fürstin oder Prinzessin zu sein, sondern es genügt, wenn jeder, der in seinem kleinen Kreise nur ein wenig„etwas gilt“, dem praktischen Tierschutz das Wort redet.„Auch das ist ein Stück Menschenerziehung und Veredlung des Verhältnisses des Menschen zum Tier.“ * Tabakgegnerbund. Die 10. ordentliche Hauptversammlung des Bundes deutscher Tabakgegner wurde am 4. Oktober in Leipzig abgehalten. Am Abend vorher sprachen Oberarzt Dr. Fritz Lickint aus Chemnitz und Forstmeister Johannes Müller aus Jena in öffentl. Vorträgen über die Gesundheitsschädigungen durch Tabakgenuß, bezw. über Tabak und Volkswirtschaft. Beide Vorträge enthielten zahlreiche wenig bekannte Tatsachen, die gegen den Tabakgebrauch sprechen. In der Hauptversammlung erstattete der 2. Vorsitzende, Zeichenlehrer Richard Bretschneider aus Dresden, den Hauptbericht, in dem er besonders die Beteiligung des Bundes an der Intern. HygieneAusstellung und die neugeschaffenen Beratungsstellen für Tabakkranke hervorhob. Als 1. Vorsitzender wurde nach dem Rücktritt von Medizinalrat Dr. Boehncke, den man zum Ehrenmitglied ernannte, Oberarzt Dr. Fritz Lickint am Küchwald=Krankenhaus in Chemnitz gewählt. Die Bundesgeschäftsstelle und der Verlag des Bundesblattes Deutscher Tabakgegner bleiben in Dresden=Leubnitz. Dem zur Beschlußfassung vorliegenden Entwurf eines Aufgabenplanes für den Bund stimmte man zu. Er enthält als wichtigstes Ziel die Heranziehung einer tabakenthaltsamen Jugend durch Aufklärung über die Tabakgefahr in allen Schulen und ein Rauchverbot bis zum 18. Lebensjahre. Eltern, Lehrer, Geistliche, Jugendfürsorger und Aerzte sollen durch das Beispiel einer tabakfreien Lebensweise besondere Mithilfe leisten. Die Tagung schloß Sonntag abend mit einem öffentlichen Lichtbildervortrage von Oberlehrer Heinicke aus Dresden:„Was jedermann vom Tabak wissen sollte.“ Frachtfreie Beförderung von Liebesgaben für die Winterhilfe der freien Wohlfahrtspflege. Die Deutsche Reichsbahn hat die ab 20. 9. 1931 geltenden Bestimmungen bekanntgegeben, nach denen die frachtfreie Beförderung von Liebesgabensendungen für die Winterhilfe der freien Wohlfahrtspflege erfolgt. Als Liebesgaben gelten Lebensmittel(auch Brotgetreide), Kleidungs= und Wäschestücke, sowie Heizmaterialien(einschließlich Brennholz und Brenntorf), die von folgenden gemeinnützigen Gesellschaften(Spitzenverbänden) mit je ihren Orts=, Landes= und Provinzial=(Diözesen=) Vertretungen beschafft oder gesammelt und von ihnen unentgeltlich an Arme, Notleidende oder Bedürftige zum unmittelbaren Gebrauch abgegeben werden: 1. Deutsche Liga der fr. Wohlfahrtspflege, Berlin N24, Oranienburger Straße 13/14; 2. Zentralausschuß für Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche, BerlinDahlem, Zietenstraße 24; 3. Deutscher Caritasverband e.., Hauptvertretung Berlin N 24, Oranienburger Straße 13/14; 4. Zentral=Wohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin=Charlottenburg 2, Kantstr. 158 v. II; 5. Deutsches Rotes Kreuz, Berlin W 10, Corneliusstr. 4 B; 6. Fünfter Wohlfahrtsverband, Berlin N 24, Oranienburger Straße 13/14; 7. Christliche Arbeiterhilfe e.., Berlin=Wilmersdorf, Kaiserallee 25. Heizmateralien werden jedoch nur in den Mengen, wie sie vom Produzenten geschenkt und als Wagenladungen vom Produktionsplatz, der Grube usw. nach dem Verteilungsort aufgeliefert werden, als Liebesgaben angesehen. Diese Liebesgabensendungen werden bei Aufgabe als Frachtgut frachtfrei befördert. Weitere Einzelheiten können aus den im Buchhandel (Verlag Julius Springer, Berlin W 9, Linkstraße 23/24) käuflich zu beziehenden ausführlichen Bestimmungen ersehen werden. Wir möchten besonders darauf aufmerksam machen, daß hiernach Anträge von Einzelpersonen auf frachtfreie Beförderung von Liebesgaben, verbilligten Lebensmitteln oder Brennstoffen, die für sie oder andere Einzelempfänger bestimmt sind, von den Reichsbahndirektionen abgelehnt werden müssen. Berichtigung. In der gestrigen Todesanzeige ist leider ein bedauerlicher Druckfehler entstanden. Es muß nicht Heinrich, sondern August Diestelkamp heißen. Kirchennachrichten für Zion. Sonntag, den 25. Oktober 1931. 21. S. n. Trin. Vorm. 8½ Uhr: Pastor Ungerer. Vorm. 9 Uhr: Pastor Merz. Anschließend Beichte und Abendmahl. Vorm. 10 Uhr: Pastor Tegtmeyer. Vorm. 11½ Uhr: Kindergottesdienst.— Montag 20¼ Uhr: Gosen, Gemeindebibelstunde.— Donnerstag 19½ Uhr: Sup. D. Simon. Kirchennachrichten für Schildesche. Sonntag, den 25. Oktober 1931, 10 Uhr vorm.: Gottesdienst, Pastor Hopmann. 1½ Uhr nachm.: Kindergottesdienst. — Dienstag, den 27. Oktober 1931, 8 Uhr abends: Bibelstunde im Hellingskamp.— Mittwoch, den 28. Oktober 1931, 8 Uhr abends: Bibelstunde im Gemeindehause. Bethel. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Freitag, 8¼ Uhr Bibelstunde in Gosen über Jesaia 22 und 23(San.=Rat Dr. Blümcke). Sonntag nachmittag 3 Uhr Teilnahme an der Kreiskonferenz im Igl.=Saal des Assapheums. Tagesordnung am schwarzen Brett in Gosen. Gemeinsames Kaffeetrinken(30 Pfennig). Christl. Verein junger Mädchen. Sonnabend 8 Uhr: Zusammenkunft der Gruppenmütter und Werkscharleser im Altstädter Gemeindehaus, Grünstraße. Wir gehen um 20 Minuten vor 8 Uhr von meiner Wohnung. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Kreiskonferenz für Gruppenmütter und ältere Mitglieder im Johannisgemeindehaus. Sonntag abend 8 Uhr: Wiederholung des Volksliederabends im Assapheum. — Ein Päckchen Damenunterkleider gefunden. Näheres Telefonamt. Anzeigen aus Bethel. — Zwei behaglich möblierte Zimmer in sonniger Wohnlage sofort zu vermieten. Am Siek 2 an der Deckertstraße. Schriftleitung: W. Kraa. Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannover 67377,„Aufwärts“, Christliches Tageblatt Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3919. Amt Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. K Ein vierseitiges Flugblatt zum Crost und Nachdenken für den Cotensonntag, eine Handreichung für alle die, die an diesem Tage an schwere und ernste Stunden erinnert werden. Das Blatt ist geschmückt mit Bildern von Rudolf Schäfer, Bruno Zwiener und anderen und ist zu beziehen durch den Blätterverlag der Anstalt Bethel Abteilung„Herz und Haus“, Bethel bei Bielefeld Postscheck: Hannover 7382 Das Stück kostet 2 Pfg. Don 100 St. an Ermäßigung. Probenummer kostenlos. Heidschnuckenlammfleisch Postpaket ½ Braten, ½ Kochfleisch.50 Mk. einschl. Porto und Verpackung gibt ab die Arbeiter-Kolonie, Freistatt, Kr. Sulingen(Prov. Hannover) emm Suche sehr zuverlässiges junges Mädchen die gut kochen kann und Hausarbeit mit übernimmt. P. Burkhardt, Gelsenkirchen, Leithestr. 16. Mein echter Tilsiter volllettkäse mit 48/32% Fett I. T. kostet ab heute nur RM .90 pro Pid. Versend erfolgt nur in Postkollis unt. Nechn., Porto u. Verpackung frei. Friedrich Stotzka Dampfmolkerei Jedwillelten. Post Motzweihen. Tilsiter Niederung. 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Und die Züge dieses Bildes heben sich immer heller und lichter ab vor den düsteren Zügen des rücksichtslosesten Vertreters jenes auch bis in unsere Tage wirkenden französischen Imperialismus, Napoleons I. Man vergleiche die eisige Kälte des„Bändigers der französischen Revolution“ von den Tagen in Fontainebleau an bis zu der Zeit, wo er nicht nur die Söhne der unterjochten Länder auf die Eisgefilde Rußlands führte, sondern auch die eigenen Landeskinder und Untertanen, mit den mannigfachen Aeußerungen schmerzlichen Bedauerns Friedrichs II. über schwere Verluste seiner braven Leute, Aeußerungen, wie sie niemals über die Lippen Napoleons gekommen sind. Wie war es dem alten Fritz darum zu tun, nach dem Siebenjährigen Kriege die Wunden zu heilen, die dieser endlose Kampf dem alten Fritz darum zu tun, nach dem Siebenjährigen licher Weise der Malerpinsel A. v. Menzels auf der Leinwand festgehalten hat in dem Bilde: König Friedrich auf Reisen. Da drängen sich die Landleute und Bürger mit dem Ausdruck rührender Dankbarkeit an ihren besorgten Landesvater heran, der sichtlich ergriffen ihren Händedruck hinnimmt und erwidert. Bekanntlich hat es keinen begeisterteren und historischgetreueren Ausleger fridericianischer Gedanken gegeben, als den Schotten Thomas Carlyle, dessen Lebensbild Friedrichs des Großen wir auch, in möglichst chronologischer Reihenfolge, die nachfolgenden Aussprüche des „Philosophen von Sanssouci“ entnehmen: Die auch von Herrn Konrektor Herold in seinem Aufwärtsartikel:„Ist der Alte Fritz ein wahrer evangelischer Christ gewesen?“ hervorgehobene Ehrlichkeit des Königs, damals im Hinweis auf die Schwachheit seines Glaubens, zeigt sich in einem nachmaligen Rückblick des Königs auf eine Niederlage in einem der beiden ersten schlesischen Kriege gegenüber dem österreichischen General Traun, vor allem in der respektvollen Beurteilung seines Feindes, wenn er von ihm sagt:„Kein General hat mehr Fehler in diesem Feldzug begangen, als der König(Friedrich II. selbst). Das Benehmen des Herrn von Traun ist ein Muster der Vollkommenheit, das jeder Soldat, der sein Metier liebt, studieren müßte, um es nachzuahmen, wenn er das Talent dazu besitzt. Der König hat selbst eingestanden, daß er diesen Feldzug als seine Schule in der Kriegskunst ansehe und General von Traun als seinen Lehrer.“ Allerdings hat es gewisser Mißgeschicke bedurft, um den jungen Monarchen von allzugroßem Selbstbewußtsein zu kurieren. Der ihm befreundete Franzose Valori sagt nach einer Reihe von Mißgeschicken von Friedrich, er sei durch dieselben sehr verändert, und zwar zu seinem Vorteil. Alle Welt bemerkte es, sagt Valori. Verschwunden sei jene kurz angebundene Unfehlbarkeit in seinem Benehmen, jenes stolze leichte Wesen, jene höflich geringschätzige Meinung von Valori und der Menschheit: er bedürfe der Menschen nun. Er klage(trotz schwierigster Umstände) über nichts, sei heiter, spaßhaft;— eifrig bestrebt,„die Scharten auszuwetzen“, wie unser Sprichwort sagt; er erscheine milder, menschlicher; es sei etwas von Bescheidenheit, fast von Frömmigkeit in seinem Wesen. Steh mir bei, du Allmacht, Schöpfer der Menschen, wenn mein Wollen mannhaft ist! Wenn er auch nichts auf vierzigstündige Gebete gibt und sich nicht an den hl. Veit und dergleichen Kanäle wendet. Von Friedrichs Seelengröße im Anblick unausweichbarer Schicksalsschläge zeugt ein Brief an Podewils vom 17. April 1745, als er sich rings von Feinden umgeben sieht, die keinen Frieden mit ihm machen wollen:„... Ich arbeite Tag und Nacht, um unsere Lage zu verbessern. Die Soldaten werden ihre Pflicht tun; es ist keiner unter uns, der sich nicht lieber das Rückgrat brechen ließe, als einen Fußbreit Erde aufzugeben. Man muß uns einen guten Frieden gewähren, oder wir werden uns durch Wunder der Kühnheit übertreffen und die Feinde durch Ueberlegenheit zwingen, daß sie unsere Freundschaft suchen.“ Wenn sich unsere heutigen Erfüllungspolitiker jeder Färbung doch einmal diesen Weisheitssatz merken möchten, daß man dem Feind nie durch Nachgiebigkeit imponiert, sondern stets durch Unerschrockenheit und Kühnheit! Auch der Erfolg findet Friedrich nicht übermütig. Nach dem Sieg bei Hohenfriedberg 1745 heißt es von ihm: Friedrich, als er Valori zu Gesicht bekam, umarmt seinen dicken Valori; sagt mit einer frommen Rührung in Stimme und Blick:„Mein Freund, Gott hat mir diesen Tag wunderbar beigestanden!“ Eine Art von gottesfürchtigem Gefühl sprach wirklich aus ihm, meint Valori: „Eine wunderbare Mischung von guten und schlimmen Eigenschaften ist dieser Fürst; ich weiß niemals, welche überwiegt.“. Carlyle setzt mit ironischem Seitenblick auf den Franzosen hinzu:„Wie das fetten Valoris gewöhnlich ergeht, wenn sie in solche Gesellschaft kommen.“ Am Anfang des Siebenjährigen Krieges, nach seinem Einfall in Sachsen, durch den er die Einkreisungsversuche des Grafen Kaunitz, der bekanntlich der Vorgänger des Einkreisers Eduard VII. von England vor dem Weltkrieg war, erläßt der König eine„Geheime Instruktion für den Grafen von Finck“, seinen Kabinettsminister:„Wenn es sich fügen sollte, daß eine meiner Armeen in Sachsen total geschlagen würde; oder daß die Franzosen die Hannoveraner aus ihrem Lande jagten“(was sie nicht verfehlten zu tun)„und sich dort festsetzten, und uns mit einem Einfall in die Altmark bedrohten; oder daß die Russen durch die Neumark drängten— muß man die Königl. Familie retten.. Sollte ich getötet werden, so müssen die öffentlichen Geschäfte ohne die geringste Veränderung, und ohne daß man merke, daß sie in anderen Händen seien, ihren Gang fortgehen Sollte mir die Fatalität widerfahren, von dem Feinde zum Gefangenen gemacht zu werden, so verbiete ich, daß man die mindeste Rücksicht auf meine Person nehme, oder sich im geringsten an das kehre, was ich etwa aus meiner Gefangenschaft schreiben sollte. Wenn mir ein solches Unglück begegnet, will ich mich dem Staate opfern, und man muß meinem Bruder gehorchen— welcher, so wie alle meine Minister und Generäle, mir mit Empor. Ein glaubensloses Volk ist ohn' Erbarmen Dem Untergang geweiht, das ist gewiß. Was nicht nach oben strebt, das muß verarmen, Es stirbt unweigerlich am Schlangenbiß. Nicht glitzernd' Gold kann je uns aufwärts führen, Es strammt den Nerv des Lebens nimmermehr. Den Haß der Völker kann es nur noch schüren, Der sich im Kampf entladet hart und schwer. Das Blut verbindet und schafft Volkstum wieder, Und Stammesart reckt wie die Eiche sich. Wir fühlen's, neue Kraft strömt auf uns nieder, Wenn wir als Volk uns fühlen, du und ich. Und ist die Kraft verankert in dem Blute, Das einstmals floß für uns auf Golgatha, Ringt unser Herz sich durch zum Glaubensmute, Dann ist der frohe Aufstieg greifbar nah. Drum hör, mein Volk, ergreif das ew'ge Leben, Die Hand des Herrn führt dich durch Nacht zum Licht. Aus Gnaden wirst du einst dein Haupt erheben, Wenn du geläutert bist in dem Gericht. Hützen. ihren Köpfen dafür haften, daß keine Provinz noch Lösegeld angeboten werde für mich, sondern daß man mit dem Kriege fortfahre und seinen Vorteil betreibe, wie wenn ich niemals in der Welt existiert hätte.“ Es ist bemerkenswert, daß dieser große Mann sich nicht für unersetzbar gehalten hat, obgleich er es, nach menschlichem Ermessen, in der Tat damals war. Man vergleiche damit das Kleben an Ministersesseln, was auch heute noch vorkommen soll. Nach der Schlacht bei Kolin. Von Friedrichs Nachtgedanken in Nimburg, wie er schlief und was er träumte, sagt Carlyle, haben wir keine Nachricht. Selten ist ein müdes Herz unter solchen Umständen in Vergessenheit gesunken. Auf dem Wege vom Ort seiner Niederlage bei Kolin soll er, wie berichtet wird, zu dem jungen Grafen von Anhalt gesagt haben:„Wissen Sie denn nicht, daß jeder Mensch seine Schicksalsschläge haben muß? Es scheint, daß ich die meinigen erhalten werde.“ Ein alter Dragoner erquickte ihn durch einen Trunk frischen Wassers aus seinem Dragonerhut, noch mehr durch den Zuspruch: „Nun, die Kaiserin kann ja wohl auch einmal eine Schlacht gewinnen, davon wird uns der Teufel nicht holen!“— Worte rauhen Trostes, die gut aufgenommen wurden. Nicht lange nach jenem Schicksalsschlag, am 2. Juli 1757, traf Friedrich die Nachricht vom Tode seiner Mutter: Der König zog sich in die Einsamkeit zurück, um zu weinen und zu trauern über diesen neuen herben Kummer, der zu so vielen anderen Bekümmernissen noch hinzukam. Ein Brief, den Friedrich 8 Wochen nachher an seine Schwester Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, schreibt, zeigt, wie niedergedrückt seine Stimmung dazumal war, aber auch, wie mutig erddem Schicksal die Stirne bot: 17. Sept. 1757:„Seit meinem letzten Briefe haben sich meine Mißgeschicke nur immer mehr angehäuft. Es scheint, als wolle das Geschick seine ganze Wut und seinen ganzen Zorn auf den armen Staat ausgießen, den ich zu regieren habe. Ich bin fest entschlossen, mich auf jede Gefahr hin auf dasjenige Korps des Feindes zu werfen, das mir am nächsten kommt. Ich will Gott noch für seine Barmherzigkeit danken, wenn er mir die Gnade gewährt, mit dem Degen in der Hand zu sterben. Sollte mir diese Hoffnung fehlschlagen, so werden Sie zugeben, daß es zu hart wäre, einer Versammlung von Verrätern zu Füßen zu kriechen, denen gelungene Verbrechen den Vorteil verschafft haben, mir das Gesetz vorzuschreiben... Nein, meine teure Schwester, Sie denken zu edel, um mir solchen feigen Rat zu geben. Sollte die Freiheit, dies kostbare Vorrecht, Fürsten im achtzehnten Jahrhundert weniger teuer sein, als sie ehedem Roms Patriziern war? Und wo wird gesagt, daß Brutus und Cato mehr Seelengröße haben sollten, als Fürsten und Könige? Festigkeit besteht im Widerstand gegen Unglück; nur Feige beugen sich dem Joch, tragen geduldig ihre Ketten und ertragen Unterdrückung mit Ruhe. Niemals, meine teure Schwester, könnte ich mich zu solchem Schimpf entschließen. Wäre ich nur meiner eigenen Neigung gefolgt, so würde ich gleich nach jeder unglücklicher Schlacht, die ich verlor, ein Ende mit mir gemacht haben. Aber ich fühlte, daß das Schwäche wäre, und daß es mir gezieme, das Uebel wieder gut zu machen, das sich ereignet hatte. Meine Anhänglichkeit an den Staat erwachte; ich sagte mir: nicht im Glück ist es selten, Verteidiger zu finden, sondern im Unglück... Wie ein antiker Held steht hier Fridericus vor uns! Man vergleiche damit Voltaires erbärmlichen Abmahnungsbrief, es nicht zum Aeußersten kommen zu lassen:„daß man den Römertod heutzutage nicht von dem Philosophen erwarte; daß Ew. Majestät schlimmstenfalls noch ansehnliche Staaten übrig behalten werden usw. Und Friedrichs Antwort: „Ja, wäre ich Voltaire und ein Privatmann, ich könnte, mit dem Notwendigen mich begnügend, Fortunas Sprüngen ruhig zusehen und zu ihren Purzelbäumen lachen. Ich kenne der Ehren Langeweile, die Last der Pflichten, das Geschwätz der Schmeichler, die Jämmerlichkeiten jeder Art und all die erbärmlichen Kleinigkeiten, mit denen der Hochgestellte sich befassen muß... Nein, die flatterhafte Glücksgöttin hat mir nie Sorgen gemacht. Ob sie mir lächle oder grolle, ich werde allnächtlich ruhig schlafen. Aber unsere Stellung schreibt uns unser Gesetz vor, sie verpflichtet uns, sie nötigt uns, unsere Empfindungen in Einklang zu bringen mit den Forderungen unseres Amtes. Voltaire in seiner Eremitage... kann in Frieden einem Philosophendasein nach Platons Lehre leben. Aber ich, vom Schiffbruche bedroht, muß dem Sturm trotzend als König leben, denken und sterben.“ Es wird meistens zu wenig beachtet, daß Friedrich in dem Jahre seiner Niederlage bei Colin, noch dazu, obgleich die Alliierten auch in Westfalen und Hannover versagt hatten, seine größten Siege erfochten hat, nämlich bei Roßbach und bei Leuthen. In der Tat ein Zeichen von Elastizität ohne Beispiel. Die Rede Friedrichs an seine Generäle bei Leuthen ist zu bekannt, um sie hier zu wiederholen. Sie endete bekanntlich in dem inhaltsschweren Satz:„Ich muß diesen Schritt wagen, oder es ist alles verloren; wir müssen den (zweimal stärkeren) Feind schlagen, oder uns alle von seinen Batterien begraben lassen. So denke ich,— so werde ich handeln.“ Und nun Friedrichs Zwiegespräch mit seinen Soloaten:„Nun Kinder, wie wird's morgen aussehen? Der Feind ist noch einmal so stark, wie wir.“— Antwort:„Das laß du nur gut sein; es sind doch keine Pommern darunter; du weißt ja wohl, was die können!“ — Friedrich:„Ja freilich weiß ich das, sonst könnte ich die Bataille nicht liefern wollen. Nun schlaft wohl; morgen haben wir also den Feind geschlagen oder wir sind alle tot.“ Und derselbe Kriegsheros zieht hernach als Friedensengel durchs Land um die Wunden zu heilen, die der endlose Krieg seinen Untertanen geschlagen hat. „Die Schnelligkeit, mit der Preußen sich erholte", schreibt Carlyle,„war außerordentlich. Nach wenig mehr als einem Jahr(1. Juni 1764) waren die Münzangelegenheiten wieder in Ordnung; 1765 hatte der König— anderer Dinge gar nicht zu erwähnen!— in Schlesien 8000, in Pommern 6500 Häuser gebaut.“ Heute sind die Dinge allerdings unendlich komplizierter, als dazumal. Aber einen Fridericus hätten wir heute noch nötiger, als damals nach dem Siebenjährigen Kriege und seinen Folgen. Preußen=Befreiung. (Erinnerung an General Yorck von Wartenburg.) Am 8. August starb in der Ansbacherstraße in Berlin Ernst Graf Yorck von Wartenburg, ein Urenkel jenes Hauses von Yorck, den man wohl mit Recht als den Mann bezeichnen darf, der die Befreiung Preußens vorbereitete und mit durchführen half. Die Erinnerungen an diesen ostpreußischen Helden wieder aufzufrischen, bedeutet vielleicht in dieser schweren, fast möchte man sagen, hoffnungslosen Zeit für uns alle eine Stärkung des Glaubens an die Zukunft des Deutschen Volkes. Die Lage Preußens in der damaligen Zeit war ungefähr so trostlos wie heute, nur mit dem Unterschied, daß damals große Männer es fertig brachten, das ganze Volk auf den einen Gedanken und auf das eine Ziel einzustellen: Preußens Befreiung von dem französischen Joch. Als Napoleon im Jahre 1812 glaubte, mit einem unaufhaltbaren Siegeszug nach Moskau das russische Reich besiegt zu haben, wurde gerade dieser Feldzug ihm zum Verhängnis. Seine besten Soldaten wurden ein Opfer des russischen Winters, und nur mit wenigen Tausend erreichte er, von den Russen verfolgt, die preußische Grenze. Um diese Zeit sagte bei einem Siegesmahl in Petersburg die stolze Zarin=Mutter, eine geborene Prinzessin von Württemberg:„Wenn jetzt noch ein französischer Soldat durch die deutschen Gaue entrinnt, werde ich mich schämen, eine Deutsche zu sein.“ Da erhob sich Freiherr vom Stein und sagte, blaß vor Zorn:„Ew. Majestät haben sehr unrecht, solches hier auszusprechen, und zwar über ein so großes, treues und tapferes Volk, welchem anzugehören Sie das Glück haben. Sie hätten sagen sollen: nicht des Deutschen Volkes schäme ich mich, sondern meiner Herren Brüder, Vettern und Genossen, der deutschen Fürsten. Hätten die deutschen Fürsten ihre Schuldigkeit getan, nimmermehr wäre ein Franzos über die Elbe, Oder und Weichsel gekommen!“. Die Kaiserin nahm diese Belehrung dankend an. Stein hatte recht. Wäre es nach dem Willen der deutschen Fürsten gegangen, wäre auch jetzt Napoleon mit dem Rest seines Heeres unbehelligt geblieben. Trotz aller erhaltenen Lehren trieben die deutschen Fürsten wieder ihr altes Spiel der Eigenbrödelei und Vertretung eigener Interessen. Anders dachte das Volk und einzelne Führer, die nunmehr die Stunde für gekommen hielten, Napoleons Macht endgültig zu brechen. Zu diesen Männern gehörte General Yorck und das ganze ostpreußische Volk. Obwohl durch den Befehl seines Königs verpflichtet, mit seinen Truppen an Napoleons Seite gegen die Russen zu kämpfen, sagte er sich, daß der richtige Augenblick zur Erhebung des Volkes gegen den französischen Tyrannen gekommen sei. General Yorck wagte eine Tat, die den Stein ins Rollen brachte, sich zu einer großen Bewegung auswuchs, welche den welschen Koloß zertrümmern sollte. General Yorck war ein echter, alter Preuße von altem Schrot und Korn, ein Charakter, zäh und fest wie Eisen und von schneidender Schrofsheit, verbunden mit stählerner Willenskraft und einem stolzen Ehrgeiz. Wenigen Menschen war es so klar wie diesem Yorck, daß man diese große Stunde benutzen müsse, mit den Franzosen zu brechen, um im Bündnis mit Rußland für die Befreiung Preußens zu kämpfen. Aber General Yorck war Soldat. Er wußte, daß er seinem König Gehorsam schuldig war. Folgte er seinem kühlen Verstand, mußte er seinem König den Gehorsam versagen, folgte er seiner Soldatenpflicht, dem König zu gehorchen, dann schien ihm Preußen unrettbar verloren. Yorck kämpfte mit sich, aber auch mit dem König, dem er seine Auffassung über die Lage begreiflich zu machen suchte. Aber Friedrich Wilhelm blieb ein Zauderer, so daß er General Yorck keine bestimmten Weisungen gab. Nun entschloß Yorck sich, eigenmächtig zu handeln. Am 29. Dezember 1812 versammelte er in seinem Hauptquartier zu Tauroggen, unweit der preußischen Grenze, seine Offiziere und sprach mit feierlichem Ernst:„Meine Herren, das französische Heer ist durch Gottes strafende Hand vernichtet; es ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir unsere Selbständigkeit wiedergewinnen können, wenn wir uns nit dem russischen Heere vereinigen. Wer so denkt wie ch, sein Leben für die Freiheit und das Vaterland herzujeben, der schließe sich mir an. Wer das nicht will, der bleibe zurück!“ Da flogen die Säbel aus den Scheiden und mit erhobenen Schwertern riefen alle: Auf Tod und Leben mit Yorck! mit unserem General! alle für einen, einer für alle! Dann sagte Yorck:„Es möge unter göttichem Leistand das Werk der Befreiung des Vaterlandes beginnen und sich vollenden!" Mit Jubel vernahmen es auch die Soldaten. Alle Regimenter glühten vor freudiger Begeisterung. Nur der König in Berlin, beeinflußt von der Franzosen=Partei am Hofe, machte ein böses Gesicht und ließ öffentlich General Yorck seinen Zorn fühlen. Aber Yorck ließ sich nicht beirren. So wie er und seine Soldaten, dachte auch die ostpreußische Bevölkerung. Das war für Yorck ein großer Trost und eine Hilfe. Am 11. Januar traten in Königsberg Abgeordnete der ostpreußischen Stände zusammen und erklärten, das Ihrige tun zu wollen, damit der Untergang des preußischen Namens verhütet werde. Aber die Spitzen der Behörden varen zwar tüchtige und wohlgesinnte Männer, aber nach reußischer Art gewöhnt, nichts ohne Genehmigung des Königs zu tun; und dieser schien ja auf Napoleons Seite bleiben zu wollen. Dieser Unsicherheit machte der frühere preußische Minister und nunmehr Bevollmächtigte des russischen Kaisers, Freiherr vom Stein, ein Ende. Am 22. Januar kam er nach Königsberg mit dem festen Willen, die Volkserhebung der Provinz nötigenfalls auf revolutionärem Wege zu fördern. Fünfhunderttausend Taler wurden von der Kaufmannschaft von Memel, Königsberg ind Elbing zur Unterhaltung der Truppen vorgeschossen. Die Bewegung wuchs und mit lautem Jubel hieß es bei alt und jung: zu den Waffen. Weitere 2000 Mann Landwehr und 10000 Mann Reserven wurden eingereiht und die Volksbewaffnung in einer Verordnung über Landwehr und Landsturm geregelt. So hatten die Vertreter der Provinz Yorcks Tat zu der ihrigen gemacht und ihm auch die Mittel bewilligt. Yorck hatte die Genugtuung, in seinem Bericht an den König auf diese unerhörte Opferwilligkeit des Volkes hinweisen zu können. Aber der König war immer noch unentschlossen und unzufrieden. Wenn ihm auch im Grunde die Begeisterung in Ostpreußen gefiel, so blieb doch sein Aerger über das selbständige Vorgehen in der Provinz und Yorcks Ungehorsam. Von Ostpreußen aus ging die Woge der Begeisterung weiter durch die preußischen Lande. Die großen Heerführer wie Scharnhorst, von Gneisenau und der alte Haudegen von Blücher hatten ihrerseits an dem Wiederaufbau der preußischen Armee hervorragende Leistungen vollbracht, und andere Männer, wie Fichte, Schleiermacher, Arndt und andere mehr, hatten dafür gesorgt, daß das preußische Volk sich der großen Aufgabe einer eigenen Befreiung bewußt wurde. Aber die größte Tat hatte General Yorck vollbracht, über den ein franösischer Schriftsteller urteilte:„Unter allen Menschen der Zeit hat der General Yorck den größten und entscheidendsten Schlag getan. Denn diese Tat rettete Preußen. Und wo bleiben die Männer, die Deutschland wieder frei machen sollen? Sie wären da, wenn es ihnen gelänge, den deutschen Parteihader und=zank zu beseitigen und das Volk dahin zu bringen, daß es anstatt innerer Zwietracht sich auf den starken Willen konzentrierte, durch innere Einigkeit die Freiheit nach außen zu erwirken. W. W. Achter Lehrgang des Deutschen Bundes evangelisch=tirchlicher Liautreuzverbände vom 22. bis 24. 9. 1931 in Neinstedt a. H. Maran—atha!(Unser Herr kommt.) Mit leuchtenden Buchstaben steht dies Wort geschrieben über dem Eingang des Evangelischen Brüderhauses in Neinstedt, jeden Wanderer grüßend, der zu Fuß, mit der Bahn, oder sonstwie von Quedlinburg kommend, seinen Weg ins liebliche Bodetal nimmt. Maran—atha! In den Räumen dieses Hauses durften wir in den Tagen vom 22. bis 24. September mit unserem Lehrgang Einkehr halten zu ernster Arbeit im Dienst des Blauen Kreuzes. Wir kämpfen und beten um die innere Erneuerung und Ernüchterung unseres Volkes. Dort in der Stille des Brüderhauses haben wir uns mit diesen Fragen nach Saat und Ernte auf dem Felde der Rauschtrankerzeugung und des=verbrauchs befaßt und ihre unheimlichen Folgen zu erkennen versucht. Aber nicht nur das. Wir suchten nach neuen Wegen für die alte Arbeit und haben sie gefunden. Wir sahen die alte, über alle anderen Methoden der Alkoholbekämpfung bewährte Arbeitsweise des Blauen Kreuzes in neuem Lichte. Aus dem Erschauten hoben sich zwei Linien deutlich ab: Die beiden durch das angezogene Schriftwort angedeuteten:„Wer auf sein Fleisch säet, wird vom Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist säet, wird vom Geist das ewige Leben ernten.“ Fleischessaat— Verderbensernte; Geistessaat— Ernte des ewigen Lebens. Die Vortragsfolge unseres Lehrgangs weist in ihrer Mannigfaltigkeit dieser beiden Linien ebenfalls auf. Die eine weist uns hin auf die Verderbenssaat:„Trunksucht als Krankheit" und„Trunksucht als Sünde. Trunksucht als Krankheit in dem Sinne, daß diese Krankheit aus und auf dem Boden der Sünde wächst. Auf jeden Fall aber ist Alkoholgenuß Aussaat auf das Fleisch. In den Referaten wurden wir immer wieder auf diese Zusammenhänge hingewiesen. Der uns auf der Straße, in den Familien, Heilstätten für Alkoholkranke, Epileptiker, Schwachsinnige, Geisteskranke u. a. mehr entgegentretende, namenlose Jammer bildet eine erschütternde Illustration zu unserem Schriftwort. Auf Schritt und Tritt begegnen uns diese Folgen der Fleischessaat. Wohin wir schauen, überall sehen wir das Wirken der Kräfte des Fleisches von unten her. Diese Kräfte werden mit dem Genuß des Rauschtranks eingesogen, das Wesen von unten her überwuchert und die Menschen sind gebunden in diesem Wesen. Wir können nicht mehr, wie wir wollen, wir müssen, wie wir nicht wollen. Wir können nicht mehr weiter auf dem Wege zu Gott hin, sondern bleiben hängen in der Gebundenheit des Fleisches. Wir können uns nicht mehr hindurchringen zum Gottesmenschen und versinken in der Nacht des Todes. Aus dieser Gebundenheit heraus ergeben sich dann auch die mancherlei Schwierigkeiten in der Arbeit, wie sie uns begegnen im täglichen Kampf im Vereinsleben und mit dem Trinker. Wenn diese Behauptungen wirklich noch der Beweise bedürften, dann sind diese im Rahmen der gehaltenen Vorträge hinreichend geboten worden. Geistige Getränke nennen wir die Rauschgetränke in ihrer mannigfachsten Gestalt, weil ihre erste Wirkung eine geistige ist. Auf dem schnellsten Wege eilen sie zu den entferntesten, feinsten Nervenenden und besetzen, gleich einer revolutionären Kampftruppe das Schaltwerk der Fernsprechzentrale. So bekommen sie den Meldedienst in ihre Gewalt, fälschen und verwirren ihn. Die Verbindungen mit der Innenwelt, der Welt des Geistes, werden eingeschränkt, dahingegen die Verbindungen mit der Umwelt vermehrt und verstärkt. Die von höchster Stelle aus gegebenen Befehle werden aufgehalten, um= und irregeleitet. M. a..: Die Anregungen vom Sinnlichen her gehen ungehindert durch. Die Geistesrichtung nimmt die umgekehrte und darum verkehrte Richtung nach unten hin. Das innere Gleichgewicht geht verloren. Wir verlieren die Verbindung mit der Welt des Geistigen und Geistlichen, d. h. Ewigen, die niederen Triebe regen sich und das Ungeheuer, die böse Lust, regt sich und treibt sein Unwesen im Menschen. Die Seele des Menschen wandelt sich der Tierfeele zu. Die wird, selber eine Gefangene, grausam, feige, verlogen, niedrig und gemein. Sie neigt der Erde zu. Das Geistesauge wird trübe, das innere Ohr wird dick und taub, die Zugangspforten zu Gott hin werden verschlossen. Die natürlichen Sinne gewinnen die Herrschaft; die Welt der Ewigkeit rückt in nebelhafte Fernen; die Stimme des Gewissens verhallt in weiter Ferne. Das Wort Gottes wird unwirksam; das Gebet machtlos und kraftlos.— Fleischessaat! Dieser Zustand aber kann verhängnisvoll werden für eine ganze Familie, für ein ganzes Volk. Die Keimzellen des Lebens werden verdorben. Durch die Rauschtrankzeugung wird die Entartung von einem Geschlecht auf das andere übertragen. Mit diesem allen aber geht auch die Zerstörung des eigenen Lebens Hand in Hand: Schlaganfälle, Aderverkalkung, Lebensverkürzung, Familienund Geschlechtsverödung. Auf das Ganze gesehen heißt das: Ein ganzes Volk nimmt Schaden an Leib und Seele. Die Frage:„Warum gibt es so viele unglückliche Menschen?“ findet hier ihre furchtbare Beantwortung. Der Arzt sagt uns, daß von 1000 Frauen durchschnittlich 700 unterleibsleidend sind. Im Hintergrund dieser Not steht die Unsittlichkeit und in ihrem Gefolge die Geschlechtskrankheiten. Geschlechtskrank aber wird der Mensch weder im völlig nüchternen, noch im völlig betrunhenen Zustand, sondern im Stadium des Angeheitertseins. Und nun reihen sich die Folgen der bösen Tat aneinander: zerstörte und zerfressene Ehen, rückenmark= und gehirnkranke Männer, Geisteskrankheiten, angesteckte, mit frühem Siechtum behaftete Kinder. Blinde, Blöde, Geistesschwache, die ihr Elend oftmals den feucht=fröhlich verlebten Stunden ihrer Erzeuger verdanken. Stunden in denen man auf das„Wohl“ und die„Gesundheit“ dieser Familien trank. Die also handelten, waren in vielen Fällen mäßige Trinker, gute Christen, die auf ihre evangelische Freiheit pochten. Sie weisen die Mitschuld an dem Elend unseres Volkes weit von sich und waschen, zur Verantwortung gezogen, ihre Hände in Unschuld. Sie wissen, was sie vertragen können; sie wissen was sie tun. Aber sie wissen nicht und wollen es auch nicht wissen, daß die Reihen der Unmäßigen sich füllen aus den Reihen der Mäßigen. Sie wissen es nicht und wollen es nicht wissen, daß sie mit dafür verantwortlich sind, daß die Quellen des Elends weiter fließen.— Verderbensernte! Die andere Linie aber heißt:„Wer auf den Geist säet, der wird vom Geist das ewige Leben ernten.“ Wir stehn im Kampfe Tag und Nacht! Im Kampf gegen die verheerenden Wirkungen des Rauschtranks um uns, wie im Kampfe gegen die unheimlichen Triebe des Fleisches in uns. Auf die Frage:„Was willst du ernten?“ antworten wir:„Wir wollen das ewige Leben ernten.“ Auf diese ewige Ernte ist unsere Arbeit eingestellt. Darum rufen wir in unseren eigenen Reihen aufs neue auf zum Kampf. Wir rufen auf zur Mitarbeit die Alten wie die Jungen; Männer und Frauen; die Hirten unserer Gemeinden, Diakone und Diakonissen, Jugendführer und=führerinnen. Wir rufen die Glieder der evangelischen Kirche auf zum Kampf gegen diesen Menschenverderber. Wir rufen sie auf zum Kampf im Namen und in der Kraft Jesu Christi: „Mit dir, du starker Heiland, du, muß uns der Sieg gelingen!“ 4 Wir schauen zurück auf mehr als fünfzig Jahre ernster Blaukreuzarbeit. Diese Arbeit war nicht vergebens. Es dämmert das Morgenrot eines neuen Tages, einer neuen Erkenntnis: Der Rausch ist gottwidrig, darum unsittlich und menschenunwürdig. Er erniedrigt und entehrt. Darum sagen wir:„Trunksucht ist Sünde!" Der Geist ist wider das Fleisch. Jesus aber ist Sieger! Das Reich Gottes dringt desto tiefer ein in die Welt, je toller sie sich gebärdet. Mag unsere Zeit noch hin und her schwanken zwischen falscher Lebensbejahung und=verneinung: Die Seele des Menschen dürstet in ihrer Tiefe nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Der Notschrei der Menschenseele dringt an das Ohr Gottes, aber auch an unser Ohr. Wir vernehmen das Seufzen und Stöhnen sterbender und verderbender Menschenseelen. Diese Seele aber soll leben und— sie kann das Leben haben. Christus, das Leben, ist da. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das ewige Leben. Das Leben kann nicht angelernt werden, es will erlebt sein. Ewiges Leben ist Frucht, gewachsen auf dem Geistesacker. Dieses Ackerund Erntefeld Gottes, mit dem Wehen des heiligen Geistes darüber hin und der Geistesfrucht darauf, ist da in der Welt. Es ist das Leben in der Freiheit des Christenmenschen. Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit! Wer zu dieser Freiheit gelangt ist, steht unter keiner Menschensatzung mehr. Er steht nur noch unter dem Gesetz des Geistes und dieses Gesetz ist das Gesetz Christi. Wir sind Menschen der Zeit und Blaukreuzarbeit ist Säemannsarbeit in der gegenwärtigen Zeit. Wir wollen aber nicht nur säen, wir wollen, so der Herr die Aussaat segnen kann, auch ernten. Die Ernte soll heimgebracht werden aus unserer Zeit, aus unserem Volk. Wie zur Zeit des ersten Geistesfrühlings der Kirche Jesu Christi, so sollen auch in der Gegenwart täglich erlöste Menschen hinzugetan werden zu der Gemeinde Jesu, zum Reiche Gottes. Aus der Not der Gegenwart sollen wir Gewinn ziehen; Ernte einbringen aus unserem Volk, daß es wieder gesund werde an Leib, Seele und Geist. Wir dürfen und sollen nicht stehen bleiben auf dem alten Fleck. Mitten unter uns steht der große, barmherzige Samariter mit seinem Ruf:„Mich jammert des Volks!“—„Bringet sie her zu mir!“ Christus steht in diesem Kampf auf unserer Seite. Gegen ihn steht der alte böse Feind, der über gewaltige Mittel, über ungeheure Scharen kampfeslustiger Truppen verfügt: Die Presse, Parlamente, Parteien, Arbeitgeber= und Arbeitnehmerorganisationen. Tausende von Wirten sind seine Sklaven und Hunderttausende von mäßigen und unmäßigen Trinkern sind ihm mit Leib und Seele dienstverpflichtet, geblendet, belogen und betrogen. Im Kampf gegen diesen Feind stehen wir im Auftrage Jesu. Zu diesem Kampf wollen wir uns aufs neue rüsten in seiner Kraft. Zu diesem Wollen hat der Herr reichen Segen gegeben. Dankbar schauen wir auf unseren Lehrgang zurück. Mit neuem Mut, mit neuer Kraft ziehen wir unserem König nach in den Kampf hinein. Die in den Morgenandachten, wie in der Schlußandacht uns mitgegebene Losung läßt sich zusammenfassen in den Vierklang: Freiheit! Geduld! Mut! Glauben! Vor unseren Blicken ausgebreitet liegt das Kampffeld des Blauen Kreuzes. Manchen sahen und sehen wir dort liegen, hilflos, schwerverwundet, an dem wir, wie wir meinten, bisher vergeblich arbeiteten. Da mag in unseren Herzen wohl auch die bange Jüngerfrage auftauchen: „Herr, warum konnten wir ihn nicht austreiben?“ Mit diesen Jüngern wollen wir uns dann auch tief beugen unter die Antwort des Meisters:„Um eures Unglaubens willen.“ Mit dem Vater des kranken und doch gesundgewordenen Knaben aber bitten wir:„Wir glauben, lieber Herr, hilf unserem Unglauben!“ Den Freunden und Mitarbeitern hin und her im Bund, besonders aber den Teilnehmern am Neinstedter Lehrgang herzliche, brüderliche Grüße! Das werden wir einst ernten, was wir hier ausgestreut! Auch das, was wir hier lernten, ist Saat zur Ewigkeit! Veer. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitin: Dr H. Huttel; Anzeigen: K. Diehmann; alls in Betdel.