Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .38 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67877. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und Haus“, „Rndenggide! gah Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter Waje tausend 15 Ml. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 8 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67877. Nr. 238. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Sonntag, den 11. Oktober 1931. 13. Jahrgang. n O bess're Zions wüste Stege; Und was dein Wort im Laufe hindern kann. Das räum', ach, räum' aus jedem Wege! Vertilg. o Herr, den falschen Glaubenswahn: Und mach uns bald von jedem Mietling frei. Daß Kirch' und Schul' ein Garten Gottes sei. Munuggeuguuuuununnnunugunnununununnunnn Ein Wort, das läuft! Lieben Brüder, betet für uns, daß das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch. 2. Thess. 3, 1. Wie kommt es, daß manchmal Menschenworte so schnell laufen? Das liegt nicht nur an den Mitteln des Verkehrs. Auch als diese Mittel noch sehr unvollkommen waren, konnte eine Botschaft mit erstaunlicher Schnelligkeit sich verbreiten.„Schier in 14 Tagen“, sagt Luther von den 95 Thesen,„liefen dieselben durch ganz Deutschland.“ Weil die Menschenherzen unter der Botschaft aufatmeten, darum ging sie von Mund zu Mund. So war kein Brief, kein Telegramm nötig, der Funke der Botschaft sprang herüber von einer Seele zur anderen. Das Wort Gottes aber ist die erstaunlichste Botschaft, welche die Welt je vernommen hat, eine Botschaft aus der anderen Welt, welche lange, lange den Menschenkindern gegenüber stumm geblieben war, die Botschaft von Gottes Liebe, die in Jesus den sündigen Menschenkindern ganz nahe kommt. Diese Botschaft sollte ja laufen, schneller als irgendeine menschliche Siegesbotschaft laufen kann. Sie sollte unausgesprochen im Verkehr der Menschen untereinander immerfort mitklingen wie ein beständiges Glockengeläute. Warum ist's nicht immer so? Warum läuft das Wort unter uns nicht? Warum scheint's manchmal so, als müsse es erst mühsam etwa in der Kirche oder in einer Andacht aus einem ehrwürdigen Schrein herausgeholt werden und als sei es beinahe selbstverständlich, daß man es nach dem Hören wieder sorgfältig in jenen Schrein verschließt? Eine Erklärung hierfür ist wohl die, daß die Christen es verlernt haben, das Wort Gottes in der schlichten Kostbarkeit seiner Armut so gelten zu lassen, wie es sich gibt. Da wird ihm bald eine Goliathsrüstung von Gelehrsamkeit angezogen, als sei es zu schwach, sich selber zu verteidigen. Da wird es mit allerlei Schmuck menschlicher Rede und Kunst behängt, als sei es zu einfach, um in seinem geringen Gewande einhergehen zu dürfen, und so umhüllt von menschlicher Gewandung kann das freie Wort nicht mehr laufen. Oder die Menschen glauben, das Wort selber in ihre Arme nehmen zu müssen, es mit ihrer Leidenschaft und ihrer Glut voranzutragen, und nun merkt und hört man wohl das Laufen des Menschen, ja, kann davon mit ergriffen werden, aber das Wort und im Worte Gott selbst ist uns nicht nahe gekommen. So hat jeder von uns daran zu lernen und zwar immer von neuem, daß er das Wort unmittelbar als von Gott zu der Welt und zu ihm gesprochen vernimmt. Allein solch Wort wie Johannes 3,6 müßte— ganz schlicht als Mitteilung Gottes genommen— jeden Tag ein Menschenherz mit immer neuer unsagbarer Freude erfüllen. Weil das Wort von Gott herkommt, dem Gott, der immerfort gegenwärtig ist, darum bringt Paulus das Laufen des Wortes mit dem Gebet in die engste Verbindung. Ich kann das Wort nicht hören, ich kann das Leben des Wortes nicht weitergeben, sei es nun in der Verkündigung, sei es im Verkehr mit dem Nächsten, ohne daß ich in Dank und Bitte mit dem rede, der im Wort zu mir spricht. Wenn wir so im beständigen Wachen das Wort aufnehmen, dann kann es wie von selber durch uns weiterlaufen. Und es wird sa noch die Zeit kommen, wo alle Welt der Kunde des Wortes voll wird—m. Umschau. 10 Millionen Arbeitslose.— Die„neue“ Reichsregierung. — Politik der Verlegenheit.— Die neue Notverordnung. — Worte und Taten.— Deutsch=französische„Annäherung“.— Lord Ceeil für Rüstungsgleichheit.—Der Krieg im Osten.— Wenn unsere politische und wirtschaftliche Entwicklung weiter wie bisher ihren Fortgang nimmt, dann werden wir im Winter—10 Mill. Arbeitslose haben. Es würde also unter Berücksichtigung des Familienanhanges fast die Hälfte des deutschen Volkes dem physischen und psychischen Martyrium der Erwerbslosigkeit überantwortet sein. Eine solche Situation macht außergewöhnliche Maßnahmen nicht nur begreiflich, sondern unbedingt erforderlich. Unter dem Druck unserer unhaltbaren und immer deutlicher dem offenen Chaos zutreibenden Verhältnisse ist das„Kabinett der Sanierung“, das sich seit Jahr und Tag vergeblich um eine wirkliche Gesundung des deutschen Staats= und Wirtschaftslebens müht, zurückgetreten. Man hätte nun erwarten können, daß eine Regierung geschaffen würde, die sich mit furchtloser Zielentschlossenheit über alle parlamentarischen Hemmungen und parteipolitischen Fesseln hinweg allein für die Rettung des deutschen Volkes aus höchster Not einsetzt. Aber die„neue“ Reichsregierung entspricht diesen Erwartungen nicht. Rein äußerlich hat sie zwar hier und da ein anderes Gesicht bekommen; aber in ihrer nneren Struktur hat sich nichts geändert. Man hat die„neue“ Reichsregierung bereits mit einem Mann verglichen, „der Selbstmord vorgetäuscht hat, um nach dem Wiedererstehen aus dem Scheintod sein eigener Testamentsvollstrecker zu werden". Wie so manche der letztjährigen Notverordnungen der Ausfluß ratloser Verlegenheit war, so iist auch die erfolgte Umbildung der Reichsregierung nichts anderes als das Zeichen der heillos verworrenen Zeit, in der wir leben. Nichts anderes auch ist die neue Notverordnung. Man vermißt auch hier wieder die konstruktive Idee! Man vermißt auch hier wieder positives Führertum! Gewiß, in der Regierungserklärung zu der neuen Notverordnung steht eine ganz klar herausgestellte gesunde Forderung.: Abdrosselung vermeidbarer Einfuhren durch Maßnahmen des Außenhandels und der Devisenbewirtschaftung! Das sind wirklich positive Worte, von denen aber leider festgestellt werden muß, daß sie ganz unverbindlich in der Regierungserklärung stehen, während sie in der Notverordnung selbst keinerlei verbindlichen Niederschlag gefunden haben. Die neue Notverordnung aber umfaßt nicht weniger als 100 Schreibmaschinenseiten, das sind ungefähr 30 Seiten des Reichsgesetzblattes. Wie leicht wäre es gewesen, mit ein paar kurzen Federstrichen eine rücksichtslose Devisendrosselung für alle„vermeidbaren Einfuhren“ in diese Riesenverordnung einzubauen und damit einer an sich schönen Erklärung unverzüglich die praktische Tat folgen zu lassen! Worte— und mögen sie noch so bezaubernd klingen— sind doch eben nur Worte. Sie sind sinnlos, wenn sie mit der Tat in Widerspruch stehen. Soll uns dieser Widerspruch abermals zum Verhängnis werden?——— Wir fürchten, die Entwicklung wird— auch in außenpolitischer Beziehung— trotz Curtius' Abgang ihren verhängnisvollen Lauf weiter nehmen. Laval wird nach den Vereinigten Staaten fahren, nachdem Morgan in höchsteigener Person in Paris um den Götzen„Goldwährung“ verhandelt hat, während„zufällig“ der englische Außenminister in der französischen Hauptstadt anwesend war. Deutschland wird unter verstärkten Druck genommen und zur unentwegten Beibehaltung der Goldwährung(mag auch das Volk dabei zugrunde gehen!) gezwungen werden, wird als„Dank“ wieder Kredite bekommen— Kredite, die doch letzten Endes nichts anderes als vermehrte Einfuhr bedeuten. Und da diese vermehrte Einfuhr hauptsächlich aus Lebensmitteln und sonstigen Konsumgütern bestehen wird, so bedeutet diese vermehrte Einfuhr nicht mehr und nicht weniger, als daß wir den ausländischen Landwirten und Arbeitern höchst willkommene Verdienstmöglichkeiten verschaffen, während wir unsere eigene Arbeiterschaft auf der Straße verhungern und die Erzeugnisse der deutschen Landwirtschaft verfaulen lassen. Wir kommen eben um ein entschlossenes binnenwirtschaftliches Reformwerk unter jeder nur möglichen Ausschaltung internationaler Verfilzungen nicht herum. England ist uns in dieser Beziehung mit bestem Beispiel vorangegangen. England hat sich durch seine Krise nicht von einer Verlegenheit in die andere hineinmanövrieren lassen, sondern England ist sofort nach Zusammenfassung aller nationalen Kräfte zu einer Abwehrpolitik übergegangen, die es in der Tat verdient, Politik genannt zu werden. Aber in Deutschland ist an die Stelle der Politik das„Lavieren“ getreten. Hoffentlich„laviert“ unser Staatsschiff nicht so lange, bis ihm nicht nur die Triebkraft, sondern auch der Proviant restlos ausgegangen ist. Dies nämlich wäre das Ende! Was übrigens Laval im Zeichen der sogenannten„verstärkten deutsch=französischen Wirtschaftsannäherung“ in Amerika mit uns vor hat, geht drastisch aus einer— bezeichnenderweise über London geleiteten— Meldung hervor, wonach eine weitere Stundung der Tributzahlungen nur in Frage kommt, wenn Deutschland auf den weiteren Ausbau seiner Zwergflotte verzichtet, wenn es die„kriegerischen“ Aufzüge des Stahlhelm und anderer Rechtsverbände verbietet und ein für allemal auf eine Revision des Danziger Korridors verzichtet. Reichskanzler Brüning, der persönlich nach Dr. Curtius' Rücktritt das deutsche Außenministerium übernommen hat, wird wissen, daß dies Forderungen sind, auf die sich keine deutsche Regierung auch nur im entferntesten einlassen kann, ohne sich augenblicklich dem deutschen Volke gegenüber vollständig unmöglich zu machen. Es ist außerordentlich bedeutsam, daß gerade jetzt Lord Robert Cecil in Rom eine Rede gehalten hat, in der er nicht allein zum Ausdruck gebracht hat, daß„der Versailler Vertrag nicht dazu bestimmt sei, auf die Dauer zu bestehen,“ sondern in der er sich im besonderen auch zu dem Gedanken der Rüstungsgleichheit bekannte. Hoffen wir, daß dieser Standpunkt des offiziellen englischen Vertreters in Genf bis zur entscheidenden Abrüstungskonferenz durchhält und durch die Verhandlungen des englischen Außenministers Lord Reading in Paris keine Einschränkung zugunsten der halsstarrigen französischen Einstellung hinsichtlich des Rüstungsproblems erfahren hat. Wie todernst gerade die Rüstungsfrage für das entwaffnete deutsche Volk ist, beweist die steigende Unruhe, die allenthalben in der Welt festzustellen ist. Vor allem denken wir da im Augenblick an den blutigen japanischchinesischen Konflikt, der außerdem die völlige Hilflosigkeit des Genfer Völkerbundes wirklichen Kriegsgefahren gegenüber erneut unter Beweis gestellt hat. Das Kerngebiet der japanisch=chinesischen Kämpfe ist die Südmandschurei und hiermit selbstverständlich auch Schantung. Beide Gebiete gehören zwar China, stellen aber zusammen mit Korea und der Halbinsel Kwantung die wichtigsten Lebensmittel= und Rohstoffbasen des übervölkerten und kohlen= wie eisenerzarmen Japan dar. Der japanische Imperialismus wäre ohne die Korn= und Eisenerzkammern der Südmandschurei und Schantungs lebensunfähig. Und so hat sich Japan hier im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Rechten gesichert, von denen das Recht an der„Südmandschurischen Eisenbahn“ eins der wichtigsten ist. Japan darf das Eisenbahngebiet sogar 15 Kilometer beiderseits der Bahnlinie militärisch besetzt halten. Es liegt im Wesen des Imperialismus, daß er seine Machtsphäre immer weiter auszudehnen und seine Grundlagen immer fester zu verankern bestebt ist. Und so nimmt es nicht wunder, daß Japan nicht nur auf einen großzügigen Ausbau der südmandschurischen Eisenbahn bedacht ist, sondern sich auch mit dem Gedanken trägt, diese so außerordentlich— auch strategisch— wichtige Verkehrsader mit der inneren Mongolei und der koreanischen Küste zu verbinden. Andererseits ist es durchaus verständlich, wenn China sich durch diese Vorgänge in wachsendem Maße beeinträchtigt fühlt und dazu übergeht, trotz der vertraglich gedeckten Einsprüche Japans, die fraglichen Eisenbahnbauten selbst in Angriff zu nehmen, zumal es sich doch schließlich um ein Gebiet handelt, das unter chinesischer Hoheit steht. Hinzu kommt, daß China mit allen Mitteln die chinesische Einwanderung in die Mandschurei begünstigt, und zwar in einem Maße, daß wan von der größten Völkerwanderung spricht, welche die Welt je erlebt hat. Allein in dem einen Jahre 1927 sind—2 Millionen Ehinesen in die Mandschurei eingewandert. Das bevölkerungspolitische Wettrennen zwischen Japan und China um die Mandschurei ist also bereits zugunsten Chinas so gut wie entschieden. Aus all diesen Dingen, die die ostasiatische Machtstellung Japans von vitalster Bedeutung sind, haben sich dann jene Reibereien und Streitigkeiten ergeben, die schließlich zur Ermordung eines japanischen Generalstabsoffiziers an der mandschurisch mongolischen Grenze und darüber hinaus zu den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Japan und China führten, die man in ehrlicheren Zeiten als den gegenwärtigen wohl ohne weiteres als offenen Kriegszustand bezeichnet. hätte. Japan weiß indessen sehr wohl, daß auch noch andere Großmächte— vor allem Rußland und Amerika— an dem mandschurischen Problem sehr lebhaft interessiert sind, und wird sich deshalb hüten, ohne dringenden Grund den Bogen zu überspannen. Andererseits aber kann es 666 S R um seiner machtpolitischen Selbsterhaltung willen auf seine Vorrechte in dem strittigen Gebiet nicht verzichten. Und das ist es eben, was die Lage im fernen Osten so überaus kritisch und gefahrvoll gestaltet. H. Elsassische Tragodie. Von Hans Mensler. Da steht man in Kehl. An der Rheinbrücke, die die Schwelle zwischen Frankreich und Deutschland wurde. Blickt in die tobenden, gischtenden Wasser des Rheins, der auf deutscher Seite Schiffe kaum noch sieht, im„französischen“ Hafen dagegen tagaus, tagein ein ewiges Kommen und Gehen erlebt. Schon auf der Fahrt nach Kehl springt es ins Auge: Hüben die feiertägige Ruhe der Betriebe, drüben rauchende Schlote, Leben, rasselnde Krane. Hie Deutschland! Dort Frankreich! Ueber dem Brückenbogen schwebte einst der deutsche Adler. Heute reckt sich der gallische Hahn an seiner Stelle. Er wittert Deutschland, das drüben auf der anderen Seite mit grüner Gendarmerie und Zollbeamten beginnt. Er fühlt sich als Vertreter der„grande nation“, die auf elsässischem Boden versucht, Freunde für Frankreich zu gewinnen, die aus dem deutschen Elsaß eine französische Provinz machen will. Und dann sitzt man mit Freunden, Verwandten und Bekannten zusammen, mit Autonomisten, führenden Persönlichkeiten, die vor etlichen Jahren von Frankreichs Hermandad in Kolmar in„französische Käfige“, geschickt wurden. Die sich's nicht verdrießen ließen und von ihren Ideen um so mehr durchdrungen wurden, je länger die französischen Schikanen dauerten. Altelsässer waren es, die von 1914 bis 1918 die deutsche Elsaßheimat gegen Frankreich verteidigen halfen, die heute mit der gleichen Ueberzeugung, mit dem gleichen Mut in Straßburgs Stadtparlament, in der Kammer der Deputés kämpfen, sich opfern für eine Sache, die eine deutsche Angelegenheit ist! Man fragt und läßt sich erzählen: Daß es ein Unsinn sei, anzunehmen, Straßburg sei eine französische Stadt, weil sie heute ein französisches Gesicht trage. Die französischen Straßenbezeichnungen hat man den Elsässern aufgedrängt, die französischen Firmenschilder folgten, weil sonst unweigerlich ein„von Staats wegen“ in Szene gesetzter Boykott den Ruin der betreffenden Firmen zur Folge gehabt hätte. Die Herzen aber? Bezeichnend ist, daß die Anhänger der autonomistischen Ideen in Straßburgs Stadtparlament die absolute Mehrheit haben, daß in nächster Zeit die Doppelbeschriftung der Straßenschilder wieder eingeführt wird, daß nicht Französisch— sondern Deutsch die Umgangssprache ist, daß es französische„Truppenteile" im Elsaß gibt, in denen deutsche Kommandos maßgebend sind, daß in den Schulen.... ... doch hier an der Jugend begeht Frankreich ein Verbrechen. Keiner von den vielen 6 Jahre alten ABCSchützen versteht des„Asseyez vous“ des französischen Lehrers; erst eine„Pantomime“ ist notwendig, um den Kleinen begreiflich zu machen, was sie sollen. So geht das Tag um Tag. Die Buben und Mädel, die bisher nur Deutsch und„Ditsch“ gesprochen haben, erhalten Unterricht in französischer Sprache. Es ist selbstverständlich, daß von den Schülern niemand dem Unterricht so recht zu folgen vermag. Im Gegensatz zu Deutschland(wo das Prinzip der guten Durchschnittsbildung herrscht) kommt in Frankreich das Prinzip der Spitzenleistung zur Geltung, Zum 75. Geburtstage von D. Kuhlo. Noch sieht ihn keiner langsam gehen! Am liebsten läuft er heut noch trab; Und bleibt die Straßenbahn auch stehen, Der Schaffner winkt— er winkt ihm ab! Das wäre ein zu langsam Schleichen!! Wo er sich so beeilen muß (Er will noch seinen Zug erreichen), Rennt lieber er den Weg zu Fuß! Was für beneidenswerte Lungen! Noch schlägt sein Herz mit kräftgem Schlag! Er nimmt es auf mit jedem Jungen Und wirkt und schafft den ganzen Tag! Und sind auch grau des Hauptes Haare— Von einer Glatze er nichts weiß Trotz seiner 75 Jahre! Fürwahr, ein jugendlicher Greis! Was ist es, das mit mächtgen Tönen Dort oben auf der Höhe schallt, Wo dunkelgrüne Wipfel krönen Der Buchenstämme grauen Wald? Das sind nicht Geigen und nicht Klam Auch zarte Flöten sind es nicht! Das ist, wie wenn mit wuchtgem Stampfen Der Elefant durchs Dickicht bricht. Und über diesen Tongewittern, Da klingt's, wie wenn die Lerche ruft! Mag drunten auch die Erde zittern, Sie schwingt sich jubelnd in die Luft! Mit hundertfach verstärktem Schalle Mag blasen der Posaunenchor, Doch über die Posaunen alle Steigt Doktor Kuhlos Horn empor! Ja, seinem Horne ward gegeben, (Wie es im Psalm geschrieben steht) Daß es in seinem langen Leben Wie eines Einhorns ward erhöht. Wir aber stehen heut und staunen: Trotz seiner hohen Jahreszahl Bleibt doch ein Meister der Posaunen Bethels Posaunengeneral! und wenn in einer Schulklasse zwei oder drei Schüler das Ziel der Klasse erreichen, so ist der französische Lehrer durchaus zufrieden. Zwei, drei jeder Klasse, das genügt. Die holt man später nach Paris, erzieht sie in französischem Sinne und der Rest—— das ist später der„Mob“ mit dem man sich nicht weiter zu befassen braucht... Das Wesentliche an der Französierung des Elsaß: Man übt(im Gegensatz zu der Taktik in den ehemals besetzten rheinischen Gebieten) keine Gewaltpolitik, man schreitet— noch!!— nicht mit drakonischen Maßnahmen ein, wenn sich irgendwo und irgendwann einmal der Wille des Volkes in autonomistischem Sinne kundtut. Aber Frankreich wird nervös. Ruiniert das Land wirtschaftlich. Will die letzten und allerletzten Fäden, die noch nach Deutschland hinübergehen, durchschneiden, will das Land für Paris interessieren! Und bei diesem Buhlen um die Gunst der Elsässer ist an der Grenze ein bürokratisches Kuriosum entstanden, das zum Lachen reizt. Der Personalausweis— im Gegensatz zum Reisepaß— ist im kleinen Grenzverkehr abgeschafft. Wer dagegen im Besitze einer Fahrkarte nach Paris ist und eine Eintrittskarte für die dortige Kolonialausstellung hat, der wird mit einem Personalausweis durch= und auf Paris losgelassen. An der Kehler Rheinbrücke heißt es dagegen für die Besucher Straßburgs:„Sie müssen einen Reisepaß haben, msieur!“ Maschinengewehre bellen aus dem guten alten deutschen Rheinwald herüber, rufen zum Bewußtsein, daß man schon auf der Reise nach Kehl an Steinhaufen vorbeigefahren ist, die einstmals starke Forts der deutschen Festung Straßburg waren. Die Frage nach der Abrüstung wird von den elsässischen Freunden mit einem Lächeln quittiert:„Die ganze Ostgrenze Frankreichs ist eine Festung. In und um Straßburg hat man Betonstollen gebaut von 90 Metern Tiefe. Das weiß jedes Kind in Straßburg und ist durchaus kein Geheimnis. Und das schönste: Man hat die Befestigungsanlagen(auf Reparationskonto) von deutschen Arbeitern bauen lassen!“ Dann kommen Klagen, berechtigte Klagen, daß Deutschland den Verlust der Reichslande anscheinend schon verschmerzt habe. Daß in Deutschland die Meinung vorherrsche, das Elsaß sei französisch, mit dem Herzen welsch. Gewiß, es gibt Französlinge, wie es in der Tschechei, in Südtirol, in Nordschleswig, in Oberschlesien und in der Ostmark Abtrünnige gibt. Aber die Mehrheit der rund zwei Millionen Elsässer und Lothringer will nichts wissen von Frankreich. Zu gern läßt man sich verleiten, von dem französischen Gepräge der„wunderschönen Stadt“ auf die Herzen ihrer Bewohner zu schließen und begreift doch nicht, daß die Straßburger nicht können, wie sie wollen.... Amerikanischer Angriff auf das Gold? Hoovers Ankurbelungsversuche. Eine Berliner Tageszeitung überschrieb die Projekte, mit denen sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gegenwärtig befaßt, um die Wirtschaft in USA anzukurbeln, mit den Worten:„Amerika schafft neues, Geld". Kaum hatte man von den Plänen im Weißen Hause erfahren, als schon in aller Welt das Gerücht auftauchte, es drohe eine amerikanische Inflation, eine Entwertung des Dollars, ein völliges Durcheinander in sämtlichen Verträgen und Abmachungen, die auf Dollars lauteten. Wir grüßen heut den lieben Alten Und seines Hornes hellen Klang! Mög' Gottes Gnade ihn erhalten In Jugendkraft noch jahrelang! Und wird er ihn einst zu sich rufen Und stellen in der Engel Reihn, So wird er vor des Thrones Stufen Gewiß Posaunenengel sein! Auf den Ton dieses von Missionsinspektor W. Trittelvitz verfaßten Gedichtes waren die Festfeiern gestimmt, die zu Ehren Pastor D. Kuhlos in Bethel veranstaltet wurden. Wie konnte es auch anders sein bei dem Manne, dem ein so natürlich froher Sinn geschenkt war, dessen ganzes Leben unter der Psalmlosung stand:„Lobet den Herrn.“ Pastor v. Bodelschwingh nannte ihn in seiner Ansprache den größten Freudenmeister von Bethel und es kam auch sonst immer wieder um Ausdruck, welchen Einfluß die gesunde Fröhlichkeit Pastor Kuhlos besonders auch auf die Gemeinde der Leidenden in Bethel hat. Zweimal war der große Saal des Assapheums überfüllt von Menschen, die das Bedürfnis hatten, dem 75=jährigen Posaunenmeister ihre Liebe und Dankbarkeit zu bekunden. Pastor Wolf, Pastor v. Bodelschwingh und Pastor Wilm sprachen am Nachmittag. Am Abend Pastor Tegtmeier und Pastor Göbel, der 38 Jahre lang mit Pastor Kuhlo am Brüderhaus Nazareth gestanden hat. Außerdem grüßten noch Vertreter der Posaunenchöre, der Jungmännervereine und anderer Verbindungen, denen Pastor Kuhlo mit seinen Gaben und mit seiner Kunst gedient hat. Daß sich von des Tages Frühe an ein Verein nach dem andern einstellte, um Pastor Kuhlo noch einen besonderen Gruß zu bringen, war in Bethel nicht anders denkbar. Einer seiner kranken Freunde begenete uns um ½7 Uhr früh und erzählte mit großer Freude, er habe Pastor Kuhlo schon gratuliert. So ist es dann den ganzen Tag gegangen. Und doch konnte der 75=Jährige um 10 Uhr abends noch seine wie immer originelle Ansprache schließen mit einem seiner Lieblingslieder:„Ich will dich lieben meine Stärke“ künstlerisch so vollendet und ergreifend vorgetragen, daß man wohl die Hoffnung haben kann, dem Man kann diese Gerüchte mit den böswistigen Entstellungen vergleichen, die ein gewisser Teil der deutschen Oeffentlichkeit mit dem Plan der Schaffung einer Vinnenwährung trieb. Und bei Amerika vergaß man, als das Geschrei von einer Dollarinflation begann, daß die Dollarnoten„nur“ mit 150 Prozent gedeckt sind. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sich angesichts des englischen Schrittes, namentlich jedoch angesichts der eingefrorenen Kredite Amerinas überlegt, ob eine kleine Entwertung des Dollars, eine Abkehr von der fürchterlichen Deflation, die selbst die amerikanische Wirtschaft in schwerste Bedrängnis brachte, nicht nützlich wäre, um frisches Blut in die Wirtschaft hineinzupumpen, so geschähe so ein Schritt völlig freiwillig, ohne den allergeringsten Zwang— währungspolitisch betrachtet ohne Zwang. Lord Reading hat in Paris offenbar vergeblich versucht, Frankreich aus der Goldfront herauszuziehen. MacDonald hat offenbar vergeblich erklärt, daß nur eine Streichung der Kriegsschulden und der Tribute der Welt helfen könne. Und Amerika muß zusehen, wie das isolierte Frankreich darauf spekuliert, die Vereinigten Staaten als Notnagel zu benutzen, als rettender Anker, wenn man will, für das stark im Sturm schwankende Schiff der Goldpolitik der Friedensdiktate. Nach hier vorliegenden Meldungen aus London scheint man dort gute Gründe dafür zu haben, mit einem abermaligen angelsächsischen Zusammenarbeiten rechnen zu können. Die Pläne Hoovers, die keine Inflation, wohl aber eine Befreiung von den Ketten der Deflation bezwecken, dienen, obwohl sie mit den europäischen Vorgängen naturnotwendig aufs innigste verknüpft sind, doch in erster Linie Amerika selbst. Und da es ganz offensichtlich ist, daß bei den andauernden Goldabzügen bei den Federal=Reservebanken, die lediglich auf französische Regie zurückzuführen sind, gleichgültig, ob sie über die Schweiz oder über Holland gehen, ein stures Festhalten am Goldprinzip lediglich Amerika schaden und Frankreich nützen könnte, so ist es nur allzu verständlich, daß man in Amerika vorerst den Versuch unternimmt, mit der Gründung einer Akzeptbank zur Diskontierung eingefrorener Wechsel den Beginn eines Angriffs auf das Gold in die Wege zu leiten. Diese Akzeptbank mit ihren 500 Millionen Dollars ist natürlich lediglich ein Anfang. S. Der Bergbau in der Krise. Schrumpfung um ein Drittel.— Belegschaft auf 97 090 Köpfe vermindert. Not der deutschen Wirtschaft findet einen deutlichen Ausdruck auch in den soeben bekanntgewordenen Abschlußziffern der Vereinigten Stahlwerke, des größten deutschen Montanunternehmens für 1930=31. Das Geschäftsjahr, das mit September endete, weist danach einen Rückgang des Umsatzes von 1,26 Milliarden auf 824 Millionen Mark auf. Der Rückgang beträgt also ziemlich genau ein Drittel, nachdem die Umsatze im vorigen Geschäftsjahr um rund 13.8 Prozent zurückgegangen waren. Mengenmäßig dürfte der Rückgang nicht ganz so stark sein wie wertmäßig. Die Kohlenförderung ist von 25,72 auf 18,36 Millionen Tonnen, die Kokserzeugung von 9,34 auf 5,67 Millionen Tonnen, die Roheisenerzeugung von 5,29 auf 3,28 Millionen Tonnen und die Rohstahlerzeugung von 5,54 auf 3,69 Millionen Tonnen zurückgegangen. Die Zahl der Arbeiter hat sich gegenüber dem Abschluß des letzten Geschäftsjahres 134 708 und im letzten Quartal von 102 924 auf 97090 vermindert. Silbergreis wird auch noch weiterhin die Kraft und fröhliche Frische geschenkt, die ihn vielen Menschen zum Segen und zur Freude werden läßt. Ein literarisch=kulturelles Hilfswerk. Schund und Schmutz finden trotz des gesetzlichen Verbotes in unheilvoller Weise Verbreitung. Billige Leihbibliotheken erstehen in großer Zahl. Die Auswahl ihrer Buchbestände und Auslagen lassen wenig von einer sittlichen Verantwortung spüren. Auch in zahlreichen öffentlichen Volksbibliotheken wird eine wahllose Literatur angeboten. Wir leben in den Tagen einer kulturellen Schicksalswende. Weitgehendste Verbreitung gediegener und fesselnder Buchliteratur deutsch=vaterländischer und evangelischer Wesensart ist von größter kultureller Wichtigkeit geworden. In dieser Erkenntnis und aus dieser Verpflichtung heraus hat sich ein Ausschuß zur Förderung einer Deutschen Evangelischen Heimbücherei(...=.) gebildet(Anschrift: Berlin W 15, Joachimsthalerstr. 10), dem auch namhafte Persönlichkeiten des deutschen evangelischen Kirchenlebens als Mitglieder angehören. Das gemeinnützige Hilfswerk der...=B. kauft von gediegenen Verlagen umfangreiche Bestände guter Literatur der bezeichneten Art bei günstigen Gelegenheiten auf. Diese Bestände werden sorgfältig geprüft und zu weltanschaulich geschlossenen Gruppen zusammengestellt; sie dienen ebenso der Bildung wie der Unterhaltung und werden möglichst auf dem Wege der persönlichen Werbung denkbar billig und in Massen verbreitet. An der Werbung beteiligen sich vaterländische und kirchliche Verbände, Frauenvereine und Jugendorganisationen. Soweit letztere bei der Werbung mitwirken, werden ihnen von der Zentrale der Heimbücherei Prämien ausgesetzt und Stiftungen vermittelt; hierdurch werden die Vorstände dieser Jugendverbände in die Lage versetzt, neue Stellen für Bücheraustausch zu errichten, in denen Schundliteratur aller Art gegen gute Jugendliteratur unentgeltlich eingetauscht wird. Der Bewegung haben sich bereits 40 Verbände angeschlossen. Etwa 250 Vertriebsstellen sind bisher errichtet. Die zrat Aiegiltung grentri. Scholz hat abgesagt. — Berlin, 10. Oktober. Reichskanzler Dr. Brüning eröffnete den dritten Tag seiner Bemühungen um die Bildung seines zweiten Kabinetts mit einer Aussprache mit führenden Männern des deutschen Wirtschaftslebens. To hatte der Kanzler Besprechungen mit Dr. Schmitz von den 36. Farben, den rheinischen Großindustriellen Dr. Silverberg und Dr. Vögler, den Vorsitzenden des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats. Die Gewinnung des früheren Reichswehrministers Dr. Geßler für das Ministerium des Innern und des früheren Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, für das Reichsjustizministerium galten zu dieser Stunde bereits als gescheitert. Dr. Scholz hatte dem Reichskanzler die Ablehnung des ihm angebotenen Ministeriums mit einem Brief mitgeteilt, dessen wesentlichster Teil lautet: „Nach reiflicher Ueberlegung Ihres für mich so ehrenvollen Antrages, als Reichsjustizminister in die Reichsregierung einzutreten, muß ich Sie bitten, von der Weiterverfolgung dieses Gedankens abzusehen. Ich beione dabei ausnücklich, daß ich persönlich besonders gern unter Ihrer Führung an den schweren Aufgaben der Gegenwart mitzearbeitet hätte. Meine sachliche, seit meinem Eintrikt in die Politik ohne Schwanken festgehaltene Auffassung verlangt jedoch in diesem Augenblick mehr als je die Heranziehung der in den Rechtsparteien vertretenen starken Kräfte des deutschen Volkes zur verantwortlichen Mitarbeit. Ist diese Mitarbeit, die nach meiner ehrlichen Ueberzeugung im Interesse des Vaterlandes notwendig ist, nicht gewährleistet, so bedauere ich, auch meine Mitwirkung an der Regierung nicht in Aussicht stellen zu können.“ Im weiteren Verlaufe des Tages bemühte sich Dr. Brüning alsdann noch um die Klärung der Vollmachten, mit denen der Reichspräsident die neue Regierung in die Parlamentstagung auszustatten beabsichtigte. In parlamentarischen Kreisen verlautet dabei, Reichspräsident von Hindenburg sei im gegenwärtigen Augenblick Neuwahlen abgeneigt. Der in Berlin weilende deutsche Botschafter in London, Freiherr von Neurath, hatte, abgesehen von seinen Besprechungen mit dem Kanzler, auch eine Unterredung mit dem Reichspräsidenten. * — Berlin, 10. Oktober. Reichskanzler Dr. Brüning hat nunmehr seine Bemühungen um die Bildung einer neuen Regierung beendet und folgende Kabinettsliste vorgelegt: Kanzler und Außenministerium: Dr. Brüning. stellvertretender Kanzler und Reichsfinanzminister: Dr. Dietrich. Wirtschaft: Pros. Dr. Warmbold, Arbeit: Dr. Stegerwald, Reichswehrminister und Innenminister: Groener, Justizminister: Joel, Ernährungsminister: Schiele, Reichsverkehrsminister: Treviranus. Reichspostminister: Dr. Schätzel. Nach Abschluß seiner Bemühungen begab sich Reichskanzler Dr. Brüning zum Reichsprasidenten, um ihm die neue Ministerliste zu unterbreiten, Hitler bei Hindenburg. Der Empfang des nationalsozialistischen Führers bestätigk. — Berlin, 10. Oktober. Die Meldungen über den bevorstehenden Empfang Hitlers durch den Reichspräsidenten von Hindenburg wurden jetzt von zuständiger Stelle bestätigt. Der Empfang stehe aber, so wird dabei betont, in keinem Zusammenhang mit der Regierungsbildung. Es dürfe daran erinnert werden, daß schon vor etwa drei Wochen Gerüchte über einen solchen Empfang umgingen. Man könne wohl annehmen, daß die Besprechung sich in erster Linie um die am Sonntag stattfindende Harzburger Tagung drehen werde. Der Reichspräsident werde Adolf Hitler besonders auf den ganzen Ernst der Situation hinweisen, in der Deutschland sich augenblicklich befindet. 80 Millionen Goldverluste. Anbahnung eines Umschwungs?— Notendeckung 30,1 Prozent. Der soeben veröffentlichte Ausweis der Reichsbank über die erste Oktoberwoche steht noch sehr stark unter dem Zeichen des angespannten Ultimo. Dies gilt besonders für die Inlandskonten. In der Devisenbewegung ist der Rückgang an Gold und Silber um 78,7 Millionen Mark schon ein Fortschritt gegenüber der Ultimowoche, die einen Abgang von fast einer Viertelmilliarde gebracht hatte. Die Fortsetzung der Devisenabflüsse, wenn auch in stark verringertem Umfang, beruht immer noch auf der Abwicklung der Devisen=Termingeschäfte und der Freigabe der Markguthaben. Die verschärfte Devisenordnung konnte sich hier noch nicht voll auswirken. Inzwischen sind aber die Devisenabflüsse ganz minimal geworden. Es könnte also sein, daß sich auf der Devisenseite eine Wendung zum Besseren vorbereitet, die durch die von den Banken beschlossene Verhinderung des Verkaufs deutscher Effekten aus ausländischem Besitz unterstützt werden mußte. Den Hauptteil der Abgänge haben in den letzten acht Tagen die Goldabgaben ausgemacht. Und zwar hat die Reichsbank bisher Teile ihrer ausländischen Golddepots abgestoßen. Jusgesamt betragen jetzt die Goldbestände der Reichsbank 1219,3 und die Devisenvorräte 141.5 Millionen Mark. Die Deckung der Noten durch Gold und Devisen hat sich gegenüber einem Satz von 31,2 Prozent in der Vorwoche auf 30,1 Prozent gesenkt. Die Tagung der Rechtsopposition Englische, französische und holländische Zeitungen entsenden Berichterstatter. — Bad Harzburg, 10. Oktober. Zu der Tagung der Rechtsopposition sind jetzt auch Anmeldungen von englischen, französischen und holländischen Zeitungsvertretern eingelaufen. Die Tagung beginnt Sonntag vormittag mit Fraktionssitzungen. Mittags ist Feldgottesdienst. Etwa um.30 Uhr nachmittags findet eine große Kundgebung im Kurhaus statt, bei der Dr. Hugenberg. Hitler, Seldte, Graf Kalckreuth und Dr. Schacht sprechen sollen. Von den Deutschnationalen werden führende Persönlichkeiten besonders zahlreich erwartet, u. a. Graf von der Goltz, Justizrat Claß und Freiherr von FreytaghLoringhoven. Auf dem Bahnhofsvorplatz werden nationalsozialistische Standarten aus Braunschweig und Goslar in Stärke von 2000 Mann und Marschabteilungen des Stahlhelm aus Braunschweig, Hannover, Magdeburg und dem Harzgau Aufstellung nehmen. Ueber die Politik der Rechtsopposition und die Tagung in Harzburg äußerte sich in Dessau der frühere nationalsozialistische Reichstagsvizepräsident Stöhr. Redner erklärte, die Nationalsozialisten würden ein zweites Kabinett Brüning, gleichgültig, wie es zusammengesetzt sei, aufs schärfste bekämpfen. Aehnlich äußerte sich der„Völkische Beobachter“, der in einem„Entscheidungsvolle Tage" überschriebenen Artikel ausführt,„die RSDAP. als der weitaus starrste und entscheidende Machtfaktor im Ringen um ein neues Deutschland gehe nach Harzburg, um ihrem nationalsozialistischen Willen im Rahmen der dort vereinigten Opposition gegen das System Brüning zielweisenden Ausdruck zu geben und ihn zur stärksten politischen Auswirkung zu bringen.“ Der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Goebbeis, der in Magdeburg sprach, wandte sich in seiner Rede insbesondere scharf gegen die Sozialdemokratie und führte dabei aus, solange die Sozialdemokratie noch Machtpositionen innehalte, gebe es für die Nationalsozialisten keinen Burgfrieden. Protest der Beamtenschaft. Gegen Gehaltssenkung und Kürzung der Pensionen. — Berlin, 9. Oktober. In einer in Berlin abgehaltenen Vorstandssitzung des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die gegen die letzte Notverordnung Stellung nimmt. Die neuen Maßnahmen zur Senkung von Beamtenbezügen seien völlig unsozial, da sie in erster Linie die am schlechtesten gestellten Beamten träfen. Die Kürzung der Diätarbezüge bedeute im Zusammenhang mit der Verlängerung der Diätardienstzeit auf zehn Jahre eine Zurücksetzung und Sonderbehandlung dieser Beamten, gegen die schärfstens protestiert werden müsse. Ebenso unsozial seien die Vorschriften über Kürzung der Pensionen. — Der neu in Dienst gestellte Kreuzer„Leipzig“ wird in etwa drei Wochen seine Probefahrten beginnen. Ratseinberufung erfolgt. Auf Ankrag Chinas.— Japanischer Schritt in Nanking. — Genf, 10. Oktober. Der geschäftsführende Präsident des Völkerbundsrates, Spaniens Außenminister Lerroux, ließ den Mächten folgende Mitteilung zugehen: „Der Vertreter Chinas hat in einer Note, die sämtlichen Ratsmitgliedern zugestellt worden ist, auf Grund ernster Nachrichten die sofortige Einberufung des Rates verlangt. Angesichts dieses Antrages habe ich beschlossen, daß die für Mittwoch vorgesehene Sitzung des Rates am Dienstag, den 13. Oktober, 12 Uhr mittags, stattfindet. Ich beehre mich, vorzuschlagen, daß die Ratsmitglieder sämtliche Mitteilungen, die ihnen über die Entwicklung der Lage zugegangen sind, so schnell wie möglich dem Generalsekretär zur Weiterleitung an den Völkerbundsrat zugehen lassen.“ Gleichzeitig hat der Ratspräsident an die chinesische und sapanische Regierung ein Telegramm gerichtet, worin er seinen früheren Appell an die beiden Parteien erneuert, sich jeder Handlung zu enthalten, die die Lage in der Mandschurei erschweren könne. In dem Telegramm wird darauf hingewiesen, daß nach den dem Ratspräsidenten zugegangenen Informationen die Lage sich weiter verschärft hai und Ereignisse vorgekommen seien, die eine friedliche Regelung zu erschweren drohen. Eine neue Verschärfung der Lage hat sich nun doch dadurch ergeben, daß Japan in Nanking eine Note überreicht und darin China für alle Folgen der Boykottbewegung verantwortlich gemacht hat. Man erblickt darin einen Beweis dafür, daß die japanischen Militärs es zum Bruch treiben und China eine Kriegserklärung aufzwingen wollen. Kein Schritt Amerikas gegen Japan Washingion, 10. Oktober. Im Weißen Hause ist gestern die Mandschureifrage eröriert worden. Die Regierung will versuchen, die Weltmeinung gegen die neuen kriegerischen Handlungen in Ostasien aufzubringen. Nach der Kabinektssitzung, über die keine Mitteilung veröffentlicht wurde, erklärte Stimson, daß die Regierung gegen Japan keine Schritte zu unternehmen gedenkt. Keine Ausdehnung des Hoover=Moratoriums? Washingion, 10. Oktober. Im Weißen Hause wurde gestern davon gesprochen, daß eine Ausdehnung des Hoovermoratori. umsnicht ins Auge gefaßt, daß aber die Zahlungsfähigkeit des Schuldners mit Laval eröriert werden sollte, weil in den internationalen Schuldenabkommen die Zahlungsfähigkeit unter normalen Bedingungen zur Grundlage für die Bestimmung der Höhe des Darlehens gemacht wurde. MacDonald, der Staatsmann. Zu seinem 65. Geburtstag. Bei oberflächlicher Betrachtung wird man aus der Persönlichkeit des englischen Premiers nicht klug. Er soll Sozialist sein, er ist bis vor kurzem der Führer der Sozialisten gewesen und wird es einst wieder sein, und dabei ist er der Erste des nationalen Konzentrationskabinetts, das zum erstenmal in Englands Geschichte möglich wurde. Er hat in der denkwürdigen Sitzung des englischen Parlaments vom 3. August 1914 erklärt, daß England dem Krieg fernbleiben solle. Und doch hat er im Brennpunkt der Londoner Konferenz gestanden und dort mit deutschem Geld gezahlt, hat die ominöse Militärkontrollkommission zur„Abrüstung Potsdams“ unterstützt. MacDonald macht eben alles immer anders als die anderen. So gehört zu jedem Sozialismus, wie er heute gang und gäbe ist, der Klassenkampf. MacDonald aber ist ein erklärter Feind des Klassenkampfes; er möchte den Begriff„Sozialismus“ gern auf seinen ursprünglichen Sinn zurückgeführt wissen und alle Klassen, alle Schichten zu einer höheren Einheit führen. Und so versteht man, wenn er von sich sagte:„Ich habe nichts dagegen, wenn meine Regierung und meine Partei sozialistisch genannt werden. Aber gefühlsmäßig liebe ich den Namen nicht, und will auch sagen, warum. Es gibt eine Art sozialistischer Bücherweisheit, eine Art grauer Theorie, einen kalten Mechanismus. Das genügt mir nicht. Nennt unsere Partei die der Arbeit... Den Augenblick, wo unser Sozialismus so eng wird, daß er nur bestimmte Klassen der Menschheit umfaßt, verliert er seinen Reiz für mich.“ Das ist es, was den Mann, der aus den kleinsten Verhältnissen kam, für die Stellung reif machte, die er heute im Inselreich einnimmt. Das ist es aber auch, woraus unsere deutschen Sozialisten so ungeheuer viel lernen können. Hier wird die graue Theorie, der Klassenhaß konserviert, dort springt der lebendige Mensch leichtfüßig über die Schranken, die die Theorie von der Praxis trennt und läßt es ruhig geschehen, daß ihm zum zweitenmal in seiner Laufbahn die Zügel der Partei entfallen, daß der den deutschen Sozialisten verwandte Henderson zum zweiten Male an seine Stelle tritt; was kümmerts ihn? Für ihn ist nur wichtig, daß er seinen Willen, seine Linie verfolgt, die beileibe nicht immer eine Gerade sein muß. Er weiß, daß er, wie 1922 zum erstenmal, auch ein zweites Mal die Partei in die Hand bekommen wird, wenn er seine Aufgabe ohne die Gewerkschaften, ja, gegen sie, erfüllt haben wird. Sein Aufstieg ist eigenartig. Am 11. Oktober 1866 in Lossiemouth, einem kleinen Fischer= und Bauerndorf im schottischen Hochland geboren, wird er Pflüger. Dann will er höher hinaus und Lehrer werden. Schon kurze Zeit nach diesem Jugendirrtum kommt er, ohne einen roten Heller, nach London, wo er sich in die Politik und in die Journalistik verliebt und 1900 Sekretär der ganz undedeutenden Labour Party wird, deren Führung er 1906 in die Hand nimmt. Ihr Weg in diesen 25 Jahren war von MacDonald vorgezeichnet. Während des Krieges legt er die Parteiführung nieder, um sie sich 1922 wieder zu erringen. Im Januar 1924 wird er Premier und Außenminister der ersten Labour=Regierung, die im November des gleichen Jahres abtritt. Im Januar 1929 wieder Premierminister, verläßt ihn 1981 sein Glücksstern, und er kommt die Krallen Mariannes zu spüren. Zum drittenmal bildet er eine Regierung, aber ohne den Großteil seiner Partei. Ohne Träne läßt er sie fahren und erweist sich als der Staatsmann, der den Gedanken der nationalen Konzentration verwirklicht. Es hilft alles nichts: MacDonald ist eine Persönlichkeit und schon deshalb kein „richtiger“ Sozialist. F. L. Präsident Miklas wiedergewählt Mit 109 von 203 Stimmen.— Für die Dauer von vier Jahren. — Wien, 10. Oktober. Unter Vorsitz des Bundesrates Salzmann-Oberösterreich wählte die österreichische Bundesversammlung in feierlicher Sitzung im ersten Wahlgang den bisherigen Bundespräsidenten Dr. Miklas mit 109 Stimmen der Christlichsozialen, Großdeutschen und des Landbundes zum Bundespräsidenten. Für Dr. Renner hatten 93 Sozialdemokraten gestimmt. Es wurden 203 Stimmzettel abgegeben, von denen einer leer war. Dr. Miklas ist somit für die Dauer von vier Jahren wiedergewählt. Die Mitglieder des Heimatblocks waren der Sitzung ferngeblieben. Nach dei Abstimmung wurde Bundespräsident Miklas durch die Vorstände der Kanzleien des Nationalrats und des Bundesrats feierlich eingeholt. Er erklärte auf die Frage des Vorsitzenden, die Wahl anzunehmen, und leistete darauf den Verfassungseid. Der Vorsitzende beglückwünschte den Bundespräsidenten in einer längeren Ansprache, in der er seine bisherige Amtstätigkeit würdigte und der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß es während seiner neuen Amtsperiode gelingen möge, dem Volk jenes Maß von innerer Ordnung und Befriedung zu erhalten, das die Voraussetzung der politischen Selbständigkeit und damit der Selbstbestimz mung überhaupt ist. Er schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Bundespräsidenten und die österreichische Republik. in das die Bundesversammlung einmütig einstimmte Mit zahlreichen Mitgliedern des Diplomatischen Korpt wohnte auch der deutsche Geschäftsträger Dr. Clodius dem feierlichen Akt bei. Der zur Großdeutschen Partei gehörende Präsident des Nationalrats, Straffner, legte sein Amt auf Grund einer im Nationalen Wirtschaftsblock getroffenen Vereinbarung nieder, der zufolge die Großdeutschen alljährlich mit dem Landbund im Präsidium abwechseln sollen. Voraussichtlich wird der Landbundabgeordnete Tauschitz Präsident werden. Diskonkerhöhung in Frankreich. — Paris, 10. Oktober. Die Bank von Frankreich hat ihren Diskontsatz von 2 Prozent auf 2½ Prozent erhöht. Der Satz von 2 Prozent war seit dem 2. Januar 1931 in Geltung. EA Für alle uns erwiesene Aufmerksamkeit zu unserer Silber-Hochzeit sagen wir auf diesem Wege unsern herzlichen Oank. Hugo Huning und Frau Moderne Augenoptik H. 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Die erst vor kurzem eingerichtete Gasanlage wurde daraufhin zwar einer Nachprüfung unterzogen, die jedoch nicht sehr gründlich gewesen zu sein scheint. Die Katastrophe erfolgte dann Donnerstag abend, als eine Hausangestellte einen Kellerraum mit einem offenen Licht betrat. Augenzeugen berichten, daß ein Teil des Wohnblocks sich im Moment der Explosion förmlich in die Luft hob und dann donnernd in sich zusammenstürzte. Eine furchtbare Panik brach unmittelbar danach in den umliegenden Vierteln aus. Feuerwehr und Polizei und polnische Marinesoldaten ei herbei und nahmen die Feuerwehr und Polizei und polnische Marinesoldaten eilten herbei und nahmen die Löschung des Feuers und die Bergungsarbeiten in Angriff. Bis 11 Uhr abends waren zehn Tote aus den Trümmern geborgen. Man nimmt an, daß sich fast ebensoviel noch unter dem Schutt befinden. Die geborgenen Toten sind zum Teil so zugerichtet, daß ihre eigenen Angehörigen sie nicht idenkifizieren können. Sechs Schwerverletzte liegen im Krankenhaus. Die Explosionsstätte bietet einen erschütternden Anblick. Außer 14 vollständig zerstörten Wohnungen des Häuserblocks sind 20 weitere so stark beschädigt, daß sie wegen Einsturzgefahr geräumt werden mußten. Lokal= und Provinzialnachrichten. — Bielefeld. Lichtbildervortrag über das Deutsche Museum in München. Morgen, am Sonntag, den 11. Oktober, hält Museumsdirektor Dr. Schoneweg im Vortragssaal des Städt. Museums an der Wertherstraße 3 um 11,30 Uhr(einhalb zwölf pünktlich) einen Lichtbildervortrag über„Das deutsche Museum in München, ein Denkmal lebendigen Aufbauwillens in ernster Zeit“. In Form einer Wanderung durch das größte und bedeutendste Museum der Erde bekommt der Hörer einen Eindruck von dieser gewaltigen Schöpfung Oskar von Millers. Jeder= mann ist willkommen. Neue„Glückstüten“ für groß und klein. Schon einmal hat „das Glück auf der Tüte" viele Tausende Erwachsene und Kinder in Atem gehalten. Jetzt erneuert sich diese Glückschance: Neue Sanella=Glückstüten sind in jedem Lebensmittelgeschäft eingetroffen. Sie enthalten ein zweites Sanella=MargarinePreisausschreiben für groß und klein. Insgesamt 50000 Mark in bar und 40000 Sachpreise werden ausgesetzt— Gewinnchancen, die sich wohl niemand entgehen läßt. — Christlicher Verein junger Männer. Sonntag abend 8 Uhr Jungmännerkreis in„Ephrata“. Frageabend. Montag abend Teilnahme an dem Weltanschauungsvortrag von Prof. Veidt über„Volksnot und Erlösungsglaube“; in der Ausstellungshalle. Beginn 8,15 Uhr. Karten zu 20 Pfennig bei Br. Sprinz in„Ephrata“. Wir machen die Oeffentlichkeit in Bethel aufmerksam auf diesen Vortrag. Anzeigen aus Bethel. — die echcieht enseien uid urichihe Aicher. Scheren, sowie sämtliche Schneidwerkzeuge. Gleichzeitig bringen wir unsere Schuhmacherei in empfehlende Erinnerung. Die Preise für Schuhreparaturen sind bedeutend herabgesetzt. Heilstatt, Orthopädische Werkstätten. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel. Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannoter 67377,„Aufwärts“, Christliches Tageblatt. Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3919, Amt Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel.