Weißt, wo es keinen Herrn und keinen Diener gibt? Wo eins dem andern dient, weil eins das andre liebt. Rückert. Reichskanzler Brüning am Scheidewege. Die Kampftage im Reichstag sind vorüber. Das mit ungeheurer Spannung erwartete Resultat ist der Sieg Dr. Brünings. Die Volksvertreter, de an den vier Tagen fast vollzählig im Hause versammelt waren, sind mit ihren Führern, die mit mehr oder weniger Geschick die Entscheidung beeinflußten, in die Heimat zurückgekehrt, teils froh davüber, daß eine Krise vermieden wurde, teils mit dem Vorsatz, den Kampf draußen im Lande gegen das Kabinett Brüning fortzusetzen, bis es gefallen ist. Nachdem uns nunmehr einige Tage von dem kurzen Gastspiel, das sich die Volksboten im Reichstag gaben, trennen, kommen die Stunden stillen Nachdenkens über die Geschehnisse, die unser Volk, aber auch das Ausland in wachsender Spannung hielten. Wenn in den nachfolgenden Zeilen zu den einzelnen Vorgängen Stellung genommen wird, dann sei vorweg bemerkt, daß es nicht Absicht des Artikelschreibers ist, bei Nennung dieser oder jener Partei den Stab darüber zu brechen, sondern das Gesagte hat den Zweck, die Dinge so zu kennzeichnen, wie man sie aus eigener Beobachtung sieht und daraus dann die Schlußfolgerungen zu ziehen, die uns vor dem Untergang bewahren könnten, wenn, wie der Reichskanzler am Freitag in seiner Rede sagte, doch wenigstens für einige Monate vier Fünftel des„Hohen Hauses" alle Parteiinteressen und=Gegensätze beiseitestellen möchten, um den Weg dafür frei zu machen, alle Kräfte gemeinsam einzusetzen, damit die Schwere des kommenden Winters überwunden wird. Aber wie weit sind wir, trotz dieser eindringlichen Mahnung, davon entfernt. Die Rechtsopposition verläßt, nachdem sie Brünings Sturz nicht erreicht hat, den Saal und erklärt, draußen im Lande den Kampf fortsetzen zu wollen. Sozialdemokraten, die soeben noch für das Kabinett Brüning stimmten, und Kommunisten haben infolgedessen es leicht, Anträge gegen Fürstenabfindung und Panzerkreuzerbau durchzudrücken, was auch nicht zur Glättung der Wogen beiträgt und außerdem der Regierung Brüning neue Schwierigkeiten bereitet. Statt Einigung Schaffung neuer Gegensätze! Das ist die Lage, wie sie seit der letzten Schlußabstimmung sich ergibt, während das Volk weiter hungert und immer mehr zusammenbricht. Man möchte fragen, wie so etwas möglich ist bei einem Volke, das zwar seit jeher im Zeichen der Uneinigkeit steht, aber selbst in einer Zeit größter Not sich nicht zusammenfinden kann zu gemeinsamer Abwehr und gemeinsamem Wiederaufbau. Die Antwort kann nur lauten, daß in den letzten Wochen die Verfechtung materieller Interessen und wirtschaftlicher Machtfragen derart in den Vordergrund getreten sind, daß eine Verständigung fast unmöglich erscheint. Seit Jahr und Tag hat die Regierung sich der unpopulären Aufgabe unterzogen, zur Verbilligung der Produktionskosten sich für einen Lohnund Gehaltsabbau bei Arbeitern und Angestellten einzusetzen. Davon ist, wie wir kürzlich im„Aufwärts“ schon nachgewiesen haben, in weitgehendem Maße Gebrauch gemacht worden. Auch die Beamten in Reich, Staat und Kommune mußten wiederholt beachtliche Gehaltsabzüge über sich ergehen lassen. Die Kaufkraft der Arbeitnehmer vermindert sich, was den Warenabsatz merklich beeinträchtigte. Trotzdem forderten die großen Organisationen in Handel und Industrie in einer Eingabe an den eichskanzler nicht nur weiteren Lohnabbau, sondern auch abschaffung des Tarifrechts der Arbeitnehmer. Die Rechtsopposition machte sich auf ihrer Harzburger Tagung diese Forderungen zu eigen und ihre Wortführer im Reichstag griffen Dr. Brüning an, daß er nur von einer lockeren Handhabung des Tarifrechts gesprochen, nicht aber die Aufhebung desselben zugestanden habe. Natürlich hieß es sofort, den Sozialdemokraten zuliebe. Vergißt man denn in diesem Lager, daß es Millionen nicht sozialdemokratischer Arbeiter gibt, die ebenfalls durch ein Tarifrecht ihre wirtschaftlichen Belange schützen wollen? Es ist besonders von der nationalsozialistischen Arbeiterpartei nicht zu verstehen, daß sie führend in einer Front mitwirkt, die solche sozialrückschrittliche Forderungen erhebt. Auch der Führer der Deutschen Volkspartei, Herr Abgeordn. Dingeldey, blies kräftig in dasselbe Horn, so daß Otto Rippel, der Sprecher des Christlich=sozialen Vokksdienstes, recht hatte, wenn er sagte:„Die Rede des Abgeordneten Dingeldey begann mit der Notwendigkeit der Senkung der Löhne und endete mit der Notwendigkeit der Senkung der Löhne"; und wenn er weiter sagte:„Ich habe weder bei Herrn Dingeldey noch bei Dr. Oberfohren eine klare Stellungnahme dazu gehört, in wieweit sie auf die Zwangsbewirtschaftung der Wirtschaft und der Produktion durch die Kartelle, Syndikate und Konzernpolitik der Groß= und Schwerindustrie ihren Einfluß ausüben wollen. Die wirtschaftlichen Fragen müssen durch eine lückenlose Arbeitsgemeinschaft in Ordnung gebracht werden. Wir machen eine Politik, die die Schwachen heranzieht und die Starken laufen läßt, nicht mit.“ Und was ist nun mit dem ganzen sozialreaktionären Vorstoß erreicht? Daß die Gewerkschaften aller Richtungen eine gemeinsame Abwehrfront gebildet haben und eine große Verschärfung der Gegensätze zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Folge ist. Es ist im„Aufwärts“ öfter zum Ausdruck gebracht worden, daß in der heutigen Zeit auch von dem Arbeitnehmer Opfer verlangt werden müssen. Das berechtigt uns nun aber auch zu sagen, daß es so nicht weiter gehen kann. Darum ist es erfreulich und sehr zu begrüßen, daß in Uebereinstimmung Reichspräsident und Reichskanzler einen Wirtschaftsbeirat schaffen, in dem auch die Arbeitnehmer vertreten sind, und der die Aufgabe haben wird, das schon längst erwartete Wirtschaftsprogramm zu schaffen und das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und=nehmer zu regeln. Wir können und dürfen uns den Luxus gegenseitiger Bekämpfung nicht mehr gestatten, sondern Verständigung muß die Parole sein. Diesem Gedanken gab auch der Kanzler Ausdruck mit den Worten:„Ich halte es für unmöglich, einen Weg zu gehen, der uns über diesen schweren Winter hinweghelfen soll, der von vornherein eine scharfe und geschlossene Front gegen die Arbeiterschaft bedeutet. Wer das will, wird binnen ganz kurzer Zeit versagen. Aber hinter diesem Versagen steckt diesmal etwas anderes.“ Darum vertritt Brüning die Linie des Ausgleichs und nicht der Unterdrückung nach der einen oder anderen Seite hin. Daß der Reichskanzler auch in dieser Frage die tatkräftige Unterstützung des Herrn Reichspräsidenten hat, ist bekannt und besonders zu würdigen. Drei Tatsachen müssen noch kurz erörtert werden. Erstens ist es unverständlich, daß die Nationalsozialisten einer Front angehören, die nicht nur sozialreaktionär ist, sondern eine Schutztruppe der Bank= und Börsenfürsten darstellt. In der Agitation lernte man bisher eine andere Stellungnahme kennen. Warum zeigen die Nationalsozialisten, daß sie auch anders können? Oder ist alles nur Taktik, zu dem Zweck, eine Mehrheit gegen Brüning zu bekommen? Darüber tut Klarheit dringend not. Zweitens hat der Absprung der Landvolkpartei nicht nur den Reichskanzler enttäuscht, wie er am Freitag selber sagte, sondern jeden der weiß, daß wir seit dem Kriege keinen Kanzler hatten, der so warm für die Landwirtschaft eingetreten ist schon zu der Zeit, als er noch an sehr exponierter Stelle in der Arbeitnehmerbewegung, also in Kreisen der Konsumenten stand, die ihm, das kann hier bezeugt werden, seine landwirtschaftsfreundliche Stellung oft krumm genommen haben. Bei aller Wertschätzung dieses Berufsstandes muß den Landwirten doch gesagt werden, daß sie nicht allein in Deutschland Not leiden. Man sollte doch anerkennen, daß die christlich=nationalen Arbeitervertreter im Reichstag eine weitgehende Agrarpolitik mitgemacht haben, daß Brüning im Kabinett dem Reichsernährungsminister Dr. Schiele eine starke Stütze war und daß der deutsche Gewerkschaftsbund kürzlich auf seiner großen Ausschußtagung in einer Entschließung von der Regierung eine stärkere Förderung der landwirtschaftlichen Edelproduktion forderte. Die Unterstützung der Rechtsopposition von seiten der Landvolkpartei war ein schlechter Dank an Brüning. Drittens: Unser verehrter Herr Reichspräsident hat bei den Ereignissen in den letzten vierzehn Tagen eine starke Initiative entfaltet. Die in der Verfassung verbrieften Rechte des Reichspräsidenten sind minimal. Er ernennt den Reichskanzler und die Reichsminister, er hat auch ein bescheidenes Vetorecht. Damit hört's so ziemlich auf. Daß Herr von Hindenburg einen Einfluß auf den Gang der Regierungsmaschine hat, wie ihn die Schöpfer der Weimarer Verfassung sich nicht haben träumen lassen; liegt an der ungewöhnlichen Persönlichkeit des gegenwärtigen Reichspräsidenten. Das ist unser Trost in diesen Tagen. Gott möge uns ihn noch lange erhalten. Auch an Brüning wird die Zeitgeschichte nicht spurlos vorübergehen können. Brüning ist mit seinen Aufgaben gewachsen. Das hat uns besonders die letzte Woche gezeigt, die ihm im Reichstag einen starken, in dem Maße nicht erwarteten persönlichen und fachlichen Erfolg brachte. Eine Reihe Parteiführer und Zeitungen zollten ihm unbegrenzte Hochachtung, wie es bisher keinem Reichskanzler der Neuzeit beschert war. Seine tiefe religiöse Einstellung wird selbst in demokratischen Blättern hervorgehoben. Aber der Reichskanzler steht am Scheidewege. Der Parteien Gunst ist wandelbar. Was heute Dingeldey für nötig befand, kann morgen auch die Wirtschaftspartei tun, oder umgekehrt. Die Sozialdemokraten lassen sich trotz hundert Bedenken viel von Brüning gefallen. Eines Tages kann das Maß aber voll sein, und die Sozialdemokratie geht den Weg der Seydewitze und Rosenfelds. Die Rechtsopposition ist unerbittlich, sie ruht nicht eher, bis Brüning gestürzt ist. Das ist keine rosige Lage. Und wenn der Kanzler auch eine große bahnbefreiende Arbeit geleistet hat, so ist ihm doch zu wünschen, daß sich bis zum Frühjahr Erfolge zeigen, die dem Volke erkennbar werden, und nicht nur Eingeweihten bekannt sind. Viel Vorbereitungsarbeit ist, wie schon gesagt, getan worden. Daß sie sich zum Wohl des Volkes auswirken möge, ist der Wunsch eines jeden verantwortungsbewußten Deutschen.— Aber auch das Volk, vertreten durch die Parteien, steht am Scheidewege. Wird Haß und Zwiespalt weiter so genährt, wie in letzter Zeit, dann sind wir verloren. Der Zerfleischungsprozeß hat seinen Höhepunkt erreicht. Lassen wir ab davon! Kehren wir um, ehe es zu spät ist. Das sei auch besonders denen gesagt, die glauben, die nationale Gesinnung für sich in Erbpacht genommen zu haben. Ist es nicht manchmal so, daß die nationale Gesinnung vorgeschoben wird, um den materiellen Interessenkampf dahinter verbergen zu können? Weg damit! Zeigen wir doch alle, daß verantwortungsbereit sein heißt, die Pflicht restlos zu erfüllen, die in der Stunde größter Not das Vaterland von uns fordert. Von Jedem! Nicht von einer Schicht, sondern von allen. Erfüllen wir diese Pflicht, dann kann uns noch Rettung zuteil werden. Wehe aber dem, von dem die Geschichte später zu schreiben weiß:„Gewogen und zu leicht befunden. W. W. Blut oder Geist. Der Versuch einer Erwiderung zum Artikel des Herrn Regierungsassessor Z. von Bernuth(Aufwärts Nr. 234) von Pastor Herbert Plesch, Barzwitz, Pommern. Es ist ja nicht nur so, wie Herr von Bernuth schreibt, daß die Kirchensprache von vielen nicht mehr verstanden wird, sondern daß heute die Sprache des einen Menschen dem andern unverständlich ist. Es ist also möglich, daß Herr von Bernuth zu dem, was ich ihm erwidere, mir antworten muß:„Sie haben mich ja gar nicht verstanden.“ Daher nenne ich diese meine Zeilen den„Versuch einer Erwiderung", zugleich appellierend an uns beide und an die geehrte Leserschaft:„Geduld, und noch einmal Geduld!" und richte diesen Appell auch als Bitte an die schon überaus geduldige Aufwärts=Schriftleitung. Denn nur Geduld mit einander kann uns dem Ziel näher bringen, daß wir uns verstehen. Und das muß unbedingt erreicht werden. Aus den Zeilen des Herrn von Bernuth höre ich einen doppelten Ruf: 1.„Evangelische Kirche, die Seelen Unzähliger hungern nach Gott; zeige ihnen den Weg zu Gott, damit sie nicht verhungern!“ 2.„Wir sind schicksalsmäßig in den Kampf um unser Volkstum, um unser Deutschtum, um ein neues Deutsches Reich hineingezwungen. Evangelische Kirche, dein Wirken hat überirdische Ziele. Verstoß uns nicht, weil wir in unserem politischen Kampfe uns ein irdisches Ziel gesteckt haben.“ Herr von Bernuth kritisiert unsere Predigtweise. In der Tat ist es eine Not, Pfingstpredigten derart zu hören: „Möge das Wunder der Ausgießung des Heiligen Geistes ständig sich erneuern, daß mit ihm eine neue Lebenskraft in uns wirksam werde usw.!". Man fragt:„Wie soll das nun bei mir Tatsache, wie soll dieses Wunder bei mir lebendig werden?“ Ein herrliches Ziel wird vor die Augen gestellt; aber der Weg zum Ziel wird nicht gezeigt. Woran liegt das? Ist dieses Ziel wirklich nicht gezeigt worden? Oder hatte der Pfarrer es zeigen wollen, und der Zuhörer hat es nicht verstanden? Hat der Zuhörer es nicht übers Herz gebracht, zum Prediger in die Wohnung zu gehen und ihn um diesen Weg noch einmal zu fragen? Oder hat er ihn gefragt und eine unbefriedigende Antwort erhalten? Liegt die Ursache des Unbefriedigtseine bei dem Pfarrer oder bei dem, der zu ihm kam, oder bei beiden? Diese Fragen bewegen mich beim Lesen der Zeilen des Herrn von Bernuth. Diese Zeilen legen uns Pfar658-8 Tgp 171 rern wieder einmal die ganze Last der Verantwortung auf die Seele. Und darum sind sie so ernst zu nehmen. Was hat die Kirche zu verkündigen?— Das steht in knappen Worten Lukas 24, 46 und 47:„Also ist's geschrieben und also mußte Christus leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage und predigen lassen in Seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden allen Völkern und anheben zu Jerusalem;" d..: All das, was menschliche Schuld angerichtet hat und anrichtet, das nimmt Gott weg: das böse Gewissen, die Scham, die Versklavung unter die Leidenschaften, die Zerwürfnisse der Menschen untereinander und schließlich das Todesschicksal. Aber Er nimmt es bei denen hinweg, die dem von Ihm gesandten Christus sich unterwerfen, die ihre ganze Schuld und die ganze Fragwürdigkeit ihres Menschseins diesem Christus eingestehen, die sich an diesen Christus anklammern als an den einzig und allein Nichtfragwürdigen,— das„Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet". Wohl ward der vor den Augen der Welt auch als„fragwürdig“ dargestellt am Schandpfahl, in Seinem Schrei:„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du Mich verlassen!"— Aber das geschah stellvertretend — für uns. Er trug unsere Fragwürdigkeit, damit wir in unserer Fragwürdigkeit nicht untergehen. Aber gerade hier erwacht der ganze Widerstand gegen die Botschaft der Kirche. Die Mangelhaftigkeit, die Fehlerhaftigkeit seines Menschseins will man gern eingestehen. Hingegen Schuld? Fragwürdigkeit?— Inwiefern? Ist nicht in mir doch manches Gute? Ist nicht manche von meinen Taten doch anerkennenswert? Fragwürdigkeit— gilt das etwa auch von der nationalen Bewegung, die doch auch— um im Sinne der Nationaldenkenden(zu denen ich mich auch rechne) zu reden— zu unserem Menschsein gehört!!— Das ist das Fragwürdige, daß wir unsere Beziehungen zu Gott, zu den Mitmenschen, zu den Eltern, zur Familie, zum Volke, zur Ehe, zum Eigentum des andern, daß wir das alles danach einrichten, wie wir uns das denken, daß wir Gott gegenübertreten gewissermaßen als gleichberechtigte Partner, daß wir von Gott reden und uns selbst meinen, daß wir unsere Ansicht über Gott, unsere Wünsche, die wir an Gott richten, unser Dogma über Gott (auch der Nationalismus hat seine Dogmen) zum Gesetz unseres Lebens machen. Und das ist Vermessenheit, das ist Ehrfurchtslosigkeit. Das ist„sein wollen wie Gott“ (1. Mose 3,5), sich an Gottes Stelle setzen. Aber nun kann an die Kirche und ihre Vertreter die Gegenfrage gerichtet werden:„Kirche, tust du das nicht auch?— Ihr Pfarrer, sündigt Ihr nicht genau so?— Kirche, bist du nicht eine genau so fragwürdige Erscheinung?— Ihr Pfarrer, seid ihr nicht genau so fragwürdige Menschen?“— Und ich antworte:„Ja.— Und dann höre ich eine zweite Gegenfrage:„Wie könnt ihr euch dann unterstehen, über Gott und Sein Wort zu predigen?“ Und ich antworte:„Weil die Kirche und wir Pfarrer nicht leben von der eigenen Gerechtigkeit, sondern allein von der Vergebung der Sünden. Sola gratia! Und genau so leben alle undern Menschen, alle andern menschlichen Einrichtungen nicht von der eigenen Gerechtigkeit, sondern gleichfalls sola gratia, allein von der Vergebung der Sünden. Was von der eigenen Gerechtigkeit leben will, was sich verläßt auf die eigene Kraft, auf den eigenen Geist, auf die eigene Vorzüglichkeit— das ist verHolland erobert seine zwölfte Provinz. Zur Vollendung des ersten Bauabschnittes der Trockenlegung der Zuidersee. Von Heinz Manthe=Düren. Mitten im Weltkriege, als Europas Länder waffenstarrend daran waren, ihren Raum durch Eroberung feindlichen Gebietes zu vergrößern, reifte im neutralen Holland der alte Plan zur Tat heran, dem Meere die Zuidersee wieder zu entreißen und damit in friedlicher Arbeit dem Lande eine neue Provinz zu erobern. Nach eingehendem Studium der Verhältnisse und der bereits durchgeführten Trockenlegungsarbeiten, namentlich der Polder des Haarlemer Meeres westlich von Amsterdam, kam am 14. Juni 1918 das Ermächtigungsgesetz zustande, die Zuidersee durch einen Damm abzuschließen und zum größten Teil trocken zu legen. Ein großer Damm von 30 Kilometer Länge sollte die Zuidersee in nordöstlicher Richtung zwischen der Insel Wieringen und dem friesländischen Ort Zurig absperren. Von der etwa 350000 Hektar großen Seefläche sollten dann in mehreren Arbeitsabschnitten etwas mehr als 225000 Hektar trocken gelegt und der menschlichen Siedlung und Bebauung erschlossen werden. Als erster Bauabschnitt kam die Errichtung des Abschlußdammes und die Trockenlegung der Seebucht südlich der Insel Wieringen in Frage, wodurch 20000 Hektar Land gewonnen werden sollten. In weiteren Bauabschnitten sollen dann noch zwei große Polder im westlichen See von 170 000 Hektar gewonnen werden, ferner ein nordöstlicher Polder von 55000 Hektar. Dazwischen wird sich der große Yssel=See als Mündungsbecken der Yssel und zahlreicher anderer Wasserläufe erstrecken. Die jetzigen Küstenorte, vor allem Amsterdam, bleiben alle durch breite Seearme und Kanäle mit dem Meere in Verbindung. Der übrig bleibende Yssel=See wird immer noch die stattliche Wasserfläche von 120 000 Hektar besitzen und für Bewässerung und Fischerei eine erhöhte Bedeutung gewinnen, zumal sein Wasser wegen des Abschlusses vom Meer süß sein wird. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres wird der große Abschlußdeich zwischen Wieringen und Zurig beendet sein. Ein gigantisches Werk wird damit nach sechsjähriger Frist fertig. 125 Millionen Gulden hat dieser 90 Meter breite Riegel dann gekostet. Er hat neben einer großen Autostraße Platz für eine=gleisige Bahnstrecke, auf der später die Schnellzüge zwischen Amsterdam und loren. Was von der Vergebung der Sünden lebt, ist trotz aller Schuld, trotz aller Fragwürdigkeit gerettet. Man hat diese Theologie eine trostlose Theologie genannt. Jawohl. Eine Theologie, die eben nur Gott zum Troste hat(Karl Barth). Das ist eben die wunderbare Tatsache, die uns das Evangelium verkündigt: All die Fragwürdigkeiten stellt Gott unter seine Gnade, unter den uns gesandten Christus, unter Seine Vergebung, unter das„All' Sünd' hast du getragen.“ Darum gebraucht Er all die Fragwürdigkeiten in irgendeiner Weise zum Bau seines Reiches. Darum möchte ich so zu unserem Freunde sagen: Sie sind Nationalist, ob Stahlhelmer, ob Nationalsozialist, gleichviel: Seien Sie das einmal ganz, mit all ihrer Begeisterung, mit all Ihrer Hingabe! Aber lassen Sie sich für beides den Blick schenken: 1. Ich bin ein fragwürdiger Mensch, schuldig vor Gott, und die Bewegung, der ich diene, ist genau so fragwürdig und schuldig. 2.„Alle Fragwürdigkeiten, also auch ich, also auch die Bewegung, der ich diene, stehen unter göttlicher Vergebung. An diese Vergebung glaube ich. Und darum diene ich meiner Bewegung, ob sie sich nun Stahlhelm oder Nationalsozialismus nennt.“ Ich wünschte, ich könnte Aehnliches auch einem Sozialisten und Kommunisten schreiben, wenn sie Gott bejahen würden! Ich glaube, daß das unsere Not ist: Wir sind nur halbe Christen, halbe Stahlhelmer, halbe Nationalsozialisten, halbe Sozialisten, halbe Kommunisten,— oder gar nur ein Viertel oder ein Achtel davon. Würde jeder willens sein, seinem Ideal ganz zu gehorchen, wir würden jeder auf seine Fragwürdigkeit stoßen und darum in Gott, in Christus, dem jenseits aller Fragwürdigkeit Stehenden, uns finden. Seitdem ich über meine Fragwürdigkeit und die Fragwürdigkeit meiner Kirche Gewißheit habe, seitdem ich weiß, daß die göttliche Vergebung uns fragwürdige Menschen und unser fragwürdiges Menschsein trägt, gibt es für mich nichts Herrlicheres als dieses verkündigte Evangelium, eine Predigt, die wegsieht von allem Menschsein und seiner Scheinherrlichkeit auf den Christus,„die die Vergebung für größer ansieht als die Sünde"(Karl Barth). Wer allerdings dieses Urteil über seine Fragwürdigkeit nicht anerkennt, wer kirchliche, religiöse, poltische Musterorganisationen schaffen will ohne Fragwürdigkeiten, der mag versuchen, sich mit seinem Turmbau zu Babel einen Namen zu machen. Er lese aber 1. Mose 11, 1 bis 9, und wundere sich nicht, wenn diese Bibelstelle an ihm in Erfüllung geht und an„seinem Werk“!— Wollen wir nicht endlich aus unseren bitteren Erfahrungen lernen! Es kann der Fall eintreten, daß Gott sich offenbart gegen die evangelische Kirche, aber ebenso gegen die nationale Bewegung, dann haben wir uns zu beugen, dürfen aber dennoch rechnen mit der göttlichen Vergebung. So freute sich ein Paulus trotz seines Kaltgestelltseins darüber, daß das Reich Gottes vorwärts ging, obwohl recht zweifelhafte Brüder daran arbeiteten(Philipper 1,15—18). Christsein heßt: in einer ungeheuren Spannung sein, unter dem Druck der Fragwürdigkeit und Schuld und dennoch gewiß sein eines gnädigen Gottes. In dieser beHamburg verkehren sollen. Der südlich von Wieringen gelegene erste Polder, der Nordwest=Polder, ist schon seit 1930 fertig. Hier sind 18000 Hektar anbaufähigen Bodens gewonnen worden. Es wurden bereits 1000 Siedler an den Grenzen des alten Kulturlandes angesetzt, die nach und nach den Ackerbau in den neuen Polder hinaus vortreiben sollen. Das ist nicht so ganz einfach. Der Boden ist nur ganz oberflächlich trocken und dazu noch völlig durchsalzen. Es müssen daher noch zahlreiche große, kleine und kleinste Entwässerungsgräben gezogen werden; dazu ist eine umfangreiche Bodendrainage nötig, um nach und nach das Seefalz herauszuspülen. Das wird alles in allem nochmals Millionen Gulden kosten, sodaß der ganze Polder auf etwa 60 Millionen Gulden kommt. In 4 Jahren hofft man, die ersten größeren Ernten auf diesem Neuland erzielen zu können. Dabei geht man ganz methodisch vor, indem man Erkenntnisse nutzbar macht, die auf einem 40 Hektar großen Versuchspolder bei Medemblik gewonnen worden sind. Hier werden durch Versuchskulturen die für den Anbau am meisten geeigneten Pflanzensorten ermittelt und die wirksamsten Düngerarten festgestellt. Der Wieringer Polder ist durch einen großen Seedeich gegen Osten hin geschützt, da ja erst 1932 der Abschluß des Zuidersees gegen das Meer fertig wird. Dieser Damm wird an seinen beiden Enden große Schleusen für die Schiffahrt und Wassertore erhalten, aus denen bei Ebbe die in den Yssel=See mündenden Wassermengen ins Meer ausfließen. Die bei diesem ersten Bauabschnitt gemachten Erfahrungen werden der weiteren Trockenlegung der Zuidersee zugute kommen. Holland ist schon jetzt auf die geleisteten Arbeiten sehr stolz und weist mit Recht darauf hin, daß es hier mitten im Frieden in zähem Kampf mit dem Meere eine neue, die zwölfte, Provinz seines Landes erobert. In der Tat handelt es sich hier um ein Kulturwerk allerersten Ranges, dem in der bisherigen Geschichtsentwicklung kaum etwas gleichartiges an die Seite gestellt werden kann. Nationalverband Deutscher Schriftsteller. Deutschland bricht wirtschaftlich zusammen. Mit dieser Bedrohung des äußeren Lebens ist eine Verwirrung des öffentlichen Geistes verbunden, die eine Gefahr für die seelischen Werte des Deutschtums darstellt. Der Einbruch des Westens in unsere Literatur begegnet im Raum der deutschen Sprache einer Bolschewisierung der Gesinnung, drückenden und zugleich beseligenden Spannung stehen und von dieser Spannung bestimmt werden für sein tägliches Beten, Handeln(Mission!) und Hofsen, das ist die Wirkung des Heiligen Geistes. Obwohl Christen wissen, daß alles Sichtbare und Fragwürdige heranreist zur Katastrophe, die in der Sterbestunde auch an sie selbst herantritt, bauen sie an Familie, Kirche und Volkstum, auch an fremdem Volkstum(Mission!). Sie bauen mit dem Risiko von Mißerfolgen— in den Fußspuren ihres gekreuzigten Herrn. Der Heilige Geist stellt sie auf ihren Platz, damit sie in der Schule des Kreuzes die Treue üben und lernen und warten auf die Wiederkunft ihres Herrn, der schließlich alle Fragwürdigkeit unseres Menschseins aushebt. Wer also schicksalsmäßig sich hineingezwungen weiß in die nationale Bewegung, der übe und lerne auf seinem Platze die Treue! Als Kaiser Wilhelm Bismarck gegenüber die Befürchtung aussprach, sie könnten als Opfer einer Revolution hingerichtet werden, antwortete der Christ Bismarck:„Dann soll es mir eine Ehre sein, au der Seite Ew. Majestät zu sterben.“ Der Kampf um das Gold. — Berlin, 21. Oktober. Seit der deutschen Julikrise steigerte sich die englische Kritik gegen die Handhabung der Goldwährung, wie sie durch die Vereinigten Staaten, insbesondere aber Frankreich, erfolgte. Von 58 Milliarden Mark Weltbestand an monetärem, d. h. für die Notendeckung zur Verfügung stehendem Gold, hatten im September 1931 die Vereinigten Staaten etwa 20 und Frankreich 10 Milliarden, beide also mehr als die Hälfte des gesamten Weltgoldbestandes, gehortet. Diese Entwicklung aber ist eine notwendige Begleiterscheinung des Systems der Außen=, Anleihe= und Handelspolitik dieser beiden Länder. Und darum kann auch die Goldkrise nicht durch Uebereinkommen der Notenbanken gelöst werden, sondern— wie gar nicht genug betont werden kann— nur von der Politik her und durch die Beseitigung des Deflationsdrucks. Man sollte annehmen, daß der Wohlstand eines Landes in der Summe aller individuellen Einkommen, dem sogenannten Volkseinkommen am besten zum Ausdruck kommt. Nach diesem Bewertungsmaßstab könnte jedoch die finanzielle Macht Frankreichs nicht größer sein als die deutsche oder englische. In Gold umgerechnet betrug das französische Volkseinkommen, soweit es statistisch erfaßt wird, im Jahre 1913 28,8 Milliarden und im Jahre 1928 etwa 36 Milliarden Mark, wovon etwa ein Viertel auf Einkommen aus Kapital entfielen. Nach ähnlichen Ermittlungen des Statistischen Reichsamtes betrug das reine Renteneinkommen in Deutschland 1913 rund 14 v. H des Volkseinkommens, sank nach der Stabilisierung 1925 auf 3 bis 4 v. H und stieg bis 1929 auf annähernd 6 v. H. Der Anteil der Löhne und Gehälter war in Deutschland 1928 rund 64 v.., in Frankreich nur 45 v. H. In dem hohen Anteil, den somit das Renteneinkommen in Deutschland am Volkseinkommen ausmacht, haben wir eine der Ursachen aufgefunden, die es Frankreich ermöglichten, zum finanziellen Machthaber Europas zu werden. In einem unternehmerisch veranlagten Volk wird nämlich die Tendenz der Verschuldung der einzelnen Unternehmer größer sein als in einem genügsamen und sparsamen Volke. In wirtschaftlichen Krisenzeiten, wie sie heute in der ganzen Welt herrschen, müssen daher die Völker, die wie z. B. Frankreich wenig Risiko eingegangen sind gut dastehen. die anderen aber. die normalerweise durch ihre Tatdie in Presse, Buch, Film, Funk und Theater alles preisgibt, was bewußt aus deutschem Volkstum seine Kraft zieht. Westlertum und Kulturbolschewismus zerreißen Deutschland, die Geistesmitte des Abendlandes, und lassen sie nicht zu sich selber kommen. So findet das Schrifttum, das aus den Quellen des Volkstums schöpft und die Deutschen zur Nation zu bilden bemüht ist, keinen ausreichenden einheitlichen Widerhall. Der Ueberfremdung von Presse, Buchverlag, Bühne, Film und Funk tritt kein Berufsverband des Schrifttums mit der Entschiedenheit entgegen, die das Schicksal heute vom deutschen Geiste fordert. In unserem Geistesleben wurde die öffentliche Haltung noch nicht gefunden— auch dem Auslande gegenüber—, die nach dem Aufbruch unseres Volkes zur Nation im Weltkriege notwendig wurde. Die werdende Nation erwartet aber jetzt, in der Stunde dringender Gefahr, eine geschlossene geistige Front. Der soeben in Berlin begründete Nationalverband Deutscher Schriftsteller stellt die Bereinigung aller Schriftsteller dar, die sich in ihrem innersten Wesen mit der Nation verbunden fühlen. Als Berufsvereinigung wird der Nationalverband Deutscher Schriftsteller für den Schutz des Schriftstellers und seines Werkes in rechtlicher und sozialer Hinsicht eintreten(Rechtsschutz, Urheberschutz, Nachdruckskontrolle finanzielle Unterstützung). Zur Förderung und Verbreitung wertvollen Schrifttums stehen dem Verband durch Kartellverbindung das erfolgreichste deutsche Vortragsamt und eine Pressekorrespondenz zu Verfügung. Parteipolitische Ziele verfolgt der Nationalverband nicht. Er wird sich aber als kulturpolitische Willensgemeinschaft den Einfluß auf die Gesetzgebung zu schaffen wissen, der dem nationalen Schrifttum zukommt. Er wird die Werte und Interessen der Nation in der Presse, im Buch, in Theater, Film und Funk wahren und dabei die Ehre der Nation zum obersten Maßstab nehmen, so wird er die Wiedergeburt der deutschen Macht aus der Innerlichkeit fördern und im Sinne eines neuen Idealismus Würde und Freiheit der großdeutschen Nation erkämpfen helfen. Der Nationalverband Deutscher Schriftsteller wendet sich an alle Deutschen, die sich in Schrift und Rede zu diesen Zielen bekennen,— also an die Schrifsteller, Journalisten, Hochschullehrer, Lehrer, Abgeordneten aller Parlamente, Geistlichen— und fordert sie auf, ihren Beitritt zu erklären: Nationalverband Deutscher Schriftsteller, Berkin NW 87, Cuxhavener Str. 17. kraft die Träger der Weltgestaltung sind, werden jetzt für ihren Wagemut und ihre Phantasie gleichsam bestraft. Der Schwache wird daher in solchen Zeiten zum Starken, und die Starken tun einen tiefen Fall. So stellt sich heute das Verhältnis zwischen Deutschland=England einerseits und Frankreich andererseits, wirtschaftlich gesehen, dar. In den Vereinigten Staaten haben die Goldbestände seit Ende 1928 bis September 1931 ebenfalls um 3½ Milliarden Mark zugenommen. Dieser Vorgang ist teilweise ebenfalls auf die jährlich etwa eine Milliarde Mark betragenden politischen Schuldenzahlungen an Amerika zurückzuführen. Außerdem haben auch die Amerikaner in ihrer noch so jungen Rolle als Weltbankier noch nicht genügend Erfahrung, um die große Verantwortung zu spüren und die Folgen zu übersehen, die mit einer so wenig stetigen äußeren Anleihepolitik, wie sie in den letzten Jahren erfolgte, verbunden sind. Auch dort hat der Goldmechanismus versagt, jedoch nicht wie in Frankreich infolge der Notenhamsterung, sondern weil in USA. aus zwei Gründen die Kreditschöpfung und der Geldumlauf gar nicht entsprechend dem Anwachsen der Goldreserve vermehrt worden sind! Einmal waren die Amerikaner bestrebt, auf Grund theoretischer Ueberlegungen ihrer Konjunkturforschungsinstitute die Preisebene auch bei guter Konsunktur möglichst stabil zu halten und Preissteigerungen zu vermeiden. Deshalb erweiterten sie nicht entsprechend der Zunahme des Goldvorrats ihren Zahlungsmittelumlauf. Sodann verhinderte aber auch in Amerika ein nicht rationaler Vorgang — ähnlich wie in Frankreich— die Befolgung der Regeln der Goldwährungspolitik. Als nämlich im Jahre 1929 die Zahlungsbilanz Amerikas infolge Aufhörens seines Kapitalexportes nur mit Goldzuflüssen aus Europa und anderen Ländern ausgeglichen werden konnte, ließen die amerikanischen Geschäftsleute ihrer Spielerleidenschaft die Zügel schießen und entfesselten an der Neuyorker Börse eine durch wirtschaftliche Tatsachen nicht begründete hemmungslose Spekulation. Obwohl die Goldzuflüsse damals zu einer Herabsetzung des amerikanischen Diskontsatzes und zu einer Ausweitung des Geldumlaufes mahnten. versuchten die Führer der amerikanischen Notenbanken und die amerikanische Regierung, das Spekulationsfieber dalch Diskontheraufsetzung zu bekämpfen. Der Währungstheoretiker Professor Cassel sieht in den damaligen Maßnahmen der amerikanischen Notenbanken sogar eine der Hauptursachen für den gewaltigen Absturz der Weltwirtschaftskonjunktur. Stellt man nun die Frage, ob gegenwärtig eine internationale Konferenz mit der Aufgabe einer Neuverteilung der Goldvorräte der Welt fertig werden könnte, so muß man sich vor allen Dingen vor Augen halten, daß eine solche Neuverteilung im Wege von Auslandskrediten der goldreichen Länder erfolgen könnte. Bei uns wie in England erfolgte die Vertrauenserschütterung, durch die solche großen Summen von heute auf morgen in die Zahlungsbilanz eingeschoben wurden, weil die Kapitalisten der Welt erkennen mußten, daß auf die Dauer die Schuldnerländer an die Gläubigerländer im bisherigen Umfange nicht mehr zahlen können. Man sah ferner, daß die politischen Schuldzahlungen von jährlich rund zwei Milliarden Mark an Reparationen mit der Zeit sich in ein Vielfaches von nicht bezahlten und nicht bezahlbaren privaten Auslandsschulden verwandeln. Noch eine Möglichkeit besteht, die Handelsbeziehungen der übrigen Länder gegenüber USA. und Frankreich so zu verändern, daß eine Neuverteilung der Goldvorräte bzw. ein nicht deflationistisch wirkender Ausgleich der Zahlungsbilanzen eintritt. Die Krise des Goldes ist im letzten Sinne eine polittsche Krise und kann nicht mehr weder durch Neuverteilung der Goldvorräte noch durch Auslandskredit behoben werden. Eine solche vorübergehende Hilfe könnte, wie im Falle Englands, doch nur einige Milliarden betragen, während die praktisch noch nicht bezahlten, sondern nur auf Privathände umgelegten politischen Schulden Deutschlands jetzt schon über 10 Milliarden Mark ausmachen und Jahr für Jahr um weitere 2 Milliarden Mark vermehrt zu werden drohen. Uns mag es eine Hoffnung sein, daß— zuletzt noch am offensichtlichsten durch die englische Pfundkrise— der ganzen Welt die Gefahren der Reparationspolitik vor Augen geführt worden sind. Vielleicht ist jetzt der Tag nicht mehr fern, an dem sich der Starrsinn der französischen Außenpolitik vor dieser Not der ganzen Welt beugen muß! Was Zrantrrich Winl. Verewigung der Diktate. Lavals angebliche Vorschläge: Konsultatiopakt.— Positive Reparationsbilanz.— Währungsschutz. — Paris, 21. Oktober. Die bevorstehende Ankunft des französischen Ministerfräsidenten Laval in Washington rückt mehr und mehr in sen Mittelpunkt des politischen Interesses. So verlautet, Laval nehme den Standpunkt ein, Präsident Hoover, der ihn eingeladen habe, müsse die ersten Vorschläge machen. Mit seinen Gegenvorschlägen wolle sich Laval auf gewisse Mindestforderungen beschränken. So wünsche er insbesondere eine getrennte Behandlung von Kriegsschuldenfrage und Tributproblem, während die Abrüstungsfrage, seiner Auffassung nach, mit dem Sicherheitsproblem verbunden werden müßte. Etwas mitteilsamer ist der Sonderberichterstatter der Nachrichtenagentur Havas, der von Bord der„Isle de France“ eine längere Meldung funkt, die offenbar auf Informationen aus dem Kreise der Mitarbeiter Lavals beruht. In dieser Meldung heißt es: „Hinsichtlich des Sicherheits- und Abrüstungsproblems ist Frankreich bereit, weitere Rüstungsherabsetzungen vorzunehmen, wenn im Austausch dafür„präzise Verpflichtungen für gegenseitige Hilfeleistung im Falle eines Angriffes“ eingegangen werden. Nach dieser Richtung scheint sich ein Fortschritt in der Auffassung der amerikanischen Kreise anzubahnen, die jetzt geneigt sind, den BriandKelloggpakt durch einen Konsultativpakt zu verstärken. Doch muß man fragen, ob Washington darüber hinaus sich binden und grundsätzlich wenigstens auf rein finanzielle und wirtschaftliche Maßnahmen beschränkte Sanktionen gegen den Angreifer übernehmen möchte. Jedenfalls wird der französische Ministerpräsident Laval sich bemühen, nicht den geringsten Bruchteil der nationalen Sicherheit zu opfern, da die endgültige Entscheidung über jede Initiative, die von der französischen Delegation auf der Abrüstungskonferenz eventuell ergriffen werden könnte, dem aus den Kammerneuwahlen von 1932 hervorgehenden Parlament überlassen bleiben muß. Was die Schulden= und Reparationsfrage anlangt, so hat diese nach französischer Auffassung überhaupt nichts mit dem Sicherheitsproblem zu tun, kann also mit diesem auf keine Weise in Zusammenhang gebracht werden, wie gewisse amerikanische Nachrichten zu Unrecht Glauben machen könnten. Präsident Hoover hat bereits angekündigt, daß er wegen der Lage Deutschlands und der Weltkrise eine Herabsetzung der S# plane. Der Vertreter Frankreichs würde jedem Vorschlag zustimmen, der Frankreich wenigstens teilweise eine positive Reparationsbilanz beläßt. Erleichterung der Regelung könnte man namentlich auf Sachlieferungen zurückgreifen, die dazu beitragen würden, die Arbeitslosigkeit in Deutschland und Frankreich durch Ausführung des von der Regierung bereits angenommenen Programms großer öffentlicher Arbeiten zu verhindern. Auf diese Weise könnten die gegenwärtig in Deutschland festgelegten kurzfristigen Kredite leichter freigemacht werden. Bezüglich der Währungskrise hat Präsident Hoover bereits die Gewißheit erhalten, daß Ministerpräsident Laval günstig eingestellt ist. Das zwischen der Bank von Frankreich und der Federal Reserve Bank über die Aufrechterhaltung der Guthaben der Bank von Frankreich in Neuyork soeben abgeschlossene Abkommen ist nach dieser Richtung hinreichend bezeichnend. Die beiden Regierungen werden sicher gemeinsame Maßnahmen zum Schutze der Goldwährung ins Auge fassen, die die unerläßliche Grundlage jedes gesunden Währungssystems bleibt.“ * 210 Millionen Jahrestribute? Nach einer weiteren Meldung von Bord der„Isle de France“ soll Amerika für die Festsetzung der deutschen Tribute auf 50 Millionen Dollar jährlich(5. s. rund 210 Millionen Mark) eintreten wollen. * Neuer Revisionsappell Macdonalds. „Die Schuldenzahlungen haben die Schuldnerländer ruiniert und die Gläubigerländer in Schwierigkeiten gebracht.“ Der britische Ministerpräsident Macdonald erklärt in einem Wahlaufruf, eine Vertrauenskundgebung der Wähler für die Konzentrationsregierung werde seinem Kabinett gestatten, drei wesentliche Dinge zu erreichen, nämlich die Stabilisierung des Pfundes, die Wiederherstellung einer gesunden Handelsbilanz und internationale Vereinbarungen über die Schuldenzahlungen. Die Schuldenzahlungen hätten für den gesamten Welthandel eine verheerende Wirkung gehabt. Sie hätten die Schuldnerländer ruiniert und die Gläubigerländer in Schwierigkeiten gebracht. Frankreichs goldener Druck auf Amerika. Eine weitere Goldmilliarde aus Amerika abgezogen. — Paris, 20. Oktober. In Paris werden im Laufe dieser Woche wieder für eine Milliarde Franken Goldbarren aus Amerika erwartet. Das Gold ist für eine Reihe Pariser Großbanken bestimmt, die immer noch ihre Guthaben aus Amerika zurückziehen. Die Finanznot der Gemeinden. Dringende Hilfe vom Reich erwartet. — Berlin, 21. Oktober. Die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände hielt im Berliner Stadthaus eine Besprechung über die kommunale Finanzlage ab. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, ging aus von dem ungeheuren Fehlbetrag der Gemeinden und Gemeindeverbände nach der Zahlungskrise im Juli dieses Jahres, den man für das Rechnungsjahr 1931/32 auf 800 Millionen RM berechnet habe. Die Gemeinden und Gemeindeverbände erwarten auf das bestimmteste die zugesagte Enklastung ihrer Finanzen, die nur vom Reich aus geschehen kann. Für den Deutschen Landkreistag sprach dessen Präsident, Dr. von Stempel, der sehr eingehend die Verhältnisse in den ländlichen Bezirksfürsorgeverbänden darlegte. Die steigenden Ausgaben und sinkenden Einnahmen hätten zur Folge, daß die Landkreise die für sie noch verfügbaren Mittel auf die Versorgung der Wohlfahrtserwerbslosen konzentrieren müßten. Obwohl dieser harten Notwendigkeit die übrigen Aufgaben der Landkreise fast ganz zum Opfer fallen mussen, sei die Finanzdecke immer noch zu kurz. Alle Instanzen müßten bei der einen dringlichen Aufgabe zusammenwirken, die Wohlfahrtserwerbslosen am Leben zu erhalten. Der Präsident des Deutschen Landgemeindetages. Landrat a. D. Dr. Gereke. Mitglied des Reichstags, wies darauf hin, daß die Notlage der Landgemeinden noch wesentlich dadurch verschärft würde, daß die Steuerkraft ganz besonders auf dem Lande in den letzten Jahren in einem erschreckenden Maße zurückgegangen sei. Sechs Milliarden neue Steuern. Eine Rede Oberfohrens. — Berlin, 21. Oktober. Die Deutschnationale Volkspartei veranstaltete am Dienstag abend eine Kundgebung, auf der der Abgeordnete Oberfohren u. a. ausführte: Wenn die Wirtschaftspartei die Befürchtung habe, daß die nationale Opposition zu früh eingesetzt werde, so müsse er erklären, daß das deutsche Volk nicht länger ertragen könne, was ihm zugemutet werde. Brüning habe den Vorteil, daß er über das geduldigste Volk der Welt regiere. Angesichts der Tatsache, daß in der Landwirtschaft kein einziger Betrieb mehr lebensfähig sei, habe der Reichskanzler behauptet, daß die Grundlagen der deutschen Wirtschaft heute noch unerschüttert seien. Dabei sei bereits die Möglichkeit, über den Besitz zu verfügen, angesichts der Enteignung der Sachwerte völlig aufgehoben. Die Deutschnationale Volkspartei denke nicht an eine neue Inflation, die sie als Verbrechen am Volk betrachte. Durch die Regierungskunst der Reichsregierung sei dem deutschen Volk innerhalb von 1½ Jah. ren eine Last von fast 6 Milliarden Mark an neuen Steuern auferlegt worden. Man stehe vor einem Trümmerhaufen, der sich auch auf die Außenpolitik erstrecke. Die Regierung habe den geschichtlichen Fehler begangen, daß sie Frankreich aus der Isolierung, in die es geraten sei, wieder befreit habe. Wenn die nationale Bewegung die Macht in die Hand bekomme, werde ihr ein Mehr von Vertrauen nicht nur aus dem Inland, sondern auch aus dem Ausland entgegenschwellen. Abbau von 500 Bergleuten. — Duisberg-Hamborn, 21. Oktober. Die bei der Bergbaugruppe Hamborn der Vereinigten Stahlwerke abgehaltenen Verhandlungen über die am 15. Oktober erfolgte Kündigung von 500 Bergleuten endeten mit der Aufrechterhaltung der Kündigungen, da die Absatzschwierigkeiten im Kohlenbergbau diese Maßnahme nicht länger vermeiden lassen. 12 Tote auf Mont Cenis. Drei Schwerverletzte gestorben.— Beileidstelegramm Hindenburgs.— Donnerstag Beisetzung. — Herne, 21. Oktober. Die Grubenkatastrophe auf der Schachtanlage I111 der Zeche Mont Cenis in Herne bei Sodingen hat noch weitere Opfer gefordert. Von den ins Krankenhaus Bergmannsheil in Bochum eingelieferten 14 schwerverletzten Bergarbeitern sind die Bergleute Koschin. Tucholski und Steinkampf ihren schweren Verletzungen erlegen. Koschin und Tucholski waren Familienväter. Die Gesamtzahl der Toten hat sich damit auf 12 erhöht. Vier weitere Schwerverletzte befanden sich in Lebensgefahr. Sechs Verletzte konnten bereits nach Hause entlassen werden. Den übrigen noch im Krankenhaus befindlichen Bergleuten geht es den Umständen nach gut. Viel besprochen wird das Geschick des tödlich verunglückten Steigers Otto Schneider. Schneider hatte erst am letzten Sonnabend nach mehrjähriger Vorbereitung an der Bergschule in Bochum die Betriebsführerprüfung bestanden Das von der Explosion betroffene Flöz war bereits seit längerer Zeit in Kreisen der Bergarbeiter als schlagwetterhaltig bekannt. Vom Reichspräsidenten von Hindenburg erhielt die Gewerkschaft Mont Cenis nachstehendes Beileidstelegramm: „Mit schmerzlichem Bedauern höre ich von der schweren Schlagwetterexplosion, welche den Schacht Mont Cenis betroffen hat. Ich spreche Ihnen und der Belegschaft mein herzlichstes Beileid aus und bitte Sie, den Familien der verunglückten Bergleute den Ausdruck meiner aufrichtigen Anteilnahme, den Verletzten meine besten Wünsche für baldige Wiederherstellung zu übermitteln.“ Die Beisetzung der Opfer der Grubenkatastrophe findet Donnerstag, 3 Uhr nachmittags, statt. * Das Oberbergamt Dortmund, das die Schachtanlage auf der Grube„Mont Cenis“ besichtigte, stellte als Ursache eine Schlagwetterexplosion fest, bei der auch Kohlenstaub beteiligt war. Die Explosion sei nur auf einen Streb beschränkt geblieben. Soweit Leute auf anderen Grubenbauen zu Schaden gekommen sind, sei es den Nachschwaden zuzuschreiben. Ueber die Ursache der Explosion ließen sich noch keine Angaben machen, bevor die Aufräumungsarbeiten durchgeführt seien. Schlußaussprache im Landtag. Bericht über das Explosionsunglück auf Mont Cenis. — Berlin, 21. Oktober. Im Preußischen Landtag, der nach zweitägiger Pause seine Arbeiten wieder aufnahm, sprach Vizepräsident Dr. von Kries, während sich die Abgeordneten von ihren Plätzen erhoben, den Hinterbliebenen der Opfer des neuen Grubenunglücks im Ruhrgebiet das herzliche Beileid des Landtags aus und wünscht den Verletzten baldige Genesung. Der Leiter des Preußischen Grubensicherheitsamtes, Ministerialrat Rother, erklärt, daß das Grubenunglück auf eine Schlagwetter-Explosion zurückzuführen sei. Die Zündungsursache habe noch nicht festgestellt werden können. Das jetzige Grubenunglück sei die erste größere Schlagwetterkatastrophe im Ruhrgebiet seit dem Jahre 1925. Es handelt sich also um einen bedauerlichen Rückschlag. Nach Abschluß der Untersuchung werde eine Entscheidung darüber zu treffen sein, welche weiteren Maßnahmen seitens des Grubensicherheitsamtes auf Grund des Untersuchungsergebnisses ergriffen werden müßten. Mit besonderer Betonung und Genugtuung wies Ministerialrat Rother darauf hin, daß die Rettungsaktion vorbildlich gewesen ist. Bereits wenige Stunden nach dem Unglück sei es möglich gewesen, die Verletzten zu bergen. Im wetteren Verlauf der Sitzung folgten die Schlußworte zu der am Freitag abgeschlossenen politischen Aussprache, der die Mißtrauensanträge gegen die Staatsregierung zugrundeliegen. Abg Wollweber(Komm.) erklärte, die Aussprache habe den Bankrott aller bürgerlichen Parteien einschließlich der Sozialdemokraten erwiesen. Im Februar seien mehr als fünf Milliarden deutscher Schuldverpflichtungen fällig. Abg. Steuer(Dnat.) wies die in den Vortagen gemachten Ausführungen des sozialdemokratischen Redners Haas 15D zurück und wandte sich dann gegen die Rede des Innenministers Severing. Aufs schärfste müsse der Auffassung SeMinter nicht statinden ge den daß Neuwahlen in diesem Winker nich flattfinden konnten, weil dadurch die öffentliche Sicherheit gefährdet werde. Diese Ansicht sei ein Bankerott der Republik. Ueberdies sei sie sachlich falsch. (Dop.) befürwortet die Abänderung der preußischen Notverordnung. Abg. Greßter(Staatsp.) wendete sich gegen die Fürstenabfindung. Die Vertrage entsprächen nicht mehr der heutigen Leistungsfähigkett des Daßit war die Beratung der Mißtrauensanträge bis au, die Aostimmungen, die am Donnerstag nachgeholt werden, erledigt. Im weiteren Verlauf der Sitzung erörterte der Landtag noch verschiedene Anträge. Nach den Dispositionen des Aeltestenrats sollen die Plenarverhandlungen des Landtags am Freitag bis zum 23. November unterbrochen werden. In der Zwischenzeit werden die Ausschüsse beraten. Nach Wiederaufnahme der Plenarsitzungen soll vor allem die neue Geschäftsordnung und die Neuregelung der Disziplinarbestimmungen für die Beamten erledigt werden. „Mensch und Rationalisierung“ Denkschrift über die Selbsthilfe-Siedlungen von Arbeitslosen. des dem Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit(RKW) vom Reichstag erteilten Auftrages, der Frage„Mensch und Rationalisierung“ erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden, hat das RKW u. a. den zuständigen Stellen und Verbänden eine kurze Denkschrift über SelbsthilfeSiedlungen von Arbeitslosen zugehen lassen. Die Vorteile der Selbschulfe=Siedtung liegen nach der Ansicht des RKW auf folgenden Gebieten: Die Eigenart der Selbsthilfe gestattet es, die dem Arbeislo er zinnewohnenden selischen, geistigen und körper. #####n#e zu mobilisieren. Diese Mobilisierung der Kruste in geeignet, durch Beschäftigung der seelischen Verödung und Demoralisation der Arbeitslosen entgegenzuwirken. Die Durchführung der Selbsthilfe-Siedlung auf Gartenland wird es unter Einsatz der Arbeitskraft des Arbeitslosen, seiner Jamilie, seiner Freunde ermöglichen, den ArErnslosen aus den Erträgnissen des Gartenbaues und der Kleinviehhaltung erhebliche Naturalzuschüsse für seine Lebenshaltung zuzuführen. Die Erstellung und das Bewohnen von Kleinhäusern gibt die Möglichkeit, daß der Arbeitslose bisherige Aufwendungen für Miete zusätzlich für Nahrung und Kleidung verwenden kann. Außerdem tritt eine Entlastung des Wohnungsmarktes ein. Es müsse darauf gesehen werden, daß die Siedlungen nuh der anzustrebenden Wiedereinschaltung der Siedler in den normalen Wirtschaftsprozeß den Arbeitern als Sommerhäuser und Sommergärten erhalten bleiben könnten. von Hindenburg hat der Gewerkausgesprochen.en sein Beileid zu der Grubenkatastrophe Räumungsbedingungen. Zurücknahme des Einspruchs gegen Amerikas Zulassung. — Genf, 21. Oktober. Wie verlautet, hat Japan die Räumung der Manwach, von folgenden fünf Bedingungen abhängig ge1. Gegenseitige Zusicherung des Nichtangriffs als Garantie der gegenseitigen territorialen Unverletzlichkeit; ..., alle Jormen der antisapanischen Bewegung; einschneßlich des Boykottes, sind für immer einzustellen; 3. Zusicherungen für die Sicherheit von Leben und Eigentum der Japaner; 4. für die mit sapanischem Geld gebaute Eisenbahn ist eine Zahlung zu leisten, und die bestehenden Abkommen über Eisenbahnbau in der Mandschurei sind anzuerkennen; #.5 Respektierung der bestehenden Vertragsrechte einschließlich der sapanischen Landpachtungen in der Mandschurei sind anzuerkennen. Aus Washington liegt eine Meldung vor, nach der der japanische Botschafter Debuchi dem Staatssekretär Stimson mitgeteilt hat, die japanische Regierung habe ihren formelleg Einwand gegen die Hinzuziehung des amerikanischen Vertreters zu den Genfer Beratungen zurückgezogen. Die Lage in der Mandschurei habe sich entspannt, und Japan werde seine Truppen etappenweise zurückziehen. Die ei bereits im Gange. Die japanische Regierung hoffe bald birekte Verhandlungen mit der chinesischen Regierung aufnehmen zu können. Bericht des Standortältesten. Ueber die Vorgänge in Braunschweig. — Berlin, 21. Oktober. " Wie mitgeteilt wird, hat der braunschweigische Gejunote in Berlin dem Reichsinnenminister die baldige Eineines Berichts über die Zwischenfälle anläßlich des Reichstrefsens der SA. in Braunschweig angekündigt. In„wichen hatte Reichsinnenminister Groener, der zugleich ja auch das Reichswehrministerium leitet, den Standortältesten von Braunschweig Oberst Geyer nach Berlin gebeten. Oberst Geyer berichtete wie folgt: .„ D a b e i m i r d i e G e w i ß h e i t b e s t a n d, d a ß d i e P o l i z e i unter allen Umständen Herr der Lage bleiben würde, waren militärische Vorsichtsmaßnahmen besonderer Art nicht getroffen worden. Sie erschienen auch nicht nötig, als bekannt wurde, daß die Gegner der Nationalsozialisten Zuzug von außerhalb erhalten hatten und bereits Schlägereten mit Verletzungen eingetreten waren. Am Abend des 17. ober fand ein Fackelzug von 6000 Nationalsozialisten statt. Niemand hallt Bedenken, auch Frauen und Kinder zusehen zu lassen. Auch sämtliche Veranstaltungen am 18. Oktober verliefen äußerst diszipliniert, lediglich durch Ueberfälle politischer Gegner auf Nationalsozialisten entstand vorübergehend eine gesteigerte Spannung. Von den Gegnern der Nationalsozialisten wurde das Pflaster aufgerissen, um Hospize und Heime. Dau, ustertgalg bis Hrogeng. Behag, eingek. Zimmer mit und ohne Frau Hastor M. Sprich.u Auskauft erteilt Tabea Sprick(vorm Heidelberg, Christliches Hospiz Wartburg(früh. B. au=Kreuz=Horel) Schiff asse 2, am Reckar gelegen mi. schoner Aussicht auf das Gebir.. Zimmer mit fließend. Wasser, Zentralbe zung, Bad, elektr. Licht, ernrus 755. 40 Betten von 2,50 bis.— Mk. 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Der„Graf Zeppelin" war am Sonnabend in Friedrichshafen gestartet und hat vollkommen programmmäßig seine Reise durchgeführt. die Leser des„Aufwärts!“ Immer größer wird die Sehnsucht der deutschen Familie nach einer eigenen Heimstätte. Staat und Kirche, Städte und Gemeinden und alle Stände werden immer bereiter, diese Sehnsucht stillen zu helfen. Aber die einzelne Familie ist vielfach ratlos und hilflos, wie sie zum Ziele gelangen soll. Darum müssen da und dort einzelne tatkräftige Siedler wagemutig vorangehen und kleine Musterhäuser aufrichten. Auch Siedlungshelfer und Helferinnen müssen vorgebildet werden, damit sie mit Rat und Tat den siedelnden Familien zur Seite stehen können. Der Ausbildung solcher Siedler und Siedlungshelfer soll unser Heimathaus dienen. Für diesen Zweck hatten wir vor 14 Tagen von jedem Leser des„Aufwärts“ auf das Postscheckkonto Hannover 48273 1,— RM erbeten. Inzwischen hat unsere Bitte ein weiteres liebes Echo gefunden. Es gingen ein: 1 Gabe zu—.50=—.50; 83 zu 1,—= 83.—; 3 zu.50 = 4,50; 78 zu.—= 156; 1 zu 2,10= 2,10; 3 zu 2,50— 7,50; 61 zu.—= 183.—; 3 zu 4,—= 12,—; 46 zu.— = 230;1 zu 7,—= 7,—; 2 zu.—= 16,—; 9 zu 10.— = 90,—; 2 zu 20,—= 40,—; 1 zu 200,—= 200,—. Das sind zusammen: 294 Gaben mit insgesamt RM 1031,40 und im Ganzen bisher 2473,29. Wir hoffen, das nächstemal von einem weiteren kleinen Musterbau berichten zu können, der der Sehnsucht der heimathungrigen Familien, aber zugleich auch der großen wirtschaftlichen Not unserer Zeit gerecht zu werden sucht. Dünne, Kreis Herford, den 18. Oktober 1931. G. v. Bodelschwingh. Stellengesuche und Angebote haben im„Aufwärts“ srohen Brfolg! Täglich frische Tischbutter 9 Pfd. netto 12.80 Mk. fr. Nachn. L. H. Reddingius, Loga. Billige gespielte Pianos von Mk. 350.— an unter voller Garanie Uebernahme zu verhauten. Feshng,r ianofortefabrik, Bielefeld, Bahnhofstr. 6 Soeben erscheint die dritte Auflage: wir wollen Andacht halten! Von Pfarrer Richard Schulze. Die„Christliche Kinderpflege“ urteilt: Das sind Kinderandachten, wie sie sein sollen und wie sie schöner nicht sein können. Verf. verfügt über eine ganz seltene Meisterschaft, über die tiefsten Fragen mit Kindern frisch, fesselnd und unvergeßlich zu reden. Für Kirche, Schule u. Haus steht uns nichts gleich wertvolles zu Gebot. Gebunden Mk..25 Verlag L. Ungelenk=Dresden A 27 Leichtlungenkranke u. Erholungsbedürftige finden liebevolle Aufnahme bei zeitgem. Preise. Liegehalle am Walde, Zentralheizung usw. Kurheim Frau Dr. Brandner, St. Blasten. oni Durch Kontrolle des vereidigten Chemikers Dr. Bodinus, Bielefeld, ist die Echtheit meines Bienen: Blüten garant. 29le 9 Pfd. netto 10.40 RM, vorwiegend Reeg=Lindenbläte 12.20 RM, halbe Dose.90 Ru und.90 RM, 1½ Pfd. netto.90 RM und.10 RM frei Haus. Nachn. 30 Pfg. mehr. Gar. Rücknahme. Krieger, Vorgeln 2, Kr. Soest. Dieser Honig ist auch in Ophir, vereinigte Verkaufstellen der Anstalt Betdel, zu haben. — Christlicher Verein junger Männer. 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